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FOR THE PEOPLE
FOR EDVCATION
FOR SCIENCE
LIBRARY
OF
THE AMERICAN MUSEUM
OF
NATURAL HISTORY
DK ein
Sahbrgang 1847.
Heft I—MI.
(Mit 2 Tafeln)
Seipzig,
Bey Bro Er
1847.
5 #
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ä Hohl Encyclopädifce Beitfchrift,
| vorzüglich
für Naturgefchichte, vergleichende Anatomie und Phyſiologie,
von
1847.
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3
Der Preis von 12 Heften iſt 8 Thlr. ſaͤchſ. oder 14 fl. 24 &r. rheiniſch, und die Zahlung iſt ungetheilt zur Leipziger
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Leipzig, bey Brodhbaus,
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Durch alle Buchhandlungen iſt zu beziehen: N D er B aadrome t et
Die in medieinifcher Hinficht,
eform der Maturwillenfdhaften. *
n N ſch J. F. Noloff.
Preis broch. 74 Nor.
J. F. Roloff. Hamburg. Verlags⸗ Comptoir.
I. Heft: Beſondere Critik der Mechanik. Soeben ift vollſtaͤndig erſchienen und duch alle Buchhand⸗
a) Theoretiſcher Theil. | lungen zu. beziehen:
IM. Heft: Befondere Critik der Mechanik. Mantell, Dr. G. A., Denkmünzen der Schöpfung
n) Bractifcher Theil. oder erſter Unterricht in der Geologie und in dem
Enthält: Die Entfheidung des Punctes über den — Dee) bearbeitet
Suft- und Wafferdruf. von Dr. 8. F.4. Hartmann. 2% Bände mit 78
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(Das früher erfehienene erfte Heft der „Reform“ enthält: Allge⸗ Freyburg, den 26. November 1846.
meine Critik der Naturlehre.) J. ©. Engelbardtfhe Verlagshandlung.
Urgegenfap.
Es bildet fih an jeglichem, meinem felbftbewußten Sch, Vor:
ſchwebend, folglich überall — ein Urgegenſatz, der allen,
bier fogleich angeführt werden follenden, Gegenfäßen — zum
Grunde liegt, nehmlich folgenden Gegenfägen: Empirifch
metaempirifch, zoofinnlih anthropofinnlich (unge
rechtfertigt — benannt: finnlid überfinnlih), apofte=
rioriſch apriorifch, objectiv fubjectiv, real ideal,
wirklich fictiv, als fpeciell gültig nur — als all—
gemein gültig — erfcheinend, als fragmentarifch
nur — als fpftematifh — erfheinend, als formal
zufällig — als formal nothbwendig — erfheinend
(in beiden Fällen — fatumsnothwendig*), ufw.
Metaempirifches nur — entfpricht uns, aber
; nicht — Metaphyſiſches.
Ich, als ein durch und durch Bedingtes — Beſchraͤnktes —
Endliches — als Naturhaftes — als Yvoıs- haftes — ſelbſt,
ich — bin unfaͤhig, das Unbedingte — Unbeſchraͤnkte — Un—
endliche — das nicht mehr Naturhafte — das nicht mehr pv-
0u6- hafte oder das Metaphyfifhe** — felbfiproductiv
aus mir heraus — zu conftruirenz i ch vermag vom Me:
taphyſiſchen -hbödhfteng nur den Einfall
zu haben, und zwar vermag ich auf diefen Einfall zu gelanz
gen — durch beftändig fortgefeßtes Hinwegdenken — aller
Kriterien der Endlihfeit; ein Weiteres — über jenen
aus mir heraus erfünftelten Einfall hinaus — vermay ich,
in Bezug auf fernere Entwidlumg des mir: eingefallenen
Metaphyſiſchen, nicht felbftproductiv zu vollziehen, fon:
dernvnermöhteih vielleiht hoͤchſtens nur — paf:
fiv zu vernehmen, und zwar — durch blos gläu=
biges Erhorchen — des mir vom Abfolutum felbft
— her, vom Metaphyſiſchen ſelbſt — her, vom
unendlichen Univerfum ſelbſt — her, geoffenbar—
*Es erfolgt Alles in der Natur, daher auch an meinem Sch,
fo, wie das Fatum — die Weltlaufsmacht — unerbittlid; —
es bejtimmt, als nothwendig fo und nit anders — noth—
wendig (nicht an fih, fondern) in dem Abfolutum. Wenn ich
unterhalb eines Dadjes gehe und ein Ziegel mir auf den Kopf fällt,
fo ift dis’ — fatumönothwendig und formalzufällig;
wenn fi mie aber die Frage aufdringt: Zweimal zei? und hierauf
die Antwort : Vier, fo ift dies — fatumsnothwendig und for—
malnothmwenbig.
*Dies [eßtere nicht zu werwechfeln mit — Metaempirifchem,
das Höchft abftract feyn kann. ’
Iſis 1847, Heft 1.
F | 1847.
3 Heft!
Philoſophie.
Vom Grafen Georg von Buquoy.
ten Metaphyfiihen, — d. h. der mir von Gott ge:
offenbarten Ölaubensmpyfterien, wenn e8 doch ja
— eine göttlihe Dffenbarung — für mid gibt, welches
Letztere ih, wohlverffanden — vom Standpuncte
bes ffreng reflectiven Philofophireng aus
(Affirmationsmotive — böte vielleicht mein Gefühl dar*),
weder mit Ueberzeugung zuaffirmiren — noch mit Ueber:
zeugung zu negiren — vermag, da ich, meinem pvoıc- haf-
ten Weſen nah, die Kriterien des Abfoluten — des
Metaphyſiſchen, - folglih den Göttlichkeitsharac:
ter einer Offenbarung, nicht anzugeben vermag, indem
ich ja ſelbſt — nur bedingt befhränft endlich na=
turhaft pvoss- haft bin. Ich, als Endlihes, Kin,
meiner Wefenheit nah, unfähig für felbftproductive
Entwidtung der Metaphyſik. Es ift das Univerfum
gedacht, d.h. der unendliche All-Leib und zugleich die un-
endlihe Alle Bewußtheit — als Eines, — diefer bloße
Einfall meinerfeits, ein mir unerfaßlib Metaphyfi—
ſches; jede Dmoid-pvoss (Maturähnlichkeit) — ift hier
ein Abſurdum; es ift abfurd, das Abfolutum (dag
Weltall — bis zur Unendlichkeit ausgedehnt in Gedanken
— als All-Leib und All: Bewußtfenn —) als omoio:
tithiſch, als oimoiophytifh, als omoiozooifh, als
omoidanthropifch, ſich zu denken; das Abfolutum iſt
das nicht mehr Naturhafte in dem Sinne, wenn ich fuͤr
Natur — blos den endlihen,'den meinem Denken
zugängigen, Theil — de8 unendlichen Univerfums **
beruͤckſichtige; das Abſolutum ift dag Unbedingte Unbe-
fhränfte, Unendlihe dasniht mehr Naturhafte —
das nicht mehr pvoscs- hafte — das Metaphyfifche
— das Abfolutum — das Weltallin feiner Un:
endlich keit gedacht; woran Alles und Jedes — bedingt
befhränft endlich naturhaft pvoscs-haft ift.
So z. B. fönnte mir, bei einer gewiffen Gefühlsftimmung,
die Ueberzeugung werden: Ein Wefen, wie Sefus, fügt nit, —
er hat Dies oder Jenes für göttliche Offenbarung ausgegeben, uf.
GEs giebt Feinen vernünftigen Grund dafür, anzunehmen, die
Myriaden der Weltförper — hörten irgend wo auf im
Raume zu bahnen, oder auch — bie Welt hätte einft nit beftan-
den, fie würde einft wieder zu Nichts. werden, ufw., oder auch
— die Selbbſtbewußtſeynsfähigkeit an ſich — hätte ihre
Grenze. Die allgemeine Gravitation und die allgemeine Dent-
{ympathie — verbinden zu zwey Totalitäten — die unenoliche
All-Leiblichkeit und All= Selbftbewußtheit, melde beide
in Eines — fi) verfchmelen als Iventität zwiſchen JIdealem
und Realem — an dem Abfolutum.
1
Berzeibnif
der vom Profeffor Dr. Loew in der Türkey und Afien gefammelten
Lepidoptera, gefchrieben von PB. C. Zeller.
‚Wenn auch die Weftküfte Kleinafiens eine Anzahl eigenthuͤm⸗
licher Falterarten befist, fo ftehen diefe doch fo vereinzelt zwi⸗—
fchen den vielen, mit der europäifchen Süudfüfte und dem Weften
der Berberey gemeinfchaftlichen, daß an der Uebereinftimmung
der Saunen diefer Mittelmeeresufer nicht gezweifelt werden kann,
um fo. weniger, als fie aus der Natur diefer Länder nothmwen-
dig hervorgehen muß.“ Don jenen eigenthümlichen Faltern ge—
bören die allerwenigften durch die Sremdartigfeit ihres Characters
wirklich einer andern Sauna an und find eben wegen ihrer Vers
einzelung nicht fühig, den Character der Eleinafiatifchen Fauna
zu ändern. So Eupl. Chrysippus — vielleiht auch Dor.
Apollinus. Die andern, bey weitem die Mehrzahl, haben
nichts Fremdartiges, Eeine generifche oder Samilienverfchiedenheit,
find nur Stellvertreter für die in weitlichern Gegenden vorfommen=
den Species und helfen bloß einen Gegenfaß zwifchen Often und
Meften bilden, der durch die ung am. meiften füblich liegenden
Zwifchenländer gemildert oder ausgeglichen wird. Die allen die:
fen Küffen gemeinſchaftlichen Falter find gleichfalls doppelter
Natur, entweder haben fie ein eignes Gepräge, wie Paph. Ja-
sius, Hec. celtis, das ihren Gegenfaß zum Norden bezeichnet ;
oder fie fimmen mit den Urten des mittlern und felbft des noͤrd—
lichen Europas überein, und Diefe bilden die überwiegende Zahl.
Zu den Iegtern gehören vorzugsweife folhe Arten, die einer Er—
böhung des Colorits fähig find, und daher meifteng darin, nicht
felten auch in der Größe, vielleicht fogar in der Geftalt durch
den Einfluß der Temperatur, des Lichts und der Nahrung mo—
bificiet worden find. Morin die vom Prof. Loew gefammel:
ten Falter von den bey uns einheimifchen abweichen, das zu
prüfen und mitzutheilen, ift bey der folgenden Durchmufterung
‚der Species ald Hauptaufgabe angefehen worden, damit man
erkenne, welchen Einfluß das füdliche Klima auf die Species
gehabt habe, und ein Urtheil über das, was uns nur ald Va:
rietaͤt gilt, fallen Eönne. Es fcheint dies um fo nöthiger, als
Mancher fehr unbedeutende Abweichungen, wenn fie fi an
altern aus andern Gegenden, als in welchen er fammelt, zei—
gen, für fpecififche Unterfchiede anzufehen geneigt ift und auf
phnfifche Einflüffe gar Eeine Rüdficht nimmt.
Zu den rätbfelhaften Erfcheinungen gehört die fo gar frühe oder
fpäte Flugzeit einiger Arten und das Vorfommen von Faltern der
nörblichften Gegenden oder hoher Gebirge z. B. Pier. Chlori-
dice, Iıyc. Aquilo — an den Meeresufern von Kleinafien.
Wahrſcheinlich loͤſt ſich beides befriedigend, fobald Loew ung
mit der Erzählung feiner Reife Auffchlüffe über die Befchaffen:
beit ber von. ihm befuchten Xocalitäten gibt.
1. Melit. didyma von Mafti; das mitgebrachte männliche
Eremplar war etwas großer und mit kleinern Flecken ald gez
woͤhnlich.
2. Melit. Phoebe von Mermeriza; ein Männchen ohne
Auszeichnung.
3. Euploea Chrysippus von Smyrna und Ephefus,
zwey Eremplare, deren Vorderflügel mit der Kaftanienfarbe des
Vorderrandes faft ganz überzogen find. ing derfelben hat auf
den Hinterflügeln am legten Afte der Medianader nicht weit
* ©, entomologifche Zeitung Jahrgang 1843. ©. 397.
4
von feinem Urſprunge hinten einen großen, faltigen, rauhen, ſchwar—
zen Fleck, auf der Unterſeite mit weißem Kern. Auch an an—
dern Exemplaren derſelben Art, desgleichen bey Eupl. genutia,
ſehe ich ihn. Er wird von Gagliardi bey Ochſenheimer
4, ©. 125. unter Varietaͤt c angegeben, zeigt aber beſtimmt
nur den Gefchlechtsunterfchied an, und zwar zufolge Herrichs
Schäffer (Spftemat. Bearbeitung der Schmett. von Europa,
Tagfalter ©. 46.) das männliche Gefchleht. Boisduval
fpricht in den Scones ©. 84. folgendermaßen darüber: les ailes
inferieures offrent pres (?) de l’angle anal dans les mäles
tantöt une poche noirätre, tantöt une tache tr&s-noire
divisee par une raie grisätre en relief, placee sur l’extre-
mite de la nervure (?). — Exemplare wie die zwey mitge=
brachten, nur biäffer und mit weniger verbreitetem Rothbraun
find dargeftellt von Duponchel im Suppl. pl. XVII. fig. 1. 2.,
von Boisduval in den Icones pl. 18. fig. 3.
4. Van. cardui war überall fehr gemein. Das von Makri
mitgebrachte Eremplar zeigt außer etwas lebhafterer Grundfarbe
auf den Hinterflügeln die Neihe runder Flecke vor dem Hinter-
tande auffallend Eleiner als gewöhnlich.
5. Van. atalanta war auch überall,
6. Van. triangulum von Mafti und Standio.
7. Libyth. celtis von Ephefus.
8. Hipp. telmessia n. sp. Die zwey Männchen und
vier Meibchen zeichnen fich außer durch ihre kuͤrzern, abgerun=
deteren Flügel, duch mehr Noth auf der Oberfeite, mehr Grau
auf der Unterfeite und die größere Nähe zwifchen dem Augen—
fleck und der braunlihen Schattenlinie auf der Unterfeite der
Vorderflügel — vor Hipp. Janira aus. Die Flügelgeftalt gibt
ihnen ſichere Anſpruͤche auf das Necht einer eigenen Art, da fie
bei keiner Varietät der Janira je fo abgerundet vorfommt. Die
Männchen Eleiner als unfere Hipp. janira haben auf den Vor—
berflügeln den ſchwarzen, rauhen Fleck Eleiner, ſchmaͤler und
f&härfer begrenzt, die rothgelbe Einfaffung des Augenflecks breiter
und außerdem den Raum zwifchen den Aeften der Medianader
in verwifchter Begrenzung rothgelb. Das eine Männchen, auf
Rhodus zu Ende May gefangen, hat auf der Unterfeite der
Hinterflügel 5 Augenflede, den 1., 3. und 5. fehr Elein, den
2. und 4., die auch bey der hiefigen Janira nicht felten ſichtbar
find, ausgezeichnet groß. Das zweyte Männchen — von Mer:
meriza — zeigt nur dieſe zwey Augen und in geringerer Größe,
— Bey den Weibchen ift das Rothgelb auf der Oberfeite der
Vorderflügel mehr gegen die Bafis und den Innenrand verbreitet,
als bey den unfrigen; auf den Hinterflügeln bildet e8 eine breite
Binde, die nicht fo ſcharf wie bei Var. Hispulla gegen den
Hinterrand begrenzt wird, fondern in die Grundfarbe verfließt.
Auf der Unterfeite hat die Vorderflügelfpige ein mit Weiß be:
ftäubtes Braungrau. Letztere Farbe haben die Hinterflügel zur
Grundfarbe, und ihe Innenrand und ein bindenförmiger Raum
nahe am Hinterrande ift weißlich beftäubt; in der Flügelmitte
wird der fcharf abgefegte Nand der Murzelhälfte von hellem
Dchergelb begrenzt. Zwey Weibchen — von Makri und Rho—
dus — haben ausgezeichnete doppelte Pupillen in den Augens
fleden der Vorderflügel, und das Rhodiſer hat unter denfelben
zwifchen den Aeſten der Medianader auf der Unterfeite zwey
unvollftändige Augen.
Telmessia und Janira unterfcheiden fich durch folgende Diags
nofen:
Telmessia: alis supra fuseis, anterioribus apice ro-
tundatis, ocello (2 saepe gemello) in plaga fulva
5 —— | 6
unico (c plaga angusta subdorsali nigra grosse
squamata); posterioribus subtus luteo-griseis, ocel-
6 lis minutis subduobus.
- Janira: alis supra fuscis, anterioribus apice subacu-
tis (c* plaga magna subdorsali nigra grosse squa-
mata, 5 ocello in plaga fulva unico), posteriori-
\ bus subtus Juteo-griseis; ocellis minutis subduobus.
9. Hipp: Roxelana, ein ſchoͤnes Weibchen von Standjiv.
10. Hipp. Egeria Var. Meone, von Mermeriza.
-- 11. Hipp. Pamphilus, drey Eremplare mit breitem
bräunfichen Flügeltand. Das Männchen aus Bruffa. hat auf
den. Hinterflügeln oben vor dem Rande nur einen braunen Punct,
und zwar zwifchen den 2 legten Aeften der Medianader; die Un:
terfeite hat die roͤthlich gelbgraune Grundfarbe der Varictät Lyl-
Jus ; die Grenze der Wurzelhälfte dunkel und feharf, die Augen—
fle&chen ganz verfofchen. Ein Maͤnnchen von Ephefus und ein
Meibchen von Makti gleichen den allergewoͤhnlichſten Schlefiern,
nur daß beym Weibchen unten auf den Vorderflügeln der Schat—
tenſtrich vor dem Augenfled braun und deutlih, und auf den
Hinterflügeln die Grenze der Wurzelhälfte ſcharf bezeichnet if.
„412. Pieris erataegi ein Pärchen von Mermeriza in
ganz ungewöhnlicher Größe; das Weibchen ift auf beiden Seiten,
dorzuͤglich am Innenrande der Hinterflügel ſehr verdünnt gelb:
lich; auch die Haare der Vorderhälfte des Thorax find ftatt weiß,
braungelblich.
18. Pier. brassieae war im Herbſt in der nördlichen
Hälfte Kleinafiens haufig; das mitgebrachte Weibchen von Adir—
nas iſt groͤßer, und feine Hinterflügel auf: beiden Seiten. tiefer
gelblich als gewöhnlich.
14. Pier. chloridice ein ſchoͤnes Weibchen, deffen Vor:
Eommen bey Mermeriza fehr auffallen muß, da Ochſenhei—
mer, Boisduval und Duponchel Sibirien, die Gegend
von Moskau und das füdliche Rußland als Vaterland angeben.
Boisduvals Abbildungen Scones pl. 6 fig. 5.6. find nicht
gelungen; hier fehlen in der Oberfeite die, grauen Flecke, in, ber
Unterfeite die ſchwefelgelben Adern der Hinterflügel. Dupon=
chels Bilder Suppt. pl. IV. fig. 3—6. find viel beffer. An
dem aſiatiſchen Eremplare find aber die ſchwarzen Blede der
Oberſeite größer und weniger auffallend von weißen Adern durch:
ſchnitten.
15. Anthochar. Ausonia von Kellemiſh, ein Weib—
chen, größer als die bey Boisduval (con. pl. 5. fig. 4—6.)
und Duponchel (Suppl. pl. 5. fig. 3— 4.) unter dem Na—
men Pier. Simplonia gegebenen Eremplare, Es hat den Fled
auf der Mitte der Vorderfluͤgel vorzüglich groß, zumal auf ber
Unterfeite, wo er beynahe den Umfang wie bey Pier. Dapli-
/diee erreicht.
16. Anth. cardamines — von Ephefus bis zur Suͤd—
kuͤſte Kleinafiend nicht felten; die drey von Mermeriza mitge:
brachten Eremplare find ungewöhnlich groß.
17. Rhodocerafarinosa n. sp. — ein Männchen von
Macri. Es ſteht der Rhod. rhamni zunaͤchſt; ih muß eg je:
doch als eigne Art davon trennen, aus folgenden Gründen, von
welchen 2, und 3, die wichtigften find. 1) Größe der Rhod.
farin. wie die der größten Pier. brassicae, alfo weit über Rh.
(rhamni. 2) Slügelfchnitt weniger zierlih, indem Vorder » und
‚Hinterrand der Vorderflügel weniger tief eingedrückt find; die Ede
der Hinterflügel ift länger, der Hinterwinkel tritt mehr hervor,
und zwifchen ihm und der Ede ift noch eine merklihe Vorra-
gung. 3) Die Befhuppung der Vorderflügel ift grob und meh:
4
lig, am ſtaͤrkſten von der Wurzel aus. 4) Die Vorderfluͤgel—
raͤnder und die Hinterfluͤgel oben find blaß, letztere am auffalz
lendſten; auf der Unterfeite der Worderflügel reicht die blaffe
Citronenfarbe von der Wurzel nur bis zur Nüdlaufsader.
Für das Syſtem find beide Arten fo zu unterfcheiden :
Rh. farinosa: mas alis eitrinis, anterioribus angu-
latis farinaceo: squamatis, posterioribus dilutioribus.
Rh. rhamni: mas alis eitrinis, anterioribus eleganter
falcatis, squamis minutissimis aequalibus.
18. Colias Hyale variet., ein ungewöhnlich großes
Weibchen von Macri, faft einen Uebergang zu Col. Phico-
mone bildend. Won C. hyale weicht e8 ab durd) bläffere
Grundfarbe und den breiten ſchwarzen Hintertand, der auf den
Vorderflügeln in gleicher Breite bis zum Hinterwinkel reicht
und die hellen Slede wie bey C. edusa fem. einfchließt, auf
den Hinterflügeln aber am Worderwinfel in anfehnlicher Breite
anfangt und, in der Breite abnehmend, beym zweyten Afte der
Medianader endigt. Won C. Phicomone mas unterfcheidet
es fich ducch hellere Grundfarbe, durch den Mangel der ſchwaͤrz⸗
lihen Beſtaͤubung an den Längsadern, durch die nicht vollzäh-
lige helle Fleckenreihe der Worderflügel und durch die ganz un:
ausgebildete der Hinterflügel ; vom Weibchen, deffen Grundfarbe
es hat, weicht es ab durch die größere Ausdehnung des ſchwar—
zen Randes und die Einfchränfung der hellen Flecke in demfel-
ben. — Eine gute, nur viel zu Iebhaft gelbe Abbildung gibt
Herrih: Schäffer in der fpftemat. Bearbeitung d. europ.
Schmetterl. Papilionid. pl. 6. fig. 33. 34. als C. hyale var.?
fem.; im Text ©. 104. erklärt er fie für ein ‚abweichend ge=
ſtaltetes“ Maͤnnchen, für welche Gefchlechtsbeftimmung die Fär-
bung zu ſprechen fcheint. Woher er fein Eremplar habe, zeigt
er nicht an.
19. Thais cerisyi war häufig im mittleren Mäander-
thal am Iten April.
20. Papil. machaon — ein Männden von Bruffa,
dunkler gelb als die norbdeutfchen Falter, faft wie Pap. alexa-
nor; der innere Rand der fehr breiten ſchwarzen Binde auf
den Hinterflügeln hängt mit dem ungewöhnlich verdickten, gelb:
gefernten Strich auf der Querader zufammen; die gelben Halb:
monde am Rande der Vorderflügel haben fpige Hörner, wäh:
rend fie bey unferm machaon faft alle abgeftumpft find.
21. Pap. alexanor von Macti.
22. Pap. podalirius' von Ephefus, ein ſehr Eleines
Weibchen.
23. Theela w album von Macri,
24. Th. caudatula n. sp. — war bey Macri und Pas
tara ſehr haufig, befonders in ber Nähe von Eichengebüfchen
(Quereus aegilops). Der Hauptunterfchied gegen Th. ilicis,
als die nächfte Art, liege in der Länge des Schwaͤnzchens der
Hinterflügel; dieſes iſt nehmlich bey Th. caudatula mas fo
lang wie bey Th. ilieis fem., und beym Weibchen von jener
fo lang wie bey Th. w album fem. Folgende Berfchiedenheiten
finde id) außerdem: 1) Die weißlichen Strichelhen auf der Un—
terfeite der Worderflügel find etivas gebogen, mit der Deffnung
nad dem Hinterrande; bey Th. ilicis find fie faft gerade, fel-
ten ein wenig gebogen, dann aber wie dort; 2) von den weißen
Strihelhen der Hinterflügel ift das vorlegte bey Th. cauda-
tula in beiden Gefchlechtern faft gerade und nur an der Spitze
etwas hakenförmig gebogen; bey Th. ilieis bildet e8 einen faft
gleichfchenkligen fpigen Winkel, der fih nur beym Männchen
oft abftumpft und ungleichfchenklig wird, und dadurch die Ge:
fintt wie by Th. caudatula erhält; 3) im ber Reihe vother
Flecke auf der Unterfeite der Hinterflügel iſt der drittlegte (zwi⸗
fchen den 2 legten Aeſten der Medianader) bey Th. caudatula
mondfichelförmig und gegen den Hinterrand geöffnet, bey Th.
ilieis umgefehrt herzförmig; 4) auf der Oberfeite bat das Meib-
chen der. Th. caud. den roftfarbenen Fleck Eleiner und verwifchter
als Th. ilieis; an. einem Eremplare ift er nur in Spuren vor=
handen, an einem andern fehlt er „ganz. |
Einige Exemplare ‚haben den Raum zwifchen dem vorlegten
rothen Fleck und der weißen Randlinie auf der Unterfeite der
Hinterflügel mit Weiß ausgefüllt; bey andern iſt e8 ganz wie
bey Th. ilieis. — Die Verſchiedenheit prägt fich alfo am mei:
ften beym Weibchen aus. Sf fie doch nur Elimatifh, fo muß
es auffallen, daß die, Noftfarbe der Dherfeite bey den Afinten
weniger hervorgetrieben iſt, als bey den Europaͤern, wo nicht
ſelten das Maͤnnchen daran Theil nimmt. (Vergl. Iſis 1840.
©. 129.). — Für das Syſtem ſind beiderley Falter fo zu uns
terfcheiben: 7
Th. ilieis: alis fuscis (macula anteriorum 2 majore
fulva), posterioribus breviter caudatis; subtus striga
per omnes alba subrepanda, in posterioribus serie
macularum marginali rufa, quarum tertia cordata,
caudatula: alis fuscis (macula anteriorum 2. mi-
nore fulva), posterioribus longius caudatis; subtus
striga per omnes alba repanda, in posterioribus
serie macularum marginali rufa, quarum tertia lu-
nulata.
25. Th. spini von Patara.
26. Th. rubi von Rhodus und Mermeriza. Das eine
der beiden Weibchen hat nur einen weißen Punct auf der Un:
terfeite der Hinterflügel am Vorberrande, das andere außerdem
noch zwey zwifchen. ben Ueften der Medianader, $
27. Polyomm. Phlaeas von Pera, Rhodus, dem Maͤ⸗
ander, Carajaſu, Mermeriza, Stanchio in gewoͤhnlichen und
ſchwarzangelaufenen Exemplaren (Bol. Iſis 1840. S. 128.)
Ein Weibchen der letztern Varietaͤt iſt beſonders groß und hat
anfehnliche blaue Fleckchen auf den Hinterfluͤgeln.
P. ottomanus von Macri uud Mermeriza. Das Männ:
chen, von Macri, hat die. Größe des P. virgaureae mas, und
ift alfo viel größer als die Bilder bey Dupondel Suppl.pl. 9.
fig. 1. 2., Boisduval Icon. pl« 10. fig. 45., Herrich⸗
Skhäff. Syſt. Bearb. Papil. pl. 50. fig..236. 237. — Das
Weibchen diefer Art ift bis jet erſt abgebildet (Herr.⸗Schff.
pl. 51. fig. 238. 239.), aber noch nicht befchrieben5 ich. gebe
daher die Befchreibung nach einem: zwar ſehr abgeflogenen Erem:
lare.
. Größe eines gewoͤhnlichen P. eirce, Flügelzeihnung dev Ober:
feite beynahe die von P. thersamon fem. Grund der Ober—
ſeite ſeidenglaͤnzend, blaß feuerroth, auf den Hinterfluͤgeln gegen
die Wurzel hin zunehmend ſchwaͤrzlich. Auf den Vorderflügeln
liegt in. der Digcoidalzelle ein. ſchwarzer Fleck, ein größerer auf
der Ruͤcklaufsader; darauf eine gebogene Reihe paarweis ſtehen⸗
der Flecke; von dem ſchmalen ſchwarzen Hinterrande geht ein
ſchwarzer, etwas verwiſchter Fleckenſtreif, von welchem aus die
Adern bis zum Hinterrande ſchwarz eingefaßt ſind. Die Hinz
terflügel haben. hinter. dem ſchwarzen Striche auf der ruͤcklaufen⸗
den Ader drey Reihen ſchwarzer Flecke, alle in demſelben Ab⸗
ſtande von einander, wie die erſte von dem Querſtrich, die letzte
liegt auf der dünnen ſchwarzen Randlinie und wird von der
ovrhergehenden durch lebhafte Feuerfarbe getrennt. Die Ecke
Th.
‘8
für das Schwaͤnzchen tritt wenig hervor als beym Männchen (in
H.⸗Schff. Abbildung zeigt fich das Gegentheil). Auf der Unter
feite find die Worderflügel rothgelb; die Flecke mit gelblichen
Höfen verfehen; ein Eleiner folder Augenfled fteht im Anfange
der Discoidalzelle. Die Fledenreihe vor dem Hinterrande ift
noch undeutlicher und mehr aus Querſtreifen zufammengefegt
als auf der Oberfeite. Die Nandlinie ift grau. "Auf den gelb:
lichgrauen Hinterflügeln (bey. Herr. =Schff. zu gelblich) find
die Augenfledchen klein und fharf, in der gewöhnlichen Stel-
lung: von der Bafis aus erft 2, dann 3, dann nad einem
doppelten, das auf der rüclaufenden Ader fteht, eine gebogene
Duerreihe. Darauf kommt vor dem grauen Hinterrande die
dem P. ottomanus fem. allein eigene orangenfarbene Schat:
tenbinde, nur gegen innen und auch da nicht fcharf, durch
einen ſchwaͤrzlichen Schatten, nicht durch ſchwarze Flecke bes
grenzt; zwifchen dem Schwanzwinkel und der Schwanzecke macht
fie einen Bogen nach innen, wie beym Männchen, und der
Raum zwifchen ihm und dem Hinterrande iſt gelbgrau ausge:
fuͤllt. (Bey Here.:Schff. findet eine merkliche Abweichung
ftatt: Die Höfe der Neihe Augenflede verlängern und erweitern
fi zu. blaffen Flecken, hinter welchen der Grund bie zu den
Franzen etwas verdunfelt ift; vor dem Rande hat fie. eine dun—
£elrothe gefhmwungene Linie, “welche mit ihren Spitzen das
Schwaͤnzchen und den Schwanzwinfel berührt).
29. P. Hippothoe von Bruffa, ein Männchen ohne Aug:
zeichnung, außer daß es nicht ganz die Größe eines ‚gewöhnlichen
P. chryseis hat. %
30. P. thersamon von Rhodus in beiden Gefchlechtern:
31. Lycaena Baetica von Pera und Ephefus in bei—
den Gefchlechtern,
32. L. telicanus von Bruffe.
33. L. balcanica, $reyer Neuer Betr. 5. Taf. 421,
$ig.1.2. ©. 63.; L. psittacus Herr.-:Schffr. Syft. T. 48,
dig. 220— 223. 2
Alis caudatis supra caeruleis (fem. fuscis hasi caeru-
lescenti) obsolete nigro maeulatis; subtus albidis,
striolis seriatis nigris, serie in posterioribus sub-
marginali e maculis, nigris coeruleo - argentatis.
(2 A 12 von Macıi).
Größe und Fiüigelgeftalt von L. polysperchon; Stirn veif-
haarig, Augen nackt. Fühlerfolbe lang und duͤnn. Oberſeite
der Flügel fehillernd violettblau, die vordern am Vorderrande
fhmal, am Hinterrande ziemlich breit; fchwärzlich. Die ruͤck⸗
laufende Ader hat einen fhmwarzen Stridy, hinter welchem auf
den Vorderflügeln eine doppelte Reihe ſchwarzer Fleckchen folgt;
alle find etwas verlofchen, die der Hinderflügel am meiften.
Des Weibchens Grundfarbe ift-auf der ganzen Dberfeite ſchwaͤrz⸗
lichbraun, nur gegen die Bafis violettblau überflogen, die Flecke
noch undeutlicher. Franzen grau, an den Hinterflügeln weiße
licher,
Unterfeite weißlich, mit: halb ſchwaͤrzlichen, halb weißlichen
Franzen. Auf den VBorderflügeln geht von der Bafis ein fchiwar:
zer, dicker Strich längs des Vorderrandes bis’ zum Anfang’ des
zweyten Drittels deffelben. Ein zwehter Strich fängt am In—
nenrande an, comvergirt gegen den erften und endigt verdünnt
in der Discoidalzelle vor der rücklaufenden Aber. "Der auf dies
fer. ftehende Strich fchließt fich einem andern bis nahe an den
Snnenrand reihenden an. Hinter ihm folgen 3— 4 mehr zer—
ftreute Fledchen, dann vor dem Hinterrande zwey von den
9
Adern durchſchnittene, gebogene, ſchwarze, bie Querlinien. Auf
den Dinterflügeln folgen von, der Baſis aus aufeinander: ein
fanger Querftrich „eine Querreihe von 4 ſchiefen Streichen, der
Strich auf der ruͤcklaufenden Ader, eine unordentliche: fehr ges
bogene Querreihe von Querftrichen, sine fanft gebogene, etwas
eſchwungene dicke Querlinie, und vor dem Hinterrande eine
Reite von einem ftrichförmigen und: 5 gerundeten Fleden ; der
fttichförmige hängt am Schwanzwinfel. und ift wie der 2te, Ste
und 4te runde mit bläulicyjilbernen. Schuppen überdedt; der
erſte runde fteht dem ziemlich langen, ſchwarzen, weißſpitzigen
Schwaͤnzchen ‚gegenüber und hat das tiefſte Schwarz und nur
am Aufenrande einige Silberfchuppen.
Sm Berliner, Mufeum ‚befindet ſich diefe Art, aus Syrien
und Aegypten, Die Freyerſchen Bilder, find nach Erempla=
ren verfertigt, die aus der (europäischen?) Zürfey ſtammen.
84. Lyeaena trochilus, Freyer N. Beytr. 5. 7.440.
Fig. 1. ©.98., Derr.:Schffe. Syſtem Papilionid. T. 48.
Sig. 224. 225.
Alis supra fuscis maculis posteriorum 3. nigris auran-
3 tiaco marginatis, subtus griseis, ocellatis albo-
que transverse striolatis, in posterioribus. ocellis
tribus quatuorve argyreo einetis., (1 Weibchen von
Fr Macri *
Größe und Fluͤgelgeſtalt der kleinſten L. polysperchon. Fuͤh—
lerkolbe länglich; Augen Eahl.
Die Flügel auf der Oberfeite ‚hellbraun; die vordern ‚mit einer
verlofchenen, hellgrauen Fledenreihe vor dem Rande, die hintern
am Schmanzwinfel mit einem ſchwarzen Strid) ‚und, zwey run:
den ſchwarzen Flecken in einer Reihe. vor der. feinen ſchwarzen
kandlinie, ‚von welcher fie durch einen fehmalen weißlihen Raum
getrennt find; mach innen werden fie von anfehnlichen. orange:
gelben, an. einander ftoßenden Mondfichelm begrenzt, welche weiß:
liche vertofchene ‚Bogen hinter fih haben. - Die Franzen ‚oben
und unten halb braun, halb weißlih. — Auf der bräunlichen
Unterfeite, liegt, auf den Vorderflügeln ein. ſchwarzes Augenfled-
chen auf der. ruͤcklaufenden Ader, nach welchem eine gebogene
Reihe von ſechs ungleichen Augen folgt; vor der weißlichen Rand—
linie ziehen zwey Neihen meißlicher Bogen, und die Zwifchens
räume, find ſchwärzlich. Die Hinterflügel haben nahe der Ba-
ſis eine fchiefe Querreihe von 4 ſcharfen Augenfledcen und ein
fünftes am WVorderrande in gleicher Höhe mit der ruͤcklaufenden
Ader. Dieſe ift von. zwey weißlichen Querftrichen eingefaßt;
darauf kommen zwey genaͤherte Reihen weißlicher Bogen mit
einander, zugekehtten Oeffnungen. Von einer dritten Reihe
ſchließen ſich die groͤßern den ſchoͤn orangegelben Mondſicheln an,
welche die drey oder. vier tiefſchwarzen, blau= oder gruͤnſilbern
geringelten Flecke vor dem Hinterrande einfaffen. Die Zwiſchen—
raͤume der weißlichen Bogen entſprechen den. Augenflecken ans
derer Lycänen und find nur etwas tiefer als die Grundfarbe; die
‚wirklich ausgebildeten Augenflede unferer Art: zeichnen ſich daher
durch ihre, Schwarze aus.
- Im Berliner Mufeum ift dieſe Art in Mehrzahl aus Sy:
tien und Aegypten vorhanden; bey denen ‚aus Aegypten ſtam—
‚menden Cremplaren find die orangefarbenen Mondficheln der.
Dberfeite der Hinterflügel größer, und zu einem, ziemlich großen
Fleck zufammengefloffen. . Die, Srenerfchen Exemplare ftam:
men angeblich aus der europäifhen Türken.
35..L. Loewii n. sp.
Alis, supra, laetissime azureis, 2 fuseis, maculis po-
steriorum tribus aurantiaco marginatis; subtus gri-
Iſis 1847. Heft 1.
(| m 10
seis, punctis ocellaribus distinctis, fascia posteri-
orum marginali dimidia aurantiaca, macnlis duabus
nigris coeruleo argentatis. (PS von Macri).
Diefe ſchoͤne Art hat, die Größe der größten L. alexis und
die ftumpfe Slügelgeftalt der L. optilete; fie ift mit L. argus
und optilete verwandt und wird. im männlichen Geſchlecht leicht
an dem hertlihen Blau der Dberfeite erkannt.
Fuͤhler fehlen. Stirn mit 2, Reihen. f[hwarzer Borften in
den weißen Schuppenhanren. . Augen kahl. Die Flügel haben
auf der Dberfeite beym Männchen ein tieferes und glänzenderes
Blau als bey L. adonis; der Nand ift ſehr fchmat ſchwarz ;
die Adern von ihm. aus nicht weit, ſchwarz befhuppt; auf den
Dinterflügeln zeigen ſich Spuren von fhwärzlichen Flecken zwi
ſchen dieſen Adern längs des Hinterrandes. Beym Weibchen
ift die Grundfarbe oben braun wie bey L. aegon; .auf den
Vorderflügeln der Strich, der ruͤcklaufenden Ader kaum ſichtbar;
auf den Hinterflügeln vor dem Hinterrande eine Reihe ſchwarz⸗
brauner Fleckchen, von denen die 3 dem Schwanzwinkel naͤch⸗
ffen nad) innen von orangefarbnen Halbmonden eingefaßt find;
das erfte am Schwanzwinkel iſt ftrichförmig, die zwey folgen-
den find die größten und gerundet, bie folgenden mehr ftrich-
förmig umd verloſchener, alle an der ſchwarzen Randlinie durch
einen ſeht fehmalen weißlichen Raum getrennt. Franzen bräun:
lich, an der Vorderfluͤgelſpitze weißlich. — Untsrfeite des Männ:
chens hellffaubgrau, des Meibchens angenehm hellbraͤunlich.
Die Vorderflügel haben hinter dem weißgerandeten Strich der
ruͤcklaufenden Ader eine Querreihe von 6 großen Augenfledchen.
Darauf folgt eine Neihe großer, etwas verlofhener ſchwaͤrzlicher
Mondficheln und vor der Randlinie eine Reihe fpindelförmiger
Fleckchen. Beym Weibchen haben die Mondfiheln zwifchen den
Aeſten der Medianader etwas Roͤthliches alg Einfaffung nad
außen. Auf den Hinterflügeln bat der Strich der ruͤcklaufenden
Ader eine gerade Neihe von 4 Augenfledchen vor und eine un-
regelmäßig gekruͤmmte von 8 dergleichen hinter fih. Es folgt
dann eine Reihe ſchwarzer MWinfel, von denen die dem Schwanz:
winkel nächften, alfo etwa die Hälfte, mit Drangefarbe ausge-
gefuͤllt find, welches beym Meibchen Iebhafter ift als beym
Minnhen. Don diefen Winfeljtrichen reichen bis zu der Reihe
Augenfleckchen weißlihe Schatten hinüber. Vor dem Hinter
rande zieht eine Meihe größerer fchwarzer Fleckchen, deren Eleinfte
3 am Schwanzwinfel ftehen; einer von ihnen und der an ber
Schwanzecke find filberblau befchuppt. Alte Augenflede find
ziemlich groß und haben feine weiße Höfe; beym Weibchen fieht
die Unterfeite ziemlich der von L aegon 2 ähnlich.
36. L. anteros, Freyer N. Beytr. 3. T. 265. Fig. 1.
©. 101., Herr.- Schäffer Spft. Papil. T. 3. Fig. 16. 17.
Boisduval Index pag. 11. 88.
Ein ganz frifhes Eremplar von Vera, wo es auf Heliotro-
pium flog. Die Reihe ſchwarzer Flecke vor dem Hinterrande
der Hinterflügel auf der Oberfeite fließt mit diefem nicht zufam:
men, und jeder Fleck hat nach innen ein rothes Halbmöndchen
zur Einfaſſung. Freyer und Boisduval erwähnen von
diefer frenlich etwas verlofchenen Einfaffung nichts, und erfterer
laͤßt die Flecke mit dem Rande zufammenfließen., Seine zweyte
L. anteros ift eine ganz verfchiedene Art und wird von Herr.=
Schäffer Enftem. Bearb. ©. 110. mit dem Namen Lye.
eroides belegt.
37. L. alexis von Bruffa, Denizli, Mermeriza, Macti,
Rhodus und Stanchio — in nichtd von den unfrigen verfchie=
den; alle Eremplare haben auf der Unterfeite der Worderflügel
1*
11
vor dem Strihe der Rüdtaufsader O—s8 Augenfledchen; bey
einigen. Männchen. find fie Elein, und bey einem fehlt eins auf
dem rechten Vorderflügel. Die 4 Weibchen entbehren den bläu=
lihen Anflug, den manche Eremplare unferer Gegend auf der
Oberſeite der Flügel haben, gänzlich).
38: L. agestis von Bruffa, Denizli, Patara, Macri —
in Kerkchiebener Größe, alle mit großen lebhaft rothen Fleden.
Mehrere Minnhen und Weibchen haben auf der Unterfeite eine
eigne Färbung. Das breäunliche Hellgrau der ganzen Fläche
iſt nehmlich bey ihnen in ein angenehmes, helles Gelbbraun
verwandelt, bläffer und bisweilen gelber als bey L. corydon,
und ſtatt der meißlihen Einfaffungen der Puncte und Striche
find weißlichgelbe. Diefe Varietät kommt fchon bey Fiume vor.
Die andern Erempläre find den einheimifchen fehr ähnlich.
39. L. Aquilo? Boisduv. Icones. pl. 12. fig. 7. 8.
Bas: 62., Herr.⸗Schaͤff. Syſt. Papil. pl. 5. Fig. 24. 25.
5122,
Da Boisduval ald Vaterland feiner Lycaͤne das Nordcap,
den Altai und Labrador angibt, fo muß e8 Bedenken erregen,
wenn biefelbe Urt bey Bruffa gefangen feyn fol. Wahrſchein—
lich wird die Schwierigkeit dadurch gelöft, daß L. aquilo ſich
nur als Varietaͤt von L. orbitulus ausweift, von. welcher fie
zu unterfcheiden Boisduval fich fehr abmüht. Auh Herr.
Schaͤff. findet die Artrechte zweifelhaft. Ich gebe die Befchrei:
bung des Bruffaer Eremplares, eines Maͤnnchens.
Größe nob unter Boisduvals Figur, wie die einer mitt:
feren L. polysperchon. Oberſeite bläulichafchgrau wie bey L.
orbitulus, etwas glänzend, in breite graue Ränder Übergehend.
Die weißen Franzen duch) eine fchwarze Linie vom Flügel ges
f&hieden. Auf der ruͤcklaufenden Ader fteht ein fhwarzes länge
liches Fleckchen, fehr deutlicy auf den Vorderflügeln, ſehr ver—
Lofhen auf den Hinterfluͤgeln. Flecke vor dem Hinter:
rande find auf den VBorderflügeln nit, auf den Hinterflügeln
ſchwer zu erkennen. Auf der Unterfeite ift die. Grundfarbe ein
wenig gelbliher, an der Baſis bläulicher beftaubt als in Bois:
duvals Abbildung. Auf den Vorderflügeln find vor dev weiß
eingefaßten ſchwarzen rücdlaufenden Ader 3 faft zufammen-
hängende Augenfledhen (Boisduval fieht nur eing und
benußt es zur Unterfcheidung von L. orbitulus); hinter dem
Fleck der ruͤcklaufenden Ader folgt eine Reihe deutlicher Au:
genflechen (bey Boisduv. find fie verlofchen); die Strichel:
hen vor der ſchwarzen Randlinie find nur ſehr undeutlih. —
Auf den Hinterflügeln hat die rüdlaufende Ader einen großen
weißen herzförmigen (bey Boisd. ganz nierenförmigen )
Fleck; vor ihm liegt nahe am Vorderrande ein Augenfleck, und
hinter ihm am Vorderwinkel ein doppelter, beide ganz. deutlich,
Zwey noch größere liegen zwiſchen den Aeſten der Medianader,
ein kleinerer gegen den Schwanzwinkel. Zwiſchen dieſen drey
Augenfleckchen und der vor dem Rande herlaufenden ziemlich
verloſchenen Fleckenreihe iſt die Grundfarbe roͤthlichgelb.
40. L.epidolus, Boisduv. Index p. 13. 108., Her r.⸗
Schaͤff. Syſt. Kan T. 18. 19. ©. 114, Greher Neue
Beytr. 3. ©. 46. T. 223. Fig. 2: 8. L. Imenälcäs — ein
Männchen von * das den weißlichen Wiſch auf der Unter:
feite der Hinterflügel nur ſehr ſchwach hat.
41. L. eyllarus in beiden Gefchlechtern von Mermeriza ;
die zwey Weibchen find ohne blauen Anflug auf der Oberſeite
der Flügel; das Maͤnnchen hat auf der Unterfeite faft das Braun:
grau des Weibchens.
12
42. L. argiolus von Rhodus, ein Meibchen, auf ber
Oberſeite ber Flügel mit dunkler ſchwaͤrzlichem Nande und ſchoͤ—
ner biauem Schiller al$ an den einheimifchen Eremplaren.
45. Hesper. linea von Patara und Macti, beide Ge—
ſchlechter, auf der Oberfeite ganz wie unfere Art. Auf der Uns
terfeite ift das eine Männchen faft wie H. actaeon ‚gefärbt,
indem das Gelbgrau der H. linea (an der Vorderflügelfpige
und dem größten Theil der Hinterflügel) vielmehr mit Gelb ge:
mifcht ift und ber übrigen Farbung fehr nahe fommt. Beym
zweyten Männchen ift dies weniger auffallend. Beym Meibchen
find diefe Stellen weißlicher als gewöhnlich und in einem andern
Selb. Diefe Unterfchiede find nur Elimatifch.
44, H. actaeon von Patara und Stanchio.
45. H. pygmaeus Cyrill. Esp. pumilio Ochsenh. —
ein ganz verflogenes Männchen, bey Smyrna zu Ende Septbr.
gefangen, an welchem fich nur foviel fehen lief, daß die Un—
terfeite der Hinterflügel Eeine Binde weißer Flede führte, daß
es alfo wahrfcheinlih die Boisduvalſche H. nostradamus
Icon. pl. 47. fig. 3. ift, welche fi von H. nostradamus Fabr.
unterfcheiden foll.
46. Syrichthus Eucrate von Btufa, ein then,
in der Größe des gewöhnlichen S. alveolns.
47. S. alveolus von Mermerisa, — zwey Gkuntiche
Eremplare, etwas größer als die norddeutſchen.
48. Thyris fenestrina von Bruffa.
49. Sesia leucomelaena n. sp.
Alis hyalinis, anteriorum marginibus fasciaque nigris,
apice fulvescenti; corpore nigro; palpis, pectore,
pedum annulis abdominisque eingulis (A unico,
2 tribus) angustis niveis. (1 von Maci, 1 2
von Tlos).
Aus der Verwandtfchaft der S. tenthrediniformis et plii-
lanthiformis, leicht zu erkennen durch die ſchneeweiße Stirn
des Männchens, die weißen vordern Augentänder des Meibcheng,
die weißen Ninge des Hinterleibes und der Beine und die ein:
farbigen Fühler, — Größe der Eleinften Eremplare von 8. ten-
thrediniformis , das Männdyen etwas größer als das Weibchen.
Kopf oben tieffehwarz befchuppt, beym Männchen übrigens
fchneeweiß, befonders auf der Stirn; beym Meibchen ſchwarz,
zu beiden Seiten mit einer von der Fühlerbafis bis zu den Ta=
ftern längs des Augenrandes herabgehenden fehneeweifen Linie,
Fühler fchwarzbraun, violettglänzend, auf der Schattenfeite gelb
lich, beym Männchen dicht gefranzt, das Wurzelglied unten
weiß, die Spige mit einem Borftenbüfchelchen. Taſter ſchnee—
weiß mit fehwarzer Seitenlienie und gebtaunter Spike. Ruͤcken⸗
ſchild glänzend ſchwarz; Schulderdede des Weibchens an der
Spse gelblich; auf der Bafis der Worberflügel ein ſchneeweißer
Fleck. Bruft vorn und unter den Flügeln weiß, hinten ſchwar—
braun violettglaͤnzend. Worderhüften ſchneeweiß; die übrigen
wie das Hintertheil der Bruft. Beine violertbraun glänzend,
die Schenkel auf der Schattenfeite weiß; die Schienen an Ba:
ſis und Spitze, das erfte Zarfenglied an der Spike weißhaarig ;
die Schiendornen auf einer Seite weiß, auf der andern braun.
Hinterleib tiefſchwarz, an den Seiten ftahlblau und violettglän-
zend, neben dem Schildchen mit einigen weißen Haaren. Die
Ringe 3, 5 und 7. des Weibchens und der Ste des Maͤnnchens
haben einen fehmalen weißen Hinterrand als Gürtel um den
Leib; der des fünften Ringes ift am ſchaͤrfſten; alle gehen auch
um den Bauch herum, auf welchen noch einige weißliche Fleck—
chen liegen. Das Männden hat an den Seiten der Ninge 3
13
und 7 einige weiße Schuppen als Anfänge der Gürtel des Meib-
chens. Der Afterbuͤſchel ſchwarz, oben ‚auf mit; zwey weißen
inien, die beym Männchen feiner und getrennter find als beym
Meibchen; weiter unten find beym Männchen die Endhälften
der Haare ſchneeweiß; dag Meibchen hat nur. ein; paar weiße
Haarfpigen ; e3 bat aber auf der Bauchfeite einen gelblichen Laͤngs⸗
ftrih in der Mitte.
Die glasartigen Flügel find braunfranzig, außer am Innen⸗
rande der hintern, der beym Männchen ganz, beym Weibchen
nur am MWurzeldrittel "weißhaarig iſt. Die Vorderflügel haben
breite, beym Männchen ſchmaͤlere ſchwarze Nänder; der Fleck
auf der. ruͤcklaufenden Ader tiefihwarz, die Spige goldbraun, bes
fhuppt. Die Hinterflügel haben einen ſchmalen ſchwarzen Din
terrand; die MWurzelhälfte der Subdorſalader ift weiß. Auf der
Unterfeite find die Flügel bläffer und auf den Raͤndern gelblich
befchuppt; der Mittelffrich der vordern ift am; dunfelften und
ſchillert violett.
50. S. trivittafa n. sp.
Alis anterioribus squamatis violateo-nigris, lineola ante,
macula rotundata post venam recurrentem flavidis;
corpore nigro; occipite, vittis tribus dorsalibus
eingulisque abdominis tribus flavidis, barba anali
nigra. (1 2 von Standio).
Aus der Verwandtihaft der S. tenthrediniformis,; leicht an
der vollftändigen Befhuppung der Vorderflügel auf der Oberfeite
zu erkennen. Größe einer Eleinen S. tenthrediniformis. Kopf
hinten roſtgelbhaarig, auf dem Scheitel ftahlblaufchuppig, auf
‚der Stirn glänzendgrau. Fühler ftahlblau, auf der Schatten:
ſeite mit ochergelber Laͤngslinie bis unter die Spige, welche ein
Borſtenbuͤſchchen trägt. Zafter weißlichgelb, nach oben gelblicher,
das Endglied braun. Ruͤckenſchild bläulich ſchwarz; in der Mitte
vorn ein ochergelblicher, bis zur. Hälfte reichender Laͤngsſtrich;
ebenfo. gefärbt ift Innenrand und Spitze der Sculterdede,
wodurch zu jeder Seite des Nüdens eine gelbe Laͤngslinie ent
fteht. Bruſt hellgelb, hinter den Vorderhuͤften ftahlblau bes
ſchuppt. Beine fchön ftahlblau, auf der Schattenfeite, gelblich,
was gegen die Kußfpigen zu. verlofchener wird; an der Mitte
und Spike der Schienen find einige gelbliche Haare; die Dor—
nen gelblih mit bräunlihen Spigen. — Der dide Hinterleib
ſchwarz ftahlblauglänzend; die Ringe 3, 5 und. 7 haben blaß—
gelbe, fhmale Nänder, die fih an der Seite erweitern und
don denen der leßte nicht um den Bauch herum geht. der fechfte
Ring hat an der Seite gegen den Bau, hin einen gelblichen
led. Der Afterbüfhel iſt fchwarz violettglänzend; nur am
eitenrande haben ein paar Haare eine ocheraelbe Baſis. Vor—
derflügel ſchwarz, violettglänzend;. vor dem Fleck auf der ruͤck—
laufenden Ader liegt ein Eurzes, ſchmales, blaßochergelbes, mit
der Spite gegen die Flügelbafis gerichtetes Dreheck; binter ihm
iſt ein rundlicher Fleck von ebenfolher Farbe, mit zwey gegen
(den Hinterrand gerichteten. Strahlen... Vor dem. Vorderrande
ein paar gelbliche,, zerftreute Schuͤppchen. Hinterflügel glasartig
mit ſchmalem, ſchwarzem Rande. Auf der Unterfeite find. die
Vorderflügel von der Wurzel aus bis zum Querfled und der
Vorderrand der Hinterflügel blaßgelb befchupptz der Fleck hinter
‚ihm ift größer als auf der Oberfeite und entbehrt einiger Schuppen,
wodurch beym Betrachten gegen das Licht, eine etwas durch-
ſcheinende Stelle entfteht.
‚51.8. eynipiformis von Mermeriza, Patara und
Bruſſa; das eine Männchen ift wie eine kleine S. tenthredini-
‚formis, das andre und das Weibchen wie S. euliciformis.
14
52. S. chrysidiformis von Patara und Macri in
Mehrzahl. Einige haben lebhafter gelbe Hinterleibsguͤrtel Als
andere und dabey ſchoͤne orangerothe Behaarung der 4 hintern
Schienen.
53. S. Loewii n. sp.
Alis hyalinis, anteriorum apice (A angustissime, 2 la-
tius) flavis; corpore nigro, abdominis cingulis sub-
tribus flavis, medio latissimo, barba anali flava,
latere parum nigra.
Eine breitgürtelige Art der S. uroceriformis nahe ftehend;
ihre in Mehrzahl vorhandenen hellgelben Gürtel, ihr an den Sei:
ten etwas ſchwarzer, fonft gelber Afterbuſch und der ſchwarze,
nicht rothe Fleck der Worderflügel zeichnen fie hinreichend aus.
Größe von S. euliciformis; dody ein Weibchen wie eine Eleine
S. tenthrediniformis. Kopf oben dottergelb befhuppt, auf dem
Scheitel des Maͤnnchens mit ‚einem großen, des Weibchens
Eleineren-glänzend ſchwarzen Fleck; zwiſchen dem Fühler und dem
Auge: ein weißer Fleck; Obergeſicht violettfchuppig. Fühler glaͤn⸗
zend ſchwarz, auswärts vor der Spitze mit einem roſtgelben
Fleck, der ſich beym Weibchen in einer Linie weit gegen die
Baſis verlängert (das kleine Weibchen hat von dieſer roſtgel—
ben Beſchuppung ſchwache Spuren); die Spitze traͤgt ein Bor⸗
ſtenbuͤſchel. Taſter an der Wurzelhaͤlfte weiß, uͤbrigens roſt—
gelb; an der Spitze des zweyten Gliedes ein ſchwarzer Strich
oder Fleck; die Spitze des Endgliedes ſchwarz. — Ruͤckenſchild
ſchwarz, Kragen ftahlblau; die Schulterdecken außen breit dot—
tergelb gerandet, hinter dem Hinterfluͤgel mit einem blaͤſſern,
zum Schildchen hinziehenden Fleck und weißlichen Haaren. Bruſt
vorn bis. unter die Flügel dottergelb. Beine blaͤſſer; Vorder—
büften breit weißfchuppig; die übrigen Hüften fowie die weiß—
haarigen vier hintern Schenkel glänzend violettſchwarz; ebenfo
die Bafıs und ein Ring, der auf den Bauche volljfändig und
faft weiß ift; der dritte Ring hat beym Weibchen auf dem
Rücken bisweilen. und ‚bey. beiden Gefchlechtern an der Seite
ſtets einen gelben Fleck; der vierte Ning hat einen breiten voll-
ftandigen Gürtel, fo wie der fechfte, nur iſt der des letztern
ſchmaͤler; der fünfte Ring ift am hintern Theile der Bauchſeite
gelb; der fiebente beym Männchen ganz gelb, beym Weibchen
bloß an der Seite. - Diefe gelben Gürtel find beym Männchen
am fchönften, bey den verflogenen Weibchen mehr oder teniger
weißlich. Der Afterbufch gelb, beym Weibchen kürzer und an
der. Seite der. Länge: nach ſchwarz; beym Männchen find da—
ſelbſt nur die Spisen der Haare bräunlich, und der untere Theil
des Bufches ift ſtrohgelb, glänzend. — Die glasartigen Flügel
haben ſchwaͤrzliche, nur an der Bafis des Snnentandes der Hin-
terflügel weißliche Franzen. Die Nänder der Vorderflügel find
ſchwarz, der Querfle® dunkler; der glasartige Theil gelblich
gerandet. Zwiſchen dem Querfle® und dem Hinterrande in der
Mitte geht beym Männchen ein fchwärzlichee Bogen, der Raum
von ihm bis zum Hinterrande ift gelb befchuppt.. Das Männ-
" hen hat nur im Vorderwinkel einen fehr Eleinen gelbfchuppigen
Raum, dafür aber, da auch der ſchwaͤrzliche Bogen fehlt, eine
defto. größere glasartige Stelle; in beiden Geſchlechtern find die
Adern von der rücdlaufenden Ader an erft gelb, dann ſchwarz.
Die Hinterflügel haben nur eine ſchwarze NRanblinie,. die fich
beym Weibchen in; der Flügelfpise etwas verbreitet. — Auf der
Unterfeite jind die befchuppten Stellen aller Flügel -heilgelb ;
nur. die Flecke der ruͤcktaufenden Ader, der Bogen vor dem Hin-
terrande der Vorderflügel des Weibchens und die Hinterränder
ſelbſt find ſchwarz.
15
54. Ses. ichneumoniformis — ein Weibchen in ber
Größe von Ses. tipuliformis, von Bruffa, Nach genauer
Vergleihung der Belchreibungen und der Eremplare in meiner
Sammlung fann ich diefes Weibchen nur für Ses. ichneumo-
niformis halten; es unterfcheidet ſich von gewöhnlichen Erem:
plaren nur in Folgendem: 1) es ift viel kleiner; 2) der After:
bufch hat mehr Gelb, und die Seitenpartie nur die Spitzen—
hälfte ſhwarz; 3) die Fühler find von der Baſis aus auch
auf der Ruͤckſeite lehmgelblich. Dieſer dritte Unterfchied wäre
der wichtigfte; er verliert aber, fein Gewicht dadurch, daß das
- Thier an Kopf und Nücenfchild fehr verwifcht ift, daß ins Be:
fondere die Fühler nur zu 3 vorhanden find und ihnen ein
großer Theil der Befhuppung mungelt.
55. Macrogl. stellatarum — der gemeinfte Schmet:
terling Kleinafieng, unaufhörlih an Hütten und altem Holzwerk
ſchwaͤrmend.
56. Deileph. vespertilio von Bruffa. ;
57. Deileph. Alecto L. Mus. Lud. Ulrie. Nr, 376.
Boisduv. Index Nr. 376. Herrich- Sch. Syſt. Sphingid.
tab. 2. fig. 4.5. — flog in Rhodus im Map haufig.
58. Zyg. peucedani, fechsfledige Eremplare ohne alle
Auszeichnung, von Rhodus.
59. Zyg. laeta von Bruffa, ein Meibchen.
60. Procris obscura n. sp. von Mermeriza und
Rhodus. *
Nahe verwandt mit Pr. statices, in der Größe gleich dem
Weibchen der genannten Art. Die Unterfchiede beider Arten
find folgende: 1) beide Gefchlechter der Pr. obscura haben
gleihe Größe; von Pr. statices ift das Männchen doppelt fo
groß wie das Weibchen, 2) bey Pr. obseura find die Flügel
ſchmaͤler und geftredter; der geradere Hinterrand der Vorder:
flügel bitbet mit dem Innenrande einen ftumpfen Winkel; 5) die
Hinterflügel der Pr. obscura haben ein dunkleres, rauchfarbiges
Braun, das fih um den Schwanzwinfel und an ber Spitze
am meiſten verdunkelt, dagegen ſich längs der Mittelzelle zu
einem etwas durchfcheinenden Naum lichtet; 4) der Hinterleib
der Pr. obsenra hat zwar auch grünen Schimmer, nimmt
aber an der Färbung der Hinterflügel viel mehr Theil, als dies
bey Pr. statices der Fall ift; 5) bey Pr. obsceura find bie
männlichen Fühler (mit angelegten Fiederzähnen) dicker, die weib—
lichen aber etwas länger und mit ftärferer Kolbe verfehen als
bey Pr. statices. — Cin Männchen bat ganz das Blaugrün
unferer gewöhnlichen hiefigen männlichen Pr. statices ; bey den
vier andern ift es fo mie ben beiden Meibchen fo gelbgrün wie
bey den meiften Meibchen von Pr. statices.
Diefe entfchiedene Art, die vielleicht mit der in Boisduvals
Snder Nr. 449. ohne nähere Bezeichnung aufgeführten Pr.
cognata aus Andalufien einerlen iſt, ftebt wahrſcheinlich zu
Proer. statices in gleihem Verhältnif, wie die Fleinen öfter:
reichiſchen Falter mit ſpitzen Fühlern zu der P. globulariae,
denen jedoch Treitſchke die Artrechte nicht zugeftchen wollte.
61. Proer. ampelophaga von Bruſſa, ein Männchen,
das den Uebergang zu Pr. sepium Boisduv. bildet, indem
feine Vorderflügel weniger hellroth find als bey der genannten
Art, und der Hinterleid das glänzende Grün der Pr. ampelo-
phaga befißt; woraus hervorgeht, daß die neue Boisdunpali:
ſche Art nichts ift als eine etwas veränderte Pr. ampelophaga.
62. Euchelia jacobaeae von Patara, wo fie gemein
war und in ben Morgenftunden floa; beide Gefchlehter, an
denen der erfte Randfleck der Vorderflügel dreyedig ift mit nad)
—
16
innen gerichteter Spitze, während er bey den einheimiſchen Exem⸗
plaren nach innen abgerundet ift und eine Ausrandung hat.
63. Euchel. pulchella von Makri und Rhodus; die
Hinterflügel des einen Eremplars haben einen weniger tief aus:
gebuchteten fhwarzen Rand.
64. Lithosia costalis n. sp.
alis anterioribus angustis cinereis, costa anguste et
aequaliter flava; posterioribus Navidis. (1 Weibchen von
Bruffa.)
(Lith. complana: alis anterieribus angustis einereis
nitidis, costa latius et aequaliter flava; posteriori-
bus llavidis.)
Der Lith. complana nächſt verwandt, daher gebe ich nur
die Unterſchiede: 1) Lith. costalis ift viel größer, faſt wie
eine Eleine Lith. quadra. 2) ihre WVorderflügel find ein wenig
breiter; 3) die Grundfarbe ihrer Vorderflügel iſt weniger glaͤn⸗
zend, der von Lith. lurideola aͤhnlich; 4) der Worderrand der
Vorderflügel ift ganz ſchmal und überall gleichbreit dottergelb,
wofür er bey Lith. complana gegen die Baſis und gegen die
Spige hin fich erweitert und viel breiter und einmwärts bläffer
ift. (Auf der Unterfeite ift er bey beiden Arten ziemlich gleich,
nehmlich gegen die Spike hin breiter; dagegen iſt das graue
Mittelfeld unferer Art bläffer.) 5) Auf den Hinterflügeln ift
ein mehr ing Graue ziehendes Gelb als bey Lith. complana.
65. Lith. vitellina? von Stanchio, ein Weibchen, das noch
am beften mit der Abbildung und Befchreibung bey Boisdu-
val ftimmt (Tcones pl. 57. fig. 10. ©. 105.). Die Geftalt
ift diefelbe; der Vorderrand der Worderflüigel verfließt aber viel
mehr in die Grundfarbe als dort, und die Hinterflügel find _
etwas gelbgrauer. Kopf und Kragen find fehr bleich und ver—
fchoffen gelb,
Boisduval ift nicht ficher, ob fein befchriebenes Exemplar
wirklich Lith. vitellina ift. Wie er, habe auch ih) an Lith.
eaniola gedacht, die ich nicht beſitze. Allein Lith. caniola ſoll
die Flügelgeftalt von Lith. complana haben, während unfere
Art eher mit Lith. depressa in Vergleich zu bringen if.
66. Naclia punctata von Makri und Rhodus.
Un allen Eremplaren find die beiden dem Hinterrande naͤch—
ſten Flecke zu einem einzigen beiderfeit3 ausgerandeten zufammen-
gefloffen; der einzelne davor gegen den Worderrand liegende
ändert in der Größe; bey einem Maͤnnchen und zwey Weib—
chen ift er ein bloßer Punct, und bey einem Maͤnnchen ift er,
nur auf der Unterfeite als Punct fichtbar. Derſelbe Wechſel
in der Größe zeigt fih an dem auf der Flügelmitte liegenden
Paare, wovon der vordere Fleck an den Männchen bey obere
flächlicher Befichtigung gar nicht gefehen wird. — Die Hinter:
flügel find im Mittelfelde der Laͤnge nach beum Männchen
durchfichtig; die Meibchen haben einen länglichen Eleinen Glas—
fle@ gegen die Wurzel hin und bisweilen Fahle Stellen in der
Veräftelung der Medinnader.
67. Callimorpha hera von Rhodus, wo fie haufig war.
Das mitgebradyte Weibchen zeichnet ſich duch ungewöhnliche
Groͤße aus.
68. Chelonia villica bey Epheſus im April, auf Rho—
dus im May — eine füdliche Varietaͤt, ein Bindeglied zwiſchen
der nordifchen Chel. villica und der Var. Konewkai (Freyer
N. Beytr. 1. Taf. 33. fig. 1. 2.). Die Slede der Vorderflügel
hängen nehmlich nicht mit dem Vorderrande zuſammen, find
aber fowie die des Ruͤckenſchildes nicht weiß, fondern blaßgelb.
Die ſchwarzen Flecke der Hinterflügel find ſehr klein. Zwey
17
Weibchen haben den Vorderrand des Meforhorar blutroth, was
aber: bey hiefigen Weibchen auch nichts Ungewohnliches iſt.
69. Arctia fuliginosa aus dem mittleren Mäanderthal,
ein Weibchen, auf deſſen Hinterflügelm von’ der Baſis bis zu
den Flecken des Hinterrandes kein grauer Schatten ‚geht, fondern
alles der Grundfarbe ‚gleich. bleibt.
70..Saturnia piri — war überall. haͤufig auf Eypreffen ;
die Raupe puppt fich in weißem oder gelblichem Gefpinnft in
den. Aftwinfeln,; feltner-unter nahe liegenden. Steinen. ein,
71. Aeronyeta megacephala, von Carajalu, ein
Männchen, das) mehrere, Eigenthümlichkeiten hat, die mir. jedod)
nicht - auf fpecififche Unterfchiede hinzudeuten ſcheinen. Der Rings
fle etwas. indie Länge gezogen; von. ihm. bis zum. Nierenflcd
ein ſchwarzer difer Strich; die zweyte ſchwarze Querlinie feiner
und dem Hinterrande naͤher. Auf der. Unterfeite, find. die Vor—
derrinder grau durch fehr meitläufige ſchwarze Beftaubung; die
durch die Mitte gehende Punctreihe fehlt ganz; der Mittelpunct
iſt ſehr undeutlich; die Discoidalzelfe der Vorderflügel ganz ohne
Schwarzgrau. Uebrigens ift die Geftalt diefelbe, die Hinter
flügel find weiß mit wenig gefchmwärzten Adern, mie oft bey
Agr. megacephala.
72. Noctua fumosa von Bolat, ein ziemlich verflogenes
Männchen.
‘73. Agrotis puta ein ziemlih gutes Männchen, am
18 ten April im Waldgebirge bey Davas gefangen; es flimmt
ziemlich überein mit Boisduvals Icones pl. 81. fig. 5., ift
aber etwas größer; die Zadenlinie vor dem Hinterrande der
Vorderflügel ift kaum in Ueberreften vorhanden, die zweyte ganze
Duerlinie ift dagegen gut ausgedrüdt. Die Treitſchkiſche
Befchreibung macht diefen Falter nicht kenntlich.
74. Agrot. suffusa von Denizli, Tefenuͤ und Phinika,
in beiden Gefchledhtern.
75. Hadena brassicae von Bruffa, ein ungewöhnlich
großes Weibchen.
76. Plusia gamma war überall außerordentlich häufig;
die von Mermeriza, Carajafu und Denizli mitgebrachten Erem:
plare kommen in der Größe nur unfern Eleinern gleich.
77. Plusia ni von Mermeriza.
" 78. Anthoecia cognata von Smyrna.
79. Helioth. peltigera von Nhodus.
"80. Acont. solaris — bie dunkle, bey ung gewöhnliche
Varietät, wo Körper und Baſis der Hinterflügel grau ift, wurde
in mehreren Eremplaren bey Nhodus, andere bey Patara und
Mari gefangen. Die helle Varietät, an welcher der Körper
und die Wurzel aller Flügel weiß find, wurde in einem ver-
flogenen Männchen von Bruffa, und ebendaher ein Bindeglied,
deffen Hinterleib nehmlich fo wie die Bafis der Hinterflügel
grau und graufledig ift, mitgebracht.
81. Erastr. ostrina von Nhodus und Patara in beiden
Geſchlechtern.
82. Antoph. amoena von Bruſſa, ein unverflogenes
Weibchen in blaſſer Varietaͤt, auf der ſich alle Zeichnungen
vorfinden, und deren dunkelſte Stelle an der Spike der Vor—⸗
derflügel hell gelbbraun ft. e
83. Zethes insularis Ramdur, Annal. de la Soc.
entomol. de France tome 2. pl. 2. fig.:1. (fem.) pag. 29.
Noctua Natlyi Seeger N. Beytr. 3: Taf. 222. fig. 2. (fem.)
pag.'43. id
Rambur fieng diefen- Falter zu Anfang Suny auf einem
Berge bey Ajaccioz Freyer erhielt ihn von Kindermann
Iſis 1847. Heft. 1.
— 18
mit: der Nachricht, daß er bey: Conſtantinopel im July ih teod-
nen Gegenden gefangen worden ſey. Unfer Männchen wurde
bed Patara Mitte May gefangen: Jene zwey Abbildungen
weichen etwas unter fich abz in der Namburifchen iſt auf
den Vorberflügeln die heilge'se Grenzlinie des braunen Grundes
dem Hinterrande näher und bildet, vor. dem Innenrande einen
ftumpfen. Winkel. Freyers Bild flimmt in der Zeichnung
beffer mit unferm Exemplare; letzteres hat aber. den Raum
zwifchen der Gränzlinie und dem Hinterrande 'hellfchiefergrau,
ftatt blaßochergelb, und auf den Hinterflügeln und der Unter-
feite treten die Zeichnungen aus dem düfteren Grunde weniger
hervor.
Daß diefer Falter Erin Spanner ift, vermuthet Freyer mit
Recht; er iſt ein Bindeglied zwiſchen den Gatocaliden und Py—
taliden mit langen Zaftern, und feine Stelle zwiſchen Ophiusa
und Herminia hat Rambur gut beffimmt.
84. Geom. eytisaria var. b,,.cinerascens ( Bdval.
Index. pag. 180.) — ein Männchen von Mermeriza — etwas
größer und breieflügliger als unſere einheimifchen Cremplare,
auf meißem Flügelgrunde mit braungrauen Schuppen, ſtatt
blaßgrüner, reichlich betreut, Den auffallendften und vielleicht
doch fpecififchen Unterſchied geben. die Bühler, deren Schaft auf
der Ruͤckſeite braͤunlich grau, an der Baſis heller, und. deren
übrigens gleichgeftaltete Kammzähne hellbraun find.
85. Aspil. sacraria von Bruſſa, Ephefus, Kellemiſh
und aus dem Mäanderthal. Die 4 Männchen find ohne allen
roͤthlichen Anflug, und ihr Querftreif ift, fomie die Bafis des
Vorderrandes ſchmal und faft gelbbraun; bey einem: jedoch. ift
er blutroth wie bey Freyer N. Beytr. 2, Taf. 131. fig. 1. 2.
Das einzelne Weibchen ift merklich größer als die Männchen,
die Grundfarbe feiner Vorderflügel geht mehr ing Dchergelbe;
der Querſtrich verdünnt ſich gegen: den Innenrand und ver-
ſchwindet vor demfelben.
86. Aspil. eitraria von Carajafu, zwey abgeflogene
Männden.
87. Amphid. hirtaria von Epheſus, ein Männchen
in. der Größe gleich den kleinſten Exemplaren , auf Ruͤckenſchild
und Flügeln mit fehr wenigem Weiß, viel dunfler und weniger
durchfcheinend als gewoͤhnlich. Die Vorderfluͤgel haben einen
gelblihbraunen. Zon, nur ihre hintern Querlinien find. beftimmt
ausgedrüdt; die Querlinie nahe der Fluͤgelbaſis ift nur in ihrem
Anfange auf dem Innenrande deutlich und ftark. Das. fonft
Helle ift an diefem Exemplar verdunfelt,' die dunfeln Querlinien
undeutlich und verwifcht: Ungeachtet diefer abweichenden Fär-
bung und der: fpäten Erfcheinungszeit (7 April — was mit
unferem May zufammenfallen: würde). ſcheint diefes Eremplar
nicht fpecififch von unferer Art verſchieden.
85. Boarmia correptaria.n. sp.
Alis subrufescenti cinereis, anterioribus strigis dua-
bus nigris obliquis e dorso attenualis, posteriore in. venis
denticulum exserente ante costam oblitterata; strigula
media ‚nigra.
Zwey Männchen von: Pera und Smyrna. Fiſcher von
Röslerftamm beftimmte fie. als Geom. Sabinaria Boisduv.
Sie fönnen aber weder deffen Eupitheeia sabinaria, noch feine
Boarmia perversaria (Sabinaria Anderegg,) fen, da diefe
legtere für eine mögliche Warietät der Bo.irhomboidaria erklärt
wird, woran beh unferer Art nicht zu denken ijt.
Größe kaum wie Geom.; petraria, alſo faft halb fo groß
tie Bo. rhomboidaria, deren Flügelgeftatt und Grundzeichnung
2
19
unfere Bo. correptaria jedoch hat. Körperfärbung braungrau,
ein Stirnbuſch und die Tafter dunkler, Fühler: der Stiel ift
weit vor der Mitte am dickſten und dann allmählich verjüngt,
auf dem Nüden einfarbig braungrau; die doppelte Reihe Kamm—
zähne verkleinert ſich nad) beiden Enden hin; die Außerften 10
dis 12 Glieder find nur mit kurzen Zähnen und Borften
verſehen.
Flügel roͤthlichbraungrau, im Mittelraum wenig ſchwarzbe⸗
ftäubt, merklicher gegen den Hinterrand, und die Vorderfluͤgel
auch am Vorderrand. Die beiden gewöhnlichen ſchwarzbraunen
Querlinien entfpringen ziemlich did, die hintere gabelfürmig,
auf dem Innenrande, die erfte auf dem Anfange des zwepten,
die andere auf dem des dritten Viertels; beide erreichen den
Korderrand nicht und legen fich fehr chief; die zweyte conver—
giert mehr gegen den Hinterrand als die erfte, ift ziemlich gerade,
verdünnt ſich allmählich und hat auf den Adern auswärts Eleine
Zähne. Auf der ruͤcklaufenden Ader, der erften Querlinie nahe,
befindet ſich ein fhwarzbrauner Strich. Zwiſchen der zweyten
Duerlinie und dem Hinterrande ift eine ſchwachwellige, dem
Rande ziemlich parallele, verloſchene, helle, dunkler gerandete
Linie. Die ſchwarze Randlinie ift zart und zwifchen den Adern
etwas verdickt und. gebogen; vor der Spige ift zmwifchen ihnen
und der MWollenlinie eine dunkle Stelle. Die Franzen find
bräunfich mit helleren Spitzen. — Hinterflügel an der Bafis
heller, haben hinter der Mitte eine ſchwarzbraune, am Innen⸗
rande ſtaͤrker ausgedruͤckte, ſchwach gezaͤhnte Querlinie; die
Wellenlinie vor dem Hinterrande iſt undeutlich. — Die Unter—
ſeite iſt zartet und blaͤſſer als die Oberſeite; die Querlinien find
ſichtbar, und zwar die hintere auf den Vorderfluͤgeln breit ⸗ga⸗
belfoͤrmig vom Innenrande bis faſt zur Fluͤgelhaͤlfte. Der
Mittelſtrich der Worderflügel iſt deutlicher als die Quetlinien.
Die Votderhaͤlfte des Hinterrandes derſelben Fluͤgel iſt dunkel
und enthält an der Spitze einen etwas blaͤſſeren Raum." Fran⸗
zen braungrau mit verlofchenen dunkleren Sieden.
An dem europäifchen Exemplar ift die Färbung der Unterfeite
weniger zart und rein.
89. Gnophos sartata von Denizli, ein ſehr abgefloge=
nes Weibchen. |
90. Cabera ononaria. Das Männden wurde) ſchon
abgeflogen am 18. May im XZanthusthale auf einer fumpfigen
Wieſe, das Weibchen in ähnlicher Localität zu Kellemiſch ges
fangen.
91. Acid. rufaria von Stanchio.
92. Acid. bilineata. Von 6 Exemplaren, die bey Tlos,
Makri und Rhodus gefangen "wurden, gehören nur zwey zu
unferer nördlichen, auf ullen Flügeln gleichgelb gefürbten Baries
tät; die andern gehören der von Freyer N, Beytr. 1. tab. 82.
fig. 2. aus Stalien ftammenden Varietaͤt an, die auf den. Vor:
derftuͤgeln und gegen den Hinterrand der Hinterflügel ein hell:
braunes Gelb hat. "Die 4 weißen Querlinien treten durch ihre
ſchwarze Einſaͤumung befonders lebhaft hervor. Die zwey mit—
telſten Querlinien der Vorderfluͤgel ſtoßen bey allen Exemplaren
hier und da zuſammen und ſind bey der gelbbraunen Varietaͤt
in der Mitte 1bis 2mal durchgeriffen.
93. Lar. plagiata von Mafti, ein Männchen, Elein mit
weißlicherer Grundfarbe als gewöhnlich.
94. Cidaria galiata von Mermeriza, ein großes Weib:
chen. Die Flügel haben eine dunklere Färbung als gewoͤhnlich,
nehmlich die vordern eine mehr mit Roſtgelb gemifchte, bie
hinten eine dunkler graue, Die Mittelbinde der Vorderflügel
20
ift fo breit, wie fie nicht haufig vorkommt, und hat nicht bloß
die Mitte blaufchwärzlich, fondern ift uͤberall gleichmäßig: fo
gefärbt, mit undeutlihen Wellenlinien; fie ähnelt alſo darin
der bekannten DVarietät von Cid. ferrugaria. H
!
95. Melanthia breviculata Donzel Annal. de la
Soc. ent. de France VI. pag. 478. tab. 18. fig. 7. Brevi-
cularia Boisduv. Ind. pag. 217. — ein Männchen von
Rhodust, von welchem aber die ganze Bafis, ähnlich der Mel.
albicillata, und nicht bloß der Votderrand, wie in der nicht
fhönen Donzelfchen Abbildung, toftbraun iſt. Donzel ent:
decfte diefe Art bey Hyeres und Dignez fie lebt aber auch in
Sicilien. ine verbefferte Diagnofe ift folgende: alis albis,
puncto medio nigro, anteriorum basi apiceque ferrugineo-
fuscis, strigis duabus postieis serrato-angulatis einereis
ante maculam anguli postici desinentibus,
96. Melanth. flucetuata von Nhodus.
97. Minoa flavicornatan. sp.
Antennis ferrugineis, alis flavescenti-griseis , postice
magis cinereis; anterioribus strigula venae recurrentis
fuscescenti obsoleta.
Beide Gefchlechter von Makri. Nächfte Berwandtfchaft mit
Min. griseata, doc) die Vorderflügel ſchmaͤler, weniger plößlic)
zugefpist und nicht fo fpis endigend, Größe der Eleinften Min.
griseata.
Körper hell gelbgrau, beym Meibchen weißlicher; der Kragen
mehr roftgelb. Zafter zufammengedrüdt, wenig bervorftechend,
weißlich; Endglied kurz, ſtumpf, braun, Auf der Mitte der
Stirn ein kahler Längsftreif. Fühler mit. gelbgrauem Rüden,
toftgelblich, fehr Eurzbanrig. Die Vorderflügel dunkler als der
Körper und die Hinterflügel, ochergelbgrau; vor dem. Hinter-
tande breit dunflergrau; eine dunklere Nandlinie fcheidet die
Fläche von den hellen Franzen. Die rüdlaufende Ader trage
einen braunlichen, auf der untern Slügelfeite fihtbarern Strich.
— Auf der. Unterfeite find ‚die Vorderflügel in der Mitte am
dunfelften, nehmlicy grau, und ringsum ein wenig dunkler als
beide Seiten der Hinterflügel,
Die weiblichen Flügel find kuͤrzer und breiter, als die maͤnn⸗
lichen, wie es auch bey-Min. niveata und griscata der Fall iſt.
98. Idaea calabraria von Makri und, Rhodus, in
beiden Gefchlechtern. Diefe Urt ändert. in der Schönheit der
Färbung, ‚aber nicht in den Zeichnungen; Freyers Geom, tae-
niaria 2. tab. 131. fig 3. fcheint eine folche Barietät zu feyn,
wo das Gelb verblaft und das Rothe ſich in Weißgrau ver-
wandelt hat.
99. Id. degenerata — ein Weibchen, auf Rhodus im
April gefangen, leicht als dieſe Art durch die ſpitzen Vorderflügel
kenntlich; der ganze Vorderrand der. Vorderflügel iſt rothgelb
auf der. Oberfeite, ochergelb auf der Unterfeite; die Beine haben
die Farbe des Körpers, nicht wie Treitſchke fagt, eine braune.
100. Idaea luridata n. sp. -
Alis dilute ochraceis; cinereo-pulvereis, anteriorum
strigis ‚subquatuor serrato-augulatis nigricantibus‘ in, ma-
culas costales desinentibus posteriorum punctulo medio
nigro.
Ein Weibchen, von Rhodus, nächft verwandt: mit Id. immu-
tata, von dieſer verfchieden 1) durch. etwas weniger fpiße Vor—
derflügel, 2) durch die heil ledergelbe Farbe des Körpers und dev
Flügel (dort fhmusig weiß), 3) durch die ſtarken, ſchwaͤrzlichen
Vorderrandflede, in welche die Zadenlinien der Vorderfluͤgel
21
endigen, 4) durch die Stelle der zweyten Zadenlinie der Vor:
derflügel, welche nehmlich bey Id. immutata hinter dem Mittel:
punct Läuft, hier aber an ihn ſtreift und ihn ziemlich unfenntlic)
macht, 5) durch die größere Entfernung der dunfeln Zadenlinie
vom Hinterrande; auch nimmt diefe vor dem Vorderrande ihre
Richtung weniger nad) innen, 6) durch den Mangel der hellen
Zadenlinie, die bey Id. immutata in einiger Entfernung vor
den’ Franzen‘ herläuft, indem nehmlich die dunfeln Schuppen
- bey Id. luridata alles ziemlich gleihformig verdecken, 7) durch
die vor den Franzen herlaufenden ſchwarzen gleichförmigen
Strihelhen, wofür dort Puncte oder in der Mitte verdicte
Strichelhen ſtehen; diefe Strichelchen find bey Id. immutata
durch einen hellen Naum unter fih und von den Franzen ges
fchieden; bey Id. luridata ſchließt fidy die graue Sranzenfarbe
den Strichelhen "unmittelbar an. — Die Unterfeite ift- trübe,
glanzlos, ohne merkliche Spuren von Zeichnungen; die Rand»
ſtrichelchen find ganz verlofchen; ebenfo das Mittelpünctchen ber
Hinterflügel. .
101. Id. ornata von Bruffa und Phinika in ganz ges
woͤhnlichen, mittelgroßen Exemplaren.
102. Id, politata von Stanchio, ein ſchoͤnes Maͤnnchen.
103. Id. ostrinaria Hübn. fig. 430.
Alis lutescentibus costa anteriorum ad basim limbo-
que omnium late purpureo-violaceis, eiliis ferrugineis.
Ein Männden auf Rhodus am 25. April gefangen, aus
der Verwandtfchaft der Id. aversata, in der Größe der Id.
' ornata.
Grundfarbe des Köpers und der Flügel lehmgelb, auf der
Unterfeite bläffer, glängender und angenehmer, Die fleinen,
dünnen Zafter dunkelgelb. Obergeſicht braun; Raum zwifhen
den Fühlern fchneeweiß, welche Farbe an dem Rüden der uͤbri⸗
gens gelblihen, geftanzten Fühler eine Sttede hinauf geht;
Kragen und Schulter zimmetbraun. - Die verdidte Hinterfchiene
ift lang feidenhaarig, von der Länge des Schenkeld und viermal
fo lang mie der verfümmerte Tarfus. Flügelgeftalt wie bey
Ad. Aversata, die Vorderflügel noch etwas geftredter. Ihr
Vorderrand ift am Wurzeldrittel firiemenartig purpurviolett,
darauf angenehm roftgelb wie die ganzen’ Franzen; eine ver:
lofhene feine wellige Purpurlinie geht vor, eine noch verlofche:
nere über die ruͤcklaufende Ader; in gleihem Abftande von diefer
folgt eine fcharf ausgedrücdte, auf der vordern Flügelhälfte ſehr
gegen den Hinterrand divergierende, zwiſchen welcher und dem
Hinterrande der Raum mit purpurvioletter Farbe, jedoch gegen
den Vordertand nur in blaffen Wifchen, ausgefüllt ift. — Auf
den Hinterflügeln find zwey ziemlich parallele, wellige Linien,
die eine vor, die andere auf der Mitte ſichtbar, die leßtere deut—
* zwiſchen ihr und dem Hinterrande folgt blaͤſſere, weniger
violett gemiſchte Purpurfarbe, welche ſich gegen den Rand ver—
dunkelt. — Auf der Unterſeite der Vorderfluͤgel vertritt dunkel⸗
graue Farbe die Stelle der purpurnen, und die zwey erſten
Querlinien fehlen; auf den Hinterfluͤgeln iſt nur vor dem Hin—
terrand eine unregelmaͤßig wellige graue ſichtbar und der Saum
nicht verdunkelt.
Huͤbners Abbildung iſt etwas kleiner mit mehr gerundeten
und ohne blaßpurpurne Wiſche an der Vorderfluͤgel⸗
i
fpiße; wegen der Fühler hätte er aud die Endung ata wählen
ſollen. Die Stelle neben Auroraria, die Boisduval der Art
anweiſt, ift ganz falſch. Nach ihm (Index p. 223) lebt Ostri-
naria in der Provence und fliegt im Suny.
en *
22
104. Pyral. Cuprealis Duponchel pyral. pl. 213.
fig. 5. — ein Männchen von Pera.“
105. Pyral. netricalis, zwey Männchen von Merme:
riza, wie fie Duponchel pl. 214. fie. 1. nur mit falfcher
Grundfarbe als Cledeobia graecalis abbildet.
106. Scopula Bourjotalis Dup. pl. 231. fie. 4.
Fiſcher von Nöslerffamm Beytr. tab. 90. fig. 1. Pyral.
badialis Treitschke — nur in maͤnnlichen Eremplaren von
Makri und Rhodus.
107. Seopula pustulalis — ein auf Rhodus im April
Hefangenes Männchen, durchaus fo wie diefer noch an wenig
Stellen aufgefundene Zünsler bey Frankfurt an der Oder in
Menge gefangen und erzogen wurde.
108. Botys silacealis von Mafri in beyden Ge:
ſchlechtern.
109. Botys rubiginalis von Bruſſa. {
110. Botys Bruguieralis Duponchel pl. 232. fig. 3.
pag. 320. (?), von Bruffa, ein gut erhaltenes Männchen.
Diefe Art ſteht der Zeichnung nach offenbar der Bot, ophialis
am nächften, unterfcheidet fich aber fpecififch davon durch bie
viel geftredtern, ſchmaͤlern WVorderflügel und die verdunfelten
Hinterflügel_ und noch weit mehr durch. die langen Fühler und
Beine. Unbebenklih würde ich fie zu dee Dupondyelifchen,
bey Nismes und in Corfica einheimifchen Brugnieralis rechnen,
wenn leßtere nicht vor der Mitte einen Ning ftatt des Punctes
unferer Urt hätte, Diefer Unterfchied ſcheint mie jedoch nicht
wichtig genug, um eine eigene Art zu begründen, ‘wenn auch
aus Duponchels Morten zu ſchließen ift, daß ec mehrere
gleichgezeichnete Eremplare befaß. Die wichtigften Abweichungen
‚ unferes Eremplares von Duponcels Beſchreibung und Ab:
bildung find folgende: Es ift Eleiner und die Fühler länger,
faft fo fang wie die Vorderflügel. Auf diefen ift die Querlinie
naͤchſt der Baſis fchiefer; vor der Mitte liegen zwey braune
deutliche Puncte über einander (bey Duponchel ift der vor—
dere in einen langgezogenen Ring umgeftaltet); die zweyte Quer—
linie ift nach außen ſchmaͤler und beftimmter gelb gerandet, in-
dem das Braune am Vorder: und Hinterwinkel dunkler ift und
ſich weiter gegen innen ausbreitet. Auf den Hinterflügeln ift
die Querlinie zwifchen der Mitte und dem Hinterrande deut:
licher und etwas anders gefhwungen als in der nicht genauen
Abbildung.
Die Fühler find kurz gefranzt. Die Marillartafter hervor:
ftehend, am MWurzelgliede weißlich, am folgenden dünn, fpindel-
förmig, hellbraun. Die Kippentafter von doppelter Kopfslänge,
zufammengedrücdt, kurz zugefpist, an der Ruͤckſeite |hellbraun,
unten weiß, welche weiße Farbe fih in den Kinnhaaren bis zur
Borderbruft Fortfegt. Ocellen deutlich, Hinterleib hellbraun
mit weißlichen Hinterrändern der Segmente; das Tanghaarige
Afterglied oben von der Wurzel aus dunkelbraun. Beine lang;
Hinterfchienen mit 2 Paar Dornen.
111. Bot. ferrugalis von Nhodus und Patara. An
allen Eremplaren ift die Grundfarbe vor den Sranzen binden-
förmig angenehm roͤthlichgelb, durch das Ausbleiben der bräun-
lichen Beftäubung der übrigen Fläche.
112. Botys Catalaunalis Dup. tab. 232. fig. 8.
pag. 350. — ein fehr abgeflogenes Weibchen von Phinik.
113. Bot. verticalis von Bruſſa, in mehreren Erem:
plaren, die etwas Eleiner find als die unfrigen.
114. Botys hybridalis von Ephefus, Carajafu, Rho—
23
dus, Scalanova und Bruſſa in allerhand auch bey uns vor⸗
£ommenden Abänderungen.
115. Nymph. potamogalis von Bruffa, ein Männchen.
116. Asop. farinalis von Pera, ein £leines, ziemlich)
abgeflogenes Männchen.
117. Asop- flammealis von, Stanchio ein verflogenes
Meibchen.
118. Asop. ornatalis. Duponchel pl. 223. fig. 8.
pag. 207. Nymph. saturnalis 7’r. X, 3.29. — ein unver:
flogenes Männchen, bey Phinika im November gefangen. Die
Tkreitſchkiſche Beſchreibung ift in Dingnofe und weiterer
Ausführung gleich mißrathen; dafuͤr ift Befchreibung und Ab:
bildung bey Duponchel deſto gelungener.
119. Choreutis incisalis Tr. 7, pag. 157. Tortr.
nemorana Hbn. fig. 3. Duponchel pl. 260. fig. 7. Xylo-
poda nemorana — in mehreren Eremplaren zu Ende May
bey Makri, im Juny auf Standio, im September bey Bo—
hadfc gefangen.
120. Choreut. vibralis Tr. 10, 8. pag. 33. Vibrana
Tr. 8, 284. Hübn. fig. 202. — ein wohl erhaltenes Weib:
hen von Bruſſa, viel Eleiner als Chor. scintillulalis oder
Ennych. atralis. Cine genaue Vergleihung mit 8 beuts
ſchen Eremplaren von Chor. vibralis ‚zeigte, daß fie nicht als
Species davon zu trennen ift. Ihre Unterfchiede beftehen in
Folgendem: 1) wenig über halbe Flügelfpannung, 2) zwifchen
Bafis und Querlinie ift weniger Gelb, weil das Braune fich
bier mehr ausbreitet, und der Snnenrandtheil etwas verwiſcht
ift, 3) die zwey unregelmäßigen Binden oder Querlinien, die
eine vor der Mitte, die andere vor dem Hinterrande, find reiner
weiß und vollftändiger (bey den großen Exemplaren laffen fie
fi, wenn fie nit vollftändig find, aus den Stüden conftruies
ten und haben genau dieſelbe Geftalt), 4) auf der Unterfeite
der Vordeifluͤgel ift die weiße breite Querlinie, welche hinter
der Mitte folgt, vollftändig, während fie dort durch Verlöfhen
breiter oder ſchmaͤler unterbrochen iſt. — Alle diefe Unterfchiede
find unmefentlidy und zum Theil aus Elimatifchen Einflüffen zu
erklären. Die genaue Uebereinftimmung in der Lage der filber-
ſchuppigen Slede zeugt am lauteften für Einerleyheit der Art.
Unfere größere Chor. vibralis ift nicht bloß im ſuͤdlichern
Europa einheimiſch; ich befige 3 Eremplare aus der Gegend
von Hirfchberg in Schlefien, und 3 andere fieng ich felbft bey
Reinerz in der Graffchaft Glaz auf Blumen der Bergwiefen,
befonders Chrysanthemum, im July.
121. Pyrausta sanguinalis von Bruſſa, ein MWeibs
chen der in unfern Gegenden nicht vorkommenden Varietaͤt,
wo das Gelbe reiner bleibt, die rothen Binden ſchmäler werden,
und der Fleck auf der ruͤcklaufenden Ader an ſeinem innern
Ende frey ſchwebt.
122. Pyr. virginalis Dup. pl. 224. ſig. 8. pag. 216.
von Nhodus in beiden Gefchlechtern. Dupondyel erhielt diefe
Urt aus Moren, und Kindermann fdidte ‚fie als Pyral.
anroralis von Fiume.
123. Pyr. punicealis von Bruffa und Patara in 4
ziemlich Eleinen Exemplaren.
124. Pyr. purpuralis von Makri, ein Minncen.
125. Pyr. cespitalis von Patara — ‚beide Gefchlechter
in dev Frühlingsfarbe und Geſtalt; das Münnchen iſt bleicher
als gemöhnlih, aber fo deutlich) gezeichnet, wie die hieſigen
Weibchen.
24
126. Pyr. conversalis Dup. tab. 234. fig..4. 5.
pag. 353. — ein Weibchen von Rhodus. Die, Abbildung
ftimmt in den Hauptſachen. Auf der Oberfeite. haben die Vor—
derflügel den deutlichen ſchwarzen Punct hinter der Mitte, aber
nicht in bläulichgrauem, fondern in gelblichgrauem Hofe; , die
hellgraue Schattenbinde gegen den Hinterrand ift vorhanden
aber gegen innen nur. durch Spuren: einer Querlinie begrenzt;
die Hinterflügel zeigen die Orangenfarbe unreiner und einges
ſchraͤnkter; befonders iſt die Wurzelhälfte ganz grau uͤberdeckt.
— Die Unterfeite. ffimmt viel mehr; die Vorderfluͤgel haben
zreifchen Baſis und Mitte ein, [hwarzes Fleckchen; die Hinter
flügel find zwifchen Hintercand und Binde grau uͤberflogen.
Dupondels, um Montpellier Außerft gemeine, Art, foll
im männlichen Gefchledht duͤſterer feym, zumal auf den Hinter:
flügeln. Aus dem Vergleich unjeres Exemplares und ber. Ab—
bildung würde man eher, auf, das. Gegentheil ſchließen dürfen.
Dennod) ift die Identität beider nicht. zu, bezweifeln.
127. Halias quercana ein verflogenes Cremplar, ‚bey
Pera im October gefangen, dem. Anfchein nach männlic), ganz
ungemöhnlich Elein und dadurch ausgezeichnet, daß der gelbliche
Snnenrand der Vorderflügel ein wenig breiter als fonft und von
der erften Querlinie an bis in den Hinterwinkel einwaͤrts oranges
farbig befhuppt ift.
128. Tortr. ameriana von. Bruffa, ein. verflogenes
Männchen.
129. Tortr. laevigana — 3 Weibchen von: Mari,
von denen nur eins noch in den Stangen der Vorderflügel ziem⸗
lich volftändig it. Sowohl nad) ihrer Geftalt und Farbe, als
nad) ‚den übrigen Hauptmerfmalen ſtimmen ſie mit unferer 'ge=
meinen Art überein; fie weichen aber doch als füdlichere Race
durch mehr. hervorgetriebenes Gelb ab. Dies zeigt fih 1) auf
der Oberfeite der Vorderflügel, wo daher. die, der Art eignen
Flecke mehr als ſolche und weniger als Schatten hervortreten,,
2) auf der Oberſeite der Hinterflügel; hier ift die gelbe Farbe
der Flügelede erhöht und dringt weiter gegen die Mitte vor,
wo fie in der gelbbräunlichen. Farbe, verſchwindet; 3) auf der
ganzen Unterfeite; hier iſt zwar. das Gelbe wenig lebhafter als
gewöhnlich; aber das dunkle Grau ift ‚bläffer und auf den Vorz
derflügeln viel mehr gegen den Innenrand, auf den Hinterflügein
gegen den Schwanztvinfel gedrängt; 4) find die Kopfhaare und
die Vorderhüften gelblicher als bey den meiften einheimifchen
Weibchen. Bitse r
130. Tortr. pronubana — Tr. (8, ©. 72.) hat Recht,
daß Huͤbners Bild (fig. 121.) nicht ‚gerathen ift. In dem⸗
felben find die Binden blaugrau, und die gegen die Bafis iſt
in dev Natur nicht vorhanden; Übrigens ift die männliche T.
pronubana darin nicht zu verfennen. Das Weibchen ‚bildet:
Dupondel (pl. 240. fig. 5. a. b.) zuerſt ab als Tortr. Her-
mineana, aber als ein Männchen, und fpäter liefert ev das
Männchen (pl. 261. fig, 5.) als Tortr. ambustana. Er hält
dieſes leßtere, welches er. auf der. Tafel als Weibchen bezeichnet,
für Hübners Tortr. ambustana fig.332, 838., gewiß mit
Recht, obgleich diefe Abbildung ſehr fehlecht gerarhen iſt und
leicht Zweifel zuläßt, wenn man nicht mehrere Exemplare in
Barietäten zum Vergleich vor ſich hat.
Diefe Art, bisher aus Sicilien und der Gegend ‚von Charz |
tres in Frankreich bekannt, wurde auf Rhodus und Stanchio
zwifhen Januar und Mitte Juny gefangen und fcheint alſo
dort Eein feltner Wickler zw feyn. Das Männden ift an feinen
langfranzigen Fühlern leicht in den Varietäten tmieberzuarfennen,
25
Diefe beftehen 1) in der wechſelnden Größe, wie fhon Treitſchke
bemerkt; 2) in dem ſtaͤrkern oder ſchwaͤchern Ausdruck der Bin:
den der Vorderflügel; 3) in der ſtärkern oder ſchwaͤchern Aus:
breitung. des Drangefarbenen auf den Hinterfluͤgeln von der
Wurzel gegen die Mitte hin und über diefelbe hinaus. Huͤb—
ners ſchlechtes Bild von T. ambustana mit zerfireuten ſchwar—
zen. Stricheln auf den Hinterflügeln zeigt in Hinſicht der letztern
die dunkelſte Barietät an, wor die Drangefarbe‘ ganz. ‘gegen die
Wurzel: gedrängt iſtz; in Duponchels Amhbustana ſehen wir
dagegen faſt die hellſte Varietaͤt, die nur von einem kleinen
Maͤnnchen aus Stanchio uͤbertroffen wird, indem bey dieſem
vor. der ſchwarzbraunen Randlinie nur ein ſchwacher dunkler
Schatten herzieht.
Die 3 mitgebrachten Weibchen find auf den Vorderfluͤgeln
heller als bey Duponchel und tragen: die Zeichnungen des
Maͤnnchens; folche Varietäten, wie Tortr. Hermineana ;''wo
Sled und Binden fehlen, fommen mit den Uebergängen ver:
mifcht in Sicilen und’ wahrfcheinlich überall vor, wo Daphne
goidium mild waͤchſt. |
131. Tortr. Pilleriana von Makri, zwey wohl erhaltene
Weibchen.
48%. Tortr. viridana von Tlos, ein abgeflogenes
galte
Maͤnnchen.
133. Tortr. urticana von Bruſſa, zwey Männchen,
Elein und fehr verflogen.
134. Sciaphila virgaureana Tr. 10, 3. 80. ein
Pärchen von -Zlos. Es iſt wohl Feine Möglichkeit, nach
Treitſchkes Beſchreibungen die Arten Se. Wahlbomiana,
virgaureana und incertana mit Sicherheit zu unterfcheiden,
Herr Sifher von Roͤslerſtamm ſchickte mir Originale zur
Anfiht, wonad id) die Vermuthung ausfprechen muf, daß alle
Arten überall. vorfommen, und ‚daß ich fie demnach unter 60
— 70 Exemplaren, die früher bloß für Sc. Wahlbomiana
beſitzen muß. Bey der ‚Unficherheit aber, die über Sc.
"yirgaureana und incertana herrfcht, konnte ich. keins meiner
Eremplare mit voller Urberzeugung für durchaus gleich mit den
Fiſcherſchen und folglich fur eigne Art halten. Fiſcher v.
Roslerftamm ſchrieb ſelbſt über Se. virgaureana, die er,
da er ‚fie aus Raupen gewonnen hatte, beſſer als Treitſchke
Eennen mußte: „die man von Andern erhält, ‚find. fehr unficher,
da die Fleinern Gremplare der Sc. Wahlbomiana der Sc. virg-
aureana fe fehr ähnlich find. Sch habe außer der ‚Kleinheit
und Dunkelheit noch keinen feſten Unterfchied finden. koͤnnen.“
Beide Cremplare ‘gleichen den Eleinern Sc. Wahlbomiana
und haben die gewöhnlichen Binden mit [hwarzen Schuppen-
häufchen eingefaßt, wie es oft bey den allergrößten Eremplaren
der Fall iſt, und die Räume zwifchen denfelben ziemlich hell.
.
Da die Franzen etwas abgeftoßen find, fo erfcheinen die Flügel
etwas Fürzer als gewöhnlich. Diefes wurde alles auf Treitfche
kes Sc. virgaureana paffen; aber es überzeugt nicht von den
Artrechten, wenn man andere Eremiplare von Sc. Wahlbomiana
"vor ſich hat, und. ſtimmt auch nicht mit dem, was Fiſcher v.
Rösterftamm über die größere Dunkelheit der Sc. virg.
aureana angibt.
185! Seiaph. Loewiana'n. sp.
Alis anterioribus exalbidis coriaceo-reticulatis, fasciis
duabus medio fractis, priore ante marginem internum’
abrupta, macula costali ante apicem‘ lituraque' marginis
postiei, coriaceis; alis 'posterioribus caneseentibus.
Iſis 1847. Heft 1.
26
Sehr nahe mit Sc. Wahlbomiana verwandt,
ber’ [Größe wechſelnd; die Vorderflügel find’ eben fo geſtreckt,
aber an der Spitze mehr abgerundet. Uebrigens zeichnet fie
ihr bleich verſchoſſenes Ausfehen vor allen Verwandten aus.
Die Grundfarbe der Vorderflügel ift bey’ dem deutlichften Ex—
emplar ledergelblich unvolftändig gegittert, befonders auf dem
legten Drittel, Die Zeichnung iſt "genau die bei Sc. Wahl-
bomiana ‘gewöhnliche. Die erſte Binde ift zweymal gebrochen
und endigt, ſich verdünnend‘ im Sinnenwinfel. "Der dreyeckige
Fleck zwiſchen ihr und der Fluͤgelſpize ruht mit 34 Spiten
oder Zähnen der breiteften Seite auf dem Worderrande. Laͤngs
der Mitte des: Hinterrandes iſt ein ſchmaler, nach unten in eine
Linie verdünnter Fleck. — Hinterflüger ſehr heil und verfchoffen
gelblichgrau "mit. helleen Franzen; auf der untern Seite geben,
fie noch mehr ins Weißliche. Die Vorderflügel find "auf der
Unterfeite hellgrau ; am Vorderrand und in’ der Spige beingelb
mit dunflern, verlofchenen Sprenteln.
Das Weibchen ift verlofchener und hat etwas kürzere Flügel.
Das zwepte Maͤnnchen ift wenig verflogen , zeigt aber nur
ſchwache Reſte der Zeichnungen; das dritte mehr verflogene
Männchen zeigt: faft gar Eeine.
Alle 4 Eremplare wurden auf Rhodus im April gefangen.
136. Grapholitha Gundiana von Bruffa, ein Maͤnn⸗
hen, im Dectober gefangen,
137. Graphol. Jungiana von Carajafu und Mermerija.
158. Graphol. nebritana (Tr. 8, 209. Duponchel
tab. 250. fig. 1. pag..277.) j
Var. b) speculo alarum anteriorum utrimque linea plum-
bea distincta incluso; alarum posteriorum basi subalba.
Zwey Männchen, ein Weibchen, auf Rhodus im Aptil ge:
fangen. Sie unterfcheiden ſich von den hieſigen Eremplaren
durch Folgendes; 1) die Flügel find geſtreckter, 2) der Vorder:
rand der Vorderflügel ift auf beiden Seiten reiner und breiter
weiß, daher die braunen Strichel ausgezeichneter; 3) die Hin-
terrandlinie der Worderflügel iſt tiefſchwarz, fcharf und faſt bie
zum Hinterwinfel vollftändig; 4) der Spiegeifled mit 4 deut:
lichen ſchwarzen Längsftrichen, 'hat vor und hinter fich einen
deutlichen bleiglaͤnzenden Strich (diefe Striche find an den hie
figen Eremplaren verlofchen, und zivar der vordere mehr als der
hintere); 5) die Hinterflügel find auf der Dberfeite von der
Bafis aus laͤngs des Vorderrandes und im Mittelraum bis zur
Mitte weißlich, während fonft nur der Vorderrand, wie gemöhn-
lich, heller grau iſt; 6) diefelben Flügel auf der Unterfeite zei-
gen im Mittelraum von der Bafis aus einen weißlihen Laͤngs—
wiſch, in welchem fich die Querader als weißlicher Bogen aug-
nimmt; vor der braunen Nanbdlinie geht vom Vorderwinkel an
eine breitere, weißere Linie her, die auf der Hälfte des Hinter:
randes aufhört; 7) die Unterfeite des Körpers ift weißer; 8) das
Meibchen ift, befonders auf, den Hinterflügeln, nur wenig dunfs
fer als das Männchen, und ift’an der Färbung nicht als fol-
ches zu "erkennen.
139. Graphol.' succedana Duponchel pl. 251.fig.2.
pag. 302.
Ein auf diefe Abbildung ſehr ſchoͤn zutieffendes Männchen -
fieng ih im Sommer am! Probfthainer Spigberg in Schlefien.
Die Rhodifer laſſen ſich von ihm durchaus nicht anders trennen
als durd die Groͤße; fie find nehmlich "durchgängig nur halb
ſo groß, ein Unterfchied, dee nicht fpecififch feyn Fann. "In ber
Höhe und! Tiefe der grauen und bräunlichen Faͤrbung zeigt ſich
einige Verfchiedenheit der Exemplare. 3
2
mie diefe in
27
Zur Dupondhelfchen Beſchreibung gehören folgende Ber:
befferungen. . Der vorn offene Spiegelfled enthält nicht vier
ſchwarze Puncte, fondern 8—6 ſchwarze Laͤngsſtrichelchen, von
denen die unterſten bisweilen punctfoͤrmig. Die Einfaſſung des
Spiegelflecks bilden verdickte, violettlich metallglaͤnzende Linien
(nicht ſilberich e). Vor derſelben iſt bis zum hellen Mittelfelde
die untere Fluͤgelhaͤlfte verdunkelt und enthaͤlt etwa 4 tiefſchwarze,
ein unregelmaͤßiges Viereck umfaſſende Strichelchen, die ſich aber
leicht verwiſchen, fo daß fie nicht an allen Exemplaren vollſtaͤn⸗
dig vorhanden find. Die Unterfeite ift hell bräunlichgrau, auf
den Vorderfluͤgeln heller,
Treitſchkeſs Gr. Succedana gehört zu der unfrigen, ob:
gleich er eine Diagnofe aus Froͤlich copirt hat, bie ſich ſehr
ſchlecht darauf anwenden läßt. Wenn er Huͤbners fig. 194.
für eine mufterhaft genaue Abbildung erklärt, fo möchte ic)
darinn nach meinem. Eremplar des Hüberifhen Werks einen
Spott finden; denn in dieſem iſt fie eine erbärmliche, ganz uns
Eenntliche Sudeley. Iſt Dupondels Figur in allen Erem-
plaren fo gut wie im meinigen, fo iſt die Art weiter feinem
Verkennen untertvorfen,
Diefer Wickler muß fehr verbreitet feyn. Duponchel erhielt
ihn aus Nordfranfreih; in Deutfchland iſt er in mehreren
Gegenden, nach Treitſchke auch in Ungarn, Loͤw fieng 10
Eremplare auf Nhodus und eins bey Mermeriga, alle in ber
zweyten Hälfte des Aprils. |
140, Serieoris artemisiana.n. Sp. |
Minuta, alis anterioribus albidis, basi abrupte fusca;
fascia postica fusea punetum albidum continente, interne
Iutescenti marginata, litura ante marginem fuscum Iuteola;
palpis intus et subtus ‚albidis.
Größe wie. Coceyx comitana Tr, dem erften Anſehen nad)
in die Nähe von Penth. dealbana gehörig, aber nach der
Bertheilung des Hellen und Dunkeln und. dem hellen Mittel:
punet in der hinten Binde eine Verwandte von ‚Serie. bi-
punctana, der fie auch in der Hauptfarbe gleicht,
Ruͤckenſchild und Kopf marmoriert braun; Schulterdecken und
Stirnhaare gewoͤhnlich weißlich; Tafter innen und unten weiß:
lich, fonft braun. Hinterleib braun, Afterbufch gelblich. Grund
der Vorderflügel gelblichweiß; das Wurzeldrittel braun, heller
marmoriert, am fanft gerundeten Hinterrande im der Mitte mit
zwey ftumpfen Hervorragungen. Darauf folgt ein nur halb fo
breiter, bindenformig weißer Raum, der ‚auf dem; Vorderrande
ein ſchwarzes PBünctdyen, auf dem Imenrande bisweilen 1—2
dergleichen. trägt. Darauf kommt eine gerade, etwas fchief ges
legte Binde, die auf dem Vorderrande mit 2 ſchwarzbraunen
Fleckchen anfängt und das dunkle, Innenwinkeldreyeck in: feinen
Hinterrand aufnimmt; fie ift in ihrer. innern ‚Hälfte mehr oder
weniger dunfel gelbbraum und hat in der außern Hälfte: über
der Mitte einen ziemlich deutlichen, weißlichen, dunkler einge—
faßten Punct. Bor dem an der obern Hälfte durch eine ſchwarze
Doppellinie gefiumten Hinterrande liegt mehr gegen die Spige
hin ein helllehmgelblicher, laͤnglicher, nach unten geſpitzter, nach
oben gerundeter Fleck, den von der vorhergehenden Binde nur
ein ſchmaler, weißer Raum trennt: Fluͤgelſpitze ſchwaͤrzlich und
braun bunt; Franzen dunkelgrau, braunfleckig, gegen den Innen⸗
winkel einfarbig und hellgrau. Am hinterſten Drittel des Vor—
derrandes wechſeln ſchwarzbraune und weiße Haͤkchen. Hinter
fluͤgel grau mit wenig lichteren Franzen. — Unterſeite grau,
am dunkelſten auf dem Vorderfluͤgeln, wo man auf dem: Bor:
derrande weiße Fledichen, die, gegen. die Spige deutlicher, werden,
. 26
und auf dem Innenrande vor der Mitte einen ziemlich großen,
ſehr verlofchenen, weißlichen Fleck fieht.
Dieſe Art iſt ſelten um Frankfurth und Glogau, wo ſie erſt
zu Ende Aprils und im May, darauf im July auf Sandboden
an Feldbeyfuß fliegt.
Ein ſchoͤnes, bey Bruſſa zu Ende Septembers gefangenes
Weibchen unterſcheidet ſich von meinen ſieben Exemplaren nicht
weſentlich, ſondern zeige nur. in folgenden Stüden eine Wir—
kung des heißeren Klimas. Es iſt ein wenig groͤßer; die Binde
iſt auf der innern Haͤlfte ausgezeichnet durch ein helles, faſt
zimmetfarbnes Gelbbraun, das in faſt gerader Linie mit dem
weißen Raume zuſammengraͤnzt; der Fleck vor dem Hinterrande
iſt gleichfalls angenehmer (dieſe gelbbraune Farbe zeigt ein im
July bey Glogau gefangenes Exemplar faſt eben ſo angenehm);
endlich ſind die Taſter auch auf der Oberſeite wie die Stirn—
haare weißlich, und nur die Spitzen der Schuppen des Mittel:
gliedes nebit dem Endgliede find braun. Diefes Eremplar kann
als Var. 5) palpis albidis apice fuseis gelten.
141. Phoxopteris lanceolana im April auf Rhodus
gefangen.
142. Cochylis Manniana Fiſcher von Rösterft.
Benträge 1. ©. 134. tab. 51. fig. 2.. — Diey Männden
diefer in mehreren Gegenden von Schlefien und felbft in Liev—
land aufyefundenen Art wurden- im April bey Cphefus ges
fammelt.
143. Coch. Mussehliana Tr. 10, 3. 141. ein Weib:
chen von Bruffa.
144. Coch. Tiseherana Tr. 8 ©.275. Fifher
v. Rt, Beytr. I. tab. 12. fie. 2.
Beide Gefchlechter in mehreren Exemplaren von Bohadſch
(im September), von Ghera (12ten April), aus dem Xanthus—
thal und von Makri (Ende Aprit), in fehr verfchiedener Größe,
tie es in dieſer weitverbreiteten Art gewöhnlich ift. Das eme
Bohadſcher Männchen übertrifft in Größe alle mir vorgekomme⸗
en. An allen iſt die Mittelbinde verlofchen, am menigften an
einem Meibchen. Auf der Stelle, wo die Flügel eine Efeine
Beule haben, hinter welcher fie fich gleihfam etwas fenken,
tragen die einheimifchen Exemplare bisweilen ein oder auch zwey
über einanderftehende bräunlicye oder braune Pünctchen. Diefe
find bey dem Männdyen von Makri auffallend groß und hötfer-
artig, bey den andern Eleiner oder bläffer, oder es fehlt einer
derfelben,
145. Crambus tentaculellus Iſis 1839. ©. 171.
Hübner fig. 230. Chilo tentacul. Tr. 9, 170. — ein Männs
chen von Bohadfch, em Weibchen von Adirnas, beide im Sep-
tember gefangen,
146. Cr. rorellus L. Iſis 1839. ©. 173. Treitſchke
9,1. ©.89. (Chilo) — in mehreren Cremplaren, die bey
Tlos und Makri und in. Stanhio im May und Anfang Juny
gefammelt wurden.
147. Er. inquinatellus Iſis 1839. ©. 174, Treitfh=
£e 9,1. ©. 121. (Chilo) — von. Smyrna, ein Männchen,
fo ohne Braun und fo blaßftrohgelb, wie id) aus unfern Ges
genden nur Weibchen befiße.
148. Crambus angulatellus. Dwponchel 10. p.118.
pl: 273. fig. 2. — Cr. suspectellus Iſis 1839. ©..174. —
ein. ſehr abgeflogenes Männchen von Bruffa-
149. Cr. bellus Iſis 1839. S. 175. Zu 9,2. 268: —
ein Männchen, bei Kellemifch in der Mitte May gefangen, '
29 |
- 450. Er. funiculellus Iſis 1839. ©. 175. Treitſch⸗
Ee 9, 1. 200. (Phyeis funieulella) — ein Männdjen von
Rhodus, und ein fehr verflögenes, faſt zeichnungsiofes Weibchen
von Kellemifh ; erfteres -Ende April, leßteres am 11ten May
gefangen.
“451. Eudorea coaretata n. sp.
Alis anterioribus perangustis acutis obscure cinereis,
strigis duabus albidis, priore perobliqua posteriore tenui
arcuata, punctis duobus signoque 8 nigris suboblitteratis.
Männden und Weibchen bey Phinie im November gefangen,
das erftere fo abgeflogen, daB es hauptſaͤchlich nur die geffredten
Borderflügel als Merkmale aufweift; das Meibchen gut erhal:
ten ; daher ich diefes befchrieben.
Aus der Verwandtfchaft der Eudor. Mereurella; die Vor:
berflügel find noch geſtreckter und ſchmaͤler als bey Eudor. pa-
rella, nicht ganz fo fchmal wie bey Eudor. quercella, aber
nach Hinten weniger erweitert. Außerdem zeichnet die erfte fehr
ſchief gelegte, weißlihe Duerlinie unfere Art fehr aus;
© Größe einer mittleren Eud. mercurella. Kopf und Ober-
feite dee Taſter hellgrau, braun beftäubtz die letztern, in Laͤnge,
und’ Geftalt, wie bey Eud. mereurella, auswärts braun und
am Würzelgliede weißlich; Nüffel- weißihuppig. Bühler grau,
gegen. die Spige dunkler geringelt. Ruͤckenſchild dunkelgrau,
Hinterleib heil, hinten meißgrau, Beine weißgrau, auf einer
Seite bräunlich, was an den Enden der Gelenke durch die helle
‚Farbe unterbrochen: wird.
Vorderflügel dunkel braungrau mie weißlihem Staube längs
des Vorderrandes. Die erfte Querlinie liegt fehr fehief, indem
fie vom: Ende des erften Fünftels des Worbderrandes nach dem
Ende des erften Drittels des Innenrandes geht; fie ift weiß:
lich, dünn, nach hinten ſchwarzbraun fchattirt, zweymal einge⸗
bogen und von der erſten Einbiegung einen Zahn gegen die
Fluͤgelbaſis ſendend. Die zweyte Querlinie geht über den An:
fang’ des legten Flügelviertel3, ift viel feiner als die erfte, un:
gezähnt in der Mitte einen ziemlichen Bogen gegen den Hinter:
rand machend und auf beiden Seiten. braun ſchattirt, welcher
Schatten auf der hintern Seite faſt den Hinterrand erreicht und
nicht oder ſehr unvollkommen in die zwey Flecke der uͤbrigen
Arten getheilt iſt. Zwiſchen beiden Ouerlinien iſt der Innen—
rand ſchwarzbraun; die zwey ſchwarzen unvollſtaͤndigen Flecke
vor der Fluͤgelmitte ſtehen von der erſten Querlinie merklich ab,
der obere mehr gegen die Mitte als der untere. Das Merkur:
zeichen undeutlih. Der Raum zwiſchen dieſen Flecken weißlich
beftäubt. Vor den grauen Franzen liegen in hellgrauem Grunde
ſechs ſchwarze Punkte in einer Reihe. — Hinterflügel einfarbig
grau, etwas glänzend mit, feiner, heller Randlinie vor, ber dun—
Eeln, auf der Baſis der weißgrauen Franzen befindlichen Linie.
— uüUnterſeite ſeidenglaͤnzend, einfarbig grau; Vorderfluͤgel dun:
kler mit weißlichem Vorderrande, auf welchem vor der Spitze
ein braunes Fleckchen; die Franzen auf der Wurzelhaͤlfte ver—
loſchen heil und bunfelgrau alternierend.
Das Männchen fcheint fih duch nichts als durch hellere
Färbung zu unterfcheiden; die Querlinien der Vorderflügel haben
diefelbe Lage und Form,
152. Myelois argyrogrammos n. sp.
Alis anterioribus' exalbidis postice gilvescentibus, stri-
gis duabus areuatis argenteis, serie punctorum atrorum:
ante cilia.
Ein Männchen, bey Matti in einem dürrem, meift aus Na:
delholz bewachfenen Thale am 21ten May gefangen. Keiner
— — —
30
und mit breitern Vorderfluͤgeln als Myel. rosella, obgleich ihr
naͤchſt verwandt.
Kopf weiß. Taſter kuͤrzer als bey Myel: rosellu, gelb mit
ſchwarzer Spitze. Ruͤſſel braun, auf der Wurzelhaͤlfte dicht
braungelbſchuppig. Fuͤhler glänzend hellbraun, ſchwach pubescie⸗
rend, das Wurzelglied hellgelb. Thorax glaͤnzend weiß. Hin—
terleib fchillernd grau; aus dem Afterbuſch ſtehen ochergelbliche
Haare hervor. Beine gelblichweiß; das legte Fußglied braungrau.
Vorderflügel ziemlich kurz, gelblihweiß an der Baſis, allmaͤh—
lich in lichtes Iſabellgelb übergehend. Worderrandrippe am ber
Wurzelhaͤlfte ſchwarz. Die Hauptadern tragen hier und da,
am mieiften von der Baſis aus, braune Schuͤppchen. Kurz
vor der ruͤcklaufenden Ader, welche an ihren beiden Enden ein
Fleckchen von filbernen und braunen Schuͤppchen hat, geht eine
filberne, im Mittelraum nady hinten gebogene Linie, die nicht
den Vorderrand erreicht: Mitten zwifchen der vüdlaufenden
Ader und dem Hinterrand geht die zweyte Düerlinie, faft par:
alle mit dem Hinterrande, nur zweymal ein wenig gebogen und
beide Gegenränder berührend. An die grauen, metallglänzenden
Franzen ffößt auf dem Hinterrande eine Reihe von 6 tieffchtwar:
zen, ziemlich großen Puncten. — Auf der Unterfeite ift die Farbe
fhmusig grau, dunkler geadert, vor den Franzen bindenförmig
helfgelblih ; die Punctreihe fehr verlofchen und Elein.
Hinterfluͤgel geftredter al3 bey Myel. rosella, grau, nach
außen dunkler; die Franzen glaͤnzendgrau. Unterfeite grau mit
hellgelblihem Vorderwinkel.
153. Myelois incompta n. sp.
Alis omnibus griseis nitidiusculis, feminae obscuriori-
bus; clypeo, palpis dorsöque haustelli et ano luteis.
Ein Männhen von Mermeriza, ein Maͤnnchen und ein
Weibchen von Makri, erjteres zu Ende April, Iegtere Ende May
gefangen, alle ſchon ziemlich verflögen.
Naͤchſt verwandt mit Myel. cirrigerella Zeken (Phyeis
— Germar Mag. 2,133. Myel. — Iſis 1839. ©. 176.),
von derfelben Flügelgeftalt, aber viel Eleiner, etwa wie die Eleinfte
Myel. elutella,
Kopf bräunlichgrau mit lehmgelbem Dbergefiht; Zafter ein
wenig fürzer als bey Myel. cirrigerella, lehmgelb, gegen bie
Bafıs heller; an einem Männchen ift das Wurzelglied an der
Seite weißfihuppig. Marillartafter gelblich. Rollruͤſſel über der
Baſis verdidt und gelbfchuppig. Fühler grau, fehr ſchwach pu—
Bescierend. Thorax und SHinterleib grau; Afterbuſch lehmgelb⸗
lich; beym Weibchen iſt dieſe Farbe lebhafter und zieht ſich
etwas bin an den Hinterleibsraͤndern. Unterſeite und Beine
weißgrau, glänzend.
Vorderflügel ftaubgrau, glänzender als die wenig lichteren
Hinterflügel. Die ganze Untetfeite ift heller und ebenfo ein
farbig.
Das Weibchen hat das Graue Überall merklich dunkler, und
feine Beine find auf der Lichtſeite viel grauer als auf der
Schattenfeite.
154. Myelois interpunctella Iſis 1839. ©. 176.
Phycis — Tr. 9,1: 196. — ein verdorbenes Eremplar von
Smyrna.
155. Myelois elutella Iſis 1839. ©. 176. — Phy-
cis — Tr. 9,1. 194. — fand fid) häufig als Raupe in den
mitgebrachten getrodineten Inſecten, in denen fie wie Tinea
biselliella (erinella Tr.) lebt. Die Schmetterlinge krochen in
Berlin und Glogau aus. Ein Weibchen wurde aus Bruffa
31
mitgebracht. Als Zerftörerin von Sammlungen war diefe At
bisher noch nicht.befannt.
156. Myelois'obliqua n. Sp.
Alis anterioribus subangustis, cinereis, obscurius sordi-
dis, striga priore alba extus nigra rufoque marginata, lu-
nula media 'nigra lituram obliquam fuscescentem tangenti,
striga posteriore argute serrata. ;
Ein ſchoͤnes Männhen, auf Nhodus in, April gefangen, —
nad dem flarfen Zahn am Wurzeigliede der Fühler ein Mit:
alied. der Abtheilung Aerobasis, und in diefer am naͤchſten mit
Myel. consociella verwandt; von ihr wie von, den andern. ift
fie” verfehieden durch. die ſchwarze Mondfichel, ſtatt der zwey
fehwarzen Puncte auf den Vorderflügein, von. Myel. conso-
ciella durch anfehnlichere Größe, ftumpfe Tafter, fehmälere Fluͤ—
gel, fehärfere Zähne ‚der hintern Querlinie der Vorderflügel ufw.
Größe der Myel. suavella. Nüdenfgild und Kopf mitfeinen
Theiten braungrau, der Raum zwifchen den Fuͤhlern weißlich
(wie bey Myel. eonsociella), Stirnwulft anfehnlih. Taſter
viel kuͤrzer als bey Myel. consociella, zufammengedrüdt, wenig
aufwärts: gebogen, gegen die Spige nicht verdünnt, ſtumpf.
Marillartafter pinfelförmig, an den Stirnwulſt angelegt. Saug⸗
ruͤſſel gelbbraun, zwiſchen den Taſtern auf dem Ruͤcken grau—
ſchuppig. Fuͤhler braungelb, pubescierend gefranzt, das Wurzel⸗
glied mit ſtarkem, halb grauem, halb ſchwarzem Zahn auf der
innern Seite; über dem Wurzelgliede find. fie auf dem Rüden
feiht ausgefchnitten. Hinterleib bräunlichgrau mit. hellgelblich-
grauen Einfchnitten. Beine auf einer Seite glänzendweißgrau ;
auf der andern .braungrau, an ben Gelenken weißlich— Die
Mittelfehienen haben vor der breiten, weißlichen Spitze ein ſchie—
fe, braunes, feines Bändchen, h
Vorderflügel weißlichgrau, auf ber MWurzelhälfte und am
Innenrande dunkler. Die erfte Querlinie ift weißlich, viel we⸗
niger fchief geftellt als bey Myel. consoeiella, fanft nach außen
gebogen, auswärts erft von einer ſchwarzen MWulftlinie, dann
von einer blaßroͤthlichen Linie eingefaßt. Die Wulſtline hat
nur 4, die roͤthliche $ der Slügelbreite, und beide berühren den
Innenrand. Die gewöhnlichen zwey ſchwarzen Mittelpuncte
find zu einem nach außen geöffneten Moͤndchen zufammenges
floffen, deffen unteres Horn einen braunen Schatten berührt,
der von der Mitte des Innenrandes ziemlich gerade bis zum
Anfange der zweyten Querlinie auf dem Vorderrande hinüber:
zieht. Diefe zweyte Querlinie hat dem Verlauf wie bey Myel.
consociella, hat aber ſcharfe Zähne, und ihre braune und roͤth⸗
liche Einfaffung iſt ſchmaͤler und feiner. Vor den hellgrauen
Franzen geht eine ſchwarze, aus zufammengefloffenen Puncten
gebildete Nandlinie her. Hinterfluͤgel ſchwach feidenglängend,
gelblichgrau mit dunklen Adern; die Franzen mit dunkler Linie
an der Balls.
Unterfeite glänzend grau mit verdunfeltem und ſcharf gegen
die Franzen abgefegtem Rande; auf den dunklern Vorberflügeln
zeigt fich die zweyte Querlinie undeutlich, am deutlichften gegen
den Vorderrand.
157. Anerastia ıpunetella Iſis 1839. ©. 177.
Treitſchke 9, 2.268. (Chilo punetellus) — ein Männden
von Kellemifh, Mitte May gefangen.
158. Phyeidea nimbella Iſis 1839; ©. 178. — ein
Weibchen auf. Stanchio gefangen.
159%. Epischnia venosa.n. sp.
Palpis: porreetis longis acuminatis, alis stramineis;; fa-
seiis duabus irregularibus venisque longitudinalibus rubris.
Beide Gefchlechter von Kellemifh: | Dem äußern Anfehen
nach ‚verwandt mit, An. punctella,' aber mit deutlichen Kiefer: |
taftern. Größe veraͤnderlich wie bey Ep. ahenella. Kopf und
Thorax ſtrohgelb. Taſter von der Länge des: Thorar,. das
zweyte Glied fang, die, zufammengedrüdt, nach vorn allmählich)
verdict, an der Seite hellbraͤunlich; das Endglied dünner als
der, Endtheil des zweyhten Gliedes, F fo lang, ſpitz. Maxillar—
tafter dünn, fadenförmig; gelblich. Ruͤſſel ſehr kurz, dünn, fpis
ralfoͤrmig. Stienbufh anſehnlich. „Fühler braͤunlichgelb mit
hellgelbem Ruͤcken, beym Maͤnnchen uͤber dem Wurzelgliede etwas
gekruͤmmt, der Laͤnge nad) kerbig gezaͤhnt und gefranzt; beym
Weibchen nur gekerbt und. ſehr kurz gefranzt. Deellen groß
und frei, hinter der Fuͤhlerbaſis. Schulterdecken mit braunrothem
Laͤngsſtreif. Hinterleib braͤunlichgrau mit gelblichem Ruͤcken;
Afterbuſch ſo wie Bruſt und Beine hellgelblich. Die Mittel—
dornen der Hinterſchienen ſehr ungleich.
Vorderfluͤgel breiter als bey Ep. ahenella, aber nach hinten we⸗
niger erweitert; ſtrohgelb, am Vorderrand lehmgelblich verdunkelt,
durch zwey ſehr unregelmaͤßige, zackige, dunkelrothe Binden in 3
Die erſte Binde erreicht den Vorderrand nicht
Drittel getheilt.
und beſteht faſt nur aus Laͤngsſtrichen, die durch Verdickungen
zuſammenhaͤngen. In der Medianzelle iſt ein langer und da—
neben ein kurzer, rother Laͤngsſtrich. Die zweyte Binde iſt viel
beſtimmter und dicker und macht in der Mitte einen tief ein—
ſpringenden ſpitzen Winkel; «von ihr gehen 6— 7 rothe Linien
ſtrahlenartig bis zum Hinterrande; eine ſolche Laͤngslinie verbin—
det beide Binden nahe am Innenrande, und eine andere, von
der Baſis ausgehende, erreicht. die erſte noch näher am Innen—
rande; Franzen blaß, ohne Glanz. — Hinterfluͤgel einfarbig
dunfelgrau und, hellgraufranzig. .
Unterfeite der Flügel heller grau als die Hinterflügel, und die
Vorderflügel ringsum ſchmal blaßgelb eingefaßt. an
Die zwey in der. Größe ſehr verſchiedenen Weibchen "find. in
ihrer Färbung bläffer als die Männchen und auf den Vorder—
flügeln unvollftändiger gezeichnet.
160. Pempelia carnella — ein etwas kleines Maͤnn—
chen der Var. Sanguinella Hübn. von Bruffe.
161. Tinea pellionella von Pera. Diefe 4 Erem=
plare gehören zu den Eleinjten und find hell mit dem dunkel:
braunen Punct hinter der Mitte.
162. Hapsifera nov. gen.
Famil. Lepidopt. Tineacea vera.
Capilli squamacei sursum pexi, in elypeum descenden-
tes. Oculi valde distantes medioeres. Ocelli nulli. An-
tennae setaceae longiuseulae. Palpi maxillares nulli. Hau-
stellum nullum. Palpi labiales mediocres subporrecti,
subtus sub apicem pilis squamaceis fasciculatis articulum
terminalem fere excedentibus,
Tibiae !posticae elongatae pilis ciliatae bis calcaratae.
Alae elongatae, anteriores squamis exasperatae, posterio-
res ovato-lanceolatae (Feminae. characteres latent).
Genus hoc differt a genere Tinea, enjus habitum prae,
se fert, capillis non divergentibus, sed. in medio conver-
gentibus, haustelli et .palporum: maxillarium defectu — ab
Euplocamo palporum articulo ultimo nee setiformi, nee.
erecto, antennisque nudis!, non ciliatis — ab Ochsen-,
heimeria oculis multo majoribus, antennis longioribus
nudis. 1
‚33
„Hapsifera luridellan. sp. \ ‘
. Alae anteriores [uscescenti - Juteae, pallido inspersae,
ereberrime exasperatae, tuberculis in disco . majoribus,
(Drey Männchen ‚von: Patarn).
Groͤße etwas. wechſelnd, wie ‚Tin, parasitella, aber ‚der Fluͤ⸗
gelbau geſtreckter.
Kopfhaare gelbbräunlich, fhuppenähnlich erweitert mit: 2 big
3 zähniger Spike. Schädel glänzend. ſchwarzbraun. Zafter, faft
gerade ausgeftredt, von. Ruͤckenſchildslaͤnge, etwas zuſammenge—
drüdt, an, der ‚Seite braunz das zweyte „lied duch Haar—
fhuppen bufchförmig verlängert, auf weichen das Endglied aufs
liegt. oder fich wenig erhebt. Hinterleib grauz die mit graugelbs
lichen Haarſchuppen bekleideten Genitalien gelbbbaun. Beine
ſchmutzig blafbraun, an den Enden der Glieder bleichgelb. Die
verlaͤngerten und maͤßig verdickten Hinterſchienen nebſt den Hinz
terfußen bleichgelb.
Vorderfluͤgel laͤnglich, ungefähr 4mal fo lang wie breit, braͤun⸗
lich lehmgelb, grobfchuppig,, blaßgelb befprengt, mit. dunkelbrau—
nen Atomen. „Die Oberfläche. iſt rauh durch aufjteigende Schüpp-
hen; um den Spißentheil des Worderrandes und. am. Hinters
ande geht eine, Neibe größerer Schuppenhödfer, ‚die, auf der der
Fluͤgelbaſis zugefehrten ‚Seite. «bleihgelb find... Die größten
Schuppenhöder . befinden ‚fih im Mittelrnum, nehmlich einer
nahe an der Baſis, ein zweyter nicht weit von ihm auf der
Mittellinie; dann zwey vor, der. Slügelmitte und, zulest 4 hinter
derfelben ‚die in; einem nach hinten. ‚gefrümmten Bogen. quer
über den Fluͤgel liegen ; der zweyte vom Vorderrande aus iſt
einfarbig hellbraun; alle ‚übrigen. find, wie die Randhoͤckerchen;
die Franzen bleicy mit dunfeln Pünctchen. . (Die Hoͤcker wifchen
fich, fo ‚leicht, ab, daß fie, nur, auf der rechten Seite eines. Er:
emplars., vollftändig „find. ... Dem einen Gremplare fehlen. daher
die rauhen ‚Stellen faſt alle, ‚obgleich es ſich die Sranzen noch
icht ganz abgeflogen hat; es hat eine ſchmutzig weißliche, fein
Brunch marmorierte Farbe). Hinterflügel, dunfelgraus „Unter
ſeite grau; ‚alle Randlinien, fo wie die Franzen der Vorderflügel
bleichgelb.
-.165..Adela rufifrontella 7r. — von Smyrna und
Garajafu, in mehreren Cremplaren.
164.Nemotois barbatellus n. sp.
u Alis anterioribus. metallice, nitentihus aureis, postice
enpreis,. costa,ante apicem chalybea, faseia postica, viola-
" ceo-nigra;, posterioribus feminae totis violaceo -nigris, ‚au-
tennis, maris albis, palpis nigris ‚densissime hirsutis.
- Ein auf Rhodus im. April gefangenes Pärdenz verwandt
mit Nemot. , Schiffermüllerellus., aber viel, Eleiner, nehmlich
nur wie. Adela, Sulzerella, £enntlih an den. lang und, dichtz
haarigen Taſtern und ‚den. faft..bis zur Baſis weißen, Fühlen
des Männcens, und den einfarbigen violettſchwarzen Hinter
flügeln des Weibchens.
Männchen: die braunrothen Augen find durch einen ſchma—
len, ſchwarzglaͤnzenden, langs, und dünnhaarigen Raum getrennt.
Tafter viel ‚länger als der Kopf, mit reichlicher, langer, abſte—
hender, borſtenartiger Behaarung, Fuͤhler weiß, verhaͤltnißmaͤßig
kuͤrzer als bey Nemot. Schiffermüllerellus; das verdickte,
kegelfoͤrmige Wurzelglied ſchwarz, die naͤchſt folgenden Glieder
haben auf dem Ruͤcken einige ſchwarze Schuppen. Mittel- und
Hinterleib ſchwarz. Alle Schenkel und die dicken Hinterſchienen
haben reichliche, lang abſtehende Haare; die Schienen glaͤn—
zen auf der Lichtſeite metalliſch violett; die, Fuͤße glaͤnzend
hellgelblich. — Die Vorderfluͤgel kuͤrzer als bey Nemot. Schif-
Iſis 1847, Heft 1.
34
fermüller., ‚von der Baſis bis hinter die Mitte goldgelbz darauf
folgt eine gegen aufen concave, ſchwärzliche, violettglängende
Schattenbinde, die fich gegen den Worderrand ermeitert, und von
welcher an die, Franzen des Vorderrandes bis zur Spitze fahl-
blau find Hinter der Binde iſt der, Grund tief £upferfarbig.
Franzen ſchwaͤrzlich. — Die Hinterflügel: violertglänzend, von
der Wurzel aus etwas durchfcheinend, hellgrau, gegen, den Hin=
terrand ſchwaͤrzlich. Franzen gelblih, am Worderwinkel dunkler,
braunlih, am Junentande ſchwaärzlich — Unterfeite dunfelgrau,
gegen die Spise hin ſchwaͤrzlich und. violettglänzend.
Dis Weibchen, etwas Eleiner,, hat eine breite, ſchwarz—
glänzende, Stirn mit roſtgelber Behaarung; die Tafter, glänzend
gelblih, haben eine ärmliche, Eürzere Behaarung. Saugrüffel
ſchwarz, lang. Dbergefiht und Wurzelglied der Fuͤhler meffing-
glänzend. Fühler fhwarz, am lehten Sechftel weiß. Müden-
ſchild violettglänzend, Schuͤlterdecken geldig ; Hinterleib zuſammen⸗
gedrückt, zugeſpitzt, in einen feinfpikigen, glänzend fchwarzen
Legeftahel auslaufend. Bruſt und Beine fupfer- und gold:
glänzend; die Hinterfchienen haben eine, jedoch Armliche Behaa-
tung. Die Schattenbinde der Worderflügel ift fchmäler, die
Franzen des Vorderrandes find nur violett. Die Hinterflügel
find nebft den Franzen ganz violettſchwaͤrzlich. Ebenſo die Un:
tetfeite, nur daß der Hintertand der Vorderflügel und die Spitze
der Hinterflügel eine ſchmale, goldige Cinfaffung hat.
165..Plutella erueiferarum Zell, Entom. Zeitung
1843. ©. 281. Plutella..xylostella , Tr. — in allen bey ung
vorkommenden Warietüten bey Smyrna, Cphefus, Garajafu,
Patara und Rhodus in Februar, Apr und May gefammelt,
166. Ypsolophus striatellus $fis 1839. ©. 190;
Harpipteryx ‚striatella Tr. 9,.2.,24. — beide Gefchlechter von
Rhodus und Patara. Sie unterſcheiden ſich von unſerer hieſi—
gen Art durch Folgendes: Sie ſind etwas ‚größer mit Ausnahme
eines Weibchens, das die mittlere Groͤße hat. Die Farbe des
Mittelleibes und der Vorderfluͤgel iſt viel dunker und mit Ocher—
gelb gemiſcht, und helle Wiſche ſind darin nicht zu bemerken;
die weiße feine Laͤngslinie, die von der Baſis aus in einiger
Entfernung vom Innenrande hinzieht, ft ziemlich verloſchen;
die dem Vorderrande naͤhere iſt nur an zwey Exemplaren ganz
deutlich, bey zwey andern fehlt ſie faſt, bey einem iſt fie ganz
verdeckt. Im dunkeln Grunde nehmen ſich die 8 weißen Haͤk—
chen des Vorderrandes vor dem Vorderwinkel ſehr deutlich aus;
eben fo bey den 4 dunkelſten Eremplaten 3 weiße Strichelchen,
welche in die Franzen des Hinterrandes hineingehen, und von
denen das vorderfte fich der. weißlichen Querlinie anfchließt.
(Bey unfetem'Ypsol. striatellus ift nur dag vorderfte meiftens
deutlich, die andern find Faum angedeutet.) Auch die Hinter:
flügel find dunkler, Su der Grundfarbe der Votderfluͤgel ſchlie—
en fich diefe Eremplare am beften der übrigens jämmerlich
mifrathenen Tin. Striatella Hübn,. fig. 288. an.
167. Anchinia pyrop'ella Iſis ‚1839. ©, 131.
Treitſchke 9, 2.54. (Palpula,pyrop.) — in mehreren Er:
emplaren, worunter ein Meibben, von Patara; alle größer als
meine Wiener Eremplare, und. darunter eine Varietaͤt in der
dunfeln, ‚gelben Färbung des Crambus lithargyrellus.
168.:Anchinia,eric.ella'Duponchel tab. 294. fig. 8.
pag- 284. — in. beiden Geſchlechtern von Nhodus, Patara und
Makri, zu Ende April und im May gefangen. — Dieſe ber
Anch.. bicostella; nächft ftebende Art unterfcheidet ſich von ihr
duch ihre kaum „halbe: Größe, und durch die lichtere, einmarts
3
35
heller begränzte und ſchon beym ſchwarzen Punct aufhoͤrende,
gelbbraͤunliche Strieme.
Dupondel fand diefe Art häufig zu Paris zu Ende Juny
und Anfang July. Die Unterfchiede zwiſchen ihr und Anch.
bicostella, die er bemerkt, fcheinen mie nicht alle richtig. Seine
Abbildung ift ſehr gut.
169. Dasycera imitatrix n. sp.
Alis anterioribus nigris postice flavo irroratis, macula
altera basali, altera media ovata sulphureis; palpis fuseis.
Beide Gefchlechter von Nhodus, Makri, Tlos und Merme-
riza. Diefe Art kommt der Dasycera Oliviella (Duponchel
pl. 303. fig. 1. Oecophora — Iſis 1839. ©. 191. Adela
aemulella Tr. 9, 2. 130.) fo nahe, daß ic) fie nur für Va—⸗
rietät davon hielt. Die ganz gleiche Geftalt der Flede auf den
Vorderflügeln der 4 Eremplare, die Farbe der Taſter und der
Schulterdecken zeigen aber wahrſcheinlich eine verfchiedene Art
an. Megen der großen. Verwandtfchaft beider Arten ‚bemerke
ich nur folgendes:
1) Größe etwas veränderlich, doch meiſtens über Dasyec.
Oliviella; die Lippentajter find bey D. Oliviella gelb, nur in
einer ſchmalen Linie auf der untern Seite von der Hälfte des
zweyten Gliedes an bis zur Spige bräunlid — (Treitſchke
fagt: „Palpen Furz, braun,” Er befchreibt auch die Fühler
nicht richtig und hat beftimmt nur Hübners Bild wiederges
geben. Fabricius dagegen jagt: palpis magnis recurvis
flavis) — bey Das. imitatrix braun mit ſchwachem Kupfer:
glanz; das: Endglied hat eine feine weißliche Nüdenlinie, und
an den Baden fteht ein gelber Haarbuſch hervor; 3) die Ma—
rilfartafter bey D. Oliv. gelb, bey D. imitatr. braun; 4) Saug⸗
ruͤſſel dort heibräuntichgelb, hier dunkel gelbbraun; 4) Schul:
terbedien (von Fa bricius acrombia genannt) bey D. Oliviella
an der dußern Längshälfte Fupferig, an der innern fchivefelgelb ;
bey. D. imitatrix ſchmaͤler und geſtreckter, und 6) ftatt der
gelben Binde der D. Oliviella, welche fich gewoͤhnlich auf dem
Innenrande erweitert, hat unfere Art nur einen eyrunden, fat
ovalen, ſchwefelgelben Querfleck, der an gleicher Stelle, wo dort
die Binde, vor dem MVorderrande anfängt und unter der’ Mitte
zugefpist endigt. — Das Weibchen hat tiefer ſchwarze Grund:
farbe und ſchaͤrfere Zeichnung.
170. Stenoptera orbonella Duponchel pl. 303.
fig. 3. 4. pag. 428. Tin. orbon. Hübn. fig. 313. Oecophora
sulphurella Stephens Illustrat. . pag. 228. — ein Weibchen
(? die Aftermündung hat eine Einfaffung von gelben Haaren)
von Mermeriza, mit einem meißlichen Gegenfled am Vorder:
rand, der in Hübners Figur nicht dargeftellt ift, und den
Stephens nur dem Weibchen beylegt. Nah Duponchel
fliegt diefe Art um Paris, und. nah Stephens ift fie fogar
häufig um London.
171. Oecophora apicalis n. sp.
Alis anterioribus elongatis olivaceis, apicem versus in
mare vix, in femina distinete violaceo. nitentibus, poste-
riores latitudine vix superantibus; feminae ventre macu-
lam integram flavidam gerente.
Beide Gefchlechter in mehreren Cremplaren von Kellemifh.
Diefe Art fteht der Größe nach unter Oecopliora productella
(Sfis 1839. ©. 193. ) mit ‘welcher fie in der Flügelftredung
und in der Farbe des Bauchfleds des Weibchens übereinfommt ;
der violete Schimmer der WVorbderflügelfpige, den befonders das
Weibchen zeigt, unterfcheidet fie von allen mir befannten Arten.
36
Mittelleib, Kopf und Beine dunkel olivengruͤn, etwas glän-
gend, mit ſchwacher, gelblicher Beymifchung. Taſter länger ale
bey Oecoph. productella ungefähr von der Länge des Ruͤcken⸗
ſchildes, auffteigend gekrümmt, dünn, allmählich fein zugefpist,
auswärts gelblich olivenbraun; beym Meibchen endigt dag zweyte
Glied unten in ein feines (Schuppenhaar-) Spischen. Die Flei-
nen, bünnen Marillartafter ftehen an der Wurzel des Ruͤſſels
hervor. Fühler faft fadenförmig, beym Männchen fehr zart
gefranzt. Beine braun, erzglänzend; die Hinterfchienen durd)
violettglängende Haare verdidt. Hinterleib dunkler als der Mit:
telleib, violettglängend, beym Meibchen anfehnlich die® und lang,
und auf der Bauchfeite de3 dritt- und viertlekten Ringes blaß-
gelb, wodurch ein querliegendes Dblongum gebildet wird.
Die geftredten Vorderflüigel find kaum breiter als die Hinter:
flügel nahe der Bafis, dunfelolivenbraun, mit gelblihem Schim:
mer; die Franzen des Vorderrandes vor der Spitze und meiftens
diefe felbft etwas violett; beym Meibchen ift die ganze Spike
nebft den Hinterrandfranzen viel lebhafter gefärbt, faſt ftahlblau.
— Die etwas kurzzugeſpitzten Hinterflügel find fo wie die ganze
Unterfeite braun mit fchwachem, violettem Schimmer.
172. Psecadia aurifluella Treitschke 9, 1. 227.
Tin. — Hübn. fig. 302. Psecadia pyrausta Iſis 1859,
©. 194. und 1844. ©. 380. — beide Geſchlechter von Mer⸗
meriza und Rhodus.
173. Gelechia formosella Sfis 1839. '©. 201.
Hübn. fig. 160. Rhinosia flammella Tr. 9, 2. ©. 20. —
auf Rhodus in Mehrzahl im April und Anfang May 5
— ohne Verſchiedenheit von den um Wien und in Sicilien
fliegenden Exemplaren.
Es find noch 2 Gelechia-arten vorhanden, die zu Feiner mir
befannten Art gehören, jede in einem Eremplar und ſtark bes
ſchaͤdigt, fo daß e8 mir nicht rathſam feheint, fie in diefem
ſchwierigen Genus unter befonderen Namen aufzuführen. Sch
erwähne fie, damit man vorläufig wiffe, daB auch folche Formen
in jenen Gegenden vorfommen. Beide Arten gehöten zu A, b
des Genus. Die erfte, auf Nhodus im April gefangen, hat
Kopf und Dberfeite nebft Endglied der Taſter weißlich, alles
Uebrige grau und im Mittelraume der geftrediten, weißlich be—
ftäubten Vorderflügel 2— 3 verlofchene braune Fängsftrichelchen ;
die Größe wie Gel. ferrugella; die Flügel geftredter als bey
Gel. vulgella und ohne rauhe Stellen. — Die zweyte Art,
zu Ende May bey Mari gefangen, in der Größe umd Geftalt
wie Gelech. brizella, hat Rüden, Kopf (Zafter fehlen) und
Bruft weiß, die Vorderflügel glängend ochergelb, nach hinten
geſättigter; zwey weiße Querlinien gehen über diefelben, die erfte
vor der Mitte fehr fehief gegen den Innenrand, die zweyte
hinter der Mitte, ziemlich fenkrecht auf den Innenrand, in der
Mitte etwas einwärts gekruͤmmt. In der Flügelfpige ift ein
weißer Fleck, und ein folher Punct an der Mitte des Hin:
terrandes,
174. Aechmia Fischeriella Sfis 1839. ©. 204.
Aechm. Roeslerstammella F. v. Rslſt. Beytr. I. ©. 242.
tab. 82. fig. 3. — ein kleines befchädigtes Eremplar von
Standio.
175. Coleophora cuprariella n, sp.
Alis anterioribus nitidissimis viridi-aeneis apice cupreis;
antennis fuscis totis parte tertia basali longius violaceo-
squamatis.
Ein Männden, im Iesten Drittel des May am Gebirgsab-
hange bey Mermeriza gefangen, nächft verwandt mit Coleoph.
37
Mayrella (Hübn. fig. 322. Iſis 1839.) ©. 206.);' von ber
es fich nur durch die Fühler unterfcheidet: Dieſe find nehmlich
an der Afiatinn, ganz einfarbig, glänzend braun, borftenförmig,
fehr deutlich gegen die Spige verdimne "und in den Gelenken
etwas abgefegt, kaum gekerbt; das MWurzelglied durch große,
violettglaͤnzende Schuppen ſtark ı verdidtz ein faft doppelt‘ fo
langer Theil der Fühler ift auf dieſelbe Weiſe verdidt; und
noch mehr ftahlblau gefärbt, wodurch kaum $ der Fühlerlänge
fich verdickt zeigt. Bey Col. Mayr. nimmt die Verdidung
mehr als 3, faſt # der Fühlerlänge ein, und der daraus her:
vorftehende faſt ebenfo tie dort befchaffene Fuͤhlertheil iſt bey
beiden Gefchlechtern bis zur Spige ſchneeweiß und ſchwarz ge:
ringelt. — Die Hinterfchiene unferer neuen Art ſchejnt etwas dider
zu feyn. Die Vorderfitigelfarbe ift nicht fo fchon und feurig
wie bey der einheimifchen Art. Das Thier iſt etwas größer:
"176 Coleophora fuscicornis n.'sp.
Alis anterioribus nitidissimis cupreo-violascentibus, an-
tennis fuscis totis, articulo basali dorsoque articulorum
proxime Ssequentium longius squamatis.
Ein Männchen, am 11ten April bey Carajafı in einem
hohen Gebirgsthal gefangen, wo kaum der Frühling begann.
Naͤchſt verwandt mit Coleoph. aleyonipennella Kollar
(Verzeichniß der niederöfte. Schmetterlinge ©. 99.), Iſis 1839.
©. 208. Die Hauptunterfchiede" find folgende zwey: 1) die
Fluͤgel find verhaͤltnißmaͤßig breiter, am auffulfendften die hin:
teren, welche: ſich ſchneller zufpigen als bey Coleoph:'aleyonip. ;
2) die Fühler find an der Spike nicht weiß, welche Farbe fie
bey Col. aleyonipen. bis auf 4 der! Länge haben. Auferdem
haben die Worderflügel an der Spige ein paar Quereindrüde;
ihre Farbe ift nicht fo ſchoͤn glänzend Und gegen die Spitze ges
roͤthet wie bey’ jener Art. Die langen Schuppen des Wurzel:
gliedes der Fühler haben die Farbe des Kopfes; erft die folgen:
den ſind violett (bey Ooh aleyonip. ſind alle violett). » Das
ganze Thier iſt größer, mehmlich "wie die größte Gracilaria
elongella, während Col: aleyonipen. gewöhnlich unter 'Gracil.
Frarickella bleibt. Dieſe legten Verfchiedenheiten find vielleicht
nur individuell; die zwey erften bezeichnen eine! verfchiedene
Species.
177. Cosmopteryx argyrogrammos n. sp.
Alis anterioribus ochraeeis argenteo 'irregulariter 'stri-
gosis, pedibus pallidis, 'tibiis postieis vix incrassatis.
Ein Weibchen von Adirnas, im September gefangen. Die
Stügelbildung wie bey Cosmöpt. turdipennella, nur die Spitze
nod) vorgezogener ; die Taſter lang, wie bey Cosmopt. pedella.
Die Flügelzeichnung ift keiner der Cosmopteryx-Arten aͤhnlich.
Größe tiber Cosm. turdipemnella. Kopf, Rüdenfchild und
Vorderfluͤgel, letztere mit jtellenmeifen Verdunkelungen, blaß
ochergelb. Die langen, duͤnnen, gekruͤmmten Lippentaſter ſind
an dem etwas dickern zweyten Gliede ochergelb, mit weißlichem
Rüden und weißlichem Endgliede. Die Maxillartaſter klein,
uͤber der Ruͤſſelwurzel liegend, gegen einander gerichtet. Ruͤſſel
gerollt, oben beſchuppt. Untergeſicht, eine Mittelſtrieme uͤber
Scheitel und Ruͤcken, und die Raͤnder der Schulterdecken weiß—
lich. Hinterleib grau. Beine blaß; Hinterſchienen wenig ver—
dickt, zuſammengedruͤckt, kaum auf den Kanten behaart.
Die Vorderfluͤgel haben mehrere filberweißliche , Eurze, fchiefe
Duerftriche, nehmlich: ein Eurzes Längsftricheichen Eommt aus
der Baſis nahe am Innenrande, darauf kommt ein fehr-fchief
gegen die Bafis gelegter, am Vorderrand ausgehender Querftrich,
der ziwehmal zerriffen wird; etwa in der Mitte fteht ein fchiefes
38
Strichelchen, und unter ihm am Innenrande ein anderes. Es
folgt ein mit dem Hinterrande paralleles, und ein längeres am
Hinterrande felbft. Das Enddrittel des Worderrandes hat eine
mehrmals unterbrochene, gelbliche, glänzende Linie, welche in
der Spige durch eine bräunliche Linie fcharf begränzt wird. —
Auf der Unterfeite ift die ganze Fläche gelblichgrau, die Ränder
ſchmal ochergelblich.
Die Hinterflügel ſeidenglaͤnzend grau auf der Oberſeite, halb
grau, halb weißlich auf der Unterfeite, Franzen fehr lang, wie
bey dem ganzen Genus.
Diefe Art findet fih in Sicilien und um Rom.
178. Elachista cygnipennella Iſis 1839. ©. 213.
Hübn. fig. 207. Adela cygnella Tr. — ein Männchen von
Garajafı.
179. Pterophorus acanthodactylus Sfis 1841.
©. 784. Alueita — Hübn. fig. 23. 24. — ein ſchoͤnes Männ:
hen von Patara, fehr unbedeutend roͤthlicher als die in der
Iſis angenommene Stammatt.
180. Pterophor. obscurus Z. Sfis 1841. ©. 79.
— ein Weibchen von Makri, etwas verflogen und verblaft,
daher in’ der Farbe mit den hellſten hiefigen Exemplaren über:
einfommend. Abweichungen fehe ih nur in Folgendem: die
erfte Querlinie über die Zipfel der Vorderflügel ift breit und
auf den hintern faft fo deutlich wie auf den vordern; fie ift
nicht fo rein weiß wie gewöhnlich, auch nicht fo fharf abgeſetzt,
und fcheint auch minder fchief zu ftehen. Die zweyte Quer:
linie gleichfalls breiter ald bey unferem Pter. obscurus fchließt
fid) auf dem hintern Zipfel an den auch größern Wiſch der
* an. Auf den Hinterfluͤgeln iſt die Mitte der dritten
eder weißlich; am Vorderrand ſitzen mehrere weiße Schuͤppchen,
eine groͤßere Zahl am hintern Rande, an beiden Stellen mit
ein paar ſchwarzen Schuͤppchen untermiſcht. Da dieſe Schuͤpp⸗
chen groͤßer und reiner weiß ſind als bey unſeren hieſigen Ex—
emplaren, auch an unverflogenen Exemplaren in viel groͤßerer
Zahl vorhanden ſeyn muͤſſen, ſo ließe ſich die Annahme, daß
das aſiatiſche Exemplar eigner Art ſey, hierdurch am erſten
rechtfertigen.
181. Pterophorus tristis Z. Iſis 1841. ©. 788.
— 8wey unverflogene weibliche Cremplare, von Kellemifh, find
fo groß "wie mein größtes Eremplar diefer Art (von Liffa in
bee Provinz Pofen) und haben mit ihm die bindenartige Ver:
dunfelung zwifchen den beiden Querlinien der Vorderflügelzipfel
gemein ; fie. ‘gehören unbedenklich zu diefer Art. — Drey andere
Eremplare; eins ohne Hinterleib und ziemlich verflogen, zu An:
fang November bey Attalia gefangen ; das zweyte von Adirnas ;
das dritte, unverflogenfte ron Kellemiſh — find? Männchen und
gehören beftimmt zuſammen; fie erreichen die Größe der beiden
Kellemifher. Weibchen, haben die Hauptmerfmale von Pter.
tristis und weichen nur in der Grundfarbe ab, die fahlgelb,
gegen hinten allmählich dunkler ift, ähnlich der Snnenrandfarbe
der Vorberflügel unferer größeren hiefigen Eremplare von Pte-
rophor. fuscus. Bey der Uebereinftimmung aller andern Kenn:
zeichen koͤnnen fie nur als Var. b) major, alis anterioribus
gilvescentibus, postice fuscescentibus angefehen merben, '
182. Pterophor. Loewii n. sp., ein Männden von
Rhodus, aͤhnlich einem Pter. mictodactylus, aber Fleiner als
bie Eleinften Eremplare deffelben und von diefer Art ſowie von
Pter. fuscus, graphodactylus fofort dadurch zu unterfcheiden,
daß der erfte Zipfel des Vorderfluͤgels Iänger und fehmäler und
auf den Franzen des Hinterwinkels ftatt eines ſchwarzen Punctes
39
mit zweyen gezeichnet. iſt. Auferdem. befindet fich an der Spal⸗
tung felbft und nur, dem zweyten Zipfel angehoͤrig ein -Eleiner,
ediger brauner Fleck, aͤhnlich dem von Pterophorus. Mannii
Z. in lit. (welcher einem £leinen, hellen zartgezeichneten ‚Pter.
fuscus aͤhnlich fieht amd um Wien häufig iſt) Geſtalt und
Firbung kommen denen von Pter. mietodactylus nahe, nur
ift loßtere reiner und weniger mit Weiß beſtaͤubt und es fehlt
der dunkle Strich. auf den ‚erften Zipfel der Vorderfluͤgel; dieſer
bat hinter dev Mitte ein feines, «weißes, aber verlofchenes Quer:
ſtrichelchen; die Franzen an feinem Vorderrande find ‚weiß und
tragen an der Spige einen. Kleinen, ſchwaͤrzlichen Wiſch.
Alis anterioribus, einereo- fuseeseentibus ‚\dorso: dilutis,
puneto ‚ad fissuram_rigro, laciniis angustioribus; | Punefis
duobus in eiliis anguli postiei laciniae anterioris vigris;
eiliis digiti tertii breriusenlie
133. "Pteroph. baliodactylus _ZR. Iſis 1841;
©. 861. — Männchen. und Weibchen won. der Strandebene
von Makri, von wo das Gebirge ſteil auffteigte Flugzeit
28 — 25ten May. Beide, Cremplare find etwas kleiner als
die mir vorgefommenen. öfterreichifchen Exemplare von balioda-
etylus... Das etwas, abgeflogene Weibchen zeigt: von dem brau—
nen Wiſch auf der Mitte des Vorderzipfels der Vorderfluͤgel
nur eine ſehr unbedeutende Spur, und. die drey Linien auf der
Oberſeite des. Hinterleibes. find: nur. blaß; das Männchen hat
ftatt des Fleckchens am Borderrande der Vorderflügel nur einen
recht deutlichen langlichen Punct und den Wiſch des Vorder—
zipfels auch, ſehr befchränkt.. Außerdem. haben beide: Exemplare
eine ungemeine Uebereinflimmung mit Pter. baliodaetylus, und
ihre Vereinigung hätte gar kein Bedenken, wenn die Loccuitaͤten
nicht ſo gar verſchieden wären.
Mompgraphien
der Genera der Falconidae von J. I. Kaup.
Mein größeres Merk über die Falken Eann ich erſt ſpaͤter er—
ſcheinen laſſen, wenn ich alle, bedeutenden. Mufeen iin Europa
durchgangen: habe; bis jegt.hatte ich mur Gelegenheit, die Mu—
feen zu Frankfurt, Leyden und London und die Privatfammz
(ung des Herrn Gould, fir meine Arbeit auf die freyeſte Weiſe
zu.benugen, wofür.ich den Herren Gebrüder John und Georg
Gray, Gould und meinem verehrten Freund, Hrn. Dr, Rüps
pell. meinen waͤrmſten Dane: zolle.
Diele Genera der Falconidae habe ich zwar, ſoweit meine
Kenntniffe reichen, gefchloffen und diefe werde ich. won Zeit" zu
Zeit. in der Iſis publiciren. Sch. verbinde mit dieſer vorkäufi:
gen‘ Herausgabe. einzelner Genera einen doppelten Zweck, von
welchen. der Eine der iſt, die Herren Drnithologen anzuregen
meine Arbeiten zu korrigiren, damit dieſe von mir gewuͤnſchte
Verbeſſerungen meinem groͤßern Werke zu Gute kommen. Der
andere Zweck iſt der weniger wichtigere, um den Zoologen zu zei⸗
gen, was: fie von meinen. Arbeiten zu eriwarten baben,
Die, Gründe, warum. ic die Familien der Rapaces: Fal-
conidae, Strigidae, Gypogeranidae, Gypaötidae, Vulturi-
dae und die Subfamilien der, Faleonidae: Falconinae, Mil-
vinae, Aceipitrinae, Aquilinae, Buteoninae und ‚die Ges
nera berfelben fo und nicht anders’ geftellt habe, find in) meinet
Claffification der, Suugetbiere und Voͤgel näher entwickelt und
ich muß auf. diefe hinweifen, wenn ich. mich nicht wiederholen foll,
N 0
Nur ſovlel duͤrfte mir daraus zu erwähnen erlaubt feyn, daß
ich nach meiner Unterſuchung darauf gekommen bin, in der
Claſſe der Voͤgel fuͤnf Grundtypen anzunehmen, die ſich, in allen
Ordnungen, Unterordnungen uſw. auf die manigfaltigſte Weiſe
modificiert ftets wiederholen,‘ Dieſe 6 Grundformen ſind: der
Papageh⸗ Schwalbenaͤbntiche Straußaͤhnliche, Pelikan- und
Huͤhnertypus.
Die Huͤhner, ———— zerfallen in die 5 Familien: Cra-
eidae, Columbidae, Crypturidae, Tetraonidae et Gallidae;
Diefe Ordnung wiederholt im ihrer Familie alle ' Grundfor—
men und die Gallidae mit den Subfamilien Pavoninae, Nu:
midinae, Meleagrinae,et Gallinae ftellen: den. Hühnertypus
am reinften vor, indem fie. nicht allein Diefen Typus. als Ord—
nung, fondern auch als Familie darftellen. ‚Die, wahren Huͤh—
ner zeigen. ein außerordentlich entwiceltes ‚Gefieder, ſowohl in
der Tertur, als auch in den Farben. Sie‘ zeigen Federkraͤgen
und uͤberzaͤhlige Schwanzfedern. In dieſer Familie kommen
nackte Hälſe mit Fleiſchlappen und Karunkeln und Fleiſchkämmen
auf dem Kopfe vor. Die Huͤhner zeigen, als Erdlaͤufer, ſtarke
Tarſen mit geſpaltenen Schildern und lange geſchilderte Sehen
mit ftumpfen Krallen.
Diefe von. den Hühnern abſtrahirten Kennzeichen laſſen
auf keine Familie der Rapaces beſſer anwenden, als auf die der
Vulturidae, bey welcher. ein ſehr entwickeltes und buntes Ges
fieder. (Sarcoramphus gryphus, papa), Fleiſchkämme auf dem
Kopfe ‚(Sarcoramphus) , Hautlappen: auf dem: Halſe (Sar-
coramphus et Velten}; Federfrägen, vielfeberiger Schwanz,
ftarfe Zarfen, geſchilderte lange Zehen und ſtumpfe Krallen) vor
kommen. Die Vulturidae find demnach die Hühnerähnlichften
Rapaces * und» wie ich die Hühner als die unvollkommſten
Voͤgel ans, Ende aller Vögel ftelle, fo. gebe ich den Vulturideg
unter. den: Rapaces. den tiefſten und legten Rang.
Die Ordnung, worin die. Totipalmati den vierten Rang
als Unterordnung einnehmen und: welche ich Aves ichthyorni-
thes: genannt habe, beſteht aus den Unterordnungen: 1) Rapa-
ces, 2) Longipennes, 8) Brachypteri, 4) Retipalmask
5) ‚Lamellirosires,
Sn den Lamellirostres ftellt ſich der Hühner, in den To-
tipalmati der wahre Iehthyornithes ‚in den Brachypteri ‚der
— in den Longipennes der, Schwalben⸗und /bey
den Rapaces in der erften Subfam. der Faleoninae, den Falco-
nidae, der Papagey-Typus dar.
Die Pelicane, Totipalmati, zeigen meiſt einen. geraden, an
der Spitze aufgeſchwungenen, zuſammengeſetzten Hakenſchnabel.
Schwung- und Schwanzfeder find ſehr elaſtiſch, wie aus Fiſch⸗
bein gebildets Die Hinterzehe richtet ſich nach vorn, & pn
äußerst gefraͤßige und raubfüchtige Vögel,
Diefe Kennzeichen laſſen ſich unter den Bamilien der re
nur auf eine Familie" anwenden, ‚won: welchen in der jetzigen
Schöpfung: nur eine Form fich ‚erhalten. hat. Es iſt die, Fa—
Gypaetidaes, Diefe zeigt einen geraden, bis hinter die £leinen
Augen geſpaltenen, san der Spitze hafenförmigen aufgeſchwun—
genen Schnabel; der, um die Aehnlichkeit mit dem Pelikanſchna—
bel vollfommen zu machen, an der ‚Seite, eine Furche als Anz
deutung des zufammengefekten Schnabels trägt. Schwung - und
Schwanzfedern find aͤußerſt ſtark und. elaſtiſch. Die Hinterzehe
hat eine Neigung ſich nach vorn zu wichten, was jedody ‚nur an |
* Mie die Meleagrinae bie tein raubvogelähnlichſten Hühner fi ft ro
daher auch Briſſon die Geyer dieſen anreihte.
4
ifchen ‚Eremplaren und. noch * an lebenden zu ſehen iſt.
ie Verdauungskraft und Gefraͤßigkeit dieſes Vogels graͤnzt
ans Fabelhafte, indem fie Haare und Klauen bewaͤltigt und
ſeine liebſte Nahrung Knochen ſind, mit dem er Schlund und
Magen fo uͤberfuͤllt, daß fie ihm häufig zum Rachen herausragen.
Bey den Typus: diefer Familie, dem Gypaetus barbatus,
"zeigen ſich die Zungenbänder, fehr, entwidelt, wodurdy er ſich
ebenfalls als Achter Fraß- und Fiſchvogel repräfentirt. Ob dieß
auch bey dem Tachypetes der Fall ift, der als einer der Haupt:
Grundformen der Totipalmati anzufehen ift?
Die Gründe, weldye mid; bewogen haben, den Totipalmati
unter den Aves ichthyornithes den 4ten Rang als Unterords
nung anzumeifen, find diefelben, die midy zwingen, den Gy-
paetidae al8 Familie unter den Rapaces die 4te Stelle zu
geben.
Die Drdnung der Grallae, worin die Brevipennes den 8ten
Rang als Unterordnung einnehmen, befteht aus den Unterord:
nungen: 1) Pressirostres, 2) Longirostres , 3) Brevipen-
nes, 4) Cultrirostres, 5) Macrodactyli.
Letztere ftellen fehr Elar_ ben Hühner, die Cultrirostres ben
Pelican, die Brevipennes den eigentlichen Stelzvogel-, die Lon-
girosfres den Schwalben= oder Ornithes-, und die Pressi-
rostres den Papagey-Typus vor. * Bey den Brevipennes,
die ic als die Grundtnpen der Grallae betrachte, treten. die
ängften Geftalten, mit den £ürzeften Flügeln und den laͤngſten
uͤßen, auf. Als Laufvögel zeigen fie die Eürzeften Zehen.
"Unter den Rapaces zeigt Eeine Familie deutlicher den Gral:
latoren-Typus als die, Familie Gypogeranidae Bonap.
Es iſt die laͤngſte und geftredtefte Form mit dem längften
reiherartig befiederten Halfe, den längften Tarſen und Eürzeften
Zehen. Sie madıt felten von ihren Flügeln Gebraud und fucht
ich. meiftens durch Laufen der Gefahr zu entziehen. Ihre Nahe
tung befteht einzig und allein in, Amphibien.
Auch von diefer Form nehme ich an, daß fie die einzige Form
ft, die ſich in der Sestwelt erhalten hat.. Nah der Menge
von Analogien, die fie mit Gymnogenys radiatus theilt, glaube
ich, daß fie mie diefe die Gircusform in dem. Zten Genus. der
- Aten Subf. der Familie Gypogeranidae darftellt.
Mie ih den Brevipennes die 3te Stelle al3 Unterordnung
gebe, fo placiere ich die Gypogeranidae als 3te Familie unter
die Rapaces und halte jeden Verfuch, fie mit Dicholophus unter
die Grallae zu bringen für eine höcft verkehrte Anwendung
de Analogien, die diefe Form mit der Grallae hat.
}
i
I
Den Passeres, die ich wahre Vögel, Aves ornithes genannt
habe, gebe ih al8 Stamm oder Ordnung den 2ten Rang und
ich fielle die Unterorbnungen wie folgt: Conirostres, Dentiro-
- stres, Syndactyli, Fissirostres et Tenuirostres., Die Fa—
milien Fringillidae geben den Conirostres, die Oriolidae den
Dentirostres, die Bucerotidae den Syndactyli, die Capri-
mulgidae den Fissirostres, und die Meliphagidae den Te-
nuirostres den beftimmten Rang, weil in den Loxinae am
#* Dey einer forgfältigen Bearbeitung der Charadridae mit ven
- Subf. Otinae etc. wird es ſich herausftellen,, ob die Pressirostres als
Unterorbnung beftehen können oder nicht, und ob fie, nicht, als Familie
den erſten Rang bey den Brevipennes einnehmen, die fich dann ftellen
würden: 1) Charadridae, 2) Apterycidae, 3) Casuaridae, 4) Di-
didae, 5) Struthionidae. Sn diefem Falle würden die Megapodidae
vielleicht den erften Rang als Unterordnung bey den Grallae einnehmen?
Iſis 1847, Heft 1.
42
beutlichiten der Papagey-, ih den Oriolidae der Dtni’hen:, in
den Bucerotidae ( durch riefenmäfige Größe) der Grallatoren-
in den Caprimulgidae der Pelifan= und in den
der Hühner Typus auftritt,
In dieſem Stamm treten die Hleinffen und leichteften Geſtal⸗
ten; wie aus Luft gewoben, auf. Indem der Geſang exit bey
ihnen zur höchften Entwidelung gefommen ift, fo müffen fie das
am feinften conſtruitte Ohr befiken.
Ben den Rapaces zeigen die Strigidae die kleinſten und
keichteften Geftalten, bey welchen Genera borfommen, deren
außeres Ohr fehr groß ift. Obgleich fie Feine großen Mufiker
find, fo zeigen fie doch ein Auferft feines Gehör, das auf Ko-
ſten ihres Auges entwickelt zu ſeyn ſcheint.
Dieſe Familie zeigt durch Gefieder, Nachtleben Analogie mit
den Caprimulgidae der Fissirostres, weiche als Familie den
Raub⸗ odes Pelikantypus darftellt.
Wie ich defhalb den Ornithes den ten Rang als Stamm
oder Ordnung gebe, fo gebe ich den Strigidae unter den Ra-
paces als Familie die Ote Stelle.
Die Zygodactyli, welche ich wegen der Papageyen an bie
Spitze aller Vögel. ſtelle, zerfallen: in die Familien: Psittacidae,
Cuculidae, Rbamphastidae „Picidae et Musophagidae.* In
diefen tritt, wie bey den übrigen Stämmen die naͤmliche Wie
derholung der verfchiedenen Typen auf.
Die Papageyen zeigen eine kurze Wachshaut, tunde in den
Knochen eingebohrte Nafenlöcher, einen von der Wurzel un gebo:
genen und gemölbten Oberfchnabel, einen kurzen gewölbten nad)
öben gerichteten Unterfchnabel, einen Gaumenhöder an dem obern
Schnabeldafen und große Gelehrigkeit und Abrichtungsfähigkeir.
Shre Füße gebrauchen. fie als Hände und bringen ‚mit diefen
häufig fefte Nahrung zum Schnabel.
Alle diefe Analogien zeigen. die Falconinae unter den Fal-
conidae und id) betrachte defhalb wegen der Subf. der Faleo-
ninae- die ganze Familie als die, edelfte unter aller Rapaces
und gebe ihnen deßhalb die erfte Stelle, wie der Unterordnung
Rapaces unter, den Ichthyornithes, Die Unterordnung Ra-
paces theilt ſich demnach in die,5 Familien: 1) Falconidae;
2) Strigidae , 3) Gypogeranidae, 4) Gypaetidae, 5) Vul-
turidae; ich ftelte fie fo und nicht anders, weil in ihr dev Pa:
pagep=, Ornithes-, Grallae-, Pelitan und Hühnertypus ſich
tepräfentitt.
Die Gründe anzugeben, warum ich die Papageyen zw oberff,
die Hühner ang Ende, die Grallae in die Mitte xc. ſtelie, wuͤrde
zu ‚weit führen; und müffen in meiner Gtaffification nachgelefen
werden, r
Ben den. Falconidae. treten die, nämlichen Grundformen in
den einzelnen Unterfamilien auf, die wir jedoch, nachdem wir
die Samilien firirt haben, in die Formen der Rapaces über-
fegen koͤnnen. Haben wir nur. diefe eine Familie. im Auge, fo
fönnen mir ebenfo gut von einem: Falken, Eulen, Kranich⸗
geyer⸗, Bartgeyer- und Geyertypus fprechen, indem dieſe die
obengenannten Typen bey. den Rapaces darftellen.
Die Falconinae bilden demnady die erfte Subf. der Falco-
nidae aus angeführten Gründen und weil fie, was jeder Laie
’
Meliphagide
* Warum der erfte Stamm Zygodactyli, wie der letzte Stamm
Gallinae in Familien und in feine Unterordnung zerfällt, weiß ich nicht
zu erflären. Bey den Säugethieren ift es bey den Primates et Ru-
ıninantia dee näntliche Fall md meine Suborbnungsbenennungen: für
diefe 4 Stämme oder Ordnungen find zu ftreichen.
3*
43
fühlt, die edelften find. Bey den Milvinae fehen wir die größte
Ohroͤffnung, das filzige, lodere Gefieder und ein Dämmerungss
leben wie bey Eulen auftreten. Sie zeigen ferner im Gefieder
Analogien mit den Longipennes, 2te Unterordnung der Ich-
thyornithes, und in Nauclerus ift der [hwalbenähnliche Raub:
vogeltppus der Ornithes fo Elar ausgeprägt, das dieſer ver—
£leinert mit plattgedrücdtem Schnabel für Eeinen Naubvogel,
fondern für eine Schwalbe angefehen würde, Wir geben aus
diefem Grunde den Milvinae den Aten Rang. Bey den Ac-
eipitrinae treten die längiten Zarfen, die Eürzeften Zehen und
die kuͤrzeſten Flügel auf. Wir betrachten diefe deßhalb als die
Repräfentanten der Gypogeranidae und Stelzvögel und geben
ihnen, tie diefen den Sten Wang. Bey den Aquilinae findet
fid) die größte Naubfucht, Gefräßigkeit, ein weit geöffneter lan:
ger Schnabel, befiederte Zarfen und großes Flugvermögen.
Mir geben ihnen deßhalb als den Nepräfentanten der Familie
Gypaätidae und den Totipalmati den: 4ten Rang.
Bey den Buteoninae findet fih Frucht- und Aasnahrung,
gefpaltene Schilder auf den Zarfen, nadte Kehle und Geficht
bey Ibieter. Sie tepräfentiren demnad) die Vulturidae und
Gallidae und nehmen den Sten Rang ale Subfamilie ein.
In jeder Subfamilie der Falconidae gibt e8 ein Genus,
worin der entfprechende Typus am deutlichften fich darftellt und
melche der entfprechenden Familie und fich felbft feine Stellung
gibt.
So gibt Ibieter ſich als Genus und den Buteoninae bie
5te Stelle.
Pandion mit feinem etwas aufgefhwungenen Schnabel,
Stoßtaudyen und feiner alleinigen Fifchnahrung gibt, als die
deutlichfte Wiederholung des Pelifantypus, ſich als Genus und
der Subfamilie Aquilinae die 4te Stelle.
Geranospiza* gracilis zeigt die längften uud duͤnnſten Tar—
fen, dabey die Fürzeften Zehen, namentlich der aͤußern. Dieß
und daß er auch im Gefieder dem Gypogeranus ähnelt, gibt
diefer Form ald Genus und den Accipitrinae die Zte Stelle.
Nauclerus mit feinen fehr langen Flügeln, kurzem Ober:
flügel, langer Flügelfpige, fehr Eurzen Tarfen gibt ſich als Ge:
nus der Milvinae die 2te Stelle.
Waͤren alle Subgenera diefes Genus befannt, fo würde wahr:
fheinlich eines die große Ohröffnung der Strigidae zeigen.
Hiä@rax mit der fürzeften Wachshaut, mit dem im Ver:
bältniß größten und gemölbteften Schnabel fehe ih als das erfte
Genus bey den Falconinae an,
Mir haben demnach in den 5 Subfamilten der Falconinae
abermals 5 Grundformen: 1) Hierax, 2) Nauclerus, 3) Ge-
ranospiza, 4) Pandion, 5) Ibieter. Haben mir es defkalb
nur mit einer Familie zu thun, fo Eönnen wir ebensfall3, die
Grundform im Auge behaltend, diefe als Typen betrachten und
tie Eönnen ftatt Geyer — Ibictertypus, ftatt Gypa&tus —
Pandiontypus, ftatt Gypogeranus — Geranospizatypus,
ftatt Strix — Nauclerustypus und ftatt Falken — Hierax-
typus fagen, indem diefe Formen ebenfalls den Hühner:, Pe:
likan-, Stelzvogel=, den wahren Vogel- und den Papageyen:
typus in ihren Formen am deutlichften darftellen.
I. Subfam. Farconinae: 1) Hierax, 2) Tinnuneu-
lus, 3) Harpagus, 4) Falco, 5) Jeracidea.
* Ischnoscelis Strickland iſt bey den Cetonien durch Bur—
meifter vergeben, i
J
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Il. Subfam. Mırvinae: 1) Ictinia, 2) Nauclerus,
. 3) Circus, 4) Elanus, 5) Milvus.
Il. Subfam. Accıpıtrınae: 1) Spizaötus, 2) Nisus,
3) Geranospiza, 4) Astur, 5) Asturina.
IV. Subfam. Aquisinae: 1) Aquila, 2) Helotarsus,
3) Circaötus, 4) Pandion, 5) Haliaetus.
V. Subfam. Bureoninar: 1) Buteo, 2) Pernis, 3) Po-
Iyborus, 4) Rostrhamus, 5) Ibicter.
Mehr wahre Genera, als diefe hier, angeführten, ‚gibt es nicht,
und alle übrigen von den Autoren: als aͤchte Genera aufgezählte,
find Subgenera derfelben.
Wenn ich deßhalb die Genera wie Herpetotheres, Gymno-
genys, Spilornis, Circaetus et Poliornis, ferner Hyptiopus,
Aviceda, Regerhinus (Cymindis Cuv.), Pernis als Genera
Eaffire, fo gefchieht eg, weil die 5 erjteren Subgenera von Cir-
caetus und legtere Gubgenera von Pernis find. Dieß wird
ſich jedoch erft deutlich bey Bearbeitung diefer Genera erweifen,
die nächfteng folgen Toll.
I. Subfamilia. Falconinae.
1) Hierax, 2) Tinnunculus, 3) Harpagus, 4) Falco, 5) Jeracidea.
1. Genus. Kleinfalfe — Hiärax Figr. 1825.
Diagnofe. Don der Größe großer Finken mit Eurzer
MWahshaut und 2 fpisigen Zähnen an dem plößlich gebogenen
Dberfchnabel. Die gefhuppten Tarfen mit den Zehen verhält
nißmaͤßig fehr groß.
Befhreibung. Kopf groß. Schnabel von der Wurzel an
gebogen mit 2 fpigen Zähnen, wovon der vordere der längfte
und ftärkfte ift. Naſenloͤcher rund, ohne erfennbares Zäpfchen ;
fie find rund in den Knochenkern des Schnabels eingebohrt und
ftehen nicht an einer weichen Haut wie bey Harpagus. Die
kurze Wahshaur, die nadte Gegend um bie Augen und die
Füße ſchwarz.
Die Flügel find kurz und erreichen nur die Hälfte des Schwan
zes. Zweyte und dritte Schwinge an der Snnenfahne, nach der
Spige hin, ſchwach bogenförmig ausgefchnitten. Zweyte Schwinge
faft fo lang als die Zte und 4te, welche die langften find.
Tarfen Eurz, gefhuppt. Mittelzehe faft fo lang als diefe.
Aeußere und Innere von faft gleicher Länge und Stärke. a
Der Schwanz hat Numpflänge und ift in der Mitte ſchwach
ausgefchnitten.
Diefes Genus enthält die Eleinften Arten von allen Falken,
welche auf die heißen ‚Länder des alten Continents befchränft
find. Die big jest befannten. leben in Dftindien.
1) Der bunte Kleinfalfe — Hierax caerule-
seens, Linn. Falco coerulescens, Zinn. Pl. col. 97.
Diagnofe. DBlaufhmwarz mit weißer Stirn und einem
weißen Augenftreifen, der vom hintern Augenwinkel zum. Halfe
fi hinzieht, ohne den Hinterkopf zu. umgeben.
Befhreibung. Blauſchwarz mit weißer Stirn und einem
Streifen, der über die Augen und Dhrfedern hinzieht und mit
der weißen Kehlfarbe fich verbindet. Vordere Hälfte der Wan—
gen, Kehle und Bruſt weiß, ohne ſchwarze Badenftreifen.
Unterbruft, Bauch, Vordertheil der Hofen und ein Theil ber
untern Schwangdede mehr ‚oder weniger roftfarbig. Die Zügel,
obern Theile, Seiten des Unterförpers, Flügel und Schwanz
ſchwarz.
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Der Flügel von Innen weiß, bie längeren Deckfedern ſchwaͤrz⸗
ih gebändert. Die Schwingen felbft ſchwaͤrzlich mit weißen
dreyedigen Flecken, die nicht zum Scafte gehen. Schwanz
von unten mit 6 weiken Binden auf den Innenfahnen, ivovon
bie zwey legten nach dem Ende des Schwanzes hin fid) zumeis
len auf meiße Puncte reduciren. R
Don’ oben erſcheint der Schwanz durch die ungeflediten Außen:
fahnen einfarbig blaufhmwarz.
Dimenfionen mas.
Kopf 31* Zarfe 19
Schnabel 10 Mittelzehe 19
Mund. 11 1fte Schwanzf. 52
Oberfluͤgel 59 2te — 55
Fluͤgelſpitze ‚35 6te — 51
Rach Dr. ©. Müller Lebt dieſe Art geſellig und dieſer Reis
fende fchoß einmal von drey neben einander figenden alten Voͤ—
geln zwey herab.
Nach dieſem Zoologen nennen die Malahen dieſe Art den Li⸗
bellenfalken. Es ſcheint demnach, daß er von Libellen und
vielleicht auch andern Inſecten lebt. Das Vaterland ift Java.
Die Abbildungen, in den Pl. col. ftellen Weibchen vor, wo:
von das als Männchen angegebene mit roftfarbigem Stern juͤn⸗
ger ift. :
2) Der indifhe Kleinfalfe — Hierax entol-
mus Hodgs. Brit, Mus.
Diagnofe. Der weiße Streifen vom Auge her, umzieht
ben Hinterkopf.
Befhreib. Die breite weiße Stirn zieht ſich ald deutlicher
Streifen: über die Augen hin und umgiebt. den Hinterkopf.
Kehle roſtgelb. Die Schwingen find von Innen mehr. weiß,
indem die weißen Fleden größer find. Die untere Schwanz-
decke mehr roftrorh ohne Schwarz.
In allem Uebrigen dem vorigen gleih. Das brittifhe Mu:
ſeum befigt drey Eremplare von Nepaul, Frankfurt 2 Erempl.
duch ©. Hudgfon. Künftigen Unterſuchungen bleibt es vor:
behalten, ob diefe Urt eine climatifche Varietaͤt ift.
3) Ungefledter Kleinfalfe — Hiärax erythre-
genys Vigors fem. Falco sericeus Kittlitz mas.
Diagn. Flügel und Schwanz ohne weiße Fleden.
Beſchreib. 7 Alle obern Theile, Hofen, Schwanz und
Flügel glänzend ſchwarz, auf Kopf, Rüden und Flügel grünglän:
zend. Alle übrigen untern Theile weiß. Mangen naͤchſt dem
Ohr blaß roftgelb. Untere Schwanzdede an der Wurzel ſchwarz,
an der Spige weiß.
Das Driginaleremplar im zoologifhen Garten zu London,
nad welhem Vigors feine Befchreibung gemacht hat, fcheint
ein junger Vogel zu feyn, obgleich er einen gelben an der Spige
ſchwarzen Schnabel hat, was mir Eein Zeichen der Sugend zu
* Die Mefjungen find nad) dem fo genauen als bequemen Milti-
meter. Ich fchreibe jedody nicht 0,033, fondern einfadh das M. an.
Der Kopf ift gemefien vom Rande des Hinterfopfes bis zur Spibe
des Schnabels und zwar mittelft eines Tafterzirfels.
Der Schnabel von dem vorderen Rand der Wachshaut bis zur Spike
und zwar in graber Linie.
Der Mundiwinkel, Bon dem Munbwinfel bis zur Spitze des Schnabele.
46
feyn fcheint. Ich vermuthe, dag der rothe Streifen nächſt dem
Ohr im Alter weiß wie bey dem Weibchen ift.
2. Größer als das Männchen mit fchwarzer unterer Schwanz:
dee. Wangen wie Bruft und Bauch weiß — Schnabel
ſchwarz. Diefes Eremplar im zoologifhen Garten zu London
wurde im Suny erlegt.
Beide Eremplare ftammen von Manilla, während das Exem—
plar von Kittlig von der Inſel Zucon herrührt.
Diefe Art ift in Sammlungen höchft felten.
Dimenfionen mas. — fem. Flügelfpige 35 — 40
Kopf 3 — — Tarſe 2 — 2%
Schwanz 10. — 11 Mittelzehe 18 — 18
Mundwinfe 12 — 13 1. Schwan. — — 59
Sorflud 2 — 6
2. Genus. Rũttelfalke — Tinnunculus Vieill. 1807.
Cerchneis, Boie 1826.
Diagnofe. Ein ſpitzer Edzahn am Oberfchnabel. Zarfen
unregelmäßig gefhuppt. Mittelzehe fo lang oder kürzer als
die Zarfen. Aeußere und innere Zehe von gleicher Länge. Ze:
benrüden getäfelt.
Beſchreib. Diefes an Arten ziemlich zahlreiche Gefchlecht
zeigt Schwung und Schwanzfedern weniger hart und elaftifch
als die wahren Fulfen, mit welchen fie lange Zeit und jegt
noch irrthuͤmlich zufammengeftellt werden. She Gefieder ift
weicher, meift rotbraun, ſchwarzbraun gefledt und ihre Körper:
größe überfchreitet nie die der Eifter. Der Schwanz, der häu:
fig fächerformig ausgebreitet wird, trägt zahlreiche Binden und
eine breitere fchwarze Endbinde. Der Schwanz der Weibchen, fo=
wie der jungen Männchen, zeigt eine größere Zahl Winden und
bas Männchen trägt häufig ein von dem Weibchen abmeichendes
Kleid. Beide Gefchlechter haben von dem vordern Augenminkel
herab einen mehr oder minder dunkleren Streifen. Shre Augen
find nufbraun und die Wachshaut und Füße find gelb, felten roth.
Es find weniger muthige und räuberifche Vögel als die wahren
Falken und ihr weniger rafcher Flug erlaubt ihnen nur junge
und ſchwaͤchliche Vögel im Eisen zu ergreifen.
Beym Auffuchen ihrer Beute bieiben fie häufig flatternd an
einer Stelle in der Luft, um bier erft die Beute aufs Korn zu
nehmen, allein trotz diefem ſcharfen Zielen ftoßen fie häufig fehl.
Man nennt diefe Eigenfchaft, die fie mit den Laniiden, 4te
Familie der Dentirostres, gemein haben, Nütteln, woher ihr
geroöhnlicher Name kommt.
Außerdem freffen fie auch Eleine Säugethiere, als Mäufe,
Eleine Amphibien; allein fie ernähren fich vorzugsmweife von In-
fecten.
Sie niften gern in Mauern, und zwey Arten (vespertinus
et cenchris) felbft in bewohnten Gebäuden, in Selfenklüften,
hohlen Bäumen, allein auch auf Xeften, wo ihnen ein altes Kraͤ—
benneft zur Grundlage dient. Jung aufgezogen werden fie fehr
zahm , laſſen fi zum Ein: und Ausfliegen gewöhnen und find
im freyen Zuftand bey weiten zutraulicher als die wahren Fal-
fen. Auf ihren Zügen leben fie in mehr oder minder großen
Zügen. Die Arten Ealter Länder wandern.
Spftematifhe Stellung: Das 2te Subgenus Erythropus
‚ (vespertinus). zeigt durch die kurzen Oberflügel* und lange
- * Oberflügel nenne ich den Theil vom Flügeldug bis zum Ende
ber erſten Schwinge der 2. Ordnung.
47
Fluͤgelſpitze *, und durch die vorzugsweife Snfectennahrung und
daß es zumeilen unter die Dächer bewohnter Häufer niftet —
den Nauclerus- und Schwalbentypus. Selbſt die rothe Farbe
der Füße, die bey den Sterninae und ben Columbidae auf:
tritt, weiſt auf. feine Stellung bin.
Das Subgen. Erythropus (vespertinus) gibt durch feine
Anatogien fih ald Subgen. und dem Genus Tinnuneulus die
2. Stelle unter den Falconidae,
Diefeg Genus zerfällt nach dem Bau der Flügel und nad)
fonftigen Characteren in 5 fein gefihiedene Subgenera, die bey
einigem Studium leicht zu ermitteln find.
1. Subgenus. Oraurüttelfalfe — Polihierax Kp.
Diagn. Die fehr Eurze Flügelfpige erreicht nicht die Halfte
des Schwanzed. Zweyte ** und dritte Schwinge an ber In⸗
nenfahne ſtumpf ausgeſchnitten.
Durch feine Kleinheit, Bau des Fluͤgels und daß Flügel
und Schwanz weiß getüpfelt find, zeigt die eine Art biefes
Subgenus Analogie mit Hierax.
1) Halsband - Graurüttelfalfe — Tinnunculus
semitorquatus A. Smith. Falco semitorquatus
A. Sm. Ill. of Afr.
Diagn. Fluͤgel und Schwanz auf den Außenfahnen mit
vielen weißen Flecken beſtreut.
Beſchreib. 5 Kopf, Rüden und obere Schulterfedern hell:
afchgrau mit weißem Nadenband. Alte Schwingen ſchwärzlich
mit weißen runden Flecken auf den Außen- und Innenfahnen
und weißen Endborden. Alle untern Theile und die obern
Schwanzdeckfedern weiß. Schwanz ſchwarz, oben mit 6 Reihen
unregelmäßig weißer Flecken, unten mit 7 regelmäßigen weißen
Binden und Borden, Untere Anficht der Flügel mit 6—9 weis
fien. Fledenreihen, die nicht bis zum Schafte gehen. Die Eleir
nerven Achſelfedern weiß, Länge dem Schafte und nad) der Wur⸗
zel bin. ſchwaͤrzlich.
Das von A. Smith als Weibchen bezeichnete Individuum
hat merkwuͤrdiger Weiſe einen feurig Eaftanienbraunen Rüden
und Schulderfedern und ift demnach bunter als dag Männchen,
Das Vaterland iſt Südafrica, wo ihn U. Smith entdedte.
Beide Erempl. im zool. Garten zu, London find die Original:
Erempfare. Ein drittes Exemplar befand ſich im Indian = Houfe.
Dimenfionen mas. — fem.
Kopf 33 — 35 Tarſe 27 — 2%
Schnabel 10 — 11 Mittelzehe 19-48**— 1948
Höhe deffelben 9 — 9 Außen. 1347 — 144+7
Munbwinkel 15 — 13 Innenz. 13-484 — 1448}
Dberflügel 716 — 76 1.Schm;f.69 — 68
Flügelfpise 39 — 4 6 — 72 — 71
I
2. Subgenus. Weih-NRüttelfalfe — Erythropus
Brehm. 1828. Pannychestes Kaup. 1829.
Diagn. Der Oberflügel viel kürzer als die Zlügelfpige. Nur
die zweyte Schwinge nad), der Spitze hin, am der Innenfahne
winfelig ausgefchnitten.
* Flügelfpige. Der Theil der Schwingen 1fter Ordnung „ welcher
von den Schwingen 2ter Ordnung unbedekt ıft.
** Die erite Schwinge ift fehr kurz und wird Teicht überfehen, Die
meiften Befchreiber nehmen die 2te für die 1fte.
a Die hintere Zahl bedeutet die Länge des Nagels in gerader Linie
gemeffen. 4
——
Befhreib. Die fehr langen Flügel erreichen das Ende N
des kürzeren Schwanzes. Mitteljehe nicht ganz fo. lang als bie,
Tarfe. - Männchen und Weibchen total verſchieden gefärbt.
Man Eennt big jegt nur eine. Art, die vorzugsweiſe von. In—
fecten lebt und noch fpät in der Abenddämmerung nah Nah:
rung berumfliegt.
2) Der rothfüßige Weihrüttelfalfe — Tin-
nunculus vespertinus Lin. Falco vespertinus
L. Syst. I. p. 282. 23. — rufipes, Bes. Vög. Kurl.
S. 13. Tab. 3 et4. Naumann tab. 28.
Diagn. Der nadte Theib toth, feltener gelb; die Nägel gelblich.
Beſchreib. & Schieferblau, an dem Oberflügel und obern
Schwangdedfedern am dunkelſten. Zügel und Schwanz fait
fhwarz. Untere Schwanzdedfedern, Afterfedern, Hoſen und
Tibiafedern roftroth.
2 Oben afdygrau mit vielen pfeilförmigen dunklen Querfleden
Stirn, Wange, Fled hinter den Ohrfedern, und die Kehle
roftgelblich weiß. Backenſtreifen und. der übrige Oberkopf. blaß
roſtfarbig; alle untern Zheile blaß roftgelblidy mit, einzeln ſchwar—
zen. Schaftftrichen.
ſchwaͤrzlich geftrichelt. Schwanz mit etwa 10 Binden, von
welchen die Endbinde am breiteften. Auf den Srmenfahnen der
Schwinge gegen 11 ovale, graw gewaͤſſerte Querflecken. Innere
Achſelfedern blaß roftgelblic), wovon die Außeren dunflere Quer—
bänder haben.
Das junge Männchen ift dem Meibchen Ähnlich gefärbt, hat
jedoch auf den untern Xheilen breite lanzett= oder pfeilförmige
Fleden. Das junge Weibhen zeigt ftärfere Dimenfionen und
die untern Theile find gröber und breiter gefledt. )
Diefe Art Hat viele Aehnlichkeit namentlih das Männchen
mit den Sctinien, an welche fie Hr. Schlegel anreiht. Diefe
Aehnlichkeit ift jedoch nur eine analoge, indem vespertinus «ld
Subgenus und Genus die zweyte Familie reprafentirt.,
Ictinia ift ein Achter Weil (Milvinae), allein wiederholt
als Genus in feiner Subfamilie die Milvinae, die Edelfalken
Falconinae. j
Sie fliegt am fpäteften von alten Falken bis tief in den Abend
binein und ftreicht häufig fehr tief, um: an den Grasfpigen: die
Inſecten weg zu fchnappen. Sie ift ein füblicher oder vielmehr
fuͤdoͤſtlicher Vogel, der nady dem Grafen von der Mühle in
Griechenland auf dem Zuge häufig, jedoch felten niſtend uorfommt.
Nah Dr. Lindermayer fommt ev auf feinem Zuge nad)
Griechenland, wenige Tage nach den Nequinoctialftürmen nad)
vieljährigen Erfahrungen zwifchen den 10. und 20, April in die
dem Meere zumächft gelegenen Ebenen, wo er von feinen Wan:
derungen ausruht, und dann plößlich wieder verfchwindet., Die
Zahl der alten Männchen iff bedeutender als die der Weibchen.
Nah dem Grafen v. d. Mühle erfcbeinen die Weibchen und
ungen auf dem Herbftzuge in Griechenland,
fellig in 8 — 12 nach dem Grafen in Truppen von 20 — 50
Stud. Ein Freund von leßterem bemerkte im September einen
ſolchen, der nach feinem Fang auf einer duͤrren Hede fih aus—
tuhte und war. fo glüdlich, auf einen Schuf fieben Eremptare
zu erlegen... Sie find. wenig; ſcheu und. jener Schwarm tie fich
auf 40 —50 Schritte vor dem Schuͤtzen, der fren auf dem Bo—
den faß, auf jener Hede nieder Nah Dr. Lindermayer
und dem Grafen v. d. Mühle leben fie ſtets von Inſecten
und Dr. Einderm. fand ſtets Geotrupes- und Ateuchus-Irten,
in ihrem Magen. (Iſis 1848. S. 321.)
Zügel und um bie Augen ſchwarz oder
Sie. leben ges
Nach Naum ann und meinen eigenen Erfahrungen an einem
lebenden Exemplar Rin dem zoologifchen Garten in London iſt
feine Stimme der des Thurmfalken fehr aͤhnlich, nur iſt das
Ki wiel hoͤher als das des Thurmfalken. Dieſer Ton wird ſehr
‚häufig ausgeſtoßen und ſoll dem’ Kenner noch) mehr: auffallen
als die Verfchiedenheit im Flug.
. Ueber feine Fortpflanzung) hat man bis jetzt keine fichern
Nachrichten. "Nach einer Mittheilung in den Ann.of Phil.
1839, ‘Nov. p.'213. ift er seiner der gemeinften Falken in
Kleinafien, dev feinen Horft unter die Dädyer und felbft in das
Innere bewohnter Häufer baut.
Nach Patlasıbedient- er fich eines Eifter = oder Dohlenneftes
zur Örundlage und legt Z’röthlichweiße mit 'woftröthlichen , feinen
und groͤberen Puncten bejtteute Eyer, melche denen des Baum:
falfen aͤhneln. Die Zahl Der Eyer fcheint mir zu gering an⸗
gegeben’ und» ift ſicher nicht die Normalzahl.
Nach Pall as ſoll er oft Schwalben erhaſchen, was ficher
auf einer Verwechslung mit dem Falco subbuteo beruht. Außer
diefem foll ev Wafferinfecten Wauflefen und auf dem Zuge Spin⸗
nen freffen, €
Schlegel theilt ferner nach Hr. Bructo mit, daß man
in Dalmatien im Herbft feinen Kropf gewöhnlich mit rothen
Beeren angefüllt fände, daher die Dalmatiner ihn nicht zu den
Raubvoͤgeln zählen und ihn verfpeifen.
Nah Savi fliegt er leicht und zierlich,. ftreift oft in Kreifen
hoch in der Luft und ftürzt fich fpielend wieder herab. Seine
Beute erfpäht er weder im Flüge, wie die Edelfalfen, noch
rüttelnd wie die andern Tinnunculi, fondern nach Art der
Mürger und Sliegenfänger ſtill figend von irgend einem erhöhten
Gegenftand herab. Seine Nahrung beftehe vorzugsweife aus
Snfecten, meift Heufchreden und ähnlichen Orthopteren, obgleich
er Eidechfen und Eleine Säugethiere und Vögel nicht verfehmähe.
"Dimenfionen mas. fem. Tarſi 29 — 30
Kopf . 43. — 43 Mittelz. 24410 — 25-19
Schnabel 13 — 134 Außenz. 1749 — 18549
Mundmwinfel 17 — 183 Snnenz. 154-410 — 164 4 10
Höhe aus, 41 1. Schwanzfeder 117 — 134
Oberfluͤgel 108 — 114 6. Schwansfeder 129 — 141
Sluͤgelſpitze 134 — 140
8. Subgenus. Sperberrüttelfalke, Poecilornis Kp. 1843.
Diagn. Die kürzern Fluͤgel erreichen nur die Haͤlfte des
Schwanzes. Oberfluͤgel faſt fo lang als die Fluͤgelſpitze. Zweyte
und dritte Schwinge an der Innenfahne nach der Spitze deut:
lich ausgeſchnitten. Mittelzehe bedeutend kuͤrzer als die ſchlanke
geſtreckte Tarſe.
Ich kenne mit Sicherheit nur zweyh Arten; die auf America
befchränft find. Es find: mit: die bunteften aller Falken und
namentlidy ift der Nacken ſehr Ausgezeichnet gefleckt.
3) Der gemeine Sperberrüttelfalte. Tinnunculus
sparverius L. F. sparverius L. I. 1. p. 284. Nr. 20.
.. „.Ene. 465. Wils. ll. 16. 1. foem. IV. 82. fig. 1. (male)
0, Pr Mar v. Neuwied Beytraͤge.
Diagn. Die £leinen oberen Schulterfebern ſchwarz gefleckt.
—Beſchreidung. Maͤnnchen. Kopf blauaſchgrau ‚mit
Dieſes Individuum, ein ſchöͤnes altes Männchen, zeigte alle
nackten Theile und die Füße gelb, wie alle übrigen Arten.
Iſis 1847, Heft 1.
50
mehr ‚oder minder großem rothbraunem Scheitelfled, "Kehle und
Wangen weiß, lestere vorn und hinten mit ſchwarzen Laͤngs⸗
ſtreifen begraͤnzt. Der Naden mit 3 ſchwarzen Flecken. Naden,
Rüden und obere Schwanzdedfedern lebhaft roftrorh. Schul⸗
terfedern mit einzelnen, ſchwarzen ſchmalen Pfeilflecken, die nach
hinten zu breiter werden. Flügel blaugrau mit ſchwarzen Scjaft-
tropfen, ‚Schwingen 2ter Ordn. ſchwarz mit grauer. Endbinde
und weißem Saum. Schwingen von aufen ſchwarzbraun; von
Innen zeige die 2te Schwinge einen weißen oder. röthlichen
Saum und an 8 ſchwarze und weiße Querbinden. Die Bruft
ift mehr oder minder roftgelb oder roſtroth, die Seiten find
heller, zuweilen faft weiß mit fhwarzen Scafttropfen. Hofen
und untere Schwanzdedfedern röthlichgelblich weiß, Der Schwan;
iſt feurig roſtroth mit ſchwarzer Endbinde und an den mittleren
mit toftrothem oder blauem, roftrorh gefledten, an den übrigen
mehr weißlihem Saum. , Die Aufere Schwanzfeder iſt weiß
mit 3—6 ſchwarzen von außen blau gefäumten, breiten, allein
unregelmäßigen Binden, Die 2te Schwanzfeder zeigt zuweilen
auf der Außenfahne zwey hellafchgraus, ſchwarz geſaͤumte Flecken
und die Innenfahne iſt am Rande weiß mit ſchwarzem Filed,
Bey fehr alten Männchen jift die aͤußerſte Schwanzfeder an
ber Außenfahne und der Spike, röthlichweiß mit roſtrother In—
nenfahne und fchwarzer, zumeilen blaugran eingefaßter Endbinde,
Weibchen. Ruͤcken und Oberflügel rothbraun, jede Feder
mit, 2— 8ſchwarzbraunen fchmalen Querbinden. Steiß und
obere Schwanzdedfedern etwas heller mit feinen Querbinden.
Schwingen 2ter Ordn. filbergrau bordiert, an der oberen Hälfte
ſchwarzbraun, an der unteren Hälfte mit 2 ſchwarzen Pfeil:
fleden auf roſtrothem Grunde. Die Eleinen Dedfedern der vor-
dern Hauptſchwingen [hwarzbraun, auf den Außenfahnen roth—
braun gefleckt. Schwanz von oben rothbraun mit 13 — 14
ſchmalen Querbinden, von welchen das Endband das breiteſte.
Die erſte Schwanzfeder blaßroͤthlich, wie die ganze untere An—
ſicht des Schwanzes und mit weißlicher Außenfahne. Die un—
teren Theile ſind weiß, die Bruſt und die Seiten mit ſchmalen
und breiteren lanzettfoͤrmigen braunen Schaftflecken und ſchwarz—
braunen Kielen. Die Stirn iſt grauweiß, der Scheitel aſchgrau,
ſchwarz geſtrichelt und auf der Mitte des Scheitels mit einzel-
nen rothbraunen Federn. in Streifhen Über dem Auge und
den Wangen weiß. Die Zügel, der Backenſtreifen und die hin-
tern Ohrfedern ſchwarz. Auf der Mitte des Nackens und zwi—
fhen diefem und dem Ohr ein runder ſchwarzer Fleck auf roft:
geiblihem Grunde. Der Fled des Ohrs und die 8 Nacken-⸗
fleden bilden zufammen 5 Flecken, die diefe Art ſehr kenntlich
machen. Von Unten ‘zeigt der Flügel: fich gelblich mit gebän=
derten Achſelfedern. Die Schwingen‘ felbft zeigen gelblichweiße
Duerbinden. Das junge Männchen gleicht dem alten Weib⸗
chen. Unter vielen Cremplaren finden ſich welche: mit: dunkel:
roſtrother Bruſt, faft ohne Flecken und an denen die innern
Achſelfedern mehr grau‘ als roſtgelblich find,
In Nord: wie Suͤdamerica ein gemeiner Raubvogel, der nad)
dem Prinzen von Neuwied im Geſchrey und ber Lebensweife
ſehr dem Thurmfalken gleicht.
Dimenfionen mas. fem. Tarſi 32-37 — 37-38
Kopf ..u 40 — 4 Mitteljehe 22-25 — 22-26
Schnabel 12—13 — 12—14 1. Schwansfeder 105-108
Dberfl. 88-97 — 103— 108 126-132
Stügelfp.88—98 — 100— 102 6. Schwf. 121-130 — 158-151
5
51
4) Der Vigorfifhe Sperberrüttelfalte, T. sparve-
roides Vig.
Diagn. Die Eleinen Dedfedern der oberen Schulter find
dunkler afchgrau, ohne Fleden.
Diefe Art ift etwas Eleiner als die vorige und unterfcheidet
fi) noch durch folgende Kennzeichen.
1) Auf den rothen Schulterdedfedern ftehen verlofchene afch-
graue Fleden mit ſchwarzen Schaften; felten zeigen diefe Fes
dern ein ſchwarzes Band.
2) Die Schwingen 2ter Ordnung haben die ganze hintere
Hälfte aſchgrau ohne Bänder, find an der Wurzelhälfte ſchwarz
und haben an der Innenfahne lichtere afchgraue Zaden.
3) Die Schwingen haben Feine weißen, fondern afchgraue
Binden auf der Snnenfahne und die ſchwarzen Querbinden find
faſt erloſchen.
45) Das Roſtroth der oberen und unteren Theile iſt tiefer
voftroth, auf dem Rüden ungefledt, zuweilen afchgrau tingiert;
unten mit einzelnen Sleden, die aſchgrau eingefaßt find.
5) Der Schwanz ift Fürzer und die Endbinde grau und roſt⸗
roth tingiert. Die innern Achfelfedern weiß, grau angeflogen
mit fhmarzbraunen Binden.
Die Befchreibungen find nad) den Driginaleremplaren von
Vigors im zoologifchen Garten abgefaßt, der diefe Art außer
dem in einzelnen Bälgen beſitzt.
Das Vaterland ift der Süden von America.
Die Zte Art von Swainfon, T. cinnamominus, habe
ich nicht unterfuht, weil fie mir im Aeußeren zu ähnlidy mit
sparverius erfchien. ine nähere Angabe der Unterfchiede wäre
fehr wuͤnſchenswerth; fie befindet ſich im brittiſchen Mnfeum.
4. Subgenus. Falkenrüttelfalke, Tichornis Kp. 1843.
Diagn. Die langen Flügel erreichen die Endbinde bes
Schwanzes. Iberflügel faft fo lang als die Flügelfpige. Nur
die Zte Schwinge an der Innenfahne ausgefchnitten.
Die eine bis jest befannte Art zeigt Überfpringende Verwandt:
fhaft mit dem Subgenus Erythropus, von der fie fich ſubge—
neriſch durch den längeren Oberfluͤgel unterfcheidet.
Der Thurmfalkenähnlihe Falfenrüttelfalfe, Tin-
nuneulus cenchris Naum. et Frisch. Naum. tab. 29.
Falco tinnunculoides Schinz. Temm. F. Naumanni
Fleischer. F. xanthonyx Natt.
Diagn. Nägel gelb.
Befhreibung Männden. Der Schnabel, Hals, die
meiften Schwingen 2ter Ordnung, die großen Dedfedern der
Flügel, obere Schwanzdedfedern und der Schwanz afchgrau.
Rüden ziegeltoth. Die unteren Theile gelbröthlih mit Schaft-
ftrihen oder Kleinen runden Fleden am Ende der Federn. Kehle
und untere Schwanzdedfedern am helljten und nicht gefledt.
Der Schwanz mit. breiter Endbinde von ſchwarzer Farbe und
lihtem Saum.
Weibchen. Obenher roftroth, auf dem Scheitel und Hals
mit ſchwarzbraunen Längsfleden; auf dem Rüden, ber gberen
Hälfte des Flügeld mit einer großen Zahl dunfelbrauner Pfeil:
fleden und Querbinden. Der Schwanz von oben roftroth mit
afchgrauem Anflug und? 9— 10 Binden. Vor dem weißen
Endfaume eine breitere Binde. Untere Theile roftgelblich. Bruſt
und Seiten mit großen breiten Schaftfleden. Kehle, Hoſen
und untere Schwanzdeefebern faft weiß mit roftgelblichem Anflug.
2
Diefe Art ift ein füdlicher und füdöftlicher Wogel, der in
Griechenland fo. gemein ift, mie der gemeine Thurmfalke. Er
Eommt Ende März an, wo er dann im großer Menge über
fumpfigen Wiefen erſcheint, was bey feiner beftändigen Gemohn:
heit zu rütteln einen fonderbaren Anbli gewährt. Diefer wie
der Thurmfalke rüttelt über feiner Beute, fest fich neben fie,
fängt fie, ſteigt damit in die Luft und verzehrt fie, felten andere.
Bey aufmerffamer Beobachtung kann man fehen, wie fie die
Füße und Flügel der Heufchreden abbeigen und fallen laffen.
Die geöffneten hatten Heufchreden ‚die verfchiedenen Arten Man-
tis, Eidechfen, Maulwürfe, jedoch nie Fröfche im Kropfe. Sie
brüten am.liebften unter Hausdachern, während der Thurmfalke
Thlrme und Nuinen vorzieht (Graf von. der Mühle).
Nah) Dr, Lindermapyer brütet er ——6 Eyer aus, die
von gelblich weißer Grundfarbe und. mit roſtrothen Eleinen Flecken
dicht überfaet find. Die Jungen von wenigen Tagen find meiß,
wie mit Schneefloden überdedt, wachſen ſchnell und Eönnen zu
artigen Zimmervögeln herangezogen werden. Diefer Gelehrte
fand meift Käfer in feinem Magen.
Dimenfinn mas. fem. Zarfi 31 — 30
Kopf 42 — 42 Mittelzehe 26 — 3
Schnabel 15 — 13 Außenzehe 21 — 2%
Mundwinfel 19 — 19 Innenzehe 20 — 2%
Oberfluͤgel 102 — 112 1. Schwanzfeder 118
Flügelfpige 115 — 115 6. Schwanzfeder 141
Das hier gemeffene Weibchen zeigt ungewöhnlich geringe Di-
menfionen. {
: Baftardrüttelfalfe, Tinnuncu-
lus Kaup.
Diagn. Oberflügel faft fo lang als die Slügelfpige.
und dritte Schwinge an der Innenfahne ausgefchnitten.
ohne, bunte Färbung.
Man fennt, bereits alle 5 Arten, die unter fich fehr nahe
verwandt find. . Sie haben aber ein rothbraueg, ſchwarz gefled=
tes, unten. meift ein lichteres Gefieder mehr oder, weniger —
Dieſe Abtheilung enthaͤlt die groͤßten Arten.
5) Der
alaudarius Gmel.
interstinetus MeClell. Proc. Zool.
Naumann t. 30.
Untere Theile voftgelblichweiß mit. großen tropfen-
artigen ſchwarzen Flecken. Flügel 250 — 252 M. lang.
Befhreibung Männdhen. Mit afchgrauem Scheitel,
Hinterhals, Unterrüden, oberen Schwanzdedfedern und Schwanz.
Kegterer hat vor dem weißen Endfaume eine fehr breite ſchwarze
Binde, "Die großen Dedfedern der. Hauptfchwingen einfarbig
fhwarzbraun. Die kleinen Dedfedern des Flügels und des
Ruͤckens rothbraun, ſchwarz getropft. Die Kehle ift weißlich,
die Bruft mit fhmalen, die Seiten mit tropfenattigen fchwar=
zen Sieden.
Meibchen. Alle obern Theile rothbraun, ſchwarzbraun ges
fteichelt,, breit gefledt und gebandert. Auf den großen Dedfe-
dern der Hauptfehwingen rothbraune Flecken. Alle unteren
Theile mit gröberen, breiteren Sleden. Obere Schwanzdeckfedern
grau mit 3 pfeilförmigen Flecken. Schwanz rothbraun, grau
angeflogen, mit 9— 10 ſchwarzbraunen Binden vor der breites
ten Endbinde, welche gelblich weiß geſaͤumt ift.
3. und letztes Subgenus.
Zweyte
Nacken
Thurmbuſſard-Ruͤttelfalke, Tinnunculus
Falco tinnunculus Linn. Falco
Soc. 1839. 154.
Diagn.
53
Die jungen Vögel gleichen dem Weibchen. Das junge
_ Männchen unterfcheidet ſich außer der geringeren Größe, daß die
Flecken Eleiner find,
Diefer in Europa fehr gemeine Raubvogel fheint, America
ausgenommen, Über die ganze alte Melt verbreitet zu feyn.
Der indifche, den MacClell. als eigene Art unterfchied, kann
nicht einmal als climatifche Varietät betrachtet werden, indem
das alte Männchen ganz mie der europäifche gefärbt ift, was
ih an einer großen Zahl von Eremplaren gefehen habe. Das
Weibchen legt 4, ſelten 5—6 weißliche oder roftgelbliche, mehr
oder weniger braunroth gefledite und getupfte Eyer und brütet
fie in 3 Wochen aus.
Dimenfionen mas. fem, Slügelfpige 130 — 125
Kopf 46 — 50 Tarſi 40 — 40
. Schnabel 13. — 13 _ Mittelzehe 26 — 238
Mundwinfel 20 — 22 1. Schwanzfeder 142 — 145
Dberflügel 122 — 126 6. Schwanzfeder 168 — 170
6) Der neuholländifhe Buffardrüttelfalfe, T. cen-
chroides Vig. et Horsf. Falco cenchroides Pig. et
H. Linn. Tr. XIII. 183. Gould Birds of Austr,
KA,
Diagn. Die innere Anfiht dev Achfelfedern blendendweiß.
- Bruft und Seiten mit ſchmalen ſchwarzen Schaftfttihen. Ober:
flüge 105—123, Flügelfpige 135—148 M. lang.
Befhreibung Maͤnnchen. Stirn, Streif über dem
Auge, Zügel und Kehle weißlih. Von dem vorderen Augen—
winfel herab der gewöhnliche dunfle Badenjtreifen, Wangen
grau angeflogen. Scheitel roftröthlich mit aſchgrauem Anflug
und feinen ſchwarzen Schaftftrihen. Nüden und Flügel roft-
roth. Auf den Schulterdedfedern zwey Reihen Eleiner pfeilfoͤr—
miger Scaftfleden. Obere Dedfedern des Schwanzes aſch—
grau; die..feitlichften von diefen ‚weiß. Untere Seite faft weiß
mit roftröthlihem Anflug: ander Kropfgegend. An Iesterer,
der Bruft und den Seiten des. Unterkörpers mit ſchwarzen Schaft:
flecken. Innere Anficht des Flügels blendendweiß. Die Schäfte
find von Innen weiß, naͤchſt diefen find die Fahnen afhgrau
mit zadigen Streifen. Die Schwingen 1ter Ordnung dunkel:
aſchgrau mit weißen Binden, roſtroth und ſchwarz gefledt, an
den Innenfahren blendend weiß.
Die Hauptichwingen find nad oben faft ſchwarz, roftgelb an
den breiteren Theilen der Innenfahne. Schwanz bellafchgrau
mit roſtrothem Anflug und breiter ſchwarzer Endbinde und
breitem meißem Saum. Die zwey feitlihen Schwanzfedern
faft weiß mit weißen Schäften.
Weibchen. Es ift. größer, hat auf dem Rüden und den
Dedfedern. der Schultern. und den Fleineren Dedfedern des
Fluͤgels zahlreichere Reihen won größeren mehr. pfeilformigen
Sieden. Die Schaftftriche der unteren Theile find ſtärker und
breiter und der roftröthlihe Schwanz zeigt ausgebreitet auf der
Innenfahne Spuren von wenigſtens 8 ſchwaͤrzlichen Binden.
Ein junger weiblicher Neſtvogel in der Goul d iſchen Samm⸗
lung hat! die Flecken der oberen Theile noch groͤßer, und bie
oberen Deckfedern des Schwanzes ſind in die Quere gebaͤndert.
Die Federn der Kropfgegend und die der Seiten ſind ſchmutzig
braun und die Schaftflecken bedeutend breiter als am alten
Weibchen.
Dieſe Urt iſt wohl die ſchoͤnſte und zierlichſte der ganzen
54
Hten Abtheilung und zeige durch ihre längern Schwingen, Elır:
zern Dberflügel Analogien mit dem Tinnuneulus vespertinus.
Sie ift in Neuholland fehr gemein. Nach Gould gleicht
fie in ihren Sitten der europäifchen, nur ift ihe Flug fhwim-
mender und gefälliger.
Dimenfionen mas, , fem. _ Flügelfp. 135 — 148
Kopf 46 — 48 Tarfi 58 — 40
Schnabel 13 — 14 Mittelzehe 24 — 24
Mundwinfel 20 — 22 1. Schwanzfeder 123° — 140
Oberfl. 105 — 123 6. Schwanzfeder 146 — 169
T) Der Eurzflügelige Buffardrüttekfalke, Tinnun-
eulus punctatus Cuvier. Falco punctatus Cuvier.
Pl. col. 45.
Diagn. Die Flügel erreichen nur die Hälfte des Schwan:
308. Untere Theile weißlih mit ſchwarzen Tropfen und Pfeil-
flecken.
Beſchreibung. Weibchen. Stirn grauweiß, ſchwarz
geſtrichelt, ebenſo der Streifen über dem Auge und den Baden.
Dbenher rorhbraun. Der Kopf mit ſchwarzen Schaftfleden ;
das übrige Eleine Gefieder mit einer bis drey breiten pfeilförmigen
Pfeilbinden. Schwingen Zter Ordn. mit 5 rothbraunen Quer=
binden. Die Schwingen mit Ausnahme der Sten und 4ten
an der Außenfahne roſtroth oder roftgelblich gefledt. Die inne=
ten Achfelfedern weiß, ſchwarz getropft. Die Innenfahne der
Schwingen nad) den Rändern hin weiß, mit 6—7 ſchwaͤrz—
lihen Querbinden. Die Kehle ift weißlich mit deutlichen Baden:
fireifen; alle übrigen unten Theile weiß mit ſchwarzen Tropfen
und Pfeilfleden. Der rotbbraune Schwanz bat 8 ſchwarze
Querbinden, die in der Mitte des Schaftes nicht zufammen-
ftoßen, fondern damenbrettartig an den Schäften fich begränzen.
An der Spige des Schwanzes ein breites Endband mit roft:
gelbticher Binde.
Männchen. Es gleicht dem Meibchen, allein [die Flecken
auf dem Rüden find Eleiner und der Schwanz ift aſchgrau mit
roftgelblihem Anflug.
Das Vaterland ift Madagascar.
flieren feine Notizen.
Ueber feine Lebensart exi⸗
Dimenfionen mas. fem. Frluͤgelſpitze 95 —...
Kopf 43 — 49 Tarſi 35 — 4
Schnabel 12. — 16 Mittelzehe 24 — 28
Mundwinkel 18 — 22 1. Schwanzfeder . ...— 128
Oberfluͤgel 100 — 126 6. Schwanzfeder ... — 159
Obgleich dieſe Art die kurzen Fluͤgel von der Gruppe Poeci-
lornis sparverius beſitzt, ſo kann ſie doch nicht mit dieſer ver—
einigt werden, indem ihr ganzer Totalhabitus und Faͤrbung ſie
zu den wahren Tinnunculi verweiſt.
-8) Der roftrothbe Buffardrüttelfalke, Tinnuneulus ru-
picolus Yaill. Le Montagnard Vaill. pl. 35. Falco
capensis Shaw. Falco rufescens Swains.
Diagn. Untere Seiten wie die oberen tief rothbraun und
ſchwarz gefleckt.
Beſchreibung. Weibchen. Dieſe Art ſieht dem weib—
lichen Thurmfalken aͤhnlich, indem beide Geſchlechter, Maͤnnchen
wie Weibchen, den Schwanz mit 6— 7 Binden verfehen haben.
Kopf, Wangen und Hinterhal® ſchmutzig und tief afchgrau.
Kopf und Naden mit ſchwarzen Schaftftrihen. Diele Zedern
55
des Kopfs haben roftbraune- Federfpisen oder, find total roftbraun.
Die oberen Schwanzdeckfedern find; afchgrau, zum Theil mit
Pfeilfleden und gelbroͤthlichen Säumen, oder. rein aſchgrau mit
fhwarzen Schaftfleden oder dunkeln Schaͤften. Die Keble roſt⸗
geld. Schwingen 2ter Ordn. mit breiten voftröthlichen Säumen,
und wie beym weiblihen Ihurmfalfen mit roftbraunen Sieden.
Männden Das Männden gleiht dem Weibchen, nur
find die Flecken der Seiten Eleiner und die Endbinde des Schman-
zes iſt breiter.
Diefe Art iſt am Cap ſehr gemein und ſcheint uͤber einen
großen Theil von Africa verbreitet zu fen.
Dimenfionen mas.’ Tem. $lügelfpige 122 — 125
Kopf 48 50 - Tarfi 42 = 4
Schnabel 14 — 14 Mittelzehe 28.— 27
Mundwinkel 21 — 22 »1:.Schwanzfeder 135. — 140
Oberfl. 122 — 120 6. Schwanzfeder 145 — 151
9) Der große Buſſardruͤttelfalke, Tinnunculus rupi-
coloides A. Smith. N. of Afr.
Diagn. Länge des Flügels 280 M. Zarfi 50, Mittel:
ehe 30 M.
Befhreibung Männchen. Die größte Art der gan-
zen Gruppe gleicht am meiften dem rupicolus. Die Grund—
farbe ift blaßröchlihbraun mit Ausnahme des Schwanzes. Stirn
und Kehle ungefledt. Kopf und Naden mit lanzettförmigen
Fleden. Ale Dedfedern des Flügels und des Ruͤckens mit
ſchwaͤrzlichen und rothbraunen Pfeilfleden, welche die ganze
Breite der Feder einnehmen. Die großen Dedfedern der 10
erften Schwingen, ſowie die Schwingen Zter Ordnung lebhaft
roſtroth mit 6—7 fbwarzbraunen Bändern und lichten faft
weißen Endfäumen. Die Schwingen find ſchwarzbraun; an
den Innenfahnen von den Schäften aus ſchwarze Juden, zwi⸗
fhen welchen fi die weite Grundfarbe der Aufenfahne roſt⸗
roͤthlich verlaͤuft. Von Innen geſehen iſt der Fluͤgel weiß mit
einzelnen ſchwarzen Strichen auf den kleinen Deckfedern und
durchleuchtende Zackenſtreifen auf den Schwingen.
Auf den unteren Theilen haben die Seiten des Kropfes
ſchmale braune Schaftflecken, die auf den Seiten zu lanzettfoͤr⸗
migen und breiten pfeilfoͤrmigen Flecken ſich geſtalten. Die
Hofen find blaßroſtfarbig mit einzelnen Schaftſchmitzen; die obe=
ren Dedfedern des Schwanzes find blaͤulich afdıgrau mit 2 bie
3 breiten ſchwarzen Duerbinden. Die-untern Dedfedern des
Schwanzes find weiß oder roſtroͤthlich mit einzelnen unregelmaͤ⸗
Figen ſchwarzbraunen Scaftfleden.
Der lange Schwanz ift blaugraumeiß mit 5—6 ſchwarz⸗
braunen Duerbinden, einer breiteren Endbinde und breiter mei-
gen Borbe.
Ein Eleineres Individuum zeigt die untern Schwanzdeckfedern
bellroftröthlih und die Hofen ohne Flecken. Der Schwanz ift
von oben dunfelafharau mit-roftrothen ‚- afchgeau tingierten Bin⸗
den. Von unten iſt er nach den, Borden der Innenfahne faft
weißblaͤulich und. roſtroͤthlich angelaufen. Die Endbinde iſt
roſtgelb.
Das Vaterland iſt Suͤdafrica. Dieſe Art iſt bis jetzt in
Sammlungen noch ſelten, obgleich ſie wahrſcheinlich ebenſo ge⸗
mein als die übrigen Arten ſeyn mag.
Dimenfionen mas. ſem. Mundwinfel 24 —.25
Kopf 52 — 56 Oberfl. 140 — 280
Schnabel 15 — 22 Fluͤgelſp. 135. — 280
——
u
Taf; >; 50. — 50 4.Schwanzfeder 143 —1145
Mitte. 30 F11 — 30-+10..,6. Schwanzfeder 155..— 1956
3. Genus. Sperberfalfe, Harpagus Pig. 1824. *
} Diagm, An dem dicken und. hohen Oberſchnabel zwey ſehr
große Zähne, am Unterſchnabel ein: ſeitlicher Ausſchnitt. Tarſi
meiſt ganz getaͤfelt. — chin
Befchreibung. Der, Schnabel verhaͤltnißmaͤßig ſehr hoch.
Die Naſenloͤcher, von gewoͤhnlicher Bildung, liegen am Ende
einer weichen Haut, welche die Naſenhoͤhle uͤberſpannt und ſind
nicht rund in den Knochenkern des Schnabels eingebohrt, wie
ben allen übrigen Genera der Falconinae,
Die Flügel find kurz, nicht. fperberäbnlich gebaut, fomohl was
die Faͤrbung, als auch die ſtufenfoͤrmigen Längenverhältniffe der
einzeinen Schwingen betrifft. Die 2te Schwwinge ift die Elirzefte,
die Ste Fürzer als die Tte, die 2te fo lang ais die Gte und
die 5te die längfte. =
Der Schwanz ift lang. ni a
Die Tarſen find mäßig hoch, auf. der. Vorderfeite getäfelt'
und haben kurze Zehen. Die äußere Zehe, ift unbedeutend
länger als die innere, die fehr gedrungen imd mit. einem fehr
ftarken Nagel verfehen ift. Sie haben ein afchgraues, auf dem
Rüden fperberähnliches Gefieder. Die Nadenfedern find an
der Wurzel weiß; auf der Mitte der Kehle haben die, Jungen,
wie viele Aceipitrinae, auf. weißem Grunde einen ſchwarzen
Streifen. Flügel und Schwanz ‚von Innen oder unten, find
auf filbergrauem oder weißem Grunde Acht fperberähnlich. mit
—59— dunklen Querbaͤndern verſehen. Untere Schwanzdecke
weiß.
Man kennt nur zwey Arten aus dem Suͤden von America,
von denen ich glaube, daß jede den Typus eines eigenen Sub—
genus in der Zukunft abgeben wird. Beide Arten wurden hoͤchſt
irrig in neuefter Zeit wieder. bereinigt. ’
1) Der rothhofige Sperberfalfe, Harpagus diodon.
Temm. Falco diodon T. pl. col. 198. Diodon bra-
siliensis Less. Bidens femoralis Spiz. Pr. Mar
Beytr. II. 1. ©. 138. )
Diagn. Mit roſtrothen Hofen und innern Dedfedern des.
Fluͤgels.
Beſchreibung. Größe von Subbuteo. Kopf dunkelſchie—
fergrau. Wangen und-Rücden blaͤulich afhgrau. Schulterded=
federn an der Wurzel mit weißem Bande und an der Mitte,
jeder Sahne mit eyrundem Flecken. Die übrigen Flügel ſchwarz⸗
braun.
Von Innen zeigt der Flügel auf. bläulid) weißem Grunde
breite fchwarze Binden, die über beide Fahnen fich erſtrecken.
Kehle weiß. Bruft und Bauch hellblau aſchgrau. Hoſen und.
innere Dedfedern der Flügel roffroth. Dbere Schwanzdede weiß
gefledt. Schwanz mit drey helleren blaugrauen Querbinden.
Das Weibchen unterfcheidet ſich nach dem Prinzen ſelbſt in
der Größe wenig von dem Maͤnnchen. Nach Diefem iſt die
Farbe des Kopfes und der Flügel Lichter, die Kehle gelblichweiß
und das Grauröthliche der Seiten weniger beftimmt. Ü)
Sch Eenne nicht den jungen Vogel. Nach dem Prinzen ift
er oben dunkelbraun mit helltoftfarbigen Federrändern.. Die
DE ET —
* Spir nennt fie Bidens und Lesson Diodon. Beide Namen
find. jünger oder laͤngſt vergeben, He ee
57
Baden dunkelbraun, hellroſtroth geftrichelt. Untere Theile weiß
mit: fchwarzbraunen Längsfleden. Die Iris ift nach dem Prin:
zen gelb.
Dimenfionen: Kopf 60 Mittelzehe 2612
Schnabel 22 Aufenzehe 16-49
Höhe 14 Innenzehe 13-+13
Breite 12. 1. Schwanzfeder 143
Flügel 200 6. Schwanzfeder 145
Tarſi 39
2) Dergebänderte Sperberfalfe, Harpagus bidentatus
Lath. Falco bidentatus Lath. Ind. I. 38. Pl. col.
(ad.) 228. (juv.) Bidens rufiventer Spix t. VI. Bi-
dens albiventer Spiz t. VII. * Pr. Mar Beytr. XII.
3.1. ©. 132.
Diagn. Die, unteren Theile beym alten. Vogel roſtroth,
beym. jungen ‚Vogel weiß mit fhwarzen Scaftfleden auf der
Bruft und den Seiten.
Befhreibung. Größe des vorigen, Oben fchiefergraublau.
Kehle weiß, Bruft und die Seiten blaugrau, roſtroͤthlich ange—
flogen inmit, roftrothen‘, oben’ ihellbegrängten Querbinden. - ‘Die
Schulterdecfedern zeigen, jedoch nicht alle, an der. Wurzel zwey
verdickte weiße «Binden. Die innern Achfelfedern weiß mit
"einigen blaßgrauen Wellenlinien, und auf den Schwingen fünf
fhwarze Binden. Der Schwanz auf filbergranem Grunde
mit vier ſchwarzen Binden, blaugrauer Endbinde mit. weißer
Borden. Die weißen Flecke auf der untern Anficht des Schwan-
zes leuchten auf der viel dunfleren Oberfläche des Schwanzes
nur durch.
Bey jungen Weibchen zeigt die weiße Kehle in der Mitte
einen ſchwarzen Kängsftreifen und an der Gränze der rothbrau=
nen Bruſt zeigen ſich einige ſchwarze Laͤngsflecken.
Der junge Vogel iſt oben ſchwarzbraun, unten weiß mit
ſchwaͤrzlichen Schaftſtrichen an der. Kehle, Bruſt und den Sei—
ten. Nach dem Prinzen ift die Iris hoch kirſch- oder karmin—
roth, die Wachshaut grüngelb, Zügel und Augenlider blaßblau—
grau, an einigen Stellen gelblich, Zarfen 'hoch orangenfarben.
Nach ihm lebt er von Inſecten, befonders Heufchreden, deren
—— 58
Nefte er in feinem Kropfe fand.
Don der Lebensart ift fonft
nichts bekannt.
Dimenfionen:
Kopf 50 Tarſi 43
S Hnabel N 22 Mittelzehe 28-+12
Höhe 14 Außenzehe 18-+9
Breite 12 Innenzehe 15+14
Mundiwinkel 21 1. Schwanzfeder 147
Fluͤgel 208 6. Schwanzfeder 151
4. Genus. Naubfalfe. Falco Fig. Rhynchodon
Nitzsch.
Diagn. Mit einem fcharfen Eckzahn am Oberſchnabel. Zar:
fen fein gefchuppt. Mittelzehe ſchlank und lang und die Außere
Zeche etwas länger als die innere, Zweyte oder zweyte und dritte
Schwinge an der Innenfahne nad) der Spitze Hin ausges
ſchnitten.
Beſchreib. Mit ziemlich breiter Wachshaut, in welcher ſich
die runden mit einem Zäpfchen verfehenen, "rund in den Kno—
chen des Schnabels eingebohrten Nafenlöcher befinden. Die Fluͤ—
gel find meift lang, fpiß und wie die Schwanzfedern hart und
elaftifh. Ihr Eleines Gefieder ift ebenfalls hart und beftimmt
conturirt. Die Mehrzahl hat unter den Augen einen ſchwarzen
Streifen. Bey Feiner Art herrfcht ein rothbraunes Gefieder
vor, fondern iſt meift auf den obern Theilen bey alten Voͤgeln
mehr blaugrau, fchieferfhwarz, felten ganz weiß. Ihre Augen
find ſtets nufbraun.
Den nad) hinten zugefpigten Schwanz tragen fie fächerförmig
ausgebreitet.
Das Weibchen ift größer als das Männchen und unterfchei-
det ſich felten durch die Färbung fehr bedeutend, während die
jungen Vögel mehr abweichen.
Sie find im Freyen fehr ſcheue Vögel, die jedoch jung tie
alt eingefangen, ſich zähmen und zur Jagd auf andere Wögel
abrichten laffen. Die Mehrzahl ift kuͤhn und mordfüchtig und
nn die dem Baumfalfen verwandten Arten zeigen geringeren
uth.
Sie zerfallen in 5 fehr natürliche Subgenera, die ſich Teicht
unterfcheiden laſſen.
1. Aesalon.
Kleine Falken, deren
Fluͤgelſp. nur die Hälfte
des Schwanzes uͤber—
‚reicht.
Zweyte ‚und dritte
Schwinge an der In—
nenfahne aus ſehr be=
ſtimmt gefchnitten.
Mittelzehe kuͤrzer als
- die Tarfe,
- 1). Aesalon sive li-
thofalco, 2) concolor,
3) chiquera, 4) fe-
moralis.
2. Hypotriorchis.
Kleine Falken, deren
lange Flügel d. Schwanz
überreichen. Dberflügel
bedeutend Fürzer als die
Flügelfpige.
Nur die 2te Schwinge
an ber Innenfahne aus:
gefchnitten,
5) severus, 6) sub-
buteo, 7) aurantius,
8) frontatus,
3. Gennaia.
Mittelgroße Falken,
deren Flügelfpige nicht
ganz das Ende des
Schwanzes erreicht.
Zweyte und dritte
Schwinge an der In:
nenfahne ſchwach aus—
geſchnitten.
Mittelzehe und Zehen
uͤberhaupt kurz, kuͤrzer
als bey den uͤbrigen.
9) jugger, 10) hy-
poleucus, 11) cervi-
calis, 12) laniarius.
* Unter aller Critik, wie alle, die Spir gegeben hat.
Iſis 1847. Heft 1.
4. Falco.
Mitteigroße Falken,
deren Flügelfpige den
etwas Fürzeren Schwanz
überreicht.
Oberflügel länger oder
von gleicher Känge mit
der Flügelfpige.
Nur die Ae Schwinge
an ber Snnenfahne auge
gefchnitten.
Die Mittelzehe ift ftets
länger als die Fürzere
Zarfe.
13) peregrinator,
14) peregrinoides,
15) peregrinus,
16) melanogenys (?)
4*
5. Hierofaleo.
Große Falken, deren
Flügelfpige das Ende
bes fehr langen Schwan=
zes nicht erreicht.
Dberflügel länger als
die Fluͤgelſpitze.
Zweyte und. dritte
Schwinge fehr beftimmt
ander Innenfahne aus⸗
geſchnitten.
Mittelzehe und Zehen
uͤberhaupt lang.
17) islandieus,
18) subniger.
59
)
1. Subgenus. Steinfalfe — Aesalon Kaup. Hypotriorchis
Boie (zum Theil).
Diagn. Die Flügel überreichen die Hälfte des Eeilförmigen
Schwanzes. Zweyte und dritte Schwinge an der Innenfahne
winfeleecht ausgefchnitten. Zehen lang, allein die Mittelzehe ift
doch etwas kuͤrzer als die ſchlanke Zarfe.
Befhreib. Diefe Abtheilung enthält die Eleinften Formen
des ganzen Geſchlechts. Es find ſehr muthige Vögel, die felbjt
Vögel, die fie. an Größe weit übertreffen, jedoch ohne Erfolg
anfallen.
Die Arten Eommen in allen Welttheilen vor.
1) Der europäifhe Steinfalfe. —Falco aesalon
Linn. F. lithofalco Gmel. Naum. t. 27.
Diagn. Scheitel grau oder braun mit ſchwarzen Schaft
ſtrichen; untere Theile gelblichweiß mit ſchwarzbraunen Schaft:
fleden. Zarfi 34 — 86., Mittelzgehe 3O—33 M. lang.
Maͤnnchen. Stirn, ein Streifen über. dem. Auge bin,
Zügel und Wangen weiß, jede Feder mit ſchwarzem Schaftfled.
Die Zügelfedern vor der gelben nadten Augengegend ſchwarz, welche
Karbe als feine ‚Linie den hellen Streifen Über dem Auge be
graͤnzt und nach unten hin fi in den ſchwarzen Badenftrei-
fen verläuft. Nach hinten wird er weiß. Augenſtreif gelblich
braun und verbindet fich mit einem gleich gefürbten Flecken des
Nackens, der an der Wurzel blendendweiß, an der Spike der
Ringe nach ſchwarz gefleckt ift.
Der Scheitel, der Rüden, der ganze Oberflügel, die hinte—
ren Schwingen. der. 2ten Drdn. hellafhgrau mit ſchwarzen linien⸗
förmigen Schaftflefen. Die Schwingen find fhwarz. Die 2te
mit weißem zadigem Saume an der Außenfahne, die dritte hinter
dem Ausfchnitt nad) dem Ende hin weißlich gefaumt ; ebenſo
find die Ite, 10te und die 5 erften Schwingen 2ter Ordnung
gefärbt. Der Flügel von Innen zeigt die Achſelfedern gelbröth:
lich angeflogen mit. pfeilfoͤrmigen roftbraunen Flecken. Die
Schwingen felbft haben weiße, an den Rändern grau gewaͤſſerte
Binden. Der Schwanz iſt von oben rein aſchgrau mit einem
an 38 M. breiten ſchwarzen Endband, das weiß geſaͤumt iſt.
Von unten zeigt er an. 6 grau gewaͤſſerte unbeſtimmte Binden.
Die Kehle ift blendend weiß; die Bruft und Seiten roftgeld
mit fhmwarzbraunen ſchmalen und breiten Sleden. Die Kropf:
gegend ift am dunfelften gefärbt.
Die Hofen find helltoftwöthlich mit freyen ſchwarzen Schaft:
fle&en; untere Schwanzdedfedern voftfarbig weiß mit ſchwarzen
Schäften und gegen dag Ende hin mit ſchwarzbraunen Schaft
fleden.
Weibchen. Iſt größer und fehr ähnlich dem alten Männ-
chen gefärbt. Das Grau der oberen Theile hat einen Anflug
von Braun und das Grau des Ruͤckens und der Flügel ift
"mehr durch roftfarbige Raͤnder und Sleden gebrochen. Won oben
gefehen zeigt der Schwanz fieben roͤthliche, afchgrau angeflogene
Bänder. Das ſchwarze Endband ift weniger breit und der weiße
Saum mebr roſtroͤthlichweiß. Die Flecken des Nackens undeut-
licher. „Kehle. rofteöthlichweiß und die Flecken der Bruſt und
der Seiten. mit igröberen Flecken.
Das alte Weib ift in Sammlungen feltn. Naumann
Eannte es nicht: denn feine Beſchreibung und Abbildung ift von
einem jungen Weibchen genommen.
Der junge männliche Vogel gleicht mehr dem Weibchen. Ruͤ⸗
cken, Fluͤgel und Schwanz faſt ſchwarzbraun mit lichtbraunen
Flecken auf den aͤußeren Fahnen. Es unterſcheidet ſich von dem
60
gleichalten jungen Weibchen, daß die Flecken der untern Theile
beſtimmter und ſchmaͤler ſind, waͤhrend dieſe beim Weibchen
groͤßere Parthien braun faͤrben. J
Dimenſionen mas. — fem. Tarſ. 344 — 36
Kopf 44 — 48 Mittelz. 30 — 33
Schnabel 12 — 14 Außen;. 20 — 21
Höhe 10 — 11 Innenz. 17 —ı19
Mundw 19 — 203 1. Schwanzfeder 115 — 118
Oberfl. 94 — 111 6. Schwanzfeder 124 — 182
Fluͤgelſp. 99 — 112
Sn Europa Überall, allein nirgends gemein. Im ſuͤdlichen
Deurfhland nur im Herbft und Winter,
Wird, felbft alt ges
fangen, in furzer Zeit, überaus zahm.
Der Falco columbarius unterfcheidet fich nur durch beftimm= .
tere nnd fchärfere Zeichnung der Flügel und? Schwanzbinden.
Sch halte ihn mit G. Gray für eine feine Var.
denfelben bis jeßt nicht in allen Kleidern" und werde deßhalb die
Befchreibung erft fpäter geben koͤnnen.
Sc) Eenne‘
Wie ſchwer es haͤlt fih
alle Kleider zu verſchaffen, ſehe ich an aesalon, von dem die
Ornithologen noch fein altes, dem Maͤunchen aͤhnliches Meib-
chen abgebildet haben, obgleich. dieſe Art in: Europa nicht zu
den Seltenheiten gehört. Ein altes; Weibchen findet ſich in der
biefigen Sammlung], bey: dem ich mid von dem Gefchleht durch
die Anwefenheit des Eyerſtocks überzeugt habe.
2) Der Weih-Steinfalfe, Falco concolor Tenm.
Pl. col. 330. Swains. Birds of W. Air. pl. 3. Falco
ardosiacus Vieill.
Diagn. Einfarbig hell oder dunkel ſchieferaſchgrau mit dun⸗
keln Federfchäften.
z
Beſchreib. Männd. Einfarbig hellafhgrau, am dunkel: -
ſten an den Baden, dem Badenftreifen und dem aͤußeren Bug
des Flügels. Auf den Hauptfehwingen fhwarzbraun mit afch:
grauem Anflug. Die untere Anficht des Flügels zeigt Feine
Fleden und nur die großen Schwingen zeigen längs dem Schafte
auf der Innenfahne einen hellafchgrauen Streifen, der, je nach—
dem das Licht darauf füllt, braun begraͤnzt erfcheint. nn
Aehnlich, allein düfterer ift der Schwanz gefärbt, der jedoch
zuweilen weiß gefledt ift.
Weibchen. Bedeutend größer, zeigt eine lichtere Kehle und
Spuren von 10 — 11 Binden auf der innern Anficht des
Schwanzes.
Un dem von Swainſon abgebildeten Vogel haben die
Schwingen 2ter Ordnung Spuren von Binden und ſchmale
weife Saͤume und der Schwanz weiße Sleden, die nicht big zum
Schafte_ gehen.
Dimenfionen mas. — fem. Tarfi 56 — 38
Kopf 54 — 53—54 Mitteljehe 32 — 36
Schnabel 21 22 Außen;. 235 — 236
Hoͤhe 1 Bee Snnenzehe 19 — 20
Mundw. A—23261. Schwf. 124 — 134
Flügel .. — 22 6. Schwzf. 128 — 140.
Das Vaterland dieſer bis jetzt in Sammlungen noch ſeltenen
Art iſt Africa.
3) Geſperberter Steinfalke. Faico chiquera
Vaill. Vaill. ois. d’Afr. pl. 30. (ſchlecht), Gould birds
of Him. (vortreffl.), Falco ruficollis Sw. Birds of W.
Afr. pl. 2. (mittelm.)
Diagn. Kopf, Naden, Spigen der Ohrfedern und Baden:
61
ſtreifen roſtrothbraun. Unterbruſt, Hoſen, obere und untere
-Schwanzdedfedern, ſowie das kleine Gefieder des Flügels und
der Schwingen, Ater Ordn. ſchwarz gebaͤndert.
Beſchreib. Er gleicht mit, Ausnahme. des etwas ſtaͤrkeren
Schnabeis in allen übrigen koͤrperlichen Verhaͤltniſſen dem aesa-
lon, allein feine total verſchiedene Farbung läßt ihn. leicht un:
terſcheiden.
Schnabel an der Wurzel gelb, an der Spitze hornſchwarz.
Stirn roſtgelblichweiß. Unter dem Auge ſchwarz, das ſich als
feine ‚Linie über das Auge hinzieht. Scheitel, Nacken, Spitzen
der DOhrfedern und Backenſtreif roſtroth. Zwiſchen dem Ba—
ckenſtreifen und den Ohrfedern, Kehle und Oberbruſt weiß. Letz⸗
tere zuweilen mit feinen ſchwarzen Schaftſchmitzchen gegen das
Ende der Federn. Alle uͤbrigen unteren Theile ſchwarz gebaͤndert.
Ruͤcken, Oberfluͤgel und Schwanz hellaſchgrau. Das kleine
Gefieder, Schwingen Ater Ordnung und die obere Hälfte des
Schwanzes mit [hmalen fhwarzen, Binden. Bey vielleicht juͤn⸗
geren Individuen erſtrecken ſich die. Baͤnder uber die obern
Schwanzdeckfedern und ſelbſt den Ruͤcken. Der Fluͤgelbug iſt
zuweilen roſtroͤthlich angeflogen. —
Der innere Fluͤgel hat die kleinen Deckfedern weiß mit feinen
ſchwarzen Laͤngsſchmitzchen und vielen ſchwaͤrzlichen Querbinden.
Die Schwingen ſelbſt haben bis auf einen Zoll vor den Spi⸗
sen an 18 weiße, theilweiſe grau gewaͤſſerte Binden. Der
Rand der Aten Schwinge am der. Außenfahne weißlich und. die
erſte Schwinge iſt ſchwarz, weiß gefaͤumt mit weißen Schaft:
ſtreifen.
Der Schwanz iſt an der Wurzel grau mit 8 zackigen ſchwar⸗
zen Binden; das letzte Drittel mit breiter ſchwarzer Endbinde
mit breiten weißen, grau gewaͤſſerten Saͤumen.
Dieſe Art iſt uͤber Aſien und Africa verbreitet und in beiden
Welttheilen nicht ſelten.
Dimenſionen mas. — ſem. Tarſi 36 — 36
Kopf 46 — 46; Mittel; 32 — 81
Schnabel 135 — 18 Außenz. 21.—.121
Höhe 11 — 10% Snnenz; 19. — 19
Mundiw. 2 — % 1. Schwanzf. 120 — 113
Oberfl. 103 — 96 6. Schwanzf. 131:— 124
Fluͤgelſp. 9 — 101
Ich gebe dieſer Art den 8ten Rang als Species, weil die
Faͤrbung des Gefieders, namentlich die Baͤnder, die ſich nicht
allein über die "unteren "Theile, ſondern auch über den Ober:
flügel erftreden, Analegien zeigen mit Formen, die als Sub:
genera oder Genera den 8ten Rang in. ihren Genera,oder Sub:
familien einnehmen... So zeigt Meliörax .eantans; (Stes Sub:
genus von Astur), Heteroa&tus. aguia (3te3 Subgenus von
Haliaätus), Buteo erythronotus, 3te3 Subgenus. von Buteo,
Polyborus brasiliensis, (Stes Genus der, Buteoninae) eine
ähnliche, über den größten, Theil des Körpers: fich erſtreckende
Bandirung. Betrachten wir vergleichsweile ſaͤmmtliche Subfa-
milien ſo iſt nur die der Acciptrinae, bey welchen das gebaͤn⸗
derte Kleid vorherrſcht. Betrachten wir ‚ferner, die Cirei. (Steg
Genus: der Milvinae), Geranospiza (Stes Genus, der Acci-
pitrinae), Circaetus (3tes Genus ‚der Aquilinae) und Poly-
borus (3tes Genus .der Buteoninae), fo fehen wir gleichfalls
viele Formen, die gebaͤndert ſind. Wären alle „Harpagusarten
bekannt, ober serhalten, ‚fo würde auch; in dieſem Genus ein voll
kommen gebändertes Kleid auftreten. *
Aus denſelben Gruͤnden nimmt der. Falco peregrinus ‚die
Zte Stelle in dem Subgenus Falco, der islandicus dieſelbe
—
62
Stelle bey Hierofalco und der Astur palumbarius in dem
Subgenus Astur ein.
Wären alle Formen in der Familie Gypogeranidae Bonap.
erhalten, fo würde .diefes Gefeg ſich noch Elarer erweifen laſſen.
Die einzige noch erhaltene Form in dieſer Familie iſt jedoch der
Weihentypus, wie dieſer ſich in dem Subgenus Gymnogenys
(Subgenus von Circaẽtus) darſtellt.
Waͤren mir alle Geſetze dieſer Wiederholung bekannt, ſo wuͤrde
es mir leicht fallen, alle Arten ſo zu characteriſieren, daß die
Diagnoſe nur das Weſentliche bezeichnete und ich koͤnnte mit
dem ‚alleinigen Namen die Stellung der Art bezeichnen.
4) Der große und bunte Steinfalke. Falco fe-
moralis 7. Pl. col. 121. 343. Yaleo aurantius
Var. y Lath.
Diagn. Maͤnnchen 350, Weibchen 410 M. lang. Seiten
und Unterbeuft ſchwarz mit weißen Linien. Hoſen, Bauch und
untere Schiwanzdedfedern roftroth.
Beſchreib. Es ift die größte und buntefte Art der gan:
zen Gruppe.
Männd. An Größe dem peregrinoides gleich, allein
ſchlanker. Alle oberen Theile fchieferblau grau mit lichteren Fe—
derrändern. Schwingen ter Ordnung mit weißen Borden;
obere Schwanzdedfedern weiß oder hellafhgrau gebändert. Von
der roftgelblichen Stirn zieht ein fich verbreitender Streifen über
die Augen hin, der den Hinterkopf umzieht, und welcher von
den faſt ſchwarzen Obrfedern begränzt wird. Zwiſchen den Ohr:
federn und dem Badenftreifen zieht ſich das Noftgelbe der Kehle
und der Bruft hinein. Die Kehle ift weißlih und die Kropf-
gegend mit fchmalen ſchwarzen Schaftftrihen. Die Federn der
Seiten und die der Unterbruft bilden einen hufeifenförmigen ſchwar⸗
zen Fleck; jede Feder mit 2—4 ſchmalen weißen Querbändchen.
Hofen, Bauch und die unteren Schwanzdeckfedern roftroth.
Am inneren Flügel find die Eleinen Dedfedern roftgelb mit
feinen ſchwarzen Schaftftrihen und ſchwarzen Bändern. Die
langen Dedfedern find afchbläulich wie der Flügel und haben
weiße Binden. Die erfte fehr Eurze Schwinge ſchwarz mit
toftgelbem Saum der Außenfahne, Ate Schwinge an der Aus
fenfahne rojtgelb gefaumt, an der Innenfahne mit 12 weißen
Duerbinden. Ste Schwinge an der Außenfahne nicht gefäumt,
ebenfall® mit 12 weißen Querbinden. Die Binden find nament:
ih nad) hinten zu geau getüpfelt. Der lange Schwanz mit
8—9 ſchmalen zum Theil an den Schäften unterbrochenen wei:
fen Binden und weißer Endborde.
Weibchen. Bedeutend größer und hat größere und tropfen:
artige Schaftfleden auf der Bruft. Der Augenftreifen zieht fich
nicht ganz bis zur Stirn,
Im ganzen Süden von Amerika, wo er gemein ift.
Dimenfionen mas. — fem. Tarſi 47 — 50
Kopf 54 — 62 Mittelz. 37 — 42°
Schnabel 21 — 3 Außenz. 26 — 27
Höhe 13 — 143 Innenz. 2 — 2%
Mundw. 24 — 27 1. Shwjf. 166
Dherfl. 124 — ... 6. Schwzf. 165 — 190
Flügelfp. 118 —.
In diefe Gruppe gehört nody der Falco tibialis Vaill. 29,,
welchen ich noch bis jegt in, Eeiner Sammlung, gefehen ‚habe.
2. Subgenus. Weihraubfalke cver Baumfalfe, Hypotrior-
: chis Kaup. ‚Hypotriorchis Boie (zum Theit).
Diagn. Iberflügel Eurz, bedeutend Fürzer als die lange
63
Fluͤgelſpitze, welche den Schwanz überragt.
Schwinge an der Innenfahne ausgefchnitten.
Befhreib. Es find Eleine Falken, deren Flügel fehr lang
find und die Spike des Schwanzes etwas überreichen. Die
Mittelzehe ift fo lang als die Tarſi, oder unmerklich laͤnger oder
fürzer.
Die oberen Theile find oben dunfelfchiefergrau, bis ins
Schwarze mit ſchwarzen Schaͤften und auf den untern Theilen
herefcht mehr oder weniger das Roſtroth vor.
Ste tepräfentiren in ihrem, Subgenus die Ruͤttelfalken und
namentlich in ihren £örperlichen Berbältniffen den Erythropus
vespertinus, der ebenfalls bey dem Tinnuneulus das 2te Sub:
genus bildet.
Es find die Edelfalken, die am wenigſten Muth zeigen, zwar
f&hnelifliegende Vögel, wie Schwalben: allein zur Zeit, wann
ihre Sungen fehr Elein find, naͤhren fie diefe mit Kibellen u. dal,
Sie fliegen bis fpät in die Abenddämmerung hinein. Es gibt
Arten in allen 5 MWelttheilen.
6) Der roftrotbe Baumfalfe. Falco severus
Horsf. Linn. Trans. XII. 135. Falco Aldrovandi
pl. col. 128., guttata @. B. Gray Ann. n. h. 1842.
Diagn. Untere Theile rojtroth, in der Jugend ſchwarz ges
tropft. Der ſchwarze Badenftreifen mit den ſchwarzen Wangen
und der Kopffarbe verfchmolzen.
Befhreib. Kopf, Hals, die ganzen —— Ruͤcken,
Schulterdeckfedern, Schwingen und Schwanz ſchwarz; das uͤbrige
der Dberfeite fhieferafchgrau mit dunfeln Schäften. Der Fluͤgel
von Innen zeigt die kleineren Deckfedern roſtroth und die blaͤße⸗
ren laͤngſten gebaͤndert. Die Schwingen ſelbſt zeigen roſtrothe
Flecken, an 5 auf der 2ten und 8 auf der Sten Schwinge,
welche nicht bis zum Nande gehen. Laͤngs des Schaftes an
der vorderen Schwinge ein Streifen, der bald als aſchgrau
oder rothbraun erfcheint, je nachdem. das Licht darauf fällt,
Der Schwanz zeigt von unten nufbraune Schafte und gegen
9 verlofchene, roftröthliche Binden. Alle übrigen unteren Zheile
roſtroth; an den Kropffeiten mit einzelnen ſchwarzen Flecken.
Kehle und ein fhmales Band, welches fih in den ſchwarzen
Hals hineinzieht mehr roſtgelblichweiß.
Das junge Weibchen, welches G. Gran früher als, eigene
Urt anfab, jest aber ‚wieder mit dieſer ‚Art vereinigt, hat
große tropfenartige Schaftfleden auf der Bruft, den Seiten und
Hofen.
Der Schnabel diefer Art, verglichen mit den übrigen, ift
mehr zufammengedrüdt und fcheint einen mehr zugefchärften
Rüden zu haben.
Nur die zweyte
Dimenfionen mas. — fem. Tarſi 29 — 34
Kopf 47 — 50 Mittelz. 32 - — 55
Schnabel 14 — 15 Aufen;. 2234 — 3%
Höhe 11 — 114 Innenz. 19° — 2%
Mundw. 19 — 233 1. Schwif. 110
Dherfl. 89 — 9% 6. — 107
Flügelfp. 122 — 152
In Oſtindien, ſowohl auf dem Veſtlande als
gemein.
6) Der nackenfleckige Baumfalfe.
Linn. Naum. t..26.
Diagn. Zwey meiße Flecken im Niaen Bruſt, Seiten
und Bauch weiß mit ſchwarzen, breiten Laͤngsflecken. Der
den. Inſeln
Falco subbuteo
Schwanz iſt ſchwach pet und die mittleren Übertragen die
übrigen.
Befhreib, Altes Männd. Mit weißgrauer Stirn, die
ſich als freye Linie über das Auge’ erſtreckt. Kopf ſchwarzgrau
mit braunlichen Federraͤndern. Kehle und Seiten des Halfes
blendend weiß, in welche ſich der ſchwarze Backenſtreifen und
der hintere Zipfel der Ohrfedern erſtreckt. Der ſchwarze Hinz
terhals auf beiden Seiten mit einem großen weißen Sleden.t
Küken, Flügel und Schwanz afchblaugrau mit dunkeln
Schäften. Am dunfelften find die Schwingen der erften und
2ten. Ordnung. Bruft md Bauch und Seiten weiß mit gro=
fen ſchwarzen Laͤngsflecken. Hofen und untere Schwanzdeckfe—
dern roftroth. Innere Decdfedern des Flügels gelblihweiß mit
ſchwarzen Schaftfleden, oder mit großen, breiten, fchwarzen
Binden auf den laͤngſten. Die Schwingen felbft zeigen an 15
bis 16 toftfarbig angeflogene "Binden, die gegen die ſchwarze
Spige der Schwingen bin als runde Flecken verfchwinden und
fi) nicht bis zum Rand der Innenfahne erftteden. Der Schwanz
zeigt von oben feine Binden und bat unten an 10 roſtroͤthliche,
wovon die am Ende die breitere tft.
Das alte Meibchen ift oben mehr Braun als ſchiefergrau und
die unteren Theile ſind groͤber gefleckt.
Bey jungen Voͤgeln iſt das Weiße roſtroͤthlich angeflogen, die
unteren Theile roſtgelb mit großen ſchwatzen Laͤngsflecken. Die
Hofen find ſchwarzgefleckt und die unteren Schmwanzdedfedern
haben Spuren von Schaftfleden. Die 2te Schwinge hat ftatt
14 nur 8 Fleden.
Er ift ein mehr füdlicher als nördlicher Vogel, der auf feinen
Zügen in Afrika, Aſien bis nah China vorkommt.
Dimenfionen eines mas. Außen;. 23
Kopf 50 Innenz. 19
Schnabel 12 1. Schwanzf. 121
Hoͤhe 10 Zu — 127
Mundwinkel 20 — 124
Oberfluͤgel 109 4. — 121
Fluͤgelſpitze 155 8 — 121
Tarſi 34 6. — 127
Mittelzehe 32
7) Dergebaͤnderte Baumfalke. Falco aurantius
Lath. u F. rufigularis. Daud. (m.) F. cucullatus
Swains. (m.) F. .deiroleuens Temm. (fem.) Pl.
col. 348.
Diagn. Der ſchwarze Unterförper mit weißen Querlinien.
Maͤnnchen. Es ift das Eleinfte von allen. Won oben
ſchwarz mit afchgrauen Bändern und Rändern. Kehle umd
Kropfgegend weiß, roftgelb angeflogen. Bruft und Bauch ein:
farbig ſchwarz mit weißen, zuweilen roftrothen, feinen, entfernt
ftehenden Querlinien. Hofen, After und untere Schwanzded-
federn roftrotb. Un letzteren die feitlichen gebändert und gelb:
bordiert. Won Innen zeigt der Flügel einen roſtrothen Nand,
weiße Fleden auf den Dedfedern und an 7—9 fchmale, ent:
ferntftehende Binden auf den Schwingen. Auf den Schwingen
er Ordnung 4 weiße Binden.
Weibch. Es gleicht ihm in der Hauptfärbung. Der Hin:
terkopf zeigt weißgefleckte voftroth geränderte Federn. "Die Kopf:
gegend hat fehmale und’ breite Schaftfledien und die Seiten und
Bauchfedern haben roftgelbe Ränder und Flecken. Höfen und
untere Schwanzdeckfedern roftgelb 'mit großen pfeilförmigen Fle—
den und Bändern dicht bedeckt. "Obere Schwanzdedfedern mit
64
65
weißen ‚oder grauen Bändern, und weißen ober roſtgelben Bor:
den. Der Schwanz hat 7, weiße. Bänder, die nicht. ‚bis zum
Schafte gehen und. auf der Oberfläche „des; Schwanzes durch⸗
leuchten. -
Auf den erften Blick glaubt man, daß der ‚weibliche Vogel
eine andere Art ſey, fo bedeutend weicht er in der Größe. ab.
Ich habe Männchen in ‚großer, Zahl gefehen;; ‚allein keines war
in der Größe fo abweichend, daß man hätte fagen koͤnnen, daß
es das Weibchen fey.
Das Vaterland ift der Süden von Amerika.
Dimenfionen mas. — fem. Zuf 30-83 — 4
Kopf 43-45 — 64 Mittelz. 30—33 — 49
Schn. 12—15 — 22 Außenz. 19—22 — 33
Höhe 10-11 — 17 Snnenz. 17—20 . — 29
Mnow. 19-22 — 30-31 1. Schwzf. 100. — 146
Oberfl. 91 — 131 6. — 99. — 155
Fluͤgelſp. 120 — 160
8) Der Gouldifhe Baumfalfe. Falco frontatus
Gould. Birds of Austr. Heft 5. Proceed. Zool. Soc.
1837. 139.
Diagn. Bruft und alle unteren Theile roftfarbig mit ſchma⸗
len graubraunen Schaftfleden und ſchwarzen Scyaften.
Befhreib. Der naͤchſte Verwandte von subbuteo, von
dem er fich jedoch fehr beftimmt unterfcheider.
Männd. Die roftfarbige; Stivn zieht ſich als Streifen bis
über die Mitte des Auges. Kopf aſchgrau oder fchiefergrau
mit ſchwarzen Schaftſtrichen und, Schaften und. roftröthlichen
Sederrandern. Auf jeder Seite des Nadens find die Federn
an der Wurzel weißlich, nach der Spige in der Mitte. der Fahne
toftfarbig gefleckt, wodurch zwey fehr wenig fichtbare voftröth:
liche Flecken entſtehen. Die übrigen oberen Theile heller oder
tiefer fchiefergrau mit ſchwarzen Schäften. Der innere Flügel
an den Eleineren Dedfedern roftfarbig, fchwärzlich gefledt. Die
Schwingen fhmwärzlidd mit 10—13 roftfarbigen Querbändern,
die nicht ganz bis zum Rand der Fahne gehen. Schwanz von
unten mit 8—9 roſtfarbigen Querbinden. Borden des Schwans
zes roſtgelb oder weißlich. Auf der Dberfeite des Schwanzes
find die Bänder angedeutet.
Die Kehle ift weiß mit roſtgelbem Anflug. Badenftreif
und die Ohrfedern fchiefergrau, nur ein ſehr ſchmaler rojtgelber
Streif zieht fich zwiſchen diefe hinein. Alle Übrigen unteren Theile
roſtfarbig. Auf dem; Kropfe mit ſchwarzen Schäften und afch:
graubräunlihen Schaftfleden. Auf den Seiten mit aſchgrauen
verlofchenen Querbinden, die am Schafte zufammenfliegen. ‘Auf
den längiten unteren. Schwanzdeckfedern verlofchene Binden mit
aſchgrauem Anflug.
Das Weibchen ift vom, Maͤnnchen in der Färbung. nicht ver
fchieden. = ‘
Die jungen Vögel im Ganzen dunkler und .an einem jungen
Meibchen findet fi die Oberbruft faft ſchwarzbraun mit einzel
nen roffgelben Flecken. Die Tleden des Bauches, der Hofen
und der unteren Schwanzfedern find. beftimmter, allein die
Binden der Schwingen find unbeftimmt und weniger zahlreich.
Nach den Driginaleremplaren des Herrn Gould, welchem
ich außerordentlihen Dank ſchulde, indem er fo gefällig war,
mir alle feine Entdedungen zur. freyeften Benutzung zu über:
laffen.
Sfis 1847. Heft 1.
66
Dimenfionen mas, fem. Fluͤgelſp. 185-141 — 153
Kopf 48—49 — 50 Tarſi 36-23 — 40
Schnabel 18—144 — 15-17 Mittelj. 34—36 — 38-40
Höhe 10—11 — 12. 1. Schwif. 120 — 141
Mundw. 21-22 — 24-26 6. Schwf. 126—130 — 139
Oberfl. 101—106 — 120
Der Schwanz ift rein Feilförmig.
Diefe Art ift in Neuholland nicht felten,
Zu diefem Subgenus gehört noch der Faleo Eleonorae, der
bis jest noch aͤußerſt felten in Mufeen ift. Er ift mir noch
in, feinem zu Geficht gefommen.
9) Der langfhmwänzige Baumfalfe, Falco Eleono-
rae* Gene. L’Inst. 1839. 7. Nov. Mem. Ace. To-
rino 1840. tom. U. p. 41. tav. 1. 2. Ch. Bonap. Ie.
della Fauna it..I. tav.24. Schlegel, Kr. Ueberſicht
pag. Il. u. 17. Falco arcadieus Lindermuyer. Iſis
1843. ©. 2.
Diagn. Schwingen ohne alle Duerbinden.
bis 176 M. oder 6" 2 bis 64° lang.
Altes Männchen. ben fchieferafhgrau, am dunfelften
auf den Schwingen 2ter und 1fter Ordn. und am lichteften
an der oberen Schwanzdede und dem Schwanze. Im Naden
Spuren von Roftroth an den Wurzeln der Federn.
Kehle weiß, mit roftgelblihen ſchwachem Anflug. Zwifchen
dem 25 M. langen Badenftreifen, den, Wangen und Ohrfedern
biendend weiß. Alle unteren ‚Theile fchmugig roftroth mit
fhwarzen Schaftfleden an der Kropfgegend, die am ſchmaͤlſten
nach der Kehle zu ſind. Seiten der Bruſt faſt ſchwarz. Bauch
und Unterbruſt mit. breiten mehr verwaſchenen Scaftfleden.
After und untere Schwanzdecke ohne Flecken. Hoſen roſtroth
mit feinen ſchwarzen Schaftftrichen.
Die innern Dedfedern des Flügels ſchwarz mit dunkelroſt—
tothen Federraͤndern. Schwingen ohne alle Bänder, wodurch
fie ſich ſehr deutlih von allen andern Baumfalken unterfcheiden.
Die Schwingen zeigen jedoch längs des Schaftes auf beiden
Seiten einen lihtgrauen Streifen der, Ringe nad).
Der Schwanz iff von oben einfarbig, allein von unten zeigt
er 10—13 roftrotbe Querbinden, die gegen die Wurzel und die
Spise hin allmählich verfhwimmen. Die Spige, des Schwan—
zes ift verlofchen ſanft lichtafchgrau gefärbt, ohne einen deut:
lichen Saum zu bilden. Diefes Männdyen der Turiner Samm—
lung ift im Auguft in Sardinien. erlegt.
Altes Weibchen. Es gleicht dem alten Männdyen, allein,
e3 zeigt ftärkere Dimenfionen und einen bedeutend. ftürkeren
Schnabel. Das Weiße der. Kehle und. des Seitenhalſes iſt
mehr roftgelblich und zeigt an den meiſten Federn ſchwarze feine
Schaftſtriche. Die ebenfalls lichtere Kropfgegend iſt roffgelbtich
weiß mit ſchwarzbraunen Schaftflecken. Alle übrigen unteren
Theile roſtroth mit ſchwarzbraunen Schaftflecken. Die Flecken
der Hoſen ſind groͤber. An den Spitzen der ſchwarzen Schaͤfte
der unteren Schwanzdeckfedern ſchwarze Tropfen. Die Wurzeln
der. laͤngſten Federn mit ſchwarzbraunem Schaftflecke, der ſich
nach der Mitte der Feder verliert.
Schwanz 165
* Nach der Königin Eleonora d'Arhorea genannt, welche in
der Carta de logu ein Geſetz zum Schuße der Falfen erließ. Diefes
berühmte Gefegbuch ijt mit geringen Aenderungen heute noch in Sar—
dinien gültig.
=
5
67
Ein anderes Meibchen, welches Gene tav. 1. abbildet und
welches ebenfalls wie das vorige im Auguft erlegt wurde ,- hat
die Bruft, Kropfgegend faft ſchwarz und das Noftfarbige leuchtet
nur an den Rändern der Federn vor. Es hatte ein volllommen
veifes Ey bey fich, melches annehmen läßt, daß diefe Vögel
zweymal im Sabre niften.
Tin Männden aus Beyruth, ebenfall3 in der Zuriner
Sammlung, ift ganz dunfel fchiefergeau gefärbt und bat auf
den unteren Theilen einen blaugrauen Anflug wie Turdus’eya-
neus. Die Kehle und Kropfgegend iſt rojtgelblichweiß, welches
jedoch durch die fehmärzlichafchgrauen Federränder wieder verdedt
wird. Die Binden des Schwanzes find verlofchen und mehr
grau; fie find nur aus einer gewiffen Entfernung zu erkennen.
Sm Naden keine Spur von roftröthlihen Fleden an der Wur—
zel der Federn Diefe Sleden fehlen auch der folgenden weib—
lichen Varietaͤt. Gene bildet ihn tav. 2. ab. Ich halte ihn
nach dem fehr entwidelten Schnabelhafen für einen alten Vogel.
Ein etwas jüngeres Weibchen mit fehr Eurzem Schnabelhafen
ift an dem Körper faft total ſchwarz. Die obere und untere
Schwanzdede und der Schwanz am lichteften; erftere mit Spu—
ten von Duerbinden. Die Querbinden an der unteren Anficht
des Schwanzes find noch unbeftimmter, al3 die des dunfeln
männlichen Vogels, deffen obere Theile wie die des alten Männ-
chens gefärbt find. Diefes Eremplar hatte nur Goleopteren im
Kropfe.
Nach einem folchen dunfeln Vogel gibt Dr. Lindermapyer
feine Befchreibung. Die fehr Eindliche Abbildung ftellt die Ho:
fenfedern fo dar, daß man glauben fönnte, daß die Tarſen bis
zu den Zehen befiedert find. Die Befchreibung macht diefen
Fehler wieder gut, indem darin gefagt wird, daß die 14 Linien
lange Tarſe zum vierten Theil befiedert iſt.
Die ſchwarze Varietät ſoll ebenfo häufig als dag gewöhnliche
Kleid feyn. Bey Circus cineraceus (2. Subgenus von Cir-
eus), bey Astur gabar (2. Subgenus von Astur) tritt eben-
falls eine ſchwarze Varierät auf. Die Varietät legterer Art iſt
ebenfalls nicht felten. ine vorherrfchend ſchwarze Farbe ift bey
vielen Arten der Falconidae_ anzutreffen, die als Glieder von
“ Subfamilien, ober ald Genera oder Subgenera den 2ten Rang
einnehmen; fo Circus maurus, Spizaetus oceipitalis, Aqnila
vulturina, Helotarsus ecaudatus, Asturina leucorrhous, Bu-
teo unicolor, Ibicter aterrimus, aquilinus.
Meine Befchreibungen habe ich der Güte des Hr. Prof.
Gene, Director der Turiner Sammlung zu verdanken, der mit
zur Benugung 5 fehr inftructive F. E. überfandte, wofuͤr ic)
ihm ſehr verbunden bin.
Diefe fehr intereffante Art laͤßt mit Falco concolor Eeinen
Bergleih zu, der nad feinen kurzen Flügen und den Aus—
fhnitten an der Zten und Sten Schwinge ein Aesalon ift.
Unter den 4 bekannten Baumfalfen: Severus, subbuteo,
aurantius und frontatus fteht er frontatus am nächften, den
er jedoch an Groͤße übertrifft umd durch die nicht gebänderten
Schwingen ſich von diefem und alfen übrigen leicht unterfcheidet.
Beide Gefchlechter diefer Art unterfcheiden fich wenig in der
Größe und übertreffen hierin, mit Ausnahme des weiblichen
aurantius, alfe befannten Arten diefes natürlichen Subgenus,
Die Zahl der Urten in diefer Abtheilung ift demnach gefchloffen
und £eine 6te Species mehr zu finden,
Der Severus Horsf. ift auf Afien und ſeinen Archipel bes
ſchraͤnkt.
Der Subbuteo Linn. niſtet in Europa, ſtreift jedoch auf
ſeinen Zuͤgen nach Africa und Aſien.
Der Aurantius iſt auf die heißen Theile von Suͤdamerica
angewieſen.
Der Frontatus iſt bis jetzt nur in Neuholland aufgefunden
worden, obgleich es möglih ift, daß er, wie mehrere andere
Neuholländer, auh'nady Afien ſich verftreihen oder auöbreiten
ann. ;
Den Eleonorae halte ic im ftrengften Sinne des Morts
für einen Africaner, der nur feine Vorpoſten bis nach Sardi—
nien und Griechenland vorgefchoben hat. Es fcheint demnach,
daß jeder Melttheil eine ihm eigenthuͤmliche Art. diefes Subge-
nus befißt. v
Nah dem Innhalt der Kröpfe des F. Eleonorae Iebt er
von Coleoptera und Vögeln. Marmora fand darinn die
Reſte von Sylvia conspicillata, Gene fand bey einem alten
Männchen Coleoptera und die Federn von Columba livia.
Sch vermuthe, daß die Federn von einer jungen Taube herrühr-
ten, denn ich glaube.nicht, daß er alte Tauben fängt.
intereffant, durch die italienifchen Drnithologen zu erfahren, ob
er ebenfallg wie subbuteo bis fpat in die Abenddämmerung
hinein jagt und worinn der Unterfchied in der Stimme zwifchen
ihm und dem subbuteo beruht, nach welchem zuerft Marmora
auf eine Speciesverfchiedenheit: ‚gefchloffen hat.
Nach diefem würdigen Zoologen baut er fein eigentliches Neft,
fondern legt die Eyer wahrſcheinlich doch auf eine fchlechte Un—
terlage in die Löcher ſchwer zuganglicher Felfen. Nach demfel-
ben Gelehrten und nah Gene ift die Wachshaut diefer Vögel
im Winter biäulih und im Frühling gelblichgrün.
Das Ey, welhes Gene abbildet, ift roflrörhlich, verwafchen
roſtroth gefleckt.
Wie die Jungen des gewoͤhnlichen Farbenkleides und die des
abnormen ſchwarzen Kleides ausſehen, wiſſen wir bis jetzt noch
nicht. Es wird, wie bey den übrigen, auf den unteren Theilen
düfterer und gefledter und auf den oberen Zheilen mit toftgelben
Federrändern verfehen feyn.
Dimenfionen
(ſchwärzlichblaugrau)
Altes M. — Altes W. — Altes W.
Kopf 54 — 53 Kopf 66 — 58
Schn. 16 — 19 Schr. 20 — 20
Höhe .:12yıeE) 12 Höhe 13 — 14
Mundw. 23 — 23 Mundw. 24 — 26
Dberfl. 135° — 136 Oberfl. 149* — 146
Fluͤgſp. 186 "— 179 FSlügfp. 181 — 178-181
Turfi. 33 — 34 Zafı 33 — 35
Mttz.33 +12 — 32-411%
Anz. 2611 — 25+11%
Innz 21412 — 20+11%
1. Schzf. 161 — 152 1. Schzf. 168 — 163
6. Schzf 176 — 165 6. Schjf. 180 — 175
ſchwaͤrzliche Varietaͤt Weibchen.
Kopf ee... Höhe
Schnabel 17 Mundwinkel
Mttlz. 34-13 — 37413
Aßnz. 24410 — 27410
San; 22413 — 23+13
LES Wh
Rn
* Der längere Oberflügel ift ftetsein Zeichen des Weibchens bey
alfen wahren Falcones, Hat man demnach Bälge von Männchen und
Weibchen einer Art, fo ift auch ohne Angabe die Serualverfehiedenheit zu
ermitteln,
68
nn
Es wäre -
\
‚69
Schwanzfpige.
——
Oberfluͤgel 1454 Außenzebe 26-411
Fluͤgelſpitze 180 Innen zehe 214412
Tarſi 34 1. Schwanzfeder 161
Mittelzehe 33+12 6. Schwanzfeder 176
3. Subgenus. Habiht-Raubfalfe — Gennaia Kp. 1845.
- Diagn.. Eodelfalfen von der Größe des peregrinus und
drüber mit Eurzen Zehen. Mitteljehe fo lang oder bedeutend
kürzer. als die. Tarfen. Zweyte Schwinge beftimmt, dritte
ſchwach an der Innenfahne ausgefchnitten.
Beſchreib. Das Gefieder ift düfterer und die Längsfleden
der Bruft verbreiten fich öfters über alle Federn, fo daB große
braune Spiegel. entftehen. Diefe Gruppe wurde.bereitd vom Hrn,
Dr. Schlegel angedeutet *
Bis jest hat man noch £eine Art in Amerika gefunden.
Sch Eenne alle 5 Arten, die ſich auf folgende Meife ftellen:
1) Falco jugger, 2) hypoleucus, 3) tanypterus, 4) cer-
vicalis, 5) laniarius.
9) Der filbergraue Habihtraubfalfe — Falco
hypoleucus Gould. Austr. birds. pl.
Diagn. Silbergrau mit ſchwarzen Schäften.
fo lang. als die Zarfe.
Beſchreibe LS Silbergrau oder hellaſchgrau mit [hwarzen
Schaͤften. Die, nackte Augengegend von oben, von. vorn bis
zur Mitte. des Auges, mit einem ſchmalen ſchwarzen Streifen
begrenzt. . Die innern Fahnen der Schwingen. grau gewäffert
mit zadigen. undeutlichen Binden. Der Schwanz mit. braun:
lihem. Anflug und 12 dunkleren Binden. Dieſes Individuum
wurde von Hr. Gould im Auguſt erlegt.
Das Weibchen hat die ‚Farbe: weniger rein: die Mitte ber
Rüdenfedern ſind ſchwaͤrzlich und die Ränder heil lohfarbig.
Der Naden weißlich mit ſchwarzen Schaftflecken an den Feber-
ſpitzen. Die Federn der untern Theile haben ſchwarze ſchmale
Schaftflecken. Von jenen zeigt der Fluͤgel die kleinen Deckfe—
dern. mit Laͤngsflecken und Vinden. Die Schwingen find. deut—
lich gebaͤndert.
Der Schwanz hat 18 dunkle Querbinden und lohfarbige
Auf den mittlern Schwanzfedern ſind die Bin-
Mittelzehe
den erloſchen.
Dieſer herrliche Falke, eine der ſchoͤnſten Entdeckungen Goulds,
zeigt analoge Aehntichkeit mit Falco concolor, der. jedch ein
Aesalon.ift.
Sein, Baterland ift Neuholland. Sch Eenne nur die 2 Ers
emplare der. Gouldifchen Sammlung.
‚Dimenfionen mas. fem. Fluͤgelſpitze 172 — 159
Kopf 59 —62 Tarſi 47 — 47
Schnabel 195 — 19 Mittelzehe 47° —47
Mundwinkel 830 — 81 1. Schwanzfed. 149 — 164
Dberflüge 158° — 169 6. Schwanzfed. 151 — 166
10) Rothkoͤpfiger Habichtraubfalfe, Falco cervicalis
Licht. F. biarmieus “*'T’emm. Pl. col. 324. F. chi-
queroides, A. Smith.
Diaygn. Mit roftrothem Hinterkopf und Naden, welcher
7
*Schlegel vereinigt jedoch irrig die Hierofalcones mit dieſen,
die ſich weſentlich unterſcheiden.
*Dieſer Name als der ältere iſt von Lichtenſtein aus dem Grunde
—— ı 70
letztere zwey roſtrothe, ſchwarzdraun eingefaßte Flecken zeigt.
Mittelzehe kuͤrzet als die Zarfi.
Beſchreibung. Dieſe Art gleicht dem Jugger und tany-
pterus, allein unterfcheidet fich leicht durch den roftrothen Hin-
terkopf, den er fhon im Neſtkleide befist. "In der Zeichnung
des Kopfes gleicht er ebenfalls diefen Arten, allein der Vorder:
kopf zwifchen der weißlihen Stirn und dem roftfarbigen Hins
terkopf ift faſt ſchwarz und die hintern Federn derfelben mit
ſchwarzbraunen Schaftfleden. Die weißen Wangen und die
Kehle voftfarbig angeflogen. Der Badenftreifen ift fehr deutz
lih und zieht fich als feine ſchwarze Linie über die Augen hin,
wo er ſich über die Ohrfedern verbreitet und als ſchwarze Binde
die weiße Wange von dem roftfarbigen Naden abſcheidet. Die
inneren Schulterfedern roftgelblich mit zufammenhängenden Pfeil-
fle@en und Querbändern. Hauptfchwingen coftgelblih mit an
13 afchgrauen an den Nändern gewäfferten Querbinden.
Alte untern Theile weißlich roftfarbig mit ſchwarzbraunen End—
und Längsfleden auf der Bruft und in den Seiten, die jedoch
nie zu großem Spiegel fich verbinden. Hoſen mit ſchmalen
Schaftfleden. Untere Schwanzdedfebern ungefledt.
Der Schwanz ift braun mit afchgrauem Anflug und mit 12
unregelmäßigen blaß voftgelben Binden über alle Schwanzfedern.
Un ganz friſchen Federn, die den oberen Schwanzdedfedern
angehören, fehe ich bey einem Individuum 5 fhwarze Binden
auf fhön hellafchgrauem Grunde. Die alten Federn find ſchmutzig
fhwarzbraun mit einzelnen voftgelben Flecken, die ſich aud,
allein feltener auf den Scapularfedern finden.
Nach diefen neuen hellafhgrauen Federn vermuthe ich, daß
ich, tie die meiften Ornithologen, noch feinen ganz alten Vogel
gefehen habe.
Das Weibchen hat die Fleden der unteren Theile größer.
Die Binden des Schwanzes erftreden fih nicht über alle Federn
und erfcheinen namentlich auf den Aufenfahnen nur als voft-
rothe Fleden.
Männden wie Weibchen haben gelbe, an der Spige ſchwarze
Schnäbel.
Er ift ein Bewohner von Africa.
\
Dimenfionen mas. fem. mas. ad. (Mainz)
Kopf 65 70 65
Schnabel 19 20 18
Höhe 15 15 15
Mundwinfel 26 30 28
Dberflügel . 144 170 158
Slügelfpige 146 170 155
Tarſi 49 55 49
Mittelzehe 44445 47 40
Aufenzehe 31 33 29
Innenzehe 26 27 26
1. Schwzfed. 159 187 159
6. Schwifed. 160 188 158
Einen alten Vogel mit nur einzelnen Febern des Jugend:
Eleides befist das Mainzer Mufeum, deffen ſaͤmmtliche untere
Theile einfarbig weinröthlic find mit etwas dunfleren Schaft:
ftrihen. Die oberen ‚Theile find aſchgrau, an dem Oberruͤcken
und dem Fluͤgelbug am dunkelſten. Das kleine Gefieder des
Flügels und die Schwingen 2ter Ordnung mehr ober minder deut⸗
geändert worden, weil biarmicus bey der Bartmeife nicht den doppelten
Bart, fondern die Provinz Perm in Rußland bezeichnet,
71
lich dunfelfchiefergrau gebändert. Der Schwanz iſt aſchgrau
mit 12 fchwärzlichen ſchmalen Binden; die äußeren Federn mit
15 Binden, die ſich Über beide Fahnen erſtrecken. Saͤmmtliche
Schwanzfedern mit breiter weißlicher Endborde, Hr. Schle—
gel befchreibt ebenfalld den alten cervicalis.
11) Der Jugger HDabihtraubfalfe, Falco jugger
Gray. Il. Ind. Zool. Falco lugger Jerd.
Diagn. Seiten und Hofen einfarbig braun mit vereingel-
ten roftgelblichen runden Flecken. Tarſi 46 — 52 M. lang.
Befhreibung. Die Stirn ift weiß mit feinen ſchwarzen
Schaftſtrichen. Eine feine ſchwarze Linie, gebildet durch die
bintern Zuͤgelfedern, begraͤnzt einen weißlichen Streifen über dem
Auge zum Nacken hin, verbindet ſich mit dem langen ſchmalen
Badenftreifen, und zieht einen etwas breiteren Streifen bildend
unter dem Auge zu den ſchwarzen hintern Dhrfedern. Die
Badenftreifen und die hintern ſchwaͤrzlichen Ohrfedern fehließen
die weißen Wangen ein. Die Kopffedern find toftbraun mit
slänzend fhmarzen Schäften und ſchwarzbraunen Schaftfleden.
Am Hinterhals zwey toftbräunliche Fleden, die an der Wurzel
weiß find. Nüden, Flügel und Schwanz bifter braun mit lich—
teren Rändern und afchgrauem Anflug. Innere Achfelfedern
braun, weiß gefledt. Die vorderften mehr grau und weiß ge⸗
bändert- Die Schwingen nah dem Schafte hin roſtbraͤunlich
mit 13 bogigen und zadigen dunfelgrauen Binden.
Von unten ift die Kehle, Mangen, ber, Hals und bie Bruſt
rein weiß, letztere mit ſchwarzbraunen Tropfen. Seiten und
Hoſen braun. Die Federn der erſteren an den Außenfahnen
mit einzelnen runden roſtgelblichen Flecken. After und untere
Schwanzdeckfedern ſchmutzig weiß. Der Schwanz mit weißlicher
Borde zeigt nur Spuren von Binden.
Juͤngere Männchen haben roſtgelbe Federraͤnder auf allen
oberen Theilen, die roſtgelb gefledt und gebändert find. Diefe
Binden find felbft auf den Außenfahnen der Schwingen ficht:
bar. Die te Schwinge mit faft weißem Saum, der nad) der
Spitze hin in cirfelabfehnittähnliche Sleden fich verläuft. Der
Schwanz zeigt 8 Bänder auf den mittleren und 12 auf den
aͤußeren Schwanzfedern von toftgelblicher Farbe. Schwanzborde
weißlich.
Diefe Art ift in Oftindien fehr gemein und befindet fich häufig
in den englifhen Sammlungen. Obgleich ich eine ſehr große
Zahl diefer Art gefehen habe, fo habe ich doc) Zweifel, ob ich
den alten Vogel befchrieben habe, der vielleicht mehr aſchgrau
auf dem Oberkörper hat.
Dimenfionen mas. fem. . Stlügelfp. 166 — 180—186
Kopf 635—64 — 68 Tarfi 46—47 — 50-52
Schn. 18—20 — 22 Miehe41—44 — 44—45,
Höhe 14 — 16 1. Schzf. 154 — 192
Mm. 27—28 — 30 6.Schf. 162 — 193
Of. 150-154 — 171-175
12) Der pfeilfledige Habihtraubfalfe, Falco tany-
pterus Licht. Steg. Abhandl. tab: 10. 11.
Diagn. Alter Vogel. Mit roſtrothem Oberkopf, ohne
ſchwarze Stirnbinde, der mit mehr ober weniger breiten ſchwar—
zen Schaftftrichen verfehen ift. Bruft und alle untern Theile
mit ſchwarzen Schäften und ſchwarzen runden oder pfeilformigen
Flecken an den Spisen jeder Feder.
Befchreibung. Er fieht dem cervicalis am naͤchſten,
ſowohl in der Färbung als in den Dimenfionen: allein „unter:
fcheidet fich, daß der Vorderkopf hinter der weißen Stirn feine
ſchwarze Querbinde zeigt. Der alte Vogel von cervicalis hat
die untern Theile weinroͤthlich ohne alle Fleden, während diefe
Urt ſchwarzgefleckt oder pfeilfoͤrmige Zeichnung an ſich trägt
Ebenſo nah ſteht er dem jugger Gray, wenigſtens in den Die
menfionen fehr nahe. Das Männcen zeigt die fchwarze Kopf:
zeichnung wie cervicalis und jugger. Kopf toftroth mit feinen
oder groͤberen Schaftftrichen. Dberflügel fchwarzbraun mit liche
tern Federrändern und bellafchgrauen Querbinden, die einen hell:
toftröthlichen Anflug haben. Dbere Schwanzdede licht afchgrau
mit ſchwarzen Pfeilfleden.
Die unteren Theile find weiß, an der Bruſt mit rojtgelbs
lihem Anflug, ſchwarzen Schäften und ſchwatzen runden Fleden
an ber Spige der Federn. Die längeren Seitenfebern über dem
Femur mit 3 — 4 ſchwaͤrzlichen Binden. Untere Schwanzdede
mit einzelnen dunfeln Schaftſchmitzchen. Innere Anſicht des
Fluͤgels mit weißlichen roftgelblich angeflogenen Dedfedern und .
ſchwarzen Binden, die unter fich, zufammenfließen. Die fehr
langen Seitenfedern, hoc unter dem Flügel gelegen, weiß mit
4— 5 pfeilförmigen Sleden. Die Schäfte nad) der Spige zu
ſchwarze
Der Schwanz iſt aſchgrau mit braͤunlichem Anflug und hat
auf der mittleren 10 und auf der aͤußeren 12 dunkle Binden.
Die lichten Binden auf den Innenfahnen und naͤchſt dem
Schafte der Außenfahne find heller roſtgelblich, grau geſpritzt.
Vor der breiteren Endbinde eine roſtgelblich weiße Borde. Das
Weibchen bedeutend groͤßer, hat die unteren Theile mit groͤßeren
und breiteren Flecken verſehen und die Baͤnder auf dem kleinen
Gefieder des Fluͤgels ſind weniger deutlich. Der Schwanz zeigt
die lichteren Binden ſchmaͤler und mehr verlofchen.
Das bier befchriebene Exemplar ift Alter als das Männchen,
welches noch die mittleren Federn des Jugendkleides befist.
Maͤnnchen und Weibchen befinden fih in dem Mainzer
Mufeum. ü
Der junge Vogel (Schlegelitab. 11. foem.) iſt oben mehr
braun und an den unteren heilen weißlic) mit Kängsfleden.
Die Schwanzbinden erfcheinen als roftgelbe Flecken.
Die namlihe Sammlung, welche unter der Direction des
Herrn Notars Bruch zu einer der erften in Südteutfchland
fih hervorgehoben hat, beſitzt noch einen Vogel, den Herr
Schlegel zu. Feldeggii zieht, welche Art derfelbe als den
ächten laniarius der Falfenbücher aufführt. Diefer bey Offen:
bach in der Nähe von Frankfurt erlegte Vogel ift jedoch nichts
weiter als ein bleiches, allerdings abweichendes Jugendkleid von
Falco peregrinus. Die Eremplare der Feldeggifchen Sammz
lung babe ich nicht gefehen, allein der tab. X. als Falco Fel-
desgü in Schlegels Abhandlung aus dem Gebiete der Zod⸗—
logie abgebildete alte männliche Vogel ſtimmt vollkommen mit
dem Männchen der Mainzer Sammlung überein; welches Lich⸗
tenftein als feinen F. tanypterus erkannt hat.
Falco tanypterus. |
Dimenfionen: Nah Schlegel.
mas. — fem. mas. — fem.
Kopf 65 — 72
Schnabel 20 — 2i
Höhe ars —
Mundwinkel 27 — 31
en
3
73.
Nah Schlegel
In — ſem mas, — fem
Dberflügel 155 — 190
Flügelfpitse Fan 30a 2, 318. .s06
Tarſe 48 — 51 — S3 — 59%
Mittelzehe 45 — 48 — 42 — 45
1. Schwanzfeder 166 — 202 —
— 163 204 — 176 — 216
Falco laniarius olim Feldeggii, Schlegel *
Nach Schiegel.
mas. — fem.
Oberfluͤgel 318—330 — 343—365
Tarſe 50 -æ52* — 653 -61*
Mittelzehe 40-42 — 45—50
6. Schwungfeder 183 186 — 210- 211}
Dieſe Art ſcheint ein Aſiat zu ſeyn, der auf ſeinen Zuͤgen
Dalmatien, und Griechenland. berührt.
Sn diefe Gruppe gehört noch der
13) Große Habihtraubfalfe — Falcolaniarius
Pall. Nuum. t. 23. Falco cherrug. J. Gray.- Ill.
Ind. t.
Diefer Falke findet fih in der Mehrzahl der Individuen über
ganz Afien verbreitet. Nach Europa kommt er nur als verirrter
Bogel. -
Sn europäifchen Sammlungen einer der feltenften. Ich
werde feine Befchreibung fpäter geben. ı Daß Herr Dr. Schle-
gel diefem den Altern Falconier- Namen sacer und einem
früher neu feyn follenden den Namen laniarius giebt, dar—
über Eann ich mit diefem Ornithologen nicht einverftanden feyn,
indem die Werke über, Falconier- Kunft feine Autoritäten ab:
geben Eönnen.
Da Pallas als eine beffere Autorität anzufehen ift, fo laſſe
man diefen Namen der größten Art in diefem Subgenus, wenn
es auch wahrfcheinlih ift, daß Rinne den Pallafifchen la-
niarius nicht gekannt hat.
4. Subgenus. Wahre Raubfalfen — Falco Kaup.
Große Falken mit langen Flügeln und Eürzerem Schwanz und
langen Zehen. Mittelzehe ftets langer als die Tarſe. Nur die
zweyte Schwinge an der Spitze der Innenfahne ausgefchnitten.
Die Arten diefes Subgenus find ſich fehr nahe verwandt,
weßhalb einige Ornithologen fie für Nacen des peregrinus anſe—
hen, was jedoch nicht der Fall ift. Bey den Weibchen find die
Stügelfpisen, kuͤrzer als der Oberflügel; während die Männden
kürzere Oberfluͤgel und Fluͤgelſpitzen haben.
Mit. dem beiten Willen „Tann ih. Schlegels laniarius sive
Feldegsii nicht von den tonypterus unterfheiden. Die Differenzen in
den Dimenfionen find fo unbedeutend, und die Befchreibung der ver—
fihiebenen Kleider fo wenig abweichend, daß ich nicht ein ficheres Kenn:
zeichen anzugeben vermag, wodurch fich beide Arten von einander uns
lerſcheiden follen. Bey einer angegebenen Dimenfion der Tarfe muß ich
bemerfen, daß dieſe vom obern Nand der Zarfe, bis zum Gelenk der
Mittelzehe genommen if. Bey einiger Hebung fühlt man mit dem Na-
gel die Trennung der Tibia von der Tarfe, um ein Mefien ver Spitze
des Eirkelfchenfels dafelbft einzuftechen. Jede andere Mefjung giebt Feine
fihern Refultate. Eriftixten von, allen ‚Arten Skelette, ſo fünnten die
Dimenſionen der Tarfe, Ichenglieder noch ficherer „gegeben werden.
\ * Bon der Sohle ‚an gemeſſen, ‚was größere Dimenfionen. giebt
als meine Mefjungen.
Iſis 1847. Heft 1.
74
Sie find über die ganze, Erde verbreitet.
14) Der Sultang:Raubfalfe — Falco peregri-
nator Sundevall,, sultaneus Hodgs., shaheen Jerd.
Ill. Orn. pl. 12:
Diagn. Die untern Theile tief roftroth. Die Federn des
Kropfs mit ſchmalen Schaftfleden, die ſich an der Spike. der
Feder tropfenartig erweitern.
Befhreibung. A Kopf, Badenftreif tief ſchwarz. Das
Weiß der roſtgelblich angeflogenen Kehle zieht ſichſ wniger
tief laͤngs dem Backenſtreif in die Wangen hinein. Ruͤcken und
Flügel ſchwarzbraun. Hinterbals mit verſteckten roſtgelben Flecken.
Von unten iſt die Kehle und Kropfgegend weiß; jede Feder des
Kropfes mit ſchmalen Schaftfleden, die an der Spitze fich tropfens
artig geftalten.. Die Seiten tief roſtroth mit ſchwarzen Schaft:
fleden und Querbändern. Hoſen roftroth mit ſchmalen Schaft:
ſtrichen, Flecken oder Pfeilbändern. Schwanz mit 8—10 Bär:
dern, die an den verdeckten Fahnen toffgelb, auf den mittleren
von oben grau erfcheiner.
Das alte Weibchen unterfcheidet. ſich nicht in der Färbung.
„Ein mittelattes Weibhen des brittifchen Mufeums hat auf
jeber Hoſenfeder zwey breite pfeilförmige Binden, die den Hofen
ein fehr buntes Anfehen geben. Auf den Flügeln fieht man
einige braune oder grau tingirte runde Flecken. An jungen Voͤ⸗
gelm zieht ſich die Kehlfarbe bis zu den Augen und das Roft-
farbige der Nadenfedern ift weiß. Die Bänder auf der Innen—
fahne des Schwanzes gehen nicht bis zum Schafte und redu-
ciren fih auf den äußeren Fahnen auf runde Fleden.
Dieſe Art ift in Oftindien, gemein. Sie zeigt Analogien mit
severus.
Dimenfi. mas. — fen.
Kopf 59-62 — 71 Slügelfp. 124-144 — 165-181
Schnab. 18-20 — 22-25 Tarſe 40-45 — 50-51
Hofe 13-15 — 16-18 Mittel. 42-50 — 53-56
Mundw. 25-238 — 31-33 1.Scf. 126-133 — 155-158
Oberfl. 124-144 — 162-164 6. — 126-133— 159
15) Der Eleine Raubfalfe — Falco peregrinoi-
Pl. col. 479.
Diagn. Länge 320—330., Tarſe 41., Mittelze
Untere Theile weiß, roftgelblich angeflogen. —
Befchreib, Er gleicht in der Hauptfaͤrbung dem Peregri-
nus, allein unterfcheidet ſich ftandhaft, daß er ſtets kleinet iſt
und daß das größte Weibchen nicht das kleinſte Männchen von
peregrinus erreicht.
Der Naden ift ftets roftbraun und ſchwarz gefledt und die
ganze Unterfeite mit Ausnahme der weißen Kehle hellroſtgelblich
an den hinterſten Seitenfedern und den Hoſen hellaſchgrau tingirt.
Die Seiten, Unterbruft, die Hoſen und untern Schwanzʒdeckfe⸗
dern. mit kleinen Tropfen oder pfeilfoͤrmigen Schaftfleden. Die
innern Dedfedern des Flügels hellroſtgelblich, ſchwarz gebändert.
Zarfe 41
des Temm.
Dimenfionen mas.
Kopf 59 Mittelzjehe 44
Schnabel 19 Außenzebe 31
Hofe 15 Innenzehe 27
Mundwinkel 28 1. Schwanzf, 125
Flügel 281 (?) 6. — —
In Aſien gemeiner als. in Africa.
*
fo}
75 a
16) Der gebänderte oder Wander-Raubfalfe —
Falco peregrinus Linn, ‚Naumann tab. 24—25.
Diagn. Im Alter die Unterbruft, Bauch, Hoſen und
untern Schwanzdedfedern ſchwarz gebändert.
Mit Ausnahme des Kopfes, des Halfes und der Schwingen,
alle obern Theile heller oder dunkeler fchieferafchgrau mit. ſchwar—
zen Bändern.
Alter Vogel. Kopf, Zügel, ein breiter Streif unter den Aus
gen, und der oben breitere Badenftreifen und der Hals ſchwarz.
Im Naden zwey oder weniger deutliche roſtrothe Flecken, Kehle
weiß mit roftgelbem Anflug, welches mehr oder weniger ſchwarz
gefleckt zwifchen den Badenftreifen und den Halsfedern nach der
Ohroͤffnung hinzieht. - Kropffeiren mit fhwarzen Schafttropfen.
Alte übrigen untern Theile weiß oder perlafchgrau mit fchmalen
oder breiten Bändern. Die Eleinern Dedfedern des innern Flü:
gels roftgelb oder weiß, ſchwarz gefledt oder gebändert. Schwin—
gen mit 12—13 lichteren Binden, Won oben ift der Rüden,
das Eleine Gefieder des Flügels, Schwingen: Ordnung fehiefer-
aſchgrau mit ſchmaͤlern hellgrauen Bindern durchzogen. Der
Schwanz zeigt an 11— 12 lichtere Binden, die oben durch—
leuchten. Die breitere ſchwarze Endbinde mit lichtem Saume.
Bey ſehr alten Voͤgeln ſind die untern Theile perlgrau und die
Baͤnder ſind auf Puncte und ſehr ſchmale Pfeilflecken reducirt.
Sn der Gegend der dunkleren Faͤrbung find die Schaͤfte ſchwarz.
Das Weibchen ift in der Färbung nicht verfchieden.
Bey jungen Vögeln find die obern Theile ſchwarz graubraun
mit lichteren rvoftfarbigen Rändern. Die oben Schwanzdedfe:
dern haben roftfarbige Flecken. Die Kropfyegend mit breiten
Schaftflecken und die Seiten: und Hofenfedern roſtgelblich braun
mit ſehr breiten untegelmäßigen Schaftfleden. Die roftgelben
Bänder des Schwanzes erfcheinen auf der Oberfläche des Schwan
zes nur als runde Fleden.
Dimenfionen mas fehr klein. — mas, juv. fem.
Kopf 61 — 64 — 72
Schnabel 19 — 19 — 24
Hoͤhe 15 — 14 — 18
Mundwinkel 28 — 28 — 35
Oberfluͤgel 140 — 150 — 156 — 170
Fluͤgelſpitze 173 — 167 — 132
Tarſe 42 — 44 — 48 — 54
Mittelzehe 48 — 47 — 53 — 55
1. Schwanzf. 135 — 152 — 170 — 158
6. — 142 — 155 — 169 — 162
In dieſe Abtheilung werden noch gezahlt: meélanogenys
Gould et anatum Bon.
Beide Arten erfcheinen mir im brittifchen Mufeum zu menig
abweichend von dem peregrinus, und ich habe fie deßhalb nicht
näher geprüft, was ich fpäter nachholen werde.
Sch theile von dem melanogenys die Meffungen von vielen
Eremplaren mit, die von denen des peregrinus wenig abweichen,
Dimenf. mas. — fem.
Kopf 62 — TI Slügelfp. 150*— 171-188
Schnabel 18-20 — 23-25 Tarfe 45 — 50
Höhe 15-16 — 19 Mitteljehe 48 — 54
Mundw. 29-30 — 35 1. Schwjf. 133*— 155
Oberfluͤgel 136*— 164*-175 6. — 133 — 159
* Sämmtlich bezeichnete nicht vollfländig ausgewachſen.
76
Ob der allerdings räthfelhafte Tanon, Falco frontalis Daud.
sive galerieulatus Shaw. Waill. Afr. 28, mein Nominalfub:
genus Jehthierax — der peregrinus, wie mein Freund G.
Gray meynt, oder eine andere ſchlecht dargeftellte Art iſt,
muß die Folgezeit ermitteln.
Die Federholle befchreibt und bildet Vaillant zu deutlich ab
und feine Lebensart fchildert er zu genau, um annehmen zu koͤn⸗
nen, als fey der ganze Vogel ein Phantafiegebilde von Vaill.“
5tes und Ießtes Subgenus. Buffard-Raubfalfe —
Hierofalco GCuv.
Diagn. Die größten von allen mit dem längften Schnabel.
Die Spige der Schwingen erreichen nicht das Ende des fehr
langen Schwanzes. Erfte und zweyte Schwinge wie bey
den Aesalones an der Innenfahne ausgefdhnit-
ten. Zehen lang, allein kürzer oder fo lang als die Zarfe.
17) Der rußfhwarze Buffard-Raubfalfe —
Falco subniger, @. R. Gray. Ann. nat.Hist. 1842.
Diagn. Rußſchwarz.
Befchreibung. infarbig rußfchwarg mit weißlihem Kinn,
ſchmalen graugemwäfferten Binden auf den innern Fahnen der
Schwingen. Schwanzborde und die Raͤnder der untern Schwanz-
deckfedern weiß. Schwanz ungewöhnlich lang. . Sch kenne von
diefem E£raftvollen herrlichen Vogel nur zwey Eremplare, wovon
das eine in dem brittifehen, das andere in der Gouldifchen
Sammlung fic) befindet.
Er Lebt in Neuholland, wo er den islandieus repräfentirt,
Beide Individuen jind wahrſcheinlich Weibchen.
Dimenfionen:
Kopf 70 Dberflügel 209 1. Schwanzf. 222
Schnabel 22 Flügelfpige 182 6. — 233
Höhe 16 Tarſe 48 Breite der mittle:
Mundwinfel 35 Mittelzehe 48 ten Schwanzf. 29
Mird das jugendliche Kleid diefes intereffanten Vogels gefun—
den, fo wird ber Schwanz beffelben wie des islandieus , ‚mehr,
wie die gewöhnliche Zahl Binden tragen.
Hierhes gehört nod):
18) Der nordifhe Buffard-Raubfalfe — Falco
islandicus.
Sch werde diefe Art fpäter nach größeren Suiten befchreiben,
alg mir bis jigt zu Gebote ftanden und erlaube mir nur fol—
gendes über diefelbe zu bemerken.
Herr Schlegel trennt in neufter Zeit wieder den gyrfalco
als eigene Art, den alle Drnithologen ald den jungen Vogel
von islandicus anfehen, und gibt in feinem Traite de Fau-
connerie von dem männlichen Vogel eine Abbildung. Diefer
männliche Vogel gleicht in der Färbung dem Weibchen des pe-
regrinus, ‚allein hat wie islandicus einen bedeutend. längeren
Schwanz.
Boy dem Anblick diefer fhönen Abbildung Eann man ſich
nur eines nicht erklären, daß noch Eein ſchwediſcher Ornitholog
diefes höchft fonderbare Alterskleid follte erhalten und befchrie-
#* Temmind Halt ihn für den Chiquera, den ebenfalls Bailt,
abbilvet. Diefer Vogel mit kurzem, rothem, glattem Kopf und breiter
Schwanzbinde, iſt er ficher nicht. Dem peregrinoides fteht er beveu-
tend näher.
77
ben haben und zwar von einem Vogel, der. in’ Schweden und
Norwegen (das Land, auf welches Hr. Schlegel den gyrfalco
beſchraͤnkt) niſtet. Ebenſo unerkläclich ift es mir, daß Herr
Schlegel weder in feinem Prachtwerke, noch in feiner critiz
fhen Weberficht der Vögel Europas die Sammlung angibt, in
dee ſich diefer Vogel befindet.
Mach einer mündlichen’ Ueberlieferung ift der Balg von einem
‚ einzigen Individuum im Beſitz eines englifchen Sammlers, von
dem Herr Schlegel ihm erhielt und felbft abbildere.
Vorderhand kann ich großen Zweifel über die Aechtheit diefer
Art nicht unterdrüden, und halte weder den gyrfalco noch den
groenlandicus für eigene Arten, bis ich mich nach einer großen
Zahl von Individuen felbjt überzeugt habe. Wird das der Fall
ſeyn, fo will ich meine falfche Anſicht, als ſey der gyrfaleo das
Sunge und der groenlandieus eine leichte Elimatifche Varietaͤt
von islandiceus, gern widerrufen.
5. Genus. , Bufjardfalfe — Jeracidea Gould.
Diefes Genus, welches. unter allen wahren Genera ber Fal-
coninae am meiften den Buffarden gleicht, kann nur als foldyes
erkannt werden, wenn man die Charactere der ſämmtlichen Ges
nera der Subfamilie neben einander ftellt, wodurd es klar
wird, wie die 5 Genera im Aeußeren, wie in den Sitten die
5 Subfamilien der Falconidae wiederholen. Wie e8 bekannt
ift, daß ben den Buteoninae Genera auftreten, die Aas ja den
Koth der Thiere verfhlingen (Ibieter), andere, die periodifch
Pflanzentheile zu ſich nehmen (wie Ibicter, Pernis), die dem—
nach den Geyer- und Hühnertypus darftellen, fo repräfentirt Je-
racıdea durch fein Gefieder, langen Schwanz, gefpaltene Schil:
der der Zarfe, Aasfreſſen und fonftige unedle Nahrung die Bu-
teoninae, Sch gebe ihm defhalb die 5. Stelle als Genus,
wie den Buteoninae die 5. Stelle als Subfamilie. Ben den
Salfen, Falco Pig. und den Aquilinae tritt die größte Mord-
78
und Raubfuht und die Tängften Zehen auf *; ic gebe ihnen
deßhalb die 4, Stelle als Genug, wie den Adlern die 4 Stelle
ale Subfamilie. {
Bey allen Accipitrinae tritt ein fehr abgeftumpfter Flügel
auf, bey welden die zweyte fehr Eur; ifE und die folgenden an
Länge ftufenweife zunehmen. In diefer Subfamilie hat die
Mehrzahl der Subgenera'und Genera gefchülderte Tarſen. Dieſe
Analogien finden fich bey Harpagus, und ich" gebe ihm deßhalb
die 3. Stelle als Genus.
Bey den Milvinae fanden ſich die längften Fluͤgel und bey
Nauclerus, dem Grundtypus, fehr Eurze Ober: und fehr lange
Flügelfpigen und Eurze Zehen. Im dieſer Subfamilie fanden
ſich Genera wie Nauclerus et Elanns, die ſich vorzugsiveife
von Inſecten ernähren. - Diefe Analogien kehren in dem "Sub:
genus Erythropus vespertinus wieder, weßhalb ich dieſem und
dem Genus Tinnunculus die 2. Stelle anmeife,
Steht dieß alles richtig, To kann nur Hierax ‚Hals der Typus
aller Falconinae an der Spige ftehen, der duch feine doppelten
Zähnchen uͤberſpringende Verwandtſchaft "mit: Harpagus'' zeigt.
Iſt die Stellung der 5. Claffen der wahren‘ Thiere: Saͤuge—
thiere, Voͤgel, Amphibien, Fifche und Mollusken; die 5 Dxb-
nungen oder Stämme in der Claſſe der Vögel: Zygodactyla,
Ornithes, Grallae, Ichthyornithes, Gallinae; die 5 Unter:
ordnungen der Lehthyornithes: Rapaces; Longipennes; Bra-
chypteri, Totipalmati',' Lamellirostres; die 5 Familien der
Rapaces: Falconidae, Strigidae, Gypogeranidae, Gypae-
tidae et Vulturidae ; die 5 Subfamilien der. Faleonidae: Fal-
coninae, Milvinae, Aceipitrinae, Aquilinae,' Buteoninae' —
richtig, fo werden auch die Genera der Faleoninae' für ewige
Zeit feine andere Stellung einehmen koͤnnen, als die ihnen ‚hier
angewiefene.
Die Genera ſtellen fih demnach wie folgt und laſſen fich
mit lauter den Subfamilien analogen Characteren bezeichnen.
1. Hierax.
Sehr großer Kopf und
Schnabel mit 2 Zähne
hen. Zarfen gefchuppt.
2. Tinnunculus.
Mit einem fpigen Zahn
und Eurzen Zehen. Aeu—⸗
Bere und innere gleich
lang. Tarſen gefchuppt.
2te oder 2te und Ste
Schwinge ausgefchnit-
ten.
3. Harpagus.
Flügel fehr Eurz. ‚Die
Schwingen nehmen von
außen nach innen ftaf-
felförmig zu. Die Na:
fenlöcher an dem. Ende
einer weichen Haut und
nicht rund in den Kno—
den des Schnabels ein:
4. Falco.
Mit einem fpisen Zahn.
Aeußere Zehe Länger: als
die innere.* Tarſe ge—
ſchuppt.
Zweyte oder Ate und
Ste Schwinge ausge—
ſchnitten.
5. Jeracidea.
Mit einem fpisen Zahn.
Zarfen mit. gefpaltenen
Schildern ‚auf dev, Vorz_
derſeite. Aeußere und
innere Zehe faſt gleich
lang und plump geſtal⸗
tet. Zweyte und dritte
Schwinge deutlich, 4te
gebohrt.
Wir kommen auf Jeracidea zuruͤck.
Genus. Buſſardfalke — Jeracidea Gould.
Diagn. Schnabel mit einem Zahn. Tarſen hoch mit uns
regelmäßigen gefpaltenen Schildern auf der Worderfeite wie bey
Ibicter. Die Mittelzehe ohne Kralle geht faft 14—2 in die
Laͤnge der Tarfe. Zehen fehr deutlich und breit getäfelt. Zweyte
und dritte Schwinge ſtumpfwinklig, 4te ſchwach ausgefchnitten.
Befchreib. Es find Falken von der Größe der Edelfalken,
deren Gefieder düfter und weniger elaftifch als bey den Raubfal-
Een iſt. Die zwey Arten, die man Eennt, zeigen Analogien
mit den wahren Tinnuneuli,- 5. Subgenus der Tinnunculi:
allein fie Iaffen ſich außer andern Charactern durch ihre anſehn—
lihere Gröfe von dieſen unterfcheiben. F
ſchwach ausgeſchnitten.
Nach Gould hat die eine Art viel Buſſardaͤhnliches. Die
berigora Vig. frißt Aas, Raupen, Inſecten, Eidechſen und
faͤngt wahrſcheinlich nur ſchlecht fliegende Voͤgel.
Man findet fie in Geſellſchaften von 20—30 Stuͤck auf
einem Baum vereinigt, namentlich zur Zeit der Raupen, von
welchen fie eine große Zahl vertilgen. In ihrem Benehmen
verrathen fie große Traͤgheit. Dieß find lauter Züge aus ber
Lebensart der Buffarden.
* Die längften Zehen und namentlich die Längfte Außenzehe tritt
bey den Totipalmati auf. Wären alle Subgenera bey Pandion be=
kannt, fo müßte das 4. Subgenus die längften Sehen von allen Fal-
conidae aufzuweifen haben,
79
1). Der Neuholländifbe Buſſardfalke — Je—
racidea berigora Fig.et Horsf.. Falco berigora
Vig. et Horsf. Jeracidea oceidentalis Gould.
Diagn. Schwanz braun mit blaugrauem Anflug und 16
fchmalen, feurig roſtrothen Binden.
Befhreid:r Diefe Art variirt nah Art der Buffarden
außerordentlich, ob nady Alter, oder ohne Gefes wie bey den
Buffarden muß ich dahin geftellt feyn laffen. Ich vermuthe
das leßtere.
Der junge Vogel, namentlich Weibchen und die man. am
haͤufigſten in allen Sammlungen findet, find ſchwarzbraun, ha—
ben licht roſtgelbe Stien und Augenftreifen, deutlichen ſchwarzen
Badenftreifen, hellroſtgelbe Kehle, deren Farbe fich um den Backen—
ſtreifen in die Wangen: hinzieht: Halsband, Bruft, Bauch und
Flügelrand voftgelblih. Die Kropfgegend ſchwarz gefledt. Sei—
ten und: Hofen. faft einfarbig ſchwarzbraun mit voftgelblichen
runden Sieden, fowohl auf dem Eleinen Gefieder, als auch auf
den Außenfahnen der Schwingen zweyter Ordnung.‘ Diefe, mie
die Schwingen haben meißliche Endborden. Das ſchwarzbraune
Eleine Gefieder mit ſchwarzen Schaͤften.
Ein Älteres Weibchen, von Gould im May erlegt, hat eine
ſehr düfter vothbraune Farbe. Von dem heilen Halsband fieht
man nur noch Spuren beym Lüften der Federn.
Badenftreifen und Ohrfedern find nur. durch einen ſchmalen
fhmusig voftgelben Flecken getrennt. Die Kehle ift ebenfalls
ſchmutzig roftgeld. "Aue übrigen untern Theile find ſchwarzbraun.
Jede Feder mit 1-3 großen roftgelblichen Flecken, die an der
Bruft am häufigften ducchleuchten. Der innere Flügel ift roft=
gelb, braun. gefledt mit dunkeln Schäften. Auf dem obern
Theilen fieht man nur wenig roftgelbe Flecken.
Ein fehr großer weiblicher Vogel der Goul di ſchen Samm-
lung gleicht dem letztern, fhammt jedoch aus einer fpätern Jah:
reszeit, denn er ift im October erlegt. Der ganze Vogel ift
mehr grau. angeflogen und nur die Hofen find dunkler. Die
lichten Flecken find ausgebleichter.
Der männlihe Vogel ift nad 5 Eremplaren der Gouldi—
fhen Sammlung. Bon bdiefer find 3 mehr oder weniger düfter
rothbraun gefärbt. in Individuum bildet durch feine lichteren
Karben der untern Theile einen Uebergang zu den faft weich—
bäucigen, die Hr. Gould als eigene Art, Jeracidea ocei-
dentalis aufgeftellt hat.
Ben diefer, die ic für eine Warietät halte, find die obern
Theile mehr lichtroſtroth, das verftedte Halsband fait weiß und
alle untern Theile fchmusig weiß. Bruft und Bauch mit dun:
fein Schaftftrichen.
Diefe Varietät unterfcheibet. fich ebenfo, wie der Haliaetus
—
Arten unterfcheiden kann. 2
Bey Aquila pennata fommt ein ähnliches Kleid vor,
Bon der heilbauchigen Varietaͤt ſagt Gould, daß fie dem
Weſten angehört, daß fie zuweilen nahe am Boden, meift aber
wie die berigora auf den höchften Baͤumen niſtet und feuchte
Gegenden liebt. An den Eyern ſey dag Braune vorherrfchen:
der, als bey denen von berigora.
Diefe Art ift in Neubolland der. allgemeinfte Falke, Nach
Gould find die 2—8 ſehr in der Farbe variirende Eyer
Länglicher als bey den meiften Falken.
Dimenf. mas. — fem. Flügelfp. 157-169 — 175
Kopf 61-65 — 67-70 Tarife 65-67 '— 68-70
Schnab. 19-21 — 21-25 Mitteljehe 32-38 — 38-404
Mundw. 23-31 — 32-35. Schwanz’ „7. % 210
Dherfl. 173 —. 186 -
2) Der neufeeländifhe Buffardfalfe — Jeraei-
dea Novae Zeelandiae G@mel. Falco harpe Forst.
Ic. ined. t. 38., australis Homberg et Jaeg.
Diagn Schwanz mit 11 lichtweißlichen unregelmäßigen
fhmalen Binden, die nicht bis zum Schafte gehen.
Befhreib.
allein der lange Schwanz läßt es größer erfcheinen. Kopf, Rüden
und Schwanz fhwarzbraun, auf Rüden und Flügel mit einer,
großen Zahl lichtbrauner Binden, die nicht bis zum Schafte
gehen. Kehle roftgelblic) weiß. Zwiſchen dem dunfeln Baden:
ftreifen und den. Ohrfedern ein fchmnler roftgelber Streifen.
Bruft roftgelbweiß mit fchwarzen Schaftflefen und die langen
Seitenfedern ſchwarzbraun mit roftgelben Flecken, die nicht bis
zum Schafte geben. Die Hofen und die untere Schwanzdede
toftroch mit dunkeln Schäften. Von Sinnen ift der Flügel fehr
bunt durch 8— 11 gebogene gelbliche Binden.
Ein anderes Eremplar des brittifchen Mufeums iſt oben faft
einfarbig ſchwarzbraun mit einzelnen grauen Sleden auf den Fluͤ—
geln.
Das Weibchen, bedeutend größer, hat die Färbung des männ-
lihen berigora, j
Ein Individuum fah ich, daß den Rüden fuft einfarbig. ohne
Sleden hatte.
Diefe Art wird von Latham mit dem Ibieter leucurus
vrrwechſelt.
Dimenſionen. mas. — fem. Fluͤgel 230 — 284
Kopf 52 — 62 Tarſe 52 — 69
Schnabel 17-18 — 23 Mittelzehe 38 — 49
Höhe 13 — 17 1. Schwanf. 151 — 183
Mundwinkel 22-23 — 31 6. — 160 — 192
ö——— — — BC *
80
leucosternon et pondicerianus, die ich. ebenfalls nicht als
A Größe von einem weiblichen subbuteo,
JE
*
*
Encyclopüdiſche Zeitſchrikt,
vorzuͤglich
für Naturgeſchichte, vergleichende Anatomie und Phyſiologie,
1847.
Heft TI
Der Preis von 12 Heften ift 8 Thlr. fächf. oder 14 fl. 24 Xr. cheinifch, und. die Zahlung ift ungetheilt zuc Leipziger
Oſtermeſſe des Laufenden Jahres zu leiften.
Man wendet ſich an die Buchhandlung Brockhaus zu Leipzig, wohin auch die Beyträge zu -fhiden find, Es wird ge—
beten, diefelben auf Poftpapier zu fchreiben. Das Honorar für den Bogen fehs Thaler preuß. Cour,
Unfrankierte Bücher mit der Poft werden zuruͤckgewieſen.
Einruͤckgebuͤhren in den Text oder Umfchlag die Zeile ſechs Pfennige.
Bon. Anticrititen (gegen Iſis-Recenſionen) wird eine Quartſeite unentgeltlid) aufgenommen,
Leipzig, bey Brockhaus.
2
Anzeigen.
— —
Soeben erschien und ist durch alle Buchhandlungen zu erlialten:
Die Fortpflanzungsgeschichte der ge-
sammten Vögel nach dem gegenwärtigen
Standpuncete der Wissenschaft, mit Abbildung der
bekannten Eier. Von Dr. F. A. L. Thienemann.
Mit 100 colorirten Tafeln. Zweites Heft. ((Flug-
vögel, Steigvögel, Saugvögel, Singvogel.)
Bogen 7—12 und Tafel XI—XX. Gr. 4. In Car-
ton. Preis 4 Thlr.
Das erste Heft (Strausse und Hühnerarten) erschien zu dem-
selben Preise 1845; das Ganze wird in zehn Heften vollständig
sein. *
Ebenfalls in meinem Verlage erscheint?
Rhea. Zeitschrift’für die gesammte Ornithologie. Im
Verein mit ornithologischen Freunden herausgegeben
von Dr. F. A. L, Thienemann. In zwanglosen Hef-
ten. Mit Abbildungen. Gr. 8. Jedes Helt1 Thlr;
‚ 10 Ngr. ’
Das erste Heft dieser Zeitschritt (mit einer illuminirten
Tafel) wurde im September v. J. ausgegeben.
Leipzig, im Januar 1847.
F. A. Brockhaus.
ANATONIE DESCRIPTIVE
ET COMPARATIVE
DUCHAT
TYPE DES WAMWIFERES EN GENERAL
ET DES CARNIVORES EN PARTICULIER;
PAR
H. STRAUS- DÜRCKHEIM.
vera
Profpectus. |
Les Sciences naturelles embrassent un champ tellement vaste,
que pour la zoologie seule, il faudrait & un homme, meme des
plus habiles,. plus de mille anndes pour en composer un traite
complet, tel qu’on pourrait le demander pour qu’il füt ai niveau
des autres ouvrages qu’on publie: sur: les sciences. ‚I serait, ‚de
la, derisoire qu’une personne voulüt entreprendre un travail si
gigantesque; aussi la plupart des zoologistes, ne pouvant em-
brasser le tout avec un egal soin, ne s’occupent-ils que d’une
que .espece que .ce_soit de tout le Regne animal, A_lexception
de connutre exacteinent) lorganisation de IWespeceintype de la
„premiere, elasser.du Regne) animal, ‚oit,Iorkanisation. arriye au
"humaine, .qu'on regarde ‚A fort, comme Tetre, Je plus
"organise ‘de cette classe, occupant le sommet, le plus ‚eleve de
tout'!lembränchemient'! des animanx Vericbres;' mais par-tela me-
seule branche de cette science, et le plus souvent des plus pe-|
tites seulement; encore ne voyons-nous guere paraitre sur ces
diverses parties que des ouvrages superficiels, et generalement
fort incomplets; d’oü resulte que ces travaux, meme partiels,)
sont tous à relaire, ce qui retarde considerablement les progres
reels de l’histoire naturelle, qui ne saurait être solidement fon-
dee que sur des travaux exactement executes, sur lesquels il n’y
aurait plus a revenir.
Ayant mesure& toute l’etendue de cette vaste science, et re-
eonnaissant l'impossibilite de l’etudier avec le meme soin, m&me
dans une seule de ses grandes branches, telle que l’Anatomie
comparative, j’ai pense que le seul moyen (de lui faire faire de
veritäbles progres qui puisseht AüjPrester definitivement acquisy
etait de ne publier que des niofographies plus ou moins restrem-,
tes, mais entierement compl&tes, qit-permissent, d’une part, au
meme observateur, de publier de teinps en temps le fruit de)
ses recherches; et fissent faite, d’autre part, des progres reels
à lensemble de la ee savant doit toutefois
embrasser en totalitt dans son detnde, afın de pouvoir diriger
ses investigations vers le but gön@ral qu’on se propose d’atteindre,
c’est-a-dire vers la connaissance des lois qui regissent l’orga-
nisation des etres, et les analogies qui existent entre toutes les
especes eomposant de Regne animal, pour en deduire finalement
le 'veritable Systeme näturel de classification des animaux.
Conyaincu que cette maniere proceder est la senle qui puisse
conduire A un resultat satisfaisant, j'ai entrepris, il y a de lon-
gues annees, la publication d’un certain nombre de monographies-
anatomiques des especes qui peuvent être considerees comme les
types des familles naturelles auxquelles elles appartiennent; ou-
vrages qui devaient surtout être entierement complets et exacts,
afin’ quriis Pussent 'senvir) de’terine de comparaison pour les ou-
vrages subsequents qu’on publierait sur la meme partie de la
zoologie. Dans les recherches auzquelles jai été oblige de me
livrer dans l’etude de lorganisation de ces diverses especes,
Jai necessairement dü m’occuper aussi de la plupart des autres
types, afin de reconnaitre les rapports qui existent entre eux, et
pouvoir rattacher les faits que javais A faire connaitre dans
chacun de ces ouvrages, A des theories generales; et je me vis
même oblige” de eommencer plusieurs de ces monographies a la
fois, quoiqu'elles ne dussent etre publices qu'a de longs inter-
valles, chacune exigeaut cing ou six anndes, et même plus,
d’un travail assidu.
M’etant plus partieulierement occupé antrefois de l’etude
des animaux articules, dont l’organisation n’etait presque pas
connue alors, quoique cet embranchement comprenne à lui seul
plus des trois quarts de tout le Regne animal, jai publie ma
premiere monographie anatomique sur le Melolontha vulgaris,
que je cxus pouvoir choisir pour type de tous les animaux arti-
eul&s en (general et des insectes col&eopteres en particulier; ou-
vrage que je publiai en 1828, en y ajoutant .des considerations
generales sur les lois auxquelles est soumise l'organisation de
cette grande division des animaux; et cette monographie est en-
core aujeurd’hui le seul ouvrage complet qu’on possede sur quel-
‚de P’homme, dont Norganisation a ee ‚Etudiee depuis tant de sie-
‘cles par un‘ grand nombre d’habiles anatomistes. °
Mais il etait-Plis important pour Vensenble de "IA science
pazimum de son. d&veloppement ;.type NR heine
e plus ‚rie
7
me que komme est excentrique, .il.se trouve daus des condi-
tions speciales; et differant, de IA, notablement des quadrupedes,
il ne saurait servir que fort imparfaitement de terme de compa-
sen} 6
1846.
Ds en f tie.
Philoſophie.
Vom Grafen Georg von Buquoy.
Das Metaphyfifon: Abjolutum und die endliche
YvVous..
Die Natur, das Weltall, das Univerfum, als Endliches,
das geſammte mir Erſcheinen (mir Endlichem), meine ganze
Erſcheinungswelt (mein Ich mit innbegriffen), von deren einem
Theile es mir vorkoͤmmt, als entſpringe er aus Etwas, das
nicht mehr mein Ich iſt, von deren anderem Theile es mir
vorkoͤmmt, als entſpringe er aus Schaffensthaͤtigkeit meines Ichs
ſelbſt, die Natur, dieſes endlich Angeſchaute, der geſammte
ſich mir darſtellende Litho-Phyto⸗Zoo-Anthropo-Poli-Biotismus,
die pvoıs, wenn fie in Gedanken bis zum Einfall (meinerſeits)
von Unendlich hin — verfolgt wird, bis zum Metaphy—
ſikon bin, ift mir — das an ſich Nothiwendige, das in ſich
Telbft Bedingte, das Ewige, das Abfolutum, an dem —
jeder endliche einzelne Theil, beftändigem Formwechſel unter:
worfen folcher,' durch die fämmtlich übrigen Theile des unend⸗
lichen, des abſoluten Naturganzen, des Abfolutums, bedingt
ift.* An der Natar, an dem endlich Angefchauten, an der
gvosc, ift Jedes, bis auf die unbedeutendfte Cinzelnheit, noth:
wendig im Abfolutum. — Daran ferner ift mir ein Jedes —
Geſetzmaͤßigkeit, beſſer Naturnothivendigkeit, Modusabfolutheit,
Dfeillationsimperativ, welches bafirt ift auf die Nothivendigkeit
an fih — des Abfolwtums Die Natur, die pvoıs ift
mir eine Combination von Dfeillationsmomenten (fymbolifcy ge:
prochen), ift mir, erfahrungsgemäß, ein Aggregat von Planmäs
Bigkeiten und Antiplanmäfigfeiten, von Vernunft und Wahn:
finns = Aeußerungen, eine Combination von Mandhfaltigkeit und
Identität, ſonach ein Parallelifmus durch und durch (als nehme
lich — durchaus einerley Grundzüge manifeftierend), ferner ein
durch und durch Belebtes, verfchiedene Grade nur von Vitalität
außerend; ferner ift mir die pvors — der fomatifche und
' ibeelle, der raumhaft und felbftbewußthaft ausgefprochene, Ne:
-flee — meines Ichs, nehmlich meines gravitierenden, meines
vegetierenden, meines perzipierenden und fpontofeiftifchen fo tie
die thierifchen Selbftbewußtfeynsthätigkeiten ausübenden Drga-
*So — ift, im Problem der drey Körber (Laplace) a durch b
und c bedingt, b durh a und c, endlich c durch a und b; und
dennoch ift die Dreyheit abe felbit — dur nichts bedingt
außer fid.
Iſis 1847, Heft 2.
nismus, mei
8 anthropifch denkenden, fühlenden und begehren-
den Ichs; die
atur, die vous, iſt mie das nur endlich
noch — irbare und Gedenkbare als Fitho=Phyto - Zoo-
Anthropo= Poli: Biotismus, hingegen iſt fie mir, wenn ich big
zum Einfall vom Unend lichen hin — fie verfolge, dag Me—
tapbyfifche, — das nicht mehr Yvoıs- hafte — das nicht
mehr Gedenkbare, * ein bloßer Einfall, — das Abfolu:
tum, — die unendliche AusLeiblichkeit und All-Selbſtbe—
wußtheit als Eines.
Nur — die Specialitäten an der Natur — find. mic
(ich ſelbſt — nur ein Specielles) wahrnehmbar und ein Ge—
denkbares für mi, nur — die einzelnen Endlichkeiten
und deren Mechfelderhältniß unter fich, an der endlichen
Natur (mein Jh mit innbegriffen in der endlichen Natur), und
zwar — nicht blos als Mirklichkeiten, fondern auch als Fictio-
nen * — angefchaut, diefelben — nicht blos alg eroanthros
pifhe — fondern auch efoanthropifhe — Mlanifeftationen einer
und derfelben Naturthätigkeit — angefhaut. Vielleicht ift all
mein Perzipieren — Denken — Fühlen — Sinnen — uſw.
— Zäufhung; — ſey's immerhin; — auch jene etwaige Täu-
fhung — ſtrebe ich als ein Harmoniſches — in mir, in mei:
nem etiva verpfufchten Sch zu vernehmen, laut. eines autonom
ihlihen Beduͤrfniſſes; Phitofophieren — ift mir Bebürfnif
als actio actionis causa, ein, fo zu fagen, mir innes
wohnender Drang, intellectuell — auszutoben.. Dies
Austoben an fih — ift mir Ziel, nicht ein, aus meinem
Bemühen ſich ergebendes Nefultat fege ich mir als Ziel vor.
Mein jebesmalig fragmentarifch poetifches Philofophieren er=
hebt fich ftets von einem und demfelben Urbilde (niht — Satz),
das rein empiriſch und ſtreng reflectiv conftruirt ward und un:
abläffig fo — fortgefest wird. Nichts, an meinem Philofo-
phieren, iſt metaphyſiſch.
* Mir nicht mehr Gedenkbares — Heißt: Für mich — Feiner wei—
tern Gedanfenentwidlung fähig als activ aus mir heraus.
** Da mein felbitbewußtes Ich — integrierender, Theil nur —
der Natur it, diefer von mir angeſchauten Endlichkéit, — fo iſt
auch jede ihlich produzierte mir vorfchwebende Fiction — ein von
mir angefhautes Naturproduct, u. z. von mir angefchaut ftets
nur — unter den imperativen Formen von Raum und Zeit; das
Tegtere — ift mir Thatſache des Bewußtſeyns.
ü 6
83 ——
Tiefe Bedeutung der Nächſtenliebe.
Mein Grundprincip der Mortal, — oder anders ausge—
drüdt, dag Grundprincip meiner höhern und bleibendern
Selbftbefeligung , die nur dann — eine höhere und bfeibendere
ift, wenn fie auf Entdeckung meiner eigenen Wuͤrdigkeit ges
ſtuͤtzt ift, jenes Princip lautet: Wolle, durch von Außen her —
dir eingeflöfte Furcht oder Hoffnung (bezogen auf ein Dieſſeits
oder ein Senfeits) nicht bejtohen, auch durch Gefallfucht —
ſelbſt Chrgefühl — nicht beftochen, rein nur aus dir felbft herz
aus, rein nur aus deiner ungetrübten Menſchenwuͤrde herz
aus, — wolle ftets fo, daß, wenn die Marime deines Mol-
lens — die Marime des Wollens Aller — wäre, daß dann
— das hieraus entfpringende Handeln Aller — ein ſolches
wäre, bey welchem — die hoͤchſte und allgemeinft ver:
breitete Wohlfahrt beſtuͤnde. Warum ift nun aber ſolch
ein ſtetes Molfen, wenn ich es als ein meinem Ich mefentlic)
einverleibteg Clement entdede, etwas, dag mich fo fehr vor mir
lichen Gefühlsweife, im Wefen felbft — des Menſchen,
in feinem Berhältniffe zur übrigen Natur (von wels
her — er ein integrierender Theil ift), in dem (bey Entdedung
befagter Wollensgeartung) innigen Bewußtwerden, fo ganz eigent-
lich anthropotypiſch hervorzutreten auf Erden, echt ans
thropotypifch — aus der Mineral» Pflanz= und Thier-Welt
hervor, ohne dabey, auch nur im Allergeringften, — aus
der Rolle zu fallen, aus der Rolle def, auf deffen Stirne
erglänzet — der heitere Name: Menfh. — Warum liegt
es denn nun aber fo eigenthimmlich i efen des Menfchen,
infofern er nicht aus feiner Rolle fallt, eben nur oben beſag—
termaßen zu wollen ftets? Weil 8 Grundzug, des
Menſchen ift, nicht blos Aeußeres — dem Ich — einzuver—
teiben, wie, als Chemismus, thut das Mineral, wie, als Aſſi⸗
milation, thut die Pflanze, wie, als Trieb- und Inſtinct-Be—
wegtes, thut das Thier; — fondern weil — eben fo dringend
auch — der Menfc ſich aufgefordert fühlt, er — der Menfch,
diefer durch des Fatums Gunft fo hoch Geftellte fich aufgefor—
dert fühlt, die volle Innerlichfeit des eigenen Stre—
bens — nah dem Univerfum hin — zu erpandie-
ven, und dies, vorzugs weiſe nach — dem ihm (dem Men
ſchen) nähft verwandten telluren MWefen — hin, nad) —
dem Menfhen felbft — hin, mohlverftanden jedoch —
befagte Schlichkeit des Strebeng zu erpandieren in bemfelben
Sinne ſtets — den das eigene Streben bat am Ich
— bezogen aufs Ich ſelbſt hin. Dies eigene Streben
im Menfhen, bezogen aufs Sch ſelbſt hin, nun aber, — das
Grundgefühl im Menfchen — auf die eigene Perfönlichkeit be:
zogen, heißt Selbftbeglüdungs-Streben. Im Sinne
der Selbſtbegluͤckung daher, in diefem Sinne nur, ift cben be—
fagtes Erpandierensftreben zu nehmen, folglih — im Sinne
der Allbegluͤckung. Und fo — ift e8 denn Grundzug des
Menfchen, in fo lange er aus der ihm vom Fatum eigenthlims
lich zugewiefenen Nolle nicht gefallen ift, und demnach in die
Mineral: Pflanz: und Thier- Welt nicht hernieder gefunfen iſt
(dies wäre eine Degradation für den Menfchen), — in welchem
Falle blos — er ſich gluͤcklich Fühlen kann, — Grundzug
84
des Menſchen ift eg, daß die in ihm fich, aus dem Wahl:
acte hervorgeflaltende Willensentfchließgung — und die
hieraus hervortretende, die Dinge und die Menfchen in Rührigs
£eit verfegende, That — ſtets fo nur geartet feyen, fo geartet,
daß hiemit — des Mitmenfhen Wohlfahrt — ge:
fihert ftehe. Liebe des Mitmenfchen, Liebe des (dem
Menschen) Nächften (des dem Menfchen nächft Verwandten —
aus dem Unüberfehbaren der Mineral: Pflanz: und Thier- Melt
heraus, hier — der Miriaden von Himmelgförpern — nicht zu
gedenken), dieſe Liebe ale gefühlt und bethätigt, — ift
böchfte und bleibendjte Befeligung für ung, die, wenn
fie die ftete Bafis unferer Willensentfchliefung, und ſonach —
unferesg Handelns, ift, uns zu tröften vermag ftets, ja!
auch dann noch — uns entgegenjaudyzet (folche Liebe), und
Freude in und wedet, wo außeres Mißgeſchick — außer:
dem — der Verzweiflung und preisgeben mödte. Die
Monne des guten Gewiſſens, unferes innigen Bewußt—
werdeng nehmlich, daß ftets nur die Glut reiner Men:
ſchenliebe — unfer Wollen und Handeln erzeuge und er=
wärme, — folbe Wonne guten Gewiffene — erhöht jeglis
hen Genuß des Lebens und entſchaͤdigt für jegliche Pein,
die ung da wird — an dem Wandelgefhide teuren
Erfcheinens.
Befonnenes und poctifches Philoſophieren.
Alles an meinem Philofophieren — ſtammt aus der Wirk:
lich£eit, paßt alſo wieder zurück auf die Wirklichkeit. Mein
Dhitofophieren — iſt befonnen und tieffinnig — zugleich wirk⸗
lichkeitsgemaͤß — iſt jedoch voll Begeifterung im. Sinne che:
torifcher Porfie*. — Die Conftrwction des Totalbildes,
von welchem aus — mein jedesmalig fragmentarifches Philoſo—
phieren ftets von Neuem ausgeht, jene Conftruction gebt: in mir
— unauggefept vor. fichr (mit Beachtung aller Fortfihritte
im Wiffen — an der gefammten 'eivilifierten Welt), und
zwar, rein empitifch und ſtreng teflectiv, mit forgfältis
ger Vermeidung aller Cinmengung des Gefühls: und der Phan—
tafie, und frey von jeglicher Hypotheſe; ſonach — kann das
Philofophieren, nach meiner Methode getrieben ,. ‚nur Defonnen
feyn. und nie altern. Das von folhem profaifchen Urbilde
— jedesmal ausgehende fragmentarifhe Philofophieren jedod)
(gleihfam der jedesmalige Auffhwung nach ‚den Aetherſphaͤren
— von jtarrer Erde aus), — das Interpretieren des mir
Erfcheineng , im Sinne geahneter Grundwefenheit des Allnatur—
walteng, bewegt ſich frey, phantafievwoll, gefühlsdurd=
drungen, nebfidem — daß jenes Snterpretieren befonnen **
vorgeht; ift zum Theil — rhetoriſche Poefie. Der begei—
fterte Juͤngling, durchdrungen von den Kehren des erfahrenen
Sreifes, trete aus der Schule nüchterner Tiefe — ins rafche,
ins lodende Leben voll der Sllufionen und Enttäufbungen; der
Süngling durchwandre die Gefilde der Taufhungen auchz
aber ſtets kehre er wieder, ‚durch Enttäufchung belehrt —
nicht entmuthigt, nad dem. Greife zuruͤck, zu neuer Staͤr—
Eung für wiederholte Züge ins Leben hinaus.
* Ueber efoterifche Porfie — Siehe: Buyuoy, Auswahl des
leichter Aufzufaffenden ufw. (Bd. II. Vorwort).
** Befonnen darım, weil es ftets auszufprechen ftrebt die Grund—
wefenheit des Allnaturwaltens, als erahnet jene — aus ernfter durch—
dringlicher finniger Anſchauung obbefagten Zotalbildes.
83
Zweyte Monographie.
Die Genera der Milvinae von $. 5. Kaup.
(Fortfegung von Iſis 1847. Heft J. S. 39.)
ll. Subfamilia.. Milvinae.
1) Ictinia, 2) Nauclerus, 3) Circus, 4) Elanus, 5) Milvus.
1. Genus. Falkenweih, Ictinia Vieill.
“ Diagn. Der Schnabel ift edelfalfenartig gewelbt, plößlic)
von der kurzen Wahshaut an gebogen. mit fteinem Eckzahn
und Spur von Ausfchnitt an dem abgeftusten Unterichnabel.
Schnabelhaken mit Gaumenhöder,
Befhreibung. Schnabel wie Edelfalke. Nafenlöcher Elein
und rund, mit Borfifedern dünn bededt, die nicht Über die
MWahshaut wegragen. Die Flügel find länger als der Eurze
Schwanz, welcher ſchwach gegabelt if. Zarfen Eurz, vorn ges
fchildert, hinten gefchuppt. Mittelzehe etwas Eürzer als die Tarſi.
Innere Zehe fehr Eraftig, unbedeutend Fürzer als die äußere.
Sämmmtlihe Zehen mit 5—11 Schildern belegt.
Man kennt bis jest nur 2 Arten aus America, die nicht
allein im Aeußern, fondern auch in der Lebensart Aehnlichkeiten
mit den Falconinae haben. *
* Diefe Achnlichkeiten in der Außeren Erſcheinung müffen ſich
zeigen, weil das Genus Ictinia bey den Milvinae die ganze Subfa—
milie Falconinae darftellt, oder mit andern Worten, weil fie den
Eoelfalfentypus repräfentieren.
Diefe Formen jedoch zu benusen, um die Edelfalken durch Erythro-
pus (Tinnunculus vespertinus) mit den Milvinae zu berfnüpfen,
ift eine falſche Anwendung der Analogien, Tinuunculus repräfentiert
ale Genus und Erythropus als Subgenus den Weibentypus, ſowie
Ictinia als Weih den Edelfalkentypus.
Wie hoͤchſt irrig es iſt, analoge Formen mit einander zu verknuͤpfen
und von ſogenannten Uebergangsformen zu ſprechen, kann man nicht
deutlicher als an den mancherley Syſtemen früherer und jetziger Zeit
erſehen. Ieder Ornitholog, der da glaubt, die Kinderfchube in feiner
Wiffenfhaft ausgezogen zu haben und der von den zahllofen Analogien
einige gefunden hat, glaubt ſich berechtigt, eins won dem Eintagsfliegen
a zu Creiren, ‚oder, ein altes: wenigftens verbefjern zu
muͤſſen.
Wem es gefällt, nach den jetzigen Claſſificationsmethoden die Falken
zu ordnen, dem will id) den Weg angeben, wie er taufende von va—
rianten Syftemen fchaffen kann, die alle den Nimbus ven Natürlichkeit
an fi tragen follen.
Stellt man die Falconinae an die Spige der Rapaces, wie ich
- zuerft es gethan_habe, fo kann man von diefen, indem man die Tiu-
nunculus ans Ende ftellt, durch Eryihropus. vespertinus zu Ictinia
gelangen; man kann jedoch ebenfalls durch die Baumfalfen Hypotrior-
- chis der, Falcones dahin kommen. Mit Hierax kann man aud) durch
Hyptiopus zu Pernis und den Bnteoninae, mit Harpagus zu den
Accipitrinae, und mit Jeracidea zu den Buteones gelangen. Die
Glieder der ten Familie Milvinae; -Ictinia, Nauelerus, Circus,
Elanus und Milvus geben ebenſo viel Verfnüpfungspuncte, als fie
- Genera und Subgenera bilden. Mit Ictinia fann man, wie fon
bemerkt, die Falconinae, mit Nauclerus die Buteoninae durch Avi-
ceda die Pernis, mit Circus die Aquilinae durd) Circa8tus, oder
bie Accipitrinae durch Nisus oder Geranospiza gracilis, oder die
Buteoninae durch Polyborus verbinden.
Durd) Elanus fann man zu dem eigentlihien Falco Vig., oder zu
Paudion, oder zu Rosirhamus gelangen.
Die Milvi können durd) das Subgenus Lophoictinia (Milvus isiu-
rus) mit Pernis, durch die wafjerliebende Hydroictinia (Milvus ater
Bu mit Pandion, Haliaetus oder aud) als ganzıs Genus mit den
Buteoninae verbunden werden.
Die Glieder der Accipitrinae als Spizaetus, Nisus, Geranospiza,
Astur, Asturina fonnen ebenfalls als ebenfo viele Unfnüpfungspuncte
— —
\
—
84
1. Subgenus. Ictinia Kaup. k
Diagn. Zweyte Schwinge an der Innenfahne winkelig,
ſchwach bogenförmig ausgefchnitten. Zweyte Schwinge länger
als die" 7te, Ste unbedeutend länger als die te, welche die
längfte iſt.
1) Der Miffiffippi-$alfenweih, Ietinia [mississippi-
ensis Wils. Falco Wils. III. 25. 1. Ictinia ophio-
phaga Vieill. Gal. t. 17. Milvus ceuchris.
Befhreib. An Kopf, Hals und allen unteren Theilen
hellafhgrau. Vor und um die Augen ſchwarz. Schwingen
betrachtet werden. Die rauchfüßigen Spizaeten Tonnen mit Aquila
verbunden werden, wenn diefe edlen Formen ans Ende ihrer Subfami—
lien geftellt werden. Durch Nisus ift Circus, durd) die langzehigen
muthigen Astures die Aquilae oder Falcones, und durch Asturina
die Haliaeten, durch dag Subgenus Morpheus die Circi, durch dag
Subgenus, wohin poecilonotus etc. gehören, find dic Buteonina
zu verknüpfen. 1
Mit den Genera der-Aquilinae: Aquila, Helotarsus, Circattus,
Pandion, Haliaëtus, fönnnen ebenfalls alle Eubfamilien verbunden
werben. Mittelft Aquila iſt durch Spizaetus zu den Aceipitrinae
oder zu Buteoninae durd) Archibuteo (Buteo Jagopus) zu gelangen.
Durdy Helotarsus fommt man zu allen langgeflügelten Formen, als
Nauclerus' und Aviceda., Das erfte Subgenus Herpetotheres von
Circastus bringt ung durch Schnabelbildung zu den Falconinae, durd)
Eurze Flügel zu: den Accipitrinae, das 2. Subgenus Gymnogenys
ift eine herrliche Uebergangsform zu Gypogeranus, zu Circus und
Polyhorus,. Das 3. Subgenus Spilornis baccha £ann zu den Acci-
pitrinae und durch Circus zu den Milvinae führen, Das 4. Sub-
genus Circaetus gallicus wird die übrigen Adler verknüpfen und
durch Poliornis (teesa, liventer) koͤmmt man nad) Beliebın zu den
Buteoninae oöer Accipitrinae.
Endlich find die Buteeninae: Buteo, Pernis, Polyhorus nod) übrig,
die ich theilweife fchon beruͤhrt habe. Mit den Archibuteones fann
man, wie ſchon bemerkt, die Adler oder auch Spizaeten verbinden, mit
dem 2. Subgenus von Buteo: Tachytriorchii (pterocles), die Nau-
cleri oder au) Aviceda von Pernis, mit dem 3. Subgenus Poeci-
lopternis (erythronotus) fann man zu dem 3. Subgenus Hetero-
aẽtus (azuia) zu den Haliaeten, oder auch zu dem 3. Subgenus der
Astures: Meliörax musicus gelangen. Das 4. Suhgenus von Bu-
teo.: Ichthyoborus husarellus mit feinen jpiswarzigen Sohlen, Fiſch—
nahrung und aufgefhmwungenem Schnabel gibt einen herrlichen Grund,
die Buteoninae an die Aquilinae und Pandion anzuſchließen.
Das Genus Rostrhamus mit feinem geftredten, ander Spitze auf:
geworfenen Schnabel, feiner Fifhnahrung zeigt. jedoch ebenfalls Ana=
logie mit Pandion und Haliattus und es bleibt zwiſchen ihm und
dem vorigen die Wahl.
Bey Ibieter fehen wir eine Bildung der Nafenlöcher, wie fie die
meiften Genera ber aͤchten Falconinae befigen, wir fehen einen lan—
gen Schnabel und bey manchen einen nadten Vorderhals und Geſicht;
diefe Charactere geben Gelegenheit, fie den Falconinae, oder den
Adlern oder den Vulturidae anzuhängen.
Würde es nicht zu weit führen, fo wollte ich noch hundert von Ver—
knuͤpfungspuncten angeben, allein idy glaube aud) fo genug Winke dem
Ornithologen gegeben zu haben, der in der jebigen Claſſificationsme—
thode das hoͤchſte Ziel zu fuchen gewohnt ift. Sch hoffe auf ihren
Dank und bin fehr begierig zu hören, ob der eine oder der andere Ge—
lehrte fie nicht benusen wird.
Es würde jedod Unrecht von mir feyn, wenn id) nicht die analogen
Formen angeben wollte, um aud) die übrigen Samilien der Rapaces
mit einander in Berührung zu bringen. Um zu den Strigidae zu
gelangen, hat man die Wahl zwifchen Circus und Herpelotheres,
die beide den Schleier tragen; allein auch Kostrhamus mit feinem
geſtreckten, tief geipaltenen Schnabel und feiner gezähnelten Mit
telEralle Eönnte dazu dienen, da Strix flammea etc. den nämlichen
Gharacter befist, die Falconidae mit den Strigidae zu verbinden.
85
2ter Ordnung an den hinteren Hälften hellafchgrau, faft weiß.
Rüden, Schulterfedern und dag kleine Gefieder des Flügels
dunkelafhgrau. Schwingen und Schwanz einfarbig fchwarz:
braun, Untere Schwanzdedfern an der Wurzelhälfte weiß.
Augen und Füße biutroth.
Auch die Bacha zeigen in der, Krallenhildung mit Strix ceylonensis
Aehnlichkeiten, was zu beachten wäre.
Mit den Gypogeranidae ift wohl das Subgenus Gymnogenys
das paffendfte Uebergangsglied, allein Geranospiza gracilis, Poly-
borus brasiliensis und Circus ift dabey nicht zu überfehen.
ill man die Gypaetidae als Familie trennen oder fie bey ben
Vulturidae unterfteden, fo find es die Aquilae oder Milvus der Mil-
vinae, wodurch man fie den Falconidae anreiht. Endlich find die
Vulturidae noch übrig, denen man Ibicter auf die cine oder die andre
a anfchließt. Man Eönnte jedoch ebenfo gut die Haliaeten dazu
wählen.
Mit einem Wort, jede Subfamilie, jedes aus Subgenera beftehendes
Genus, fogar jedes aus mehreren Arten beftchendes Subgenus gibt
dem vergleichenden Drnithologen taufende von Verfnüpfungspuncten,
um bie Formen zu verbinden.
Sch follte es faft bedauern, daß ich nicht vor meiner —
der Falconidae den großen Reichthum von Analogien nach der jetzigen
Methode mit ſcheinbarem Ernſt benutzt habe, um die Verwirrung auf
den hoͤchſten Punct zu ſteigern. Erſt wenn ich mit dieſer reichen Wahl
von Analogien den moͤglichſt tollſten Mißbrauch getrieben, wenn id)
durd) die, Unzahl von Uebergängen den falfchen Beweis geliefert hätte,
daß die Falconidae. weder in Genera noch Subgenera getrennt wer:
ten. könnten, hätte ich die Masfe abmwerfen follen, um mit meiner
Glaffification hervorzutreten.
Diefer liſtige Weg, der die Mehrzahl der Drnithologen irre gemacht
hätte, lag in meinem ernften Streben nad) Wahrheit mir gaͤnzlich fern,
weil diefes characterlofe Spielen mit Formen unberechenbare Nachtheile
im Gefolge hat, indem durch das woillfürlihe Aneinanderreihen es
durchaus unmöglich) ift, Subgenera und Genera zu unterſcheiden und
erftere den lestern unterzuordnen. Durd die ſchlechte Anwendung ber
Analogien werden die Gubfamilien und Genera auf die unnatürlichfte
Weiſe zuſammengeſetzt und fie erfchwert fel6ft die Arten zu unter-
eiden.
Ba Mißſtaͤnde finden fich jedoch nicht allein bey den Falconidae,
fondern find bey allen Familien, Unterordnungen ufw. anzutreffen.
Diefe Fehler, die jeder denkende Zoolog als folche anerkennen wird,
koͤnnen nur durch den von mir vorgezeichneten Weg vermieden werden,
auf welchem jede Art, jedes Subgenus, jede Eubfamilie, jede Familie,
jede Unterordnung, jede Ordnung oder Stamm, jede Glaffe und jedes
Unterreich als ein in fich abgerundetes Ganzes detrachtet wird, und nad)
welchem in jedem Subgenus, jedem Genus ufw. die Grundformen nad)
eifernen Gefesen ſtets wiederkehren. Das Studium der Analogien führt
auf folhem Weg zum Heil und nicht zur haotifchen Verwirrung, in der
fi bereits unfre Wiffenfchaft befindet.
Waͤre jeder Ornitholog bey jeder neuen Art gezwungen, wenigſtens
die fubgenerifhe und generifche Verwandtſchaft zu ermitteln, dann
koͤnnten wir hoffen, auf dem richtigen Wege rafc vorwärts zu fchreis
ten. Wie jest die Wiffenfchaft tractiert wird, indem die meiften neuen
Entdeckungen annähernd beftimmt, und wie einzelne Moſaikſtuͤckchen in
die Melt gefchleudert werden, fann den Zoologen in der Zukunft. wenig
gedankt werden. Gegen biefes Unmefen follten die Zeitfchriften kaͤm—
pfin, nicht aber Don Quichottartig gegen die Trennung Eleiner Grup:
pen zu Felde ziehen: denn werden biefe gleich bey ihrem Entftehen den
größeren Genera untergeordnet, fo find fie cine Wohlthat und Noth—
wendigkeit in unferer Wiffenfchaft.
Diefe Nothwendigkeit gegen alle Retrograden zu vertheidigen, wird
nicht mehr lange dauern, denn troß allıs Ereiferns werden jahrlic)
hundert von fogenannten Genera gebildet, die gefichtet den Syſtema—
tifern von Nusen find. Man trenne deßhalb wader darauf los, fobald
generifche oder fubgenerifche Charactere 8 gebieten und Lafje die dl
tern Zoologen ruhig forthadern, indem ihrem Gedächtnig nicht mehr
zugemutbet werden Kann, die vielen Subgenera- Namen zu behalten,
Diefe Art, in Nordamerica nicht felten, findet ſich in wenigen
Sammlungen. \
Dimenfionen : Oberfluͤgel 150
Kopf 53 Frluͤgelſpitze 169 |
Schnabel 16 Tarſe .. 32
Höhe 124 Mittelzehe 27
Mundwinkel 22 Schwanz ale
2. Subgenus — Poeeilopteryx Kaup.
Diagn. Die 2te, 3te Schwinge ftumpf, die te ſchwach
ausgefchnitten. Die Zte Schwinge etwas kuͤrzer als die 7te.
Ste fürzer als die K4—te und Ste, Ste die längfte.
2) Der bleyfarbige Falkenweih, Ictinia plumbea Gmel.
Falco plumbea @mel. Pl. col. 180. jw. Pr Mar
Beytr. II. p. 126.
Befhreibung. „Hellafchgrau, vor dem Auge ein fchwarzer
Fed, der fich als feine Linie über das Auge hinzieht. Nacken—
federn an der Wurzel weiß. Flügel, Schulterdecken, obere,
Schwanzdede, Schwingen und Schwanz tieffchiefergrau mit
bläulichem Glanze. Weder die Schulterdede, noch die Eleinen
Federn des Flügels zeigen an der Wurzel eine Spur von Weiß.
Die Schwingen felbft fehr bunt. Die 2te bis 7te Schwinge
find namentlich an den Innenfahnen feurig rothbraun, welches
fi von der Iten bis 7ten ber Länge nad) tief bis in bie
ſchwarze Endfpige hineinzieht. Die Zte Schwinge total ſchwarz
und zeigt nur über den Ausſchnitt einen verwafchenen rothen
Fed. Die 3te ift an der Außenfahne fchwarz; die Ate bis
Ste an den Aufßenfahnen längs des Schaftes rothbraun, welche
Farbe bey dem zufammengefalteten Flügel durdyleuchtet. Die
Schwingen. der Zten Ordnung find an den Spiten etwas dunk—
ler und die hinterften Schwingen zeigen Spuren von ſchwarzen
ſchmalen Querbändern.
Der Schwanz ift von oben einfarbig ſchwarz; von unten ift
er Lichter mit: weißen Schäften. Auf den Innenfahnen - zeigt
die 1fte bis zue Iten 3 weiße, nicht bis an den Nand gehende
Sleden, die 3 gleich weit von einander abftehende Binden bilden
Nach dem Prinzen von Wied ift die Iris hochkirfchroth,
die Beine find orange und die Wachshaut fhwarzbraun,
Der alte Vogel zeige in feiner Totalfaͤrbung Eeine entfernte
Aehnlichkeit mit Tinnunculus vespertinus.
Der junge Vogel, Pl. col.180., ift oben dunkelgrau braun,
zeigt an den Schwingen wenig oder nichts rothbrauneg; fie find
fhwärzlich braun, an den inneren Bahnen weißlich marmoriert‘
und bdunfelbraun punctiert. Die unteren Theile weißlich mit
dunfelbraunen Pfeilflefen. An den Schwingen coftgelbe Raͤn—
der. Die Bänder des Schwanzes leuchten von oben durch.
Diefe Art zieht den Süden dem Norden von America vor
und gleiht nad dem Prinzen von Wird in feinen Citten
mehr dem Baumfalfen als den Milanen; er ift ein. fchneller
Vogel, der mit feinen langen Flügeln die Luft raſch durch:
fehneidet, zumeilen body am dunfelblauem Himmel fchmwebt, dann
auf einen hohen Baum herabftürzt, wo er auf den höchften
Aeften fußt, um von hier den Waldfaum an den Gränzen der
Pflanzung zu beobachten. Er lebt von Inſecten, fängt jedoch)
auch Vögel. Nach der Verfiherung der Jäger des Prinzen
fol feine Stimme der des Baumfalken aͤhnlich Elingen.
— 88
Dimenfionen mas. Tem. Slügelfpige 15°... geſtutzt, ſondern Löffelförmig ift. Zwehte und" dritte Schminge
Kopf 47. — 48 Tarſe 30 — 32 bafenförmig, 4te ſtumpfwinkelig umd fehr beffimmt ausgefchnit
"Schnabel 15 — 16. Mittelzehe 24 — 27 ten. mente länger als die Gte, Kte etwas länger als die Ste
Mundwinkel 22 — 22 1. Schwf. 139—140.— — und die längfte. Zehen fehr kurz und plump gebildet.
Oberfluͤgel ae EN. Brochinf. 136..— ...» f
€ h F 2) Umericanifher Aarfhmwalbenweih, Nauclerus
2. Genus. Schwalbenweih, Nauclerus Vig. fureatus Linn. Falco furcatus Linn. pi wgt:
Diagn. Der Oberflügel bedeutend Fürzer als die Flügel: fig, 5.
ſpitze. Schwanz; fo tief gegabelt, daß die aͤußerſte mehr als Befhreibung. Steiß, Oberruͤcken, die letzten Federn der
doppelt fo lang. ift, als die mittlere.
woͤhnlich kurz.
Beſchreibung. Kopf klein mit mäßig langem Schnabel⸗
haken. Naſenloͤcher einförmig, die Spise nach oben und vorn
gerichtet. Flügel fehr lang, allein die Spige der außeren Schwanz-
feder nicht überragend. Tarſen zur Hälfte nach vorn befiedert,
gefchuppt mit fehr langen Hofen, die bis zur Hinterzehe herab:
hängen. 3
- Sie gleihen in ihrer Lebensart fehr den Schwalben und man
fieht fie faſt beffändig fliegen und nad Snfecten haſchen.
„Man kennt nur 2 Arten, die jedoch genau. betrachtet fo wer
fentlich fi) unterfcheiden, daß fie die Typen von 2 Subgenera
abgeben muͤſſen.
Tarſen und. Zehen unge:
1. Subgenus. Faltenfhwalbenmweih, Chelidopteryx Kaup.
Diagn. Der Schnabel. mit einem ftumpfen Zahn und
feinen Ausſchnitt am Unterfchnabel, der edelfalfenartig plöslich
abgeftust ift. _Imeyte und dritte Schwungfeder gegen das Ende
hin ſich verſchmaͤlernd, ohne deutlihen Ausfhnitt. 3te unbe:
deutend länger als die Ate und die längfte. Zarfen und Zehen
ſchlanker.
1) Der Senegaliſche Falkenſchwalbenweih, Naucle-
clerus Riocourii Vieill. 'Elanoides Riocourii Vieill.
Gal. t. 17. Pl.eol. 85.
Befhreibung. Hellafhgrau, vor dem Auge ein ſchwar—
zer Fleck und hinter dem Auge über den Ohrfedern ein ſchwar—
zer Streifen, Stirn weißlih. Einzelne obere Schulterfedern
und die hinteren Schwingen ter Ordn. mit ſchwarzen Außeren
Fahnen. Die großen Sculterdedfedern an der Wurzel, die
Schwingen von Innen und die Schwanzfedern an den Innen—
fahnen weiß. Alte untern Theile weiß, Ben einem alten Vo—
gel ſah ih die innern Achfelfedern weiß mit einem ſchwarzen
Länggjtreifen ar der Hand, melde Färbung an Elanus erin-
nert. Ben einem andern Exemplar fah ich nur eine fehwarze
Feder an diefer Stelle. ' Diefe Art zeigt auch dur die Total:
färbung uͤberſptingende Verwandtfchaft zu Elanus und zeigt
Analogien mit: dem’ etften Subgenus Polierax (semitorquatus)
des Genus Tinnuneulus, mit dem fie gleiches Vaterland hat.
Dimenfionen: Kopf 44 Mittelzehe 22
Schnabel 14 1. Schwanzfeder 223
Mundwinkel 20 — 169
Oberfluͤgel 129203: — 148
Flügelfpige 7 iger 125
BT 23....6. — 105
Diefe Art ift in Sammlungen ‚ wie alle Senegalifchen Raub:
voͤgel, ſehr felten. "Sch Eenne weder den Unterfchied der Meib:
‚hen und Männchen, noch jünge Vögel,
4. Subgenus. Aarſchwalbenweih, Nauclerus Vig.
Diagn. Ohne Ausſchnitt am Unterſchnabel, der nicht ab:
Iſis 1847, Heft 2. E
oberen Schmwanzdede, Flügel und Schwanz -blaufhwarz. Die
Eleinen Deckfedern des Dberflügels, längs dem Radius hin, tief
fhwarz mit etwas Bronzeglanz wie der, Oberruͤcken. Alle
ſchwarzen Federn an der Wurzel mehr oder minder fcharf bes
graͤnzt weiß.
Ein junger Vogel aus Brafilien hat feine ſchwarze Schaft:
fteiche auf dem Oberkopf und Oberhals. Faſt alle Federn des
Flügels und des Schwanzes mit mehr oder minder breiten
weißen Borden an den Spisen jeder Feder. Ob dieß das Neſt—
Eleid ift, weiß ich nicht.
Dimenfionen: Tarſi 31
Kopf 61 Mittelzehe 25
Schnabel 19 1. Schwanzfeder 315
Mundwinkel — 3— — 230
Breite EEE — 145
Dberflügel — AA. ln 132
Flügelfpige 240. 6. — 116
Sch Eenne die Serualunterfchiede nicht.
Sn allen Sammlungen. Gemein in
Brafilien.
Der Falco yetapa, Azara, Neuwied unterfcheidet ſich nicht.
Nordamerica und
Sndem die zweyte "Subfamilie Milvinae den wahren Vo—
geltypus, wie er fih in den Schwalben, Golibris uſw. dar—
ftellt, diefeg Genus in der Subfamilie Milvinae den näm:*
lichen Typus als Genus noch einmalmwiederholt; fo ift der—
felbe fo deutlich und ſchlagend wiedergegeben, daß fie, wenn
man die 2 Formen verkleinert, mit etwas platt gedrüdtem
Schnabel ſich denkt, für Schwalben gelten. würden.
Die Kennzeihen des Schmalbentypus (Raubvogeltypus der
wahren Wögel, Aves Ornithes) * bey. den Rapaces muͤſſen
defhalb von Nauclerus abftrahiert werden und. diefe find:
Sehr kurzer Oberflügel, lange Flügelfpige, Eurze Tarfen und
£urze Zeben, mehr oder weniger 'gegabelter Schwanz. In der
Lebensart fällt ihr anhaltendesı Schwebvermögen und ihr be—
ftändiges Sagen nah Inſecten auf. N
Finden fich diefe Charactere in andern Subfamilien bey &e-
nera mehr oder minder deutlich wiederholt, fo geben wir diefen
Genera und den Subgenera den zweyten Rang.
So gebe id; bey den Falconinae dem Genus Tinnunculus
den zwenten Nang, weil in, diefem.da8 2. Subgenus, Erythro-
pus vespertinus (ruſipes) den, Fürzeften Oberflügel, die laͤngſte
Flügelfpige hat, und: diefe Art von-Infecten lebt und wie die
Schwalben bis fpät in die Dämmerung des Abends hinein jagt.
..*.Märe das 2. Subgenus von Nauclerns bekannt, :fo würde
ſich bey diefem ein noch. kürzerer Oberflügel , eine noch laͤngere Flügel:
fpige und noch kuͤrzere Zarfen darftellen!
89
Ich gebe Nisus den 2. Rang bey den Aceipitrinae, weil in
diefem Genus das 2. Subgenus Tachyspiza soloensis, die
£ürzefte Tarſe, Eurze Zehen, eine lange. Slügelfpige und einen
weißen Spiegel auf der innern Anſicht der Schwingen aufzus
weifen hat.
Bey den Aquilinae gebe ich dem Helotarsus den zweyten
Rang, weil er eine fehr lange und ſchmale Fluͤgelſpitze hat,
dabey kuͤrzere Tarfen als die meiften Adler befigt und weil ber
kurze Schwanz doppelt gegabelt ift.
Auch in diefem Genug fehlt bis jeßt das Ate Subgenug, bey
welchem ſich die Charactere des Nauclerus nod) deutlicher dar:
ftellen würden.
Ben den Buteoninae ift, bey dem 2. Subgenus, Aviceda
cuculoides Sw.* des zweyten Genug Pernis der Schwalben-
typus ſehr deutlich ** ausgebildet. , Die nämlichen Charactere: als
fehe lange Flügelfpige, ‚die den, Schwanz ganz überragt, oder
mehr oder minder gegabelter Schwanz, kürzere Zarfen, großes
Schweb: und Flugvermögen. Haſchen nad Inſecten oder
Voͤgeln, geben allen Formen, fen es als Genus, Subgenus
oder Art den 2. Rang. Diefes Gefeß kann jedeh nur an Ge:
nera, die ihre 5 Subgenera bereit8 haben, oder bey Subgenera,
in denen alle 5 Arten entdeckt find, aenau ermittelt werden.
So gebe ich bey Falco den Hypotriorchis- Arten den 2. Rang
und bey diefen dem Subbuteo den 2. Nang als Art, meil bey
diefem der Schwanz ſchwach gegabelt ift und die mittleren die
übrigen überragen **.
Sch gebe bey den eigentlichen Nisus-Arten dem gemeinen
Nisus communis den 2. Rang, weil dag Männchen einen
ſchwach gegabelten Schwanz hat. Bey ‚den Urospizae trägt
Nisus torquatus diefelben Chavactere und er repraͤſentirt deßhalb
Nisus fringillarius.
Sch Eönnte auf noch viele folcher Formen aufmerkfam machen,
allein da ich mie nicht weiter vorgreifen will, fo werde ich an
dem gehörigen Orte darauf aufmerffam machen.
1. Strigiceeps Bonap.
90
3. Genus, Sperberweih — Circus (Antig.): Zae.
Diagn. Die Mittelzehe 1 fo lang als die hohe, ſchlanke,
vorn und hinten getäfelte Zarie*,
Beſchreib. Es ſind ſchlanke, hohe Vögel mit Eleinem Kopf,
Langer Wachshaut, Über deren Nüden die Borften des Zuͤgels
wegragen und die-Nafentöcher zum Theil verdecken. Die, Ohröff-
nung ift groß, unter den Mangenfedern ein runder nadter Sled.
Schleyer mehr oder weniger deutlich. 4
Die Fluͤgel find lang und haben an den Innenfahnen der 2.
— 4ten oder 5ten, oder Gten abgerundete Ausfchnitte.
Die 2. viel fürzer als die 3. und fürzer als die 7.; 4. und
5. die längften. ’
Der Schwanz ift lang, entweder ſchwach ausgefchnitten, ge=
tade oder ſchwach Eeilförmig. She Gefieder ift locker, Eulen =
oder Sterna-artig gefilzt, ſehr weich, ohne ſcharfe Gonturen,
jedoch ohne zerfchliffen zu feyn. Die Männchen haben in der
Regel ein von den Weibchen abweichendes, fehr haufig bellafch-
grau gefärbtes Kleid. Die düfter gefärbten Jungen fehen den
Meibchen ähnlich. Die Mehrzahl hat in allen Kleidern die
obere Schwanzdecke blendend weiß, und die Nadenfedern an der
Wurzel weiß gefaͤrbt.
Die Arten diefes GefchlechtS haben einen leifen, ſchwanken—
den und niedrigen, Flug, hatten »fich viel auf der Erde auf und
laufen mit großer Schnelligkeit. Sie fliegen ſehr viel in. der
Morgen: und Abenddämmerung ihrer Beute nach. die in Elei-
nen Säugethieren, jungen Vögeln, Eyern, Amphibien ‚und In—
fecten befteht. Ihe Neſt befindet ſich ſtets auf der Erde, zu—
weilen auf Schilfſtengeln in Nobrwäldern. Fliegende Wögel
fangen fie nicht im Fluge, fondern ſuchen fie zu ermüden, um
fie im Sigen zu ergreifen. Die Eyer der Vögel verſchlucken fie
ganz ‚oder fie ‚faufen ſie aus.
Die befannten Arten: zerftillen in ñ Eleine Subgenera, die ſich
nach der Bildung des Schnabel amd mac dem Bau des Flü-
gels unterfcheiden laſſen.
Schnabel ſchwach, von
der Wurzel an gebogen.
Oberfluͤgel laͤnger als
die Fluͤgelſpitze. Das
Fluͤgelende erreicht nicht
das Schwanzende. 2.
bis 5. Schwinge an der
Sinenfahne ausgeſchnit⸗
ten.
Hierher: 1) cyanus,
2) melanoleueus, 3)
acoli, 4) cinereus, 5)
maurus,
2. Glaucopteryx.
Schnabel wie 'Stri-
ceps.
Oberfluͤgel kuͤrzer als
die Fluͤgelſpitze. Das
Fluͤgelende uͤberreicht den
Schwanz. 2. bis 4.
Schwinge an der In⸗
nenfahne ausgeſchnitten.
6) pallidus, 7) cine·
rascens.
Spilocireus.
Schnabel ftärfer von
der Wahshaut an ges
bogen. Oberfluͤgel wie
Strigieeps. Das $lü-
gelende bedeutend Fürzer
und erreicht nicht das
Ende des Schwanzes.
Wie bey Strigiceps ijt
die 2.—5., Schwinge
ausgefchnitten,
8) Jardinii.
Spizacircus.
Schnabel ſtaͤrker, won
der Wachshaut an ges»
bogen. ‚Oberflügel wie
Strigiceps. Das Fluͤ⸗
gelende uͤberreicht das
Ende des Schwanzes
nicht. Zweyte bis 6.
Schwinge an der In—
nenfahne ausgeſchnitten.
9) macropterus.
Circus Bonap.
Mit faft geraden; ſehr
ftarfem Schnabel. Ober⸗
fluͤgel wie ‚Strigiceps-
Das Flügelende ‚erreicht
das Schwanzende. Wie
bey Strigiceps iſt die
2. bis 5. an der ne
nenfahne ausgefchnitten.
10. aeruginosus,, 11)
ranivorus, 12 assi-
milis.
* ‚Swainson Birds of West Africa I.
* Smwainfon nannte die eine Art diefes Subgenus cuculoides,
ebenfo TZemmind ben Nisus'soloensis (Tachypiza). Mit diefer
Benennung wollten beide Gelehrte die Analogie bezeichhen, die beide
Arten mit der Eleinen Gruppe haben, wohin unfer Cuculus canorus
gehört.
Die Familie der Cuculidae nimmt bey den Zygodactyli den 2ten
Rang ein; ‚fie ſtellen deninad ben Vogeltypus vor wie die genannten
Aviceda und Tachyspiza ald Subgenera und Genera. Diefe Ana:
D
logien werden noch Elarer werden, wenn bie Cuculidae einmal richtig
geordnet find.
*+* Das Ueberragen der mittleren Schwanzfedern erinnert an Me-
rops, den Schwalbenfypus der Syndactylie Dritte Subordnung der
wahren Vögel, j 4
++ Diefe-Diagnofe, wie alle gegebenen, unterſcheidet das Genus in
feiner Subfamilie, und find Feine Diagnofen für die ganze Samilie ‚der
Falconidae. Am Scluffe der fämmtlichen Monographien werde ich
die Diagnofe der Falconidae und der Subfamilien: Valconinae, Mil-
vinae,, Accipitrinae, Aquilinae et Buteoninae geben.
9 >
Ich betrachte nach meiner Art zu fehen die Cirei, weil bey
ihnen die längften Tarſen, die Eürzeften Zehen, der kuͤrzeſte Fluͤ—
gel, gewandtes Erdlaufen, Amphibiennahrung, Niften auf der
Erde ꝛc. auftritt, als den: Stelzvogeltypus unter ‚den Milvinae
und gebe ıhmen deßhalb die 3. Stelle als Genus in diefer Sub—
familie. Alte meine Vorgänger betrachteten fie. wegen des Schleyers
als die paffenften Uebergange zu den Strigidae. Der Schleyer
tritt jedoch bey den Herpetotheres- Arten, 1. Subgenug von
Cireattus ebenfo deutlih, wenn nicht noch beſtimmter auf.
Mir haben demnach noch andere Webergangsformen zu den Eulen,
wenn man: das -einfeitige Kennzeichen, Schleyer, im Auge bes
hält: + Die Mehrzahl der Strigidae hat, den Schleyer ſehr un:
deutlich oder gar nicht und: wir fehen daraus, daß der Schleyer
nur ein analoges Kennzeichen ift, das die Cirei mit gewiſſen
Genera der Strigidae theilen. Bey einer nähern Eintheilung
der Strigidae wird es fich herausftellen, daß der Schleyer ein
Kennzeichen des 3. Rangs ift, und feineswegs ein Character,
um Formen mit einander zu verknuͤpfen. Waren alle Formen
von den Gypogeranidae befannt, ſo wuͤrde dieſer Character am
deutlichften bey diefem auftreten.
Mer ſich die Mühenimmt, »die Genera der Milyinae als Teti-
nia, Nauclerus (namentlich Riocourüi), Elanus et Milvus
zufammen zu-ftelfen, wird: finden, daf die Circi nadı dem gan⸗
zen Zotalbabitus, Schnabelbildung, Textur und Färbung des
Gefieder! nirgends. anders geftellt «werden koͤnnen, als zwifchen
Nauclerus et Elanus, und daß fie von dieſen ſich nur haupt:
faͤchlich durch die hohen Tatſen mit kurzen Zehen unterfcheiden.
Die Verwandtſchaft mit Milvus wird durch die Rohrweihen, Cir-
eus Bon. bedingt.
In den ſcheinbar for groben Fehler, den Vieillot beging,
daß er nach Befchwibungen ‚den Elanus axillaris zu einem
Circus macht, konnte jeder Ornitholog verfallen, wenn er in
der Driginalbefchreibung. die Höhe. der: fein gefchuppten Tarſen
uſw. nicht angegeben findet.
Nach dem Daͤmmerungsleben die Cirei an die Strigidae zu
reihen iſt ebenfalls einſeitig, denn rs gibt Formen der Strigi-
dae, die Tagvögel find und bey den Falken finden fich Formen,
wie Erythropus ‚ die Hypotrierchis- Arten , ‚die ebenfalls bis
fpät in den Abend ihr Weſen treiben.
Die Neigung bis fpät in den Abend hinein nah Raub zu
flogen, wird bey genauer Beobachtung im Feiner Subfamilie mehr
auftreten, als in der Zten Subfamilie Milvinae und zwar ‚aus
dem einfachen Grunde, weil fie als Subfamilie die 2, Familie
Strigidae repräfentiven. Mir fehen eine Neigung zum Däm-
‚merungsleben bey Subgenera von gut beobachteten Genera, wie
key den Erythropus; der Tinnuneulus- Arten und bey den Hy-
potriorchis der Faleones, die ebenfalls den wahren Vogeltnpus
darftellen und wie die ‚Strigidae den 9. Rang einnehmen. Wür-
den wir die Lebensart von allen Genera fo gut fennen, als die
der zwey genannten-Öenera, fo würde fich diefe Neigung bey
allen Subgenera mehr oder weniger deutlich finden, die den 2.
Rang einnehmen.
Kommen wir auf die Subgenera der Circi zuruͤck, fo wiffen
mir von den drey Gruppen Strigieeps, Glaucopteryx et Cir-
eus, daß fie im Changement des Kleides und der Lebensart fich
weſentlich unterfiheiden. Mach dieſer koͤnnen wie mit Sitherheit
fchließen, daß Spizaeircus et Spilocirens #benfalls in die:
fer Lebensart (natürli) nur als Subgenera) verfchieden find.
So wird. ein» feiner Beobachter finden, dag Spilocircus jardi-
nii Gould. mit den Eürzern Flügeln, ſehr hoher Tibia, hohen
— —
92
Zarfen und kurzen Zehen ein’ befferer Käufer’ ats Flieger ift und
daß er Amphibien aller andern Nahrung vorzieht. In diefem
Subgeuus tritt der deutlichfte Schleyer auf, der dazu mit den
ne eine von der Kopf- und Kehlfarbe abſtechende Firbung
ut.
Vergleihen [wir die Charactere der Subgenera von Nisus,
2. Genus: der. 3. Familie Aceipitrinae; fo werden "wir mit
Erftaunen fehen, daß die fich einander entfprechenden Subgenera
dieſes Genus‘ mit ‚denen. von Circus, ganz ‘gleiche Charactere
an den Flügeln mit: einander gemein‘ haben.
So hat Strigiceps und Hicraspiza die 4. bis 5. Schwinge,
Glaucopteryx und Tachyspiza die 2.— 4, Seelospiza mit
Spilocireus die 2. bis 5. Schwinge, Spizacireus mit Nisus
die 2. — 6. und ‚Circus mit Urospiza die ,— 5. Schwinge
ausgefchnitten, mit einander gemein. Bey beiden legten Sub—
genera fommt der kängfte und ftärffte Schnabel vor.
Die analoge Verwandtſchaft, die zwifchen Nisus et Circus
herrſcht, iſt bereits von mehreren Dxnithologen hervorgehoben,
allein ſtets falſch fuͤr Syſtematik benust worden. Cireus ftellt
den Sperbertypus als Genus vor, während Nisus den name
lichen Typus als einen Theil der Subfamilie Aceipitrinae re-
präfentiet, Ferner Aft ‚Nisus, als Genus der Repraͤſentant
der Subfamilie Milvinae d. h. er ftellt den Vogeltypus vor.
Um alle: diefe Feinheiten jedoch begreifen zu Eönnen, iſt ein
firenges Studium nöthig.
Dem Gluͤcklichen, dem jeden‘ Tag die Mehrzahl der Falken
zur Unterfuchung zu Gebote ſteht, ift dieß ein Leichteres, als
dem, der die Facta erft auf Reifen zufammentragen muß, und
der Zantalusqualen leidet, wenn er ein neu aufgefundenes Ge:
feg nicht gleich an allen vorhandenen Formen prüfen: kann.
Nach diefer Abſchweifung kommen wir zur Characterifierung
der einzelnen Arten der Subgenera.
1. Subgenus. Wahre Weihe — Strigiceps. Bonap.
Diagnofe. berflügel meift länger oder gleichlang als
die Flügelfpige, welche fait das Ende des Schwanzes erreicht.
Zweyte bis 5. Schwinge an der Innenfahne ausgefhnitten.
Schnabel ſchwach von der Wurzel an gebogen.
Bey den Männchen herrſcht meift ein afchblaugraues, felten
ſchwarzes Gefieder vor. Mach der erften Maufer erhalten die
Arten ihr ftändiges Kleid.
Die Schwingen der Männchen find an der Wurzel yon In—
nen gefehen weiß und bilden einen weißen Spiegel; nuch der
Spitze zu find fie einfarbig ſchwarz.
Die Weibchen find mehr roftfarbig und ſchwarzbraun von
oben, und an den untern Theile mehr weißlic” mit braunen
Längsfleden. Flügel und Schwanz fehr deutlidy gebändert. Die
jungen Wögel fehen dem Meibchen fehr ähnlich.
Sie niften auf dag Trockene ing hohe Gras, in Kornfelder
und bauen ihr Neft nie ing Feuchte, fo daß es beynahe ſchwimmt,
wie es bey den eigentlihen Nohrweihen der Fall ift.
Da bis jest nicht alle Arten nach ihrem Kleiderwechfel und
wie ſich "Männchen und Weibchen unterfcheiden, ganz genau
ftudiert find, fo iſt es ſchwierig nach der Farbe Diagnofen zu
geben. Ich gebe fie einftweilen nad) den Männchen.
t) Der gemeine Weib — Circus eyaneus, Linn.
Naum. t. Falco cyaneus Z. und die neuern Autoren.,
nliginosus Gmel. Wits. t. 51. 2. (juv.) Hudsonius,
L. Bon. Am. Orn, t. 8. (ad.), eyropogistus Daud.
93 —
Vieill. Ois. d’Am. t. 8. Circus eyaneus (?) var? ame-
rieanus, Sw. et Rich. t. 29.
Diag. Aſchgrau mit rein weißen. obern Schwanzdedfebern.
Unterbruſt, Bauch, Hofen und untere Schwanzdedfedern weiß,
mit Außerft fhwahen Spuren von Bändern auf der Unterbruft
bey manchen Individuen.
Befhreib. Das alte Männchen hat die Fluͤgel weniger lang
als melanoleucus und länger ald acoli, auc find die Tarſen
kuͤrzer als bey diefen und bey maurus. An Größe übertrifft es
melanoceus und acoli, allein fteht den cinereus und maurus
hierin nach.
Es ift von oben aſchgrau mit weißlichee Stirn und ſchwar—
zen Borften auf dem Zügel.
Um die Augen lichter. Dbere Schmanzdedfedern rein. weiß.
Im Nacken an der Wurzel weißer, can der Spike bräunlicher
Fled. Kehle, Hals und Kropfgenend hellafchgrau, wie die obern
Theile. Alte übrigen untern Zheile weiß. Selten zeigt die Un—
terbruft ſchwach roftrothe Bänder, die Naumann läugnet,
allein an vielen Eremplaren aus dem Süden von Europa zu
fehen find. Schwingen 2. Drdnung mit lichtee Borde und von
Sinnen gefehen mit dunklerem Endbande. Schwanz aber mit
afchgrauem unten mit hellroftgelblichem Anflug. Die drey äußern
mit faft weißen Außenfahnen, die folgenden mit afchgrauen Bor-
den; die mittlere einfarbig aſchgrau. Die 1. bis zur 5. jeder
Seite mit 6— 8 ziemlich deutlichen. zadigen Binden , die am
deutlichften auf. der Innenfahne find: Auf der untern Seite
des Schwanzes leuchten die Bänder nur ſchwach durd Die
Deckfedern der Schultern mit rußfarbigem Anflug. "Die 10bis
7. Schwinge ſchwarz, die folgenden aſchgrau. Die Schwinge
2. Ordnung an den Innenfahnen groͤßtentheils weiß mit ſchwaͤrz⸗
lihen Bändern,
Zumeilen leuchtet das dunkle Endband auf der untern Seite
der Schwingen 2. Ordnung dur, wodurch noch eine Spur
von einer roftbräunlichem Binde: vor den weißlihen Saum ent=
eht.
j Altes Weibchen. Es unterfcheidet ſich nicht allein durch feine
bedeutendere Größe, als auch durch eine total verfchiedene Faͤr—
bung. Es ift von obenher dunfelbraun.. Scheitelimit [hwarzbraun
roſtgelb gefanteten Federn. Stirn, Zügel, ein. Streifen über dem
Auge und um die Augen weiß mit grau gemifcht. Zuͤgel mit
fhwarzen Borſtfedern. Wange und. Ohrfedern fchwarzbraun
mit lichtgrauen oder voftröthlichen -zerfchliffenen Raͤndern. Der
Schleyer ift weiß voftröthlich. angeflogen mit gleich breiten ſchwarz—
braunen Schaftfleden. Die Nadenfedern find, an der untern
Hälfte weiß, an der Spige mit fhwarzbraunen Scaftfleden
und gelbröthlich angeflogenen Rändern. Die hintern Halsfedern
find an der Wurzel grau, an der Spige wie die Nadenfedern,
alle viel größer gefleckt. Der Oberruͤcken dunkelbraun mit ein:
zelnen lichten roftbraunlichen Federraͤndern. Der Unterrüden lich-
terumd die obern Schwanzdedfedern weiß mit einzelnen ‚braunen
ſchmalen Schaftftreifen und Fleden an der Spike, Die Schul-
terdeckfedern wie der Oberrücken gefärbt, nad) dem Fluͤgel hin mit
einzelnen weißen ‚oder. röthlichgelben Flecken. Die Eleinern Deck—
Federn des Flügels und die Deckfedern der Schwingen mit ähn-
lichen Fleden. auf beiden Bahnen. Die Schwingen 2. Ordnung
mit drey breiten ſchwarzen Binden, die an den verdedten Federn
am bdeutlichften find. Die fogenannten Daumenfedern und die
Schwingendeckfedern mit dreiten fchmwarzbraunen Binden. Die
Schwingen felbit haben ſchwarze Enden: und außerdem 5 —6
Binden. Die 24 bis 64 Schwingen haben an den Aukenfah:
x
94
nen im ben lichtern ' Stellen 'zteifchen den Binden ſilbergrau;
ebenfo die Federn des Daumens und die Deckfedern der Schwingen,
Von innen ift der Flügel ſehr fchön gefärbt, indem die fchwarz
zen Binden auf dem faft weißen Grund fehr deutlich abftechen,
nah oben find die Binden marmorirt. Achfelfedern weiß mit
vielen großen braunen Fleden.
Der Schwanz ift an der Wurzel weiß, fonft grau mit 5—6
fhwarzbraunen breiten Binden und weißer Bordure an den Spigen.
Un der Auferen Schwanzfeder zeigt die Außenfahne die dunkeln
Duerbänder unregelmäßig und verbleiht und die hellen Quer:
bänder zeigen ‚wie die 5 aͤußeren einen: röthlichgelben Anflug.
Die Bruft zeigt auf weißem Grund- große Tanzenformige
fhwarzbraune Fleden. Die Federn der’ Hofen find weiß und,
haben geigenförmige licht rothbraͤunliche Schaftfleden. Die un:
tern Deckfedern haben durch den ſchmalen Schaftftreifen anein=
ander hängende große pfeilförmige Flecken.
Der junge Vogel gleicht dem Weibchen, allein mit Ikamabie
der obern Schwanzdedfedern ift alles weiß, heil und dunkelcoft-
roth angeflogen , die weißen oder röthlichen Flecken auf dem Ober:
flügel fehlen, dagegen jind die Federn ſchoͤn roftgelb, jedoch
fehr unregelmäßig bordiert. Die Schwingen 2. Ordnung find
fhwarzbraun und zeigen Feine deutlichen Binden. Die Hofen
zeigen ſchmale Schaftftrihe. Die hellen Schwanzbinden find
mehr roſtgelb.
Das junge Weibchen unterſcheidet ſich vom jungen Maͤnnchen
durch die bedeutenderen Dimenſionen.
Die Farben der Jugendkleider verbleichen ſehr und ſehen, bevor
das Männchen das graue Kleid erhält, ſehr unanſehnlich faft
lehmfarbig aus.
Der americanifche eyaneus, der) über ganz Nordamerica ver:
breitet ift und welchen die Autoren bald zu eyanus zogen, bald
als eigene Art betrachteten , ift von dem des alten Gontinents zu
wenig abweichend, als daß man. eine felbftftändige Art aus ihm
bilden Eönnte.
Das Männchen, welhes Bonaparte, Audubon und die
Fauna borealis abgebildet haben, unterfcheidet fih in Nichts von
dem europaͤiſchen.
Das Weibchen unterfcheidet ſich ebenfalls unbebeitend; ih
werde die ſchwachen Unterfchiede in meinem geößern Werke ſpaͤ—
ter geben.
Dieſe Art wandert aus den kaͤltern Laͤndern im Winter in
wärmere nnd ſcheint auch uͤber einen großen — des alten
Continents verbreitet zu ſeyn.
Dimenſionen mas. fem fem. juv.
Kopf co — 68 — 65
Schnabel a — 19 — 18
Mundwinkel 28-29 — 34 — 532
Oberfluͤgel 180-194 — 210 — 210
Fluͤgelſpitze 150-162 — 165 — 165
Tarſe 67 — TH 98
Mittelzehe 27-29 2 3512032
210-215 — 224 — 230
214-227 — 234 — 245
2) Rangflügeliger Weib — Circus melanolencus,
Gmel., Lath., Vieill. Le-tchoug. Vaill. Ois. d’Afr.
32. Proceed. #1. p- 115. t. VII. p: 154. Ind. Zool.
IV. t. 2.
Diagn. Kopf, Rüden, ein Theil der Flügel, air
und Kropfgegend ſchwarz.
1. Schwanjf.
6. —
097
Befhreib. Das alte Männchen ift zierlicher geftaltet als
‚eyaneus und hat eine längere Flügelfpige als die fämmtlihen
Arten. Die Zarfen find höher ald bey cyaneus. Sie reptä=
fentirt das 2. Subgenus Glaucopteryx.
Bon oben ſchwarz mit weißer oberer Schwanzdede und weißer
MWurzelhälfte der Hinterhauptsfedern. Dberflügel filberafchgrau ;
am Bug faft weiß. Ueber die Mitte des Eleinen Gefieders ein
ſchwarzer Streifen, der ſich mit den fchwarzen legten Federn
der Schwinge 2. Ordnung verbindet. Das Gefieder des Ober:
flügels erſcheint mehr gefilzt als bey irgend einer andern Art,
Von unten verbindet fih dag Schwarz vom Kinn bis über
die Kopfgegend. Unterbruft und alle übrigen untern Theile
blendend weiß.
Schwanz von oben filbergrau, von unten weißlih. Längs
den nufbraunen Schüften der obern Seite der Schwanzfedern
‚zeigen ſich ſchwarze eyrunde Fleden, die anzeigen, daß der junge
Vogel einen gebänderten Schwanz hat.
Latham befchreibt das Weibchen wie folgt: Das Weibchen
ift größer; feine Hauptfarbe ift filbergrau; can den Dedfedern
ber Flügel drey runde ſchwarze Flecken und drey andere an den
Schwingen 2. Ordnung. Seite des Bauchs, der Schenkel und
der Steige weiß mit braunröthlichen Querftreifen.
Nach einer Notiz des MElelland in den Proceed. t. VII.
p- 145. fängt er auch Fiſche.
Er ift gemein in Oſtindien; idy habe noch Fein Weibdyen,
allein fehr viele Männchen gefehen.
3) Der Eurzflügelige Weih — Circus Acoli, Vaill.
Vaill. ois. d’Afr. t.33. A. Smith. Zool. of Sud Afr.
Die Flügelfpige erreicht nur die Hälfte des
Unterbruft und die übrigen untern Theile roftroth
Auf dem Eleinen Gefieder mit verſteckten meißen
Diagnofe.
Schwanzes.
gebändert.
Binden.
Befhreib. L Es ift Eleiner und zierlicher ald cyaneus
und hat längere Zarfen. Won oben wie cyaneus gefärbt, allein
die obere Schwanzdede hat roftrothe Bänder. Bon unten ift
die Kehle bis unter die Kropfgegend wie die obern Theile ge:
färbt. Alle übrigen untern Theile weiß mit roſtrothen Bändern,
die 3—6 mm. breit find. Das Eleine Gefieder nächft den
Schwingen 2. Ordnung und die längeren Schulterdedfedern mit
weißen verſteckten Binden.
Die Schwingen 2. Ordnung mit dunkler Endbinde, weißer
Borde und an den Innenfahnen auf dem grauen Theil naͤchſt
dem Schafte mit ſchwatzen, weit abſtehenden Baͤndern.
Der Schwanz iſt von oben aſchgrau mit weißer Borde und
breiter ſchwarzer Endbinde. Bey ausgebreitetem Schwanz 5-6
ſchwarze Binden, die fich über beide Fahnen erſtrecken. Die
* Schwanzfeder iſt faſt weiß mit mehr roſtroth gefleckten
inden.
Sch kenne nicht das Weibchen. Dieſe Art tepräfentirt das
3. Subgenus Spiloeircus und zwar durch die Fürzeren Flügel
und fehr langen fehwarzen Zarfen; auch in der Färbung ähnelt
fie Circus jardinii.
Das Baterland ift Südafrica. In Sammlungen bis jest
Außerft felten. Die biefige Sammlung erhielt, ein, männliches
Exemplar von H. v. Ludwig.
Dimenfionen.
Kopf 55 Mundwinkel 29
Schnabel 15} Dberflügel 169
Iſis 1847. Heft 2.
98
Flügelfpige 141 Mittelzehe 32
Tarſe 7 Schwanz 197
Dur Eurze Flügel, hohe Tarſen, gebändertes Kleid ftellt
diefe Art den Sperbertypus in ihrem Subgenus vor, wie die
vorige durch lange Flügelfpige den Meihentppus.
4) Azaras Weih — Circus histrionicus, Quoy et Gai-
mard Voy. de l’Ur. Ois. t. 15 et 16. Circus cine-
reus*, Vieill. Enc. p. 1213. Azara 32.
Diagn. Die Flügel gebändert. }
Befhreibung. A Obere Theile hellafhgrau mit einzelen
weißen Sieden auf dem £leinern Gefieder der Flügel. Flügel ges
bändert. Schwingen 2. Ordnung mit fehwarzen weißbordirten
Endbinden. Kropfgegend weiß mit afchgrauen, roftrothtingirten
Querbändern. Alle übrigen untern Theile mit breiten roftrothen
Duerbändern. Schwanz wie bey eyaneus gefärbt, nie zeigt
derfelbe eine Breite, weiß bordierte Endbinde.
2 Dhen ſchwarzbraun; im Naden mit weißen Federn, die
an der Spige roftgelblich gerändert und weißlich gefledt find.
Ueber und unter dem Auge ein roftgelblich weißer Streifen.
Schleyer ſchwarzbraun an den Rändern roftgelb oder weiß. Alle
untern Theile braun oder roftroth mit 1—4 meißen oder roft=
gelblihen Binden, die nicht ganz bis zum Schafte gehen. Die
Eleineren Dedfedern des Flügels filberafhgrau mit ſchwarzen
Duerbinden und honiggelben Scäften. Von Innen ift der
Flügel an den Eleinen Dedfedern weißlich mit roftrothen Pfeil-
fleden. Die Schwingen find von Innen gefehen weiß mit
gelblihem oder blaufihem Anflug und 5—6 fdymalen, etwas
unregelmäßigen Binden.
Die äußeren Schwanzfedern roftgelb mit afchgrauem Anflug,
die mittleren aſchgrau. Alle mit 6 breiten ſchwaͤrzlichen oder
rothbraunen Binden, von welchen die breitere Endbinde meiß
eingefaßt ift. Diefe Art repräfentirt Spizacircus (macropte-
rus), der gleiches Vaterland mit ihr hat.
Dimenfionen mas. _ fem.
Kopf 58 — 60 Frluͤgelſpitze 143 — 159
Schnabel 15 — 18 Tarſe 62-63 — 69
Mundmwinfel 27 — 31 Mitteljehe 80 — 35
Oberfluͤgel 170 — 194 Schwan; 194 — 230-235
Sein Vaterland iſt der Suͤden von Amerika.
5) Schwarzer Weih — Circus maurus Temm. Falco
maurus pl. col. 461. (2), A. Smith. S. Afr. Zool.
t. 58. (Qjuv.) olim Lalandi, A. Smith S. Afr. Quart
Journ. V.1.p.338. Circus ater**, Vieill. Ene. p.1215.
Diagn. Schmwarzbraun oder ſchwarz.
Befhreib. LC. Scmwarzbraun mit blaugrauem Anflug.
Die Hauptſchwingen mit aſchgrauen Außenfahnen. Schwingen
2. Drbnung fchiefergrau mit ſchwarzer Endbinde; an den In
nenfahnen größtentheild: weiß und nach den Schäften hin mit
3 — 4 ſchwarzen Querbinden, die an den leiten Federn ber 2.
* Mir haben bereits einen Circatus cinereus, weßhalb ih den’
jüngern Namen histrionieus vorziehe.
* Der Name .ater ift der ältere, allein da wir einen Milvus ater
haben, fo zog ic) den obigen Namen vor. Außerdem ift Vieillots
Diagnofe und Beſchreibung fehr ſchlecht, daß er faum danach zu er—
Eennen ift.
1
99
Ordnung ſich über beide Fahnen erftreden. Innere Achfelfedern
und die Schwingen find an der Wurzel weiß, leßtere vor dem
Ausfhnitte blaugrau, gewölft, mit einem Anflug von Braun.
Die Ränder der Fahnen und die Spigen dunkler. Dbere Schwanz:
deckfedern weiß mit ſchmalen ſchwarzen Schaftfleden.
Der Schwanz ift oben mit einer ſchmaͤlern, in der Mitte
mit zwey breiten und am Ende mit einer noch breiteren weiß
‚gefäumten Endbinde verfehen. Von unten ift er gelblichweiß
und abftechender gebändert. Auf den langen Seitenfedern, an
den Hofen und der untern Schwangdede fieht man zumeilen
einzelne weiße Binden und Federränder.
Das Weibchen ift bedeutend größer und mehr ſchwarzbraun.
Die Bänder der Blügelfedern 2. Ord., fo wie die des Schwan:
zes find unregelmäßig.
Das Weibchen pl. col. 451. zeigt 5 Binden auf dem Schwanze
und die Außenfahnen der Schwanzfeder weiß.
Der junge mweiblihe Vogel (A. Smith pl. 58.) ift oben
vöthlihbraun mit roftothen Federrändern; unten weiß mit dunke—
ten Schaftftrihen. Naden weiß und braun, bunte Schwingen
an der Wurzel der Snnenfahnen, gebändert.
Dimenfionen: mas. fem,
Kopf 65 — 67 Fluͤgelſpitze 141 — 156
Schnabel 18 — 20 Tarſe 70. — 75
Mundwinkel 32 — 33 Mittelzehe 29. — 32
Dberflügel 196 — 210 Schwanz 233 — 1238
Die größte Art, welche die wahren Cirei darſtellt, lebt am
Gap, wo fie zuerſt Vaillant entdedte und unterſchied.
2. Subgenus. Flugfperberweih — Glaucopleryx Kaup.
Diagnofe. Die fehr kurzen Schwingen 2. Did. (Ober:
flügel) laffen den größten Theil, der Hauptſchwingen unbededt,
welche den Schwanz überragen. Zweyte bis 4. Schmwinge an
der. Innenfahne ausgefchnitten.
Befhreibung. Sie ‚gleihen den vorigen, allein haben
einen abweichenden Flügelbau.. Im Changement bes Kleides
weichen fie von allen ab, indem das junge Männchen im 2.
Jahr ein Kleid trägt, das fo wenig dem Kleid des alten als
jungen Vogel gleicht. Sie find bis jegt noch nicht genau genug
in der Kebensart ftudiert, um die feinen Unterfchiede in der Le—
bensart anzugeben.
6) Der Wiefen= $lugfperbermeih — Circus cinera-
scens, Mont. Linn. Trans. IX. 188. Falco cinera-
scens Mont. Naum. t. 40. Altes Männchen, junges
Meibhen, junges Männchen im 2. Jahr (vortrefflid).
Circus montagui, Vicill. Gal. pl. 13. (ſchlecht).
- Diagn. Das Männchen mit einer ſchwarzen Binde ber
die Mitte der Schwingen 2. Ordnung.
Beſchreib. Altes Männchen. Afchgraublau mit dunkleren
Federrändern auf dem Kopf, Hinterhals, Oberrüden und Schul:
terfedern. Schwingen 2. Ord. an lichteften in der Mitte mit
einer breiten ſchwarzen Binde, die * über die 9 exrften erſtrecket.
Schwingen ſchwaͤrzlich. Die 4-7. faft ſchwarz mit lichter ge:
färbten Spitzen.
Unterbruft, Seiten, und die untern Dedfedern des Flügels
weiß, roſtroth längs dem Schafte gefledt. Die legten .obern
Schwanzdeckfedern weiß mit hellafchgrauen Borden; die untren
Schwanzdeckfedern weiß mit rofteothen Schaftfleden. An der
untern Anficht des Flügels find die Eleinern Schulterfedern weiß,
die längern breit ſchwarz lange dem Schafte gefledt. Die 2.
100
Schwinge ift an ber Murzel weiß marmorirt, die übrigen find
bis zur 6. ſchwarz; die 7. ift marmorict und die folgenden zeis
gen, 3 fhwärzliche. Binden.
Der Schwanz ift von oben aſchgrau, von unten weiß mit
5 verlofchenen Binden. Ausgebreitet zeigt der Schwanz auf der
1. und 2. roſtrothe Binden auf weißem Grunde, der allmählich
grau. wird; nach der, Mitte hin merden die Bänder ſchwarz.
Die mittleren Federn wie gewöhnlich einfarbig afchgran.
Weibchen. Dben mehr mäufefahl und weiß, fonft dem
Kleid des jungen Männchens Ähnlidy, welches: diefes im 2. Sahr
erhält,
Junges Männchen im: 2. Jahr. Stirn, Augengegend und
Kehle weiß, der Schleyer weiß und grau gefledt.. Wangen 'rofts
röthlich, hinten graulich, "braun: geftreift, Der ganze Unterleib
weiß, am Ktopfe mit, grauem und roftgelbem Anflug und einzel:
nen braunen Schaftftrichen. Sonft und an den übrigen Theilen
der Seiten und des Afters mit verwiſchten dunkelroſtgelben Flecken
an den Spigen der dunfelgefchafteten Federn. Scheitel vöthlich
grau, an den Seiten hellroſtfarbig; dunkelbraun längs dem Schafte
geftreift. Hinterhals, Rüden, Steiß, Schultern und Fluͤ—
geldeckfedern bräunlichgran ins vöthliche gehend. Kleinere Federn
des Flügel! mit woftfarbigen Nändern. Dbere Schwanzdedfe:
dern weiß mit. dunfelgrauem Endflede. Die beiden mittleren
Schwanzfedern braͤunlich aſchgrau mit 7 undeutlichen. Binden.
Das junge Männchen im erſten Jahr iſt von oben roſtfar—
big dunkelbraun ſchwach gefleckt. Kinn und Stirn roͤthlich weiß,
Wangen dunkelbraun. Schleyer undeutlich roſtfarbig, braun
gefleckt, nach vorn hellroſtfarbig wie alle untern Theile gefaͤrbt.
Ruͤcken und Flügel dunkelbraun mit halbmondfoͤrmigen Endfäus
men. Schwingen der 2. Ord. fhwargbraun mit -lichteren Nanz
dern. Hauptfhwingen fohwarzgrau, am Ende ſchwarz mit ver-
lofchenen ſchwarzen Querbinden.
Von unten zeigt der Fluͤgel die kleinen Deckfedern roſtfarbig,
die Schwingen an der Innenfahne weiß, ſchwarz gebaͤndert und
marmorirt und mit ſchwarzen Spitzen.
Der Schwanz iſt dunkelbraun, aſchgrau uͤberpudert mit 4
ſchwarzen Querbinden und roſtfarbigem Saum. Von unten iſt
der Schwanz roͤthlichweiß mit durchſchimmernden Binden.
eu junge Weibchen ‚gleicht dem Männden. . |
Schlegel gibt die feltene ſchwarze Varietaͤt, die wahrſchein⸗
lich bey allen Arten vorkommt, da Aikle Farbe - ‚bey maurus
Normalfarbe ift.
Diefe Urt, erfeßt in einigen Gegenden ee wo dieſe Art,
wie in Holland, nie vorkommt; in den Nheingegenden ift fie
feltener als der Kornmweih. Außer Europa fommt fie in Aſien
und Africa vor, wo fie fiher im Winter von Europa aus .hins
zieht. In America kommt ſie jedoch nicht vor und dieſe An:
gabe mag auf Verwechslung mit cyaneus et-cinereus beruhen.
Die Eyer, wobey ein Maͤnnchen erlegt wurde, befinden. fich
in der hieſigen Sammlung. |
Die Lebensart. ftimmt im. Allgemeinen mit, ber non eyaneus
überein; bey feinerer Beobachtung werden ſich jedoch Abweichun⸗
gen ergeben, die fie als der Typus eines eigenen et
wefentlich ‚unterfcheidet.
7) Der einfarbige Flug: Sperberweih — Circus
pallidus, Sykes. Proc. 11. 80. 1830. Circus Swain-
sonii*, A. Smith Ill. of S. Afr, t. 43—44. Altes,
* Mir Haben bereits einen Elanus (Gampsonyx) Swain-
sonii Vig.
101
mittelaltes Männchen, junges Weibchen. Circus dalma-
tinus Rüppell Mus. Senk, Vol. II. 1837.
Diagn. Das Maͤnnchen hat eine Binde auf den Schwin-
gen 2. Drdnung.
Altes Männchen. Oben hell afchgraulich, ohne Binden auf
den Schwingen 2. Ordnung. Stirn, ein Streifen Über den
Auge und Wangen; faft weißlich. Alle untern Theile weiß mit
grauem Anflug auf der Bruft, Fluͤgel wie der Rüden gefärbt.
Die 2. und. 3. Schwinge mit durchaus grauer Aufenfahne;
an der. 4. ift der Theil unterhalb des Ausfchnittes ſchwarzbraun;
ben der 5. erſtreckt ſich dieſe Farbe weiter. nad) oben. und die
6. und. 7. ift an. der ganzen Außenfahne ſchwarz.
Von Innen zeigt: der Flügel die kleineren Dedfebern meiß
mit. aſchgrauen Spigen, an den längften Dedfedern. , Die
2. Schwinge ift vor dem. Ausfchnitte filbergrau, die 3. falt bis
zum Ausfhnitte weiß, die, folgenden haben weiße Ränder an
der filbergrauen Innenfahne. Die Schwingen 2. Did. haben
faft ganz weiße Innenfahnen. Auf dem von unten gelblich—
‚ weißen Schwanz erfennt man auf der aͤußeren Schwanzfeder
an 6 ‚unregelmäßig dunfelgraue Binden. Von oben. iff. der
Schwanz aſchgrau und nur. Die zwey Außeren Federn haben
‚weiße Außenfahnen ,, welche Bänder wahrnehmen. laffen. Die
Außeren obern Schiwanzdedfedern find weiß. gebändert.
-- Die übrigen Kleider hat A. Smith befchrieben.
Sie ift über Afrika und Afien verbreitet und niftet mwahrfchein:
li auch in Dalmatien. .
“Herr Schlegel betrachtet fie als Raçe der vorigen, was
nicht der Fall ift. Hätte diefer Drnitholog diefe beiden For:
men als Typen eines eigenen Subgenus erkannt, fo würde er
nicht auf diefe irrige Anficht gefommen feyn.
Diefe Fehler haben ſich ſchon Früher Drnithologen zu Schul:
den fommen laffen, bie ſämmtlich fein unterfchiedene Arten eines
Subgenus als. Varietäten einer einzigen Form aufgeführt haben,
die ihnen am beiten. bekannt: war.
Ein ſolches unnatürliches Reduciren der Arten hat glüdlicher
Meife Feine allgemeine Geltung gefunden.
Die Männchen‘ beider Arten find in ihren Dimenfionen we:
nig unterfchieden, wie ein. Vergleich lehrt.
" Dimenfionen: Circus cinerascens — pallidus.
Kopf 55—56 — 658
Schnabel 15 — 16
Mundwinkel 28 — 29
Dberflügel 173 — 1%
Fluͤgelſpitze 202 — 195
Tarſe 57—60 — 67
Mittelzehe 28-30 — 30%
Schwanz 220—222 — 215
3. Subgenus. Bahafperber-Weih — Spilocircus Kp.
Diagn. Mit fehr langer Tibia und Fußwurzel. Oberflügel
bedeutend länger als die Flügelfpige, welche nur die Hälfte des
Schwanzes überragt. Iwepte bis 5. Schwinge an der Innen—
fahne ausgeſchnitten. Das kleine Gefieder: weißgetüpfelt,
Befhreib. Die eine Art, die man dis jetzt kennt, zeigt
Analogie durch den getüpfelten Unterforper mit dem Bacha, die
ebenfalls als Subgenus bey Circaetus den 3. Nang einnehmen.
Bey näherer Beobachtung wird es fich herausftellen, daß er
Amphibien aller übrigen Nahrung vorzieht und daß er ber befte
und fchnellfte Läufer in feinem Genus iſt.
102
Mie wichtig es ift, eine Form richtig. als Subgenus und wo—
möglich als Art zu ftellen, fieht man ſehr deutlich an diefer Art.
Hätte Gould diefe Schlüffe vor mir gemacht, fo wüßten wir
mehr, wodurch ſich diefe Art in der Lebensart unterfcheidet.
Merten die von mir aufgefundenen Gefege richtig in der Fol:
gezeit auf alle Familien angewendet, fo wird der Zoolog
von feinem Mufeum aus dem Reifenden oder diefer
ſich ſelbſt, die Fingerzeige zu geben haben, auf was
diefer fein Augenmerk zu richten oder niht zu rich—
ten hat. Welche Erleichterung für den Beobach—
ter!! Bis jetzt hat felbft Naumann Eeine wefentlichen Züge
aufgefunden, wodurd) ſich eyaneus in der Lebensart von cine-
raceus unterfiheidet, obgleich. diefe da ſeyn müffen, da der Fluͤ—
gelbau fo verfhieden und beide Formen fo total
verfhiedene Örundformen darftellen.
Mird diefe Werfchiedenheit der Lebensart ermittelt, werden
die Luͤcken ausgefültt, die ich angegeben habe; fo wird dieß für
die Zukunft den beten Beweis abgeben, daß ich. nicht vergeblich
diefe Monographien gefchrieben. habe. :
8) Sardines Bahafperberweib — Circus Jardinii
Gould. Gould, Austr. Birds X. 3.
Diagn. Mit roſtrothem, weißgetüpfeltem Unterkörper.
Beſchreib. Altes Männchen. An Körpergröße gleicht fie
dem Rohrweih, allein fie ift fchlanfer und die hohen Beine und
der lange Schwanz laffen fie noch größer erfcheinen. Sie ift
der längfte Weih. Der Kopf, Kinn und Wangen toftroth;
erfterer mit ſchwatzen Schaftfleden. Hals, Seiten des Kropfes,
Schleyer und Rüden afchgrau mit dunkleren verwafchenen Schaft:
flecken und Federrändern. Alle übrigen untern Theile roſtroth,
bier und. da aſchgrau überlaufen, mit unzähligen runden weißen
Flecken, die fih auf der untern und obern Schwanzdede und
den längften Seitenfedern bandartig geftalten. Die weißen Tropfen
oder Bänder find zuweilen afhgrau eingefaßt. Die Eleinen Ded=
federn’ des innern Flügels und der Flügelrand lebhaft roſtroth;
erftere weiß gebändert ‚ letztere mit weißen Kanten. Die langen
inneren Dedfedern hellafchgrau mit’ weißer Einfaffung und weißen
nicht bis zum Schafte gehende Binden.
Don Außen ift der Flügel aſchgrau, alle Eleinern Federn mit
dunfleren Binden und weißem Saum. Die Schwingen 2.
Ordnung afchgran, durchaus gebändert mit breiter ſchwarzer End»
binde, der leicht gefaumt ift.
Die Schwingen felbft find ſchwarz; die 2—6. von innen vor
den Ausfchnitten roftgelblih, ſchwaͤtrzlich marmorirt; die folgenden
mehr aſchgrau mit fehmalen fehwarzen Binden und mit einer
breiten ſchwarzen Endbinde.
Der Schwanz ift von oben afchgrau mit bräunlichem Anflug.
Ueber ſaͤmmtliche Federn erftreden ſich 6 breite etwas pfeilfoͤr—
mige fhwarze Vinden. "Die breitere Endbinde mit weißem
Saume. Won unten find die hellen Binden unregelmäßig und
weiß und haben namentlidy auf der feitlichften zuweilen einem
roftgelblichen Anflug.
Bey den Meibchen ift das Roftroth weniger lebhaft und der
Scheitel ift mehr rofibraun mit feharfen grauen Schaftfleden.
Bey einem jungen Männchen ift der Rüden mehr braun und
die Federn der untern Theile find mehr braunlich mit weißen
Borden und weißen Längsfchaftfleden. Die mittleren und
äußeren Schwanzfedern, die noch nicht gemwechfelt find, haben
8 Binden. |
10 3 nn
Dis Augen find wie die Wahshaut und Füße gelb. Die
Zarfen haben an 19— 20 Schilder.
Dimenfionen mas. mas. juyv. ſem.
Kopf 65 — 6 — 7
Schnabel 20 — 19 — 22
Mundwinkel 33 — 33 — 39
Oberfluͤgel 215 — 216 — 242
Fluͤgelſpitze 187 — 172 — 199
Tarſe 90 — 89 — 9
Mittelzehe 36 — 34 — 43
Schwanz 255..— 236 — 272
Das Vaterland dieſer ſchoͤnſten der Weihen iſt Neuholland.
Sie naͤhrt ſich nach Gould von Eidechſen, Schlangen, kleinen
Vögeln und Saͤugethieren. Das Neſt blieb dieſem Zoologen
unbekannt.
4. Subgenus. Aarſperberweih — Spizacircus, Kaup.
Diagnofe. Dberflügel fehr lang, bedeutend länger als die
fäbelförmig gekruͤmmte Flügel'pige, welche den Schwanz überragt.
Zweyte bis 6. Schwinge an der Innenfahne ausgefhnitten.
Der Scyleyer ift wie bey Glaucopteryx undeutlich. Tarſen
ſehr hoch.
Diefes Subgenus fteht in Überfpringender Verwandtſchaft zu
Glaucopteryx, von der fie durch die größere Zahl der Schwin-
genausfchnitte und durch längere Oberflügel fich weſentlich unter:
ſcheidet.
9) Der ſuͤdamericaniſche Aarſperberweih — Cir-
cus macropterus Vieill. V. Enc. p. 1215. Circus
albicollis (juv.) Vieill. Enc. p. 1214. Falco palustris
Pr. Max., Pl. col. 22. (ad.) Circus superciliosus Less.
Diagnofe Tarſe 78 — 115. Mm.
Altes Männchen. Gefiht, Stirn, ein Streifen uͤber den
Auge , Kehle, Bruſt und alle untern Theile weiß. Kopf, die
hintere Hälfte der Ohrfedern in ein breites Band, welches die
meißen Kehlfeder umzieht, dunkel fchiefergrau, ebenfo der Rüden.
Die Dedfedern, weldhe die Schwingen 2. Ordnung bededen,
braungrau mit 2 fhwarzen Binden. Die Schwingen 2. Drd.
afchgrau mit fehwarzer Endbinde. Die Flügel an der Außen:
fahne afchgrau, ſchwarz gebändert, Der Schwanz mit 4 Bändern.
Das junge Weibchen von Vieillot als Circus albicollis
nach Azara befchrieben,, iſt ſehr verfchieden gefärbt.
Die voftgelblihweiße Farbe. der Stirn, deren. Federn dunkel:
braune Schaftftriche haben, zieht fich als Streifen Uber die Aus
gen zum Naden bin, deffen Federn roſtgelblich weiß find und
teopfenartige Schaftfleden haben. Die Federn des Scheitels
find san der Wurzel coftgelblihweiß und haben: ſchwarzbraune
Enden, welche bey geordneter Feder eine dunfele Kappe bilden.
Die Wangen: find roftgelblichweiß mit dunkeln Schaftftrichen ; fie
werben durch die ſchwarzbraunen hintern Ohrrandfedern begrängt,
die fih an den hellen obern Augenftreifen am hintern Augen:
winkel anfchließen. Das Kinn, die Kehle und Kropfgegend ift
weißroſtgelblich, welche Farbe von einem dunfelbraunen Streifen
längs dem Halſe begrenzt wird, der fich als breiter Schild
über die Bruft hinzieht. Unterbruſt und. Bauch. helltoſtgelb
mit dunkelen Schaftfleden, die fich an der Spiße jeder Feder
tropfenartig ausbreiten. Die langen Seitenfedern find nach vorn
ſchwarzbraun mit unregelmäßigen lichtern Flecken. Die untere
104
Schwanzdecke voftgelblichweiß mit 5 fchwarzbraunen Querbän: l
dern. Die Hofen voftroth mit zadigen ſchwarzen Bändern und
lichten Borden.
Von oben ift der Rüden, die Schulterdede und die kleinen
Federn des Flügeld und die obere Schwanzdede fchwarzbraun
mit mehr oder minder hellen roftgelben bis zum Weißen gehen‘
den Borden verfehen. - Die Deckfedern der Hauptſchwingen feus
tigroftroth, am Nande ſchwarz mit gegen 10 fhwarzen Borden.
Die erfte verfümmerte Schwinge an der Anfenfahne ſchwarz,
an der innern weiß und roftroth gebändert mit meißer End»
fpige. Die 2. Schwinge fehwarz, vor dem Ausfchnitte an der
Innenfahne weißlich. Die folgenden vor dem Ausfchnitte roftroth
mit 5— 9 fehmalen zadigen Binden. Die innern Fahnen meiß-
lih mit roſtgelbem Anflug und dur ſchwarze Bändchen und
Sleden ſehr zierlich getigert. Aehnlich find die Schwingen 2.
Ordnung gefärbt, allein fie haben auf den Aufßenfahnen einen
bräunlic afhgrauen Anflug. Der Schwanz ift von oben ſchwarz⸗
braun mit 2 nabe benfammenftehenden weißen grau gemölften |
zadigen Querbinden und weißem Endfaume.
An den 4 äußern Schwanzfedern find die Außenfahnen ſchwarz,
grau und roftbraun der Länge nach getigert. Bon unten ift
die Snnenfahne der erften Schwanzfeder nach dem Schafte und
der Spise hin hellfilbergrau, nach der Fahne hin roftgelblich,
mit runden und ovalen ſchwarzen Fleden bededt. Die fol:
genden find an der Innenfahne mehr weiß mit vielen ſchwarzen
in der Mitte roftbraun gefleckten Binden verfehen.
Dimenfionen & (juv.) 2 juv.
6
Kopf 8 — 81 Tarſe 73 — 115
Schnabel 20 — 26 Mittelzehe 40 — 45
Mundwinfl 34 — 43 Schwanz 230 — 231*
Dberflügel 221. Iygı*
Flügelfpige 173 |
Diefe Art ift Bis jegt in Sammlungen noch felten. Das
Weibchen zeigt die größten Dimenfionen von allen Weihen.
5. u, legtes Subgenus. Buffardiperbermeihen ‚oder Rohr—
weihen — Circus Bonap.
Diagnofe Mit größerem Kopf, ftärkerem mehr geradem
Schnabel. Dberflügel länger als die Flügelfpige, welche das
Schwanzende erreicht. Zweyte bis 5. Schwinge ausgeſchnitten
Sie haben längere Zehen, als die vorigen.
Das Kleid der Alten ift von den vorigen Subgenera fehr
verfchieden, indem e8 von oben mehr braun ift und Kopf und
Hals dunkele Schaftfleden haben; die untern Theile find heil-
farbig mit breiten dunkeln Schaftfleden.
Ihre Kebensart weicht ebenfalls ab, indem fie ‚meift ein Neft
ing Rohr auf alten Robrftumpfen bauen und zwar. dem Waſſer
fo nahe, daß es faft ſchwimmt. Außer der gewöhnlichen Nah—
tung der Meihen freffen fie auch Fiſche. Man Eennt bereits
drey Arten,
10) Der gemeine Rohrmweih — Circus rufus Zinn.
Falco rufus, Gmel., Linn. Syst. p. 266. u. 77. ae-
ruginosus, Linn. Syst. t. 130.; rufus et palustris,
Briss., Sykesi Less., Naumann t. 37 et 38.
Diagn. Ohne Spur von Binden auf den Flügeln und, dem
Schwanze.
* Nicht vollſtaͤndig ausgewachſen.
105
Berchreib. Altes Männchen. Die Schwingen 2. Ordn.,
die Dedfedern diefer, fowie die fogenannten: Daumenfedern und
die ſtaffelfoͤrmigen Dedfedern der Hauptſchwingen hellafchgrau —
Schwanz ſchmutzig hellaſchgrau.
Der Kopf, Nacken — Schleier und Kehle weiß oder roſtgelb—
lich mit ſchmaͤleten und breiteren ſchwarzbraunen Schaftfleden —
Hinterhals, Rüden und Schulterdedfedern ſchwarzbraun, eritere
an ihren Rändern roftgelblid) oder grau. Innerer Flügel:
rand gelblichweiß oder weiß mit. roftgelben Rändern an den £leinern
" Federn, die dem Fluͤgelrand zunaͤchſt liegen.
Sämmtlihe Schwingen an der Wurzel weiß, ebenfo die
inneren Achfelfedern. Die aͤußeren Schwingen ſchwarzbraun
und die hinteren mit afchgrauem Anflug. Die obere Schwanz:
dede weiß, oder. weiß mit grauem oder roftbräunlihem Anflug.
Bruft und Bauch find weiß oder roftgelblich mit. großen breiten
Scaftfleden. Die Hofen roſtroth oder hellroſtroth und meiß
geflammt. Die untere Schwanzdede roſtroth nach der Spitze
bin fhwarzbraun oder mweiß ‚oder ſchmutzig aſchgrau verwaſchen
gefledt..
Altes Weibchen. Gleicht dem Männden, allein die Fär—
bung ‚ift weniger lebhaft. : Das junge Männchen (Naum.t.
88) iſt fat einfarbig chocoladbraun — Scheitel, Hinterhals und
Kehle roftgelb, Schulter und Schwingen 2. Ordn., die hintes
ren Schwingen und die Hofen. mit roftgelben Borden.
Im Herbfte gleih nach der Maufer fehen die jungen Vögel
etwas anders gefärbt aus. Kopf und Hinterhals, fowie. die
Kehle weiß, erfterer mit dunfleren Scaftfleden. und an den
Seiten und Spigen dunkelroſtgelb. Oben chocoladebraun, roſt⸗
gelb .gerändert. Der Flügelbug weiß oder roftgelbliih — Wans
gen und die unteren Theile dunkelbraun — Schwanz, die. großen
Slügeldedfedern, Daumenfedern, Schwingen (die 5 vorderen
ausgenommen) dunfelafchgrau.
Der junge Vogel braucht mehrere Fahre, um das Kleid des
alten Vogels zu erhalten und Naumann behauptet, daß. der
weibliche Vogel nod) längere Zeit: als das Männchen. dazu
nöthig hatte.
Das Gefieder diefer Art iſt durch feine lodere filzige Textur
und. durch feinen Aufenthalt im Rohr fehr dem Verbleihen und
Abreiben ausgefest, fo daß man Sndividuen findet, ‚deren untere
Theile ausgebleiht. und. faft weiß, ‚oder. deren ‚ganzes Gefieder
ſehr abgetragen. ausfieht.
Diefe Art ift in Afien ebenfo gemein als in Europa. Nach
Ruͤppell iſt er ebenfalls häufig im Nordafrica.: Am Cap wird
ee durch den folgenden repräfentirt, der von früheren Autoren
mit ihm verwechfelt wurde, allein in feinen Dimenfionen mie
Färbung total verfchieden ift.
11) Stdafricanifher Rohrweih — Circus ranivo-
rus Faill. Paill., vis. d’Afr. 23. Falco ranivorus
Daud.
Diagn. Flügel und Schwanz gebändert. Tarſ. 80 Mm.
land.
Beſchreib. Stirn, Kehle und Wangen weiß mit Sraunen
Schaftflecken — Schleierfedern braun mit weißen Seitenrändern —
Kopf braun mit roftgelben Raͤndern — Hals braun mit weißen
und roftgelben Federrändern— Rüden braun— Obere Schwanzdede
braun mit weißen oder roftgelben runden Sleden. Der Schulter:
rand weiß mit dunfelbraunen Scaftfleden — Sculterdede
braun mit. roffgelblihen Spigenrändern. Die fogenannten
Daumenfedern, die Dedfedern der großen Schwingen, die Schwin:
Iſis 1847. Heft 2.
106
gen 2. Drdnung, und felbft die großen Schwingen von außen
afhgrau, ſchwarz gebändert.
Von Innen zeigt der Flügel die Eleineren Deckfedern weißlich
mit roſtrothen Schaftpfeilfleden. Die Schwingen an den Aus-
fehnitten roſtgelblich weiß, nach dem Ende hin bläulic und
dafelbit mit 6—7 ſchwarzen Binden, Die unteren Theile find
braun mit weißen oder roftgelben Geitenrändern. Hofen und
untere Schwanzdede roſtroth, roſtgelb geftumt.
Der Schwanz ift afhgrau, nach. der Wurzel der aͤußern
Federn hin roſtroth mit 7 dunkel ſchwarzbraunen Querbinden
vor der lihtgefaumten breiten Endbinde. Die Schäfte des
Schwanzes find oben ſchwarz oder Eaftanienbraun, von umten
weiß, Von unten zeigt der Schwanz die Innenfaſern voftgelb-
lih und die Binden nur durchſchimmernd.
Das junge Männchen gleicht dem europäifchen, iſt faſt ein:
farbig ſchwarzbraun mit weißlih roſtgelbem ſchwarzbraun gefled-
tem Naden. Der Flügel von Innen zeigt Eeine deutlichen Bän:
der und die Murzelgegend ift mehr marmoritt. Die Ränder
der Bruftfedern find roſtgelb und die obere Schwanzdecke iſt
einfach roſtroth gerändert obne: Fleden. Die Hofen find mehr
roftrothbraun, Der Schwanz ift mehr fchrwarzbraun als ‚grau
und zeige nur 5 dunfele Binden.
Diefeg Kleid findet man als Faleo Temminckii Vaill, in
Sammlungen.
Dimenfionen: mas ranivorus. — mas rufus.
Kopf 66 — 70-71
Schnabel 20 — 22
Mundwinkel 36 — 37
Oberfluͤgel 207-215 — 201
Fluͤgelſpitze 172 — 198
Tarſe 79-80 — 81-86
Mittelzche 34-35 — 39-40
Schwanz 222 — 222-227
Diefe Art nimmt nach der Fürzeren Mitteljehe und nach der
Bänderzeihnung des Flügels wahrfheinlih den 3. Nang als
Species ein. Die Stellung der Arten zu ermitteln ift mir
dann fehr fhwierig, wenn in dem Subgenus nicht alle Species
entdedt find.
12) Auftralifher Rohrweih — Circus assimilis
Jard. et Selby.
Diagn. Tarſ. 94-100, Mitteljehe 39—44 Mm. Tang.
Befhreib. Sie gleicht noch am meiften der europäifchen,
von der fie fich jedoch Teiche unterfcheiden läßt.
Das alte Männchen hat in der Mitte fchiwarzbraune, an
den Nändern roftgelbe und am der’ Wurzel meiße Nadenfebern,
fonft find alle oberen: Theile’ ſchwarzbraun mit faſt ſchwarzen
Schaftflecken. Dbere Schwanzdedfe weiß; einzelne mit ſchmutzig
braunen oder runden Fleden. , Die Dedfedern der Schwingen
1. und 2, Drönung, ſowie die Schwingen: felbft mit aſchgrauem
Anflug ’und Spuren von ſchwarzen Binden. "Mit Ausnahme
der Hofen und der unteren Schwanzdede find alle Federn weiß—
lich mit breiten Schaftfleden, die an der Bruft oben breit nad)
dem Ende der Feder him zugeſpitzt find.
Bon’ Innen zeigt der Flügel die Eleineren Dedfedern weiß,
der Länge nach gefledt. "Die Schwingen vor den Ausſchnitten
roſtgelblich, hinter diefen grau gemäffert, ſchmutzig gelbbräunlich
mit ſchwarzen Endfpigen. Schwanz von oben hellafchgrau,
unten ſchmutzig weiß. K
Zi
107
Das junge Männchen zeigt die Schwingen faft ſchwarzbraun,
ohne grauen Anflug. Die mittleren Schwanzfedern find mehr
roſtroͤthlich, ifabell und grau gewäflert mit 4 Pfeilbinden, die
auf beiden Seiten licht begranzt find. Vor der Spike des
Schwanzes die Andeutung einer dunkeln Endbinde. Die aͤuße—
ten roſtgelben Schwanzfedern mit 4 bräunlihen Binden, von
welchen die hinterften fih nur als Flecken darftellen, Von
Sinnen zeigt der Flügel hinter den Ausfchnitten 4 undeutliche
Binden.
Ein weiblicher von Gould im July erlegter Vogel ift ‚oben
faft einfarbig. bifterbraun und unten faſt voftroth mit mehr
braunen Bruftfedern, deren innere Fahnen verſteckte weiße
Sieden haben. Von innen ift der Flügel an dem Anfang der
Schwingen vöthlichgelb, grau gemwäffert mit fchwarzbrauner Ein⸗
faffung und Spigen vor den Ausfchnitten. Auf einzelnen Federn
Spuren von 4 Binden. Der Schwanz zeigt 3—5 Binden auf
voftgelbem Grunde. Die mittleren, frifh vermauferten Federn
find oben mehr roſtgelb und nad unten ſchwaͤrzlich graubraun
mit 5 Binden, die licht eingefaßt find.
Einjährige Vögel find faft einfarbig dunkelſchwarzbraun; die
obere Schwanzdede ift an der Wurzel und dem Ende roftgelb.
Bon Innen find die Schwingen an der oberen Hälfte filber
afchgram mit vöthlihem Anflug und an den Innenfahnen
fhwärzlih gebordet. Nackenfedern voftgelb mit fchwarzen
Endfleden.
Der Schwanz ausgebreitet zeigt 4 untegelmäßige Binden auf
roftgelbem Grunde. Bon unten ift der Schwanz filbergrau mit
roͤthiichem Anflug auf den Innenfahnen in den 3 auferen
Sedern.
Iſt gemein in Neuholland und Neufeeland.
Dimenfionen.
altes A — altes 2 — junges A — junges 2
Kopf 70 — 75 70 — 72
Schnabel 22 — PEN une 20 — 22
Mundwinkel 37-38 — 40 — 89 — 442
Oberfluͤgel 212-222 — 2335 — 216 — 2335
Slügelfp. 185-200 — 1897. — 15. — 45
Tarſe 94 — 100 — 95 — 99
Mittelzehe 39 — 44 — 39 — 42
Schwanz 35 — 286 — 219 — 244
Die Zahl der Arten im erſten Subgenus Strigiceps iſt ge—
ſchloſſen; bei allen uͤbtigen Subgenera ſind noch nahmhafte
Luͤcken auszufuͤllen.
Die leichteſte Art mich gaͤnzlich zu widerlegen, daß die Zahl
der Staͤmme, Familien, Subfamilien, Genera und Subgenera
und Arten in der Claſſe der Vögel die Zahl 5 iſt, dürfte wohl
die feyn, — eine 6. Art in dem Subgenus Strigiceps oder
in fonft einem beliebigen. vollzähligen Subgenus nachzuweiſen.
Dabei verfteht es fich von felbft, daß diefe 6. Art Eeine klima—
tifche Varietaͤt fenn darf, fondern eine Art, die fich durch Achte
Kennzeichen und verfchiedene Dimenfionen, wie z. B. cyaneus
von melanoleucus, diefe von Acoli ıc. unterfcheidet.
Da ih niht in der Lage bin, eine Prämie auf die Ent—
deckung einer 6. Species zu feßen, fo müffen die Orintholo—
gen zum Beften der MWiffenfchaft fich diefer Mühe unterziehen
ober für die Freude, mich zum Schweigen gebracht zu haben.
Sollte e3 jedoch der Fall feyn, daß Feine 6. Species aus dem
grgoßen Material, welches bereits in den europaifhen Samm:
lungen aufgehäuft ift, allein mehrere der Luͤcken, die ich ange—
— — —
— — ⸗
108
geben, im Lauf der Zeit aufgefunden werde, mithin die Rich—
tigkeit meiner Anſicht glaublich und wahrſcheinlich wird; ſo bitte
ich alle Gelehrten, die es mit der Wiſſenſchaft wohl meynen, mich
in meinem großartigen Unternehmen freundlichſt zu unterſtuͤtzen,
und darauf hinzuwirken, daß mir das Material* zu ſpaͤteren
Monographien (Psittacidae, Museicapidae, Sylvidae) in irgend
einem Mufeum, z. B. dem Frankfurter Muſeum zur Dispofis
tion geftellt wird.
4. Genus. Aurweihe — Elanus Sav. 1809. Elanoides
Vieill. 1816.
Diagn. Die Nägel im Durchſchnitt rund.
Beſchreib. Es find Eleine Meihen, die an Größe bie
Thurmfalfen kaum übertreffen und in der Färbung, in Textur
des zerfchliffenen Gefieders Eleinen Möven und den Seeſchwal—
ben gleichen.
Der Schnabel ift fein gebildet, Ähnlich wie bei Circus, an
den Seiten zufammengedrüdt, von der Wurzel an plößlich ge—
bogen mit langem Schnabelhaken. Durdy den tiefen Aus—
ſchnitt des Schnabelhafeng bildet fich nach dem Mundwinkel hin
ein ftumpfer Zahn. Der Rachen ift bis unter die Mitte des
Auges gefpalten und fehr breit. Der Unterfchnabel ift mehr
gerade, nicht nach oben gemölbt, zeigt eingezogene, etwas nach
unten gebogene Schnabelränder uud ift vorn plößlich abgeſtutzt.
Auf dem Grunde der untern Schnabelfpige liegt ein Kleiner
hornförmiger Vorfprung (ähnlich mie bei Pelecanus).
Die Nafenlöcher find ſchmal, ftehen ſchief aufreht nach
vorn gerichtet und find mit den Zügelfedern überdedt.
Die Stirn ijt fehr breit, was feinen Grund in den ausge—
breiteten Superciliarbeinen ohne Enöcherne Anhänge bat. Die
Augenlieder mit kurzen Borſten. Ohroͤffnung mäßig groß,
ohne Schleier.
Die Tarſen find Eurz, 3 nad vorn befiedert, fonft mie die
Eurzen Zehen fein gefchuppt. Hoſen ziemlich lang. Die Zehen
find frey, ohne deutliche Spannhäute. Die äußere Zehe ift
unbedeutend fürzer als die innere. Vor den Nägeln 2—3
Schildchen. Die Nägel find im Durchſchnitt rund. Der
innre häutige Anhang der Mittelkralle it fehr Fein gezähnelt,
was jedoch nur am jungen Vogel deutlich zu fehen ift.
Der Schwanz bat Rumpf: oder Körperlänge und ift ſchwach
gegabelt, indem die mittleren an Lange unbedeutend abnehmen.
Das Gefieder ift weich, zerfchliffen und zeigt Feine beftimmte
Gonturen; es gleicht dem Gefieder der Möven, Seefchwalben und
einigen Subgenera von Circus 'und Nauclerus (N. Rioc.).
Mit legterem Genus zeigt es überfpringende Verwandtſchaft.
Syſtem. Stellung. Durch den langen Schnabelhafen,
risformige Nafenlöcher, Eurze fein gefchuppte Zarfen und Zehen,
runde, nabelfpige Krallen, daß die äußere Zehe eine Neigung
* Da mir in Frankfurt wie in Mainz alle vorhandene Arten einer
Familie zur freiften Benusung geacben werden, fo würden nur bie
von mir gewünfchten Arten und Farbenkleider zu überfenden feyn, die
den Mufeen meiner Umgegend fehlen. Im den meiften Sammlungen
find die zahlreichen Arten 4. B. die Muscicapidae, Sylvidae wegen
Mangel an Werken entweder fchlecht oder. gar nicht beftimmt. Es
muß daher allen Muſeen daran gelegen ſeyn, das vorhandene Mate:
rial diefer beiden Familien vichtig beſtimmt zu erhalten und in eige=
nem Intereſſe mit beitragen zu helfen, daß die Grenzen der Genera
feſt geftellt, die unzähligen Subgenera ihren wahren Genera unterord-
net und die total verwirrte Synonymie endlich in Ordnung gebracht
werde.
109
nach hinten ſich zw richten hat, daß Feine Epannhaut zwifchen
der Außeren und: mittleren Zehe wahrzunehmen: ift,. zeigt diefes
Genus Analogien mit Pandion, 4. Genus der 4. Familie,
Aquilinae, und wie Pandion aus angeführten Gründen den Peli-
cantypus darftellt, und deßhalb die 4. Stelle bei den Aquilinae
einnimmt, fo gebe id Elanus als dem MRepräfentanten von
Pandion unter den Milvinae die 4. Stelle.
Diefes Genus zeigt ferner den großen Rachen und die gezaͤh—
nelte Mittelkralle der Pelicane; es zeigt weiter durch den gro—
ßen Rachen, Inſectennahrung, ‚großes Flugvermögen, Analogien
mit der 4. Unterordnung der Fissirostres, Schwalben, hat
durch Zertur und- Färbung des Gefieders Aehnlichkeit mit den
Longipennes, 2. Unterordnung des 4. Stammes. Die weiß
gefärbten Phaätonitdae, 2. Familie der Totipalmati zeigten
wie Elanus einen ſchwarzen Fled vor den Augen, der als breis
ter Streifen über das Auge ſich hinzieht, haben die Schäfte
wie viele Larinae oben ſchwarz, unten weiß gefärbt und diefe
Färbung kann ebenfalls als eine Analogie, obgleich als eine weit
entfernte betrachtet werden. Bei den Laniiden, 4. Familie
der Dentirostres fommt eine ähnliche oben blaugraue, unten
weiße Färbung vor, auch der fhwarze Streifen, allein quer von
den Zügeln durch das Geficht.*
Sndem daher Elanus nur mit Formen verglichen werden
kann, die dem 2. oder 4.Nang, fen es ald Stamm, Unterords
nung, Familie oder Genus, angehören; fo gebe ich als Sub—
familie den Milvinae den 2. und als Genus dem Elanus den
4. Rang. **
Die hierher gehörige Arten zerfallen in zwey leicht zu unterfchei-
dende Subgenera, die ſich durch die Bildung des Flügels Eennt-
lid machen,
1. Subgenus.
Diagn. Die Schwingen erreihen nur die Hälfte des
Schwanzes. Zweite Schwinge etwas Fürzer als die 5., ift an
der Innenfahne ſchwach und abgerundet ausgefchnitten.
Der bunte Falfenaarweih, Elanus Swainsoni Fig.
Gampsonyx Vig. Elanus torquatus Cuv. Less. Hist.
nat. des ois. VII. p. 207. Less., Orn. p. 72.
Diagn. Don der Größe der Turdus merula.
Beihreib. Stirn. bis über die Augen, Wangen und
Hofen lebhaft roſtgelb. Hinterkopf bläulich afchgrau. Vor den
Augen ein ſchwarzer Fled. Die weiße Farbe der unteren
Theile zieht. als fchmales Halsband um den Hinterkopf und
wird von einem rothbraunen breiten Band von dem dunkelſchie—
- ferfarbigen Rüden gefchieben, der einen bräunlichen Anflug zeigt.
Un der Bruft auf jeder Seite ein breiter ſchwarzer Fled.
Falkengarweih — Gampsonyx Vig. 1825.
*Waͤren die Grundformen in: ihren Weichtheilen fo unterfucht,
wie ich die äußere Geftalt zergliedert habe, fo waͤre dieſen Analogien
noch eine größere Summe beizufügen. An foldye Unterfuchungen, die
der Syftematif zum wmefentlichften Nugen gereichen würden, hat weder
Nisfh, und noch weniger der dermalige Profeffor der Zoologie in
München, Herr Wagner gedacht.
** Ipgleich noch Fein Orinthologe vor mir Gründe angegeben hat,
warum er diefes Genus fo und nicht anders ftellt, fondern man ftets
auf das trügerifche Gefühl'für Aehnlichkeit geftügt, planlos aneinander
gereiht hat; fo ſehe ich doch im Geifte, daß mancher Zoologe diefe fchla-
genden Beweiſe für null und nichtig, und. fie. für Spiele des Zufalls
erklärt. Die Neußerungen von manden Drinthologen, als fey an mei⸗
nen Anfichten ein gewijfes Etwas, zeigt, daß fie mich nur ahnunge-
weife begreifen. Daß kein Spiel des Zufalls in der Natur herrfcht,
werden meine folgende Arbeiten darthun.
110
Die Dedfedern der Schultern, wie bei den Nisus-Arten an
ber Wurzel weiß, was beim Verſchieben diefer Federn zum
Vorfhein kommt. Schwingen ſchwarzbraun. Die Schwingen
2. Ordnung und die legten ber erſten Ordnung mit weißen
Säumen. Die Flügel von Innen’ faft ganz weiß, indem die
fhiefergrauen Schwingen der Länge Inady an den Innenfahnen
breit weiß bordirt find. Der Schwanz ift fchiefergrau. Erſte
Feder mit weißem Nand an- der Außen» und Innenfahne;
2.—5. mit breiter Längsborde an der- Snnenfahne. Mittelfte
Feder einfarbig fchieferafchgrau.
Sch Eenne nicht den gefchlechtlichen Unterfchied des von mir
befchriebenen Vogels, indem dieſe Art bis jegt noch. in Mufeen
felten ift und ich nicht viele Individuen an einem. und demfel-
ben Orte vergleichen konnte.
Dimenfionen:
Kopf 37 Zarfe 29
Schnabel 12 Mittelzehe 20%
Mundwinkel 17 1. Schwanzfeder 90
Dberflügel 84 2. — 92
Fluͤgelſpitze 62 6. — 87
Das Vaterland dieſes niedlichen und ſehr bunten Vogels iſt
Braſilien, wo er nicht haͤufig zu ſeyn ſcheint.
2. Subgenus. Wahre Aarweihe — Elanus'Sar.
Diagn. Flügel länger als ber kurze Schwanz. Zweite
Schwinge mwinfelig und beftimmt, dritte ſchwach ausgefchnitten.
Dritte Schwinge die längfte.
Befhreib. Das Gefieder ift im Alter mövengrau, zeigt
vor den Augen einen ſchwarzen Fleck, der als ſchmaler ſchwar—
zer Streifen über dag Auge fich hinzieht. Vom Flügelbug bis
zum Ende der Ulna ein großer fchivarzer, glänzender Fleck. Alle
unteren Theile find rein mweiß. — Schäfte der Schwingen und
Schwanzfedern find oben ſchwarzbraun, unten nach der MWurzel
zu weiß, nad) der Spige hin ſchwarz.
Die jungen Vögel find mehr oder weniger braun vermafchen
gefledt mit lichteren Federraͤndern auf den oberen Zheilen und
den Rändern der Schwingen.
Die Arten diefer Abtheilung find muthige, fehreiende Vögel,
die fo viel Kedheit befigen, daß fie die größten Naubvögel aus
ihren Revieren verſcheuchen. Sie nähern fi nur von Snfec-
ten, die fie beftandig in der Luft verfolgen, ,,
Die Arten unterfcheiden ſich leicht durch ‚die Farbung ber
innern Achfelfedern und durch ihre verfchiedenen, ‚Dimenfionen.
Man Eennt bereits 4 Arten und es ift demnach noch eine
Art in diefer Abtheilung zu entdeden. Sie find alle Bewohner
heißer Ränder.
Da die Arten fehr nah verwandt find, Faft einerlei Kleid tra
gen, und ſich hauptfächlich durch die verfchiedene Färbung der
inneren Achfelfedern und durch ihre Dimenfionen' unterfcheiden ;
fo Eann ich mich bei der VBefchreibung "der einzelen Arten fehr
kurz faffen.
Der Blakaarweih — Elanus melanopterus Vaill.,
Ois. d’Afr. 36. El. caesius Sav. Falco sonninen-
sis Lath. |
Diagn. Alle inneren Achfelfedern blendend weiß. Schwanz
126 Mm. oder 4“ 8”,
Befhreib. Die Seiten der Bruft und des Bauches mit aſch⸗
bläulihem Anflug. Schwanz weiß, die mittleren hellaſchgrau,
die übrigen mit afchgrauem Anflug auf den. Äußeren Fahnen.
111
Dimenfionen mas. — fem. — junger mas. — junge fem.
Kopf 56-577 — 58 — 55 — 59
Schnabel 19 — 19 — 13 — 18
Mundwink. 30 — 30 — 27 51
Oberflügel 147° — 151 — 139 — 157
Flügelfpige 138 — 121-128 — 184
Zarfe 30-32 — 33 — 32 — 34
Mittelzehe 28 — 295 26 — 29%
1. Schwanzf. 126 — 127 — 121 — 188
2% — — — 133 — 124 — 141
6. — 128 — 126 — 110 — 180
Dieſe Art iſt eben fo häufig in Africa als in Aſien. Nach
Europa fommt fie nur als verirrt vor, und es ift daher fehler:
haft fie der Fauna diefes Welttheils zuzuzählen.
Der Lathbamifhe Aarweih — Elanus axillaris Lath.
Falco axillaris Lath. Circus ax. Vieill. Enc. p. 1212.
Elanus notatus Gould.
Diagn. Vor den längften dunkel afdygrauen inneren Achfel-
federn ein aus 6—7 ſchwarzen Federn beſtehender Fleck.
Schwanz; 145—162 Mm. lang.
Beſchreib. Gleiht in allen Stüden der vorigen und ber
folgenden und nur das Artkennzeichen unterfcheidet fie.
Sie kommt fowohl in Afien, als auch in Neubolland vor
und ift in Auftralien ein gemeiner Vogel. Gould fah fie
öfters über den Gipfeln der höchiten Bäume fliegen, wo fie
Jagd auf Infecten zu machen fchien.
Dimenfionen mas. — fem. (?)
Kopf 56 — 59
Schnabel 19 — 19
Mundwinkel 30 — 30
Oberfluͤgel 142 — 147-156
Fluͤgelſpitze u... 153-163
Zarfe 34 — 38
Mittelzehe 28 — 26
1. Schwanzfeder 139 — ee
2. — 144 — ride
6. — 183 — En
Der americanifhe Aarweih — KElanus leucurus
Vieill. Milvus leueurus Vieill., N. Diet. d’Hist. nat.
n. XX. 563. Azara No. 36. Falco dispar, pl.
col. 319 (juv.). Zonp., Am. Orn.tab. 11. fig.1. (adult.)
Aud. t. I. pl. 16. (ad.)
Diagn. Die inneren Achfelfedern weiß, mit einem langen
ſchwarzen Streifennauf ber Handwurzel — Schwanz; 176 Mm.
ober 63'' lang.
Beſchreibe Sie unterfcheidet fi auferdem durch den län—
geren Schwanz von ber vorigen.
Diefe Art findet fih durdy ganz America,
Dimenfionen:
mas. fem.
Kopf 56 — 61 Xarfe 33 — 35
Schnabel 18 — 18 Mittelzehe 25 — 236
Mundwinkel 34 — 35 1. Schwanjf. 168 — 161
Oberfluͤgel 150 — 142 2. — 178 — 175
Fluͤgelſpitze 183 — 164 8. — 167 — ..
Nicht vollftändig ausgewachſen.
112
Der Gouldiſche Aarweih — Elanus seriptus Gould.
Austr. birds IX. 3. Proceed. 28. Juny 1842,
Diagn. Die Mitte der inneren meißen Dedfedern der
Hand und des Unteraems mit einem breiten ſchwarzen Streifen,
der bey ausgebreiteten Flügeln ein durch den Körper unterbros
chenes VV bildet. Innre Anſicht der Schwingen hellafchgran,
an den Rändern meißlich und grau gewoͤlkt.
Das eine Eremplar der Gould ifhen Sammlung traͤgt noch
Spuren deg roftgelblich gefledten Jugendkleides.
Nach allen Dimenfionen ift es der größte der bis jeßt befann-
ten Arten.
Das Vaterland dieſer intereffanten Art ift Neuholland, to
‚fie Gould zuerft entdeckte.
Dimenfionen:
Kopf 60 Tarſe 40
Schnabel 20, Mittelzehe 34
Mundwinkel 32 1. Schwanzfeber . 158
Oberfluͤgel 153 2, — 161
Fluͤgelſpitze 160 6. — 148
5. Genus. Buſſardweihe oder Milane — Milvus
Cuv. (1800)
Diagn. Der Schnabel ift geftredt, gerade ohne Gaumen:
höder am oberen Schnabelhafen. Die Flügel find lang fäbel:
formig an dem Ende gebogen. Die Schwingen nehmen von
der 2., 5. an Ränge zu und die 2. bis 6 ift an der Innen—
fahre ſehr beftimmt und meift hafenformig ausgefchnitten.
Die Tarfen find Eurz, fchwach, gefchildert oder gefchuppt. Die
Mittelfralle eigenthümlich ſchief nach innen gerichtet.
Befhreib. Sie haben den grädften nnd ftärkften Schna—
bel* in der ganzen Gubfamilie Milvinae, der nur einen fehr
undeutlichen ftumpfen Zahn zeigt. Der Unterfchnabel ift mehr
löffelförmig mit grad aufgerichteten Rändern. Die Wachshaut
ift ziemlich bedeutend. Die ovalen Nafenlöcher find unter Borft-
federn nicht verftedt. Die Stirn ift breit, durch bie flachen
ausgebreiteten Superciliarbeine. Ohroͤffnung ohne Schleier.
Dperflügel gleich lang oder bedeutend länger als die lange Fü:
gelfpige, Die fehr abgeftumpften Schwingen 2. Drbnüitg. bil:
den bey ausgebreiteten Flügeln eine tiefe, jedoch ungleiche Gabel.
Die Tarſen find kurz und die Mitteljehe mit dem Nagel fo
lang als diefe oder etwas kuͤrzer. Die Zehen find kurz und die
äußere etwas länger als die innere. Tarſen und Zehen find
gefchildert, oder. gefchuppt und nur vor den Nägeln mit einigen
Schildern verfehen. Die Sohlen der Zehen etwas fpiswatzig,
wie bey den Haliacten, die fie in ihrer Subfamilie am deut-
lichften wiederholen.
Der Schwanz ift meift mehr oder weniger gegabelt.
Ihr Gefieder ift düfter gefärbt, flaumenteich, breit und ziems
lich ſcharf Eonturirt. Die Hofen find lang und hängen meift
big zur Hinterzehe herab. \
” Wie bey den Geyern, Vulturidae, 5. Familie der Rapaces,
der höchfte und zugleich der langfte und grädfte Schnabel auftritt, fo
findet fih ein hoher, langer und meift gerader Schnabel bey allen Ger
nera, welche in ihren Familien den 5. Rang, einnehmen: fo bey Milvus
unfer den Milanae-Asturina bey den Accipitrinae, Haliaetus bey
den Agquilinae, Ibicter bey den Buteoninae,
Diefer Character findet fich auch bey Subgenera; fo hat Hiero-
falco den längften und ftärfften Schnabel unter allen Falcones,
Circus Bon. unterjallen Circi, Gypoictinia unter allen Milvi,
Uroaetus unter allen Aquilae, Thalassaetus unter allen
Haliaeten etc.
113
- She Gefieder iſt duͤſter roth oder rußbraum, meift mit’ dunke—
len Schaftfleden. Der Schwanz, feltner die Flügel gebändert.
Es find plumpe unfhöne Formen, welche alle übrigen Genera
der Milvinae an Körpergröße übertreffen. * Ihr Character: ift
wie bey Jeracidea: der: Faleoninae , : wie ‘bey Asturina der
Accipitrinae, den Haliatten: der Aquilinae und lbieter‘ bei
den Butéoninae, der fhlehtefte und gemeinfte. in. der ganzen
Subfamilie Milxinae. Weder letinia, Nauclerus, Circus
Es ift höchft merkwürdig, daß bey den Falconidae das legte
Genus einer jeden Subfamilie Arten enthält, welche die der übrigen
Genera an Größe übertreffen: fo Milvus bei den Milvinae, Asturina
bey den Accipitrinae, Halia&tus bey den Aquilinae, Ihicter bey ben
Buteoninae.. Wären. alle ‚Arten. bey Jeracidea entdeckt, ſo würde
dieß auch bey den Falconinae der Fall feyn. Bey vielen Subgenera
ift es der namliche Fall. So enthalten die wahren Tinnnnculi, Hiero-
falco, Uroaetus (Aguila), Tlıalassaetus (Haliaetus), Urospiza,
Circus Bonap. die größten Arten. Es ſcheint dieß eine Analogie mit
dem Vulturidae zu ſeyn, die ebenfalls die größten Formen enthalten:
Bey dem Subgenus Poliornis (Circaetus) iſt es jedoch nicht der Kal.
Trotz diefer einen Ausnahme Fann man den Grundfag aufftellen, daß
alle Genera, oder Subgenera ,; die Arten enthalten, welche an Körpers
gewicht die übrigen übertreffen, den 5. Rang, entweder als Genus,
Subgenus oder Species einnehmen. Indem ic fage die ſchwerſten
Arten, glaube ih nicht in Widerfpruch zu ſeyn, wenn ich ‚von ben
dritten Genera fage, daß fie die längften. Formen enthalten.
1. Subg. Milvus 2. Subg. Lophoictinia
— 114
noh-Blanus enthalten Arten, die Aas oder faulende Fiſche
freſſen und die" fo muthlos und feige wären, wie unfere Mila=
nen, Sie ſtellen deßhalb auch in geiſtiger Hinficht den haͤßli⸗
hen Geyertypus in ihrer Subfamilie vor. Da dieſer naͤmliche
Typus bey den Haliacten wiederkehtt, fo iſt es erklaͤrlich,
warum die Arten in beiden Geneta eine analoge Verwandt:
ſchaft zeigen.
Ihr Flug iſt langfam und ſchwimmend; fie ſchwingen ſich
ſo hoch wie die Geyer in die Luft, ſo daß ſie dem Auge wie
Punkte erſcheinen. Im Fruͤhjahr beſchreiben ſie haͤufig große
Kreiſe im der Luft, faſt ohne bemerkbare Fluͤgelſchlaͤge
Außer Aas freſſen ſie Amphibien, junge und ſchwaͤchliche
Voͤgel, kleine Saͤugethiere, und mehrere Arten fangen Fiſche im
ſeichten Waſſer. Unſer gemeiner Milan bietet ſich bey dem
Edelfalken wie die Buſſarden zu Gaſt und die ſchwarzen Mi⸗
lanen ſchnappen die auf Schiffen weggeworfenen Fleiſchabgaͤnge
auf, oder ſtehlen die zum Trockenen aufgehaͤngten Fiſche. Es
find dieß lauter Züge der Lebensart, die fie zu hoͤchſt gemeinen,
fhmarogenden Formen ftempeln, und es fehlt ihnen meiter
nichts, um in jeder Beziehung den Geyer= und Ibietertypus zu
wiederholen, als daß fie wie diefe den Koth höherer Thiere
verichlingen.
Bis jet find alle 5 Subgenera befannt, die, obwohl fehr
fein, doch fehr deutlich unterfchieden find.
4. Subg. Hydroietinia 5. Subg. Gypoietinia
Mit ſtarkem Schnabel und laͤn⸗ Mit ſchwachem Schnabel und Mit ftartem Schnabel und län Mit ſtarkem Schnabel, ſtarkem
gerer Wachshaut. Oberſchnabel kurzer Wachshaut.
Oberſchna⸗ gerer Wachshaut.
Oberſchnabel Oberſchnabel, der von der Wachs—
an der Wachshaut gemeſſen faſt bel geſtreckt, an der Wachshaut an der Wachshaut gemeſſen, faſt haut gemeſſen 14 fo lang als
fo lang als hoch.
gemeffen «14 fo. lang als hoch.
Oberfluͤgel fo lang als die Fü: Dberflügel fo lang als die, Fü: Oberfluͤgel länger als die Fluͤ—
hoch ift.
fo lang als hoch.
Der ſchwachkeilförmige
gelſpitze. Die Flügel überreichen geifpige. Die Flügel überreichen gelfpige. Die Flügel Überreihen Shwan 3; bat Rumpflänge
den förperlangen Schwanz nicht: den Förperlangen Schwanz und den Förperlangen Schwanz nicht und iftzur Hälftevon den
‚und die Schwanzdeckfedern bes die Schwanzdedfedern bedecken und die oberen Schwanzdedife: oberen
‚der dern bedecken nur
decken nur dag obere Drittel der nur. das obere . Drittel
Schmwanzfedern. Schmwanzfebern,
Schwanzdedfe:
das obere bern uͤberdeckt.
Drittel der Schwanzfedern. ‚Dberflügel länger als die Fluͤ⸗
Die Zarfen und Zehen geſchil- Die Tarſen find. fein Die Tarfen und Zehen gefchilz gelfpise. " Tarſen gefhuppt und
dert. Die Sohlen ſtumpfwarzig. gefhupptisebenfo.die Ze:
nur nad oben mit einigen. Elei=
dert, die Sohlen fpiswarzig.
nen Schildchen. Zehen getäfelt.
ben, weldhe vor den Mä—
geln drei Schilder haben.
Sohlen. der Zehen. ſtumpfwar⸗
zig
3. ater, 4. affinis, 5. aegy-
1. Milvus regalis.
pius, 6. govinda.
Sohlen ſtumpfwarzig.
7. melanosternon.
2: M. isiurus,
1. Subgenus.
Diagn. Mit ſtarkem Schnabel, Tange Wachshaut und Na:
fenlöcher, die 'breit und offen und mehr horizontal 'geftellt find.
Oberſchnabel von der Wachshaut gemeffen faft fo hoch als lang
mit ſtumpfem jedoch deutlichem Zahn:
Dberflügel fo lang als die Flügelfpige, welche den Schwanz
nicht überreicht. "Der förperlange ziemlich ſtark gegabelte
Schwanz wird von der oberen Schwanzdecke nur Pbedeckt.
Tarſen an der Vorderſeite mit 6—7 Schildern — Mittelzehe
mit 11 Schildern belegt. Zehenſohlen ſtumpfwarzig. br
Beſchreib. Man Eennt nur die eine Att, die ein roſtro—
thes, ſchwarzbraun gefledtes Kleid trägt: Die Schwingen
haben von Innen einen weißen Spiegel san der: oberen! Hälfte
und Eeine Binden. Der Schwanz ift ſchmal gebändert, in der
Sugend deutlicher als im Alter. Y ng
Iſis 1847, Heft 2.
Milan — Milvus., 1) Det rothe Milan — Milvus regalis Briss.
Falco Milvus Linn. Naum. tab. 31,
Altes Männchen. Der Schnabel ift gelb, an der Spike
hornfarbig. Augen filberfarbig, im hohen Alter blaßgelb. Kopf,
Hals und Kehle weiß mit ſchwarzbraunen Schaftfleden und
Schaͤften und auf dem Kopfe an den Federrändern mit roſt⸗
gelbem Anflug. Der Rüden ſchwarzbraun mit ſchwarzbraunen
Schaͤften und lichten Federraͤndern. Obere Schwanzdecke roft-
roth mit ſchwarzen Schaͤften und Spuren von ſchwarzen Pfeilz
flecken. Das kleine Gefieder des Flügels roſtfarbig mit ſchwarz—
braunen mehr oder minder breiten Schaftflecken und mit mehr
oder, weniger ausgebleichten Saͤumen umgeben. Schwingen
2. Ordnung fhwarzbraun, die hinterffen mit fchmalen ſchwar—
zen Binden. , Die Hauptſchwingen find’ bis uͤber die Ausfchnitte
bin ſchwatz, das uͤbrige weiß, ſchwaͤrzlich gefaumt und nach den
8
‘
115
Schaͤften hin dunkelgrau gewoͤlkt. Die kleinen inneren! Deck—
federn roſtroth mit ſchwarzen Schaftflecken die aͤußerſten grau—
ſchwarz, an der Wurzel weiß gefleckt «und roſtfarbig eingefaßt.
Bon unten iſt der Körper roſtfarbig mit ſchwarzen Laͤngsflecken
und hellen Saͤumen, die an den: Hofen und dev.) unteren
Schwanzdecke am fchmälften find und zuweilen, ‚fehlen. Der
Schwanz ift heil voftfarbig, wovon die Außerften am dunkelften
find. - Die Außenfahne der erſten und die untere, Hälfte der
2, Schwanzfeder faſt ſchwarzbraun. Auf. der) erften und zwei⸗
ten Schwanzfeder ſieht man auf den Innenfahnen 11 ſchwaͤrz⸗
liche ſchmale Binden und eine breitere Endbinde, die roſtfarbig
gerandet iſt.
Die Schwanzbinden verlieren ſich nach den mittleren bin, bie
nur noch Spuren von Pfeilbinden naͤchſt dem Schafte zeigen:
Die Schäfte find fehwarzbraun mit gelben Längsftreifchen ‚an
den Kanten zwifchen den dunfelen Binden, Von unten iſt der
Schwanz lichter mit weißen Schaͤften. Die Binden gehen über
die Schaͤfte oder färben wenigftens die Seitenkanten derfelben.
Das alte Weibchen iſt von dem Männchen fehr ſchwer zu
unterfcheiden, denn es ift nur unbedeutend groͤßer. Die Schaft»
fleden der unteren Theile find breiter und das Roſtfarbige na—
mentlich an den Flügeln ift lichter.
Der junge Neſtvogel ift «mehr abweichend, gleicht mehr den
ſchwarzen Milanen, indem die rothbraunen unteren Koͤrperfedern
ſchwarze Schäfte und roſtgelbe Schaftflecken haben. Der
Schnabel iſt ſchwarz, die Augen ſind braungrau. Die Koͤrper—
federn ſind an der Wurzel roſtgelblich, an den Seiten rußbraun
und an den. Spitzen roſtgelb. Kehl: und Ohrfedern roſtfarbig
mit ſchwarzen Schaftfleden. Hinter dem Auge, nad) dem Ohre
bin, ein fchwarzgrauer Fleck. Ruͤcken- und Schulterfedern
fhwarzbraun mit roſtgelben Spisen. Die Schulterfedern „au
der Wurzel weiß, unregelmäßig weiß gefledt. Das ‚kleine Ges
fieder des Flügels in der, Mitte fchwarzbraun, die Seitenrander
roſtfarbig mit licht voftgelben Spisen. Der Schwan; ift von
oben roftbräunlidy mit dunkelen Binden und. breitem roftgelb-
lihem ‚Saum.
Sn feinen Sitten zeige diefe Art mehr Buſſardenähnliches
als. die ſchwarzen Milanen, Sie zieht in großen Zügen, zuwei⸗
fen in 50—100 Stuͤck von ung im September weg und
zwar von Dften nad, Weſten und kommt einzeln im Februar,
März oder April zuruͤck. Ein träger fchwerfälliger Vogel,
deffen Flug’ ſehr [hön und ſchwimmend ift, fo daß er große
Streden bingleitet, ohne daß man Flügelfchläge bemerkt. Er
ſucht öfters die Hühnerhöfe heim, um junge Hühner, Gänfe
und Hühner, zu £apern, zeigt jedoch ben allen feinen Raͤube—
teien wenig Muth, allein viele Dreiftigkeit. Wenn er-‚diefen
Raub nicht haben Fann, jo begnügt er ſich mit Franken und tod—
ten Fifchen, Aas, Mäufen, Amphibien, Inſecten und: Regen:
wuͤrmern.
Dimenſionen mas. — fem. Mittelzehe 40 — 38
Kopf IELIZMEZN 1. re 345 — 370
Schnabel a7 er A 322 — 348
Mundwinkel 4 — 46 38. — 292 — 814
Dberflügel 245 — 265 A. — 274 —ı 298
Flügelfpiie 2592 — 236 6. — 269 - — 288
Tarfe 54 — 55 6 252: —uN274
2. Subgenus, Dollenmilan — Lophoictinia Kaup 1845.
Diagn. Mit ſchwachem geftredtem Schnabel, der von ber
Wachshaut an gemeffen 14 fo lang als hoch iſt. Die Nafenz
Hinterhals voftgelb’ mit fehwarzbraunen Schaftfleden:
116°
Löcher viel: länger als. breit in einer, kurzen Washshaut: figend.
Flügel den langen Schwanz uͤberragend — Oberflügel fo lang
als die Flügelfpise,, Schwingen von innen, mit. ſchwarzen Baͤn⸗
dern und, ſtumpfen nicht. hakenförmigen Ausſchnitten.
Die Tatſen find nicht geſchildert, fondern fein geſchuppt —
Zehen geſchuppt mit drei Schildern vor den Nägeln: Aeußere
und mittlerer Zehe ohne Spur von Spannhaut. Die Sohlen
der ‚Beben “ftumpfwärzigs" "Der koͤrperlange Schwanz ſchwach
gegabelt.
In der Färbung, gleicht, die, eine Art dem gemeinen Milan,
allein, weicht ‚von; diefem ‚und den, Übrigen durch die. lodern vers
laͤngerten Kopffebern ‚und durch die.) gebanderten Schwingen ‚ab.
Indem der Zügel mehr als gewöhnlich mit MWollborftfedern
dicht bedeckt iſt und die Entfernung von dem Naſenloch bis zum
vorderen Augenwinkel, länger als gewoͤhnlich iſt, gleicht dieſe
Urt den Perunis-Arten, mit welchen, fie auch ‚in der "Fugbitvung
bemerkbare Aehnlichkeit hat. Ich kenne bis jetzt nur die eine
ſchoͤne Art, welche Goldein Neuholland entdeckte.
2). Der Goutdifche Hollinmilan. — Milvus isiu-
rus' Gould. Birds of Aust. 2. Proceed. V.
1837. 140, > F
Befhreibi nd Mit weißen ſchwarz 'gefchäfteten Stirn⸗ und
Augengegendfedern: " Stheitelfedern "afchgrau, an der Wurzel
weiß, mit roftgelber Einfaffung und ſchwarzen Schäften. Ohr:
federn aſchgrau, licht gerändert. Seitliche Halsfedern ſchwaͤrz⸗
lich, aſchgrau angeflogen und an den Seiten roſtroth. Naden und
Rüden
und die mittleren oberen Schwanzdedfedern ſchwarzbraun, die
feitlihe Schwanzdeckfedern Tichtbraun, weiß gefleckt und gebordet.
Kehle mit weißlicher Grundfarbe, alle Übrigen unteren Theile roſt⸗
roth mit ſchwarzbraunen Schäften und namentlich auf: der Bruft
und der Kropfgegend' mit breiten fchwarzbraunen, faſt die) ganze
Feder einnehmenden "Fleden. Die Federn der Hofen und die
untere Schwangdede lichter und mehr roftgelb; die verlängerten
Seitenfedern haben verſteckte weiße Flecken. Der Fluͤgel ift
fehwarzbraun ;" in der Mitte des Oberflügels lichter durch hell⸗
graubraune Federränder"— Schwingen '2.Drdn. und die Ded:
federn der 10 erften "Schwingen mit breiten ſchwarzen etwas
unbdeutlichen Binden. Die Schwingen felbft an den Außenfah—
nen aſchgrau angeflogen mit breiten fehwarzen Binden auf den
Innenfahnen. Von Innen‘ zeigt der Flügel die Eleinen Deck—
federn roſtgelb mit ſchwarzen Schäften und die längften aͤußer⸗
ften aſchgrau mit fchwärzlichen Enden. Die Schwingen find
nad) der Wurzel zu weiß ınit fchmalen grau gewäfferten Binz,
dem und Borden ber Innenfahnen, nah der Spike zu, find fie
bräunlichgrau:. Jede Schwinge zeigt. drei ſchwarze breite Baͤn⸗
ber. vor, der. fchwarzen ‚Endbinde.
Der Schwanz ift von oben bräunlich mit — Anflug
und von unten hellaſchgrau. ‚Er hat Spuren: von 4 ſchwarzen
Duerbinden, die zum Theil aus runden Tropfen beſtehen, eine
breite weiß gexrandete Endbinde.
Das Weibchen iſt groͤßer und die Kopffedern find —
Nah Goul deiſt die Farbe der Wachshaut und: der, Füße grau—
lichweiß, die der Iris blaßgelb, hellroth geſprenkelt.
Das Neſt iſt von Außen von Reiſig gebaut, von Innen
mit Blättern und der inneren Rinde der Pucalypten-ausgelegt.
Die zwey faſt kugeligen Eyer ſind ledergelblich. Das Eine war
fein roth geſprenkelt, nach der Spitze dunkler und am ſtumpfen
117
Theile großeöthlihbraun.
Fraß meift in Vögeln. -
gefleckt. Nach Gilbert beſteht ſein
Dimenſionen mas. — fem. Mittelzehe 36 — 39
Kopf 78 — 77 1. Schwanzf. 249 .— 266
Schnabel 22z — Rh 2. — 288 — 26569
Mundwinkel 40 — nd ul — 280 — 268
Oberfluͤgee 228. — 242 4. — 2262 — 2561
—— 226 — 2426. — 225 — 249
Tarſe HI — 69 6. — 224 — 2386
Das 3. Subgenus fehlt bis jetzt.
Mach den Analogien zu fchliegen, die dieſes Genus mit den
Haliasten hat, waͤte es möglich, daß dieſes Subgenus eine
aͤhnliche geſperberte Färbung wie der Haliaetus Agnia haͤtte
- und dabei mit höheren Tarfen und kuͤrzeren Zehen verfehen wäre.
’
Die einzelnen’ Subgenera, von Milvus laſſen ſich füglich mit
den Subgenera der Haliadten vergleihen. So z. ®. Milvus
regalis_mit feinem ſtarken in der. Sugend ſchwarzen, im, Alter
gelben Schnabel, mit feinem. im Alter meißlichen Kopfe mit den
eigentlichen Haliacten (alhicilla und leucocephalus)., ‚Die
zierlichere- mit laͤngeren Fluͤgeln verfehene Lophoictinia (isiurus)
mit den. Ictinoaöten (pondicerianus).. Die fifchfreffenden
Hydroictiniae mit ihren Anlagen von Stoßtauchen mit den’ Pon⸗
toaeten (vocifer ete.), und de.rgrößte Gypoictinia (melanoster-
non) mit feinem fehr großen Schnabel und bunten Kleid mit
dem größten, ſehr hochfchnäbeligen Thalassaetus (pelagicus.)
4. Subgenus, Aarmilane — Hyüroictinia Kaup.
Diagn. Mit kleinerem Kopfe, ſtarkem faft fo hoch als lan⸗
gem Schnabel, der einen laͤngeren Schnabelhaken beſitzt. Ober—
flügel laͤnger als die Fluͤgelſpitze, welche das Schwanzende faſt
erreicht. Die Schwanzdeckfedern bedecken nur das obere Drittel
des koͤrperlangen Schwanzes, der nur ſchwach gegabelt iſt. Die
Tarſen und Zehen geſchildert. Sohlen der Zehen ſpitzwarzig.
Dieſe Gruppe: kann nur als eine ſehr natürliche, erkannt wer—
den, wenn man die 4 bis jetzt bekannten Arten zuſammen bes
trachtet, wobey es jedem klar werden ‚wird, daß ſie ſich weſent—
lich als Subgenus nicht allein im Aeußeren, fondern auch in
der Lebensart von den vorigen unterſcheiden.
Sie haben meiſt ein ſehr duͤſteres faſt rußfarbiges Gefieder,
an welchem nur der Kopf und Hals etwas lichter gefärbt iſt.
Die Federn der unteren Theile haben ſchwarze Schaftlängs:
flecken, die licht gefäumt, find. Der Schwanz ift in jedem Alter
deutlich gebaͤndert.
Alte find Waſſer, namentlich Fluͤſſe und Meere bewohnende
Arten. Durch ihren Aufenthalt iſt es erklärlich, daß man
bereits vier Arten unterſchieden bat, was bey den übrigen ‚mehr
das Feſtland bemohnenden Subgenera nicht, der. Falk ift,
Die europäifhe Art zeigt eine von dem rothen Milan fehr
abweichende Lebensart und in den Hauptzügen- werden ‚die 3
andern mit ihr-Übereinftimmen. ‘Die europäifche zeigt- fich ‚ge:
wandter, fchneller,, iſt nicht ſo dummbdreift und. zieht Fiſche und
Froͤſche den warmblütigen Zhieren vor. Sie ift jedoch ebenfalls
ein -Schmaroger und nähert, ſich gern den Schiffen, um Fleiſch⸗
abgänge zu erbafchen. In ihren ‚Lebensart. zeigh fie die, analoge
Eigenfchaft- mit Pandion daß ſie an der, Oberfläche fhmwim:
mende Fifche ergreift; fie taucht jedoch nicht, vollftändig unter,
indem ihr das wahre Stoßtauchervermögen abgeht.
Die Arten werden fi) bey näherer Kenntniß der Lebensart
und der fehlenden Art,, auf folgende Meife ordnen laſſen:
1)M. parasiticus, 2) affinis, 3) fehlt, 4) ater, 5) govinda.
118
8) Der gemeine Yarmilan — Milvus ater @mel.
Falco ater Gmel. Naum. t. 31. 2.
Diagn. Schnabel ſchwarz, untere Anficht der Schwingen
einfarbig, oder vor den Ausfchnitten graulich weiß, dunkelaſch—
grau gemölft oder gebändert., Kopf im Alter weißlich und mit
dem Schnabel 76—77 Mm. lang.
Befchreib. Kopf und Hals weißlih mit ſchwarzen Schaft:
feihen, Nacken und alle unteren Theile roͤthlichbraun. Hofen,
Bauch und untere Schwanzdede mit fchmalen ſchwarzen Schaft:
fteihen. Die Schwingen von Innen faft einfarbig, oder vor
den Ausfchnitten grau gewoͤlkt, undeutlich gebaͤndert. Der
Schwanz ift von oben fhmwarzbraun mit - £aftanienbraunen
Schaͤften und mit 9 undeutlihen ſchwarzen Binden verfehen.
Von unten iſt der Schwanz „mit, dunfel afchgrauem Anflug,
weißen nah dem Ende hin braunen Schäften und etwas deut=
fiheren Binden. Das alte Weibchen ift_ unbedeutend größer,
mehr rußfarbig gefärbt.
Bey dem jungen Vogel find die Wangen und Kehle mehr
roftgelb und die Ohrgegend ift dunkler.
Kopffedern und die des Nackens mehr toftgelb mit dunfeln
Schaftſtrichen; das Fleine Gefieder des Flügels, des Ruͤckens
und des Steißes mit roffgelben Spiken, die unteren Theile roſt⸗
gelblich, in der Mitte mit ſchwarzen Schaftſtrichen.
Diefe Art gehört mehr dem Süden als dem Norden an und
ift in Südteutfchland namentlich in den R hargegenden gemei⸗
ner als der rothe Milan.
Dimenſionen mas. — fem. Mittelzehe 37 — 38
Kopf 76 — 77 1. Schwanzf. 269 — 276
Schnabel ON ern at — 264 — 265
Mundwinkelt 44 — 413. — 251 — 254
Dherflügl 232 — 237 4. — 247 — 246
Fiüigefpige 218 0 5.0 246 ul
Tarſe Br .56 6. — 234 234
4) Der verwandte Aarmilan — Milvus affinis
Gould, Proc. Zool. soc. 1837. 140. Austr, birds
VII. 3. Milvus melanogenys Temm. Schleg. Fauna
japonica.
Diagn. Mit ſchwatzem Schnabel, rußfarbigem Kopf und
Halfe, und vor den Ausfchnitten der" Schwingen mwolfenartig
gemwäffert ‚mit fehr umndeutlihen Binden.. Obere Ohrfedern
ſchwaͤrzlich. Kopf mit dem Schnabel 60 Mm. lang.
5) Der gelbfhnäbelige Aarmilan,
parasiticus Vaill. F. aegyptius Emel.
Diagn: Im Alter mit gelbem Schnabel.
Befhreib. Diefe Art ift größer als ater, affinis, allein
kleiner als govinda und fteht in der Größe zwiſchen ater und
regalis.
Kopf, Hals und Kehle graulihweiß; jede Feder mit ſchwaͤrz⸗
lihem Schaftfled. Rüden, Flügel und alle unteren Theile mehr
rothbraun als ſchwärzlich rußfarbig mit fhwarzen Schäften und
dunkleren. Schaftftreifen, die namentlich deutlich auf. der. Kopf-
gegend: find. ‚Die Dedfebern der Schwingen 2. Ordn. ſchwach
quer gebändert. Die Schwingen von Innen vor den Ausſchnit⸗
ten roſtgelblich, aſchgrau gewaͤſſert und ſchwarzbraun gebaͤndert
und gefleckt.
Der Schwanz iſt an den Mittelfedern mehr. rothbraun und
nur an den Aufßenfahnen der 2 äußeren Federn ſchwarzbraun.
Milvus
119
Er zeigt 12 zackig ſchwarzbraune Querbinden und licht oft:
gelbliche Endſaͤume.
Dimenfionen,
Kopf 82
Schnabel 26
Mundmwinkel 43
Dberflügel 252
Fluͤgelſpitze 220 (nicht ganz vollftändig ausgewachſen.
Tarſe 53
Mittelzehe 35
1. Schwanzfeber 294
6. — 160
Ein in Nord- und Suͤdafrica hoͤchſt gemeiner Raubvogel,
der viele Heuſchrecken vertilgt und ſehr wenig ſcheu iſt.
Beſchreib. Kopf, Hals und die unteren Theile rußſchwarz
mit ſchwarzen Schaftftrihen und Flecken und lichterer Einfaf-
fung auf den unteren Zheilen, die an den Hoſen und der un:
teren Schwanzdede fehlt. Der Flügel ift fchwärzlich, allein die
Eleineren Federn roftgelblich gerandet. Die Schwingen ſchwarz
mit Eaftanienbraunem Schimmer längs den Schaften, Der lich:
tere grau fingirte und gewoͤlkte Schwanz zeigt 10—11 fchief
nad) der Spitze des Schwanzes gerichtete Binden und breiter
voftgelber Endborde.
Beyde Vögel der Gouldifhen Sammlung find Männchen.
Diefe Art kommt, außer Neuholland auch in Japan vor,
denn dev Vogel, den Herr Temmind und Schlegel in der
Fauna japonica abbilden, weicht nicht im Geringften von dem
hier befchriebenen ab.
Nach Gould ift er ein fehr dummbdreifter Vogel, der. mehr
Baumbewohner als die übrigen ift.
Dimenfionen mas. Mittelzche 33-36
Kopf 60 1. Schwanzfeder 265
Schnabel 25 2, 252
Mundwinkel 38 3: — 232
Oberfluͤgel 200 4. — 220
Fluͤgelſpitze 198-208 5. — 214
Tarſe 93-56 6. — 208
Nach dieſen Dimenſionen iſt er kleiner als ater, zeigt jedoch
längere Fluͤgel und einen tief geſpaltenen Schwanz.
6) Der große Aarmilan — Milvus govinda Sykes.
Proceed. Zool. soc. 1839. 155.
Diagn., Der größte, denn. er erreicht die Größe von Mil-
vus regalis.
Beſchreib. Kopf rußfarbig mit roſtroͤthlichem Anflug und
dunkleren Schaftftrihen. Kehle graulihmweiß mit dunfleren
Schaftftrihen. Die Federn der unteren Theile länger und ſchmaͤ⸗
ler, ald bey den Übrigen, an der Wurzel weiß, an den Spitzen
tußfarbig mit dunflerem Schaftfled, der ſehr breit hell-
eoftfarbig begraͤnzt ift. Unter der Schwanzdede, zumeis
ler auch die Hofen fohfarbig, ſchmutzigbraun verlofchen gefledkt.
Die Schwingen von Innen vor den Ausſchnitten
blendend weiß ſchwarz gefaumt und in der Nähe
ver Schäfte ſchwarz gebändert. Der Schwanz grau—
beaun mit roſtroͤthlichem Anflug und Flecken, 8—9 deutlichen
Binden und weißem Endfaum. Von unten ift er filbergrau
mit 9-10 Binden, die an dem Rand der Innnenfahnen zu
in Flecken ſich auflöfen.
120
An den Flügeln zeigt fi die Wurzel der kleinern Federn
mehr weiß, was beym Derfchieben des Gefiederd zum Bor:
fchein fommt. ft
Der-junge Vogel ift fehr ausgezeichnet durch die oben fpigen
unten breiterwerdenden mweißlichen oder roftgelblichen Schaftfleden'
der schwarzen Bruſt- und Bauchfedern. Kopf, Hals, Flügel und
die obere Schwanzdede ſchwatzbraun mit weißen Schaftfleden
und Rändern. In diefem Kleid‘ ähnelt diefe Art den jungen
Ictinoaeten (ponticerianus.'et canorus). Diefe Art iſt in
Indien fehr gemein. Nach dem Vorgang: meines Freundes
6. Gray habe ich ihn früher als Milvus cheela Lath. auf:
geführt, allein unter Falco cheela Lath. ift der Circaetus
bacha fehr deutlich befchrieben,
Hardwicke giebt dem Milvus govinda den indifchen Namen
Godacheela; es fheint demnach, als bezeichne das Mort
Cheela im Allgemeinen einen Raubvogel.
Dimenfionen mas. — fem. Mittelzehe 40 — 40
Kopf 78 — 83 1. Schwanzf. 330 — 348
Schnabel 28 — 302% — 310 —
Mundwinkel — .83. — 300 —
Dberflügl 281 — BL 4 — 284 —
Fluͤgelſptze UI 24 6. — 281 —
Tarſe 55 —56 6. — 275 — 287
5. Subgenus. Geyermilan — Gypsictinia Kaup 1845.
Diagn. Schnabel faſt zweymal fo lang als hoch.
Befchreib. Der Schnabel ift fehr lang, vom Anfang ber
Machshaut gemeffen faſt zweymal- ſo lang als hochs Naſen—
töcher fchief nach vorn aufgerichtet, viel laͤnger als breit, Die
Innenfahne der Schwingen ſehr breit und fpikwinkelig Yauss
gefchnitten.
Die Tarſen find mit rauhen Schildfehuppen belegt, die nach
oben bin in kleine Querfchildchen- umgebildet find. Zehenruͤcken
groͤßtentheils getaͤfelt. Krallen did, ftumpf und ſchwach gebo—
gen. Der Schwanz hat nur Rumpflänge und erfcheint noch
kürzer, indem ihn die oberen Deckfedern zur Hälfte überdeden;
er Scheint ſchwach ftufenförmig zu ſeyn umd iſt nicht gegabelt?
Diefes fehr ausgezeichnete Subgenus enthält nur eine Art, bie
einige Analogien mit den Adlern, namentlidy mit Helotarsus
zeigt. x
7) Der fhwarzbrüftige Geyermilan — Milvus
melanosternon Gould. Buteo melanosternon.
Gould, .Austr. birds. IX. 1.* Proc. VIH, 162.
Die beyden männlichen Vögel der Gouldifhen Sammlung
haben die Größe von Kleinen Adlern, etwa die eines weiblichen
Pandion ichthya&tus, und übertreffen daher alle übrigen Arten
von Milvus an Größe,
Die zugefpisten langen Scheitelfedern, Geficht, Kehle, Bruft
und Bauch‘ mattfchwarz mit glänzend ſchwarzen Schäften.
Die Seiten, die untere Schwanzdede und die Hofen voftrorh.
Der Hinterfopf und Naden ablerartig roſtgelb mit ſchwarzen
Schaͤften und Schaftfleden. Nüden und die obere Schwanz:
decke ſchwarz, letztere durch roftröthliche Federn begraͤnzt. Der
Fluͤgebug iſt grau mit roſtrothen oder iſabellfarbigen Federraͤn—
dern, die ſo breit und gedraͤngt ſtehen, daß ein bereits lichtes
* Die ſonſt ſchoͤne Abbildung Goulds giebt nicht ganz genau
die Charactere und richtigen Verhaͤltniſſe des Kopfes, daher ich es ver—
ſucht habe, eine richtigere zu geben.
121°
Band entfteht. Der übrige Flügel ift glaͤnzendſchwarz oder
fhwarzbraun mit einzelen roftgelben Sleden. Die Hauptfhmwin:
‚ gen find an der Wurzel hellafchgrau oder gelblichweiß mit weis
fen Schäften. Von Innen zeigt der Flügel die kleinen Ded:
federn voftbraun und die längeren Dedfedern graufhmarz. Die
Schwingen felbft vor den Ausfchnitten biendendweiß, einen
großen Spiegel bildend.
Der Schwanz iſt von oben bräunlich mit afchyrauem An:
flug; von unten iſt er an der Wurzel weiß, nad) der Spitze
hin grau gewäffert.
Beyde Sndividuen der Gouldifhen Sammlung find im
December. erlegt und hatten die Spisen der Schwanzfedern ab—
gerieben. . Auf. Eeinen, Fall war der Schwanz gegabelt, fondern
er fcheint gerade gemwefen zu fern und ‚die mittleren Federn fcheis
nen die Übrigen etwas überragt zu haben.
Diefer Vogel, der zu einer der intereffanteften Entdeckungen
des Herrn Goulds gehört, ift auch in feiner Lebensart nad)
Heren Gould, höchft merkwürdig, denn er raubt weihenartig
die Eyer von fehr großen Vögeln, die er wegen der harten
Schale aus der Luft auf die Erde fallen läßt, um fie zu
zerbrechen.
Dimenfionen. Flügelfpige 223
Kopf 100 Tarſe 65
Schnabel 33-35 Mittelzehe 50-51
Mundwinfel 55 Schwanz 191-208
Dberflügel 259-263
Bemerfungen
über die auf einer Reife nach Stalien und Sicilien beobadıteten
Schmetterlingsarten von P. C. Zeller.
Soll eine Aufzählung der Thiere oder Pflanzen eines Landes
ihren Zwed ganz erfüllen, fo darf fie. nicht bloß in einen ein—
fachen Negifter beftehen. Sie muß außerdem auf die Faunen
und Floren womoͤglich aller Länder, mit denen es in irgend
einer. Beziehung fteht, Nüdfiht nehmen und auf die Abweich-
ungen nicht allein im Allgemeinen, fondern im Allerfpeciellften
- aufmerffam machen. Nur fo lernen wir die Species wahrhaft
fennen, wovon wir noch fo meitentfernt find; denn die we—
nigften kennen wir nad) dem Einfluffe, den climatifche, perio—
difhe, locale und andere Verhältniffe auf fie hervorbringen.
Die Anfertigung eines vollfommenen Verzeichniffes ift Feineswegs
ganz mühelos; fie erfordert fortgefegte Beobachtungen, reichliches
Material und Kenntnif der Producte anderer Rinder; die Anz
fprüche, die man an daffelbe zu machen berechtigt ift, find von
der Art, daß fie für’jegt noch auf Feine Meife befriedigt wer—
den können. Denn Beobachtungen find Ergebniffe der Zeit und
werden um fo genügender,. je ‚längere Zeit auf ihre Anſamm—
lung verwendet wird; Wergleiche laffen fih aber mit andern
Saunen oder Floren nicht anftellen, ohne daß die Werke dars
über oder die fie erfeßenden Sammlungen in der erforderlichen
Bollfommenheit vorhanden find. Da nun erftere noch gar fehr
fehlen und begreiflicher Weiſe noch lange fehlen werden, letztere
aber den Bedürfenden oft ganz unzugänglic find; fo muf, um
doch auf den Zweck hinzuarbeiten, das vorhandene, zugängliche
Material wenigftens gewiffenhaft benust ‚werden. Wo Anhalts-
puncte für die Vergleihung fehlen, wird man oft nichts anders
thun Eönnen, als die Gegenftande aufs Genauefte befchreiben,
was vorzüglich bey denen gefchehen muß, die man für neu
Iſis 1847. Heft 2.
— Q —
— —
122
haͤlt. Man hat ſich aber dabey vor einem Irrthum in Acht
zu nehmen, der ſo unſaͤgliches Unheil geſtiftet hat, vor der
Meynung, man muͤſſe ſeinen Gegenſtand moͤglichſt kurz be—
ſchreiben, um nicht in den Fehler der Weitlaͤufigkeit zu ver—
fallen. Die traurige Folge davon ift das Verkennen des Ge:
genſtandes, Vorführung deffelben unter einem andern Namen,
wiederholte ungenügende Befchreibung, Anbäufung von Namen
für denfelben "Gegenftand und Verwirrung der Synonymie.
In den meiften Fallen Eann man gar nicht wiffen, was an
einem Gegenftande zur befchreiben nothig ift, um dem die Be:
ſchreibung Benugenden die Anficht des Driginals überflüffig zu
maden. Se Eürzer fie ift, defto mehr hängt es vom Zufall
ab, ob fie gerade das Mefentliche enthält. Die genauefte und
ausführlichfte Beſchreibung ift alfo der ficherfte Weg zur Foͤr—
derung der MWiffenfchaft. Den Vorwurf, den man gewoͤhnlich
fürchtet, fann man dadurd) befeitigen, daß man die Merfmale,
auf weldhe man die Aufmerkfamfeit am meiften Ienfen zu
müffen glaubt, zufammenftelft und hinterher die ausführliche
Beſchreibung, die für alle Fülle forgt, folgen Laßt.
Um das Gefagte auf ein beftimmtes Beyfpiel anzumenben,
fo ift dag verdienftvolle der Namburifchen Arbeit über die
Falter Corficas nicht zu verfennen, da fie ung mit der Zahl
und den Namen der auf diefer Inſel lebenden Arten befannt
macht und durch manche Beobachtung angenehm und belehrend
überrafcht. - Wie viel belehrender wäre fie aber, wenn fie ung
auch mittheilte, ob denn die Arten, meiche dort und in andern
Gegenden Europas zugleich vorfommen, in allem übereinitim=
men, und da dies bey vielen beftimmt nicht der Fall ift, worin
fie ſich unterfcheiden. rführen wir dann Zuppriäffiges und
Hinreichendes über die Befchaffenheit des Bodens, des Klimas,
der Vegetation der Inſel; fo Tieße fich wohl zulegt erklären,
was die Modificationen im Ausfehen, im Leben und Meben
der Sndividuen von einerley Art unter verfchiedenem Himmel
erzeugt; angeben, daß und warum fie in diefee oder jener Ges
gend häufig oder felten find oder fehlen müffen, und fo eine
für den philofophifchen wie für den oͤconomiſchen Zweck genuͤ—
gende Kenntniß der Species erlangen. "
Diefes Ziel habe ich bey meinem Sammeln und Beobachten
im Süden Europas und bey meinen folgenden Mittheilungen
vor Augen gehabt. Wie wenig ich mich ihm nähere, und
warum ich mich ihm fo wenig nähere, weiß ich recht gut. Aber
auch fo dürfen meine Bemerkungen als ein nüsliches Material '
betrachtet werden, und zwar um fo mehr, als fie ausführlich
find. Den Vorwurf unnuͤtzer Aufzahlung von Kleinigkeiten
fürchte ich ſo wenig, daß ich vielmehr in einigen Fällen in Sor—
gen ftehe, ob ich nicht manche Cinzelnheit weggelaſſen babe,
die man fpäter ungern vermiffen wird.
Solche genaue Unterfuhungen Koften Zeit und Mühe, und
ich begreife wohl, warum fie gewöhnlich nicht vorgenommen
werden. Einen Lohn dafür habe ich, wie mir wenigſtens ſcheint,
dadurch ſchon erhalten, indem ich auf etwas aufmerkſam ge
worden bin, mas, foviel’ich weiß, bis jetzt noch nicht beachtet
werden iſt, nehmlich auf den Einfluß, den die Verfchiedenheit
der Jahreszeiten auf) manche Arten und Gattungen z. B. die
Pontien und Papilionen, ausübt, und der nun mohl Eünftig
beffer gewürdigt werden wird.
Diejenige Küfte Siciliens, anf welcher ich hauptſaͤchlich ge:
fammelt und beobachtet habe, hat wenigftens mit dem’ füdlichen
Theil des feften Landes von Stalien die größte Uebereinftimmung ;
die Faunen des Königreichs Neapel umd der Inſel Sicilien
8*
123 =
Eönnen nicht getrennt werden. Schon dieſer Umftand wird mid)
entfhuldigen, wenn ih auf-Coftas Fauna del regno di Na-
poli Rüdficht nehme und die von ihm aufgeführten Arten mit
den meinigen vergleiche. Außerdem ift das Werk fo ſchwer zu
erlangen, fo. theuer und dabey fo werthlos, daß dem Beduͤrf⸗
niß der Lepidopterologen vollkommen genügt wird, wenn ich
alles nur irgend Erwähnenswerthe aus dem Buche mittheile
und ſo einen Auszug liefere. Was dieſer nicht enthaͤlt und vie—
les, was er enthält, iſt alles völlig uͤberfluͤſſig; es find. dies
vor allen Dingen die fehr ſchlechten Bilder und die Menge ab—
gefchriebener und übel angewandter Citate.
I. Abtheilung.
Bemerkungen Über die einzelnen Species.
Melitaea.
Eofta zähle 4 Species als neapolitanifh auf, meine 3 und
Mel. trivia als häufig um Neapel, aber mit welchem Rechte,
muf die Erfahrung lehren.
1. Phoebe. t
Auf dem höhern Theile des ehemaligen Syracus flogen ein
paar Eremplare zwiſchen Felfen neben einem Getreidefelde am
26. April; ich befam nur ein Exemplar, ein ſchoͤnes Männchen
von gewöhnlicher Größe. Die Grundfarbe feiner Flügel ift
ziemlich hell; die ſchwarzen Querfledenreihen fhmal, fo daß
jene ſehr vorherrſcht. Auf den Hinterflügeln find die heilen
Felder der vorlegten Meihe breit mondfichelformig und haben
auf ihrer hintern Hälfte ſchwaͤrzliche Nebeiflede.
Nah Cofta lebt die Art in Calabria ulteriore und Terra
d’Otranto. (Lepidotteri diurni p. 16. tab. 7. fig.1.2. —
Es foll aber wohl heißen tab. 6. fig. 1. 2.5 denn hier zeigt die
Unterfeite doch wenigftens zwey ſchwarze Puncte an der Baſis;
dort find gar Eeine zu fehen.)
2. Didyma.
(Wagners Algier II. p. 203. — Costa Fauna Lepid.
diurn. p. 14.) Im Süden fcheint fie in zwey Generationen
vorzufommen, deren erfte im May und Anfang Suny, die ans
dere im Suly, Auguft und Anfang September fliegt. (In uns
fern nördlid)en Gegenden fehlt die erfte; die zweyte fängt zu
Ende Suny zu fliegen an). Won jener fing ic) am 14. May
auf der Halbinfel Magnifi nördlih von Syracus auf den gras—
und blumenreihen Wiefen drey Männchen, die eben erft aus»
gekommen waren, Ein fehr abgeflognes Weibchen fing id im
Thale von Ispica am 11. Juny. Die zweyte Generation flog
faft an der ganzen Straße von Neapel nah Rom; befonders
ſah ich fie füdlich von Fondi, aber nur in einzelnen Exempla—
ren. Reichlicher war fie auf den dürren Gras= und Diftelplägen
an der Stadtmauer von Nom und in der Campagna nördlic)
und füdlid) diefer Stadt.
Meine eremplare der erften Generation zeichnen ſich vor
denen der zweyten durch ihre Größe aus, indem fie darin den
größten: hiefigen gleih fommen. Alte mit Ausnahme des Weib:
chens von Sspica fallen auf duch ihr ſchoͤneres, reineres Roth—
gelb und die Kleinheit und geringe Zahl ihrer Flecke. 1) Die
drey Eremplare von Magnifi haben eine brennendere Grundfarbe ;
die Flecke der Bafis der Vorderfluͤgel befonders Elein oder. theil-
weiſe fehlend; von der vorletzten Neihe find nur die 3 erften
am Vorderrande vorhanden (nur dag eine Eremplar hat bie
andere durch Nebelflecke angedeutet); auf den Hinterflügeln
fehlt außer der Fleckenreihe vor dem Hintertande und etlichen
124
Sledchen gegen den Snnenrand alle Zeihnung. Auch auf der
Unterfeite find die Flede mehr punct= und ftrichförmig; wenn
fie nicht, wie gegen die Worderflügelbafis, ganz fehlen. Das
Gelb der Hinterflügel ift lebhafter als gewöhnlih. Ein folches
Eremplar aus Corfu fah ich aus der Heringifchen Sammlung.
Hierzu ‚gehört vielleiyt Melit. didyma Zerrich - Schäffer ſy⸗
ftematifhe Bearbeitung Papil: fig. 133. p. 26. als das Weib:
chen. — 2) Das Weibchen von Ispica hat Aehnlichkeit mit
Herr.-Schäffer Papil. tab. 56. fig. 267. 268. Mel. Fa-
scelis var? (die gewiß nichts ale Mel, didyma ift.) Es hat
aber die ganzen Worderflügel grünlichgrau überzogen und die
ſchwarzen Flede nicht zu Binden zufammengefloffen; auf den
Hinterflügeln breitet fid die Verdunklung ( jedoch nicht in ſchwar—
zer, fondern nur in grauer Barbe) bis zum Hinterrande aus,
und dag Nothgelb ijt bläffer. Auf der Unterfeite bietet es fo
wenig, wie diefe Figur, eine Abweihung von Didyma dar;
auf den Vorderflügeln fehlt ihm die Querreihe ſchwarzer Flecke,
die diefe Figur hinter der Mitte wie. die gewöhnlichfte Didyma
zeigt.
3) Zu der Eleinen Commergeneration, worunter ich aber 2
Meibchen habe, die den gewöhnlichen hiefigen in der Größe nichts
nachgeben, gehört unbezweifelt Herr.-Schff. Melit. Trivia
(aus Raguſa) Pap. p. 25. tab. 29. fig. 131. Diefe Genera=
tion, von der ich ein ungarifhes (?) Weibchen aus der He—
ringifhen Sammlung ſah, hat die Grundfarbe heller als meine
Dariet. 1., und die Flede in eben fo geringer Zahl, oder über-
einftimmend mit denen der gewöhnlichen Melit. didyma, ftets
aber in fo geringer Größe, daß die Grundfarbe viel reiner und
breiter als bey der nordifchen Didyma hetvortritt. Das Gelb
auf der Unterfeite ift veränderlich, oft bläffer als bey unferer
Didyma, felten fo fhön wie Var. 1. bey Herrich Schäff.
Figur ftellt ein Eleines Meibchen dar, wo auf den Vorderflü-
geln die vorlegte Neihe ſchwarzer Flecke fehlt, und auf den Hin—
terflügeln außer den zwey Neihen vor dem Hinterrande feine
Flecke vorhanden find. Melit. Trivia hat vor der Randflecken—
teibe der Hinterflügel eine ziemlich dünne ſchwarze Kappenlinie,
deren Zähne an den Laͤngsadern bis zum Hinterrande hinabge—
ben; daffelbe zeigt auch die Warietät Fascelis. Bey Melit.
didyma find ftatt diefer Kappenlinie, die Mondficheln, die
geößtentheild von einander getrennt bleiben und mit ihren Hoͤr—
nern den Rand nicht erreichen.
3. Athalia.
(Costa Faun. pag. 16. tab. 6. fig. 3. 4. tab. 7. fie.
1—4).
Ein unbrauchbares Eremplar fing ich bey Gamaldoli in der
Nähe von Neapel am 16. Auguft an den Blüthen des Eupa-
torium cannabinum.
Gofta citirt auch tab. 6., fig. 1. 2 als Melit. Athalia;
mir fcheint fie aber zu Mel. Phoebe gehörig. Tafel 7 läßt
er bey Athalia weg, wohin fie doch nur gehören kann, und
eitirt davon fig. 1. 2 zu Phoebe. Da nun die Bilder außer:
dem fehr fchlecht find, fo Laßt fidy bey diefer Confufion denken,
welchen Nutzen die Staliener aus dem Werke ziehen werden!
Argynnis.
Cofta zählt folgende Arten als neapolitanifdy auf: 1) Se-
lene, häufig am Aspromontegebirge bey Reggio, unter-der Bu—
chenregion; 2) Daphne mit der vorigen am Aspromonte, auch
auf dem Sila bey Gofenza, in der Fläche bey Capua und an—
derwärts, 3) Euphrosyne im füdlihen Calabrien unterhalb
auf den hohen Bergen, und auch bey Gamalbdoli.
,
—
125
der Buchenregion. 4) Latonia. 5) Niobe. 6) Adippe
mit zwey Varietaͤten:? «@) alis postieis subtus virescentibus,
maculis pallidis ocellisque ferrugineis argenteo-pupilla-
tis. £) alis postieis maculis pallidis vix distinetis, area
rufescente, ocellis plerisque caecis; beyde auf dem Aspro—
monte mit den vorigen zu derſelben Zeitz filberfledige Exem—
plare fand er nie. 7) Aglaja mit den vorigen im füdlichen
Calabrien. 8) Paphia im Süden des Reichs ſchon im Juny,
nicht hoch Über dem Meere und bis an diefes herab ben Staiti,
Piedimonte d'Alife, Lecce, Otranto, Loco rotondo ufv. 9) Pan-
dora felten bey Dtranto, Bari und Staiti mit Paphia.
Bon allen diefen Arten teaf ih nur:
4. (1) Latonia.
Sn einem tiefen Gebirgsthale bey Meffina flogen am
2. April zwey Eremplare auf einem Ader, und ich fing ein
nicht mehr friſches Männchen, das ſich durch Größe gar nicht,
und bloß durch etwas dunkleres Braunroth auf der Unterfeite
der Hinterflügel von den hiefigen Eremplaren unterfcheidet.
Schon am 9. Februar fah ich in diefem Thale eine Latonia
fliegen. Anderswo kam fie mir bey Meffina nicht vor; dod)
wird fie in der Umgebung der Palermitaner Strafe nicht feh—
len, da dort überall Viola graeilis an den Höhen und Viola
odorata in den Gründen häufig ift. Am 30. Juny flogen
mehrere Latonia am Xetna in der untern Waldregion auf Blu:
men; id) fing ein Männchen, welches weder in Gröfe, noch in
Färbung im Geringften von unferer Sommergeneration abweidht.
Vanessa.
Cofta Eennt 9 im Königreich Neapel lebende Species (Lepid.
diurn.. pag. 25 fl. 1) Antiopa häufig auf dem Mateſe,
anderwärts felten im July und Auguſt. 2) Jo im Auguft
feltner als im März: um Neapel bey Camaldoli und faft big
zum Meeresufer hinab. 3) Polychloros. 4) Urticae
5) Cardui,
6) Atalanta, felbft im Winter. 7) V album ſehr felten,
nur in den füdlichften Gegenden. 9) C album auf dem Ma:
tefe etwas felten, im Süden nicht anzutreffen. — Mir kamen
nur 5 Arten vor:
5. (1) Urticae,
Selten um Meffina. Zum erften Male fah ih am 22. Fe:
bruar drey Eremplare an den Srühlingsblumen des Gonzaga=
berges und fand mich fehr unangenehm getäufcht, ftatt der Van.
> Ichnusa den gemeinen Falter vor mir zu haben, während die
Zülle von Urtica pilulifera an manchen Stellen um Meffina
mit jene zu verfprechen gefchienen hatte. Einzelne Eremplare
flogen noh im März. Das einzelne, am 22. Februar gefanz
gene Eremplar weicht doch ein wenig von den in meiner Samm:
lung befindlichen Schlefiern ab. Auf den Vorderflügeln ift der
dem Innenrande naͤchſte ſchwarze Fleck Kleiner, laͤnglichrund
und unberuͤhrt von der gelblichen Beſtaͤubung, die ſich von der
Baſis her am Innenrande hinzieht, und überhaupt eingeſchränk—
ter iſt als bey jenem. Auf den Hinterfluͤgeln iſt der rothe
Raum breiter als bey unſerer Fruͤhlingsgeneration — ich finde
ihn auch an meinen Exemplaren der Sommergeneration aus
der Ebene merklich-ſchmaͤler — und der Rand des ſchwarzen
Murzelfeldes tief ausgenagt, befonders nahe am Worderrande ;
auf der Unterfeite ift das Aufenfeld fehr gebräunt und verdun-
Eelt. — Obgleich das Eremplar nicht ganz rein ift, mag ich
doch nicht mit Beftimmtheit fagen, daß e8 ald Schmetterling
überwintert habe. Menn Atalanta im Freien fliegt, follte
126
V. Urtieae doh auch zum Vorſchein kommen; ich Habe fie
aber nicht cher als am genannten Zage gefehen. — Wagner
führt fie nicht als algierifh auf.
6. (2) Atalanta
(Wagners Algier II, ©. 202) um Mefiina. Am 31. Sa:
nuar fah ich zuerft ein Eremplar fliegen; alle fpäter gefehenen
waren offenbar im vorigen Jahre ausgefrohen und fahen ſehr
zerfegt aus. Sie hielten fich gern um Berggipfel bey gutem
Wetter. Schon am 21. Jannar und fpäter öfter fand id)
die Naupen an Urtica dioica und pilulifera, immer mehrere
an einem Buſch, jede in einem zufammengezogenen Blatte.
In meiner Falten Wohnung kroch mir der erfte Schmetterling
am 4. April aus; am 12. April fah ic) an einem hohen
Berge ein ganz frifches Eremplar fliegen. Meine erzogenen
Eremplare find Elein — aus Mangel an Futter — und von
12 hat nur eins den meifen Punkt in der rothen Binde.
(Ochſenh. 1, 2. ©. 234.) Die rothe WVorderflügelbinde ift
ſchmal und bey einem Eremplar in der Mitte vollftändig untere
brechen, die andern bier nur mit einem Querftreif aus ſchwar—
zem Staube veriehen. In der rothen Hinterflügelbinde ift von
den 4 ſchwarzen Flecken der legte groß, dreyedig und. blau über:
dedt, wie auc öfters der dritte. Auf der Unterfeite ift die
Vorderflügelfpige und auf den Hinterflügein die Mitte und der
Hintergrund befonders hell und gelblich.
7. 8) Cardui
(Magners Algier II, ©. 502) um Meffina, Catania und
Syracus nicht häufig; ein gutes Eremplar Fam mir um Mef:
fina am 15. Februar vor. Ein am 23. April bey Syracus
gefangenes Exemplar ift bläffer als die unfrigen und Eleiner.
Diefes fowohl wie die 2 Catanefer find nah dem Aufweichen
ſpeckig geworden, und bey den legtern baben fich ſchnell die gan—
zen Flügel überzogen. Bey Neapel klopfte ich ein begattetes
Paar am 15. Auguft gegen Abend aus Eichenlaub nahe beim
Agnanofee. In auffallender Menge ift mir diefe Art auf mei—
ner ganzen Neife nicht erfchienen. Auch bey Trieſt flog fie
Mitte September. Bey Catania befuchte fie die Blüthen des
rothen Baldrians fleißig.
8. (4) € album.
Um Neapel, felten, nach der Mitte des Auguſt. Zwey am
20. und 21. gefangene, ſchon fhlechte Eremplare, wovon das
eine eben auf Neffen Eier legen wollte, gehören zu der Varie—
tät mit weniger tief ausgezadten und auf der Unterfeite helle-
ven Klügeln und fehr deutlihem C. Nur ihre Größe zeichnet
fie ein wenig aus. in Eremplar fah ich in den pontifchen
Sümpfen an der Randftrafe am 24. Auguft. Beim Agnano—
fee fand ich auf Nüftern eine Raupe, deren Befchreibung, die
nachfolgt, zeigt, daß fie hieher gehört. — Die erften 5 Ringe
obenauf roftgelb mit weißgelblichen Dornen; die folgenden Ringe
oben weiß und meißdornig, alle an den ©eiten auf blaͤulich⸗
grauem, marmoriertem Grunde mit roſtrothen verſchlungenen
Linien; die 5 erften Ringe ohne die ſtarken ſchwarzen Striche,
welche ſich am Anfange jedes folgenden als Begrenzung der
weißen Farbe zeigen. Kopf und Prothoror braun, gelb liniirt
und punftirt, jener mit zwey ſchwarzen zadigen Dornen. Der
King über der Afterklappe ſchwarz, heilfledig, vorn mit weißem,
dreyedigem Ausſchnitt; Afterklappe mit ſchwarzem Laͤngsſtrich
in der Mitte. Luftloͤcher ſchwarz und durch ihre weißen Ringe
ſehr auffallend,
127
9, (5) Triangulum.
Diefer Südeuropäer fliegt in der Stadt Neapel und in ber
Umgegend, ferner bey Gaftellamare, nicht felten, mit dem feden
Betragen der Van. C album fich auf den Grünzeug= und
Obſtmaͤrkten niederlaffend und den Verfolger äffend. An eine
fonnige Gartenmauer in Antignano zwilchen Neapel und Ga:
maldoli festen ſich mehrere Eremplare am 16. Auguft. Ihre
wenig abgenugten Flügel fchienen anzuzeigen, daß ihre Flugzeit
nicht ganz mit der von EC album zuſammenfaͤllt.
Limenitis.
Don den 2 Arten, die nad) Cofta im Neapolitanifchen vor:
£ommen, Sibylla und Camilla, habe ich nur
10. (1) Camilla
entdecken können. in Eremplar flog in Gaftellamare auf der
Straße und feste fih auf eine feuchte Stelle, am 8. Auguft.
Bey Cifterna, am Nordende der pontiniihen Suͤmpfe, flogen
mebrere am 24. Auguſt in dem Gange zwifchen 2 Gartenzäus
men, die aus Ulmen-, Mifpel-, Schleh-, Roſengeſträuch,
Clematis und Evonymus beftanden. An der Südfeite von
Rom traf ich wieder mehrere an den Gartenbeden am 24. Aug. S
und wie bey Gifterna festen fie fich bisweilen auf Blätter höhe:
tee Sträucher oder niedriger Baumäfte. In den Apenninnen
flogen mehrere, hinter Fuligno am 5. September an Garten-
beden. Der Flug diefes Schmetterlings hat etwas Segelndes,
dag nur bisweilen durch ein Flattern unterbrocdyen wird, Es
iſt gewiß, daß die Raupe an feiner diefer 4 Stellen auf einer
Lonicera Iebt.
Charaxes.
11. (1) Jasius.
(Costa Faun. Diurni. Nymphalis pag. 1—7.) Um
5. März Elopfte ich in der Nähe von Meffina bey Gravibelli
auf einem hohen trockenen Berggipfel eine halberwachfenne Naupe
von ihrer Futterpflanze, Arbutus unedo,. die hier oben faum
Mannshöhe hatte.
Eofta giebt von diefem Falter eine fehr ausführliche Nach-
richt, von welcher ich einen das Möthige enthaltenden Auszug
mittbeile. Er meint, Ch. Jasius fei aus der Barberei einge:
wandert und werde fich mwahrfcheinlich noch weiter ausbreiten;
ich felbft bin bereit, das erftere zu glauben, wenn man bewie-
fen haben wird, daß Arbutus unedo eben daher ſtammt; da
ic) mich durch eigne Anficht von der Unmöglichkeit diefes Nach-
weiſes überzeugt habe, fo verwerfe ich diefe Go ft aifche Meinung
eben fo entfchieden, wie die von der wahrfcheinlihen Meiterver-
‚ breitung des Falters. Er erzählt zwar, in Zerra d’ Dtranto,
wo Arbutus unedo in den Wäldern fehr häufig fen, habe er
ihn troß alles Suhens nicht finden Eönnen, und erflärt dieg
aus der Veränderlichkeit des dortigen Klimas und den ftrengen
Fruͤhlingsfroͤſten, die ihn nicht auffommen laſſen. Letzteres ift
gewiß ein Irrthum. Um Meflina fand ich die Naupe auf
dem Gipfel eines hohen Bergrüdens, der im Februar oft des
Morgens mit Schnee bedet war. Ohne Zweifel wird ſich
Ch. Jasius aud in Terra d' Otranto auffinden laſſen.
Softa’s fehr ausführliche Befchreibung der Raupe, in mel-
her dem Körper nur 11 Ringe ertheilt werden, übergehe- ich,
weil ich felbft die Raupe nach der Natur befchreiben Eann.
Diefe Raupe halt fih nah Eoſta auf einem Blatte als ihrer
beftündigen Wohnung auf; fie verläßt es, fih den Weg mit
Seide befpinnend, um an einem nahen Blatte zu fteffen, worauf
128
fie ſich auf der. feidenen Straße wieder nach Haufe begiebt;
trifft fie dabey auf einen Scheideweg, fo prüft fie genau, damit
fie ja den nad Haufe, führenden Weg nicht verfehlt, Im
Kriechen gebraucht fie die Kralfenfüße nicht (2), fondern, indem
fie die Seide anklebt, zieht fie die Ringe zufammen und ruͤckt
fo auf den Bauchfuͤßen langfam vor. Auf ihrer befponnenen
Ruheſtelle hängt fie, das Geficht gegen das Licht gewendet, mit
den Bauchfüßen feſt, wobey ihre Krallenfüße zufammengezogen
find, und ihr Maut auf dem Blatte ruht. Zum Freſſen geht
fie an das zulegt benagte-Blatt und führe genau an. dem Punkte
zu nagen fort, wo fie aufgehört hat; nie beißt fie ein neues
Blatt an, ebe fie das alte vollffindig aufgezehrt bat. Ihre
Mahlzeiten hält fie pünktlich alle 4 Stunden, fo daß fie eine
wahre Uhr des Faunus (orologio di Fauno) zu fein fcheint.
Nach der legten Häutung frißt fie den erften Tag, Quadrat—
zoll, den folgenden +, dann einen ganzen Zoll; fo fteigend ver—
zehrt fie am legten Zage ihres Naupenftandeg, wo fie ihre tuͤch—
tigfte Mahlzeit. hält, ein ganzes Blatt, im Werthe von 2 Qua⸗
dratzollen. Der Zeitpunkt ihrer Haͤutung wird angedeutet;
1) durch ihre Stellung, indem fie den Kopf ziemlich fteil und
die Krallen in die Höhe hält, ftatt daß fie fonft den Kopf in
den Naden gezogen und dad Maul auf dem Blatt ruhend
trägt; 2) erfcheint an jeder Seite des Halſes ein dreyediger,
biutrother, vorn gelblicher Fled, der nach der Häutung verfchwin-
det; 3) faftet fie 36—47 Stunden vor und 6—8 Stunden nad)
der Hautung, und zwar in der Jugend, die größere, im. Alter
die Eleinere Zahl von Stunden. Zur Verpuppung fucht fie eine
weniger helle und fühlere Stelle, daher die NMordfeite ihres Aſtes
oder eines benachbarten, und hängt ſich daran wie gewöhnlich
mit den Hinterbeinen auf. Während bey früheren Haͤutungen
die Kopffchale abgefondert von der Körperhaut fich abloͤſt, Fällt
beydes zufammenhäangend bey der Verpuppung ab. Diefe erfolgt
24 Stunden nah dem Aufhängen (am 5. Auguft). — Die
Puppe ift bläulichgrin, am Rande der Flügeldeken roſig an-
geflogen; am Kopfe ift fie Feilförmig, am Hinterleib gedunſen,
rund und etwas umgebogen. Sie hängt vermittelft eines durch
den After gebildeten Stieleg, der zur jeder Seite einen Köder
hat (gebildet durch die Afterfpigen), und darunter find zwey
elliptifche, mit einem rauhen, roftfarbenen Rande | umzogene
Maͤhler an der Stelle der Hinterbeine, Sie ift glatt, glänzend,
faft einer, Eichel ohne Kelch, oder einer Bulle Ähnlich; an der
Seite fieht man die Linie mit den Luftlöchern.
Nah 11—12 Tagen erfcheint der Falter... Die Ener find
faft rund, an einer Seite faft. flach, mit fernartig Fraufer
Fläche, goldgelb mit blutrothem Punkt und Ring darum: oder
auch ohne beides, je nach dem Gefchlechte. Nur. ein Ey wird
auf ein Blatt gelegt, nur fehr felten findet man mehrere darauf;
immer. befindet es fich auf der Dberfeite des Blattes. Nach)
11—12 Tagen Eriechen die Raupen aus, wenn. die Temperatur
nicht unter 18° N. ift. Die junge Naupe iſt orangegelb,
275 Linien lang. Am Fenfter kamen einige bis zur dritten,
andere zur zweyten Häutung, worauf die Winterfälte eintrat
und ihr Wachsthum aufhielt; fie ertrugen eine Temperatur von
+ 5°R. (Bey Meffina lag auf dem Berge, wo ich die
Kaupe fand, der Schnee halbe Zage lang). — Darauf folgt
ein fehr ausführlicher Vergleich der Färbung, der Fluͤgelſchwaͤnze,
der Todesart des Falters, Ch. Jasius, mit der Kleidung, der
Rüftung, und; dem Tode des Jason!
Auf der Zafel ift dargeftellt: A) die erwachfene Naupe mit.
fonderbarer, unnatürlicher Stellung der Bauchfüfe, font Eenntlich.
129
B) die Puppe, wahrfcheinlich gut abgebildet, am einem Aeſtchen
eines. Arburuszweiges, auf: deffen einem Blatte Die Raupe figt.
©) Ein Ei, vergrößert, auf das Die Beſchreibung gar nicht paßt;
es iſt eine gelbe Kugel, die einen furzen, rothgezeichneten Mohnz
fopf enthält.
Den Falter und die Naupe fand Eofta in Neapel in dem
öffentlichen Garten Villa reale; ich habe bey Neapel nur an
den Höhen un bie Solfatara Arbutus gejehen. Germar
bemerkt in feiner Reife nad) Dalmatien S. 275, daß der Falter
auf den Infeln Leſina und Brazza haufig war und in den Gip—
feln der Del: und Feigenbäume fehr fchnel flog, Wagner
‘Algier IL, S. 203), der ihn auch für einen Ginmanderer in
Guropa aus Africa erklärt, traf ihn, zwar nirgends häufig, bey
Dran, Algier und Bona im Sochfommer und Herbſt; der Flug
ift nach, feiner Angabe Teicht und majeftätifch. Ich Telbit ſah
den Falter bey Meifina nicht, weil ich im Hochſommer die Berge
nicht bejtieg, Die feine Nahrungspflanze reichlich hervorbringen ;
vielleicht reifte ich auch zu früh ab.
Die Raupe, die ich fand, fonnte wahrend des Transportes in
der Schachtel, wegen ihrer Furzen Beine nicht zum Feftfißen
kommen; die Erfehütterung war ihr fchädlich, To daß fie fchon
am 12, März todt war, nachdem fie nur einzelne Blätter am
Rande angenagt hatte.
Sie ift ſanft gewölbt, nach Hinten verdünnt und in Die weit
über den After wegreichende, zweyſpitzige Afterflappe auslaufend,
lieblich Hellgrün, unter der gelben Seitenlinie heller, in der Mitte
des Bauches gelblichgrün. Der Kopf hat eine ausgezeichnete
Größe und ein fchönes Grün und ift zugerundet, auf der Stirn
ziemlich flach, überall grob geförnelt, Das fihmale, kleine Stirn—
dreyeck ift ſehr ſchwach ausgedrückt, und von feiner Spitze geht
ein tiefer Eindruck nach dem Scheitel. Hier hat er zu jeder
‚Seite einen kurzen, mehräftigen Dorn; feitwärt3 von dieſem folgt
ein langes, grades, fat chlindriſches Korn, Dad am untern Drit:
tef grün, am obern rot), und überall mit langen und kurzen
Höckerchen bedekt ift. Weiter abwärtd und von ihm etwas
Divergierend folgt ein ſpitzeres Korn mit gleichen Höckern wie
das vorhergehende, aber ganz roth und auswärts Halb citrone
gelb, Halb rothbraun; bey beiden figen die, längften Köder am
Seitenrande, und zwar nach unten an Ränge zunehmend. Der
Kopf har fomit 4 lange Körner. Die Wangen haben längere
Köder ald das Obergeficht, und dazwiſchen gegen das Maul hin
furze Haare. Am Obertheil des Hintern Backenrandes ſitzen
drey ſtarke, zahmartige Warzen, die oberfte ift gabelfürnig.
Der ſchmale elypeus ift ſowie die zweylappige Oberlippe röth—
lich; die ftarfen kurzen Kinnbacken gelb, an der Spitze brandig
ſchwarz. Als eine Sortfegung Des elypeus zieht fidy ein citron—
gelber Strich von derſelben Seite bis an das untere Tange
Kopfhorn Hin und an dieſem hinauf; er ift unterwärts von den
Fühlern an mit einem fchwarzen Strich eingefaßt, in welchem
bie Ocellen größtentheis ftehen, Die außer an ihren eigenthüm—
lichen Glanze ſchwer von den umgebenden Wärzchen zu unter-
fcheiden find (ich kann nur 5 erkennen, wovon 3 auf dem
ſchwarzen Strid), einer Darunter gegen bie Fühler zu, und der
dritte wieder unter dieſem steht, ſo daß alle 5 einen Bogen bil-
den). Die Körperhaut ift dicht mit weißlichen Körnchen betreut,
auf: der gelben ‚Seitenlinie mit gelblichen ; letztere, gewifjermaßen
bie Vortfegung der gelben, Backenlinie, ift auf den 3 erften Seg—
menten verlojchen, worauf fie ſich allmählich Tebhafter färbt und
in Die Afterfpige übergeht, Die Luftlöcher ftehen über ihr;
unter ihr iſt der Körper kurzhaarig.
Iſis 1817. Heft 2.
Die kurzen Krallenfüße
130
gelb. Die Beſchaffenheit der Hakenkränze an den Bauchfüßen
habe ich nicht notirt und kann ſie an der trocknen Raupe nicht
erkennen. Die breite, quer viereckige Afterklappe läuft in zweh
divergirende, dünne, kegelförmige, höckrige Spitzen aus, die ober—
wärts gelb, unterwärts an der Spitze braun ſind. Mitten auf
dem Rücken des 6. und 8. Ringes iſt ein helleres, rundes Fleck—
hen, wie eingefegt; nad) Gofta wird dag erſte im eriwachfenen
Buftande ein orangenfarbener Ning, der ein blaue Fleld ein-
faßt, Der zweite wird himmelblau, Dunkel umgogen. Ferner wird
an der erwachfenen Raupe die gelbe Seitenlinie aurorafarben,
an der Afteripige rofig: alle 4 Hörner find am der Spitze weiß,
umd die beiden mittlern vor Der Spitze violett.
Esper's Abbildung der Raupe und Puppe find Tächerliche
Garricaturen, namentlich Die wunderbar an 7 braunen Körnchen
haͤngende Puppe.
Hipparchia.
In Cofta’3 Fauna werden, wahrfcheinlich aus Nachläffigkeit,
nicht alle ncapolitanijche Hipparchien aufgezählt: er hat aber
folgende: 1) Proserpina July, Auguft. 2) Briseis nur
auf dem Gran Saſſo angetroffen. 3) Hermione ſehr
häufig. 4) Aleyone überall häufig. 5) Fidia. Cr giebt
eine Var. calabra tab. Ill. fig. 1. 2. Alis antieis supra
ocellis duobus absque punctis albis, subtus parvulis.
„Die Augen Eleiner; die weißen Slede dazwifchen auf der Ober:
feite verlofchen, auf der Unterfeite faum fichtbar. Der faft
augenformige Fleck der Hinterflügel ift ganz verſchwunden. Die
Farbe ijt oberiwärts gleich, unten Dunkler. Manchmal ift der Au-
genfleck der Sinterflügel verloſchen.“ — Sier muß ein grobes
Verſehen vorgefallen fein. Denn dieſe angebliche DVarietät ift
nichts ala eine H. Cordula, auf der Unterfeite Der Hinter:
flügel gegen Die Baſis mit vielem Weiß und ziemlich. falfch ge—
ftellten Binden. Wie Jemand Fidia und Cordula zu einerfei
Species rechnen fann, möchte nicht leicht zu erklären fein. —
6) Allionia tab. I., fig. 1. (Sier ift Parn. Delius ab-
gebildet) im Süden von fehr dunkler Farbe und an der Baſis
der Vorderflügel oberwärts faft ſchwarz. Ich habe ausſchließlich
die Fig. a, b. 37 der Tafel 21 der Papillons d’Europe citixt,
weil unfere Gremplare mit dieſer allein am beften ftimmen,
jedoch nicht vollkommen, weßhalb id) die Abbildung gegeben habe
(es ift aber nicht gefehehen). 7) Semele im Juli und Auguft
in Calabria ult. 8) Tithonus im Auguſt nur auf der
Majella und dem Gran Saſſo. Wahrſcheinlich ift Hier eine
Berwechslung ber Hipp. Ida mit Tithonus vorgefalen ;, man
ſ. unten bey Hipp. Ida. 9) Jurtina äußerſt Häufig und
gemein. Var. Hispulla tab, IV., fig. 1.2. „Das Männ—
chen ift dem Weibchen ähnlich, außer daß dieſes auf der bläffern
Binde der Sinterflügel dreh Augenpunfte hat, während. jenes nur
zweh Deutlich, Das dritte nur manchmal und werlofchen: zeigt.“
Auch hat es nicht Die bläffere eckige Binde, fondern ift überall
gleichmäßig Dunfel, 10) Lupinus tab. IV., fig. 3. 4. „alis
fulvis, antieis supra lunula media brunnea, puncto ocel-
lari in apice nigro, subtus flavicantibus margine fusce-
scente, ocello nigro albo-pupillato; pesticis dentatis supra
fulvis, stria marginali obsoleta fuscescente, subtus griseo-
cinerascentibus, fascia obsoleta albida.” Lange Zeit habe
ich dieſen Falter als eine bloße Warietät der Jurtina mas be—
trachtet; aber eine genane Unterfuchung hat mir gezeigt, daß er
alg eigne Species davon zu trennen iſt. Die Slügel find oben
mit langem), rothgelbem, ins Grüne fihinmerndem Flaumhaar
9
131
befleidet, außer in einer faft monbdjichelförmigen Stelle, welche
den hintern Bogen der Gentralgelle der Vorderflügel einfaßt und
mit Schwärzlich braunen, rauhen Schüppchen. bededt ift. Die
DVorderflügel haben nahe der Spige einen ſchwarzen, faſt augen-
förmigen Fleck, und den Hinterrand etwas dunkler mit blaffen
Franzen. Unten find fie im Mittelraum ochergelb, an den Ran:
dern alchgraulich, in der Spitze ift ein ſchwarzer Augenfleck mit
meißer Pupille. Die Sinterflügel, am. blaßgefranzten Sinterrande
gezähnelt, haben einige braune Flecke parallel mit den einfprin-
genden Bogen des gezähnelten Randes und jo als ob fie fich
von beiden Enden her vereinigen wollen, um eine Binde zu bil-
den; unten find fie aſchgraulich mit einer Spur. einer weißen
bogigen Binde, Die auf beyden Seiten von einer braunern Linie
begrenzt wird; andere. Zeichnungen, fehlen. — In den Wäldern
von Terra d'Otranto, und namentlich im Bufch bey Guagnano
im Juli. — Beobachtung. Zwar zeigt Hispulla auch eine
Spur des Dunkeln Mondflecks, den Lupinus auf den Vorder:
flügeln hat; aber er ift weder jo merklich, noch fo fcharf begrenzt
und ausgedehnt. Auch find ihre Hinterflügel unten nicht grau
und zeigen auf einer hellern eigen Binde Dreh deutliche ſchwarze
Punkte in ocherfarbnem Felde, . Endlich ift Hispulla an bu—
fhigen und fehattenreichen Stellen des ganzen Reichs gemein,
Lupinus findet fich aber bis jetzt nur an der einen. Stelle.
11) Maera fehr gemein; im Süden faft das ganze Jahr durch
in Gärten, Straßen, um Wohnungen. (Statt Maera habe ich
nur Megaera um Neapel geſehen; Cofta ift gewiß im Irr—
thum.) 12) Egeria fehr gemein an fchattigen, bufchigen
Stellen; im Süden feltner, April bis October. 13) Galatea
im Mai in Zerra d’Dtranto, im Juni in Neapel. 14) Clo-
tho. „Es fiheinen mir allmählige Uebergänge zu Galatea durch
Elima, Jahreszeit und Raupenfutter hervorgebracht zu werben.“
15) Arge nicht jehr haufig; Ende April in Terra d'Otranto,
im May in Neapel und anderwärts. 16) Psodea auf ber
Majella mit den vorigen (!), doch feltner, im Auguft. 17) Tyn-
darus auf der Majella, im Juli und Auguft nicht felten bis
in bie höchften Gegenden. 18) Medea im Auguſi häufig auf
der Diajela. 19) Prono& mit der vorigen nicht. felten,
(Weiter iſt das Hipparchien-Verzeichniß nicht geführt.)
NRambur fennt als corfifche Hipparchien (Aunales de la
Soc. -entomol, Il, pag. 53): 1) Proserpina. 2) Fidia.
3) FaunaF. (Statilinus). 4) Actaea. 5) Semele var.
Aristeus. 6) Neomyris God. (Jolaus Bon.) 7) Titho-
nus. 8) Ida. 9) Janira. 10) Tigelius Bon. (Me-
gaera var.?) 11) Aegeria. 12) Pamphilus cum
var. Lyllus. 15) Corinna. Ich ſelbſt traf in Italien fol-
gende Hipparchien.
12. (1) Proserpina
im Juli in den Bergen bey Mefftna in Gefellfchaft der H. Se-
mele; ſie fett ftch auf die Erde und an Stämme mit den Git:
ten dev Gefpielin. Ein ſchönes Männchen fing ich am 15. Juli
an einem Feigenbaumftanın in einem Weingarten,
13. (2) Aleyone.
Am 8. Auguft fing ich bey Gaftelemara ein fehr fehönes
Männchen. Es ift Feiner al8 ‚meine (2) hiefigen Männchen
und auf der Unterfeite der Hinterflügel fehr dunkel mit faſt rein
weißen Binden, deren Innenrand etwas anders geſtaltet iſt.
Nehmlich die ſchwarze Grenze des Wurzelfeldes tritt in einer
grade abgefihnittenen Ecke an der Querader hervor, läuft darauf
am erſten Afte Der Medianader etwas herab. und. dann in wenig
132
ſchraͤger Richtung gegen den Innenrand. Diefes bezeichnet aber
nur eine DVarietät. — Darauf kam mir Aleyone — wenigſtens
fihien e8 mir nicht Hermione zu fein — wieder oben auf dem
Karſt zu Geftcht, an der Landftraße in Gefellfihaft Der Semele
und Pamphilus, am 16. September.
14. (5) Briseis. -
Häufig bey Trieft am Karft in den Gehoͤlzen, in. der Mitte
September in lauter fchlechten Exemplaren. Sie hatte das Ber
nehmen der Semele, feßte fich aber noch plößlicher und war
noch. Feder. Ein Cremplar erwählte mein Bein zu feinem
Ruheplatz, als 0b e3 ein Baumſtamm wäre,
15. (4) Semele.
Var. 1. vulgaris: flavedine supra pallida. *
Var. 2. Aristaeus: flavedine alarum supra laetiore ac
latiore. 1
Die Varietät Aristaeus traf ich zuerft am 27. Mai füdlich
vom Anapofluß auf. den Kalkhöhen an der Straße nach Noto.
An dieſer war fe gegen Avola hin nicht felten, am 12. Juni, im
beyden Gefchlechtern. Sie ſetzte fih auf die Straße oder auch
auf friichen Pferbemift, Bey Meſſina fliegen beide Varietäten
gemifcht. Ein gewaltig großes Weibchen, das nicht bloß Die
gewöhnlichen Stellen lebhaft rothgelb gefärbt zeigt, ſondern auch
Die bey Aristaeus gewöhnliche gelbblonde Behaarung der Flügel
befist, fing ich am 15. Suli zugleich mit zwei) Weibchen, deren
eines ſich son unferer Semele nur durch etwas beträchtlichere
Größe, Das andre nicht einmal dadurch unterfcheidetz alle fing
ich in demfelben Weingarten an Feigenbaumftänmen. Es fteht
alfo ganz feft, Daß. beyde Varietäten bey Mefjina Durch, einander
fliegen, während füblicy vom Aetna vermuthlich, ‚nur die lebhafter
gelbe zu Haufe ift. — Bey Trieft flog Semele in. der nord:
deutjchen Färbung zugleich mit Briseis. Boisduval (Index
lep. europ. ©. 31, 247) ſetzt den Aristaeus nur als frag-
liche Varietät zu Semele, Herrich Schäffer (Shit. Bearb.
©. 75) fügt, die breite Binde der Oberſeite ber, Hinterflügel und .
Die wurzelwärts fchwache Begrenzung der Binde der Vorderflügel
nebft der Tebhaftern Farbe fcheine weſentliche Unterſchiede gegen
Semele zu bilden. Die breitere Hinterflügelbinde bey Aristaeus
beruht auf einem JIrrthum; fe iſt durchaus, eben breit wie bet)
der gewöhnlichen Semele und nur einwärts faft fo lebhaft gelb
wie auswärts, während. ſie bey, Semele bey, den eigen Wur—
zelfelde fehr bleich und durch braune Querſtriche verdunkelt iſt.
Die wurzelwärts ſchwache Begrenzung der Vorderflügelbinde weiß
ich nicht recht zu deuten, da ich bey. beiden altern ‚weder. in
dem gelben Felde, worin Die Augenfleden ftehen, noch in, dem
rauhen Schuppenftreif zu beiden Seiten der Medianader irgend
eine DBerfchiedenheit entdecke. Letztere ift an beyden Varietäten
veränderlich, beſonders zwiſchen der Subdorfalader und. dem erſten
Afte der Medianader. Es bliebe alſo, da nicht einmal die Flü—
gelgeftalt eine Verſchiedenheit bietet, nichts als das höhere Gelb
in den Binden, Flecken und Haaren der Flügel als ſpecifiſche
Derfchiedenheit übrig!
Auf Rambur's Anficht, der Die Art in der Natur beobach-
tete, ift wohl etwas zu geben. Er fagt (Annal. L ©. 262):
„Sat. Aristaeus ift evident nur eine Varietät der Semele und
unterfcheidet fich nur Dadurch, Daß Die gelbe Farbe ber Oberfeite
der 4 Flügel und der Unterfeite ber Hinterflügel (Vorderflügel)
fich faft und über Die ganze Fläche erſtreckt. Diefe Varietät ift
übrigend in Corſica conftant und eriftirt dort allein, Sie
—3
133
findet fih in ganz Corſica und erhebt fich felbit im Gebirge zu
einer großen Höhe, ohne irgend eine Veränderung: zu erleiden.”
Eofta führt als einen ſiciliſchen Falter Hipp. Arethusa
auf, und: zwar aldı die Varietät derſelben, die er am Uetna im
Bosco di Sangile am 4. Aug. gefangen habe, — Hipp. Aristaeus!
Er fagt: das einzelne Männchen, das ich fing, kommt genau
- mit dem von Bonelli befchriebenen überein, außer in: den Far—
ben, die an unſerem Exemplar etwas Tebhafter find (un po piü
risentiti). Da nun Coſta zu dieſer vermeintlichen Arethusa
eine Menge Figuren citirh, ſo ſcheint er nicht weiter. gethan,
als die Citate abgefchrieben zu. haben. Seine Fauna di Sicilia
eröffnet er, wenigſtens was die Schmetterlinge betrifft — mehr
als 4 Bogen habe ich von dieſer Fauna, nicht geſehen — mit
drey Baltern: Sat. Arethusa, Tithonus und Corinna,
Ihre wahren Namen find aber! Semele var. Aristaeus,
Ida und Pamphilus var. Lyllus: eine höchſt unglüdliche
Eröffnung einer Arbeit!
16. (5) Statilinus var. Allionia.
Var. 1. Apenninus: minor, alarum posteriorum margine
minus’ profunde ineiso.
Var. 2. Australis: major, alis posteriorihus profundius
ineisis, subtus fuscescenti-cinereis, sirigis duabus
nigris. ‚Esper I, tab. CV, fig. 4.
Die erften Exemplare, ein» schönes Paar, ſah ich am 22, Juni
auf dem Kalfgebiet des ehemaligen großen Shracusz' ce. feßte
fih an die Kalkfelſen und ließ fih im Schatten einer Feldwand
fangen, Am 24. Juni fah ich wieder ein. Gremplar (einige
Meilen nördlich von. Syracus, näher an Auguſta, gleichfalls
auf Kalkboden. "Es war der Anfang der Flugzeit. Hierauf
erfchien der Falter mir erſt bey Mefjina in der Mitte des Juli
wieder, mo er auf den fandigen Abhängen fpärlich flog. Beh
Neapel war er micht felten an Steinen auf dem fandigen Wege,
der vom Nucrinerfee nach der fibyllifchen Grotte führt. Endlich
erfchien er noch einmal’im Neapolitanifchen im Gebirgspaffe bey
Itri, am 23. Auguft, und: hier flogen ſchöne Eremplare beſon—
ders gern am den Blüthen eines blauen Eryngiums und einer
Garlina ähnlichen Diſtel. Dieſe Exemplare ſind ſchon "etwas
Eleiner als die von Neapel und aus Sicilien, aber immer nod)
viel größer als der Statilinus, der in den Apenninen im beträcht—
licher Höhe über Fuligno lebt, wo dası Kalfgebirge ſehr nadt
hervortritt. Hier war der Falter am 5. September häufig, aber
größtentheild ſchon fehr verflogen. Er ſetzte fich oft zu mehrern
an die Erhngiumblüthen, feltner an die Blüthen der Scabiosa
ochroleuca, außerdem fehr gern auf weiße Kalkfteine. Immer
war Das .Betragen baffelbe, wie ich e8 Iſis 1840, ©. 122 von
unferem nordifchen Statilinus hefchriehen habe, nur daß um
Shraeus und Itri der Sand als Aufenthaltsort: fehlte.
Obgleich ich, Eeinen genauen Anfchluß des italienifchen Stati-
linus an den nordifchen gefehen Habe, fo bin ich Doch ber
Anficht derer, Die in beiden nur eine einzige Species anerfennen
wollen, und nehme-die in ‘der Iſts 1840. ©. 122 ausgefpro-
bene Meinung zurüd, In der Größe machen die Fuligner
Falter den Uebergang zu unferem nordifchen Statilinus, der
darin das eine Extrem bildet, während die Sicilier und Neapo-
litaner das andere darftellen. Eben jene Fuligner (Var. 1.)
haben auch einen weniger flark gezähnten Sinterrand der Hinter
flügel, der alfo nicht fo ftandhaft ift, wie ich an der erwähnten
Stelle annahm. Die Franzen der Hinterflügel find an der gro=
fen Allionia nicht immer gleich weiß, wenn auch nie fo tief
'
134
grau, wie bey Statil. borealis. Die Farbe der Unterfeite der
Hinterflügel hat aber an allen Gremplaren der Allionia, bie ic)
vor mir habe, einen andern Ton als bey jenem; Da er jedoch
veränderlich ift, To Fann er feine Artrechte beftimmen, Ich
glaubte einen fpeeififchen Unterfchied auf der ‘Unterfeite der Vor:
derflügel in der Richtung des ſchwarzen Querftreif3 zwifchen ber
Duerader und dem Angenfleck gefunden zu haben, "indem er beh
unferem Statilinus gegen außen concav, bey Allionia entweder
conver oder gerade oder doch anders‘ gebogen, ven Augenfleck
weniger. umfaffend erſcheint. Aber ich habe ein paar Allionia
vor mir gang mit der Biegung wie bei) Statilinus.
Die von mir in der Iſis bezeichneten Gremplare, deren Va—
terland vielleicht Dalmatien ift, Haben auf der Unterfeite der
Sinterflügel von der Bafis aus eine helle, weißgraue Grundfarbe.
Die von mir gefangenen Italiener find bier alle viel dunkler
und bräunlichgrau, und bey den Männchen find Die zwei) ſchwarz—
braunen gadigen Querlinien: ſcharf ausgebrücdt, bey den Weib:
chen verlofchener. Dies ift vielleicht allen italienifchen Erempla—
ren der Allionia eigenthümlich.
Ejpers oben ecitirte Figur ift auf der obern Seite zu braun—
roth, auf der untern der Sinterflügel zwifchen Dem zwey Quer—
linien zu dunfel. Bey CHyrillo ift die erfte Querlinie verlofchen,
und auf den Vorderflügeln befindet ſich auf der Unterfeite hinter
dem Auge noch ein weißer fcharfbegrenzter Fleck, wie in Ser-
rich-Schäffers Fatua.
Sreyers Hipp. Fatua N. Beitr. 4. Tab. 415. Fig. 3. 4,
Die ich nicht in Natur Eenne, ift allerdings eine bedeutende Va—
rietät, mahrfcheinfich aber nur aus einer Menge gewöhnlicher
Eremplare ausgewählt. Nah 5. Schäffer flammt fie aus
der Gegend von Gonftantinopel. Beide Gefchlechter fehr groß;
das Männchen auf der Oberfeite mit verlofchenen Augenflecken;
das Wurzelfeld der Unterfeite Der Hinterflügel braͤunlichgrau, nur
nit einer dunkeln Duerlinie. Weibchen wie Die italienijchen,
unten auf den Sinterflügeln hellbraun, faft ohne Querlinie. —
5. Schäffers Statilinus var. Fatua tab. 42. fig. 192
hat unten auf den Sinterflügeln die beiden Querlinien deutlich
und außerdem noch eine vor Dem Sinterrande. Ein ganz über:
einſtimmendes Weibchen, das nur diefe 3 Querlinien nicht fo
fcbarf und unten auf den Worderflügeln feinen fo rein weißen
Fleck Hinter dem Auge zeigt, habe ich bey Meſſina gefangen.
Auch einen Statilinus var. Martianii tab. 42, fig. 190.
191 fing ich Faft übereinjtimmend beh Itri. Die 2 Augen unten
auf den Vorderflügeln find fehr groß; daher ſteht das obere,
in welches der weiße Punft ganz hineingeruct ift, der Querlinie
näher; das untere, mit feiner Pupille verfehen, tritt über Den
“erften Aſt der Medianader hinweg und exrfcheint Daher fait dop—
pelt (by H. Schäffer deutlicher in zmey Augen getrennt als
bey mir). Die Unterfeite der Kinterflügel, die der Querlinien
entbehrt, ift bey H. Schüff. etwas heller grau; Die Oberfeite
meines Eremplars hat viel größere weiße Flecke.
17. (6) Tithonus.
Ein fchlechtes Eremplar glaube ich in den Apenninen Hinter
Suligno am 5. September gefangen zu haben, das ich aber
nicht mitnahm. Die italienifchen Gromplare, Die ich beſitze,
deren eigentlicher Slugort mir aber unbefannt ift, zeichnen ſich
vor den jchleftfchen auf den Hinterflügeln vorzüglich aus. Wäh—
rend bey letztern auf der Oberfeite Der männlichen Hinterflügel
nur ein ochergelber Mittelflect vorhanden ift, ber ſich behm Weib—
hen zu einer Binde erweitert ähnlich der von H. Janira var.
135
Hispulla, ift das ganze Mittelfeld ochergelb und geht in die
dunklere Färbung der Flügelbaſis allmählich über, auch die Ber
haarung der Sinterflügel ift viel. gelber. Nur zwei) unter vielen
augerlefene fchlefiiche Männchen haben. Das Mittelfeld faſi eben
fo groß, aber feine fo gelben Saure. in italienifches Männ—
chen hat auf beiden Seiten der VBorderflügel unter dem! großem
Auge im jeder der zwey nächſt Darunter folgenden Zellen einen
großen Schwarzen Punct. — Ein anderes hat auf der Oberfeite
der Hinterflügel 3 ziemlich große Augen in der Stellung: wie Geh)
H. Pasipha&, nehmlicy das gewöhnliche fehr vergrößert, in der
darauf einwärts folgenden Zelle ein Eleineres und durch. eine
Zelle davon getrennt ein fait eben jo großes. Auf der Unter:
Teite zeigen ſich vier Fleine Augen mit ſchneeweißen, anfebnlichen
PBupillen: zwey links und rechtd vom erften Aſte der Mediana—
Der und zweh gegen den WVorderrand.
Da 6 italienische Exemplare die größere Ausbreitung Der gel:
ben Farbe zeigen, ſo fcheint fte im Süden die gewöhnliche
zu ſehn.
18. (7) Ida.
Sie ift Die, gemeinfte Hipparchia an der ganzen Dftküfte
Siciliens. Bey Syracus begann fie am 17. Mai zu fliegen
und war zu Ende des Monats am Nande des Bergzuged, auf
welchem Die Stadttheile von Syracus: Tyche, Achradina und
Neapolis fanden, in großer Menge vorhanden, gewöhnlich in
Geſellſchaft der H. Janira. Sie befucht auch mit Diefer Die
Blüthen des Origanum smyrnaeum und meidet die große Son:
nenbige, indem fie an fchattigen Stellen der Felfen und Ge:
mäuer ſich auf, eine nackte Stelle fest. Das Weibchen geht
mehr, aufs Sreie. Sat die Site etwas nachgelaffen, fo fliegt
Ida zwifchen dem Origanum und int Getreide umber und feßt
fich nicht felten auf einen Stein, auf den bloßen Boden und
*— auf trockne Asphodelusblätter. Ihr Aufenthaltsort iſt ge—
wöhnlich baum- und ſtrauchlos und dadurch von dem der H.
Tithonus verſchieden; außerdem hat Ida bey weitem nicht den
unſtäten Flug und wird Daher ohne große Geſchicklichkeit aus
dem Fluge mweggefangen. ‚Sie war meine Begleiterinn an der
ganzen Straße von Syraeus über Noto nach Spaccaforno und
Ispica, und Dann son Syracus Über Lentini nad Catania,
Darauf ſah ich fie wieder im Juli bey Meffina, aber im fehr
ſchlechten Exemplaren. . Bey Neapel flogen am 16. Auguft meh:
rere Schlechte Weibchen im Walde von Camaldoli. Dann war
ſte an der ganzen Straße bis Nom nicht felten, und endlich
fand ich noch etliche Exemplare am 5. September hinter Fuligno
hoch in den Upenninen. Das feltnere Weibchen ift beträchtlich
größer als das Männchen. Bemerfenswerthe Abänderungen Die
ſes dem füblichen Europa eigenthümlichen Falters habe ich nicht
gefunden,
Dhfenheiuer citirt zu Hipp. Tithonus Cyrilli Entom.
Neapol. Papil. pilosellae. Aus der Abbildung, eines
Weibchens von beiden Seiten, iſt nur ſoviel zu fehen, daß auf
Der viel zu Dunkeln Unterſeite Die Augenpuntte fehlen. Der Tert
giebt zu der aus Fabrieius entnommenen Diagnofe die Bemer—
fung: noster variat alis potius nigris disco fulvo; puncta
duo alarum secundariarum, quae ab auctoribus deseribun-
tur, defieiunt, Caeterum non est nova species. Aber
eben hierdurch wird es entichieden, Daß. bie ArtH. Ida ift und
damals neu war.
Ohne Zweifel trägt Die biöherige falſche Citation Diefer Figur
die Schuld, daß Cofta fowohl in der Fauna del Regno di
136
Napoli, wie in der Fauna di Sieilia unfere Ida als Tithonus
auffübrt Nur Ida habe ich beh Neapel gefehen, und wenn
Eofta andeutet, daß ihm feine Titkonus nicht im der Nähe
von ı Neapel vorgekommen fei (ſ. o. unter Coſta's Hipp.
or.8.), fo darf und. das nicht irre machen; denn er hat die
gemeinten Falter um Neapel nicht oder felten gefehen, und
warum übergeht ver Hipp. Ida, die ihm auf feinem vielen Rei—
fen vor die Augen: kommen mußte? — In der Fauna di Sicilia
bildet er. ein Weibchen als Tithonus ab (Taf. 1. Fig. 4); es
ift auf allen Flügeln rothgelb von der Baſis bis an den ſchma—
len: Sinterrand — was auf die füdliche Warietät des Tithonus
wohl paffen würde; aber auf der Unterſeite zeigt (Big. 5) der
Dorderflügel Hinter dem Augenflet eine weiße Stelle und der
Sinterflügel Eeinen Augenpunft: was beides nur auf Ida ans
wendbar if. Im Text S. 2 fagt er: „Ich habe dieſen Falter
abgebildet, damit man fehe, wie groß er in Sieilien mird (er
ift weder größer noch Eleiner ald auf dem feften Lande), welche
Lebhaftigfeit der Karben er dort erreicht, und wie Die Augenflece
auf der Unterfeite der Hinterflügel faft verfchwinden, und damit
man ihn mit Dderfelben Art vergleichen könne, Die im Terra
d'Otranto wohnt und auf Taf. 8. Fig. 3. 4 der Fauna di Nap.
abgebildet iſt.“ Im den zwey Gremplaren dieſes Werks, die ich)
gejehen habe, und deren eins ich befige, fehlt dieſe Tafel; ich
kann Daher nicht fagen, ob auf berfelben Augenpuncte in der
Unterfeite der Sinterflügel abgebildet find, wie man nach den
Eoftaifchen Worten anzunehmen hat; allein es läßt ſich ver⸗
muthen, daß ſie dort ebenſowenig zu ſehen ſeyen, wie in ra
lo's und Eofta’s übrigen Bildern.
19. (8) Janira var. Hispulla Esp.
major, mas alarum anteriorum, plaga depresso-
squamata majore, posteriorum «dentibus paulo
longioribus; fem. alis posterioribus supra neh:
raceo-faseiatis. DE
a) mas alis anterioribus supra fuseis,
6) mas alis ant. sub ocello‘ochraceo -maculatis.
c) mas. ut:.a, sed alis posterioribus subtus serie peel-
lorum sex majorum instruetis, _
d) mas, minor, ceterum ut e.
e) fem. alarum anteriorum venis minus late fuscis,
faseia ochracea postica integra.
f) fem. fascia alarum anteriorum venis latis in maeulas
ovatas dissecta,
9) fem. ut f, sed pupilla ocelli alarum anteriorum
dupliei.
h). fem. ut g, sed puncto nigro sub’ alarım ‚anteriorum
ocello.
ö) fem. ut f, sed in alis posterioribus litura pro faseia
ochracea.
k) fem. ut e, sed alis posterioribus fuscis unicoloribus.
(1sp.. e palud. pontinis).
Sie erfchten um Syracus wit dem 13. Mai an Aderrainen
und graſigen, ' befchatteten Stellen an Felſen im der Nähe des
Gapueinerflofterd, an denen Fein Baum oder Strauch wächſt.
Ihr Betragen war dem unferer einheimiſchen Janira gleich; ‚fie
fegte fich gern auf Blumen, vorzüglich von Seabiosen und
Origanum smyrnaeum, in Geſellſchaft mit Hipp. Ida, und.)
fpäter auch mit Hipp. Lupinus. Alle gehörten zu der ſüd—
europäiſchen Varietät oder Hispulla Esp. Diefe unterſcheidet
ſich von unferer gemeinen Janira im männlichen Geſchlecht
‘137 *
durch folgendes: Auf den Vorderflügeln iſt der ſchwarze haarloſe
Schuppenſtreif größer und auswärts, converer, ‚und fließt. gewöhn—
lich an den Aeſten der Medianader in jtärfere, verloichen ſchwarze
Linien aus. An den Sinterflügeln find die Buchten verhältniß-
mäßig ein wenig tiefer und Die Unterjeite bunfler, mehr mit
Grau gemiicht, während Das Gelbe, der Vorderflügel lebhafter
umd jchärfer gegen Die Ränder abgegrenzt ift.
Das Weibchen hat in den Sinterflügelbuchten feinen. Unter:
ſchied son unferer Janira, fondern bloß die befannte ausgezeich—
nete Färbung: auf den Morderflügeln eine ftärfere Verbreitung
des Tebhafteren Ochergelb und dunklere Begrenzung beflelben, auf
din Hinterflügeln eine breite ochergelbe Binde, die ein= und aus—
wärts fiharf gerandet ift; auf Der Unkerſeite iſt die Grundfarbe
der Hinterflügel mehr oder weniger auffallend mit Hellgrau ge—
miſcht; ebenſo auch die Vorderflügelſpitze. Beide, Geſchlechter
find im Allgemeinen um. ein.Anfebnliches größer.
Weder Die Größe des Männchens, ‚noch die Färbung des Meib-
ch us bleiben ſtandhaſt. Ein am 4. Juni gefangenes Männchen
iſt nur unbedeutend größer als meine hieſigen Männchen (Var. d.).
‚Ein MWeibiyen von 31. Mai hat auf den ‚Hinterflügeln nur
einen BER DOHR Neft der rothgelben Binde unter. der Mittel-
zele (Var. i), und die Unierſeite iſt bisweilen ‚ganz wie beym
nordiichen Weibchen,
Beide Geichlechter varliren in der Färbung. Beym Männe
hen iſt der helle Schimmer unter dem Augenfleck der Vorder—
flügel auf der Oberfeite nicht Selten in Deutliche, ‚durch, Die Adern
getrennte, ochergelbe Flecke ausgebildet (Var. b.).,. Die Augen:
puncte auf der Unterjeite der. Sinterflügel. find. gemöhnlid) in
größerer Zahl und beträchtlicherer Größe ald bey unferer Janıra
vorhanden, Gin Ereniplar (Var. ce) fommt der Eſperſchen
Erymanthea tah. 90. fig. 4, Die nichts als Janira var.
ift, von dieſer Seite ziemlich nahe. Es bat nehmlich 6 vollftän-
Dige Augen, die größten in derjelben Gröge wie dort, Die klein—
fen in etwas geringerer. Auf den VBorderflügeln fehlen ihm
aber auf behden Seiten die zwey unter dem gewöhnlichen Auge
befindlichen Augen, und auf der Oberfeite der Hinterflligel hat es
nur ein kleines Aeuglein im Schwanzwinfel und: entbehrt hier
alſo des zmwenten gegen den Vorderrand.
Das Weibchen hat bisweilen eine Doppelte Pupille im Auge
der Vorderflügel (Var. g), und dieſes ſelbſt iſt größer oder klei⸗
ner und bisweilen unförmlich. Selten befindet ſich in der Zelle
Darunter auf behden Flügelſeiten ein ſchwarzer Punct ohne Pu—
pille (Var. h). Das Gelb zwiſchen den Aeſten der Medianader
unterhalb des Augenflecks bildet entweder eine zufammenhängende
Binde, in welcher die Adern wenig verdict ericheinen (Var. e),
‚oder diefe find fehr breit und braun und verbinden fich durch
braune Schattirung und fthliegen das Dihergelbe zu zmey Tüng-
lichrunden Flecken ab, von denen beſonders der obere eine völlig
eiförmige Geftalt hat (Var. f.). Auf den Hinterflügeln iſt
bey der oben erwähnten Var. i von der gelben Binde nur ein
Wiſchchen übrig, wie wir ed ‘oft be) unferer einheimijchen
Jurtina eben.
‚Die auf der Unterfeite am ſchärfſten gezeichneten Weibchen
haben ein graucs, etwas dunkler marmorirtes Wurzelfeld, welches
am Hinterrande breit hellbraun ift; Die Darauf folgende breite
Binde iſt weißgrau, einwärts hellgelb; bie ſchwarzen, gelbbraun
umfloſſenen Puncte ſind in verſchiedner Zahl, von 4— 0, vwor⸗
handen. Der Hinterraud vift wieder in ber — des Wur⸗
zelfeldes.
Ein sam 13. Auguſt in den Wäldern’ von Cemaldoli bei Nea⸗
Iſis 1847. Heft 2.
138
pel gefangenes Weibchen ift mit Ausnahme der betrichtlichern
Größe nicht von unſerer Jauira verfihieden; es gehört hinficht-
lich der Vorderflügel, auf denen nur das Gelb ziemlich blaß ift,
zu Var,'e; auf den Sinterflügeln Hat! es auf der Oberfeite gar
Fein Ochergelb: Eben dieſes Fehlt einem großen Weibchen , das
ic) am 24. Auguſt bey Eifterna an den pontinifhen Sümpfen
fing, und auf den Borderflügeln ift es durch Braun ſehr einge:
ſchränkt (Var. i.).
20, (9) Lupinus Costa.
Fauna del R, di Napoli, Satyr. pag. 7. Satiro Lupino,
tab IV. fig. 3.4. mas. (Fälſchlich Fig. 1. 2 citirt.)
Hipp. Rhamnusia Freyer N. 2eitr. V. ©, 125.
Tab, 457. ig. 2 mas, 3 fem.
Um Spracıs, wo dieſe Art am 9. Juni ‚zu fliegen anfängt.
Sie wohnt ‚dort auf ‚den ehemaligen Stadttheilen, Achradina und
Tyche, auf der Kalkſteinfläche zwiſchen der Höhe, und. dem Meere,
und. war bis zum 28. Juni noch keinesweges häufig geworden.
Sie hat vollkommen ‚Die Sitten unſerer Hipp. Eudora, jo. daß
außer der Localität ‚alles auf jie paßt, was ich Iſis 1840.
©. 123 von dieſer mittheilte.e Obgleich fie mir durch ihre
etwas abweichende Färbung auffiel, fanımelte ic) fie doch nur
als eine jüdliche Modification unſerer gemeinen. Eudora und
verwendete alſo bey ihrem fpärlichen Vorkommen und der Schwie-
rigkeit ihres, Fangens nur wenig ‚Zeit ‚und Schweiß auf ihr Ein-
ſammeln. Die meiften gefehenen Gremplare ‚flogen erſt bey mei=
ner Unnährung vom ‚Boden auf und entfernten ſich meiſt ziem=
lich weit; mehrere traf ich in einer, Schlucht am; Meere, in
Geſellſchaft der Hipp Ida und Janira jauf ‚den Blüthen von
Origanum smyrnaeum, auf denen, ie, am. Nachmittag bed der
Hige leicht zu fangen waren. Vormittags waren fie jcheu und
flogen meift über, die Steinmauern, in. ‚Denen, Die Pflanze wuchs.
Der weſentliche Unterfchied diefer Hipparchie gegen Eudara
bejtebt darin, daß bey ihr alle Flügel und befonders auffallend
die Hintern ſtärker gezähnt find, sund daß die dünnern undıoges
ftreetern Fühlerkolben viel sfanfter «in den Stiel: übergehen; Au⸗
ßerdem iſt H. Lupinus beträchtlich größer M. «1% 11-14“,
MW. faft 7 — Eudora M. W. 1% 4— 8”); das Männ-—
chen auf der Oberfläche der Borderflügel in dem ‚ganzen Raume,
der auf der Unterfeite vothgelb ift, lehmgelb und eben jo be—
haart; die Behanrung etwas. Dichter und länger; ‚der Schimmer:
flef, der. ſich vom Innenrande über ‚Die, Uefte der Medianader
hinzieht breiter, und: am obern ‚Ende durch Die Haare verdedt.
Auch: auf den Hinterfluͤgeln ſind auf der. Oberfeite „bie, Haare
bräunlichgelb, ſo wie Die des Körpers; die Buchten des Hinter
sandes.ıtiefer, die Zähne ſpitzer, die Franzen ‚weißer. — Auf
der Unterfeite ‚der Vorderflügel iſt das Gelb weniger tief, und
verdrängt das Grau der- Ränder mehr nach außen; in „Die bräun⸗
lichgraue Farbe des Innenrandes ‚dringt: es nahe am Hinterwin⸗
kel tief und deutlich begrenzt ein und endigt dort genau auf der
Subdorſalader. Das Bräunlichgrau des Vorder⸗und Hinter:
randes iſt viel mehr mit: Weiß gemiſcht. Auf den Hinterflügeln
iſt die Grundfarbe gleichfalls viel heller und weißlicher; die un—
vollſtändige, zackige Mittelbinde wird auswärts durch reichliche,
weiße, fleckenartige Beſtäubung hervorgehoben; der dunkle Schat⸗
ten vor dem Hinterrande drückt ſich auf dem hellen Grunde
deutlicher aus. Der Punct im Hinterwinkel iſt mehr oder we⸗
niger deutlich.
Beyhm Weibchen iſt das Gelb auf der Oberſeite da Vor⸗
derfluͤgel eingeſchränkter und viel weniger lebhaftz das
9*
139
Braune iſt dunkler und läßt die: Ecken der Zeichnungen ſchaͤrfer
erſcheinen "Die zwey Augenflecke, deren oberer nur bisweilen
‚eine Pupille hat, find verhältnißmäßig größer und durch‘ einen
Braungrauen, san dem obern Afte der Diedianader hinziehenden
Schatten getrennt; daher ihre gelbe Einfaſſung beträchtlich Flei:
nerDie Behaarung gegen die Bafis aller Flügel ift gelber.
Auf den Hinterflügeln zeigt. die: dunkle Mittelbinde: ſtets fcharfe
Eden (ein Eremplar von Eudora hat fie faſt eben jo ſcharf)
und durch einen fehr heilen gelben Grund ‚begrenzt; der Schat-
ten vor dem Hinterrande breiter und Dunkler. Von der Unter:
feite gilt daſſelbe in Beziehung auf Eudora fem., was kom
Männchen angegeben wurde; nur hat Eudora fem. gleichfalls
das Gelb auf den Vorderflügeln bis an die Subdorfalader ver
längert. Be) Lupinus fem. wird es hier von beyden Seiten
dunkler braun eingefaßt und iſt ſehr hell. — Fünf Weibchen
Bilden darin eine kleine Warietät, daß fe ziwifchen Den beyden
Augenflecten der Vorderflügel auf der Oberfeite, dem unteren
näher, einen deutlichen braumen-Punet haben. ' Diehrere Männ-
chen haben auf der Unferfeite der Vorderflügel "an ber Stelle
des 1. Auges einen runden braunen Puncifleck in wechſelnder
Größe.
Ungeachtet aller oben angegebenen Verſchiedenheiten bin ich
doch fehr geneigt, Hipp. Lupinus nur für eine ſüdliche
Race der Hipp. Eudora mizufehen. Größe und Färbung
beweiſen die Artrechte Hier gewiß nicht; ſonſt würde ihre nächfte
Nachbarinn Hispulla gleicyfals ’eigne Art und nicht Varietät
der H. Janira feyn. Das Weiße‘ der Unterſeite kommt von
ihrem Aufenthalte auf dem Kalfboden; die übrige Färbung kann
Einfluß des Klimas fein, und bielleicht find felbft die dünnere
Fühlerkolbe und’ die ſtärkern Slügelzähne dadurch hervorgebracht.
Bis diefes Räthſel definitiv gelöſt if, muß aber Hipp. Lupinus
als eigne Art augenommen werden. Ihre Diagnofe ift folgende:
Hipp. Lupinns: antennarum clava tenui; alisvargutius
dentatis fuseis, anterioribus (mas) ferrugineo-villosis,
ocello unico plagaque transversa subdorsali depresso-
squamata; fem. 'ocellis in fascia pallida duobus; poste-
rioribus (mas et’ fem.) subtus griseis cano -fasciatis
caeeis,
Var. b. mas: 'alis anterioribus 'subtus sesquiocellatis
(puncto in ocelli alterius loco).
Var. c. fem. in alis anterioribus supra puncto ocellis
interjecto fusco. (Freyer 1.'c. fig. 3.)
Hipp. Eudora: autennarum 'clava' incrassata; alis
subdentatis fuscis, anterioribus supra’(mas) ocello unico,
plaga 'transversa 'subdorsali depresso -squamata; fem.
ocellis in’ fascia fulva duobus; posterioribus (mas et
fem.) subtus füscescentihus griseis caecis.
Freyer's Abbildung iſt gutz nur ſollten die Vorberfligel
des Mäannchens gelbere Behaarung haben, und in beyden Ge⸗—
ſchlechtern auf der Unterſeite der Hinterflügel die Mittelbinde
weder ſo vollſtändig feyn, wodurch fie einen falſchen Verlauf
gegen den Vorderrand erhalten hat, noch fo zuſammenhängend
weiß begrenzt ericheinen. Seine Gremplare ſollen vom Aetna
feyn ; ich vermuthe aber, daß die Art am Berge: felbft und bey
Catania nicht fliegt. 9*
Coſta's Abbildung iſt nur ein wenig größer als H. Eu-
dora und ſehr ſchlecht; der flachſchuppige Fleck der Vorderflügel
geht der Länge nad. Da die falſche Citation die Figur noch
unfenntlicher macht, fo habe ich oben‘ die Neberfegung der Ber
fhreibung gegeben. pültnd
‚21. (10) Ma er a. —
Sie war an dem ſteilen Oſtabhange des hohen Berges, an
dem Ancona liegt, nicht felten zu Anfang September. Da Die
Jagd auf den fehlechten Falter fehr gefährlich war, To fieng ich
fein Gremplar und weiß alſo nicht anzugeben, wie dieſer ſüdliche
"Standort auf die Färbung eingewirkt haben mag, oder ob fie
vielleicht zu Adrasta gehört. Ich erhielt ein Wärtpen unter
dem Namen Adrasta, angeblih aus, Fiume, zugeſchickt.
Beyde haben als befondere Auszeichnung die Unterfeite der Hin—
terflügel röthlichweißgrau und am Vorderrande unter der zadigen
Querlinie einen faft rein weißen Fleck. Die characteriſtiſche
Querlinie vor Dem Auge der Vorderflügel macht auf dem drit—
ten At der Medianader gar feinen Winfel (an meinen
andern Exemplaren der Maera aus Schleften und Lienland einen
fehr ftumpfen), Divergirt gegen den Augenrand vielmehr und bil-
det auf dem 2. Aft der Medianader Feine Wellen, worauf fte
faft ganz verlifcht. Die Kinterflügel haben auf der Oberfeite
nur 4 Augen. Außerdem hat das Männchen oben auf den
Vorderflügeln Die gelben Flecke in den Zellen unter dem Auge
etwas größer und Tebhafter als die jchlefiihen Männchen; auf
der Unterfeite ift Das Rothgelb reiner und fihöner, und die Flü-
gelfpige roͤthlichweiß beftäubt. Das Weibchen ift auf der Ober:
ſeite der DVorderflügel in größerer Ausbreitung um das Auge
und in den Zellen unter benifelben Tebhaft rothgelb, und auch
noch in einem bedeutenden Raume einwaͤrts von Der edigen
braunen Querlinie, und zwar bis über den erften Aſt der Me—
Dianader, rothgelb gefärbt. Auf der Unterſeite ift das Nothgelb
viel mehr ausgebreitet und das Braune am Vorderrande ſehr
hell und gelblich. x
Daß Ddiefer Falter, den ich für Den gleichnawigen O-chfen-
heimers 4. ©. 137 halte, ‚nicht, zu. Megaera gehört, auch)
ihm nicht nächft verwandt ift, lehrt Die Beichuffenheit Der charae—
teriſtiſchen Querlinie; wenn dieſe ftandhaft iſt, ſo halte, ich
Adrasta für eine gute Art; ich bedaucre daher um fo mehr,
den, Falter bey Ancona unbeachtet: gelaſſen zu. haben. it
22. (11) Megaera. Aun
Var. australis a, alis latins ochraceis, anteriorum
strigis. subtus tenuibus, posterioribus, subtus
dilute griseis. —*
b. ut a, sed fascia nebulosa ante ocellos alarum poste-
riorum fere extincta (mas et fem.). ‚
c. ut a, sed alis anterioribus ocello minuto sub ocello
majore instructis (mas et fem.). ;
An der, fteilifchen Megaera breitet ſich das Ochergelb mehr
‚gegen die Basis, der Flügel aus, verengt Die braunen Räume
und ‚zeigt fich daher auch, auf den Vorderflügeln zwiſchen dem
Hinterrande ‚und der, Davor herziehenden. braunen Linie. „Auf den
Hinterflügelm: ift das Wurzelield Heiler. Der braune, Schatten-
ftreif, ‚dev. zwifchen. ihm ‚und der Augenreihe bey unferem, norbi-
fhen alter in ziemlicher Breite und zufammenhängend hinzieht,
ift dünn und, bei), manchen, Exemplaren, (Var. b.) nur durch ein—
zelne Stäubchen, bie, ſich auf den Adern am ſtärkſten häufen,
angedeutet. j Iran. I
Auf den Unterflügeln zeichnen ſich die Vorderflügel Durch grö—
Bere Verbreitung des Gelben gegen. den Vorderrand und die
Baſis und ferner durch Feinheit der braunen Querlinien aus
Die characteriftliche Querlinie zeigt, wie be) unſrer Megaera,
in ihrer Geſtalt auf dem erſten Aſte der Medianader einige
> AT
140
‚241 =
Veränderlichkeit. Die Sinterflügel ſind heller, ihre braune Be—
ſtäubung dünner und die zwey zackigen Querlinien feiner.
Die Flügelgeſtalt bietet keinen Unterſchiedz bie Größe iſt
beträchtlicher als an ünſrer nordiſchen Megaera. M
Die Flugzeit beginnt bey Meſſina ſchon zu Ende Jannar;
den erſten Falter ſah ich am 31. Januar. ‚Er hält ſich wie bey
uns an Erd- und Felswänden auf und iſt im Frühling, woich
mich nicht erinnere ihn an Blumen geſehen zu haben, ſchwer zu
fangen! Um ESyhracus, wo die Verfolgung weniger erſchwert
war, ließ er ſich öfter haſchen; hier hielt er. ſich ans den Kalk—
felfen ders ehemaligen großen Stadt ziemlich: Häufig: auf. Im
Juli traf ih um Meffina die zweite Generation, und, Diefe war
wie fait alle Nachkommen ber wilden Frühlingsfalter, wegen der
Hige weniger ſcheu und lief, ſich auf den Bluͤthen von Scabio—
fen Teicht fangen. Um Neapel, und Sorrent war Megäera
nicht Selten. - . NIT RE SENT AgEr ie
Bois duval hat in Icon. pl. 44. fig. 4. 5. 6 einen Sa-
tyrus Lyssa aus Dalmatien, den er mit Der Frage, 0b «8
Baftard der Mäera und Megaera ſeh, auch im Inder ©. 32.
231, aufführt. In den Icones S. 222 fagt er, er halte ihn
bloß für Localvarietät der Megaera, die oberiwirts der Staitnt-
art faſt völlig gleiche, hinftchtlich der Färbung der Uinterfeite ynd
der Zeichnung auf der Unterfeite Der Hinterflligel, ter Maera
ähnlich ſei. Bey ben, einzelnen Angaben feinen Verivechäfuit:
gen der Namen und andre Irrungen, vorzufönmen, denn Menn
Boisduval fagt, die Oberfeite der Vorderflügel fen wie bih
Maera,,fo würde ich bier vermuthen, 'er "habe Mezaera
fchreiben wollen, da die Abbildung nur Diefer gleicht, ivenn er
nicht, Dinzufegte; aber, Die, ſchwärzliche (d.h. braͤune, characte-
riftifche) Querlinie Bildet wie bey Hierd und Megaera einen
ausipringenden, ſcharfen Winkel. Diefer Umftand ift der befte
Beweis, daß Lyssa nichts als Megaera var, ift. Ihr Cha—
‚raeter als Varietät befteht “in der Farbe der Unterſeite der
Hinterflüig elzdieſe iſt nehmlich—röthlichweißgrau* wie
bei) der unter Maera beſchriebenen Adrasta. Nach Bois:
duüuvals Verſicherung hatſeine Menge männlicher und weiblicher
Exemplare dieſe Färbung ſtandhaft, und kein franzöſiſches oder
peloponneſiſches Eremplar ſoll ihm darin gleichen. Hieraus: aber
eine hybride Abſtammung folgern zu wollen, ſcheint mir etwas
zu. kühn. Es iſt eine Megaera var. australis, d. Dal-
matina:alisıpoSterioribus: subtus lilaceo-cinereis. N
"Noch habe ich als hierher gehörig zu beſprechen: Satyırws
Tigeliws'(Tigellius?) Bonelli. | J
"" * Mem. della reale acad. di Torino vol. XXX, p. 181.
tab. 1. fig. 2. : 3 Bun a
""Rambur: Annäles' de la soc\'entomol. I! pag.' 263.
"Sat. Tig. simillimus- Sat. Megäerae, sed minor, ala-
rum posticarum disco fascia media transversa supra
destituto. Bi;
wenig
un
I" Wenn Boisduval hier den Vergleich mit Maera macht, „bie
„bey uns viel dunkler auf der Unterſeite der Hinterfluͤgel ift, jo finden
wie bey Dupondel ©. 285 in einer Note die höthige Crläute:
zung, „Wir müffen bemerken, daß die Adrasta der deutichen Autoren
die Maera der frangöfifchen iſt und umgekehrt. Dir Grund davon
sifb der, (daß der von Linne der typiſchen Art gegebene) Name) natür-
licher Weife) auf die in jedem Lande gemeinſte Varietaͤt angewendet
werben, mußte, (). Folglich ſcheint es, daß die Warietät mit dunklerem
Srunde, ‚diejenige alfo, die wir hier ale Adrastlıs geben, in Deutſch⸗
land zuerſt bekannt geworden iſt, wo fie verbreiteter iſt als die mit
hochgelbem Mittelfelde waͤhrend in Frankreich das Gegentheil ftattfindet.'
—ñi
142
Boisduval Icon. pl. 45. fig. 15:27 mas. 3 fem.
pag 224: Sat. Tig.: ‚alis denticulatis supra fulvis
fusco .striatis,., anticis ‚sesquiocello ; posticis a medio
ad marginem ‚omnino fulvis, äbsque fascia fusca ante
ocellos, his subtus_pallide Nayıdo- cinereis, strieis
fuseis duabus undatis ocellisque sex iride duplici.
..Boisduval: Chenilles d’Europe. Satyrid! pl. 2. fig.8. 9.
"DüponchelHist. nat. des 'Eepidopt. Pl. 30. fig. 5.
fem.' 6. 7. mas. pag. 199.
Fteyer Aeltere Beitr. ITS: 64 und 158. Tab. 68. Big. 1.
Hipp. Tigelins.'
Treitfhfe N). ©, 37 unter Megaera,
Dieſer Falter wird bon Treitfchfe entichieden für Meraera
var. erflärt, und ich bin febr bereit, ihm darin beyzupflichten
und den Schmetterling der Megaera ald'var.ı australis e,
Sardiniae.et Corsieae ‘> duplo minor, 'alis posterioribus'sine
faseia' nebulosa' ante "ocellos behzuzaͤhlen· Daß er lin Siei⸗
lien auf der Oftküfte nicht vorkommt, iſt gewißz auch beſitze ich
ihn fo wenig wie die Sat. Lyssa: So ſonderbar es mir auch
ſcheint, daß in Gorfica und’ Sardinien nicht auch Falter! von der
gewöhnlichen Größe vorkommen ſollen, fo möchte es doch, wohl
durch Die "DVerficherung "Rambursund die Menge den von
Dahl. gefammelten‘ Falter als faſt ausgemacht angeſehen wer—
den. Dieſer Größenunterſchied beweiſt offenbar fo wenig für Die
Artrechte, wie die Ashnlichkeit Über Naupen und: Puppen des
Tigelius und der Megaera vulgaris: dagegen. Den zwehten
Hauptunterfchied, ‚den Boisduval hervorhebt, folen die etwas
gerundetern und lebhafter gefärbten‘ Flügel geben. Hierüber
ſchweigen Duponchel und Rambur: auch iſt Megaera darin
fo veränderlich, daß dieſer Unterſchied, es müßte denn die Geſtalt
des Nigelias underänderlich fegn / alle Erheblichkeit verliert.
Drittens ſoll die ſchraͤge (abnorm beſchuppte) Binde der Vor:
derflügel des Maͤnnchens gegen den Vorderrand fehmäler ſeyn
ald beiy:Megaera. Dieſes zeige fih an Duponchels Bild
des Tigelius garnicht, und da ich ein’ Meſſiner Männchen mit
einer san Diefer Stelle Fehr: verſchiuälerten Binde beſttze, fo muß
ich diefenmUnterfchied® gſeichfalls allen Werth abfprechen. Vier—
tens ſoll auf der ‚Unterfeite der Vorderflügel die characteriftifche
Duerlinioobey" Tigelius gegen den Hinterwinkel verlöſchen.
Allein ein Mehr oder" ein’ Minder zeigt ſich bey meiner Variet.
australis ſowohl in der Länge wie in der Geftalt dieſer Linie
an ihrem untern Theile; > ein’ DVerlöfchen ft alſo ohne Beweis⸗
kraft für die Rechte der Art, Das fünfte Merkmal, auf welches
son allen Autdren das meiſte Gewicht gelegt wird, und das in
dev That das Bauptſächlichſte ft,’ beſteht in dem Mangel der
braunen Schattenbinde auf den’Sinterflügeln zwiſchen den Wur⸗
zelfelde und der’ Augenreihez”diefer Unterfchied ſoll conftant ſeyn,
und Duponchel hat ihn an der Menge corſiſcher Eremplare,
die Rambur mitbrachte, 'conftant gefunden. Treitſchke
ſcheint diefe Standhaftigkeit nicht anzuerkennen, indem er ſagt
(X, 1. 37), ein Theil‘ der dunkeln Zeichnungen bleibe aus,
werde aber! auf einzelnen Gremplaren ftellenmeife bemerkt. Meine
Var. by die ih im Mai und Juli gefangen habe, die alſo in
der Frühlings⸗ und Sommergeneration vorkommt, bildet einen
ſehr guten Uebergang zu: Tigelius. t nu nd
Zeigte ſich in der Geſtalt der characteriſtiſchen Quetlinie' ober
in der Gtellüng und Geftalt anderer Linien ein ſtandhafter Un—
terſchied; fo würde Tigelius eben ſo gut als Art anerkannt
werden müſſen, wie dieſes beh Hiera, welche ſolche Verſchieden—
heiten heſitzt geſchehen iſt a, 1°.
1435
25. (12) Egeria.
Var. a. vulgaris (Neapol.) .
Var. b. Meone Esp.: alarum flavedine laetiore, —
riorum margine profundius inciss. Wagners
Neifen in Algier, MI. S. 210. Tab. 9. Fig.
Die Unterjchiede der ſüdlichen Barietät, welche Graf v. Hoff⸗
manngegg in Illigers Magazin anfangs: für eine, gelbere
Nace der Egeria erklärte, was er fpäter widerrief, ſind von
—J— gut auseinandergeſetzt worden. In heuerer
Zeit hat Boisduval das Zujammengehören. beyder, Falter zu
einer Art wieder behauptet; Herrich Schäffer (Syſtematiſche
Bearb. I. ©. 89) und Wagner führen fie, aber. ald getrennte
Art auf.
Meone fliegt in zwey Generationen, deren: erfte bey Meſſina
zu Anfang Februars auftritt; Da andere Arten, z. B. die Bons
tien, ‚Hipp. 'Pamphilus, . Pap.. Machaon,. die ‚auch in zwey
Generationen; fliegen, in Frühjahr ziemlich ‚anders ausfehen ala
im. Hochfommer, ſo war. ich geneigt, «Die ſich dort ftet gleich
bleibende. Meone aus dieſem Grunde als eigne Art anzuerfen:
nen. Allein Analogien können nur dazu dienen, die Aufmerk:
famfeit bey der Beobachtung zu ſchärfen z ſelten oder nie geben
fte seinen Erfag für, die Beobachtung oder enthalten fie Beweis:
Kraft. Eine fortgefegte Beobachtung hat mich von jener Anfieht,
daß Meone ftandhaft bleibe und eigne Axt ſey, abgebracht. Die
dreh Walter, Die ich. bey Neapel gefangen habe, bilden einen nor:
trefflichen Uebergang zu der nordijchen Egeria. < Am Avernerfee
fing ich am 11. Auguft ein. schönes Weibchen) mit: ſtumpfern und
fürzern Zähnen der Hinterflügelz Dies gelben Flecke find auf der
Dberfeite der Flügel kleiner, und alle Flecke der Sinterflügel,
auf den Vorderflügeln aber der unter dem Augenfleck liegende
und die 46, welche eine unvegelmäßige, zwiſchen der Querader
und dem Augenfleck hinziehende Binde anfangen, Haben fait das
belle Gelb unferer nördlichen Egeria, während. die andern Flecke
die hochgelbe Farbe der gewöhnlichen, Meone -bebalten! Vor
Dem weniger eingebogenen Hinterrande der Vorderflügel liegt nur
der halbe Fleck der Rgeria, dagegen aber, auch die zarte, braune
Linie, die der Meone, eigenthümlich ſeyn ſoll. Auf der Unter:
feite hält das Gelb die Mitte zwifchen dem der Meone und dent
unferer Egeria; der wiolette Rand den, Hinterflügel ift lebhaft
wie beh Meone. — Im Caftanienwalde) füblich oberhalb: des
Agnanoſees flog unſere ‚blaßfledige ‚Egeria anf den lichten, von
der. Sonne beſchienenen ‚Stellen nicht, felten 5 hier fing: ich, ein
fpielendes Pärchen, wovon; das Männchen — mit der Ausnahme,
daß die Flecke der. Flügel, namentlich. der. Hinterflügel, etwas
größer ‚und ‚schärfer ‚find — eine. unzweifelhafte Egeria iſt, das
Weibchen‘ aber ıdie Meone vom Avernerfee: Bey Diefem Weib:
chen find die DVorderflügel ‚genau fo. ftumpf wie ‚an ‚Egeria vul-
garis, aber Die Hinterflügel noch fchärfer gezähnt ala bey den
meiften fteilifchen. Weibchen. Es iſt gewiß, dap das fpielende,
verliebte Pärchen ſich begatten wollte. Da alſo in Flügelfärbung
und Bildung, der Uebergang da iſt, woran Ochfenheimer
zweifelt, und eine-Begattung der behden Racen unter einander faſt
feinem Zweifel, ‚unterworfen ift; fo ſchließe ich mich der Anſicht
derer mit Ueberzeugung an, die in Meone keine eigne Art
anerkennen.
Um Meffina fah ich Die erfte Meone am 11, Febrnar'ziem:
lich. tief rin Gebirge in den Gärten, ſpaͤter überall in den Thä⸗—
lern, (aber, menn aud) leichter ald Megaera, doch ziemlich ſchwer
zu fangen. Ich fand fle ſelbſt zwiſchen den Sandhügeln, im die
144
Sicilien im Nordoſten ausläuft, zwiſchen den Baͤumen der Gär-
ten. Um Syracus war ſie weniger häufig. Ihr Betragen iſt
völlig das unſerer Egeria; fie flattert ſchwankend umher, ſpielt
mit Ihresgleichen und ſetzt ſich auf abgefallene Blätter und auf
den Erdboden, ſehr ſelten an Blumen und nie an Wände wie
Megaera. Ihr Aufenthalt find. Gärten und frifche Gebirgsthä-
ler. Um Neapel bewohnt fie waldige Gegenden, worin fie meift
die fonnigen Stellen auffucht, und ſich auf haarloſe Blätter,
Dürre oder grüne, ſetzt. Hier fcheint der Fühle Schatten die Aus—
bildung der gelben Färbung zu verhindern. —
Gofta weiß gar nichtd vor Meone; er fennt bloß —
als ſehr gemein.
24. (13) Galatea.
Var. Syracusana; major,
rascente, ventre albo.
Schon am 14. Mai fah ich auf den Sumpfiriefen bon Mag⸗
nift, einer Halbinſel 14 Meilen nördlich von Syracus, einen
Brettfpielfalter fliegen, "der mir Galatea zu feyn ſchien. Zu
Ende des Monats war aber Galatea nicht felten an den Acker—
rainen in den Syracalümpfen und bey der Chyane. Im Juli gab
e8 ‚viele Weibchen mit, zerfegten Flügeln bey Meffina an dem
Weftabhange eines hohen Berges, an dem viel Arundo mau-
retanica wächſt.
Sie gleichen ganz unferer biefigen. Galatea mit der. Aus-
nahme, Daß ſie beträchtlich größer und am Sinterrücken grauer
und am Bauche ganz weiß find. Beh den Männchen fcheint Die
reinweiße Farbe auf beyhden Slügelflächen gewöhnlicher zu ſehn
ald die gelbliche. „Die Farbe der- Fühler ift fehr veränderlichz
bey manchen auf der Unterfeite hellroth, bey andern überall
ſchwarz.
25. (14) Pamphilus.
Daß Pamphilus und Lyllus als eine Art zufammengehöre,
hat, foviel ich weiß, zuerſt Bois duval behauptet (Index edit.1.
1829. pag. 24 und dann edit. II. pag. 30. 277). 7 Ohne
davon zu willen, bewies ich es, indem ich den weiblichen Lylkus
beſchrieb, den: ich. ein "einziges "Mal: bey Glogau gefangen habe.
Gſis 1839. ©. 262.) Darauf erklärte fich auch ——5
dafür (Entomol. Zeitung 1840. S. 175).
Lyllus iſt die Sommergeneration des Südens und ‚ein. Wro-
duct der wärmern Jahreszeit; bey uns wird er nur ſelten her—
vorgebracht ; mein glogauer Exemplax fing ich am 34, Juli des
ſehr heißen Jahres 1834, im welchen dieſe Varietät bey uns
wahrſcheinlich noch öfter vorgekommen iſt. Der eigentliche Pam-
philus hat im Süden als Raupe die Regenzeit zu durchleben,
und: dieſer verdankt er ſeine trübere Färbung. Gr, begann bey
Meſſina in den Bergen um den 20. März zu fliegen (ein zer—
lumptes Männchen fing, ich am 26. d. Mts.) und war über—
haupt ſehr einzeln zu ſehen. Das einzelne mitgebrachte Exem⸗
plar der Frühlingsgeneration (vom 2. April) hat wie unfer
Frühlings-Pamphilus eine deutliche, braune Puftel in der Vor:
derflügelede, vor dem 'Hinterrände der "Hinterflügel Died verlo—
ſchene Puncte, und den berlofchenen Rand um die ochergelben
Flügel; der graue Randſtreif bor dem Hinterrande der Hinter
‚Flügel trennt ſich ſehr verloſchen, doch erfennbar von ber. Rand—
linie durch die Grundfarbe, ta am nordiſchen Pamphilus ge—
wöhnlich gar nicht, ſelten merklich geſchieht. Die Unterfeite hat
nichts Abweichendeg: Die Hinterflügel ft find grüngrau, nur am
Rande der Mittelzele, mit-einem gelblichweißen Fleck; Die Pupil⸗
ten der ſehr Kleinen, kaum kennbaren Aeuglein ‚glänzen ein wenig.
abdominis dorso cine-
145
um Syrafus flog der eigentliche Pamphilus gleichfalls im
April, ferner im May und bis’ zur Mitte des Juny, wo Lyl-
Jus ſchon mit ihm gemifcht erſchien. Die Eremplare, gegen 20
Stüd, find meift größer als unfere Frühlingsgeneration, haben
alte. die braune Puſtel der Vorderflügel in ziemlicher Größe, den
grauen Echattenftreif vor der Randlinie ‘der Hinterflügel noch
deutlicher getrennt als bey dem Meffinaer Eremplare, gar Feine
Puncte oder höchftens einen fehr undeutlichen davor und auf
der Unterfeite der Worderflügel den ochyerbräunlichen Streif ziwis
ſchen der Mittelzelle und dem Augenflect deutlicher und länger
als bey dem norddeutfchen Pamphilus. Die grünlichgraue Uns
terfeite "hat das’ braun begraͤnzte Wurzelfeld entweder nur an
der Vorderrandhälfte oder faft vollftändig gelblichmeiß eingefakt.
Die Pupilten der undeutlihen Augen glänzen ein. wenig. —
Ein großes Weibchen vom 6. Juny hat das Außenfeld der
Hinterflügel auf der Unterfeite reichlih mit Violett, gemifcht;
und darinn 6 ziemlich deutliche Augen mit glänzenden Pupillen.
— Auf der Neife von Neapel nah Rom fah ih am 23. Aus
auft, dann außerhalb der Stadtmauer Noms bey St. Peter am
26. Auguft, endlich in den Apenninen hinter Fuligno (hier flog
aber auch ein’ Lyllus) mehrere eigentliche Pamphilus, wie wir
fie bey uns im Sommer haben. Die 3 von den 3 Stellen
mitgenommenen Meibchen haben breite braungraue Nänder um
alle’ Flügel und auf den Hinterflügeln eine faft unmerkliche gelbe
Beftiubung vor dem Hinterrande; das Itriſche ift auf der Un:
terfeite "der Hinterflürtet lebhaft graugelb und hat wie das to:
miſche 2 Puncte auf der Oberſeite; Teßteres twie das apenninifche
auf der Unterfeite der'Vorderflügel einen unmerflichen Duerftrich.
(Bu diefer breitrandigen Varietaͤt des nordifhen Pamphilus
gehören auch die von Dr. Low aus Kleinafien mitgebrachten
Frühlinggeremplare.)
Lyllus füngt aus begreiflihen Urfachen eher zu fliegen an,
als Pamphilus ganz verfhmwunden ift. Seine Eigenthuͤmlich—
keit Befteht darinn, daß zwifchen. dem Schuttenftreif und der
Randlinie die ochergelbe Grundfarbe gewöhnlich rein und als
eine vonftändige Linie hervortritt. Beym Männchen iſt dieß
weniger vollftändig der Fall, und zwar bey den Erftlingen am
undollfommtenften, und ftets gehen die Kängsadern in braun—
grauer «Färbung hindurch. Gegen den Vorderwinkel iſt auf
beiden Flügeln diefer Schatten am breiteften und mit der Rand—
linie zufammengefloffen. Bey dem groͤßern und hellern Weib—
chen vermindert fich dagegen diefer Schatten und ift oft fo.
ſchwach, daß er auch an den Vorderwinkeln von der Nandlinie
getrennt bleibt; und bisweilen hört er auf den Hinterflügeln
fehon am 2ten Aft der Medianader völlig auf. Selten find
die Längsadern an ihrem Ende grau. Die Zahl der Puncte
zwiſchen denfelben fteigt an beiden Gefchlechtern von 04,
und beide Extreme find felten. h
Die Unterfeite ift überall blaͤſſer als bey Pamphilus; nur
das Auge, die ochergefbliche Querlinie und der bräunlihe Schat—
ten vor dem Hinterrande auf den Vorderflügeln, und der Rund
der Mittelbinde der Hinterflügel find dunkler und fchärfer. Daß
die WVorderflügel nie einen „kurzen und bogenförmigen Silber
ſtreif“ Haben, wie Ochfenheimer 1, 1. ©. 308 befchreibt,
babe ich ſchon Iſis 1839. ©. 263 bemerkt. >
Auf den Hinterflügeln ift der graue Nebel, in welchem die
Aeugelchen ſtehen, oft ſtark mit Violett gemifcht (Var. 8), und
zwey Meibchen haben auf der ganzen Untetfeite der Hinterflügel
roͤthlich fahlgelbe Grundfarbe (Var. Y). — Das Auge der Vor:
derfluͤgel hat bisweilen ein kleines unten an ſich hingen (var. d)
Iſis 1847. Heft. 3.
146
und bey einem Mefjiner Meibchen ift der. helle Hof um diefes
Doppelauge vollftändig und fogar nah unten verlängert. —
Zwey Weibchen haben über und unter dem Auge ein Aeuglein
und alle drey in einem gemeinſchaftlichen Hof eingeſchloſſen
(var. &). — Ein Weibchen hat auf der Unterfeite. der Vorder:
flügel einen ſchwarzen Punct in hellem Hofe zwiſchen dem 2ten
und ten Afte der Medianader (var. &). — Ein monftröfes
Weibchen von Syracus hat an den vollftändig gefcanzten Hin:
terflügeln einen Hinterwinfel von etiwa 90% und den Hinterrand
an denfelben in der Mitte edig hervorftehend; der Worderrand
der Vorderflügel äuft hinten fehr conver und der untere Theil
des Hinterrandes läuft in einer geraden Linie fchräg eimwärte.
— Ein Weibhen eben daher ift in feinem ganzen Innenraum
auf allen Flügeln verlofhen. — Ein Weibhen von Fuligno
hat auf der Unterſeite ein auffallendes Ausſehen; auf den Vor—
derfluͤgeln iſt es nehmlich faſt roͤthlichgelb wie unſer Pamphilus
mit ſehr kurzem Streif vor dem Auge und gelbgrauem Vor—
derwinkelz auf den Hinterfluͤgeln graugelb, das Mittelfeld. nur
an der Vorderrandhälfte und vor dem Innenrande hellgelblich
eingefaßt. Außer der Oberſeite des Lyllus hat es alſo vor dem
nordiſchen Pamphilus nur die lebhaft graugelbe Farbe der Un
terſeite der Hinterfluͤgel voraus (var. 7).
Es ergeben ſich alſo fuͤr den italieniſchen Pamphilus folgende
ſyſtematiſche Phraſen:
a) var. Sicula verna: in alis omnibus nebula mar-
ginali fusceseenti vix a margine separata.
«) in alis posterioribus subtus maculis albidis non
eohaerentibus.
ß) in alis posterioribus subtus maculis albidis
cohaerentibus.
y) alis omnibus late fuscescenti marginatis (sp.
Syrae., Ital. med., Asiae min.)
b) var. Lyllus. «&) subtus dilnta, ocellis alarum
posteriorum griseo circumfusis,
ß) ut «) sed ocellis alarum post. violascentl cir-
cumfusis (mas. fem.).
y) alis posterioribus subtus incarnato - pallidis
(fem.).
d) ut «) sed alarum anteriorum ‚ocello |infra ap-
pendiculato.
&) ut @). sed ocello alarum ‘anteriorum punctis
dnobus additis.
ü). ut «) sed in alis anterioribus puncto ocellari
ante angulum posticum (fem.).
7) ut &) sed alis anterioribus subtus obscurius
ochraceis,
Cofta gibt in feinee Fauna di Sicilia ©, 2. einen ſehr aus—
fuͤhrlichen Bericht und eine Abbildung von einem Satyrus
Corinna, der aber nichts weiter iſt als Pamphilus var. Lyl-
us. Seine Cremplare find vom Berge Tripi bey Ali zwifchen
Meifina und Catania. Er bemüht fich zuerft,. das von Bo—
nelli abgebildete Meibchen, Sat. Norax, genau: zu. befchreiben ;
feine Beſchreibung zu überfegen- ift überflüffig, da fie mit meinem
Lyllus var, &) zufammenfällt. Er unterfcheidet davon eine
Varietaͤt: alis omnibus fulvo-rufescentibus, postieis subtus
ocellis sex, tertio anteriore, disco repando fuseo [was heißt
das?], von der er fagt: „beh einem Weibchen. find ſechs Aeug—
tein, faft im Zickzack aufgeftellt (fig. 3), von welchen das 2te
vordere ohne Pupille, das dritte in den braunen Fleck verſenkt
und mit ſehr nusgedehnter filberfarbner Pupille, das Ste und
10
147 =
6te mit kleiner Pupille und ſchwarzer, viel merklicherer Iris.
Bey einem Maͤnnchen ſind die Aeuglein kaum mit bewaffnetem
Auge erkennbar, und jene an den Winkeln ganz verloſchen.“ —
Seine Bilder zeigen am beſten, daß er den Lyllus meint, ſo
wenig fie auch ſonſt werth find. Figur 1) ein fliegendes Männ-
hen hat zu Eurze Hinterflügel und gegen die Baſis der Vor—
derflügel ein zu lebhaftes Citrongelb. Fig. 2) dag figende Männ:
chen, vielleicht das vorhin als Varietaͤt erwähnte, hat auf der
Unterfeite der Hinterflügel nur in der Mitte ein etwas deut—
liches Aruglein. Fig. 3) das fißende Weibchen, hat, auf der
Unterfeite der Worderflügel ftatt bes Nandfchattens einen braun—
rohen Kappenftrich und auf den Hinterflügeln 6 deutliche Aeug—
lein in einer breiten gelbbraunlichen Binde; zwifchen ihr und dem
Rande find die Adern ſtark ausgedrüdt und grau.
Lycaena.
Coſta kennt folgende Arten als neapolitanifh: 1) Arion
nicht ſehr häufig bey Nocera. 2) Cyllarus am Aspromonte,
3) Acis. [4 —6 find aus Verfehen weggelaffen.] 7) Ado-
nis „faſt überall bey uns nicht ſelten.“ 8) Alexis. 9) Eu-
medon felten. 10) Hylas etwas felten. 11) Argiolus;
„Die zweyte Generation pflegt Eleiner zu fein; ‚oft, find auch die
Puncte auf der Unterfeite in Xinien verwandelt.‘ 12) Corydon;
Gran Sasso und Calabria ultra; Warietät a) alis antieis
subtus linea conspicua prope marginem posticum [inter-
num?] notatis. ine doppelte ſchwarze ‚Querlinie verbindet
einen der Puncte deg MWurzelbogeng ‚mit den zwey bintern des
Mitteibogeng. Dom Gran Saſſo. .15) Daphnis auf den
Hügeln bey, Vico und Caftellamare. Die Varietät tab. 5. fig.
1.2., auf dem Gran Saffo im Auguft gefangen, unterfcheidet
ſich durch den dreyedigen, ſchwarzen, weißgefäumten led im
Mittelpuncte der Unterfeite dev Hinterflügel und durd die auf
beiden Flügeln faft ganz verlofchenen Nandflede. 14), quer-
eus in Galabrien und bey Alife. 15), boeticus, manchmal
3 Eleiner als gewöhnlich, vom Suly bis September. 17) W al-
bum im July in Calabria ulteriore, nicht gemein. 18)
Phlaeas häufig. 19) rubi. 20) telicanus. in Gala:
brien und Lecce.
A. Polyommatus.
26. (1.) Cyllarus.
Um Meffina, felten in einem tiefen Gebirgsthal an der Pas
lermitaner Straße. in am 2. April gefangenes Weibchen ift
ſchon zerriffen und abgeftäubt, 3 am 15. und 18. April gefans
gene Männchen find noch ganz unverflogen. Das Meibdyen
hat auf der Oberfeite eine ſchwache bläufihe Beſtaͤubung, auf
der Unterfeite dag Grau eines gewöhnlichen Männchens und das
Grün bis zum Mittelzeihen und am Innenrande bis zur
Sledenreihe verbreitet. Es weicht alfo von unferem einheimifchen
Cyllarus-Weibchen ab, welches unten mehr braungrau ift und
gewöhnlich ein viel eingefchränfteres Grün befist. Die Maͤnn—
chen find in der blauen Grundfarbe alle etwas verfchieden,
gleichen ficdy aber darinn, daß auf der Unterfeite ihr Grau weiß—
licher ift, als an den unfern, und daß auf den SHinterflügeln
die Augen Aufert Elein und etwas undeutlic find. (Die Elein-
afiatifchen Exemplare haben eine mehr gebräunte Unterfeite, ein
gelberes Grün und deutliche Augenpuncte.) Ob dieſe Varietaͤt
lokal oder zufällig ift, läßt fih aus den wenigen Eremplaren
nicht beftimmen.
148
Cofta hat eine Varietät aus Terra d’Otranto:. alis posti-
eis. [add. subtus] impunctatis magis virideseentibus. Die
ſehr ſchlechte Abbildung tab. 5. fig. 3. 4. fheint ein. Männchen
vorzuftellen mit zu geſtreckten Flügeln, die auswärts. auf faſt &
der Slügelfläche gelbbraun find; auf der Unterfeite iſt die Grund—
farbe bräunlic ‚grau, ‚auf. den unpunctierten Hinterflügeln an
der Wurzelhaͤlfte hellgruͤn; die Vorderflügel haben. eine Quer:
reihe von 6 Puncten in der Größe. wie ‚ben Acis und in. der
Stellung wie bey feiner von. beiden Arten. Dennoch: fcheint
nur Qyllarus gemeint gewefen zu feyn.
27. (1) ACHS
Var. b) Aetnaea an pr. sp,? subtus obscurior, ocel-
lorum serie propius ad marginem posita.
Unter mehreren Cremplaren von. Polyomm. Alexis, die, in
der Waldregion des Aetna am 30. Suny flogen, fieng ich auch
ein ziemlich ſchlechtes Weibchen von Aecis, das ſolche Eigenthuͤm⸗
lichkeiten hat, daß ich bedauere, nicht mehrere geſucht zu haben,
weil ich faſt eine eigene Art vermuthe. Die Vorderflügel find
ein wenig ſchmaͤler und fpiger. Die. Unterfeite iſt hellbraun
ohne graue Veymifchung. Auf den Vorderflügeln. ift das Mit
telzeihen nicht ein feiner Strich, fondern ein ſchmaler Nieren-
filed. Die Augen, welche die Reihe bilden, find. auf allen Flüs
geln glei) groß, größer als bey Acis, und ſchaͤrfer weiß geranz
det. Was aber dus Wichtigfte ift, die Reihen ftehen auf beiden
Flügeln merklich näher dem Hinterrande als dem Mittelzeichen,
während es bey Acis umgekehrt ift. Auf den Hinterflügeln
ſteht das zwehte Auge, vom Vorderrande aus gerechnet, dem
dritten weit näher als gewöhnlich, und die.3 evften bilden eine
gerade Linie, während bey Acis das 2te Eleinere Auge ftets ein-
waͤrts geruͤckt iſt. Franzen und Färbung der Hinterflügelbafis
ohne Abweichung.
28. (3.) Argiolus.
Selten um Meffina im März und April in fonnigen, gegen
Wind gefhügten Thaͤlern im Sonnenſchein um den hohen
ſtachligen Geisklee (Cytisus spinosus und. triflorus), Die
Raupennahrung Fann hier fein Rhamnus feyn, Einen Schmets
terling glaube ih in Faro, an. der fchmälften Stelle der: ficili-
[hen Meerenge gefehen zu haben. Das einzelne -mitgebrachte
Weibchen ift eine zufällige Varietät von mittlerer Größe. ı Die
Adern der DVorderflügel find bis an die Franzen hellgrau; der
fhwarze Hintercand iſt nur ſchmal und. hört am erften Afte
der Medianader ganz auf. Auf den Hinterflügeln geht vor
dem Hinterrande eine Weihe feiner Striche. Auf der Unterfeite
find die Augenpuncte der Hinterflügel Elein und verlofchen, und
die Zeichnungen vor dem Hinterrande fehlen mit Ausnahme von
Spuren in den Hinterwinfeln.
Diefer Falter fliegt wahrfcheinlidy an allen Küften des mit:
telländifchen Meeres. ;
29. (4.) Corydon.
Var. apennina: alarum marginibus angustis ‚einera-‘
scentibus, alis subtus dilutissimis. 14
Nur zwey Männchen kamen mir am 65. September. zu Ge-
fiht, Hinter Fuligno in den Xpenninen, mo. fie höher: hinauf
als Adonis an den ‚Kalkfelfen ‚flogen und fih an weißfilzige
Labiaten festen. ie haben ein vom. gewöhnlichen Corydon.
fehr verfchiedenes Ausfehen,. geben. fich ‚aber an. dem Umfange
der Pubescenz auf den Flügeln zu, erkennen. Sie gehören zu
den Eleinften Sremplaren.: Das Silberblau der Grundfarbe hat
an dem einen Cremplar mehr als bey dem andern einen weißs
lichen Ton. Die Adern der Oberfeite find. bey beiden auswärts: ,
149
in geringerer Länge ſchwarz; der Rand der Worderflügel iſt mehr
grau als ſchwaͤrzlich, weit ſchmaͤler und enthält eine Reihe weiß:
licher, verlofchener Querflede; auf den Hinterflügeln fehlen ein=
mwärts die grauen Schatten an der Fledenreihe, die auswärts
zwifchen den Adern weiß eingefaßt ift. Von den Adern laufen
nur’ ganz dünne graue Striche in die reinweißen Franzen: aus.
Die Grundfarbe der Unterfeite ift mit vielem Weiß gemifcht,
auf den Borderflügeln weißlich, auf den Hinterfluͤgeln weißlich—
braun. Die Flecke find Elein und verlofhen, [und ihre weißen
Ninge laffen fich nur mit Mühe erkennen; das Nothgelb der
Randreihe ift hell und blaß. Auch bier haben die Franzen dünne
grane Laͤngsſtriche.
Sch vermuthe, daß auf diefe Corydon-Barietät die von
Grastin in den Annales de la Soc. entomol. V, ©. 555
gemachte Bemerkung geht: „Dorylas und Gerydon haben ung
eine fonderbare Einwirfung des Climas auf ihre Farben gezeigt;
wenn fie die hohen Hügel der Umgegend von Granada bewoh-
nen, werden fie durch die Wirkung der großen Hitze faſt ganz
weiß, während’ fie auf den Gipfeln der Sierra Nevada, wo fie
eine gemaͤßigtere Temperatur finden, ihre gewöhnliche Farbe be-
halten. Mir fcheint aber mehr der Kalkboden den Einfluß zu
aͤußern; denn’ die Stelle in den Apenninen, wo idy den Cory-
don fand, war ſchon ziemlich hoch).
30. (5.) Adonis.
Var. 2. (Ochsenh.) b) subtus magis lutescens.
c). ut b) sed serie ocellorum arcuata margini propiore,
conulo albo nullo.
An einem fteinigen, mit verflimmerten, niedrigen Kleearten
beivachfenen Abhange der Apenninen oberhalb Fuligno flog diefer
Falter am’ 5. September nicht felten in Gefellfchaft der Po-
Iyomm. Alexis, der Col. Edusa und der Hipp. Statilinus.
Ich fammelte aufer einem begatteten Paare noh 2 Männchen.
Die 3 Männchen haben die Auszeichnung, daß von der ganzen
ſchwarzen Punctreihe auf der Oberfeite der Hinterflügel nur der
Punct zwifchen dem 1ften und 2ten Afte der Medianader ziem-
lich deutlich, die andern gar nicht zu fehen find. Auf der Un—
terfeite ift die Grundfarbe der Hinterflügel gelbbräunlich, wie
ich fie nur an wenigen deutſchen Eremplaren meiner Samm—
fung bemerfe, von denen ich die Flugzeit nicht weiß und alfo
nicht beftimmen Fann, ob fie al8 Sommergeneration zu den
Apenninenbewohnern gehören. Das Weibchen, Ochfenheis
mers Varietät 2 (1, 2 ©. 36.), hat auf der Dberfeite vor
den rothen Nandfleden der Hinterflügel einige blaue Schuppen.
Auf der Unterfeite hat es eine ausgezeichnet fehone gelbbraune
Grundfarbe, an der Hinterflügelbafis gar nichts Grünes und
dabey eine fo auffallende Stellung der gebogenen Fledenreihe,
daß ich über das Zufammengehören mit Adonis in Zweifel
wäre, hätte ich es nicht mit einem entfchiedenen Adonis mas
in Begattung gefangen. Diefe Fleckenreihe fteht nehmlich faft dicht
an den rothen FSleden; fie bildet alfo auf den Vorderfluͤgeln
einen flacheren Bogen, weil der Fleck zwiichen dem 1ften und
ten Aft der Medianader weiter auswärts fteht. Daffelbe ift
der Fall mit dem gleichen Fleck der Hinterflügelreihe, und hier
fehlt der weiße Kegelfleck gänzlich, wofür die weiße Minfellinie
zreifchen dem Zten und 3ten Aft der Medianader mit dem ganz
nahen Auge zufammenftößt (var. e.). — Bey Trieft war der
Falter in der Mitte September ziemlich häufig am Suͤdabhange
des Karft3 in den Eichengehöfzen und zwiſchen den Weinbergen;
zwey dort gefangene Meibchen haben außer der fchönen gelb:
— —
150
braunen Unterſeite der Hinterfluͤgel nichts von Ochſen heimers
var, 1 Abweichendes.
31. (6.) Alexis.
Ueber den Einfluß der Jahreszeiten auf diefen Falter, deffen
Name von Rechtswegen mit Icarus vertaufht und auf Age-
stis übertragen werden follte (Iſis 1844. S. 23.8 und 9.)
findet fich fo viel ich weiß, nirgends etwas angemerkt. Sch felbft
bin zu fpät darauf aufmerkfam geworden, als daß ich etwas
Andres denn eine bloße Vermuthung aufftellen Eönnte, die nehm-
lich, daß die im Frühling erfcheinende Generation arößer,, ſpitz—
flügliger und reiner blau mit weniger roͤthlicher Beymiſchung
verfehen fen, als die Spätfommerfalter. Ben allen von mir
gefangenen deutfchen Alexis ift die ſchwarze Nandlinie der Vor: -
derflügel eben fo fein wie die der Hinterflügel und nur die ans
ftogende Hälfte der Franzen grau: Zu den auch bey: uns, aber
fehr felten vorkommenden Barietäten gehören folhe Männchen,
die vor der Randlinie der Hinterfluͤgel ähnlich: wie bey Adonis
ſchwarze Puncte haben, freilich nie fo ſcharf und vollftändig
(Ochſenh. 1,2. S. 41.)* Andere hieſige Abanderungen werde
ich gelegentlicy erwähnen.
Der Süden Ändert unfern männlidyen Alexis viel mehr
ab, fo daß man leicht verfchiedene Arten vermuthen möchte.
Die Abänderungen zeigen ſich 1) in der Größe, ohne [Unter
fhied der Jahreszeit; e8 kommen Eremplare in der Größe des
Aegon vor; aber feines habe ich gefangen, Das unfere größten
Eremplare des Frühlings - Alexis’ erreichte; 2) im der. blauen
Grundfarbe. Es zeigen fid) die bey ung vorfommenden Nuͤan—
cen, aber außerdem noch eine fehr erhöhte, mit wenig Roͤthlich
gemifchte, die verbunden mit mehrern andern Auszeichnungen,
im July bey Meffina nicht felten it; 3) in den Puncten vor
dem Hinterrande dev Hinterflügel auf der Oberſeite. An den
im Auguft bey Neapel um Gamaldoli gefangenen Eremplaren,
deren Raupen wahrfcheinlih am Spartium scoparium gelebt
hatten, und die überhaupt unferem Alexis am nädjften fommen,
fehlen meifteng die Puncte gänzlich; felten tritt einer. oder der
andere ftärfer hervor, und immer ohne ſcharfe Umeiffe, mit
Blau etwas verdedt. Won den Shracufanern, die ich zu Ende
Aprils, im May und Funy, und den Gatanefern, die ich zu
Ende Juny und Anfang July fammelte, ift aber faft nid)t ein
Eremplar, wo nicht die Puncte etwas hervorträten; ‚bey den
meiften find fie ganz deutlich, öfters ‚groß, größer als bey Ado-
nis, faft ſcharf begrängt und gewöhnlich die Hintertandlinie bes
rührend 'oder auch damit zufammengefloffen. Zwey Eremplare
(eins bey Syrafus am 9. Juny, eins bey Catania am 27. ges
fangen) haben diefe Puncte in große runde Pufteln verwandelt,
die mit dem Rande zufammengefloffen und einwaͤrts mit röth-
lihen Schuppen, gleichfam von der Unterfeite durchfcheinend,
gerandet find. Alle bey Meffina im July gefangene Männchen
haben diefelben Pufteln in mehr oder weniger beträchtlicher
Größe und Reinheit, einzelne audy mit der vothfchuppigen
Einfaffung gegen innen. Nur ein Männden hat gar feine
und dabey ein fo vöthliches Blau wie unfere hiefige Som:
mergeneration, fo daß ich vermuthe, beym Aufiveichen und
Spannen einen falfchen Zettel (27. July) ftatt des etwa abge=
fallenen richtigen an die Nabel gebracht zu haben; 4) in der
Färbung der Flügeladern auf der Oberſeite. Wie bey den
deutfihen 'Eremplaren haben alle italiänifchen die Mebianader
und die Subcoftalader, beide mit ihren Aeften, in einem hellen,
etwas glänzenden Blau gefärbt. Aber unter den Eleinafiatifchen,
von Loͤ w mitgebrachten Eremplaren, befindet ſich nicht eins
151
und unter meinen einheimifchen nur ein noch durd) die Grund:
farbe fehr ausgezeichnetes, wo die Enden der in den Hinterrand
mündenden Aderäfte der Vorderflügel in jeder Richtung. ſchwarz
erichienen. Wo fie fo erfcheinen, wird dies nur durch den
Schatten der Flügelfaltung hervorgebracht, und bie ſchwarze
Farbe verſchwindet, außer etwa am äußerſten Ende bey veraͤn⸗
derter Haltung gegen das Licht. Bey den auf den Hinterflügeln
ſchwarzpunctierten Italiaͤnern find aber durchgaͤngig die Ader—
enden in anſehnlicher Laͤnge geſchwaͤrzt, und ebenfo bey ben
meiften um Neapel gefangenen unpunctierten, bey welchen e8
aber doch nicht fo meit einwärts reicht. In den Apenninen
fing ih aber am 5. September drey und bey Trieſt am
12. September ein Männchen‘, welche ſo roͤthlich blau und ſo
wenig an den Adern geſchwärzt ſind wie unſere Sommer» A-
lexis. Auf den Hinterflügeln find die Adern niemals in. der
Länge wie auf den Borderflügeln ſchwarz; ich finde aber mes
nigfteng die Außerften Enden an manchem einheimifchen Exem⸗
plar, unabhaͤngig von der Faͤrbung der. Vorderflügeladern, in
diefer Farbe. Ebenſo ift es mit den italienifchen, ‚nur daß die
mit ſchwarzen Pufteln gezeichneten Meffiner gewöhnlich recht
meit einwärts geſchwaͤrzte Adern befigen. — 5) in der ſchwar—
zen Nanblinie der Vorderflügel. Diefe ift ‚bey. feinem einheimiz
ſchen und feinem meiner aftatifchen Alexis anders als früher
angegeben, und geht nirgends durch ſchwärzliche Schattirung in
die Grundfarbe uͤber. Gerade ſo iſt es bey allen auf dem
Feſtlande Italiens gefangenen Exemplaren. Unter den Sicilia⸗
nern hat nur ein Exemplar, dag oben als verdächtig angeführte
vom 26. July, fie. rein und ſcharf; drey vom 31. May,
3. Suny und 11. July haben fchon etwas Schatten davor,
befonders gegen die Slügelfpise, und ſchwarze Aderenden. Bey
allen andern wird der Schatten mehr oder weniger dunfel und
breit, und bey einzelnen, deren Adern nnd Puſteln ſtark und
geſchwaͤrzt ſind, iſt er noch breiter als bey Argus; 6) in der
Grundfarbe der Unterſeite. Die Hinterfluͤgel faſt aller Italiener
haben eine ſehr reichlihe Beymifchung von Gelb, erſcheinen alfo
in gelbbraͤunlicher, ſtatt bräunlichgrauer ‚Grundfarbe, und. bie
Augenpuncte haben meißgelblihe Ringe; in höherem Grade iſt
dies bey der Sommergeneration der Fall. Die Baſis der Hin⸗
terfluͤgel iſt am einheimiſchen Falter etwas glänzend bläulichgeiin,
mindeftens bis an die erfte Querreihe von (4) Augen, am In—
nenrande oft bis über die edige Neihe ( vor den rothen Flecken)
hinweg. Nur von den am früheften bey Meffina und Syra⸗
kus gefangenen Faltern (im April) haben einzelne das Gruͤn
in derſelben Miſchung und faſt in derſelben Erſtreckung; bey
allen uͤbrigen iſt es ein gelbliches Gruͤn und reicht. nicht big an
die erſte Augenreihe, und: bey einzelnen findet es ſich nur an
der Bafıs felbft, fo daß der Abftand der Unterfeite der Hinter:
fluͤgel eines folhen Falters von der eines einheimifchen ſehr bes
deutend ift. Zwey Syrakuſaner vom 22, und 24. April zeigen
aber gar Eeinen Unterfchied von unferem Falter, weder im Grün,
noch in der’ Mifcbung der Grundfarbe. — 7) in der Farbe der
Fuͤhlerkolbe, die unterwärts roth oder tothbraun ift, und in der
groͤßern oder geringern Reinheit und Schärfe der weißen Ringe,
wodurch ich bey mehrern im Julh gefangenen Eremplaren 20
bis 21 fehwarze Ringe vor der Kolbe zähle ftatt der 18 — 19
ben den uͤbrigen und bey unferem gemeinen Alexis.
Die italiänifhen Alexis - Weibchen haben vor den hiefigen
mehreres voraus. 1) Die rothen Flecke auf der Oberfeite aller
Fluͤgel find faſt durchgängig groͤßer, lebhafter orangeroth und
ſchaͤrfer auf allen Seiten abgegränztz fie zeigen fid) darinn denen
152
des Agestis ähnlich, nur daß fie bey diefem noch bunfler und
meift etwas ‚größer find. 2) Die Grundfarbe der Oberfeite iſt
im Ducchfchnitt einfarbig ‚gelbbraun ‚mit einer reichlicheren gelben
Beymiſchung als am deutfchen Alexis - Weibchen. — Nur von
den im April und May gefangenen Weibchen haben. einige die
blaue, bey uns ſo gewöhnliche Beſtaͤubung am Innenranddrittel
der Vorderflügel an der: Baſis und vor der rothen Fleckenreihe
der Hinterfluͤgel. Bey ihnen und bey noch fehr wenigen braus
nen ift die rothe Fleckenreihe der Hinterflügel auswärts blaͤulich
eingefaßt, und zwar bey den letzteren viel ſchwaͤcher. 3) Auf
der Unterfeite ift die gelbbraune Grundfarbe und das Roth der
Flecke erhöht, dem Weißen Gelbliches beygemifcht, und die Ba—
fis der Hinterfluͤgel ehne alles Grün. Die auf der Oberfeite
blau angeflogenen Weibchen: machen darinn eine Ausnahme, daß
fie an der Bafis gerade wie unfere einheimifchen Weibdyen gelb—
lichgeün und in derfelben Ausdehnung fo gefärbt find. (Won
den aſiatiſchen Faltern find zwen, Weibchen aus Bruſſa, ‚ohne
Grün; eins von. Denizli und; zwen von Nhodus (im: April und
May gefangen) haben kaum einen grünlichen Schimmer, ı 4) in
den fchwarzen Fühlerringen ift die Zahl ſchwankend, wie mir
fheint, wie beym Männchen, aus dem Grunde, weil unter der
Fühlerfolbe das Weiße mehr oder weniger an ber Bafis der
Glieder herbortritt. 6
Eine zufaͤllige Abänderung durch Vergroͤßerung und Zuſam—
menfließen einzelner Augenpuncte der Unterſeite kommt unter
den Suͤditaliaͤnern häufiger vor als bey unſerem einheimiſchen
Falter. Sie beſteht darinn, daß auf den Vorderfluͤgeln der
untere der beiden Puncte vor dem Querfleck mit dem unterſten
der Querreihe zu einem gebogenen, weiß eingefaßten Strich zus
fammenflieft. Bey einem fleinen Männchen vom. 15. July,
das diefe Auszeihnung hat, beſteht noch eine andere; auf den
Hinterflügeln find die 4 Puncte, der erften Querreihe vergrößert,
und der 1te, Ite und Lte ‚hängen mit den ihnen entfprechenden
der eigen Neihe, die ‚gleichfalls ungewöhnlich groß find, zus
fammen.
Die Zahl der Augenpuncte. vor dem Mittelzeichen der Vor—
derflügel ift nie unter 25 oft hat der obere Punct ein Anhangs⸗
pünctchen oberwaͤrts umd der untere ein verlofchenes unterwarts.
Alexis erfchien. um Mefiina zu Anfang April. Am Gonza=
gaberge fah ih am Aten mehrere fliegen, erlangte aber. nur, ein
Männchen und ein Weibchen. Jenes hat angedeutete ſchwarze
Puncte auf den Hinterflügeln, eine ſtarke Nandlinie der Vor—
derflügel mit fchwarzen Aderenden, die Unterfeite, grau wie am,
norddeutfchen Alexis und mit eben folchem Grün auf den Hinz
terflügeln. Das Weibchen iſt oben blau angeflogen, auf den
Vorderflügeln mit weniger ſcharf begränzten rothen Fleden, unz
ten bräunlichgrau, faſt im Zone, unfers einheimifchen Falters
und an der Bafis der Hinterflügel reichlich grün, wie. oben bes
merkt. — Um Eyracus flog der Falter, auf Brachen und. an
den Anhöhen des. alten Syrakus, doch gar nicht, häufig. Die
Maͤnnchen baben alle das fchonere, veinere Blau, die, ſchwarz—
gefärbten : Aderenden der Worderflügel, größtentheils fchwarze
Puftelm vor dem Dinterrande der Hinterflügel, mit dem fie zus
fammenhängen, und eine einwärts ſchwarz ſchattirte Hinterrandz;
linie der Vorderflügel. Nur ein, Eremplar, vom 3. Juny, bey
welchem die fchwarzen Puncte nur unter dem Blau hervor—
ſchimmern, bat vor der Hinterrandline der DBorderflügel kaum
etwas unter dem Blauen durchleuchtendes Schwarz und, nühert
fib darinn am meiften dem. hiefigen Alexis. Auf der Unter—
feite ift die Grundfarbe auf den Hinterfluͤgeln zwar gelblich ge—
453 i
mifcht, aber hell; an der Baſis, nicht bis zur erſten Fleckenreihe,
gelbgruͤnlich. — Vier im May gefangene Weibchen haben’ die
oben bezeichnete blaue Beſtaͤubung auf der Oberſeite und die
gelbgruͤnliche Baſis der Unterſeite der Hinterfluͤgel; ein am
18. Juny gefangenes, "das wahrſcheinlich ſchon zu einer neuen
Generation gehoͤrt, hat gar nichts Blaues oder Gruͤnes. Die
blauſtaubige weibliche Varietaͤt, die, ſoviel ich weiß, bey uns
sam "ausgebildetiten im Frühling fliegt, kommt alfo auch im
Süden im Frühling vorzugsmweife, vielleicht ausfchlieglih vor.
— Bey Catania fand ich die meiſten Alexis auf einer" Eleinen
fumpfigen Wiefe füdlich von der Stadt, wo niedrige" Kleearten
zwifchen Juneus acutus reichlich waren, zu Ende Juny und in
den erften Tagen des July, andere am Aetna in der Waldre—
gion am 30. Juny. Bey ihnen hat das Blau der Männchen
meiſt den ſchoͤnen Ton, der ſich durch Mangel der roͤthlichen
Beymiſchung, der Färbung des Adonis nähert; die ſtarke ſchwarze
Randlinie der Vorderfluͤgel iſt einwaͤrts mehr oder weniger ſchwarz
ſchattirt mit ſchwarzen Aderenden; auf den Hinterfluͤgeln ſind
die ſchwarzen Puſteln bey wenigen. unter Blau fo verdeckt, daß
fie nur durchſchimmern; meiſt find fie" groß "und deutlich und
durch ſchwarze "Adern getrennt z. "bey zweyen einwärts roͤthlich
(gerandet. Die Hinterflügel, unten’ in verfchiedener Lebhaftigkeit
gelblich gemifcht, haben nur an der Bafis felbft ein helles Grün.
Zwey Männchen vom 2. July, deren Blau mehr röthlihe Bey—
miſchung bat, zeigen das Grün. doch faft bis zur Fleckenreihe,
alfo wie die Syrakufaner. Die Weibchen find ganz ohne Blau
und ohne Grün mit großen, feharfen, orangerothen Fleden auf
der Dberfeite und lebhaft gelbbraunlicher Färbung der Unterfeite.
— Um Meffina war“ Alexis’ nicht’ felten sim July an einem
Abhange, an welchem er als Raupe wahricheinlih an Spartium
janceum gelebt hatte; hier flog er bey Zage an Scabiofen und
sandern Blumen, und Abends faß er an den Zweigen des Spar-
tium. Faſt ade Männchen beſitzen das ſchoͤne lebhaft blaue
Colorit ohne roͤthliche Beymiſchung, das an einem Exemplare
dem des Adonis ſehr aͤhnlich if. Einige, bey denen es roͤth—
lich gemifcht ift, weifen eben dadurch darauf bin, daß man an
nichts; als an einen durch Klima und Nahrung veränderten
Alexis zu denfen hat. Die Schwarze Nandlinie der Vorder:
fluͤgel hat öfters eine fehr anſehnliche Breite und iſt wenigfteng
ſtark und ſchwaͤrzlich ſchattirt; die Aderenden weit einwaͤrts
ſchwarz. Auf den Hinterfluͤgeln treten die ſchwarzen Puncte
oft nur theilweiſe und ſchwach hervor; oft find fie aber groß
und ſtark und nicht ſelten der Randlinie aufſitzend und immer
durch ſchwarze Aderenden getrennt. Die lebhaft braungelbe Un—
terſeite der Hinterfluͤgel mit gelblichweiß umzogenem Puncte und
ſehr wenig Grün an der Baſis haben faſt das Anſehen wie
bey unſerm Alexis-Weibchen; die Vorderfluͤgel bleiben aber
immer grau, wenn auch mit gelblihem Anſtrich. Nur ein
Münncen, angeblich vom26. Suly, weicht ſo fehr ab und
naͤhert fich den Nenpolitanern fofehr, daß es von dieſen gat
nicht zu trennen und" wahrfceinlich irrthuͤmlich zum Datum
feines! Todes gekommen ift. Die Weibchen ſehen alle "wie die
Gatanefer. aus; die fchwarzen Puncte’vor dem Hinterflügelvande
find» auswärts hell gerandet, ſehr felten" mit etwas blaugrau.
Der ſchwarze Mittelftrich auf den Vorderflügeln iſt in’ wech?
ſelnder Deutlichfeit vorhanden, wie bey den Cataneſern und
Meapolitanern. Die Größe beider Geſchlechter ift ſehr verſchie—
denz’ manche: Exemplaren find wie. ein kleiner Aegon. — Um
Neapel; war) Alexis im Auauft häufig bey Camaldolij, "gegen
Sonnenuntergang am den Nändern der Kaftanienwälder in den
Iſis 1847. Heft 2.
154
Aeften von Spartiun 'seoparium fißend. Die Eremplare find
gewöhnlich größer als die meiften ficilifchen und nähern fib im
männlichen Geſchlechte am meiften dem nordifchen Alexis. Zwar
ift die Grundfarbe der Hinterflügel unten noch mit Gelb ge.
mifcht, und das Gruͤn darauf iſt gelblich und eingeſchraͤnkt;
aber auf der Dberfeite hat das Blau faſt ganz die röthfiche
Nuͤance unferes Alexis. Die ſchwarze Randimie der Vorder:
flüge ift fein, die Aderenden find in geringer Länge fchwarz
oder ungefärbt, und auf den Hinterfluͤgeln blicken fetten 1— 2
ſchwarze Puncte unter der blauen Dede hervor, noch feltner
zeigen fih mehrere, Die Weibchen behalten aber außer der
Größe, die den Männchen angemeffen ift, völlig die Färbung
der Meffiner Sommergeneration. -— Chendaffelbe gilt von den
zwar kleinern Meibchen, die ich im Kirdienftant. ben Fuligno
am 5ten und bey Zolentino am 6. September fieng; vier
Männhen vom 5. September find bis auf die gelbbräunliche
Unterfeite der Hinterfeite vom gewöhnlichften Alexis nicht zu
unterfcheiden, indeß zwey Männchen mit dem ſchoͤnern, unge-
mifchtern Blau und der verftärkten Nandlinie der Worderflügel
geziert find. — Ein Männden, am 12. September bey Trieft
gefangen, ift ſelbſt auf der Unterfeite nicht vom gemeinften
Alexis zu unterfcheiden. — Wie der Alexis der pontinifchen
Suͤmpfe ausfieht, kann ich nicht beftimmen, da der Magen um
24. Auguft ohne anzuhalten hindurchfuhr; ich weiß bloß, daß,
in der Hise des Tages Schaaren fih in den Schatten der
Bäume gelagert hatten und Bey der Annäherung der Pferde
aufgefcheucht, durch einander twirbelten und das Auge durch
ihre Tiebliche Farbe erfteuten. "Ein fehr kleines Weibchen von
Cisterna am nördlichen Ende der Suͤmpfe, hat aufer bläffern
tothgelben Flecken nichts vor den füdlichern Alexis - Weibchen
voraus.
Die Abänderungen bringe ich in folgendes Schema:
Alexis (A.) mas. var. {. major, alis anterioribus acu-
tiusculis ete. (vernalis? nostras),
(B.) mas. var. 2. medius et minor, alis anterioribus
rotundatis.
a) alis purpureo- coeruleisy: linea 'marginali anteriorum
tenui, venis longitudinalibus apice vix nigris;alis poste-
rioribus supra ante marginenn impunetatis.
«) alis posterioribus subtus: einereo-griseis, basi viri-
descentibus. (Alexis Siles., Marchiae, "Tergestinus.)
8) 'subtus lutescenti-griseis (Alexis Apennin., Rhod.,
Asiae minoris). |
y) ut @)'sed linea marginali' alarum anteriorum cras-
siore (Alexis Messaneusis vernus).
(€.) b) alis supra minus purpnreis, laetius coeruleis,
venarum apieibus nigris; ‚posterioribus subtus luteo- eri-
seis, basi parum virescentibus (Alexis Apenn., Neapol.
(Messan.?), Brussae).
(D.) e) alis supra laetius coeruleis, anteriorum linea
marginali latiusenla: posterioribus subtus luteo- griseis
basi parum virescentibus, , >
«) alis posterioribus ‚ante ‚marginem. vix punctatis
(Alexis Mess., Cat., Syracus.)
$)alis ;posterioribus ante marginem nigro-pünetatis
Alexis Mess:, Catinensis),
y) punetis’alarum posterioram introrsus fulvo-mar-
sinatis(Cat.). | t
10*
(E.) lem; 1) alis-posterioribus subtus in basi vi-
resceutibus.
«) alis supra coeruleo -squamatis; posterioribus sub-
tus late virescentibus (Alex. Siles,, March.).
ß) alis supra minus ‚coeruleo -squamatis ; posteriori-
bus subtus angustius virescentibus (Mess., Syrac. vernus).
(F.) fem. 2) alis posterioribus subtus in basi non
viridibus (Apenn., Palud. pontin., Mess., Cat., Syracus.
— Rhod., Asiae minoris litt.)
Polyommatus Escheri, in der Färbung gleich var.
3. und 6, iſt im männlichen. Gefchlecht weniger durch den
Mangel der Augenpuncte an der Unterfeite der Vorderfluͤgel
gegen die Baſis von Alexis verfchieden, indem fie dem letztern
auch bisweilen fehlen und er felbjt bisweilen ein Rudiment da=
von zeigt, als durch die Stellung der Augenreihe auf der Un-
terfeite der Dinterflügel; dieſe ſteht nehmlich von dem Mittel:
zeichen wenig. weiter ab, als von der rothen Fledenreihe, wäh:
vend ben Alexis ihre Entfernung das Verhaͤltniß 2:1 hat,
Beym Weibchen finde ich den fpecifiichen Unterfchieod auch auf
der Unterfeite, und zwar in der. braun gefärbten außern Hälfte
der Franzen.
Herrich-Schaͤffers Lyc, Hesperica (Spftem. Bearb.
tab. 3. fig. 14. 15.) würde ich nad) ihrer, Oberfeite zu meiner
Varietaͤt D. rechnen und nur die Randlinie dev Hinterflügel zu
dick gegeben finden; allein die Unterfeite, ift anders, nehmlich
die DVorderflügel ohne Augen dieffeits des Mittelzeichens, die
Hinterflügel fo grau wie die Vorderflügel, ohne Grün an. der
Bafis und ohne den weißen Kegelftrich an der Mitte der vothen
Fleckenreihe. Im Text (S. 125) unterfheidet H.: Schäffer
diefe aus der Sierra nevada ftammende Lyc. Hesperica bloß
von Lye. Escheri, von welcher fie auch offenbar verſchieden ift.
Lyc. Zephyrus H,-Schffr. tab. 46. fig. 208. 209.
gehört nach der Unterfeite, wie der Zert richtig angibt, in bie
Nähe des Argus.
Es ſcheint alfo, als ob meine Var. D. noch nicht öffentlich
befprochen worden iſt. Sn einem einzelnen Exemplare wäre fie
auch von vorfichtigen Entomologen ficher als eigne Urt behan—
delt worden. Die: Aufmerkfamkeit, die ich auf fie verwendet
habe, iſt aber: durch; das Reſultat belohnt worden, daß fie nur
eine füdliche Modiftcation ift und ſich durch Uebergänge mit dem
nordifchen Alexis verbindet,
82. (7.) Agestis.
Var. b) aestiva: alis omnibus subtus lutescentibus
(speeimina Sicula, Ital., Asiae min.)
Um Sprafus, Catania und Meffina. Die zu Ende Aprils,
im May und zu Anfang Juny gefangenen Eremplare gehören
zur Früblingsgeneration, die unferem norddeutfchen Falter ähn:
lich ift, nur daß auf ihrer Oberfeite die rothen Flecke ſtets groß,
fcharf begränze und lebhaft gefärbt und die Pupillen auf der
Unterfeite der Dinterflligel größer erfcheinen.
Nach dem 20. Suny begann dort die zweyte Generation,
welche dann durch den July und Auguft in geringer Menge
fliegt. Einzelne Eremplare fieng ich am 30. Juny am Aetna
in der Waldregion in der Gefellfchaft des Alexis, ein Männ-
chen am 16. Auguft im Kaftanienwalde bey Camaldoli, ein
andre an der Stadtmauer von Nom nahe der St. Peterskirche
am 28. Auguft. Diefe zweyte Generation zeichnet ſich durch
noch höheres Noth und größere Schärfe der Fledenreihen und
durch die angenehme, hell gelbbraune Grundfarbe der Unterfeite
aus. Ferner find felbft bey den Männchen die Franzen der
156
Vorderflügel bräunlich, außer an der Flügelfpise, an welcher fie
rein. weiß bleiben, fo. wie gegen den Innenmwinfel, an welchem
fie auf ihrer Baſis bisweilen weiße liegende Striche zeigen.
An den Hinterflügeln, wo ſich Agestis von Alexis dadurch
unterfcheidet,, daß die Franzen! bey jenem an ber innern Hälfte
weiß, an der aͤußern braun, bey Alexis umgekehrt gefärbt find,
hat die füblihe Sommergeneration die won den Laͤngsadern
ausgehenden braunen Franzenftriche gewöhnlich ftärfer und am
Ende, im Flecke terweitert. Unbezweifelt iſt dieſe Färbung die
der Sommergeneration im ganzen Mittelmeergebiet eigne. Die
Größe wechfelt ſehr. Kleine Eremplare haben auf der Unterfeite
ein fehr zierlihes Ausfehen.
33..(8.) Aegon.
Mar am 3.: September im, nördlichen Theile det römifchen
Gampagna häufig. Die 4 gefammelten Paare zeichnen ſich
durch ihre Kleinheit: aus, worinn ihnen nur einzelne auserwählte
Weibchen der ‚hiefigen Gegend gleich fommen. Am’ Eleinften
find die Männchen. Die Augen der Unterfeite fcheinen, vielleicht
in. Folge des Nachſpannens, auf der DOberfeite mehr durch als
bey unferm Aegon, doch auch bey dem einen mehr als beym
andern. An 3 Männchen und einem MWeibchen bilden auf der
Unterfeite der Hinterflügel die 4 der Wurzel nächften Augen
eine fchnurgerade Linie; bey den übrigen. iſt aber das dritte
Auge ‚ebenfo einmwärts geruͤckt wie beh allen um Glogau gefan=
genen Eremplaren. An den Weibchen ift- die rothe Fledenreibe
der Oberſeite deutlich und vollftändig; die der WVorderflügel ‚bey
dreyen deutlicher als bey allen Schlefiern.
34. (9.) Hylas.
Var. b) mas: .alis einereo.- coerulescentibus, anteriorum
margioe latius nigrieante.
Sch traf, den. Falter im Ganzen 7. mal. Um Syrakus fieng
ich ein abgeflogenes Weibchen am 28. Man; darauf flogen beyde
Geſchlechter in guten Eremplaren in der Mitte Suny auf den
Kalkhügeln des ehemaligen Syrakus, aber ſehr einzeln. Ebenfo
war e8 im Sul bey Meffina, wo ich 2 Eremplure am ı23.
und 25. Suly auf dem Glacis ı des Gaftellaccio erhielt“. Ihr
Aufenthaltsort, ganz frey ohne Gebuͤſch, iſt alfo von dem unfers
einheimifchen Hylas (Iſis 1840. S. 127) ziemlich verfchieden.
— Die Mefjiner und ein Syracuſer Männchen find ſehr klein
(gefpannt 103’ breit), ein Syracufer Männchen und die beiden
Weibchen haben die gemöhnliche Größe; lektere find auf der
Unterfeite bloß auf den Hinterflügeln etwas heller, gelblichweißer,
mit Eleineten rothen Fleden; auf der Oberſeite haben fie wenig
Blau. An den Männchen ift das Blau fhmusiger und grauer;
auf den Vorderflügeln der fehwarze Hinterrand breiter, und vor
ihm zieht ein ſchwaͤrzlicher Schatten, der fich gegen den Vorder:
tand mehr: ausbreitet. Wie beym Weibchen ift auf der Unter:
feite da8 Rothe eingefchränfter.
Sere ich nicht, fo ift in den Annales de la Soc. entomol,
eine ähnliche Art oder eine bloße Varietaͤt aus der Regentichaft
Algier abgebildet und befchrieben ; ich kann nichts darüber fagen,
da ich den Theil nicht zum Vergleich 'zuc Hand babe. Hylas
fliegt auch in Gorfica (Annales de la Soc. ent. 2, ©. 52),
two außerdem noch Polyomm. Aegon, Agestis, Alexis, Cylla-
rus, Argiolus, Telieanus und Baeticus vorkommen.
35. (10.) Baetiecus,
Daß diefer Falter nicht zu Theela gehört, habe ich Iſis
1840. ©. 129 ausgefprochen. ; Seitdem babe ih ihn im Freien
gefehen und meine Behauptung durch die Beobachtung feiner
Lebensweife beftätigt gefunden. Er ift der gemeinfte Bläuling
157
um Catania zu) Ende Juny und im July; dort fliegt er zwi⸗
ſchen der Lava, in deren Spalten ſeine Nahrungspflanze, Spar-
Aium. junceum, in Menge wächſt, und beſucht die Blumen von
Valeriana rubra ‚öfters geſellſchaftlich. Flug und: Betragen
find ungefähr wie.bey Lyc. Alexis; erſchreckt ſchießt er wild
umher und oft weit weg, wird dann allmaͤhlich ruhig und fucht
ein Pläschen, um fid von feinem Schreck zu erholen oder an
Honigfaft zu ſtaͤrken. Oft jagt er ſich mit Seinesgleichen ı oder
neckt vorüberfliegende : Schmetterlinge vanderer.: Gattungen oder
beſucht Blumen in Gefellfhaft, kurz, er iſt ein feöhlicher Blaͤu⸗
ling, nicht eine ernſte Thecla. Die Raupe lebt in den Blu:
then ‚des Spartiam, in denen ich fie zweymal zufällig einſam⸗
melts Um Meffina und Neapel fab ich den Scymetterling
nichts felten: an den Bluͤthen und Blättern einer cultivierten
Bohnenart mit langem, ſchmalem Legumen; ich vermuthe daher,
daß feine Raupe der Ernte nachtheilig wird. An einer Stelle
bey: Neapel: flog: er mit Alexis und Telicanus an den Blüthen
de3 gemeinen Heliotropium. In Pompeji, mo auf der Bims—
fteinafche das Spartium nicht felten mächft, flog auch P. Bae-
tieus: in Geſellſchaft der Pont. daplidiee und rapae nicht
felten; auch bey Nom.
Die Größe dieſes füdeuropäifchen Falters ift ſehr veranderlich.
36. 11.) Telicanus,
Das erfte Eremplar fieng ich bey Meffina am 14. July in
Gefelifchaft des Baeticus an Bohnenblüthen; darauf kamen
mie noch einzelne vor im Auguft bey Neapel an btühendem
Heliotrop und außerdem in der Gegend von Baja. In den
pontinifhen Sümpfen flogen mehrere, und in der Gampagna
ben Albano ein einzeines, an den Blüthen des Lythrum sali-
caria. Coſta kennt das Ende des Aprils und den July ale
die Flugzeit. Ueber die Raupe bemerft Nambur (Annal. de
la Soc. ent. I., ©. 249): Sie Iebt hauptfählih auf den
Blüthen des Lythrum salicaria; wenn man mehrere in eine
Schachtel fperrt,. fo freffen fie nicht nur einander auf, ſon—
dern fhonen auch nicht einmal die Puppen.
B. Lycaena.
37: (12.) Gordius.
- Am 29. Juny fieng ich ein fehr verflogenes Pärchen am
Aetna bey Fafano, einem Dorfe unterhalb Micolofi, auf Sene—
cioblüthen in Gefellfhaft der Lyc. Phlaeas. Das Männden
ferien mir unfere Hipponoe zu fenn, deren ganzes Betragen es
hatte. Es ergibt ſich hieraus, daß die Flugzeit des Gordius
eine ausgedehntere ift, als die gewöhnlich angenommene (July
und Auguft), oder daß eine doppelte Generation ftattfindet.
Dupondel fieng den Falter im füdlichen Frankreich im
Tozeregebirge; zu welcher Zeit, wird in feinem Bericht, über eine
borthin gemachte Reife in den Annales de la Soc. entomol.
zu lefen fenn.
38. (135.) Thersamon.
Einige gute Eremplare flogen in der Campagna zwiſchen
Albano und Rom, und vor dem Thore bey St. Peter, am
25., 26. und 28. Auguft auf freien, dürten, mit Diſteln reich-
lich bewachſenen Pläsen. Das Betragen fchien mir mit dem
der Lyc. Circe übereinzutommen. Daß diefe Art eine doppelte
Generation bat, geht daraus hervor, daß Löw. auf Rhodus im
Apeit und May ein paar Eremplare fieng, von denen das
Maͤnnchen fehr abgeflogen und zerfegt ift. Ich finde als Flug:
zeit nur den July angezeigt (Ireyer, Boisduval).
158
39. (14.) Phlaeas,
A) vernus: alis anterioribus laete igneis, margine ni-
gricante, angustiore, posteriorum, margine vix unidentato.
B) aestivus: alis anterioribus igneis, nigrofumatis;
posterioribus: subcaudatis.
Die ganze wärmere Jahreszeit hindurch Überall in Italien
ſeht gewöhnlich ;; am meiften fah ich ihn in den Dörfern am
Aetna und bis über die MWaldregion hinaus, an den Blüthen
eines dort häufigen Senecio. Bey Meffina. fieng ich das. erſte
Eremplar, sein ſchoͤnes Meibchen, im Gebirge am 15, Februar.
— Die erfte Generation reicht etwa bis zum. Ende des May,
worauf mit Anfang Juny die ſehr ausgezeichnete zwente ein-
tritt. Jene befist die bey weitem fchönere ‚Färbung, nehmlich
die helle reine Feuerfarbe, die unfern im May und Juny flie—
genden Falter: ftets, den: im: Sommer und Herbft. erfcheinenden
gemöhnlih Ihmüdt. Auf den Vorderflügeln ift der fchwärzliche
Rand ſchmal, die fchwarzen Puncte klein; auf den Hinterflü-
geln das orangerothe Band auffallend breit und die Hintertand-
dee des erften Aftes der Medianader kaum ein. wenig hervor-
ftechend.
Die fchöne Farbe des Falters verfchtwindet unter dem Einfluß
der Sommertemperatur. Der fhmwärzliche Hinterrand der Vor:
derflügel wird breiter, reicht bis an die Puncte; oft über fie
hinweg und verliert ſich in einen Schatten, der den glänzenditen
Theil des Flügels, das Bafaldrittel, verduͤſtert. Diefe Verduͤ—
fterung ift an einem Exemplar größer als an dem andern, und
beym Männchen immer volllommner als beym Weibchen. Was
von der Feuerfarbe auch, unverdeckt bleibt, verliert doch feine
Lebhaftigkeit und feinen Glanz; es gilt dies namentlicdy von dem
Kaum vor und hinter dem Fleck auf, der Querader,. der niemals
ganz uͤberzogen wird. Die fhwarzen Puncte find groß und
meiſt ohne ſcharfe Umriffe, indem fie in der Mitte tiefer ſchwarz
find als am Rande.
Auf den Hinterflügeln verengt und verfürzt ſich die rothe
Binde, während die ſchwarzen Flede am Hinterrande ſich ver—
größern und. fie. noch mehr befchränfen.. Die Ede aber bildet
ſich mehr und oft recht. deutlich zu einem Schwaͤnzchen aus, in
welches. die ‚rothe Farbe. der Binde zahnförmig hineintritt ; es
hat an der Spige fchwärzliche „mit; wenigen weißlichen gemifchte
Schuppenhaare. — Auf der ;Unterfeite ftimmen ‚beide. Genera=
rationen vollig lberein; „nur bey den auf der Oberfeite am
meiften verbüfterten ift die Unterſeite der Worderflügel matt
und hell.
Blaue Schüppchen vor der rothen Hinterflügelbinde find etwas
Seltnes; ich fehe fie aber, wenn ‚auch unvollfommen, an beiden
Generationen, Daß auch bey uns duͤſtere Phlaeas vorkommen,
habe ich. Iſis 1840. ©. 128, bemerft.
C. Thecla. ’
Aus dem Genus Theela führt Coſta 3 Arten auf: 1)
Quercus in Galabrien und bey Alife. 2) W album im
Suly in Calabria ult. nicht gemein. (Da diefe Art in Klein-
afien vorkommt, fo wird Coftas Angabe wohl richtig feyn.)
3) Rubi. Als Corfifhe Thecla kennt Rambur (Ann. de
la Soe. ent. 2, ©. 52) nur quercus und rubi, und Beide
Eennen feine andre Lycaena als Phlaeas.
40. (15.) Rubi.
Um Meffina im ‚Gebirge an vielen. Stellen, wo Cytisus-
Urten in Menge wadhfen, im März und April; die erften Er
159
emplare fah ih am 26. März; fie hatten mit unfern Th. rubi
gleiches Borragen.
Größe wie an unfern groͤßten Exemplaren. Nur ein Meib-
chen iſt fo Elein wie die gewöhnlichen und wie die aus Rhodus
und Kleinafien ffammenden. Das Männchen bat’in dem Grüb:
chen, welches ſich an ber Veraͤſtelung der Subcoſtalader der
Vorderfluͤgel befindet, und deſſen Stelle auf der Unterſelte durch
eine Beule angedeutet ift, eine ſchwarze oder doch dunkelgraue
Farbe. ° (Bey unferem alter iſt fie grau und hell.) Die
Grundfarbe der Oberfeite, ift roͤthlichbraun, auffallend: hell; die
Unterfeite ift dunkler grün, und auf den Vorderflügeln wird
fie genau durch den erften Aft der Medianader begränzt, aufer
am Hinterrande, wo fie noch) darliber hinausgeht, Die Quer:
teihe . Punctftriche der Hinterflügel iſt unvollſtaͤndig; fels
ten find 5 vorhanden, öfter 2, nehmlich der am Vorderrande
und der zwiſchen dem Uſten und 2ten Aſte der Medianader ;
legterer fehlt aber auch bisweilen.
Thecla rubi hät langhaarige Schenkel; an den Hinterſchie—
nen ftehen die Haate in 2 Zeilen.
(Fortſetzung folgt.)
Rhea.
Zeitſchrift für die geſammte Ornithologie, herausgegeben von Dr. Fr.
AR. Shienemann. Leipzig bey Brockhaus. Heft I. 1846. 8.
128....2.1ll,
Nahdem Brehms Ornis eingegangen und ſich feitdem eine
wandernde omithofogifche Gefellfchaft gebildet hat, war es wohl
wieder an der Zeit, eine periodifche Schrift zu gründen, welche
die vielen Freunde der Ornithologie mit den jährlihen Fort—
ſchritten diefes Zweigs der Naturgeſchichte befannt macht und
denſelben Gelegenheit gibt, ihre Entdecfungen und Anfichten der
Welt mitzutheilen. "Thienemann ift auch der Mann dazu,
da er ſchon durch feine islaͤndiſche Neife, durch feine Werke
über die Eyer bewiefen hat, daß ihm das Studium der Vögel
eine Lieblings-Beſchaͤftigung geworden, er auch in der reichhalti-
gen Bibliothek zu Dresden und in dem Buchhindfer Verkehr
des nahen Keipzigs fo viele literarifche Huͤlfsmittel findet, daß er
etwas Vollftändiges zu liefern im Stande ift. Er hat ſich
nehmlich vorgenommen, jährlich, eine 'gedrängte Ueberfiht der
Reiftungen in der Ornithologie zu liefern.
1) Das vorliegende Heft enthält zunaͤchſt das Protokoll der
erſten ornithologiſchen Verſammlung zu Köthen im Septembrr
1845., wo Vieles beſprochen, geordnet und veſtgeſetzt wurde.
Dabey find Nachrichten von Schomburgk über die ſuͤdame—
ricaniſchen Vögel: Prionites momota, Rupicola aurantia.
2) Ueber die Wichtigkeit der Oologie für die gefammte Or—
nithologie vom Herausgeber ©. 11, wobey Holzfchnitte über die
microfcopifche Anordnung, der Gperithalen; Nicht felten iſt man
im Stande, auf dieſe Weiſe an einem, Schalenfplitter, zu er—
kennen, welchem Vogel das Ey gehoͤrt; vielleicht kann man
einſtens dieſen microſcopiſchen Bau ſelbſt zur Anordnung der
Sippſchaften benutzen.
3) Ueber den Vogelʒug mit beſonderer Hinſicht auf Helgeland,
vom Prof. Dr. 3. %. Naumann. ©. 18. Es iſt merkwür-
dig, wie die Vögel diefen Felſenklotz der Nordfee, etwa 10 Stun-
den vom veften Land befuchen, nicht bloß auf ihrem Zug in
det geographifchen Länge,’ fondern aud in der Breite. Es if
—— >
160
ein Verzeichniß dieſer Voͤgel gegeben mit allerley — Be⸗
merkungen:
4) Bemerkungen uͤber einige Vögel Pommerns von Het
von Homeyer ©. 27. Es find beurtheilende Bemerkungen
über Aquila naevia, Aqnila albieilla, Limosa meyeri, Eu-
dytes arcticus et septentriönalis, die doppelte Maufer der
Enten ufw.
5) Beytrag zur Naturgefchichte des Falco lanarius von J.
W. Edlen von Wokorzil. ©. 39. mit einer illuminievten
Tafel. Ein glüdlicher Zufall hat den Verfaſſer dieſen Vogel
fammt Neft und Eyern in Böhmen auf Felfen an der Moldau
entdeden laffen. Er gibt davon eine genaue! Beſchreibung und
ſchoͤne Abbildung, welche dem Malertalent der Lrdwifa Thies
nemann viel Ehre macht. "Der Vogel ift wirklich meifterhaft ge=
zeichnet und illuminiert, fo daß man jede einzelne Feder unterſchei—
den fann. Die Stellung ‚ den Leib vonder Seite, ben Kopf vor—
wärts macht ſich allerdings fehr- fhön: unſerer Meynung nach
aber follte in der Naturgefchichte weniger! auf die malerifche
Schönheit, als auf die. Characteriſtik Nüdficht genommen wer—
den. Die eigentliche: Geftalt und! den’ Character erkennt“ mun
nur, wenn, das Thier von der Seite dargeftellt ift. Aus einem
verfürzten"Schnabel läßt fih nichts madyen, wenn er noch fo
malerifch richtig dargeftellt ift. Das ſollten ſich alle Zeichner
merken, welche für die Naturgefchichte arbeiten. Auch ſollten
alle Thiere links febend abgebildet werden, : weil dadurch die
Vergleichung erleichtert wird, und es auch nicht fehr anſtaͤn—
dig iſt, wenn-die Thiere dem Beſchauer zuerſt den. OHREN
präfentieren. s
6) Critiſche Nevifion der europäifchen Jeobbfatten vom Her
ausgeber. ©. 44. Bekanntlich gibt Dr. Schlegel und Ver-
ſter ein, Prachtwerk über die Jagdialfen zu Leyden heraus,
Trait€ de Fauconerie I. 1845.,, worinn dieſer Gegenftand
aufs Gründlichfte behandelt wird, Der Herausgeber liefert bier
einen ‚wertbvollen Beytrag dazu, indem er befonderg die ‚bey
Albertus Magnus und Kaifer Friedeich U, Belon und
Geßner aufgeführten Falken zu beftimmen Fehr. Es ſt eine
allerdings ſchwierige Arbeit, welche aber dem Verfaſſer wohl
gelungen zu ſeyn ſcheint. Er behandelt hier Faleo gyrfalco,
cyanopus, rubens, -gentilis, aubbuteo, aesalon, sacer, mon-
tanarius, lanarius Febr ausführlich, In der Etnmologie ſcheint
der Verfaſſer nicht glücklich geweſen zu- ſeyn. Er bringt Falco
mit dem deutfchen Walken zufammen, während. es doch, augen⸗
ſcheinlich von Falx wegen des fichelförmigen Schnabels her⸗
kommt, wovon das engliſche Hawle und das deutſche Hacht,
nehmlich Haken gewiſſermaaßen nur eine Ueberſetzung oder Nach—
ahmung iſt. Auch kommt das Wort ſchon bey Virgil vor-und
iſt mithin aͤcht lateiniſch. Ebenſo ergeht es ihm mit dem
Emerillon, Esmerillon, Mirle, dag Schmerlein, welches er
mit Schmirgel zufammenftellt, während es doch augenfcheinlich
von Merula, die Amfel gebildet ift wegen der Kleinheit des Vo—
gel. Endlich foll Lanarius sive’Bäniarius von Dana, Wolle
herfommen.
7) Meine: Schwalbe, vom Herausgeber. ©: 98. Eine —
haft ruͤhrende (6 [Kulm von der Anhaͤnglichkeit einer —
rustica vi
8) Verzeichniß der europaͤiſchen Vogel, von dernfeibch,. ©. 10%
abgetheilt in ſolche, „welche in Europa niften, und welche mur
durchziehen. ı Die Anordnung etwas fonderbar und daher her
zu finden; auch «fehlt es hier nicht an Druckfehlerm
—
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‚1941 | | Fr \
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Encyclopüdiſche Beitfchritt, |
1 ar. vorzüglich
für Naturgeichichte, vergleichende Anatomie, und Phyſiologie De
von uishid -1oboi eiorTorad
Er. E St.
—
1847.
Si ft
Der Preis von. 12 Heften ift 8 Thlr. ſaͤchſ. oder 14 fl. 24 Xr. rheiniſch, und die Zahlung iſt ungetheile zur Zeipziger
Oſtermeſſe des laufenden Jahres zu leiften. N
Man wendet fih an die Buchhandlung Brockhaus zu Leipzig, wohin aud die Beyträge zu ſchicken find. Es wird ae:
beten, diefelben auf Poftpapier zu fehreiben. Das Honorar für den Bogen ſechs Thaler preuß. Cour. if
Unfrankierte Bücher mit der Poft werden zuruͤckgewieſen.
Einruͤckgebuͤhren in den Tert oder Umfchlag die Zeile ſechs Pfenniae.
Bon Anticritifen (gegen Iſis-Recenſionen) wird eine Quartfeite unentgeltlich aufaenonmmen.
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Leipzig, bey Brockhaus.
Anzeigen.
In der Bötticherschen Buchhandlung in Düs-
seldorf ist soeben erschienen, und in allen Buch-
handlungen zu haben: i
Handbud)
Zoologie
J. van. der Hoeven.
Nach der zweyten‘, verbesserten und vermehrten
holländischen Auflage ins Deutsche übersetzt
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Erster ‚Band. Erste Lieferung. Gr. 8. Brosch. 20 Ner.
Das complette Werk wird aus 10 Lieferungen
bestehen, die rasch auf einander folgen sollen.
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H. Schlegel,
Essai
sur la physionomie des Serpens.
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21 planches, 3 cartes et 1 tableau,
2 voll. gr. 8. LayHaye, 1837.
Ladenpreis: 14 Thlr. Herabgesetzter Preis 54 Thlr.
Alle Buchhandlungen sind in den Stand gesetzt,
dieses Werk zu dem herabgesetzten Preise
zu besorgen.
J
1847.
Heft M.
Monographie
der Genera der Falconidae von J. I. Kaup.
(Fortjegung von Iſis 1847, Heft IL. ©, 121.)
Dritte Monographie.
II. Subfamilia. Aeceipitrinae:
1) Spizattus, 2) Nisus, 3) Geranospiza, 4) Astur, 5) Asturina.
® 1. Genus. Adlerbabicht — Spizaötus Vieill. Kaup.
Diagn. Tarſen rings befiedert bis zu den Zehen.
Befhreibung. Schnabel ftarf, von der Wachshaut an
gekruͤmmt, mit ftumpfem Zahn. Nadenfedern verlängert, bil—
den zuweilen einen Zopf. Zarfen bis zu den Zehen rings bes
fiedert. Aeußere Zehe - unbedeutend. länger als die innere,
Behen fehr Fräftig, mäßig lang: Hintere Zehe fehr, entwidelt.
Alle Zehen gefhuppt, vor den Nägeln mit 3—5 ganzen Schil:
dern. . Nägel fehr ftark, allein nicht ſehr auffallend gekrümmt.
Diefes Geſchlecht enthält mit Asturina die größten und fräf:
tigften Arten der ganzen Subfamilie Aceipitrinae und fie vers
halten ſich durch. ihre befiederten Tarſen zu den mit gefchilderten
Zarfen verſehenen Asturinae, wie. die Aquila zu Haliaetus;
zwey Genera der Aquilinae, die ebenfalls unter den Aqui-
linae die größten Arten wie Spizastus und. Asturina bey den
Accipitrinae enthalten.
Bey keinem. Schriftfteller ıftehen. die Arten richtig bey einau⸗
der, denn heute noch werden zwey Arten bey ‚den Aquilae auf:
geführt, bellicosus. et coronatus;; die dorthin. nicyt gehören ;
Einmal von diefen entfernt, wird kein Ornitholog mehr in
Verſuchung kommen, ſie von den Spizaëten zu trennen da
fo aͤußerſt klar der Sperbertypus in beiden Formen ausge:
druͤckt ift.
Iſt man ferner zu der richtigen Einfiht gelangt, daß jede
Subfamilie ein in. ſich -abgefchloffenes Ganzes. bildet, und hat
man fich von der irrigen Anficht befreit, als. feyen direkte Ueber—
gaͤnge aus einer Subfamilie, oder gar Kamilien zu andern Ab:
theilungen vorhanden; fo. wird. man. auch bey den Arten diefes
Genus; zur Gewißheit fommen, daß fie ein abgefchloffenes. Ge-
nus bilden, das zwar. in feiner Subfamiliesdie,Aquilae wieder:
holt, allein keineswegs als Uebergaͤnge oder Verfnüpfungspuncte
zu dieſen betrachtet werden. £onnen, weil beide, Genera befiederte
Zarfen haben.
Die heillofe Sucht nach Urbergangsformen , die gefunden,
ftet3 analoge Formen ſind, und die ſchlechte Verwendung der⸗
Iſis 1847. Heft 3.
ſelben, um alle Formen in eine Reihe darmfoͤrmig an einander
zu Fetten, Eoftet noch jegt manchen Zoologen viele und rein ver:
lorene Zeit.
Vieillots Genus Spizaätus ift vollkommen identifch mit
Cuvier’s Genus Morphnus.
Beide Autoren ftellen die fchildtarfige Asturina guianensis
et urubitinga an die Spite ihres Genus und ftreng genom-
men muß der erfteren Art der Name Spizaetus oder Morph-
nus als Subgenus verbleiben.
Die neueren Autoren wenden daher mit großer Miller fen
Namen Spizaetus auf die Adlerhabichte mit total befiederten
Tarſen an und ich muß ihnen folgen, weil der Name Spizaetus
fo _paffend die Analogie mit Aquila ausdruͤckt. Märe der
Name Plumipeda von Fleming beffer gebildet und nicht
von einem fo häufig vorkommenden Charakter entnommen, fo
würde ich diefen für Spizaötus vorgezogen "haben.
Vieillots Genug Spizaetus ijt demnach) und aus andern
Gründen nicht das der neueren ‚Drnithologen, noch das mei—
nige, indem ex aͤchte Spizaäten zu den Adlern (bellicosus)
oder zu den Buteones (atricapillus) verfest hat und, wie be—
reits bemerkt, die erfte Section von Cuvier's Morphni damit
vereinigt:
Indem ich die Subgenera Limnaetus, Spizastur und Spi-
zaetus unter das Hauptgenus Spizaetus vereinige, fo ift mein
Spizaetus ebenfalls ein Anderes, als das begraͤnzte der eng>
lifchen und franzöfifchen Autoren.
Ich fege aus diefem Gründen meinen Namen dem Genus
Spizaötusbey.
Mären alle Gefege nur foweit in allen Glaffen der Thiere
ermittelt, wie ich fie glaube bey den Falconidae gefunden zu
haben, fo würde der Ausipruch eines berühmten Anatomen weg⸗
fallen, der häufig in feinen Vorträgen fagte: Mo mag im
Augenblid der Fiſch ſchwimmen, der alle unfere Spfteme zu
Schanden macht. Dieſer fehr befcheidene Ausſpruch und der
allen vorhandenen und nad) jeßigen Grundfägen noch zu conſtrui⸗
renden Syſtemen den Stab bricht, findet jedoch Feine Anwen:
dung auf ein richtiges Maturgemälde, in der es wohl Küden
in hinreichender Menge gibt, allein für weldyes feine Formen
gefunden werden, "die es total zu Nichte machen, fondern die
es nur verbollftändigen koͤnnen.
Ben meinen Falconidae fehe ich mit dem vollften Vertrauen
in die Zufunft, daß Eein-26tes Genus mehr entdedt wird,
wohl aber Subgenera und Species, welche die Luͤcken harmo—
niſch ausfüllen und mein gegebenes Bild vervollſtaͤndigen werden.
163
164
Kehren wir zu den Habichtadlern zurüd, und geben bie Charactere, wodurch die fein getrennten Subgenera fid unter:
ſcheiden.
1. Limnaetus Pig.
Schnabel höher ale
lang *.
Der Mundwinkel
parallel bi8 zum Sur
perciliarrand, mo der
Enöcyerne Anhang bes
ginnt, gefpalten.
Hinterkopf im Alter
mit einem langen Zopf.
Fluͤgelſpitze 3% bis 4
der ganzen Flügellänge.
Zwente bis 6te be—
fimmt, 7te Schwinge
ſehr ſchwach an den
Innenfahnen ausge:
ſchnitten.
Hinterzehe von ges
woͤhnlicher Lunge.
Der Schwanz hat
Rumpflaͤnge.
1. Sp. cirrhatus.
1. Subgenus. Faͤlkenadlerhabicht.
Lophaétus Kp.
Schnabel laͤnger als
hoch.
Mundwinkel bis unter
die Mitte des Auges
geſpalten.
Hinterkopf im Alter
mit einem ſehr langen
Federzopf.
Fluͤgelſpitze 4 d. Fluͤ—⸗
gellaͤnge.
2te bis,7te Schwinge
an der Innenfahne bes
ſtimmt ausgefhnitten.
Hinterzehe Fürzer mie
gewöhnlich.
Der Schwanz hat
NRumpflänge.
2. Sp. oceipitalis.
Limnaetus Vig. 1831.
Spizaetus Kp.
Schnabel höher als
lang.
Mundwinkel parallel
bia zum‘ ÖSuperciliars
rand, mo ber Enocherne
Anhang beginnt, ges
fpalten.
Hinterfopf mit ver—
längerten Federn, die
meift feinen langen
3opf bilden.
Flügelfpige 24 der
ganzen Flügellänge.
%te— Tte Schwinge
an der Innenfahne has
Eenförmig ausgefchnit:
ten.
Hinterzehe von gez
wöhnlicher Laͤnge.
Der Schwanz hat
Numpflänge.
3. Sp. bellicosus,
4. ornatus, 5. coro-
natus.
Die Weibchen variiren fehr.
Spizastur Less.
Schnabel höher als
lang.
Mundwinkel parallel
bi8 zum Superciliar-
rand, wo der Enöcherne
Anhang beginnt, ge:
fpatten.
Hinterkopf ohne ver-
längerte Nadenfedern,
noch Zopf.
Flügelfpige 4 bergan=
zen Flügellänge.
2te — 6te Schwinge
hakenfoͤrmig an der In⸗
nenfahne ausgefchnit-
ten.
Hinterzebe
mwöhnlich lang.
Der Schwanz hat
Rumpflänge.
6. Sp. atricapillus.
unge:
Pternura Kp.
Schnabel höher als
lang.
Mundwinfel parallel
b. zum Superciliarrand,
wo der £nöcherne An-
hang beginnt, gefpalten.
Hinterkopf mit ver-
längerten Nadenfedern,
die feinen Zopf bilden.
Flügelfpige 4 der
ganzen Flügellänge.
2te— Tte Schwinge
an den Innenfahnen
ſchwach bogenförmig
ausgefchnitten.
Hinterzehe von ge:
woͤhnlicher Länge.
Der Schwanz hat
über Körperlänge.
7. Sp. tyrannus.
Sie find entweder einfarbig
Nisaetus Hodg. 1836.
Diagn. Schnabel höher ald lang.
der ganzen Flügellänge.
Beſchreib. Sieh diefe bey der Zufammenftellung.
Sch Eenne nur eine Art, die in Indien fehr gemein und bie
unter den verfchiedenften Benennungen befchrieben worden ift.
1. Der veränderlihe Falkenadlerhabicht. Spi-
zaötus cirrhatus Willughby, Gmel. G. Gray.
Falco eirrhatus Will. F. ceylonensis Lath. F. calli-
gatus Raffl.. F. limnaetus Horsf. Pl. col. 134. F.
niveus Temm. F. cristatellus Temm. Pl. col. 282.
mas. Limnaötus Horsfieldii Vig. Nisaetus pulcher,
nepalensis, pallidus Hodg. Morphnus hastatus Less.
Spizaötus orientalis 7'emm. et Schleg. Fauna japo-
niea. -juv.
Befhreibung. Altes Männd. Am Hinterkopf 4 ſchwarze
Federn von 95 Mm. Länge, die an der Spige weiß geſaͤumt
find. Kopf braun mit ſchwarzbraunen Scaftfleden. Vom
Mundwinkel ein fhwarzer Badenfkreifen. Wangen und Hals
beilbräunlich. und ſchwarzbraun. Untere Anficht des Flügels
blaugrau mit 3 fhwarzen Binden. Die Eleinen Dedfedern
gelblihbraun, ſchwarz gefledt. Das Kinn ift weiß mit ‚einem
fhwarzen Streifen in der Mitte. Kropfgegend weiß mit ſchwarz—
braunen gegen die Spike breiteren Schaftfleden. Seiten, Schen-
£el, Tibia und die unteren Schwanzdedfedern mit dunfelbrau-
nen Bändern, die auf den Zarfen am undeutlichften find.
Schwanz lidytbraun, mit 4 fhwarzen Binden. Dieß ift der
Falco ceristatellus Temm.
Slügelfpige 35 —4
* Horizontale Länge und nicht von dem Rand der Wachshaut Bis zur
Spitze des Schnabels in grader Linie gemefjen,
rußſchwarz. Schwanz weißlich an der inneren Fahne unregel—
maͤßig der Laͤnge nach geſtreift. In dieſem Kleide ſieht er aus
wie die dunkle Varietaͤt des Mäufebuffards. Dieß der Falco
limnaetus Horsf.
Andere find ähnlich wie die meißliche Varietaͤt des Mäufe:
buffards gefärbt. Kopf und Kehle, Hals und Kropfgegend roft-
gelblidy weiß mit einzeln dunfelbraunen Schaftfleden. Bruft
und alle unteren Theile weiß. Die Hofen ſchwach roſtroͤthlich
gebandert oder gefledt. Nüden und Fluͤgel braun. - Das Eleine
Gefieder des Flügels mit lichteren Federrändern. Der Schwanz
zeigt 5 Querbinden und eine licht oder blendendmweiß gefäumte
fhwarze Endbinde. Die fehwarzen Duerbinden find an den
aͤußeren Schwanzfedern häufig erlofhen und zeigen fich als
ſchwarze Flecke in der Nähe der Schäfte.
Diefe Varietät ift der Falco niveus pl. col. 127. Sie
zeigt feine Zopffedern im Naden wie die dunkle Varietät.
Der junge männliche Vogel mit ber ſchwachen Spur eines
Zopfs ift oben braun, unten weiß, ſchwarz getropft. Diefe
find unter dem Namen Nisaetus pulcher und Spizaätus
orientalis aufgezählt.
Diefer von den neueren Drnithologen unter einem Dutzend
verfchiedener Namen aufgeführte und ſchon von den Alteften
Autoren als Falco eirrhatus ziemlih gut und Eenntlicy bes
fehriebene Vogel ift in ganz Aften, namentlich) im brittifch Oft
indien und in Java einer der gemeinften Vögel und daher Fein
Wunder, daß ihn die Alteften Autoren wie Willugby ſchon
gekannt haben. In der Driginalbefchreibung des Willughby
wird die Größe mit Astur verglichen, unter welchem Namen
der A. palumbarius verftanden ift.. In Bechfteins Ueberfegung
der Lathamſchen Synopsis ift die Größe des Sperbers angege—
ben, was ein Serehum ift.
165 -
Latham beſchreibt den ceylonensis als milhweiß mit 2
zopfartigen Federn im Naden. Da die Größe nicht angegeben
ift, fo ift es unmöglih zu fagen, ob eg die Warietät eines
Maͤnnchens oder Meibchens war. Daß niveus und limnaetus
Varietäten von eirrhatus find, zeigt der Vergleich und ift ſchon
von Natterer behauptet morden. Db das alte Meibchen
einen Zopf erhält und ob nur die Weibchen variiren, oder beide
Dimenfionen: als eristatellus., W. als niveus.
opf 90 95
Schnabel 27—30 30—33
Höhe 21—22 21-23
Mundminfel 45—49 47—50
Oberfluͤgel 280 298
Fluͤgelſpitze 100 102
Tarſen 91 97
Mittelzehe 50-+25 53-+28
Außenzehe 40+20 38-+20
Innenzehe 34-433 832-433
Hinterzehe 30+35 30-36
Schwanz 243 247
2tes Subgenus. Weih-Adlerhabidt. Lophaetus Kaup.
Diagn. Mit fhwahem bis unter die Mitte des Auges
gefpaltenem Schnabel. Hinterzehe ohne Nagel halb fo lang als
die Mittelzehe ohne Nagel.
Ich kenne nur, eine Art aus Afrika, die durch ihren weiten
Rachen Analogie mit Agnila heliaca zeigt; dag mehr filzige
Gefieder zeigt Analogie mit Circus, Stes Genus der 2ten Sub:
familie Milvinae.
2. Der Baillantifhe Weih—Adlerhabicht.
Spizaötus oceipitalis Vaill. Ois. d’Afr. t. 2.
Falco oceipitalis et senegalensis Daud.
Befhreib. Tief fhwarzbraun mit langen an der Wurzel
weißen Nadenfedern, wovon die längften 132 Mm. oder 5"
lang find. An der Wurzel find die Schwingen an beiden Fah—
nen biendend weiß. Hinter den Ausfchnitten bläulichgeau mit
1—2 Binden und langen ſchwarzen Spitzen. Fluͤgelrand weiß.
Schwingen 2ter Ordnung von aufen braun mit zwey ſchwar—
zen Binden. Tarfen weiß mit einzelnen fhwarzen Flecken nad)
oben hin.
Schwanz an der Wurzel weiß, an der Spise ſchwarz, in
der Mitte filbergrau mit drey unregelmäßigen zadigen ſchwarz—
braunen Binden. Von unten ift der Schwanz größtentheils
weißlich und die Binden find ſchmaͤler.
Dimenfionen: ‚
Kopf 92 Tarſe 99
Schnabel 23 Mitteljehe 49-+25
Höhe 17 Außenzehe 33+30
Mundwinkel 55 Innenzehe 2928
Oberfluͤgel 263 Hinterzehe 2426
Fluͤgelſpitze 139 Schwanz 210
In ganz Afrika gemein.
3. Subgenus. Habicht-Adlerhabicht.
Diagn. Schnabel ſo hoch als lang mit eckigem ſtumpfen
Zahn. Mundwinkel parallel bis zum Superciliarrand, wo der
knoͤcherne Anhang beginnt, geſpalten. Hinterkopf mit verlän—
gerten Federn, die bey den meiſten keinen Zopf bilden. Die
8Spizaetus* Kp.
166
Geſchlechter, ob die Variation regellos wie bey Buteo iſt,
müffen fpätere Unterfuchungen ermitteln.
Diefe Art repräfentirt in feinem Subgenus den Astur tri-
virgatus und den Nisus virgatus. Beide Arten bilden das
erfte Subgenus Lophospiza und Hieraspiza in ihren Genera,
wie der erfte Limnadtus das Subgenus bey Spizaetus ift.
Diefe 3 Arten haben gleicyes Vaterland und fcheinen gleich weit
verbreitet zu ſeyn.
W. limnastus. kleines männl. Indiv., wie niveus gefürbt.
92 90
30 30
214 201
47 44
293 279
105 99
97 98
55427 50+23 j
4120 36418
32433 31+29
30+38 25+30
245 242
Flügelfpise lang, 24 der ganzen Flügellänge. Zweyte bis 7te
Schwinge hafenförmig ausgefchnitten.
Diefe Abtheilung enthält die größten Arten, bey Kalkkien es
eine Art gibt, bey welcher die Baͤnderung ſich uͤber die unteren
Theile und die Fluͤgel erſtreckt.
Man kennt bereits 8 Arten.
3. Der gebaͤnderte Habicht-Adlerhabicht.
Spizaötus ornatus Daud. Falco ornatus Daud.
Fälco Maaduyti Daud. Falco superbus et coronatus
Shaw. Vaill. ois. d’Afr. t.26. Vieill. Gal. pl. 21.
Diagn. Untere Theile weiß, ſchwarz gebändert. Das Eleine
Gefieder des Flügels ſchwarz gebändert.
Beſchreib. Kopf und Hals ifabell mit dunkleren Schaft:
ftrihen und. fchwarzen verlängerten Nadenfedern, wovon die
längfte 111 Mm. ift. Rüden und Slügel ſchwarzbraun. Die
Flügelfedern mit dunfeln Binden und ſchmalen weißlichen Saͤu—
men. Die weiße Kehle feitlih mit einzelnen ſchwarzen Schaft:
ftrihen eingefaßt, die einen ſchwarzen Badenftreifen bilden. Die
Seitenfedern der Kropfgegend mit 'helltoftbräunlichen Schaft:
fleden. Die mittlere Kropfgegend, der ganze Baud und die
unteren Schivanzdedfedern weiß." Die Seiten und Hofen
fhwarzgebändert, legtere nach innen ſchwarz gefledt. Bon In—
nen ift der’ Flügel an den kleineren Dedfedern blendendweiß,
fhwarzgefledt. Die Schwingen vor den Ausfhnitten blendend-
weiß mit 3—5 Bändern hinter den Ausfchnitten.
Der Schwanz ift von oben gewölft afehgrau und braun mit
4 ſchwarzen Querbinden. Das ſchwarze Endband ift grau und
an dem Ende weißgebordet.
Dimenfionen:
Kopf 84 XZarfe 83
Schnabel 29 Mittelzehe 49-25
Höhe 20 Außenzehe 35-+19
Mundwinkel 43 Innenzehe 34432
Oberfluͤgel 396 Hinterzehe 31-36
Flügelfpige 77. Schwanz 266
Sch behalte für diefe allein den-Namen Spizaetus als Subgenus
= weil Vieillot, der Geber diefes Namens, einen Typus diefes
Cubgenus als Nepräfentant in feiner Galerie des oiseaux abbildet,
167
Diefe Art variitt fehr. Das Vaterland ift der Süden von
Amerika. In Sammlungen bis jest noch felten.
4. Der Kronen-Habicht-Adlerhabicht. Spi-
zaetus coronatus Linn. Falco coronatus Linn,
Edw. B. t. 224. Smith. Nl. t.41. Falco albescens
Shaw.
Diagn. Kopf und Schnabel 106 Mm, lang.
Beſchreib. Kopf und Hals und alle unteren Theile ſchmu—
gigweiß; die Hofen und die feitlichen Ufterfedern ſchwarz ger
bändert; die Flügel und die Nüdenfedern belläfhgrau braͤun—
lich, dunkel gebändert mit breiten weißlihen Säumen. Schwin—
gen 2ter Ordnung afchgrau, ſchwarz gebändert mit weißen Bor:
den. Die inneren Eleinen Achfelfedern weiß, die langen mit
großen runden ſchwaͤrzlichen Tleden vor der weißen Borde. Die
Schwingen von innen vor den Ausfchnitten grau gewäffert,
hinter den Ausfchnitten filbergrau; jede Feder mit zwey [hwarz
zen Binden und fhmarzem Ende.
Bon oben ift der Schwanz an der Wurzel ſchwarz und in
der Mitte in der braungrau mit, zwey fehwarzen Binden und
einer breiten weißbordierten Endbinde.
Won unten ift der Schwanz filbergrau mit gelblich gewölften
Rändern an den Innenfahnen und 4 fchmarzen und einer brei-
teren Endbinde.
—
Dimenſionen:
Kopf 106 Fluͤgelſpitze 112
Schnabel 38 Tarſe 90
Höhe 28 Mittelzehe 55
Mundwinkel 56 Hinterzehe 30
Dberflügel 358
Diefe Urt hat mit. den vorigen die erften Schwingen dolch—
artig zugefpist. Es ift ein Bewohner von Suͤdafrika ‚und in
Summlungen, ‚wieder folgende fehr felten.
5. Der gefledte Habicht JAdlerhabicht. Spi-
zaectus PVaill. Daud. Vaill. Ois. d’Afr. t.1. Falco
bellicosus Daud. Aquila bellicosa Vieill. Falco ar-
miger Shaw. Smith. I. t. 42.
Diagn. Kopf und Schnabel 123 Mm. lang.
Befcdyreib. , Der größte dieſer und aller Abtheilungen ber
Spizaeten. Er gleicht. hierin ‚dem größten Adler, allein über:
trifft diefe alle, durch die ſtarken und Eräftigen Fänge, bie
wahrhaft fürchterlich und nur mit denen der Harpyie verglichen
werden koͤnnen.
Er ift am Kopf und Hals braͤunlich mit ſchwarzen Zügel:
horften, die wie bey den Adlern als fehwarze Linie uͤber die
Augen fi hinziehen.
Die dunkle Halsfarbe zieht fih als ‚breiter Schild über die
Kropfgegend: wie Circaötus, thoracicus ‚sive pectoralis. Alte
übrigen unteren Theile und die Zarfen weiß; jede Feder mit, einem
runden ſchwarzen Fled an der Spige; der Rand der, Spitze
bleibt jedoch weiß.
Der Flügel ift bey friſch gemauferten Federn fchieferafchgrau,
ſchwarz gebändert. Bey alten Federn werden die Bänder, uns
deutlich und die Ränder fahlbraun. Die Hauptfchwingen. find
dunkelſchieferaſchgrau mit hellgrauerem Anflug und die Schäfte
find von oben. weifgefledt.
Bon Innen find die Achfelfedern ſchwarzbraun, die laͤngſten
aſchgrau mit lichten oder weißen Endborden. Die Federn des
Flügelrandes find fehwarz mit weißen breiten Borden.
168
Die Hauptfhwingen find vor den Ausfchnitten hellafchgrau,
hinter diefen roftbraunlich mit 7—8 fchwarzen Querbinden, die
an der oberen Hälfte nur in der Nähe der Schäfte ſehr deut:
lich find. \
Der Schwanz ift von oben filberafchgrau mit fünf big ſechs
ſchmalen unregelmäßigen fchwarzen Binden, einer breiten End»
binde, die Licht. bowdiert ift. Won unten ift der Schwanz mehr
meißlih und die Binden find deutlicher. |
Bis jest iſt diefer herrliche Vogel nur im Süden von Afrifa
gefunden worden und in Sammlungen fehr felten.
Dimenfionen:
Kopf 123 Tarſe 120
Schnabel 46 Mitteljehe 82-41
Höhe 30 Außenzehe 54-35
Mundwinkel 66 Innenzehe y 55-449
Dberflügel 420 Hinterzehe 48453
Fluͤgelſpitze 240 Schwanz 311
4. Subgenus. Aaradlerhabicht. Spizastur Less.
Diagn. Mitteljehe und Hinterzehe fehr lang; Ießtere mehr
als halb fo lang als erftere. Der Flügel erreicht fuft die
Schwanzfpike. Zweyte bis 6te Schwinge an der Innenfahne
fehr beftimmt hakenformig, 7. fehr ſchwach ausgefchnitten. Fluͤ—
gelfpige halb fo lang als der Dberflügel. Schwanz ſchwach
ausgefchnitten.
6. Der fhwarznadige Aaradlerhabicht. Spi-
za&tusatricapillus Cuv. Falco ’atricapillus Cuv.
pl. col. 79. Buteo melanoleueus Vieill. 14.
Beſchreibung. Weiß mit ſchwarzem Bügel, der fich als
fhwarzer Streifen über und unter dem Auge verlängert. Hin:
ter£opf und die etwas verlängerten Nadenfedern fchwarz, Nü:
den und Flügel’ ſchwarz mit glänzenden Schaͤften. Innere
Anſicht des Flügels -und deffen Nand weiß. Schwingen vor
den Ausfchnitten weiß, hinter diefen ſchwaͤrzlich, in der Mitte
blaugrau mit 3 Binden und dumfeln Spiken.
Der Schwanz an der Wurzel weißbraun mit drey bis vier
ſchmalen fhwarzen Binden, und breiter ſchwarzer Endbinde, die
eine braungraue oder weiße Borde hat.
Dimenfionen:
Kopf 80 Mittelzehe 52—60-+22
Schnabel 264—30 Aufenzehe 35—40-+20,
Höhe 194 Innenzehe 34—58-+34—37
Mundwinkel 40 -41 Hinterzehe 34+40—41
Dberflügel 270* 1te Schwanzfeder 242
Flügelfpige 135 6te Schwanjfeder 229
Tarſe 71: Die längfte Zopffeder 87
Das Vaterland ift der Süden von Amerifa,
5. Subgenus. Bufjard Adlerhabidht. Pternura Kaup.
Diagn. Schwanz über Körperlang. 2te bis 7te Schwinge
an den Innenfahnen ſchwach bogenförmig, an der '3—Bten' an
der Außenfahne deutlicher ausgeſchnitten. |
7. Der graufame Buffard Adlerhabidht,
Spizaetus tyrannus Pr. Max. Falco tyrannus
Pr. Max. pl. col. 73.
Diagn. Schwanz 346 Mm. lang.
Befhreib. Schwarz oder ſchwarzbraun mit glänzenden
Schäften, weiß gebänderten inneren Achfelfedern, Zarfen, unterer
* An einem andern Individuum mißt der ganze Flügel 376,
169
und oberer Schwanzdecke. Schwanz oben mit 5 graubraunen unten
mit 5 weißlich grau gewölften Binden und‘ weißlicher Borde.
Auf-den Schwingen erfter und 2. Ordn. Spuren von lichteren
braunen, Querbinden. Innere Anfiht der Schwingen mit 3—5
breiten, ‚weißlichen, grau oder ſchwarz gewölften Binden. Hin:
terhaupt, wie alle. Kopf» und Halsfedern an der Wurzel weiß,
verlängert, ohne einen Zopf zu. bilden,
Un andern Sndividuen ift Kehle, Unterhals, Bruft und Sei:
ten ſchwarz und nocd bey andern ift die ganze: Unterfeite mit
weißen Querfleden verfehen, Die Kropfgegend ift bey mittels
alten Vögeln roftgelblih, mit ſchwarzen Schaftfleden.
Dimenfionen: Zarfe 79-94
Kopf 89-90 Mitteljehe 48-49
Schnabel 229 Außenzehe 34
Höhe 20 Innenzehe 29-+31-34
Mundwinfel 41-42 Hinterzehe 27-30+34-36
Dberflügel 312 1. Schwzf. 286-.. .
Fluͤgelſpibe 99 6 — 3103152346
Laͤnge der laͤngſten Nackenfedern 51—59.
Der junge Vogel zeigt die Scheitel- und hintern Halsfedern
weißlich, nach den Epigen hin ſchwarzbraun mit roftgelblichen
Rändern. Mangen, Ohrfedern und ein Streifen längs der
weißen Kehle ſchwarz. Kropf, und Bruft find weiß mit ſchwar—
zen Schaftfleden. Die untere Schwänzdede, die Hofen und
170.
Tarſen zeigen eine größere Zahl Binden. Viele Federn des Elei-
nen Gefieders des Flügels, fowie die Hauptfhwingen (merk
würdige Ausnahme) zeigen eine weiße Spigenfante.
Das Vaterland iſt Brafilien. Die Temmindifhe Figur
F einen Vogel im mittleren Alter vor; fie gibt die Tarſen
zu kurz.
2. Genus. Sperber — Nisus Cauv.* Kaup. Accipi-
ter der Engländer.
Diagn. Die Zarfen lang und ſchlank mit 12—13 Schil—
dern, die meift fo ſchwach getrennt find, daß ſie nur eine
Schiene zu bilden feinen. Die Aufere Zehe ſchlank und län«
ger als die innere Zehe. Schnabel plöglic gebogen mit ſtum—
pfem abgerundetem Zahn Hinter dem tief ausgefchnittenen
Schnabelhafen. \
Befhreib. Diefes Genus enthält die Eleinften und leich-
teften Arten der ganzen, Unterfamilie. Bis jet hat man noch
Eeine Art gefunden, die eine Spur von Federzopf im Naden
trägt, noch eine ſolche, die auf Eleinem Gefieder des Flügels ge:
bändert wäre. Es gibt Arten in allen Welttheilen. Die Mehr:
zahl fängt Vögel im Fluge und fie find überhaupt ſehr mord—
füchtiger und Fühner Natur.
Das Weibchen ift ſtets bedeutend größer als das Maͤnnchen.
Die) Arten zerfallen, in. 5 Subgenera, deren Charactere ich
zuſammen ftelle, um den Werth derfelben zu erkennen.
1. Subg. Hiraspiza,
Slügelfpise ſehr
kurz, 4der Flügel:
länge.
Zweite bis 5. Schwin⸗
ge** an der Innenfahne
ausgefchnitten._ Der _
Schwanz hat im Alter
3—4 breite Bänder.
Schwingen an der Sn:
nenſeite gebändert. es
ben fehr lang.
Arten: 1) tinus.
3) minullus. 8) vir-
gatus.
1. Subgenus. $alfenfperber — Hieraspiza Kaup.
2. Subg. Tachyspiza.
Flügelfp. ziemlich lang,
24 der Flügellänge.
2.bi8 4. Schwinge
an der Innenfahne
ausgefchnitten,
Der Schwanz mit
5 fbmalen Baͤn—
dern.
Flügel, im Alter
niht gebändert.
Tarſen und Zehen Eurz.
4, soloensis.
3. Subg. Scelospiza.
Flügelfpige ſehr Eurz,
fat 4 der Flügellänges
Zweite big 5. Schwinge
an der Innenfahne aus:
gefchnitten.
Der Schwanz hat im
Alter £—-5 fchmale
Binden.
Flügel im Alter mit
3—6 fhmalen Bändern.
Beben kurz. Tarſ. lang,
5. Francessii.
Beſchreib.
dunkelaſchgrau mit dunkleren Federrändern.
4. Subg. Nisus.
Flügelfp. ziemlich lang,
23 der Flügellänge.
2.—6: Schwinge
ander Innenfahne
ausgefhnitten.
Der Schwanz hat 4—5
breite ſchwarze Bänder.
Flügel im Alter an der
Innenſeite mit 5 breiten
fhwarzen Bändern. Ze⸗
ben lang.
6. perspillaris. 7. frin-
gillarius. 8. tachiro.
9. fuscus. 10. pilea-
tus.
5. Subg. Urospiza.
Fluͤgelſp. ziemlid) lang,
24 der Flügellänge,
2.— 5. Schwinge
ander Innenfahne
ausgefhnitten.
Derlange Shw;.
bat Körperlänge
mit 14—19 ſchma—
len ſchwarzen Bin—
den.
Fluͤgel an der In—
nenſeite mit 12—13
fhmalen Binden.
11. torquatus. 12, ap-
proximans.
Er ift der Eleinfte von allen Sperbern. Oben
Mangen hellafch:
Diagn. Flügelfpige ſehr Eurz, 4 der ganzen’ Filgellänge,
Zehen lang. Um die Augen mehr oder weniger nade.
Befchreib. Diefe Abtheitung enthält die Eleinften Arten.
Schwingen an der 2. bis 5. Innenfahne ausgefchnittin. Die
Schwingen zeigen an den Innenfahnen 4—6 ſchwarze Binden
und auf dem Schwanz 4 ſchwarze Bänder.’
1) Lathamiſcher Falkenſperber — Nisus tinws
Lath., G. Gray. Yalco tinus Lath. Accipiter** tinus
G. Gray, Genera of birds mit vortreffliher Abbildung.
?Falco supercilosus Zinn., Laih.'
Diagn. Bruft und die unteren Theile fein gebändert.
grau. Kehle weiß, Bruft, die unteren‘ Theile und die innern
Dedfedern des Flügels mit unzähligen dunkelgrauen Querlinien.
Die Schwingen von Innen mit 4—6 fchroarzen Baͤndern auf
weißem Grunde. Der Schwanz mit 4 fchwarzen Bändern und
einer leichten Endbinde. Der auggebreitete Schwanz iſt zwi-
fhen den. ſchwarzen Binden auf,den Sinnenfahnen blendend
weiß, welche, Farbe auf der oberen Seite des Schwanzes durch=
leuchtet.
Bey einem Gremplar find die Hofen durch ſchwarzgraue
Borden der Federn faft ſchwarzgrau—.
Sc Eenne nur 4 Eremplare aus Südamerica, wovon fih 2
* Sch fee meinen Namen um deßwillen bey, weil Cuvier das Genus ſo irrig als moͤglich zuſammengeſetzt hat. In ſeinem Genus
Nisus finden ſich Circaëti, Astures, Geranospiza und Buteones.
*Sind die Schwingen an den Innenfahnen bey fchlecht erhaltenen Baͤlgen ftruppig und verborben, fo kann die Zahl der ausgefchnitte:
nen Snnenfahnen nad) der 3ahl der ausgefhnittenen- Außenfahnen ermittelt werden, An allen Raubvögeln ift ftets eine Schwinge an der Au—
Benfahne mehr ausgefchnitten, fo daß die Vögel, welche 5 Schwingen an den Innenfahnen ausgefhnitten haben, die 3. bis zur 6. Schwinge
an den Außenfahnen ausgefchniften befigen. '
*** Indem der Name Accipiter bereits für alle Rapaces verwendet worden ift, ſcheint es mir nicht thunfich, ihm auf die Sperber zu
4.12
Iſis 1847, Heft 3.
171
im brittifhen, das 3. im zoologifhen Garten und das 4. im
Mainz ſich befindet. Es find alte Männchen.
Das alte Weibchen ift höchft wahrfcheinlidy von Linne und
Latham ale Falco superciliosus beſchrieben. Wäre bey
diefer Befchreibung nicht Guiana als Vaterland angegeben, fo
würde ic) fie zu ber folgenden Art gezogen haben.
Die 3 Eremplare, die ich Eenne, fcheinen Männchen zu -feyn.
Dimenfionen: mas. — fem. Mainzer Erempl.
Kopf 38 — 38
Schnabel 11 — 10
Mundwintel 15 — 15
Oberfluͤgel 91 — 90
Fluͤgelſpitze 41 — 43
Tarſe 37 — 35
Mittelzehe 28 — 26
Außenzehe DU
Innenzehe 13 — 13
1. Schwanzf. 95 — 92
6. — 94 — 90
2% Baillantifher Falkenſperber — Nisus minul-
lus Vaill. Paill. ois. d’Afr. t. 34.
Diagn. Die 3 weißen Binden des Schwanzes leuchten
auf der Oberfläche ded Schwanzes durh. Die hinteren Ded:
federn des Schwanzes weiß, ſchwarz gebändert, mit breiten weis
Ben Borden.
Befhreib. 2 Es gleicht dem männlicdyen Nisus commu-
nis, allein unterfcheidet ſich leicht von diefem durch die Kenn—
zeichen des Subgenus und der Art. Die erſte Schwanzfeder
hat vor der ſchwarzen Endbinde ſechs ſchmaͤlere Querbinden.
N jung. Obenher braun; die unteren Xheile weiß mit
tropfen = und bänberartigen Sleden. Die untere Schwanzfeder
hat 5 Bänder. Das Meiße auf dem inneren Flügel roftgelblich.
juv. Es iſt größer, zeigt größere und breitere Fleden auf
der Bruft und den unteren Theilen. Es hat 7 ſchwarze Baͤn—
der auf der erften Schwanzfeder. Ich kenne das alte Männ-
chen nicht.
Diefe Art ift im Sammlungen bis jest noch felten. Britz
tifches und Mainzer Mufeum.
Dimenfionen: mas. — fem. — jur.
Kopf 36 — 40 — 39
Schnabel 101 — 12 — At
Mundwinkel 14 — 18 — 18
Dberflügel 104 — 128 — 128
Flügelfpige 34 — 45 — 44
Tarſe 39 — 44 — 4
Mittelzehe 26 — 28 — 28
Außenzehe 18 — 20 — 20
Innenzehe 13 —, 14 — 14
1. Schwanzf. 10 — 135 — 134
6. — 119 — 138 — 134
befchränfen. Ich ziehe defhalb den Cuvieriſchen Namen vor. Ue:
berhaupt follte man Generanamen, die von Autoren vor Rinne her:
rühren, nur mit der größten Vorficht anwenden, indem biefe Autoren
höchit felten gewußt haben, was Genus ift. Nicht dem gebührt bie
Ehre als Autor hinter bem Genusnamen zu ftehen, der den Namen
gegeben, fondern dem, ber das Genus in feinen Arten richtig be:
gränzt hat,
172
3) Reinwardtifher Falfenfperber — Nisus vir-
gatus Reinw. Falco virgatus. Pl. col. 109.
Diagn. Die weiße Kehle in der Mitte mit ſchwarzen
Streifen und an den Seiten der Fänge nach mit einem ſchwar⸗
zen Stridy eingefaßtz untere Achfelfedern roftgelblich mit zahl:
reihen ſchwarzen Sleden. Die weißen Bänder des Schwanzes
leuchten auf der Oberfläche nicht durch.
Beſchreib. Die ganze untere Seite, mit Ausnahme der
toeißen Kehle und der unteren weißen Schwanzdeckfedern, roft:
braun und aſchgrau tingiert, mit einzelnen weißen und fhwärzlis
hen Bändern und Flecken. Aeußere Schwanzfeder mit 7 Quer:
binden. Oben fchiefergrau mit dunfleren Federrändern, Wan:
gen braͤunlichaſchgrau. Dben am Schwanz; mit 3—4, unten
mit 4 ſchwarzen Bändern.
Ates Weibchen. Bedeutend größer mit mehr braun auf den
oberen Xheilen, mehr weiß auf dem Kopfe und den Geiten.
Hofen deutlicher weiß und ſchwarz gebändert.
Ben jungen Vögeln haben die oberen Theile lichte Feder
tänder und die unteren find auf roſtgelblichweißem Grunde
mit dunklern Schaftfledien verfehen. Hofen und untere Schwanz:
dedfedern weiß mit ſchwarzbraunen, herzförmigen Flecken. Die
Säfte des Schwanzes find oben in der Gegend der lichten
Bänder weiß. i
Es ift in diefer Gruppe die bis jest befannte größte Art.
Lebt auf Sana und ift dort fehr gemein.
Dimenfionen: mas. — fem. — fem.juv
Kopf 40 — 50 — 44
Schnabel 11 — 15 — 12
Mundwinkel 15 — 21 — 19
Oberfluͤgel 120 — 150 — 189
Fluͤgelſpitze 44 — 43 zum. 49
Tarſe 49 — 53-5 — 47-51
Mitteljehe 29 -— 353 — 3
Außenzehe 18-200 — 36 — 23
Snnengehe 14-15 :- 19° — 46
Schwanz 11 — 1311 — 1830
2. Subgenus. $lugfperber — Tachyspiza Kaup. |
Diagn. Flügelfpige ziemlih lang 24 der. Flügellänge.
Bmweite bis 4 Schwinge an der Innenfahne aus—
gefhnitten. Tarſen und Zehen Eurz.* Flügel von Innen
im Alter ungebändert, mit weißem Spiegel.
Befhreibung Die Wachshaut ift breiter als bey den
übrigen und wie aufgeblafen und die Nafenlöcher find frey, ohne
von den kurzen Borſtfedern des Zuͤgels uͤberdeckt zu werden.
Gleich hinter dem kurzen Schnabelhafen ein großer, runder cirs
Eelabfchnittähnlicher Zahn. Mittelzehe kurz, fo lang als der
geſchilderte Theil der Zarfe.
Sc Eenne bis jetzt nur eine Art, die gemein auf Sava ift.
Durch die längeren ſchwarzen Flügel mit weißem innerem Spies
gel ähnlen fie den Circi.
4) Der Kududflugfperber — Nisus soloensis
Horsf. Falco soloensis Horsf. Falco cuculoides
Temm. pl. col. 110. 119.
Belchreib. Kleiner ald der männliche gemeine Sperber.
Oben fchiefergraufchwarg mit breiten dunkleren Sederrändern.
* um ficher zu wiſſen, was Eurze oder lange Zehen find, ftelle
man fich bey Unterfuchungen den Nisus fringillarius vor die Augen,
der die Zehen und Zarfen fehr lang hat.
173 ’ —
Die Nackenfedern, wie bey allen Sperbern an der Wurzel blen—
dend weiß. Die Schwingen von Innen ſchwarz, nad der Wur-
zel hin blendend weiß ohne Baͤnder; die Eleineren Dedfedern
nad) den Schwingen hin weiß, nady vorn roſtroͤthlich angeflo=
gen. Kehle und untere Schwanzdedfedern weiß. Kropf, Bruft
und Seiten weintoth mit verlofchenen Binden an den längeren
Seitenfedern. Die Seiten des Kropfes ajchgrau und die Hofen
weißlich, aſchgrau fein gefprist. Schwanz; von oben fchiefer:
ſchwarz mit etwas dunflerer Schwanzfpige. Ausgebreitet zeigt
er gegen 6 ſchmale fchwarze Binden. Von unten ift er bläu-
lihweiß gegen die Snnenfahne hin roftgelblih. Die äußere
Feder zeigt bey alten Vögeln nur gegen die Wurzel hin 4
fhmale Binden und iſt nad der Spige zu einfarbig. Den
jungen Vogel hat Zemmind pl. col. 19 abgebildet und
befchrieben.
Dimenfionen eines alten Vogels.
Kopf 44 Zarfe 41
Schnabel. 12 Mittelzehe 24
Mundmwinkel 20 Anßenzehe 18
Dberflügel 108 Innenzehe 12
Fluͤgelſpitze 72 Schwanz 124
3. Subgenus. Lauffperber — Scelospiza Kaup 1846.
Diagn. Tarſen Yang, Mittlzehe kurz. Zweite bis 5.
Schwinge ausgefchnitten. Flügel im Alter gebändert. Schwanz
im Alter mit 4 bis 5 fchmalen Binden. *
Befhreib. Sie unterfheiden fid) von Hieraspiza durd)
die Eurze Mittelzehe, die bey diefen fo lang als der gefchilderte
Theil der Zarfen ift; auch ähnlen fie den Micronisi der Astu-
res, allein diefe haben eine längere Flügelfpige und bdeutlichere
Schilder auf den Zarfen.
Ic fenne nur eine Art von Madagaskar,
Sranceffi’g 2auffperber — Nisus Francessii
A. Smith. Accipiter Francessii A. Smith. Ill. Afr.
Zool.
Beſchreib. Oben dunkelaſchgrau, unten weiß; auf der
Bruſt fein grau tingiert mit außerordentlich zarten feinen roſt—
roͤthlichen Querlinien. Innere Achſelfedern blendend weiß.
Schwingen blaͤulich mit weißen Innenfahnen und 3—6 ſchma⸗
len ſchwaͤrzlichen Binden. Schwanz von oben dunkelbraun mit
ſchiefergrauem Anflug. Die mittleren einfarbig, die übrigen mit
4—5 ſchmalen Binden; auf der Außerften fieht man an ber
Wurzel eine 5. verlofhene. Die Dedfedern der Schultern und
die legten Schwingen 2. Ordnung an der Wurzel blendendweiß.
Der junge Vogel ift von oben rothbraun. Kehle weißlich
mit dunfelen Seiten und einem Längsftreifen in der Mitte.
Alle übrigen untern Theile mit roſtbraunen, ſchwarz eingefaßten
QDuerbinden. Innere Achfelfedern roftgelb, fparfam ganz gefledt.
Untere Schwanzdede weiß mit einzelen Querfleden. Schwanz
mit 9 fchmalen und einer fbreiteren fchmärzlichen Endbinde.
Die mittleren Federn haben diefe Binden kaum angedeutet.
Dimenfionen: Alter. — jung. Vogel.
Kopf 42 — 45
Schnabel 12 12
Mundwinkel 19. — - 20
Dberflügel 122 — 113
* In biefem Gubgenus muß fi, ber Analogie gemäß, eine Art
finden, deren Eleines Gefieder der Flügel gebändert ift.
174
Dimenfionen: Alter. — jung. Vogel.
Flügelfpige 43 4
Tarſe 49 — 46
Mittelzehe 26 — 23
Außenzebe 16 — 17
Innenzehe 15 — 14
1. Schwanzf. 118 — 118
6. — 125 — 125
Vaterland: Madagaskar.
4. Subgenus. Wahre Sperber — Nisus Kaup.
Diagn. Bmeite bis 6. Schwinge an der Sinnenfahne, 2.
bis 7. an der Außenfahne ſehr beftimmt ausgefchnitten.
Befhreib. Der Ausfchnitt des Schnabeld am Haken ift
tiefer und der ftumpfe Zahn fteht mehr nach hinten als bey
Tachyspiza. Die Nafenlöcher find von den Borftfedern des
Zügels überdedt. Flügel und Schwanz haben eine geringe Zahl
breiter fchwarzer Binden. Die Tarſen find fchlane und bie
Mittelzehe, obgleich ſehr lang, ift nicht ganz fo lang als der
nadte Tarfentheil.
Sie enthalten mwahrfcheinlih die Eühnften Arten, deren Le—
bensart wir durch den europäifhen am beften £ennen.
Man Eennt bereits alle 5 Arten. Mehr als diefe gibt es
nicht und alle vermeintlihen Arten find Nominalfpecies oder Eli-
matifche Varietäten.
Ich glaube die Arten richtig geftellt zu haben.
5) Der roftrothe Habichtſperber — Nisus per-
spicillaris Rüpp.* Neue Wirbelth. t. 18. 1 fem.
Aceipiter rufiventris A. Smith. Falco exilis Temm.
pl. col. 496.
Diagn. Alle unteren Theile, ausgenommen bie weißen Kehle
und die unteren Schwanzdedfedern, roftroth.
Befhreib, Obenher fperbergrau. Innere Dedfedern bes
Flügels ungefledt, Wangen roftroth, nach der Ohröffnung hin
aſchgrau.
A Mit weißer Kehle und inneren Achſelfedern, die roſtroͤth⸗
lihen Anflug haben. 2 Bedeutend größer. Innere Achfelfe:
dern ſchmutzig roftroth.
Diefe Art gleicht fehr dem folgenden, der ebenfalld, wenig—
ftens in Nordafrica, vorkommt. Sie ift über. ganz Africa ver-
breitet und daſelbſt nicht felten. Das Meibchen, von Herrn
Dr. Ruͤppell mitgebracht, zeigt einen ungewöhnlich entwidelten
Eckzahn am Oberfchnabel.
Dimenfionen mas, — fem. Mittelj. 35410 — 35+11
Kopf 42 ° — 46 Außen. 2149 — 21-10
Schnabel 11 — 12 Innenz. 16414 — 16416
Mundwintel 17 — 20 Hinter. 12413 — 12-15
Fluͤgelſpize 197 — 217 Schwan; 149 — 186
Zarfe 50 — 54
® Sch kann, weil bey dem Text ber Pl. col. fein Datum ange:
geben ift, nicht ermitteln, welcher Name der Ältere ift. Ich überlaffe
dieß den betreffenden Autoren, die die Priorität ihrer Benennung felber
beweifen fönnen. Ohne Priorität zu berüdfichtigen, würbe ic) den
Namen rufiventris als ben bezeichneteren vorziehen. Der DOrnitho:
loge, welcher die Pl. col. noch in Heften befist, würde der Synonymie
einen großen Dienft erweifen, wenn er bey allen Temmindifchen
Arten das ungefähre Datum ermitteln wollte, um zu willen, zu
welcher Zeit diefer Gelehrte fie als neu aufgeftellt hat.
175
6) Der europäifhe Habichtſperber — Nisus
fringillarius, Nisus communis Cuv.* Falco nisus
Linn. Naum. tab. 19. 20. Aeeipiter fringillarius Ray.
Diagn. Roſtroth oder ſchwaͤrzlich auf den unteren Thei—
len gebändert oder gefledt. &Zarfe 52—56 Mm. lang. Das
Weibchen im Alter auf den, unteren Theilen quergebändert.
Schwanz beym Männchen ſchwach gegabelt.
A Dben hellaſchgrau mit. fhwarzen Schäften ohne dunkele
Federränder. Zügel weißlich mit dunklen Borfthärchen, Ueber
den Augen ein weißer, ſchwaͤrzlichgrau gefledter Streifen, der
ſich zu dem. größentheils verſteckten weißen Nackenfleck hinzieht.
Die roftfarbigen Wangen ‚und Ohrfedern nad) oben mit dunk—
lem Aſchgrau begränzt, welches vom hintern Augenwinkel fich
zum Naden hinzieht. Die Kehle ift weiß, an den Spigen roſt—
getblih mit dunfelen, Schäften. Die Bruſtfedern find weiß
mit feinen, fhwarzen Schaͤften und 4 roftrothen, ſchwaͤrzlich
aſchgrau durchgeſetzten Binden. . An den Kropffeiten nimmt, das
Roſtfarbige fo-überhand, daß ein großer roftfarbiger Fleck mit
wenigen weißen Zropfen und meißen Federraͤndern entfteht.
Die längeren Seitenfedern haben. 5—6 voftfarbige Binden,
die meift nach Innen zu die ganze, Snnenfahne, voftfarbig faͤr—
ben. Hoſen weiß, mit pfeilformigen, roſtfarbigen, ſchwaͤrzlich
durchſetzten Binden. Untere Schwanzdeckfedern weiß. Von
Innen zeigt der Fluͤgel die kleinen Deckfedern roſtgelblich mit
ſchwarzen Tuͤpfeln und Pfeilflecken; die laͤngeren mit 5 pfeilfoͤr—
migen grauen Querbinden und ſchwach roſtgelblicher Begraͤnzung.
Die Schwingen find vor den Ausſchnitten blaͤulichweiß, nad)
den Spiken dunkler graublau mit 5 ‚breiten, weit von einander
abftehenden ſchwarzen Binden umd ſchwaͤtzlicher Spitze. "Der
Schwanz ift von oben aſchgrau mit 3 fehwärzlichen breiten
Binden und einer. 4. unter ‚den weißlich bordierten oberen Deck—
federn, Vor der ſchwarzen Endbinde haben alle Federn mit
Ausnahme der erjten eine lichtere, faſt weiße, ‚grau befpriste
Horde.
Von unten zeigt der Schwunz die Grundfarbe blaulichweiß,
an den Innenfahnen roftgelblidy mit deutlichen ſchwarzen Din:
den vor der ſchwarzen breiteren Endbinde, Die erſte Schwanz:
feder hat noch die Spur einer 5. Grundbinde.
2 Das Afchgrau der oberen Xheile ift weniger rein. Der
Augenftreifen ift breiter und reiner weiß und deutlicher mit dem
Nackenfleck verbunden. Die Federn der Mangen meiß 'mit
breiten dunfelgrauen Schaftfleden. Die feitlihen Halsfedern
find an ihren Rändern fhmusig graubraun. Bruft, Bauch
und SHofenfedern weiß mit breiteren ſchwarzbraunen, ſchwach
voftbraunlich tingierten Duerbändern. Nur die Seitenfedern
haben eine Spur von roſtrother Färbung. Die inneren Adhiel-
federn find weißer gefärbt mit gröberen Flecken. Auf den
Schwingen zeigen fih 6 Binden.
Der Schwanz zeigt: von oben und unten 4 Binden; die
äußere Schwanzfeder unbedeutend Fürzer als die folgenden zeigt
5 Bänder, wovon die oberfte nur angedeutet ift.
Das junge Männchen gleiht mehr dem alten Meibchen.
Es ift oben ſchwarzbraun mit lichten Kanten, Die Federn. der
Bruft haben am Ende braune, lichtbraun tingierte pfeilförmige
Flecken und hier und. da, einzelne ſchwaͤrzliche Schmischen länge
den Schäften der unteren Schwanzdeckfedern. Die Schäfte
* Der Name commumis ift bereits bey Falco peregrinus ver:
wendet.
176.
des Schwanzes find an den lichtern Bändern weißlich an den
dunkeln Bändern braun oder ſchwatz, was bey alten Voͤgeln
weniger deutlich zu ſehen iſt. Der Schwanz zeigt 5 Binden
und die Aufere 7 Binden,
Das junge Weibchen hat das Weiße der unteren Theile gelb—
lid) angeflogen und die Querbänder find Lichter gefärbt.
Diefe Art ift über einen großen Theil der Erde verbreitet, ſteht
der americanifchen zunaͤchſt, non ber fie ſich jedoch weſentlich
unterſcheidet. Ein Theil der europäifchen Individuen ſcheint
uns im Winter zu verlaſſen.
Sie ſteht an Muth dem palumbarius nicht nach und es
fehlt ihr nur die Kraft, um die großen Voͤgel mit Erfolg
anzufallen.
Von Madagaskar brachte A. Smith ein nicht vollkommen
altes maͤnnliches Individuum mit, was im brittiſchen Muſeum
ſich befindet, und welches 8 Baͤnder an der Außenfeder und
6 Bänder an der mittleren Schwanzfeder beſitzt. Da es in ſei—
nen Dimenſionen von dem männlichen fringillarius unbedeutend
abweicht, der junge Vogel dieſer Art an der Außenfeder 7, an
der mittleren 5 Binden trägt; fo halte ich dieſen Aceipiter
madagascariensis für eine zufällige Abweichung oder Elimati-
ſche Varietaͤt. In allem, übrigen ſtimmt, es -volfommen mit
dem Nisus fringillarius überein, Nähere Notizen nad) pielen
Eremplaren fünnen wir ficher fpätet. erwarten.
Dimenfionen: mas. — fem. — jung. fem.
Kopf 45-46 — 51 °— 6561
Schnabel 12 — 15 — 14
Mundwinkel 17-18 — 22 — 22
Dberflügel 128 — 150 —
Flügelfpige 80 — 89 —
Zarfe 52 — 54 — 56
Mittelzehe 33-34 — 40 — 40°
Außenzebe 21 — 26 — 26
Innenzehe 16 — 20 — 20
Hinterzehe 13 — 16 — 16
1. Schwanzf. 154 — 178 —
6. — 143 — 15 —
Dimenf.: junges mas, — mas. Ex v. Madagaskar,
Kopf 45 — 4
Schnabel 11 — An,
Mundwinkel 18 — 8
Oberfluͤgel 130 — 6
Fluͤgenſpitze 73 — —
Tarſe 54 — 52,
Mittelzehe 34 — 31
Außenzehe 20 — 20
Innenzehe 16 — 1907
Hinterzehe 13 — 18
1. Schwanzf. 192 — 156
a N EN — Er
7) Baittlantifher Habichtſperber —. sims
tachiro Vaill. (juv.) Accipiter polyzonus A. Smith.
(fem.) Astur unduliventer Rüpp. fem, t. 17.1. Pl.
col. 377.
Diagn. Tarfen 60—63 Mm. fang. "Untere Theile mit
Ausnahme der Kehle und der unteren Dedfedern des Schwanzes
beym alten Vogel gebändert.
Beſchreib. &: Oben ſchieferaſchgrau, auf Ruͤcken und
Flügel ſchwarzbraun. Kehle umd untere Schwanzdeckfedern
177
weiß. Seiten der Bruſt aſchgrau, das übrige derſelben ſchwarz—
braun nach den Hoſen hin und dieſe roſtroth. Alle übrigen un—
teren Theilen gebändert.
Der Schwanz iſt graubraun, mit breiten ſchwarzen Binden,
Un den Innenfahnen naͤchſt den. Binden mit unregelmäßigen
weißen Sleden. Von unten ift die aͤußerſte Schwanzfeder bläus
lich filbergrau und zeigt Spuren von 5 Binden. Die 2. zeigt
auf der Innenfahne 5 ſchwarze Flecken, die mit einem weißen
Fleck begranzt find... Vor der ſchwarzen Endbinde 3 Binden
auf bläulichem Grunde, ‚die meiß begraͤnzt find. Das weiße
der Innenfahne leuchtet auf der Oberfeite des Schwanzes durch,
und erfcheint als unregelmäßiger san den Schäften fich verbreis
tender Fleck. Die Schwingen der Schwanzfedern mit Aug:
nahme der mittleren weiß.
Es gleicht an Größe dem männlichen palumbarius, 'allein
ift ſchlanker. Die Bänder -der unteren: Theile find unreiner
und. breiter und meift ſchwarzbraun. Kehle und. die Mitte der
Bruft faſt weiß.
Der junge Vogel: ift oben braun. Schmingen 2, Ordn. mit
roſtgelben Raͤndern und fehwarzbraunen Binden, , Kehle roft:
gelblich mit ſchwarzen Längsftreifen; alle übrigen Theile mit
großen tropfenartigen Sleden, Die äußere Schwanzfeder mit
5 Querbinden.
Der von Temmind pl. col. 377 abgebildete Vogel trägt
nod Spuren des Jugendkleides.
Dimenfionen mas. — fem. Fluͤgelſpitze .. — 64
Kopf 521 — 68 Tarſe 60 16
Schnabel Ind AR 19 Mittelzehe 371. 188
Mundwinkel 25 — 28 Außenzehe 24 — 3
Dberflügel 2.011177 Innenzehe 19 — 19
Diefe Art ift bis jegt in Sammlungen noch felten; fie ift
über ganz Africa verbreitet, und ſcheint dort nicht felten, allein
ſchwer zu erlegen zu feyn.
8) Devnordamericanifhe Habihtfperber —
Nisus fuscus Gmel. Falco velox et pennsylva-
nieus Wils. Am, Orn. 46. 1. Pl. col. 67.
Diagn. Dem europäifchen fehr ähnlich, allein das größere
Meibchen und die jungen Vögel: haben die untern Theile mit
Längsfleden wie der junge Astur palumbarius.
Befhreib. F Es gleiht auffallend dem europäifchen und
nur eine forgfältige Unterfuchung zeigt die Verfchiedenheit, Oben
aſchgrau mit aͤußerſt ſchwacher Spur des weißen Streifens
uͤber dem Auge nach den Nackenfedern hin. Die Wangenfe—
dern nach vorn hin roſtgelblichweiß, nach hinten roſtbraun mit
dunkleren Schaftſtrichen, die bey Nisus fringillarius nur ange:
deutet find. Die Kehle iſt roftgelblicher, mit breiteren Schaft:
ſtrichen. Die Schäfte der, Bruftfedern ſind markirter
ſchwarzbraun. Die Federn ſelbſt find roſtfarbigbraun und haben
34 ſchmale weiße Binden, die durch den Schaft und die ihn
umgebende Farbe unterbrochen werben. "Die Bruft: ift deshalb
nicht weiß mit roſtroth, ſondern coftroth mit weiß gebändertz
ebenfo find die Hofen voftroth und weiß ;gebändert. Die inne-
ren Achfelfedern. haben einen voftgelblichen Anflug und: zeigen
mehr Flecken ald Bänder.
So gering fich das Männchen von dem männlichen com-
munis unterfcheidet, fo. wefentlicy ift das Weibchen in der Fär-
bung verfchieden, das verglichen mit dem Meibchen des Nisus
communis felbft bedeutendere Dimenfionen zeigt. Der Kopf ift
- mehr ſchwarz und die Federn des Hinterhalfes find weißer ges
Iſis 1847, Heft 3,
— — 178
fleckt und gebaͤndert. Die Federn des Unterleibs haben ſchwarze,
lange tropfenartige Schaftflecken. Die Hoſen find braͤunlich
angeflogen, auf den aͤußeren Federn mit zwey runden, ſchwarz⸗
braunen Flecken. Der Schwanz ift abgeftumpfter, als bey dem
europäifchen.
Das junge Männchen zeigt ebenfalls ‚Längsftreifen mie dag
SugendEleid des: Astur palumbarius und, die Kropffedern zei-
gen Feine 2 pfeilförmige- Binden, ſondern einen breiten nach der
Spige ſich verfhmälernden Schaftfleck. Die längeren Seiten»
federn zeigen zwar ebenfalls Binden, allein fie find einfarbig
roftroth und meift find die 2 Binden nach der Spike der Feder
bin am Schafte mit einander. verfchmolgen.
Das junge Weib zeigt noch beftimmtere, bald braune, bald
fhwärzlihe Schaftfleden auf’ der Bruſt, und auf den Hofen
mehr tcopfenartigere, oder auch ftreifenähnliche Längsfleden.
Die oberen Dedfedern des Schwanzes haben deutlichere weiße
Binden und Ränder.
Bey diefer Art gibt es außerordentlich Eleine Männchen, die
bedeutend_Eleiner als die Männchen von Nisus fringillarıus find.
Dimenfinen mas. — lem. —-fen.N.conm.
Kopf 45-46 — 55 — 51
Schnabel 12-13 — 19... — 15
Höhe N Wa)
Mundwinkel 19 — 24-238 — 22
Dberflügel 140 —
Fiügelfpige 67 om. it. —, 239
Tarſe 52-56 — 60 — . 54-56
Mittelzehe 34-36 —., 42... — 40
Außenzehe 22 — 27 — 26
Innenzehe 16-17 — 24" — W909
Hinterzehe 12 — 7 — 16
Schwanz 156 — 19% — 180
Sehr junges N, Eleines Er. von N. fuscus.
Kopf Mittelzehe
Schnabel 10 Außenzebe N
Höhe . 8 Snnenehe ...
Mundwinfel 16 Hinterzehe
Oberfluͤgel 115 Schwanz
Flügelfpise 567 Zarfe
9) Der Wiedifhe Habihtfperber — Nisus
pileatus Pr. Max. Pl. col. 205.. ad. Falco
Beskü Lichl. 2 (juv.) Falco Cooperi Bon. 2 (juv.)
Am. Orn. pl. 10. fig. 1.
Diagn. Tarſe 58—67, Mitteljehe 36—45 Mm. Tang.
Bey alten Vögeln die unteren Theile hellafchgrau.
Befhreib. ‚A Dbenher dunfelafhgrau mit ſchwarzer ſcharf
begränzter Kappe. Innere Achfelfebern und Hoſen roſtroth;
die längeren inneren Achfelfedern weiß. Alle unteren Theile heil-
afchgrau mit ſchwachen, weiß und roſtroth tingierten Querban-
dern. Kehle weißlich mit ſchwarzen Schäften. Der Schwanz
hat 4 und die äußere Feder 6 ſchwarze Binden vor der. breiten
lichtgefäumten ‚Endbinde. Die Schwingen von Innen gefehen
haben 6—8 ſchwarze und ebenfo viele lihtafhgraue Binden,
die vor den Ausfchnitten weiß gefledt find.
2 Bedeutend größer. Die weiße Kehle hat breitere dunklere
Schaftfleden und die untern Theile find toftbraun mit aſch—
grauem Anflug auf der Kropfgegend. Alle Federn mit weißen
breiten Bändern oder großen Fleden, die nicht ganz bis zum
Schafte gehen und fehwarzgrau begränzt find. Innere Dedfe-
12
179 j
dern des Flügels voftgelblich, ſchwarz gefledt. Hoſenfedern roſt⸗
voth, ſchwach roſtgelblich gebändert und gerändert.
Das junge Maͤnnch. ift wie gewöhnlich gefärbt; alle unteren
Theile find weiß mit roftgelblihem Anflug, oder ganz roſtgelb⸗
lich ohne Weiß. Die Kehle iſt gefleckt ober einfarbig roſtgelb;
ebenfo haben alle unteren Theile ſchwarzbraune Schaftfleden.
Die Hofen find toftrorh angelaufen mit und ohne roſtbraͤunli⸗
che dunkel begraͤnzte Querbaͤnder. Die aͤußere Schwanzfeder
hat bald 5, bald 6 Querbinden. Das junge Weibch. gleicht
dem Männchen, hat jedoch mehr tropfenartige Flecken auf den
ofen:
: In jugendlichen Kleide kann biefe Art leicht mit dem jugend:
lichen Kleid des Nisus fuscus verwechfelt werden. Das junge
Meib von Bonaparte als Falco Cooperi abgebildet, ſcheint
ein aus Brafilien verftrichener Vogel zu feyn.
Dimenf. mas. — fem. — mas.juv. fem.juv.
Kopf 50 — 583-6) — 48 — 56
Soudt 4 — 7-19 —- 183 — 16
Mundwint. 21 — 26-28 — 21 — 27
Hperflager 158 — 166-192 3 — 88
Fluͤgelſpize 63 — 77-89 — 6 — 7
Zarfe 535 — 67-70 — 58 — 65
Mittelzehe 36 — 43-44 — 35 — 45
Außenzehe 23 — 27-29 — 28 — 29
Innenzehe 19 — 24-25 — 19 — 3
1. Schwzf. 171 — 185-199* — 166 — 196
6 178 — 107-212—174 — 205
Wer ſaͤmmtliche Arten dieſes Subgenus ſich vor die Augen
ſtellen kann, wird mit Leichtigkeit erkennen, daß ſie eine natuͤr—
lihe Gruppe bilden und daß fie fich] weſentlich ‚von den Uro-
spizae, Scelospizae, Tachyspizae und Hierospizae unterſchei⸗
den, wenn er fich auch vorderhand nicht von der unumgangli-
hen Nothivendigkeit Überzeugen kann, daß dieſe Öruppen be:
nannt werden müffen. Ohne die Annahme der Eleineren Gruppen,
gleicyviel ob mit Buchftaben a, b, c, d, e oder mit Namen
bezeichnet, ift es unmöglidy die Arten mit wenigen Morten ſcharf
"und beftimmt zu characterifieren. Wer meine hier gegebenen
Beſchreibungen mit den vorhandenen vergleichen will, wird fin
den, daß die Autoren ſtets Charactere der Subgenera, Genera,
ja fogar der Subfamilien in ihre Diagnoſen und Befchreibungen
gemifcht haben. Bei Saunen eines Erdtheilg oder eines Lan:
des, in welchem häufig nur ein Typus eines Subgenus oder
Genus vorfommt, Eönnen foldhe höhere Chaructere nur den
Nutzen beingen die Formen ſchnell und fiher zu erkennen: allein
bey Schilderungen aller Glieder ganzer Familien zeigt ſich bie
Anordnnng ſolcher Charactere als ein grober Fehler und darf
durchaus nicht benutzt werden, weil daß Mefentliche der Art
hierdurch nicht hervorgehoben oder ganz vergeffen wird. Don
allen vorhandenen Befchreibungen der Falconidae hat mir feine
Genüge geleiftet und ich war genöthigt fie alle nach der Natur
noch einmal zu entwerfen. Swainfon fühlte ebenfalls das
Unzulänglihe der jesigen Beſchreibungen, indem er im einer
Notiz, Birds of West.-Afr. p. 120, fagt: Even some of
the best ornithologists pay so little attention to the va-
riations of structure, and pass over so many points ne-
cessary to be understood, that their descriptions are of
little service beyond informing us on the mere colours
* Richt vollftändig ausgewachſen.
— —
—
180
of the plumage. Those for instance, in the Pl. col. are
particularly defective in this respect. N
Sehr häufig wurden friiher und noch jegt fein unterfchiedene
Arten eines Subgenus, da fie gleiche Subgeneracharactere an
fih tragen, mit einander vermwechfelt, oder die eine oder die ans
bere für Elimatifche Varietäten erklärt. Mit der Annahme der
Subgenera fallen diefe Fehler von felbft weg und regen an, die
noch fehlenden Arten derfelben zu unterfcheiden oder aufzufuchen.
Mer die fümmtlihen Arten der wahren Sperber in allen
Farben und Alterskleidern ſich Wochenlang vor die Augen ftellen
und diefe prüfen Eann, wird finden, daß nicht alle meine Be:
fohreibungen in diefem Subgenus, mie in vielen andern fehler
frey find, und daß in den Befchreibungen der Arten fi immer
noch Kennzeichen finden, die in dem Character des Subgenus
ober Genus hätten bemerkt feyn müffen. Diefe Fehler wären
nicht vorgefommen, wenn ich das ganze Material fämmtlicher
europ. Mufeen mir vor. die Augen längeren Zeit hätte ftellen
Eönnen. Mein Material wurde auf Neifen zufammengetragen,
indem fein Mufeum ein Subgenus mit 5 Arten
in den Serual: und Altersverfihiedenheiten voll:
ftändig befigt.
5. Snbgenus,. Shwanzfperber — Urospiza Kaup.
Diagn. Flügelfpige ziemlich fang, mehr als $ der ganzen
FSlügellänge. Zweite bis 5. Schwinge an der Innenfahne aus:
gefhnitten. Der Schwanz ift förperlang und die Mittelzehe
ohne Nagel Eürzer als der gefchilderte Theil der Tarſe.
Befhreib. Die Arten diefer Abtheitung, die auf Neuhol:
land befchränft find, haben von oben ein afchblaugraues Gefie—
der mit dunfleren Federrändern und ein roftrothes von der Bruft
fi) hineinziehendes Halsband, welches an dem Slaumentheil
mehr oder weniger weiß gefledt ift. Alle unteren Theile, felbft
die unteren Schwanzdedfedern nicht ausgenommen auf weißem
Grunde mit unzähligen roftrothen Querbindchen. Die Schwins
gen von Innen zeigen eine ungewöhnlich große Zahl feymälerer
Binden, ebenfo der lange Schwanz.
Die jungen Vögel find wie alle Nisus- Arten oben ſchwarz⸗
braun mit lichteren Federrändern, der Kopf mit dunkleren Schaft-
fle&en. Die unteren ‚Theile auf roftgelblibem oder weißlichem
Grunde mit braunen Laͤngsflecken und ſchwarzbraunen, roth—
braun tingierten Duerbinden und Pfeilflefen.. Die Hofen find
mehr roſtroth oder roftgelb und ſchwaͤcher und verlofchener ges
bändert. Auf den Schwingen 2. Ordnung Spuren von Quer-
binden.
Die Drnithologen, welche fich die Mühe nehmen, die 3 Arten
diefes Subgenus in allen Farbenkleidern ſich neben einander zu
ftellen, werden mit mir finden, daß fie zu einer höchft natuͤrli—
chen Gruppe gehören und daß man die Arten, ohne der Natur
Gewalt anzuthun, nicht trennen kann. So ift der torquatus
nur im verkleinerten Maaßftab der eruentus und approximans
und wenn erfterer zum Genus Nisus unwiderruflich gehört, fo
find ficher auch die beiden andern hierher zu zählen, wenn auch
approximans ungewoͤhnlich groß und eruentus eine etwas Fürzere
Mittelzehe bat. Kennzeichen, wie eine Eürzere Mittelzehe, koͤnnen
ohne Verbindung mit anderen Characteren für ſich allein nicht
beftimmend feyn, den Nisus cruentus, ebenfo den approximans \
wegen den ftärferen Tarfen und feiner Größe zu Astur zu ver—
fegen, wie eg ©. Gray und Gould gethan haben. Wie
nothwendig es ift, alle Arten eines Subgenus zu Eennen, um
Li
- Zeichnung gröber.
181
fie richtig zufammen zu ftellen ‚ fieht man an Teinem: deutlicher
als an dieſem. In diefem Subgenug gibt torquatus den Aus—
ſchlag, und verweift eruentus und’approximans zu den Nisus-
Arten.
Die Arten ftellen ſich wahrſcheinlich, wie folgt:
1) fehlt,.2) torquatus, 3) eruentus, 4) ...... 5) approxi-
mans. \
10. Der Eleine neuholländifhe Schwanzfper:
ber — Nisus torquatus Cw. Pl. col. 43. 93.
Diagn. Don der Größe des Nisus communis. Schwanz
ſchwach gegabelt mit 14—15 Binden.
Befhreib. mas. Kopf dunfelfcyieferblau. Wangen und
Ohrfedern bläulihafchgrau. Das rothe Halsband an den Wur-
zeltheilen der Federn mit großen zahlreihen Fleden und Quer:
bändern von meißer Farbe, Die Bruftfedern zeigen auf weißem
Grunde 5 röthlihe Binden, die fchmäler find, als bey der fol=
genden Art, und bey welchen das Weiße ebenfalld noch ziemlich
breite Bänder bildet. Die Hofenfedern auf meißlichem Grunde
roſtroth gebändert. Bey dem Weibchen geht das Halsband nicht
über den ganzen Hals; die Farben find weniger lebhaft und die
Schwanz mit 14 ſchmalen Bändern. Die
jungen Vögel‘ zeigen einen weißen gefledten Streifen über dem
Auge, fonft eine Färbung, wie ich fie oben angegeben habe,
Dimenfionen: altes A — jung. — al.? — jung. 2
Kopf 41 — 4 — 43-45— 4
Schnabel 1 ° — 103 — 113-12— 12
oͤhe 9 — 9 — 10 — 10
Mundwinkel 5 — 15 — 20 — 20
Oberfluͤgel 134 — 131 — 1497 — ..,
Fluͤgelſpitze 3 — 74 — 3 Ua MR
Zarfe 57 — 60 — 64-66 — 64
Mitteljehe 3811 — 3349 — 8910 — 39410
Außenzehe 2249 — 23438 — 23410 — 27410
Innenzehe 14412 — 14+12 — 16+15 — 174 7
Hinterzebe 14+13 — 13412 — 15+15 — 15-17
1. Schwanzf. 162 1909157 "4707 =.
6. — 157 — 148 — 168 —
In Neuholland ſehr gemein. In feinem Subgenus nimmt
dieſer Vogel durch ſeine Kleinheit und ſchwach gegabelten Schwanz
den 2. Rang wie der Nisus fringillarius in feinem Subgenus
Nisus ein.
11) Der mittlere neuholländifhe Schwanzfper:
ber — Nisus eruentus Gould. Astur eruentus
Gould Austr. birds.
Diagn. Die mittleren Schwanzfedern Überragen die uͤbri—
gen. Zarfen 70—72; die, Mitteljehe ohne Nagel 34—36 Mm.
lang.
Befchreib. mas. Es gleicht dem vorigen; nur iſt es be:
deutend größer. Kopf, und Nacken dunfelfchiefergrau. Die
Wangen: heller afchgraus ı Die Flaumenhälften der. ‚Federn des
vothen Halsbandes mit einzelen weißen Flecken ohne weiße Bin:
der. An den Bruftfedern. herrſcht die roftrothe Farbe vor und
die, weißen Bändchen find bedeutend ſchmaͤler. Die Hofenfedern
auf helfroftfarbigem Grunde dunfelroftfarbig und fchmäler als
bey der vorigen Art gebändert,.. Schwanz mit 15 ſchmalen
Binden. Das Weibchen ift bedeutend: ‚größer, und ‚hat zahlrei—
here Binden auf dem Eleinen Gefieder.
Dimenfionen:
mas. —
Kopf 50 — 53454
Schnabel 15 — 17-19
Höhe 12 — 12-13
Mundwinkel 22 — 24
Oberfluͤgel 158 — 163
Slügelfpige 94 — 10
Tarſe 70 — 72
Mittelzehe 34+14 — 36-H15
Außenzehe 23412 — 27+13
Innenzehe 16416 — 2048
Hinterzehe 16419 — 21449
1. Schwanzf. 176 — 191
s — 186 — 200
Nach den Originalexemplaren des Herrn Gould beſchrieben.
Gemein in Neuholland.
12) Der große neuhollaͤndiſche Schwanzſper—
ber — Nisus approximans Pig. et Horsf.
Astur approximans Pig. et Horsf. Astur radiatus
et fasciatus Fig. et Horsf. Falco radiatus Temm.
pl. col. 123. (juv.) Gould Austr. birds pl.
Diagn. Das Meibchen von der Größe des männlichen
Astur palumbarius, allein ſchlanker. Die mittleren Schwanz:
federn überragen die übrigen, Tarſe 72—83, Mittelzehe
36—45 Mm. lang. Schwanz; mit 14—19 fehmalen ſchwar—
zen Binden.
DBefchreib. mas. Kopf trübblauafchgrau, Wangen. heller.
Rüden und Flügel nad hinten ſchwaͤrzüchbraun mit aſchgrauem
Anflug.
Das alte Weibchen zeigt das roftfarbige Halsband kaum an—
gedeutet. Kopf und Wangen find mehr ſchwaͤrzlich als aſch—
grau und an den unteren Zheilen find die fchwärzlichen Binden
mehr ald die roftfarbigen vorherrſchend. Die Hofen find voft-
farbiger als die der Männchen.
Die jungen Vögel find wie oben angegeben gefärbt. Bey
dem jungen Weibchen find die Flecken auf dem Kropfe größer
und runder und die unteren Xheile mehr braun. Der Schwanz
zeigt auf der unteren Anfiht 18—19 ſchmale Binden und eine
fhmale lichtere Endborde,
Diefe Art ift ebenfalls in Neuholland nicht felten. In bie-
ſem Subgenus fehlen noch 2 Arten, bie die Folgezeit entdecken
wird.
Dimenfionen mas.
— jung.mas. — 2
Kopf 54-55 — 52 — 60-62
Schnabel 15-16 — 16 — 20
Höhe 11-12 — 12 — 13
Mundwinkel 23-24 — 26 — 30
Oberfluͤgel 163 — 164 — 190-192
Fügelfpige 99 — 100 — 106-114
Zarfe 72 — 75 — 79-83
Mittelzehe 36416 — 387+14 — 42-417
Außenzehe 25413 — 24418 — 29-15
Snnenzehe 2019 .— 20+18 — 23-422
Hinterzehe 20+20 — 19419 — 29-+15
1. Schwanzf. 190 —. 186
6. — 201 — 198 — 230
183
- Dimenfionen: jung. lem. ungewöhnlidy groß.
Kopf 61 Mittelzehe 4518
Schnabel 20 Außenfehe 32-15
Hohe 14 Innenzehe 24-423
Mundwinkel 31 Hinterzehe 221.23
Oberfluͤgel 194 1. Schwanzf. 230
Fluͤgelſpitze 104 6. — 242
Tarſe 75
3. Genus. Stelzſperber — Geranospiza Kaup 1846.
Ischnoscelis * Strickl.
Diagn. Die Äufere Zehe bedeutend Fürzer als die innere.
Beſchreib. Kopf Elein — Schnabel geftredt, ſchwach, mit
geringer Andeutung eines ftumpfen Zahns. Zügel faft nadt
mit fehr kurzen Borften. Flügel’ ziemlich lang. Die 6. die
längfte und die 5. und 7. gleid lang. "Zweite bis 6. am der
Innenfahne ſchwach ausgefchnitten.
Die Tarſen ſind ſehr lang und duͤnn und die Mittelzehe
ohne Nagel geht über 2mal in die Länge der Tarſe. Aeußere
Zehe ungewöhnlich kurz und bedeutend kuͤrzer als die innere.
Man Eennt bis jegt nur ein Subgenus gleichen. Namens in
diefem Genus und deßhalb iſt anzunehmen, daß obige Charac=
tere modificiert werden müffen, im Fall noch andere Typen dies
feg Genus entdedt werden.
Die eine Art, die hierher gehört, zeigt Analogien mit dem
Gymnogenys radiatus und dem Gypogeranus nicht allein. in
der Fänge der Tarſen, Eurzen Zehen, fondern auch im Gefieder,
das weich und zerfchliffen, afchgrau und gebandert ift. Auch
mit den Circi — 3. Genus der Milvinae, zeigen fie durch den
Eleinen Kopf, afchgraues und weiches Gefieder, fowie durch die
ſchlanken Tarſen, Analogieen.
Ich vermuthe deßhalb, daß dieſer Vogel in dem Genus Ge—
ranospiza als Subgenus den 2. Rang einnimmt und vermu—
the mit mehr als Wahrſcheinlichkeit, daß er ein geſchickter Erd—
Läufer ift und vorzugsweife Amphibien frißt.
1) Der weihähnlihe Stelzfperber — Gera-
nospiza gracilis Temm. Falco gracilis et hemi-
dactylus Temm. pl. 91. und 3.
Befchreib. Schlank wie Circus eyaneus mit afchgrau-
blauem. Hauptgefieder, Schwarzen Schwingen und Schwanz.
Auf dem inneren Flügel ein weißer. Spiegel oberhalb den
Ausfohnitten, wie bey den Weihen. , Cirei und der Tachyspiza
soloensis.
Schwanz an der Wurzel mit 2 breiten von einander weit
abftehenden weißen Bändern, die einen grauen Anflug haben.
Ende des Schwanzes mit weißer Borde. (Diefe Zeichnung er:
innert an die Spilornis-Arten der Circaeten.)
Bauch und die Federn der Tibia mit Spuren von Binden.
Untere Schwanzdedfedern lohfarbig mit fchwärzlichen Schaft
fleden am Ende. Die oberen Schwanzdedfedern ſchwarz mit
lichtgrauen Säumen. Die Eleinen inneren Achſelfedern mit lich-
ten Saͤumen; die längeren weiß gebänbert.
Es gibt Individuen, deren ganzer Unterförper und deren innere
Achfelfedern weiß gebändert find. Die unteren Schwanzdedfedern
find, wie die Binden des Schwanzes feurigroftgelb. Sie zeigen
Spuren von dunfleren und lichteren Bändern auf den inneren
Schwingen.
* Bey den Cetoniae dur Herrn Burmeifter vergehen.
184
Boy einem Individuum mit roſtgelben Schwanzbinden ift
Kehle und Dberbruft nicht gebändert, fendern einfach afchgrau.
Die Individuen: dieferidrey‘ verfchiedenen Farbenkleider , wo—
‚von ich letztere für die der Jugend zu halten geneigt bin, zeigen
geringe Verſchiedenheit in den Dimenfionen.
Dimenfionen:. Einfach grau. — Durchaus gebaͤndert.
? fem.
Kopf 60 — 60
Schnabel 18 — 17
Mundwinfel 29 — 29%
Flügel 252 — 272
Tarſe 75 — 77
Mittelzehe 34 — 32
Außenzebe 11.0 — 15
Innenzehe 21 — 20
Schwanz 200 217
Dimenfionen: Bruft sah Bauch gebaͤndert.
Kopf 60 Mittelzehe 32
Schnabel 18
Mundwinkel 29
Flügel
Tarſe 77
Diefe Art lebt in Südamerica und ſcheint dort nicht felten
zu feyn.
Der Typus diefer Abtheilung ift fo abweichend von den uͤb⸗
tigen Genera der Aceipitrinae, daß er, ſich nothwendig als
Typus eines eigenen Genus abfcheiden muß, fobald man ver=
ſucht fie ſaͤmmtlich zu characteriſiren. Eine nicht ſtreng ver:
gleichende Anſicht Eann überhaupt Fein Urtheil abgeben, was
Genug, mas Subgenus ift- - ‚Eine generelle Ueberſicht erwirbt
man fih nur mit der Feder und dem ‚Zirkel in der Hand.
So geringfügig dem oberflächlichen Befchauer auch die verkuͤm—⸗
merte aͤußere Zehe erfcheinen mag, von; ſo hoher Bedeutung ift
fie mir, wenn ich diefelbe hohe Zarfe, eine ähnliche ſchwache und
kurze Aufßenzehe bey Circaëtus (3. Genus der Aquilinae),
bey Onychaetus (3. Subgenus der Aquilae) wiederfinde. Sehr
Eurze Dehen und fehr lange, hohe Zarfe, find ein ‚Kennzeichen
des Grallatorentppus, welches ſich am deutlichſten in den Gypo-
geranidae darſtellt. Cine verhältnigmäßig Fürzere Außenzehe
findet fich bey Meliörax eantans, 3. Subgenug von Astur,
bey Heteroaötus aguia, 3. Subgenus von Haliaetus, Poeci-
lopternis erythronotus, 3. Subgenus von Buteo. Diefe
Subgenera haben in ihrem Genus ebenfalls die hoͤchſten Tarſen
und zeigen noch die Analogie, daß fie ähnliche Zeichnung, nehme
lich fein gebanderte untere Theile und gebänderte Federn auf
dem Oberflügel haben. Wer da glaubt, daß alle dieſe MWieder-
fehrungen planlos in der Natur fich geftaltet haben, muß mit
völliger Blindheit gefchlagen feyn und kann nur denen verzie-
ben werden, welche die Natur gar nicht, oder nur aus Büchern
fennen. Indem Zeutfchland Fein Land. der Bilderwerke ift, am
wenigften für eine einzelne Wogelfamilie mit wiffenfchaftlichen
Bildern, mir daher das Mittel fehlt, recht anfchaulich auf meine
Kefer einzuwirfen ; fo habe ich nur: die befcheidene Bitte an alle
die, welche die Falken in der Mehrzahl befigen, daß fie fich die-
felben nach meinen Grundſätzen zufammen ftellen, um fich von
der Nichtigkeit meiner Behauptungen und der NatürlichEeit mei-
ner Combinationen überzeugen zu Eönnen.
Haben die Befiger und Vorſteher von oͤffentlichen Sammlun⸗
gen ſich dieſer Arbeit von einem Tag unterzogen, dann muͤßte es
traurig um die Vergleichungsgabe des Ordners ausſehen, wenn
Außenzehe 15
Innenzehe 21
Schwanz 200
is - =
er die Circi-ala :_ Bindeglied naͤchſt den Eulen, die fperberahnlie,
chen Arten des Subgenus Herpetotheres, Gymnogenys und
. erft die Arten befchreiben lernen.
Poliornis unter die Accipitrinae, Milvinae oder Buteoninae
ete, wieder ordnen wollte. ° Mit und ohne Hülfe meiner gege—
benen Charaktere würde er’ Subgenus von Genus unterscheiden
und die Subgenera paſſend in ihren Genera unterzuordnen ler
nen."
Anordnung der Falconidae unter die Augen fommen.
Alle Familien der Vögel nach meinen Prinzipien zu orbnen,
will ich zur Zeit noch Niemanden zu muthen, weil meine Prinzis
pien ſich in den Familien erſt bewaͤhren muͤfſen,
die an Arten am zahtreichften find, d.h. in ſolchen,
in welhen fih die größere Zahl der Axten erhalten
bat: Dan, wird mir, vielleicht verzeihen, ‚vielleicht ſogar nach⸗
ahmen, daß ich die Falconidae an die Spitze und die Vultu-
- ridae ans Ende der Rapaces placiere: allein daß ich. die Ra-
paces ‚von ihrem „feit einem Sahrhundert, eingenommenen Thron
herabwerfe und fie über die Natantes ftelle, dieß einzufehen, -ift
für einen gewöhnlichen . Ornithologen eine harte Aufgabe.
Miürde ich den) von mir mit Recht verfhmähten Irrweg
gehen und wollte ich die Unterordnungen duch analoge Formen
verknüpfen; drängte ich 3.3.) die’ Aquilinae ang Ende aller
Raubvoͤgel ſchloͤße ich dieſe Subfamilie mit den fifchfteffenden
und ſtoßtauchenden Haliadtus- und Pandion-Arten und ver—
bände ich ſo die Longipennes durch die Lestris-Arten mit
ihrem Hakenſchnabel, Wachshaut und Raubſucht mit den Ra—
paces; fo fönnte, ich. eher hoffen, daß. ih Nachnhmer, fände,
Von einer ſolch troftlofen Glaffificationsmethode habe ich mich
jedoch ſchon laͤngſt losgefagt, obgleich es von vielen Ornitholo—
gen als das hoͤchſte Ideal angefehen wird:
Allein daß ich jede Familie als ein freng und in fich abgefchlof:
ſenes Ganzes betrachte) Feine "Webergänge noch weniger
abirvende Arten — fondern nur analoge Formen
kenne; daß ich annehme, daß in jeder an Arten‘ zahlreihen
Familie die Grundformen ewig und nad feſten Gefegen fich
wiederholen mund. mathematiih die Familien, Subfamilien, Ge-
nera, Subgenera und Arten fich ſtellen laffen — dieß mird
noch fo lange Anfechtungen erleiden,’ bis die jegigen Zoologen
ihe ſyſtematiſches Wiſſen fallen Taffen und mit friſchem Muthe
Mit der richtigen Erfen-
nung diefer werden die Subgenera, durdy diefe die Genera
ufiv. erkannt:
1. Subg. Lophospiza. 2. Subg. Micronisus.
Ehe dies geſchieht, wird mit" leider noch mandye ſchlechte
3. Subg. Melicrax.
186
Die wird jedoch, nicht eher. gefchehen, „bis feinem! Ornitholo:
gen ein Urtheil über Syſtematik mehr. zuerkannt wird, der
ſich nicht durch) die gruͤndlichſte Bearbeitung irgend einer fehr
zahlreiben Familie 5. ®. Psittacidae, Muscicapidae, Sylvi-
dae etc. als bewährt erfunden hat. Selbſt in dieſem Fall
erwirbt er fih nur Über diefe Formen ein rechtskraͤftiges Urtheil
und muß ſehr beſcheiden auftreten, wenn er in anderen Familien
einen Autor bemaͤckeln will.
4. Genus. Habicht — Astur.
nisus G. ‚Gray.
Daedalion Sav. Micro-
Melierax) G...Gray.., Lophospiza
Kap. Leucospiza Kaup.
Diagn. Die Tarfen find robuſter und nicht fo ſchlank ale
bey den Nisus- Arten, und die Schilder derfelben find leichter
zu unterfcheiden. ' Die äußere Zehe iſt unbedeutend "länger als
die innere. "Der" Schnabel iſt Eur; und von ber Wachshaut
an gebogen.
Befhreib, Die Arten dieſes Genus weichen unter ſich
fehr in der Größe ab, dern es gibt, die an Größe die größten
Edelfalken übertreffen, allein auch folche, die in der Größe einis
gen Nisus-Arten nicht gleich kommen. Die Arten zerfallen in
5 leicht zu unterfcheidende Subgenerä, welche die eingeinen Ge:
nera der Subfnmilie Aceipitrinae wiederholen.
So repräfentiert Lophospiza (trivirgatus) durch Andeutung
einer Holle, zur Hälfte befiederte Tarſen, geſchuppte nir vor
den, Nägeln gefchilderte Zehen die Spizadten‘, mit welchen fie,
namentlih mit Spiz. cirrhatus ( cristatellus Se audy in
der Färbung Aehnlichkeit haben.
Micronisus mit feinen ſchwer zu tinterfäheisense Tarſenſchil⸗
dern repraͤſentiert durch die kleineren Formen, welche in dieſem
Subgenus auftreten, die Nisus-Arten. Es iſt dieß der Grund,
warum die Arten in der Regel zu Nisus gezählt (werden.
Melierax cantans ftellt durch Höhe ber Zarfem, Kürze der
Zehen Geranospiza vor.
Astur ift der eigentliche Typus des Genus.
Leucospiza vepräfentiert durch den. höheren, Schnabel Astu-
rina, bey welchen ebenfalls der höchfte Schnabel und faſt weiße
Totalfarbe bey dem tiefiten Subgenus vorkommt.
Um. die. Charactere beſſer vergleichen zu koͤnnen, ‚will-ich»bier
felben von den 5 Subgenera nebeneinander. ftellen. br
4. Subg. Astur: 5. Subg. Leucospiza.
Mit gerader Machs-
haut, Hinterkopf
mit Eurzer Feder
holte.
Fluͤgelfpitze fehr
kuürz 4 der ganzen
Klügellänge.
Zweite bis 6. Schwinge
an der Innenfahne aus:
geſchnitten.
Tarſe zur Hälfte
befiedert.
Zehen geſchuppt
mit 3-42 Sdildden
vor den Rägelm
DIſis 1817. Heft 3,
Mit grader Wachshaut.
Ohne Federholle.
Sıihgeifpige 4 der
ganzen Flügel-
länge,,
2. bi85. Schwinge
an det Snnenfahne
ausgefhnitten.
Tarfe am oberen ‚Stef
befiedert.
Zehen buchaus a j
dert.
513
Mit grader Wachshaut.
Ohne Tederholle.
an van Bm, aus⸗
geſchnitten.
Tarſen am oberen, %,
befiedert.
Zehen durchaus geſchil⸗
dert.
Mitgrader Wahshaut.
Ohne Federholle,
Tlügelfpise zwi:
(hen 4—4 der Flü>
gellänge.
Zweite bi8 6. Schwinge
an der Innenfahne aus:
geſchnitten.
Tarſen am oberen 4
befiedert.
Zehen durchaus geſchil⸗
dert.
12=
Mit bogenformiz
ger Wahshaut und
fehr. hohem ‚Schnabel.
Ohne» Sederholle.
Die Zlügellfpise
geht fa. 3%,imıdie
‚Slügellänge.
Zweite bis 6. Schwinge
an der Innenfahue aus⸗
gefchnitten.
‚ Zarfen am Ahepen 4
befiedert.
Zehen J— chil⸗
dert.
187
1. Subg. Lophospiza. Micronisus.
Mittelzehe fo lang als
der gefchilderte Theil ber
2. Subg.
Mittelzehe fo lang als
der gefchilderte Theil der
— —
3. Subg. Meliérax.
Mittelzehe
kuͤrzer als der ge—
188
4. Subg. Astur.
Mittelzehe etwas
kuͤrzer als der ges
5. Subg. Leucospiza.
Mittelzehe etwas
kuͤrzer als der ge—
viel
Zarfe. Zarfe, fhilderte Theil der fchilderte Theil der ſchilderte Theil der
1) trivirgatus. 2) monogrammicus. Tarſe. Tarſe. Tarſe.
3) gabar. 4) Rüp- 6) cantans. 7) palumbarius. 8)ra- 11) novae Hollandiae.
pellii. 5) badius. diatus. 9) Smithii.
10) unicinetus.
Soweit wir die Lebensart Eennen, find es alles fehr raubfüchtige und blutduͤrſtige Vögel.
1. Subgenus. Lophospiza Kaup 1813.
Diagn! "Hinterkopf mit kurzer Federholle. Fluͤgelſpitze fehr
Eurz, 4 der ganzen Fluͤgellaͤnge. Tarſen kurs, vobuft zur
Hälfte befiedert. Zehen fein, allein unregelmäßig gefhuppt mit
35—4 Schildchen vor den Nägeln. Mittelzehe fo lang als ber
gefchilderte Theil der. Zarfe.
Beſchreib. Das Männhen von dem Typus dieſes Sub⸗
genus hat die Größe des weiblichen Nisus communis, allein iſt
tobufter gebaut. Die Eurzen Tarſen zeigen an 10 Schilder.
Die Nüdfeite zeigt ein an den Kanten ediges Schild, welches
der Quere nah in 12—13 Schilder getheilt iſt. Die innere
und hintere Kralle find fehr ſtark. Hoſen wenig herabhängend,
faft anliegend.
Man Eennt nur eine Art, die in Oftindien lebt.
1) Der dreiftreifige Spizaetenhabiht — Astur
trivirgatus Reinw. Pl. col. 303. Astur indicus
fem. Hodgs. (nah Gray)
Befhreib: Kopf grauſchwarz, am Hinterkopf Eleine Zopf-
federn von 32 Mm.) länge.
Scheitelfedern nach der Ohröffnung hin, die Ohrfedern und
unter den Augen aſchgrau.
Kehle weiß, in der Mitte ſchwarz geſtreift und an den Seiten
ſchwarz eingefaßt. Kropfgegend und Bruſt roſtbraun. Unter
bruſt, Bauch und Hoſen weiß mit breiten ſchwarzen Bändern.
Die drey Bänder der einzelen Bruftfedern eigentlich rothbraun,
ſchwarz begränzt. Das legte Bändchen vor der Spitze ift
ſchwarz, am Rande roftgelblih. Untere Schwanzdedfedern weiß.
Bon oben fhwärzlihbraun, ohne Weiß an der Wurzel der
Schulterdedfedern. Obere Schwanzdedfedern faft ſchwarz mit
weißen Borden und lichter Querbinde in der Mitte.
Bon Innen zeige der Flügel die Eleinen Dedfedern weiß,
untegelmäßig ſchwarz gefleckt. Die Schwingen mit 3—4 breiz
ten ſchwarzen, weit von einander abftehenden Binden auf braun-
lichem oder. bläulichweißem Grunde,
Der Schwanz iſt graubraun mit drey breiten fchmwarzen
Düerbinden. Die Endbinde, welches die 4., ift lichtergrau braun
begrangt.
Das Weibchen mit weniger reinen Farben ift bedeutend größer.
Ein auf dem Feftland von Indien fowohl, als auf dem in-
difhen Archipel gemeiner Raubvogel, der mit dem Spizaetus
eirrhatus fowohl als mit dem Nisus virgatus Analogien, na=
mentlih in der Färbung zeigt.
ches Vaterland.
Dimenfionen: _ mas.
Kopf 47 Mittelzehe 32414
Schnabel 17 Außenzebe 20+11
Mundwinkel 27% Innenzehe 19-420
Oberfluͤgel 157 Hinterzehe 18+22
Flügelfpige 53 1. Schwanjf. 160
Zarfe 87 6. — 160
Mit beiden Arten hat er glei⸗
2. Subgenus. Sperberhabicht — Micronisus
G., Gray 1810.
Diagn. Flügelfpige 4 der Flügelänge. Zweite bie 5.
Schwinge an der Innenfahne ausgefhnitten. Zehen und Zar:
fen kurz — Mittelzebe ohne Nagel fo lang als der gefchilderte
Theil der Zarfe. Man kennt mehrere Arten diefer Abtheilung,
die im Alter an den unteren Theilen ein fehr fein quergebän-
dertes Kleid tragen.
Sie finden fih nur in den heißen Laͤndern der alten Welt.
Ich habe die Arten bis jest nicht richtig geftellt.
2) Der Gabar: Sperberhabiht — Astur gabar
Vaill. Ois. d’Afr.. pl. 33. Sparvius niger Vieill.
Gal. pl. 22. Falco Banksii, Temm. Accipiter eryth-
rorhynchus Swains. Birds..of West-Afr. p. 121.
Befhreib. Hellafchrau, am dunkelſten an dem vorderen
Augenwinkel u. den Obrfedern und am hellſten an der Oberbruft.
An Bruft und an allen unteren Theilen hat jede Feder 3—5
ſchwarzbraune Querbändchen, die auf den Hofen lichter und
mehr pfeilformig find. Obere und untere Schmwanzdedfedern
weiß; erftere nach dem Rüden hin zum heil ſchwarz, weiß
gebaͤndert. Schwingen 2. Ordnung mit. breitem weißem End—
faum; zuweilen haben auch die Dedfedern der Schwingen 2.
Ordnung weiße Borden. Die Schwingen ſind rothbraun,
ſchwarz gebändert, die hinteren oder legten: weiß gebaͤndert. Der
innere Flügelrand und die langen Dedfedern des innern ‘Flügels
gebändert, Die Schwingen find von Innen blaugrau und zei—
gen. 6. Querbander: ‚Von. oben. ift der: Schwanz mit 2—-3
ſchwarzen Querbinden und einem breiten Endbande verſehen.
Bon unten hat er 4—5 ſchmaͤlere Binden uf faft: weißem
Grunde.
Der weibliche Vogel zeigt auf der Dberbruft und'der Kropf:
gegend einen toftrörhlichen Anflug,
Der junge Vogel iſt wie bey Melicrax cantang von dem
alten fehr verfchieden gefärbt, denn der ganz Körper. ifE roftgelb
und braun. Der Kopf und Hals hat dunfelbraune Schaft:
fleden. Keble und Bruft hellroſtbräunlich mit ſchwarzen braus
nen Scaftfleden. Ale übrigen untern Theile weiß, mit roſt⸗
rothen Pfeilfleden. Dbere Schwanzdedfederh weiß, nach dem
Rüden hin dunkelbraun. " Das Eleine Gefieder des Flügels
ſchmutzig braun mit breiten roſtrothen Federrändern.
Die fhwarze Varietät (Sparvius niger) ift ſchwarz mit
lichteren Bändern auf den Schwingen. Sie lebt in. denfelben
Ländern, wo der gabar vorfommt,; und läßt fich weder im To—
talhabitus noch in ihren Dimenfionen von dem gabar unter:
ſcheiden.
Nach einer muͤndlichen Mittheilung des Herzogs Paul von
Wuͤrtemberg hat dieſer erlauchte Reiſende die ſchwarze Va—
rietaͤt im Waſſer ſtehend und fiſchend geſehen und will deßhalb
189
diefe Varietät als in der Lebensart verfchieden, als Art unter:
ſchieden wiſſen.
Le Vaillant und Swainſon geben dem Schnabel und
Züßen eine rothe Farbe, gleich dem Roth an den Füßen der
Haustaube.
Diefe Art iſt über ganz Africa verbreitet und nicht felten.
Eine fhöne Serie findet fih im Mufeum zu Frankfurt.
Dimenf. mas. — jung.mas., — alt,fem. — ſchwarz. fem.“
Kopf 46 — 3. — 8 — 47
Schnabel 13° — 12 — 15. — 15
Höhe 10 — 10 — 11 — 11
Mundw. 20 — 19 — 22 — — 20-22
Slügel 190 — . 183 — . 206 — 195-209
Zarfe 651 — 49 — 52 — 48-54
Mittelz. 2911 — 29411 — 30416 — 32-12
Außen; 20410— 20410 — 2141 — 2-+11
Innenz. 14412 — 14+12.— 17415 — 17+15
Hinterz. 14412 — 14412 — 14+17**— 144+15-17*
1.Schwsf. 132 — 134 — 154 — 146-148
6. — 166 — 166 — ——
3) Der Kehlſtreifige Sperberhabicht — Astur
monogrammicus Temm. Pl. col. 314. Swainson
Birds of West. afr. t. 4.
Diagn. Mit weißer Kehle, über deren Mitte ein ſchwarzer
Laͤngsſtreifen. Schwanz [hwarzgrau, gegen die Mitte mit
weißer Endborbe.
Befhreib. Aſchgrau. Die Murzel der Hinterhalsfedern
weiß. Die lesteren oberen Schwanzdedfedern weiß. Flügel
afhgrau — Schwingen 2. Ordnung ſchwaͤrzlich yebändert mit
weißem Saume. Flügel und Flügelrand von Innen blendend
weiß mit einzelen Zadenbändern auf den Schwingen. Nach den
Spigen zu find die Schwingen weiß oder hellafhgrau mit brei—
ten fhwärzlihen Binden, welche die Grundfarbe zuweilen als
große runde Fleden einfließen. Unterbruft, Bauch und Hofen
mit unzähligen fchwarzen feinen Querbinden. Untere Dedfedern
des Schmwanzes weiß.
Diefe Art weicht zumeilen individuell ab, daß die Schilder der
Tarſen und Zehen mehr oder weniger in Schuppen aufgeloͤſt find.
Im füdlihen Africa — Rüppell' erwähnt feiner’ nicht in
Nordafrica. In den Sammlungen nicht felten.
Dimenf. mas. — fem.
Kopf 66 — — 'Rarfe 7 — 48
Schnabel 17 — 20 Mittelzehe 28 — 30
Hoͤhe 12 -—— 13 Aufenzebe 18 °— 19
Mundwint. 28 — 30 ° Snnenzehe 16 — 48
Oberfluͤgel 140 — 157 1. Schwzf. 136 — 1447
Ftügelfpige’... = 756. — 1357 — 149
4) Der Rüppelifhe Sperberhabiht — Astur
Rüppellii Kaup:**,, Nisus sphenurus Rüppell.
Abyfſiniſche Wirbelthiere — Syſtem. Ueberf.. Zaf. 2. mas.
Aceipiter brachydactylus Swains. West. -Afr. Birds
p- 118. mas. et fem. 1837.
Diagn. Mit unzähligen" roſtrothen Bändchen auf allen
unteren 'Theilen. _ Tarſen 423—44: Mm. lang. -
* Bon Circus cinerascensbefhreibt Here Schlegel ebenfalls
eine ſchwarze Varietaͤt.
*WMonſtroͤs lang.
** Der Name sphenurus kann nicht bleiben, indem bey dem
190
Befhreib. mas. Aſchgrau. Wangen heller. Kehle röth:
lichweiß mit einem verlofchenen afchgrauen Laͤngsſtreifen in der
Mitte. Alle unteren Theile und die inneren Achfelfedern mit
unzähligen roſtrothen Bändchen, indem jede Feder 4-9 Quer:
ſtreifen hat. Untere Schwanzdedfedern weiß.
Flügel von Innen mit ifabellfarbigen Innenfahnen nach der
oberen Hälfte hin. Hinter den Ausfchnitten längs der Schaͤfte
[hwarzbraun, nach den Fahnen hin graublau mit 3—8 ſchma—⸗
len: ſchwarzen Bändern, die nach dem Schafte hin. zufammen-
fließen. Schmanz mit 6—8 Binden; die äußere Feder, wahr:
ſcheinlich noch eine des Jugendkleides zählt 11—12 verlofchene
nn und hat die Außenfahne unregelmäßig roſtroͤthlichbraun
gefledt.
Das alte Weibchen ift größer, faft: ganz gleich gefärbt. Das
unter dem Namen; polyzonoides im brittifhen Mufeum be=
findlihe Weibchen hat die innere Anficht der Flügel mehr weiß
und einen etwas feineren Schnabel als dad Männdyen.
Der junge Vogel ift braun, hat eine weißliche Kehle und
deutlihen ſchwarzen Streifen längs der Mitte. Die Kropfger
gend hat: Längsfleden und die übrigen unteren Theile breite
Querbaͤnder und herzförmige Fleden auf jeder Feder. Die äu-
fere Schwanzfeder hat 10, die übrigen 6 breite Bänder und
eine roftgelbliche Endbinde.
Dimenfionen: mas. — fem.
Kopf 40 — 43
Schnabel 11-12 — 12
Höhe 1,80
Mundwinkel, 16-18 — ‚19-20
Dberflügel 130 — 131-134
Flügelfpiße 67 — 68-74
Zarfe 40 — 424—43
Mittelzehe 25-234+-t — 28+10
Außenzehe 17+9 — 18-2049
Innenzehe 15413 — 15412
Hinterzehe 13413.. —., 13413
1. Schwanzf. 150 — 147
6. — 165 — 157-162
Diefe Art ift Über ganz Africa verbreitet, allein. bis jegt in
Mufeen nody felten. Mit der folgenden fehr nahe verwandt.
5) Der Indiſſcche Sperberhbabiht — Astur
badius Gmel., G. Gray. Falco Dussumieri Tenm.
pl. col. 308. 336. Falco manilensis Meyen.
Diagn. Von der Kehle aus über: alle untere. Theile mit
unzähligen roſtrothen Bändchen. , Zarfe 48—57 Mm. lang. ’
Rüppellfhen Individuum die Schwanzfebern wie. die Schwingen im
vollen Wachſen begriffen find. Wären fie vollftändig ausgewachfen, fo
wäre der Schwanz nicht mehr noch weniger Erilförmig, wie bey allen
andern. Auch ift bereits diefer Name von Vieillot bey Haliactus
eanorus verwendet. Die zwey andern Benennungen find ebenfalls
nicht bezeichnend, da, fammtliche Arten. mehr oder weniger fein gebän-
dert find und die Eurzen ‚Zehen aufzumeifen: ‚haben. . Den Samen
brachydactylus trägt ohne dieß fchon der Circastus gallicus, _Die
Benennung polyzonus ift von Smith irrig für dad Altersfleid von
Nisus tachiro und von Rüppell für das Männdien von Astur
cantans angewandt. Da ber Name:polyzonus deßhalb nicht blei—
ben kann, fo ift auch der Name polyzonoides unbrauchbar. Sch
ſchlage deßhalb obigen Namen vor, deſſen Beſitzer diefe Art zuerft. ber
fchrieben hat. E
191
Befhreib. mas. Lichtblau afhgrau — -Zügelfedern gelb:
lichweiß. Wangen roͤthlichaſchgrau. Das Roftrothe der Kehle
zieht fih als Fleck feitlih in den Hals hinein. . Die feitlichen
oberen Schwanzdedfedern an den Außenfahnen ſchwaͤrzlichgrau
gebändert. Schwanz aſchgrau, die mittleren. faft: einfarbig, die
folgenden mit 5 breiten fchmwarzen Binden... Die. Aufere hat
gegen 8 mehr verlofchene. Vor der fehwarzen breiten Endbinde
ein weißlicher Saum.
Bon unten iſt die Kehle weißlih mit. der Spur eines grauen
Längsftreifens in der Mitte, Alle übrigen unteren Theile weiß
mit unzähligen roſtrothen Binden. Die Hofen mit Spuren
von Binden. Die unteren Dedfedern, wie gemöhnlich , weiß.
Der Flügel von Innen mit hellroſtgelben kleinen Deckfedern,
die dunkler roſtroth gebandert find. Die Schwingen an den
Innenfahnen voftgelblih mit 6—8 ſchmalen ſchwarzen Binden.
Hinter den Ausfchnitten bläulichweif.
fem. Mit undeutliherem ſchwarzen Kebfitreifen und mehr
bräunlichen oberen Farben. Die aͤußerſte Schwanzfeder hat an
10 ſchmale und. deutlihe ſchief nach hinten gehende Binden,
Das Roftroth, welches fih in den Hals hineinzieht mit Aſch—
grau. Der junger Vogel, ähnlich den Sperbern gefärbt, "zeigt
auf der Mitte der weißen auf beiden Seiten dunkel eingefaßten
Kehle einen ſchwarzen Streifen. Der Schwanz ift afchgrau
‚mit 4—5 fchwatrzen Querbinden , auf den: Auferen 6—7.
Das junge Weib zeigt 8 Binden auf der äußeren Schwanz:
Feder.
Diefer in Oftindien höchft gemeine Vogel zeigt die meilte Ver—
wandtfchaft mit dem vorhergehenden. Das brittifhe Mufeum,
fowie das Indienne house zeigt vollftändige Serien.
Dimenf. mas. — fem. Zarfe 48 — 57
Kopf 15 — 49 Mittelzehe 30-12 — 31
Schnabel 13 — 14 Außenzehbe 20-11. — 22
Höhe 11 — 11 Innenzehe 15415 — 16
Mundw. 21 — 21 Hinterzebe 14416 — 14
Oberflügel 125 — 1352-137 1. Schwif.. 147 — 152
Fluͤgelſpitze 60. — 69 Kin 150 — 156
3. Subgenus. Stelgbabidht — Melierak
G. Gray 1840,
Diagn. Die Mittelzehe ohne Nagel; geht uber zweimal in
die Lange der Zarfen.
Beſchreib. Man kennt big jest nur eine Art, die im
Alter mit unzähligen feinen Querbändchen auf den unteren
heilen und auf dem Eleinen Gefieder des Flügels verſehen iſt.
Die Flügel zeigen im Alter auf der Innenfeite Eeine Binden
und auf dem Eeilformigen Schwanze verwaſchene. Das Zu:
gendEleid weicht fehr von den meilten Asturen ab, indem es
keine ſchwaͤrzlichen Schaftfleden auf den unteren Theilen zeigt;
fondern es ift daſelbſt mehr einfarbig aſchgraubraun und an den
Seiten, den Hofen und. den. unteren Schwanzdeckfedern mit lich:
teren Binden. Das JugendEleid zeigt: an den Flügeln zadige
Binden Die eine Are ift die von Vaillant zuerft befchrie:
bene eantans, der über ganz Africa verdreitet ift.
Sie, zeigt in. ihrer Färbung „Analogien mit dem Haliaätus
aguia und dem Buteo erythronotus, dem Thrasaätushar-
By, Asturina nitida, die ebenfalld in ihren Genera die’:
tellung als Subgenera einnehmen, oder den Accipitrinae
angehören.
‚
5) Der fingende Stelzhabicht — Astur cantans
Vaill. Ois. d’Afr. t. 27. Falco musieus Daud.
Nisus polyzonus Rüpp. Fauna Abys. t. 15. fig. 1. mas.
Befchreib. mas. Von oben bellafchgrau wie Circus'eya-
neus mit zuweilen dunfleren Wangen und dunkleren Schulter—
federn. Die Außeren oberen Schwanzdeckfedern weiß “mit
9--13. fchmalen, zackigen, ſchwarzen, pfeilförmigen Bändern.
Schwanz ſchwarz, an der Wurzel’ weiß und weißer: Endborde.
Die mittelften faft einfarbig. Der ganze Flügel mit Ausnahme
der einfarbigen Eleinen Achfelfedern und der 3—4 lebten Schwin⸗
gen 2. Ordnung weiß mit unzähligen afchgrauen Zickzackſtreif—
chen. “Zweite bis 7. Schwinge an der größeren unteren" Hälfte
ſchwarzbraun, an der oberen Hälfte wie die übrigen Schwingen
fein afchgrau geftreift. Innere Achfelfedern weiß mit unzählis
gen Zickzackſtreifen. = !
Von unten ift das Kinn gelblihweiß, das uͤbrige Gefieder
bis zur DOberbruft afchgrau; Bruſt umd das übrige Gefieder
weiß, jede Feder mit 9—19 dunkelaſchgrauen faft ſchwaͤrzlichen
pfeilförmigen zadigen Querbinden.
außerften Schwanzfedern 3—4 dunkele, verwäfchene, ſehr unre—
gelmäßige, ſchwer zu unterſcheidende Schwanzbinden. Die 4.
iſt faſt ſchwarz mit 8 lichteren Binden.) Die 5. und 6. iſt
faſt einfarbig und wie die übrigen mit weißer Borde, die zuwei—
len. an der 5. und 6. fehlt. Das Weibchen iſt $ größer und
gleicht dem Männchen in ber Furbung, rate
Das Jugendkleid ift von oben roftgelblichbraun mit ‚dunkle
ten Flecken auf den Nacken. Die Eleineren Slügeldedfedern mit
weißlichen roſtgelblich angeflogenen, verwafchenen Rändern,
Schwingen 2. Ordnung bräunlich-mit verlofchenen Binden und
weißen Borden. Obere Schwanzdedfedern weiß mit roſtfarbi—
gen, durfelbegränzten pfeilförmigen Duerbinden. Schwanz braun
mit 3. Binden und fchwarzer iſabellfarbig bordierter Endbinde,
Von unten ift die, Kehle abgegränzt weiß mit. ſchmalen ſchwarz—
braunen Schaftfteichen. ‚Die Bruſt iſt roftbraun mit. ſchwarzen
Schaͤften; alle übrigen Xheile weiß mit roftbraunen Querbinden.
Der Schwanz ift von unten weißlih mit 4 fchmalen ſchwarzen
Binden vor der ſchwaͤrzlichen, weiß bordierten Endbinde. N
Ein: anderer: junger männlicher Vogel, von Herrn Dr. Nüp-
pell aus Nordafrica mitgebracht, ‘zeigt. die, Kehle breiter gefledt,
die Bruft, Seiten und Hofen ſchmutzig lohfarben oder. roftfars
big mit einzelen weißlichen, verſteckten Sleden.. Die oberen und
unteren-Schwanzdedfederm ‚find braun und fhwarzbraun einge=
faßt und der Schwanz traͤgt auf mebr lohgelblichweißem Grunde
breitere Binden. Un diefem Vogel kommt am der Kehle, Bruft
und Hofen das gebänderte Kleid des alten Vogels hervor, und
ich ‘glaube daher, daß diefer Vogel das Kleid des 2. Jahres
trägt und der junge Vogel nicht gleich nad) der erſten Mauſer
das Kleid des alten Vogels erhält, fondern erft nach ber
3. Maufer. i 118
An einem jungen Weibchen von Cap, durch Heren v. Lud⸗
wig dem Frankfurter Muſeum uͤberſandt, find die Federn des
ftändigen Kleides theilweiſe ſchon vorhanden. Es zeigt eine
dunklere Kehle und der Schwanz auf der Unterſeite 5—6 un⸗
regelmäßige nach unten. dunkler. begrängte Binden,
In verfchiedenen Sammlungen. fah ich. Individuen, ‚deren
Tarfenfchilder eigenthuͤmlich wuchernd verunftaltet waren. Sch
halte diefe Wucherungen hervorgebracht" durch Biffe vonugiftigen
Schlangen, was die nähere Beobachtung der Lebensart erweiſen
wird. Weder Vaillant noch Ruͤ ppell erwähnen zwar, daß
Bon unten zeigen die
193
er fi von Amphibien ernähre: allein feine fpftematifche Stel-
lung als Subgenus, feine hohen Zarfen, kurzen Zehen, machen #3
toahrfcheintich, daß er ein gewandter Erdläufer und Schlangen⸗
freſſer iſt.
Nach Vaillant hat er zur Zeit der Liebe eine angenehme
Stimme, die jedoch Herr Dr. Ruͤppell nie gehört hat.
Dimenf. Alt. Maͤnnch. jung. Maͤnnch. — jung. Maͤnnch.
s im 1. Sabre. ‚ im 2, Sabre.
Kopf 63-70 — il — 67
Schnabel 18-19 — 17 — 18
Hoͤhe 14-15 — 14 — 14
Mundw. 31-32 — 31 — 31
Flügel 295-301 — — — 309
Tarſe 76-86 — 82 — 86
Mittelzehe 37-4017 — 4045 — 4417
Außenzehe 29419 ..— 27-3. — 27416
Innnenzehe 23420. — 21417. — 231+21
Schwan; 201-210 — 206 — 209
Dimenſ. At, Weibch. — jung. Weibch. im Ueberg. z. Alt.
Kopf 79-81 = 77
Schnabel 22-23 — 22
Höhe 16 — 16
Mundw. 40-41 — 40
Fluͤgel 373-385 — 372
Tarſe 103-104 — 108
Mittez. 46248 FP21 — 43-421
Außenz. 32-36-4+15-17 — 29-19
Innenz. 26-+26 — 26427
Schwanz 251-254 — 266
Dieſe Art iſt über ganz Africa werbreitet; die Ruͤppellſchen
Eremplare, welhe ſich jest noch im Stanffurter Mufeum
befinden, find. lauter Männchen. Zufällig find, alle Individuen
vom Gap durch Herrn v. Ludwig in. derfeiben Sammlung
lauter Weibchen. Die von Dr. Rüppell mitgebrachten Weib—
chen wurden als dem gemeinen cantans angehörig vor der
Ruͤckkehr diefes Reiſenden vertaufcht und nur von der vermeint-
lichen neuen Art — polyzonus, welches die Männchen von
eantans find, in ber gehörigen Zahl zuruͤck behalten.
4. Subgenus. Wahre Habicht, Astur * Briss. Lac. Bechst.
Daedalion Sav. zum Theil.
Diagn. Filügelfpige zwifhen % und 3 der Flügellänge,
Mittelzehe etwas Länger als der gefchilderte Theil der Zarfe.
Befhreib. Diefe Gruppe enthält die Eraftigften Arten des
ganzen Genus, melde an Größe dem Kolkraben gleichkommen,
allein durch den längeren Schwanz und breiteren Körperbau noch
größer erfcheinen. k
Die europäifche Art Eann auf die Jagd von Vögeln abge
richtet werden, allein ihr unbändiger Character und daß fie von
ihren Krallen einen feindlihen Gebrauh macht, erſchwert ihre
Abrichtung fehr.
Sie haben eine fehr mordgierige Natur, einen fchnellen, meift
aradausgehenden Flug, ohne viele fihtbare Flügelberwegungen.
Shre Nahrung nehmen fie meift aus den zwey höheren Thier-
Elafjen und fangen die Vögel ſowohl fliegend als figend. Mei-
* Aster, nicht Astur, kommt in der Botanik vor. Swainſon
ſchreibt irrig Aster. Es ift deßhalb Fein Grund. vorhanden, diefen
alten Namen zu ändern.
Iſis 1847. Heft 3,
— ——
194
fteng jagen ‚fie hühnerartige Vögel, allein verfchmähen aud) die
Eleinften nicht. Der Auerhahn wie der Eleinfte Finke blutet
anter ihren furchtbaren Krallen. Obgleich, ſehr ſcheu, fo fegen
fie doc beym Verfolgen ihrer Beute öfters die Sicherheit ihres
Lebens aufs Spiel. Sie verhalten ſich in. fpftematifcher Hin:
fiht zu den Eleineren Nisus- Arten, wie die wahren Falken zu
den Tinnuneuli.
7) Der gebänderte Habicht, Astur palumbarius L.
Naum. t. 17. mas. t. 18. juv. mas. Falco atricapillus
Wis. V1. 52.3. F, regalis Temm. pl. col 495.
Diagn. Im Alter, auf den unteren Theilen weiß, fchwarz
gebändert,
Befchreib. Oben dunkelblau afchgrau cder bräunlih, von
der. Stirn zieht fich über.die Augen zum Naden ein weißer,
ſchwaͤrzlich gefledter Streifen, der fih am Naden verbreitet.
Die Federn des Nadens an der Wurzel blendend weiß, Alle
Federn der unteren Theile, mit Ausnahme der unteren meißen
Dedfedern des Schwanzes, weiß mit 3-bis 8 fchwarzen Quer-
binden, die eine mehr oder minder breite und pfeilfürmige Ge-
ſtalt haben.
Das alte Männchen zeigt einen faft fchwarzen oder dunkel
fhiefergrauen Kopf und Ohrfedern. Der Schwanz ift von oben
faft einfarbig fchiefergrau mit etwas dunklerer Endbinde, die
eine weißgraue Borde hat. Bey ausgebreitetem Schwanze fieht
man die Binden auf den 4 äußeren Schwanzfedern, die jedoch
meiſt undeutlid und verfloffen find. Um und zwifchen: den
Binden ift die Innenfahne auf braͤunlichem Grunde gelblich
marmoriert.
Das alte Weibchen zeigt außer der bedeutenderen Groͤße
braͤunliche dunkel geſtreifte Ohrfedern und die Schwanzfedern
find wie in der Jugend gezeichnet. Der Schwanz zeigt 5 bis
6 pfeilförmige breite fchwarze Binden, die-an ihren Raͤndern
gelblich eingefaßt find.
Der junge Vogel ift oben ſchwarzbraun mit lichteren roſtgel—
ben Federrändern. Die ſchwarzen Binden des Schwanzes find
ſehr zierlich, wie bey dem alten Weibchen, lichter begraͤnzt. Alle
unteren Theile roftgelblih mit ſchwarzbraunen gegen die Spigen
breiter werdenden, tropfenartigen Schaftfleden.
Unfer Habicht ift ein tollfühner Vogel, von dem man Bey:
fptele 'hat, daB er Tauben durch Fenfterfcheiben jagte, wobey ihn
nur das Geklitr der zerbrochenen Scheiben. abgehalten hat, fie
weiter zu verfolgen... Herr Oberforftmeilteer von Kettner,
Befiger einer fehr reichen ornithologiſchen Sainmlung zu Gerng-
bach bey. Baden erzählte mir zwen Benfpiele feiner Verfolgungs-
wuth und. Gefräßigfeit, die ich zu merkwürdig finde, um fie
bier. nicht zu erzählen. _,,Sch befand mid) im Hofe eines in
der Mitte des Maldes gelegenen Forſthauſes, als ploͤtzlich ein
Auerhahn fih in den Hof flürzte und halb liegend, halb. lau=
fend einer, Hundehütte zueilte, um ſich darinn zu verbergen ;
Hinter, ihm nad) ftürzte fich ein Habicht ebenfalls in die Hun-
dehuͤtte, wo beide ergriffen wurden.“
Derſelbe Beobachter ſah eines Tages auf einer Foͤhre, etwa
300 Schritt von ihm entfernt, einen Auerhahn ſtehen, auf den
er ſogleich mit einem Gefaͤhrten Jagd zu machen beſchloß. Als
ſich beide Schuͤtzen beredeten, wie ſie ihn am beſten beſchleichen
koͤnnten, ſahen ſie zu ihrem Leidweſen, wie ein Habicht ſie die—
ſer Muͤhe uͤberhob, der wie ein Pfeil auf den Auerhahn ſtuͤrzte
und mit ihm in die jungen Tannen herabpurzelte. Die beiden
Schuͤtzen eilten, ſo weit es ihnen die Localität erlaubte, nach
13
195
dem Morbplage, um menigfteng den Braten des Auerhahns zu
retten, allein Eamen bereits zu fpät, fchoffen zwar den Mörder,
altein fanden den Auerhahn bereits zerfleifht und größtentheils
aufgezehrt.
Shr Pieblingsaufenthalt find waldige Gegenden, diefe mögen
eben oder bergig fern. Wenn fie ruhen wollen, fo gelchieht
dieg im der Mitte der Bäume und nie auf den Spiken ders
felben. Ruhend ſehen fie ſehr budelig aus, indem fie den
Ruͤcken kruͤmmen, den. Hals einziehen und, den zugefpisten
Schwanz; nicht ſenkrecht, ſondern mehr nad: hinten richten.
Ihre Beute verzehren fie meift da, wo fie diefe gefangen haben,
fonft tragen fie diefelbe in das dichteſte Gebüfch oder hinter eine
Feldhecke, wo fein ungebetener Schmaroger es wagt, ſich ihnen
zu nahen. Sie bauen auf hohe Bäume und legen 3 bis 4
Eyer von der Größe der der Hühner; fie find jedoch runder und
geobfchaliger als diefe, find zuweilen voftbraun gefledt, zumeilen
ohne Fleden.
Dimenfionen: mas. — fem.
Kopf 74 — 78 Tarſe 76 — 86
Schn. 26 — 26 Mttlz. 46-418 — 51—20
Höhe. 17 — 19 Außnz. 33415 — 36417
Mw. 35 — 38 Snnenz.29-+26 — 29-430
Df. 196 — 238 Hinterz. 26-427 — 30-430
Flſp. 115 — 127 Schwz. 228-237 — 290
Diefe Art kommt, Neuholland ausgenommen, in der ganzen
Melt vor. Bon gleicher Färbung, mit dem feinen gefperberten
Kleide, wie die nordamericanifche, fieht man Cremplare aus
Indien im brittifchen Mufeum. Ob ſich daher der atricapıllus
als climatifche Varietät oder Art unterfcheiden läßt, muß die
Zukunft und genaue Meffungen an vielen Eremplaren ent:
ſcheiden.
8) Neuhollaͤndiſcher Habicht, Astur radiatus
Lath. Gould. Lath. Ind. Suppl. XII. Genera Syn.
Suppl. IL. t. 121. Gould Birds of Aust, XIII. 2.
Aceipiter radiatus G. Gr. im beit. Muf. Haliaetus
Calei Fig. et Horsf. Linn. Trans. XV. 186.
Diagn. Mittelzehe 55 bis 69 Mm. lang, Dben ſchwarz⸗
braun mit feurig toftgelben Feberrändern.
Befhreib. Oben fhwarzbraun mit feuerig toftgelben Fe—
derrändern. Der Nacken fchwarzbraun und mit einigen Federn,
die mehr zugeſpitzt und etwas verlängert find. Die Schwingen
mit aſchgrauem Anflug. Die Schwingen 2ter Drbn. mit 4
untegelmäfigen ſchwarzbraunen Binden. Die innere Anficht Des
Flügels zeigt die Schwingen vor den Ausfchnitten auf bläulic)
granem oder ſchmutzig gelbem Grunde grau gemäffert und big
zur Spitze mit 6 bis 8 breiten Binden verfehen, die mehr oder
weniger deutlich find. Die Schäfte der Schwingen und des
Schwanzes von oben f[hmwarzbraun, von unten mweißlih. Die
längften Dedfedern des innern Flügels find afhgrau mit ſchwaͤrz⸗
lichen Quer: und Kängsfleden. Die längften oberen Dedfedern
des Schwanzes find in der Mitte afchgrau oder helftoftgelblich
und an der Wurzel mit 2 bis 3 unregelmäfigen Binden.
Alle unteren Theile feuerig voftroth, an der Kehle Lichter.
Kehle, Bruft, Bauch und die inneren Dedfedern des Flügels
mit ſchwarzen fchmalen, nad unten zugefpisten Schaftfleden.
Der mehr afchgraue Schwanz mit 8 bis 10 fehmalen und
weit von einander abftehenden Querbändern. Junge Schwanz:
federn zeigen einen lichteren Endrand, ohne ſcharfe Begränzung.
5 196
Das Weibchen unterfcheidet fi nur durch ſtaͤrkere Dimen:
fionen.
Diefer fchöne bis jegt in Sammlungen höchft feltene Habicht
ſteht dem palumbarius an Kraft nicht nad) und dürfte ihn,
nach feinen fürchterlihen Krallen zu fchließen, an Kühnheit und
Mordfucht leicht übertreffen.
Ich Eenne nur zwey Eremplare der Gouldifchen und ein
Exemplar im beittifchen Mufeum.
Astur radiatus Lath.
Dimenfionen: mas. fem. Tarſe 76 — 86
Kopf.le65 rer 7 Mit. 5521 — 69424
Schn. 21 — 37 Außnz. 33+15 — 45-19
Höhe 15 — 19 Sun. 29428 — 39-425
Mw. 30 — 88 Hutrz. 25430 — 35-438
Obrfl. 196 — 2383 1. Schwif. 218 — 255
dm. 115 — 127 6. Schwif. 210 — 255
9) Der fhwarze Habiht, Astur Smithii Kaup.
Aceipiter melanoleucus * A. Smith. S. Af. Quart.
Journ. 1830. 229. Il. of. S. Afr. Zool. t. 18.
Diagn. Schwarz.
Befchreib, Alter Vogel. Schwarz mit fchwarzbraunen
Fügeln. Die. Federn des. Kopfs, des Nadeng und der Kehle
an der Wurzel weiß. Die Scapularfedern. fo wie die Bruſt
mit verdeckten weißen Bändern und Fleden. Der Schwanz
von oben mit 4 dunteln Bändern vor dem breiten Endbande.
Bon unten ift der Schwanz filbergrau mit. weißen Sleden.
Die Schwingen von Innen haben auf voftgelblihem oder afch-
grauem Grunde 3 bis 4 Bänder.
Der junge Vogel hat die oberen Theile roftbraun mit roſt—
gelben Federrändern auf Kopf und Hals und dem ſchwarz ge:
ftreiften Backenſtreifen. Die Kehle ift roftgelb, in der Mitte
mit ſchwarzen Kängsitreifen. Kropfgegend mit breiten, Geiten
mit fehmäleren Schaftftrihen, Bauch und untere Schwanzded-
federn ungefledt. Hofen nach oben hin mit roſtrothen Feder—
rändern. Auf den Schwingen roftgelbe Flecken und roftgelbe
Binden an den Schwingen 2ter Drdn. Schwanz oben mit 4
pfeilfoͤrmigen roſtgelb eingefaßten Querbändern und licht roftgelb
eingefaßter Endbinde.
Diefer Vogel ift einer der vielen, die U. Smith am Gap
entdeckt hat.
Beide Vögel des brittifhen Mufeums find von einerlen Sexus,
mwahrfcheinlih Männdyen.
Dimenfionen: Alt, — Sung.
Kopf 68 — 69 Flügelfpite ‘109 - - 109
Schnabel 21 — 28 Xarfe 76 — 78
Höbe 16 — 16 Mittelzehe 50 — 52
Mundwinkel 34 — 34 1. Schwanzjf. 225**— 239
Dberflügel 233 — 237 6. Schwanzf. 242 * — 266
® Da ich jede Familie als. ein in ſich Ganzes und Abgefchleffenes
betrachte, fo follte feine Benennung an mehrere Arten verſchiedener Ge—
nera, gegeben werden. Wir befigen bereits in der Familia Falconidae
einen Circus melanoleucus und einen Haliaetus melanoleucns (aguia)
und da dieß leicht zu Verwechslungen Veranlaſſungen gibt, fo habe ich
die obige Benennung geändert, Das nämliche Verſehen des Seven
Smith findet ſich bey den Strigidae, daher es wünfhenswerth wäre,
daß er felbit den Namen umändere,
“" Beide Federn nicht völlig ausgewachfen.
197
In das Subgenus Astur gehört noch der Falco unieinetus
Temm, Buteo Harrisii . Audub., der mit dem Craxirex
gallapagoensis Gould. ein: und ‚derfelbe Vogel zu ſeyn ſcheint.
5. und Jeßtes Suhgenus., Buſſardhabicht — Leucospiza
Kaup 1843.
Diagn. Mit bogenfoͤrmiger Wahshaut und. auffallend
hohem Schnabel. Mitrelzehe etwas kürzer. als. der gefdyilderte
Theil der Zarfe.
Beſchreib. Man kennt nur eine Art, die in der Jugend
oben hellaſchgrau, unten weiß mit verloſchenen grauen. Querbin⸗
den verſehen iſt; im hoͤheren Alter iſt ſie blendend weiß.
10) Der weiße Buſſardhabicht, Astur Novae
Holandiae Gmel. Falco albus Shaw. Jard. et
Selby. Il. Orn. t. 1. Gould. Austr. birds XI, 1.2.
Astur Raii Horsf. et. Vig. (juv.)
Befhreib, Altes Männchen -blendend weiß mit hochgelber
Wachshaut und Füßen, hochrother, brauner oder. gelber Iris.
Das Weibchen ift bedeutend größer,
Sunger Vogel. Oben helfafhgrau, unten weiß, auf ber
Bruft, ter Kropfgegend und den Seiten mehr oder minder
mit breiten afchgrauen Binden oder Pfeilfleden. Innere An:
fiht der Schwingen mehr oder minder deutlich gebändert, «oder
hinter den Ausſchnitten weiß mit aſchgrauen Schwingenfyigen.
Schwanz mehr oder weniger deutlich gebändert. Die aͤußere
Schwanzfeder zeigt zumeilen an 13 Binden.
Gould und andere fchen den alten Vogel für einen Albino
an, was jedoch nicht Der Fall feyn fann und gegen welche An=
nahme die große Zahl von Eremplaren in faft allen Mufeen
fireitet, Ganz. weiße Strix ınyetea et Falco islandieus find
ebenfo wenig Kakerlaken als der. Astur Novae Hollandiae.
Es ift jedoch gewiß, daß diefer Vogel mehrere Fahre nöthig
hat, um blendend weiß zu werden und daß jüngere Vögel im
grauen Gewande niften,
Man füge von diefer Art, daß fie fih auch von Fiſchen
näbren foll. Sie ift in Neuholland ein fehr gemeiner Vogel.
Dimenf. alt.mas, — jung.ms. — alt.fem. — jung.fm.
Kopf 61 — 61 — 70 — 70
Schnab. 20 — 19 — 23 — 22
Hoͤhe 15 — 14 — 19 — 19
Mundw. 30 — 23 — 56 — 35
Dberfl. 177 — 178 — 222 — 214
FSlügelfp. 71 —- 74 — 83 — 91
Zarfe 70 — 68 — 80 — 79
Mittelz. 49-4216 — 40416 — 50-534+21 — 48-+20
Außenz. 30414 — 28413 — 39+18 — 35-18
Innen. 3321 — aah2ı — 29433 ° — 27428
Hinz. 20-22-4228 = 2ıF214 — 29435 — 27-428
1.Schwzf. 180 — 181 — 292 — 222
5. — 185 — 185 — — ..
6. — 180 — 180 — 227 — 225
5. Genus. Buſſardhabicht — Asturina Kaup.
Diagn. Mit mehr geſtrecktem, mehr gradem Schnabel,
deutlich geſchilderten Tarſen und kurzen, plumperen Zehen.
Mittelzehe bedeutend kuͤrzer als die Tarſen. Aeußere Zehe un—
bedeutend laͤnger als die innere, nie kuͤrzer als dieſe.
Sie unterſcheiden ſich von den Spizaëten durch bie geſchil—
derten Tarſen. Mit Nisus koͤnnen ſelbſt die kleineren Arten
198
nicht verwechſelt werden, indem die Tarſen ſtets deutlich geſchil⸗
dert find. und keine Art die langen ſchlanken Zehen beſitzt,
welche die meiſten Sperber characteriſiert. Von Geranospiza
unterfcheidet: fie die Außenzehe, die faſt gleiche Länge mit der
Innenzehe hat. ı Die wahren Astures macht der kurze von der
Wurzel an gefrümmte Schnabel leicht kenntlich und. daß die
Mehrjahl fchlankere Zehen befißt.* Die Arten, die ich hierher
zähle, verhalten ſich zu Spizaötus, wie die Haliaktus zu den
wahren ’Aquilae.
Sie find ohne Ausnahme “auf den Süden von America: be=
fhränft , was die Beftimmung ſehr erleichtert, wenn‘ bey den
Arten das Vaterland richtig angegeben tft.
Sie zerfallen in 6 leicht zu unterfcheidende Subgenera, welche
die 5 Subfamilien in einzelen Characteren und. im Totalhabitus
wiederholen. So 'repräfentieren die Asturina (poliogaster,
leucorrhous und'nitida) die Edelfalken, weil fie die kuͤrzeſten
Zarfen haben und ben den alten Voͤgeln das Nadte um die
Augen auftritt. Wie bey den wahren Haliaöten, erftes Sub-
genus von Haliaetus, geht” die Befiederung der Tarſen tiefer
als gewöhnlich herab,
Morphnus guianensis zeigt Analogien in dem ganzen To:
talhabitus und in der Textur des Gefieders mit dem 3. Genus
Circus der 2. Unterfamilie der Meihen, Milvinae.
Die Rupornis (magnisrostris , Urubitinga ete.) mit den
tängften Tarſen, den fürzeften Zehen repräfentieren die Acci-
pitrinae.
Die Thrasaäti (harpyia etc.) find die Repräſentanten ber
Aquilinae und zeigen Analogien in der Färbung mit dem
3. Genus Cireaötus. Und endlich find die Leucopternis
(albicollis, scotopterus etc.) die deutlichften Repraͤſentanten
der Buteoninae, mit welchen fie früher und noch jetzt zuſam—
mengeftellt werben.
Falken-Buſſardhabicht — Asturina
1. Subgenus,
Vieill.
Diagn. Tarſe kurz, zur Hälfte herab befiedert. Nacken
ohne Holle.
Beſchreib. Der Schnabel iſt weniger geſtreckt. Zweyte
bis 5. Schwinge an den Innenfahnen beſtimmt, 6. ſchwach
ausgeſchnitten. Tarſe kurz, zur Haͤlfte befiedert. Mittelzehe ſo
lang als der geſchilderte Theil ber Zarfe, Zehen geſchuppt, vor
den Nägeln mit 5—6 Schildern.
Es find mittelgroße Buffardhabichte, melde an Größe den
palumbarius. nicht übertreffen. Die. jungen Vögel haben an
Kopf, Hals und den. unteren Theilen auf lichterem Grunde
mehr ‚oder weniger dunkle Schaftfleden ‚und eine größere Zahl
von Schwanzbinden.
Die Lebensart ift fo gut, wie nicht befannt.
1) Der graubaͤuchige Falken» Buffardhabiht —
Asturina poliogaster Natt. Falco poliogaster
Natterer. Pl._col, 264 (ad.). 265. (juv.)
Diagn. Länge 153 —164 Zoll. Schwanz mit 3--5 tel:
fen Binden,
* Da das mehr oder weniger Schlanke der Zehen nicht mit Wor-
ten. wiederzugeben iſt, fo ift es räthlich, beym Beftimmen ftets die ge-
meineren Kormen einer Sammlung ſich vor die Augen zu ſtellen. Erſt,
wenn man dieſe in ihrem. Totalhabitus gehörig aufgefaßt hat, der eben-
falls mit. Worten nicht wiederzugeben ift, wird man den verwandten
199
Alter Vogel. Kopf und Naden ſchwarz. Wangen und
Ohrfedern, Flügel und Rüden [hwarzafchgraublau, ohne Sleden
und Bänder. Der Schwanz hat oben drey ‚graue und 4 un—
tere mehr weiße Binden. Rand des Schwanzes weißlich— Die
Kehle weißlich, alle übrigen unteren Theile einfarbig
hbellafchgrau.
Junges Weibchen pl. col. 295. Kopf, Hals und alle un:
teren Theile voftgelb, an Kopf, Hals, den Seiten und Hofen
mit ſchwarzen tropfenartigen Schaftfleden. Schwingen ſchwarz
und weiß gebändert. Schwingen 2. Ordnung an den Außen:
fahnen fehmwarz und braun gebändert. Schwanz oben mit 3,
unten mit 5 Querbinden. N
Bey dem alten Vogel ift die Gegend um die Augen nadt
und orang gefärbt. Das Vaterland ift Brafilien. Sn Mufeen
big jegt noch felten. Indem dieſe Art fih nicht in englifchen
Sammlungen, fondern im Leydner Mufeum befindet, fonnte
ich Eeine Dimenfionen geben.
2) Der ſchwarze Falken— Buſſardhabicht —
Asturina leucorrhoa @uoy et Gaim. Falco
leucorrhous Quoy et Gaim. Urania pl. 13. Astur
leucorrhous Less.
Diagn. Schwarz mit meißer oberer und unterer Schwanz:
decke. Nackenfedern an der. Wurzel weiß.
Beſchreib. Er iſt der Eleinfte, denn er. erreicht nur eine
Länge von 115—13 Zoll. Das Zotalgefieder ift ſchwarz mit
glänzenden Schäften. Federn der Tibia roftroth. Innere Ad:
felfebern weiß mit mehr ober weniger roſtgelbem Anflug und
einzelen ſchwarzen Sieden. Auf den Schwingen, welche an ber
Wurzel weiß find, einzelne Spuren von weißen Binden. Der
Schwanz an der Wurzel weiß, nach der Mitte hin mit 2 wei:
fen, breiten, von einander abftehenden Binden. Die hintere
Binde geht uͤber beide Fahnentheile und leuchtet auf der oberen
Anſicht des Schwanzes durh. Die Flügel find ziemlich lang
und laffen den kurzen, ſchwach gegabelten Schwanz bie auf 2
Zoll unbededt.
Diefer in Brafilien nicht feltene Vogel findet fich in den Samm⸗
{ungen des zoologifchen Gartens zu London, Daris und Mainz.
Sb das ſchwarze Kleid normal ift und mie die ungen aus⸗
fehen, muß die Zufunft ermitteln.
Dimenf. eines männlichen Vogels von 114 Zoll Länge.
Kopf 60 Zarfe 66
Schnabel 16 Mittelzehe 31414
Höhe 12 Außeneebe 22-11
Mundwinkel 29 Innenzehe 21-9
Dberflügel 146 1. Schwanzf. 139
Fluͤgelſpitze 70 6. — 133
3) Der gebänderte Falken: Buffardhabidt —
Asturina nitida Zath. Falco nitidus Lath. Ind.
Orn. 1. 40. Astur nitidus d’Orb. Asturina Cinerea
Vieill. Gal. t. 20. Falco striolatus T’emm. pl. col. 87.
(ad.)* 294. (juy.)
Diagn. Größe 14—16 Zoll. Schwanz im Alter ſchwarz
mit einer weißen Binde, in der Jugend ſchwarz, oben mit 3,
unten mit. 5 weißlichen Binden.
Formen mit größerer Leichtigkeit die gehörige Stelle anmweifen können.
Solde Formen, die jede Sammlung befist, find: Nisus fringillarius,
Astur palumbarius, Asturina magnirostris, urubitinga etc.
* Die Abbildung des alten Vogels ift bey Temmind total
200
Befhreib. Alter Vogel. Stien, Kehle, untere Schwanz-
dede, Flügelrand, innere Achfelfedern weiß, an leßteren die läng-
ften dunfelafchgrau gebändert. Alles übrige hellaſchgrau oder
weißlih mit unzähligen dunkleren afchgrauen QDuerbinden.
Schwingen an der Wurzel gelblichweiß mit ſchmalen nicht durch⸗
ausgehenden Binden. Unterhalb den Ausfchnitten find die
Schwingen an den Rändern dunkelafchgrau. Die Auferen obe—
ten Dedfedern des Schwanzes weißgebändert und gerändert.
Schwanz von oben ſchwarz, gegen die legte Hälfte mit breiter
weißer Binde und weißer Borde am Ende. Von unten zeigt
der Schwanz zumeilen 2 weiße Binden. Der junge Vogel ift
an Kopf, Hals und den unteren Theilen roftgelb oder weißlich
mit dunkelbraunen Streifen von dem Ohre an und. Längsfchaft:
fleden auf dem Kopf, Hals, Bruſt und. Seiten. Die Ohrfe—
dern, der Nüden und. die Flügel dunkelbraun, mit roſtgelben
Rändern. Don der 3. Schwinge an find die Schwingen in
der Nähe der Ausfchnitte roftgelb oder weißlich mit dunfelen
Binden. Schwanz fehwarzbraun, oben mit 3, unten mit 5 lidy-
ten gelblihbraunen oder weißlichen Querbinden.
Asturina nitida.
Dimenf; alt. Maͤnn. — .M. Schwan; 1565* — 161
Kopf 67 7165 Tarſe 62 — 62
Schnabel 21 — 21 Mittelzehe 37 — 35
Hoͤhe 15 — 44 Außenʒ. 27414 — 26
Mundwinkel 31 — 30 Innenz. 21-20 — 22
Fluͤgel 236 — 234
Gemein in Braſilien und Merico und in den meiften Samm:
lungen zu finden.
4) Der weißftirnige Falken Buffardhabiht —
Asturina albifrons Kaup.
Diagn. Größe der Asturina nitida. Oben ſchwarz. Die
Stirn und alle unteren Theile blendend weiß,
Befhreib. Die Stirn ift Icharf begranzt weiß. Scheitel,
Hinterhals, Wangen und Ohrfedern fchwarz mit weißer Wur—
zelhaͤlfte. Oberruͤcken ſchwarz mit afchgrauem Slaumentheil.
Schwingen 2. Ordnung ſchwarzbraun und die der erften blau—
ſchwarz. Von der 6. Schwinge an mit weißer Endborde. Un:
tere Deckfedern des Flügels weiß mit einzelen ſchwarzen Tropfen.
Zweyte bis 7. Schwinge vor den Ausfchnitten biendend weiß
mit 1—5 Binden. . Die hinteren. Schwingen dunkelaſchgrau,
ſchwarz gebändert. Obere Schwanzdede ſchwaͤrzlichbraun mit _
[ihtbräunlihem fein grau gerändertem Endband; an den, ver-
dedten Außenfahnen derfelben. mit zwey weißen und nad) der
Spitze hin einer bräunlihen Querbinde.
Der Schwanz ift braͤunlich ‚mit ſechs ſchwarzen Querbinden
und ſchwarzem Endbande, das bey frifchen Federn mit linien-
breiter. weißer Borde verfehen ift. Won oben find die Schäfte
ſchwarz, gelbbraun gefledt. Won unten find die lichten Binden
filbergrau und die Schäfte weiß.
Sch Eenne big jest nur ein Eremplar diefer Art, welches fi
im Mufeum zu Frankfurt ohne Angabe des DVaterlandes befin-
det. Sch vermuthe, daß diefe Art in Chili zu Haufe ift, von
woher die Frankfurter Sammlung viele Vögel erhalten hat.
verfehlt, indem der Kopf zu Fein und ber Schnabel haracterlos darge-
ftelt ift. Die Abbildung des jungen Vogels ift bedeutend beffer. Die
Bieillotfche ift wie alle in feiner Gallerie unter der Gritit.,
* Nicht vollftändig ausgewachfen.
201
.-Dimenfionen:
Kopf 68 Tarſe
Schnabel 20 Mittelzehe 48
Mundwinkel 33 Außenzehe 38
Dberflügel © 188 Innenzehe 33
Flügeljpige 128 Schwanz
2. Subgenus. Weih-Buffardhabiht — Morphnus Cur.*
Kaup. Spiza&tus Vieill. ? Thrasaetus @. Gray.
Urubitinga Less.
Diagn. Naſenloͤcher hochſtehend und ritzfoͤrmig.
hoch und ſchlank. Nackenfedern verlaͤngert.
Man kennt bis jest nur eine Art, die in ihrem weichen Ger
fieder viel Eulen» und Weihenartiges. befißt,
5) Der eulenantige Weih-Buffardhabiht —
Asturina guianensis Daud. Falco guianensis
Daud. Morphnus guianensis Cuv. Urubitinga guia-
nensis Less. Spizaötus variegatus Vieill. Falco
Sonmnini Shaw. Pr. Max. III. 1. p. 90.
Befhreib. Etwas größer als der Schreindler, allein durch
die hohen Zarfen und längeren Schwanz viel größer erfcheinend.
Nah dem Prinzen Marimilion von Neuwied, welchem wir
die befte Befchreibung verdanfen,. iſt die Iris graubraun und
die Tarſen find hochgelb. Kopf, Naden, Hals, Bruft, Bauch,
Steig und Schenkel weiß, an einigen Stellen gelblich befchmust,
ohne alle Flecken. Der Rüden, Skapular und die Dedfedern
der Flügel blaßgrauröthlich, quer gefledt, punktiert und marmo—
tiert. Die Schwingen fhwarzbraun mit ſchmalen grauröthli-
chen, marmorierten Querbinden. und dergleichen: breiten Spigen,
die auf weißem Grunde grauröthlic) marmoriert find. Die 2,,
7. und 8. Schwinge haben alle Querbinden viel dunkler, bezeichs
net und diefen fehlt die hellmarmorierte Spige; fie find. ſchmä—
fer, als die übrigen, die an ihren Spisen breiter und. abgeruns
deter find. Der Schwanz. ift mit: vielen ſchmalen, zackigen,
ſchwarzbraͤunlich grauroͤthlichen Querbinden ‚bezeichnet, , welche
mit andern weißlichen, ſtark ſchwaͤrzlich graurothlich marmorierten
abwechfeln; die leßteren werden nach der Spige bin immer hel-
ler gefärbt, fo daß die Spitze der Federn gänzlich weiß erſcheint.
Innere Dedfedern des Flügels rein weiß.
Guvier und Daudin befchreiben jüngere Individuen.
Das Frankfurter Mufeum befist aus Brafilien einen weibli—
hen Vogel, der bedeutend größer als der vom Prinzen Mar
befchriebene ift! Der ganze Kopf und Hals ift gelblich und afch=
grau angeflogen, die langen Schopffedern find an der Wurzel
weiß, aſchgrau gewäffert und an der Spise ſchwarz. Oberruͤcken
und Scapulnrfedern fchwarzbraun mit lichten Säumen. Die
£leineren Deckfedern des Flügels find an den Spisen mit gro-
fen ſchwarzen Fleden und lichtaſchgrau rörhlichgrau gefleckten
Säumen verfehen. Einzelne offenbar ältere Federn find Lichter,
haben mehr vöthlihgraue Marmorierung und die fihmarzen
Tedern find Eleiner. Die älteren Schwingen 2. Ordnung find
ſchwarzbraun mit hellbräunlich marmorierten Binden, während
die ebenfo langen frifhen Federn mit ihren umverftoßenen weiß:
lichen Borden tiefer ſchwarz und aſchgrau marmorierte Binden
haben. Die nämliche Färbung haben die Schwingen erfter
Zarfen
* Gupier, der, wie ich bereits. bemerkte, unter biefem Namen die
rauchfüßigen Adlerhabichte und die Urubitinga begreift, beginnt mit
dem guianensis; es muß deßhalb diefer Art der Name Morphnus
bleiben, wenn diefer Name abfolut beibehalten’ werben foll.
Sfis 1847, Heft 3,
202
Ordnung, welche ebenfalls nicht alle friſch find. Die älteren
Schwanzfedern haben 5 braunlich angeflogene Querbinden. Die
jüngeren ebenfalls faft ausgewachfenen Federn haben 5 rein 'afch:
grau dunfel geiprigte Binden, seine aſchgrau dunfel marmorierte
Endbinde, die weiß gefäumt ift.
Der Prinz von Neuwied fand in feinem Magen Ueberrefte
von Säaugethieren, befonders von einem Beutelthiere.
Vaterland Guiana, Brafilien. Von: diefem. f[hönen Vogel
eriftirt Eeine. mir befannte Abbildung.
Dimenfionen: fem. — mas. nad) dem Prinzen.
Kopf 9 —
Schnabel 36 —
Höhe 26 — 26
Mundwinkel 55 —
Vom oberen Rand des Nas —
ſenlochs bis zum Rand der —
Wachs haut 4 —
Vom unteren Rand bis —
zur Schnabelkante 4 —
Oberfluͤgel 412 —
Ganze Fluͤgellänge 500 — 424
Tarſe 97 — 101
Mittelzehe 50 429 — 54-27
Außenzehe 36 — 30-+19
Innenzehe 323433 — 24294
1. Schwanzfeder 380 —
6. Schwanzfeder 397 — 302
Laͤngſte Feder der Holle 108 — 140
3. Subgenus. Sperber-Buffardhabiht — Rupornis
Kaup. Rupornis et Spizageranus Kaup. Morphnus Cuv.
(. Th.) Spizaetus Vieilt. (..Th.) Urubitinga Less. G- Th.)
Morphinus Fleming. Daptrius G. Gray (.. Th.) Astur
G. Gray. Nisus Cuv.
Diagn. Mit mehr als gewöhnlich geftredtem und gradem
Schnabel. . Imeite bis 6. Schwinge an der Innenfahne aus:
gefchnitten. Hinterkopf ohne: Federholle. Naſenloch hoch und
horizontal geſtellt. Tarfen ſehr hoch. Mittelzehe kurz, geht zwei⸗
mal in die Länge der Tarſen. Zehen geſchildert. Die Arten
diefer Gruppe find ſehr unedle Vögel, die fih von Inſekten,
Schnecken und Amphibien ernähren und viel auf der Erde ſich
bewegen, wozu auch ihre ganze Fufbildung eingerichiet iſt.
Indem die Arten die verfchiedenen Typen fehr deutlich wieder:
holen, fo wurden fie bald in diefe, bald in jene Gruppe ge:
worfen, was aus der Synonymie deutlich zu erfehen ift.
6) Der Sperberähnlihe Sperber: Buffardba:
bicht — Asturina magnirostris Gmel. Eper-
vier.ä gros bec de Cay. Buff. pl. eol. 464, Epervier
a gros bee T'emm.-pl..col..86. Astur magnirostris
G. Gray. Pr. Max. Beiträg. III. p. 102. Falco io-
sectivorus Spiz. t. VIll. Nr.30. L’iiodaye Azara Nr. 30.
Diagn. Größe des weiblihen Nisus fringillarius.
Befhreib. Alter Vogel. Dbenher bis über die Kropf-
gegend hellaſchgrau mit fhmusig roftgelblichen Federrändern auf
dem Kropf und weißer Wurzel der Kopffedern. Unterbruft mit
ſchmutzig hellroſtgelb gemifcht und 4—6 weißen Querbinden auf
jeder Feder; die Querbinden find nach der Kropfgegend hin’ in
einzelne umregelmäßige Flecken aufgeloͤſt. Bauch und: Hofen
weiß, roftgelblich mehr oder erg mit Außerft: feis
1
203 | en
nen vofteöthlihen Querbinden. Untere Schwanzdede weiß. Die
Lingften Federn der oberen Schwanzdede weiß, ſchwärzlich quer
gebändert.
Die Flügel find ausgebreitet fehr bunt, indem von ber
4. Schwinge an ſich Über die Außen- und Innenfahne der
fämmtlihen Schwingen erfter Ordnung ein brennend Roftroth
ſich erſtreckt, das als Flecken ſich über die erften der 2. Ord—
nung fich verbreitet. Weber diefes Roſtroth und die bräunlichen
Spisen der Fedren erſtrecken ſich 6—9 ſchwarze fehmale
Querbinden.
Von Innen geſehen iſt die 2. Schwinge und die untere
Haͤlfte der folgenden mehr blaugrau, und die Innenfahnen der
3.— 11. find blaß roſtfarbig. Die inneren Deckfedern find weiß
mit feinen Sprischen.-
Der oben aſchgraue, unten weißlihe Schwanz zeigt oben
4, unten 5 breite fchwarze Binden, welche die lichtbraunen
oder weißen Scyäfte mit ſchwarz gefärbt haben. Die Wahshaut
und die mehr als gewöhnlich nackte Augengegend, wie bie Füße
orang.
Das unbedeutend größere Weibchen zeigt die Farben trüber,
das Afchgraue ift mehr braun und die unteren Theile haben
mehr Roftfarbiges.
Der junge Vogel gleicht in der Färbung dem jungen Uru-
bitinga, ift oben braun mit roſtgelben Federrändern — Kopf,
Hals und Kropfgegend mit [hwarzbraunen Schaftflecken. Bruft
und Bauch mit breiten pfeilförmigen Bändern und ſchippenfoͤr—
migen Tropfen. Hoſen mehr roftfarbig und breit gefledt. Un:
tere Schwanzdede roſtgelb mit ſchwarzbraunen Schaftfleden.
Sn Brofilien der gemeinfte Naubvogel, der fidy nach dem
Prinzen von Heufhreden, Eleinen Vögeln, Mäufen u. dgl. ernährt.
Der Flug ift ziemlich leicht, felten hoch. Sein Gefchrei gleicht
dem vom Buteo.
Nah Azara greift er niemals Vögel und Säugethiere an,
fondern ernährt ſich einzig von Würmern, Schneden und Heu:
fchreden, von denen er eine Menge zu feiner Ernährung braucht.
Kein Vogel, felbft der Eleinfte, fürchtet ihn. Er zeigt weder
Munterkeit noch Scheuheit und feheint der duͤmmſte unter allen
Raubvögeln zu feyn.
Nach feiner Lebensart betrachtet Azara ihn als ein eigenes
Genus und rangirt ihn nad) den Sperbern, obgleich er fagt,
daß fein Naturell ſehr von dem fehnellen und liſtigen Weſen
diefer abweicht.
Aehnliches fagt der Prinz Marimilian.
Der Prinz fagt an einem andern Drt von dieſer Urt: Die:
fer Raubvogel hat zwar in der Hauptfache mehr bie Verhält:
niffe eines Habichts als eines Buſſards, dennoch aber gehört er
feinee Lebensart und Manieren zufolge mehr zu ben legteren,
als zu den erfteren. Sch würde ihn weit lieber in die Unterabs
theilung der Buffarde mit hohen Ferfen gefegt haben, wenn er
nicht feiner Geftalt nah von den Drnithologen allgemein zu den
Habichten gerechnet würde.
Dimenfionen: mas. — fem.
Kopf 56 — 60 Tarſe 60 — 63
Schnabel 16 — 17 Mittelj. 29-14 — 31+16
Höhe 12° — 12 Aufenz. 214+11 — 21413
Mundwinfee 26 — 26 Innen; 19-415 — 19+19
Dberflügel 150 — 159 1.Schwzf. 142 — 159
Fluͤgelſpitze 54 — 72 6. — 140 — 156
204
7) Der Weihenartige Sperber-Buſſardhabicht —
Asturina meridionalis Lath., Gmel. Circus
rufulus Vieill. Ene. p. 1216 (1823). Falco rutilans
Licht. pl. col. 25. Buteo rutilans @. Gray. Aquila
buson Spix. Av. Br. Nr. 3. ohne Abb. Azara Nr. 11.
Der roftrothe Ferfenbuffard Pr. Mar IH. 1. p. 218.
Diagn. Hauptfarbe roſtroth, auf allen unteren Theilen
mit ſchwarzen, fchmalen Querbinden.
Beſchreib. Roſtroth, mit aſchgrauem Anflug am Kopf,
Hals und den oberen Nüdenfedern. Der Kopf ift roftroth mit
dunkelen Schäften und zadigen grau angeflogenen ſchwarzbrau—
nen Schaftfleden am Hinterkopf. Zügel faft nadt mit Eurzen,
weißen MWollfedern und längeren ſchwarzen Borften nad) den
Nafenlöchern bin. Wangen und Ohrfedern mit aſchgrauem
Anflug und dunfeleren Scaftftrichen. Kehle gelblich roftfarbig
mit dunfelbraunen Schaftftrihen — Hals, Bruft und alle un-
teren Theile roſtroth mit unzähligen ſchmalen ſchwarzbraunen
Querbinden, die am feinften an den Zibia= und Hofenfedern find.
Obere Schwanzdedfedern ſchwarz mit roftrothen, die längften
mit blendend weißen Randſpitzen.
Die Skfapularfedern find ſchwarzbraun, oder afchgrau mit
toftrothen Borden, die zumeilen mit ſchwarzen gezadten Bändern
verfehen find. Das Eleine Gefieder des Flügels voftroth mit
lichteren Rändern und mit einzelen ſchwarzen Schaftfleden, die
ſich als ſchmale Querbinden in die toftrothen Innenfahnen hin—
ziehn ; andre find ſſchwarzbraun mit roftrothen Rändern. Die
Dedfedern der 11 erften Schwingen einfarbig roſtroth, feltner
mit ſchwarzen Puncten und Schaftfleden. Der größte Theil der
Schwingen 2. Ordn. roſtroth mit breiter ſchwarzer Endborde.
Die 2. Schwinge erfter Ordnung an der Außenfahne ſchwarz;
die 3. an der Wurzel roftroth, welche Farbe an den folgenden
fiufenweife zunimmt. Die lange Endfpise der Hauptfhmwingen
ſchwarz mit lichterem Endrand. Don Innen find die fleinen
Dedfedern roftroth, an den Innenfahnen lichter, mit ſchmalen
zadig ſchwarzbraunen Querbinden.
Der Schwanz ift ſchwarz, in der Mitte mit breitem weißem
Band und weißem breitem Saum. Won unten iſt die. obere
Hälfte über der weißen Binde roth, hell und dunkelgrau
getigert.
Der Prinz von Neumieb. befchreibt nach feiner hoͤchſt gründ-
lihen Weiſe den jungen männlihen Vogel wie folgt:
Die Iris und Wachshaut bräunlichgelb. Beine gelb. Kehle,
Seiten des Halfes und ein Fled über und hinter dem Auge
gelblichweiß, erftere dunkler und gelbroth gefärbt, auch fein ges
ftrichelt. Scheitel gelbröthlich mit ſchwarzbraunen Längsftrichen;
Nacken auf etwas weißlihem Grunde ebenfo gefteicheltz Dber-
hals, Rüden und Unterrüden dunkelbraun, Rüden mit roſtro—
then Federrändern. Obere Eleine Fluͤgeldeckfedern hellroſtroth,
mit dunkler roftrothen und feinen fchwarzen Fleckchen; große
Dedfedern dunkelblau, an der inneren Fahne roftroth und ſchwarz⸗
braun geftreift; Schwingen roſtroth mit ſchwarzen Spitzen; Un—
terhalg, Bruft, und Mitte des Bauches dunkelgraubraun, hier
und da roͤthlichgelb und dunkler ſchwaͤrzlichbraun in die Quere
geftreift. Seiten der Bruft und des Bauches geibröthlih und
gelblihmeiß, dunkler geftrichelt und gefledt. Die kurz gefieder-
ten Schenkel (Hofen) find blaßgelblich und roſtroͤthlich gefleckt,
dabei überall fein dunfelgraubraun quergeftreift. Die mitt—
leren Schwanzfedern [hwarzbraun weißlid quer=
geftreift; die Querbinden wechſeln an beiden Fah—
205
nen ab; "bie äußeren Federn find in der. aͤußeren Sahne roff-
roth und dunkel marmoriert, an der inneren mit weißlichen
und fchwarzbraunen Binden abwechfelnd; die Spigen etwas
ſchwarzbraun.
Dieſer Buſſard, ſagt der Prinz ferner, hat mit den uͤbrigen
verwandten Arten* einerlei Lebensart und Manieren. Sch habe
ihn nur füdlih, an den Seen der Nachbarfchaft des Parahpba,
befonders in der Gegend der Abtei St. Bento, des Rio Bur-
ganza an dem großen Landfee, welhen man Lagoa Feia nennt,
gefunden, auch bey Billa de St. Salvador fam er vor; es
fcheint daher, daß er offene Gegenden, befonders fumpfige und
überfhivemmte Miefen liebt, wo ihm feine hohen Ferfen und
die kurzen zum Gehen eingerichteten Zehen den Fang der Am—
phibien, Maäufe, Heuſchrecken, fowie der Infekten, Schnecken und
Wuͤrmer geſtatten.
Nach Azara, der ihn ſehr gut beſchreibt, nennen ihn die
Guaranis taguatopita (buse rouge) und die Spanier gavi-
lon acanelado (Buse rousse). Sie ift fehr zahlreih, legt in
der Mitte Septembers zwey Ever, welche auf lohfarbig rothem
Grunde blutroth gefledt und 27 Linien lang und 21’ breit
find. Man. findet fie ‚häufig in größeren Gefellfhaften und. fie
freffen Schlangen und Snfekten.
Sn feinen Größenverhältniffen ‚gleicht er dem Circus rufus,
allein Schnabel, Körper und Tarſen find flärker, Er zeigt läns
gere Flügel ald die magnirostris und urubitinga; denn fie rei:
chen bis auf 2 Zoll vor die Schwanzipige, die faft grade und
etwas ausgefchnitten ift. In der rofffarbigen Flügelfärbung
ähnelt er. magnirostris. Nur duch einen genauen Vergleich
des Schnabels, der Zarfen, Zehen, Zotalbau des Flügels. mit
urubitinga, ‚magnirostris wird man ſich überzeugen, daß diefe
Arten zufammen ‚gehören.
Dimenf. mas. — fem.
Kopf 73.— 80 Tarſe 97 — 106
Schnabel 24 — 26 Mitteljehe 39 — 40423
Hoͤhe 16 — 16 Außenzehe 27 — 27-17
Mundwinf. 37 — 40 Innenzehe 24 — 25425
Sherfl. — 40| , 1. Schwzf. —
lügen 20
Bey vielen Arten und fo auch bey Ddiefer wird man einfehen
lernen, wie die Autoren nach tem täufchenden Gefühl für Una:
logien, fie bald in dieſes, bald in jenes Genus irrig verfegt
haben. Stellt man ſich magnirostris, urubitinga und diefe
Art vor die Augen, prüft fie genau; fo wird man finden, daß
fie troß ihrer verfchiedenen Größe, theilweife abweichender Fär-
bung eine hoͤchſt natürliche Gruppe bilden, in welcher die einze-
ten Species die Charactere der 5 Unterfamilien der Falconidae
wiederhofen.
Diefe Art bringt Vieillot zu Circus, 3. Genus der zwei⸗
ten Subfamilie, weil fie wirklich in ihrer aͤußeren Erfcheinung
als Species einige Analogien mit Circus aufjumweifen hat.
Temmind und ©. Gran zählen fie zu Buteo. Die Ana-
* Der Bring begreift meift unter‘ feiner teutfchen Benennung Fer
fenbuffarde die Arten meines Genus Asturina, von welchen er fol-
gende beobachtete : J :
Asturina magnirostris, nitidus (striolatus Temm.), scotopterus
(lacernulatus Temm.) und urubitinga. r
Strig zahlt ver Prinz; Polyborus brasiliensis ind den Buteo
aequinoctialis (busarellus) hierher. ‚
|
206
logie mit Buteo rührt daher, daß die Gefammtzahl der Astu-
rina die 5. Subfamilie Buteoninae wiederholen. '
v. Spir, ohne alles Gefühl für: Analogien, ſtempelt fie 3
einer Aquila wegen des Schnabels, wie die früheren Orni—
thologen alle Vögel zu Vulturen machten, die nadte Stellen
am Kopfe oder Halfe befigen. Solche Drnithologen, die nad) -
einer Einzigen gegebenen Kennzeihen, ohne alle Beruͤckſichtigung
des Zotalhabitus, Lebensart die, Arten in fogenannte Genera
zufammenfeßen, gibt es zum Gluͤck der Wiſſenſchaft nicht mehr,
und nur felten fommen dieſe laͤngſt veralteten Grundfäge in
Sammlungen zum Vorſchein, ohne jedoch die Wiſſenſchaft zu
beeinträchtigen.
8) Der Urubitinga Sperber: Buffardhabiht —
Asturina urubitinga Gmel. Faleo urubitinga -
Gmel. Nr. 70. (juv.) Temm. pl. col. 55 juv. Aquila
urabitinga (ad.) (et pieta juv.) Spix. Falco longipes
Ill. Morphnus urubitinga Cuv. Pr. Max. Beitr. II.
1. pag. 196. Azara Nr. 17. 18. 20.
Diagnofe Bon der Größe des Schreiadlers mit
120—125Mm. langen Zarfen. Die Flügel erreichen nicht die
Mitte des Schwanzes.
Ares Weibchen. Ganzes Gefieder einfarbig ſchwarzbraun
mit weißen Wurzeln der Nadenfedern. Die NRüdenfedern ing
Afchbläulihe oder Kupfergrüme fehimmernd. Innere Seite der
Hofen mit einzelen fein punktirten meißlichen Querftreifen.
Schwingen bräunlibfhwar; mit verlofchenen QDuerbinden.
Schwanz an der Wurzel ſchwarz, in der Mitte ein breiteg wei-
ßes Band und breites weißlich geſaͤumtes ſchwarzes Endband.
Das Männchen unterfcheidet fih wenig vom Weibchen, ift
etwas Eleiner. Mac dem Prinzen, dem wir auch hier die beften
Befchreibungen verdanken, find am Männchen die Ränder der
hinteren Sfapularfedern etwas mehr grau, die beym Meibchen -
mehr ins Röthliche fallend, auch find die Zarfen Iebhafter gelb,
die Ränder der Tibialfedern fparfamer und nicht fo rein weif.
Das Gefieder des Körpers hat im Allgemeinen weniger bräun-
lihen Schimmer und ift ſchwaͤrzer, die dunkelafchbläulichen
Querbinden an den größeren Ded- und Schmwungfedern find
abftechender. Das Weiße des Schwanzes bildet eine breitere
und reiner weiß gefärbte Binde und der Spitzenſaum ift breiter
und reiner weiß gefürbt.
Der junge Vogel, der ſich in allen Sammlungen befindet,
ift an Kopf, Hals, Bruft, Bauch, oberer und unterer Schwanz-
decke heller oder dunkler roſtgelb mit breiten ſchwarzbraunen
Schaftfleden verfehen. Auf der Kropfgegend mit ſchwarzbrau⸗
nem Schild. Mit roftgelbem Streifen über das Auge hin, welcher
von den ſchwarzen Ohrfedern begränzt wird, der fich weihenar-
tig zur fhwarzen Kropfgegend hinabzieht. Der Rüden ift
ſchwarzbraun. Die Sfapularfedern ebenfo mit lichteren ver-
deckten Binden. Das Eleine Gefieder bes Flügels ſchwarzbraun
mit roſtgelben Flecken und theilweife an der Wurzel weiß gez
bändert. Schwingen 2. Ordnung ſchwarzbraͤunlich, die Schwin⸗
gen erſter Ordnung dunkler mit aſchgrauem Anflug und: wie
diefe mit fchwärzlichen Querbinden.
Von Innen ift der Fluͤgelrand roftgelb, die Dedfedern ſchwarz
gefledt und gebändert. "Die Schwingen bis zu den Ausſchnit—
ten gelb voftröthlih, nah den Schwingenfpigen hin Tchwarz-
braun ‚mit: 9— 10: ſchwarzen Querbinden. Die Hofen find
nad) vorn roſtgelb, ſchwarz gebändert, nach hinten zw ſchwarz
mit feinen roftgelben Kanten,
207 —
Der Schwanz mit gelblichen Schaͤften bis zur ſchwarzen
Erdbinde iſt oben braun, unten roſtgelblichweiß mit 9—11
ſchwaͤrzlichen Binden, die, wie bey der Tem minckiſchen Figur
zuweilen in Punktflecken aufgelöft find.
Nah dem Prinzen find anıdem jungen Männdyen die helles
ten Theile mehr mweißlich, die Bruft weniger fhwarzbraun und
mehr hellgelb gefledt. Bauch beilgelb mit mehr. einzelen und
größeren Flecken. Schenkel weißgelb mit duͤnneren und’ fpars
fameren Querftrichen, welche an den Federfchäften Dreiede: bil-
den; untere Schwanzdede mit einzelen, großen, dunkeln Fleden;
Schulterdeckfedern mehr‘ weißlidy und roſtroth gefleckt; hintere
Schwungfedern deutlicher quer geftreift. Schwanz mit fehr vie:
ten deutlichen, feinen Querbinden; mittlere Federn mit heller
Grundfarbe.
Ueber feine Lebensart gibt ums allein der Prinz von Neuwied
die nöthigften Notizen, um feine fpftematifhe Etellung zu recht:
fertigen.
Der Urubitinga iſt ein großer, ſtarker, wilder Buſſard, der
ſehr ſchuͤchtern, und daher fchwerer zu befchleihen ift, als
manche andere Raubvögel. Er fcheint Über den größten Theil
von Brafilien verbreitet. Schon füblich fand ich. ihn am Staba=
puana, wo ihn meine Süger in den Waldungen von Muribeca
erlegen; am Macuri waren diefe Vögel nicht felten; ich erlegte
bier mehrere Junge, und auch nördlich bey den Camacans habe
ich fie wiedergefunden.
Sn der Hauptgeftalt und im feiner Lebensart gleicht diefer
Vogel den Buffarden; allein fein Kopf, mit den kuͤhnen, wilden
Augen, hat etwas. Adlerartiges, obgleich man an ihm nichts
von einer Haube oder zugefpisten Federn des: Hinterkopfs findet,
wie bey Daudin (Tom. I. p. 58) von einem Exrmplar des
Parifer Mufeums gefagt wird. Auch in feiner Lebensart foll
ſich diefee Naubvogel ziemlich, durch NRaubfuht und Kühnheit
von den Buffarden unterfcheiden, ob er gleich durch feine Eurzen
Zehen weniger Kraft als andere Falken zu haben feheint. Er
hat einen ftolzen Flug und fußt in den Kronen der höchften
Bäume, gemöhnlih auf den unterften, dicken, horizontalen
Zweigen (tie unfer Ast. palumbarius). Seine: Stimme, die
er häufig hören laͤßt, ift ein höchft feiner, lauter, ‘hoher Ton,
der. oft zweimal ausgeftoßen wird. Der Ucubitinga iſt mir
fomohl in offenen Gegenden, die mit Baͤumen und Büfchen
abmechfeln, als aud) in großen Waldungen vorgekommen), wo er
auf hoben Bäumen niſtet. Oft fahen wir ihn "in einer dicht
belaubten Baumkrone fißen, wo eine Menge verfchiedenartiger
Vögel, ald: Zucane, Caſſiken, Guaſch's, Japu's und andere
um ihn ber verfammelt waren, um ihn unter lautem Gefchrey
zu neden. Gewöhnlich erträgt er ruhig diefe Schmähungen,
fängt. ſich aber meiftens zulegt einen oder den andern feiner
Verfolger. Die Brafilianer behaupten, daß er befonders den
Affen nachſtelle, ſowie diefes überhaupt von den Eingebornen
allen größeren und ftärferen Naubvögeln des Landes nachgefagt
wird. Seinen hohen Füßen zufolge watet der Urubitinga wahr:
ſcheinlich auch an uͤberſchwemmten Slufufern und in Sümpfen,
wozu. die brafilianifhen Buffarde wohl größtentheils mit langen
Ferfen verfehen find. Sn feinem Magen findet man Ueberrefte
von. Fleinen Säugethieren, Vögeln, Eidechſen, "Schlangen,
Schneden, Heuſchrecken uſw. wie bey unferm gemeinen Buffard.
Seinen Horft ‚habe ich nicht gefunden.
Nehmen wir die Berichte des Prinzen tiber die 8 Arten
magnirostris, meridionalis et urubitinga zufammen, fo ergibt
fih aus dieſem, daß fie ſaͤmmtlich ſehr unedle Raubvsgel find.
208
Nah ihren langen Zarfen, kurzen Zehen find fie gefchidte Erd-
laufer, die in Sümpfen waten. Ihre Hauptnahrung wird wohl
die feyn, melde häufig auf uͤberſchwemmten Wieſen und in
Sümpfen vorkommen, nehmlih Amphibien, Schneden, Heu:
fhredien, Eyer und Sunge von in Sümpfen niftenden Vögeln.
Mebenbey mögen fie Eleinere Säugetbiere, junge und ſchlechtflie—
gende Vögel fangen; kurz fie werden -in ihrem Genus die Le-
bengart der Circi, 3. Genus der 2. Subfamilie Milvinae, mehr
oder weniger wiederholen. Wahrfcheinlich werden fie wie alle
Aceipitrinae auf hohe Bäume niften, obgleich der Prinz nur
einen Horſt der. verfchiedenen. Arten, aufgefunden hat, und es
nicht in das Neicy der Unmoglichkeit gehört, daB fie wie Circi
auf die Erde nifteten,
Dimenfionen der. Asturina urubitinga.
mas. — fem.
Kopf 83 — 96 Zarfe 120 — 125-126
Schnabel 31 — 36 Mt.47423-25 — 48425
Höhe 20-23 — 23 Außz. 31-417 — 32+..
Mundw. 47 — 47-49 Inn; 29423 — 32429
Flügel 411-420 — 385-397 Schw. 245-247 — 232-261
2. Subgenus. Adler-Buſſardhabicht — Thrasastus
G. Gray. Haärpyia Cu». (vergeben), Vultur' Linn.
Diagn. Mit fehr hohem, ftarfem Schnabel, deffen Unter-
Eiefer bauchicht im die Höhe gekruͤmmt ift. Nafenlöcher offen,
oval, unter der Mitte der Wachshaut ſitzend. Hinterkopf mit
einer Holle: Ohr- und Gefichtsfedern zerichliffen. Tarſen von
mittlerer Höhe, abgerundet, aͤußerſt robuft, vorn und hinten ge—
täfelt (individuell gefchuppt). Krallen fehr groß, die innere und
hintere länger al8 die Zehen felbft. Mittelzehe mit dem Nagel
faft fo lany als die Tarfe. Flügel Furz, das Ießte Drittel des
langen Schwanzes. erreichend. Fluͤgelſpitze ſehr kurz. Dieſe Ab—
theilung, welche zwey Arten enthaͤlt, ſtellt durch Koͤrperſtaͤrke
und ſtarke Klauen den Adlertypus dar und ſteht in uͤberſprin—
gender Verwandtſchaft zu Morphnus (guianensis). 1
9) Die Harpyie oder der gebänderte Adlerbuf-
farbhbabiht — Asturina harpyia Linn. Vultur
harpyia Linn. Falco destructor Daud., Pl. col 14.
Harpyia destructor Cuv. Thrasaetus harpyia G. Gray.
Harpyia ferox Less. Harpyia maxima Vieill. Falco
imperialis, calquin et regalis Shaw.
Diagn. Mit fchwarzem Brufiband:
Diefe Art zeigt: Analogien durch das ſchwarze . Bruftband,
breites aſchgraues Gefieder des Oberkoͤrpers mit den Circaäten,
4, Subgenus des 3. Genus Circaetus.
Beſchreib. Von der Größe eines großen Ablers, allein
duch den ſtarken gedrungenen Körper viel maffenhafter erſchei—
nend.. Der Kopf ift groß und di, afchgrau mit lichteren. Fe—
derraͤndern; die breiten, verlängerten Nackenfedern fchwarz, an
der Spike weiß. Hinterhals, Nüden und Flügel ſchwarzbraun
mit weißlichen Federkanten. Alles Eleine Gefieder des Flügels
mit weißlihen Borden und unregelmäßigen, ſchwer zu befchrei=
benden bräunlihen und afchgrauen verfloffenen Querbinden.
Die Schwingen, fowohl die erften als die der zweiten Drdnung,
mit undeutlihen ſchwarzen Querbändern auf aſchgrauem oder
bräunlich marmorirtem Grunde. Don Innen zeigt der Flügel
die Eleineren Dedfedern ſchwarz gefledt und auf den Schwin-
gen an 65 dunkle Binden auf marmorirtem und gefle&tem Grunde.
Don unten ift die Kehle afchgrau, das. ‚breite Bruftband iſt
209
ſchwarz, die langen Seitenfedern und die Hofen nad) vorn und
von den Seiten ſchwarz gebändert ; alle übrigen unteren Theile
find weiß. Die oberen Dedfedern des Schwanzes fchwarz oder
aſchgrau, ſchwarz gebandert mit weißlich afchgrauen Borden.
Der Schwanz zeigt auf dunfelafchgrauem, braunlich: gefledtem
Grunde 5 Bänder und eine grauweißliche Borde. Won unten
iſt der Schwanz lichter und die ſchwarzen Bänder farben den
entfprechenden Kiel ſchwarz. Die Wahshaut ift ſchwaͤrzlich und
die Eoloffalen Füße gelb.
Dimenfionen:
Kopf 117° Dberflügel 440
Schnabel 46 Flügelfpise 90
Höhe 32 Zarfe 109
Höhe vom oberen Rand Mittelzehe 66-34
der Wachshaut big zum Außenzebe 41-+29
Rand des Naſenlochs 11- Innenzehe 40-447
Vom Schnabelrand bis Hinterzehe 37467
zum unteren Rand des Laͤngſte Nackenfeder 126
Naſenlochs 8 1. Schwanzfeder
Mundminfel 65 6. Schwanzfeder
Von feiner Lebensart wiffen wir Teider fehr wenig; feine
Hauptnahrung find Faulthiere, auch trägt er HirfchEälber davon.
(Cuv.) Um feine Stärke anzudeuten fagen die älteren Auto-
ten, daß er die Kraft habe, einem Menfchen mit einem Dieb
den Schädel zu fpalten, wenn gleich Eein Beiſpiel vorhanden
ift, daß er einen Menfchen angegriffen und getödtet hätte.
Hierher gehört noch
10) Azara’s Adler-Buffardbhabiht — Asturina
Azarae Kaup. Falco coronatus* Azara, Temm.
Ois. de Paraguay vol. III. p. 41. Temm. pl. col. 234.
Haliaetus unifasciatus @. Gray im btitt. Mufeum.
Diagn. Bruft, Bauch und Hofen afchgrau, Iegtere nad)
hinten zu ſchwaͤrzlich.
Beihreib. Stirn, ein Streifen über dem Auge, Wan:
gen, Seitenhald und Kropfgegend weißlic mit dunklen Schaft
ftrihen. Alle oberen Theile graublau, die unteren mit weißen
Säumen.
Das Eleine Gefieder des Flügels fhwärzlih. Schwingen
2. Ordnung ſchmal gebandert. ‚Schwanz ſchwarz mit. weißen
Saum, am Anfang und ‚auf ‚der Mitte ein breites weißes
Band. Die längfte Feder ‚der Holle 33—4 Zoll lang, Der
junge Vogel hat den Kopf roftröthlich mit dunkelen Schaft:
fleden. Die Federn des Nadens, bis zur Mitte des Halfes,
find an der Wurzel braun und an den Enden mit toftröthli-
hen Borden, Rüden und Flügel braun. ı Der Wordertheil. des
Halfes braun, rofteöthlih und, weiß marmorirt. Die Seiten
des Kopfes, ‚die Kehle und .aile unteren Theile weiß. Obere
Schmwanzdede weiß mit einem braunen Querband nach der Spige
der, Federn hin.
Der Schwanz ift bläulich mit: einem 2 Zoll breiten End-
band. Die inneren Dedfedern der Flügel weiß mit ſchwarzen
Sleden.
* Bey Spizaetus vergebener Name. Gray’ Benennung ift zu
allgemein und ohmedieß unrichtig, indem der Schwanz 2 weiße Binz
den hat. :
Iſis 1847. Heft 3.
210
5. und leßtes Subgenus. Buſſard-Buſſardhabicht — Leu-
copternis Kaup. Autour et Buse Temm. Buteo
G. Gray. Ferſenbuſſard, Polyborus Pr. Max.
Diagn. Mit geſtrecktem gradem Schnabel, kurzen Flügeln.
Zweite bis 6. Schwinge ausgeſchnitten. Tarſen mäßig hoch.
Mitteljehe Eurz, gebt 2Zmal in die Länge der Tarfe, Naden
ohne Federholle. Sie haben die Größe des gemeinen Buffards
und das Gefieder ift an Kopf, Hals und allen unteren Thei-
len blendend meiß.
In ihrer Lebensart werden fie den Rupornis-Arten gleichen,
allein- indem fie noch als Subgenus die Buſſarden darſtellen,
werden fie noch gemeinere Raubvögel als diefe ſeyn.
11) Der Augenfireifige Buſſard-Buſſardha—
biht — Asturina melanops Lath. ‚Falco me-
lanops Lath. Ind. 1. 37. p. 89. Pl. col. 105. Autour-
melanope. Buteo melanops G. Gray.
Diagn. Zügel und ein Streifen, worin das Auge fißt,
fhwarz. Kopf und Naden mit ſchwarzen Schaftfleden. Fluͤ—
gel fehr kurz, überreichen nicht die obere Schwanzdede.
Beſchreib. Kopf mit feinen, Hinterhal® mit breiteren
Scaftfleden. Flügel, Rüden und obere Schwanzdede ſchwarz.
Auf den Schulterfedern weiße Tropfen. Schwanz ſchwarz über
die Mitte ein fingerbreites ‚weißes Band und weißer Endfaum.
Bon unten ift der Schwanz an der Wurzel grau und toftgelb
auf fehwarzem Grunde gemwäffert.
Der Schnabel ift verglichen mit den Übrigen verhaͤltnißmaͤßig
kuͤrzer, höher und der ftumpfe Zahn pronuncirter.
Dimenfionen: Fluͤgelſpitze 50
Kopf —* Tarſe 62
Schnabel 21 Mittelzehe 32
Höhe 15 1. Schwanzf. 144
Dberflügel 175 6. — 144
Sein Vaterland iſt Guiana. Lebensart unbekannt.
Temminck macht wegen der kurzen Fluͤgel einen Habicht
aus dieſer Art und hat demnach die Unterfamilie richtig getrof—
fen. ©. Gray hat nur die Analogie gefühlt, die fämmtliche
Leucopternis. mit den Buteoninae. haben. Dieſer Gelehrte
ftelt die Arten -diefes Subgenus richtig zufammen, ohne fich
durch die Fürzeren und längeren. Flügel irre machen zu laffen.
12) Der Elfter- Buffard - Buffardhabiht —
Asturina albicollis Lath., Lath. Ind. Orn. 36.
Bechſteins Ueberfegung Nr. 101. Falco picatus Shaw.
Diagn. Schwanz weiß, mit 75 Mm. oder 2“ 8“ breiter
ſchwarzer Endbinde.
Befhreib. Bey dem, jungen Vogel des .britt. Mufeumsg,
unter obigem Namen, hat der Kopf ſchwarze Schaftfleden, der
Oberruͤcken ift ſchwarz mit breiten meißlichen Endborden, der
Unterrüden weiß. Die Scapular= und die Eleineren Federn des
Flügels mit weißen Borden. Der Schwanz ift weiß mit brei-
ter fehwarzer, weiß geranderter Endbinde.
Latham befchreibt ihn, wie folgt: Kopf, Hals, am Rüden,
zwifchen den “Flügeln und an allen unteren heilen weiß. Am
Dberhald nad), dem Nüden hin mit einigen vieredigen ſchwar—
zen. Flecken. Die Schwingen ‚find zur Hälfte von der Wurzel
an ſchwarz, und nach innen weiß gefledt; die Fürzeren haben
zweiße Spigen.
Vaterland: Cayenne.
14
Dimenfionen:
Kopf 81 Innenzehe 21
Schnabel 28 Oberfluͤgel 256
Höhe 19 Fluͤgelſpitze 93
Mundwinkel 40 1. Schwzf. b. z. Bd. 154
Tarſe 74 Von dieſemb. z. Spitze 50 204
Mittelzehe 37 6. Schmwif.b.3.8d. 133
Außenzehe 23 Von dieſemb. z. Spike 73 206
13) Der Mantel Buffard: Buffardhbabidt —
Asturina scotopterus Pr. Max. Falco scotop-
terus Pr. Max. 3.1. pag. 204. Buse (lacernulatus)
Temm. pl. col. 457. Buteo lacernulatus G. Gray.
Diagn. Xarfe 78 Mm. lang. Ohne ſchwarzen Augen:
freifen. Flügel einfarbig aſchgrau.
Beſchreib. Stirn gelblihweiß. Kopf» und Nadenfedern
an der Wurzel biendend meiß, nach den Spigen hin mit bläu=
lihem und ifabellfarbigem Anflug an den Rändern. Sämmt-
liche Federn des Kopfes und des Dberhalfes mit fchmwärzlichen
Schaͤften. Die legten Halsfedern, nach dem dunfelfchiefer:
grauem Nüden hin, find in dee Mitte fchiefergrau mit licht
graublau angeflogenen Rändern. Der Rüden und die Flügel
bey unverfchobenem Gefieder heller ‚oder dunkler fchiefergraublau.
Bey gelüftetem Gefieder zeigen alle Federn an der Wurzel und
die Schwingen 2. Ordnung an den Innenfahnen ſchmale weiße
Binden. Bon Innen ift der Flügel an den Dedfedern und
oberhalb der Ausfchnitte der Schwingen weiß, welches einen gro=
fen meißen Spiegel bildet. ‚Hinter den Ausfchnitten der Schwin-
gen find diefe ſchieferſchwarz mit grauem Anflug auf den Au—
ßenfahnen.
Die oberen Schwanzdeckfedern in der Mitte mit weißem
Bande. Der Schwanz ift am oberen Ztel ſchieferſchwarz, die
Mitte bildet ein breites weißes Band, das gegen dag Ende mit
einem ſchwarzen weiß begränzten Band verfehen ift. Von unten
zeigt fih das obere ſchwarze Band weiß, mit 5—6 unregelmä=
figen afchgrauen oder ſchwaͤrzlichen Querbinden.
Alle unteren Theile weiß mit dunkeln Schäften auf der Bruft
und den Seiten. Die Seitenfedern zeigen zuweilen hier und
da längs den Schäften graue Schmischen. Die Jris ift nad)
dem Prinzen gelblihgraubraun, und die Tarſen blaßgelb. Bey
einem wahrjcheinlich weiblihen Vogel des Frankfurter Mufeums
find die dunkleren Theile mehr fchwarzbraun und die Schulter:
febern haben lichtere Ränder. Bon unten zeigt der Schwanz
gegen die Wurzel hin 9 fchmale Linienartige ſchwarze Querbin-
den. Die an den dunklen Rüden gränzende Halsfedern haben
ſchwarze breitere Schaftftriche wie melanops.
Ein in Brafilien gemeiner Vogel.
Dimenfionen: Ganze Länge 432 Mm. oder 16 Zoll.
Kopf 71 Schwanz 167-175
Schnabel ° 22-23 Tarſe 78
Hoͤhe 15-16 Mitteljehe 35417
Mundwinkel 36 Außenz. 23-2612
Flügel 302 Innenz. 21-2218
Hierher gehört noch ber buntrüdige, melden Herr Tem—
mind pl. col. 9. unter dem Namen poecilonotus Cuv. ab:
gebildet hat. Größe unferes Mäufebuffarde. Weiß. Scapu—
larfedern und Flügel blauglänzendfchwarz mit weißen halbmond=
212
förmigen Endfpigen. Schwanz ſchwarz mit weißer Wurzel und
breiter Endbinde. Franz. Guiana.
Die Abbildung zeigt einen weißen und Eeinen bunten Rüden,
was der Name ausdrüdt.
Vieillot befhreibt einen Buteo melanotus Enc. p. 1221
aus Cayenne und gibt folgende Diagnofe: Capite, collo supra,
corpore subtus, albis; dorso alisque nigris, alboma-
eulatis; cauda nigra, apice alba. Iſt dieß der poecilono-
tus Cuv. und ftelt pl. col. 9 einen andern Vogel vor oder
find beide Varietäten einer Art? Der polionotus G. Gray,
im brittifchen Mufeum, aus Südamerica, ift am Körper aͤhn⸗
lich wie diefer gefärbt, hat jedoch den Rüden und Flügel ohne
Außerliche weiße Flecken. Iſt dieß eine Art oder Warietät ?
Da weder Herr Temmind noh Vieillot genaue Maafe
geben, fo ift e8 unmöglich, ing Klare zu Efommen, ob es Arten
oder Varietäten find; mir ift es nach dem ganzen Zotalhabi=
tus wahrfcheinlic, daß fie Varietäten einer Art find. ;
Ohne die fümmtlichen Sndividuen der Autoren, auf einen
Punct vereinigt zu haben, was bis jet in den größten Samm=
lungen nicht der Fall ift, dürfte e8 noch lange dauern, über
folhe Formen ins Meine zu fommen. Hier hilft Eein Eoftfpie-
liges und zeitraubendes Herumreifen an alle Mufeen Europas,
fondern allein, daß man dem Unterfuchenden dag Material, wel—
ches er zu Monographien bedarf, großmüthig Überfendet. Hat
man alle fraglichen Individuen beifammen, fo bilft eine einzige
Vergleichung in der Natur mehr, als das Nachlefen und Nach—
meffen der forgfältigften Befchreibungen und Manfe. Meine
Arbeit über Falconidae, an weldyen ich bereits 3 Jahre zu=
fammentrage, wäre beffer, und: das Werk eines Jahres gewor—
den, wenn ich das ganze gewünfchte Material auf einem Punct ©
hätte verfammeln fünnen. Da meine Unterfuhungen bereits
auf das große Material des Senfenbergifhen Mufeums zu
Frankfurt, Mainz und der hiefigen Sammlung geftügt waren;
fo hätte {ih meiner Arbeit die größtmögliche Vollſtaͤndigkeit
geben koͤnnen, wenn ich von einem jeden der. großen Mufeen
in Europa, als Berlin, Leyden, London, Paris und Mien,
20—50 Individuen und Arten hätte erhalten koͤnnen, um ftets |
alle Formen mit einander vergleichen zu £önnen.
Wann werden alle Vorftände großer Mufern zu der Einficht
fommen, daß ihre Schäße ihnen nicht allein, fontern der Wiſ—
fenfchaft gehören, und daß nur durch ein großartiges Zuſam—
menwirfen etwas Tuͤchtiges gefchaffen werden und Einheit in
die Beftimmung aller Naturkörper kommen kann. Werden
meine Beftrebungen und die Art und Meife, wie ich die Fal-
conidae beobachtet habe, fie bewegen, mich ben meinen projec=
tirten Monographien über Psittaeidae, Fringillidae et Mus-
eicapidae zu unterftügen und zwar nur mit dem, was Frank—
furt und den benachbarten Mufeen fehlt? Die Folge wird dieß
lehren, welche Muſeen mir großmüthig zur Hand gehen, welche
mich im Stiche laffen werden,
z
213
Bemerkungen
über die auf einer Neife nach Italien und Sicilien beobachteten
Scmetterlingsarten von P. C. Zeller.
(Fortfegung von Iſis Heft II. pag. 159.)
Papilio.
Coſta bat im Neapolitanifhen 6 Papilioniden entbedt,
1) Papil. Machaon. ‚Wenn die Raupe ſich von Cultur—
pflanzen nährt, fo befommt der Falter ein zarteres Golorit und
weniger Schwarz; von wilden Pflanzen, befonders von Cachrys,
erhält das Schwarze mehr die Dberhand; die blauen Flecke find
kaum fihtbar; das Gelbe verliert einen Theil feiner Lebhaftig:
£eitz dee Korper bedeckt fich mit längern, dunflern Haaren”
(Hierüber find meine Beobachtungen zu vergleichen). 2) Papil.
Podalirius. ‚Raupe auf Diften (Cardi), Neſſel ıc. [1];
“gelblich mit dunkeln Puncten. Die Färbung des Falters wie
bey Machaon veränderlih; Flügel faſt durchſichtig und ſchup—
penlos dureh Nahrung mit Cultur= und Gartenpflanzen. 3) Par-
nassius Apollo: auf den oberften Höhen der Majella und
des Gran Saffo im July und Auguſt häufig. 4) Parn.
Delius (fig.) mit P. Muemosyne in Galabrien nahe der
Buchenregion. 5) Paru. Mnemosyne auf dem Bergen
Afpromonte, Sila, Vulture, Gargano, Majello, Gran Saffo
in. zwen Generationen, auerft im April und May, dann im
Sup und Auguft. 6) Thais Hypsipyle (Polyxena),
„Die einzige Art ihres Genus in Stalien [2]. Um Neapel und
in Apulien auf Bergen zu Ende Aprils und früher.‘
Sch felbft habe nur folgende 2 Arten beobachtet:
41. (1.) Pap. Podalirius.
Var. Zanclaeus Zell. fronte breviter pilosa; alarum
posteriorum cauda longiore in apice latius. pal-
lida; abdomine flavido fere toto, subtus nigro-
bilineato.
Es wäre Inconſequenz, wenn ich nach Unterfuhung des
Pap. Machaon und der itafienifchen Pontien und der dadurch
gewonnenen Kenntniß vom Einfluß des Climas auf diefe Fal:
ter, den vorliegenden als eine eigne Art aufftellen wollte, wie
ich anfangs beabfichtigte. Zum Beweife, daß er eigne Art fey,
wird mehreres erfordert, woruͤber bis jeßt die Gewißheit fehlt,
"wie ich nachher augeinander ſetzen werde. Dennoch fann id
mich nicht enthalten, gegen Erihfons Anfiht, die auch die
meinige ift, daß man Varietäten nicht mit eignen Namen ver:
fehen dürfe, meinen Meffiner Papilio wegen feiner großen Ei:
genthuͤmlichkeiten wenigfteng mit einem Ortsadjectiv zu benennen.
Um Syracus fcheint Pap. Podalirius nicht einheimifch ; weis
ter füdlih, um Avola, das theilweife von Mandelbaumwäldern
eingefchloffen ift, wird er nicht fehlen. Sch war aber im Früh:
jahr, wann feine erfie Flugzeit feyn muß, weder dort, noch in
Mefjina, fieng alfo Eeinen Falter der erften Generation und ent=
behre fomit .eines der Haupterforderniffe zur Begründung feiner
Urtrechte. Denn eg ift durchaus nöthig zu unterfuchen, wie
fich diefe Generation zu der fpäteren und zum nordifchen Poda-
lirius verhält. Ben meiner Ruͤckkehr nah Meffina war der
fragliche Falter ſchon ziemlich verflogen. Am 10. July fam er
mir zuerft zu Geſicht; es waren abgeftäubte und zerriffene
Maͤnnchen, die, da ich feinen auffallend gefärbten Vorderrand
der Vorderflügel, alfo nicht die Warietät Feisthamelii bemerkte,
mich. nicht reizen Eonnten, auf Cinfammlung einer großen Zahl
bedacht zu feyn. Sie flogen an den Blüthen der Scabiofen,
die auf und an Gartenmauern tourzelten und daruͤber herab-
hingen, und waren mit leichter Mühe zu fangen. Diefe Blu:
214
men, bie zu den wenigen damals. blühenden gehörten, waren
fein gewöhnlicher Aufenthalt, befonders an den Eahlen Abhän-
gen des Gaftellaccioberges, den der Falter auch zu feinem Nadıt-
lager wählte. Wegen der Bequemlichkeit der Auswahl der we:
niger fchledhten Eremplare erhielt ih fo nah und nach 6 Männ-
hen und ein Weibchen. Sch befige von unferer einheimifchen
Sommergeneration fein Eremplar zum Vergleih, und diefe
ſcheinen mir ein zweytes Haupterforderniß für die Beurtheilung
ber Artrehtegder Sicilier zu ſeyn; ich bezweifle aber gar nicht,
daß wie an unfern Pontien, fo aud an unferem Papilio durch
die Sommergeneration die fehwarze Färbung zurüdgedrängt
und durch die helle verdeckt werde.
Pap. Feisthamelii Duponchel hist. nat. des Lepid.
Supplem. Papil. pl. 1. fig. 1. ©. 6 fommt offenbar unfe
tem Podalirius Zanclaeus am nädften. Duponchel be:
bauptet, fein Falter flirge mit dem gewöhnlichen Podalirius um
Barcelona zufammen, ohne daß fich beide mit einander miſchen;
ich alaube dies gern, nur mit der Einſchraͤnkung, daß id für
Podalirius den Frühling, für P. Feisthamelii den Sommer
als Flugzeit vorausfege, Ohne Vorbehalt glaube ich ferner
Herrn Dupondel, daß P. Feisthamelii über das ganze
Lıtorale des mittelländiihen Meeres verbreitet fy. Wagner
meldet (Neifen in Algier III., S. 203), in der Negentichaft
Algier ericheine von Podalirius auch die Varietät Feisthamelii:
viel weißer als die gewöhnliche Art mit gelbem Rande der Vor:
derflügel, mit Abweichung in einigen Flecken vom Podalirius
des gemäfigten Europas; aber feine Schwänze fein nicht
länger, wie Duponchel irrig angebe. Wagner muß
alfo in Algier den gewöhnlichen Podalirius auch getroffen haben;
Schade, daß er über die Flugzeit nichts mittheilt. Dupon—
het findet an feinem Pap. Feisthamelii folgende Verſchieden—
heiten vom P. Podalirius. 1) Oberfeite nicht überall gleich:
mäßig gelb, fondern ftandhaft weißlih; am WBorderrande der
BVorderflügel und am Rande der Hinterflügel dunfelochergelb.
2) Die ſchwarzen Binden breiter; die gelbe Linie vor dem Hin—
terrande der Morderflügel auf der Flügelhälfte verlöfchend.
3) Der ſchwarze, gelbgepuderte Raum der Hinterflügel, worauf
die blauen Mondficheln ftchen, breiter. 4) Der Augenfled ber
Hinterflügel regelmäßiger, beftebend aus einem ſchwarzen Halb:
monde, der an feinem obern Theile fehr gebogen ift und eine
blaue Mondfichel enthält, über fih aber 3 fehr parallele Halb-
zirkel (demicercles; die Figur zeigt nur flache Bogenlinien)
in febhaftem Nothgelb (roux vif — die Abbildung zeigt Blut:
roth), in-Gelb und in Schwarz trägt. 5) Die Hinterflügel-
ſchwaͤnze find verhältnifmäßig länger.
Bon diefer Varietaͤt untericheidet fih die Meffinifche in fol
genden Stüden: 1) die Oberfeite ift zwar gelblichweiß, aber nur
bis zu den über die Queradern beider Flügel ziehenden Binden;
dahinter iſt die Farbe merklich gelber, und zwar um fo merkli-
cher, als der weißgefärbte Theil bey verfchiedenem Auffallen des
Lichts etwag Neifartigihimmerndes hat. Der Vorderrand der
Vorderflügel und der Hinterrand der Hinterflügel ift zwar gel:
ber als die übrige Fläche, aber von der Färbung unfers notdi-
ſchen Podalirius nicht verſchieden, am allerwenigften aber dun—
kelochergelb (d’un jaune d’oere fonce), wie Dupondels
Abbildung. den Vorderrand der. Vorderflügel zeigt. 2) Die
ſchwarzen Binden find an ihrem obern Theile nicht breiter, ſon—
bern eher ſchmaͤler ald bey Podalirius; allein auf den Vorder:
flügeln verduͤnnen fich die beyden langen Binden, deren erſte
den erften Aft der Mebdianader berührt, die zweite über die
Querader zieht, bey weitem weniger als bey Podalirius, und
I, 5
fo zeigt es auch Duponchels Abbildung; die erfte der beyden
Binden erreicht füft in gleicher Breite den Innenrand, wo fie
ben Podalirius fehr verdännet anlangt. Die gelbe Linie‘ vor
dem Hinterrande der Vorderflügel ändert in der Länge ab, indem
fie an einem Eremplar das Maaß des P. Feisthamelii, bey den
andern das unfers Podalirius hat. 3) Der gelbgepuderte Raum
der Hinterflügel ift gar nicht breiter als bey P. Podalirius, ja
faſt noch ſchmaͤler. 4) Der Augenfleck der Hinterflügel wechfelt
in der Geftalt, und der rothgelbe Fleck darüber hat durchaus
die Geftalt wie Podalirius, indem er nehmlich breit und ein:
wärts fehr erweitert ift. (5, Die Schwänze find wie bey
Feisthamelii, nehmlich erheblich Länger und am Anfange duͤn—
nev ale ben Podalirius.)
Papil. Podal. Zanclaeus flimmt alfo in Vielen, woruͤber
Duponcel fpricht, mit Podal. Feisthamelii überein, unter
fcheidet fich aber durch lichtgelben Worderrand, gelbliche Hinter:
vandhälfte und fehmälere ſchwarze Binden der Vorderflügel: und
durch den breiten, rothgelben, eckigen Nand des Augenfleds der
Hinterflügel. Da Duponchel über die Beſchaffenheit des
Körpers nichts fagt, fo bleibt nocd) zu unterfuchen, ob fein Fal:
ter darinn mit dem meinigen beffer übereinffimmt, als feine
Abbildung, denn an biefer ift der Dinterleib ſchwarz, nur
nad) hinten und feitwärts heller.
Pon dem, was eine wahre fpecififhe Werfchiedenheit feines
Feisthamelii begründen fönnte, hat er alfo nur die Länge
der HDinterflügelf[hwänze angemerkt. Die an ber
Bafis verengte Geſtalt und die lange gelbe Spike derfelben
(welche wir auf der Abbildung fehen) hat er nicht beachtet, Es
ift merfwirdig, daß Wagner‘ die beträchtlichere Länge der
Schwänze ableugnet, während ein Vergleih von Duponchels
Bild mit einem nordifchen Podalirius die Nichtigkeit der Du—
ponchelfchen Angabe leicht beftätigt. Mein Podalirius fem.
zeigt noch eine vielleicht zufällige Verfchiedenheit in der Farbe der
Schwänze, der gelbe Nand geht nehmlich weiter gegen die Mitte
berab, und auf der Unterfeite fogar als dünne Linie bis zur
Spike. Das Mäunden befist diefe Auszeichnung nicht. Noch
habe ich auf etwas weniger Weſentliches aufmerfam zu ma—
chen, worin Dupondels und mein’ Falter von Podalirius
verfchieden if. Die beiden ſchwarzen Hinterflügelbinden gehen
ben ihnen mehr parallel, was baher kommt, daß die innere
Binde an ihrem Urfprung ſchmaͤler ift und dieffeits des erften
Aſtes der Medinnader d. b. mehr dem’ Innenrande genähert
bleibt. So zeigt es wenigſtens Duponchels Abbildung rich—
tig. Sie ſtimmt auferdem in Folgendem mehr mit dem
Zanclaeus als mit Podalirius überein: der Innenrand der
Hinterflügel iſt ſehr ſchmal ſchwarz, und da die folgende Binde
gleichfalls ſchmal ift, fo bleibt eis ſehr breiter, gelblicher, nur
etwas fchmwarzbeftäubter bindenartiger Streif dazwiſchen. In
Duponkhels Bild iſt er ſchon mehr verengt ald am Zanelaeus,
aber doch noch viel breiter al8 am Podalirius, wo er nur eine
dünne, unterwärts in der Beſtaͤubung verfchwindende Linie
bildet.
Der zweyte Hauptunterfchied zwiſchen Podalirius und Zan-
claeus befteht in der Karbung und Behaarung des
Hinterleibes. Bey Podalirius ift er auf der Rüdenhälfte
tieffchwarz und auf der Wurzelhalfte mit langen weißen Hanren
reichlich bekleidet; der Bauch iſt gelb wie die Unterfeite der Din:
terflüügel und bat zu jeder Seite zwey dicke ſchwarze Längslinien,
die nur bis an ben Rand des Aftergliedes gehen; die Bauch—
wurzel iſt dichter, aber Fürzer gelbhaarig als der Ruͤcken. —
Bey Zanelsens iſt der ganze Hintetleib gelblichweiß; auf der
216
Ruͤckenſeite fchimmert der ſchwarze Grund hervor, und nur gegen
die Bafis tritt er in einem fchmalen dreyedigen Fleck frey here
vor, der durch Abreiben eine größere Länge gewinnt, Die Obere
feite ift an der Bafis fehr fpärlich behaart, oder faft Eahl, und
die Unterfeite hat weniger und £ürzere, mweißlichgelbe Behaarung.
Die obere ſchwarze Seitenlinie fehlt ganz und gar;
fomit hat Podalirias Zanclaeus zwey ſchwarze Linien weniger;
die untere ift dünn und oberwärts gelb gerundet.
Der dritte Unterfchied liegt in der Behaarung des Tho—
rar und des Kopfes. Der Thorar ift bey Podalirius mas
dicht- und langhaarig, beym Weibchen auf der Hinterhälfte we—
nigftens feitwärtd ziemlich) lang behaart. Die Stirn ift dicht
mit ſchwarzen, ober= und unterwärts mit gelben Haaren bedeckt;
beym Weibchen find fie Eürzer, gelb und nur in der Mitte
fhwarz. — Beym Zanclaeus ift dag Männden am Hinter:
theil de8 Thorax fo behaart wie Podalirius fem., das Weib:
hen aber noch kahler. Die Kopfhaare geben aber einen höchft
auffallenden Unterfchied durch ihre Kürze; der ſtarke Buſch des
männlichen Podalirius fehlt gaͤnzlich; an beiden Geſchlechtern
ift die Beharrung und Färbung gleich, nehmlich hellgelb mit
einer dien fchwarzen Strieme, die vom Thorax her über den
ganzen Kopf zieht und am obern Munde des Dbergefichtd auf:
hört; nue am Augenrande find fhwarze Härchen eingemifcht.
Die Behaarung der Stirn und des Feibes, die Färbung des
Hinterleibes und die Länge der Schwänze find alfo die Merk—
male, die man nach meiner Anſicht beym Zanelaeus (und viels
feiht Feisthamelii, wenn fie ja als zu unerheblich verfchieden
zufammenfallen folften) bejtändig finden müßte, um darauf eine
gute Art gründen zu Eönnen. Es gehört dazu die Vergleihung
unferer Sommergeneration des Podalirius und der. Fruͤhlings—
generation des Zanclaeus.
Ueber das von Loͤw in der Gegend von Ephefus im April
oder May gefangene Eremplar des Podalirius habe ich nad: -
zuttagen, da es in dem vorliegenden. Falle von Michtigteit
fheint, daß eg männlichen Gefchlechts und in der Faͤrbung und
Behaarung des Körpers, desgleichen in der Färbung der Flügel-
und der Geftalt der Binden ein Achter Podalirius iſt. Der
Hinterflügelfchwanz ift nicht länger, wohl aber ein wenig ſchmaͤ—
ler und an der Spitze ein wenig breiter gelb. Das Hinterflü=
gelauge ift ſchmal und hat faft den fehmalen Bogenrand, mie
Duponchel's Feisthamelii, nur aber orangegelb, und nicht
dunfelroth. Es hindert alſo nichts, den Falter für den gemein-
ften Podalirius anzunehmen. Ich fann die Bermuthung nicht
unterdrüden, daß der Frühling ihn um Meffina in einem: gleis
chen Gewande auftreten laffen werde.
42. (2.) Machaon.
Var. a. vernus (Sphyrus H. ?) pilosior, abdominis
dorso late nigro, alarum anteriorum venis di-
latatis, omnium fascia postica latiore (spec.
Messan. mas. et fem ).
Yar. b. aestivus fronte brevius pilosa, abdominis
vitta dorsali nigra.
a) fascia alarım posteriorum cellulam discoi-
dalem attingente (Syrac., Mess., Bruss.).
ß) fascia alarım poster. cellulam discoidalem
non attingente; cauda breviore (Cat., Rom).
y) ut ß, sed cauda longiore (Neapol.),
Die ficilifchen Eremplare, vorzüglich die frühften, zeichnen fich
durch größere Ausbreitung des Schwarzen auf den Flügeln aus.
Daher find die Adern der Worderflügel breiter gerundet, die
217
ſchwarzen Flecke groͤßer, die dazwifchen liegenden gelben Zellen
und Räume eingefchränfter und Eürzer, "das ſchwarze Wurzelfeld
bis an den erſten Aſt der Medianader- verlängert ; die ſchwarze,
gelb und blaubeſtaͤubte Binde vor dem Hinterrande aller Flügel
ift vorzüglich breit, aber nicht immer reicht fie auf den Hinter:
flügein — wie an dem Männdyen, das Dr. Löw bey Bruffa
fieng — mit einer Ede an die werdidte Querader.
Die Frühlingsvarietät flog bey Meffina vom Anfang des
März durch den April, aber gar nicht häufig, an den Bergab—
hängen, :wo fie vorzüglich die Blüthen der Fedia cornu copiae
beſuchten. Ich fieng nur ein Männchen und zwey Weibchen;
fie find am Kopf, Nüden und Hinterhals Tanghaarig, und’ der
Hinterleib iſt oben in beträchtlicher Breite fhwarz. Am Bauch)
haben: die Weibchen zu jeder Seite eine ſchwarze Linie und in
der Mitte einen unvollfommnen Doppelſtrich, der an dem ein=
gezogenen Bauche des Männchen‘ zu fehien fcheint.
Die ‚Sommergeneration kam bey Syracus, wo einzelne Früh:
lingsfalter im April und wohl auch im May flogen, in der
Mitte Juny zum Vorſchein. Sie hat ihr Hauptmerkmal
darinn, daß ihr Hinterleib oben auf: in einem ſcharf “begrenzten
Streif tiefſchwarz, am der! Seite hellgeib'iit." Auf dem Bauche
find nur zwey feine ſchwarze Linien), die beym Männchen nicht
felten unter dem umgebogenen Rande der Rüdenplatten ver:
ſteckt liegen. Auf der’ Bauchmitte fehle die fchwarze Färbung ;
fie, traͤgt nur gelbe Behnarung.
Im: July und Auguft war Machaon nicht ſelten auf der
Halbinfel bey dem Leuchtthurm; er fegte fich an blühende gelbe
Difteln und war nicht ſchwer zu fangen. Die’ zwey dort er-
langten Sremplare zeigen das Schwarz der Hintetfluͤgel an die
Mittelzelle ſtoßend. An diefem Orte lebte die Raupe auf: der
ganze Streden befleidenden Cachrys pungens, wie mir eine leere
Puppe zeigte, die an einem trocknen Stengel diefer gelbbluͤthigen
Umbelle faß, und eine'nusgewachfene Raupe, die ich am 8. Aus
guft! fand. Sie kroch auf dem faft duͤrren Kraut und: war
bläffee als unjere Machaon-NRaupe. Am 4. Augnft hatte fie
ſich angeiponnen und fruͤh am 5. mar fie ſchon eine Puppe.
Der Schmetterling, ‚der mir in Neapel am 16. Auguft aus:
Eroch, gehört zum den kleinſten mir in Italien vorgefommenen.
Er iſt blaßgelb — die, Puppe war in einer verfchloffenen Schach:
tel verwahrt worden — und hat eine vorzüglich breite, ſchwarze
Binde der. «Hinterflügel, die mit der: Querader in einem breiten
Raume zuſammenhaͤngt; die Hinterflügelfhwänze find ſchmal
und ziemlich lang, tie an den bey Syracus im Juny gefange⸗
nen zwey Männchen. — Ein am 3. Zuly bey Catania gefan:
genes Weibchen ift dunfelgelb und gewaltig groß (dev Vorder:
flügel von der Baſis bis zur Spige faft 1 1) mit Eurzem,
ziemlich breitem Hinterfluͤgelſchwanz. — Bey Neapel erhielt ich
am 11. Auguft ein Männchen am Lucrinerfee,'und bey Rom
von mehreren ein fehr fchönes Männchen am 26. Auguft.
Beide ftimmen darin überein, daß fie das helle ‚Gelb unfers
gewöhnlichen! Machaon, dabey eine reichliche Beſtaͤubung auf
den Votderfluͤgeln haben, und daß ihre ſchwarze Hinterfluͤgel⸗
binde breiter ift als beym nördlichen Machaon. Sie find‘ ver:
fchieden in den Hinterflügelfchwängzen, die bey dem Neapolitaner
ſchmal und lang, beym Römer kurz und breit find; außerdem
hat: legterer am Bauche in der Mitte zwey fhwarze Striche.
Es ergiebt ſich hieraus eine "bedeutende Veränderlichkeit des
alters in der Färbung, Behaarung, Flügelgröße, Geftalt und
Ränge der Hinterfluͤgelſchwaͤnze.
Boisduval führt im Inder (S. 1.3) als neue Papilio-
nen-⸗Art Hospiton Gene aus Sardinien auf’ und bezeichnet
Iſis 1847, Heft 3,
218
fie fo: „verwandt mit Machaon, aber viel ſchwaͤrzer und völlig
verfchieden, indem auf der’ Unterfeite der Vorderfluͤgel die braune,
vor dem Rande befindliche Binde ſcharfgezaͤhnt und die ocher—
gelben Randflecke pfeilförmig find; auf der Oberſeite haben die
Hinterflügel‘ einen hochrothen Bogen im Schwanzwinfel und
Moͤndchen am Rande, Die Raupe: gruͤn mit ſchwarz, weiß:
lich⸗ und roth punctiert und mit verkuͤmmerten Doͤrnchen verſe⸗
hen, lebt auf Ferula communis.“ — Daß die Raupe ihre
Dornen, wenn auch verkuͤmmert, aus der Jugendzeit behaͤlt,
würde mir ein unwiderleglicher Beweis der Artverſchiedenheit
ſeyn. Allein die Boisduvaliſche Mittheilung iſt mir nicht
begruͤndet genug; ſie muß erſt von einem genauen Beobachter
wiederholt und genau mitgetheilt werden, wenn ich ihr unbe—
dingten Glauben ſchenken ſoll. Laſſe ich alfo bie Raupe und
ihre Sutterpflanze, die bey Meffina eben fo gut den’ Machaon
nähren kann, ganz aus den Augen, fo bleibt nichts uͤbrig, wodurch
das plane distinctus bewieſen wuͤrde; hoͤchſtens waͤre es der
rothe Bogen im Schwanzwinkel der Hinterfluͤgel.
Herrich⸗Schaͤffer ſtellt denſelben Hospiton in ber
ſyſtematiſchen Bearbeitung Tab. 53. Fig. 249. 250. ©. 140
vor und begründet die Artrechte mit mehrern Einzelnheiten, von
denen ich die wichtigen muſtere. 1) Vorderfluͤgel weniger
fpisig ald, ben Machaon. Meine zwey Meffiner Weibchen der
Varietaͤt a baben offenbar. breitere und ftumpfere Flügel als die
übrigen, mit, denen. das, Männchen, ‚ziemlich übereineommt; fie
bilden den Webergang ; von Hospiton zu unſerem ‚einheimifchen
Machaon, 2) Die. Schwänze der. Hinterflügel viel fürger.
Diefe zeigt, die Abbildung allerdings. ſehr kurz; aber eines jener
beiten Meffiner Weibchen, auf dag ſich am meiften die Merk:
male des Hospiton anwenden -laffen, hat fie Eürzer als das
andere und. faft fo kurz und fein wie Hospiton. 8) Die Hin—
terfluͤgelbinde iſt einwaͤrts nicht ſcharf begrenzt, ſondern in Atome
aufgeloͤſt. So habe ich allerdings Eeinen ‚Machaon gefehen ;
aber diefeg Merkmal fcheint mir ‚doch. zu, unerheblich. 4) Die
blauen Flecke darin viel kleiner. So Elein wie in der Abbildung
babe ic) fie an einem. fchlefifhen Männchen! Meine Südeuro=
päer find fehr reichlih mit Blau begabt. 5) Statt des hoch=
rothen runden Flecks im Afterwinkel ift bloß eine rothe Mond:
fihel da, die von der blauen daruͤberſtehenden durch eine
ſchwarze Linie getrennt wird. Diefe Bildung der Flede ift
allerdings fehr auffallend, da ich an Allen 'meinen Achten Ma-
chaon nichts Aehnliches bemerke. 6) Auf der Unterfeite der Vor—
derflügel bildet die’ ſchwarze Nandlinie eine ſcharfe Zadenlinie, und
die folgende "Binde ift auf beiden Seiten ſcharf gezähnt. Da
fi hierin eine ſehr große Veränderlichkeit zeigt, fo würde ein hoher
Grad der Ausbuhtung noch nichts beweifen; ein ganz eben fo
ſcharf gezähntes Eremplar befige ich freilich nicht. — Alle ande
ren Unterfchiede 3.3. der, daß die blauen Monde auf der Unter:
feite der Hinterflügel einen rothen Wiſch tiber ſich haben — mein
Meffiner Weibchen bat die drey Zellen zur Hälfte rothausge-
fuͤllt — find zu unerheblich, als daß fie” eine weitere Erörterung
verdienen follten.
Was alfo den Pap. Hospiton auszeichnet, ift nicht die Kürze
der Schwänze, nicht die Breite der Flügel, nicht das reichlichere
Schwarz, fondetn die Geftalt des rothen Flecks im Schwanz:
winkel der Hinterflügel — aber felbft diefe muß bey Machaon
dem Mechfel uritertvorfen feyn, da Freyer einen Machaon,
den Hr. Schäffer noch dazu für eine unerhebliche Varietaͤt
erklärt (S. 139) ganz ohne rothen Fleck abbildet N. Beitr. I.
Tab. 74, Fig. 1. ©. 138 — und boͤchſtens die ſtark gezahnte
Binde der Vorderflügel auf der Unterfeite, — Ob dieſes aber
14*
219
an vielen. Exemplaren ftandhaft bleibt? Bey fo großen Schmet:
terlingen hat man doppelte Vorfiht nöthig. In den Samm:
tungen find gewöhnlich wegen de3 großen Raums, ben fie ein-
nehmen, nur ein paar Eremplare ‚jeder Urt zum DBergleiche
vorräthig. Es kann daher fehr leicht geſchehen, daß, wenn unter
einer Maffe erzogener oder gefangener Eremplare die abweichend:
fen ausgewählt und dem Befiger von wenigen gemeinen Erem:
plaren alg neue Art vorgeftellt werden, diefem die AUnterfchiede
erheblich erfcheinen, weil ihm die Bindeglieder vorenthalten: find.
So ſchuf befanntlib Dahl neue Arten. So wurde auch die
bey Herrih: Schäffer fonderbarer Weife auf einerley Zafel
mit, Hospiton befindliche Thais Rumina var. Honnoratii zur
eignen Art erhoben, die. dann. eingezogen: werden: mußte, weil die
Mittelglieder ungeachtet, der Verſicherung des Entdeders der
vorgeblich neuen Art, daß es feine gebe, nicht unentdeckt blie=
ben. Ob nicht auch dem. Pap. Hospiton daſſelbe Schidfal
bevorftehen follte ?
Pontia.
Gofta Eennt als Neapolitanerinnen 1) Crataegi (um
Hreapel im May fliegend). 2) Brassicae („iſt der ſchaͤd—
lichſte Schmetterling für die Gemüfegärten, die er in menigen
Tagen verwüftet”‘). 3) Rapae (nicht weniger ſchädlich).
4) Narcaea im Auguft am Gran Saſſo. 5) Napi (ohne
genaue Ortsangabe mit einer Varietät: alis anticis rotundatis
integris, supra apicis nervis maculisque duabus fusces-
centibus, postica obsoleta, 'subtus albidis; alis posticis
supra albidis macula fusca obsoleta in margine antico,
subtus venis dilatatis virescentibus, welche er Ende Auguft
auf der Majella und dem Gran Saffo fieng; mag fie Ausges
zeichnetes hat, fcheint mir aus diefer Phrafe gar nicht hervorzu:
gehen). 6) Daplidice (felten in Gebirgsgegenden‘).
7) (6.) Cardamines (nicht felten). 8) (7.) Eupheno
(in Terra d’Dtranto in den Küftenwäldern von San Gataldo).
9) (8.) Sinapis (ohne Zlugort). 10) (9.) Ausonia (in
Terra d'Otranto fern von bewohnten Orten).
Sch habe hiervon nur ſechs angetroffen, nehmlich:
A. Pieris
43. (1.) Brassicae.
Die Raupe diefes Schmetterlingg überwintert um Mel:
fina, vielleicht gar.in ihrer Nahrungspflanze freffend ; am 6. Fe:
bruar fand ich eine ‚auggewachfene ‚an der Clypeola ‚maritima,
und am 23, März zwey angefponnene an einer Gartenmauer.
Schon am 18. Februar fah ich einen. männlichen Falter flie—
gen; diefe Art. war. aber. deffenungeachtet im März und. April
nicht fehr gewöhnlid).
Bey Spracus fieng fie an zu. Ende May häufig zu werden,
und am 22. Juny. traf. ich viele Falter, von’ beiden Geſchlech—
tern, die in Gefellfhaft von: Hipp, Ida, und Hispulla ein, Mit:
tagsfchläfchen hielten. Sie hatten fich bey der. druͤckenden Hitze
in dem, £ühlen Schatten der. Kalffelfen von, Epipolae ins Gras
und / an die aus dem Felſen hervorgewachfenen Kräuter: gefest,
von denen ich ganze Schwärme,. auffcheuchte.
Die ſiciliſchen Falter, find. in der Ränge des Endgliedes der
Zafter und in der Geſtalt der. Fühlerkolbe fo. veränderlich, mie
die unfrigen; die Hinterflügel der Sommergeneration zeigen ſich
weniger geftredt, mehr gerundet als die Fruͤhlingsfalter. (Auch
unfere einheimifche P. brassicae Ändert darin ab; das von Löw aus
Kleinafien von Adirnas mitgebrachte Weibchen, hat fie ziemlich
geſtreckt, die Fühlerkolbe fehr lang gezogen und das letzte Taſter—
glied lang.) Die Frühlingsfalter von Meffina find faſt alle
222
viel Eleiner (das Eleinfte Meſſiner Männchen. gefpannt 2 1"
breit, das Eleinfte Syracufifche über 24), als die Sommer:
falter von Syracus; die Oberfeite der Weibchen ift gelblichweiß,
befonders reichlich ‚mit‘ Gelb gemiſcht auf den Hinterflügeln.
Un: beiden Gefchlechtern ift die Slügelbafis, beym Weibchen fehr
ausgedehnt, ſchwarzgrau beftäubt, und die ſchwarze Vorderflü-
gelfpige ift vorzüglih am Rande durch vielen weißlihen Staub
verdeckt. Auf der Unterfeite find die Hinterflügel fchmusiggelb
und mit fehr reichlihem Staube bekleidet, der gegen die Bafis
am dichteften liegt; von dem ſchwarzen Fleck der Dberfeite ift
am Vorderrande felbft ein ſchwarzer Strich, vorhanden und dar—
unter felten foviel ſchwarzer Staub, daß er fich als Fleck in der
übrigen Beftäubung bemerkbar macht: Der Hinterleib ift am
Bauche gelbweiß, fonft ſchwarz, und trägt eine weiche, weiße,
ziemlich lange und reichliche Behanrung.
Die fehs von Syracus mitgebrahten Eremplare (6 M,,
IM.) haben außer ihrer Größe und der Breite ihrer Hinter-
flügel noch folgende Auszeichnung: die ſchwarzen Flügelfpigen
find weniger weißftäubig, ‚die Vorberflügelflede der Weibchen
größer und tiefer ſchwarz, die Flügerbafis viel weniger bejtäubt ;
legteres gilt ganz beſonders von der Unterfeite der Hinterflügel,
deren Gelb. beym Männchen heller, beym Weibchen: faft weiß:
lich ift, und: bey letzterem fehr fremdartig ausfieht. Der ſchwarze
Staubfled am Vorderrand ift wegen der fehlenden ‚andern Be:
ffäubung ſehr merklih. Der Hinterleib ift obenauf nur an
der Bafis weißhaarig, faft nur an den zwey erſten Rin-
gen; das Schwarze reicht meniger tief feitwärts und ift mit
weißem Staube Überdedt, durch welchen es am meiften an den
Einſchnitten hervorblickt.
Es ergiebt ſich hieraus eine P. brassicae a) verna:
alis posterioribus subtus dense pulvereis, abdomine nigro
longe villoso, subtus albido-(mas et fem. Messan.)
b) aestiva: alis posterioribus subtus rare pulvereis,
abdomine superne nigricanti ad basin piloso (mas et fem.
Syracus.)
Um Meffina war P..brassieae im July bäufig, aber fo
ſchlecht, daß ich fein, Exemplar mitnahm. Wie fich ihr Vor—
Eommen: um Neapel: verhält, weiß: ich aus eignev Erfahrung
nicht: anzugeben, da ich, mir. nicht8 ‚darüber, notirt ‚habe. Nach
Boisduval bewohnt P. brassicae aud) Aegypten, die. Ber:
berey, Sibirien, Nepaul, Caſchemir und felbft Japan. Er un—⸗
terſcheidet 4 Varietäten: A): erueivora [!] etwas kleiner, Vor:
derflügel anı der. Baſis, beſonders beym Männcen, fowie an
Borderrand und. Spike reichlich ſchwaͤrzlichgrau. Japan. —
B) Weibchen auf dev Oberfeite fchwärzlichgran. Paris. C) Maͤnn⸗
chen oben fo fchmarzfledig wie unten. Ganz Europa. :D) Weib:
chen $ kleiner, mit weniger. geftredten Fluͤgeln; $lede und
Borderflügelfpige: blaß ſchwaͤrzlichbraun. Vielleicht eigne Art.
Nepaul, wo auch die gemeine. europäifche Art vorfommt.
Stepbens, dem das richtige Gefühl für das, was Species
ift, gänzlich. abgeht, hat eine neue Species fabriciert undıin ben Illu-
strat, of brit. entom. IV. ©. 17 unter tem Namen Chari-
elea erft mit einer» corrupten Diagnofe characterifirt und dann
ausführlich befchrieben, begründet und Tab. 3. Fig. 1. abge:
bildet. Diefe Stephens iſche Species ift;Eleiner, die Vorberflügel:
ſpitze iſt oben aſchgrau ohne einwaͤrts gehende Zähne, beym
Weibchen ſchwarzgewoͤlkt; Franzen ringsum gelblichz Hinterfluͤ—⸗
gel auf der Unterſeite tiefer ‚gelb; und. dichter beſtäubt. So ein
Maͤnnchen, deſſen Vorderfluͤgelſpitze nur grau und einwaͤrts
ziemlich geradrandig iſt, habe ih im März bey Meffina gefan—
gen. Stephens würde wahrſcheinlich unter meinen ficilifchen
221
Eremplaren der. P. brassicae 2 — 3 neue Species herausges
funden haben. j
44. (2.) Rapae. .
a) verna: abdominis dorso late nigro, longius villoso;
alarım basi superne posterioribuspue subtus nigri-
canti - pulvereis.
«) alarum anteriorum apice nigro (mas. Mess.).
ß) al. ant. apice cinerascenti (mas et fem. Mess.).
y) al. ant. apice vix pulverato (fem. Syrac.).
b) aestiva 1. Syracusana: major, abdominis dorso
anguste nigro, basi tantum pilosa; alarum basi supra
posterioribusque (subtus flavicantibus) minus pulvero-
sis; anteriorum apice cinerascenti (mas_et fem.).
ß) ut @) sed major, alis posterioribus subtus flavis
(1 spec. fem.).
2. Messanensis: major, abdomine albo, basi tan-
tum pilosa; maris alarum basi posterioribusque
subtus vix vel nihil pulvereis.
&) alarum anteriorum apice maculisque mediocribus
nigris (mas et fem.).
ß) al. ant. apice maculisque magnis (1 fem.).
y) al! posteriorum macula utrimque expressa (1 fem.).
6) alis superne exalbidis (2 fem.).
e) al. aut. apice cinerascente (1 fem. Catan.).
Sie fängt bey Meffina in den Bergen vor dem 15. Febr.
zu fliegen an; denn ein. an dieſem Tage gefangnes Männchen
war fhon etwas abgeflogen. Sie iſt in diefem) Monat, dem
März und April keineswegs ‚häufig, und da fie weder im den
Gärten, noh an den terraffirten Bergen leicht zu verfolgen iſt,
fo ift fie mühfam und felten zu. fangen. Die. bis zur, Mitte
Aprils dort gefammelten Eremplare find auf, der. Dberfeite der
Flügel an der Baſis reichlich ſchwaͤrzlich beſtaͤubt, und dieſe
Beſtaͤubung zieht ſich ſchmal am Vorderrande der Vorderfluͤgel
bin. Hinſichtlich der Vorderfluͤgelſpitze zeigt ſich eine ‚Doppelte
Verſchiedenheit. Bey einigen Maͤnnchen und allen Weibchen iſt
ſie nur grauſtaͤubig, und eben ſo der Fleck darunter und der am
Vorderrande der Hinterfluͤgel, welcher letztere wohl auch ganz
fehlt. Das Weibchen hat ‚außerdem: noch, auf. den. Vorderfluͤ—
geln den Fed zwifchen der Subdorialader,und denn erſten Afte
der Medianader, und von ihm aus geht ein Staubftreif längs
des Innentandes bis zur Baſis. Ben zwey sandeın Männchen
ift die Vorberflügelfpige ſchwarz, aber nicht, in ſo großer Aus-
dehnung wie ben der Sommergeneration; auch der Fleck in. der
Gabel der. Medianader und der, Hinterflügelfled, find Schwarz
und beutlih. An diefen Exemplaren ifb auf der) Unterfeite. der
Vorberflügel der Fled in der Gabel vorhanden; von dem über
der Subdorfalader find kaum ein paar Stäubchen zu. entdeden,
während ihn. die blaffen, Exemplare und, die Weibchen öfters groß
und deutlich zeigen. Bey allen Crempiaren (aber ift die Unter—
feite der Hinterflügel fehr reichlich ſchwaͤrzlich beftäubt und. mit
dem gelben Mittelftrahl (dev Mittelfalte). deutlich gezeichnet, ber
von der Bafis aus nach dem Hinterrande läuft, Hinterleib -am
Bauche weiß, übrigens. ſchwarz und mit. weißlicher Behaarung.
Auch bey Syracus flog P. rapae nicht häufig. Zwey am
23. und 26. April gefangene Weibchen: haben: im: dee Vorder⸗
flügelfpige nur eine. kaum merkliche, graue Beſtäubung; auch
die. dee Unterfeite der Hinterfluͤgel iſt ſchwach, ungeachtet die
aewöhnlihen dunfeln Flecke in ‚gewöhnlicher Stärke! dx find.
Ob dieſe geringere Beftäubung der ganzen Fruͤhlingsgeneration
um Syracus eigenthümlicy oder nur zufällig ift, kann ich aus
222
Mangel an Material nicht entfcheiden. Zwey Männden uud
ein Weibchen, die ich in der Mitte May und im Juny fing,
fcheinen mir zu der Sommergeneration zu gehören; dieſe
hat wenig Ausgezeichnetes. Bey größerem Ausmaße haben
bie Flügel an der Bafis auf der Oberfeite eine ſchwache
Beftäubung und in der Flügelfpige einen deutlichen, grauen
Fed; bey den Männchen hat bloß die Gabel der Media-
nader einen led, bey den Weibchen iſt auch der untere da,
und ein ſehr ſchwacher Schatten zieht von ihm am Sinnen:
rande zur Bafis. Die Unterfeite der Hinterflügel hat ein fehr
blaffes Gelb: mit noch ſchwaͤcherer Beftäubung, die an der Au:
Fenhälfte fat ganz fehlt, fo daß hier der Strahl kaum noch zu
unterjcheiden iſt. Der Hinterleib ift reichlicher weiß gepudert,
läßt aber auf der NRüdenfeite das Schwurze, beſonders gegen
den Ruͤcken bin, deutlich ducchbliden.
Ein ſehr ſchoͤnes Weibchen (Var. b. 1.) fieng ih am
24. Manz; ich hielt es für ein Eleineres Eremplar der P: bras-
sieae, bis mich eine genaue Unterfuhung darüber belehrte, daß
es ein Mittelding von P. brassicae und P. rapae, und zwar
der letztern mäher iſt; felbft der Gedande, es möchte ein Baftard
von beiden feyn, iſt mir eingefommen. Es ift viel größer als
irgend ein Eremplar der P. rapae (Flügelfpannung 2’ 2’) mit
breiten, am Hinterrande nach außen converen Vorderflügeln wie bey
P. rapaez Vorderflügelbafis reichlich, aber blaßgrau beftäubt ; der
Fleck in der Flügelfpige [hwärzlih, am Vorderrande breit weiß
fäubig, am Hinterrande nicht bis zur: Mittelfalte "verlängert,
während er bey P. brassicae bis Uber die Gabel der Median:
ader hinreidt. Die zwey fchwarzen Flede find edig, ſcharfran—
dig, aber weniger tief ſchwarz als bey P. brassicae; an dem
untern beginnt ein grauer Innenrandfchatten, der an dem Filed
felbſt am tiefiten ift. Die Hinterflügel, an der Baſis faſt ohne
Staub, haben die gelbliche Mifhung der Grundfarbe aͤhnlich wie
P.:brassieae , was in dem Durchſchimmern der Färbung der
Unterfeite feinen Urfprung hat; am Vorderrand gegen die Bafis
ift das Gelb aber lange nicht fo tief wie bey P. brassicae.
Die Unterfeite hat in’ der Vorderflügelfpige und auf den Hin:
terfluͤgeln ein ſehr lebhaftes Gelb, wie es ſich bey P. rapae
gewöhnlich an der Vaſis des Vorderrandes findet, und mie ich es
an dem in der Iſis 1840. S. 131 beſchriebenen Weibchen
auch aufnder ganzen Flaͤche ſehe; der Worderrand iſt an ber
Baſis ſchmal orangegelb und: graue Staͤubchen zeigen ſich faſt
nur und ſpaͤrlich zwiſchen der Mittelfalte und der langen Ab—
dominalader. Der Hinterleib ift dicht gelblichweiß beftäubt mit
fehr wenig durchfcheinendem Grau, der Rüden an der Baſis
lang behaart, hinten fehr kurz pubescirend;' der Bauch ander
Seite fo gelb wie die Unterfeite der Hinterflügel. Das Endglied
der Tufter ift lang. — Was alfo diefes Eremplar der P. bras-
sicae nähert‘, iſt dier Größe, die Geftalt der Worderflügel, die
Größe, Geftatt und Schärfe der Flecke auf denfelben, die gelb«
lichweiße Farbe der Hinterflügel auf der Oberfeite und die leb—
haft gelbe auf der Unterfeite. j
Die im July und Auguft fliegende! Sommergeneration um
Meſſina wird durch ihren Faft' ganz weißen, nuran der
Bafis länger behaarten Hinterleib characterifirt. Das
Männcen'hat auf der ganzen Dberfeite ein fehr reines Weiß,
wie auch oft. das Weibchen; jenes’ ift an der Bafis ohne Be:
fräubung, diefes mit. einer ſchwachen und fehr hellgeauen. Die
Vorderfluͤgelſpitze "hat ben beiden einen ſchwarzen, am Vorder—
rande weißbeſtaͤubtem Fleet, von welchem an der Längsader, die
vom der Querader zum: Hinterrande geht, ein kurzer ſchwarzer
Strich binzieht. (Er fehlt den Weibchen öfters oder iſt mit
223 =
Staub bededt.) Der ſchwarze Fleck in der Gabel ift deutlich
und rund, beym Meibchen groß. Mur vdiefes beſitzt den Fleck
darunter, und zwat in verfchiedener Stärke, und bisweilen einen
dünnen Schatten am Innenrande bis zur Bafis. Auf der Un:
terſeite zeigt er fich im verfchiedener Stärke. Auch der Vorder:
randfleck der Hinterflügel Aandert in Größe und Stärke. Auf
der Unterfeite der Hinterflügel fehlt die graue Beftäubung beym
Männchen entweder ganz oder doch faft ganz, und auch beym
Weibchen ift fie nur unbedeutend gegen die Bafis vorhanden);
es zeigt fich alfo nur ein zartes, blaffes, faſt weißliches Gelb,
fo daß der Abftand zwifchen einem Männchen vom 11. July
und einem vom 15. Februar ungemein groß ift. Der Hinter
leib hat außer: den Haaren der Bafis und auf dem Rüden am
Anfange der, Segmente Furze, ſchwer Eenntliche weiße Haͤrchen
und am Bauche ein reineres Weiß als am Rüden.
Zwey Meibchen, von denen ic) das eine am 15. July in
der Begattung mit einem: eben befchriebenen Männchen fing,
haben auf der Dberfeite eine gelblichweiße Grundfarbe und dort
ein weniger tiefes. Schwarz in den Fleden (b, 2. 6). — Ein
andres Meibchen hat den Fleck in der Gabel der Medianader
fo ftark, daß es beide Adern berührt, an welden ein ſchwaͤrzli—
cher Schatten bis zum Hinterrande hingeht (b, 2. B). — Nod)
ein anderes Weibchen hat auf der Unterfeite der Vorderfluͤgel
über diefem led in der Gabel der Subcoftalader einen ſchwaͤrz⸗
lichen Nebelfled und einen ahnlichen am Worderrande der Hin:
terflügel auf der Stelle des Fleds der Oberſeite (b, 2. y). —
Ein am 2. July bey Catania gefangenes Weibchen gehört nad)
Hinterleib und Unterfeite der Hinterflügel zu diefer Meffiner
Generation; die Vorderflüigelfpige ift aber nicht ſchwarz, fondern
grau, und auch die Flede find Licht. — Ein Männden von
Sorrent (8. Auguft) bildet dadurd) den Uebergang zu der Sy—
tacufer Sommergeneration, . daß die Bafis der Flügel ſchwach
beftaubt ift, und auf feinem Hinterleibsruden der ſchwarze
Grund mehr. hervorfchimmert.
Un eine AUrtverfchiedenheit diefer Sommergeneration an ben
beiden verfchiedenen Kocalitäten kann nicht: gedacht werden.
Bey Meffina flog die Sommergeneration am liebften, mie
bev ung, an Ballota nigra, außerdem an Scabiofen; bey Gas
tania an Valeriana rubra.
Mie fich die. befchriebenen Abanderungen zu den Generationen,
unferer einheimifchen P. rapae verhalten, ift mir unbekannt,
da ich felbft bisher deren Werfchiedenheiten nicht beachtet habe
und nirgends etwas darüber angegeben finde. Scopoli führt
zwar 6 (Faun. Carniol. 170), Stephen® 4 Varietäten von P.
rapae auf (Sllufte. IV. 1. ©. 19), aber nur nad der Ber
fhaffenheit der Flecke und der Farbe der Vorderflügelfpige, ohne
Rüdficht auf den. Einfluß der Jahreszeit.
Nah Boisduval (Species gen. des Lepidopt: I.,
©. 520) fliegt P. rapae auch in Sibirien, Kleinafien, Kaſche—
mir, Aegypten und der Berberey. Wagner fagt nichts über
ihe Vorkommen in Algier.
Cofta müht ſich auf einer ganzen Quartfeite ab, die P.
rapae und P. brassicae zu unterfcheiden und giebt doc) Feine
oder irreführende Merkmale. Er bildet Tab. 3. Fig. 3. 4 als
Var. minor ein Weibchen ab, das fich durch nichts von P.
rapae als Durch feine Kleinheit unterfcheiden foll, und das er
in den böhern Regionen der Apenninen: Aspromonte, Matefe,
Gran Saffo im July und Auauft fand. Die Abbildung, fo
fehlecht fie ift, zeigt offenbar die P. Ergane Hübn. (Narcaea
Tr., Freyer) in außerordentliher Kleinheit (14% Fluͤgelſpan—
224
nung); denn auf der ganzen Unterfeite iſt gar Eein Fleck zu
fehen. Dennoch führt er unter eigner Nummer Pont. Narcaea
auf mit der aus Treitſchke abgefchriebenen‘ Artphrafe und
den eben daher, genommenen Gitaten! Er ſchreibt „darüber:
„Dieſer alter ift fiher nur eine Abänderung: (derivazione)
der P. rapae, was auch der vorerwähnte Autor (dem zu. citiren
er in der Eile vergeffen hat; er meint Treitſchke) daruͤber
meinen mag. Er weicht im Weſentlichen nur in der Groͤße
und darin ab, daß die Unterſeite der Vorder- und Hinterfluͤgel
ohne Flecke find. Mas die Größe betrifft, fo ift ſie an allen
Arten veranderlic, und vorzüglich an den fo gemeinen Faltern
P. brassicae und P. rapae. In Bezug, auf die Slede ift zu
bemerken, daß fie oft bey den genannten. Arten, verfchwinden,
ſowohl die der Unterfeite wie die der Oberſeite. Inzwiſchen
eriftirt ben P. Narcaea der Fleck der Spike und, jener Eleine,
der dahinter einmärts folgt, auf den Vorderfluͤgeln und auf
dem Vorderrande der Hinterflügel findet, fich. die Spur des
Flecks, den man deutlich bey P. brassicae bemerkt, jedoch ver-
wifht nad Werhältniß der. geringern Größe des Individuums.
Die Unterfeite der Hinterflügel iſt ‚grüm [2] gefärbt, nicht anders
als die der zwey genannten Arten, und wenn auch. diefe Farbe
ein wenig lebhafter oder einfürmiger ‚als. die der. beyden Falter
fein follte, fo würde biefe Sntenfität ber Faͤrbung noch nichts
für die ſpecifiſche Exiſtenz beweiſen. In ‚meiner. Sammlung |
finden ſich alle ſtufenweiſe Uebergaͤnge von dieſen Arten (di tali
speeie). Ich fing den Folter an den Abhaͤngen des Gran
Saſſo im Auguſt.“ — Ich muß hier darauf aufmerkſam
machen, daß Coſta eine aͤchte Prgane als Varietät der Rapae
abbildet und befpricht, als ob ihm die Unterfchiede beyder Falter
gar nicht bekannt find; daß alfo, was er darüber fagt, noch
keineswegs _ als Entfcheidung gelten kann. — Boisduval
erklärt in Spec. gen. des Lepid. 1., ©. 520 und im Inder
©. 4. 17 Ergane für P. rapae var., und Herr.-Schäff.
fällt in der foftematifchen Bearbeitung S. 96 daſſelbe Urtheit,
mogegen Keferftein in’ der entomolog. Zeitung J. ©. 171
die Artrechte ‘der Ergane als unzweifelhaft in Schutz nimmt.
Sc felbft neige mich. der Anficht jener zu, die beide Falter zu=
fammenziehen. Da P. rapae in Größe und Färbung wechſelt,
fo bteibt nichts für P. Ergane als die ungefledte Unterfeite
ber Vorderflügel, ein Unterfchied, deſſen Standhaftigfeit an et-
lichen Hunderten von Eremplaren (Tr. X., 1. 87) allerdings
etwas Auffallendes hat. Man weiß aber, daß Dahl gewiffen:
108 genug war, lauter gleiche Falter mit Befeitigung der ab:
weichenden zu fammeln, um fie als ftandhafte Species verhan-
deln zu koͤnnen; außerdem ift felbft an der einheimifhen P.
rapae der Fleck der Unterfeite der Vorderflügel bisweilen auf
ein paar Stäubchen reduciert, fo daß wirklich ber Uebergang
eriftirt, von welchem Cofta fpricht. Da ich P. Ergane auf
meiner Reife nicht gefunden habe, fo fehr id) mich aud nad)
ihr fehnte, fo würde ich, den Coftaifhen Angaben folgend, fie
für eine Warietät anfehen, welche die Gipfel der Apenninen er—
zeugen, wenn nicht die Dahlfchen Cremplare aus der Gegend
von Florenz ftammen und andere in Dalmatien, bier wohl nicht
auf hohen Bergen, gefangen feyn follten. Daß ich auf dem
Uetna feine Ergane ſah, würde nichts beweifen, da ich mid)
viel zu kurze Zeit an ihm aufhielt, und die Natur des Berges
eine andere zu ſeyn fcheint als die der Apenninengipfel.
Stephens trennt von P. rapae als eigne Art P. Metra
Illuſtre IV., 1. ©. 19: Vorderflügel fehr fpis, in der Spike
ſchwach duͤſter gemölft, an der Baſis ſchwarz; das Männden
225
mit einem, das Weibchen mit zioey. verlofchenenen düftern Fle—
Een. Hinterflügel weiß mit ſchwarzer Baſis und ſchwarzem
Borderfled. Unten haben die an der Bafis dunfeln Worderflü-
gel zwey verlofchene Flede. Hinterflügel lebhaft gelb, ſtark dunkel
beſtaͤubt; die vordere Hälfte der Discoidalzelle ift am mwenigften
befprengt. — Es ift nicht nöthig zu beweifen, daß diefe Metra nur
zur Srühlingsgeneration von P. rapae gehört, und nicht, wie
Stephens behauptet, zum zweiten Male zu Ende Juny fliegt.
44. (3.) Daplidice.
Faͤngt um Meffina in der Mitte März zu fliegen an und ift
alsdann von unferer Frühlingsgeneration aͤußerſt wenig unter-
fhieden. Sie hat faſt diefelbe Kleinheit, auf der Oberfeite an
der Baſis der Flügel faſt dieſelbe fchwärzlihe Beftaubung
(diefe reiht auf den Hinterflügeln nur bis zum dritten Afte der
Medianader, ſtatt wie gewoͤhnlich bey unfter Daplidice, die
Gabel zu erreichen und ſich bisweilen an der Querader hinzu=
ziehen) und auf der Unterfeite der Hinterflügel ein faft noch
mehr düfteres Grün. Ihr Unterfchied, — nad) vier am 18. März,
3.,. 11. und 15. April gefangenen Männhen — zeigt ſich
darin, daß ihre Vorberflügel etwas ftumpfer, und auf der Un—
terfeite der Hinterflügel und an der Spitze der Vorderflügel die
weißen Flecke etwas größer und reiner find, weßhalb die grünen
Einfaffungen der Enden der Längsadern an ihrer Mündung
abgerundeter und einwärt3 verengt erfcheinen; der Queraderfleck
auf der Unterfeite der DVorderflügel ift nur unten d. h. an der
Medianader fhwarz. Das einzelne Weibchen, vom 11. April,
iſt etwas ‚größer mit blaffem Schwarz auf der Oberſeite und
auf den Hinterflügeln ohne Flecke zwifchen den Aeſten der Median—
ader (fo erfcheint jedoch auch bey ung dag Meibchen bisweilen);
der Queraderfle der WVorderflügel ift auf der Unterfeite ausge—
zeichnet groß und ohne tiefes Schwarz. — Diefer Falter bat
denfelben raftlofen Flug wie unfere Frühlings = Daplidice und ift
daher ſchwer an den Anhöhen und in den Gärten zu verfolgen,
Zu Ende April ſah ih Daplidice auch bey Syracus fliegen;
id) glaube nicht, daß fie Eleiner war als unfere Sommergenera=
tion, weil ic fie fonft wohl verfolgt hätte. Im May und
Anfang Juny war die wirkliche Sommergeneration (dort viel-
leicht die erfte) nicht felten oben fauf den Höhen des alten
Spracus. Diefe Falter haben durchaus die gewöhnliche Größe,
find veraͤnderlich in der WVorberflügelgeftalt, wie unfere Dapli-
cide, mit eben fo wenig ſchwaͤrzlicher Beftaubung an der Baſis
der Flügel, und im männlichen Gefchleht find die Flecke der
Borderflügelfpige mehr oder minder tief ſchwarz. Das Männ-
hen zeigt den neblichten Fleck auf den Vorderflügeln oben gegen
- den Hinterwinfel gar nicht oder verlofchen, das Weibchen ftets
deutlich; jenes die Enden der Adern auf den Hinterflügeln mehr
oder weniger ſchwaͤrzlich beftäubt. — Auf der Unterfeite zeigen
die Vorderflügel an der Bafis weniger graue Beftäubung auf
hellgelbem Grunde, den Querfled beym Männchen nur unter
waͤrts, beym Weibchen auch höher hinauf ſchwarz; die Hinter
flügel ein wenig gelblicher grün und nicht immer mit größern
meißen Sieden, aber mit mehr Weiß am Innenrande.
Um Meffina flog im July die Varietät, von welher Och=
fenb. L, 2. ©. 158 Anm. ſpricht. Alle von mir mitgebrach—
ten Eremplare gehören zu ihr, und ich bezweifle, daß ich andere
als folhe Eremplare gefehen habe. Ob fie die zweite Genera=
tion, die ich wenigftens für die freiern Gegenden z. B. Syracus
vorausfege, oder die einzige um Meffina vorkommende find,
muß, durch fernere Beobachtungen entfchieden werben. Es ift
Sfis 1847. Heft. 3,
\
226
leicht möglich, daß es mie bey ung nur eine doppelte Generas
tion giebt, und daß die Eremplare, die ich als die erfte Som-
mergeneration — April und May gelten ald Sommer — an—
fehe, nur die Nachkommen der etwa im September und Dctbr.
fliegenden Daplidice find. Das Durhmwintern der Raupe von
P. brassicae giebt diefem Gedanken eine Stüge. — Ochfen:
heimer hat nur dad Männchen bezeichnet. Zu dem, was er
darüber fagt, ift bepzufügen: die Flügel find an der Baſis faft
gar nicht grau beftäubt; Die Flede fcheinen weniger durch,
weshalb die weiße Grundfarbe der Oberfeite reiner bleibt. und
von den fehe dunkeln Vorderflügelfleden greller abfticht. Auf
der Unterfeite hat der Mittelfle® der WVorderflügel Eeine Aus:
zeichnung vor dem unferer gemeinen Daplidice; dag Gelb
gegen die Baſis derfelben iſt aber breiter, lebhafter und‘ weniger
beftäubt. Die weiße Mittelbinde der Unterfeite der Hinterflügel
ift an Eeinem meiner Eremplare ganz vollftändig, fondern von
den gelben Laͤngsadern durchzogen, von denen die innerfte, nehme
lich der erfte Aft der Medianader grünftaubig eingefaßt iſt; fie
entiteht bloß durch Vergrößerung und daher folgendes Zufam:
menftoßen der weißen Flecke. Das Grün ift heil und reichlich
mit Gelb gemifcht. Der Innenrand ift weiß und fehr wenig
hier und da gelbgrüun beftäubt. Der Hinterleib ift weiß
und nur obenauf gegen die Bafis fhwärzlid. Die
Vorderflügelgeftalt ift ein wenig veränderlich, ebenfo die Größe
in beiden Gefchlechtern, indem feltnere Exemplare nur die Größe
unferer Frühlingsgeneration haben. Das Weibchen hat obenauf
an der Bafis der. Flügel graue Beftäubung, und. die Spitze fei-
ner Vorderflügel hat ſowohl oben wie unten gewöhnlich Eleinere
weiße Flecke als unfere Daplidiee. Auf der Unterfeite der Hin-
terflügel .ifE der weiße Snnenrand mehr gelb angelaufen als beym
Männchen. — Zwey Weibchen von der gewöhnlichen Größe der
Sommergeneration haben auf der Oberfeite der Flügel eine gelb—
lihe Beymifhung in der weißen Grundfarbe, vorzüglih im Mit:
telfelde. Ihre Adern auf der Unterfeite der Hinterflügel find
faft orangegelb gefaumt, und das Grün ift noch reichlicher als
fonft mit Gelb gemifht (2, b, 7).
Diefe Meffiner Varietaͤt fliegt im July an den Bergen
überall an Blumen, vorzüglich Scabiofen, und bey weitem nicht
fo wild wie die Frühlingsfalter — eine Bemerkung, die ganz
auf unfere einheimifche Daplidice paßt.
Mit der Meffiner Sommer - Daplidice fiimmen Eremplare,
die ich in Pompeji am 7. Auguft, bey Sorrent am 8. Auguft
am Avernerfee am 11. Auguft fieng; fie haben an der Baſis,
der Flügel auf der Oberfeite ein wenig mehr grauen Staub und
den Innenrand der Hinterflügel auf der Unterfeite gelblicher.
Die Unterfchiede der Generationg= und Localitätsverſchieden—
heiten, die ich fand, diagnofieren ſich folgendermaßen:
1) verna: minor. (a. nostras: alis anterioribus acu-
tiusculis, . posterioribus superne magis nigricanti-
pulvereis). 6. Messanensis: al. ant. minus acu-
tis, posteriorum basi superne minus pulverosa.
2) aestiva: plerumque major, alarum basi superne
minus aut nihil pulverosa.
a) vulgaris (a. nostras: alarum posteriorum
maculis subtus albis minoribus, margine abdomi-
nali virescenti, albido-maculato). 8. Syracu-
sana: alarum posteriorum maculis subtus majo-
ribus, margine abdominali viridi alboque maculato.
b) Messania et Neapolitana «. major, superne
alba, maculis alarum posterivrum albis mediis in
- 15
227
fasciam dilatatis,
abdomine albido.
ß. minor, ceterum ut «.
y. major, superne ex flavido alba, subtus fulvo - venosa
(2 fem. Mess.).
Nah Gofta foll Daplidice im Neapolitanifchen felten (dirado)
ſeyn; fie fliege aber in Menge gleich vor den Thoren von Nea-
pel und überall in der Umgegend, wo ich gemwefen bin! —
Wagner führt Daplidice nicht nnter den Algierifchen Schmet⸗
terlingen auf; aber nach Boisduval (Spec. gen, des Le-
pid. I., ©. 545) fommt fie in der DBerberey vor. Daß fie
in Aegypten fliegt, verfiherte mir Hr. Ruͤppell bey der Anfiht
meiner ficilianifchen Inſecten.
46. (4.) Ausonia.
Anthocharis Ausonia Boisduval Spec. gen. des Lepid.
I. p. 561. 5. — Index Lep. europ. p. 5.26. — Her rich⸗
Shäffer Syſt. Bearb.
Sie begann am 11. April bey Meſſina auf Bergabhängen
zu fliegen, an denen fie faft nicht verfolgt werden Eonnte. Bey
Spracus war fie in der Gegend der ehemaligen Epipolae "zu
Ende Aprils weniger felten, aber gleichfalls auf felfigen Abhaͤngen.
Ihr Flug hat große Aehnlichkeit mit dem der Zrühlings-Dapli-
diee, in deren Gefellfehaft fie auch vorfommt; fie hat eine ge⸗
wiffe, ſchwer auszudruͤckende Eigenthümlichkeit, woran man fie
faft immer ficher von diefer unterfcheidet. Die Weibchen zeig.
ten fich big gegen Ende May — felbft ein ziemliches Männ-
chen fieng ih am 28. — und weiter verbreitet ald die Männ:
chen, auf den Feldern bey Tyche, aber fehr einzeln, Scabiofen-
und Diftelblüthen befuchend. Welche Blumen die Männchen
vorziehen, weiß ich nicht; ich fah fie immer nur umberjagen.
Diefer durch feine gelben Adern auf der Unterfeite der Hin-
terflügel vor der füdwefteuropdifchen Tagis ausgezeichnete Falter
ift 1) in der Größe veränderlih. Das Eleinfte Männchen ger
fpannt ift 1° 7° breit, das größte Meibchen 2" breitz das
afiatifche Exemplar, das ich als P. Simplonia Bdv. aufgeführt
habe, iſt 2" 3 breit. 2) Inder Geftalt der Vorderflügel.
Die Männchen haben fie weniger gerundet als die Weibchen,
aber unter fich mieder mehr oder weniger; ein ſuͤdfranzoͤſiſches
Maͤnnchen hat fie auffallend geftredter als alle meine Sicilianer,
3) In dem Queraderfled der Worderflügel, der auf der Dbers
feite beym Weibchen faft ein längliches Viereck bildet, und bey
einem Cremplar wenig länger als breit, und dabey ausgezeichnet
groß if. Am franzöfichen Eremplar ift er viel dünner und
einwärts tiefer eingefchnitten als bey den ficilifhen Männchen.
Auf der Unterfeite bildet die Duerader in ihm eine ſehr deut—
liche weiße Mondfichel, die auf der Dberfeite nur bey einzelnen
Meibchen durch hellere Stäubchen angedeutet ift. 4) In ber
ſchwaͤrzlichen Beſtaͤubung der Flügelbafis auf der Dberfeite bey
beiden Geſchlechtern; am ſchwaͤrzeſten ift fie bey dem Meffiner
Männchen vom 11. April. 5) In der mehr oder weniger reinen
und reichlichen gelbgrünen Farbe der Unterfeite der Hinterflügel.
Sie fieht öfters durch ſchwaͤrzliche Stäubchen wenigerangenehm aus
und ſchraͤnkt die weißen Flecke auf einen geringen Umfang ein. 6) In
der Befchaffenheit der weißen Flecke der Unterfeite der Hinterflügel ;
gewöhnlich find fie ohne allen Glanz. Bey einem Syracufer
Männchen (26. April) glänzen einige ein wenig, nehmlich die
zwey fich an der Querader vereinigenden, und der ziwifchen dem
"iften und 2ten Afte der Medianader befindliche. Bey dem
einzigen Meffiner Männchen (11. Aprit) glänzen faft alle Flecke,
beynah fo lebhaft wie bey Belia. Daß diefes Exemplar durch—
margine abdominali fere albo;
228
aus nichts teiter ift als Ausonia, lehrt der Uebergang und bie
Uebereinflimmung aller übrigen Merkmale. 7) In der Geftalt
der Fuͤhlerkolbe; fie ift umgekehrt eyförmig und flach, aber ver-
Anderlic) in der Breite. Das franzoͤſiſche Männden hat fie
fhmal; ein Männchen, deffen Fühler durch Verkrüppelung ver—
kürzt und ungleich geworden find, hat fie befonders groß und
breit. Ben einem Weibchen ift fie ganz ſchmal und chlindrifch ;
eine genauere Betrachtung zeigt aber, daß fich ihre Seitenränder
einwärts gebogen haben, wodurd fie. felbft gewiſſermaßen der
Länge nach zufammengefaltet ift.
Der Vorderrand der Vorderflügel hat auf der Dberfeite faft
Eeine ſchwarzen Stäubchen.
Bois duval ift in den Merkmalen, bie er für feine Sim-
plonia gibt, unficher. In den Papillons d’Europe gelten ihm
als folche: die beträchtlichere Größe; 2) gerundetere Worderflügel;
3) dunflere und haarigere Baſis der Oberfeite; 4) der in der
Mitte mit weißer Linie verfehene Queraderfleck der Vorderfluͤgel
und 5) feine ſchmale, nierenförmige Geftalt auf der Unterfeite. —
Merkmale, die ich alle mehr oder weniger vereinigt an meinen
17 Eremplaren der Ausonia vorfinde. In den Spéc. general
d. Lep. hält er für characteriftifh die Merkmale 1, 2, 5,
außerdem den ſtark fchwarz punctierten Worderrand der Vor—
derflügel und die Geftalt des Querflecks; er foll Eleiner und
mondförmig beym Männchen, größer und trapezoidiſch beim
Meibchen feyn, und fich bey beiden an die ſchwarze Punctierung
anfchließen. Boisduval felbft vermuthet eine Varietaͤt; aber
im Index läßt er Simplonia als eigne Art ftehen.
Eben dafelbft meldet er: die Raupe, welche auf Biscutella
und andern Gruciferen lebt, ift flaumhaarig, gelb, ſchwarzpunctiert
und mit 3 blauen ängsftreifen, wovon einer auf der Nüden-
mitte und einer an jeder Seite; letzterer unterwarts mit feiner
ſcharfen weißen Linie gerandet. Die an den Enden dünne,
grüne Puppe iſt vorn violettlih purpurfarben.
Nach feiner Angabe Eriecht der Falter im Suny aus. Um
Syracus gibt e8 aber im Juny nur noch hoͤchſt felten ein ver—
flogenes Weibchen; hier ift die eigentliche Slugzeit das Ende
des Aprils und der Anfang des May.
47. (5.) Cardamines. l
Um Meffina in. den tiefen Gebirgsthälern zu Anfang April
nicht felten, im Betragen wie die hiefige P. Cardamines. Ein
Pärchen von dort (12, und 15. April) zeigt die Größe unferer
Eleiniten Cremplare; das ‚Männchen hat ſchmale Vorderfluͤgel,
die ſchwaͤrzliche Vorderfluͤgelſpitze [hmal, den ſchwarzen Quers
aberfle groß und mie bey den Männchen mit. einem weißen
Punct in der Mitte, und dag Nothe nur fo eben über ihn hin=
wegreihend. Ein Männchen mit folhem Roth fieng ich auch
bey uns; bey den Eleinafiatifhen Cremplaren reiht es nur
wenig weiter einwärts, Andere Auszeihnungen entdecke ich nicht.
B. Leucophasia.
46. (6.) Sinapis.
Nur ein fchönes Weibchen fah und fieng ih am 23. März
ziemlich tief-im Gebirge bey Meffina, als e8 fich, um zu ſau—
gen, an die Bllthe von Vinca major gefegt hatte. Es hat
ein wenig breitere und rundere Vorderflügel als meine hiefigen
Eremplare; Übrigens gleicht es aber gewöhnlichen, an der Vor—
derflügelfpige grauen Weibchen auf das Vollkommenſte.
‚Colias.
Ben Cofta finden fih nad Abrechnung der Rhodocera rhamni
und Cleopatra als neapolitanifch folgende 4 Arten vor: 1) Edusa
229
(„micht gemein’) ; 2) Phieomone (‚im July bey Gaivano’);3) Hyale
(‚gemeiner als die vorigen, bey ung auch im Dctober‘); 4) Pa-
laeno („gemein in faft ganz Europa, zu gleicher Zeit mit den
vorigen‘).
Daß Edusa im Königreich Neapel vorkommt, ift gewiß;
fehe zweifelhaft fcheint e8 mir aber, ob die alpine Phieomone
dort lebt; Hyale dürfte wohl dort norfommen!, obgleich Cofta
auch die heile Edusa dafür genommen und in feinen Angaben
über die Häufigkeit ungenau gefprochen haben fann (denn die
helle Edusa ift gar nicht häufig). Daß aber Palaeno im
Neapolitanifchen gar nicht zu finden ift, nehme ic) als ausge:
macht an. — Sch traf in Stalien 2 Arten:
49. (1.) Hyale.
Erft auf meiner Ruͤckkehr aus Stalien Fam mir diefe Art
wieder vor Augen, und zwar auf dem ganz der italiänifchen
Fauna angehörenden Suͤdabhange des Karfts, wenig über der
Stadt, am 12. und 15. September, Das mitgebrachte Paar
bat nichts vor dem fchlefifchen Falter voraus, als in der ſchwar—
zen Vorderflügelipise Eleinere und verlofchenere gelbe Flede, und
das Meibchen eine fchmächere, weniger ausgebreitete Beftaubung
an der Bafis der Flügel und den Fleineren glänzenden Fled
auf der Unterfeite der Hinterflügel verhältnifmäßig groß und
lang gezogen. In Steyermarf war Hyale auf den Wieſen
zur Seite der Landſtraße füdlih von Marburg nicht felten ; das
mitgebrachte Paar ift fhon ziemlich verflogen und gleicht unferer
biefigen Hyale; das Maͤnnchen ift fehr Elein, das Meibchen
hat geſtreckte Vorderflügel.
50. (2.). Edusa.
Var. 1) vera. a) major. «) mas, limbo alarum ni-
gro venis flavidis dissecto.
ß) mas, limbo alarum nigro Itantum ad apicem venis
flavidis dissecto.
y) mas, limbo alarum nigro, flavo-pulvereo, venis flavis
obsoletis.
6) fem., maculis in limbo alarum posteriorum flavis.
&) fem., maculis in Iimbo alarum posteriorum flavo-
virentibus nebulosis.
b) minor. «) (mas et fem.) limbo alarum posterio-
rum lato.
ß) mas, limbo alarum posteriorum angustato.
y) mas, alis posterioribus purpureo-micantibus, limbo
angusto sine venis flavidis (ad Myrmidonem transitus:
Helena?)
Var. 2) Helice. fem. (Syrac., Catan., Fulign.)
Ueber die fpecififche Werfchiedenbeit der Col. Edusa und
Myrinidone find von namhaften Autoren verfchiedene Meinun-
gen ausgefprochen, von wenigen auch gründliche Unterfuchungen
angeftellt worden; man ift noch nicht einig und mwird fchwerlich
fo bald zu einem fihern Nefultat gelangen, wenn man nicht
Eremplare aus den verfciedenften Gegenden und von verfchies
denen Generationen in Menge vereinigt und gewiffenhaft unters
ſucht. Duponchel (Hist. nat. des Lepid. Suppl. 1832.
pl. 14. fig. 3.4. (m.) 5 (f.) unterfcheidet Myrmidone von
Edusa 1) durch 4 Eleinere Größe, 2) das lebhaftere und mit
Purpur gemifchte Gelb; 3) den grünlid) beftäubten Worderflügel-
rand des Maͤnnchens ohne gelbe Adern gegen die Spike. - Er
» fügt hinzu, dag man Myrmidone für eine bloße Localvarietät
halten möchte, wenn man nicht die Gewißheit (?) hätte, daß
die 2 Arten zufammenfliegen, ohne ſich zu vermifchen.
‚ 230
Boisduval (Lepid. d’Europe 1.1832. pag. 37. pl. 9.
fig. 1.2. (m.) hält e8 für möglich, daß Myrmidone eine Lo—
calvarietät Rh; „aber, fagt er, da man fie beide in denfelben
Gegenden fängt, fo muß man, bevor man es als gewiß aus:
fpriht, die Raupen vergleichen Eönnen [die bey Coliaden tiber
haupt fehe fchwache, und bey fo nahe verwandten Arten wahr:
fheinlidy gar Feine Verfchiedenheit zeigen!]. Nach ihm ift Myr-
midone mas £leiner, lebhafter und purpurſchimmernd gefärbt
mit. gerundetern Flügeln und mit einem Vorderflügelrande, der
nur fehr zart grünlichgelb beftäubt ift, ftatt daß er bey Edusa
gegen die Spise gelbe Adern hat; das Meibchen hat eine tiefere
Färbung als Edusa fem. und lebhafte gelbe und £leinere Flede
als Edusa, und diefe reichen auf den Hinterflügein vom Sn:
nenrande bis zum Worderrande. — In den Spec. gen. des
Lepid. I. 1336. pag. 637. Col. Myrm. hebt er zweymal ber=
vor, daß man dieſe Art immer von der Edusa am Mangel
der fleinen gelben Adern in der Vorderflügelfpige unterfcheiden
werde; außerdem bekräftigt ec die Dupondelifche Behaup—
tung, daß fie mit Edusa und Chrysotheme * zufammenfliege
und fid nit mehr mit ihnen mifche als P. brassicae, rapac
und napi mit einander; auch hält er die Angabe für irrig, daß
Myrmidone in Frankreich vorkomme. — Treitſchke (Schm.
v. Europa X, 1. 1834. ©. 91.) will die Entfcheidung von
der Zuht aus Raupen abhängig machen. Diefe ift aber ſchwer
möglih. Denn die Goliaden legen ihre Eyer zerftreut und
laffen ſich wahrfcheinlih in der Gefangenfhaft weder zur Bes
gattung noch zum Eyerlegen bringen, fo daß es kaum ausfuͤhr—
bar fenn wird, die Nachkommenſchaft eines Falters durch meh—
tere Generationen in einem Zreibhaufe unter verfchiedenen Eünft-
lichen Climaten zu erziehen. Die von ihm angegebenen 5 Vers
fchiedenheiten der Falter find die Boisdupalifchen mit der
Abweihung, daß der ſchwarze Rand der Flügel bey Kdusa
breiter ſeyn fol. Die Verfchiedenheit in der Geftaltung deffel-
ben drüdt Treitſchke gar fonderbar fo aus: die Eden der
gelben Grundfarbe gleihen bey Edusa dem Ausſchnitte einer
Silhouette, während fie bey Myrmidone mehr blätterartiq (1),
gleich, abgerundet find. Herrih=: Schäffer (Syſtem. Bearb.
1843. ©. 105.) ftellt ‚die Unterfchiede fo auf: Myrmidone:
Unterfeite der Hinterflügel, befonders beym Männchen hochgelb,
viel weniger grünlich als bey Edusa; die dunfeln Randflede
faum zu erkennen, die Mittelflecke mit goldgelbem, einwärts
fchief, auswärts undeutlich eingefaßtem Ringe; Fleiner als Edusa,
Farbe befonders des Männchens röther, der Saum mehr dun—
felbraun als fhwarz, die Franzen gleichmäßiger rofenfarben ;
beym Männchen die Adern im ſchwarzen Saum ohne Spur
von Gelb. — Edusa: Unterfeite der Hinterflügel ſchwefelgelb
mit ſtark grünlihem Hauch, die dunfein Randflede deutlich;
die Mittelflecke mit ſchmutziggelbem, beiderfeit3 fcharf eingefaßtem
Ninge; Franzen zwifchen den Rippenenden gelb, die Adern im
fhmwarzen Außenrande zum Theil fein geld. — Diefe Unter:
fehiede find augenſcheinlich auf zu wenig Exemplare gegründet,
als daß fie alle ftandhaft fern Eönnen. Herrich-Schaͤffer
liefert t. 45. fig. 206. 207. eine männliche Col. Helena, die
in feiner Bearbeitung ausgelaffen ift, und über welche er ©. 162.
bloß fagt: „Col. Helena Bischoff. aus der Türken möchte
ſchwer als eigne Art von Myrmidone zu trennen ſeyn.“ —
....* Chrysostheme mas ift ftets ficher daran zu erfennen, daß
auf dem Vordetrande der Hinterflügel der roftgelb beſchuppte, laͤnglich
runde Fleck fehlt, den Edusa und Myrmidone befiten,
231
Die Vorderflügel zeigen ein ber Col. Myrmidone entfprechendes
Nothgelb; der ſchwarze Vorderflügelrand ift zwifchen den Adern
conver, läuft an den Adern etwas aus und hat in der Spike
gelbe Adern; der ſchwarze Hinterflügelvand ift noch ſchmaͤler
als ben Myrmidone. Auf der Unterfeite ift die Grundfarbe
arünlichgelb, die fhwarzen Flecke der Vorderflügel ziemlich groß
und die röthlichen Ringe der Hinterflügel einwärts wie auswärts
breit und gefchloffen. Es heben ſich alfo dadurch ſchon die
meiften der oben angegebenen fpecififchen Unterfchiede. — Die
gründlichfte Unterfuchung verdanken wir Herrn v. Prittwitz,
der im dritten Bericht des fchlefifchen Zaufchvereind 1842. ©. 19.
über die fpecififchen Unterfchiede der Edusa und Myrmidone
ſehr ausführlich handelt, moben ihm leider die Werke Du-
ponchels und Boisduvals und eine hinreichende Zahl Er:
emplare von Edusa mangelte. Mit Necht verwirft er den Un:
terfchied der Größe; denn Edusa ift darinn ſehr veraͤnderlich.
Er nennt Myrmidone ſchlanker: was ich ‘gar nicht finde,
obgleid ih Eremplare der Myrmidone, die ich von ihm ſelbſt
erhielt, mit den von mir gefangenen ber Edusa vergleiche.
Er nennt den Hinterrand der Vorderflügel bey Myrmidone
conver und geradlinig, bey Edusa concav; allein dies ift bey
bepden Arten fo wenig ftanddaft, daß es fich oft gerade umkehrt.
Er findet Myrmidone ſtets höher gefärbt, beym Maͤnnchen auf
alten 4 Flügeln, beym Weibchen auf den vordern. Bey Myr-
midone ift die Höhe der Färbung eben fo wenig ftandhaft wie
ben Edusa, und wenn leßtere auch in der That nicht einmal
die der lebhafter gefärbten der Myrmidone erreicht, fo fchließen
fich die lebhafteft gefärbten Eremplare der Edusa doch fehr gut
an die fanft gefärbten der Myrmidone an. (Here v. Pritt—
wis unterfcheidet von der ſtark blauroth ſchillernden Myrmidone
eine nicht blauroth ſchillernde Warietät mit eignem Namen,
Oytisi, was niht zu billigen ift.) Berner foll der ſchwarze
Aufenrand der Hinterflügel ben Edusa doppelt fo breit ſeyn als
ben Myrmidone. Diefer Unterfchied ift ziemlich ftandhaft; ich
befise aber ein Eleines Maͤnnchen unbekannten Vaterlands, das
nad) der Höhe feiner Grundfarbe und dem über diefelbe verbreis
teten ſtarken Schillet nur Myrmidone feyn kann, und das die:
fen Rand ebenfo breit bat wie fchmalrandige Eremplare der
Edusa; denn diefe ift auch darinn veränderlih. Endlich iſt
nach v. Prittwig bey der männlichen Edusa ſtets auf allen
4 Klügeln diefer Rand von gelben Adern durchzogen, bey Myr-
midone niemals. Diefe Verfchiedenheit, auf welhe Treitſchke
durh Boisduvals Worte hätte Eönnen aufmerffam werden,
ift noch eine der beften, die man aufitellen kann; ich gebe aber
weit weniger auf die gelben Adern der Vorderflügel als auf die
der Hinterflügel; denn jene ändern bey Edusa in der Zahl ab,
fo daß gewoͤhnlich nur die der Vorderflügelfpise übrig bleiben,
wo man auch bey mancher Myrmidone die Adern gelb beftäubt
fieht, wenn auch weit ſchwaͤcher als dort. Auf den Hinterflü-
gen bat aber Feine Myrmidone einen gelbadrigen Rand, wäh:
rend bey Edusa menigftens die Aefte der Medianader gelbe
Enden zeigen. Den Umftand, daß Myrmidone fem. eine zu=
ſammenhaͤngende vollftändige Reihe großer, gelber Flecke, Edusa
fem. eine fehr getrennte unvollftändige von Eleinen beftäubten
Flecken befißt, hat v. Prittwig nicht erwähnt.
Somit fcheinen beide Falter 1) gar. feine Unterfchiede
darzubieten in Größe, Schlankheit und Flügelgeftalt, 2) nicht
durhgängig ffandhafte: a) im höheren Roth der Myr-
midone, deffen niedrigfte Grade fich an die höchften des Gelben
der Edusa anfchliefen. b) im Purpurfchiller der Myrmidone,
232
da manche Eremplare ihn nicht oder fo. fchwach befißen, wie er
bisweilen bey Edusa, namentli auf den Hinterflügeln vors
fommt. c) in der Geftalt des ſchwarzen Flügelrandes, indem
er zwar gewoͤhnlich, aber nicht immer bey Myrmidone mas
auf den Vorderflügeln zwifchen den Adern concav, bey- Edusa
conver und edig ift. d) in der Breite des ſchwarzen Randes
auf den Hinterflügeln des Maͤnnchens, indem er bey Myrmi-
done nicht immer gleich. beträchtlich, fchmäler ift. 3) ftand=_
haftere: a) die Adern der Vorderflügel find bey Myrmidone
mas gegen die Spike nur bisweilen fchwac gelb angeflogen
und entbehren gewöhnlich des Staubes ganz; bey Edusa find
fie ftärker, und oft auch die Medianaderäfte fo gefärbt. (Binz
beglied Col. Helena Herrich- Schäfer?). b) die Aeſte der
Medianader auf den Hinterflügeln find im ſchwarzen Rande
beym Männchen gelb, oft auch die Aeſte der Subcoftalader.
e) die Fledenreibe der Hinterflügel ift bey Myrmidene fem.
anders ald bey Edusa, und zwar wie vorhin angegeben. d) die
Lage der ſchwarzen Flede auf der Unterfeite der Worderflügel ;
bey Myrmidone liegen fie, wenn fie vorhanden find, an oder
vor dem Rande des von der Dberfeite durchfchimmernden
Schwarzen, bey Edusa meiftens innerhalb .deffelben. e) die
Fühlerfolbe der männlichen Edusa hat gewöhnlich eine obenauf
gelbe Spiße, wie Myrmidone fem.; doch giebt e8 aud) Exem—
plare, die dort ebenfo einfarbig find.
Nachdem nun deutlich geworben feyn wird, was ich unter
Myrmidone verftehe, ohne ihre Artrechte als -entfchieden an—
zufehen, bemerfe ih, daß mir in Stalien nur ein Männchen
vorgekommen ift, das fich dieſer ziemlich genau anfchließt.
(Var. 1, b. y.) Ich fing eg am 10. Suny bey Spyracus,
Größe unter der gewöhnlichen Myrmidone ( Flügelfpannung
1“ 8° — Myrmid. 1“ 10°); das. Gelb der Vorderfluͤgel
lebhafter als bey anderen Eremplaren der Edusa, ſich dem
ſchwaͤchſten der Myrmidone fehr nährend. Queraderfleck groß,
auf der untern Seite ohne Pupille. Rand der Borderflügel
fo fhmal, wie im Durchfchnitt der Mwrmidone, und cbenfo
ausgebuchtet. Nur die Aefte der Subcoftalader find ſehr fein
gelb. Hinterflügelrand faft fo ſchmal wie bey der
gewöhnlihen Myrmidone; von der Gabel der Medianader ift
der obere Aft im fehwarzen Rande gar nicht gelb, der untere
nur bey feinem Eintritt, und den dritten Aft erreicht das
Schwarze nicht. Die Fläche der Hinterflügel fchillert zwifchen
dem QDueraderfled und dem Rande lebhaft purpurfarben. Auf
der Unterfeite liegen die großen ſchwarzen Flecke in den Con—
cavitäten des durchfchimmernden fehwarzen Randes, ein wenig
innerhalb deffelben, Das Gelb der Hinterflügel ift unbedeutend
von. dem einer ächten Myrmidone verfchieden. Die Fuͤhlerkolbe
ift unten und an der Spige oben gelb wie bey Edusa. Diefeg
Eremplar fönnte mit Col. Helena 4.- Schff. zufammengeho-
ten; diefe ift aber beträchtlich größer, hat auf den Vorderflügeln
einen weniger ftarfen Mittelfled, dickere und vollftändiger gelbe
Adern in der- Flügelfpige, dazwifchen je ein gelbes Pünktchen
und zwey andere darunter vor dem Saume; auf den Hinter—
flügeln zeigt fich die Grundfarbe vor dem ſchwarzen Rande mehr
in der Geftalt von runden Fleden, wie oft bey Myrmidone.
Auf der Unterfeite hat der Mittelfled der Worderflügel eine Pu-
pille; die fchwarze Fledenreihe liegt vor dem durchfcheinenden
Rande, die Hinterflügel find grünlicher. — Was mich hin=
dert, mein Syracuſer Männchen zu Myrmidone zu ziehen, ijt
der Umftand, daß es das einzige wäre, das ich bey Syracus,
wo Edusa gar nicht felten fliegt, gefangen habe.
233
Ein anderes Maͤnnchen (1,8. 6), um eine Linie Heiner,
gleicht dem befchriebenen fehr; es hat aber den Vorderftügelrand
gelb beſtäubt, und die gelben Adern im SHinterflügelrande fait
alle deutlich und entbehrt des Schillers gänzlih. Es fließt
ſich folglich mehr der gewöhnlichen Edusa an, von der es ber
ſchmale Hinterflügelrand hauptſächlich unterjcheidet. (Da mir der
Zettel von der Nadel verloren gegangen ift, kann ich den Flug—
ort nicht anzeigen.)
Don den unftreitigen ‚Eremplaren der Edusa zeigen einige
den BVorderflügelrand ſehr reichlich. gelb beſtäubt, wobeh Die: gel-
ben Adern mangelhafter gefärbt find (Var. 1,a. y) Ben
einem Männchen find fie auf den Vorderflügeln ſo sunmerflich
mie bey Myrmidone, und auf den Sinterflügeln, wo die Beftäu-
bung 'ganz fehlt, zeigt ſich bloß Der zweite Aft der Medianader
an feinem Eintritt gelb gefärbt (Var. 1,.«.. ß).
Ein Männchen (Var. 1, b. @), am 4, April bey Meffina
gefangen, hat feine weitere Auszeichnung als feine Kleinheit
(Spannung 1” 7”). .
Auch das Weibchen ändert in der Größe fehr ab (24 Span
nung — 1" 8“). Außerdem find die Flecke im ſchwarzen Vor—
derflügelrande in verfchiedener Zahl vorhanden, und Die der Hin—
terflügel treten in mehr oder weniger ſchwarzer Umgrenzung und
grüunlich oder gelb hervor, ohne daß dieſes jedoch ſehr auffällt
(Var. 1, a. d et e).
Die Barietät Helice, bey welcher Treifhfe X. 1. ©, 91
anfrägt, ob fie nicht ein Baftard der Hyale und der Edusa fen,
eine Frage, auf welche ich entſchieden mit Nein antworte, fieng
ih in zwe) Gremplaren. Beide find Weibchen. Das eine
(14 8" breit) flog unter der gewöhnlichen Edusa am 25. April
bey. Syracus jenſeits des Anapo bey den Säulen de3 Jupiter:
‚ tempels; das andre (2” 1) am 26. Junh bey Trecajtagne
unweit Catania an den, Blüthen der Valeriana rubra. Außer
ibrer hellen. Grundfarbe haben. fie nichts, was fie von ihrer
Grundfarbe unterjchiede. Mit aller Sicherheit Fann ich nun das
von Löw aus Ajien mitgebrachte Gremplar, das ich als Var.
Hyale aufjührte, zu unjerer Edusa und zwar zu ihrer hellen
Darietät ziehen.
Edusa fliegt in Italien das ganze Jahr hindurch. Beh Tri-
eft fah ich in den Delbergen mehrere Eremplare in den Weih—
nachtöfeiertagen umberfliegen. Bey Meffina flogen vom 9. Fe—
bruar an einzelne Exemplare raftlo8 an den fonnigen Abhängen
des Gaftellaccioberges, wo die Jagd auf fie ſtets erfolglos’ war.
Ihre Zahl nahm nicht merklich zu. "Später beobachtete ich ein
Meibchen, das an eine Lotusart ein Ey legte. "Bey Syracus
war Diefer Falter nicht felten auf den Wiefen um den Anapo
zu Ende April, war nicht ſchwer zu fangen und Dauerte ohne
Unterbrechung bis in den Juny hinein. Um Catania war er
nicht Häufig, bey Meffina im’ July nicht felten und bey ber gro-
Ben Hige ganz zahn, fo daß er an den Scabiofenblüthen ziem—
Tich Teicht zu fangen war. Bey Neapel und Rom’ erinnere ich
mich nicht ihn geſehen zu Haben, Erſt in den Apenninen Hinter
Fuligno flog die Art nicht” felten am 5. Septbr. und unter ihr
ein Eremplar der hellen Barietät, auf welches ich’ vergeblich Jagd
machte. "Bey Trieft war in der Mitte September zu ſchlechtes
Metter, als daß ich fie wieder ſehen Fonnte,
Iſis 1847. Heft 3.
— 234
Bibliotheca historico-naturalis.
Verzeichnif der Bücher über Naturgefchichte,
welche in Deutſchland, Scandinavien, Holland, England, Frankreich,
Italien und Spanien von 1700 1846. erſchienen ſind. Von Wilhelm
Engelmann, Erſter Band, Bücherkunde „Hülfsmittel, Allgemeine
Schriften, Vergleichende Anatomie und Phyfiologie, Zoologie, Päld-
ontologie. — Leipzig, 5. Engelmann, 1846. 8. 756.
Bey dem gegenwärtigen ungeheuren Umfange der naturwiſſen—
fhaftlichen Litteratur und den großen Schwierigkeiten. des buch—
händleriſchen Verkehres zwifchen den verichiedenen Ländern Eu:
ropa's, war es biäher nicht blos für den Gelehrten, fondern ſelbſt
für den Buchhändler oft ganz unmöglich, ſich die nöthigen Nach-
weiſe und die ‚gehörige, Ueberſicht über ältere und: neuere Produc-
tionen zu verfchaffen, da fein Werk exiftierte, welches ein Ver—
zeichniß aller, naturhiftorifchen Bücher enthielt. Es iſt degnahen
dem Verfafſer, der ſchon durch. zweh aͤhnliche Werke ſich den
Dank der geſammten gelehrten Welt erworben, als ein nicht ge⸗
ringes Verdienſt anzurechnen, daß er es unternahm, auch die na—
turwiſſenſchaftliche Kitteratur Europa's zuſammenzuſtellen und zu
Aller Kenntniß zu bringen.
Der erſte bis jetzt erſchienene Band: der Bibliotheca histo-
rico-naturalis enthält 3 Sauptabtheilungen, Unter dem Titel:
Hülfsmittel finden wir;
A. Ein Verzeichniß der Schriften, Die ſich mit naturhiftorifcher
Bircherfunde befaffen (3 Seiten).
B. Werke, Die Befchreibungen von Mufeen und Naturalien-
jammlungen enthalten (14 Seiten). |
C. Werke, betreffend Aufbewahrung und Aufftelung naturhifto-
riſcher Gegenftände. (5. Seiten).
D. Bücher über Mikroſkopie (3 Seiten).
Die zweite Abtheilung enthält:
A. Schriften über Die, Geſchichte
(13 Seiten).
B. Schriften gelehrter Gefellichaften (35 ©eiten).
€. Bermifchte naturhiſtoriſche Schriften, d. h. folche Werke,
die fich nicht mit einem, einzigen Reiche befaſſen, wie allge-
meine Naturgefchichte, Reifen, Schriften für das Volk uw. _
(131 Seiten).
Die Dritte Abtheilung endlich umfaßt unter dem Titel:
Zoologie:
A. DVergleichende Anatomie und Phyſiologie.
In dieſer Abtheilung finden fich auch Werfe über. normale
und pathologifche Entwicklung und microfeopifche Anatomie der
Ihiere und theilweiſe auch Diejenigen über menjchliche Phyfiolo-
gie und Entwicklungsgeſchichte. Die menfchliche Anatomie ift
ausgeichloffen (86 Seiten).
B. Vermiſchte zoologifhenScähriften, d. h. Schrif—
ten, Die Die, ganze Zoologie oder. Doch mehrere Thierklaſſen
zugleich, begreifen. (57 Seiten).
C. Zoologiſche Werke über befondere Thierflaf-
Ten (inbegriffen find zum Theil anatomifche Schriften über
einzelne Klaſſen).
» Schriften über den Menfchen (7. Seiten).
Schriften über die, Säugethiere (32 Seiten).
Schriften uber. die, Bögel.(35 Seiten).
Schriften über die Reptilien (11 Seiten).
„ Schriften über bie Fifche (13. Seiten).
192
der Naturwiſſenſchaften
EeF®
©
235
f. Schriften über die MWeichthiere (25. Ceiten).
g. Schriften über die Gliederthiere (90 Seiten).
h. Schriften über die Würmer, db. h. Roth- und Weißwür—
mer, Strahlthiere, Polhpen, Infuforier (24 Seiten).
D. Schriften über fofjtle Ihiere und Pflauzen (44 Seiten).
Sp viel über den Inhalt dieſes Bandes im Allgemeinen. Was
die ſpeciellern Verhältniſſe betrifft, jo find, bey jeder einzelnen
Rubrik Die inländischen und ausländifchen. Werfe für ſich und
zwar nach dem Alphabete aufgeführt, ferner. ift bey jedem Werfe
der vollftändige Titel, das Format, die Zahl der Tafeln, Die
Sahreszahl, der Drudort, Verleger, und bey den im Buchhandel
befindlichen Deutjihen und bey den meiften fremden Werfen auch
der Preis angegeben. Befondere Erwähnung verdient, Daß bey
den Schriften gelehrter Gefelfchaften die einzelnen Bände befon-
derd angeführt und bey vielen ihr Inhalt ſpeciell bezeichnet ift
und dag auch die wichtigften wor 1700 erjchienenen Werke, fo
wie viele americanifche Schriften aufgenommen find. Die Be-
nugung des ganzen Werfes wird fehr erleichtert Durch ein alpha=
betiiches Mamenregifter, das bey jedem Verfaſſer Hinweiſung
auf alle von demſelben verfaßten Werke enthält, und Durch ein
Sachregifter, das Die einzelnen Organe, Species, Gattungen,
Klaffen, Bunctionen ufm. aufzählt, von denen Die verfchiedenen
Schriften handeln. — {
Wenn zum Schluffe noch etwas über den Grad der Vollſtaͤn—
digfeit dieſer Bibliotheca historico-naturalis gefagt werden
fol, fo tft es nur in hohem Grade Rühmliches. Zwar ft Die:
felde nicht fo umfaſſend, Daß nichts in derfelben fehlte, allein
Niemand, der Die Schwierigkeiten der Arbeit, die H. Engel—
mann unternommen hat, nür einigermaßen fennt, wird an Die=
Telbe Die Anforderungen ftellen, daß fie Alles und Jedes enthal-
ten müjje. Ein Jeder, der das Werk genauer Durchgeht, wird
geſtehen, daß Feine Anftrengung gefpart worden ift, um Demfelben
jeden nur erreichbaren Grad von Volftändigfeit zu geben, und
daß namentlich auch die ausländifche Kitteratur mit einer wirklich
überrafchenden Genauigkeit aufgeführt ift. Die genannten Vor—
züge und die Brauchbarfeit dieſes Werkes einerfeitd und die Un—
entbehrlichfeit deſſelben anderſeits werden daſſelbe gewiß binnen
Kurzem in die Hände aller Naturforſcher führen, die, ich bin es
überzeugt, mit mir H. Engelmann danken werden, daß er vor
der Abfaſſung einer ſo mühſamen Arbeit nicht zurückſchreckte und
dieſe trotz der ſo mannichfaltigen Hinderniſſe dennoch glücklich zu
Ende führte, A. Kölliker.
Amtlihder Bericht
über die 22, Verſammlung deutfcher Naturforfcher und Nerzte in Bremen,
im Eeptember 1844, Herausgegeben von den Gefchäftsführern derſel—
ben,
men 1815, 4,
1. 185. II. 202,
Dan ſieht mit DBergnügen aus Diefem Werfe, daß Bremen
alles aufgeboten hat, um die Naturforfcher würdig zu empfan—
gen, gaftfreundlich zu bewirthen, naturhiftorifche Oegenftände her—
beyzufchaffen, und Allen Gelegenheit zu geben, erfreuliche und
nüglihe Befanntfihaften zu machen, fich endlich wiſſenſchaftlich
zu unterhalten und zu belehren. Die Gefchäftsführer, Herr Bür-
germeifter Smidt und Dr. Med. Fode haben eine ungemeine
Thätigkeit entwickelt, um die Verſammlung vorzubereiten und zu
ordnen. Sie wurden dabey vom Senat und der ganzen Bür—
gerſchaft, und noch beſonders von einzelnen Freunden der Natur—
wiſſenſchaften auf bie liberalſte Weiſe unterſtützt. Man gab den
Tafeln 3.
Bürgermeiſter Smidt und G. W. Focke, Dr. Med, Bre—
236
Führern der Bremer Handelsſchiffe Auftrag und Unterricht, wich—
tige Thiere und Pflanzen aus allen Welttheilen mitzubringen,
und man hatte den guten Gedanken, eine Ausſtellung derſelben
zu veranſtalten, wo jeder ſich das ihn anſprechende kaufen konnte.
Für Räume zu Den Sitzungen zum gemeinfchaftlichen Mittags—
effen und zum geſelligen Abendverfehr, endlich für Quartiere
wurde geforgt, nicht minder für Fenerlichkeiten und Ereurfionen,
worunter eine Fahrt auf dem Dampfichiff nach dem Bremer Haven.
Die erſte allgemeine Verfammlung "eröffnete Bürgermeiſter
Smidt mit einer freundlichen Anrede, worinn er andeutete, was
Bremen als Handelsſtadt für die Naturwiffenfchaften zu thun
im Stande jey. Bekanntlich war Bremen Die erfte Reichsſtadt,
welche ein naturhiftorifches Muſeum fchon beym Anfang dieſes Jahr:
hunderts gründete, und welche auch feit längerer Zeit Naturfor-
cher hervorbrachte, worauf fie ſtolz ſeyn darf. Man braucht
nur Olbers und die Brüder Treviranus zu nennen. Gie
allein waren im Stande, den Ruhm Bremens nicht bloß durch
Deutfchland, fondern durch Die ganze Welt zu tragen.
Darauf verlad der zweyte Gefchäftsführer die im Jahr 1822
zu Leipzig entworfenen Statuten und ‚fügte Bemerkungen bey
über den Nuten dieſer Verſammlungen.
Darauf hielt Profeffor Wilbrand aus Giefen einen Vor—
trag über Die, Unterfihiede der Affen wom Menſchen ©. 50.
©. 58. Profeffor Walchner aus Carlsruh: über dad Bor:
kommen Des Kupfers und Arfenifs in Eifenergen, Mineralquel—
len und in der Ackererde.
In der zweyten allgemeinen Sigung ©. 62. wurde Nürnberg
als nächfter VBerfammlungsort gewählt.
Darauf jprad) Mädler aus Dorpat über die Stern Shfte-
me ©. 65.
©. v. Struve aus Mannheim: über den Einfluß der Phre—
nologie auf die Wifjenfchaft überhaupt und auf die Naturwiſſen—
haften insbefondere ©. 75.
Profeffor Efchricht aus Kopenhagen: über die Gerippe ber
Sünengräber im Norden ©. 92. mit Abbildungen von zweh
Schädeln, meifterhaft in Holz gefchnitten von Flinch.
Vrofeſſor Stieffel aus Carlsruh: über die Grundlagen der
Vorherbeſtimmung der Witterung S. 100.
Profeſſor Weber aus Bremen: über Die Vermittelung der
Naturfunde und der Kochkunſt durch Poeſie S. 105. in’ einer
ſehr humoriftiihen Sprache, nebft einer Epifode über Die Krebſe
der Alten S. 117.
Inder dritten allgemeinen Verſammlung S. 123 ſprach:
Dr. Röfer aus Athen über Die Lagerung der Skelette in
den althelleniſchen Gräbern ©. 125.
Dr. H. Engelfen: ‚über das Verhältniß der Poefte zur
Seelenheilfunde S. 128. 3
Dr. Holſcher aus Sannover: über den Schmerz S. 181.
Profeſſor Lichten ſtein aus Berlin: über die. Einrichtung
des, zwologifchen Gartens in Berlin S. 132,
Sodann Abſchiedsreden S. 136.
Sodann wird S. 141. der gefellige Verkehr geſchildert, wobeh
Die franzöfifchen Dejeuner dinatoire und Souper à la Carte,
Reunion, Couvert etc. fonderbar auffallen. Darauf ©, 161.
das Verzeichniß der Mitglieder und Iheilnehmer, 651 an
Den Zahl. ©. 181. eine Ueberficht der bis jegt abgehaltenen
2 Verfanmlungen.
Das zweyte Heft enthält die Berhandlungen ber einzelnen
Abrheilungen, wobey wir nur Die größten Vorträge anführen
fünnen.
237
I. Mathematik, Aftronomte, Geographie und
Mechanik.
Dr. W. Lehmann aus Berlin: über das Stabilitäts-
Problem in der Aftronomie und feine bisherige Löſung ©. 3.
Dr. Zeh aus’ Tübingen: über das Verhältniß der Mathe:
mutif zu den Natnrwiffenfchaften S. 12.
Prof. Mädler a. Dorpat: über die Eometen : Schweife S. 14.
Herr Lieutenant von Bruchha uſen zu Lurenburg: über Die
periodifche Bewegung des Meeres von Bol zu Pol, und einige
Folgerungen, welche fich Daraus ergeben S. 16.
Profeſſor Mädler: über die hyperboliſchen Cometen-Bah—
nen ©. 36.
Klüvder aus Bremen: über die Abweichung der Abplattung
unferer Erde, welche aus ihrer jegigen Rotations-Geſchwindigkeit
gefolgert werden muß, und derjenigen, weldye Die wiklichen Beo—
bachtungen ergeben ©. 38.
HM. Phyſik, Chemie und Pharmacie ©. 42,
Hier find nur die Titel der Vorträge angegeben.
HM. Mineralogie und Geognofie ©, 46.
Althaus aus Nothenburg: über die Verfteinerungen des
Kupferichieferd von Richelsderf in Churheſſen.
Dr. Laube aus Ulm: Unterfuchungen über die Natur des
Dolomits ©. 48.
Prof. Blieninger aus Stuffgart: einige Bemerkungen über
die Fifchrefte der Trias in Würtenberg S. 61.
Prof. Marchand aus Halle: über Den Aluminit und deſſen
Varietaͤten ©. 63.
Derfelbe: über DVerfteinerungen in gediegenem Silber zu
Guantajaia in Chili ©. 65.
G. N. v. Struve aus Hamburg, und Dfersky: über
das Niejen: Goldgefchiebe aus dem Ural ©. 67.
Prof. Blieninger: über feine Methode, dem Torf zu prej:
fen ©. 69.
U. Sigginfon: über Fährten eined Cheirotheriun im
bunten Sandftein bey Liverpool ©. 72.
Bergratd Schwarzenberg aus Eaffel: neue Fundorte ver:
Tihiedener Mineralien ©. 73.
IV. Botanik, Forſte und Landwirthſchaft.
Prof. Wilbrand: über die Ernährung der Pflungen S: 76.
Vrof. Treviranud a Bonn: üb. die Pietra fungaja S: 78,
SH Shulg in’ Berlin” über feine Entdeckung der wahren
Pflanzen Nahrung ©. 79.
Dr. Mamz in Eßlingen? Beobachtungen über den Korn:
brand St 80.
Prof. Treviranws: über die eigenthünliche Art’ der Re—
production bey Sedum amplexieaule ©. 83.
Prof. Blume aus Leyden? Ueberblick der botanifcyen For-
ichungen im indiſchen Archipelag ©. 85.
Brof. Treviranwd: üb. den Fruchtbau der Cruciferen S. 89.
Prof. Blume und Mulder: über ein Surrogat des chine—
fchen Thees S; 90. — Cafee-Blätter.
V. Zoologie, Anatomie und Phyſiologie ©. 94.
Diedieinal:Rath Tourtual aus Münfter: über Die Einrich—
tung des menjchlichen Schlundfopfes S. 95.
VProf. Herbft aus Oöttingen: üb. die Farbe des Chhlus S. 96.
Prof. Efhricht aus Kopenhagen: Über den innern Bau
Der Wale auf Die Unterſcheidung der Arten angewandt S. 08,
Eine wichtige und gründliche Unterfuchung, bejonders der Ver:
Dauungs= Organe, namentlih der Schleimhaut Des Gedärnies,
am ausführlichften bey Hyperoodon. Der Berfaffer unterſchei—
238
bet 4 nordiſche Finnfiiche: longimana, rostrata, museulus
et boops. Was iſt aus dem: Nordeaper zw machen ?
(Warum Wale? dus Wort fommt ja von Balaena und nicht
von Wall.)
Dr. Focke zeigt ausländiiche lebendige Thiere S. 108.
Phrynosoma orbiculare , Scorpio e Mexico, Polyphemus
Kindtü aus dem Bremer Stadtgraben, zu den Entomoftraceen.
Beobachtungen über das Treffen und Fortpflangen der Infuforien.
Ehrendbergs fogenannte Samendrüfe ift bey Loxodes bur-
saria der uterus,
Dr. Hirſchfelde über das Verhältniß der grauen Hirn⸗
ſubſtanz zur weißen: S.110.
Prof. Marchand: über das Athmen S. 111:
Prof. Behn: über den Bau der Blutgefüße ©. 113.
Conſul Klee: Beichreibung Der Eultur der Cochenille in
Guatemala ıS. 114. Umſtändlich und lehrreich.
Medicinalrath To ur tu al aus Münſter: über die Zuſammen⸗
ſetzung der Naſen-Scheidwand S. 128
Prof. Burmeifter: über die Mundbildung der Läuſe. —
Brof. Behn: Uber Die Kennzeichen der Lungen-Schneden und
die Enöchernen "Augenringe der Vögel S. 131.
Vi Mediein und Chirurgie S. 134,
bier zeichnet fich der Vortrag von Dr. Chaufepie Sen.
aus Hamburg und Dr. Damielsfen in Chriftiania aus: über
die Radeſyge S. 140.
Ferner Dr, Weftermannsı Bericht über die warme Quelle
von Neujalzwerk'an der Porta westphalica S. 147.
Ueber die Krankheit Toreicollo von einem Arzt in Palermo.
Noch viele andere Fleine Dinge. s
VI, Geburtshülfe ©. 179.
Prof. Michaelis a. Kiel: über die Symphyſiotomie S. 180,
Im Nachtrag S. 187 fommen noch vor:
Prof. Walchner: über die Darſtellung des Schwefel-Wis—
muths auf nafjem Wege ©. 188.
Dr. A. Bogel. jun. aus Münden: über das Vorkommen
des Salpeterd in Flußwaſſer.
Edler von Rany aus Ungarn: über die ‚Anwendnng von
Artemisia vulgaris als Zunder S. 191.
Prof. Rhuſchauer aus Gräg: über die Beſtandtheile des
Tetradymits S. 195.
Das Buch ſchließt mit einem Regiſter, wodurch Das Aufſu—
chen ſehr erleichtert wird.
Anatomie deseriptive et ecomparative
® du Chat,
type des Mammiferes en general et des Carnivores en parli-
eulier, par Hercule Straus-Durc/jkheim, Docteur honoraire
de, l’Universit€ d’Erlangen. Paris chez l’auteur, rue Copeau
Nr. 4. 1815. 4, 1.560. 11. 543. Atlas fol.imp. tbb. 25.
Die Anatomie des Mayfäfers von Straus wurde mit Recht
neben die Anatoınie der Weidenraupe von Lyonet und bie Ana:
tomie der Mufcheln von Poli u die der Meerfterne von Tiede-
mann und Münz geftellt, ſowohl in Hinſicht des Tertes als
der Schönheit, Feinheit und Genauigkeit der Abbildungen. Das
vorliegende Werk ift ein Prachtwerk, welches an Vollftändigkeit
und Genauigkeit der Anatomie der Schildfeöte won Bojanus
gleicht und in der Schönheit und Feinheit des Stichs Diejelbe
übertrifft. Die Tafeln find im größten Folioformar, vom Wer:
faſſer ſelbſt meifterhaft gezeichnet, und ebenfo im Kupfer geſto—
239
den von Vifto, die Katze ſelbſt gezeichnet son Werner, geftos
chen von Anedouche, alles gedruft von Chardon und Aze.
Der Tert felbft enthält eigentlich eine ganze. vergleichende Una:
tomie des Knochen= und Muskelſyſtems der Saarthiere nicht "bloß,
jondern felbft der Vögel, Lurche und Fifche, und geht dermaaßen
ins Einzelne, ‚daß jedes Knöchelchen. «und jeder: Viusfel von
allen Seiten geſchildert und: abgebildet ift. Man: hat hier
nicht bloß eine befchreibende Anatomie dieſer Theile, jondern
eine beurtheilende und durchaus vergleichende, indem der Verfaf«
fer nicht bloß Geftalt, Lage, Verbindung und DVerrichtung bes
trachtet, fondern auch die Bedeutung, beſonders der Knochen.
Dabey ift eine ganze Gefchichte, indem er die Meynungen Andes
rer anführt und! diefelben mit umſtändlicher Critik begleitet.
Gine zufammenhängende Darftellung vom Innhalte des Werfes
zu geben, wäre eine herculiſche Arbeit, und würde. dennoch nie=
manden etwas nützen. Jeber wiſſenſchaftliche Anatom muß es
ohnehin ſelbſt haben. Auch iſt es verhältnißmäßig ſehr wohlfeil.
Bey dem Verfaſſer zu Paris bekommt man es für 70 dk. Er
liefert e8 nach Deutfchland wohl verpackt für 80 Frk.
Der erfte Band wird ganz von der Dfteologie eingenommen,
Nach einer Vorrede über Das Geſchichtliche und Die Bearbei⸗
tungsart des Gegenſtandes folgt eine Einleitung von S. 1—54,
worinn der Verfaſſer die! Unterſchiede der organifchen Reiche und
fodann der Thierelaffen auseinander: fest, auch Geſetze aufftellt
über Die Entwicelung und dle Stuffenfolge der Organe. Die
Haarthiere theilt er in 12 Ordnungen «mit Angabe ihrer Cha-
ractere: Zweyhaͤnder, Vierhänder, Sohlengänger, Neißende, Beu—
telthiere, Fledermäuſe, Nagthiere, Zahnlofe, Dickhäuter, Wieder:
Auer, Nobben und Wale.
S. 55. ftelt der Verfaſſer allgemeine Betrachtungen an über
die Gewebe nebft ihren chemijchen Beftandtheilen.
Dann folgt S. 69. das Knochenſyſtem; wieder die chemifchen
Beftandtheile nach den Zerlegungen von vielen Chemikern, ver—
fhiedener Knochen, verfchiedener Thiere und auch der Zahne von
mehreren Tieren, alten und) jungen. S. 81. die Structur und
die Entwidelung der Knochen, Geftalt und Gelenke derfelben,
- ©. 97. das Knochengeruft der Haarthiere durch: alle Drdnungen,
mit Hervorhebung der. weſentlichen Unterſchiede bey jedem einzel-
nen Knochen, befonders des Schädels, mobey wir ihm danfbar
ſeyn müffen, Daß er unfere DVertheidigung hinſichtlich der End—
deckung der Schäbelwirbel gegen Die, Anmangungen von Gdthe
übernommen bat.
&. 165. betrachtet er ebenfo vollſtändig das Schrach ber
Lurche, ebenfalls durch alle Zünfte hindurch mit, beftändiger Cri-
tie der Anfichten von Gupier und GeoffroHy St. Silaire,
Das ift ein fehr großes und alljfeitig beleuchtendes Gapitel.
©. 248. wird das Schrah der Vögel ebenfo behandelt,
Knochen für Knochen.
&. 281. das der Schildkröten befonders; ©. 316. Dad der
Fifche, wo es fehr vieles aufzuräumen gibt, ohne Zweifel aus
dem Grunde, weil das Knochenſyſtem nach ünſerer Anficht das
Gharacteripftem der Fiſche ift, und mithin das. ‚Klafjificationd =
Princip derſelben.
Nach dieſen vielſeitigen Zuſammenſtellungen und ſcharfſinni—
gen Betrachtungen folgt endlich ©. 37. das Schrach ber Kae,
ebenfo genau bis. ind Einzelne zerlegt, beſchrieben und ‚abgebildet,
als man es irgendivo beym menfchlichen Körper findet, Woran
‚ wieder die Knochen des Schädeld, mit genaueren Bejtimmungen
üben den Gefichtäwinfel. Die Kopfwirbel werden fodann einzeln
betrachtet, ihre Beftandtheile. genannt, womöglich gedeutet und
240
abgebildet. Die Abbildungen überall im Texte angeführt, was
die Vergleichung ungemein erleichtert. ©. 459. folgt der Nüd-
grath mit feinen Anhängſeln, Rippen, Schultern, Becken und
Gliedmaaßen.
Der zweite Band enthält die Syndesmologie und Myologie
mit derſelben Umſtändlichkeit, verglichen mit den Bändern und
Muskeln des Menſchen und ebenfalls bis ins Einzelſte abgebildet.
Die Bänderlehre läuft bis S. 174, woraus man begreifen kann,
wie vollſtändig der Verfaſſer dieſen Gegenſtand bearbeitet hat.
Beym Muskelſyſtem verfolgt er dieſelbe Anordnung. wie beym
Knochenſyſtemn. S. 461 —648 kommt die Erflärung, der
Tafeln.
Die Tafeln find eine Hauptzierde des Werks und wahre Mei:
ſterſtücke, alle8 in ‚natürlicher, Größe, ı
Tafel 1. ftellt die wilde, Katze dar, ein Ebenbild von. wirfli-
chem Kunftwert), dad man unter Glas und Rahmen faſſen
könnte. Der Glanz iſt ‚hervorgebracht Durch Darftellung der
Hanre mit Düpfeln.
Tafel 2. zeigt. Die außere Lage des Muskelſyſtems nach abge-
zogenem Balg, von nicht minderer, Schönheit.
Tafel 3. Die Darauf folgende Muskelſchicht.
Tafel 4. die Darunter ‚liegende. Das geht fofort ‚bis Taf. 8,
wo die legten Musfeln an der Wirbelfäule erjcheinen.
Mit Tafel 9. beginnen Die Muskeln der abgelößten Glieder.
Tafel 11. das Schrach mit, dem ‚Schatten des Leibes wie
DALton feine Schrache Dargeftellt hat. ;
Tafel 12. der Schädel von verfchiedenen nebft den ‚einzelnen
Knochenftüden.
Tafel 13. die Wirbelfäule und die einzelnen Gliederſtücke.
Alle diefe Tafeln ausgeführt und. fihattiert.
Dann folgen Diejelben Tafeln mit, bloßen Umriſſen und mit
der Bezifferung.
MWirft man nun einen Blick auf dad gefammte Werf, fo fann
man nicht anders als es in den Rang der erjten Werke diefer Art
ſtellen ſowohl in Hinſicht der Kunſtfertigkeit und Schönheit als
in Hinſicht der wiſſenſchaftlichen Bearbeitung. Dabey muß man—
den vieljährigen Fleiß, die Geduld und die Anſtrengungen bey
der Zerlegung, Zeichnung und. dem Studium der andern ‚Schrift:
fteller bewundern, und dem Verfaſſer dafür den aufrichtigſten
Dank zollen. Man könnte zwar jagen, er „hätte ein anderes als
ein fo gemeine, Ihier zu. einer ſo großen Avbeit- wählen jollen.
Allein jchwerlich hätte er eined gefunden, welches. ſo paſſend ge-
wejen wäre, um, als Mufter für die, ganze Claſſe Der. Haarthiere
zu dienen, theil® wegen Der mittleren Größe, theils wegen. ber
bequemeren Zerlegung, theils Jendlich wegen, der Teichteren An—
ſchaffung. Man fann noch hinzufegen, daß die reißenden Thiere
ziemlich die Mitte der Saarthiere, einnehmen. und. daher alles in
fid) enthalten, was an die anderen Ordnungen erinnert.
find zu Hein, Wiederfäuer, und, Diekhäuter zu groß,‘ alle auch
zu. abweichend. gebaut, als Daß eine Vergleichung: leicht und au-
genfcheinlich wird. Der Verfaſſer hat daher unſers Erachtens
feine Wahl gut getroffen. —
Wie wir hören, iſt der Verfaſſer noch. mit mehrern anatomi—
ſchen Arbeiten befchäftigt, und zum. Theil ſchon Damit fertig, ſo
daß von. Jahr zu Jahr seine erfcheinen kann, (namentlich. uber
Limulus cyclops, Scorpio afer, Vespa 'erabro, Cicada
plebeja, Vipera berus, Coluber natrix, ‚Mygale. blondii.
Wenn man an feinen, Mayfafer und ‚an die Kate denkt, jo‘
kann man nicht anders. ald mit Freude, den Erſcheinen dieſer
Unterfuchungen entgegen fehen. j
ñ — — TE IT > > rm —
Mäufe
+
Encyclopädiſche Zeitſchrikt,
vorzuͤglich |
für Maturgefehichte, vergleichende Anatomie und Phyſiologie,
von
o
1847.
Hs:
Der Preis von 12 Heften ift 3 Thlr. fächf. oder 14 fl. 24 Fr. rheiniſch, und die Zahlung iſt ungetheilt zur Leipzige
Gftermeffe des laufenden Jahres zu leiften.
Man wendet fih an die Buchhandlung Brockhaus zu Leipzig, wohin auch die Beytraͤge zu fhiden find, Es wird ge—
beten, diefelben auf Poftpapier zu fehteiben. Das Honorar für den Bogen ſechs Thaler preuß. Cour.
Unfrankierte Bücher mit der Poft werden zurüdgewiefen.
Einrhegebühren in den Text oder Umfchlag die Zeile ſechs Pfennige.
Von Anticritiken (gegen Iſis-Recenſionen) wird eine Quartſeite unentgeltlich aufgenommen.
— — — — — — — — — — — — —
Leipzig, bey Brockhaus.
Anzeigen.
Im Verlage von G. Froebel in Rudolſtadt ift erfhienen:
Arbeiten
de8
naturforfchenden Vereins
in
Riga.
Redigirt von Dr. Müller und Dr. Sodoffsky.
Erften Bandes erftes Heft.
74 Bogen gr. 8, Preis a Heft 2 96.
Inhalt:
1) Zur Flora der Dftfeeprovinzen, von Dr. F. A. Buhſſe.
2) Ueber Nephrodium Filix mas Rich., in Bezug auf vor:
kommende Verwechfelungen mit ähnlichen Farrnarten, vom
Apotheker & A. Heugel.
3) Einiges über die Blattwespen im Allgemeinen, nebit
einer tabellavifchen Ueberficht von B. A. Gimmerthal.
4) Ueber die Metamorphoſe des Schmetterlings von
Dr. W. Sodoffsky.
5) Das Mikroscop und ſeine Leiſtungen. Eine Vor—
leſung, von Dr. C. E. v. Mercklin.
Vier zwanglos erſcheinende Hefte, welche auch (theils colorirte)
Abbildungen bringen, bilden einen Band oder Jahrgang. Dieſe neue
gediegene Zeitſchrift wird fuͤr alle Freunde der Wiſſenſchaft von hohem
Intereſſe ſein.
In meinem Verlage iſt ſoeben erſchienen und durch alle Buchhand—
lungen zu beziehen:
Fauna der Vorwelt
mit ſteter Beruͤckſichtigung der
lebenden Thiere.
Monographiſch dargeſtellt
von
Dr. &, ©. Giebel.
Erxften Bandes erſte Abtheilung:
Die Säugetbiere der Borwelt.
Gr. 8. Geh. 1 Thle, 18 Nor.
Nach dem Plane des DVerfafferg wird der erfte Band diefes
Merkes die Wirbelthiere (Säugetbiere, Vögel, Amphibien,
und Fifhe), der zweite Band die Gliederthiere (Inſekten,
Spinnen, Krebfe und Würmer), der dritte und vierte Band
die Bauchthiere (Mollusca, Cephalophora, Acephala,
Nadiaten, Polypen und Snfuforien) enthalten. Jede Abtheiz
{ung bildet ein für fich beftehendes Ganzes.
Leipzig, im April 1847.
F. A. Brockhaus.
Monograpbien
der Genera ber Falconidae von 3. 3. Kaup.
Vierte Monographie.
IV. Subfamilia.
2) Helotarsus.
5) Haliaötus,
1. Genus, Adler — Aquila Nov. Auct.
Diagn. Tarſen lang; rings bis zur Wurzel der Zehen
1) Aquila.
Aquilinae:
3). Circaötus.
4) Pandion.
1847.
a a ⏑ —
Sie enthalten die muthigften Arten der ganzen Subfamilie
der Aquilinae wiederholen.
pennata) wiederholen durch den me
£rümmten Schnabel,
von welchen einige Arten von afiati
Säugethiere abgerichtet werden.
mandtheit. des Helotarsus,
nahrung beſchraͤnkt wie die
fhen Völkern zur Jagd auf
Keine Art: zeigt die Fluges
feine ift auf Amphibien und Fifch-
Circasten oder Pandion, und. feine
hat den fchlehten Anftand der geyeräbnlichen Haliasten,
zehn bis jest bekannten Arten zerfallen in. 5 leicht zu unter-
ſcheidende Subgenera, welche die Subfamilien und die Genera
Die Hieraeten (morphnoides et
hr von der Wurzel an ges
durch den Bartftreifen und alg die Elein-
ften Formen ihres Genus die Falconinae.
Die
Sie bilden die
befiedert.
Beſcheib. Kopf groß und flah. Augen’ meiſt ziemlich
groß, gelblihbraun, nie goldgelb gefächt, tiefliegend, unter den
Superciliarbeinen mit £nöchernem Anhang. Schnabel ſtark,
ziemlich gerade. Zügel mit, Borſten mehr oder minder dicht
bedeckt. Fluͤgel lang; die Schwingen. erfter Ordnung ‚an ber
Spige etwas fäbelföürmig gebogen. Zweite bis 6. oder 7. an
ber, Sinnenfahne winkelig ausgefchnitten. Die fehr langen
Schwingm 2. Ordnung laffen nur eine kurze Flügelfpise unbe:
beit. Zweite Schwinge fo lang als die 8., 8. kuͤrzer als die
4., 5. die längfte, ,
Der Schwanz: ift. ftets lang, mehr oder weniger ſtufenfoͤrmig
und ift ſtets über halbe Rumpflänge lang. Die Eantigen Kral:
len find kraͤftig, allein bilden nie den vollen Halbzirkel wie die
von Pandion. Zehen an der: Wurzel: gefchuppt, vor den, Nägeln
gefhildert. Das Gefieder ift meiſt düfter ſchwarzbraun oder
Die: Nadenfedern ſind zugefpitst
Grundtypen von Aquila als das erſte
Genus Aquila.
Das 2. Subgenus Pteroaetus (vulturinus) zeigt durch feine
langen Flügel Analogien mit den Milvinae und duch das nadite
Geſicht und theilmeife Färbung mit Helotarsus.
Das 3. Subgenus Onychaätus (malayensis) zeigt durch
hohe Zarfen und verfümmerte fehr Furze dußere Zehen Analo-
gien mit dem Grundthpus der Accipitrinae, der Geranospiza
gracilis und den Circaöten.
Das 4. Subgenus Aquila zeigt durch die Längften Zehen,
und daß Fiſchnahrung bey einer Art vorkommt, Analoyien mit
dem Grundtypus der Aquilinae, dem Pandion.
Das 9. Subgenug Uraetus hat den längften Schwanz,
den hoͤchſten Schnabel und zeigt demnach Analogien mit den
Buteoninae unb Haliastus.
As 5. ‚Subgenus zeigt die meiften Analogien mit dem
Subgenus des erften
. Thallasaötus pelagieus, 5. Subgenus der Haliasten.
ſchwarz, ſcharf konturiert.
meiſt im Alter roſtgelb gefärbt.
nengelb.
Die Weibchen find bedeutend größer.
1. Hieraötus.
Schnabel von der
MWahshaut an ge:
bogen, ftarf.
2.—7. Schmwinge
an der ${nnenfahne
bafenförmig aus:
gefhnitten.
Aeußere Zehe und Na:
gel verhältnigmäßig lang.
Krallen gekruͤmmt.
Schwanz verhaͤltnißmaͤ⸗
Big. 6. etwas kürzer als
die erfte.
1. Ag. morphnoides.
2. Aq. pennata.
Iſis 1847. Heft A.
2: ,Pteroaetus.
Schnabel mehr grade,
ftark. - .
2.—6. Schwinge
an der Innenfahme
bogenfoͤrmig ausge—
ſchnitten
Aeußere Zehe und Nas
gel verhaͤlinißmaͤßig lang.
Krallen gekruͤmmt.
Schwanz verhältniße
mäßig lang. -6. unbe:
deutend länger alg die 1.
3. Aq. vulturina.
Wachshaut und Zehen citros
nen, ftelle ich dieſelben zufammen.
die Arten leichter beftimmen zu Eönnen,
3. Onychaötus.
Schnabel mehr grade,
ſchwach.
Zweite bis 7. Schwinge
an der Innenfahne bo⸗—
genfoͤrmig und ſtumpf
ausgeſchnitten.
Aeußere Zehe und
Nagel unverhaͤlt—
nifimaßig kurz.
Krallen ſpornar—
tig.
Schwanz ziemlich lang,
unbedeutend abgeftuft.
4. Ag. malayensis.
4. Aquila.
Schnabel mehr grade,
ſtark.
Zweite bis 7. Schwinge
an der Innenfahne bo: '
genförmig ausgefchnitten.
Aeußere Zehe und Nagel
unverhältnifmäßig lang.
Krallen gekrümmt.
Schwanz verhältniß-
mäfig und bedeutend ab:
geſtutzt.
5. Aquil. naeviodes.
6. Aq. heliaca. 7. Aq.
naevia. 8. Aq. Bonelli.
9. Ag. fulva.
Um die Charactere der Subgenera beffer überbliden zu Eön-
Sie dienen zugleih, um
5. Uraetus,
Schnabel am graͤ—
deften, längften und
hoͤch ſten.
Zweite bis 7. Schwinge
an der Innenfahne aus-
gefchnitten.
Aeußere Zehe und Na-
gel verhältnifmäßig lang.
Krallen gekruͤmmt.
Schw; fehr lang,
fehr bedeutend ab—
geftuft. 6.4 länger
als die 1.
10. Aq. audax.
16
243 i
1. Subgenus. Wahre Falkenadler — Hieradtus
Kaup.
Diagnofe. Schnabel kurz, von der Wurzel an gebogen.
Zweite big 7. Schwinge an der Innenfahne hafenformig aus—
gefchnitten.
Es enthält die kleinſten Arten, welche die Größe der; rauch)
füßigen Buffarden haben. Die Sitten find nicht bekannt.
1. Der gehäubte Falkenadler — Aquila mor-
phnoides Gould Austr. birds VII. 2.
Diagn. Mit fhwarzem Badenftreifen, ſchwarzem Schei⸗
tel und Hinterhauptsfedern, welche ungewoͤhnlich breit und ver—
laͤngert ſind; ſie bilden einen kleinen Zopf.
Beſchreib.
plaren der Gouldifhen Sammlung, die in der Färbung ver:
f&hieden, allein da fie keine fehr abmeichende Dimenfionen zei:
gen, vielleicht beide Männchen find.
Schnabel blauſchwarz. Stien und Grundfarbe des Zügels
gelblichweiß. Weber die Augen zieht fich ein feiner fchwarzer
Streifen. Scheitel ſchwarz mit glänzend ſchwarzen Schaͤften.
Die breiteren Hinterhauptsfedern mit roffgelblihen Rändern.
Ohrfedern mit ſchwarzen Schaftftrihen. An der Wurzel des Unter:
ſchnabels ein ſchwarzer Badenjtreifen wie bey den Edelfalken. Ober:
hals roftgelb mit feinen ſchwarzen Schaftftrichen. Rüden lihtbraun
mit einzelnen dunfelbraunen (neuen) Federn. Die oberen Ded-
federn des Schwarzes lichtbraun mit weißen zadigen Querbän-
dern auf den Außenfahnen. Die Flügel ſchwarzbraun mit ein:
zelnen verbleichten (alten) Federn. Die Schwingen 2. Drdnung
mit meißlihen Endfäumen und ſchwarzen Querbändern, die
auf der Außenfahne jedoch fehr undeutlich find. Die unteren
Theile find milchweiß, Seiten, Hals und Kropfgegend roftgelb ;
die feitlichen langen Federn mit weißem Querbinden. Alle
unteren Federn mit mehr oder minder feinen Schaftffrichen.
Hofen und untere Schwanzdedfebern blaß roſtgelb gebandert
oder gefledt.
Bon innen zeigt der Klügel die Eleineren Dedfedern weiß mit
lanzettföormigen ſchwarzen Flecken. Die Schwingen hinter den
Ausfchnitten dunkelgrau oder bräunlih, an ten Schaͤften hell:
grau mit 4—6 fchmarzen Querbinden. Die frifhen Schmwanz-
federn find von’ oben afchgrau mit 6—7 ſchwarzen Duerbinden
und haben eine breite ſchwarze Endbinde mit meißem Saum.
Bon unten find die Bänder weniger deutlich, find Licht‘ ein—
gefaßt und die Innenfahnen find an ben Rändern weißlich
marmoriert,
Das 2. Gouldifche Eremplar hat alle unteren Theile fat
einfarbig roſtgelblich und eine dunfele Kehle. Die innern Ach:
felfedern find ſchwarzbraun mit weniger. voftgelblichen Flecken.
Die Schwingen find nad der Wurzel hin afchgrau mit weißen
Wolkenflecken und Züpfeln. Die Bänder der Schwingen find
verwafchen. Sch halte dieſes Exemplar für jünger als das
vorige.
Dimenfionen: Flügelfpige 160-170
Kopf 83 Tarſe 79-80
Schnabel 28 Mittelzehe 44-46
Mundwinfel 40 1. Schwanzf. 206*-222
Oberfluͤgel 222 6. Schwanzf. 196-205
Sein Vaterland ift Neuholland.
ten, muß die Zufunft lehren,
Ob felten oder nicht fel=
* Nicht vollftändig ausgewachſen.
DZ
—
Diefe Art eriftirt bis jest nur in zwen Exem—
— AI | ‚244
} wo h
2. Der Zwerg-Falkenadler — Aquila pennata
Gmel. Falco‘ pennatus Gmel. S.N. 1. 172. Aquila
minuta Brehm.
Diagn. Die mittleren zugefpisten gleich breiten Nackenfe—
dern, find nicht verlängert und bilden feinen Zopf.
Beſchreib. Mie bey dem vorigen eriftieren 2 ftändige
Kleider. Das eine zeigt die untere Seite licht, das. andere hat
die Bauchfeite tvie den Ruͤcken dunfel gefärbt.
Dunfles Kleid. Schwarzbraun. Stirn und Grundmolle des
Zügels weiß. Kopf und Hals roſtroͤthlichbraun mit ſchwarzbrau⸗
nen Schaftflecken. Eine, feine ſchwarze Linie aus feinen Bor:
ften beftehend, zieht von der Stirn über die Augen und begränzt
die Kopffedern. Ohrfedern mit dunfelen Schaftftrihen. Von
der Wurzel des Unterkieferd ein dunkel ſchwarzbrauner Streifen.
Nüden und Flügel ſchwarzbraun, mehr oder minder lichtbraun
mit hellfahlbraunen Rändern. Schwingen 2. Ordnung undeut-
lich ſchwarz gebändert und wie die hinteren Schwingen licht ge:
tandet. Die oberen Dedfedern des Schwanzes an den Außens
fahnen lichtbräunlih mit zadigen ‚verlofchenen weißen Binden.
Von unten ift der Körper lichter braun mit ſchwaͤrzlichem Streis
fern: auf. der Mitte der Kehle und fhwarzen Scäften und
fhmalen Schaftfleden auf jeder Feder, Hofen ohne Schaft:
ftreifen — Tarſen und untere Schwanzdedfedern am lichteften,
faſt weißlich. Letztere zuweilen mit weißen. ‚Bändchen und
Tleden.
Schwanz von oben braun, mit ſchwarzen Schäften, von
unten lichter mit meift weißlichen Schäften und an der Wurzel
grau gemölft.
Er zeigt zumeilen 4—5 dunkele Binden und eine lichte Ends
borde und. lihten Saum ‚an der Außenfahne der erften Schwanz:
feder.
Bon Innen zeige der Flügel dien £leinen Dedfedern am Rand
des Flügels’ roſtgelb mit ſchwarzbraunen Schaftfleden und
bräunlich marmotiert; die mittleren find fchwarzbraun: mit dunf-
leren Rändern und die laͤngſten afchgrau an der. Wurzel! weiß
oder weiß gefledt. "Die Schwingen find. ſchwarz, vor den Aus—
ſchnitten lichter und dafelbft mit zwey bis drey grau gewoͤlkten
Fleden. Hinter den Ausfchnitten laſſen ſich fehr ſchwer 3—4
dunflere Binden erkennen.
Am lichteren Kleide find alle unteren Xheile roftgelblichmeiß
mit bräunlihem Anflug an der Bruft und dunkleren Scäften
und Scaftftreifen. Hoſen und untere Schwanzdedfedern voft:
gelblich. gebänderte. Innere Dedfedern der Flügel weißlich mit
ſchwarzen bräunlichen. Sieden.
Ein in Indien gemeiner NRaubvogel, der ſich von Afien nad
Africa und Europa verſtreicht, und in einzelnen Gremplaren an |
vielen Puncten felbft in Zeutfchland erlegt wird. Das fchönfte
Eremplar von diefen iſt das in der Brehmiſchen Sammlung be=
findliche, welches’ die "Schulterdedfedern wie der heliaca sive
imperialis weiß gefledt' hat.
Dimenfionen: mas. — fem. Flügelipige 166 — 150-160
Kopf 80 — 820 Tarſe 62 — 682
Schnabel 25 — 25 Mittelzehe 40 — 46
Mundwinkel 40 — 40 1. Schwzf. 219 — 222
Dberflügl 230 — 243
6. Schwzf. 206 — ‚213-220
245 \
2. Subgenus,. $lugadler — Pteroa&tus Kaup.
Diagn. Um die Augen und Zügel nadt mit fpärlichen
Börften. Zweite bis 6. Schwinge an den Innenfahnen nicht
hakenfoͤrmig ausgefchnitten. Nägel ſehr ſtark und gekruͤmmt.
Aeußere Zehe faft fo lang als die innere, Aeußere Schwanz:
feder unbedeutend Fürzer als die mittlere.
Sch kenne bis jeßt nur eine Urt vom Cap, die wahrfcheinlich
über ganz Africa verbreitet ift.
3. Der fhwarze Flugadler — Aquila vultu-
rina Vaill. Oiss. d’afr. t. 6. Aquila Verrauxü Less.
Befhreib. Gr bat die. Größe. des. Steinadlers. Schna—
bel gelb mit bornfarbiger Spitze. Hauptgefieder ſchwatz mit
bräunlihem Schimmer und glänzenden Scäften, Schwingen
2. Ordnung undeutlih braͤunlich marmoriert. Schwingen
1. Ordnung von Sinnen vor den Ausfchnitten weiß, nach den
Spitzen längs den Innenfahnen mit roftbraunem Anflug. Sie
haben S—11 Binden, die auf dem weißen Theil der Fahnen
der ‚vorderen Schwingen undeutlich, auf dem hinteren deutlicher
und braͤunlich marmoriert find. Die Aufenfahnen der äußerften
Schwingen. find afchgrau bis. zu. den Ausſchnitten hin. Die
7.,8., 9. ſind hellbraͤunlich mit roſtgelblich weißen Binden.
Oberruͤcken ſchwarz; die aͤußerſten Federn, an. den Außenfah—
nen weiß, wodurch ein weißer Laͤngsſtreifen zu jeder Seite laͤngs
des Ruͤckens entſteht.“ Der übrige, Rücken und die obere
Schwanzdecke blendend weiß; die legten Federn der Schwanz:
decke ſchwarz.
Die Hals: und. Kopffedern mit grauer Flaumenhaͤlfte, die
nach dem Hinterfopf weiß wird. '
Es ift ein. fchöner ſtolzer Vogel, der fürchterliche Krallen zeigt
und an Muth den übrigen Adlern nichts, nachgeben wird.
Dimenfionen: Tarſe 110
Kopf 129 Mittelzehe 804356
Schnabel 46 Außenzehe 67428
Hoͤhe 29 Innenzehe 52-447
Mundwinkel 65 Hinterzehe 50460
Oberfluͤgel 428 1. Schwansf. 304
Frluͤgelſpitze 222 - 6. Schwanzf. 310
3. Subgenus. Spornadler — Onychaktus Kaup
1843. Heteropus, Hodygs. (1844).
Diagn. Aeußere Zehe fehr kurz. "Krallen namentlich die
hintere und innere ſchwach gefrümmt und fpornattig.
Befhreib. Mit ziemlih gradem ſchwachem Schnabel.
Zügel mit Borften, die uͤber die Mafenlocher wegragen. Aus
genlieder mit ziemlich langen Borſten. "Flügel lang, den
Schwanz überragend. Zweite bis 7. Schwinge an den Innen»
fahnen jtumpf in einem Bogen ausgefchnitten. Schwanz fo
lang als der Körper; die erfte faſt ſo lang als die 6.
Die eine Art zeigt durch die Verhältniffe der Zehen Analo—
gien mit den Circadten und nach feiner ſyſtematiſchen Stellung
ſchließe ich, daß er Amphibien: allen andern Thieren vorzieht und
ein: befferer Erdläufer als die übrigen: ift.
Baillant bilvet diefen weißen Streifen nicht ab, wahrſcheinlich
hat ihn der Zeichner nicht berückfichtigt, oder er iſt bey jungen Vögeln
weniger deutlich. Möglich, daß ihn nicht alle Exemplare, zeigen,
246
4, Den. ſich warze Spornadler —iAiquilamalai-
ensis,Reinw. Pl; col. 117... Aq..(Heteropus) per-
nigra Hodgs.
Beſchreib. Von der Größe des Schreiadlers, allein ſchlan—
fer. Braunſchwarz mit. 8—9 ſchiefen, weißlichen, dunfel mar:
morierten. Binden auf der unteren » Anficht des. Schwanzeg,
Schwanz von, oben, dunkelbraun, an der Wurzel weißlich mit
7 ſchwarzen fchmäleren und einer breiteren Endbinde.
Die Schwingen an der Wurzel mit Spuren von marmos
tierten Binden. Die Schüfte der Schwung: und Schwanzfe:
dern an der Wurzel weiß.
Andere Individuen zeigen verwafchene gelblihbraune Flecken
auf der Bruft, den Tarſen, den feitlichen “oberen und unteren
Schwanzdeckfedern. Auf den inneren Fahnen zeigt ſich längs
des Schaftes ein mit feurigem Rothbraun angeflogener Streis
fen; wie bey wielen Meihen.
Dimenfionen: Tarfe 75
Kopf 91 Mittelzebe 42
Schnabel 28 Außenzehe 26412
Höhe 18 Innenzehe 38438
Mundwinfel 49 Hinterjehe 26456
Oberfluͤgel 328 1. Schwzf. 292
Flügelfpise 197 6. Schwzf. 286
Gemein auf dem Feſtlande von Indien und feinem Acchipel.
4. Subgenus. Adler-Adler oder Steinadler — Aquila
Kaup.
Diagn. Mit geftreditem, gradem, mäßig hohem Schnabel.
Zügel mit Borftfedern dicht bedeckt. Aeußere Zehe länger als
die innere, 2. bis 7. Schwinge an der Innenfahne ausgefchnit-
ten. Schwanz nicht auffallend Eeilförmig. Nägel gekruͤmmt.
Sie enthalten mit die größten Arten der ganzen Subfamilie
Aquilinae, haben ein düfteres Gefieder, welches jedoch nie rein
ſchwarz ift.
Man kennt bereit3 alle 5 Arten, melche die 5 Subgenera
der Aquilae und in vieler Hinfiht auch die 5 Genera der
Aquilinae wiederholen.
So wiederholt Ag. naeviodes mit feinem Fürzeren und höhe=
ron ſtumpf gezähnten Schnabel Hieraeten und Aquila.
Aquila heliaca sive imperialis repraͤſentiert durch den groͤ—
feren Nahen, Eurzen Schwanz, lange Flügel — Pteroastus
und Helotarsus.
Aquila 'naevia zeigt die laͤngſten und duͤnnſten Tarfen, die
kuͤrzeſten Zehen, ſchwach gekruͤmmte Krallen, den ſchwaͤchſten
Schnabel und repraͤſentiert demnach den Onychaetus (malai-
ensis) und Circatus.
Aquila intermedia 'sive Bonelli ‘hat die Längften Zehen
nährt fich theilweiſe von Fiſchen und ftellt defhalb das Subge:
nus Aquila und Pandion vor.
Aquila fulva, der größte, mit dem längften Schwanz, mit
dem längften und hoͤchſten Schnabel ſtellt Uroaetus und Ha-
liaötus vor.
Mehr als 5 Steinadler giebt es nicht und alle übrigen find
Mominalfpecies von diefen, wie mich meine Unterfuchungen
belehrt haben.
Diefe Abtheilung enthält die muthigſten der Aquilae, die
größere Säugethiere und Vögel, als fie felber find, übermältigen.
Sie niften in Steinklüfte oder auf. die höchiten Baͤume. Alle
fallen auf Aas, was Feine Eönigliche Eigenfchaft ift, und Agq. fulva
247 e)
hat die Buffardähnlihe Sitte, dem Falco peregrinus zuweilen
eine Taube abzunehmen, die er felbft-" zu "fangen nicht im
Stande ift.
5. Der Falken-Steinadler — Aquila naeviodes
Cuv. Ag. naeviodes et senegalla Cuv. Falco rapax
Temm. pl. col. 455. Ag. albicans Rüpp. t. 15.
fig. 1.2. Ag. fulvescens, fusca, punctata J. E. Gray.
Ag. Vindhiana Frankl.
Diagn. Schnabel mit ftumpfem Zahn, an der Wahshaut
26 Mm. hoch. Mittelzehe 58 Mm. lang. Schwan; 270 Mm.
lang.
Befhreib. Er fteht in der Größe zwifchen dem Schrei=
und Kaiferadler mitten inne, allein unterfcheidet fich von erſte—
rem durch den bedeutend höheren Schnabel, durd) Eräftigere
Tarſen und ftärfer gekrlimmte Krallen. Von. dem Kaiferadler
unterfcheiden ihn geringere Dimenfionen, der verhältnigmä=
fig laͤngere Schwanz und die bedeutend kürzeren Hofen. Mit
fulva und Bonelli fann £eine Verwechslung ftattfinden.
Der alte ausgebleichte Vogel ift auf Kopf, Hals, Mitte des
Rüdens, den Eleinen Dedfedern des Flügels, an den Zarien
und den unteren Theilen ſchmutzig röthlichweiß. Schwingen
2. Ordnung und deren Dedfedern dunkelbraun, an den Raͤn—
dern verblichen, wodurch zwey helle Binden entftehen, die auch
an dem Jugendkleid der 2. Maufer angedeutet find. Schwanz
oben graubraun, unten vöthlihgrau; ‚dag Ende verwalhen
roftröthlich.
Der jährige Vogel nach der erſten Maufer Temm. pl. col.
455 (fchlechte Abbild.) ift roſtrothbraun. Der Hals, Kropf und
Seitenfedern an der Wurzel und den Seitenraͤndern ſchwarz—
braun. Die Schwingen 2. Ordnung und Schwanz auf dun—
Eelafchgrauem Grunde. unregelmäßig ſchwarz gebaͤndert. Schmin-
gen von Innen vor den Ausſchnitten aſchgrau mit unregelmäßig
roftgelblich weißen gemölkten Bändern.
Das Neſtkleid ift mit Ausnahme des fehmusig braunrothen
Nackens, der Tarſen und des Aftergegend, ſchwarzbraun mit gelb-
lihbraunen Scaftftreifen, welche an Kopf, Hals, und Bruft
fhmal, am breiteſten und mehr lanzettförmig auf der Mitze
des Ruͤckens und den Flügeldedfedern ift. Flügel und Schwanz
von oben fchwarzbraun.
Sn ganz Africa gemein. Ruͤppell fand ihn fehr häufig
in der Provinz Simen in Abyffinien, „wo er familienmeife auf
den Cadavern des von. ung getödteten Wilde fich einfand.“
Außer Africa ift er in Dftindien einer. der gemeinften Adler.
Dimenfionen: Tarfe 8
Kopf 110 Mitteljehe 58-428
Schnabel 50 Außenzehe 39-421
Höhe 27 Snnenzebe 35433
Mundwinkel 62 Hinterjehe 34-34
Dherflügel 340 1. Schwzf. 260
Flügelfpige 220 6. Schwf: 270
6. Der Milan » Steinadler — Aquila heliaca
Sav. Deser. d’Egypt. t. 12. Falco imperialis Bechst.
Naum. t. 6 und 7. alt. und jung. Aquila bifasciata
Gray Ill. Ind. Zool.
Diagn. Schnabel bis zum hinteren Winkel der Eleinen
Augen gefpalten. Flügel länger als der ziemlih Eurze Schwanz.
Mittelzehe mit 5 Schildern vor dem Nagel.
248
Alter Vogel. Schwarzbraun mit roſtgelbem Naden und Hin-
terhals. Die Schulterdedfedern mehr oder weniger'weiß, wodurch
ein. weißer oder fchwarzgefledter Spiegelfleck entfteht. Untere
Schmwanzdedfedern rojtgelblich, dunkelgrau gefleckt. Zarfenfedern
roſtgelblich geraͤndert mit weißem Flaumentheil. Fluͤgelrand
naͤchſt der Ulna roſtgelb gefleckt. Die hinteren Deckfedern der
Schwingen 2. Ordnung ſchwarzbraun, an der Wurzel grau
marmoriert gebaͤndert. Schwanz an der Wurzelhaͤlfte aſchgrau,
unregelmaͤßig ſchwarz gebaͤndert. Das breite ſchwarze Endband
mit: licht roſtgelblich weißer Endborde.
Junger Vogel. Dieſer weicht in der Faͤrbung ſehr von den
übrigen ab, denn er zeigt, eine Faͤrbnng wie die jungen Milane
und die Sctinoaeten ber Haliakten. Die unteren Theile haben
nämlich roſtgelbliche Scaftfleken, bie dunkelbraun eingefaßt
find. Das Eleine Gefieder des Flügels fchwarzbraun, roftgelb
eingefaßt. Hofen, Zarfen und die untere Hann und die
Kehle femmelfarbig.
Diefe Art unterfcheidet fich ferner von Me Steinabler durch
kuͤrzeren Rumpf und im Leben durch ein horizontalere Stellung.
Nah Leisler zeigt der Kehlkopf eine bemerfenswerthe Ab:
meihung von dem des Steinadlers, denn er zeigt zivifchen der
Luftröhre und ihren Aeſten einen breiedigen Knochen, der nad
hinten und oben, nad vorn und unten ſtarke Hervorragungen
hat, welche mit den beiden Enden des erften halben Ringes der
Lufteöhrenäfte in Werkindung ftehen. Dadurch find die Luft:
röhrenäfte nicht nur fehr erweitert, und die Paukenmembran
ſehr groß, fondern es wird auch eine breite Luͤcke gebildet, welche
mit der Luftröhrenhaut ausgefüllt ift. Mähert ſich nun der erfte
King dem dreiedigen Knochen, fo bildet die Haut eine in den
unteren Kehlkopf vorragende Falte, entfernt fich dagegen dieſer
Ring von dem dreiedigen Knochen, fo wird diefe Haut ans
gefpannt.
Nach diefem abweichend gebauten Kehlkopf ift auch die Stimme
fehr verfchieden und gleicht mehr dem Kolfraben, allein fte ift
durchdringender und bey weiten ftärker: fie Elingt tief und rauh
wie Kra-Kra vder Frausfrau. In der Gefangenfchaft hört
man zuweilen ſchwaͤchere tiefe Zone wie ga⸗ga⸗gak. Ich halte
ihn für einen rein aſiatiſchen Vogel, der nur zufällig nach Nord:
africa und dem öftlihen Europa fommt, von wo er fich bis in
das ſuͤdliche Teutſchland verffreicht. Ob er ſchon häufig in
Europa genifter hat, weiß ich nicht, bezweifle es aber fehr.
Natterer fand fein Neft einmal auf einer der grofen Do-
nauinfeln, der berühmten Lobau bey Afpern, Es faßen drey
Sunge darin, wobey man einen der Alten fchoß. Hierdurch fcheu
gemacht, wollte der andere Alte fich dem Neft nicht mehr. nähe
ern; er. fchmebte Über. den Wolken und ließ die Jungen einen
ganzen Zag lang hungern. Als er. fich endlich ficher glaubte,
ftürzte er mit angefchloffenen.. Flügeln, wie ein Pfeil aus. der
Luft herab auf das Neft und wurde gleichfalls gefchoffen. Die
Zungen kamen in die Menagerie zu Wien, wo Natterer den
Farbenmwechfel beobachtete. J
Naͤheres uͤber ſeine Lebensart, wie die Eher ausfehen, wien
wir nicht; ebenfo ift es unbekannt, ob er Voͤgel Säugethieren
vorzieht oder nicht, Was Naumann von ihm erzählt, ſchei—
nen mir geiftreiche Gonjecturen, die erſt der Betätigung bedür-
fen, denn in Teutſchland find die Adler. fo ſelten, daß man nur
durch Zufall einen Blid in den Haushalt diefer hoͤchſt ſcheuen
Voͤgel thun kann.
249
— ‘ 350
— — Dimenſionen eines alten Vogels.
opf 11 üttelzehe Kopf 94 Tarſe 91-92
Schnabel 42 Außenzehe 32 Schnabel 41 Mittelzehe 46-48+25
Mundwinkel 65 Innenzehe 84 Höhe des Schnabels 21-23) ‚Außenzehe 32+19
Dberflügel 380 1. Schwzf. 264 Mundwinkel 50. Innenzehe 27+27
Zlügelfpige 239 6. Schwjf. 264 Oberflügel 270 . Hinterjehe 22427
Fluͤgelſpitze 193 Schwanz 216
7. Der Schrei⸗Steinadler — Aquila naevia
Gmel., Naum. tab. 10 et I1. Falco naevius et ma-
eulatus ‘Gmel., Aq. planga Pieill. Ag. bifasciata
Hornsch. ' Aquila melanaätus Sav. Falco mogilnik
G. Gmel.
Diagn. Die dünne fehlanfe Tarſe ift 91 und die Mittel-
zehe 48-423 Mm. lang. Ganze Länge 642 Mm. oder 23—24
Par. Zoll lang,
Er. iſt der, Eleinfte und. dabey fchlanffte im der Gruppe ber
Steinabler, welcher die längften Zarfen und die Eürzeften Zehen
bat. Die kurzen Hofen überreichen nicht die Hälfte der Zarfen.
Der Schnabel ift am Eleinften und ſchwaͤchſten und die Nägel
find fehe ſchwach gebogen, allein nadelſpitz. Verhaͤltnißmaͤßig
hat er einen ebenſo kurzen Schwanz als der Aq. heliaca.
Sm hohen Alter iſt das Gefieder faſt ſchwarzbraun mit
ſchmalen verlofchenen Binden auf dem Schwanz, deffen Spitze
roftgelblih ift. Die faft fchwarzen Schwingen find an der
Murzel der Innenfahnen weiß.
Die Iris ift pomeranzengelb und Wachshaut und Zehen
hochgelb.
Der mittelalte Vogel zeigt Wangen und Kehle dunkelroſtgelb,
der Scheitel braun, mit roſtgelben Spitzen; im Nacken ein roſt—
gelber Fleck. Die Spigen des Hinterhalfes roftgelb. Die Sca—
pularfedern chocolatbraun, Nüden, Steiß und Schwanzdede
braun. Der Rüden mit lichteren, die Schwanzdede mit brei—
ten gelblichweißen Nändern. Der Schwanz zeigt von unten
12 dunfelgraubraune Duerbinden. » Das Eleine Gefieder des
Flügels lebhaft braun, mit dreiedigem roſtgelben Fleck an der
Spise. Die Schwingen an der Wurzel der Snnenfahnen aſch—
grau gebändert. Vorderhals, Dberbruft lebhaft braun, mit roft=
gelbem Schaftfled. Unterbruft, Bauch, Hofen und Zarfen roſt—
gelblihbraun. Untere Schwanzdecke weißlih mit roſtgelben
Spiken.
Die Männchen in dieſem Kleide find nah Naumann viel
bunter als die Weibchen.
Der Neftvogel ift dunfelchocolatbraun mit lichtroſtgelblichem,
verwaſchen braunfich gefledtem Steif und unterer Schmanzdede.
Die Schwingen ſchwarz und der Schwanz fchwarzbraun ; letz—
terer ſchwach aſchgrau gebändert mit hellem ſchmutzig meißgelb-
lihem Saum. Im Naden ein roſtgelber Fleck und die
meiſten Federn des. kleinen Gefieders. mit feinen voftgelben
Schaftflecken.
Sn Deutſchland iſt dieſe Art ſelten; gemeiner in Rußland
und Polen, und liebt Waͤlder, die große Gewaͤſſer in der Naͤhe
haben Er ſoll wenig Muth beſitzen und von Waſſervoͤgeln,
Eleinen Säugethieren und Amphibien ſich nähren. Außer Eu-
ropa lebt er in Afien, einzeln in Nordafrica. Nah G. Gray
ſtammt ein: Eremplar des brittifchen Mufeums aus Nordame—
rica. Iſt letzteres richtig, fo hat er eine große Verbreitung.
Iſis 1847. Heft 4.
8. Der Aar-Steinabler — Aquila Bonelli
Temm. pl. col. 283. Aquila intermedia* Bonn. Ag.
fasciata Vieill. Spizactus grandis Hodgs.
Diagn. Mitteljehe 62 Mm. lang. Unterförper mit ſchma⸗
len ſchwarzen Schaftfleden auf lichtem Grunde — Schwanz
lang, fehr bunt und zadig gebandert und geftreift.
Beſchreib. Er hat die Größe des naeviodes, allein iſt
ſtets oben dunkler, unten Lichter gefärbt. Die Kopf: und die
Tedern aller oberen Theile find an der Wurzel’ weiß, "an der
Spitze ſchwarzbraun. Die Kopf: und Halgfedern mit dunklern
Schaftflecken und roſtrother Einfaffung. Wangen roftgelb mit
einzelnen ſchwaͤrzlichen Schaftfleden. Kehle weiß mit ſchwarzen
Schaftfleden. Andeutung eines ſchwaͤrzlichen Badenftreifens.
Flügel graubraun. Die langen Dedfedern, welche die Schwin-
gen 2. Ordnung bededen, an der Murzel weiß, nach den
Spigen bin marmorirt, ſchwarz gefleckt und gebändert, Schwin—
gen 2. Ordnung fhwarzbraun mit ſchwarzen Bändern, die auf
den lichteren Innenfahnen grau gewölft und ſchwarz zadig ges
bändert find.
Innere Achfelfedern weiß, zumellen unregelmaͤßig ſchwarz
gefleckt; die laͤngſten fchwarzgrau, weiß gefledt. Schwingen bis
zu den Ausfchnitten an den Innenfahnen meiß. Von den
Ausfhnitten an blaͤulich mit ſchwarzer Einfaffung und Spitze
und 4 zadigen fchwarzen Binden, Die unteren Theile find
weiß, oder rofigelb mit fchmalen ſchwarzen Schaftfleden, die an
der Kropfgegend tropfenartig am Ende jeder Feder fich erweitern.
An den kurzen Hofenfedern braune Schaftfleden und untegel=
mäßige Fleden. Der Schwanz iſt graubraun und zeigt na=
mentlih auf den lichten Innenfahnen eine fehr bunte unregel-
mäßige Zeichnung, in der ſich 7 zadige Bänder erkennen Laffen.
Ein meibliher Vogel zeigt die unteren Theile mehr roftbraun
und ein männlicher diefe Theile faſt weiß. Im füdlichen Eu:
ropa feltener als in Dftindien, wo er ein gemeiner Adler ift.
Un dem europäifchen hat man beobachtet, daß er Fiſche frißt,
obgleihh die Ballen der Zehen feine fpikere Warzen, ale die
übrigen haben. Es ift bey diefer Erfahrung jedoch nicht ange:
geben, ob er ein wahrer Stoßtaucher iſt, oder ob er blos kranke
oder oberflächlich fehwimmende Fiſche wegkapert.
Dimenf,:. mas — fem.
Kopf 98 — 100 Mictelz..60-+29 — 62-+29
Schnabel 31 — 34 Aufenz. 44424 — 45424
Mundw. 50 — 50 Innenz. 35434 — 35435
Iberflüg. 280 — 302 Hinterz. 35437 — 34-36
Ftügelfp- 180. —. 186 1.Schmjf. 235 — 230
Zarfe 95 — 94 6. Schwif. 230 — 230
* Diefer Namen ift auf jeben Fall der ältere und verdiente dem
Temminckiſchen vorgezogen zu werden, Trotzdem behalte ich den obe—
ren- bey, weil er allgemein angenommen iſt und gegen eine europäi—
ſche Verwendung eines Namens nichts gefagt und gethan werden kann.
16
251 i
9. Der Buffard-Steinabler — Aquila fulva
Linn. Falco fulvus, chrysaötus, melanaötus et cana-
densis Linn. Falco niger Gmel., Naum. tab. 8 et 9.
Diagn. Der an der oberen Hälfte weiß oder grau gewoͤlkte
Schwanz ift 330—350 Mm. Lang.
Befhreib. Er ift der größte von allen, und übertrifft an
Länge den Meih-Steinadlee — Aq. heliaca sive imperialis,
von welchem er fich duch engeren Rachen, durch 3, felten
4 Schilder von dem Nagel der Mittelzehe und durch meißen
Spiegel auf den Innenfahnen des öl ügels, durch verhaͤltnißmä⸗—
Big Eürzere Flügel und bedeutend. längeren Schwanz leiht un=
terfcheidet.
Der alte Vogel ift fehwarzbraun mit lichterem Eleinen Ge:
‚ fieder des Flügels, roſtgelbem Kopf, hinteren Ohrfedern und
Hinterhals, Schwanz an der oberen Hälfte rein weiß — Tarſen
ſchmutzig weiß. Naum. t.9. Der junge Vogel, mehr einfars
big ſchwarzbraun mit voftgelben Federſpitzen im Nacken, braͤun—
lichen Hoſen und grau gewoͤlkter oberer Schwanzhälfte.
Raum. t..8.
Naumann gibt den alten Vogel für den jungen und um:
gekehrt, was falfh ift. N. Annahme ftreitet gegen die Erfah-
rung an jungen in der Gefangenfchaft lebenden und gegen alle
Analogien. Diele Haliaöten haben in der Jugend einen ges
fledten und. nur im Alter rein weißen Schwanz.
Diefe Urt ift, Auftralien. ausgenommen, über die ganze Erde
verbreitet. In Europa findet er fih noch in Gebirgsgegenden, wo
ev in den unzugänglichften Selfenklüften niftet. Die 3—4 Eyer
haben. die Größe von Truthuhnseyern, find jedoch runder, weiß
mit blaßbräunlichen Sleden. Hafen und Gänfe zieht er allen
übrigen Thieren und Voͤgeln vor. Seine Stimme gleicht auf
fallend der der Buffarde, nur ift fie durchdringender.
Nach dem Grafen von der Mühle ift er der häufigfte Adler
in Griechenland. „Ich beobachtete ein Paar während 4 Jahren,
welches in unzugänglichen Felfen in ‚der Nähe von Aſtros
horftete und, nach Ausfagen der Hirten und Landleute der Um—
gegend, fchon feit vielen Jahren dort bemerkt wurde. In der
Nähe von Aftros befindet fi ein großer Sumpf, der foge-
nannte Muftos, in deffen Mitte ein See von Mineralwaffer
ift. Diefer See ift im Winter der Aufenthalteort unzähliger
Schaaren von Waffervögeln aller Arten. Dabey ereignete es
ſich öfters, daß ein von mir erlegtes Stüd weit im Zeiche lie:
gen blieb, und von meinen Hunden nicht geholt wurde. Dieß
hatten. fie fi) gemerkt und zwar fo, daß jedesmal, wenn ein
Schuß an. diefem Sumpfe fiel, fie ihre Felfen verliefen, ber
den. See freißten und mit unglaublicher Kühnheit mir. oft. das
fo eben erlegte Wild vor den Augen wegtrugen, ohne daß ich
fie erlegen Eonnte. Endlich erhielt ic das Männchen im Früh:
jahr, worauf das Meibchen die Gegend verließ. Die von Plinius
erwaͤhnte Sage, daß Aeſchylus durch eine von einem Adler auf
feinen Eahlen Kopf gemworfene Schild£röte erfchlagen worden fen,
entbehrt durchaus nicht der Wahrfcheinlich£eit: denn häufig ergreift
diefer Adler eine Landfchildfröte, erhebt fih mit ihr in bie Luft,
läßt fie auf einen Selfen fallen und wiederholt dieß fo oft, bis
fie zerfchellt, worauf er ſich daneben hinfegt und fie verzehrt.‘
Dimenfionen: mas. — fem.
Kopf 114 — 125 Sheflügl 45 — 415
Schnabel 40 — 43 Flügelfpike 235 — 246
Höhe 29 — 290 Tarſe 88 — 956
Mundwink. 61 — 62 Mittelz. 64432 —
Dimenf.: mas. — fem. Hinterz. 377 46 — 42-+50
Außenz. 49-+25 — 45429 1. Schwif. 332 — 337
Innenz. 45-442 — 45446 6. Schwzf. 351— 342
5. und letztes Subgenus. Schwanz-Adler — Uroaätus
Kaup.
Diagn. Schnabel, vom Rand der Wachshaut dehnen,
fo hoch als lang. Schwanz lang, Feilförmig, äußere Schwanz⸗
feder 4 Eürzer als die mittleren.
Befchreib. Zügel faft nadt mit einzelen Borften. Die
Flügel erreichen nicht, das Ende des langen Schwanzes, Zweite
bie 6. Schwinge an der Innenfahne abgerundet ‚ausgefchnitten.
Man Eennt nur eine Urt, die an Größe Aq. fulva übertrifft.
10. Der Neuholländifhbe Sſch wanz-Adler —
Aquila audax Lath. Falco audax Lath. Aquila
audax @. Gray. Ap. füeosa Cw. Ag. albirostris
Vieill.
Befhreib, "Ein fehr altes Männchen, von Gould im
Juny erlegt, ift ein prachtvoller Vogel. "Schnabel faft gelb
mit blaufhwarzer Spike. Scheitel ſtrohgelb mit einzelnen braun
lichen Federn. Dhrfedern und Hinterhals roftgelb mit ftrohgels
ben Spisen. Der Langsftreif über den DOberflügel fehr deutlich,
die hinteren Schulterfedern und legten Schwingen 2, Ordnung
gebändert und gefledt. Nüden lichtbraun mit voffgelben
Schaftflefen und Binden. Die oberen längeren Schwanzded-
federn roftgelb mit weißen Süumen. Won unten ift dag Kinn
ſchwarz, Bruftgegend dunkelbraun mit roſtgelbbraunen Spigen.
Die Federn des Kropfes Furz und roſtgelb. Der Bauch und die
Seiten ſchwarzbraun mit glänzenden Schäften und feinen toft=
gelben Spigen. Untere Schwanzdedfedern hellgelblihmweiß. Die
aͤußere Schwanzfeder und die übrigen gegen dag Ende hin deut
lich gebändert.
Ein nicht. fehr altes Weibchen der Gouldifhen Sammlung
ift ſchwarzbraun mit voftgelben fehmalen hinteren Halsfedern.
Schulterfedern an der Wurzel weiß, grau gebandert und geti=
gert. Ein Streifen der Eleineren Deckfedern des Dberflügels
an der Wurzel weiß, an den Rändern hellbraͤunlich. Die obe=
ren Schwanzdedfedern lichter braun mit weißen Fleden und
Bändern und heilbraunlihen Säumen. Die Hauptfchwingen
von unten gefehen find an der Wurzel weiß, graubraun mars
moriert. Die Schwingen 2. Ordnung find von innen nad) der
Wurzel weißlih mit grauen Nebelflefen und Streifen und weis
fen. grau gewölbten Querbaͤndern. Der ausgebreitete Schwanz
ift an der Innenfahne nad) der Wurzel hin afchgrau,und. zeigt
unregelmäßige Laͤngs- und Zadenftreifen und Fleden von licht
brauner Farbe. Die innere Fahne changiete aus dem tief Roth⸗
braunen ins blaugraue.
Sn Auftralien gemein, raubt die Eleineren Arten der Kaͤn—
gurub, Trappen, Schaafe u. dgl. Er folgt den Jägern Tage
lang nach, um: die von ‚ihnen weggeworfenen Eingeweide der
Känguruh zu werzehren. Gould fah 30—40 Stuͤck um den
Gadaver eines Dehfen verfammelt, von denen einige, bereits ge—
fättigt, auf den ‚benachbarten Bäumen ausruhten. "Gould
Eonnte die Eyer nicht erhalten, da fie auf die hoͤchſten Bäume
niften, deren Stamm bis zur Krone aftlos und. dieſe an 100
Fuß hoch find,
252
1985
Dimenf.: mas. — ſem.
Kopf 127 — 130 : Außenz. 54426 — 57-429
Schnabel 52 — 51 Innenz. 42441 — 48442
Höhe 32 — 32..1.Schwjf. 230* — 305
Mundwink. 73 — 75 2. Schmjf. 309 — 330
Dberflügel 366 — 272 3. Schwjf. 827 — 549
Flügelfpige 227. — 377 4. Schwf. 347 — 380
Zarfe 107 — 110 5. Schwjf. 367 — 400
Mittel. 70+32 — 78-34. 6. Schw. 395 — 416
2. Genus. Weib - Adler — Helotarsus A. Smith.
April 1830.. Theratopius Less. Nov. 1830.
Diagn. Der fehr lange, fpige, fäbelförmig gebogene Flügel
überreicht weit den halbrumpflangen Schwanz.
Befhreib. - Der Schnabel ift grade, unter der Wachshaut
aufgetrieben. „Zügel und Augengend nadt mit einzeln Borſt—
haͤrchen. Die Nafenlöcher find oval und fenfreht — Wache:
baut groß, fenkrecht zum Schnabelrand herabfteigend.
Flügel lang und zugeſpitzt. DOberflügel länger als die Flü-
gelfpige. Die 2. bis 7. an der Innenfahne hakenfoͤrmig aus—
geſchnitten. Die, hinteren Ausfchnitte ſtehen höher. als die vor—
deren und die Ausfchnitte der 3., 4 und. 5. ftehen in gleicher
Höhe. **
Tarfen ziemlich) hoch und. wie die Sehen mit unregelmäßigen
runden und erhabenen Schuppen; vor. den Nügeln mit 4 Schil:
dern, Am ‚oberen Gelene $ nach vorn mit Federn bedeckt.
Hofenfedern kurz. Mitteljehe mit dem Nagel fo lang ale
die Zarfe. Nägelsfhwach mit parallel ftehenden Kanten,
Schwanz aͤußerſt kurz, hat etwa die Hälfte des Rumpfes.
Die aͤußerſte Schwanzfeder iſt gleich lang mit der 6,, die 2.
fo lang als die 5., die 3. und 4. faft gleich lang. Durch
diefe Verhältniffe entſteht ein doppelt gegabelter Schwanz. Das
Gefieder des Hinterfopf3 und der Seiten des Halfes iſt lang,
an der Spike breit und aufgelodert, wodurch der Kopf von
hinten gefehen ein’ eulenartiges Anfehen erhält; das übrige Ge—
fieder ift breit und da es in großen Maffen verfcieden gefärbt
ift, fo erhält e8 ein Außerft buntes Anfehen. Wir Eennen lei—
der don dieſem höchft intereffanten Gefchleht nur den Typus
eines Subgenus, der als leßteres den 3. Nang einnimmt. Als
Genus repraͤſentirt es unter den Aquilinae den Nauclerus
fehr deutlich durch die langen fpigen Flügel.
Der Eurzfhwänzige Weih-Adler — Helotarsus
ecaudatus Vaill. Le Bateleur PVaill. 7 et 8.
(ſchlecht wie alle von Vaill. abgebildeten Naubvogel. ***
Beſchreib. Tiefſchwarz mit rothbraunem Rüden, Schwanz
und. Schwanzdede. Flügel ‚graubraun. Die Dedfedern der
Schwingen 2. Ordnung, ſo wie. die Enden dev Schwingen
2, Ordnung ſchwarz. Diefe Färbung. bildet zwey breite Bin—
den, welche die ſchmutzig lichtgraubräunlichen Schwingen 2. Ord.
einfchließt. Innerer Flügel blendend weiß, nach den Spigen
der Schwingen hin blaͤulichſchwarz; die obere Seite der Schäfte
* Nicht ganz vollftändig ausgewachſen.
* Eine folche Stellung der Ausſchnitte kommt bey: feinem Sub—
genus mehr vor. Wenn mehr Formen, diefes merkwürdigen Genus ent
deckt werden, fo wird obige Befchreibung nad) einem Subgenus gebil-
det, fehr modificirt werden müffen.
**s Saft allen Falconidae hat der fehlechte und uncortecte Zeichner
En Tarfen und Zehen ‚gemacht, gleichviel ob fie folche Haben
der nicht.
264
der Schwingen ſind an der Wurzel weiß, welche Farbe ſich als
feine Linie in den laͤngeren ſchwarzen Theil des Schaftes laͤngs
der Mitte hinein zieht. Die untere Seite der Schaͤfte ſind
weiß, gegen die Spitze ſchwarz. Eine aͤhnliche Schaftzeichnung
findet ſich bey Milvus isiurus, 2. Subgenus von Milvus,
5. Genus der Milvinae. Die fangen Federn der Seiten, tief
unter dem Flügel in der Nähe von dem Ende der Ulna, entfprin-
gend, fehwarz, einzelne marmorirt oder, weiß. . Der fchwarze
Flaum der inneren Dedfedeın bat lange fahnenlofe, nur an
der Spige befahnte Spulen, Schnabel gelb, ‚an der Spise
hornfarbig.
Der Neftvogel ift mehr einfarbig braun, mit, hellerem Kopfe
und Halſe. Alle’ Federn mit lichteren Rändern.
Ein ſehr gemwandter Flieger, der in der Luft ſich fpielend uͤber—
fchlägt, was felbft ein alter Vogel im Amſterdamer Thier—
garten zu thun verfuchte,
Nah Vaillant fol er auf Aas fallen, kranke Schafe
und junge Strauße rauben. Er ift über ganz Africa verbreis
tet und iſt dafelbft nicht felten. Eine nähere Schilderung feiner
Lebensart wäre fehr zu wuͤnſchen, die jedoch nicht von einem
gewöhnlich im Fluge dahin eilenden Reiſenden, fondern noch
eher von einem am Cap eingebürgerten Zoologen erwartet wer—
den Fann.
Dimenfionen: Mittelzehe 66
Kopf 126 1. Schwanzf. 120
Schnabel 39 2; — 117
Mundwinkel 68 — 113
Dberflügel 3812 4. — 114
Flügelfpige 255 9. — 117,
Zarfe 79 6. — 120
Der Typus dieſes Genus ſteht den Circacien, 8. Genus
der Aquilinae, näher als Aquila, erſtes Genus der Aquilinae
Er gleicht den Circaeten in der Bildung der Füße und Zehen
und deren Bedeckung. Letztere weicht jedoch darin ab, daß die
Schuppen fich nicht überdeden; auch iſt die Außere Zehe eben-
falls ſchwach, jedoch bedeutend länger und die Tarſe ift kuͤrzer
als bey den Circaeten.
Mir fehen bey diefem Genus wie bey Nauclerus auf dem
Sinnenflügel einen großen weißen Spiegel, indem die. obere
Hälfte der Schwingen 1. und 2. Ordnung weiße Fahnen haben
und daß fämmtliche Eleine Dedfedern des inneren Flügels weiß
gefärbt find.
Diefe Färbung findet fi) bey Nauclerus, bey vielen Cirei,
bey Elanus und theilweife bey einigen Milvi. Sch glaube deß—
halb, da die Mehrzahl der Genera der 2. Subfamilie Milvi-
nae diefe Färbung trägt, diefe ein Character des 2. Nanges ift.
Bey vielen Longipennes 2. Untetordnung der Ichthyorni-
thes fehen wir die Schäfte der Schwingen oben ſchwarz, unten
weiß; wir fehen diefen nimlichen Character bey vielen Milvinae,
bey Nauclerus Riocourii und auch bey Helotarsus wiederkeh-
ven und halten auch diefen fuͤr einen Character des zweiten
Range:
Wenn diefe Charactere in Verbindung mit Characteren, die
die 2. Genera der. 5° verfchiedenen Subfamilien an fich tragen,
bey einzelen Formen wiederfehren, fo Eann man ficher feyn, daß
diefe als "Genug, Subgenus, ‚oder. als Art den 2. Rang eins
nehmen.
Da ich die Vertheilung der Farben, ob Baͤnder fich über
alle unteren. Theile,‘ oder gar Liber den ganzen Körper erftreden,
255
wie viele Bänder ſich Über den Schwanz ausbreiten, ob bie
innere Anficht des Flügels einen Spiegel bildet oder nicht, ob
die Fuͤße roth oder gelb find, wie die Färbung der Iris beſchaf⸗
fen ift, für hoͤchſt wichtig halte, um die Formen richtig zu ſtel⸗
fen; fo iſt dieß der Grund, warum ich fie den Characteren der
Subgenera ufw. angehängt habe. Alle diefe Grundfäge koͤnnten
von mir viel meiter ausgebildet feyn, wenn mir ſtets ein britti⸗
ſches oder leydner Mufeum zu Gebote ftünde und. ich nicht faft
einzig auf mein Manufcript und etwa 60 Arten Falconidae
unferer Sammlung befchränft wäre,
Da in der Subfamilie Aquilinae in den 5 Genera fo
außerordentlich klar und fehlagend in den Halia&ten der Geyer,
in dem Pandion der Gypaötus, in Circaetus der. Gypoge-
ranus, in dem Helotarsus der Strix und in dem Aquila die
Falkentypus ausgeſprochen iſt; fo habe ich an alle, die die
Faleonidae in der Mehrzahl beſitzen, die Bitte: das letzte Sub:
genug Thalassaetus (pelagicus) der Haliaöten, von Pandion
ven P.haliaetus, von den Circaöten eine Art des Subg. Spilor-
nis, z. B. undulatus, den Helotarsus und von den Aquilae den
Aquila pennata (erftes Subgenus der Aquilae) einige Tage mit
einem Geyer, Gypaetus, Gypogeranus, Strix. und Falco
fi vor die Augen zu ftellen, um zu fehen , ob meine Anficht
ein Work der Phantafie und nicht in der Natur begründet ift.
Selbft der Ornitholog, der fich diefe Formen ſelbſt in noth⸗
duͤrftigen Abbildungen zuſammenſtellt, wird dieſe Wiederkehrun⸗
gen begreifen, oder wenigſtens ahnen lernen.
Iſt letzteres der Fall, ſo wird er es vermeiden mich zwecklo⸗
ſer Zerſplitterung anzuklagen, da grade in den Characteren der
Subgenera dieſe Geſetze ſich erkennen laſſen, abgeſehen davon,
daß diefe hoͤchſt nothwendig find, um die Arten unterſcheiden zu
fernen. Wer mic, widerlegen will, der verfuche es die Cha:
vactere der Subgenera abzuläugnen, oder Uebergänge von, einem
Subgenus zum andern nachzuweifen. Er wird weder dag Eine
nod) das Andere im Stande feyn. en
Nur Herr Temmind Eonnte dieß gegen bie Wahrheit früs
her behaupten, allein da er in neuefter Zeit in der Fauna Japo-
nica von Spizaötus, Buteo ete. ſpricht, ſo muß er von feinem
hartnädig vertheidigtem Irrthum zuruͤckgekommen ſeyn, daß die
Faleonidae untheilbar feyen. An die unnügen Feldzuͤge dieſes
Drnithologen gegen VBieillotifche und Gurvierifche Trennun⸗
gen erinnere ich alle die Ornithologen, welche gegen meine noch
feineren Subgenera kämpfen wollen. Sie werden das Schickſal
dieſes Mannes theilen, daß ſie im hohen Alter das Jahrzehnte
lang Verſchmaͤhte annehmen, und einſehen, wie fie die Wiffen:
ſchaft durch ihre Krebsgaͤnge aufgehalten und ihr geſchadet haben.
Wer da glaubt, eine Inconſequenz in meinen Auſichten darin
zu ſehen, daß viele Genera ſich in Subgenera aufloͤſen, andere
Genera, wegen Mangel an Formen ſich nicht ttennen laſſen,
dem muß ich bemerken, daß wir nicht am Schluſſe aller Ent:
dedungen ftehen. Gould entdeckte, troßdem, daß Neuholland
fängft vor ihm von Zoologen befucht war, nicht weniger als
41—12 vollftändig neue Falfenarten, als: 1) Falco hypo-
leueus, 2) frontatus, [3) melanogenys], 4) Circus Jardini,
5) Elanus seriptus, 6) Milvus isiurus, 7) affinis, 8) me-
lanosternon, 9) Nisns eruentus, 10) Aquila morphnoides,
11) Pandion leucocephalus, 12) Pernis suberistatus. Zu
gleicher Zeit wurde, der 13) Falco subniger von 6. Gray
und der 14) Circus assimilis von Jardin und Selby
entbedt. -
Bor diefen 4 Gelehrten fannte man 1) ben Elanus axilla-
256
ris, 2) Jeracidea berigora, 3) Nisus 'torquatus, 4) ap-
proximans, 5) Astur Novae Hollandiae, 6) Astur radia-
tus, 7) Halia *tus ponticerianus, '8) canorus, 9) leucogaster, _
10) Aquila fucosa, 11) Tinnuneulus cenchroides. Selbſt
von diefen gehört die Entdefung von Jeracidea berigora ete.
der neueren Zeit an und nur der Astur Novae Hollandiae,
radiatus, der Haliaötus ponticerianus und leucogaster war
den älteren Autoren. bekannt. Es wurden demnach in diefem
MWelttheil von den 25 Falconidae über $ erft in der neuften
Zeit entdeckt. Won den. 12 neu, entdedten. Salfen Gould
waren drey Typen von drey neuen Subygenera. Milvus isiu-
rus, Buteo melanosternon und Circus Jardini. Daß der
Buteo melanosternon eine 'eigne' Gruppe bilde, davon hat
fi Herr Gould überzeugt, weil er aud) in der Lebensart ver
ſchieden iſt. Im zoologifchen Garten‘ zu London lernte ich das
erfte Subgenus von Tinnunculus (Polihierax semitorquatus)
Eonnen, im brittiſchen Mufeum hatte ich Gelegenheit mein Vers
zeichniß der Falconidae, welches ih im 3! Band 'des Museum
Snkenbergianum gegeben habe, vielfach zu verbeffern, wobey
mir ©. Gray mit Nath und That beiftand.
Sch erinnere ferner daran, daß der Pernis (Hyptiopus)
lophotes von Guvier noch feine 20 Jahre entdedt ift und
daß man bereits drey Arten in dieſem Subgenus fennt.
Aviceda cuculoides, 2. Subgenus Pernis, — ift von
Smwainfon erft im Fahre 1837 befchrieben worden. Gampso-
nyx Swainsonii ift von’ Vigors im Sahte 1825 entdedt,
Das Subgenus Poliastus (Ichthyaetus Lafr.) ijt mit feinen
Urten noch fpäter bekannt geworden. Kann dieß Alles nicht ab-
geltugnet werden, warum follten die von mir angegebenen
Luͤcken nicht ebenfalls, mwenigftens dem größten Theil nad), fich
in der Folgezeit ausfüllen laffen ?
Merden diefe Luͤcken ausgefüllt, fo werden fie den fchlagend:
ften Beweis von der Nichtigkeit meiner Anficht abgeben.
3. Genus. Schlangenadler — Circastus Kaup.*
. Subgenus. Herpetotheres Vieill.
Gymnogenys Less. sive Polyhoroides A. Smith.
Spilornis G. Gray. sive Haematornis Vig.
Circaetus ‚ Vieill.
Poliornis Kaup, G. Gray.
. Subhg.
. Subg.
. Sub.
Subg:
[u 2 SE
5
Diagn. Die Mitteljehe mit dem Nagel ift bedeutend Eli
zer, als die hohe mit 6 edigen Schuppen belegte Zarfe, melde
nur am oberen Gelenk nach vorn befiedert ift. Der etwas ab:
geſtutzte Schwanz hat Rumpf» oder Körperlänge.
Befhreib. Der Kopf ift meiſt groß und am der Stirn
breit. Die Außenzehe iſt in der Regel ſchwächer und meift
Eürzer als die Innenzehe und fammtlihe Nägel find Eantig.
Nach der Lebensart der befannten Arten zu fchließen, find fie
alte feige und unedle Naubvögel, deren Hauptnahrung, wie bey
Gypogeranus, aus Amphibien befteht, die fie wwahrfcheinlich nur
zu Fuße verfolgen und fangen. Sie zerfallen in 5 Subgenera,
die mit ihren fchärferen Kennzeichen von den neueren Ornitho—
flogen als wahre Genera irrig aufgeführt werden. Won’ frühes
ren NMaturforfchern wurde ein Theil bald zu den Astures, bald
zu den Buffarden verfegt, indem fie ſich durch Analogien tiu:
* Sch habe fammtlichen Subgenera den Namen Circastus gelafz
fen, weil diefe Benennung die ältefte ift; (fie verdient um fo mehr den
Vorzug, weil fie die analoge Verwandtſchaſt mit Circus bezeichnet,
257
fhen liegen. Dieſe Fehler würden fie leicht vermieden haben,
wenn fie Lebensart und den Bau der Füße berudfichtigt. hätten.
So zählte Temminck Herpetotheres - Xrten als. xantho-
thorax, brachypterus zu den Astures. G. Gran verfeßt
den meihähnlichen Gymnogenys zw feinen Circinae, einer
Subfamilie, die in allen ihren Theilen irrig zufammengefest ift.
Mit einem Wort, Eein Autor hat vor mir die Arten richtig
zufammen geſtellt und es würde zu weit führen, wenn ich all
die Fehler, die in diefem Genus gemacht worden find, gefchicht:
lich aufführen wollte. Zur Entjchuldigung derfelben muß jedoch
angeführt werden, daß die Arten dieſes Genus mehr als. alle
anderen von dem XZotalhabitus der Aquilinae abweichen.
Wenn BVorfteher von größeren Sammlungen von der Rich—
tigkeit meiner Zufammenftellung ſich überzeugen wollen, fo muß
ich fie bitten, daß fie faämmtliche Arten fich einige Zeit vor die
Augen ftelfen. Gefchieht dieß mit Eritifhem Blick, fo werden
fie nie mehr in Verfuhung Eommen, das Genus Circa, tus
al8 Genus zu verfennen, fie werden den Subgenera nicht mehr
den Werth von wahren Genera einräumen, noch weniger die
Arten unter der Benennung von Buffarden, Habichten auffüh-
ren. Sie werden fich von der naturfchändenden Anficht los—
teißen und gewiß nie mehr von abirrenden Formen ſprechen.
Die Männer hingegen, welche nur einzelne Bormen dieſes
Genus in natura befigen und die Mehrzahl derfelben nur nuch
Abbildungen, dazu noch fhlechte Eennen, möchte ich gebeten
haben, ihr Urtheil zu fuspendiren, bis glüdlicher geftellte Ge—
“lehrte ihre Meinung zu Tage gefördert haben.
Syſtem. Stellung. Wie Gypogeranus ald Familie ‘den
3. Rang einnimmt, fo fteht Circastus, durch die Menge der
Unalogien, die Gymnogenys radiatus mit diefer Familie auf:
weift, unter den Aquilinae als Genus, an der 3. Stelle.
1. Subgenus. Falfenfhlangenadler — Herpetotheres
Vieill. 1825. Daedalıon Sav., Vig. Macagua Less.
Cachinna Flem. Astur Spir. Autour Temm.
Diagn. Der Schnabel von der Wurzel an falfenähnlic)
plöglic) gebogen und von den Seiten zufammengedrüdt. Fluͤ—
gel fehr kurz mit Eurzer Fluͤgelſpitze, die oberen Dedfedern des
Schwanzes nicht Überreichend. Ohr mit deutlihem Schleier. *
Befhreib. Mit großem Kopf und total befiedertem Ge—
fiht. Wachshaut Elein mit großen Ereisrunden Mafenlöchern.
Um Gaumen: des Schnabelhafeng den feilförmigen Vorfprung
der Edelfalken. Unterfhnabel ploͤtzlich abgeſtutzt. Rachen fehr
eng und nicht bis zum vorderen Augenwinkel geſpalten.
Zweite bis 6. Schwinge an den Innenfahnen ſtumpf aus-
geſchnitten. Schwanz lang und ſtark abgeſtutzt. Tarſen laͤn—
ger als die Mittelzehe. Aeußere Zehe unbedeutend laͤnger als
die innere. Naͤgel doppelt kantig. Hoſen ſchwach. Gefieder
beſtimmt conturiert.
Man kennt mehrere Arten, die alle auf den Suͤden von
America beſchraͤnkt find.
* Marım in diefem Subgenus ebenfalls ein Schleier, wie bey ben
Cirei auftritt, wird fih bey einer forgfältigen Claſſification der Strigidae
ermitteln laſſen. Ich vermuthe, daß der Schleier ein Kennzeichen iſt, das
den 3. Rang bezeichnet.
Iſis 1847. ‚Heft 4.
258
1) Der Iahende Falfenfhlangenadler — Cir-
caetus cachinnans Linn. Falco cachinnans Zinn.
Herpetotheres cachinnans Vieill. 'Gal. t. 19.
Diagn. Die Kopffedern zu einer Holle verlängert,
55-67 Mm. lang. e
Beſchreib. Die durch, harte dunfele Schäfte fleifen Kopf:
federn find roftgelblid weiß. Geſicht, die hintere Hälfte des
Zügels, ein Streifen. über dem Auge und Hinterhals fhmarz.
Die längften oberen Schwangdedfedern, alle unteren Theile und
ein Band um den Unterhals roſtgelblich weiß. Flügel und
Rüden fhmwarzbraun, lestere Farbe als Zwidel iin die-beilen
oberen Schmwanzdedfedern ſich hineinziehend. Die größeren
Schulterfedern mit einzelen voftgelblihen Federn. Der Flügel
von Innen zeigt die Eleineren Dedfedern voftgeiblich mit einze⸗
len ſchwarzen Flecken. Die Schwingen von Innen‘ find licht
mit roͤthlichem Anflug; aud die Schwingen 2, Ordnung find
ähnlich gefärbt und gebändert, allein die Bänder find von
Außen kaum ſichtbar. Der Schwanz iſt ſchwarz und hat
4—5 mehr oder minder breite weißliche Querbänder oder Fleckem
Die ‚Fahnen an den hellen Querbändern verlieren bey alten
Federn ihre Seitenhärchen und werden defihalb an diefen Thei⸗
len ducchfichtig, was man ebenfalls bey Pernis beobachtet hat.
Zarfe
Dimenf.: mas. — fem.
Kopf —J
Schnabel 22 — 24
Hoͤhe 21 — 21
Mundwinkel 26 — 28
Fluͤgel 267 — 262 (nicht ausgew.)
Tarſe 5 — 6 |
Mittelzehe 4 — 45
Außenzehe 27 — 3
Sunenzehe 22 — 29
1. Shwanjf. 172° — ..
2. Schwanzf. 208 —
6. Schwanfe .. —
2) Der bunte Falkenſchlangenadler — Circac-
tus brachypterus Temm.* Falco brachypterus
Temm. pl. col. 141. 116. Sparvius semitorqnatus
Vieill. Sparvius melanoleueus Pieill. Falco leu-
comelas Jll., Licht. Azara No. 28 u. 29. White
necked Falcon. Lath.
Diagn. An Größe dem cachinnans gleich, allein mit lan-
geren tweniger raub gef&huppten Zarfen von 81—85 Mm. lang.
Uter Vogel. Zemm. pl. col. 141. Kopffedern nicht auf:
fallend verlängert, Scheitel und der fehr deutliche Schleier,
fowie der Rüden und die Flügel ſchwarzbraun. Wangen auf
weißem Grunde gefledt. Alle unteren Theile weiß mit ſchwar—
zen Schäften und einzelen ſchwarzen Flecken. Obere Schwanz:
= Das Genus Brachypterus Less. und bie Umtaufung Micrastur
G. Gray iſt zw fiteihen. Der Name brachypterus als Art taugt
nicht viel, allem ich habe ihm beibehalten, weil er der allgemein ange-
nommene if. Die Benennungen semitorquatus ift von Smith bey
Tinnunculus,, - melanoleucus von Gmelin bey Circus und von
Vieillot bey Haliadtus angewandt, was in einer und. derfelben Fami—
lie zu vermeiven if. Der Name leucomelas wäre noch der beite, wenn
er nicht blos das Kleid des alten Vogels —
1
259
deckfedern weiß gerledt. Schwanz an ber Wurzel weiß, ſchwarz
mit vier nicht bis zum Schafte gehenden bogigen, weißen, zumeilen
fhwarz gefledten Binden und meißlicher Endborde, Innere Ach:
felfedern weiß mit einzelen ſchwarzen Zropfen an den längften
Dedfedern. An den vorderen Schwingen 4 ſchwarze Binden.
Ein alter Vogel aus Merico zeigt alle unteren Theile ſchoͤn
roſtgelb. Der junge Vogel TZemm. pl. 116 ift fehr abmeis
hend gefärbt. Die oberen Theile find fchwarzbraun mit zahl:
reihen roftgelben Querbändern. Die 5 Binden des Schwan:
zes find weiß, braunlich gewölft. Das Halsband ift roftgelblich
und alle unteren Theile mit breiten Bändern.
Dimenf.: Alter Vog. — Mexic. Indiv. — junger Vog.
Kopf 68 — 68 — 64-65
Schnabel 22 — 21 — 20
Hoͤhe 19 — 19 — 16
Mundwinkel 29 — 28 — 28
Oberfluͤgel 234 — 221 — 223
Fluͤgelſpitze 51 — 51 — 39
Tarſe 85 — 82 — 81
Mittelzehe 45 — 42 — 42
1. Schwanzf. 213 — 213 195
6. Schwanzf. 268 — 268 — 248
3) Der roſtbruͤſtige Falkenſchlangenadler — Cir-
ca&ötus xanthothorax Temm. Falco xantho-
thorax Temm. pl. col. 92 (adult.). Falco leucauchen
Temm. pl. col. 306. (juv.)
Diagn. Die Zarfe 55—60 Mm. lang.
mit 4 ſchmalen weißen Binden.
Befhreib. Alter Vogel, Alle oberen Theile rothbraun ;
die loderen Scheitelfedern mit afchgrauem Anflug. Kehle weiß:
lich; die übrigen Halsfedern hellroſtfarbig. Die unteren Theile
und die inneren Dedfedern des Flügeld weiß, ſchwarz gebän-
dert, indem jede Feder mit 2—11 fchwarzen Binden verziert ift.
Die innere Unficht der Schwingen zeigt 5—7 Bänder, Der
Schwanz ift fhmwarzbraun mit 4—5 fdymalen, weit von einan-
der abftehenden weißen Binden, die zumeilen nicht ganz big zum
Schafte gehen.
Sunger Vogel. Mit weißlicher, dunkel gefledter Stirn und
Augenftreifen, welcher fi) um den. Schleier herumzieht. Der
Schleier Tchmwarzbraun eingefaßt. Die weißen, an der Spitze
dunkel gefärbten Nadenfedern verbinden ſich mit dem Augen-
ftreifen, und in einem fpigen Winfel mit dem weißen Streifen,
ber von ber Kehle ſich heraufzieht und die Ohrfedern begränzt.
Die Ihrfedern find hellafchgrau mit meißen Schäften und
fhwarzbraunen Spiten. Rüden und Flügel mit zahlreichen
weißen Tropfen, die bräunlich angeflogen find. Auf den
Schwingen 1. und 2. Ordnung roftröthliche Fleden.
Die Kehle, die unteren Dedfedern des Schwanzes und bie
inneren Achſelfedern ſchmutzig weiß. Die unteren Theile röth:
lihmweiß mit fchmalen, weit von einander ftehenden ſchwaͤrzlichen
Duerlinien. Die Bandfleden des Schwanzes find breiter als
beym alten Vogel und roftfarbig weiß.
Der Schwanz
Dimenfionen: Alter Vogel — Sunger. Vogel.
opf 52 — 49
Schnabel 15 — 14
Hoͤhe 13 El 12
Mundwinkel 23 — 20
Oberfluͤgel 194 — 144
Slügelfpige } —
— Dte
——
260
Dimenfionen: Alter Vogel. — Junger Vogel.
Zarfe 62 — 55
Mittelzehe 31 — 28
1. Schwanzfeder ..» — 137
6. Schwanzfeder 186 — 173
4) Der gebänderte Salfenfhlangenadler —
Cireaötus concentricus Jll. Falco concentri-
cus All. -
Diagn. Von der Größe des weiblichen Nisus communis,
alle unteren Theile fein gebändert. Zwey bis drey Binden auf
dem Schwanz.
Beſchreib.
braͤunlich afchgrau.
Oben ſchieferaſchgrau — Wangen und Kehle
Alle unteren Theile und die inneren Ach—
ſelfedern mit unzähligen Bändern dicht bedeckt. Die Nacken—
feveen haben nichts Weißes an der Wurzelhälfte. „Die Ohrfe—
dern einen deutlichen Schleier bildend, find grau und ziehen. fi)
als ſchmaler Streifen in die zuweilen weiße Kehle,
Bauch und untere Schwanzdedfedern weiß. Die Schwingen
an der Wurzel afchgrau mit breiten weißen Binden, die. auf
den Innenfahnen nicht ganz bis zum Schafte gehen. Schwanz
ſchwarz mit 2—3 unregelmäßigen. fihmalen weißen ‚Binden,
wovon die obere unter den Dedfedern verftedt, die 2. am
Rande des 2. Drittels fich befindet. Die Spige des Schwan
zes mit weißer Einfaffung. ‚
Es gibt Individuen mit gelben und ſchwarzen Schnäbeln.
Letztere Farbe zeigt entweder das Jugend- oder MWinterkleid an.
Dimenf,: ? & mit ſchwarzem Schnab. — 2 mit gelbem Schnab.
Kopf FT = 52
Schnabel 14 — 16
Hoͤhe Au — 12
Mundwinfel 20 — 22
Oberfluͤgel 150 — 184
Flügelfpige 39
Zarfe 60 — 57-584
Mittelzehe 30 — 27
1. Schwanzfeder 139 — 127
6. Schwanzfeder 192 — 1493 -157
Diefe Art fteht in ihren Dimenfionen dem xanthothorax
fehe nahe. Beide Arten find in Mufeen noch ziemlicy felten.
Um die Verfchiedenheiten des Gefchlehts und des Alters zu
ermitteln, gehören größere Suiten, als mir zu Gebote fanden.
2. Subgenus. Weih- Schlangenabler — Gymnogenys
Less. Nov. 1830. Polyboroides A. Smith.* April 1830.
Diagn. Kopf Elein, Gefiht nadt, Flügel fehr lang.
Befhreib. Der Kopf ift Elein und Circus dhnlich.
Schnabel geftredt mit großer Wachshaut, unter diefer budelig
gemwölbt. Unterfchnabel Löffelformig, fanft abgeftust mit einges
zogenen Rändern. Nafenlöcher ritzenfoͤrmig, wagrecht ftehend.
Flügel lang, Circus ähnlich) mit fehr breiten Schwingen.
Zweite bi8 6. an den Sinnenfahnen ftumpf ausgefchnitten.
Die Zarfen jind Cireus ähnlich, dünn und hoch, und die Mit-
telzehe ohne Nagel geht zweimal in ihre Länge, Die dufere
* Indem diefes Subgenus nur das nadte Geficht, allein. font
nichts mit Polyborus gemein Hat, fo habe ich den unbedeutend ‚jünger
ren Namen von Leffon vorgezogen, da ohnedieß die Namen mit oides,
für Genera nichts taugen.
Achſelfedern ſchwarz mit weißen Bändern.
ebenſoviel Aehnlichkeit bieten.
261
Zehe iſt nicht allein bedeutend ſchwaͤcher als die innere, ſondern
auch kuͤrzer. Nagel mit doppelten Kanten. Schwanz uͤber
Koͤrperlang an den Fahnen ſehr breit und abgeſtuft. Das Ger
fieder iſt nicht ſcharf conturiert, mehr zerfchliffen und weich.
Es gleicht auffallend dem der Circi.
Diefes Subgenus repräfentiert in feinem Genus das 3. Genus
Cireus der 2. Subfamilie Milvinae. Es zeigt ferner Analo=
gien mit Gypogeranus, die vielleiht Herr G. Gray bewogen,
diefen Typus einer fcharf gefrennten Familie mit Gymnogenys
und Circus in feine Subfamilie Circinae zu. bringen.
Mit Gypogeranus verglichen zeigt es Aehnlichkeit
1) in der ſchlanken Geftalt; 2) nadtem Gefiht; 3) dem wei—
hen Meihengefieder, ähnlich fowohl im der Textur als in ber
Färbung; 4) in der Verlängerung der Hinterhauptsfedern, die
jedoch anders gebildet und geftellt find; 5) in dem langen Tar—
fen und 6) in der Kürze der Zehen.
Die bis jest unbekannte Rebensart von Gymnogenys mag
Auf jeden Fall ift Gymnogenys
ein gewandter Erdläufer und Schlangenfteffer !
5) Dergebänderte Weih-Schlangenabler —
Circaötus radiatus Scop. Vultur radiatus Scop.
Falco madagascariensis Gmel., Lath. Falco gymno-
genys Temm. pl. col. 307. Polyboroides capensis
sive typus A. Smith., Ill. of Afr. mit guten Abbil-
dungen des alten und jungen Vogels.
Befhreib. Don der Größe des Nohrweihs, allein duch
längeren Schwanz und höhere Zarfen größer erfcheinend.
Kopf, Hals, Dberbruft blau aſchgrau — Unterbruft, Seiten,
Hofen, Bauch, obere und untere Schwanzdedfedern und innere
Flügel aſchgrau mit
feinen bräunlichen Zickzackbaͤndchen marmoriert. Diele der Eleis
neren Dedfedern des Flügels haben ſchwarze, weiß gebänderte
Borden, und mehrere ſchwarze länglich runde‘ Fleden. Won
innen zeigt der Flügel an der oberen Hälfte ‚der Schwingen
eine fehr bunte Färbung; er ift weiß, graubräunlich und ſchwaͤrz—
li) marmoriert; die legte Hälfte der Schwingen ift ſchwarz;
von der 6. an mit grauweißer Borde. Schwanz ſchwarz in
der Mitte mit weißem, breitem, grau, fehwarz und bräunlich
marmoriertem Bande, am Ende mit einer weißen Vorde und
an der Wurzel weiß marmoriert mit fchmaler weißer Binde.
Der junge von Smith abgebildete Vogel ift verwifcht bräun-
lich gefleckt und verdient genauer befchrieben zu werden.
Dimenfionen: Tarfe 89
Kopf 72, Mittelzehe 40-420
Schnabel 31. Außenzehe ‚25415
oͤhe 15 Innenzehe 29429
Mundwinkel 39 1. Schwanzf. 278
Fluͤgel 442 6. Schwanzf. 298
Diefe Art ift ftets noch felten in allen Mufeen.
3. Subgenus. Habiht-Schlangenabler — Spilornis
G. R. Gray 1840. Haematornis ‚Vig. 1831.
(Bergebener Name.)
Diagn. Die Flügel erreichen die Hälfte des langen Schwan-
zes. Mitteljehe ohne Nagel geht 2mal in die Ränge ber
262
»
Tarfe. Innerer, mittlerer und binterer Nagel nach aufen
ſchneidend zugefchärft.*
Beſchreib. Es find Wögel von ziemlich bedeutender
Größe, die der Aquila naevia an Länge gleichfommen und
noch übertreffen. Der Schnabel ift ziemlich ‘gerade, geftredt,
ohne Spur von Zahn. Geficht und Zügel faſt nadt mit ein
zelnen Borften dünn bedeckt, die Über die Fleinen, ovalen ſenkrecht
ſtehenden Naſenloͤcher wegragen. Hinterhauptsfedern verlaͤngert,
an der Spitze breiter als an der Wurzel. Schleier undeutlich,
allein durch verſchiedene Färbung kenntlich. Flügel maͤßig lang
und erreihen die halbe breite Binde des ftufenförmigen und
Eörperlangen Schwanzes. Die 2. Schwinge an der Innen
fahne abgerundet, die 3—7. mit ſchwach bogenförmigem Aus-
fhnitt. Tarſen ziemlich hoch, nur am Gelenk nad) vorn befie⸗
dert mit ſchwachen Hoſen. Aeußere Zehe ſo lang als die innere.
Sie haben ein duͤſteres, auf den Fluͤgeln und unteren Theilen
weiß getropftes Kleid. Die Kopffedern ſind ſchwarz mit ſteifen
Kielen. Die Nackenfedern ſind ebenfalls ſchwarz, an der Wur—
zel abgeſchnitten blendend weiß. Kehle, Wangen und Ohrfedern
find tief aſchgrau. Der Rüden ſchwarzbraun. Auf dem klei—
nen Gefieder des Flügels weiße Eleine Tropfen und weiße Bor—
den an den Schwingen 1. und 2. Ordnung.
Die inneren Achfelfedern find braun mit großen runden wei—
fen Flecken. Die innere Anſicht der Schwingen zeigt 3 breite
weiße Binden auf ſchwarzem Grunde und die der 2. Ordnung
eine leichte Binde. Der Schwanz iſt am der Wurzel licht aſch⸗
grau, dann folge eine breite ſchwarze Binde. Zmifchen diefer
und der noch breiteren ſchwarzen Endbinde ein breites weißes
Band, das von oben gefehen ſchmutzig braun gewoͤlkt iſt.
Bauch, Hofen und untere Schwanzdedfedern mehr oder minder
deutlich weiß gefleckt. Augen, Wahshaut und Füße geld.
Diefe bier angegebenen Farben haben die 3 hieher gehörigen
Arten im Alter mit einander gemein und id kann demnach
mic) bey der Befchreibung derfelben Eürzer faffen.
6) Der Baha:-Habihtfhlangenadler — Circae-
tus bacha Yaill. pl. 15. Falco bido Horsf.
Falco albidus Cuv., Temm. pl. col. 19. Falco
cheela Lath.
Diagn. Bruft und Kropfgegend fhmusig afchbraun ohne
Bänder und Flecken. Unterbruft, Bauch und Hofen und unz
tere Schwanzdedifedern mit 3—4paar weißen Sleden.
Beſchreib. Er ift die Eleinere Art — Rüden und Fluͤ—
gel mehr afhgrau. Die tleineren inneren Dedfedern bed Fluͤ⸗
gels groͤßtentheils weiß, meiſt mit 4 dunkelaſchgrauen unregel—
maͤßigen Binden, die an dem Schafte vereinigt find. Die län—
geren Dedfedern, welhe von Innen - die Kiele bededen,
mit 4 Paar weißen Fleden, die bis zum Schafte gehen.
Die äuferft langen Dedfedern, weldhe vom Humerus ausge
hen, mit 6 Paar weißen dunkel eingefaßten großen Flecken. Don
dem ihn zunächft ftehenden holospilus unterfcheidet ihn noch,
daf die weißen Fleden auf den Flügeln weniger zahlreich find,
und daf die runden Flecken an Bauch und Hofen auf ſchmutzig
graubraunem Grunde ſtehen und nicht fo deutlich ſchwarz einz
gefakt find.
* Eine ähnliche Nagelbildung fommt bey dem Buho ceylonensis
dor, der wahrfeheinlich als Genus und Subgenus diefelbe Stellung in
der Familie Strigidae einnimmt.
.
263
Er ift ſowohl in Africa als Afien ein gemeiner Naubvogel.
Nah den Berichten glaubwuͤrdiger Neifenden naͤhrt er ſich
hauptfählih von Amphibien, fol jedoch auch Karten und Maͤuſe
fangen. Nah Vaillant foll er am Cap namentlich auf die
in den Gebirgen wohnenden Klippfchliefer Jagd, machen, und
ein höchft graufamer Vogel feyn. Man kann, ſagt diefer Reiz
fende, all die Stellen, wo diefer, graufame und blutdürftige
Vogel eines feiner Opfer verzehrte, am den mit Blut Überzo:
genen Felſen erkennen. Nach neueren Beobachtungen entitehen
diefe Flecken an den Felfen durch die Klippfchliefer felbft, welche
fih an den Felfen einer dem Castoreum aͤhnliche Schmiere
entledigen, und ich glaube daher mit Sicherheit annehmen zu
Eönnen, daß Vaillant den Bacha nur nah Zrugfchlüffen und
keineswegs nach ftrengen Beobachtungen gefchildert hat. Er ift
auf feinen Full, ſchon nad) feiner Stellung ein fo edler Raub:
vogel als der eucopäifhe Schlangenadler, der ſich noch nie an
einem größeren Saͤugethiere vergriffen hat und ſtets ſich mit
Amphibien begnügt.
Dimenfionen:
Kopf 91 Fluͤgelſpitze 123
Schnabel 31. Tarſe 90
Mundwinkel 43. Mittelzehe 46
Dberflügel 280 Schwanz 247
7) Der Bigorfifhe Habiht- Schlangenabler —
Circaötus holospilus Fig. Buteo holospilus
Fig. Proc. Zool. Soc. 1831. 96. Spilornis holospi-
lus G. Gray.
Diagn. Alle unteren Theile mit zahlreichen runden ſchwarz
eingefaßten großen weißen Flecken ohne ſchwarze Querlinien.
Berchreib. Er fteht in der Größe in der Mitte zwiſchen
dem vorigen und folgenden. Kropfgegend und Dberbruft ſchmu⸗
gig roſtroͤthlichbraun mit einzelen verſteckten weißen Flecken.
Unterbruſt und Bauch hellroſtroͤthlich mit 4 großen, weißen,
ſchwarz eingefaßten Fleckenpaaren auf jeder Feder. Untere
Schwanzdeckfedern roſtroͤthlichgelb mit gegen 7 ſchmalen, weißen,
zackig ſchwaͤrzlich eingefaßten Binden. Die inneren Deckfedern,
welche die Hauptſchwingen an den Kielen bedecken mit 5-—6
regelmäßig geftalteten, ovalen, weißen Fleckenpaaren, die nach
dem Ende der Feder hin regelmäßig ſchwarz begrenzt find. Die
ſehr langen vom Humerus ausgehenden inneren Dedfedern mit
8 meißen, großen, fchwarz begränzten Sledenpaaren. Die Au:
Benfeite des Flügels zeigt eine größere Zahl weißer Flecken. Un
der Wurzel des Schwanzes zeigt fih eine unregelmäßige hell:
bräunliche Binde, die ſich über ſaͤmmtliche Federn erftredt.
Er kommt mie der folgende im brittifhen Indien und
China vor.
Dimenfionen:
Kopf 90 Flügelfpige 127
Schnabel 33 Tarfe 88
Mundwinfel 44 Mittelzehe 50
Dberflügel 297 Schwanz 270
8) Der wellenftreifige Habicht-Schlangen-—
adler — Circaetus undulatus Pig. Haema-
toruis undulatus Fig. Proc. 1331. 170. Circaetus
nepalensis Hodgs. Spilornis undulatus @. Gray.
Diagn.
zahllofen ſchwarzen zadigen Querbändern.
Bruft und Bauch mit Eleinen weißen Fleden und ,
264
Beihreib. Es ift die größte Art und fieht man fie vom
Rüden, fo zeigt fie täufchende Aehnlichkeit mit dem C. holo-
spilus. Unterhals, Dberbruft und. Kropfgegend roftrothbraun
mit 2-5 unregelmäßig braunfchwarzen Querlinien. Unterbruft,
Bauh und Hoſen fohwarzbraun .gebändert mit 3—4 klei—
nen, weißen, ſchwarz eingefaßten Fleckenpaaren. Die innern die
Schwingen dedenden Federn mit 5—6 Paar roſtgelb angeflogenen
unregelmäßig breit Schwarz begrenzten Flecken. Die langen vom
Humerus ausgehenden langen Federn mit 7 unregelmäßigen, Elei-
nen weißen Flecken, nach innen und außen begränzt. Der
Schwanz zeigt nur eine leichte Binde und das ſchwarzbraune
Eleine Gefieder des Flügels zeige noch weniger weiße Tropfen
ald beym €. bacha.
Dimenfionen:
Kopf 96 Fluͤgelſpitze 150
Schnabel 34-35 Tarſe 102
Mundwinkel 49-50 Mittelzehe 49
Dberflügel 325 Schwanz 310
4. Subgenus. Adler-Schlangenadler — Circaätus
Vieill. 1816.
Diagnofe. Die Flügel überreichen dag Ende des Schwan-
zes. Augengegend mit: feiner Wolle, Wangen mit: Federn
bededt. Zweite, 3. und 4 Schwinge an der, Snnenfahne
bafenförmig, die folgende: ſtumpf ausgefchnitten.
Befhreib. Der Kopf ift groß und zwifchen den Augen
fehr breit — Schnabel zufammengedrüdt, höher als breit, mit
bedeutendem Schnabelhafen. Zügel und Augengegend fein wol—
lig, erſter mit ftrablenförmig auseinandergehenden Borftfedern,
welche über den Mundwinkel und die "Nafenlöcher wegragen.
Nadenfedern an der Wurzel weiß, nach den Enden hin zuge:
fpist. Die Zarfen ziemlich lang; Mittelzehe ohne Nagel geht
nicht zweimal im die Ränge derfelben. Won den Nägeln mit
3—4 Schildchen, wie die vorigen Nägel gewoͤhnlich gebildet
mit doppelten Kanten.
Es find Formen, die an Größe Adlern von mittlerer Größe,
wie 3.8. naeviodes, naevia, gleidy kommen, allein breiter
und plumper gebaut find. Sie baben ein breites, beffimmt
conturiertes Gefieder, von ziemlich einfacher braunlich afchgrauer
Färbung, das an den unteren Theilen im Alter häufig gebändert
ift. Die Flügel tragen Feine lichten und dunfelen Bänder. Füße
und Wachshaut find graublau. Augen goldgelb.
Nach der Lebensart des europäifhen zu ſchließen, leben fie
alle. von Amphibien und laffen warmblütige Thiere ganz in
Frieden. Sie leben wie die vorigen nur in der alten Welt.
9) Der europäifhe Adler-Schlangenadler —
Circaetus gallieus Gmel.* Aquila brachydac-
tyla Mey. Falco leucopsis Bechst. Aquila leuc-
omphoma Borkh.
Diagn. Obenher und Bruft lichtbraun. Unterbeuft, Sei:
ten, Hofen und untere Schwanzdedfedern weiß mit lichtbraunen
Bändern. Schwanz von unten weiß, auf den Innenfahnen
mit drey fchwärzlichen Binden und einer weißen Endborde.
Befhreib. Alle oberen Theile Lichtbraun. Stirn und
um die Augen weißlich. Ein Streifen über dem Auge, Wim«
* Der Name gallicus ift der ältere und allen übrigen vorzuziehen,
weil diefe nach Genuscharasteren gebildet find.
265
peen, die. Borfifrdern des: Zügels und in Schäfte der Kehle und
der Bruftfedern ſchwarz. Bruft lichtbraun, die übrigen unte—
ren Körpertheile mit weißen, an ber Spitze braunen, weiß ges
bänderten. Federn. Innere Achfelfedern ‘weiß mit braunen oder
ſchwarzen Querfleden vor den weißen Spitzen. Die Schwin⸗
gen ſind weiß ‚bis zu den Ausſchnitten ſchwaͤrzlich eingefaßt;
Don der 5. Schwinge an auf den Innenfahnen mit fdywärz-
lichen, verlofchenen Binden. Die Schwingen 2. Drdnung und
deren Dedfedern fchwarzbraun mit lichteren Rändern. Die
Schwingen felbft ſchwarz. Dev Schwanz von oben mit lich—
teren : Federfchäften und 3 Querbinden mit lichter Endborde.
Das Weibchen ift äußerlich ſchwer zu unterfcheiden,, ift unbe—
deutend größer (2 Zoll). Der junge Vogel: hat die unteren
Theile mehr quergebändert und dag Gefieder ift bleicher. *
Nah Dr. Lindermapner zeigt diefe Art felbft nach langer
Gefangenſchaft fih als ein Eräftiger und unbändiger Vogel, der
jedody feinen MWärter Fennen lernt und zur Fütterungszeit aus
dem hinterften Winkel, bey feinem Namen gerufen, hervorfommt,
Im gereizten Zuftand ſtraͤuben fih die hinteren Kopffedern
(wahrfcheinlicy wie bey den Spilernis-Arten) gerade in die
Höhe und geben dem Kopfe mit den großen gelben Augen ein
impofantes Anfehen. Nah dem Grafen von der Mühle haben
die vorhandenen Abbildungen den Fehler, daß die Augen nicht
groß genug und zu blaß dargeftellt werden. Diefer Gelehrte fand
diefen, Vogel in, Griechenland, während deg Sommers, ziemlich
haufig auf, Wiefen, die ziemlich. entfernt von Wäldern’ lagen.
Sein Flug ift fhmebend und Kreife ziehend, wie beym Milan.
Häufig fieht man ihn feine Beute hüpfend verfolgen, die meifteng
in blindfchleihähnlichen Eidechfen befteht.
Das gefangene Individuum, welches Naumann beobachtete,
ſtellte fi ftundenlang ing Waffer, badete fich öfters darin, foff
felten, fraß gern Froͤſche, ließ jedoch Fiſche unberührt.
Diefe wenigen Züge der Lebensart, die jedoch von ficheren
Beobachtern herrühren, mögen alle übrigen Arten theilen.
Dimenfionen: Oberfluͤgel 327
Kopf 100 Fluͤgelſpitze 235
Schnabel 35. Tarſe 85-87
Höhe 22... Mitteljehe +. 49-50
Mundwinfel 56. Schwanz 292
10) Der Euvierifhe Adler- Schlangenadler —
Circaötus thoracicus Cuv. Circaätus pectoralis
A. Smith.
Scheint in fait ganz Africa vorzutommen.
11) Der Bieillotifhe Adler-Schlangenabdler —
Circaötus cinereus Vieill., Vaill. Gal. pl. 12.
Circa&tus funereus Rüppell.
Daterland Senegal. "Mit dem vorigen naͤher zu vergleichen.
5. Subgenus. Buffard-Schlangenadler — Poliornis
Kaup, G. Gray. Buteo et Astur der Aut.
Diagn. Die Tarfen mit groben Schildſchuppen, die Zehen
mit 3—10 Tafeln belegt. Die Flügel’ erreihen faſt das Ende
des Schwanzes. |
Es ſcheint, als wenn in diefem ganzen Genus die Meibchen ſich
wenig von den Männchen unterjcheiden, und dag nur die Section beleh—
ven wird, was Männchen oder Weibchen find,
Iſis 1847. Heft 4.
266
Befhreib. Der Schnabel: ift grade mit ftumpfem Zahn
und bis‘ zum "vorderen Augenwinkel gefpalten. Geſicht und
Zügel mit feiner Wolle und Borſtfedern bedeckt. Nafenlöcher
haibzirkelförmig. Nadenfedern zugefpist, kurz, feine Holle bil-
dend. Un der 2—5. Schwinge an der Innenfahne ftumpfe
Ausſchnitte. Zarfen mit groben Schildfehuppen auf der Vor:
derfeite, Zehen mit 5—10 Zafeln. Hoſen fehr Eurz. Nägel
von gewöhnlicher Bildung und doppelt Eantig. Sie haben die
Größe vom Eleinen Männchen des Falco peregrinus, haben
ein breites ziemlich ſchief conturiertes aſchgraubraͤunliches Gefie—
der. Die Hinterhauptsfedern find an, der Wurzel weiß. Flügel
und Schwanz tragen Spuren von fchwärzlichen Binden. . Wachs:
haut und Füße find gelb. '
Nach einer mündlichen Mittheilung des Herrn Dr. Müllers
zählt bereis H. Boie die ihm befannten Arten zu. 'Circaetus,
wohin fie als Genus gehören. Da fie als Genus die Acci-
pitrinae und als Subgenus die-Buteoninae tepräfentieren, fo
iſt es leicht zu erklären, warum J. Gray fie zu den Astures
und Zemmind zu den Buteones' gebracht hat.
Diefes ewige Verwechſeln der -Analogien mit wahrer Ber:
wandfchaft ift der Fluch, woran unfere Wiffenfchaft bis auf
diefen Zag leidet und leider noch fo lange £ränfeln wird, bis
man zu der richtigen Einficht gekommen ift, daß alle Trennun—
gen in. Subgenera faft feinen Werth haben, wenn die Subge—
nera nicht gleich ‚bey ihrem Entjtehen ihren wahren: Genera un—
tergeordnet merden. Kleine Gruppen richtig zufammen: zu
itellen ift nicht fo fhmwer und kann mit‘ Glüd von jedem rou—
tinirten Ornithologen ausgeführt werden: allein diefe Eleinern Tren—
nungen einem größeren Ganzen unterzuordnen, dazu. gehört ein
generellen Ueberbiid und, geiftiges Auffaffen, das nicht jedem
gegeben it. * .
Die drei bis jegt befannten Arten obigen Subgenus gehören
Dftindien an.
12) Der Eehtlftreifige Buffard=-Schlangenad»
ler — Circaötus teesa J. Gray. Buteo teesa
Ill. ind. Zool. Astur teesa Gray brittifches Mufeum.
Astur :hyder Sykes. Zuggun Falcon Lath.
Diagn. Die weiße Kehle in der Mitte und an den Sei—
ten mit ſchwarzem Streifen.
Beſchreib. Er gleiht dem liventer, nur ift der Kopf am
dunfelften, faft ſchwarzbraun. Die Eleinen Federn des Flügels
find voftgelb und weißlich gefledt, was jedoch nur hier und da
durchleuchtet. Saͤmmtliche Schwingen haben nichts nothbraus
nes, fondern find Lichter oder dunkler braun. Von innen ift der
Flügel weiß, an dem Eleinen Gefieder mit fehwarzen Schaft:
fleden. Die Schwingen find hinter den Ausfchnitten bläulich
mit Spuren von ſchwarzen Binden und ſchwarzer Endſpitze.
Bruft und Bauchfedern an der Wurzel: weiß, mit weißlichen
und voffgeiblichen Flecken. Die Hofen find roftfarbig nach der
Fußwurzel "weiß. Der Schwanz iſt grau mit lichten Kanten
an den Aufenfahnen der äußeren Federn und mit rothbräunlichem
* Den mir ſchon öfters gemachten Vorwurf, als fehe ich in jeder
Art ein nenes Genus, weife ih, von wen er fommen mag, mit Ent:
fchiedenheit zurück; ich hoffte, daß mein natürliches Syſtem ver eu—
ropäifchen Thierwelt, das ich jetzt als eine Jugendſünde betrachte, und
welches ‚vor beinah 20 Jahren von mir herausgegeben wurde, der Ver—
gefienheit übergeben fey, bis Agaffiz und ©. Gray es Leider wieder
hervorgeſucht haben, um mir theilweife Prioritätsrechte zu fichern, die
ich nie in Anſpruch genommen hätte.
17 *
267
Anflug auf den übrigen Federn. Auf den Innenfahnen laffen
ſich 4 unregelmäßige Binden erkennen. Vor der lichten End»
binde ein breiteres ſchwarzes Band.
Dimenfionen:
Kopf 63-66 Fluͤgelſpitze 125
Schnabel 18-20 Tarſe 65
Mundwinkel 30-36 Mittelzehe 34
Oberfluͤgel 163-164 Schwanz 165
Sm brittiſch Indien ein gemeiner Raubvogel.
13) Der bleiche Buffard - Schlangenadler —
Circaötus liventer @. Müller. Falco liventer pl.
col. 438. Buteo pallidus Less.
Diagn. Der roftrothe Schwanz mit 7 ſchmalen Bändern.
Kehle weißlih ohne ſchwarze Streifen. Innere Fahnen ber
Schwingen vothbraun mit 3—6 ſchwartzen Binden.
Befhreib. Schnabel gelb mit hownfarbiger Spige. Ge:
fieder hellbräunlich aſchgrau mit ſchwarzen Scäften. Hofen,
untere Schwanzdedfedern, Eleine innere Achfelfedern und die
Schwingen oberhalb der Ausfchnitte blendend weiß. Kehle
268
weißlich mit ſchwarzen Schaftftrichen und Flecken. Alte größeren
Schmungfedern und die größeren Dedfedern rothbraun, ſchwarz
gebändert mit breiter ſchwarzer Endbinde,
Die Hauptfhwingen an den Außenfahnen mit afchgrauem
Anflug an der hinteren Hälfte.
Der Schwanz ift an der Wurzel weiß, von oben ſchmutzig
toftroth mit 5 ſchmalen fehwarzen Binden, wovon die Endbinde
breiter ift. Won oben find die Schäfte fchön rothbraun, von
unten weiß.
Dimenfionen:
Kopf 68 Fiügelfpige 110
Schnabel 21 Tarſe 64
Mundwinfel 32 Mittelzehe 23
Dberflügel 166 Schwanz 144
Das Vaterland ift Zimor, allein wahrfheinlid hat er eine
größere Verbreitung. .
Außer diefen 2 Arten gehört noch hierher: \ i
14) Der Graumangige Buffard-Schlangenad-
let — Circaötus poliogenys Temm. pl. col.
325. Buteo poliogenys Less.
Ueberfiht der Subgenera und Arten des Genus Circadtus.
II. Gymnogenys Less.
5) radiatus Scop.
I. Herpetotheres
Vieill.
1) cachinnans Linn.
2) brachypterus 7'.
3) xanthothorax T.
4) concentrieus Ill.
Das erfte Subgenus tepräfentiert die Falconinae und wahr:
fcheinli am deutlichften das 3. Genus ber Falconinae - Har-
pagus.
Das 2. Subgenus fellt die Milvinae vor und zeigt am
deutlichften eine namhafte Summe von Analogien mit Circus
3, ®enus der Milvinae und mit Geranospiza gracilis 3. Ges
nug der Aceipitrinae.
Das 3. Subgenus Spilornis enthält die Grundformen des
3, Genus Circaötus. Es zeigt Analogien mit Geranospiza
und mit dem 3. Subgenus der Cirei, Spilocircus (Jardinii
Gould).
Das 4. Subgenus Circaetus tepräfentiert die Aquilinae
und wurde defhalb von den früheren Autoren ihrem großen
Genus Aquila ftets beigezählt. Es ſcheint Analogien mit Po-
liaötus (Pandion ichthyaetus et humilis) zu haben.
Das 5. Subgenus Poliornis tepräfentiert die Buteoninae
und die Mehrzahl der Arten wurde von den älteren Autoren
ihrer großen Gruppe Buteones zugerechnet.
Mehr als 5 Arten hat Feines diefer Subgenera,
in den Arten die 5 Grundformen fich wiederholen. Die Arten
laffen ſich nach gleichen Gefegen ftellen. Um dieß jedoch mit
Erfolg zu Eönnen, gehört vor allen Dingen, daß man alle Arten
einer ganzen Familie lange Zeit vor Augen hat. Muß man
jedoch die verfchiedenenen Arten erft in den verfchiedenen Mufeen
zufammentragen, fo ift dieß ein Merk, das ſchwer auszuführen
ift, namentlich für den Gelehrten, den der Himmel nicht mit
irdifchen Gütern gefegnet hat.
Mein Wunfh, daß alle Mufeen zufammentreten und ſich
gegenfeitig das Material zu größeren Monographien leihen woll⸗
ten, wird ein eitler bleiben und wird an den Verhältniffen und
meil felbft
II. Spilornis G.Gray.
6) bacha Vaill.
7) holospilus Vig.
8) undulatus Fig.
IV. Circaetus Vieill.
9) gallicus Gmel.
10) thoracieus Cuv.
11) einereus Pieill.
V. Poliornis Kaup.
12) teesa J. Gray.
13) liventer Müll.
14) poliogenys 7m.
an dem traurigen Egoismus einzelner Worfteher von Mufeen
fheitern. Würden z. B. all die Kormen: und Farbenkleider der
Falconidae, die dem Frankfurter Mufeum fehlen, zu einer Be—
nugung in diefee Sammlung deponiert; fo koͤnnte ich mit einem
ſolchen Material eine Mufterarbeit liefern, die nicht allein den
verfchiedenen Mufeen, fondern auch der Wiffenfchaft zum Nutzen
gereichte. Durch eine ſolche Arbeit würden nicht allein die
Trominalgenera und Species verfchwinden, fondern auch die
Spynonymie würde geordnet und der ältefte und befte Name
ermittelt werden Fonnen. Alles Material, auf Reifen zufam:
mengebracht, kann nie an fremden Orten mit der Ruhe befchrie-
ben, nody weniger geiftig verarbeitet werden, al& da, wo man
zu Haufe ift; auch foll der Zoolog noch geboren werden, ber
ohne große Suiten eine tüchtige Befchreibung zu liefern im
Stande und dem felbft in den größten Mufeen nicht der
vergeblihe Wunſch rege geworden ift: O Eönnteft du doch diefes
oder jenes Individuum vergleichen, das du in Leyden, London
oder fonft wo gefehen haft. Die Zufunft mit ihrem Allge—
meinfinn, mit ihren Eifenbahnen wird diefeg Problem Löfen und
wird fih wundern, daß unfere Sammlungen nur für einzelne
Monopoliften, oder zum Schauen und nicht zum eigentlichen
Wachſen der Wiffenfhaft gedient haben.
4. Genus. Adler:Adler oder Mare — Pandion Sav.
Diagn. Die in einen Halbfreis gekruͤmmten faft gleich
großen Krallen find im Durchſchnitt rund.
Befhreib. Mittelgrofe Adler mit Eleinem Kopf, langem
Schnabel, der mit einem ftumpfen Zahn und langen Schnabel:
hafen verfehen ift. Die Eleinen Augen liegen unter Euren
Superciliarbeinen ohne Enöchernen Anhang. Nafenlöcher horizon-
269
tal liegend. Tarſen Eurz und Eräftig, fein gefchuppt oder ge:
febildert. Aeußere” und mittlere Zehe ziemlich lang und fchlanf.
Bälhen der Zehen mit fpigen Warzen beſetzt. Zehenwurzel
ohne bemerfbare Spannhaut.
Man Eennt bis jegt nur 2 Subgenera, die gemandte Stoß-
taucher find und ſich einzig von Fifchen nähren.
Nah den langen Flügeln, die den Schwanz überragen und
nad) der geringen Zahl der Schwingenausfchnitte, nehme ich an,
daß die gemeinen Aare das 2. Subgenus deg Genus Pandion
bilden. *
2. Subgenus. Milanaare — Pandion Sar.
Diagn. Die Flügel überreichen den Euren Schwanz.
weite bis 5.-Schwinge an den Innenfahnen fehr beftimmt
ausgefhnitten. Tarſen fein gefchuppt. Zehen fein gefchuppt,
mit 2—4 Schildern vor den Krallen. Die Außenzehe Eann
ſich ruͤckwaͤrts, wie bey den Eulen fchlagen. -
1) Der gemeine Milanaar — Pandion haliae-
tus Linn. F. haliaötus Linn., Naum. taf. 16.
Diagn. Scheitel und Hinterkopf weiß mit [hwarzbraunen
Schaftflecken, die in der Mitte des Sceiteld und des Hinter:
Eopfes am breiteften find. Die Flügel fhwarzbraun mit weißli:
hen ober weißen Federkanten. Schwanz mit 6 fehwärzlichen
Binden, die Über beide Fahnen fich erftreden und auf der obe=
ten Fläche durchleuchten. Die langen inneren Dedfedern am
Oberarm entfpringend, blendend weiß mit ifabelfarbigem Anflug,
weißen Schäften und zuiveilen ſchwarzbraunen Fleden längs des
Schaftes. Vier Schilder vor den Krallen.
Befhreib. Von oben fhmwarzbraun, von unten weiß.
Kopf und Hinterhals weiß, fehmwarzbraun gefledt. Von der
Stirn zieht fih über die Augen bin ein ſchwarzer Streifen,
Die von beiden Seiten weiß begrenzten Ohrfedern ziehen fich als
ſchwarzer Streifen am Halfe herab und verbinden ſich mit der
NRüdenfarbe. Das Eleine Gefieder des Flügels und der Rüden,
fo wie alle Schwingen mit weißen Borden. Bruft gypaetus
ähnlich mit lihtbraunen Scaftfleden, die nad) der Kehle hin
fat ſchwarz find. Schäfte der Bruft und Kinnfedern ſchwarz.
Alle übrigen Theile blendend weiß. Untere Schwanzdedfedern
mit toftgelblihem Anflug, zumeilen mit heilcoftgelblichen Flecken.
Füße und Wachshaut find bläulih.
Das Weibchen ift unbedeutend größer und die Sungen find
von unten ganz meiß.
In Zeutfehland gehört er nicht zu dem ganz gemeinen Voͤ—
geln, die ſtets in der Nähe fifchreicher, Flüffe und Seen wohnen,
In dee Regel erfcheint er in den Morgenftunden zwifchen
8 und 9 und Mittags zwifhen 12 und 2, um ſich dafelbft
einen Fiſch zu holen. Er ftößt nach diefen mit angezogenen
Flügeln mit foldyer Kraft, daß das Waſſer über ihn zufammen
ftrömt. Naumann bemerkt, daß er Karpfen und andere Fifche,
die über 7 Pfund, wohl nicht aus dem Waffer heraus bringen
Fann, denn an einem 7 Pfund ſchweren Karpfen fand fich noch
Jede Art eines Genus bildet zugleich einen- Theil eines Subge—
nus. Dieß wird jedoch erſt dann Far, wenn alle Arten eines Genus
entdeckt find. Auch ohne die Entdeckung der zwey Arten (Poliaetus)
humilis et ichthyaetus, wären Pandion haliattus et Gouldii Theile
des Subgenus Pandion und des Genus Pandion,
270
das theilweiſe Sfelett diefes Vogels. Diefer geniale Beobach—
ter erzählte ferner von ihm, daR er ſtets den Fiſch fo greift,
daß er fliegend den Kopf des Fifches vorwärts trägt.
Diefe Art ift über einen großen Theil, der Erde verbreitet.
Bis jegt hatte ich noch Feine hinreichende Zahl der amerikani—
[hen Mitanaare zu unterfuchen Gelegenheit, um fagen zu koͤn—
nen, ob diefer verfchieden ift oder nicht.
Dimenfionen; Tarſe 50-54
Kopf 80 Mittelzehe 41-42
Schnabel 2-33 Außenzebe 34-35
Mundwinfel 35-39 Innenzehe 29
Dherflügel 240-244 1. Schwanzf. 214-220
Flügelfpige 240-244 6, Schwanzf. 203-219
2) Derauftralifhbe Milanaar — Pandion
Gouldii* Kaup. Pandion leucocephalus Gould
Austr. birds XIl. 1.
Diagn. Scheitel und Hinterkopf weiß mit einzelen ſchwar—
zen Schäften und bräunlich angeflogenen Federn in der Mitte,
Die Flügel, der Ruͤcken und die obere Schwanzdede fchmwarz-
braun mit lichteren Federtändern. Die längeren Dedfedern der
Schwingen 2. Ordn. total braun mit nur einzelen verſteckten
Fleden. Nur die Innenfahnen des von oben einfarbigen
Schwanzes zeigen an der oberen Hälfte 6 zadig weiße Fleden,
die nicht bis zum Scyafte geben. Die langen inneren Dedfe:
dern vom Oberarm aus entfpringend, find fchmäler als bey
dem gemeinen, blendend weiß mit ſchwarzen Schäften. Zwey
bis, drey Schilder vor den Nägeln.
Befhreib. Im Uebrigen gleicht er dem gemeinen, dem er
auch in der Lebensart vollfommen aͤhnlich ift. Es ift eine
feine unterfchiedene Art, die jedoch Kennzeichen genug an ſich
trägt, um fie als folche gelten zu laffen. \
Selbft in den Dimenfionen fteht fie der gemeinen fehr nahe.
Dimenf.: mas — fem. Tarſe 53 — 54
Kopf 74 — 81 Mittelzehe 47 — 50
Schnabel 31 — 34 Außenzehe 39 — 43
Mundw. 38 — 42 SInnenzehe 31 — 35
Dberflügel 232 — 240-258 1, Schwsf. 180 — 188-210
Flügelfpige 215 — 220-230 6. Schw. 187 — 200-213
5. Subgenus. Grauaare — Polioaätus Kaup. Ichthyattus
Lafr. (sergebener Name).
Diagn. Tarſen und Zehen grob geſchildert.
Beſchreib. Mit ziemlich großer Wachshaut. Die Flügel:
fpige erreicht nicht dag Ende deg Eonifhen Schwanzes. Zweite
bis 7. Schwinge ſchwach bogenfoͤrmig an der Innenfahne,
3.—8. an der Aufenfahne fehr beftimmt ausgefchnitten. Tar—
fen vom und hinten grob gefchildert. Zehenruͤcken größtentheils
getäfelt. Die zwei in Größe fehr abweichenden Arten haben ein
afchgran und bräunlichesg Zotalgefieder mit weißem Vaud,
Hofen und unterer Schwanzdede,
Der Schwanz ift an der Wurzel weiß, an der Spise ſchwarz.
Sie find auf Oſtindien und deffen Archipel beſchraͤnkt.
* Da wir bereits einen Haliaetus leucocephalus haben, fo habe
ich nad) dem berühmten und unermündlichen Ornithologen Gould den
Namen in P, Souldii umgetauft,
271
3) Der Eleine Grauaar — Pandion humilis
S. Müll. Verhandelingen over de naturl. Gesch. der
ned. overz. Bez. Zoologie tab. 6.
Diagn. Kopf 82, Tarfe 68, Schwanz 192 Mm. fang.
Befhreib. Der junge Vogel des 'brittiihen Muſeums
hat Kopf, Hals und alle unteren Zheile weißlih. Schwingen
vor den inneren Ausfchnitten weiß, grau marmoriert. Schwanz
oben braun, undeutlich gebändert und längs gefledt und geftreift.
Das ſchwaͤrzliche Endband mit lihtem Saum. Von unten ift
der Schwanz an der Wurzel weiß, nad) dem Ende hin filber-
grau, dunfelafchgrau geſpritzt.
Der alte Vogel iſt nach einer mündlichen Mittheilung bes
Herin Dr. Müllers ganz ähnlich wie der ichthyaetus gefärbt.
Dimenfionen:
Kopf 82 Flügelfpige 128
Schnabel 29 Zarfe 68
Mundminkel 40 Mittelzehe 47
Dperflügel 253 6. Schwanzf. 192
Das Vaterland ift Sumatra, wo ihn Dr. Müller entdeckte.
4) Der große Grauaar — Pandion ichthyae-
tus Horsf. Falco ichthyaätus Horsf.. Ichthyaetus
bicolor Gray.
Diagn. Kopf 95, Zarfen 80,. Schwanz 243 Mm. lang.
Befhreib. Um 4 größer, Kopf, Hals aſchgrau mit
braͤunlichen Rändern. Oberruͤcken und untere Theile mit braun:
lihem Anflug.
Tarfe mit 9, hinten mit 11 Schildern. Mittelzehe mit 11,
Außenzehe mit 9, Innenzehe mit 7, Hinterterzehe mit 5 Zafeln
belegt, die an den Vorderrändern aufftehen.
Sn Dftindien ziemlich gemein.
Dimenfionen: Tarſe 80
Kopf 95 Mittelzehe 57
Schnabel 38 Außenzehe 43
Mundwinkel 47 Innenzehe 40
Oberfluͤflel 320 1. Schwanzf. 232
Fluͤgelſpitze 145 6. Schwanzf. 243
Sch gebe den beiden "Arten als Subgenus die 5. Stellung,
teil ich in den gefchilderten Zarfen und Zehen und dem foni-
1. Haliaetus. 2. Ictinoaetus.
3. Heteroaötus.
272
fhen Schwanze Analogien mit bem 5. Genus Haliaetus fehe.
Da fie zu diefen nicht, wohl aber zu. den Pandion gehören, fo
tepräfentieren fie Haliaötus in. ihrem Genus, i
Sn dem Genus Pandion fehlt demnad das erfte, 8. und
4. Subgenus.
Mahrfcheinlib, daB in dem 4. Subgenus ein Kammnagel
ander Mittelfralle auftritt. Es ift dieß um fo ficherer anzuneh—
men, weil das 4. Genus der 5. Subfamilie Buteoninae,
Rostrhamus sociabilis, diefen Pelikancharacter aufzumweifen
hat, der ebenfalls ein Fifcher if. Die 4. Subfamilie Aqui-
linae und das 4. Genus Pandion repräfentieren die Totipal-
mati unter allen Falconinae am bdeutlichiten und es ift def-
halb um fo mehr zu vermuthen, daß auch bey den Pandion
diefee Character auftritt. Epiftirt deßhalb das 4. Subgenus
in der jegigen Schöpfung, fo wird die Folgezeit es lehren, ob
meine Bermuthung richtig ift.
5. Genus. Seeadler — Haliaötus Sav.
Diagn. Der unbefiederte Xheil der Zarfen, wie der Nüden
der Zehen getäfelt.
Befhreib. Mit großem Kopfe, langem geradem Schna-
bei, Eleinen tief unter den Superciliarbeinen gelegenen Augen.
Flügel fehr lang mit fehr entwidelten Schwingen, der 2. Ord.
Die Tarfen zur Hälfte, oder nur am. oberen Drittel befiedert.
Nägel doppelt kantig. Schwanz mehr. oder minder -feilförmig
und lang.
Das Gefieder ift breit, ziemlich fcharf conturiert. Bey faft
allen. herrſcht das Weiße vor, das ſich bey einigen über das
ganze Eleine Numpfgefieder, bey andern, nur. über den Kopf und
Schwanz erftedt. Das JugendEleid iſt meiſt düfter und von
dem der Alten fehr abweichend gefärbt.
Es find unedle Naubvögel, die viel geyerähnliches an fich
tragen und wie diefe aufs Aas fallen. Außer diefen freſſen
fie Fiſche, Vögel und Säugethiere. In ihrem ganzen Beneh-
men ftehen fie, was den ftolzen Anftand betrifft, weit hinter
den eigentlichen Adlern zurücd, denen fie, wenn man die 5 Ge-
nera der Aquilinae in einen Kreis geftellt ſich dent, ſich wies
derum anfchließen. *
Ich zerfaͤlle fie in 5 kleine Subgenera, die ſich ſehr beſtimmt
characteriſieren laſſen.
4. Pontoaëtus. 5. Thalassaetus.
Weber Steinadlergröße. Milangröße. Schlangenadlergröße.
Iperflügel 2Zmal fo Oberfluͤgel etwas län- Oberfluͤgel faft 2mal
lang als die Flügele ger als die Flügel fo lang als die Slügel-
fpige.” fpige fnige
Zweite bis ſechſte Zweite bis fuͤnfte Zweite und dritte
Schwinge an der, In» Schwinge ſehr beftimmt Schwinge ſehr beſtimmt,
nenfahne ſtumpf aus—
geſchnitten.
Tarſen zur Hälfte be:
fiedert mit bis zur
Hinterzehe herabhaͤngen⸗
den Hoſen.
Die nackten Tarſen
mit 5—6 Schildern.
faft hafenformig ausge:
ſchnitten.
Tarſen am oberen Drit⸗
tel befiedert, mit bis
zur Hinterzehe herab—
reichenden Hoſen.
Der nackte Theil der
Tarſe mit 8 Schildern.
4. und 5. ſehr ſchwach
bogenfoͤrmig ausgeſchnit⸗
ten.
Tarfen am
Drittel befiedert
ſehr Eurzen Hoſen.
Der nackte Theil der
Tarſe mit 12 Schildern.
oberen
mit
Steinadlergroͤße.
Oberfluͤgel 1% fo lang
als die Flügelfpise.
Zweite big 6. Schwinge
fehr ſchwach ausgefchnits
ten.
Tarſen am oberen Drit-
tel. befiedert mit fehr
£urzen Hofen.
Der nadte Theil der
Tarſe mit 6—8 Schil⸗
dern.
Ueber Steinadlergröße
mit fehr hohem Schnabel.
Dberflügel über Amal
fo lang als die Flügel:
fpiße.
Zweite bis 6, Schwinge
ausgeſchnitten.
Tarſen zur Hälfte be⸗
fiedert mit ſehr langen
bis zur Hinterzehe her⸗
abhaͤngenden Hoſen.
Der nackte Theil der
Tarſen mit 4 Schildern
oder total geſchuppt.
*Ich erinnere ſtets daran, daß der Oberflügel bis zur Spitze ber erſten Schwinge 2. Ordnung gemeffen iſt.
273
1. Haliaötus.
Die Mittelzehe mit 13
Schildern und um bie
les länger als der nadte
Theil der Zarfe.
Sohle der Zehen fpig:
warzig.
1) H. alhicilla. leu-
cocephalus.
2. Ictinoactus.
Die Mitteljehe mit 12
Schildern fo lang ale
der gefchilderte Theil der
Tarfe.
Sohle der Zehen fpiß-
marzig.
3.) ponticerianus,
4) canorus.
5. Heteroaetus.
Die Mittelzehe mit 8
Schildern nad) den Naͤ—
gen hin und Fürzer als
der gefchilderte Theil der
Tarfe.
Sohlen der Zehen
ftumpfwarzig.
5) aguia.
4. Pontoaetus.
Die Mitteljehe mit
12—13 Schildern und
faft fo lang als der ge—
fhilderte Theil der Zarfe.
Sohlen der Zehen ſpitz⸗
warzig.
6) leucogaster. 7) vo-
eifer. 8) Macei.
274
5. Thalassaetus.
Die Mittelzehe mit
8—11 Schildern über
doppelt länger als der
nadte Theil der Tarſe.
Sohlen der Zehen fpiß-
warzig.
9) pelagicus.
Diefe 5 Eleinen Subgenera, bis jest noch zum Theil arm an
Arten, wiederholen nicht allein die Subfamilien der Falconidae,
fondern aud) die Genera der Aquilinae.
So repraͤſentiert Haliastus die Aquilae und die Falco-
ninae (etztere wenig deutlich). *
So repraͤſentiert Haliaẽötus die Helotarsus und die Mil-
vinae.
So repräfentiert Heteroaetus die Circaötus und die Acci-
pitrinae, namentlih Circaetus thoracicus, Astur cantans
und Thrasaötus harpyia (asturina).
So tepräfentiert Pontoaetus die Pandion und die Aquilinae.
So tepräfentiert Thalassaetus die Haliaetus und die Bu-
teoninae. Letzteres Subgenus, bie deutlichfte Miederholung des
Gepertypus, als 5. ift zugleih der Grundtypus des 5. Genus
Haliaötus. Diefem Subgenus hätte eigentlih der Name Ha-
liaötus bleiben follen. Denkt man ſich die Subgenera in einen
Kreis geftellt, fo ſchließt ſich Thalassaëtus wieder an Haliaë-
tus an.**
1. Subgenus. Ndlerfeeadler — Haliattus Kaup.
Diagn. Schnabel und Schwanz von gewöhnlicher Bildung.
Tarfen zur Hälfte befiedert, vorn gefchildert, hinten mit Schild:
fhuppen. An Größe die Steinadler Übertreffend.
Befhreib. Mit großem langem Kopfe, der faft fo lang
ift, als der Schnabel vom hinteren Rand der langen Wachs:
haut gemeffen. MNafenlöher lang und oval, fehief nach vorn
gerichtet. Die fehr entwicdelten Schwingen 2. Ordnung laffen
nur eine Eurze Flügelfpige unbededt. Die 2. bis 6. Schtwinge
ſtumpf und nicht beffimmt ausgeſchnitten. Die Zehen find lang
* Die Wiederholung der Falconinae würde deutlicher feyn, wenn
alle Subgenera von Jeracidea 5. Genus der Falconinae entoedt
wären.
** Auch bey diefen Subgenera wiederhole ich. die Bitte, fammtliche
Arten, in ihre Subgenera, geordnet, neben einander zu ftellen, um ſich
von der nothiwendigen Trennung zu überzeugen. Die Annahme ber
Bieillotifchen, Bigorfifhen, Suvignyifchen u. Cupierifchen
Genera koſtete den Drnithologen 20 — 30 Jahre Bedenkzeit. Da
die ‚Zeit der Autoritäten vorbey ift, und, überall Stoff genug da ift, um
felbft zu prüfen, fo Hoffe ih, daß meine Abtheilungen nicht ſo lang
unterdrüct und verkannt ſeyn werden.
Haben teutfehe Drnithologen wie Blafius, Boie, Brehm,
Bruch, Gloger, Keyferling, Kittlig, Lichtenftein,
Gr. v.-d. Mühle, Naumannn, der Br. v. Neuwied, Rüp—
pell, Schlegel und der Herzog Paul von Würtemberg meine
Bufammenftellungen geprüft und gefunden, daß es Feine Uebergänge von
einem Subgenus zum andern gibt; fo erwarte ich von der Mehrzahl
diefer Gelehrten, daß fie, die wenigen Netrograden, die wenig gelernt
haben, entweder belehren, oder fie zum Schweigen bringen helfen.
MWäre die ſchon vor 20 Jahren gefchehen, fo ftünde es um die Ornis
thologie beſſer als es jest der Fall ift.
Iſis 1847. Heft 4.
und die Mittelzehe mit dem Nagel. über Zmal fo lang als der
gefchilderte Theil der Tarſe. Sohlen der. Zehen fpiswarzig.
Schwanz fhwad Eeilförmig.
Diefe Gruppe enthält mit der 5. (an bie fie fich, wenn man
die Subgenera in einen Kreis fich geftellt denkt, anfchliegen)
die größten Arten der ganzen Subfamilie Aquilinae.
Sie haben in der Jugend ein.leberbraunes, zum Theil ſchwarz⸗
braun gefledtes, Gefieder, welches im Alter am Kopf und
Schwanz. heller oder fchneeweiß wird. Der Schnabel ift in der
Sugend fhwarz, im Alter gelb.
Die beiden hierher gehörigen Arten find im Winter mehr
Land» ald Seevögel und fangen in diefer Sahreszeit Hafen,
Gänfe u. dgl. und werden erft in der märmeren Jahreszeit
zu wahren Fifchern. Sie find gefelfiger ald die eigentlichen Adler
und fallen wie diefe im Winter aus Xefer.
1) Der meißköpfige Seeadler — Haliactus
leucocephalus Linn., Wis. IV. 36. VII. 55. 2.
Hal. Washingtonii Aud. (juv.)
Diagn. Der alte Vogel mit. fchneeweißem Kopf, Halt |
und Schwanz.
Befhreib. Altes Maͤnnch. Schnabel gelb. Kopf, Hals und
Schwanz weiß. Obere und untere Schwanzdede weiß mit ein=
zelen ſchwarzbraunen Flecken und Borden. Der übrige! Körper
ſchwarzbraun mit hellbräunlihen Rändern. - An der 2. bis 7.
Schwinge ift die Außenfahne bis zu den Ausfchnitten afchgrau.
Von innen find die Schwingen bis zu den Ausfchnitten bräun-
lid) afchgrau, weiß und dunkelbraun matmotiert.
Das Weibchen gleicht vollftändig dem Männchen, nur..ift. es
größer. Das Neftkleid gleicht dem-albieilla. Kopf, Hals und
die unteren Theile ſchwarzbraun mit roftbraunen Spigen und
verwwafchenen helfen Fleden an einzelen. Federn. Kehle mit. weis
fer Grundfarbe. Schwanz fehtwarz, roſtgelb marmoriert.. An
den Flügeln: ift das Eleine Gefieder, mehr, braun. Schwingen
erfter und, zweiter Ordnung ſchwarz. An den hinteren Schwein:
gen 2. und L. Ordnung find die Enden ausgebleicht und oft:
gelblich und dunkelbraun befprigt. Ein ‚in Nordamerica gemeiner
Vogel, der ſich bis: jet noch. nie nach Europa verflogen hat.
Dimenf.:.. mas. — fem. i
Kopf 128 — 146 Tarfe 99 — 9
Schnabel 53 — 55 Mäittelzehe 71 — 74
Höhe 36 — 35 Außenzehe 50 — 48
Mundwinkel 80 — 80 Innenzehe 42 — 42
Oberfluͤgel 363 — 1380 1. Schwzf⸗ 2656 — 286
Fluͤgelſpize 248 — 250 6. Schwzf· 260 — 309
18
275
2) Der gemeine Seeadler — Haliattus albi-
cilla Linn. Falco ossifragus et albicilla Linn.
Naum. t. 12—14.
Diagn: Im Alter mit lichtbräunlihem Kopf, weißem,
meift ſchwarz geflecktem Schwanz.
Alter Vogel. Mit gelbem Schnabel, dünner weißlicher Grund»
wolle auf dem Zügel uud hellen Borften und meißlicher Kehle.
Kopf und Hals lihtbräunlic. Flügel mit lichtbraunem hell
gerändertem Gefieder, ebenfo ber Ruͤcken, deffen Federn an ber
Murzel weiß find. Hauptſchwingen ſchwarz. Dbere Schwanz-
dede weiß mit dunfelbraunen Endfpigen und Fleden. Bon
unten ift der Körper braun mit lichten Sederrändern und meißen
an der Wurzel und den Seiten der Fahnen. Die weiße Grund:
farbe herrſcht bey dem’ Eleinen Gefieder des ganzen Körperg mit
Ausnahme des Kopfes vor.
Diefes Kleid zeigt nie die dunkele Farbe und die fo beftimmten
Federraͤnder ald das Alterskleid von leucocephalus.
Sunger Vogel. Schnabel und Kopf fhwarz, letzterer mit
fichtbräunlichen Federraͤndern. Hinterfopffedern mit weißer
Wurzelhaͤlfte. Ruͤcken und Flügel leberbraun mit dunflen End»
fleden. Die Dedfedern der Schwingen 2. Drdnung, fo wie
diefe ſchwarzbraun mit ausgebleihten, bräunlic) marmorierten
Enden. Untere Theile mehr oder weniger weiß mit dunfel:
braunen Shäften und Schaftfleden. Die Seiten, Hofen und
Bauch braun mit fhmarzbraunen Flecken. Schwanz ſchwarz
und weiß unregelmäfig gefledt,
Dimenf.: mas. — fem.
Kopf 1238 — .135 » Zarfe 100 — 96-106
Schnabel Beh 1 Vattele a 10. °— 65
Höhe BE SS lügen 7090, 55
Mundwinkel 80 — 85 Immen. 38° — 34
Dherflügl 425 — 475 1.Schwif.270 — 310
Fiügelfpige 230 — 205 6.Cihmjf. 292 — 340
Sm Norden von Europa, Afien und Africa.
in einzelen Paaren am Rhein.
Niftete früher
2. Subgenus. Milanfeeadler — lctinoatus Kaup
1843. Haliastur Selby 1844.*
Diagn. Milangroße Seeadler mit am oberen Drittel be:
fiederten Tarſen, die vorn und hinten geſchildert find. Mittel:
zehe fo lang als der gefchilderte Theil der Tarſe. Sohlen der
Zehen ſpitzwarzig.
Befihreib. Sie gleihen in der Größe und in ber Faͤr⸗
bung des Jugendkleides den Hydroictiniae des Genus: Milvus,
in’ welches Genus Vieill. und Jerdon Arten nad falſch
angewandter Analogie verfegt haben. Sie haben verhältnißmä=
fig längere Flügel als die vorigen und folgenden, mit Aus»
nahme der Pontaöten, mit welchen fie in überfpringender Der:
wandtichaft ftehen. Der Oberflügel ift unbebeutend Länger ald
die Flügelfpise und von den Hauptſchwingen ift die 2—5. an
der Innenfahne ſehr beftimmt und fichelförmig ausgefchnitten.
Die bekannten Arten, die Eleinften ihres Genus, leben in
Oſtindien und Auftralien und find [dort ebenfo arge Schma⸗
roger und zudringliche Raubvoͤgel als unſere Milane. Wie die
Ich ſchlage obigen Namen vor, weil der von Selby inen
tofal falſchen Begriff von dieſen Formen gibt. Meine Benennung drüdt
die analoge Verwandtſchaft mit den Milvi aus, die fie in ihrem Genus
darftellen.
276.
Hydroictiniae find fie Eeine vollfommene Stoßtaucher, fondern
fangen nur die an der Dberfliche fehrimmenden Fiſche. In
der Jugendfärbung haben die Federn lichte Schaftfleden, wodurch
fie unfern Hydroietinia (Milvus ater, affinis, govinda, para-
sitieus) aͤhnlich werden, die fie bey den Haliaëten wiederholen.
3) Der Sndifhe Milanfeeadler — Haliactus
ponticerianus @mel. Pl. col. 416. Falco indus.
Bodd. Haliaötus girrenera Vieill. Haliaetus ga-
ruda Less.
Diagn. Schwanz kürzer als der Körper; im Alter an den
weiß gefärbten Theilen mit ſchwarzen Federfchäften.
Befchreib. Alter Vogel. Schnabel und Füße gelb. Kopf,
Hals, Oberruͤcken und alle unteren Theile weiß mit ſchwarzen
Schaͤften. Alte übrigen heile, als Hals, Hofen, Afterfedern;
untere und obere Schwanzdede, Rüden, Schwanz; und Flügel
fuchsroth. Zweite bis 6. Schwinge fchwarz, über den. Aus—
ſchnitten roſtroth und längs des Schaftes auf der, Innenfahne
mit braunröchlibem Schimmerftreifen. Schwanz oben mit roſt⸗
rothen, unten mit faft weißen Scaäften.
Junger Vogel. Schnabel ſchwarz. Die hinteren Theile des
alten Vogels Licht röthlichbraun mit helleren Schaftftreifen ; das
übrige Gefieder mehr fhmwarzbraun, Die größeren inneren „Ded:
federn der Schwingen an der. Wurzel weiß und. die, Eleineren
ſchwarzbraun. Der mehr. bräunlihe Schwanz mit lichter
Borde.
Dimenſionen: Alt. Big. 2 — Jung. Vog. 2
Kopf 73 — 70
Schnabel 26 —
Mundwinkel 38 — 34
Oberfluͤgel 232 —
Fluͤgelſpitze 170 —
Tarſe 56 — 50
Mittelzehe 36 —
Schwanz 200 — 210
In ganz Oſtindien ein ſehr gemeiner Raubvogel.
4) Der weißbruͤſtige Milanſeeadler — Haliae-
tus leucosternon Gould Austr. birds.
Diagn. Die Schäfte der weißen Xheile find weiß, fonft
im übrigen dem vorigen ganz gleich. [
Befchreib. Er gleicht dem vorigen vollftändig und weicht
nur durch die Diagnofe ab. Ich überlaffe es einem Jeden aus
diefer Art eine eigene Art oder Flimatifche Abweichung zu mas
hen. Vorderhand fehe ich fie als legtere an, indem die Die
menfionen felbft zu geringe Abweihungen zeigen und Differen—
zen in ber Lebensart nicht ermittelt find.
Dimenfionen: Ates 2 ,— alte d&°— jung.
Kopf T3tiun. an 6 — 66
Schnabel 28 — 25 25
Mundwinkel 395 — 34 — 34
Oberfluͤgel 228 — 221 — 206
Fluͤgelſpitze 160 — 1592 — 156,
Tarſe 55 — 54 — 58
Mittelzehe 36 — 35 — 33
1. Schwanzf. 180 — 164,2 173
6. Schwanzf. 193 — 186 — 193
Das Vaterland ift Neuholland,
a7
5) Der langſchwaͤnzige Mitanfeeadler —
Haliaetws canorus' Pig. et Horsf., Linn.
Transaet. XV. 187. Milvus sphenurus - Vieill. Gal.
t. 15 (ſchlecht). Haliastur sphenurus Gould Austr.
ws birds. Xl. 2.
Diagn. Der Schwanz ift länger ald der Körper; an den
äußeren Fahnen des Schwanzes aſchgrau, auf den inneren
grau marmoriert mit 6—7 zadigen Binden.
Befhreib. L' Iwey Maͤnnchen der Gould iſchen
Sammlung im October erlegt, "tragen ein bereits abgenußtes
Kleid, an dem einige neue Federn erfcheinen. Kopf und Ober:
hals fhmugig’ ſtrohgelblich mit ſchwarzen Schäften und braun
eingefaßten Federn. Juͤngere Federn find braun mit lichten
Scaftfleden gegen die Spige zu, Oberrüden fahlbraun, allein
jüngere Federn find fhwarzbraun mit roſtgelbem Fleck an der
Spitze. R
Die Schulterfedern ähnlich gefärbt, allein theilweife auf roft:
braunem Grunde fehmwarzbraun gefledt, Die Flügel find
ſchwarzbraun.
Von unten iſt die Kehle und Wange einfarbig und ſchmutzig
roſtgelblich. Alle uͤbrigen unteren Theile haben ein ſchmutziges
und verwaſchenes Anſehen; ſie ſind eigentlich ſchwarzbraun mit
ſchwarzen Schaͤften, an den Spitzen der Federn roſtgelbe Laͤngs—
tropfen und Raͤnder. An der Mitte find die Federn roſtroͤth—
lic) gebändert und ‘an der Wurzel weiß gefledt. Won innen ift
der Flügel an den Eleineren Dedfedern fchwarzbraun mit gelbe
lichen Spisen und weißlichen fchwärzlich gebänderten Innenfah—
nen. Die längeren Dedfedern find hellgrau, ſchwarz gebändert.
Die erften Schwingen find unter den Dedfedern weiß, grau
gefledt. Von der 6. an iſt die Innenfahne roſtroͤthlich, ſchwärz—
lich gebändert und gefledt. Der junge Vogel hat das Anfehen,
was Färbung betrifft, von unferem Caryocatactes nucifragus
indem er von unten roſtgelbliche Schaftftreifen oder Flecken
auf jeder, Feder hat, melde bald als lange feilförmige und
ſchwarz eingefaßte, bald als Eurze und dreiedige Flecken am
Ende jeder Feder fich darftellen. Dben mehr oder meniger
toftgelb gefleckt oder gerandert. Die Schwingen find rofts
elblich.
Die langen Seitenfedern des Körpers, die Hoſen und untere
Schwanzdede mit bräunliden und roftgelblichen, unregelmäßigen
Querbändern. Die Eleinen inneren Deckfedern find roftgelb,
unregelmäßig ſchwarzbraun gebandert. Die Schwingen find an
der Murzel weiß, fonft ſchwarz; die legten Schwingen find an
der Innenfahne roth tingiert und grau gefledt.
Der Schwanz ift von oben braͤunlich afchgrau mit meißen
Endfpigen; an der Wurzel der Innenfahnen weiß, nad) der
Spige grau gefledt.
Sein Vaterland ift Neuholland.
Dimenf.: Alt. — Jung. Flügelfp. 185-200 — 180
Kopf 1715-78. — 72 Tarſe 59 — 50
Schnabel 209 — 24 Mittel. 41-42 — 38
Mundw. 41-42 — 40 1. Schwzf. 262 — 282
Dberfl. 233-239 — 225 6. Schwif. 270 — 234
Sn Sammlungen bis jest noch felten. "In Neuholland
gemein.
Zur Zeit der Raupen ſah Gould Hunderte dieſer Voͤgel
ſich einzig von Raupen nähren. Die Antvefenheit von Men:
ſchen fört ihn wenig und wenn er auf den Zweigen eines
hohen Baumes fist, laßt er ſich bis auf einige Fuß dieſem
278
nahe kommen. Gould fah ihn nirgends häufiger als in der
Nähe des Gaſthofes zu Port Jakſon und an den Ufern der
Flüffe und Teiche, wo er auf alle thierifchen Subftanzen achtet,
die auf dem Maffer ſchwimmen, oder an den Ufern vorkom—
men, Bey. feinem hoben fhwimmenden Flug läßt’ er ein far:
fes Pfeifen hören, wovon er feinen Namen erhalten bat und
dag ihn von allen Raubvoͤgeln Neuhollands unterfcheidet. Das
Neft baut er aus Reiſig und faferigen Wurzeln ‚auf einem: der
böchften Aefte der Cafuarinen, welche längs den Ufern wachfen,
Die Eyer legt er im November. und December, gewöhnlich zwey,
feltener nur eins; fie find 2" 3" lang und 1” 9“ breit, bläu=
lichweiß, licht grün überlaufen, wenig und fehr dunkel gefärbt.
Die dunflere Färbung erfcheint, als wären fie an. der inneren
Seite der Schale gefärbt. Gould fand ein Neft, in welchem
an der Seite des Neftchen von Amadina Lathami eingebaut
war. Beide Vögel ſaßen auf ihren Eyern dicht neben einander
und würden ihre Brut auch in nachbarlicher Einheit aufgezogen
haben, hätte diefer Reiſende nicht dag merkwürdige Doppelneft
in feine Sammlung aufgenommen,
Die Raupennahrung und die geringe Scheuheit diefes Vogels
erinnert, an Jeracidea berigora, die ebenfalls bey den Falco-
ninae als Genus die 5. Stelle einnimmt, wie diefe Art als
Genus bey den A:quilinae,
3. Subgenus. Habichtſeeadler — Heteroaätus Kaup.
Olim Geranoaätus Kaup.
Diagn.. Zehen fehr kurz. Mittelzehe mit dem Nagel fo
lang als der, vorn und hinten gefchilderte Theil der Tarſe.
Befhreib, Mit Fürzerem mehr habichtähnlichem Schna-
bel, ſtark gewölbter Wachshaut und horizontal geftellten Nafen-
Löchern. Flügel Eürzer als bey den übrigen. Zmeite und dritte
Schwinge fehr beftimmt fichhelförmig, 4. und 5. bogenförmig
an der Innenfahne ausgefchnitten. Tarſen fehr hoch. Zehen
Eurz. Sohlen der Zehen jtumpfwarzig.
Man Eennt bis jetzt nur- eine Art, die ficher in ihrer. Lebens:
art: von allen uͤbrigen ſehr abmweichend iſt und die. nach den
ftumpfen Warzen der Zehen kein Fifcher iſt. Mac den Eurzen
Zehen, hohen Tarſen iſt ſie wahrſcheinlich mehr Erdläuferinn
und nährt fi vorzugsmweife von Amphibien.
6) Der gebänderte Habichtfeendler — Haliae-
tus aguia Temm. pl. col. 302. H. melanoleucus
Vieill.
Befhreib. Affe oberen Theile und die Kropfgegend dun—
Eelfchiefergrau mit weißem Flaumentheil. Das Eleine Gefieder
des Flügels hellafhgrau, die Schwingen 2. Ordnung und die
Außenfahnen der Hauptfchwingen dunfeler; ſaͤmmtlich mit zadi-
gen fhwärzlichgrauen Querbinden.
Bruft, Bauch, untere Schwanzdecke, Hofen und die inneren
Achfelfedern weiß, mit und ohne feine ſchwaͤrzlich graue: Bin:
den. Kehle weißlich afchgrau, Wangen und Ohrfedern dunfler.
Die Schwingen von Innen binter den Ausfchnitten ſchwarz,
vor den Ausſchnitten auf grauem braͤunlich getuͤpfeltem Grunde
ſchwarz tigerartig geſtreift. Schwan; einfarbig ſchwarz mit
lichtem Endfaum. Gegen: das Licht gehalten zeigen. die Schwanz—
federn, tie gemwiffe Seidenzeuge, eine aroße Zahl fchmaler dunk⸗
ler Querbinden und auf’ der Äußeren Fahne der Außerffen
Schwanzfeder feurig toftrothen Anflug längs dem Schafte,
Bey meinem vorliegenden. Cremplar zeigen einzelne Federn
des Ruͤckens naͤchſt dem langen Flaumentbeil der Feder toftfars
279.
bige Flecken vor der ſchwaͤrzlichen Spitze. Dieſe Art zeigt nicht
allein in der Färbung Analogien mit Circaetus thoracieus,
fondern aud) in der Tertur des Gefieders mit Circus, Genera,
die in ihren Subfamilien den 3. Rang einnehmen. Auch mit
dem Thrasastus harpyia zeigt er in der Färbung Analogien.
Lesterer ftellt bey Asturina die Adlerform vor. Er Läßt ſich
ferne mit Melierax (Astur cantans) vergleichen. *
Die fehr mittelmäfige Figur der Pl. col., welche das Gefie—
der wie Fiſchſchuppen darftellt, zeigt das Eleine Gefieder des
Flügels mit bräunlihem Anflug und eine geringere Zahl von
Binden auf diefem, welches wahrfcheinlicy der Ueberreſt des Ju⸗
gendgefieders iſt. Alle unteren Theile weiß. Nach der Unter:
fhrift diefer Abbildung ftellt es ein Männchen vor.
Um die Habichtsform in diefem ſchoͤnen trogigen Vogel zu
erkennen, muß man. diefen Vogel lebendig gefehen haben und
zwar in einem fo prachtvollen Individunm, wie ihn der zoolo—
gifche Garten in London beſitzt.
Die Lebensart ift leider fo. gut wie unbekannt.
land ift Südamerica.
Der junge hat alle unteren Theile ſchwarz mit einzelnen
meißen Schaftfleden, die nach dem After hin in Bänder über:
gehen. Die längften Schwanzdedfedern faft ſchwarz mit grauen
Binden und weißen Spisen. Die Hofenfedern ſchwarz unregel:
mäßig roſtgelb gefledt.
Das Bater:
Dimanf.: AM — Pur. Tarſe 1022? — 106
Kopf 105 — 127 Mittelzehe 53 — 6
Schnabel 35 — 37 Außenzehe 39 — 44
Munm. 63 — 69 Innenzehe 34 — 36
Oberfluͤgel 310 — 336 1. Schwif. ... — 214
Fiägelfpige 180 220 6 Schwjf. 220 — 240
4. Subgenus. Aarfeendler — Pontaätus Kaup.
Diagn. Mit hohen nur am oberen Drittel befieberten
Zarfen und langer Mitteljehe. Schwingen an der 2. bi 6.
ſchwach bogenförmig ausgeſchnitten.
Beſchreib. Mit kleinerem Kopf und mehr geſtrecktem ſtär—
kerem Schnabel. Dberflügel 14 fo lang als die Fluͤgelſpitze.
Die Hofen reichen nicht bis zur Hinterzehe, fondern find kurz.
Die fchlanken Tarſen mit 6—8 Schildern und die Mittelzehe
mit 12—13 belegt, iſt faft fo lang als der gefchilderte Zheil
der Zarfe. Die Sohlen der Zehen find fpiswarzig.
Sie haben die Größe von dem Steinadler und darunter und
ftehen im überfpringender Verwandtfchaft zu dem Subgenus
- Ictinoaötus.
Sie ftellen fih wahrſcheinlich wie folgt: 1) fehlt, 2) vocifer,
3) fehlt, 4) leucogaster, 5) Macei.
* Die Syftematifer nach jebiger Fagon haben nad) den angege—
benen Analogien die Wahl, wie fie diefe Art verwenden wollen. Stellt
man fie an die Spige oder ang Ende der Haliaeten, fo fann man mit
diefer Form zu den Circaäten und zwar dur) Circaetus thoraecicus
gelangen; allein fie führt auch durd) Thrasatus harpyia zu Astu-
rina und zu den Accipitrinae. Leider zeigt fie auch Analogien mit
Melierax (Astur cautans) und die, meiften mit Poecilopternis
(Buteo erythronotus) etc. Indem jede Wahl — Dual mat, fo
überlaffe ich diefe den jesigen Syftematifern und ftelle es ihrer Willfür
"anheim, wie fie diefe Form verwenden, oder ob fie diefelbe, was die
Jeichtefte Manier ift, als abirrende Form betrachten wollen.
280
7) Der weißbäudhige Aarfeeadler — Haliaätus
leueogaster Gmel. Falco leucogaster Gmel.
Pl. col. 49. Le Blagre Vaill. t. 5. Haliaetus
sphenurus Gould II. 1. Ichthyaötus leucogaster
Gould Birds of Austr. II. 1. Ichthyaötus cultrun-
guis Blyth.
Diagn. Der Schwanz keilfoͤrmig und die mittlere be—
deutend länger als die Aufere,
Alter Vogel. Weiß mit fchwärzlihen Schäften, auf Bruft
und Bauch. Der Rüden und die Flügel dunfelgraubraunlich.
Schwingen 2. Ordnung an den Innenfahnen auf gelblichem
Grund ſchwarz marmoriert, „welche Zeichnung öfters, einen, fcharf
begränzten Saum an den Federn bildet. Die langen Dedkfe-
dern des Flügels längs des Kield bräunlich, nach ‚der Spige
unregelmäßig ſchwarz geftreift oder gefleckt. Schwanz an. ber
größeren Wurzelhälfte fchwarzgrau, an der Spise weiß. Die
Zarfen find ſehr ſtark mit 8 breiten, groben Schildern. Die
Mittelzehe mit 12, die, äußere mit 7, die innere und. hintere
mit 5 breiten Zafeln belegt.
Junger Vogel. Kopf, Hals und alle unteren Theile fchmusig
ifabell mit verwafchenen braunlichen. Fleden. Bruſt mit einem
mehr einfarbigen Schilde. Schwanz weiß, an der Spike ver—
waſchen braun, Schwingen an ben Innenfahnen längs des
Schaftes mit rothbraunem Schimmer,
Gemein in Africa, Afien und Nenholland. Nah Gould
naͤhrt er ſich von todten Walthieren, Fifhen u. dgl. und ftößt
nicht, wie man glaubt, auf lebendige Thiere in dem Waſſer.
Er fieht feine Nahrung am Seeftrande während der. Ebbe und
frißt jedenfalls auh Mollusken und andere E£leine Seethiere.
Dimenfionen: mas. — fem. — juv.
Kopf 105. 9:=-,409b == 108
Schnabel .. — 52 — 46
Mundwinkel 58 — 60 — 656
Oberfluͤgee 342 en rn 1515
Flügelfpige 23 — — — 4
Tarſe 94 — 98 — 85
Mitteljche 68 — 68 — 60
Außenzebe 47 — 4 — 44
Innenzehe 44 — 41 — 41
Schazt ... er MILDE Ya
6. Scwsf. 260 — 44230
8) Der Maceifche Aarfeeadler — Haliaötus
Macei Cuv. pl. col. 8 u. 223 (juv.). (ziemlich gut).
H. fulviventer Vieill. H. (Cuncuma) albipes, Hodgs.
Aquila leucorypha Pall.
Diagn. Die hinteren Halsfedern geyeraͤhnlich ſchmal und
zugefpist und an: 85 Mm. lang. Alter Vogel mit weißem
Schwanz und breiter ſchwarzer Endbinde. ‘
Alter Vogel. Kopf und Hals voftfarbig, fehr fcharf von den
fhmugig weißen Ohr: und Halsfedern gefchieden, Untere
Theile mehr oder weniger ſchwarzbraun oder-leberbraun, die
Seiten, Hofen und untere Schwanzdede am dunkelften und die
Kropfgegend am lichteften. Flügel und die inneren Dedfedern
des Flügels dunkelbraun. Die Schwingen von Innen mit
blaͤulichem Anflug. Schwanz, an der Wurzel fhwarz, hierauf
weiß mit breiter. ſchwarzer Endbinde. Die Schäfte des weißen
Schmanztbeils find weiß, allein die dunkle Hornfarbe der oberen
ſchwarzen Binden zieht fih längs der Mitte des Kieles als ein
281
fein fi verlaufender, Streifen in. den. weißem Schaft hinein
und verliert fich bey einigen Federn erft gegen die Mitte des
weißen Bandes des Schwanzes.
Die Schilder der Tarfen und der Zehen find nicht fo ent—
wickelt, ald bey der vorigen Att.
Der junge Vogel Temmind pl. col. 223 hat Kopf und
Hals und die Übrigen unteren Theile hellroſtgelblich, am hellſten
an der Kehle. Don den Obhrfedern längs den Seiten des Hals
fes herab die Andeutung eines dunfeleren Streifens. Die unte:
ren Theile und die Hofen mit feinen verwwafchenen Querbaͤnd—
chen. Die oberen Theile find ſchwarzbraun mit lichteren Feder:
rändern. Schwingen ſchwarz. Schwanz hellaſchgraubraͤunlich
mit dunklerer weißlich bordierter Endbinde.
Herr Schlegel. vermuthet pag. 28 feiner kritiſchen Ueberſicht
der europaͤiſchen Vögel, daf der von Pallas in der Zeogr. rosso-
asiat. 1. p. 352. No. 26 befchriebene Aquila leucorypha als
junger Vogel hierher gehöre, worinn idy ihm vollkommen beis
ftimme.
Durch die Herren Keyferling und Blafius, fowie durch
Herten Schlegel erfahren wir, daß in dem Berliner Mufeum
fid) ein Exemplar befindet, welches. in der Bucharey 'gefchoffen ift
und welches die erfteren ‚für den Jeucorypha des Pallas mit
Recht ausfprechen und ihn als Haliaëtus aufführen.
Die, erft genannten Drnitbologen geben als Artkennzeichen.:
die Läufe vorn. kaum 4 befiedertz die Innenfahne der großen
Schwingen nur bis zur. 3. ausgefhnitten; die 2, bis 4. auf
der Außenfahne deutlich, die.d. ſchwaͤcher, die 6. nur fehr
ſchwach verengt.
Dieſe Charactere find nicht genau. Alle Seeadler, welche bis
zur 6. Schwinge Ausfchnitte an den Außenfahnen haben, be
ſitzen Ausf&hnitte an den Innenfahnen der fünf erften Schwän-
gen. Die erfte Schwinge wird, wegen, ihrer Kleinheit. ftets Über:
fehen und die erſte Schwinge, der. jegigen Beſchteiber ift die. 2.
Die Diagnofe der Hrn. Blafius und Keyferling müßte
demnach heißen: 3. bis 7. Schwinge an der Außenfahne, 2.
bis 6, an der Innenfahne ausgefchnitten.
Diefe Charactere jedoch für, Arten anzuwenden ift hoͤchſt feh:
lerhaft, denn fie. bilden Kennzeichen. dev Subgenera und. obige
Kennzeichen befigen.die Arten: vocifer, leucogaster, Macei
oder. der fragliche leucorypha. Ebenſo beſitzen fimmtliche ge:
nannte Arten die Läufe vorn kaum 4 der Länge. befiedert, ‚und
die Schwingen, find etwas fFürzer als der Schwanz... Nach
Abzug dieſer Subgenerafennzeichen. erfahren wir, durch die Diagn.
der Herren Blafius und Kehſerling, daß der Schwan;
ſchwarz und gerade und der Schnabel ſchwarz iſt.
Würden die Herren Blafius und Kenferling. die Übrigen
Arten dieſes Subgenus, mit in. ihre fleißigen Unterfuchungen
bineingezogen haben, fo ‚hätten fie diefe Fehler, vermieden, . woran
ihre meiften Diagnofen leiden. .. So lang die europaifchen ‚Arten
nicht mit den benachbarten ihres .Subgenus verglichen find, ſo
fange. werden Eeine brauchbaren, Diagnofen. für dieſe entftehen,
£önnen, weil meiſt Charactere, ‚der. Subgenern angewandt wer:
den, die mehrere Arten gemein haben. 1
Die Schlegelihe Beſchreibung iſt defhalb der von Bla—
fius und Keyferling vorzuziehen und es ‚wäre nur zu wuͤn⸗
fhen gewefen, daß Schlegel mehr Dimenfionen von dem Ber:
liner Cremplar. gegeben. hätte:
Nah. der. Befchreibung des. Kegteren iſt diefes Individuum
auf jeden Fall ein junger Vogel von Macei, ebenfo der von
Pallas befchriebene leucorypha., Der alte, wie der junge
Iſis 1847. Heft 4.
282
Vogel von Macei hat die Wurzel der Nackenfedern weißlich.
Sollte defhalb der Paltafiihe Character: Maeula triangu-
lari medi vertieis nivea nidyt durch Abreiben der dunfelen
heile dev ‚Fahnen der Nadenfedern entftanden fern? Die
Nackenfedern find. bey dieſer Art lang, zugefpist und fehr weich
und man fieht alte Vögel diefer Urt, an welchem viele Federn
des Nadens fo abgeftust find, daß die meißliche Grundfarbe an
der Wurzel der Federn durchleuchtet. Nach Pallas Befchrei:
bung darf man annehmen, daß fein Aquila leucorypha ein
bereitö lang getragenes an vielen Theilen abgefchoffenes Su:
gendEleid hatte. * Den Character: Area per latera capi-
tis sub oculis longitudinalis subatra, deutet auch die
Zemmindifche Abbildung des jungen Vogels an. Pallas
nennt die Fuͤße pallido -albicantes und Hodgfon nennt den
Macei — Haliaötus albipes. "Daß die Temmindifhe
Figur die Tarſen blafgelb darftellt, ift Eein Gegenbemweis, da
die Fuͤße nicht nad) frifchen Gremplaren, noch nad) Studien
an Drt und Stelle gemacht, gemalt find. e
Beſtaͤtigt fih meine Annahme mit der Entftehung des Naden:
fles, fo Eann der Pallaſſiſche Namen nicht bleiben, da er von
einer Zufälligkeit entnommen ift und der jüngere Name Macei
ift demfelben vorzuziehen.
Dimenfionen eines alten Vogels.
Berliner Eremplar ale H.
leucoryphus nach Herrn
N)
le Neun Schlegel. Wahrfcheinlich
Munde. 65 junges Meibchen.
Dberflügel S44],-- Der Unterfchied ift 356 Mm,
Flügelfpige 218 s62 3608 oder 16 Par. Kin.
Tarfe Haut. aala! 95
Mittelzehe —II— 54**
1. Schwzf. 265] 296 Der Unterfchied ift 30 Mm.
6. Schwif. 266| oder 13 Par. Kin.
9) Der Schrei= Seeadler — Haliaötus vocifer
Vaill., Vaill. Afr. 4. Falco vocifer Lath.
Diagn. Weiß mit roftrothem Bauch, Hofen, unterer
Schwanzdecke und inneren. Flügeldeckfedern.
Befchreib. Kopf, Hals, Oberrüden, die ganze Bruft und
der Schwanz blendend weiß; auf dem Kopf und Rüden mit
mehr oder minder dunklen Schäften wie bey ponticerianus,
oder fie find ganz weiß. Flügel ſchwarz, von innen mit bläus
lihem Glanz. Der Oberflügel längs der Ulna hin roftröthlich.
Obere Schwanzdede ſchwarz.
Der junge Vogel mit ſchwarzen Flecken an den helleren
Theilen.
* Die Worte Subtus color exsoletior quam in collo und
Plumis margine exsoletis laſſen darauf fchließen.
** Schlegel mißt die Mittelgehe von den Winfeln aus, mit welchen
fich die Außere oder innere Zehe an die mittlere anfchließen. Meine
Meffungen find ſämmtlich von der erften Gelenkfläche des erften Finger:
gliedes genommen, mit welcher fich die Zehen an die Tarfe anlenfen.
Sch halte diefe Art zu meffen für ficherer und fie ift bey einiger Hebung
Teicht anzuwenden. Bey in frifchem Zuftand Heifchigen Füßen fieht man
im getrockneten Zuftand die Trennung der Mittelzehe von der Tarfe fehr
deutlich, namentlich bey den wahren Falcones. Nach der gewöhnlichen
Art zu meſſen, iſt auch an dem Gremplar, was ich vor mir habe, die
Mittelzgehe 54 Mm. Tang.
E 18*
.
283
Diefe Art wiederholt fehr deutlich in ihrem Subgenus ben
letinoaötus ponticerianus. Da diefe Art bald mit dunfleren
bald mit weißen Schäften auf dem meißen Gefieder erfcheint,
ohne daß ſolche Individuen einer eignen Urt angehören; fo glaube
ih auch, daß der Ictinoaätus leucosternon nicht als eigene
Art von ponticerianus zu unterfcheiden ift.
Lebt in Africa, zufällig in Griedyenland.
Dimenf.: mas. — fem. Tarfe 85 — 89
Kopf 112 — 118 Mätteljehe 5 — 6
Schnabel 39 — 40 Außenzehe 44 — 43
Mundwintel 57 — 58 Innenzehe 3 — 4
Dberflüg 355 — 420 1. Schwf. 199 — 206
Flägelfpige 159 — 168 6. Schw. 203 — 215
5. Subgenus. ©eyerfeeadler — Thalassaetus Kaup.
Diagn. Mit fehr hohem Schnabel und gewölbter Wachs:
haut. Zügel nadt, oder mit einzelnen Borften bedeckt. Oberflügel
über Zmal fo lang als die Flügelfpige. Zweite bis 6. Schwinge
ausgefchnitten. Zarfen individuell geſchuppt oder gefchildert,
zur Hälfte befiedert. Hoſen zur Hinterzehe herabhängend. Die
Mittelzehe mit 8—11 Schildern über doppelt fo lang als der
nadte Theil der Zarfe, Schwanz fehe lang und Fonifch
abgeftuft.
Man Eennt nur eine Art, welche die größte Urt des ganzen
Gefchlehts ift und den höchften Schnabel zeigt. Sie zeigt
Unalogien mit der Aquila audax, 5. Subgenus von Aquila,
bie ebenfalls die größte Art unter den Aquila mit dem höchften
Schnabel und dem längften Schwanz ift.
*10) Der weißflügelige Geyerſeeadler — Haliae-
tus pelagieus Pall. Falco leucopterus Temm.
pl. 489.* H. Icones von Kittlis alter Vogel. H.
pelagicus T’emm. et Schl. Fauna jap.
Der alte Vogel ſchwarz mit größtentheils weißem Oberflügel,
Stirn, Hofen, unterer und oberer Schwanzdede und Schwanz.
Schnabel gelb.
Ben jüngeren Vögeln zeigt fich der Schnabel ebenfalls gelb,
allein das dunkle Gefieder zeigt am Kopf und Hals die Federn
mehr meißlichafehgrau. Untere Anfiht des Flügels afchgrau.
Noch jüngere Vögel haben auf dem Flügel noch weniger weiß
und die Federn des Kopfes, Halfes und der Kropfgegend haben
fhmale voftgelbliche graue Schaftftrihe. Die Zügelgegend
zeigt vereinzelte Borften.
Das Meftkleid haben die Herren Temmind und Schle-
gel in der Fauna japonica abgebildet. Es zeigt das Gefieder
mehr einfarbig bräunlic).
Dimenf.: mas. — fem.
Kopf 146 — 154 Flügelfpige 190 — 196
Schnabel 63. — 70 Tarſe 88 — 109
Hoͤhe 42 — 48 Mittelzehe 76 — 87
Mundwinkel 87 — 96 1. Schwzf. 230 — 242
Oberfluͤgele 400 — 475 6. Schwzf. 288 — 352
Sm öftlihen Afien. In Sammlungen fehr felten. Franf-
furt befist 2 Exemplare, wovon dag Eine der Baron v. Kitt-
Lig mitgebracht hat. — Schluß in Heft V.
* Der Schwanz ift an dem abgebildeten Exemplar nicht ausge—
wachſen.
284
Bemerkungen
uͤber die auf einer Reiſe nach Italien und Sicilien beobachteten
Schmetterlingsarten von P. ©. Zeller.
(Fortfegung von Iſis Heft III. pag. 233.)
Rhodocera.
Eofta Eennt zwey Arten in feinem Königreih: rhamni und
Cleopatra. Von dieſen fagt er: „Naͤchſt Van. Atalanta,
Sat. Maera und Megaera ift Col. Rhamni der erfte Schmet—
terling bey der Annährung der fhönen Jahreszeit; beym erften
Strahl. der Februarsfonne oder fpäteftens in der Mitte des
Monats Eriecht diefer Falter aus feiner Puppe (2)
und belebt die fchweigfamen Abhänge der höhern Gegenden von
Gamaldoliz; manchen. Zag begrüßt er ſchon früher die Blumen-
göttinn im koͤniglichen Garten zu Neapel, Faſt zu gleicher-Zeit
erfcheint er an den Seeküften von Terra d’Dtranto, — Cleo-
patra ift bey Neapel viel feltner ald Rhamni und häufiger
im Süden des Reichs.“ Ueber die Artrechte weiß Cofta Eeine
feſte Anſicht auszufprechen. Ich ſelbſt fand in Italien nur
50. (1.) Cleopatra.
Zuerft fah ich fie bey Meffina am 26. März, Im April
hatte ic) auch Gelegenheit, ein Männchen und zwey Weibchen
zu fangen, deren fhlechte Beſchaffenheit zeigte, daß fie wie un=
fere Rhod. rhamni als Schmetterling überwintert hatten. Sie
erhoben ſich alfo weniger zeitig aus ihrem MWinterlager als
P. rapae, brassicae, Van. cardui, urticae, atalanta, felbft
als Pap. Machaon; ich müßte fie fohft gewiß gefehen haben.
Bey Syracus begannen fie zu Ende May (zuerft am 28) fehr
einzeln in den Gärten zu fliegen. Auf meiner Neife nach Ca—
tania fah ih am 24. Juny viele ſchoͤne Exemplare in den
Müften im Piftacien- und anderen Gefträuch fliegen. Bey
Catania war der Schmetterling in den Gärten nicht felten und
fhwer zu erlangen. Ein Weibchen feste fich zum Schlafen in
das: Laub eines Johannisbrotbaums, unter den ich mich der
Hise wegen gelagert hatte; ich erftieg den Baum, ohne daß es
erwachte, und fieng es. Nicht felten flogen diefe fchonen
Schmetterlinge in den Lavawuͤſten nördlich oberhalb Catania im
Eichengebuͤſch; aber ehe ich ihnen auf den gefährlichen Lava—
blöden nahe gefommen war, hatten fie fidy gewöhnlich entfernt.
Die meiften waren ſchon fehr fehlecht und abgeflogen. Ebenfo
beſchaffen waren auch die wenigen Eremplare, die ich ben Mef:
fina im July und Anfang Auguft fah, Nirgends fand ich in
allen jenen Gegenden Nhamnusgeftraäuh (um Meffina gab es
nur ein paar Sträucher von Rhamus alaternus), weßhalb ich
eine andere Futterpflanze verinuthe. ine doppelte Generation
biefes Falters fcheint zu eriftiren, aber nad) den Gegenden ab—
zuändern und nicht mit denen von Ph. rhamni zufammenzu:
fallen. Denn die zu Ende May auftretenden Falter um Sy:
tacus Eönnen fo wenig mie die im Anfang Auguft ganz abge:
flogenen die erfte Generation feyn; vielleicht kommt die zweite,
deren Spätlinge überwintern, erft im Dectober.
Boisduval erklärt (Species gen. des Lepid. I. p. 602 —
Index Lepid. europ. pag. 6. 35) unfere Cleopatra entfchies
den für Rhod. rhamni und behauptet, füdfranzöfifche und cor=
ſiſche Exemplare von Rhamni zeigten auch fo wenig vorfprin-
gende MWinfel an den Hinterflügeln wie Cleopatra, was nebft
der Farbe der Vorderfluͤgel als das einzige Merkmal der leßtern
gelte. Die Größe vergißt er, vielleicht, weil Rbamni in mwät-
mern "Gegenden oft eben fo groß vorkommt; aber die Geſtalt
”
285
der Vorderflügel, namentlich ihre Fürzere Ede, in beiden Ge
ſchlechtern hätte er nicht (übergehen follen. Sch habe zwar nur
wenig Eremplare beider Arten zum Vergleich, glaube aber nicht,
daß beide Vorderflügelformen in einander übergehen, und nehme
id) darauf Ruͤckſicht, daß die Färbung der männlichen Cleo-
patra in Sicilin Jahr aus Jahr ein diefelbe ift, fo würde ich
die Artrechte beider Falter eher ald ausgemacht denn als zwei—
felhaft anfehen. Daß die Raupen beider einander ähnlich fehen
(von genauer Webereinftimmung ift ben der bisherigen Beobach—
tungsweife ohnehin nicht die Rede), bemeift bey fo nahe ver:
wandten altern meines Erachtens gar nichts.
u. Libythea.
51. (1.) Celtis.
Nah Cofta bey: Portici und auf dem Berge Matefe im
October. Sch fah bloß ein fchlechtes Eremplar bey Trieft am
14. September am Abhange des Karfts und hielt es feinem
Fluge nad) für eine verflogene Eleine Van. Cardui; es fiel mir
aber dadurch auf, daß es ſich mehrmals‘ an Eichengeſtraͤuch
feste, doc) entging es meinen Nachſtellungen.
Hesperia. E
Cofta nennt dad Genus Hesperias und führt 10 neapoli=
tanifche Species auf: 1) Malvarum. 2) Lavaterae.
(„bey ung felten‘‘) 3) fritillum im July und Auguft auf
den Bergen dei Marzii. 4) Tages nicht felten. 5) Comma.
6) linea July, Auguft. 7) lineola (,‚findet ſich felten in
Europa“). 8) Sylvanus nicht felten. 9) tessellum
in den Abruzzen, ſoll nicht ganz mit den: Abbildungen und Be:
ſchreibungen ftimmen ‚tav. fig. (fehlt in den Abbildungen).
10) pygmaeus alis anticis divaricatis fuscis nigro-nebu-
losis luteo-maculatis concoloribus, nicht bloß in Galabrien
(bey Gofenza zu Ende Auguft), fondern auch bey Amalfi und
Sorrent; um Neapel felten. — Sch fand folgende:
52. (1.) Malvarum.
1. Var. nostras: alis superne fuseis, subtus fusces-
centibus, posteriorum maculis posticis albis
minoribus partim extinctis.
2. Var. australis: alis superne brunneo-fuseis, sub-
tus luteo-fuscescentibus, posteriorum maculis
ante marginem minoribus dilutisque.
a) maculis ‚alarum posteriorum subtus albido-
flavescentibus (Syrac., Cat., Mess.).
b) uta, sed alarum anteriorum cellula discoi-
dali superne sine strigula pellucida. (mas.
Syracus.)
Sie flog um Meffina zuerft am 5. April, felten, da bort
Malvaceen nicht häufig find. Um Syracus, deffen Wälle und
vorzüglich der Erercierplag zu Ende April und Anfang May
mit Malva silvestris [2] bededt find, war diefe Art ziemlich)
häufig und nahm bis zum Ende des Juny an Häufigkeit zu.
Um Catania kam mir nur ein Eremplar vor (27. Suny); um
Meffina war fie im July und Anfang Auguft nicht felten.
Auch um Rom und Ancona fieng ic) zu Ende Auguft und
Anfang September ein paar Eremplare. Ihr Betragen mar
überall daffelbe wie das unferer nördlichen Hesperia.
Die meiften ficitifchen Eremplare (Var. australis) haben auf
286
der Oberfeite eine gelbliche und grünliche Beimifhung, und
meift find die dunkeln Flecke der Hinterflügel blaͤſſer. Die Un-
terfeite aller Flügel ift viel gelber als an unferer einheimifchen
H. malvarum, und wenn die Adern der Hinterflügel fichtbar
find, fo zeigen fie eine gelbe, nicht hellbräunliche Farbe; hier
find auch die Flecke der. Reihe vor dem Hinterrande Eleiner und
verlofchener. Die. weißen: Franzenflecke reichen gewöhnlich weni-
ger tief in die Slügelfläche, hinein. Die weißen Flecke der Fläche
haben gleichfalls Theil an dem. gelblihen Ton. — Die durd;-
fihtigen Puncte der Vorderfluͤgel find gewöhnlicher ſehr Elein
als groß. Einem Männchen (Var. australis 5.) fehlt bey
oberflächlicher Anficht auf. der. Oberfeite der Glaspunct am
Rande des braunen Fleds ‚der Mittelzelle; auf der Unterfeite
ift er als ein Pünctchen am oberen Rande der Zelle vorhanden,
das auch gegen das Licht gehalten ſchwach durchſcheint. Sonft
findet ſich dafür ein faft zufammenhängender Doppelpunct oder
ein ‚an beiden Enden verdedter Querftrih. — Beym Männ-
hen find die Hinterflügel auf der Unterfeite faft fo dunfelbräun-
lich wie bey unfern nordifchen Eremplaren ; die weißlichen Flecke
find ſehr Elein, und die der legten Reihe fehlen faft ganz.
Unter diefer gelblichen Varietaͤt finden fich einzelne (28. May
Spracus, 2. Auguft — Meffina, 10. September — Ancona),
denen diefe Färbung fo abgeht, daß fie unferer nordifchen Va—
tietät außerft nahe fommen. Die Kleinheit der weißen Flecke
auf der Unterfeite der Hinterflürgel und der Mangel oder doch
das DVerlofchene der braunen Flecke vor und hinter der Mittel:
teihe find ihre einzige Auszeichnung.
53. (2.) Floccifera noy. sp.
Alis dentatis, anterioribus griseis olivaceo - maculatis,
punetis compluribus hyalinis, (mas) subtus barba
rufescenti; posterioribus superne distinetius albo-
maculatis, subtus (maris griseo-incanis, feminae
fuscescentibus) obsolete albo-maculatis.
Größe veränderlich wie bey H. malvarum, dabey ganz die—
felbe Flügelgeftalt: Ueberhaupt ſehen ſich beide Arten aͤußerſt
ähnlich, da die Lage und Geftalt der Flede und ziemlih auch
die Färbung diefelbe ift. Was die neue Art fogleich auszeich
net, ift die graue Farbe der Dberfeite, und das hellere Braun:
gruͤn in der Binde vor der Mitte der Vorderflügel. Die drey
an einander ftoßenden durchfichtigen Glasflede an der Flügel:
fpige bilden eine nad hinten geöffnete Mondfichel, und die 2
Glasflecke, welhe-zwifchen den Aeften der Medianader liegen,
find auswärts tief ausgehöhlt oder ausgerandet. Auf der Ober:
feite der ‚Dinterflügel zeichnet fich der weiße edige Fleck in ber
Mitte duch feine Größe, und fowie feine Nachbaren nach dem
Innenrande hin durch veinere weiße Farbe aus. Bisweilen
faͤllt auch ein Punct oder Fleckchen gegen die Bafis durch feine
Weiße auf. Die weißen Franzenflede reichen. weniger. tief in
die Fläche hinein.
Auf der Unterfelte find die Hinterflügel verloſchen gelbbräun-
lich, mit Weiß überflogen und mit meißlichen Adern; ein breiter
weißer Streif zieht neben dem Innenrande bis in den Schwanz:
winkel. Die Flede bier, fowie die am Rande der Vorderflügel
find weißer und größer als bey H. malvarum. Das Haupt:
mer£mal der Species befteht darinn, daß ſich beym Männden
auf den Vorderflügeln zmifchen der Subdorfalader und dem
Minkel der Medianader und ihres erften Aftes, auf ſchwarzem
Grunde ein röthliher, langer und breiter Haarbufc
287
befindet. Dünnere, viel fürzere und etwas bläffere Behnarung
zeigt ſich auch daneben in ber Mittelzelle. Dieſe Auszeichnung
fehlt ſowohl der H. malvarum mie der H. lavaterae. Der
Vorderrand ift von den drey Glaspuncten an bis zur Bafis
faft weiß.
Sm Kopf- und Fühlerbau entdede ich Feine erhebliche Ver—
f&hiedenheit. Die Fühlerfpige ift am Ende weniger roth als bey
H. malvarım. Nicht immer ſteht bey H. floceifera das End»
glied der Tafter weiter aus der Behaarung hervor; fondern dies
richtet ſich darnach, ob der Falter fich mehr Haare abgeflogen
hat. Die Unterfeite der after iſt ſchmutzig meißlich behaart;
nur gegen die Spike und auswärts find ſchwarze Börftchen
eingemifcht. Die Unterfeite der Fühler iſt ſowie die Behaarung
der Bruft und der Beine gelblichweiß.
H. floceifera fliegt, um Syracus im April und May auf den
Kalkfelfen der ehemaligen großen Stadt, felten und einzeln, uns
vermifcht mit der Hesp. malvarum, mehr gegen die ehemaligen
Epipolä hin. Ich erhielt hier nur Männchen. Ein Weibchen
fing ih am 27. Auguft außerhalb Rom zwifchen der. Porta
©, Giovanni und ©. Paolo.
Diefe Urt erkannte ich beym Fangen fogleih als eine von
H. malvarum verfchiedene Art, hielt fie aber für H. lavaterae,
und erfah ihre Verfchiedenheit von dieſer erſt bey. der jegigen
Unterfuhung. Ein altes Cremplar, vielleicht durh v. Hoff
manngegg aus Portugal mitgebracht, das ich einft aus dem
Eöniglichen Mufeum zu Berlin erhielt, ift ein Eleines Männchen
der H. floccifera und ftedte bis jest als Eleine dunkle Warietät
bey meinen zwey Cremplaren der H. layaterae. Alſo ift H. floc-
cifera feine neue Entdefung und mag auch ſchon einen Namen
haben, den ich jedoch nicht ausfindig zu machen weiß.
Hesp. marrubii Ramb. (Freyer, Neue Benträge V.
Zaf. 397: Big. 2. 3. M. W.) mit ganzrandigen Flügeln abge—
bildet fah ich aus der Heringiiben Sammlung in beiden Ge—
f&hlechtern, wovon jedoch nur das Männchen einen unverfälfch-
ten Kopf hatte. Sie ift meiner Art fo nahe verwandt, daß
beide vielleicht als einerley Urt, die dann H. marrubii_ heißen
muß, zufammengehören. Das Männchen‘ der H. marrubii be—
figt denfeiben Haarbuſch auf der Unterfeite der Worderflügel,
aber die Mittelzelle und der Raum zwifchen dem’ 1ften und 2ten
Afte der Medianader find bis an den Glasfleck mit gedrängten,
anfehnlich langen Haaren ausgefüllt, während bey H. floccifera
‚ dort nur eine kurze und fpärlihe Behaarung fichtbar ift. Außer:
dem bilden die 3 Glaspuncte an der Spike der Vorderflügel
bey H. floccifera eine Mondfichel, ben Marrubü eine grade Linie; '
bey jener find die 2 Glaspuncte in den Aeften der Medianader
auswärts tief auggerandet, bey diefer auswärts geradlinig; Taſter,
Bruft und Haare an den Schenfeln und Schienen ſind bey
H. floccifera ſchmutzig weiß, bey H. marrubü viel reiner; jene
hat eine dunklere Dberfeite mit dunkler braungrünen Flecken und
auf der Unterfeite der WVorderflügel am Hinterrande unter der
Spitze zwey weißen aneinanderliegende Kängsftriche ftatt des une
förmlichen breiten weiße Wi’ches der H. marrubii; auf der Un:
terfeite beider Flügel ift die Grundfarbe ein weißlich uͤberſtaͤub⸗—
tes Braun, das auf den Vorderflügeln reiner hervortritt, ſtatt,
wie bey H. marrubii, werlofchen röthlich ftaubgrau. Auch feheis
nen mit die Hinterflügel der H. marrubii weniger ftark gezaͤhnt,
und namentlich an den Hinterflügeln die Bucht zwifchen dem
Analwinkel und dem naͤchſten Zahn weniger tief als bey H.
Noccifera.
288
54. (3.) Tages.
Drey ſchlechte Eremplare flogen hinter Fuligno in den Apen=
ninen an einer ‚weißen Labiate; ich fing ein Männchen, das
ſich durch nichts von den fehlefiichen Eyemplaren auszeichnet,
Da diefer Falter und H. malvarum etwas fehr Auszeich—
nendes baben, das, fo viel ich weiß, noch nicht bekannt: iftz ſo
führe ich es hier, an, obgleich ich es nur an Schleſiern beo—
bachtet habe. As Merkmal der Zagfalter fieht man die Meife
an, wie fie im Zuftande der völligften Ruhe ihre! Flügel. halten:
nehmlich aufgerichtet «und ‚an einander ‚gelegt. Hiervon weicht
Tages ganz ab. Ich fand ein weibliches Eremplar bey Glos
gau (22 Juli) Abends bey fühlem, regnichtem Wetter, an
einer Karthäufernelfe, während es daran fchlief. Es hatte feine
Flügel zurüdgefhlagen, abwärts, wie ein fchlafender
Nachtfalter, ziemlich ſteil dachfoͤrmig. Um zu erfahren, ob diefe
Flügelhaltung natürlich fey, jagte ich den Schmetterling: auf;
er flog ſchlaftrunken weg, ſetzte ſich bald und nahm die vorige
Flügelhaltung wieder an. — Von H. malvarumıbeobachtete
ich nur ausgefrochene Exemplare; öffnete ich die Schachtel, fo -
hatten fie Die Flügel ganz ebenfo zurücdgefchlagen , die Kühler
feitwärts läng® der Bruſt gelegr, daß ihre Keuien am
Vorderrande der Vorderflügel ruhten, und außerdem den Hin—⸗
terleib aufgekruͤmmt; ich verglich ihre Stellung mit der einer
fhlafenden Heterog.. testudinana, nur daß die Hinterflügel
nicht ‚über den Vorderrand der Vorderfluͤgel hervorragten. —
Wie die mit H. alveolus, und: sertorius verwandten Arten
ſchlafen, weiß ich. nicht mit. Sicherheit anzugeben; ich, ‚glaube
aber, fie mit der allgemeinen ZIagfalterhaltung gefehen zu haben.
55. (4.) Alveolus var?
Fem.: palpis subtus, peetore femoribusque albis; alis
posterioribus superne serie punctorum alborum nulla,
subtus maculis flavescenti-albis; eiliis alarum ante-
riorum grosse nigro - maculatis,
Ein einzelnes, fchön erhaltnes Weibchen, fing ih am 11.
Auguft an dem Kalkberge, der die Solfatara bey Puzzuoli von
Süden her begrenzt. Da Alveolus bey ung nur im Frühling '
fliegt — daß er von Gofta nicht erwähnt wird, bat nichts zu
bedeuten — fo hat die Erfcheinungszeit meines’ neapolitanifchen
Exemplars etwag ſehr Auffallendes. Es ift aber auch eigen
gezeichnet und gefärbt; ich vermuthe daher eine eigne Art. Da
ich aber nur dies eine Exemplar beſitze, das obendrein weiblich
ift, fo Eann ic nichts weiter thum als es als fraglichen Alveo-
lus einzureihen und feine Abweichungen genau aufzuzeichnen.
Es ift etwas größer als die hiefigen Weibchen. Taſter weiß,
gegen die Spitze gelblich, oben auf und an der Spike ſchwarz;
die reihlihen, [hwarzen, eingemifchten Borften des
Alveolus fehlen gänzlich. "Die "Vorderflügel find beträchtlich
fpiger und mit anders geftaltetem SHınterrande; bey Alveolus
bildet er nehmlidy einen. nach außen fanft converen Bogen; bey
meinem fraglichen Exemplar hat er feine größte Convexitaͤt unter
der Mitte und geht in einer faft geraden Linie zum Vorderrande.
Die ſechs ſchwarzen Striche auf den weniger. rein. weißen Fran—
zen ftehen auf gleicher Stelle, find aber breiter und erweitern
ſich auswärts, ſchließen alfo fchmälere und an der Bafıs
erweiterte weißliche Striche ein. Der feine ſchwarze Strich auf
den Franzen gegen den Innenwinkel bin, den. Alveolus nicht
immer befist, fehlt bier. Ebenfo ift es auf der Unterfeite. . Die
Hinterflügelfranzen haben nichts: Ungewöhnliches. außer: der, un.
teinen weißen Farbe. Die Grundfarbe der Oberfeite iſt das
289
geroöhnlihe Schwarz, mehr braun als gewöhnlich, “übrigens
aber mit gelben Schuppen gegen die Baſis betreut. Ebenfo
ftehen auch die weißen Puncte; fie find aber Außerft Elein, und
der auf der Querader ift nur durdy mweißlidye Staubchen ange—
deutet. Die Reihe weißer, verlofchener Fledichen vor dem Hin:
terrande fehlt auf beiderley Flügeln gänzlich. Auf den Hin:
terflügeln ift nur der Mittelfled groß und in gelblichweißer
Zarbe vorhanden; die Nebenflede beym Alveolus gegen den
BVorderrand hin fehlen wieder, aber gegen den Innenrand zu
liegt hinter: dem .erften Aft der Medianader ein: meikliches
Wiſchchen.
Auf der Unterſeite der Vorderfluͤgel ſind die weißen Flecke
wieder fehr klein. Die hellen Adern und Striche vor dem
Hinterrande und in der Flügelfpige fehlen durchaus, und die
Grundfarbe längs des Vorderrandes ift mehr gelb verftaubt.
Auf den Hinterflügeln ift die braune Grundfarbe mit reichs
lihem, tothgelbem Staube, wie ihn mandyer hieſige Alveolus
befist, verdeckt; die Adern treten in diefer Farbe ftarf hervor;
aber die weißen Slede, die bey Alveolus fo. fcharf find, haben
ein fehr verlofchenes und gelbliches Anfehen. In dem Winkel
des erſten Aftes der Subcoftalader liegt ein großer. runder
led, wie ihn Alveolus felten zeigt. Der Punct in der Ga—
bel der Subcoftalader unter der halben Binde fehlt; die Hin—
terrandflede find klein, undeutlich und ohne dunkle Einfaffung.
Don der Bafis zieht fih ein fehr breiter weißlicher Streif
bis in die Gegend des Hinterwinfels, und die weißen Slede, die
unter der Medianader liegen, verfliegen in feinen Rand.
Vorderhüften ganz weiß. Bruſt und Schenkel gelblich weiß.
Hinterleib, an der Seite gelblihweiß mit der voftgelben Längs-
linie des Alveolus; Bauch weiß. Fühler mit rothbraunem Filed
an der Spige, wodurch fid die neapolitanifche Art als ver-
mandt mit Alveolus, Fritillum und Carthami ausweiſt. Es ift
möglich, daß fie eine von den Ramburſchen Arten ift (Bois—
duval Snder ©. 36.), die fih an den Genitalien unterfchei-
den follen. Da ich diefe Theile an lebenden Eremplaren noch
nit unterfucht habe, fo made ih nur auf Folgendes auf:
merffam.
Der Vorderrand der Vorderflügel hat eine fehr deutliche Falte,
unter melcher eine eigne Beſchuppung verborgen ift, bey den
Männden von Alveolus, Fritillum und Carthami.
Ihre Fühlerfeule hat (auch bey den Meibchen) einen braun
vothen Fleck. An der Hinterbruft, hinter der Bafis der Hin:
terbeine, finden fich zwen ziemlich lange, ſchmale, lanzettfoͤrmige,
< behaarte Anhängfel, die parallel mit einander nad) hinten ſtehen
und einen laͤnglich runden, eigenthuͤmlich beſchuppten, vertieften
Fleck der Hinterleibsbaſis verdecken.
ten reichlich und lang behaart; die Hinterſchiene hat an der
Baſis etwas auswaͤrts eine ſehr lange, vielleicht aus 100 Haa⸗
ten beſtehende, ausgeſperrte Flocke, deren meiſte Haare länger-
find als das ganze Schienbein; fie find an der Baſis rothgelb,
übrigens ſchwärzlich. Diefe Flocke fehlt nebft den Anhängfeln
der Bruft beym Weibchen: — Bon den Ausländern haben
Syrichtus (Encyel. IX, 785.) und eine ihm ähnliche Art
durchaus diefelbe Befchaffenheit. — Hesp. Proto hat den
braunrotben Fleck der Fühlerfpige und beym Männchen den.
Umfchlag des Vorderrandes; dieſer ift aber fchmaler und fcheint
Eeine abweichenden Schuppen zu verbergen; die Hinterfchienen
haben Eeine Flode und die Hinterbruft feine Anhängfel. — Ben
Sertorius ijt die Flügelfpige mit einem tieffhmwarzen Fleck
gezeichnet ; das Männchen hat weder den Umfchlag, noch die
is 1847, Heft 4.
|
Der Hinterſchenkel ift un:.
290
Flocke, noch das Anhängfel, fondern für das letztere eine ab
wärts gebogene Haarflode. Bon Orbifer bejis. ich zwar
fein Männchen, zweifle aber nicht, daß es mit Sertorius über:
einftimme.
Die Betrahtung folder Merkmale möchte ſowohl für die
Gruppirung wie für die Unterfcheidung der Arten felbft erfprießs
li feyn.
Noch bemerke ich nachträglich, daß meine zwey Fleinafiatifchen
Alveolus ſich von dem einheimifchen gar nicht unterfcheiden,
und. daß nur die Vorderfluͤgelflecke des einen etwas gelblicyer
ſind.
56. (5.) Fritillum.
Var. b) 'fem. alarum anteriorum punetis albidis, quae
dorso 'propiora sunt, minutis subnullis. (sp. Aetn.)
Var. €) alis (maris omnibus 'supra cinerascentibus,
fem, nigricantibus) punctis albis distinctis.
Ein Eremplar, das nad dem Bau der Flügel und Hinter:
beine ein Weibchen ift, aber einen fehr dünnen männlichen Hin=
terleib hat, fing ih am 30. Juny oberhalb der Maldregion
des Yetna auf einer Pötentilla, die dort rafenartig in der Afche
wähft und aud den Blüthen ‚nach der Pot. subacaulis fehr
ähnlich fieht. Da Fritillum bey uns erft im Auguft und Sep:
tember fliegt, fo hat die Flugzeit am Aetna etwas Befremden⸗
des, das noc dadurch. vermehrt wird, daß der Schmetterling
fhon ſtark verflogen ift.
Größe eines Eleinern Weibchens, Flügelbau derfelbe. Vor—
derflügel auf den Franzen mit ziemlidy ſchmalen ſchwarzen Stri⸗
hen, wie fie aber auch an hiefigen Eremplaren nicht felten find.
Die weißen Flecke zmwifchen den Xeften der Medianader find fehr
Elein, verlofhen und kaum zu erkennen; die andern find auch
ungewöhnlich Flein, aber ganz’ deutlich, Auf der Unterfeite find
alle, nur nicht fo deutlich begrenzt, ſichtbar. " Hinterflügel auf
der DOberfeite mit ziemlich ſichtbarer doppelter: Fleckenreihe; die
äußere befteht aus Eleinen runden Fleckchen und ift heller als
die innere, - Auf der Unterfeite ift die Grundfarbe brauner; die
Flecke ohne allen Unterfchied; nur der gelbbraune Raum, der
von zwey weißen Sleden und den beiden erjten Aeften der Sub—
coftalader eingefchtoffen wird, hat eine verfchiedene Lage; er ruht
nehmlich bey unferem tinheimifchen Fritillum auf der Subco:
ftalader , ſehr wenig auf dem zwenten Afte derfelben, und bildet
ein ziemlich fenfrecht ftehendes Viereck; beh dem ätnaifchen Weib»
hen fteht die größere Hälfte feiner Baſis auf dem Afte der
Subcoftalader, und das Viered neigt ſich mit feiner Spitze ein⸗
waͤrts, und feine äußere Seite iff concav. Die Taſter fehlen.
Sch fehe in diefem Allen nur eine Varietaͤt (6.)
Unzweifelhafte Eremplare von Fritillum fand ich bey Capua
am 22. Auguft auf der großen Fläche füdlich der Feſtung, bey
Rom in der Campagna füdli der Stadt am 26. Aug., bey
Narni am 4. September auf einem Brachfelde, und bey Zrieft
am Karft zwiſchen den Eichen am 14. Septbr. Alte gehören
zu den Eleinern Cremplaren, und die Männchen haben auf der
ganzen Oberfeite eine fehr reichliche hellgraue Beftäubung; auch
die Haare der Stirn, des Thorar und des Hinterleibes find
heller grau, die Zafter weißer ald gewöhnlich; die weißen Flecke
der Dberfeite der Vorderflügel find nicht verfchieden. Die Hin:
terflügel haben auf der Unterfeite eine bläffere und mehr ocher—
geibliche Grundfarbe. Der oben bezeichnete Fleck auf der Sub—
coftalader hängt ben allen Eremplaren auswärts; von der Ba-
fig geht längs des Innenrandes ein breiter weißlicher Streif. —
19
291
Die Weibchen: fehen hieſigen Eleinen Eremplaren aͤußerſt ahnlich,
nur daß fie auf den Hinterfluͤgeln die oben erwähnte Auszeich—
nung, haben,. und. eine dunflere Grundfarbe und Flecke von
teinerem Weiß.
Die in Krain am 16. Septbr, bey Adelsberg und in Steyer⸗
mark am 19. Septbr. bey Feiſtritz gefangenen Männdyen haben
zwar noch diefelbe Kleinheit, aber nicht die hellgraue Beftäubung.
57. (6.) Sertorius.
Var. 5) mas., minor, antennarum clava badio-fusca,
alis posterioribus subtus distinetius venosis, ante
marginem punctis albis minutis,
Ein fehr Eleines Männchen (gefpannt: 94" breit, mein 1 Eeinfkes
Miener Männchen 11) fing ih am 28. Auguft «bey Rom
in der dürren Campagna gegen Süden: auf den Diftelflächen.
Die Fühlerkolbe. hat einen tief Eaftanienbraunen Fleck an der
Stelle des fonftigen tieffehwarzen. Auf der Oberfeite ift die
Grundfarbe matt ſchwarz. Auf der Unterfeite der Vorderflügel
haben die ſchwaͤrzlichen Franzenftrihe nicht die tiefihmwarzen
Duerftrihe an ihrer Spige, ‚obgleich die. Franzen völlig unbe—
ſchaͤdigt ſind; die weiße Punctreihe vor dem Hinterrande befteht
aus deutlichen, ſehr Eleinen Puncten, Die Hinterflügel auf
der Unterfeite bläffer mit gelblichen deutlichen Adern; die Flecke
vor dem Nande find alle fehr Elein, und der im Vorderwinkel
fällt durch feine Kleinheit befonders auf. Wie beym gemöhn-
lihen Sertorius find die Innenrandfranzen roͤthlich und die
Hinterfchienenhaare gelb. Etwas Anders als Varietät ift diefes
Eremplar beftimmt nicht.
58. (7.) Pumilio Hffgg. Ochsenh.
Hesp. Nostradamus Duponchel. Hist. nat. des Lepid. 1.
255. (pl. 41. fig. 4—6.)
Antennis brevibus clava brevi, alis fuscis, anterioribus fem.
serie punctorum flavescentium instructis, posterioribus ma-
ris squamoso-pilosis, omnibus subtus obsolete cano-pun-
ctatis.
Auf diefen Falter paßt weder die Befchreibung von H. pyg-
maeus Faabr. Entom. syst. 3, 1. 354. noch die von H. ‚Nostra-
damus Fabr. E. s. 3, 1. 328. und es fcheint mir daher ficherer,
die Hoffmannseggifche Benennung benzubehalten, bis nach=
gewiefen ift, daß der Nostradamus, den Desfontaines aus
der Berbereg mitgebracht und Fabricius befchrieben hat, wirk—
lich unfer Falter ift. Einſtweilen koͤnnen die roſtfarbige Fühler:
£olbe (antennarum. clava ferruginea) und: auf den Vorderfluͤgeln
die ausgerandeten Slede (fascia e maculis emarginatis) des No-
stradamus, nicht. wohl als unferem Pumilio angehörig betrachtet
werden,
Ochſenheimers Befchreibung ift zur Unterſcheidung unferer
Art von verwandten erotifchen ganz unbrauchbar; ich gebe daher
eine neue.
Größe etwas über H. linea, wie ein Eleines Commamännchen.
Kopf fehr di, breit-und. hervorftehend, die braungrauen Kopf:
haare bilden vorn an der Stirn eine fcharfe Querlinie, und am
Untergeficht noch eine zweyte; Ober: und Hinterrand. der Augen
gelb. Zafter did, Furz, unten weiß, nach vorn.und oben braun=
grau; die Haare am Ende des zweyten Gliedes gerade abge—
ſchnitten und zu jeder Seite in zwey furze Spischen, auslaus
fend; als ein drittes Spischen fteht in der Mitte, das Endglied
Nr |
hervor. Fühler fehr Elein, ‚wohl die Eleinften an einem: euros.
päifhen Zagfalter, Eürzer als der Rüdenfchild, fehr dünn, braun
und weißlich geringelt, ‚mit kurzer, eyfoͤrmiger obenauf ſchwarzer
Kolbe, die an der Spige unten einen brauncothen led hat. —
Ruͤckenſchild und Hinterleib obenauf braunhaarigz Bruſt und
Bauch weißgrau, Vorderhüften und Behaarung der Hinterfchenkel
und Hinterbruft weiß, Beine grau.
Slügelgeftalt wie bey H. comma, die Vorderflügel'aber breiter;
Grundfarbe dunkelbraun, beym Weibchen heller, am dunfelften
auf den innern drey Vierteln der Vorderflügel. "Das Männchen
ift auf der Dberfeite ohne Zeichnung; auf den Hinterflügeln
aber. von der Bafis aus in einem: beträchtlichen Raum, der fich
am weiteften gegen den Schwanzwinfel hin verlängert, mit lan—
gen, breiten, querliegenden Schuppen: bekleidet. © Das Weibchen
hat ſpaͤrliche, Eürzere, gewöhnliche Haare auf diefer Stelle, auf
den Vorderflügeln aber eine Querreihe von 8 hellen, ungleichen
Puncten in der Stellung wie Comma fem. ‚aber. viel Eleiner.
Der größte liegt: zwifchen den zwey erſten Aeſten der Medians
ader und ift vieredig; am verlofchenften find der 4, 5 und Ste
vom Vorderrande aus gerechnet.
Die Unterfeite,, bey ‘beiden Gefchlechtern gleih, braungrau;
die DVorderflügel am dunfelften auf der Innenrandhaͤlfte und
mit den Puncten der Oberfeite beym Weibchen, die jedoch hier
deutlicher find; das Männhen hat fie auh, nur 1—2 gegen
den Innenrand weniger. Auf den Hinterflügem, die am bell-
ften zwifchen dem Innenrande und dem erften Afte der Me—
dianader find, ftehen meift 4— 5 fehr verlofchene, helle, edige
Puncte in einer gebrochnen Duerreihe zwifchen den Aeſten der
Median = und Subeoftalader, fie find aber bisweilen’ fat un=
mer£bar.
Diefe Art ift gewiß an vielen Küften des mittelländifchen Mee-
res einheimifh; Corn “fand fie bey Smyrna. Nah Bois-
duvals Inder lebt fie in Dalmatien. Im Neapolitanijchen ent:
deckte man fie bey Neapel, Sorrent, Amalfi, Cofenza (Ey -
till, Cofta). Auf Sicitien wurde fie (nah Dupondel)
zuerft von Alerandre Levebvre bey Meffina, und dann
4. September auf der Infel Stromboli aufgefunden. Sch
felbft fing ein etwas verflognes Männchen am 6. Suny bey
Syracus an einem blumigen Rain beym Gapuzinerflofter; meh—
tere bey Meffina im July und Anfang Auguft am Gaftellaccio-
berge, an deffen Fuße fie die Blüthen von Scabiofen auffuchen;
ihr Flug ift der von H. comma. Sie ift um Meffina gar nicht
häufig. — Duponchel vermuthet eine doppelte Generation.
Da das zu Anfang Juny gefangene Männchen fchlecht iſt, die
im Suly gefangenen meift gut erhalten find, fo ift die zwey—
malige jährliche Crſcheinung erwieſen.
Boisduvals Hesp. Nostradamus (Icon. pl. 47. fig. 3
p. 244.) ift nach Abbildung und Befchreibung in vielen Dingen
fehr verfchieden von unferem Pumilio und daher im Sinder ©. 35.
386. als eigne Art Hesp, Aetna aufgeftellt, die in Sicilien im
Auguft fliegen fol. Das Männchen hat nah Boisduval im
Mittelfelde der Vorderflügel auf der Oberfeite einen eliptifchen,
ſchwarzen fammetartigen! Fleck, der: unferer Art ganz fehlt: —
Das Weibchen diefer Species, von welchem Bois d. bie Zeich-
nung der Hinterflügel, ganz verſchweigt, finden wir bey Freyer
Meue Beytr. V, Zaf. 417. Fig. 4. abgebildet... Es hat viel
weniger fpiße Vorderflügel als Pumilio fem., gelbere Puncte der
Vorderflügel und: eine braungelbe (Freyer ©. 57. roftgelbe)
Unterfeite, wo die Flecke fehr deutlich und in hellgelber Farbe
293
auf beiderley Flügeln zu fehen find. "Die Fühler find nad) der
Abbildung länger mit geftredter und zugeſpitzter Kolbe,
59. (8.) Silvanus.
Ein Männden, am 15. July in einem Gebirgsthale bey
Meffina, noch größer als ein gewöhnliches Weibchen, ſchon fehr
verflogen und wohl daher. in der Färbung ahweichend. ‚Die
gelben Staͤubchen gegen den Außenrand der Flügel fehlen meift
und laſſen den dunkelbraunen Grund ‚in. feiner eigentlichen Farbe
bervortreten. Daffelbe gilt von ‚der Unterfeite der Vorderfluͤgel.
Die Hinterflügel ſind braun, gelb beftäubt ‚mit, fehr auffallen
dem gelben Innenrandſtreif und. beutlichern, hellgelben Puncten.
Scienbeine faft ohne gelbe Schuppen. Die Fühlerkolbe.. hat
auf der Unterfeite an der Spige das ſchwarze, in Rothbraun
übergehende Fleckchen.
60. (9.) Comma.
Ein Männden von gewöhnlicher Größe, abgeflogen und ba:
ber biaßgelb und gegen die Hinterränder der Flügel braum, fing
ih am 5. Septbr. bey Tuligno unterwärts im Thale.
61. (10.) Lineola. _
Bey Syracus an: Aedern auf der ehemaligen Neapolis und
Acradina, vorzüglich an der Landſtraße nach Priolo; doch. auch
auf feuchtem Boden um den Anapo. Das erfte Männchen. fing
ih, am 29, April; «die Flugzeit reichte bis zur Mitte Juny.
Diefe füdlihen Falter zeigen gar feinen, Unterfchied von: den
nördlichen; wie diefe find fie etwas veraͤnderlich in dev Flügels
breite und dem ftärfern oder ſchwächern Hervortreten der ſchwar—
zen: Adern am Hinterrande der Fluͤgel. Dev Hinterrand iſt ges
wöhnlich etwas: breiter ſchwarz.
62. (11.) Actaeon.
Bey Syracus an den Feldern um den Anapo, vom 19. May
an bis in den Juny hinein nicht felten, alfo viel früher als in
unfern Gegenden (Iſis 1840. ©. 137.) Die Schmetterlinge
unterfcheiden ſich in nichts von den märkiſchen.
Atychia.
Folgende 3 Arten kommen nah. Cofta im Neapolitanifchen
vor: 1) Statices. Atych. micans Freyer, wovon einige
Eremplare auf dem Afpromonte gefangen wurden, wird von
Coſta für eine bloße DVarietät gehalten. 2), Globulariae
im July in Calabria ultra und bey. Nocera. 3) Ampelophaga
häufig am Gargano, bey Bari, Dtranto, wo fie jedoch. den
Meinbauer felten zu; einer, Klage zwingt. Ich fand in Sicilien
folgende, Arten.
63. (1.) Tenuicornis nov. sp.
Alis breviusculis, anterioribus viridi- coeruleis, posterioribus
fumatis; antennis acutis, maris longius. biseriato -pecti-
natis, fem. filiformibus apice attenuatis. &
An Arten fcheint diefes Genus nicht fo arm zu ſeyn, wie
wir es bey Treitſchke und Boisduval ſehen; die Arten
find bis jest ſchwer zu unterfcheiden gemwefen, und da die Merk:
male" der neu aufgeftellten ſich gewöhnlich bloß auf Farbe und
Größe bezogen, fo wurden. fie. wie billig nicht anerkannt. Die
Fühler gehören ohne Zweifel zu den ficherften Artmerfmalen;
ferner die Flügelbreite und vielleicht auch das Flügelgeäder.
At. pruni 3. B. hat die zwey erften Aeſte der Medianader faft
parallel, während fie bey At. statices erft auseinander und dann
294
nahe zufanımengehen. Bey der'Eleinafiatifchen At. 'obseura findet
die letztere Aderftellung noch in hoͤherem Grade ſtatt. Wahr—
ſcheinlich giebt es noch andere feſte und vielleicht leichter zu be⸗
obachtende Merkmale; ich bin aber nicht reich genug an Exem—
plaren aus verſchiedenen Gegenden, um dergleichen, und folglich
ſichere eigene Arten zu entdeden.
Von At. globulariae. befise ih nur 3 Männden, 2
Weibchen aus der Wiener Gegend. Ich muß bier auf. ihre
genauere Beziehung eingehen, damit ‚ich mit „meinen Siciliern
fiber verftanden werden Eann, Meine At. globulariae ift gleich
ben Eleinften biefigen Eremplaren von Statices (Vorderflügellänge
43 — 5). Bühler kaum 3" lang, die männlichen. gefämmt
mit zwey gedrängten Reihen Kammzaͤhne und dadurch did aug-
fehend, am Ende ſpitz; die weiblihen werden aus einer dünnen
Baſis allmählich die ‚und laufen dann ploͤtzlich fpis zu... Die
Vorderflügel find ſchmal, erweitern ſich wenig und laufen. jiem:
lich ſpitz zu; ihre Befhuppung iſt fein und dicht, und zwar
gelbgrün oder blaugrün (ein Männden) ober gruͤnblau (ein
Weibchen). Die Hinterflügel verfhmälern ſich ſchwach, doch
kennbar gegen den Vorderwinkel. x
Ein öfterreihifhes Maͤnnchen iſt ſicher ſpecifiſch . verfchieden.
Es ift viel größer, (Vorderflügellänge 64"), hat zater befchuppte
Vorderflügel,, die ſich fehr merklich, nach. hinten erweitern und
dann» mit, einem. fpißeren Vorderwinkel endigen; Hinterflügel
breiter. Fuͤhler faſt 4" lang, alfo verhältnigmäßig länger, mit
längern, aber duͤnnern Kammzähnen, daher im Ganzen. von
ſchmaͤchtigerem Anſehen. Taſter nod) Eürzer und dünner und
an der Baſis ohne Metallglanz.
Auf diefes Männchen fo wie die Eleinen von Mann und
Fiſcher v. NRöstlerft. erhaltenen Eremplare paßt Dchfen:
heim ers Beſchreibung ſehr "wenig, und Huͤbners Tafeln
habe ich nicht. zum Vergleich. Ich laſſe es alſo -unentſchieden,
ob das einzelne Maͤnnchen At. globulariae, und die kleinern
Exemplare Huͤbners Chloros find. Vielleicht läßt ſich dies
aber auch nicht aus Huͤbners Tafeln erweiſen, da in ihnen
feine Verſchiedenheiten gewoͤhnlich nicht ausgedruͤckt oder eher
verwirrt ſind.
Meine At. tenuicornis iſt etwas größer als meine At. globu-
lariae (Worderflügelläinge 5— 54"), das Weibchen etwas’ Elei-
ner als das Männchen. Flügel breiter und Fürzer; die vordern
am Vorderwinfel ein wenig fiumpfer, die hintern mit ftumpfem
gerundetem Vorderwinkel. Lestere find einfarbig” rauchbraun,
die erftern grünlichblau , nicht wöllig dicht "befehuppt. Die Füh-
ler über 34’ lang, alfo etwas länger, beym Männchen dop⸗
pelt gekaͤmmt und dadurch dick ausfehend wie bey Globulariae
mas., doch weniger allmählich zugefpist; beym Weibchen find fie
völlig fadenförmig, hinter der Mitte gar nicht ver—
dickt, mit allmählich geſpitztem Ende. Ihr Schaft, fo mie
Stirn, Scheitel und Vordertheil des Ruͤckens fehr fhön glaͤn⸗
zend gruͤnblau. Taſter ein wenig länger als bey At. globula-
riae, an der Bafis auswärts metallglänzend ‚blau.
Diefe Urt fing ich nebft der folgenden: bey Syracus an den
Kalkhöhen der ehemaligen großen Stadt, fpärli an Blumen
im Mayı "Ein ganz abgeflognes Weibchen: erhielt ich am 11.
Juny im Thale von Ispica. Der Flug iſt wie von At. statices.
64. (2.) Notata nov. sp.
Alis anterioribus viridi- coeruleis., subobtusis , postice dilata-
tis, fem. breviuseulis; posterioribus fumatis, plica longi-
295
tudinali coeruleo-squamata; antennis aculis, maris bre-
vius biseriato-peetinatis, fem. longioribus filiformibus apice
attenuatis.
Var. 5) alis anterioribus viridibus (fem.)
Das Männdyen unterfcheidet fich von der. vorigen Art, fehr
auffallend; es hat die Größe einer großen Statices. Die Vor:
berflügel 7’ lang, find an der Baſis ſchmal, erweitern fich
dann fehr und runden fih am Vorderwinkel ab; die breiten und
ffumpfen Hinterflügel find rauhbraun und auf der Falte, bie
ſich vor dem Hinterwinfel ausfpannt, auswärts zart blau bes
fhuppt, am meiften am Hinterrande. Die Fühler, über 44
lang, erfcheinen mit angelegten Kammzähnen faft fo, duͤnn mie
weibliche Fühler, und diefes begruͤndet den Unterfchied am ficher-
fen; die Zähne ftehen weitläuftiger und find Fürzer und duͤnner.
Sn der Farbe ift Eein erheblicher Unterfchied. Dieſes Eremplar
nähert fih dem oben befprodjenen öfterreichifhen, von meiner
At, globulariae verfchiedenen Männchen, ift aber beftimmt davon
verfchieden. Die Vorderflügel find, viel beträchtlicher nad) ‚hinten
erweitert und an der Spitze viel mehr abgerundet; daß die Grunds
farbe verfchieden ift, hier glänzend gruͤnblau, bey dem öfterreicher
matt graugrün, gegen die Baſis bläulich, möchte wenig Gewicht
binfichtlich der Artrechte haben. Die Hinterflügel find bey dem
legtern Cremplare weniger ftumpf und etwas geftrediter und
auf der Falte kaum etwas grünlichgrau; boch zeigen ſich am
Rande daneben einzelne grüne" Schuͤppchen. Die Zafter find
etwas länger und dider. Die Fühler haben längere, gedräng-
tere Kammzähne, koͤnnen alſo nad) Anlegung derfelben durchaus
nicht fo ſchlank ausfehen wie bey dem Syracufaner, Im Adern:
verlauf bemerke ich Eeine Verfchiedenheit.
As Weibchen zu dem Spracufifchen Männchen betrachte ich
drey Exemplare, vom 21. umd 24. April und vom 6. May.
Sie haben längere und noch etwas dünnere Fühler als At.
tenuicornis; fie verhalten ſich in der Länge zu den Vorderfluͤ—
geln faft wie 4:5 und haben eine viel länger verdünnte Spitze.
Die Vorderflügel find noch etwas breiter mit convererem Hins
terrande. Das Gruͤnblau ift daſſelbe; nur bey dem am 21.
April bey Negenmwetter gefangenen Weibchen ift es ohne Blau
und mehr gelbgrün (V..6.). Die: Hinterflügel find auf der
Falte gegen den Hinterrand ziemlich matt grünfchuppig.
Es fcheint, als ob diefe Urt regelmäßig früher fliegt als die
vorige; ihr Flugort find aber auch die fonnigen Kalkhöhen des
ehemaligen Spracus.
Als Nahrungspflanze wird ſich wohl Rumex bucephalophorus
ausweiſen; Ölobularien wachfen, fo viel ich weiß, dort nicht.
65. (3.) Statices?
Zwey mit den Händen gefangene und faft ganz asgemifcht,
und auf eine Nabel geftedte Männchen erhielt ich nach ‚meiner
Ruͤckkehr nach Meffina, wo fie an den Höhen von Gravibdelli
als Käfer gefammelt worden waren. Hoͤchſt wahrſcheinlich find
fie feine At. statices; aber einen neuen Namen mag ich dafür
nicht aufftellen. Site haben eine Größe, mie fie felten eine At.
statices ben ung erreicht, und die noch mehr auffallen müßte,
wenn die Franzen nicht gänzlich fehlten ( Vorbderflügellänge etwas
über 6), Die Fuͤhler ſind ſtumpf, etwas länger (42) mit
dichteren und etwas laͤngeren Kammzaͤhnen, daher dicker aus—
ſehend. Taſter und Adernlauf nicht verſchieden. Die Vorder—
fluͤgel blaugruͤn oder gruͤn, an der Baſis breiter, nach hinten
erweitert. Hinterflügel am ganzen Innenrande bis über die
296
Falte hinaus reichlich blaugruͤn beſchuppt. Hinterleib an der
Wurzelhaͤlfte ſtahlblau, hinten blaugruͤn.
Zygaena.
Coftas Kenntniß der Zygaͤnen feines Waterlandes ift eine
fehr oberflählihe, auf Boisduvals Monographie fehr ſchwach
gegründete. Er fchreibt daraus die Diagnofen und eine Menge
Gitate ab.
Von feinen 14 Arten bedürfen die Namen mehrere Berich⸗
tigungen. 1) Erythrus jin Galabrien und Zerra di Lavoro,
auf dem Afpromonte, den Monti Zifati und bey Capua im
Suly und Auguft. Gofta zieht Erythrus Ochsenh. und Bois-
duvals Monogr. hierher, und doch find beide fehr verfchieden,
und zwar ift Boisd. Erythrus = Zyg. Polygalae Esp. (Mi-
nos var.?). 2) Minos (dem Citat aus Boisd. zufolge ift
es Erythrus) fol im July und Auguft fliegen, worüber man
meine Bemerkungen zu Erythrus fehe. 3) Punctum bey Ga=
pua auf dem Monte ©, Nicola und in Sicilien; Imag wohl
Zyg. eontaminei .feyn, obgleich die Diagnofen von Z. punctum
aus Boisd. abgefchrieben und Boisduvals Figur der Z.
punctum citirt ift. 4) Meliloti; die Raupe foll in Galabrien
auf dem Klee (sul’trifolio) leben. 5) Trifolii im Principato
eitra, Galabrien ꝛc. Diagnofe und Gitate find abgefchrieben.
6) Looki um Salerno, Neapel ıc. „Bey uns giebt
es eine Varietaͤt mit fehr Eleinen Flecken und vereinigten Wur-
zelflecken der Vorderfluͤgel. Die Hinterfluͤgel haben einen Elei=
nen rothen led im der Mitte; bey manchen reducirt er ſich
auf ein Fleckchen und bey andern verfchwindet er ganz.” [Was
er damit mepnt, ift mir völlig unklar]). Diefe legte Warietät
fand Cofta bey Gamaldoli. 7) Filipendulae. „Bey uns
weniger häufig als anderswo in Europa.“ [Hier mepnt er
vielleiht Zyg. Ochsenheimeril. 8) Transalpina Boisduv.
Monogr. um Capua, Zarent, in Bafilicata [2]. 9) Charon
Bdv. Monogr. auf dem Afptomonte.. 10) Angelicae B.
Monogr. am Monte ©, Angelo. 11) Stoechadis nit
felten im Neapolitanifchen mit einer VBarietät alis anticis macu-
lis quinque aurantiacis, alis posticis disco vix aurantiace macu-
latis aus Calabria ultra, den beiten Prinsipati, aus der Gegend
von Neapel und von den Bergen von Gaftellamare, fliegt im
Suny und July. Die Zahl der Flecke ändert ab, 5—6.
12) Occitanica. ‚Der wichtigfte Character, welcher diefe
Art von der Onobrychis unterfcheiden läßt, befteht in dem
tothen Ning des Hinterleibs. 13) Lavandulae „An
unferen Eyemplaren find die Vorderflügel gegen die Spiße etwas
himmelblaͤulich (cerulescenti), die Hinterflügel violettlich oder
fornblumenblau (cianee); ebenfo auf der Unterfeite, und auch
die Fühler haben einen bläulichen Schimmer. “Der rothe Fled
der Unterfeite der Hinterflügel ift aͤſig. 14) Onobrychis
um Salerno und anderwärts.
Ich habe nur 4 Arten angetroffen.
66. (1.) Erythrus.
Die Größe ift fehr veränderlich; genäht weit über, aber
in einzelnen männlichen und weiblichen Exemplaren noch unter
der einer größern Zs minos. Soweit mir die leßtere befannt ift,
giebt es ein Merkmal, woran Z. eryihrus fogleich erfannt wird;
dies ift auf den Vorderflügeln der ftarke rothe, von der. Baſis
ausgehende Wifch am Innenrande (Vergl. Iſis 1840. ©. 138.
var. f: — Dagegen gehört var. g., die ich irrig für öftreichifch
ausgab, zu Z. erythrus; ic) erhielt fie mit andern Schmetter-
/
297
lingen von Dr. Heeger ohne Angabe des Vaterlandes.) Shre
Artrechte erweifen ſich aber 1) durch die Fühler, die an der
Spige abgerundet find, ftatt wie bey Z. Minos in eine Spitze
zu endigen; 2) durch die anfehnlichere Breite und Abftumpfung
der Vorderflügel, und 3) duch die Färbung der Vorderflügel
und des Thorax beym Weibchen.
Ochſenheimer ſagt, der männliche Rüden fey mit einzel:
nen, weißgesuen Haaren befeßt. Dieſe exiſtiren an feinem von
mir gefangenen ‚Eremplar, Die Farbe der Borderflügelflede
und die der Flügel nennt er mennigroth (miniaceis), während
er fie bey Z. Minos bloß blutroth nennt (sanguineis). Diefer
Unterfchied kann nur von manchen geflogenen oder durch Wegen
veränderten Männchen der Z. Erythrus gelten; bey den Weib—
hen ift das Roth auf den Vorderflügeln allerdings etwas erhöht,
aber bis zu Zinnoberroth, Eeineswegs bis Mennigroth. Nur
felten ift, wie DO chfenheimer ald Regel angibt, der aus der
Wurzel entfpringende Borderrandfled fo lang wie der darunter
liegende aus Fled 2 und 4 gebildete; er iſt meift viel: kürzer
als diefer und feinſpitzig. Die weibliche Flügelfarbung beſchreibt
Ochſenheimer nit genügend. \
Boisduval hielt unſere Zygaͤne erft für Z. Minos (Mo-
nogr. S. 29) und bildete. das Weibchen nach einem ficilifchen
Eremplar Eenntlih ab. Im Anhange (Errata et Addenda)
ſchlug er für fie den Namen Zyg. Saportae vor. In den
lcones nahm er fie unter diefem Namen auf, fchrieb aber, daß
das Weibchen „manchmal eine gelbliche oder grünliche Grund—
farbe mit gelbem Schimmer habe,’ Alles diefes findet immer
Statt, und wenn er ung auf pl. 52 in fig.3 ein Männchen
als ein Weibchen abbildet, fo ift offenbar, daß er mit diefer Urt
noch immer ‚nicht im Neinen ift, obgleich er fie im Inder endlich
unter ihrem wahren Namen Z. Erythrus aufzählt. Seine beiden
Abbildungen der Zyg. Saportae pl. 52. fig. 2. 3. haben einen
ganz fchwarzhaarigen Thorax, gleiche Vorderflügelfarbe; nur hat
fig. 3_ breitere Flede und eine doppelt fo lange rothe Innen—
randftrieme und einen. ſehr verlängerten Vorderrandfleck.
Coſta folge in Allem: der Boisduval iſchen Monographie
und nennt die Art .Zyg. Minos (Lepid. crepusc. ©. 9)
Seine, Angaben über Aufenthalt, Raupe uſw. beziehen ſich auf
Z. Minos und find abgefchrieben,
Das Männden hat nur, felten eine ſchwarzblaue Grundfarbe
der Borderflügel; gewöhnlich iſt fie nur ſchwaͤrzlich mit etwas
blauem oder grünlihem Schimmer, am: feltenften fchwarzgrün.
Die aus Fled 2 und 4 gebildete Vitta ift am Ende ausgeran-
det und, füllt gemöhnlid) den Raum zwiſchen Median= und
Dorfalader nad) der Breite aus. Etwas felten bat fie unter=
märts eine feichte Einbuchtung, fo daß fie die Dorfalader überall
nicht berührt (Var..b). — Der aus 2, 5 und 6 gebildete Keil:
fleck ändert im Umfang ab. . Er füllt gewöhnlich die Mittel:
zelle mit Ausnahme des unterften Theils der Bafis ganz aus.
Ben Var. b ift. er; mindeftens auf. der obern, bisweilen aud)
auf der untern Seite eingebuchtet. — Noch feltener ift er fo
verengt, daß Fleck 3 deutlich zu erkennen und faft getrennt ift;
auch. die, beilförmige, Erweiterung (Fleck 5 und 6) reicht weder
ſo weit, wie bey Var. a und.b gegen unten, noch gegen außen
(Var. c). Es zeigt ſich alſo hier ‚eine ähnliche Verringerung
des: Rothen wie bey Z. Minos. Ein Eremplar, das fonft wie
Var. a iſt, ‚hat über der Querader ein rothes Längsftrichelchen
auf beiden Flügeln (Var. d).
Auf. den. Hinterflügeln ändert die Spitze in geringerer oder
beträchtlicherer Breite des Schwärzlichen; beym Meibchen ift fie
Iſis 1847, Heft 4.
298
ſchmaͤler als beym Maͤnnchen und es bat fehr felten etwas
Schwärzlihes an der Mitte des Hinterrandes.
Das Weibhen har von der Bafis aus dünnere Fühler,
Seine Borderflügel haben einen helleren Grund als die des
Maͤnnchens, und er iſt gegen den Mittelraum zu immer ftärfer
gelblich beſtaͤubt, wodurch fie ein grünliches Anfehen erhalten.
De rothen Flecke reihen weiter gegen den Hinterrand, und die
fie einfaffenden oder trennenden Langsadern find am hellften und
etwas glänzend gelblich. Die Fluͤgelbaſis ift gelblich, fo wie der
anitoßende Außenrand der Schulterdede.
Die Raupe wird von Boisduval in den Chenilles d’Eu-
xope. Zygenides. t.3. ig. 1—3 in zwey Varietäten nebft
dem Cocun auf einem Mannstreublatt abgebildet und fo be—
fhrieben: „FJ größer als die Raupe von Zyg. filipendulae,
grün, mehr oder weniger bereift und mehr oder weniger intenfiv,
mit etwas helleren Einfchnitten. Auf dem Rüden 2 Reihen
ſchwarzer, einzeln am Anfang der Ringe firhender Puncte.
Unter diefer Reihe folgt eine Reihe erhabener gelber Puncte, die
einzeln am. Ende jedes Ninges ftehen, außer den 3 erſten und
den. 2 lesten Ringen, die oft feine Puncte haben. Luftloͤcher
ſchwarz mit Wulfttand und vertiefter Mitte. Dabey ift der
Körper mit kleinen Buͤſcheln gelblicweißer Sternhaare verfehen.
Bauch bläffer als die Grundfarbe fowie die Bauchfuͤße; Krallen:
füße und Bauch ſchwarz. Ihre Haare find länger und ftarrer
als ‚bey andern. Arten. — Sie lebt im Fruͤhjahr auf Manns:
treu, Eryngium campestre. Ausgewachſen ſpinnt fie ein fpin=
delformiges Gehäufe entweder an die Nahrungspflanze oder an
benadybarte Stengel.» Nah 14 Zagen Erieht der Schmetter-
ling aus.“
Die Art lebt in der Provence (bey Saint: Marimin und
Hyeres: Bdv.), Calabrien (Bdv.) und Sicilien (Dahl fand
fie wahrſcheinlich bey Palermo). Ich ſe bſt fand fie.bey Syracus
und am Mege von: dort bis nach Spaccaforno auf Kalkboden.
Shre Flugzeit begann am 17. May, an welchem Tage ic) bey
Syracus in der Mühe: des Capucinerkloftere 2 Männchen fieng;
am 20. May waren die Männchen bier noch nicht häufig; die
Weibchen noch fehr einzeln; ich brachte den ganzen Nachmittag
nur 20 Eremplare diefer Art zufammen. Am 21. Map waren
die Maͤnnchen mit einem Male häufig und zum Theil fchon
verflogen; ich fammelte über 60 Stud. Im den folgenden
Tagen wurden die Meibchen zahlreicher; doc gab e8 am 24.
Mat noch eine bey weitem überwiegende Zahl von Männchen.
Es war alfo nöthig, anf das Einfammeln einer genügenden
Zahl von Eremplaren viel Zeit zu verwenden, An der Stelle,
wo id) die meiften fammelte, gab es Eryngium campestre in
ziemlicher Menge ; doch Eonnte ich weder Raupen, noch Puppen,
noch Fraß an den Blättern bemerken, weßhalb ich vermuthe,
dak die Raupe, wenn ja das Eryngium, doch noch mehr andre
Pflanzen frißt. Die Schmetterlinge flogen“ in und zwiſchen
Getreidefeldern und festen fih nur auf Bluͤthen von Scabiofen
(id glaube, es war Scabiosa arvensis) zum Saugen. Bey
der großen Dige und dem unbemwölften Himmel waren fie ſcheu
und merften «meine Annäherung. leicht. Am mühelofeften war
der Fang in den fpütern Nachmittagsftunden, wo fie ſich theils
auf die Bluͤthen, theils an die Blüthenftiele zum Schlafen
festen. Mehrere begattete Paare fafen an den Weizenähren.
Auch ſuͤdlich von Spracus waren MWeizenfelder der Wohnort
unferer Zygaͤne. Ein mit Zyg. Ochsenheimeri begattetes
Maͤnnchen fieng ih am 28. May. Als die Scabiofen verblüht
waren; gegen die Mitte des Juny, flogen die abgeftäubten,
19*
299
durftigen Weibchen auch an hohe rothblühende Difteln, und hier
waren fie oft in Menge verfammelt und mit den Fingern zu
greifen. Ihr Flug und fonftiges Betragen iſt ganz dem der
Zyg. Minos glei. Die gefangenen Eremplare gaben mit
veichliche Gelegenheit zur Vermwunderung und zum Verdruß über
ihre Lebenszaͤhigkeit. Hatte ich ihren Thorar auch noch fo fehr
zuſammengedruͤckt, ſo erholten fie fich doch gewöhnlich fo weit,
daß fie mit ihren Vorderbeinen alles, was fie erreichen Eonnten,
zu ergreifen fuchten und, wenn e8 Schmetterlinge waren, ihnen
an der erreichbaren Stelle die Schuppen vollftändig abkratzten.
Fir Syracus und die füblicher liegenden Gedenden ift alfo das
Enddrittel des May und die erften Tage des Juny als bie
eigentliche Flugzeit anzunehmen.
67. (2.) Contaminei.
Boisduval lcones II. pag. 48. pl. 63. fig. 4. 5.
— Index pag. 51, 409. — Entomolog. Zeitung
1841. S. 118.
Diefe Art mag vielfach mit Zyg. punctum verwechfelt und
vermifcht worden ſeyn. Ich erhielt zwey fieilifche Eremplare
durch Herrn Heeger als Z. punetum, ein Männchen von bes
fonderer Größe als eine ficilifche Zyg. Pluto durch Hrn. Fi—
fher von Röslerftamm, und ein gewöhnliches Männchen
duch denfelben als Zyg. Heegeri Stentz, var. Punetum.“
Boisduval ift bemüht, diefe Zygaͤne von Zyg. Sarpedon
zu unterfcheiden, wozu ihn die Bemerkung, daß „oft auf dem
weiblichen Hinterleibe der Anfang eines vothen Bürteld vor—
komme‘, veranlaßt haben mag. Keins meiner Eremplare zeigt
davon die geringfte Spur, und ich vermuthe hier einen Serthum.
Der ausgezeichnete rothe Gürtel von Z. Sarpedon läßt beide
Arten als fehr verfchieden erkennen.
Bon Zyg. punetum unterfcheidet ſich unfere Urt durch fol⸗
gendes: 1) Sie ift in der Negel etwas, und bisweilen beträcht=
lich größer (mein größtes Exemplar gefpannt 1 2° breit, mein
größtes Männchen von Z. punctum ein wenig über 1, mein
Eleinftes Weibchen nur 10’ breit); 2) Der Nüdenfhild hat
viel weniger weiße Haare und nur am Vordertheile. Die von
mir gefangenen Männchen haben gar Eeine anderen Haare als
fhwarze oder braune, und nur ein paar ganz feifhe Weibchen
haben einen In der. Mitte getheilten weißlichen Kragen und
weißliche Spisen der Schulterdeden. Eben daffelbe findet aud)
an einem Männchen ſtatt, deffen Vaterland ich nicht kenne;
bey ber Varietaͤt Heegeri ift nur ber Kragen kaum £enntlic)
weißgrau; 3) die Vorderflügel find etwas Eürzer, ftumpfer und
breiter; 4) aufıdenfelben jift der Vorderrandfleck kurz (wie bey
Zyg. Sarpedon) und erreicht nie bie Höhe: des Punctes. Bey
Zyg. punetum reicht er weit über denfelben hinweg fund nicht
felten tiber die Querader hinaus; 5) der rothe Punct fteht nicht
in Verbindung mit dem großen Queraderfled, während bey
Zyg. punctum von ihm aus eine mehr ober toeniger breite und
vollftändige, Verbindungslinie hinuͤbergeht; auch veicht er bey
dieſer zugeſpitzt weiter gegen die Baſis hin; ber rothe Fleck
zwiſchen der Medianader und der Subdorſalader iſt ſtets auf
beiden Seiten in der Mitte verengt; bey Zyg. punctum iſt er
breiter, fat ohne Verengerung bistweilen im Zufammenhang mit
dem Dueraderfled.
Größe veraͤnderlich: Flügelfpannung von 11 — 14". Körper
ſchwarz, am Hinterleibe hinten etwas grün fchimmernd, nod)
mehr am Bauch. Die Behaarung auf dem Thorax ift oben
befprochen. Fühler Eeulenförmig verdidt, am Ende ein wenig
300
verduͤnnt und ziemlich ftumpf. Schenkel und Schienen der 4
Vorderbeine einmwärts gelblich, ebenfo die Hinterfchienen und der
Hinterfuß auf der innern Seite beym Weibchen.
Vorderflügel verdünnt, fehwarzgrünlich, beym Weibchen leb⸗
bafter grun und etwas glänzend; bey einigen Männchen mit
blaͤulichem Anftiih. Die Flecke find granatrothz der oberfte an
der Bafis iſt zugefpist und Eurz, wie oben angegeben; der lange
aus 2 und 4 zufammengefegte erreicht nie den erften Aſt der
Medianader, iſt an beiden Seiten verengt und am Ende zuge:
rundet und gut begrenzt; an der Bafis überdeckt er [die Sub:
dorfalader auf ihrem Wurzetviertel und veicht gewoͤhnlich bie
an den Innenrand. Der Fed 8 ift ein Tänglicy gerundeter,
zwifchen die, beiden Längsadern geflemmter Punct von wechfeln-
der Größe. Der Dueraderfled 5 ift groß, nach hinten erweitert,
am Iebhafteften roth auf der Querader; nad) hinten verdünnt
ficb fein Roth und verfließt endlich in die Grundfarbe; feine
Größe iſt veränderlih, unabhängig von der Geſchlechtsverſchie—
denheit. Franzen blaͤulich ſchwarz, auswärts gelbbräunlich.
Hinterflügel verdünnter roth als die Flecke der Vorberflügel,
blaufhmwarzfranzig.e Der Vorderwinkel ift fchmal ſchwarzgrau,
in beiden ‚Gefchlechtern von veränderlicher Breite, fo daß dieſe
Färbung bisweilen fid mit der unbedeutenden, fchmwarzgrauen
Stelle verbindet, welche fich vor den Franzen bey dem erften
Afte der Medianader ſtets bemerken laßt.
Auf der Unterfeite fcheinen die Flecke der Oberfeite in wenig
Be Umtiffen durch und find durch rothe Stäubchen ver-
unden.
As Varietaͤten find aufzuführen a) ein Männchen, 1 Meib-
chen, bey denen der lange Fleck in der Mitte fo verengt ift,
daß er bey oberflächlichem Anfehen in zwey aufgelöft erfcheint,
indem die beiden Theile nur auf der Medianader durch eine
£urze und dünne Linie zufammenhängen. Bey ihnen ift ber
Queraderfleck verhältnigmäßig Elein, und der ſchwaͤrzliche Rand
der Hinterflügel befonders breit. b) Ein Weibchen von faft
bläulicher Worderflügelfarbe, bey welchem die Xrennung in zwey
Flecke wirklich erfolgt iſt; der erfte ift Tanglich und hinten zus
gerundet, ber zweyte Tänglich eyfoͤrmig, nad) der Baſis zu ver
— und geſpitzt. Queraderfleck und Hinterflügelrand wie bey
ar. 4,
Als Var. e Eönnte Zyg. Contaminei Her rich⸗Schaͤffer
ſyſt. Bearb. Zygzenid. t. 1. fig. 1. gelten, wo der rothe Punct⸗
fle& ganz fehlt. Der Zon des Rothen zeigt aber, daß das
Driginal durd Feuchtigkeit, vieleicht beym Aufweichen, oder
durch andere Urfachen verdorben war und ein Drangeroth ftatt
des natürlichen Granatroths angenommen hatte, wobey wahr:
fheinlih der Punct ganz verfchwand oder fo ſchwer Eenntlic)
tourde, daß man ihn beym Abbilden uͤberſah.
Boisduval gibt die biäulihe Farbe als die eigentliche an,
und an dem Weibchen findet er eine düftere Färbung, was
alles, fowie der oben befprodhene Gürtel, ein Irrthum iſt.
Seine Abbildungen find nicht ſchoͤn, laffen aber die Art er-
Eennen.
Bon den wenigen um Spracus fliegenden Zygaͤnenarten ft
Z. Contaminei die am früheften erfcheinende. Schon am 24.
April fieng ich ein Eremplar, ein Weibchen. Ihre Entwidlung
muß in fehr ungleichen Zeiträumen erfolgen; denn ic) fand
gute und ſchlechte Eremplare den ganzen May hindurd) und
bis über die Mitte des Juny hinaus. Ihr Aufenthaltsort find
die Felder auf den Kalkhöhen, auf denen die alte große Stabt
ftand. Sie fliege vermifcht mit Zyg. Saportae, aber auch für
301
fi, und befucht am liebſten die Bluͤthen der dortigen Scabiofe.
Sie ift nicht häufig, umd felten traf ich zwey Exemplare nahe
bey einander, Ihr Flug hat nichts Befonderes.
Boisduval erhielt fie aus der Gegend von Bareges in
den Pyrenaͤen, wo fie im July [?] fliegen fol. Die Kefer-
fteinifhen Eremplare ftammen angeblih aus dem Gaucafus.
Dahl fieng die Art im weſtlichen Theile Siciliens,
68. (3.) Syracusia nov. sp.
‚Alis anterioribus obtusiuseulis nigro-viridibus, maculis
quinque minutis puniceis, posteriöribus rubris margine
lato ‚chalybeo.
Var. b) macula tertia punctiformi.
Var. c) macula tertia ‘venam 'subcostalem viridi - nigram
excedente.
Var. d) maculis 3-et 4 coalitis.
Nur mit geringem Vertrauen, eine ſichere Species neu auf—
zuftellen, trenne ich diefe Zygaͤne von Z. trifolii, der fie unbes
zweifelt ſehr nahe fteht. Mic) leitet dabey folgende Erwaͤgung.
Zyg. trifolii 'ift in der Menge des Nothen auf den Vorder:
flügeln veränderlich, fo daß die Flede bald Eleiner, bald größer
find "und zuweilen zufammenfließen. Die Menge des Rothen
auf den Hinterflügeln fleht damit in keinem Zufammenhange,
oder das Verhaͤltniß ift eher umgekehrt, indem diejenigen Exem⸗—
plate, die auf den Vorderflügeln kleine Flede haben, feinen breis
tern, ja wohl eher einen fehmäleren ftahldlauen Hinterflügelvand
zeigen als die mit großen und verfloffenen Fleden. Ebenſo ift
8 auch mit dem fchwarzen Fleck an der Hinterflügelbafis auf
beiden Seiten, der an ben yroßfledigen Cremplaren fich etwas
mehr ausbreitet"ald an den andern. — Bey Zyg. Syracusia,
die ſich durch Eleine Flecke der Vorderfluͤgel auszeichnet, findet
das Gegentheil Statt. Der ſchwarze Hinterflügelvand des
Maͤnnchens ift fo breit, wie ihn wenige Trifolii- Männchen
befigen, und der gleichfarbige Wurzelfleck ift fehr auffallend und
zieht fich in einem breiten Streifen am Innenrande herab big
an den Hinterrand, und der naͤchſt angrenzende Theil der Flü-
gelflaͤche iſt mit ſchwarzen Schuppen beſtreut. Wenn ſich diefer
Gegenſatz bey allen Exemplaren der Zyg. trifolii als ſtandhaft
bewährt (ich habe nur 16 Eremplare in der Sammlung, woruns
ter nur 2 Meibchen) fo find die Artrechte der Zyg. Syracusia
gefichert.
Mas beide Zygänen unterfcheidet, ift Folgendes: 1) die Flü-
gel von Z. Syracusia find nad) hinten etwas breiter und die
Spige abgerundeter; 2) die Flecke auf den Vorderflügeln find
bey ihr durchgängig Eleiner als bey’ Z. trifolii, und zwar iſt
der untere des Mittelpaars fo groß wie’ bey Eleinfledigen Exem—
plaren der Z. trifolii der obere zu feyn pflegt. Der obere ift
bey, Z. Syracusia bisweilen wie ein Punct (Var. b); er ifi
zwifchen die Median: und Subcoftalader eingeflemmt und daher
etwas Länglic rund, oder auch zugerundet; wenn er größer ift,
reicht er über die Subcoftalader, melde ſchwarz bleibt, hinweg
(Var. c); bey Z. trifolii ift die Subcoftalader an diefer Stelle
roth. Der untere Fled des Mittelpaares iſt transverfal, ge
rundet oder ſchwach ftumpfedig, am Außenrande öfters etwas
eingedrüct oder ausgerandet. Der fünfte Fleck ift fhräg gegen
die Slügelfpige gerichtet und Tanglich rund, Won den zwey
Wurzelflecken ift der untere nie länger als der obere, wohl aber
bisweilen kürzer. — 3) Auf den Hinterflügeln ift der ſchwarz⸗
blaue Rand beym Männchen der Z. Syracusia meift mer£lic)
breiter als bey Z. trifolii, beym Weibchen jener Art hat die
302
Gegend des Hinterwinkels nur einige ſchwarze Schüppchen, aber
keinen Rand; biefer beginnt erſt in einiger Entfernung davon
und erreicht wenig mehr als die Hälfte der Breite wie beym
Männchen. , An beiden Gefchlechtern fließt er 4) an dem erften
Aſte der Medianader zu einem Zahn aus. Bey Z. trifolii
—— er ſich bloß an dieſer Stelle, ohne eine Spitze zu
ilden.
Das Weibchen hat auf den kuͤrzern Vorderfluͤgeln groͤßere
Flecke als das Maͤnnchen, und die beiden Mittelflecke fliegen
bisweilen (Var. d) auf dee Medinnader zufammen, fo daß die
letstere an ihrer Färbung Theil nimmt. Auf der Unterfeite, wo
fih beym Männchen außer den Flecken nichts Rothes findet,
zeigt fich beym Weibchen zwifchen den Fleden ein tother Anflug
don mehr oder weniger Ausdehnung, der fich wenig über den
Sten Fleck hinauszieht und nur deffen untere Hälfte berührt.
An den Fühlen und Beinen habe ich zwifchen Z. Syracu-
sia und Z. trikolii Eeine Unterfchiede bemerkt. Z. Syracusia
ift bey Syracus die häufigfte Art, wenigfteng diejenige, die fich
am leichteften in Mehrzahl ſammeln läßt, da fie einen einge=
ſchraͤnkten Flugort hat und wenig ſcheu ift. Sie bewohnt die
fumpfigen Wiefen zwifchen der ehemaligen Neapolis und dem
geößern Hafen; desgleihen die Sumpfiviefen am Anfange der
Halbinfel Magniſi. Ihr Vetragen ift ganz das ihrer nächften
Verwandten, Z. trifolü; fie fegt ſich auf Diftelbtüthen zum
Saugen. Am 4. May fand ich das erjte, friſch ausgekrochene
Exemplar, und in den nächften Tagen Erochen mir viele aus;
im Steien fah ich die Art bis zum zweyten Drittel des Mo—
nats. Da ich fie für Zyg. trifolii hielt, am denen mir nur
die frühe Erſcheinungszeit auffiel (bey uns fliegt Zyg. trifolii
erft im July und Auguft), fo fammelte ich feine genügende
Zahl von Eremptaren.
Die Raupen fand ich auf einer Wieſe nicht felten, in welcher
Juncus acutus teihlih wuchs, an deffen Halmen fie gewoͤhn⸗
lich zur DVerpuppung in die Höhe fliegen, ganz wie die von
Zyg. trifolii, filipendulae ete., doch wählten fie auch andere
freie, duͤrre Pflanzenfpigen hierzu aus. Ihre Nahrung befteht
ohne Zweifel in niedrigen Pflanzen.
Die Raupe ift: blaßgelb mit ſchwarzem, blaßgelb geflecktem
Kopfe, 4 Reihen ſchwarzer Flecke; über der feitlichen Reihe ift
der Hinterrand der Ringe citronengelb.
Die Flecke der zwey oberften Reihen nehmen faft die Breite
eines Segments ein; fie find tieffchwarz, oben ausgerandet, mit
einem Fleck der Grundfarbe in der Mitte. In der Seitenreihe
hat jedes Segment zwey Flecke: einen nahe am Vorderrande,
einen am Hinterrande; der erftere if nad) unten in zwey Spigen
verlängert, die bisweilen als ein zufammenhängender Fleck von
ihm getrennt find ; der zweyte ift Eleiner, Länglich, oben ausge⸗
hoͤhlt; in der Aushoͤhlung liegt der citrongelbe Fleck des Hin-
terrandes, der bis an die. obere ſchwarze Fleckenreihe hinaufreicht.
Der Seitenwulft hat ein ſchwarzes Lüngsband. Das Afterfchild
iſt gefättigter gelb als die Grundfarbe ‚und hat vor dem Hin«
terrande eine ſchwarze Querlinie und vor derfelben rechts und
links einen ſchwarzen Punct, Die wie das Afterfchild gefaͤrb—
ten Hinterbeine haben an der Seite einen ſchwaͤrzlichen, oben
ausgerandeten Strich, Der Bauch trägt in der Mitte ein
graues Laͤngsband.
Das Cocon ift ziemlich ſchlank, faft vollfommen fpindelförmig,
nur am Kopfende ein menig fürzer und dicker, ftrohgelb mit.
Firnißglanz und mit unregelmäßigen, rippenartigen Erhöhungen
der Lünge nad, von denen mehrere die volle Länge des Ges
303
häufes haben, andere Fürzer find, und ſich mit jenen vereinigen,
ohne die Enden des Gehaͤuſes zu erreichen. Von einer geſto⸗
chenen Raupe ift dag Cocon leicht daran kenntlich, daß es Eleiner,
dünner, runzelig und biäffer if. Solche Cocons gibt es in
nicht unbeträchtliber Zahl. Die Wefpe, deren Namen id nod)
nicht Eenne, frißt ſich vor dem fpigeren Ende vermittelft eines
ziemlich feinen, laͤnglich runden Lochs heraus und erfcheint mit
den Schmetterlingen zu gleicher Zeit. — Die Puppenruhe kann
hoͤchſtens 14— 15 Tage dauern, Der Schmetterling öffnet das
Gehäufe, indem er es am Kopfende, wie andere nganen, in
drey Fetzen aufreißt; aus dem Loche dringt Die Puppe mit dem
Borderleibe hervor. -
Boisduvalg Leiftungen für die Kenntniß der Zygaͤnen find
fhon mehrmals ohne fonderliches Lob beſprochen worden, was
um ſo mehr in Verwunderung ſetzen muß, als Boisduval
dieſe Faltergattung ſogar monographiſch behandelt hat. Es bietet
ſich bier wieder eine Gelegenheit zu einer Rüge bar. Es ift
höchft wahrfcheinlich, daß feine Zyg- Charon Icon. pag. 61.
pl. 54. fig. 9 und Index pag. 52. 425 jnichts als meine Zyg.
Syracusia ift; fie hat in der Abbildung die ſchwarzgruͤne Farbe
der Vorderfluͤgel, die kleinen Flecke auf denſelben, kurz das
ganze Anſehen meiner Art. Dennoch kann ich ſie nicht mit
Beſtimmtheit hieherziehen und ihren Namen aufnehmen. Denn
1) nennt er die Flügel der Zyg. trifolii: alas subrotundatas,
die der. Zyg. Charon: plus lanceolees que celles du Zyg-
filipendulae; 2) gibt er ben Vorderflügeln un bleu fonce
luisant presque aussi intense que dans Lavandulae, wäh:
rend er fie in dee Diagnofe saturate cyaneas vel virescentes
nennt; 3) gibt er ander Bafis der Vorderflügel zwey Längliche,
gut getrennte Flede an, was zwar auf Zyg- Syracusia paffen
würde; allein in der Abbildung ift der untere Fleck faft nur
ein Strich, und auf dem linken Flügel länger als der obere
Fleck; 4) hat der ſchwarze, eigentlich ſtahlblaue Rand in der
Mitte nur eine Erweiterung ftatt eines feinfpisigen Zahns; 5)
nennt er die Kühler en massue allongee, ohne von der Spige
zu reden, die er auch als abgeftumpft abbilde. — Daß er
meine füdlihe Zygaͤne unter den Eremplaren der feinigen: hatte,
und daf manche der aufgeführten Abweihungen nur auf Rech⸗
nung der Oberflaͤchlichkeit kommen, iſt mir kaum zweifelhaft.
Er beſitzt, wie er angibt, Exemplare aus Barcelona, Toscana
und mehrern Gegenden Italiens. Daß diefe aber gar nicht
von feinen auf den piemontefifchen Alpen gefangenen Exempla⸗
ren abweichen ſollten, iſt mir nicht glaublich. — Uebrigens hat
der Name Charon etwas gegen ſich. Huͤbner bat eine Zys.
Charon, die Ochfenheimer zu feiner Zyg. Medicaginis,
Boisduval zu Zyg: Seabiosae ziehen will, deren Name
alfo nom nicht anderweitig verivendet werden darf.
69. (4.) Ochsenheimeri Zell.
Zyg. transalpina Ochsenh. 2, 60.
Unter dem Namen Zyg-. trausalpina werden nad und nad)
immer mehr Falter in die Welt gefhidt. Mit der erſten ver:
fahb ung Hübner fig. 15. 16; er nennt fie fchmalrandiger
Schwärmer. Die zweyte it Espers tab. 41. fig. 4. p. 19;
die Beſchreibung läßt etwas anders vermuthen, ald was im
Bilde geliefert wird. In jener fpriht Efper von völliger
Uebereinftimmung mit Zyg. filipendulae in Zeichnung und
Färbung der Flecke der Vorderflügel, und er findet nur eine
wiel betvächtlichere Körper- und Flügelgröfe und einen breitern
Rand der Hinterflügel bey feiner Transalpina. In der Abbil:
— —— 304
dung zeigt ſich eine jganz andere Verſchiedenheit. Hier ſehen
wir viel breitere, kuͤrzere Vorderfluͤgel, das Roth auf allen Fluͤ—
geln in der erhöhten, zinnoberaͤhnlichen Färbung der Zyg. Me-
dicaginis oder hippocrepidis und auf der, Unter eite der Vor—
derflügel die Flede alle getrennt, fcharf und ohne rothe neblichte
Verbindung. Die dritte Transalpina Liefert uns Ochſenhei—
mer, und über dieſe habe ich hernach zu fprechen. Er zieht
Efpers Sph. filipendulae major tab. 41. fig. 4 mas dazu.
— Da an Ochſenheimers ZIygäne fein ungewöhnliches Roth,
auf der Unterfeite aber ein vother Anflug feyn foll, fo ift nicht
einzufehen, welche Nothwendigkeit . zur Vereinigung der gleich:
namigen Falter beider Autoren hier vorliegt. Zyg. transalpina
Boisduval Monogr. pl. 4. ſis 8 (fem.) pag. 63. fieht fehr
verfchieden von der Zyg. transalpina der lcones aus und hat
überhaupt große Aehnlichkeit mit einer großen weiblichen Fili-
pendulae, bey welcher alle Flecke paarweife genau zufammenges
floffen find; fie fol aber eine Varietät aus Italen feyn, und
da er fir feine Species überhaupt Italien, Sicilien und das
füdöftliche Frankreich angibt, fo kann er nicht Zyg. filipendulae:
vor ſich gehabt haben, zumal da er ausdruͤcklich fagt, daß keins
feiner Eremplare auf der Unterſeite zufammengefloffene Flecke
(taches confluentes en dessous) gehabt habe, . Daher möchte
aber auch feine Transalpina eine andre als die Ochfenhei-
merifhe feyn. Die Art feiner Monographie verbindet Bois-
duval mit der Transalpina feiner, Icones tab. 54. fig. 10.
pag. 67., deren Vorderflügel etwas wunder, ‚deren Unterfeite aber
ganz wie bey Zyg. filipendulae feyn follen ‚mit mehr. oder
weniger zuſammenfließenden Sleden (le dessous des ailes su-
perieures est comme dans Filipendulae, avec les taches
plus ou moins confluentes; dieſe zweyte Transalpina fol in
Stalien und um Montpellier gemein, jeyn und dort die Filipen-
dulae zu. vertreten ſcheinen. Nach diefer Angabe ift alfo die
Art der Monographie diefelbe mit, der der Icones; aber wie
ftimmen die Angaben Über die Flecke der Unterfeite? Daß die
Zygaͤne der Icones eine von Zyg. filipendulae wohl verfchiedene
Art ſey, lehrt die Abbildung der Raupen in. den Chenilles
d’Europe. Zygenides pl. 5. fig. 3, 4. — Die Abbildung des
Schmetterlings in den lcones (die auch wieder ‚eine Varietät
feyn fol, nehmlich 4 Eleiner als gewöhnlich, weil fie erzogen ift,
und mit getrennten ſechs Flecken) hat nur die Größe einer. mits
telmäßigen Zyg. filipendulae und den fechiten Fleck von einer
dicken Längsader durchzogen. Hieruͤber fehweigt der Text an
beiden Stellen. Ohne Zweifel ift Here. Keferftein durch bie
Befchaffenheit diefes Fleds in der Abbildung veranlaft worden,
feine Transalpina Entom. Zeitung 1841. ©. 120 ‚für (die
Boisduvalifche anzufehen; denn die Berudfichtigung der
Morte: „Flecke der Unterfeite plus ou moins confluentes
hätte ihn eher davon abhalten als darauf hinleiten müffen, da
er felbft gerade. das Gegentheil behauptet: „die Flede der Uns
terfeite ohne eine. Spur von Zufammenfließung ‚oder Beſtaͤu—
bung‘!
Eben diefe Keferfteinifhe Zyg. transalpina beſitze ic
völlig übereinftimmend. in 4 männlichen Eremplaren, die. mit
Kindermann unter demfelben Namen ſchickte. Nur in drey-
erley Dingen bin ih mit Keferftein nicht einverftanden, die
jedoch auf die Benennung unferer beiderfeitigen Eremplare ohne
Einfluß find. Er fagt, der Flügelfchnitt fey wie bey Zyg. lo-
nicerae und filipendulae. Es ift aber gewiß, daß, wenn auch
Zyg. filipendulae. darinn etwas veränderlich iſt, die Vorderfluͤ—
gel der Transalpina ‚Keferst. entfchieden breiter umd kuͤrzer
505
find. "Zweitens feugnet er die Eriffenz von fünffledigen Exem— E
plaren feiner Transalpina, die auf der Unterfeite 5 Flecke und
nicht 6 zeigen (Ent. Zeitung 1841. ©. 120, Zeile 10 v. u.
tefe ich Fehlt ſtatt fteht), und er rechnet fie zu Lonicerae.
Von meinen 6 auf einmal von Kindermann erhaltenen Er:
eimplaten zeigt eins auf der Dberfeite den fechiten Fleck ziem—
lich groß und volftändig; bey den drey andern mehr oder weni⸗
ger verfchwindend, immer aber von der Laͤngsader durchfchnitten ;
dag vierte hat nur rorhe Staͤubchen an diefer Uder auf beiden
Fluͤgelflaͤchen, doc auf der Unterfeire noch lebhafter als auf der
Oberſeite; und das fechfte zeigt auf beiden Flächen feine Spur
des fechften Flecks. Daß es dennoh zu jenen flnfen gehöre,
lehrt ſchon der’ oberflächlichfte Vergleich, dann aber auch folgens
des, was diefe Art fehr gut von Z. lonicerae trennt. Die
beiden Wurzelflecke find ben ihr auf der Dberfeite fo breit ge:
trennt wie wohl je felten bey Z. lonicerae, und der obere mitt:
fere Fleck (3) wird von der ftarfen, dunfeln Längsader eben fo
gut wie der fechfte in zwey Theile zerfchnitten, deren oberer Elein
und verloſchen ift. — Endlich fagt Keferjtein 5) e8 fen auf
der Unterfeite keine Spur von Beftäubung der Vorderfluͤgel
vorhanden. Aber an einem meiner fechsfledigen Eremplare hin:
gen Fleck 2 und 4 durch rorhe Beſtaͤubung zufammen, und bey
dem fechsfledigen, das den Gten Fleck am größten hat, zieht
ein Staubftreif vom 2ten Fleck zwiſchen 3 und 4 bis zu 5 und
6 bin, welche legtere dadurch verbunden werden. — Mie das
Weibchen diefer Art ausfieht, weiß ih nicht. — Boisduval
fagt in feinen beiden Merken, es gebe von feiner Transalpina
Eremplare mit 5 Fleden. Diefer Umftand trägt viel dazu bey,
daß ich die Keferfteinifche, meine und die Boisduvalifche
für einerley erkläre.
Von diefer Art unterfcheidet fih, wie Keferftein richtig
bemerft, Zyg. Medicaginis Ochsenh. 2, 61, als eigne Art,
und ich ziehe, twie er, dazu Zyg. Charon Balv. Monogr., die
nur mit zu dunklem Noth bemalt ift. Ich hate 3 Männchen
diefer Art als Medicaginis von Kindermann und Mann
erhalten, die aufs befte zur Ochfenheimerifhen Beſchteibung
paffen. Das Mannifhe Eremplar hat ſchmaͤlere Vorderflügel
und zeigt fomit, daB auch bey diefer Art eine gewiſſe Veriinder-
lichkeit in der Fluͤgelbreite vorkommt. Wenn nun aber Kefer-
fein fagt, der rotbe die Flecke verbindende Streif auf der Un-
törfeite fen das einzige fichere Unterfcheidungszeichen diefer Art;
fo ftimme ih ihm darinn gar nicht ber. Mein Mannifches
Exemplar bat diefen Mebelftreif ſehr deutlich; ein Kinder»
mann iſches bat ihn fehr durchſichtig und aus zerftteuten Stäub-
chen beftehend, und bey dem zweyten muß ich die menigen
Stäubhen mit der Loupe fuchen. Daß alle von einenley Art
find, ift gewiß. Das belle Roth der fehr feharf begrenzten Flecke,
die Kürze der Murzelflede, der gänzlihe Mangel einer durch:
fchneidenden Linie in, den Flecken 3 und 6, der Mangel der
tothen Staubfcheibe auf der Unterfeite laͤßt weder das eine noch
das andere zu Z. filipendulae, transalpina oder hippoerepidis
ziehen. Dieſe Urt bat demnach ‚an dem Nebelftreif Fein ficheres
Merkmal. Keferftein behauptet, daß ihre Flecke auch auf
der Oberfeite bisweilen zufammenfliegen, meine Exemplare zeigen
fie fehr weit getrennt und außerdem fo, wie Ochfenheimer
befchreibt: nehmlich die beiden aͤußeren Paare faft parallel mit
einander.
Sch mußte diefe Erörterungen vorausfchiden, um ein fichereres
Urtheil tiber die von mir gefangenen italienifchen Exemplare zu
begrünten.
Iſis 1847. Heft. 4.
306
Keferftein will Ochfenheimers Transalpina mit Me-
dieaginis Ochsenh. vereinigen. Wahrſcheinlich ſieht er als
Trausalpina Ochsenh. ſolche Eremplare an, ben denen „die
Flecke paarweife fo nahe unter einander ftehen, daß fie fich faft
berühren (Ochfenh. 2, ©. 60). Sn diefer Vereinigung der
beiden Namen Eann ic Herrn Keferftein nicht beyftimmen.
Meine Eremplare paffen mit einer Ausnahme fo vollkommen
auf Ochſenheimers Befchreibung, daß ich fie unbedingt dazu
ziehen muß, und da der Name Transalpına für fie vor der
Hand nicht anwendbar ift, fo benenne ich die Species Zyg.
Ochsenheimeri. Das einzige, worinn Dchfenheimers Be:
fhreibung nicht zutrifft, ift die Angabe, daß die Flügel nicht fo
ſehr abgerundet feyn follen wie bey Zyg. Medicaginis. Sch
behaupte gerade das Gegentheil. Diefer Widerfpruch erledigt
fi dutch die mwohlbegründete Annahme, dag Ochfenheimer
nad wenigen Eremplaren jeder Art geurtheilt habe, die zufällig
gerade den von ihm angegebenen Unterfchied befaßen.
Was Zyg. Ochsenheimeri von der Achten Zyg.. Medica-
ginis fiher trennt, ift 1) das tiefere Roth, das dem der Zye.
filipendulae gleicht; 2) die weniger feharfe Begrenzung der
größeren Flecke; 3) das weniger feine und lange Ende der dickern
Fühler. Wie fit) die beiden Geſchlechter beider Arten unter
fcheiden, weiß ich nicht; es wird aber auf diefelben Unterfchiede
hinauslaufen.
Zyg. Ochsenheimeri fann nit Z. transalpina Kef. ſeyn,
da fie den Sten und Gten Vorderfluͤgelfleck von Eeiner dien
Ader durchzogen, Eeinen fo breiten Hinterflügelrand, fat immer
einen breiten Mebelftreif der Unterfeite zeigt und in der Zahl
der Flecke unveränderlich ift. — Sie kann nicht Z. filipendu-
lae feyn, für welche id) fie am liebften angefehen hätte; denn
ihre Flügel find im Allgemeinen viel Fürzer, ihr Hihterflügelrand
befonders beym Weibchen breiter, das rothe Feld auf der Unter
feite ihrer Worberflügel eingefchränfter, aber dichter Gefchuppt.
Unfere Art ift in der Größe veränderlich, wie Z. filipendulae
oder etwas darüber. Die Fühler haben eine dickere Kolbe, die
ſich nicht fo fanft gegen die Bafis zu verdünnt und ebenfo
menig in eine langgezogene Spike ausläuft, an welcher nur
bisweilen das äußerſte Glied roͤthlich iſt. Die Breite und
Kürze der Vorderflügel iſt nothwendig ih der Diagnoſe aufzu—
nehmen. Ihre Grundfarbe ift beym Männchen fait immer ein
fehr lebhaftes Stahlblau; ſelten leuchtet mehr Grün als Blau
daraus hervor. Beym Weibchen iſt es umgekehrt; ich habe
nur ein Eremplar mit ganz blauen Vorderflügeln; bey den
andern nehmen bloß die Ränder eine blaue Mifhung an. Die
Flecke haben fowie die Hinterfluͤgel das Roth der Zye. filipen-
dulae, und erftere find ‚auch wie bey: dieſer geſtaltet. Die zwey
erften Flecke find durch die dunkle Ader getrennt; der "dritte
reicht bis an die dünne Langsader oder etwas darüber hinweg,
ohne fie zu färben, und der fechfte Fleck iſt klein und ſo ge—
ſtellt, daß die beiden hintern Fleckenpaare unter einander nach
dieſer Seite hin ſtark divergieren; die Laͤngsader des ſechſten
Flecks iſt ſehr fein und oͤfter in der Grundfarbe als in der
Farbe des; Flecks. Keins meiner Exemplare zeigt, die entſprechen⸗
den Flecke fo zuſammengefloſſen, mie es oft ben Zyg lipen-
dulae der Fall iſt; nur ſelten berühren fie einander, — Die
Hinterflirgel haben im männlichen Gefchlechte einen breiten
Nand als bey Zye. filipendulae, im weiblichen einen ſchmaͤlern;
er läuft an mehreren Längsadern nach innen zu feinen Spigen
aus. Auf der Unterfeite zieht ein breiter, other Nebel don der
Bafis His zum legten Fleckenpaare; die Flecke fiehen meift mic
20
*
307
ihrer Aufenhälfte aus ihm hervor und zeichnen fid durch ihre
Schärfe in ihm aus. Seine Breite und Intenfität ift etwas
veränderlich. Schenkel und Schienen an den 4 vordern Beinen
find auf einer Seite braungelb; beym Weibchen gilt dies nur
von den Vorderſchienen.
Ein ziemlich erhaltenes Männchen fieng ich bey Syracus am
26. April auf den Höhen von Epipolae; das erfte Meibchen am
30. April nordweſtlich hinter Epipolae in einem fruchtbaren
Thale. Andere zum Theil ſchon ſchlechte Eremplare traf ich
am 10. Man bey Syracus nicht weit vom Gapucinerklofter in
einer grasreichen, Vertiefung auf Scabiofenblüthen, und hier
waren ſie das einzige Mal etwas ‚gefellig. ‚So Eam dieſe Art
mir noch in einzelnen Exemplaren durch den May an mehrern
ähnlichen Stellen auf, Kalkboden vor. Ein verflogenes Weib:
chen hatte. -fih mit; einem Männchen, der Zyg. Erythrus
begattet.
Un einer blumigen Anhoͤhe bey Zolentino im Kirchenftaate fieng
ich am 6. September 4 ſehr Eleine Männden, noch ziemlic)
gut erhalten, und am 11. September bey Ancona nahe am
Meere unter mehrern ſehr fchlehten Männchen ein ſehr ſchoͤnes
Eleineg Weibchen. Alte weichen von den ficilifhen Eremplaren
außer durch ihre Kleinheit (Flügelfpannung des M. 1", des
W. 1.13" — gegen die des M. 1’ 4", des MW. 1'163)
bloß durch ſpitzere Vorderflügel ab. Ben zwey Männchen iſt
der fechfte Fleck ausnehmend klein und; das Blau fehr lebhaft.
Das Weibchen hat grünere Grundfarbe, größere Flecke und den
breitften ſtahlblauen Hinterfluͤgelrand der fieilifhen Weibchen.
Diefe Exemplare. laffen ſich auf feine Weife mit einer. andern
Art als mit Zyg.. Ochsenheimeri verbinden, wovon fie offen-
bar die zweyte Generation find, die, in Sieilien wahrſcheinlich
ebenfo gut vorbanden ift. Sie, zeigen, daß unſere Urt in ‚der
Fluͤgelgeſtalt abändert, und. Laffen doch menigftens vermuthen,
daß das nördliche Clima und der verfchiedene Boden von Ein-
fluß auf fie ſey; fie laffen aber auch vermuthen, da. fie ſich
mehr. als die Sicilier der Z. filipendulae nähern, daß wir
unfere fo. gemeine Z. filipendulae nod bey weitem nicht genug
£ennen, um fagen zu koͤnnen, daß fie, aus unferem Clima in
jene Gegenden: verpflanzt, nicht, ohne Verbaftardierung allmahlic)
in die dortige Zyg.; Ochsenheimeri übergehe.
Syntomis.
70. (1.) Phegea.
Costa Lepid. crepuscol. pag. 17.
Die gefammelten 50 Eremplare zeichnen ſich alle durch ihre
gewaltige Größe aus; mein größtes Eremplar hat 1'' 6Fluͤ—
gelfpannung, ‘mein größtes Syracufifches 1 10" (Vogt. Ochſenh.
2, S. 109. Abänderung 1.); alle anderen Sicilier, (auch die aus
kuͤmmerlich genährten Raupen, find über jener Größe. In den
Flügelfleden haben'fie gar nichts Abmeichendes von den einhei=
mifchen; ihre Flecke find ‚eher Eleiner als größer. Bemerkens⸗
werth find:
a) zwey Männchen mit punctförmigem Wurzelfleck der Vor—
derfluͤgel.
b) ein Maͤnnchen, bey welchem die drey aͤußerſten Flecke der
Vorderfluͤgel — keines der ſiciliſchen hat deren mehr —
ungewoͤhnlich klein find; der mittelſte iſt der größte. Beh
ihm ift aud der Wurzelfleck punctfoͤrmig (alfo faft Och—
fenheimerg Var. A. ©. 109).
308
e) ein Weisen mit eben folhem Wurzelfled und punctför-
migem ‚oberen Fled des Mittelpaares.
Auf den Hinterflügeln ift der innere Fleck der größere; der
äußere hat auswärts .gewohnlich noch einem Punctfled neben
fih. — Der gelbe Hinterleibsgürtel reicht bey den. meiften fo
weit über die Seitenfalte hinweg wie, bey. meinen norddeutfchen
Sremplaren, bey einigen aber viel weniger. — Das Weiße an
der Fühlerfpige iſt gewöhnlich weit, eingefchränkter als bey der
einheimifhen. Phegea, und bey einigen Weibchen: fehlt es
ganz; bey andern Weibchen zeigt fich ein fehr eingeſchraͤnktes
Grauweiß; bey einem einzelnen nimmt ein. ziemlich reines Weiß
die gewöhnliche Stelle ein.
Die Raupen fand ich, bey Meffina im Februar, und März
auf den Bergen, ſelbſt im höchften Theile, an. vielen ‚Stellen,
befonders auf lehmigem Boden, wo fie auf der Erde flach hin—
geftredt zartes Gras und Blätter von gelbblüthigen niedrigen
Spngenefiften fraßen; doch waren, ſie ſo wenig haͤuflg wie die
Raupen der. Enprepia villica, die ich, mit ihnen untermifcht
traf. Ich fütterte fie mit Spngenefiften und nahm die Puppen
davon mit nad) Syracus. Am Tage meiner. Ankunft, dem
21. April, fand ich dort fchon auf den. Höhen der ehemaligen
Neapolis ein ſchoͤnes weibliches Cremplar, das. wegen, des an⸗
haltenden Regenwetters nicht flog. Spaͤter war die Art auf den
Feldern, die die Stelle der alten großen Stadt einnehmen, gar
nicht ſelten. Sie flog wie eine Zygaena, ziemlich leicht zu
fangen. Ben truͤbem Wetter, wo keine einzige Zygaena flog,
war ſie in Thaͤtigkeit und ſchwärmte umher. Deßhalb waren
auch die verdorbenen Exemplare viel gewoͤhnlicher als die brauch—
baren. Auf den Feldern zwiſchen den Hoͤhen und den Suͤm—
pfen fand ich einige todte Raupen unter Kalkſteinen.
Eine ausgekrochene weibliche Puppe, die ich mitgebracht habe,
iſt ziemlich durchſichtig und honigbraun (bey Ochſenheimer
ſchwarzbraun). Daß, weißgraue Geſpinnſt iſt außen mit den
gefiederten Haaren bekleidet und dadurch braungrau. Das letzte
Weibchen kroch mir erſt am 23. May aus.
Nah Coſta ift Synt. phegea fehr gemein in allen Theilen
des Königreichs Neapel. Er unterfcheidet. drey bey Neapel ge-
fangene Varietäten: a) an der Vordeifluͤgelſpitze zwey . heile
Flecke; auf den Hinterflügeln. die zwey weißen Flecke in, je zwey
getheilt. Körper blauglänzend. — b) der, dritte, hintere Fleck der
DVorderflügelfpige in einen kaum fichtbaren Punct verwandelt,
und der Wurzelfled fehlt ganz; Hinterflügel nur mit einem un
mer£lihen Punct und einem runden Fled. — €) auf den Hin—
terflügeln nur.ein runder Fleck. Im July bey Gamaldoli.
Beyträge
zu einer Gritif der neuen deutfch=catholifchen Glaubensbefenntniffe, vor
einem Breslauer Bürger (Ernſt). Breslau bey Trewendt 1845... 8. 31.
Die Iſis Eann ſich mit folhen Dingen nicht befaffen; muß
aber doch fagen, daß der Verfaſſer nicht bloß in theologifchen.
Dingen, fondern auch in politifhen zu Haufe und die Sachen
von der rechten Seite anzufehen fcheint, daß nehmlich fo wie
fie angefangen worden, nichts daraus werden Fann. Es ift
offenbar eine Gelegenheitsfache, mithin unvorbereitet und über-
tumpelt; fonft würden. fie wohl eingefeben haben, daß es ſchon
mehr als genug Aenderung war, als fie fih vom Papſte 1og-
309°.
ſagten, und fo mithin unmöglich ‚noch mehr Zulauf befonnmen
fonnten, als fie auch Aenderungen in den Religionsgewohnbeiten
zu unternehmen. die Unklugheit hatten. Von lang gewohnten Klei—
dern legt man etwa gelegentlich, wenn es zu warm wird, ein
Band ab, laͤßt ſich aber nicht zugleich den Rock ausziehen, wenn
er auch noch ſo unbequem iſt. Der Verfaſſer mag daher wohl
mit feiner Prophezeyung recht haben.
Neues Wlanetenbuch
oder Micro⸗ uud Macrocosmos. Hypotheſe von Ernfl. Breslau bey
Kern. 1847. 8. 98.
Sothe Bücher gehörten wohl vor die Iſis; fie müßten aber
von Phnfifern oder Geognoften oder wenigftens Phyſiologen aus:
gehen, um irgendivo einen Haltpunct für die Critik zu bieten. Die
Lehren , daß der Planet ein Thierifey, welches freſſe, verdaue,
athme, Blähungen habe, ſelbſt empfinde und zuletzt denke, ift
ſchon oft da gewefen, obfhon nicht mit fo viel Gewandtheit und
Kenntniß dargeftellt wie hier. Wir mwiffen Alle, daß nichts in
der Natur todt ift und dennoch unterfcheidet man mit Recht todte
und lebendige Kräfte, indem man ebenfalls mit Recht nur dasje—
nige lebendig nennt, was organifch ift. Daß die phyſiſchen Kräfte
auch Thätigkeiten find, braucht man feinem Phſiker zu fagen,
und die Natur-Philoſophie hat ſchon lange nachgewiefen, daß
fie die Prototypen für die organifchen Kräfte find, ohne daß
deshalb beide einerley wären. ‚Sie find zwar nur durch ihre
Stuffen verichieden; aber diefe Verfchiedenheit gibt eben den
Unterfchied zwiſchen lebendigen und todten Kräften. ES heißt, die
Lehren der Natur: Phitofophie gröblih mißverftehen, wenn fie
den Parallelismus oder die Identitaͤt der organifchen und un:
organifchen Natur behaupten oder die Identitaͤt der phyſiologi⸗
fhen und geiftigen Verrichtungen; es heißt fie mißverjtehen,
wenn man daraus folgern will, daß Alles einerlen fey. Der
Mathematiker ſagt mit Recht, daß der Kreis nichts weiter fey
als. eine Unendlichkeit von Zriangeln und dennoch wird niemand
daraus, die Folgerung ‚ziehen, Daß er meyne, er fen ein Triangel.
So ift es mit der Identität der Welt und des Organismus
und Gottes.
Wenn der Verfaffer fagt, die Welt fen ſchon Gottes Gedan-
Een, fo habe er recht: „Wenn er aber der Natur s Philofophie
vorwirft, daß fie mit Unrecht füge, die Welt fey das ausge—
fprochene Wort Gottes, fo hat er nicht rechtz denn das Wort
iſt die, Erſcheinung des Gedankens. Doch das. find Dinge,
morüber viel zu reden zwecklos ware... Mer die Naturphilofophie
begreift, bedarf ‚nicht ſolcher Auseinanderfesungen, Die Laien
werden Übrigens, ‚befonders die Theologen, diefes Büchlein mit
Intereſſe lefen, und darum ‚nehmen wir. auch feinen Anftand
es zu. empfehlen, , Wer aber einen Begriff: von diefen Dingen
haben will, muß ſich mit der Natur, im Speciellen befhäftigen;
donft geht er aus einem. Schaufpiel von bloßen Phantafie= Ge:
‚bilden, wofern er nicht etwa darin ſitzen bleibt.
Mialerifche Anfichten
aus Krain nad) der Natur gezeichnet, Tithographirt und herausgegeben
von Sofeph Wagner. Heft VI und VIL 1845. Fol.
Krain iſt bekanntlich eines der fchönften und manchfaltigſten
Alpenländer, reich an merfwürdigen Ausfichten, alten Burgen
310
und hiſtoriſchen Denkmaͤlern. Es hat in. der neuern Zeit die
Aufmerkſamkeit der Reifenden auf ſich gezogen und es war da=
her. ein guter Gedanke ‚die merkwürdigften Orte in Bildern dar—
zuſtellen. Sie find auch unſers Erachtens recht wohl gelungen
und geben einen deutlihen Begriff, von dem Ausfehen der dor—
tigen Natur, dee. merkwürdigen Ortſchaften und. der Trachten,
Wir haben in diefem Hefte das weltberuhmte Idria, den fon
derbaren Zirkniger See, Radmannsdorf,. den Congrefplag in
Laybach, Wippach, den Wocheiner = See, die MWurzen und Bel:
des. Dabey iſt diefe Schrift, ſehr wohlfeil, indem das Heft
nicht mehr als 1 Fl. Eoftet, wahrſcheinlich zu haben in Laybach.
Zugleich liegen. 7. Quarttafeln mit illuminirten Trachten bey
von Laybach, Poͤlland, Wochein, Biſchoflack, Gottſchee, Wip-
pach und Billichgratz. Wir wiſſen nicht recht, ob fie zum Merk
febft gehören. Die Trachten find. aber, ganz eigenthuͤmlich und
geben einen: Begriff von dem Geſchmack der dortigen Slaven.
Das Herzogthbum Kärnten |
nach allen feinen Beziehungen und mit befonderer Rückſicht auf Topo—
graphie, Ethnographie, Geognofte, Montan-Induſtrie, Acker-Cultur
und deſſen Naturfchönheiten, bargeftellt von I, Wagner.
Klagenfurt bey Sigmund 1847. 8, 230. Ch. 1,
Das iſt eine fleißige und nügliche Arbeit Über eine noch we—
nig im Einzelnen befannte Provinz Deutfchlands, welche fehr
fruͤh in deffen Geſchichte auftritt und ſowohl in einzelnen. Feb-
den als in großen, felbft "weltbedrohenden Kriegen eine bedeu—
tende Rolle gefpielt hat, wie beym Eindringen der Avaren im
6ten Jahrhundert, der Ungarn im 10ten, der Türken im 15ten,
und man fann wohl fagen auch der Franzoſen wie bekannt,
von dem’ Hader mit den Boͤhmen nicht zu reden. Ueber: Alles
dieſes gibt das Bud) im geſchichtlichen Theile kurze Andeutun-
gen. Der Hauptzweck deffelben iſt «jedoch eine topographifche,
gewerbliche und ethnographifche Darftellung ‚welche, wie es ung
fcheint , fehr wohl gelungen: ift. Nach dem Gefhichtlihen folgt
©. 15. ein kurzer Ueberblic der geognoftifchen Befchaffenheit
vom Heren Franz von NRofthorn, den wir ziemlich Alle von
den Berfammlungen der Naturforfcher ber Eennen. Die Geo:
graphie iſt ausführlich behandelt. Ueberall mit der Geſchichte
des Orts, der Lebensart, der Natur, der Gegend, des Bodens
und deſſen Producter Dabey ifb- vorzüglich. auf die. Neifenden
Ruͤckſicht genommen, welche nach allen Straßen bingeführt wer—
den, mit Angabe ‚der Entfernungen, der Schönheit, der gefchich-
lihen und Kunftmerfwürdigkeiten. Das Land als das ehema-
lige Centrum vom Noricum ift ‚befonders reih an römifchen
Städten, wovon falt überall noch Mauern vorhanden find;
ferner fehe reich an Metallen, welche faſt in jedem. Thal. berg:
maͤnniſch gewonnen, werden, ‚befonders; Eifen und Bley. Es
werben einzeln. befchtieben die, Gebirge und Thaͤler, die Gewaͤſſer,
das Clima uſw.; am meiften aber wird auf die Schilderung
der Naturfchönheiten verwendet. Der Slächenraum beträgt 180
Duadratmeilen, wovon. faft 2: Wald. Innwohner 144,000
männlichen und. 161,000 weiblichen Gefchlehts, in 11 Städten,
35 Markfleden, 2754 Dörfern. Das Land ift getheilt in den
Billaher= und den Klagenfurter Kreis, von jedem Ort ift die
Seelenzahl und. der Feldimorgen angegeben ; von den Kreifen die
fämmtlichen Behörden, die Geiftlichkeit. Bey der Characteriftif
der Bewohner wird die Graͤnze zwiſchen den Deutfchen und Sla—
ven ziemlich genau angegeben und auf der Charte durch einen
311
gefärbten Strich unterfchieden, was dem Bernhardi zu feiner
Sprachcharte fehr lieb ſeyn wird; indeffen hätte der Derfaffer
darinn noch genauer feyn und die beiverfeitigen Grenzdörfer
namentlidy angeben können. Ein Viertel des Meftens und 3
des Nordens find nun völlig deutſch, und der Verfaſſer nimmt
an, daß die deutſche Sprache in jedem Jahrhundert um eine
Stunde vorruͤckt, vorzuͤglich deßhalb, weil immer eine Menge
Staven aus dem Süden nah dem Norden wandern, um Das
felbft ihr Brod als Knechte oder Hirten zu gewinnen. Klagen:
fürt liegt im flavifchen Theil, ift aber felbft deutfch. Ebenfo
gibt es noch vier andere deutſche Sprachinfeln in dieſem Strich,
wie Voͤlkermark, Obertarvis, Naibl, und einige ſclaviſche Dörfer
im deutfehen Strich bey Vellach und Wachfenberg. Die weftliche
Hälfte der Iraulandes iſt deutſch, Die oͤſtliche flavifch. Daß
auch der noͤrdliche Theil ehmals ſlaviſch geweſen, beweiſen viele
Namen der Flüffe, Berge und Orte. Es faͤllt ſehr auf, daß
in dem flavifchen Antheil eine unzählige Menge deutfche Orts⸗
namen vorkommen, wie Fritzendorf, Egg, Hohenthurm, Ar:
noldſtein, Wernberg, Gottesthal, Sternberg, Velden, Roßegg,
Mintel, Nofenbach, Wöcthfee, Hundsdorf, Seltenheim, Ratzen—
dorf, Radsberg, Rottenſtein, Gupf, Irauhofen, Sittersdorf,
Hagenegg, Fellach, Eberndorf, Traundorf, Wadenderf, Moos,
Bleyburg, Gutenſtein uſw.; noch mehr faͤllt es aber auf, daß
der Verfaſſer nicht ein Wort daruͤber ſagt. Wird denn hier
nicht deutſch geſprochen, oder haben dieſe Orte auch ſlaviſche
Namen? Auf jeden Fall hätte der Verfaſſer dieſe Sache be—
merfen und Auskunft darhber geben follen.
Sn den Beylagen ift die Höhe von mehreren Hundert Orten
angegeben nach A. Baumgartner; ſodann die ſlaviſchen
Namen im deutſchen Theil; eine Sammlung über den Dialect;
ein Verzeichniß der VBergwerks + und Fabrik: Anftalten, woran
Kärnten wirklich ungemein reich iſt; endlich ein Verzeichniß der
Drte, wo römifche Alterthuͤmer gefunden werden, es find an
90, Ben den Schilderungen der Gegenden und geſchichtlichen Orte
geraͤth der Verfaſſer gewoͤhnlich in enthuſiaſtiſche und uͤberttiebene
Betrachtungen und Redensarten, wie fie merkwuͤrdiger Weiſe
ben öfterteichifchen Schriftftellern überhaupt vorzufommen pflegen ;
übrigens verdient die Arbeit alles Lob und auch die Charte nimmt
ſich ſehr gut aus.
Stadt: und Dorf- Jahrbücher (Drtö - Chroniea)
zur Förderung der Vaterlands-Geſchichte und eines regen Sinnes für
deg Ortes Geveihen; nach Nusen und Einrichtnug gefchildert von
Preusker, Rentamtmann zu Großenhayn. Leipzig bey
Hirſch. 1846. 8. 80.
Der Verfaffer ift fortgeſetzt thätig für die Förderung der
Volksbildung. Er hat fo viel daruͤber nachgedacht und verfucht,
daß er im Stande ift, "bis ins Einzelne hinein offenbar die
paffendften Vorſchlaͤge zur Erreichung dieſes Zweckes zu geben.
Man muf es wirklich bewundern wie es ihm gelungen ift, an
Alles zu denken und für Alles die geeigneten Maaßregeln ans
zugeben. Zuerft über den Werth der Vaterlands-Geſchichte;
die Nuͤtzlichkeit und Mothmendigkeit von Drts= Chroniken, wo—
ben er namentlich angibt, was Alles und wie es aufgezeichnet
werden fol. Relifter, Beylagen, phyficalifche Verhältniffe, Orts⸗
lage, Naturbefchaffenheit, Bevölkerung, Krankheiten, Gebäude,
Verfhönerung, Herrſchaft, Gemeinde, Haushalt, Gerichtswes
fen, Kranken? Anſtalt, Gewerbe, Kirchen = und Scyulwefen,
Bibliothek, Kunftfhäge, Sitten und Gebräuche, Biographien,
Haus: Chroniken, Aufbewahrung desfelben uf. Man fieht
alfo, daß wohl kaum etwas vergeffen iff. Mit diefem Buͤch—⸗
lein in der Hand kannte man eine vollftändige Chronik anlegen
und fortführen, was nicht bloß für die gegenwärtigen, fondern
auch für die nachfolgenden von großer Wichtigkeit wäre.
Naturwiſſenſchaftliche Skizzen
von G. DlImweiler. Darmſtadt bey Papſt. 1846. 8. 70.
Dieſe Schrift enthaͤlt philoſophiſche Betrachtungen und Grund⸗
ſätze uͤber alle Theile der Naturwiſſenſchaft, welche immerhin
Beachtung verdienen, aber ſchwer zu beurtheilen find „und da—
her dem Ermeffen der Leſer uͤberlaſſen werden. muͤſſen, vorzuͤg⸗
lich deßhalb, weil es eigentlich. zahlreiche Aphorismen find, weldye
nicht einzeln angeführt werden fönnen. Voran theilt der Wer:
faffer feine Anfichten über Philoſophie und die Behandlung der-
felben mit; fodann. über die Natur-Philoſophie. Darauf folgen
befondere Gegenſtaͤnde, chemiſche, geologiſche, aſtronomiſche;
fodann über Atmoſphaͤre. Darauf, folgt Phyſiologiſches uͤbet
die Entftedung der Organiſation und ihre Proceffe 5. ſodann über
die der Pflanze und de3 Thiers insbeſondere, wobey viel Eigen—
thümliches vorkommt, was, wie geſagt, geeignet iſt, Nachden⸗
fen zu erregen.
Das Thierreiic
geordnet nach feiner Organifafion ven Georg von Cuvier, nad) ber
zweyten Ausgabe frey ing Deutfche überfeßt und durch Zufäge ſowohl
dem heutigen Standpunct der Wiffenfchaft angepaßt, als auch für den
Seldftunterricht eingerichtet von U. D. Streubel, Berlin bey Reimer
1846. 8. 972,
Eine ſehr fleifige und durchdachte Arbeit; das Urtheil etwas
raſch, aber, auch wo es unrichtig ſeyn mag, dennoch ſcharfſinnig
und auf vielfeitige, verglichene Kentniſſe geftüßt. Man Eann
das Werk als eigen und felbftftändig betrachten, indem Guviers
Buch eigentlich nur der Zettel zum "Gewebe iſt und die Damaft-
Figuren vom Einſchlag herrühren.
Dadurch ift der allgemeine Theil des Werks viel größer ge-
worden als bey Cuvier, obſchon man duch den engen Druͤck
und den felten abgefegten Zert Naum zu fparen gejucht "hat
und zwar aus Nüdficht auf das Publicum, um ihm das Werk
fo mwohlfeil als möglich zu übergeben. Das ift aud) allerdings
der Fall: allein wir halten es doch Für beffer, überall, wo es
nöthig iſt, Abfäge anzubringen, um die Weberficht und die Re:
fung bequemer zu machen, in der Ueberzeugung, daß der Kefer
für ſolche Eigenfchaften Tieber "einige Groſchen mehr bezahlt.
Sonft ift mit dem Buche Alles gefchehen, um den Leſer zurecht:
zuweilen, befonders durch verfchiedene Schrift, durch Klammern
und Anmerkungen, indem Cuviers'Xert mit größeren Schriften
gefegt ift, der des Verfaſſers mit Eleinern oder in Klammern.
Soviel vom Aeuferen, das übrigens- bey aller Deconomie doch
gut in die Augen fällt und angenehm zu lefen, nur ſchwer
nachzuſchlagen ift. "Nun von derdinnern Einrichtung des Werks
und von der Behandlung der Gegenftände. 7
In der Negel ſteht Cuviers Text oben und. der des Ueber:
fegerg unten, wenn nicht, wie es oft der Fall und auch wirklich
nöthig ift, ganze Hauptftüde eingefchoben werden. Das geſchieht
zunächft bey den organifchen Elementen des Thierleibs, nehmlich
J—
x
313
den Geweben, welche erfb in der neuern Zeit "genauer erforſcht
worden find, und von. dem Verfaſſer mit Sachkenntniß ent:
widelt werden.) Ebenfo hat: er eine zwar fehr gedrängte, aber
vollftändige Anatomie gegeben, welche: gewiß, jedem Leſer nüslic)
iſt und felbft fuͤr den Anatomen: viel Wichtiges und: Kehrreiches
enthält, sauch-fehe gut geordnet: und überall die vergleichende
Anatomie und die Chemie beruͤckſichtigt. Das iſt, wie es nicht
anders ſeyn kann, ein großes Capitel, und eigentlich der, Grund⸗
ſtock des ganzen Werks, auf und um den alles Uebrige ſich
ordnet. Der Verfaſſer gibt Andeutungen uͤber alle feinern Theile
der Organiſation und uͤber die philoſophiſche Betrachtung der:
ſelben. Dieſe find ſo «zahlreich, daß es unmoͤglich iſt, auch nur
eine Ueherſicht davon zu geben, wäre, auch unnöthig, ‚da doch
jeder, dem es um dag ernſtliche Studium ‚der Zoologie zu thun
ift, das Buch ſelbſt haben muß.
Befonders Elar ‚und! allfeitig ift die Xehre vonder Zeugung
entwidelt: bey allen vier oberen Thierclaſſen. Am ımeiften (aber
befchäftigt den Ueberſetzer nad) , der. Anatomie die Glajfification
der Thiere, von denen‘ er uͤberall den Bau vollftändig angibt
und daraus ſeine Gründe entwickelt, warum ſo und fo viel
CGlaſſen, Ordnungen und Zuͤnfte aufgeſtellt werden muͤßten. Das
iſt ein: Gapitel, woruͤber ſich ungemein viel ſagen billigen und
einwenden ließe. Das wuͤrde indeſſen ſehr viel Zeit wegnehmen
und iſt auch von uns ſchon ſo oft beſprochen worden daß wir
unmoͤglich das Altes wiederholen koͤnnen. Da jedoch dern Ver:
faffer. ſich viel mit unfern Grundfägen über die Claffification. zu
fhaffen macht, fo muͤſſen wir doch Einiges daruͤber bemerken.
Ariſtoteles hat nur geſagt: der Menſchiſt das ı Maaf
der Schöpfung; wirnabens er fen Maaß und Meſſer derſelben.
Sonderbarer Weiſe ſchreibt der Verfaſſer die Zellen-Theorie dem
Harn Schwamn zu, dalwir doch ſchon in unſerem Buch uͤber
die Zeugung, in der erſten Auflage der Naturphiloſophie und in
allen folgenden. Schriften mit Nahdrudgelehrt haben, daß die
Grundmaffe der. Pflanzen und Thiere aus Bläschen beftehe und
daß alle anderen Gebilde nichts anders als Metamorphoſen der
Bläschen ſeyen. Nachdem wir dieſe Lehre nach Dutzenden von
Jahren als; ausgemacht hingeſtellt hatten, wird ſie ploͤtzlich als
neu: entdeckt und mit einem Hallo'der ganzem Melt verkuͤndigt.
Uebrigens bleibt vdem Herrn Schwann das große Verdienit,
das Einzelne in der Zellenbildung durch ſehr fleifige und: ſchacf
ſinnige Beobachtungen genau beſtimmt zu haben.
Mas ung bewogen bat, die Mäufe in der Claſſe der Haar-
thiere zu unterft zu ftellen, und die Wale ziemlich in die Mitte,
davon haben wir die Gründe fo deutlich als möglih, in der
dritten Auflage der Naturphilofophie entwidelt. So wenig als
die Thierelaſſen nach ihrer Aehnlichkeit auf⸗ einander folgen ebenſo
wenig, die Ordnungen und, Zuͤnfte „der, Claſſen. Haben etwa
die Ringelthiere Aehnlichkeit mit den auf, fie , folgenden, Fiſchen,
die Vögel mit den Lurhen und Säugthieren? Die Wale ent:
-fprechen unividerteglich den Fiſchen) welche doch keineswegs die
‚unterfte Thierclaffe>find, und mithin jene auch nidyt die unterſte
Zunft z man muͤßte denn. wirklich darauf beftehen daß nur bie
Wale einen. Parallelismus befolgten ‚n masınjaı unſinnig wäre,
oder daß keine Haatthiere den untern Thierclaſſen parallel gien⸗
gen, was allerdings noch Gegenſtand des Streites ſeyn koͤnnte,
wenn die Haarthiere dien einzige Wirbelthier⸗Claſſe wären. Die
Fiſche beweiſen aber hinlaͤnglich, daß ſie auch den untern Claſſen
parallel gehen. Man kann zwar ſagen, und das haben wir oft
überlegt: die Fiſche entſpraͤchen bloß den Gallertthieren, die Lurche
den Weichthieren, die Vögel den Kerfen, die Haarthiere den 4
Iſis 1847; Heft 4.
314
obern Xhierelaffen, „Dann. würden die letzteren nur in 4, die 3
andern nur in 3 Ordnungen zerfallen. Daran bat aber nod)
niemand 'gedbadht., Wir haben indeſſen wiederholt. eine ſolche
Anordrung verfucht, jedoch ohne daß fie ‚gelingen! wollte. Moͤ—
gen es Andere auch verſuchen und, wenn es ihnen: gelingt, fo
wollen wir gern nachgeben. Unſere Lehre aber, daß der Em:
bryo die Thierclaſſen durchlaufe, und» dieſe die Stuffen der, Em—
bryo⸗Entwickelung, ſpricht für einen vollſtändigen Parallelismus.
Der Verfaſſer will dieſen Embryo: Parallelismus zwar zugeben,
aber Luͤcken darinn laſſen, was unſers Erachtens nicht conſequent
iſt. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß der menſchliche Embryo
nie ein wirkliches Infuſionsthierchen geweſen, oder Polyp, oder
Qualle, oder Inſect, oder Fiſch, oder Vogel und dgle; ſondern
daß er auf jeder Stuffe, ſowie jedes andere Thier ſchon einen
eigenthuͤmlichen Bau gehabt habe und daher den niedern Thier:
claſſen nur! entſpreche, aber nicht dieſelben ſelber ſey.
Wenn man ſagt, der Fiſch Branehiostoma entſpreche etwa
den: Eingeweidwuͤrmern, ſo wird doch niemand verſtehen wollen,
daß. er ein folcher fen.
Aehnliches gilt von der Glaffification. der Voͤgel. Nachdem
wir gezeigt hatten, daß) dieſelben am wefentlichiten sin. Nefthoder
und Nefiflüchtertzerfallen und die tegtern- die hoͤchſten ſeyen; fo
kamen Widerreden von allen Seiten, indem: man. fdjlechterdings
die Nefthoder als Luftvögel oben anffellen wollte, weil fie wie
der Menſch lange Zeit der Unterſtuͤtzung der Eitern bedürfen.
Dieſer Grund kann aber nicht aufkommen gegen. den einzigen
andern; daß die Schwimmvägel wie die, Wale den Fiſchen ent-
ſprechen, und damit ftelle ſich alles andere von felbft her.’ Kaum
mögen wir bemerken, daß wir die Insessores im ‚Deutfchen
mit: Hocker gegeben haben und nicht Wiegmann. Das
führt aber zu einigen Bemerkungen über die deutſche Mamengebung.
Es find jetzt allerdings die Namen: Lurche, Kerfe, Qualſter,
Schricken, Bolden, Falter, Immen, Mucken und Kracken groͤß—
tentheils angenommen, und ſie haben auch die Billigung des
Verfaſſers. Andere, wie Mile, Leche, Krabben, Franſel, Sucke
u. dgl. gefallen ung; ſelbſt nicht, weil ihnen noch verſchiedene
Fehler ankleben. „Mile hat z. B. nichts Aehnliches in der deut—
ſchen Sprache, „und es muͤßte etwa Muͤlle heißen, wovon wir
aber ſchon Muͤllen in der Botanik haben; daher. ſcheint das
Wort Wimmel paſſender, von: wimmeln. Das Wort Lech iſt
zu kurz und zu ſchnell, obſchon es mit Laich ‚verwandt iſt und
alſo ganz paſſend waͤre; dennoch muß ein, anderes. geſucht wer—
den. Es iſt zu unbedeutend, uͤber die andern viel zu reden.
Es iſt allerdings ſehr ſchwer, dem Galeopithecus und Hy-
rax die gehoͤrige Stellung anzuweiſen. Haͤtte aber der Ver—
faſſer unſer Zahnſyſtem in der Iſis 1828. geleſen, ſo wuͤrde
er die Gruͤnde gefunden haben, warum wir den erſten zu den
Beutelthieren geſtellt haben. Er mahnt allerdings ſehr an die
Maki; allein der Augenring iſt offen. Was den letztern betrifft,
fo muß man ihn wirklih mit Cuvier zum Nashorn ftellen,
wenn man das Gebiß entſcheiden aſſen will. Das gebt aber
gegen den Mann. Ich ftelle ihn daher bald dahin bald dorthin,
in der Hoffnung ‚ı daßaibm einmal jemand.;;anatomiert, und na=
mentlich, dag man die Entwidelung feiner Jungen beobachtet.
In ſolcher Ungewißheit hat Pallas allerdings am beſten ges
than, als er ihn zu den Savien igeftellt. har:
‚Es: mare; wie geſagt, moch Vieles uͤber die vielen Anſichten,
Behauptungen, Borfchläge und ‚Anordnungen; diefes; Buches anz
erkennend und! verweigernd vorzubringen: allein es mag. genug
fen ‚dies Tuͤchtigkeit· des⸗ Werkes überhaupt: zu) ruͤhmen und zu
20*
315
verſichern, daß man es nicht ohne Belehrung und Anregung aus
den Händen legen wird.
Der Innhalt des Werks nady der Reihe ift nun folgender:
Voran die Ueberficht.
Sodann die VBorrede Cuviers zur erſten Auflage nebft Be:
merfungen vom Ueberfeger. ©. 1.
Sodann die Vorrede zur zweyten Auflage. S. 22.
1. Einleitung Über die Methoden in der Naturgefchichte mit
Nachträgen vom Ueberferer: ©. 27.
2, Von den organifchen Körpern, wieder mit vielen Nach—
teägen. ©. 50.
3. Eintheilung in Thiere und Pflanzen, defgleichen mit Nach—
trägen. ©. 75:
4, Bon den Elementen des Thierleibes. S. 96. Dabey
fehr große und wichtige Nachträge vom Ueberfeger. ©. 101.
5. Bon den Kräften des thierifchen Keibes, ©. 154.
6. Von den Verrichtungen der Organe. . ©. 162. Daran
knuͤpft der Ueberfeßer eine gedrängte Darftellung ter ganzen
Anatomie, vielleicht genauer als es nöthig wäre, aber fehr lehr—
reith. ©. 172.
7. Ueber die Geiftesfähigkeiten der Thiere. ©. 731.
8. Bon der Glaffification der Thiere. ©. 741.
9. Eintheilung des Thierreihs. ©. 744. Dazu große Nach
träge vom Ueberfeger. S. 752. Die Claſſifications = Prin-
cipien und die Glaffification aller Thierclaſſen, fowie die
Gefchichte der Zoologie, woben alle WVerfuche ‘über die Claſſifi—
cation namentlich aufgeführt werden, nebſt einer Tabelle darüber.
S. 899. Diefe vergleichende Darftellung ift wirklich fehr
intereffant.
Am Schluffe Eönnen wir einen Punct nicht unberührt laſſen.
Aus verfchiedenen Stellen ſcheint hervorzugehen, daß dem Ver—
faffer manche wichtige Werke unzugänglic) waren, woraus man
fchliegen muf, daß die Einrichtung der Berliner Bibliothek nicht
fo liberal iſt, wie es das Beduͤrfniß der Gelehrten erheifht und
wie man e8 in Göttingen und Münden findet, obſchon an
dem letztern Orte die Gefege auch ftrenger find, als nöthig wäre.
Die Roman :Keferey auf den Bibliotheken, welche mancher als
eine Heisftube benugt, ift allerdings eine große Laſt fuͤr die
Bibliothekare; das follte abgethan werden, und dann wuͤrden
die Gelehrten Raum haben zu ihren Arbeiten, und die Biblio—
thekare Zeit, für dieſelben zu ſorgen. Die Bibliotheken find
weder da zum Vergnügen, noch zur Verwahrung der Bücher,
fondern zum Gebrauch derfelben. Natürlich leiden fie dadurch ;
aber alle Werkzeuge leiden, wenn man fie braucht. Cie find
aber da, um Häufer zu bauen, das Feld zu bearbeiten und Hand:
werfe zu liefern, nicht um in Kunftfammern als Augenmwaide
zu ftehen.
Fauna elvetica
delle Conchiglie terrestri e fuviatili, da G. Stabile. Lugano pr.
6. Bianchi, 1845, 8 68. t.1.
Ein ziemlich reichhaltiges Verzeichniß der Land» und Maffer:
fchneden und Mufcheln aus der Gegend von Lugano mit ‚aller:
{ey Eleinen Bemerkungen und mit Angabe der Synonyme und
der Abbildungen, woraus hervorgeht, daß der Verfaſſer bie noth:
wendigen Merke über diefe Thiere befist. Von 163 Gattungen,
welche bis jegt in der Schweiz gefunden wurden, hat der Ber:
316
faffer 80 in feiner Gegend’ entdedt. in Regifter. erleichtert das
Aufiuchen. " Auf der Tafel find 51 Gattungen abgebildet, mei:
ftens Schalen, auch das Thier von Pupa ferrariPorro,
— Der Berfaffer würde der Wiffenfchaft müglicher feyn, wenn
er von nun an neben dem Sammeln der Gattungen auch Be:
obachtungen über die Lebensart, Nahrung, Paarung, das Eyer:
legen und die Entwidelung' der Jungen, ferner Über das Ath—
men der Waſſerſchnecken u, dgl. anftellte.
Indieis Generum Malacozoorum Primordia
conscripsit Dr. Med. 4. N. Herrmannsen, Flenshurgi. Cassellis
apud Fischer. 1846. 1. 8. 104.
Diefes Merk ift nach einem andern Plane bearbeitet, als der
Nomenclator von Agaffiz. Es enthält nehmlich nicht bloß
die Namen mit dem Auffteller, der Etymologie und Drdnung;
fondern auch die Synonyme und die Muftergattung,, außerdem
die Schriftfteller, welche die Sippe fpäter angenommen haben,
und die Auffäge, worinn eine weitere Befchreibung zu finden: ift.
Der Verfaſſer ift offenbar mit viel Eritif verfahren, und es
fheint uns daher, daß diefe Schrift den Zoologen fehr nüglich
ſeyn werde, vorzüglich wegen der Synonyme und der. vollftän-
digen Literatur, wobey die Jahres: und Seitenzablen fleißig an-
gegeben find. Gelegentlich wollen wir hier bemerken‘, daß der
Name Anonica aus Rumpb genommen ift, da das Wort Avi-
cula doch nicht verdient 'beybehalten zu werden, indem es allen
in der Zoologie aufgeftellten Gefegen widerfpricht. Woher Rumph
das Wort hat, wiffen wir nicht. Es mwürde nichts fchaden,
wenn der Verfaffer auh Rumphs Raritäten: Kammer in feinen
Kreis zöge.
Diefes Heft geht von Abida bis Batolites, woraus man
fhon fchließen Eann, daß es fehr vollftändig iſt.
Der Verfaffer hat Linnes Gefege Uber die Nomenclatur
vorausgefchidt, fo. wie ein großes Verzeichniß der Literatur, nach
der Reihe der Fahreszahlen, wie e8 uns ſcheint, ziemlich voll-
ftandig, jedenfalls alles: Wichtigere. Er hat die‘ Cirripedien weg⸗
gelaffen: das möchte ſeyn; aber zur MWeglaffung der Afeidien iſt
ein hinlänglicher Grund vorhanden. Er könnte die Namen
gehörigen Orts wohl nuchtragen, und die fhon Überfprungenen
unter Tunicata nachholen.
Polipi della Famiglia dei Tubuliporiani
finora osservati nel Adriatico, Mem. del Prof. G. Meneghini.
Padova 1844. 4. 16. Saggi dell’ Accademia di Padova VI.
Der Verfaffer befchreibt bier fehr genau den äußern und in-
nern Bau der Sippen Tubulipori, Crisia, ſehr lehrreich,
Hornera, Idmonea et Pustulopora. Gattungen werben auf:
geführt mit Synonymen und Schriftftellern: T. verrucosa,
patina, complanata n., irregularis n.; Crisia eburnea, den-
ticulata, H. frondiculata, serrata n., tubulosa n Idmonea
transversa, frondosa n., gracilis, irregularis, tubulipora n.,
Pustulopora proboscidea.
317
Osservazioni
sul Ordine delle Sertulariee del Prof. G. Meneghini. Venezia
1845. 4. 19. tbb. 3. garen. dell’ Istituto veneto 11.)
Diefes ift eine ausführlihe und critifche Schilderung des
Baues und der Entwidelung: der Sertularien, mit Anführung
der Entdeckungen früherer Schriftſteller. AUbgebildet find ſehr
vergrößert ‚die Entmwidelung von Aglaophenia pluma, fodann
der Bau von: A. myriophyllum; elöngata, Monopyxis dicho-
toma, Nemertesia antennina, Lowenia tetrasticha, pinnata,
Anisoealyx 'secundarius:
Adnotationes
in Mouographiam Formicarum borealium Europae, auctore W,
Nylander. Helsingforsiae 1816. 4. p. 875 — 944. tb. 1.
Diefe Abhandlung fteht wahrfcheinlich in den Actis fennieis,
welche wir nicht" befigen. "Sie iſt ungemein fleißig: bearbeitet,
gewiß nach vieljährigen Beobachtungen der Kebensart, der Ent:
widelung und des Baues der zahlreichen Gattungen, woben man
fih wirklich wundern muß, daß fo viele in dem hohen Norden
vorkommen, ja daß der Verfaffer fogar nicht wenig neue zu
entdeden hatte.
Nach einer genauen Schilderung der Arbeiter, Weibchen und
Männden überhaupt beſchreibt er fie auch bey jeder Gattung,
gibt den Aufenthalt an, die Zeit, die Schriftfteller nebſt critifchen
Bemerkungen uw,
Auf diefe Weiſe merden befchrieben:
F. hereuleana (rufa, intermedia, atra), ligniperda, pube-
scens (fuscoptera, vaga), viridula n., rufa (obsoleta, dor-
sata, 'lugubris), dominula n., congerens n., trancicola (san-
guinea), exsecta (emarginata), -pressilabris n., eunicularia,
fuliginosa, picea n., glebaria n., fusca, nigra, flava.
Myrmica laevinodis n., ruginodis (vagans), scabrinodis
(caespitum), lobieornis 'n., suleinodis n., fuscula n,, acer-
vorum (laeteipennis), tuberum (tuberosa).
Wie vollftändig die Befchreibungen: find, kann man daraus
ermeffen, daß fie meifteng bey jeder Gattung zwey Quattfeiten
einnehmen.
Auf der Tafel find ' abgebildet die Flügeladern von 7 Gat—
. tungen, die fogenannte Schuppe von 15 Gattungen, die Ge—
fchlechtstheile von Formica eunieularia et, dominula und noch
einige andere Theile.
MPaläozoologie.
Entwurf einer ſyſtematiſchen Darſtellung der Fauna der Vorwelt, von
Dr. Chr. ©. Giebel. Merſeburg bey Nulandt. 1846. 8. 359.
Das Buch iſt offenbar mit viel Liebe, Fleiß und Ueberlegung
bearbeitet. Der Verfaſſer befolgt darinn die Anordnung nach
den geologiſchen Formationen und zahlt in jeder ſodann die Ge—
genftände nah der Neihe der Zhierelaffen auf und zwar bloß
diejenigen Familien und Sippen, welche wirklich verfteinert vor:
£ommen. Von den Familien wird der Character angegeben,
die Sippen genannt mit der Zahl der Gattungen und der For:
mation, worinn fie vorkommen; außerdem die Schriften, worinn
fie befchrieben werden.
318
In der Einleitung ſpricht er über die Urzoologie und ihr
Verhältniß zu dem andern Wiffenfchaften, wobey er derſelben
das Recht einer felbftftändigen Wiffenfhaft einzuräumen fucht,
gewiffermaaßen »unabhängig von der Geologie und Zoologie der
noch lebenden: Thiere. Dann gibt er eine kurze Geſchichte der—
felben, bejtimmt ihren Innhalt, ihre Syſtematik und ihre Prin:
eipien. „Die Haupt:Eintheilung ift nach der Periode des Waſſer—
lebens, des Durchgangs und des Lands und Ruftlebens. In
jeder diefer Zeitz Perioden werden die Verſteinerungen aufgeführt,
nad) der Neihe von unten nach oben; vor’ jeder Periode ift eine
kurze Schilderung, Ueberficht und Eintheilung ‚gegeben; die le
tere. tabellariſch mit: den Gharacteren, bloß won den verfteinerten
Ueberbleibfeln genommen. ı Er theilt die Tihiere ein in. Gastro-
zoa, worunter die Gallert: und Weichthiere; in Arthrozoa et
Vertebrata, und jede Abtheitung wieder in ihre Stuffen und
Familien. 3.8.
Erſter Typus: Gastrozea.
I. Stuffe. Amorphozoa
1. Kreis: Phytozoa: Manon, Scyphia, Tragos, Stro-
matopora, Spongia ete,
2. Kreis: Infusoria: Fam. Naviculaeea, Desmidiacea,
Echinellea, Polycystina, Perigynaea.
I. Stuffe. Zoophyta.
1. Kreis: Polypina: Fam. Tubiporina, Celleporinä ete.
2. Kreis: Radiata: Fam. Erinoidea, Echinoidea ete.
IL Stuffe. Conchifera.
1. Kreis: Conchina : Fam. Monomyaria, Dimyaria,
2. Kteiß: Brachiopoda: Terebratulina, Productina.
3. Kris: Monothalamia: Patellina, Trochoidea etc.
4. Kreis: Polythalamia: Orthoceratites, Goniatites.
Zweyter Typus: Artäirozoa.
1. Kreis: Palaeadae: Trilobitidae, Cytherinidae ete.
2. Kreis: Insecta: Aptera etc.
Dritter Typus: Vertebrata,
Hinter jeder Periode folgen Tabellen mit den Sippen und
der Zahl der Gattungen in den verſchiedenen geologiſchen For:
mationen.
Wir zweifeln daher nicht, daß dieſe Schrift Vielen angenehm
ſeyn wird zur Ordnung ihrer Summlung.
Novorum Actorum
Academiae caesareae leopoldino carolinae-naturae Curiosorum:
Bonnae apud Weber. XXI. 2..1845. 4. 417-718. et 92. tb. 30-50.
Man darf fich bey der Erfcheinung eines jeden Bandes’ diefes
Werks freuen, daß Deutfchland im Stande ift, folche Arbeiten
jährlich erfcheinen zu laffen, welche mit den fhönften und beften
Schriften der europäifchen Academien wmetteifern Eönnen, und
man muß daher dem Prafidenten der Academie Dank wiffen,
daß er durch feine rafllofen Anregungen immer das Befte zu
fammeln weiß, was im VBaterlande über Naturgeſchichte her—
vorgebracht wird, fo wie, daß diefe Arbeiten in einem ſchoͤnen
Gewande und mit genauen und wirklich ſchoͤnen Abbildungen
ausgeftattet erfcheinen, wobey die Unterftügung von Seiten der
preufifchen Regierung rühmlichft anerkannt werden muf, Die
Academie ift nady der Londner und Parifer die ältefte in Europa,
und hat fih, obfhon nur Privat= Anftalt immer ausgezeichnet;
im erften Sahrhundert zwar noch, der Zeit gemäß, ziemlich
pedantiſch; feitdem aber wirklich wiffenfhaftlih und werthvoll,
319
befonders ſeitdem der gegenwärtige Prafident an der Spike ſteht,
und feitdem auch ein mehr philoſophiſcher Geift in die Natur-
geſchichte gedrungen iſt.
Dieſem Bande geht voran die Biographie Kielmeyers von
Dr. G. Jaͤg er, ein großer, treuer, gerechter. und dankbarer
Aufſatz von S. 1—92. Er war geboren 1765. und geſtor—
ben am 24. September 1844. Er habe durch feine Vorträge
vorzüglich zur Begründung‘ der gegenwärtigen Anfihten in den
Naͤturwiſſenſchaften beygetragen, wobey nur zu bedauern: ift,
daß er fo wenig hat druden laſſen und man daher nicht recht
weiß, was ihm zuzutheilen ift. Auf jeden, Fall hat er mehr
auf den Geiſt oder: die allgemeinen Anfichten in den Natur:
wiſſenſchaften gewirkt, als auf die Entbedungen einzelner Dinge,
welche uͤbrigens haͤufig das Ergebniß der neuen geiſtigen Richtun—
gen waren. Der Verfaſſer gibt eine Schilderung von den
wichtigern Vorleſungen des Verſtorbenen.
Das Wert ſelbſt enthaͤlt nun folgende Abhandlungen:
1) Dr. Gottſche, über die Feuctification der Jungerman-
niae geocalyceae «&: 417.8. 30— 32.
Eine ziemlich große und gründliche Abhandlung mit fehr
ſchoͤnen microfcopifcheh und ’illuminirten Zeichnungen. Eine Ans
gabe des Innhalts können wir nicht mittheilen. Der Verfaffer
vechnet hieher Saccogyna, Geocalyx; Gongylanthus, Caly-
pogeia, Aecrobolbus et Gymnathe, deren Sippen⸗ Charactere
aufgeſtellt werden, „worauf die Entwidelung der Blüthe mit
ihren Veränderungen folgt. Der Berfaffer hat ih Thon hinz
Länglich durch feine Arbeiten über die moosartigen Pflanzen als
einen geſchickten Beobachter und nachdenkenden Drdner. ausge:
wiefen , und‘ fo wird man nicht zweifeln, daß man’ auch hier
wieder Lehrreiches finden werde,
2) Dr. Reißediüber die felbftftändige Entwidelung der
Poltenzelle zur) Keim tragenden Pflanze. ©. 467. 2. 2.
Diefe Beobachtungen find) wieder. ein“ fchlagender Beweis für
unfere in dem Buche über Die Zeugung aufgeftellte Lehre
von dem Urſpeung und der Zufammenfegung aller Organismen
aus Urbläschen oder Zellen. Der Verfaffer ift auf den. Ges
danken gekommen, Blüthenftaub in Einfchnitte von Stengeln
ind in hoble Stengel zu "bringen. und die Entwidelung der
Staubfchläuhe microſcopiſch zu verfolgen. Im erſten Falle
wurden die Schläuche zu Konferven, im zweyten zu Pilzen
(Botrytis). Zugleich ein neuer Beweis für die Generatio
aequivoca, gegen welche jest mit einem wahren Inngrimm
getobt wird. Man weiß eigentlich nicht recht warum, und es
feheint bloß gegen" Perfonen, nicht gegen die Sache zu feyn,
denn für die Entftehting aus Eyern führt man nur unbegteif-
liche und überwältigende Vermuthungen an, da man allmaͤhlich
anfängt einzufehen, daß. die Fortflanzung durch Eyer die Gene-
ratio aequivoca nicht ausſchließt. Das Obige folgt alſo ſicher
aus des Verfaſſers Verſuchen. Wenn er aber daraus nicht
bloß vermuthen, ſondern ſogar als ſicher annehmen will daß
der Pflanzenkeim, wirklich nichts anders als ein Stuͤck des Staub⸗
ſchlauches feys for geht ev uͤber die Ergebniffe feiner Verſuche
binaus „oder vielmehr er hat; es vorher geglaubt, daß die Sache
ohne weiters, ſich ſo verhalte; uns, ſcheint aber das Gegentbeil
daraus. zu folgen. „Die illuminirten Abbildungen find ſchoͤn und
zeigen zugleich" die, Entſtehung Der Scheidewande durch Bildung
— — ——— — — —
320
von jungen Zellen im Schlauch. Das Staubkorn hängt noch
an den darausfproffenden MWafferfäden und, Pilzen und, man
Eann daher nicht etwa , fagen, fie. feyen zufällig aus, andern
Sporen entftanden, wovon man fehr forgfam die ganze Welt
angefüllt ſeyn läßt. ia Aa
3) Pr. Gloder, Bemerkungen über (einige! Terebratulen
aus dem Jurakalk Mährens und Ungarns. S. 498. T. 1:
Eine genaue Befchreibung mit deutlichen‘ Abbildungen von:
T. longirostris, perovalis, diphyaz;'mehrere ‘andere find‘ nod)
aufgeführt. 5 I N f
4) L. A. Neugebauer, Systema'venosum avium eum'eo
Mammalium et imprimis Hominis collatum, Commentatio
praemio ornata p. 517. tbb. 36 — 50.
Das ift ein ganzes Bud mit einer vollftändigen Darftellung
aller Venen der Vögel, wier wir ſie noch nicht hatten. Die Ab-
bildungen, ungemein zahlreich vom Verfaſſer ſelbſt gezeichnet, ſehr
gut ‚lithographirt von Henry, Vieles ift ‚berichtigt, was die
fühern Zootomen unrichtig dargeftellt haben. Die Abbildungen
find. in! natürlicher Größe und: von sallen, Theilen des Leibes,
oft illuminirt. Diefe Arbeit wird auch. einftens für ‚die Claſſi—
fieation‘ von Wichtigkeit ſeyn. Sie geht for fehr ins Einzelne,
daß man ſie unmöglich ‚hintereinander -lefen‘, ſondern nur gele—
gentlich vergleichen ‘kann. Eine Darftellung davon wird, mar
uns daher ‚gern erlaffen: Ö &srtirttalsar
Die Abbildungen find von
Meleagris, Anser, Anas, Alauda, Perdix, Falco , Em-
beriza, Parus, Sylvia, Fringilla,. ‚Corvus, ‚Columba, Strix,
Gallus, Cueulus, Picus. ’ ri
5) Zinden (ber: Bergrath), ſyſtematiſche Ueberſicht der
Gänge und Kager des Harzes, welche Metall fuͤhrend find. ©. 699.
Zum Schluß fey ung ein Rath erlaubt. Das Werk hat
nun eine ſolche Menge Titel und Zaͤhlungsarten dev Baͤnde, daß
man nicht mehr weiß, welchen Band man bekommt, wenn man
indie, Bibliothek ſchickt. Der eine citiert nach dieſer Reihe,
der andere nach einer andern, dieſer die deutſchen Titel, jener
die lateiniſchen. Wäre es denn nun nicht beſſer, alle diefe Titel
und alle Baͤndezahl wegzulaſſen, und nur die Jahrszahl zu
ſetzen z. B. 1848. Bd. l. II. Il Dann koͤnnte man auch
die fo unbequemen Titel: Supplemente vermeiden.
De Sympodia,
Diss. insistens descriptionem anatomicam infanfis parte infe-
riore monstrosi. Auct. C. G. Langsdorff. Heidelbergae
1846. fol. 22. t. 3. a
Diefe Abhandlung enthält eine fleißige Zerlegung eines Kin-
des, deffen Füße in eine Saͤule verwachfen find, ausfehend wie
ein Wickelkind, die Knochen dennod getrennt, mit Ausnahme
des Bodens, der MWadenbeine, mehrerer Sußwurzelbeine; 15.
Woran die Literatur fehr reichhaltig; dann eine Glaffificatia
der Mifbildungenz endlich die Beſchreibung und ‚Zerlegung.
Abgebildet das Ganze; die, Bauchhoͤhle nebſt Füßen, mit Mus-
keln, - Gefäßen und Geſchlechtstheilen; ferner die Fußmuskeln
von ‚der. Seite, und die Knochen, von. den Lendenwirbeln an
nach. unten, nur
+
Encyclopädiſche Zeitſchrikt,
vorzuͤglich
für Naturgeſchichte, vergleichende Anatomie und Phyſiologie,
von ⸗
—DD
1847.
Dt ee
Tafel I.
Der Preis von 12 Heften ift 8 Thlr. fächf, oder 14 fl. 24 Zr. rheiniſch, und die Zahlung iſt ungethellt zur Leipzige
Gftermeffe des laufenden Jahres zu leiften.
Man wendet ſich an die Buchhandlung Brockhaus zu Leipzig, wohin auch die Benträge zu ſchicken find. Es wird ar-
beten, diefelben auf Poftpapier zu fchreiben. Das Honorar für den Bogen ſechs Thaler preuß. Cour.
Unftankierte Bücher mit der Poft werden zurüdgewiefen. .
Einruͤckgebuͤhren in den Text oder Umfchlag die Zeile ſechs Pfennige.
Bon Antierititen (gegen Iſis-Recenſionen) wird eine Quartfeite unentgeltlich aufgenommen.
ee ——— ———————————
Leipzig, bey Brockhaus.
Anzeigen.
Fiteratur der Botanik.
In meinem Verlage tft foeben erfchtenen und durch alle
Buchhandlungen zu beziehen:
Thesaurus literaturae botanicae
omnium genlium inde a rerum bolanicarum initüs
ad nosira usque lempora, quindecim millia opera
recensens. Curavii &. A. Pritzel.
In acht Lieferungen.
Gr. 4. Jede Lieferung auf feinem Mafchinenpapien 2 Thle.,
auf SchreiberBelinpapier 3 Thlr.
Ueber Plan und Inhalt diefes für die botanifche Literatur fehr
wichtigen Werkes hat fich der DVerfaffer in einem der erſten Lieferung,
welche foeben ausgegeben worden iſt, beigedruckten Profperte ausführ-
licher ausgefprochen, und die Verlagshandlung hat nur die Bemerfung
beizufügen, daß die übrigen Lieferungen in einer ununterbrochenen Folge
in regelmäßigen Zwifchenräumen erfcheinen werden,
Feipzig, im April 1817.
5 U Brockhaus.
Das Preis-Verzeichniß
ausländifcher Conchylien
(über 500 Arten), welche einzeln verkauft werden
beym zoologifhen Mufeum der Univerfität
Heidelberg (Nr. IV. 1847.) 8,
kann auf dem Wege des Buchhandels von genanntem Inſtitut,
wie von Th. Fifher in Eafjel ohne Preisvergütung bes
zogen werden.
Bei August Hirschwald in Berlin ist soeben er-
schienen und in allen Buchhandlungen zu haben:
Neues System
der
Morphologie der Pflanzen
nach
den organischen Bildungsgesetzen
als
Grundlage eines wissenschaftlichen Studiums
der Botanik besonders auf Universitäten
und Schdem
von
Dr. ©. H. Schultz‘, Schultzenstein,
ordentlichem Professor an der Königl. Universität zu Berlin. etc.
Mit einer Steindrucktafel.
8. broch. Preis 1 Thlr.
T
—
1847.
Def EV.
Philoſophie.
Vom Grafen Georg von Buquoy.
Philoſophiſche Aufforderung.
Sell mein], blos aus: Thatſachen meines Bewußtſeyns (von
mir felber — nicht wegzuläugnenden), ſich aufthürmendes Phi—
tofophieren — klar vor mir felber da ftehen, hiemit — als
feftgeftügt fi vor mir behaupten, und hiernach, auf befriedis
gende Weiſe mich, mit mir felber verftändigen, al8 worauf ja —
mein ganzes: Streben im Philofophieren — das autonome —
fi reduziert endlich; ſoll meinem Philofophieren — an Klar:
heit nichts mangeln; fo muß jede meiner Perzeptionen* fo von
mir ausgefprochen werden, daß jede derfelben, infofern fie hete=
togen gegen eine “andere ift, mit diefer — nicht in Eines com:
biniert werde, daß namentlid) das aus der Negion der Wirk:
lichfeit von mir Perzipierte — von mir aufgefaßt werde an fich
nur, und nicht in Combination mit folchen Perzeptionen (Per:
zeptionen namlich aus meiner Fictionenwelt), die man Hypo⸗
thefen oder Suppofirionen nennt**. So z. B. darf ih, vor
bergeftelltem Beweiſe — vom Dafeyn einer Seele am Men:
fhen***, nicht den. Ausdrud Seelenverrihtung — anwenden,
da hierin ſchon eine — ein gewiſſes Schwanken in mein
Philoſophieren bringende — Gombination zweyer heterogener
Derzeptionen, die eine (Verrihtung) — aus meiner Wirklich:
feitswelt, diesandere (Seele) — aus meiner Fictionen-—
welt, vollzogen iſt; ih muß hier fagen: Selbſtbewußtſeyns⸗
aͤußerung. Ebenſo — darf ich, als Phitofoph, mich des: geog:
noftifhen Ausdruds BVerfteinerung, bey der bloßen Befhreibung
eines Foffils, nicht bedienen, da das hier oder dort vurgefundene
Foſſil, unbefangen -— und unmittelbar nach feiner Erſcheinens⸗
weife — benannt, hypotheſenfrey "bezeichnet, nur ein, dem
Plaſtiſchen nach, omoiophytifch oder omoiozooifch geartetes Fol-
fil — genannt werden kann von mir, indes der Ausdrud Ver:
fteinerung, ganz fo wie die Ausdrüce: Petrefact, foſſiler Meit,
u.d: g. nicht mehr der unbefangene, der unmittelbare
Ausdeud der blos an und für fi aufgefaften Erfhemung ift,
da, in folhem Ausdrucke, die Perzeption aus meiner Mirklich-
keitswelt (Foſſil, fo oder fo gefaltet). — ſchon mit. einer Per:
zeption, aus meiner, Fictionenmwelt (ehedem Pflanze, ehedem
Thier, dann verfteinert) — combiniert ift; ich fupponiere ich
*Jede meiner Perzeptionen — entfpricht: enfweder meiner Wirk:
lichkeitswelt — oder meiner Fictionenwelt.
= Sn den Schilderungen des Perzipierten, ja felbft in den Aus—
drüden, in den einzelnen Benennungen, darf Feine Hypotheſe — wenn
auch nur verſteckt — liegen (Buguoy Skizzen zu einem Geſetzbuche
der Natur... .).
*- Vielleicht ift unfer Selbſtbewußtſeyn — bloßes Nervenfpiel
und es giebt dann feine Geele, fo wie vielleicht alle Lichterfcheinung —
bloße Aeußerung lumifizierender Körper ift und es gibt dann keinen
eichtftoff (Sieh Buquoy Skizzen ufiv.).
Iſis 1847. Heft 5,
fingiere bier namlich, es ſey vorliegendes Foſſil einft Pflanze
oder einſt Thier gewefen, fei aber fpäter verfteinert morden,
welche Suppofition fein Vernunftpoſtulat fondern eine bloße
Meinung ift, wie z. B. folgende Behauptung wäre: es ſey be:
fagtes Foſſil, fo mie es da vorliegt, ganz auf gleiche Weiſe,
wie z. B. ein Quarzerpftall innerirdig entſtanden ufw.*; mir
wiſſen ‚hier nichts — von ‚der Art des Gewordenfeyns am
Foſſil. So lange wir nicht aus unferm Philofophieren —
alle Ausdrüde eben ermähnter Art — gänzlid) verbannen,
bleibt unfer Philofopbieren ein befangenes Gedankenfpiel vell
vorgefaßter Anfichten, ein leeres Hinz und Mieder:
Reden, dem es an männlicher Haltung gebricht. Leider! in
diefem Zuſtande — befindet fich das gefammte feit Jahrtau—
fenden getriebene Philofophieren, fo. wie. ihm zugleich der Vor—
wurf zu machen iſt, der, fi in metaphyſiſch nichts fagenden
Wortſchwall zu verlieren.
Es ift nun einmal Zeit, nad den Sahrtaufenden — Eeine
Befriedigung gewährenden Philofophierens, das zerfahrene Ge-
leife, die verfallene Bahn, hinziehend nach einer bisher feuchend
verfolgten Chimäre, zu verlaffen, und.frifche Bahn zu brechen
fih, — da endlich einmal eingetreten, ift der Zeitmoment, wo
Alles — angeeckelt fih fühlt durch den faulenden Gadaver einer
in Stumpffinn Aberglauben Gefpenfterfeherei — in eitler Sucht
in Aberwig und in boffärtiger Demuthheucheley — träg abge:
laufenen, die Gegenwart immer noch mittelaltrig und ſcholaſtifch
abeptifch inftzierenden, abgefhmadten Periode; es ift einmal
Beit, den fehnurrenden Leierkaften einer moͤnchiſch engherzig. ver—
fümmerten, alle Lebensfreude — in Erbitterung, Groll und
Sehnfucht umwandelnden, Moral, hinauslaufend diefe — auf
finftere herzbeflemmende Aſcetik, jener Aftermoral, ſchweigen zu
machen, des Lebens harmlos froh zu genießen, . die entweihte
Menfchenwürde wieder herzuftellen, und jugendlich kraͤftige Arme
zu benügen, um friſche Bahn fih zu brechen. — über Stod
und Stauden hin, dahin, — wo die Feuerblicke eines jugendlich
auffeimenden Geſchlechts hindeuten, in Verachtung abgelebt er-
bleichter Schulweisheit, zujauchzend das aufkeimende Gefchleht —
dem Paradiefe klarer Erkenntniß und einer, — dem Menfchen
als foldhen — befeligenden Selbſtverſtaͤndigung, ſo wie einer
Sehre aus der fih nicht winden läßt — die Zuchtpeitſche
zu Geifelung der Völker; es ift einmal Zeit, das Philofo-
phieren als ein. Selbftftändiges -— zu achten, ohne es, unter
Angſtſchweiß, diefem oder jenem Religionsſyſteme anzuzwängen ;
vielmehr — in der Theologie — durch ein gefundes Philoſo—
phieren aufzuriumen; es iff einmal Zeit, das Philofophieren alg
.. * Viele aͤhnliche Betrachtungen — in Buguoy’s Skizzen
einem Gefesbuche der Natur, ' EMS
21
-
323
ein an und für fi den Menfchen Adelndes zu betreiben und
nicht es blos als dienftbare Magd zu verwenden für, Zwecke
bürgerlichen Lebens, zugleich aberdie Chimären — vom Dinge
an ficy, vom legten Grunde, von der Urftubftanz, und von all
diefen metaphyſiſchen Nichtſein, — aufzugeben, über
die — ſtets nur leerer, allenfalls gelehrt Elingender, Mortkram
verfchwendet werden kann; es wäre endlich doch einmal Zeit,
den Menfchen zu nehmen — für das was er in der That
ift, für ein endlihes — mineralhaft pflanzhaft und thierhaft
vidgefeffeltes (dev Metaempirie zwar — nicht aber der Meta:
phyſik — fähiges) — Vernunftwefen nämlich, und ihn an bie
Naturgrenzen zu mahnen, an die Grenzen und Geſetze der
Qvoıs, außerhalb derer — er fich, feiner Geartung. nad),
itets nur als ein Wahnfinniger benehmen kann. Die Hinz
weiſung auf folhe Grenzen der Natur, der pvois, und unfe-
res Zorfchens tiber fie (dies Forfchen ſelbſt — die Aeußerung
einer Naturthätigkeit, 'entfprechend dem Anthropobiotismus),
foldhe Hinweifung aber — reduziert fich, ganz Eurz ausgedrückt,
darauf, daß jeder des Philofophiereng auftichtig Befliſſene — über
ſich felber — fo fpreche: Mein Philofophieren kann nie mehr —
ſeyn, als, daß ich alle, aus meiner Erfcheinungsmwelt* ſich mit
ergebenden, Thatſachen meines Bewußtfeyng — in Harmonie
fegte mit den Normen meiner Anſchauung, von denen e8 mit
Thatſache des Bewußtſeyns iſt, daß fie mit — das Mefen
meiner Selbftbewußtheit Eonflituiren; wornach alfo mein Philo-
fophieren — fi, fo zu fagen, auf ein Affimilieren — meiner
gvoss-haften Erſcheinungswelt (mein Sch mit innbegriffen) —
mit dem Weſen meiner pvoss-haften Ichlichkeit — reduziert ;
fo — verftändige ich mi mit mir felber, welches mir auto:
nom — intellectuelle Befeligung gewährt, eine actio actionis
causa — if. Zu Wahnfinn und Berzweiflung aber —
führt dag Streben nad) felbfiproductiv zu erringen-
der Metaphyſik — nach) felbftproductiv zu ertingender Er:
kenntniß des nicht mehr Wvosg-haften — ein Wefen
wie der Menſch, dag durch und durch pvoss-haft ſelber iſt.
Was meine Thatfahen des Bewußtfenns, fo viele ſich
ihrer — aus meiner gefammten Erfcheinungswelt — mit auch
darftellen mögen, was fie überhaupt an fih — fryen, was
insbefondere die Formen meiner Anfhauung (mir —
gleichfalls Iihatfachen des Bewußtſeyns) an ſich — feyen,
was felbft mein Sch an ſich — fey (Alles dag — durch:
aus mir gegebene Dinge), Alles das — iſt fchon tiber das
Gebieth des yvoıs-haften ‘hinaus, gehört fchon der Meta:
phyſik an, dem nit mehr Yvoig- baften, steht alfo dem
Phitofophieren — des duch und duch wvorc-haften
Menfhen — nicht mehr zu, des Menfchen diefes Cul:
minafionspunctes zwar, jedoch diefes Culminationspunctes
telturen Lebens doh nur, — immer noh in Endlid=
keit befangenen, fondern — fömmt nur dem nicht mehr
govorc-baften — zu, dem Metaphpyfifhen, dem
MW eltall als Unendlihes als Abfolutum, dem, ber
die eine unendlihe Totalität ift als Au: Leib und All:
Seilbftbewußtheit, ihm, von dem der Menfch blos den Ein:
fall — haben kann, — den Einfall blos — und nie mehr,
infoferne von Selbftproduziertem aus fic heraus, von
* Aus dem genannten fich mir. barftellenden Litho-Phyto-Zoo An:
tbropo-Poli-Biotismus (aud) alle meine Ideen Fietionen Santafiegebilde
Gefühlsaufregungen u. dgl., ferner aud alles Gefhichts - Staats -
u. dgl. Erfcheinen, in ſich fchließend)-
324
Seibftproduziertem aus dem buch und durch gvoss- haften
Menſchen heraus, die Rede iſt, und nicht etwa — von gläus
big erhorchter Offenbarung des Metaphufifchen, dieſes — durch
Gott geoffenbaret. All mein Philofophieren kann ſtets nur
naturhaft — gvoıg- haft — feyn, nie Metaphyſik; diefe —
Eönnte mie nur duch göttlihe Dffenbarung werden;
gibt 8 denn aber eine? vermag ich zu entfcheiden, welche —
aus den manigfachen für göttlich fi) ausgebenden Lehren —
göttliche. Offenbarung fey, — wirklich fey? vermag id)
denn, die Criterien des Göttlihen — anzugeben? ufw.
Arrierierter Zuftand der Philoſophen.
Daß man, in. früheen Zeiten, fo lange man noch, unter dem
ftitfhweigenden Selbftbekenntniffe nicht erlangter Miündigkeit,
alle Gedanken aus" den griechifhen und roͤmiſchen Claſſikern
f&höpfte, und fo lange noch den: Forfchern das Eigentliche —
des hohen generellen und präzifen: Sinnes am Ausdrude: Nas
turgefes * nicht aufgegangen: war im: Geiſte der -eracten MWif-
fenfchaften ‚(dies fand ſtatt — erſt ſeit Newton), daß man
damals an dem Vorurtheile von der moralifchen Freis
beit — £ränfelte, dies: ift nicht zu wundern. Aber nicht wohl
begreiflih wird es, wie jenes Vorurtheil, — auch nad); dem
in die menſchliche Erfenntniß eingebrochenen Kicheitrahle ‘vom
Naturgeſetze, der feit Newton unfer Wiſſen fo glorreich erhell⸗
te, — noch ferner fortwuchern kann. Es möchte die, Löfung
des ſich, beim. erften-Anblide, als unbegreiflich hier uns Auf—
dringenden — weſentlich darin liegen, daß Diejenigen, die man
bisher (ganz falfh**) ausfhließend Phyſiker und: Naturfors
fchee nannte, von den eigentlich fobenannten Philofophen (den
All natur-Forſchern) — g.etremnt; ohne wechſelſeitige In—
fluenz, ſich hieltenz ſo daß das ſeit Newton aufgegangene
Licht, welches uͤber die geſammte Naturforſchung — ſich
haͤtte verbreiten ſollen, blos dazu diente, die, ganz falſch,
ausſchließlich fogemannten Naturforſſcher — mit
Rieſenſchritten und: unter fichergefteltteri "Nefultaten vorwärts zu
fördern, indes die eigentlich ſogenannten (metaempiriſch, aber
ftetd Yvosc-haft nur, die Natur erforfchen koͤnnenden) Philo⸗
ſophen, vom Schwunge der ſeit Newtoniſchen Zeit nicht mit
ergriffen, bisher immer noch — an den Knochen des Platonis-
mus und Ariſtotelismus nagten, ſichtlich abmagernd, und in
mittelaltrig ſcholaſtiſcher Scheu umherblickend, ob nicht etwa,
bey freierm (von Autoritaͤt und poſitiver Satzung frey gehalte—
nem) Aufſchwunge, ein scandalum abhorrendum gegeben wer—
den möchte. +
Richtiger:
tionsimperativ.
” Die menfchliche Forſchung — Fann fi) auf nichts Anderes —
je beziehen, als nur — auf Yvoıs auf Natur. Der Menſch ſelbſt —
ift ja nur ein infergierender Theil — vos. All unſer Forſchen —
it Phyſik, d.h. Naturforfdhyung- (Forſchung über Yvors),
Forſchung über eines der, in folgender Sefammtheit enthaltenen, Mo—
mente: Litho = Phyto = 300 = Anthropo - Poli : Biotismus. i x
Auch Pſychologen, Geſchichtsforſcher, eigentlich _fogenannte
Phitofophen (mögen dieſe immerhin als Metaphyſiker — fi) ganz falſch
titulieren), find Naturforfcier oder Phyſiker, da. der Gegenffand
menfchlichen Philofophierens — nur gvcıs-haft jeyn kann. Alle
vom Menfchen getriebene Forfhung — ift Naturforfhung, ift ein
Forfchen an der gvoıg. Freilich) aber — follten die Philofophen —
die exacte Methode der Phyſiker befolgen,
(Buquoy Efigen. . -).
+ Noch magte es z. B. Niemand unbefangen und in Eernhaft
phitofophifchem Zone — in der Theologie — aufzuräumen,
Naturnothwendigkeit, Modusabſolutheit, Dszilla:
und meinem Beiſpiel
325
E Monpograpbien
der Genera ber Falconidae von I: 3. Kaup.
Fünfte Monographie.
V.:Subfamilie. Buteeninae:
1) Buteo, 2; Pernis, 3) Polyborus, 4) Rostrhamus, 5) Ibicter.
1. Genus, Salfenbufjarde oder Bufjarde —
Buteo Bechst.'
Diagn., Naſenloch eifoͤrmig oder halbmondfoͤrmig, hori⸗
zontal, von gewöhnlicher Bildung am vordern Rand einer weis
hen Haut ſitzend, die die Nafenhöhle bedeckt.
Beſchreib. Schnadel von gewoͤhnlicher Höhe und Birvimg
mit kurzem Schnabelhaken und ohne Zahn. Der Zügel mit
von der Mitte ftrahlenförmig ausgehenden Borften bedeckt. Die
Madenfedern von "gewöhnlicher Bildung und bilden deshalb
weder einen! Kragen’ noch Zopf. Die Flügel find meift fang,
felten ‘find’ ſie länger "oder kuͤrzer als der Schwanz: "Die
Schwingen nehmen von der 2. bis 5. an Länge ju. Die 2.
und 3 oder die 2.,:3:, 4., oder die 2.,: 31, 4. und’ 5. an’ der
Innenfahne beſtimmt und meift! in einem rechten Winket aus—
Tafel I.
geſchnitten. Die Tarſen ziemlich hoch, befiedert oder vorn und
hinten geſchildert. Zehen kurz, aͤußere und innere von faſt glei⸗
cher Laͤnge. tn?
= 326
Dieſes Geſchlecht, nehmen wir die Adlerbuffarde mit befieder—
ten Tarſen aus, enthaͤlt nur feige, ziemlich ſtupide Voͤgel, die
zu wenig Fluggewandtheit beſitzen, um wirklich ſchaͤdlich zu ſeyn.
Nur junge und kranke Voͤgel, kleine Saͤugethiere, wie Maͤuſe,
Amphibien, Juſecten werden ihnen, zur Beute. Alle fallen auf
Aas. Wie die Mehrzahl der Raubvögel niften fie auf fehr
hohe Bäume und zur Zeit, ihrer Wanderungen fchlagen fie fi
in große Gefellfchaften zufammen.
Sie zerfallen in fünf natürlihe Subgenera, von welchen bie
größere, Zahl auf America beſchraͤnkt iſt. Es ift dieß auch mit
den, Genera der Buteoniuae. der Fall, indem von allen Genera
America Repraͤſentanten beſitzt und, die Genera Polyborus
Rostrhamus und Ibieter. ihm eigenthünlich find.
Die 5 Oubgenera wiederhofen fehr deutlich die 5 Subfami-
lien der Faleoninae und dieß ift mitunter fo deutlich, daß die
Drnitholsgem in wahre Verlegenheit gerathen find, ‚die. Arten
diefer richtig zu plazieren. Dieß iſt namentlidy mit dem die
Sperber wiederholenden 3. Subgenus der. Fall, in welchen die
Arten Wilsonii, lineatus, borealis Bald zu den Astures, bald
zu den Buteones verfest wurden. Ich glaube, dag meine Art
zu fehen, dieſem Zwiefpalt ein Ende machen wird, denn die ge-
nannten Species ſind nach dem ganzen Totalhabitus Buffarde,
allein die kuͤtzeren Flügel uſw. zeigen an, daß fie den Sperber:
typus in ihrem Genus wiederholen.
lag Archibuteo.
Schnabel von der
Wachshaut an gebogen.
Die Fluͤgel erreichen
die Shwanzipiße....2., .
3... und» 4. Schwinge
beſtinimt / 50 und 6.
ſchwach an der Innen—
fahne ausgeſchnitten.
Tarſen vorn und
ſeitlich befiedert,
nah hinten mit-
Schildſchuppen.
Sohlen ber Zehen
ſtumpfwarzig, Nägel
gewöhnlich.
1. Buteo lagopus,
2. strophiatus, 3. St.
Johannis: _ -
1. Subgenus.
Diagn.
Schildfhuppen, welche die_feitlihen Federn verdeden.
2. Tachytriorchis.
Schnabel von . der
Wachshaut an gebogem.
Die Flügel übers
reihen den kuͤrze⸗
ven Schwanz
2. und 3. beſtimmt,
4. und 5. ſchwach an
der Innenfahne aus—
geſchnitten. Tarſen vorn
und hinten geſchildert.
Sohlen der Zehen
ftumpfwarzig, Nagel
gewöhnlich.
4. pterocles, 5. uni-
color.
Falkenbuffarde — Archihbuteo Brehm.
Tarſen vorn und zur" Seite befiedert, hinten mit
gefhuppt, vor den Nägeln mit 3—4 Scildchen.
Befhreib.
fämmtliher Subgenera.
die übrigen find.
den Winter, in waͤrmeren ‚Regionen,
Sieh die Charactere der Zufammenftellung
Diefes, Subgenus enthält die nobel-
ften Arten, die noch am meiften Muth zeigen und feheuer als
Sie lieben - Fältere „Gegenden und verleben
Man finder ſie in allen
Melttheilen, Neubolland ausgenommen.
Der gemeine Falkenbuſſard — Buteo lagopus
Falco Einn.
Zarien 64 — 66 Mm. hoc. Die inneren Ad:
felfedern weiß und roſtgelb mit großem ſchwarzem Flecken.
Linn.
Diagn.
Naum. t. 34.
3.. Poecilopternis,
Schnabel von der
MWahshaut an gebügen,
Die kurzen Fluͤ—
geluͤberreichen nur
die Hälften des
Schwanzes.
2.,. 3. und 4. bes
ffimmt, 4. ſchwach an
der, Innenfahne aus—
geſchnitten. Tarſ. vorn
und hinten geſchildert.
Sohlen der Zehen
ſtumpfwarzig. Nagel
gewoͤhnlich.
6. Wilsonii, 7. linea-
tus, 8. erythronotus.
9, borealis.
Zehen
verfehen.
Eräftiger gebaut.
dunkelbraun „„gefledt. “Die
ſchwarzbraun, einen dunfelen Schild bildend.
ift an der Wurzel meiß mit dunkler breiter Endbinde.
lere Theil iſt zuweilen mit 3—7 unregelmaͤßigen Querbinden
4. lehthyoborus.
Schnabel‘ mehr
geſtreckt und auf
gefhwungen.
Die‘ Flügel: erteichen
nicht ganz die Schwanz:
ſpitze.
2. bis 6. Schwinge
ſchwach bogenfoͤrmig an
der Innenfahne aus—
geſchnitten. Tarſ. vorn
und hinten gefchildert.
Sohlen der Zehen
6
Nagel fehr groß, mehr
gekruͤmmt und fpis.
„10. busarellus.
5. Buteo.
Schnabel von der
Wachshaut an ge—
bogen.
Die Shügelner:
ereihen nicht ganz
das Ende des
Bidstununenk
2., 3, 4. und 5 be:
Fimmt, 6. ſchwach
ander Innenfahne
ausgeſchnitten.
Tarſen vorn und
hinten geſchildert.
Sohlen der Zehen
fumpfivarzig. Nagel
gewöhnlich.
11. Buteo, 12. jakal,
13. augur, 14. rußinus.
Beſchreib. Bon der Größe des ‚gemeinen Buſſards, allein
Dben auf weißlichem oder. roffgelbem ‚Grunde
langen . Seitenfedern. der Bruft
Der Schwanz
Der hel⸗
Variirt, wie alle Buteoninae, allein bildet Feine fo ftändige
Varietaͤten wie der Mäufe-Buffard.
zeigen: geringe Verſchiedenheit in den Ausmeffungen.
Männchen und Meibchen -
Ueberwin=
tert im füdlichen Zeutfchland und niſtet fchon in Norwegen
und. auf der. Infel. Rügen.
Außer Europa kommt er merk:
mwürdiger Weiſe auch am Cap und ferner in Nordaftica vor,
lihen Haß gegen den Uhu.
Auf der Kräbenhütte zeigt er mehr Muth und einen ungewöhn-
Er wandert nur in Eleinen Zügen
397
und nimmt dem Wanderfalke, wie der Mäufebuffard
gene Beute ab.
die gefans
Dimenfionen mas. — fem. Tarſe 6 — 64
Kopf 80 — 82 Mittelzehe 35 —. 40
Schnabel 22 — 24 Außenzehe 24 — 2
Mundwinkel 40 — 43 Innenzehe 23 — 23
Oberfluͤgel 250 — 260 Schwanz 212 — 215
Fluͤgelſpize 173 — 175
2) Der americanifhe Falkenbuſſard — Buteo
Sancti-Johannis Gmel. Falco Sancti- Johannis
Gmel. Falco niger Wils. t. fig. 1 u. 2. fem. Falco
ferrugineus Licht. fem. Archibuteo regalis @. Gray,
im brittifchen. Mufeum.
Diagn. Xarfe 86 Mm. hoch. Schwanz; 230 Mm. lang.
Das Männdhen Wilfon 53. Fig. 1 ift total ſchwarzbraun —
Stirn weißlich — Nadenfedern an der Wurzel weiß. Die
Schwingen an den Innenfahnen weiß. Schwanz mit 5 ſchma—
ten linienartigen weißen Binden und meißer Endborde.
Das Weib, als Falco ferrugineus Licht. oder regalis
G. Gray im Sammlungen etiquettitt, gleicht dem jungen Vogel,
Wilfon Tab. 53. 2. Dben ſchwarz, roftbraun und weiß
geflect, Kopf, Wangen und Hinterhals weiß mit ſchwarzbrau—
nen Schaftfleden. Vom Winkel des Unterfchnabels ein ſchwaͤrz—
licher Streifen. Schulterfedern am der Wurzel weiß, fonjt roſt—
voth mit ſchwarzbraunen Schaftfleden.. Die kleineren Deckfe—
dern des Flügels ſchoͤn roſtroth mit fhmäleren und- breiteren
fhwarzbraunen Schaftfleden. Schwingen 2. Drd., die großen
Deckfedern der erften Schwingen, fo wie die bintern Schwin⸗
gen 1. Ordn. aſchgrau, ſchwarz gebändert. Die 5 bis 6 vor:
dern Schwingen mit hellafchgrauen Außenfahnen und blendend
weißen Schäften.
Bon Innen zeigt der Flügel die Eleinen Dedfedern weiß, mit
einzeln ſchwarzen und voftbraunen Flecken, die Streifen bilden.
Die längften Dedfedern find an der Spise afhgrau, ſchwarz
gefledt. Die obern Schwanzdedfebern find theils toftroth, theils
weiß mit fchwarzen Schaft: und Querfleden und Bindern.
Der Schwanz ift falt wie bey Circus rufus gefärbt, von
unten weiß, von oben mit ſchmutzig grauroftrothem Anflug auf
den Aufenfabnen und den mittleren Schmanzfedern, ohne alle
Binden. Alte unteren Theile find weiß. Die Kropfgegend mit
ſchwarzen Schäften ; die langen Seitenfedern mit einzelen ſchwarz⸗
braunen auf roftfarbigem Grunde gezeichneten Querfleden. Hoſen
und Tarfen roftbraun. Die langen Hofenfedern an der Wur—
zel und nach hinten zu weißlich, voftfarbig angelaufen mit
ſchwarzen zadigen Querfleden.
Sch habe die Befchreibungen nad) zwey Eremplaren entwor—
fen, wovon dag Eine im Frankfurter, das Andere im brittifchen
Mufeum fich befindet. ‚Beyde ffammen, aus Merico.
Big jest habe ich Feine Weibchen aus Nordamerica unter
ſucht, allein ich bin überzeugt, daß die, Mericanifchen von den
NMordamericanifchen nicht verfchieden find.
Der junge Vogel, den MWilfon abbildet, zeigt eine breite
ſchwaͤrzliche Schwanzendbinde, allein iſt fonft bem ferrugineus
ſchr ähnlich gefärbt, fo weit fich dieſes aus der mittelmäßigen
Abbildung ertennen läßt.
328
Die Dimenfionen bes son mir befchriebenen Weibchens find:
Kopf Mittelzehe 5.36:
Schnabel 27 Außenzehe 26
Mundwinkel 44 Snnenzehe 25
Flügel 440 Schwanz 230
Zarfe 80
3) Der Indifhbe Falfenbuffard — Buteo stro-
phiatus Hodgs. Aquila, strophiata Hodgs. Brit.
Mus. Buteo leucocephalus Hodgs. Buteo hemila-
nius Temm et Schlegel. Fauna jap. t. VI.
Diagn. Faft fo groß als die Aq. naevia. Zarfe 93 Mm.
hoch. Schwan; 256 Mm. lang.
Befchreib. Bisjegt die größte Art der ganzen Abtheilung.
Die Grundfarbe ift einfarbig ſchwarzbraun mit, breitem mweißli-
chen Ring auf der, Oberbruft — Kopf und , Nadenfedern an
der Wurzel weiß. Der weißichaftige Schwanz hat tigerfledige
Bänder und Längsfleden. Die Schwingen find vor. den Aus—
ſchnitten weiß, mehr oder minder grau ‚gewäffert, ie
Er ift in Indien und China ein Standvogel, der im Win:
ter bey. gefrorner Schneedecke häufig in’ dieſe beym Gehen ein:
bricht und fo mehr oder minder: feine Zarfenfedern einbüßt.
Nach folchen mehr. oder weniger ‚befchädigten Exemplaren, an
welchen die Stoppeln der abgeriebenen Zarfenfedern jedoch leicht
zu erfennen find, hat Hodgfon feinen Buteo, leneocephalus
und die Herrn Temmind und Schlegel ihren Buteo hemi-
lanius aufgeftellt; das als Aquila strophiata‘ Hodgs. im
brittifchen Mufeum bezeichnete Eremplar hat jedoch die Zarfen
wie die übrigen vollftändig befiedert, und ich laſſe defhalb diefer
intereffanten Art den von Hodgfon gegebenen Namen. Ich
thue dieg um fo lieber, weil diefer großer Freund der Orintho—
logie troß allen begangenen Fehlern unverkennbare Verdienfte um
die Indiſche Drinthologie ſich erworben hat.
Dimenfionen. Fluͤgelſpitze 190
Kopf 92 Tarſe 93
Schnabel RS Mittelzehe 39
Mundwinkel 49-51 1. Schwanzf. 244
Dberflügel 300 6. — 256
2. Subgenus. $lugbuffard — Tachytriorchis’Kaup.
Diagn. Die fehr langen Flügel überreichen die Spitze des
Eürzeren Schwanzes. Flügelfpige länger als bey den übrigen
und geht in die Länge des Oberfluͤgels 14 mal. Zweite und
dritte Schwinge fcharf, 4. und 5. ſchwach an der Innenfahne
ausgefchnitten. j
Sie fcheinen auf Südamerica beſchraͤnkt zu feyn.
4) Der Temmindifhe Flugbuffard — Buten
pterocles T'’emm. pl. col. 56. 139. Buteo albi-
caudatus Vieill. Ene. 1223. Spiza&tus leucurus Fieill.
Enc. 1257. Aquila cola blanca Azara.
Befhreib. Schieferſchwarz mit aſchgrauem Anflug und
rofteothen Fleden auf Schultern und deren Dedfedern. Kopfs
und Hinterhalsfedern an der Wurzel blendend weiß, Unterruͤcken
weiß, roſtbraun gebändert. Dbere Schwanzdedfedern weiß,
Schwingen 2. Ordn. ſchwarzbraun gebandert. Schwanz; an
der Wurzel weiß mit fchmalen grauen Linien und fchmarzer,
weiß geränderter Endbinde — Kehle ſchwarzbraun, hufeifenför-
mig, die weiße Kopfgegend begranzend. Die Seiten find meiß,
329
ſchwarzbraun gebändert , Hofen und untere Schwanzdeckfedern
weiß, erftere fein verlofchen gebändert.
Der junge Vogel, welchen TZemmind pl. col. 139 abbilbet,
ift oben. ſchwarzbraun ‚mit roſtrothen Federraͤndern. Wangen
und Seitenhals roftgelb mit. [hwarzen Schaftfleden. . Kinn und
Kehle mit hufeiſenfoͤrmigem fchwarzem Fleck. Bruft und, Bauch
fhmusigweiß, ſchwarz gefledt. Die Hofen mit roftfarbigen
Flecken. Schwanz weiß mit verlofchenen fchmalen, Binden.
Dimenfionen. Tarſe 891-92
Kopf 86-91 Mittelzehe 40-41
Schnabel 24 Außenzehe 23
Mundmwinkel 42-43 Innenzehe 26
Oberfluͤgel 256-266 1. Scwanzf. 180-191
Fluͤgelſpitze 176-180 6. — 170-208
Diefe Art wurde, von Matterer und mir früher mit dem
Buteo erythronotus verwechfelt, welcher im Bau des Flügels
total verfchieden ift. Die Sage, als befige das Wiener Mus
feum eine große Suite von beyden Arten, bie fo in einander
übergingen, daß fie nicht zu unterfcheiden wären, kann, ift fie
begründet, nur auf einer hoͤchſt oberflächlichen Anficht beruhen.
G. Gray überführte mich, indem er mir die beyden Arten im
brittifhen Mufeum vorftellte, augenbliclich meines frübern Irr—
thums, der zu entichuldigen war, indem ich den erythronotus
nur nad). Abbildungen Fannte.
Diefe Art ift in Braſilien gemein.
5) Hierher gehört noch die Kleinere Art, welche d’Orbigny
im ‚Magaz. Zool. 1837 p. 7 unicolor und ©. Gran bey
weitem paffender albonotatus im brittifhen Mufeum genannt
bat. Sch werde fie fpäter ausführlicher befchreiben. Er ift
ſchwarz mit verftediten runden weißen Fleden auf den unteren
heilen.
3. Subgenus. Sperberbuffarde— Poecilopternis Kaup.
Diagn. Die Flügel find Eurz und überreichen nur die
Hälfte‘ des langen Schwanzes. Zweite bis 4. fharf und be—
ffimmt, 5. ſehr ſchwach ausgefchnitten.
Befchreib. Sie haben eine weißliche Stirn, an der Mur:
zel weiße Nadenfedern, groͤßtentheils weiße Innenfahnen der
Shwungfedern, an der Wurzel weiß getüpfelte oder quer ges
ftreifte Schulterdedffedern, weiß gebänderte und gerandete obere
Schmwanzdedfedern und quergebanderte Hofen. Im der Jugend
haben fie ein lichteres mehr längsgefledites Kleid und einen mıt
jahlteicheren Binden verfehenen Schwanz, der im Alter eine ges
tingere Zahl Binden erhält.
Die fammtlichen Arten gehören dem Norden und dem Süden
von America an und waren vor C. Bonaparte nicht gehoͤ—
rig gekannt, indem man die Sungen von lineatus und borea-
his zu Arten erhob, oder fie zu den Astures zählte.
6) Der Wilſonſche Sperberbuffard — Buteo
Wilsonii ‚Bonap. Falco, pennsylvanicus* Wils.
54. 1.** Falco latissimus Ord. Sparvius platypterus
Vieill.
Diagn. Kopf und Schnabel 65 Mm. lang; der gefchils
derte Theil der Tarfen 36: Mm. hoch.
* Die Benennung ;pennsylvanicus ift bereits bey. Nisus velox,
sive fuscus verbraudt und der Name latissimus und platyp-
terus unpaffend.
** Die Abbildung ftellt ihn im Verhältniß zu borealis, lineatus
zu groß vor.
Iſis 1847, Heft 5.
330
Befhreib, Alter Vogel. Er iſt unbedeutend größer als
bie Asturina magnirostris, dem.er, überhaupt ähnlich if. Won
oben fhwarzbraun, das mit der Jahreszeit abgebleichter und
fahlee wird. Das Eleine » Gefieder zeigt beym Aufheben - der
Federn dunfele Bänder und meiße Sleden. Die Schwingen
2. Drdnung zeigen ebenfalls mehr, oder weniger deutliche Binz
den, und eine breite ſchwarze licht bordierte Endbinde. Die
Schwingen zeigen auf den Innenfahnen 5—6 ſchmale, weit
von einander abftehende ſchwarze Binden, die nicht bis zum
Rande gehen und. defhalb nur fhwah auf der innern Seite
durchleuchten. Die Eleineren Dedfedern weiß mit einzelen
ſchwarzen Sieden.
Don den weißwolligen Zügelfedern hängt eine Parthie ſchwar—
zer Borften: über den Mundwinfel herab, von dem ein ſchwarzer
Badenftreifen die lichtere Kehle von „den braungrauen Wangen
abſcheidet. Die Kehle mit ſchwaͤrzlichen Schaftfleden. Die
Federn der Kopfgegend afchgraubräunlich, roſtroth tingiert, an
den Rändern weiß gefledt und gebordet. Auf der Bruft:, Bauch:
und Seitenfedern. ift das Meike vorherrfchend, mit 3—5 roit:
rothen Querbändern auf, jeder Feder. » Die Hofen weiß, roſt—
gelblich angeflogen mit roftrothen Pfeilbandern. Untere Schwanz:
dede weiß.
Der Schwanz iſt fehwarz; auf der hinteren Eleineren Hälfte
mit breitem weißlichen Band; am oberen Deittel ein 2. ſchma—
les und nach der Wurzel ein drittes noch fchmäleres weißes
Duerband. Das Ende des Schwanzes ift lichtbraun und weiß.
Bon unten ift der Schwanz weißlich “mit 3 afchgrauen oder
ſchwaͤrzlichen Binden.
Die jungen. Vögel haben auf weißlichem oder roitgelblichem
Grund — Kopf und. Hals ſchwarzbraun gefleckt, über die. Au—
gen einen. lichteren, Streifen. . Die ‚unteren Theile ‚mehr. oder
weniger. weiß oder roftgelb mit mehr oder weniger zahlreichen
fhwarzbraunen Längsfleden, die auf den Hofen die Schippen«
form des..Kartfpiels annehmen. . Die Flügel find fhwarzbraun
mit roftrothen und weißen: Sleden und Rändern. Der Schwanz
iſt von oben dunfelbraun, von unten an den Innenfahnen weiß-
lich mit 6—7 ſchwarzen Binden und. einer breiteren licht ges
bordeten. Endbinde.
Diefe Art lebt in Nordamerica.
geht, ift mir unbekannt.
Mie weit ihre WVerbreitung
Dimenf. alt — jung?& Tarſe 59 — 61-62
Kopf 65. — 65 Mittelj. 32415 — 32+15
Schnabel. 19 — 17-18: Außenz. 22412 — 22412
Mundw. 30 — 30-31. Snnenz.18+174— 18419
Oberfluͤgel 170 — 175-180. 1.Schwanz..145 — 158-164
Flügelfpise 100 — 110. 6. 140: — 164-172
T) Der gebänderte Sperberbuffard — Buteo
lineatus Gmel. Vieill. Falco lineatus Gmel. Wils.
53. 3. (ad.) Falco hyemalis Wils. 35. 1. (juv.)
Diagn. Der Flügel iſt 332 Mm. lang.
Alter Vogel. Mit ſchwarzem, ſchmal fuͤnffach weiß ‚gebän-
dertem Schwanz.
Von oben an Kopf und Hals und dem oberen Fluͤgelrand
roſtroth, mit dunkelbraunen, aſchgrau angeflogenen Schaftfleden.
Die meiſten kleinen Federn des Flügels, fo wie die Schwung—
federn 1; und 2. Ordnung mit durchausgehenden weißen oder
roftgelblichweißen Querbinden, die dem Flügel ein ſehr buntes
Anfehen geben. Won Innen ‘zeigt der Flügel auf bläulichweiz
ßem Grunde 5— 6 ſchmale ſchwarze Binden. Alle unteren Theile
22
331
toftroth, Kehle und untere Schwanzdede am lichteften, faft weiß:
ih. Bruft, Bauch, Seiten und Hofen lichter, zumeilen faft
weißlich gebändert.
Der junge Vogel, Wilfon 35. 1 ift ähnlich wie der junge
Wilsonii gefärbt und zeigt Kopf, Hals und die unteren Theile,
weiß, die Hofen odergelblidy mit ſchmalen langen Schaftfleden.
Der Schwanz zeigt auf braunem Grunde an 8 fchmale lich:
tere Binden.
Er kommt im Winter in die americanifchen Freiſtaaten dus
dem hohen Norden und verläßt diefe wieder im Mär; und
April. Von dem jungen Vogel fagt Wilfon, daß er ein ges
ſchickter Froſchfaͤnger ift und daß er Individuen geöffnet habe,
die Nefle von 10 größeren und Fleineren Froͤſchen im Kropfe
hatten. Vom älteren erzählt er, daß er an Seen und Suͤm—
pfen ſich aufhalte und Lerchen, Regenpfeifer und Enten fange;
nach demfelben Drnithologen hat er einen hohen, allein untegel-
mäßigen Flug.
Dimenfionen, Tarſe 80
Kopf 75 Mittelzehe 34
Schnabel 22 Außenzehe 25
Mundwinkel 36 Innenzehe 28
Oberfluͤgel 222 1. Schwanzfeder 196
Flügelfpige 116 6. Schwanzfeder 198
8) Der bunte Sperberbuffard — Buteo eryth-
ronotus King. Haliaätus erythronotus King. Bu-
teo trieolor d’Orb. Voy. de l’am. mer. pl. 3. Buteo
varius Gould.
Diagn. Flügel 398, Schwanz 190 Mm. lang.
Er hat die Größe des Mäufebuffards und ift der fchönfte in
feinem Untergefchlechte. Der Kopf und ein Streifen, welcher
die weiße Kehle von dem brennend toftrothen Hals unterfcheidet,
ſchiefergrauſchwarz. Rüden: und Schulterdeefedern roftroth mit
ſchwarzen Schaftfleden. Flügel fchieferblaugrau mit unzähligen
ſchmalen ſchwarzen Binden auf den Eleinern Federn fowohl, als
auf den Schwingen. Von unten weiß mit feinen verlofchenen
afchgrauen QDuerlinien und groberen mehr ſchwarzen Bändern
auf den Seiten und unteren Dedfedern der Flügel und der
oberen Schwanzdede. Flügel von Sinnen vor den Ausfchnitten
weiß und bläulichweiß mit 5—6 fchmalen ſchwaͤrzlichen Binden.
Bon den Ausfchnitten an find die Schwingen fchwarz.
Schwanz weiß mit breiter ſchwarzer Schwanzbinde, die licht:
grau und weiß geborbet if. Das Weiße des Schwanzes zeigt
an 8—9 ſchwarzgraue, linienartige Querbinden.
Diefe Art ift in Chili und auf den Falklandsinſeln gemein
und zeigt mit Haliadtus aguia fo außerordentlich viel Analogien,
daß es King verzeihlid ift, einen Haliaetus aus ihm gemacht
zu. haben, indem. biefer Neifende mahrfcheinlih den im gleichen
Lande gemeinen H. aguia mit ihm verglichen hat, Der Schna:
bel ift bey beyden Arten faft der namliche, nur daß der aguia
denfelben mehr ablerartig geſtreckt bat.
Die Färbung des Kopfes, die Bänder des Eleinen Gefieders
des Vogels, der unteren Theile und der inneren Deckfedern ift
bey beyden gleich.
Die Fußbildung ift bey beyden Arten fo total übereinftim-
mend, daß ich keinen Unterfchied auffinden kann.
Mer daher die Wiederholung des Sperbertypus in diefen bey:
den Formen nicht begreift, begeht nach feinen Anfichten feinen
Fehler, wenn er den Buteo erythronotus zu einem Haliaetus
oder den aguia zu einem Buteo macht. Die Nepräfentation
332
von einem und demfelben Typus iſt fo fchlagend, daß jeder, der
nicht den Totaleindruck berüdfichtigt und genau die Kennzeichen
beyder Genera geprüft hat, total verwirrt werden muß, wie er
beyde Formen ftellen fol. Die Adlergröße, die ftärferen Krals
len, der graͤdere Schnabel, die härteren Schwung und Schwanz⸗
federn und die den meiften Aquilinae eigenthümlicy in eine
Spige fih endigenden Schwingen 2. Ordnung machen den
Aguia zu einem Haliaëctus und die Gegenfäße den erythro-
notus zu einem Buteo.
Auf jeden Fall nehmen beyde Arten in ihren Subgenera die
nämliche Stelle ein, denn fie repräfentieren ſich auf dag voll:
ftändigffe. Zu bedauern ift eg, daß man die Lebensart von
beyden Arten fo wenig Eennt, um aud hierin vergleichen zu
koͤnnen.
Dimenfionen
Kopf 82 Tarſe 81
Schnabel 24 Mittelzehe 40
Mundwinkel 42 Außenʒ.
Oberfluͤgel 251 Innenz.
Fluͤgelſpitze 147 Schwanzf. 190
Später werde ich die Kleider dieſes intereſſanten Buſſards
beſchreiben.
9) Der nordiſche Sperberbuſſard — Buteo
borealis Gmel. Falco borealis et jamaicensis
Gmel. Wils. 52.2. (ad.) Falco leverianus Wils. 52.
1. (juv.) Falco ferrugineocauda Vieill. Ois. Am.
Sept. t. 6. Buteo americanus Vieill. Aceipiter
ruficaudus Vieill. Ois. Am. t. 44. bis.
Diagn. Flügel 375, Schwanz 235 Mm. lang.
Er ift bedeutend: größer als; der) lineatus und hat gleiche
Größe mit dem erythronotus, von dem er fih in den Dimen-
fionen duch Eürzeren Schwanz unterfcheidet.
Der alte Vogel hat einen roftrothen, ſchwarz bordierten, weiß
gerandeten Schwanz. Kopf, Hals, Badenftreifen, Oberrüden
und Flügel [hwarzbraun. Das Eleine Gefieder mit toftgelblis
chen Flecken. Schwingen 1. und 2. Ordnung ſchwarzbraun,
ſchwaͤrzlich gebändert. Untere Theile roſtgelblich mit feinen
ſchwarzen Längsfleden und pfeilförmiger Zeichnung auf den
Hofen. Der Schwanz iſt roth, an dem Ende mit [hmalem
ſchwarzen Querftreif und weißer Borde. Ben jüngeren Wögeln
zeigen fi auf dem rothen Schwanz, naͤchſt dem Schaft, Spu—
ren von 11 ſchwarzen Querbinden, die bis auf dag Endband
bey ſehr alten Vögeln erlöfchen.
Dir junge Vogel Wilfon 52. 1 hat die-Bruft- weiß, bie
Kropfgegend. und. den. Bauch fehwarzbraun gefledt. Die Hofen
zeigen breitere Flecken. Der bräunlihe Schwanz mit 8—10
mit den Spigen nach eben gerichteten fchmalen ſchwarzen Quer:
binden und meißer Endborde. Diefe Art nifter in den ameris
canifchen Freiftaaten. Die Sungen werden nah Wilfon von
den Aten mit Fröfhen und Cidechfen gefüttert, welches wahr:
foheinlih auch im Sommer die Hauptnahrung der Alten ift.
Dimenfivonen.
Kopf 78 Tarſe 80
Schnabel 25 Mittelzehe 41
Mundwinkel 39 Außenzebe 30
Oberfluͤgel 240 Innenzehe 28
Fluͤgelſpitze 148 Schwan; 235
333
4 “ee Fifh: Falken Buffard — Ichthyo-
borus Kaup.
Der Schnabel ift etwas aufgeſchwungen mit Ian:
gem Schnabelhaken. Zweite bi8 6 Schwinge ſchwach bogen:
förmig ausgefchnitten. Zehen mit groben Schildern ' belegt.
Nägel mit doppelten, erhabenen Kanten. Mittelkralle mit ſchma⸗
lem fehneidenden Anhang und vorfpringendem Kiel in der Mitte,
Aeußere Kante ſcharf und fchneidend. Sohle der Zehen: fpig-
warzig wie bey’ Pandion.
Shre Lebensart iſt leider wenig gefannt, und nur fo viel
weiß man, daß fie Fifche freffen, wozu auch ihre Fänge ganz
vortrefflich eingerichtet find. Die eine Art, die man bis, jegt
kennt, | und die unter den: verfchiedenften Namen! in den Wer:
zeichniffen eingeführt iſt, lebt im Süden’ von America.
10) Der roftroche Fiſch-Falken Buffard — Buteo
aequinoetialis Lath. Gmel. Falco aequinaetia-
lis Lath. Gmel (juy.) Le Busen. Vaill. ois. d’Afr.
21. (juv) Polyborus buson Vieill. Buteogallus
eathartoides Less. Azara No. XIV. Falco nigricol-
lis Lath. (mittelalt) Falco. busarellus Dawd. Vaill.
20. (mittelalt) Falco busarellus Daud. Pr. Max. (alt)
Aquila milvoides Spix. (alt), ‚Azara No. XII. Cir-
cus leucocephalus Vieill. (alt)
Den alten Vogel hat Spir unter dem Namen milvoides
in den Avium Species novae (eine wahre Sathre liegt in dem
Titel diefes Werkes) abgebildet und Latham hat den mittel-
alten unter dem Namen nigrieollis beſchrieben. Der Prinz
von Neuwied gibt, wie gewöhnlich, die vortrefflichfte Beſchrei—
bung, unter Benennung F. busarellus Daud. Azara be:
ſchreibt ihn mach feiner Art fehe genau als La buse des
savannes noyees, a tete blanche No. XIU., nad) weldyem
Bieillot feinen Circus lJeucocephalus geftempelt, obgleich
Sonnini ihn bereits für den busarellus erkannt hat.
Befchreib. , Totalgefieder brennend roftroth. Kopf roftgelb,
am lichteften an der Stirn, Kehle und Wangen, wo es faft
weiß ift. Scheitel dunkler‘ coftgelb mit ſchwaͤrzlichen Schäften
und afchgrauen Schaftfleden. Ueber der Kropfgegend ein ſchwar—
zer hufeifenförmiger Fleck, nach welchem Lat ha m ihm den Na-
men atricollis gegeben hat. Einzelne Federn des kleinen Ge—
fieders des: Flügels, des Nüdens mit: feharf beftimmten blau-
ſchwarzen ſchmalen Schaftfleden, die breit roſtroth eingefaßt
find. Die Schwingen 2. Ordnung mit breiten ſchwarzen End:
fpisen die nad hinten zu mehr und mehr roſtroth und ſchwarz
gebändert erfcheinen. Hauptſchwingen fhwarz, von Innen mit
bläulihem Anflug.
Der Schwanz hat eine "breite Schwanzbinde von ſchwarzer
Farbe und ift an der oberem Hälfte rofiroty, ſchwarz gebändert.
An feifchen Federn zeigt die Endbinde eine roftgelbliche, dunkel—
afehgraue Borde.
Nach dem Prinzen ift die Iris und die Wachshaut braͤunlich—
gelb. Nach ihm’ zeigt das Weibchen einen weniger deutlichen
Kehlfleck, bie Bruft iſt mehr roſtgelb und diefe Federn, fomie
die des Hinterkopfes tragen fihwächere, feinere und blaͤßere
Scafeftriche:
Die: Befchreibung,, welche der Prinz von dem männlichen
Vogel gibt, iſt nach einem: Vogel gemacht, der nicht vollftändig
das Kleid des alten Vogels erhalten hat. In diefem Kleide
ift die untere Seite einfarbig roftrotb und die Hofen haben
Eeine Spur von Binden. Einen folhen fehr alten’ Vogel befigt
Diagn.
— 2
— —
334
das Frankfurter Muſeum. Die Abbildung, die Spix Tab. 1.d
gibt, iſt von einem ebenfalld nicht vollftandig alten Wogel ent—
nommen, denn der Kopf ift mehr roſtroth als hellroſtgelblich
weiß. Es ift moͤglich, daß der alte Vogel im vollkommen frifch
vermauferten Gefieder die Kopffedern dunkler hat und daß
der mehr mweißliche Kopf durch das Ausbleichen der Federn
entiteht.
Ein weiblicher Vogel, welcher der mittelmäßigen Abbildung
gleicht, welhe Vaillant: in den Ois..d’Afrig. pl. 20 gegeben
bat, zeichnet: fich aus durch einen. roſtgelblichen Kopf und Hals
mit ſchwarzbraunen ſchmalen Schaftftrichen. Der Rüden. ift
fhwarzbraun, roſtgelb quergebandert. Die £leinen Flügelfedern
und die Schwingen 2. Ordnung lebhaft roſtroth mit: fchwarzen
Querbinden. Oberbruſt und. Kropfgegend mit fcymalen und
breiten Echaftftreifen und.breiteren ſchwarz eingefaßten braunen
Flecken. Die Hofen mit. 2—5 pfeilföcmigen ſchwarzen Quer—
binden. Innere Dedfedern des Flügels ſchwarz gebändert, bie
Längften mit. breiter. fchwarzer Endborde. Die Schwingen von
Innen mit roftröthlihem Spiegel, hinter den Ausfchnitten mit
15—14 ſchwaͤrzlichen Querbinden im Ganzen. . Der Schwanz
mit. coftgelblichrother Wurzel und, breiteren ſchwarzen unregels
mäßigen Binden, breiter, ſchwarzer Endbinde, die an frifchen
Federn ‚eine cofigelbliche Borde hat. Von unten zeigt die
— Endborde 4—5 hellere Querbinden.
Im letzteren Kleid wird er als Buteo oder Faleo busarel-
lus Vaill. Daud. beſchrieben. Ich halte es für ein Ueber:
gangskleid zum alten Vogel.
Sehr vom alten Vogel ift das NeftEleid abweichend, welches
Latham und Gmelin als Falco aequinoctialis befchreiben
und fpäter nah Vaillant's irrigem Vorgang, als Falco buson,
Buteogallus buson, Buteo buson aufgezählt wird.
Die Befchreibung, die Latham als Aequinoctial‘ Eagle
gibt, ift ziemlich genau und da diefer Name: der Altefte iſt, und
nicht. den jüngern Vogel als Kleid bezeichnet, fo habe ich ihn
zur Bezeihnung der Art gewählt.
Er ift fhmarzbraun mit weißen Wurzeln und. etwas Noft-
roth am Kopf und Hals. Wangen roftgelblih, Schulterdeck—
federn an den Raͤndern mit roftrothen Längsſtreifen. Schwin—
gen 2. Ordnung. wie bey, dem vorigen Kleide voffroth und ſchwarz
gebändert. Untere Theile roftrothbraun mit unregelmäßigen
ſchwarzen Zickzackſtreifen und einzelnen unregelmäßigen - weißen
Flecken. Obere Schwanzdede ſchwarz mit weißlihen Kanten.
Schwanz [hwarzbraun, gegen, die Mitte hin mit pfeilförmiger
weißer Binde und weißlicher Borde. Won Unten zeigt ber
Schwanz über der weißen Binde noch eine zweite von. roftgel-
ben unregelmäßigen $leden. Vom Innen zeigen die Schwin-
gen an der Murzel einen! weißgelblichen Fleck und auf roͤthli—
dem Grunde dunfelgraue Marmorierung.
Der Vaillantiſche buson zeigt die. untern. Theile und. die
Hofen roftröthlih mit ſchmalen ſchwarzen pfeilförmigen Binden.
Die Zeichnung ift namentlich, was Schnabel und Wachshaut
betrifft, total verfehlt.
An dem jungen Vogel find die Warzen der Zehenfohlen. weni-
ger ſpitz und es mag deßhalb wie bey vielen andern Raubvögeln
die Nahrung dev Jungen eine von bem- alten verfchiedene feyn.
Dimenfionen: Alter — Mittelalter 2 — Junger Vogel.
79
Kopf — 79 —
Schnabel an — 29 — 27
Mundwinkel 38 = 38 — 38
Pr
339
Dimenfionen AterBog. A — Mittelalter 2 — Innger Vogel.
Dberflügel 233 — 260 — 240
Flügelfp. (nicht ausgewadhjf.) — 128 — 85
Zarfe 80 — 88 — 80
Mittelzehe 45 — 484235 — 44
Außenzehe 31 — 31422 — 32
Innenzehe 31 — 29426 — 29
Schwanz 5 — 185 — 170
Der Prinz gibt eüldenbi Notizen über feine Lebensart. In
Brafilien habe ih ihn vorzüglich bäufig in den füdlihen Ge:
genden gefunden und zwar nie in zufammenhängenden Wäldern,
fondern an Seen. Er fliegt ſtarkſchwingend umher, fist und
geht auf der Erde, und mählt gewöhnlich feinen Stand Auf
der Spitze eines Strauches, wo man ihn an feinem voftrothen
Gefieder und dem meißen Kopf von Ferne erkennen Fann.
Seine Nahrung ift wie die aller buſſardaͤhnlichen Voͤgel fehr
mannidyfaltig. Er umfliegt die Seen und Suͤmpfe, um: barin
Amphibien, Schneden, Infecten, Eleine Vögel, Mäufe und aͤhn—
liche Gegenftände aufzulefen, auf den Zriften mit Geſtraͤuchen
abmwechfelnd, fieht man ihn ebenfalls, Der Prinz bält die
Spirifche Angabe, daß er ein Fifcher fey, für einen Irrthum,
allein ich glaube mit Unrecht, denn man darf nur feine Krallen
und feindornigen Zehenballen anfehen, um fidy zu überzeugen,
dak Herr Spir eine richtige Beobachtung gemacht hat.
Sch zweifle fehr, daß er wie unfer Pandion durch Stoftau:
cben die Fifche fängt, fondern ich glaube vielmehr, daß er fie
im, feichten Waſſer, wie Milvus ater, und einige Cirei, weg-
nimmt. Auch ift e3 ficher, daß er auch Amphibien, Schneden
und andere Thiere frißt, wie es alle Buffarden zu thun ges
wohnt find.
Die Brafilianer Eennen diefe Species unter der allgemeinen
Benennung Gaviao. In Cayenne nennen fie ihn paagni
roux. Nah Spir heißt er in Brafilien Panema.
5. und legtes Subgenus. Buffard-Buffarde oder Mäufe:
buffarde — Buteo Kauy.
Diagn. Zarfen vorn und hinten mit Schildtafeln, * nach den
Sehen Hin und diefe an der Wurzel gefchuppt. Die Flügel
lang und erreichen die Schwanzfpige. Zweyte bis 5. Schwinge
an der Innenfahne faft in einem rechten Winkel ausgefchnitten.
Sohlen und Zehen ſtumpfwarzig. Sch kenne mit Sicherheit
nur 4 Arten, die alle an Größe unfern gemeinen Buffard nicht
bedeutend übertreffen und diefem in ber Lebensart bey näherer
Kenntniß gleichen werden. Sie variiten im Gefieder bedeutend.
11) Der Rüppelifhe Mäufebuffard — Buteo
augur Riüpp. Buteo augur et hydrophilus Rüpp.
Neue Mirbelth. Tab. 16 und 17.
Diagn. Im Alter mit brennendroftrothem Schwanze, der
an der Spige mit ſchmalem fchwarzen Endband, oder mit Spu—
ten deffelben verfehen ift. Die Schwingen 2. Drdnnng hell
aſchgrau, ſchwarz gebändert. In der Jugend mit bräunlichem,
gebandertem Schwanze. Tarſe beym Weibchen 90, Mittelzehe
48 Mm. lang.
Er gleicht durch den rothen Schwanz und durch die gebaͤn—
derten Schwingen 2. Ordnung dem Buteo jakal mehr als jedem
andern, allein unterfcheidet fich von diefem durch. ftärfere Di—
Individuell zumeilen aefchuppt, indem die großen Schilder in
Eleinere fich theilen.
336
menfionen und daß fein Gefieder mehr der Variation unterwor-
fen ift, als der Jakal, deſſen Kleid conftanter if. Auch mit
dem Buteo borealis, der jedoch in eine andere Abtheilung
gehört, zeigt. er Analogien. Er ift über ganz Nordafrica ver
breitet und ‚dafelbft ein ganz: gemeiner Vogel,
Die fhwarze Varietaͤt, welhe Ruͤppell Tab. 16. Fig. 1
als junger Augur abgebildet hat, ift total ſchwarz mit. voftro-
then Fleden an der oberen und unteren Schwanzdede. Die
Endbinde des Schwanzes ift deutlich und ſchwarz. Es iſt ein
altes Maͤnnchen.
Die ſchwarzkehlige Varietaͤt. Alle unteren Theile blendend
weiß, Kehle ſchwarz auf weißem Grunde, obere Schwanzdecke
roftroth, die untere an den Enden der Federn roftroth;, jüngere
Sindividuen haben auf der Bruft roſtgelbliche Flecken.
Ein Individuum, welches diefer Warietät fehr nahe fteht, hat
die Kehle weiß und die untere Schwanzdecke ift toftroth ange:
flogen. Ruͤppell bat ihn Tab. 16. Fig. 1 abgebildet. Tab. 17.
Big. 1 ift ein junges Weibchen, deffen Kehle fchwarz gefledt ift.
Tab. 17. Fig. 2 ift ein junges Meibchen mit. roftrothen,
ſchwarz geflammten unteren Theilen und ſchwarzem Bauch.
Er wurde im December erlegt und iſt dag Neſtkleid.
Dimenfionen eines Meibchens.
Kopf 95
Schnabel 30
Höhe 20
Dberflügel 840
FSlügelfpige : 108
Tarſe 92 über die Hälfte 52 Mm. ‚befiedert,
Mitteljebe 45-421
Außenzebe 34417
Innenzehe 29-29
Schman; 206
12) Der roftfarbige Mäufebuffard — Buteo
rufinus Rüpp. Rüpp. in der Fauna abyss, Buteo
longipes Jerd. Madr. Journ. Lit. and sc. 1839. 19.
Diagn. Die Lange der Mittelzehe bedeutend. Fürzer. als der
gefchilderte Theil: der Zarfe.
Befhreib. NRüppell fand von dieſer Art ein einziges
Eremplar in Abpffinien und fuchte vergebens fie- ſpaͤter zu er⸗ '
halten; fie ift in Afien einer der gemeinften Vögel und wurde
fpäter von Ferdon als Buteo longipes noch einmal beſchrie—⸗
ben. Diefe Art weicht am meiften von ıden übrigen und na:
mentlich in der Zeichnung des Schwanzes ab. Dieſer iſt an
der Wurzel weißlichaſchgrau, dunkel'marmoriert, nach der, Spiße
toftroth und dafelbft mit ſchmalen ſchwarzen Binden verſehen.
Un der äußeren Schwanzfeder zeigen fih Spuren won 9 Quer⸗
binden. Das Totalgefieder iſt roftgelb mit ſchwarzbraunen
Schaftfleden, melche auf den Seiten‘ des: Halfes und auf der
Bruft nur Schaftjtriche darftellen. Hofen und Bauch am dun—
£elften. Obere Schwanzdecke ſchwarzbraun, roſtroth gebaͤndert
und geraͤndert. Die untere aͤhnlich gezeichnet, allein" Lichter.
Die kleineren inneren: Achſelfedern roſtgelblich ſchwarz gefleckt
und die längſten, wie gewoͤhnlich, dunkelaſchgrau. Die Faͤrbung
der Schwingen iſt wie bey den uͤbrigen. Die aͤußeren Fahnen
der Schwingen ſind mehr aſchgrau und die Schwingen der
2. Ordn. nicht auffallend gezeichnet; fie find braun mit ver—
loſchenen Querbinden. Das Ruͤppellſche Eremplar iſt in
Weibchen.
Die juͤngeren Maͤnnchen des brittiſchen Muſeums — sine
337
düftere Farbe... Der Schwanz längs der Mitte der mittleren
Schwanzfedern roftgelb mit dunklen zadigen und unbeftimmten
Duerbinden, wie die) Übrigen." Die Innenfahnen an den Raͤn—
dern roſtgelb, ſchwarzbraun marmoriert.
Dimenfionen. fem. — mas.
Kopf © 85 ,— 72
Schnabel 24-25, — 21
Höhe 17-18:— 13-14
Mundwinkel 45 — 35
Dberflügel 260 — 217
Flügelfpige 182-185 — 151
Tarſe 83 — 68
Mittelzehe 38 — 34
4. Schwanzfeder 2411 — 197
LER — 225 — 204205
Man kann annehmen, daß dag Ruͤppellſche Eremplar in
Abyſſinien erlegt, ein zufaͤllig verſtrichenes war, und daß dieſer
Buſſard ein aͤchter Aſiat iſt. Er findet ſich fehr häufig in
den engliſchen Sammlungen als indiſcher Vogel bezeichnet.
* 13) Der Fakakı Mäufebuffard — Buteo jakal
Vaill. Daud. Vaill. Ois d’Afr. pl. 16. (kenntlich)
Diaan. Schwingen 2. Ordnung hellafhgrau mit dunklen
Sleden und ſchwarzer Endbinde. Mittelzehe 42—43 — Tarſe
80—89, Schwanz 190—196 Mm. fang. Innere Deckfedern
des Flügels ſchwarz.
Diee Art von Vaillant am Gap entdeckt jteht in feinen
Dimenfionen zwifchen dem Augur und dem gemeinen, und ift
in feiner Färbung mehr dem Augur, als den übrigen vergleich-
bar. , Schwanz roftroth und etwas weiß find die vorherrfchen:
den Sarben.
Bon oben her ſchwarzbraun «mit weißer Wurzelhaͤlfte an
Kopf, Naden und: Oberrüden. An legterem kommt das Weiße
häufig- fo. zur Herrſchſchaft, daß das Schmarze auf Schaftitriche
reduciert iſt, die. fi gegen die Spike der, Federn hin’ tropfenar:
tig erweitern... Häufig ift dann das Meiße mit Roftröthlich
befehmust. Das kleine Gefieder ift fchwarzbraun »undı die
Sculterdedfedern ebenfo, allein mit verftedten roftrothen und
weißen. Sleden, Binden und meißer Endhälfte. Die Schwingen
2. Ordnung ſchmutzig afchgrau mit ſchwarzen Binden: rüber
beyde Fahnen und breiter ſchwarzer Endbinde.
ſchwarz; vornden: Ausfchnitten afchgrau, ſchwarz gebaͤndert, ‚mit
weißen Schäften; Von Innen find die Dedfedern fehwarz ,. die
haͤngſten blauſchwaͤrzlich, weiß an der Wurzel gebändert. Alte
Schwingen mit blendend meißen Innenfahnen, welches einen
breiten Spiegelbildet» „Hinter den Ausfchnitten find die Schwin-
genſpitzen ſchwarzbraun oder. blaufhmarz.
Obere Schwanzdederfhmarzbraun, die untere roſtroth, ſchwarz⸗
braun gefledt. Der Schwanzrift:" oben brennend roftroth ' mit
ſchmaler ſchwarzer roth gebordeter Endbinde. Ueber dieſer
ſchwarzen Endbinde finden ſich Spuren von ſchwärzlichen Bin—
den, als Punctflecken angedeutet. Auch ſieht man zuweilen die
erſte Schwanzfeder an der Außenfahne aſchgrau mit 4—5 Bin:
den und wenig Roſtroth laͤngs des Schaftes. An der Wurzel
und den Innenfahnen iſt der Schwanz mehr weißlich, nach der
Spitze zu aſchgrau tingiert mit leiſen Spuren von Querbinden.
Von unten iſt die Kehle bis zum Kropfe ſchwarz, oder weiß,
Schwarz gefleckt, wie ihn Ba ill. abbildet. Die Oberbruſt ein⸗
farbig roſtroth, oder mit ſchwarzen Schaftflecken. Die Hoſen
Iſis 1847. Heft 5.
Die Schwingen:
338
und Bauch find ſchwarzbraun, bey jungen "Individuen ſchmutzig
an den Federraͤndern gebordet.
Nach Vaillant liebt er die Nachbarſchaft des Men:
fhen und: genießt den Schug der Coloniſten am Gap) weil er
ihnen durch das Wegfangen der Mäufe Nugen bringt. Er heißt
nach feinen Gefchrei, welches aͤhnlich dem des Jakal Elingen foll,
14) Der gemeine Mäufebuffard — Buteo vul-
garis Bechst. Falco Buteo Linn. Falco communis,
versicolor, albidus G@mel. Buteo mutans et fascia-
tus Wieill. Naum, tab. 32. und’ 33.
Diagn. Schwingen 2. Ordnung bräunlich mit verloſchenen
fhwärzlihen Binden. Schwanz mit 12 ſchmalen Binden.
Zarfe 71—77, Mittelzehe 35—37 — Flügel-360—400 —
Schwan; 210—220 Mm. lang. ö
Beſchreib. Er zeigt die Eleinften Körperverhältniffe von
allen, hat den ſchwaͤchſten Schnabel, die ſchlankſten Tarfen, die
fürzeften Zehen und Flügel. Der Schwanz ift jedoch länger
als beym Jakal und 'augur, allein unbedeutend kuͤrzer als
beym rufinus.
Er variiert außerordentlich, fo daß wenige Exemplare ſich voll-
fommen glei fehen. Die gemeinfte Varietit — Naum. t.
32. fig. 2 ift ſchwarzbraun mit fhildformigem ſchwarzbraunen
Fleck auf der Kropfgegend, ſchwarzbraunen gebänderten Hofen,
toftgelblicher Bruſt, die ſchwarz gebändert ift.
Die braune Varietaͤt, Naum. t. 33. fig. 1, die ich für
das normale Kleid halte, gleicht diefer, allein die Bruft bat
feine Querbänder, Hals und Kehle bildet fein ſchwarzbraunes
Schild, ſondern dieſe Theile ſind weißlich und roſtgelblich mit
ſchwarzbraunen Laͤngsflecken.
Die weißliche Varietaͤt, Naum. t. 33. 2 ift faſt weiß mit
braunen Flecken. Die ſchwarze Varietät Naum. t. 32. fig. 1
ift dunfelgraubraun oder chocofadebraun mit. einzeln toftfarbig
gekanteten Federn.
Diefe Varietäten gehen jedoch haufig fo ineinander Über, da
Eeine Graͤnze zu feßen ift, allein hat man ſich einmal die Koͤr
perverhältniffe dieſer Art‘ gehörig eingeprägt, fo iſt es nicht mög-
lich fie mit einander zu verwechfeln oder gar mehrere Arten aus
ihr zu bilden.
Der Buteo bojanus der italienifchen Gelehrten ift der Buteo
vulgaris, von dem er nicht zu unterfcheiden ift; das nämliche
ift bey Buteo vulgaris japonicus der Fall, welden Hr, Schle-
gel in der Fauna japonica gegeben hat.
Diefer Vogel ift, Neuholland ausgenommen, über die ganze
Erde verbreitet, zieht jedoch die Fältern Gegenden den heißen vor.
In Europa ift er der gemeinfte Naubvogel, der wie der Cara-
cara an Zahl der Individuen mohl allen übrigen gleich Eom-
men mag. Man fieht fie im September und October in Ge:
ſellſchaft von 50—100 nah Weften ziehen und im März; und
April nach Dften zuruͤckkehren. in folher Zug geſchieht jedoch
nicht in gefchloffenen Neihen, fondern ganz regellos.
Unfer Buffard iſt ein Plumper und im Flug, wie auf der
Erde ſchwerfaͤlliger Vogel, "der jedoch zur Paarungszeit und fonft
bey ſchoͤner Witterung ſich hoch in die Luft erhebt und große
Kreife faft mit unbemerklihem Flügelfchlag befchreibt. Seine
Nahrung befteht größtentheils in Mäufen und Maulwürfen und
da er ein ftarfer Sreffer ift, fo ift er meift wohlbeleibt. Auch
ohne großen Hunger fällt ev auf Aas. By harten Wintern
leiden die Standvoͤgel zuweilen große Noth und nur die befinden
fi wohl, die einen Wanderfalken in der Nähe haben. Dieſem
92 —X
339
nehmen fie, ohne Umftände zu ‚machen, ſtets die gemachte Beute
ab, welches diefer edle und bey weiten ſtaͤrkere Vögel fich auch
gutmuͤthig gefallen läßt, Er niſtet auf hohe Bäume und benust
zur Grundlage gewöhnlich ein altes Kraͤhenneſtz es iſt ‚mit
Moos, Zhierhanren u, dgl. weich ausgefüttert. Die 3—4 Eyer
find gewoͤhnlich weiß, hellbraun gefleckt. Die Sungen find wie
alle Raubvögel mit weißem Flaum bedeckt und laffen ſich von
den Alten, felbft wenn fie bereitd ausgeflogen find, noch eine
Zeitlang füttern.
2. Genus. Weihbuffard — Pernis Kaup. Hyp-
tiopus Hodgs. Aviceda Swains. Cymindis Cuv.
Pernis Cuv.
Diagn. Buffarden mit rigförmigen Nafenlöchern.
Befhreib. Mit mehr oder weniger taubenähnlicher Geftalt,
Eleinem Kopf und ziemlich langen Flügeln, die das Ende des
langen meift abgerundeten Schwanzes nicht ganz erreichen, Die
Tarfen find kurz, nah vorn zur Hälfte befiedert
mit unregelmäßigen Schuppen bededt und deutlichen
zuweilen fehr entwidelten Hofen. Die Mittelzehe faſt fo lang
als die Zarfe und die äußere Zehe etwas Fürzer als die innere.
Die Sohlen der Zehen wie bey vielen Tauben, Coracias, Or-
iolus fehr breit, namentlich. an der Hinterzehe. Die Krallen
find ziemlich ſchwach und fanft gebogen; an der Mittelzehe einen
häutigen Vorſprung, ohne kammfoͤrmige Einfchnitte.
Die Schwingen zeigen an den Snnenfahnen fchwache bogen-
340
beftimmt Eonturiert. Die mehr ober
Nacenfedern an der Wurzel weiß. Der Kopf iſt meift afch-
grau, feltenfhwarz. Bey der Mehrzahl herrfcht das Hellaſch—
grau des Kudufs vor. Im Ganzen find es ſehr bunt gefärbte
Vögel, deren Flügel und Schwanz meift gebändert find. Die
fämmtlihen Arten dieſes an Arten ziemlich zahlreichen Ge:
fhlechts zeigen einen feigen Character und ziehen Inſecten
aller übrigen Nahrung vorz außer dieſen freſſen fie Wogeleier
und fangen junge und fchwächliche Vogel.
Die Arten zerfallen in 5 ſehr ſcharf geſchiedene Subgenera,
welche viele Ornithologen irrthuͤmlich als wahre Genera betrach—
ten, was nicht der Fall wäre, wenn fie den Zotalhabttus, den
Bau der Flügel, der Füße, der Nafenlöcher und die Lebensart
berüdjichtige hätten. Guvier hat in feinem Genus Cymin-
dis, welches 2 Subgenera von Pernis enthält, audy den
Rostrhamus hamatus aufgeführt, welcher durch Schnabelbils
dung, Fufbau, gezähnelte Mittelkralle, Fiſchnahrung den Typus
eines eigenen Genus barftellt,
Mer die 5 Subgenera ich einige Zeit vor die Augen ſtellt,
wird mit mir die von vielen Drnithologen längft allein dunkel
geahnte generifche Verwandtſchaft fühlen und die einzelnen Sub»
genera nicht mehr zu den Falconinae, noch Milvinae, nod)
Aquilinae fondern zu den Buteoninae ftellen wollen; bey den
Buteoninae ftehen fie an dem rechten Flecke und. repräfentieren
in dieſer Subfamilie die Milvinae (2. Subfamilie) als zweites
Genus.
Sch ftelle die Charactere der einzelen Subgenera. zufammen,
weniger verlängerten
förmige Ausfchnitte.
1. Subg. Hyptiopus.
Schnabel mit 2 Zähn-
chen; binter diefen einz
gezogen. Unterfchabel
gewölbt in die Höhe ges
bogen, an der Spitze ab⸗
geftugt und an den Sei⸗
ten mit 2 Ausfchnitten.
Augengegend und Zügel
total befiedert.
Die Zügelfebern mit
verlängerten Schaftſpitz⸗
chen.
Zweite bis 5. Schmwinge
an ber Innenf. ſchwach,
an den entfprechenden
Außenfahnen deutlicher
ausgefchnitten,
Schwanz an ber Spike
‚abgerundet.
Zehenruͤcken gefchildert.
Mit Eurzen Hofen, mit
Zopf.
1. Pernis lophotes.
2. suberistatus; 3.cras-
sirostris.
Ihr ‚Gefieder iſt breit und meift ziemlich
2. Subg. Aviceda.
Dberfchnabel mit 2*
Zaͤhnchen vor dem Schna⸗
belhaken.
. er nen.
er ee nee
ausgefchnitten.
Schwanz an ber Spitze
grade, mie abgeftußt.
Zehenruͤcken gefchildert.
‚Ohne Zopf.
4. cuculoides.
3.'Subg. Regerhinus.
Cymindis Cuv.
Dberfchnabel höher als
breit, ſehr groß, mit lans
gem Schnabelhaten.
Unterfcehnab.an den Rän:
dern bogenförmig, an dev
Spitze abgeftugt und an
der unteren Contur ges
trade,
Keine Spur von Zäh-
nen, noch Ausfchnitten.
Augengegend und Zügel
nadt, bunt gefärbt mit
einem Streifen. Bor:
ften, die fich zu den Na—
fenlöchern hinziehen.
Zweite bis 6. Schwinge
an den Innenfahnen
ausgeſchnitten.
Schwanz an der Spitze
abgerundet.
Zehenruͤcken geſchildert,
mit ziemlich lang. Hoſen.
Ohne Zopf.
5. uncinatus,
um die Arten leichter aufzufinden.
4. Odentriorchis. ‘Cy-
mindis Cu.
Dberfchnabel höher als
breit, ſehr groß mit lan=
gem Schnabelhafen und
einem Eckzahn hinter
dem Schnabelhafen.
Zügel nadt.
Zweite bis 6. Schmwinge
an den. Innenf. ſchwach
ausgefchnitten. Schwz.
an der Spige abgerundet.
Zehenruͤcken gefchildert.
Mit: langen Hofen.
Glattkoͤpfig ohne Zopf.
6. cayennensis.
4, Pernis.
Oberſchnabel geſtreckt,
ſchwach, ohne Spur von
Zahn mit ſchwachem
Schnabelhaken.
Unterſchnabel an den
Rändern ſchwach bogen»
förmig mit loͤffelfoͤrmiger
Spitze. Untere Contur
ſchwach in die Hoͤhe ge⸗
bogen. Augengeg. und
Zügel total mit ſchup⸗
penförmigen Federn dicht
bededt, ohne borftförmige
Schaftverlaͤngerungen.
Zweite bis 6. Schwinge
an den Sinnenfah. aus⸗
gefchnitten.
Schwanz an der Spige
abgerundet.
Zehenrücen mit geſpal⸗
tenen Schildern, vor den
Nägeln mit 2 ganzen
Schildern. Mit langen
Hofen.
Glattzöpftg ober mit
Nackenkopf.
7. eristatus. 8. api-
vorus.
Die duͤrftigen Charaetere mit fo viel Luͤcken find nicht meine Schuld, denn ich hatte noch keine Gelegenheit diefen feltenen Vogel
zu unterfuchen und. was ich gebe, ift aus ber Befchreibung von Swainfon genommen, die trog ihrer ungewöhnlichen Genauigkeit noch vieles
zu wünfchen übrig läßt.
341
Das erfte Suboenus die Baza, Hyptiopus, wohin Lopho-
tes, crassirostris gehören, ſtellt die Falconinae vor und reprä=
fentiert namentlich iin der 1. Aee"— Hierax. Sie find "auf
Afien und Neuholland beſchraͤnkt.
Das 2. Subgenus Aviceda, dem vorigenfehr nahe verwandt,
fell die Milvivae durch lange Fluͤget und durdy den grad
abgeftusten Schwanz vor, bey welchen wahrfcheinlih die aͤußer—
ften Federn etwas länger als die übrigen find. Die eine Art
euculoides lebt in Africa.
Das 3. Subgenus Regerhinus, wohin urcinatus gehört
flellt die Aceipitrinae vor, und zwar durch kürzere Flügel und
daß das Maͤnnchen weine Art feine Querbänder über den ganzen
Flügel, und die andere an den unteren Theilen bis an die Kehle
quergebändert iſt. Vaterland: America.
Das 4. Subgenus Odontriorchis, ‘wohin cayennensis zu
zählen ift, repräfentiert durdy den Eckzahn, langen mehr geraden
Schnabel die Aquilinae und Faleones in America.
Das 5. Subgenus Pernis ftellt den Tnpus der Buteoninae
vor. Hierher zählt man apivorus et eristatus. , Von erſte—
ter Urt weiß man, daß fie im Frühling Pflanzenftoffe zu ſich
nimmt. Das Vaterland ift Europa und Aſien.
Das 2. Genus Pernis der 5. Subfamilie Buteoninae res
präfentiert dag 5. Genus Milvus in der 2, Subfamilie. In
dem Genus Milvus zeigt das. 2. Subgenus Lophoietinia isiu-
rus die meiften Analogien mit dem Genug Pernis, die ſich in
dem mehr ald gewöhnlich befiederten und langem Zügel, in dem
fhwadhen Schnabel unb Fußbau finden. Diefe Analogien find
jedoch von G. Gray irrig benugt, indem dieſer Gelehrte Avi-
ceda, die Baza Hyptiopus, Pernis, die Cuvierſchen Cymin-
dis in feine Subfamilie Milvinae bringt.
Ic übergehe die Fehler von Cuvier, meil dieſe zu ftarf
find, um fie zu erwähnen. Als einer der erften Verſuche, das
große Heer der Falconidae zu trennen, darf man ihn nicht zu
hart beurtheilen. Seine Eintheilung ift flüchtig, befteht aus
lauter falfhen Anwendungen von Analogien und wird fpäter nur
hiftorifches Intereffe haben. Meine Eintheitung der Buteoninae,
die ich in der Claffification: im Fahr 1843 gegeben habe, taugte
ebenfalls nicht viel, denn’ ich stellte die &enera zum Theil irrig,
oder fah Subgenera für Genera an.’ Meine damaligen Unter:
fuhungen ftügten fih auf das Leydnmer Mufeum, in dem mir
bey dieſer Subfamilie nicht "die gewünfchte Freiheit zum Unter:
fuchen vergönnt wurde,
1) Subgenus. Falken Weihbuffarde oder Baza —
Hyptiopus Hodgs. olim Baza Hodgs. Lophotes
Less. (vergeben) Lepidogenys J. E. Gray.
Diagn. Zwey Zähnen am Oberſchnabel, 2 Ausfchnitte
am Unterfchnabel. Bor dem Schnabelhafen ein Gaumenhaken
wie bey den Falconinae.. In der Spige des Unterfchnabels eine
Karine. Naden mit einem Federzopf.
Befchreib. Schnabel, ziemlich gewölbt mit kurzer Wache:
haut. Die Nafenlöcer ſchief von hinten nach vorn. gerichtet
und faft bis zum Rüden der MWachshaut gehend. Zügel und
Augengegend mit Federn, wovon die der Augengegend fein mol:
lig, die des Zügeld mit verlängerten borftenartigen Schäften ver:
fehen find. "Flügel ziemlich lang. Zweite Fürzer als die 7.,
3, fürger als die 5., 4. die längfte. 2.—5. an der Innen⸗
fahne ſchwach bogenförmig ausgefhnitten. Die Fahnen’ hinter
den Ausſchnitten nach der Spitze hin, find gleich breit mit ftum:
pfer Spitze.
— D—
——
342
Der Schwanz ift an der Epike abgerundet. Zehenruͤcken
gefchildert. Man kennt bereits 3 Arten, die auf Afien und
Neuholland beſchraͤnkt find.
So lange nur die eine Art Hyptiopus lophotes Cuv. be
kannt war, wurde diefe als eine abirrende Form von den wah—
ten Falcones betrachtet, was jest, da noch zwey andere entdeckt
find, wieder aufgegeben iſt. Die Idee von abirrenden Formen
ift eine total verkehrte und fonnte sich nur auf unferen Man:
gel an Wiffen baſieren. Steht eine Form entweder durh Mans
gel unfers Wiſſens, oder durch die zahllofen Revolutionen unſe—
ter Erdrinde ifoliert da, fo iſt fie nichts weniger als ein aber:
tantes Genus, denn häufig. ftellt fie eine der Grundformen fo
Elaffifh (menn man diefen Ausdrud gebrauchen darf) dar, daf
diefe gar nicht zu verfennen ift. Wie ausgezeichnet repräfentiert
Gypogeranus den Steljvogeltypug, eben fo Dicholopus ben
namlihen Typus bey den trappenarfigen Vögeln. Diefe beyden
Formen ftellen einen und denfelben Typus in zwey total vers
fhiedenen Stämmen vor, allein fie in eine Gruppe zu vereini=
gen, Eonnte nur Bieillot einfallen und kann unmöglicd Nach:
ahmer finden.
1) Der bunte Baza — Pernis lophotes Less.
Falco lophotes Cuv. pl. col. 10, Baza Lophotes G.
Gray.‘ Lophotes indieus Less.‘ Falco Lathami Gray
in Griffith. An. Kindg. Buteo eristatus Veill.
Diagn. Hauptfhrwingen und Schwanz nicht gebändert.
Befchreib. Der fleinfte von allen. Schwarz mit weißer
Kropfgegend und Seiten: leßtere mit 1—3 rothbraunen. Bän-
dern auf jeder. Feder. Die Schwingen haben von der 5.—11.
an der oberen Hälfte am Rand der Außenfahne bin, roftbraune
Streifen. Die Schwingen der zweiten Ordnung find nad) der
Murzel hin mehr oder weniger roftbraun, nah der Spike zu
weiß, auf der Außenfahne gefledt. Diefe weißen Flecken bilden
eine Binde oder vielmehr Spiegel. Die hinterften Schwingen
2. Drdnung find an der Wurzel weiß, welches fich bis faft zur
Spige der Feder herabzieht. Ebenſo find die Schulterdedfedern
weiß gefledt, was felbft beym geordneten Gefieder durchleuchtet.
Von innen zeigt der Flügel die Kleinen Dedfedern ſchwarz,
die längeren afhyrau. Die Schwingen find ſchwarz, längs dem
Schafte der Innenfahne roftbraun; der übrige Theil der Innen—
fahne hellaſchgrau. Schwingen 2. Ordnung tiefer afchgrau.
Schwanz von unten filberafehgrau. Vor der Spike auf der
2.—5. ein ſchwarzer Fled, der von außen nach innen an Größe
zunimmt. Das Eleine Gefieder des Flügels, wie die Hollenfe-
dern zeigen nach dem Licht gewendet fchmale ſchwarze linienar-
tige Bändchen, die fih wie an manchen Seidenzeugen wie ge:
‚preßt ausnehmen,
Die Zopffedern haben nur menig weiß an der Wurzel.
Die Füße des alten Vogels find gelb, wie der Schnabel.
Sn der Zemmindifhen Figur, die ich mit ihren mie Fifch:
ſchuppen gezeichneten Federn für ſchlecht halte, find die Füße
bläulih und der Schnabel. ift ſchwarz mit gelbem Streif. Da
bie Federn der Bruſt roſtgelbe Ränder haben, fo ift e8 möglich,
daß fie einen noch nicht ganz alten Wogel vorftelit.
Auf dem Feſtland von Indien Eeine Seltenheit. Von feiner
Lebensart, die ficher unferem Pernis apivorus ähnelt, wiffen
wie nichts,
344
343 —
Dimenfionen. flecken. Die, breiteren Schwanzfebern haben nur 2 Binden
Kopf 55 Flügelfpige 80 vor der Endbinde. Won unten find 'diefe filbergrau und ‚zeigen
Schnabel 15 Zarfe 28 nach den Innenfahnen: hin verlofchene lichtgefäumte Binden, die
Mundwinfel 24 Mittelzehe 28 nach dem Schafte zu auf der oberen Seite als ſchwarze Flecken
Oberfluͤgel 154 Schwanz 132 erfcheinen.
2) Reinwardtifher Baza — Pernis suberista-
tus Gould. Lepidogenys suberistatus Gould. Pro-
ceed. 1837. Baza suberistata @. Gray. Falco: Rein-
wardtii Temm. tab. 5. fig. 1—5. fig. 1. fem. fig. 2 mas.
Diagn. Von oben aſchgrau. Zopf an der Wurzel weiß.
Unterbruft, Bauch und Seiten gebandert.
Befhreidb. A Achgrau, Rüden: und Schulterdedfedern
ſchwarzbraun, biendend weiß an der Wurzel. Kehle weißlich, Hals
und Kropfgegend hellaſchgrau. Bruſt und Seiten roffgelb mit
drey fhwarzbraunen Querbinden auf jeder Feder. Innere Ach:
felfedern, Hofen und untere Schwanzdecke einfarbig roſtgelb.
Fluͤgel von Außen ſchieferaſchgrau, von Innen hellaſchgrau mit
weisen Schaͤften und 4—5 ſchmalen ſchwarzen Binden auf
den Häuptfchwingen. Die Schwingen 2. Drd. mit verloſche—
nen Binden und breitem fchwarzen Endband.
Schwan; von oben. tief afchgrau, von unten filberafchgrau ;
an der Wurzel mit 3 fharfen ſchwarzen Binden, weißen Schäf-
ten und breiter ſchwarzer Endbinde, die auch auf der Oberfeite
fehrrdeutlich ift, was bey den fchmalen Binden nicht der Fall ift.
Das Meibehen unbedeutend größer, hat. die, unteren. Zheile
mebr roftbraun und das Afchgrau der Kropfgegend iſt rothfarbig
angeflogen. Unterhalb der Ohrfedern ein roftbräunlicher Streifen.
Dimenfionen mas, — fem. Tarſe 36 — 33
Kopf 65 — 65 Mittelzehe 28 — 33
Schnabel 21 — 21 Außenzehe ———ã
Mundwinkel 30% — 30 Innenzehe 28 — 28
Oberfluͤgle 206 — 211 1. Schwanzf. 196 — 210
Fiͤeiſpee 133 — is 6 200 —214
Vaterland Neuholland, wo ihn Gould zuerſt entdeckte, und
Indiſcher Archipel.
3) Der Graviſche Baza — Hyptiopus magni-
rostris* @. Gray. Baza magnirostris @. Gray.
Diagn, Don oben fehmwarzbraun mit durchaus ſchwarzem
Zopf, der an der Spitze weiß gefäumt ift. Untere Theile ges
bändert.
Befhreib. A Kopf und Oberhals roftrothbraun mit dun—
kelbraunen Schaftfleden. Wangen afchgrau. Kehle weiß mit
fhwarzem Strich, in der Mitte. Kropfgegend an den Geiten
eoffrothbraun in der Mitte mehr. aſchgrau. Bruft, Seiten,
Bauch und Hofen weiß mit 2—4 licytbraunen, dunfel begränz-
ten Binden auf jeder Feder. Untere Schwanzdede weiß.
Die Flügel find ſchwarz. Die Schulterdede ſchwarzbraun
mit blendend weißer MWurzelhälfte. Der Flügel von Innen hat
die kleinen Dedfedern roſtroth und die Hauptfehwingen. bläulich
mit 3-—4 breiten fhwarzen Binden. Die Schwingen 2. Drdn.
find lichterbratin mit 3—4 Binden und breiter fchmarzer, licht:
gefäumter Endbinde.
Das bedeutend größere Weibchen hat Schwarze Längsfleden auf
ber Kropfaegend und die Bänder der unteren Theile find ſchwarz—
draun, Die untere Schwanzdecke zeigt ſchwarzbraune Pfeil:
* Da wir bereit eine Asturina magnirostris befißen, fo wäre es
wuͤnſchenswerth, wenn G. Gray feinen Namen umändern' wollte,
Dimenfionen ‚mas. .— fem. Frluͤgelſpitze 89 — 76
Kopf 30. ..70., Zarie 34 — 40
Schnabel 21 — 24 Mittelzehe 39 — 39
Mundwinkel 29 — 34 1. Schwanzf. ... — 197
Oberfluͤgle 203 — 237 6. — 1665 — 206
G. Gray erhielt diefe Art von dem Philippinen.
Hierher | gehört das 2. Subgenus, Aviceda, Swains. und
die Urt Pernis euculoides:Swains. vom Senegal.
Diefer Vogel kam in einem Eremplar nach London und
wurde daſelbſt an einen Teutſchen (ob Gelehrten oder? Natu—
ralienhaͤndler konnte ich nicht ermitteln) verkauft.
Nah Swainson Birds of West Afr. p. 104. Pl. L,
hat diefer Vogel viele Aehnlichkeit mit Hiyptiopus, zeigt jedoch
feinen Zopf, bat 2 Zaͤhnchen am Dberfchnabel und die 2. bis 4.
Schwinge ausgefhnitten.\" Er ifthellafchgrau mit weißer Bruft
und Bauch und unterer Schwanzdede. Brut, Bauch und
Hoſen mit bräunlichen Binden, die mit!einer fhwarzbraunen Linie
durchzogen find. Der afchgraue, lange Schwanz an’ der Spike
gerade abgeſtutzt und ſchwarz. Die hinteren Schwingen
2. Drdnung braun. |
Er ift 16 englifche Zoll lang.
Die Befchreibungen von Swaimſ., obgleich beffer als alle
früheren, laffen füc meinen Zweck doch noch Manches zu wün:
ſchen übrig, mwehhalb ich die Bitte an den jetzigen Beſitzer dieſes
böchft feltenen Wogels ergehen laffe, ihn mir zur Befchreibung
zu überlaffen, oder ihn felbft genau zu befchreiben. .
3. Subgenus.. Sperber: Weihbuffard — Regerhinus
Kaup. Cymindis, (zum Theil) Cuv.
Diagn. Der große Schnabel won den Seiten zufammen-
gedruͤckt, viel ‚höher als breit. Nafenlöcher fehr kurz, fat horis
zontal. Zügel und. um die Augen! nadt.
Beſchreib. Der Schnabel unverhältnigmäßig groß, ohne Zahn
mit langem Schnabelhafen. Unterſchnabel geftrecit, mäßig aus=
gefüllt, an der. Spitze ploͤtzlich abgeftugt und an der unteren
Gontur gerade, Wachshaut fenfrecht zum Schnabel herabjfei-
gend mit fehr Eurzen, faft horizontal ftehenden Nafenlöchern.
Zügel und unter den Augen nadt. Bon dem Augenwinkel zu
den Nafenlöchern ein fchinaler Streifen von Borften. "Die Fluͤ—
gel find kuͤrzer und erreichen hur 3 des Schwanzes. Zweite
bis 6. Schwinge an der Innenfahne ſchwach "ausgefchnitten.
Zweite Fürzer aldıdie 3., 3. Eürzer als die 6., 5. unbedeutend
länger vals die 4, und die laͤngſte. Zahnruͤcken gefchildert.
Man Eennt nur zwey Arten aus dem füdlichen America.
4) Der gebänderte Sperberweihbuffard — Per-
nis uneinatus Illig.. Falco uncinatus Illig. pl.
col. 104 und 105 juv. Cymindis uneinatus Cuv.
Der buntzügelige Hafenbuffard Pr. Mar UI. p. 272.
Befhreib. LS Das ganze ‚Gefieder afchgrau, an. Bruſt,
Bauch und Hofen mit ſchmalen gelblichweißen Querlinien. «After
and Steiß ungefledt und. weißlichgelb. Schwingen afchblau mit
dunkleren Querbinden. Das kleine Gefieder des Flügels mit
mehr oder minder deutlichen ſchwarzen Querlinien; die helleren
Binden an den Innenfahnen weiß. Die kleinen inneren Dee:
345
federn afchblau, ‚zuweilen hell getlipfelt, die größeren mit gelb⸗
lihen Querbindchen. Schwanz mit drey ſchwaͤrzlichen und zwey
helleren Querbinden; die Mittelfedern und die uͤbrigen an den
Außenfahnen aſchgrau; die hellen Binden. an den Innenfahnen
gelblich weiß, einige. punctiert. Die breite ſchwarze Endbinde
mit afchgrauer, weißgeränderter Borde. Von. unten ift der
Schwanz weißlichgelb mit verlofhenen Binden. . Der Schnabel
iſt fhwarz mit gelblichem Unterſchnabel.
Die Kiele an den weißen Binden des Schwanzes weiß; an
der obern Binde in der Mitte ſchwarz geſtreift.
Die Iris iſt perlfarben. Füße orangeroth. Wachshaut auf
der aufgeſchwollenen Naferfhmusig dunkelgruͤn, fo weit man
fie durch die Borftfedern erkennen kann; untere Theile der
Wachshaut orangegeld; von, dem ‚Nafenloch zieht ſchraͤg nad)
dem Auge herab ein fehmaler grüner Streifen, der ſich an, dem
bläulich grünen Zügel verliert. Augenlied ſchoͤn hellgrun. An
dem Superciliarbein etwas aufgeſchwollen und orange gefaͤrbt.
Das alte Weibchen dem Maͤnnchen aͤhnlich, allein etwas
groͤßer, nehmlich 17%. Es zeigt einen bey weitem hoheren und
ftärferen Schnabel. Der junge weibliche Vogel hat den Schna-
bel und Naden ſchwaͤrzlich afhgrau, an der Stirn lichter. Die
Flaumhaͤlfte blendend weiß. "Kinn weißlich und hell ’roftgelblich
mit, 3, dunfeln Bindchen ‚auf, jeder Feder... Die Obrfedern aſch⸗
"grau, nad) hinten. , voftroth. Nings um den Hinterhals zieht
‘eine ſchmale vftroch⸗ oder roſtgelbe Binde. Alle uͤbrigen oberen
Theile ſchwarzbraun, am lichteſten auf den Fluͤgeln. Schwingen
ſchwarzbraun mit 5— 6 dunkelſchwarzen Querbinden. Die 6te
bis 10te ſchoͤn roſtroth mit Binden’ der Snnenfahnen, welche
ſehr zierlich "gelblich roftröthlich eingefäße find." Won Innen ift
der Fluͤgel an den 6 äußeren Schwingen bläulih, nah oben
und hinten roſtgelblich und- zeige 8 ſcharf begraͤnzte Winden.
Die kleinen Deckfedern ſind roſtgelblich mit dunkeln verloſchenen
Querbinden.
“Die oberen Schwanzdeckfedern zeigen an den Außenfahnen
ovale weißliche Flecken. Der Schwanz "ift’afchgraubraun und
zeige von oben 4 breite ſchwarze Binden, "in welchen! der fonft
mweißlihe Schaft [hwarz gefärbt ift.
Ausgebreitet zeigt der Schwanz, mit Ausnahme der beiden
mittleren Federn, auf den inneren: Fahnen hellroſtgelbe Fleden,
welche fich von dem Rande in die graubraunen Bänder hinein:
ziehen. Die unteren’ Theile haben ein ſehr breites Gefieder und
jede Feder ift- weiß mit 3 — 5 dunfefafchgrauen Pfeilbinden ver:
ſehen, wovon die erſte oder die erſte und- zweyte Binde in’ der
Mitte rothbraun -und dunkel begraͤnzt find; auch das Weiße
hat einen roſtroͤthlichen Anflugi
Durch dieſe Bänder Nerhält die, Bruft und Ar: Bauch ein
weiß und rothhraun.gefperbertes: Anfehen. Die ſchwachen
Hofen find ähnlich gebändert, allein dunkler roſtgelb. Die un-
tere Schwanzdeckfeder roſtgelblich mit verloſchenen Pfeilflecken.
Etwas Ältere Vögel im Uebergang haben die Baden afchgrau.
Der fehr junge weibliche Wogel hat roͤthliche Federränder an
den oberen Theilen, namentlih an den Dedfedern der Flügel
und die oberen Schwungfedern haben’ breite weiße Saͤume.
Die hellen Querbinden des Schwanzes find an den’ Mittel-
federn und Außenfahnen grau, an den Innenfahnen gelblichweif,
aſchgrau gefledt. "Kopf aſchgrau, am’ Hinterkopf und Naden
dunkelbraun, mit einzelnen afchgrauen Federn untermiſcht; auch
das Nadenband ift afhgrau. Kinn und Kehle aſchgrau, fein
weißlich quergeſtreift. Bruſt/ Bauch und alle unteren Theile
weiß, hier und da, insbeſondere an den Schenkeln und Steiß
Iſis 1817. Heft 5.
—
_—
346
gelblich überlaufen und überall mit breiteren, und fchmäleren _
fhwärzlih braunen Querbinden bezeichnet.
Er ift ziemlich) gemein im. füblichen Theil von America und
fliegt leicht und fchnel. Gewoͤhnlich fieht man ihn auf dem
Afte eines MWaldbaumes figen und nach Raub ſich umfehen.
In feinem Magen fand Pr. Mar Inſecten und Schneden,
Er zeigt ‚viel Stürmifches und, Kühnes in feinem Weſen.
Den Pernis vitticaudus Pr. Max Pl. col. 103, fo wie
ben albifrons Pr. Max hatte ich noch feine Gelegenheit zu
ſehen.
Dimenfionen mas. fem. Junges Männchen.
Kopf 6 — 7 65
Schnabel 29 — 35 28 — 30
Höhe 15 — 20 113
Mundw, 31. — 37 32 — 34
Oberfl. 194 — 215 183 — 208
Fluͤgelſp. ....— 79 92 — 82
Zarfe 31 — 35 33
Mittel; 238 — 50 30
1. Schwf. 175 — 197 182 — 188
6. Schw. 2... 198 190. — 192
Unter vielen Sndividuen diefer Art fah ich größere Vögel mit
abweichend großem, faft monitröfem Schnabel, die ich nach ihrer
Größe und da. fie in der Färbung und Zeichnung den dünn-
fehnäbeligen vollkommen gleichen, für Weibchen genommen habe.
Unterfuhungen an Ort und Stelle müffen darthun, ob diefe
mit größeren Schnäbeln verfehenen Vögel eine eigne Art bilden
oder nicht.
4. Subgenus. Adlerweihbuffard, Odontriorchis Kp. Cymin-
dis* Cuv.
Diagn. Der große Schnabel; hinter dem Haken mit, einem
Edzahn.
Beſchreib. Der große und fange Schnabel mit, einem
Edzahn vor dem langen Schnabelhafen. Flügel ziemlich lang,
allein nicht: die Spige des langen Schwanzes erreichend. Zweyte
bis fechfte Schwinge an der Innenfahne ſchwach ausgefchnitten.
Der Zehenruͤcken gefchildert: Zügel faft nackt mit einzelnen
Borften.
Man Eennt nur eine Art,
gekannt if.
5) Der Ganennifhe Ablerweihbuffard, Pernis caya-
nensis @mel. Pl. col. 204..270. (juv.)
Befhreibung des alten Vogels, Kopf und. Hinterhals,
wie die Wangen hellafhgrau. Nadenfedern an der Wurzel
weiß. Alle unteren Theile weiß. Kropfgegend und Bruft, wie
die Mitte der Hofenfedern mit afchgrauem Anflug,
Ruͤcken und Flügel ſchwarz; letztere mit Ausnahme des Elei:
nen Gefieders mit lichteren grauen, Querbinden. Obere Schwanz:
dee mit einer oder 2 hellafchgrauen Querbinden. Von. Innen
zeigt der Fluͤgel die aͤußeren Deckfedern weiß und die mittleren
fhwarz wie bey einigen Elani.. , Die Schwingen mit 4 —5
breiten hellaſchgrauen ins Weiße übergehenden Querbinden, die
weit von einander abftehen.
deren Lebensart. fo. gut mie nicht
* Der Name Cymindis ift bereits feit 1806 von Latreille
für ein Lauffäfergenus verwendet.
22 *
347
Der Schwanz ift ſchwarz mit weißer Borde und 3 Quer:
binden, die von oben gefehen hellafchgrau, von unten weiß find.
Der junge Vogel pl. col. 270 ift fast tief ſchwarzbraun,
an den unteren Bruft: und Bauchfedern faft ſchwarz mit lich—
ten Rändern. Der Hinterhals roftröthlich.
Der pl. col. 204 abgebildete hat am Hinterkopf einen ſchwar—
zen Flecken, welches noch ein Ueberreft des Jugenbkleides zu
ſeyn fcheint.
In Südamerica, wo er gemein ift.
Dimenfionen: Flügelfpige 89
Kopf 69 Tarſi 37
Schnabel 24 Mittelzehe 36
Mundwinkel 34 1. Schwanzfeder 215
Oberfluͤgel 220 6. Schwanzfeder 223
Buffard-Weihenbuffard oder Weſpenbuſ—
fard Pernis Cuv.
5. Subgenus.
Diagn. Zügel, und Augengegend mit kleinen ſchuppenfoͤr—
migen Federn ohne borftförmige Schaftverlängerungen belegt.
Befhreib. Schnabel [hwadı, fo breit als hoc, ohne Spur
eines Zahnes und mit kurzem Schnabelbafen. Unterfchnabel an den
Rändern ſchwach gebogen, tief zwifchen diefen ausgehölt, mit
löffelförmiger, nicht plöglic abgeftugter Spitze. Wachshaut
groß. Nafenlöcher lang wie ben Hyptiopus und Odontrior-
ehis. Flügel lang, faft die Spige des langen Schwanzes er=
teihend. Zweyte bis 6te Schwinge ftumpf ausgefchnitten.
Schwingen von den Ausfhnitten nad der Spitze faft gleid)
breit mit ftumpfer Spite. Der größere Theil der Zehen mit
gefpaltenen Scildfhuppen; vor den Nägeln 2 — 5 größere
Schilder, deren Zahl individuell abweicht.
Die Federn des Hinterfopfs verlängert und bilden bey einer
Urt einen Zopf.
Sie variiren wie die achten Buffarde ohne Geſetz.
6) Der gemeine Wefpenbuffard, Pernis apivorus
L. Falco apivorus L. Naum. t. 35. 36.
Diagnofe. Die Federn des Hinterfopfs bilden keinen Fe—
derfchopf.
Befhreib. Er ift fchlanfer und zierlicher als der gemeine
Buffard gebaut, was durch Eleineren Körperbau, längere Flügel
und Schwanz bedingt if. Die Wahshaut ift nicht durchaus
gelb, fondern ſchwarz und nur am Rande und an Nafenlöchern
gelb. Das Auge ift gelb, bey jungen Vögeln gelb oder braun=
lih grau.
Bey alten Männchen ift der Vorderkopf, Geſicht und Ohren:
federn aſchgrau, die unteren Theile find weiß, an den ©eiten
mit braunen Pfeilfleden; bey andern faft jeinfarbig ſchwarzbraun
mit ſchwarzen Schaftftrihen und die Hofen mit breiten Quer:
bändern. Noch andere find einfarbig fhwarzbraun, an welchen
jedoch die weiße Grundfarbe überall durchleuchtet.
Die Weibchen find bald auf der unteren Seite weiß, ſchwarz
gefledt und auf den Hofen gebändert, bald weißlich, roſtgelb
und rojtbraum gebändert mit ſchwarzen Scaftfttihen. Am
Halfe ift die Spur eines Badenftreifens.
Ben allen zeigt der Schwanz und die Schwingen 2ter Orb»
nung zwiſchen der ſchwarzen Endbinde und den 3 fdhmalen
MWurzelbinden eine breite bräunlich gefledte oder ſchwach acbän:
derte Mittelbinde.
Das Gefieder ift fehr zart und ſchießt fehr durch den Ein-
348
flug der Witterung ab. An den lichteren Stellen des Schwan—
zes find die Federbärte öfters fo abgerieben , daß fie durchſichtig
erfcheinen.
Der Weſpenbuſſard ift ein mehr füdlicher als nördlicher Vo—
gel, der Europa im Winter verläßt. Zumeilen findet man in
feinem Magen Blüthenkäschen der Birken, von Nadelhöl-
zern ufw., dünnen Würzeihen und Knoſpen aller Art anges
füllt und man fügt, daß er Heidel:, Preußel- und andere Wald-
beeren gern fräße. In dem Thiergarten zu Amfterdam lebte cin
Individuum, das Fleiſch unberührt ließ, allein Brod mit Honig
beftrichen fehr gern fraß.
Nah Dr. Lindermayer und Grafen von der Mühle
geht er nicht nad Griehenland. Ruͤppell erwähnt ihn unter
den nordafricanifhen Vögeln nit. In Afien fcheint er jedoch
ebenfalls vorzufommen.
Dimenfionen: Tarſi 50— 52
Kopf 76— 80 Mittelzehe 41— 42
Schnabel 19 Außenzehe 31
Mundwinkel 38 Innenzehe 29
Oberfluͤgel 260 1. Schwzfed. 250—259
Fluͤgelſpitze 145 6. Schwifeb. 240—260
7) Der Zopfs Wefpenbuffard, Pernis cristata Cuv.
Regne. an. 1. t. 3. fig. 4._ Falco ptilorhynchus T. pl.
col. 44.
Diagn. Mit einem. Zopf.
Befhreib. Er gleicht fehr dem europäifchen und variiert
ebenfo. Aus fammtlichen Federkleidern bat Leſſon verſchiedene
Arten gebildet, ‚von denen er jedoch felber glaubt, daf fie der
gemeinen indifchen Urt angehören. Ich befchreibe einen weibs
lichen DBogel, dev. dem Männchen -Naum, t. 36. fig. 1. ſehr
ähnlich fieht.
Die Kopffedern find. roftgelblich, nach der Spike braun mit
ſchwarzen Schäften und Schaftflecken nach der Spitze zu, deren
Ränder roftgelblic) gefärbt find. . Won der. Stirn Uber die, Au-
gen hin ein roftgelbliher Streifen. Zügel und ein Streifen
hinter dem Auge afchgrau, der nach dem Zopf ſich mit einem
Streifen verbindet, deffen Federn ; an der Spitze ſchwarz und
roſtgelb gerändert find. , Die Zopffedern find an. der Wurzel
ſcharf begränzt weiß, wie die, meiften Kopffedern, die an der
größeren Spise ſchwarz und roffgelb-gerändert find. Die längfte
Zopffeder ift 60 M. m. lang. Der übrige Hinterhals roſtgelb
braun mit ſchwarzen fhmalen Scaftftrihen. Der Oberruͤcken
fhwarzbraun. Der Unterrüden, lichter braun und. die oberen
Schwanzdedfedern roftgelblihbraun, an den Spiken zum: Theil
weißgefäumt und an den verftediten ‚bintern Hälften weiß ges
bändert. Won unten ift das. Kinn roftgelblichweiß mit ſchwar—
zen ſchmalen Backenſtreifen. Der Hals mehr roftgelblic (und
die Bruft umd die übrigen unteren Theile mehr hell voftbraun.
Auf Hals, Bruft und Seiten mit ſchmalen ſchwarzen Schaft:
flefen und ſchwarzen Schaͤften. Hoſen, Bauch und untere
Schwanzdedfevern am lichteften ‚mit 'bräunlichen Schäften und
lichteren Borden an den Spitzen.
Das Eleine Gefieder des. Flügels fchwarzbraun, heit roftbräun-
lich gebordet. Die Dedfedern der Schwingen Ater Ordnung
dunkelbraun, ſchwarz verloſchen gebändert; an den Rändern der
Innenfahnen weiß gefledt.
Schwingen Ster Ordnung fhwar;braun und ſchwarz gebän-
dert mit weißen Spitzen. Die 4te Schwinge hinter dem aͤuße—
349
ren Ausfhnitte bis zur legten mit ſchwarzen und braunen Bän:
dern, wovon bie legteren licht gefäumt find. Die legten Schwin⸗
gen mit lichten Spigen. Won innen zeigt der Flügel vor den
Ausfhnitten einen weißen Spiegel und hinter den Ausichnitten
nad) der Epiße hin die innere Fahne grau und braunlid bunt
mit fhwarzen ſchiefen Bändern, wovon das erfte aus [hwarzen
runden Sieden befteht.
Die Schwingen!2rer Ordnung find hellaſchgrau, ſchwarzgrau
gebändert und gefledt. Letztere, nehmlich die Bänder und Sieden,
licht, zuweilen: weiß eingefüßt. Flügelcand roftgelblich weiß, die
Eleinen inneren Achfelfedern roftgelblih, die längften licht roff:
gelblich mit ſchwarzen Schaftflecken und aſchgrauen Binden an
den Innenfahnen.
Der Schwanz ift braun, an der Wurzel weiß, ſchwarz ge:
fprenEelt, zeige an den zwey cberen Dritteln vier breitere ſchwarze
unregelmäßige, licht eingefafte, wellenformige Binden und zwifchen
diefen meltenförmige lichttraune Bänder. Zwifchen der legten
oberen breiten Binde und der breiten leicht bordierten Endbinde
an 6 ſchmale hell lichtbraune Binden. Der Schwanz ift noch
bunter gefärbt als beym europäiichen.
Ein in Afien gemeiner Vogel.
150
Dimenfionen: Flügelfp.
Kopf 87 Tarſi 51
Schnabel 20 Mittelz. 47
Mundwinfel 37 1. Schwjf. ' 266
Dherfl. 2376. — 265
3. Genus. Sperberbufjard, Polyborus Pieill. (3. Theil),
Gray., Kaup.
Diagn. Naſenloch faft am oberen Rand der Wachshaut
liegend, f&hief von vorn nad hinten gerichtet, in der Mitte mit
fhmaler Querwand,
Beſchreibung. Schnabel bedeutend höher, als breit, mit
dem Schenkel in gleicher Ebene liegend, ſtark zufammengedrüdt,
mit ſchwachem Zahn und fehr kleinem Schnabelhafen. Unter:
fchnabel. gerade, ftumpf abgeftust, an den Seiten mit einem
ſchwachen Ausſchnitt. Der Schnabel ift bis zum vorderen
Winkel des Auges gefpalten. Gaumenleifte ftumpf erhaben.
Die Nafenlöcher haben die ohngefähre Geftalt eines ſchief
von der rechten nad). der linken jtehenden Sters und find wie
bey Ibieter in den Knochen des Schnabels eingebohrt. Wachs—
haut febr lang, und wie der vordere Theil des nadten Gefichts
mit £urzen Borſten dünn. bedeckt. Hinterhauptsfedern etwas
f&hopfartig verlängert. Hals Lang.
Zarfen lang, doppelt fo lang als die Mittelzehe, vorn mit
gefpaltenen Schildſchuppen, nah den Zehen hin mit 7 — 9
ganzen Schildern, nad hinten ift die Tarfe zugefchärft mit 2
Reihen dachfoͤrmig zufammenftoßender Schilder.
Zehen grob getäfelt. Nägel lang, ſchwach gebogen. Sohlen
der Zehen ſtumpfwarzig. Schwan; ſchwach abgeftuft und von
der Länge des Rumpfes.
Sc Eenne nur eine Art.
Der Kappene oder Caracara Sperberbuffard, Po-
lyborus brasiliensis Gmel. Polyborus vulgaris Pieill.
Gal. des ois. Pl. 7. (ad.) Falco cheriway Jacgq.
Polyborus cheriway Vieill. Euc. Falco plancus Mill.
Cym. Ph. t. 17. Falco tharus @mel. Azara. Nr. IV.
‚umfchlungen find.
- 390 _
Polyborus Caracara Spt.r. t. la. (juv.) Falco brasi-
liensis Gmel. Pr. Max. p. 190.
Befhreibung. Wachshaut und Zügel bräunlich gelb.
Beine orange. Iris grau oder röthlihbbraun. Es ift ein fchoͤ—
ner Raubvogel von ftattlihem Anfehen, der die Größe von
einem £leinen Adler hat und eine Länge von 2’ 2’ erreicht.
Der Schnabel ift blaß hellblau (in Bälgen gelblichweiß),
Scheitel und Hinterkopf braͤunlich ſchwarz. Die Federn des
Hinterfopfs etwas zugefpigt und koͤnnen in der Keidenfchaft zu
einer Haube aufgerichtet werden (wie die Spilornis- Arten, die
bey den Adlern und in ihrem Genus Cireaötus diefelbe Stelle
einnehmen). Wangen und Vorderhals weiß oder gelblich weiß.
Hals, Rüden und alle unteren Theile weiß oder roſtweißlich
mit unzähligen ſchwarzen Pfeil Querbändern, wovon 7—9
auf jeder Feder fich befinden. Die Mitte des Bauches mehr
einfarbig ſchwarzbraun, eben fo die Hofen. Laͤngs des Untere
arms bildet die fchwarzbraune Farbe der Eleinen Federn des
Flügels einen breiten Streifen, das Übrige Eleine Gefieder iſt
meift mit ſchmalen rothbraunen oder weißlichen P eilbindchen
geziert. Die Dedfedern der großen Schwingen, fo wie die vor:
dern Schwingen der Zten Ordnung fehwarzbraun, die mittleren
roſtbraͤunlich gebändert und die drey hinterften faſt einfarbig
bifterbraun mit weißlicher Endborde. Die Spigen der Haupts
fhwingen find fhwarz; die 2te bis 7te gröftentheils weiß,
dafelbjt mit weißen Schäften, ſchwarz gebändert und gefprigt.
Die inneren Dedfedern des Flügels ſchwarzbraun; die längften
blauſchwarz. Die weiße Farbe der Zten big 7ten Schwinge
bildet einen weißen Spiegel, der ſchwach mit Bändern umzogen
iſt. Dbere und untere Schwanzdede mehr weiß mit pfeilförs
migen [hwärzlidyen Binden. Der Schwanz ift weiß mit weißen
Schaͤften und 12 pfeilförmigen ſchmalen Binden. Das breite
Endband und die Schäfte dafelbft ſchwarz.
Bey dem Weibchen find die Farben bläffer; es ift etwas
größer.
Der junge Vogel Spir tab. Ia. hat die Wahshaut und
Füße bläulih, die Hauptfarbe mehr ſchwarzbraun und die un:
teren Theile auf braunem Grunde mit helltoftfarbigen Laͤngs—
fleden.
Diefer ſchoͤne Naubvogel ift über den ganzen Süden von
America verbreitet und Überall gemein. Man erblicit viele die-
fer ſchoͤnen Raubvögel, fagt der Prinz, wie fie auf den Zriften
umherſchreiten, oder mit niederem. Fluge, ſtark mit den Flügeln
fhlagend, von einem Gebüfh zum andern eilen. Cie find
viel in Bewegung, ftellen allen Eleineren Thieren nad, und»
feinen wie unfere Buffarde von Amphibien, Maͤuſenl, Voͤ—
geln, Schneden und Inſecten zu leben. In ihren Mägen fand
ich Ueberrefte Eleinerer Vögel, Inſecten und befonders Heu—
ſchrecken. Auf der Erde gehen fie aufgerichtet und fchreiten ge—
ſchickt, da ihre hohen Ferfen, ziemlich Furzen Zehen und wenig
gefümmten Klauen zum Gange ganz vorzüglic geeignet find.
Sie find nicht ſonderlich fhüchtern. Im Fluge tragen fie ges
woͤhnlich die Kopffedern aufgerichtet, und man hört alsdann
öfters ihre Stimme.
Azara erzählt noch von ihm, daß er in Paraguay fo zahl
reich fen, als alle Raubvögel zufammen genommen; fie niften
im Auguft, September und October, bauen ein Neſt auf die
Gipfel der Baume und geben denen den Vorzug, die mit Lianen
Da wo fie ſolche nicht haben Fönnen, wie
um Montevideo, niften fie ins Gebüfh und bauen mit Reifern
351
und Kleinen Sianen einen großen, faß platten. Horjt, welcher
die und ohne Kunft mit Haaren, ausgefüttert ift. Sie legen
nur zwey Eyer, die einen Durchmeffer von 21 —26“ haben,
und die auf rachlohfarbigem Grunde blutroth getuͤpfelt und ge—
fleckt ſind. Die Jungen gleichen den Aeltern und begleiten
dieſe ſo lang, bis ſie ſich allein naͤhren koͤnnen. Azara ſagt,
daß er den eben gebornen Schafen die Nabelſchnur und die
Daͤrme heraugzerre. Wie die Buſſarde entreißt er den meiſten
Raubvoͤgeln die Beute. Sobald der Jaͤger einen Vogel ſchießt,
iſt der wachſame Caracara ſehr pünctlich zur Hand und ſtuͤrzt
ſich auf den Vogel, ſobald er ihn verwundet fieht. Bemerkt
er, daß ein Iribu ein Stuͤck Fleiſch verſchlungen hat, ſo verfolgt
er ihn ſo lange, bis er es wieder ausgewuͤrgt hat, welches an
das Betragen des Hal. leucocephalus erinnert. Bey ſeinem
niedrigen Flug ſtuͤrzt er ſich auf Aparea und Inambus, wenn
ſie ruhig ſitzen bleiben. Im Laufe kann er dieſen Thieren nichts
anhaben. Erx verachtet kleine Voͤgel, ohne Zweifel, weil er fie
nicht fangen kann. Dieſem widerſpricht der Prinz, indem er
im ‚geöffneten Caracara Vogelreſte fand, allein da der Prinz
keinen Caracara Vögel: fangen. ſah, fo kann es auch möglic)
ſeyn, daß die Knochen ‚von. jungen Vögeln herrührten, die er
meihenartig aus den Neftern herausgenommen bat... Zumeilen,
fagt Azara, erwiſcht er junge, Hühner, wenn. er. fie einzeln
und. zerftreut findet, ‚allein er greift nie jalte Hühner an,
Die Moquers, Schwalben, Tyrannen verfolgen ihn mit Schna-
beihieben im Fluge, erfchrefen ihn und jagen ihn in die Flucht.
Aus’ den Berichten des Prinzen und Azara’s fteht man
deutlich, in melhem Bezuge die Kebensart mit der der Buffarde
fteht, und daß es ſehr irrig ift, aus ihm und den Ibictern eine
eigne Subfamilie zu bilden.
Dimenfionen: Kopf 93 Fluͤgſp. 182
Schnabel 34 Tarſi 96
Hoͤhe 25 Mitlz. 50-+25
Breite am untern Ran— Außnz. 40+22
de der fteil-abfallen= Innz. 34-+26
den Wahshaut 15 Hinterz. 23726
Mundw. 56 1. Schwanzf. 216
Oberfl. 245 6. Schwanzf. 228
4. Genus. Adlerbuſſard. Rostrhamus Less. Cy-
mindis Cw.
Diagn. Mittelnagel reiherähnlich gezähnelt.
Beſchreib. Kopf Elein. " Schnabel lang, dünn, etwag auf:
gefhwungen und in einem großen Bogen wie eine große Kralle
gebogen mit eingezogenen Rändern und langem Schnabelhafen.
Unterfchnabel an dem Rand bogenfomig nad) unten gefrummt.
Der Eleine Gaumenhöder nad hinten vertieft und von da mit
einer vorfpringenden Leiſte verfehen.
Rachen fehr breit, bis unter, die Mitte des Auges. gefpalten.
Naſenloch Elein und eyfoͤrmig. Flügel lang mit. fehr.. breiten
ahnen. Zwehte und dritte fehr deutlich, vierte bis ſechſte fehr
ſchwach ausgefchnitten.
. - Dee Schwanz ift nicht ganz Körperlang und ſchwach ges
gabelt.
Tarfen ziemlich Eur; mit 7 Schildern. Mittelzehe ſchlank
und lang; aͤußere und innere Zehe von faft gleicher Länge.
Zehenruͤcken deutlich getaͤfelt. Die mittlere Zehe mit 13, die
äußere mit 10, die innere, mit 5 Schildern,
352
Die Krallen. find fehr lang, ſchmal und ſchwach gebogen und
nadelfpis. Die mittlere Kralle mit 3—4 fammartigen Cin-
fohnitten, wie bey. den Totipalmati, den Ardeidae et Capri-
mulgidae.
Man Eennt bis jegt nur eine Art,
Der gefellige Adlerbuffard,
die mittlere Größe hat,
Rostrhamus sociabilis
Az. d’Orb. Az. Nr. XVI. Herpetotheres soctabilis
Az. Vieill. Falco hamatus Ill. Pi. col. 61. (ad.)
231. juv. Falco hamatus Ill. Pr. Max. Beytr, p.
182. Buteo hamatus MVieill.
Spix. tab. II. Rostrhamus niger Less. Orn.
Beſchreib. Die Wahshaut, Zügel, Mundwinfel und die
hintere Hälfte des Unterfiefers hoc orange, .ebenfo die Füfe.
Iris lebhaft blutroth. Die Totalfartbe des Gefieders ift ſchiefer—
aſchgrau, auf Ruͤcken und Fluͤgel mit braͤunlichem Anflug. Die
Schwingen ſchwarz, die Schwingen 2ter Ordnung mit braͤun—
lichen Borden. Alle Schwingen ohne Spur von Binden. Dbere
und untere Schwanzdede weiß. . Schwanz an der. Wurzel weiß
an der unteren Hälfte ſchwarz mit einem % Zoll breiten bräun-
lich weißen Saum.
Der junge Vogel mit dunfelrothbrauner Iris, ſchmutzig blaß—
gelber Wachshaut und blaforangefarbigen Füßen. Oben ſchwarz—
braun mit roſtröthlichen Saͤumen und weißlihen Borden an
den legten Schwingen der 2ten Ordnung. Ueber dem Auge
ein lichter Streifen uud ein dunkfelbrauner an den: Ohrfedern,
Kehle, Unterhals, obere und untere Schwanzdede gelblich‘ weiß
mit fchmwarzbraunen breiten Schaftfloden. Das Schwarze des
Schwanzes verläuft fi) in dag Hellere mehr Afchgraue, ohne
eine deutliche Binde zu bilden.
Cymindis leucopygus
Dimenfionen eines alten Vogels,
Kopf 66 Tarſi 43
Schnabel 25 Mittel;. 37424
Höhe 10 Außen;. 28419
Mundw. 37 Innenz. 2577-25
Breite des Rachens 27 Hinterz. 2425
Dberfl. 206 1. Schwanf. 181
Fluͤgelſp. 125 6. Schwanzf. '162
Der Bogel der Temmindifhen Abbildung zeigt die, obere
und untere Schwanzdede afchgrau, wie den ganzen Körper. ge—
färbt, welchen Leſſon fuͤr eine ſchwarze Varietat zu halten
geneigt ift. Einen ähnlichen. bildet La Sresnane Mag. de
Zool. 1834. pl. 20 ab.
5. und legte Genus. Buffard - Bufjard,
buffard. Ibicter Kaup. Polyborus, Daptrius et
Ibieter Fieill. Milvago et Gymnops Spix. Senex
J. E. Gray. Phalcobaenus d'Orb. Parisifaleo' Less.
Diagn. Die Ereisrunden Naſenloͤcher, mit cinem wulffigen
Rand umgeben, haben eine tief liegende, don oben nach unten
gehende Scheidewand und find rund in den Knochenfern "des
Schnabels eingebohtt.
Befchreib. Mit Eleinem Kopfe, geradem, geftredtem, fo
hohem als breitem Schnabel, mit ſchwacher Andeutung eines
Zahnes und dem entfprechenden Ausfchnitt am. Unterfchnabel;
der Schnabelhafen ift ſehr kurz und der Kiel am Gaumen des
Schnabels ift abgerundet, allein deutlih. Der, Mundwinkel
geht nicht bis zum vorderen Winkel des Auges, wodurch der
Rachen ſo eng wie bey keinem andern Genus der ganzen Fa—
oder Geyer⸗
353
——
milie wird, Das mäßig große Auge ſteht verhältnißmäßig mei:
ter zuruͤck,* als bey allen übrigen Genera der Falconidae,
und fein oberes Augenlied ift mit ſtarken Borſtfedern befest.
Die mäfig langen Tarſen find mit gefpaltenen Schildſchuppen
bedeckt und nur einige nächft den Zehen find ganz. Die Zehen
meift geichildert und, die Nägel ſchwach gekrümmt und nicht
fonderlid) Lang.
Die Arten diefes Gefchlecht3 leden nur im füdlichen America,
bis auf den Ibicter anstralis, der auch in Auftralien vor:
fommt, und find nad) den Berichten aller Reifenden die unedels
ften aller Falken, die ſich mit den ſchmutzigſten aller Nahrungs:
mittel begnügen, Aas, ja fogar den Koth der Thiere verfchlin-
gen, was an Cathartes erinnert. Bey den meiften tritt ein
weiß oder hellgefärbter Schnabel auf und bey einigen fieht man
ein rabenaͤhnliches Gefieder mit blauem Glanze.
Unter den Buteoninae ftehen fie Polyborus am nächſten,
von welchen fie fich duch die Bildung des Schnabels und der
Naſenloͤcher unterfcheiden. Sie haben mit den meiften Genera
der wahren Falconinae den Character der rund eingebohrten
Nafenlöcher gemein und fchließen fich hierdurch als letztes Ges
nus aller Faleonidae den hoͤchſten Formen ihrer Familie wies
derum an.
Sie bilden fünf fein unterfchiedene Gruppen oder Subge—
nera, die big jest arm an Arten find, und die in ihren Eitten
und einige in der Stimme an die Hühner erinnern.
1. Subgenus. Falfen-Geyerbuffard, — Daptrius Vieill.
Diagn. Gefiht und Kinn nadt. "Die Flügel erreichen 2
des rumpflangen Schwanzes; 5te und Gte die längften von
allen. Zweyte bis fechfte Schwinge an den Innenfahnen aus—
gefhnitten. Mittelzehe getüfelt, fo lang als der gefchuppte
rk der Zarfi. Aeußere und mittlere Zehe von faft gleicher
ange.
Man Eennt nur eine Art aus Cayenne, deren Sitten leider
nicht befannt find,
1) Der fhwarze Falten: Geyerbuffard.
aterrimus Temm. Falco aterrimus T. pl.
(ad.) 342. Daptrius ater Vieill. Gal. pl. 5.
Beſchreib. Schwarz mit ftahlblauem Glanz. Schwingen
von Innen an der Wurzel mit weißem Fled. Schwan; an
der Wurzel blendend weiß mit weißen Schäften und 4 —5
ſchwarzen Bändern oder Fleden, bandartig gereiht.
Der Schnabel ift braun oder [hmärzlic.
Der junge Vogel hat 3. des Schwanzes roftröthlich mit fchiefen
fhwarzen Binden. Er hat die ohngefähre Länge des männ-
lichen peregrinus.
Ibicter
cul. 37.
Dimenfionen:
Kopf 63 Tarſi 57
Schnabel 28 Mittelz. 37446
Mundw. 30 Außen;. 24-13
Oberfl. 188 Innenz. 22-+18
Fluͤgelſp. 108 Schwanz 185
2. Subgenus,. Weih-Geyerbuſſard. — Phalcobae-
nus d’Orb.
Diagn. Mit fehr langen Ftügeln, die die Spige des
*Es ift dieß ebenfalls ein Kennzeichen des Hühnertypus, der na-
mentlich bey den Scolopacidae bis zum Extrem audgebilvet ift.
Iſis 1847. Heft 5,
——
354
Schwanzes uͤberreichen. Zweyte bis fünfte Schwinge an den
Snnenfahnen beftimmt und ſcharf ausgefchnitten.
2) Der Berg-Weih-Generbuffard, Ibieter monta-
nus d’Orb. Phalcobaenus montanus d’Orb. Voy.
dans l’am. mer. Aquila megaloptera Meyen, Nov. Act.
1834. t. 8.
Sch fenne nur den jungen Vogel und nicht den ſchwarzge—
fäarbten alten, welchen dD’DOrbigny befchrieben und abgebildet
hat. ;
Der junge Vogel von der Größe des männlichen Astur pa-
lumbarius ift ſchmutzig braun mit lichteren Federrändern und
hat ſchmutzig weiße, braun geflecte obere und untere Schwanz:
deckfedern. Zweyte bis fechfte Schwinge an der oberen Hälfte
der Außenfahnen weiß, braun marmoriert, font find die Schwin=
gen an der oberen Hälfte gelblichweiß oder roftgelb, an den
Innenfahnen mehr oder minder dunfel marmoriert. Die Schwin—
genfpigen braun mit roftgelbem Schimmer längs den Schäften.
Der Schwanz ift oben fhmwarzbraun, an den Innenfahnen roft:
gelblich, unregelmäßig gefledt; zuweilen ift vor der ſchmalen
fhwarzen Endbinde eine ſchmale roftgelblich weiße Binde. Die
Kopffedern find an beiden Exemplaren kraus und ftruppig,
aͤhnlich bey Crax alector.
Dimenfionen:
Kopf 79 Fluͤgelſp. 155
Schnabel 277—28 Tarſi 71-74
Höhe 18 Mittelz. 39—40
Mundw. 39—40 1. Schwanzf. 202
Dherfl. 218 6. Schwanjf. 215
Kommt aus Chili und ift bis jegt in Sammlungen noch
ſehr felten.
3. Subgenus. Sperber-Geyerbuſſard. Milvago Spir. Mil-
vago et Gymnops Spiz. Polyborus Vieill. Parisifalco Less.
Diagn. Zügel und Augengegend nadt. Die Flügel errei-
en 3 des Schwanzes, welcher Körperlänge hat. Zweyte bis
fechfte Schwinge an den Innenfahnen ſchwach ausgefchnitten,
Dierte Schwinge die längfte. Zarfen ſchlank. Meittelzehe ge:
täfelt, nicht fo lang als der geſchuppte Theil der Zarfi. Aeußere
und innere Zehe faft gleich lang.
Man Eennt zwey Arten, die bereits Azara unterfchieden hat.
Azara fagt von ihnen, daß fie weder Säugethiere noch Voͤ—
gel angriffen und zweifelt, daß fie die Eleinjte Maus raubten.
Sie haben die Gewohnheit, wie die Hühner im Staub ſich zu
baden und fegen fich gern auf abgeftorbene Bäume, Eleine Erd—
hügel und Steinhaufen.
3) Der Chimahbima=-Sperber:Geyerbuffard. Ibieter
chiımachima Az. Polyborus chimachima Pieill. Azara.
Nr. VI. Falco degener Ill. Licht. Milvago ochro-
cephala Spiz. t. 5. (ad.) Gymnops strigilatus Spir.
t. 4. (juv.) Jard: et Selby. Ill. Orn. t. 2. Falco
degener Pr. Mar. Beytr. ©. 162,
Diagn. Tarſi 50. Füße bläulich.
Alter Vogel. Unbedeutend größer und fchlanfer als der
Thurmfalfe. Kopf, Hals, obere Schwanzdede und alle untern
Theile weiß mit ochergelbem Anflug. Ueber die Augen und
Ohrfedern hin ein fchmaler nach hinten breiter merdender fehmars
zer Streifen. Nadenfedern an den verdedten Bahnen mit
259
braͤunlichen Flecken. Rüden, Flügel und das legte Drittel des
Schwanzes fhwarzbraun. Die 6 erſten Schwingen an ben
Außenfahnen vor den Augfchnitten weiß, der Länge nach ftreifig
gefledt. An den Innenfahnen blendendweiß, einen weißen Spie—
gel bildend, mit Spuren von Binden, die an der 7. und 8.
fehr deutlich find; die folgenden find zum Theil voftgelblich,
ſchwarz gebändert. Die Dedfedern, welche die erften Schwingen
bedecken, mit breitem weißem Spigenfaum. Die inneren Dedfe=
dern der Fluͤgel ochergelb; die zwey Außerften und laͤngſten
ſchwarz quergebändert.
Der Schwanz an den zwey oberen Dritteln roſtgelblichweiß,
dunkel gefprigt, mit 6 ſchwarzbraunen Querbinden und weißen
Schaͤften. Von unten ift der Schwanz an den 2 oberen Drit-
tein weiß mit Spuren von Binden, von welchen die unterfte
die deutlichfte ift. Das breite braune Endband hat einen roft-
gelblichweißen Saum.
Der Schnabel ift an der Wurzel blafbläulichweiß, an der
Spitze weißlich. Wachshaut, Zügel, Augenlied und eine ſchmale
Einfaffung des Auges orange. Beine biaßbläulicy mit grau:
braunen Krallen. Iris graubraun. Männchen und Meibchen
unterfcheiden fich nad dem Prinzen wenig; leßteres ift weniger
teinmweiß, mehr ſchmutzig gelblichweiß, oft beinah hellgelblichweiß.
Der Schwanz des MWeibchens hat auch breitere und reiner gefärbte
meißlihe Binden, erfcheint daher heller, und feine hinteren
Schmwungfedern haben ſtarke meißlihe Spigenränder, welches
dem Männchen fehlt.
Der junge Vogel ift fhmusig gelblid) oder roftfarbig gelblich
weiß; auf dem Kopf und Hals mit roftgelben Schaftftrichen,
die an der Spige tropfenartig fich erweitern. Ohrfedern ſchwarz—
braun mit weißlihen Schäften und Schaftfleden. Seiten,
Hofen und innere Dedfedern der Flügel ſchwarzbraun querges
bandert. Der Nüden graubraun, die Schwingen 2. Ordnung
ſchwarzbraun, roſtbraun ſchmal gebändert. Die Hauptſchwin—
gen aͤhnlich wie beym alten Vogel, allein auf den Innenfahnen
deutlicher gebaͤndert. Schwanz mit 11 Binden auf roftgelblich-
weißem, ſchwaͤrzlich gefpristem Grunde, die auf der fchmäleren
Endbinde als roftröthlihe Binden durchleuchten. Nah dem
Prinzen, dem wir die ficherften Nachrichten über feine Lebensart
verdanken, lebt er in offenen, ebenen Öegenden in der Nähe menſch⸗
licher Wohnungen und Viehtriften. Obgleich er einen leichten
Flug mit ziemlich häufigen Flügelfchlägen hat, fo erhebt er fich
doch nie hoch in die Luft. Er lebt einzeln oder paarweife und
ſucht die Inſecten auf dem Rüden des Viehs. In feinem
Magen fanden fih Inſecten, Maden, befonders Zeden und
allerlei Zhierläufe; ja man findet feinen Kropf mit Thier-, fogar
Menſchenkoth angefült.e Man fieht fie auch häufig auf
der Erde, wo fie Inſecten und Schneden fuhen, und in
Sümpfen, wo fie Amphibien nachſtellen. Ihre Stimme ift
ein feiner hellfchreiender Pfiff, den fie oft hören Laffen. Sie find
gegen Menfchen wenig fcheu und niften auf Baͤumen. Azara
fagt von ihm, daß er die Saumthiere auffuche, welche duch
die Laft der Sättel (bats) wund geworden find, fege ſich auf
diefe und Eralle fich feft, um die Wunden zu zerfleifchen; weder
das Springen noch Ausfchlagen der Thiere ftören ihn, fo daß
diefen armen Xhieren, die noch ganz lebend, an einem Franfen
Theil zerfleifeht würden, nichts übrig bliebe, als ſich auf der
Erde zu mälzen oder fich bis ing Gebüfch zu ftürzen.
Der Prinz bezweifelt diefes Factum und fagt, daß es ihm
nicht beftätigt worden ſey; auch ich glaube nicht, daß diefer
harmloſe Vogel — Pferde anfallen fol, um wunde Stellen
356
derfelben zu zerfleifhen. Es ſtimmt dies durchaus nicht mit
dem, was Azara und der Prinz von diefem feigen Vogel er—
zählen, allein da diefes Factum von dem fehr glaubwürdigen
Azara felbft beobachtet worden ift, fo ift anzunehmen, daß er
diefe verwundeten Thiere zuweilen heimfucht, um die Wunden
von den von Fliegen hineingelegten Larven zu reinigen. Daß
es bey einem fo unberufenen Operateur, mit ziemlich fpigen
Krallen verfehen, ohne bedeutende Schmerzen des armen Patien=
ten nicht abgeht, und daß diefer fich feiner Franfen Haut wehrt,
ift leicht zu ermeffen. Bey diefer Ihatfache liegt, wie es hau:
fig der Fall ift, die Wahrheit in der Mitte.
Azara fagt ferner, daß er die Federn des Hinterkopfs ftraube
und die an den Seiten des Kopfes (mahrfceinlich die Federn,
die den ſchwarzen Streifen bilden) wie zwey Hörnchen aufrichte.
Er erzählt ferner, daß er haufig Männchen und Weibchen nur
ein Junges habe begleiten gefehen, welches von Februar bis
Juli gefüttert wird und fchließt hieraus, daß fie nur ein Jun—
ges befommen.
Dimenfionen alt. — jung. Tarſe 50 — 50
Kopf 60° — 59 Mittelzehe 33413 — 34+12
Schnabel 20 — 18 Außen. 21-11 — 21+11
Höbe 12 — 12 Innenz. 19-13 — 19-13
Mundwinfel 29 — 28 1.Schmjf.160 — 165
Dberflügel 160 — 160 6 —. 175 — 165
Flügelfpige 129. — 120
4) Der Chimango: Sperber-Geyerbuffard — Ibic-
ter chimango Azara. Polyborus chimango Vieill.
Azara Nr. 3. Aquila pezopora Mey. Nov. Act. XVI.
t. 6.
Diagn. Tarſe 63 Mm. lang. Füße hellgelb.
Befhreib. Diefe Art gleicht in ihren Dimenfionen der
vorigen, allein zeigt höhere Tarſen und ein total verſchiedenes
Gefieder. In diefem gleicht es eher einem jungen Wogel.
Scheitel ſchwaͤrzlich, die Übrigen Kopffedern mit roftröthlichen
Rändern. Der, dunfele Scheitelfleck verbreitet fich bis zum Auge
und den Ohrfedern. Die Seiten des Kopfes braun. Dieſelbe
Farbe allein heller und gemiſcht mit Roſtroͤthlich verbreitet fich über
die Kehle bis zur Bruft. Die Federfchäfte find (hwärzlih, Die '
Bruft und die Hofen heilbräunlich mit ſchwaͤrzlichen und weiß:
lichen Querbändhen. Der Bauch iſt roſtroͤthlich und die un-
tere Schwanzdede weiß. Die obere Schwanzdede zeigt braune
Querbinden. Die erften Schwingen und ihre Dedfedern find
glänzend ſchwarz und oben roſtroͤthlichweiß, ſchwarz geftreift und
punctiert. Der übrige Flügel zeigt vröthliche und ſchwarze Bin—
den. Don Innen »ift der Flügel ſchwarz und weißbunt. Der
Schwanz hat eine Zoll breite ſchwarze Endbinde mit fhmukig
weißer Borde, an dem übrigen Theil fchwärzliche irregulare Zeich-
nung auf grauem Grund, die gegen die Wurzel des Schwarzes
bin verbleicht. Der Schnabel ift grünlichweiß, die Wachshaut
und Füße hellgelb.
Der Chimango findet fich felten in Paraguay, allein ift
gemein am La Plata und in Chili. Man verficherte Azara
allgemein, daß er auf Sandhügeln, haufig in die Löcher der
Ameifen, oder auf Erhöhungen durch Infecten gebildet, nifte
und ein Neft von einigen Neifern und Eleinen Zweigen bilde.
Man fagt, daß die Eier auf weißem Grund braungefprigt find.
Die Jungen unterfcheiden fih nicht von den Alten und Azara
Ffonnte unter den Individuen diefer Art Eeinen großen Unter
fhied bemerken.
357
l
Die beyden Arten diefes Subgenus verhalten fi in ihrem
Gefieder zu einander mie der Haliadtus pondicerianus zu
Canorus Vig. et Horsf. Letzterer behält ‚ebenfalls beftändig
ein jugendlich gefärbtes Kleid, während der alte pondicerianus
ein vom Jugendkleid total verfchiedenes Kleid, Alterskleid trägt.
Diefe Analogie mit dem 2. Subgenus letinoaëtus der Ha-
liaöten und der grade Schnabel mag vielleiht Hern Cuvier
verführt haben, aus dem Chimahima einen Seeadler zu bilden.
Dimenfionen.
Kopf 61
Schnabel 21
Mund. 30
Oberfluͤgel 155
Fluͤgelſpitze 131
Tarſe 63 nah Azara 68 oder 30.
Mitteljehe 3414
Außenzehe 21-13
Snnenzebe 19-15
Schwanz 174 nah Azara 162 oder 6”.
Der Adler-Geyerbuffard — Adtotriorchis Kaup.
Diagn. Zügel und Augengegend nadt; erſterer fparfam
mit Borſten bededt. Mittelzehe getäfelt, etwas länger als der
"gefchilderte Theil der Taufe, welcher mit etwa 14 Neihen Eleiner
gefpaltener Schilder und nach der Murzel hin 3—4 ganzen
Schildern verfehen. iſt. Die Flügel erreichen nicht die Schwanz:
fpige. Zweite bis 6. an den Innenfahnen ausgefchnitten.
Die eine Art, die hierher gehört, hat Adlergröße, etwa wie
Aq. naevia.
5) Der düftere Adler-Geyerbuſſard — Ibieter
australis Lath. Gmel. Falco australis Gmel. Lath.
Syn. Nr. 19. Falco leueurus Forster. Caracara
funebre Pl. col. 224 juv. 129 ad. Falco Novae Zee-
landiae Latk. zum Theil (tab. 4.) ad. Polyborus No-
vae Zeelandiae Less. Circaötus antarcticus Less.
Falco harpe Forst. nah Temmind,
Befhreib. Mit weißem Schnabel, der in der Jugend
fhwarz iſt. Machshaut und Füße gelborange. Totalgefieder
ſchwarz mit weißen zugefpisten Schaftitrihen auf dem Ober:
hals, Rüden und der Bruft. Hofen roſtroth. Die Schwingen
an der MWurzel wei. Der Schwanz mit breiter weißer
Endborde.
Der junge Vogel ift mehr erdbraun und die weißen Fleden
find roſtroͤthlich und weniger beſtimmt begränzt. Die Wurzel
der Schwingen iſt roftfarbig, welches an den Äußeren Fahnen
durchleuchtet. Der Schwanz iff einfarbig roftroth mit Spu—
ten von pfeilförmigen Flecken naͤchſt den Schäften. Hoſenfe—
dern mit roftröthlihen Borden. Schnabel ſchwarz, an älteren
Individuen fchwarz und weiß gefledt.
Nach Latham, Forfter und Leſſon ift fein Vaterland
Meufeeland, Yan Diemensland und der Süden von Neuhol:
land. Alle, die ich gefehen habe, ſtammen von der Auferffen
Süpdküfte von America, wo er fehr gemein ift.
Temmind berichtet, daß er in den Icones ined. von For—
ſter 8. 36. 37 und 38 unter dem Namen von Falco harpe
Forst. abgebildet fey; &. Gray citiert bey Jeracidea Novae
Zeelandiae tab. 38 von Forfter, und erwähnt t. 36 und
37 nicht. Da Herr Temmind die ühnlich gefärbte Jera-
cidea Novae Zeelandiae nicht gefannt hat, fo ffimme id)
398
Hrn. Gray, aud ohne die Abbildung von Forfter gefehen
zu haben, bey, daß Falco harpe identiſch mit Jeracidea
Novae Zeelandiae if. Um fpäteren Verwechfelungen vorzus
beugen, f£önnte man die neufeeländifche Jeracidea J. harpe
Forst. nennen, was ich zur Entfcheidung den Hrn, Ornitho—
logen anheim ſtelle. Hierdurch fiel der Name Novae Zeelan-
diae ganz weg. Unterfucht man den Tert genau von Lath.,
fo ergiebt fid, daß er beyde Arten, die Jeracidea Novae Zee-
landiae mit dem Ibicter australis verwechfelt hat. Gleich im
Beginn feiner Befchreibung fagt Latham: dag Männchen
ift von der Größe des Edelfalfen und 18 Zoll lang. Der
Schnabel ift an der Wurzel blau, an der Spike ſchwarz. Die
Umgebung der Augen blau. Diefe ganze Befchreibung paßt
nur auf die Jeracidea Novae Zeelandiae. Bey dem Ibieter
australis ift wie bey allen Arten diefes Gefchlechts, Eein großer
od.r meift gar fein Unterfchied in der Größe zwiſchen Männchen
und Meibchen.
Ueber die Lebensart diefer intereffanten Art wiſſen wir leider
fo viel als Nichts. Latham fagt bey feiner Befchreibung des
australis von ihm, nad) einer Mitteilung von Forfter, daß
er wie eine Henne fchreie und: daß man leicht irre geführt wer—
den koͤnne, wenn man ihn zum erftenmal hört. Auf den Rath
Forfters führe er ihn als neue Art auf.
3. und letztes Subgenus der Ibicter und aller Falken. Buffard.
Geyerbuffard — Ibicter Vieilt. Less. G. Gray.
Diagn. Gefiht und ganze Kehle nadt mit einzelen Borft:
federn. Flügel lang, nicht die Spike des Eörperlangen Schwan:
zes erreihend. Zweyte bis 6. Schwinge ſchwach ausgefchnit-
ten. 5., 6. und 7. Schwinge gleich lang. Mittelzehe unre—
gelmäßig getäfelt, bedeutend länger als die grobgeſchuppten
Theile der Tarſe. Aeußere Zehe ſchlank, bedeutend Länger als
die innere. Schwanz mit ſehr breiten ‚Fahnen.
6) Der rabenähnlihe Buffard: Geyerbuffard —
Ibieter aquilinus Gmel. Falco aquilinus Gmel.
Falco nudicellis Daud. Falco formosus Lath. Ibie-
ter leucogaster Vieill. Gal. 16. Pl. enl. 417.
Befhreib, Schwanz mit blauem Stahlglanz, auf dem
Nacken und dem Kleinen. Gefieder des Flügels und der Schwin-
gen 2. Drdn. mit ſchwarzen Querbändchen, die wie auf gepreß—
tem Seidenzeug erfcheinen, wenn das gehörige Licht auf fie fällt.
Die untern ſchwarzen Theile mehr. bronzglänzend. Die zerfchlif-
nen Obrfedern mit filbergrauen Rändern. Hofen, Bauch und
untere Schwanzdede blendenweiß. Die Schwingen von unten
längs den Schäften mit braunrothem Anflug und die längften
Dedfedern von Innen roͤthlichbraunſchwarz, dunkler quergebaͤn⸗
dert. Die Schaͤfte der Schwingen und des Schwanzes zeigen
bier und da weißbräunliche Sleden. Nach dem Prinzen ift das
Auge lebhaft hochroth, Wahshaut, der Rand des ganzen Mund-
winkels und die Wurzel des Unterkiefers find ſchoͤn himmelblau ;
unteres Außeres Augenlied gelblich mit rothen Rändern; nadte
The’te des Gefichts zinnoberroth; der Schnabel hellgrünlichgelb,
der Haken ein wenig lebhafter gefärbt; die Beine lebhaft oran-
genroth, die Klaue ſchwarz.
Ben dem jungen Weibchen iſt die Wachshaut himmelblau ;
Schnabel hellgelb, nach der Spige hin etwas lebhafter. Auge
rothbraun, die nadten Xheile des Gefichts zinnoberroth mit einer
etwas braunlichen oder dunkleren Beimifchung.
Das junge Männhen hat den Schnabel nicht fo reingelb,
359
Hinter der Spitze des Oberkiefers fhwärzlichgrau ; unterer Theil
des Zügels und Mundwinkels ſchoͤn himmelblau, über dem Na:
ſenloch etwas gelbbräunlich; Zügel röthlich und blaͤulich gemifcht;
Geſicht bläffer und ſchmutziger roth. Beine lebhafter orange—
roth als am Weibchen; Iris dunkelrothbraun; unteres Augen⸗
lied gelblichweiß, roͤthlich eingefaßt.
Die alten Voͤgel nach dem Prinzen zeichnen ſich von den
jungen dadurch aus, daß ihre Augen ſchoͤn hochroth, der Schna—
bel reinhell oder gruͤnlichgelb, die Kehle zinnoberroth. Das
Männchen bat die nadten Theile lebhafter gefärbt als dag Weib—
hen. Die jungen Vögel find am Körper nicht fo ſchoͤn ſchwarz
und glänzend, mehr matt und braunlich gerandet, auch ift die
Iris braun.
Bon feiner Lebensart gibt ung der Prinz die beften Notizen.
„Sn Brafilien ſcheint er nur in den großen Sertongs oder ein:
famen, menfchenleeren Urmäldern und öden, wenig beuncuhigten
Gegenden zu leben. Ich fand ihn nicht eher, als bis ich, von
Süden nad Norden reifend, den 15. Grad füdliher Breite
überfchritten, und mich hier in die zwifchen den Flüffen Ilhéos
und Pardo gelegenen großen Waldungen vertieft hatte. Hier
wurden wir zuerft durch eine fehr laute, durchdringende, böchft
fonderbar durch die Einfamkeit der Wildniß fchallende Stimme
überrafeht und erblictten auf einem hohen Afte den fchönen
fhwarz und weißen Vogel. Später habe ich diefen Vogel hau:
fig in den großen Wäldern beobachtet, zumeilen einzeln oder
paarweife, zumeilen auch in zahlreihen Flügen, wo wahrſchein—
lich mehrere Bruten fich vereinigt hatten, da diefes um dag Ende
der Brütezeit, etiwa am Anfang des Februars beobachtet murde.
Diefer Vogel lebt bloß in großen Wäldern, da er fi von
Meipen, Bienen, Maden und Inſecten naͤhrt, auch mohl
Schlangen und andere Amphibien verzehrt.* Die vielen in jenen
Mäldern vorkommenden Nefter der MWefpen werden von ibm
befriegt; oft fand man feinen Magen ganz mit diefen Thieren
angefüllt. Er fliegt laucfchreiend von einem Aft zum andern
und fuft öfters auf hohen, duͤrren Zweigen, wo er fih ſchoͤn
ausnimmt. Seine Stimme wird alsdann häufig gehört; er hat
ein paar Elagend laute, von der Höhe zur Ziefe herabfinfende
Töne, auf welche alsdann andere folgen, die der Stimme eines
eierlegenden Huhnes gleichen.’
Unterfucht man die Luftröhre, fo findet man fie unten enger
und nach oben allmählich erweitert, dabey unten mit einem ein:
fach gebildeten Bronchial-Larynx verfehen.
„Dieſer Raubvogel war nicht ſcheu und ließ zumeilen nabe
Eommen, bevor er abflog. Am Rio Pardo fand ich an den
hohen bewaldeten Urgebirgs-: Wänden des tiefen Thales, unterhalb
Barra da Derrada an der Serra do Mundo Novo eine zahl:
reiche Gefellfchaft diefer Vögel, welche hoch an den Thalwaͤnden
von Baum zu Baum flogen, und ihre Schwenfungen unter
lautem Geſchrey in der Luft machten. Sie leben auch in der
Minas Gerade, wo man fie, ſoviel ich mich erinnere, Ganga
nennt. In Sertong von Stheos Eennt man fie unter dem
Namen Givao do Sertäo. Das Neft ift mir nie zu Geficht
gefommen,
Der Prinz läugnet die Thatfache, welhe Mauduyt und
Sonnini behauptet haben, nehmlich daß diefer Naubvogel Beeren,
Körner und Früchte freffe, allein ich glaube mit Unrecht. Dem
Prinzen mar es nicht vergoͤnnt, viele Fahre in Brafilien zu ver:
* Ich bezweifle, daß er Amphibien frißt.
360
mweilen, um mit Gewißheit darthun zu Eönnen, daß ung jene Män=
ner einen Irrthum berichtet haben. Unfer Pernis apivorus, dem
er nicht allein im Aeußeren, fondern auch in den Sitten fehr
ähnlich ift, frißt ebenfalls Wuͤrzelchen, Bluͤthenkaͤtzchen u. dgl.,
allein es koͤnnen 10 Sabre darüber hingehen, bis ein Ornitho—
log ein Exemplar erhält, deffen Kropf mit vegetabilifhen Reſten
erfüllt ift. Ich habe eg nur einmal in meinem Leben beobady-
tet, obgleich unfer apivorus in unferer Gegend häufig niſtet
und jedes Fahr Eremplare erlegt werden. Ben dem Brafilia-
nifchen Geyerbuffard bedingt eg die ſyſtematiſche Stel-
lung, daß er Pflanzenförper ohne Schaden zu ſich nehmen
fann. Es wäre von hohem Intereſſe, wenn Drnithologen die-
fen merkwürdigen Vogel an Drt und ‚Stelle in der Gefangen:
fhaft beobachten wollten.
in —
Kopf 85 Tarſe 59
Schnabel 27 Mittelzehe 62422
Hoͤhe 17 Außenzebe 34 —
Mundwinkel 39 Innenzehe 28422
Oberfluͤgel 260 1. Schwanzf. 260
Fluͤgelſpitze 145 6. — 240
Nachträge und kritiſche Ueberſichten
der vorhandenen Synopſen.
Nachtrag über Falco coneolor et Eleonorae.
Herr Temmind bat fich bey feinem Falco eoncolor einen
Gedaͤchtnißfehler zu Schulden kommen laffen, der die. Veranlaf-
fung war, daß beyde Vögel noch heute mit einander verwech-
felt werden. |
Die Abbildung, die Herr Temminck in den Pl. col. 330
gibt, und die in Paris nach einem Exemplar de3 Jardin des
Plantes gemacht wurde, ftellt einen Vogel mit kurzen Flügeln
vor, der zu feiner genauen Beichreibung nach Cremplaren des
Leydner Mufeums gar nicht paßt.
In feiner Beſchreibung fagt diefer gelehrte Drnitholog: Les
ailes sont tres-longues, elles aboutissent à l’extremitd
de la queue et la depassent m&me un peu; La remige
exterieure ‚porte à la barbe interieure une &chancrure
longue environ d’un pouce etc.
Diefe Befchreibung ift mach. der afchgrauen Varietät ‘des
Falco Eleonorae Gene gebildet und fireng genommen, da der
Zemmindifche Name älter ift, müßte legtere den Namen con-
color behalten, obgleihb Temm. einen andern Vogel «bbildet.
Da man jedoch einen Vogel nicht concolor nennen ann,
der in feinem normalen Kleide faft fo buntfarbig wie der. sub-
buteo ift, fo it Zemminds Befchreibung mit dem Namen
alg Synonymum unter Eleonorae zu bringen.
Die Abbildung Pl. col. 330 mit den Eurzen. Flügeln. bliebe
demnach, obgleich den nämlichen Vogel Swainfon in den
Birds of West. Africa unter dem Namen concolor befchrie:
ben und abgebildet hat, ohne Namen und muß confequent einen
neuen Namen erhalten.
Ehe jedoch dieß von irgend einem Drnithologen verfucht wird,
muß ich auf die Stellung beyder Arten und auf das Vorkom—
men von grauen Varietäten aufmerkfam machen.
Die Eleinen Edelfalfen bilden zwey Subgenera, von. welchen
fib die Baumfalfen, Hypotriorchis, durd) die kurzen Ober—
flügel, lange Flügelfpiße, welche Ießtere den langen Schwanz
ſetzt hat.
dem tibialis Vaill. 29
ee u ie ee ee
361
er= oder Überreicht, und durch. ‚einen Ausfchnitt an der Spitze
der Innenfahne der 2. (dr ober. aͤußere Schwinge der Aut.)
Schwinge characteriſiren. In dieſe Gruppe, gehören) 1)"Falco
.severus, 2) subbuteo, 3) anranfius, 4) frontatus, a Fleo;
norae:
Sn die andere Gruppe, "die Längere, Sberflgel), Eürgan Flu⸗
gelſpitze hat, die nur F des Schwanzes bedeckt und deren 2.
und 3. Sch winge an ber Spitze der Innenfahne ausgeſchnit—
ten ſind, und die ich Aesalon genannt habe, gehoͤren folgende
Arten: 1) Falco aesalon, 2) femoralis, 3). chiquera, 4) ti-
bialis, und der von Zemmind und Swainfon abgebildete
eoncolor.
Der von Temmind befriebene Vogel gehört demnach) in
das Subgenus Hypotriorchis und der ee in das Sub-
genug Aesalon...»
Unter allen Hypotriorchis-Arten iſt es nur Eleonorae,
der, ſtaͤndige aſchgraue und. ſchwarze Varietaͤten zeigt, die ah
manchen Orten haͤufiger (wie in, Sardinien, und: Africa) als die
Voͤgel mit dem normalen Kleide, find:
Ständige Varietäten fehen wir am häufigften bey den Bu-
teones = und: Pernis- Arten der 5. Subfamilie Buteoninae auf
treten und wie diefe die 5. Subfamilie bilden,‘ ſo halte ich den
Eleonorae, für den buſſardaͤhnlichſten Baumfalken und gebe
ihm als, Art die 5. Stelle in dem Subgenus Hypotriorchis.
Nach der Analogie ſchließe ich nun,’ daß der concolor (Pl.
col. 330), dem mir einftweilen, den ‚Namen: \coneolor oder
ardosiaceus Vieill. laffen wollen, ebenfalls, eine ih
von einem noch zu ermittelnden Falken ijt.
Le Vaillant erlegte im Lande der Großen⸗ Namaquois
einen maͤnnlichen Falken, den er Faucon à culotte noir ge—
nannt und welchen Namen Daudin in Falco tibialis uͤber⸗
Dieſen Falken fand Le Vaillant auf feinen Rei—
ſen nicht mehr und keiner der ſpaͤteren Reiſenden konnte ihn am
Cap wieder auffinden. So, fand. ihn nicht Herr Smith,
noch ſah er ihn, in, einer, auf dem ‚Cap. gemachten Sammlung;
euch mir wollte es bis jetzt nicht. gluͤcken, denfelben in einer
europaͤiſchen Sammlung aufzufinden oder auffinden zu laſſen.
Ich vermuthe deßhalb, daß dieſer tibialis kein Buͤrger von Suͤd⸗
africa, ſondern ein verſtrichener Vogel war, den Vaillamt
erlegte, Es iſt daher wahrſcheinlich, daß tibialis dem weſtlichen
Africa angehoͤrt und daß er das naͤmliche Vaterland⸗ ‚mit coß-
color theilt, nehmlich den Senegal.
Indem die afchgraue Varietaͤt des F. Eleonoraei iniche‘ geriit-
ger in der Farbung von dem normalen Kleid, welches Genéé
in den Turiner Academiefchriften Serie II: Fam. II. Tav. I.
gegeben hat, abweicht, als der copeolon(Pkocol.t. 330 ) von
fo: nehmewich Van, daß tibialis (das
‚alsgnere normale und concolor: die aſchgraue Varietät vorſtellt.
Nach dieſer mir ſichern Annahme, waͤren die Synonyme bey⸗
der Arten, wie folgt, zu ordnen.
‚Genus ‚Falco, 1..Subgenus../Aesalon Kaup: Falco
tibialis Vaill. Daad. Vaill. Ois. d. Afr.,29. (nor:
male: Bd) Falco. ‚eoncolor Tiemm. pl.col. 330.
Swains. B. of W. Afr..p. 112:pl.3."Faleo’ ardo-
siaceus Vieill. Ene.;,1238. (afcharaue) Varietät)
2. Subgenus. Hypotriorchis (Bovie)yKaup. Falco
Fieonorae' Gene Tor. Acc. Ser. U, tom. II. tar. J.
(normales: Kleid), Faleo Eoncolor Temm..fdie Befchtei:
bung) Rüppell. Spft. Ueberf. Falco arcadicus Lin-
derm. in der Iſis 1843, (afchgrane Watietät)
Iſis 1847, Heft 5."
— 362
Falco tibialis iſt auf Senegal beſchränkt und verſtreicht ſich
ſelten nach dem- Gap,
‚Falco. PEleonorae iſt ein Norbafticaner (gemein auf. der
Inſel Barakan im rothen Meer Rüpp. );„ der. nur. feine, Vor—⸗
poften bis nad Sardinien und Grie henland vorgeſchoben hat.
Wie der Eleonorae ‚der huſſardaͤhnlichſte Hypotriorchis iſt,
ſo iſt der tibialis der buſſardaͤhnlichſte Aesalon ;. beyde nehmen
die tiefſte Stelle in ihren Subgenera ‚ein.,
Diefe Mahenehmung,. dafi bey den Edelfalken Eonftante
(3. B. graue oder (dwarze) Varietaͤten auftreten, und zwar nach
gewiſſen Geſetzen, duͤrfte einen bedeutenden Einfluß auf die naͤ—
here, Kenntniß der Falconinae und aberhauvt der Faleonidae
ausüben.
Durch dieſe Kenntniß wird, es klar, daß der raͤthſelhafte
Falco gyrfalco von Schlegel in der Fauconerie beſchrieben
und abgebildet eine conſtante grauruͤckige Varietaͤt des gyrfalco
sive islandieus iſt, der, fo lang. er lebt, dieſes Kleid. behält.
Es iſt ferner anzunehinen, daß der, Faleo subniger G. Gray,
diefer herrliche Falke von Neuholland, nur eine dunkle Farben:
varietät if, .von der. wir; das normale Kleid. bis ‚jegt noch nicht
Eennen. Dieſer mie ‚der gyrfalco ‚gehören dem letzten Subge—
nus Hierofalco Cuv. des Genus Falco an.
So gibt es bey dem. gemeinen Buffard ein. Normalkleid,
welches die braune Varietät Taf. 33: Fig. 1 bey, Naum. ift:
Von diefem aus. geht das Kleid durch die gemeine Varietaͤt
Taf. 32. Big. 2 zur. ſchwarzen Varietät 87.32. ‚Fig. L-und
auf. der anderen Seite durch Zwifchenftufen ‚zur weißlichen Va—
rietät Tafı 88. Fig. 2, ber. ,
Bey dem Pernis uncintus ſtellt pl; col..,104 die graue
Varietaͤt dar, während auf pl. 115 das normale Kleid abgebil=
det ift. Letzteres wird für dag Jugend kleid gehalten. Spätere
Meifende werden daher unterfuchen, ob nicht in einem und dem:
feiben Nefte graue und braune’ Sunge vorhanden find, oder
ob. graue und braune: ſich paaten, oder ob die Varietäten ge—
trennt, bleiben, und. ſich vermehren.
Diefes Gefes, nah welchem eine Art in conftante Varietäten
ausarten fann, wird fich auch bey dem Astur Novae Hollan-
diae nachmeifen Laffen, ‚bey, welchen der.hellgraurüdige eine con=
ftante Varietaͤt ift, die nie weiß wird. _
Der Astur gabar"zeigt eine ſchwarze Vürierät, welches der
Sparvius nigerwFeill. ift.
Eine ſchwarze Varietät kommt Siegel auch bey
Circus einerascens vor. \
Ueber die Gruppe Falco.
Nehmen wir alle mehr oder minder vollzähligen Subgenera
aller Falconidae: durch; ſo finden wir ftets, daß fich die. Arten
fehr treffend haracterifiren und, leicht unterfcheiben laffen; allein
es gibt eine, Gruppe, welche die, dem peregrinus verwandten
Arten enthält, ben welcher die Species bey weitem weniger
ſcharf ſich unterfcheiden. Mit einiger Uebung laſſen ſich jedoch
diefelben . leicht. erkennen. Den „zweifelhaften. ‚piscator, sive
frontalis ſchickte mir bag Stuttgarter Mufeum, allein. zu meis
mem Bedauern war eg ein ſchoͤnes Männchen ‚des F. peregri-
noides. _ Am Ende ift diefer.piscator ein Phantafiebild, der
vielleicht beym Ausftopfen ohne MWiffen Baillants die Holle
nachträglich erhalten hat. Möglich, allein unmahrfcheinlich iſt
es, daß er eine gehäubte Warietät von, peregrinoides war.
Eriftirte das Vaill. Eremplar noch, ſo waͤre dieß leicht zu
ermitteln.
23”
363
Notiz zu der Uebexrſicht—
Da die Falconidae als ein in ſich abgeſchloſſenes Ganzes, zu
betrachten find, fo ift meine perfönliche Meinung, daß Feine
zwey und mehrere Arten in biefer Familie mit einem und dem:
fetben Namen belegt werden dürfen.
Mit dem alleinigen Speciesnamen, ohne Beifügung des Ge:
nus oder des Autors muß die Art bezeichnet feyn und 8 duͤr—
fen deßhalb Eeine zwey coronatus, melanoleucus, leucocepha-
lus, magnirostris in ein und derfelben Familie vorkommen.
Aus diefem Grunde habe ich einige wenige Namen geändert.
Die Ueberfichten, die ich von den verfchiedenen' Autoren gegeben
habe, dürften vielleicht au) dazu dienen, eine Überfichtliche Dat-
ftellung der bereit3 verwandten Namen zu befigen, um nicht in
den Fehler zu verfallen, gebrauchte oder bereit vetworfene Spe⸗
ciesbenennungen in der Folge anzuwenden.
Im letzteren Puncte bin ich nicht all zu ſtreng verfahren und
babe Namen wie leucorrhons gelaffen, die bereits verbraucht
waren, allein ’e8 wäre zu wünfchen, ‘daß man folche Fehler ſpaͤ⸗
ter Amgehen wollte.
Ich habe nur wenige Synonyme in dieſe Ueberſicht aufge—
nommen, denn ſie haͤtte das doppelte Volumen erhalten, wenn
ich ſie alle hierher geſetzt haͤtte. Waͤre es uͤberhaupt nicht gut,
wenn man allen Ballaſt aus der Wiſſenſchaft hinauswuͤrfe,
den Unwiffenheit und Leichtſinn (in dieſe hineingeſchlaͤmmt
haben. Ohne Noth ſollte man keinen älteren Autor als
Linne aus feiner Vergeſſenheit hervorziehen, da dieſe ſelten
gewußt haben, was Genus oder Species iſt, und nach ihrer
ſchlechten Beſchreibung haͤufig nur gerathen werden kann, was
ſie eigentlich gemeint haben.
ueberſicht
der
von mir aufgezählten Falken, von melden ich die ‚mit einem *
verfehenen bis jeßt nicht unterfucht habe, nebft der überfichtli-
hen Darftellung ihrer Verbreitung.
Genera und Species.
1. Familie. Falconinae,
I. Genus. Vig.
coerulescens Linn, Afien, abgeb. Pl. col. 97.,
2) entolmus Hodgs., Afien.
3) erythrogenys Vig. mas., sericens‘ 'Kittlitz fem.,
Manila und Luçon, abgeb. v. Kittlitz Vügel.
1. Genus.
a) Poliohierax Kaup.
semitorquatus A. Smith, Africa, abgeb. A. Smith Il.
of. Afr. Aves 1.
6) Erythropus Brehm.
5) vespertinus Linn., rufipes Bes, Europa, Africa, Afien,
abgeb. Naum. t. 28. Pl. enl. 431.
c) Poecilornis Kaup.
sparverius Linn., Nord- und Sid = America, abgeb.
Wis. IV. 32. 1 mas. — Il. 16. 1 fem.
sparveroides Pig., Sübamerica.
d) Tichornis Kaup.
cenchris Frisch, Naum., Europa, Africa, Aſien, abgeb.
Naum. t. 29.
Hierax
—
—
Tinnuneceulus.
4)
6
—
4
—
8
—
364
e)Tinnünculus Kaup. 4
alaudarius Briss., tiniinhentus Lid. interstinctus
Me Clell , ‘Europa, Africa, Afien, abgeb. Naum. t. 28.
PI enl: don! 471.
cenchroides Pig. et Horsf., Auſtralien, abgeb. Gonta
Birds: of 'Austr. X. 1.
punctatus Oxuv. ‚Africa, abgeb. Pl. col. 45:
rupicolus Wasll., Ufcica, abgeb. Vaill. Ois. daft. pl. 35.
rupicoloides A. Smith‘, Africa‘, abgeb. 4, — In.
of. Afr. Aves 92. 1
TIL." Genus. Harpagus Pig. A
diodon Temm., Suͤdamerica, abgeb. Pl. col. 108
bidentatus Lath., Südamerica; „abgeb,, ie col. 38, 228.
IV. Genus. Falco Auct..
a) Aesalon Kaup.
aesalon G@mel., columbarius Linn. ; —*8 —
Nordamerlea, — Naum.'t. M.
femoralis Temm., a 'abgeb. Pl: col. 343 (ad.)
121. juv.
chiquera' Paill:, Afkieh, a, abgeb. Paill. t. 30.
Swains. B.\of. Ww. Afr.'pl. 2.
tibialis Vaill., Daud., coneolor T. Swains., Africa,
Vaill. t. 29. normales Kleid. " Temm. pl. col. 330.
Swains. B. of W. 'Afr. pl. 3.
d)oHvpotriorchis Boie.
severus Horsf., Aldrovandi Reinw., Aſien, angst Pl.
col. 128.
subbuteo Zinn:, Entopa, Africa, Aſien, abgeb. Naum.
t. 26.
aurantius Lath; deireleueus Temm (fem.), Suͤdame⸗
tica, Pl. col. 348: (fem.)'
frontatus: Gould, Auftralien, aba. G. Austr. birds V. 3.
Eleonorae ‘Gene, concolor Tem. die Befchreibung,
Europa , Africa, abgeb.'Mem.'d. Torino $S. I. T. 11.
tav. 1a, '(fem.) II. var. nigra, —
cGenuaia Kaup.
jugger J. Gray, Afien.
hypoleucus ‘Gould, Auftralien) abgeb. — b. v ?.
tanypterus Licht., Africa, abgeb. Schleyels Beitrag.
cervicalis. Zicht., biarmicus Temm., Africa, abgeb. Pl.
col. 324.
lanarius Linn. Pall., Naum⸗ Europa, Afien, abge.
Naum.:it.. 23.
d) Faclo Kaup.
peregrinator Sundev: , Aſien. |
peregrinoides Temm., Africa, Aften, abgeb. Pi. eöl. 479.
peregrinus Gmel.; Europa, Africa, Afien, abgeb. Naum.
t. 24 set 25.
melanogenys Gould, Auftealien, abgeb. Aust. B. V. 2.
* anatum Bonap., Nord- und Südamerica, abge: Wils.
e) |Hierofalco Cuv.
gyrfaldo Linn., islandieus Gmel, Europa,
Mordamerica.,abgeb. Naum. 21. 22.
subniger G. Gray, Auftralien.
V. Genus. Jeracidea Gould.
berigora Fig. et Horsf., Auftealien, ‚abgeb., Austr.
B. XV. XVI.
Novae Zeelandiae ‚Lath., brunnea Gould, Auſtralien,
abgeb. Forst. icon. ined. t. 38.
fein —
Aſien,
40)
41)
61)
62)
63)
360
2. Familie Mitvinae. 64) govinda Syk., Afien. PRRTTME
I. Genus: betinia. Pieill. 65) aegyptius Gmel, Aſien, .abg-, Faill, Er
a) Ictinia Kaup. e) Gypoictinia Kaup:
mississippiensis Wilson, Nordameticz, abgeh. Wilson 66) melanosternon Gould, Auftralien, abg. B. of Austr.IX. I.
b vr. 3: 1. * 3. Unterfamilie. Accipitrinze:
) Poecilopteryx Kaup.
plumbea 5 Süpgrntien, abgeb. Spix Nov. Spec. —JJ——
Br. t. 86. Pl. col. 180. juv. 9 Limnaätus, Fig.
EINER 7 67) ‚eirrhatus Will., Gmel,, J— T., niveus 7.,
9. limnaetus Horsf.,: arientalis. 7. et Schl. mas. juv.
a) Chelidopteryx Kanp. Aſien, abg. Pl. col. 282. (mas. ad.) 134. 127. Fauna
Rieeourii, Vieill., Africa, abgeb. Pl. cal. 85. japonica,
bj Nauelerus Kaup. b) Lophaätus Kaup.
furcatus Linn., Nord: und Südamerica, abgeb. Mils. 68) oceipitalis Vaill., Arien, ag. Paill. t. 2.
t. 51. 3.. ‚e) Spizaätus Kaup.
IH. Genus. Cireus, Auct. 69) ornatus Daud, Südamerican, aba. Vaill. 25.
a) Strigiceeps Bonap. | 70) coronatus Lian.; Africa, abg. Vaill. 3. Smith 1l.. 40
eyaneus Linn., . Cutopa „| friea, Alm. Nord: und et 41. Guv..
Südamerica, abg. Naum. t. 30. 38, 74),bellicosus Vaill., Africa, .abg. -Vaill. 1. Smith Al.
melanoleueus Gimel., Afien, abg:' Fa. ©is. d’Afr. t.32. Anes ‚42.
Acoli Vaill.,. Africa, abq. Vuill. Ois dAfr. 33. d) Spizastur Less.
— Quoy et Gaim., einereus Fieill., Sid: 72) atricapillus Cuv. Südamerica, abg. Pl. col. 89.
american, abg. Voy. de l’Uranie t..15 et 16. e) Pternura Kaup. f
maurus Temm., Arcien, abg. A.-Smith IU. Aves t. 58. 73) tyrannus Pr. Max, —— abg. Pl. col. 73.
dur.) Pl. eol. 461. ll. Genus. Nisus Cup, Kaup.
b) Glaucopteryx Kaup. a) Hieraspiza Kaup.
cinerascens Montagu., N Africa, abg. Naum.t.40. 74) virgatus Reimo., Afien, abg. Pl. col. 109.
pallidus Syk, Swainsonii A. Smith, Europa, Africa, 75) minullus Faill, Afcica, abg. Vaill. 34.
Afien, aba.-,Smith,Ill..of Afr, Aves 45. 44. 76) tinus dath., fem. superciliosus Linn. ?, Südamerica.
€) ‚Spilocireus Kaup. b) Tachypspiza Kaup.
Jard'nii Gould, uftcalim, abg. B. of Austr. X. 3. 77) soloensis Horsf., Afien, ag. Pl. col. 129. (ad.) 110 jur.
d) Spizacircus Kaup. d) Scelospiza Kaup.
macropterus Fieill., — Pr. Maæ, Südamerica, 78) Franeessii A. Smith, Africa, abg. Smith. Ill. of S. Afr.
abg. Pl. col. 22. d) Nisus Kaup.
e) Cireus Bonap,, 79) exilis Temm., rufiyeutris A. Smith (1830), perspi-
aeruginosus Linn., Wepg Africa, Aſien, abg. Naum. cillaris Rüpp., Africa, abg. PL col. 496. Smith 1.
£ 30. 38.4, aves 193,
ranivorus Vaill., Afrien, aba... Paill, r 38. 80) fringillarius Ray., nisus Linn., Europa Africa, Alten,
assimilis Jard.. ‚et Selby, Auftenien, abgeb. B. of Suͤdamerica, abg. Naum. 19. 20.
Austr. X. 2. 81) tachiro Vaill., polyzonus A, Smith, unduliventer
IV. Genus,, Elanmus Sa». RÜRR: „An, at, —— 20. Er col. 337. 420.
— — üppells Atl. 18. Smith Ill. of fr.
— Fig, — —— 82) pileatus Pr. Max, Cooperi Bon. (juv. )> ?rufiventris
b) ‚Elaius: Sa. - Mauduyt (fem.), Südamerica,nbg,* Bl. 205.
) melanopterus Faill., Europa Sufätis, Afrien, Aſien, abg. 83) fuscus ‚@mel., velox et pennsylvanicus MWils., Nord:
Vaill. 36. omerie, ab hier 4. 6. 1. .pl. col. 67. juv.
axillaris Lath., Afien, Auffraf., abg. B. of Austr. IX. 2. @),Urospiza Kaup.
leucurus Azgra, Vieill. uk * Sudamerica, abg. 84) torquatus Cup, Auſtralien, abg. 'B. ‚of Austr. VI. PL.
Pi. col. 319. (juv.) col. 43 (ad.), 93. (juv. )
seriptus "Gould, Auftralien, ag. B. of Austr. IX. 8. 85) eruentus Gould, Auftralien, abg. B. of Austr. VIN. 2
Par" 86) approximans Fig. et Horsf., Aufttalien, abg. B. of
en Be Milvus Cun. Austr. XIII. 2. pl. col. 123. (jur.)
a) Milvus Kaup
regalis Briss., Europa, Africa, .abg. Naum. t. 31: 1. 87 Me ber ar —— ee “er i S
6) Lophoictinia Kaup. 7) gracilis Temm., Cübamerica, abg. Pl. col. 3. 91.
isiurus Gould, Auftralien, abg. B. of Austr. II. 2. IV. Genus. Astur Auct. Kaup.
ec) feblt. a) Lophospiza Kaup.
d) Hydroictinia Kaup. 88) trivirgatus Reinw., Aſien, abg. Pl. col. 303.
ater Gmel., Europa, Africa, abg. Naum. t. 31. 2.
affinis Gould, Afien, Auftratien, abg. B. of Austr. VII. 8.
Nordamerica ficht nur zufällig die verſtrichenen Sungen (Cooperi),
367
114)
b) Micronisus G. Gray.
gabar Vaill., niger Vieill., Var. nigra, Africa, abs.
Vaill. 33. Pl. col. 122. (ad.), 140 juv. Pieill. Gal.
des ois. pl. 22.
monogrammieus Temm., Africa, abg. Pl. col. 314.
badius --Gmel., Dussumieri _ Temm., Afien, abg.
Pl. 308 536.
Rüppellii Kaup, sphenurus Räpp., brachydactylus
Swains., polyzonoides ‘A. Smith, Africa, abg. Rüpp.
Syst. Uebers. t. 2. Smith Ill. Aves 11. (fem. ad.)
e) Meliörax G. Gray.
musicus Vaill., polyzonus Rüpp., Aftica, abg. Vaill.
27. Rüpp. Fauna abyss. t. 15. 1 mas.
d) Astur Bechst.
testaceus Ernest, Lath., radiatus Lath., G. Gray,
Gould, Afien, Auftralien, abg. B. of Austr. XIM. >
Smithii Kaup, melanoleucus A. Smith, Africa, abg.
Smith Ill. of S. Afr. 18. (ad.) 6. (juv.)
palumbarius Linn, atricapillus Wils., regalis Tem.,
Europa, Africa, Afien, Nordamerica, abg. Naim. 17.
18. Pl. col. 495.
unicinctus Temm., Nord- und Süd- America, abg.
Pl. col. 313.
e) Leucospiza Kaup.
Novae Hollandiae Gmel.,
Austr. XI. 1. 2.
V. Genus. Asturina Kaup.
a) Asturina Vieill.
albifrons Kaup, America, abg. Taf. der Repr. Ill. 5.
* poliogaster Natt., Südam., abg. pl. col. 264. 295.
leucorrhoa Quoy et Gaim., Südbamerica, abg. Ura-
nie pl, 13.
nitida Lath., Südamerica, abg. pl. col. 87. 294. (juv.)
b) Morphnus. Cuv, Kaup.
guianensis Daud, Südamerica.
€) Rupornis Kaup.
magnirostris Gmel.,
col. 86. Juv.
meridionalis Lath., Gmel., rutilans Licht., rufulus
Vieill., Sübameriea, abg. Pl. col. 25.
Auftralien, abg. B. of
Südamerica, abg. Enl. 460. Pl.
urubitinga Gmel., Südamerica, abg. Spix t. 16.
col. 55 juv.
d) Thrasaetus ei Gray.
harpyia Linn., —— abg. Col. 14.
Azarae Kaup, coronatus Azara, Temm., Suͤdame⸗
rica, abg. Col. 234:
melanops Lath., Südamerica, abg. Col. 105.
e) Leucopternis Kaup.
scotopterus Pr. Max., lacernulatus Temm., Süd-
America, abg. Col. 437.
poecilonotus Cuv., Sübamerica, abg. ? Col.’ 9!
albicollis Lath., Südamerica,
4. Unterfamilie. Aquilinae,
I. Genus. Aquila Auct
a) Hieraetus Kaup.
mermbuides Gould., Auftralien, abg. „Birds of
Aust. VI.
pen Gil Europa und Aftica zufällig, Afien, —
Col.
142)
368
b) Pteroaetus: Kaup.
vulturina Vaill., Africa, abg. — 6.
c) Onychaötus Kaup.
malayensis Reinw.,.Afien, abg. Col, 117.
d) Aquila Kaup.
naeviodes Cuv, senegalla Cuv, rapax Temm., Af
rica, Aſien, abg. Col. 455.
heliaca Sav., imperialis Bechst., Europa und Africa
zufällig, abg. Naum. 6. 7.
naevia Gmel., Eutopa, Africa, Afien, ? America, abg.
Naum. 10. 11.
) Bonellii Temm., Europa, Aſien, abg. Col. 288.
fulva Linn. , Europa, Africa, Suͤd⸗America, abgeb.
Naum. 8. 9.
e) Uroaetus Kaup.
audax Lath., fucosa' Cuv., — Col. 32.
B. of Austr. VII. 1.
II. Genus. Helotarsus A: Smith.
ecaudatus Vaill. Africa, ‚abg. Vaill. 7. 8.
III. Genus. ' Circa&tus Kaup. ⸗
a) Herpetotheres Vieill,
eachinnans,, Südamerica, abg. Spix Illa.
xanthothorax Temm., leucauchen Temm. (juv.),
Südamerica, abg. Col. ‘92. (ad.) 306. (juv.)
brachypterus Temm., Südametica,.abg. ‚Col. 141. 116.
concentrieus IIT., Suͤdamerica.
b) Gymnogenys Less. , \
5 Scop., Africa, abg. cal. 307. Smith ll. of.
. Afr., Aves 81. ‚(ad.) 87. (juv.)
c) Spilornis @. Gray.
bacha Vaill., albidus Cuv.,.cheela Lath., Africa,
Afien, abg. Vaill. 15. Col. 19.
holospilus Vig., Afien.
undulatus Fig., Aſien, abg. Gould Cent.
d) Circaetus Vieill.
gallicus Gmel., Europa, Ey Afien, abg. 'Naum. 15.
thoracicus — Africa, Afien.
funereus Rüpp., ctinereus Vieill.,
Fauna abyss.
e) Poliornis Kaup, Gray.
teesa J. Gray, Afien.
liventer T'emm., Afien, abg. Col 438.
indieus Lath., Gmel., poliogenys Tiemm.,'Afien, abg.
Col. 325. 1
IV. Genus. Pandion Sav.
a) Polioaetus. Kaup.
ichthyaätus Horsf., Aſien, abg. Horsf Res. Zool.
humilis Müll, Afien, abg. Verkand, t. 6. ,
b) Pandion Sav.
haliaätus Linn., Europa, Africa, Afien, Nord: und Süd:
america, abg. Naum. 16.
Gouldii Kaup, leucocephalus ‚Gould. „ Auſtralien,
abg. B. of Aust. XII. 1. i
V. Genus. Haliaetus Sav.
a) Haliaetus Kaup,
albieilla Linn., Europa, Afien, abg, Naum. 12.13.14.
Africa, Rüpp.
143) leucocephalus Linn., Norbamerica, abg. Wils. 36. }
‚369
144)
145)
146)
147)‘
148)
149)
150)
154)
155)
156)
157)
158)
159)
160)
161)
162)
163)
164
165)
—
166)
167)
168)
* Zu verändern, da wir ſchon eine Asturina magnirosiris beſitzen.
Iſis 1847. Heft 5.
Afie
„..b).Icetinoaetus Kaup. 6) Aviceda. Swains.
pondicerianus mg; ei ‚abg. Enl. 416. = 169) * cueuloides Swains., Africa, 'abg. „W. Afr. birds t. 1.
canorus 2, ‚Horsf., Aſien, abgeb. B. of ce) Regerhinus Kaup.
Austr. X. nit 170) uncinatus Ill, Südamerica, abg. Col. 103. 104. 115.
* ——— —— d) Odontrierchis Kaup:; ;
aguia, Temm., Südamerica, ‚abg. :Col. ‚302. 171) cayennensis. , Gmel., Südamerica,, abg. Enl. ı 473.
d), Pontoaetus Kaup. Col. 204 (ad.), 170. * VIlk
Macei Cuv., leucoryphos, Pall., Alien, abg. Col. e) Pernis Cuv.
223. (‚juv.) 172) eristatus Cuv. , Aſien, "bg. Col. Ad. Verh. t..7:(juv.)‘
— Vaill., Daud., Africa, Aſi ien, Auſtralien, abg. 178) zpivorus Linn., Europa, Africa, Afien, .abg. Naum. 35
Vaill, 4.
leucogaster Gmel., Africa, Aſien, FRHRlEN, abg. B. —— in ie Be wi Gray. i
or lAueir. 1.1. Vaill, 5. 174) brasiliensis Gmel., Südamerich, adg. Spix ,t- 3. juv.
e) ‚Ehalassa@tus Kaup. „ EV. .Genus;c Rostrhamus; Less.
pelagicus Pall., leucopterus Tenm., Alien, abg. 175) sociabilis Azara ,:'Wieill:; hamatus ———
‚Col. 489. (ad.) Fauna Jap- (juv.) abg. ‚Col.61.:231. juv. TR
5. Unterfamilie. Buteoninae. V!'Genus. "Ibieter —*
I. Genus. Buteo Aket:, Kaup. a) Daptrius Vieill.
a) Archibuteo Brehm. 176) aterrimus Temm., Sübdamerica, abg Col. 37. 342. (juv.)
lagopus Brünn., Gmel., Europa, Arien, ‚Nordamerica, 6) Milvago Spiz.
abg. Naum. 34. 177) ‚chimango rare, Vieill., pezepora Mey., Suͤdame⸗
St. Johannis Gmel., Nord: u Südamerica, abg. rca, aba. Meyen, ‚Nov. Act. XV 6. j
Wils. 55. 1. (ad.) 2. (juv.) 178) chimachima. Az., Vieill., degener Ill., Südamerica,
strophiatus Hodgs. ‚ hemilanius Temm. et Schleg., abg. Spiz. 5. -
Afin, abg. Fauna japonica. h c) Phalcobaenus d’Orbd.
b) Tachytriorchis Kaup. 179) megalopterus Mey, (juv: ), montanus zörg (ad.)
pterocles Temm., Süpamgyen, abg. Col. 56. 139. Suͤdamerica, abg, Mey. Nov. Act. XV. 8. ‚d’Orb.
(juv.) Voy. dans hAm mer,
albonofatus @. Gray, unicolor d’Orb., Südamerica. d) Aetotriorchis Kaup.
ce) Poecilopternis Kaup. 180), australis Gmel.,„ leucurus Forst., Südamerica, abg.
Wilsonii Bonap., penmnsylvanicus IVils., Nordamericn. Col.. 192.224,
abg. Wis. 54. e) Ibieter Vieill.
Inning Ginel.; hyemalis | "Wils., Süd: und Nord: 181) aquiliaus Gmel., Südamerica , abg. Enl, 47T. Vieill.
"american, abg. 53. 2. 35, 1, \(Juv.) Gal, ;6,
'erythronotus King., tricolor. d’Orb., hei, Europa bat nach diefer Ueberficht Teine ihm eigenthümliche
abg. d’Orb., Voy. de l’Am. mer. pl. 3, Art. Der. Tionuneulus ‚vespertinus; zieht nur regelmaͤ⸗
borealis ——— leverianug , Wils., Nordamerica, abo. fig. durch. Griechenland; ‚allein: niftet nicht in Europa. Der
Wils. 52. 2. (ad.) 52. i,, ‚(juv.) ‚ Falco Eleonorae. iſt ein Africaner, der nur. feine Vor:
d) Iehthyoborus Kaup _ ‚poften bis: Sardinien und: Griechenland. vorgefchoben bat.
aequinoetialis Lath., Gmel., nigricollis Lath., busa- Den F. ‚laniarius iſt ein aͤchter Afiat, der nur zufaͤllig
rellus et buson Vaill.,, Aa. milvoides Spix Suͤd⸗ nach dem oͤſtlichen Europa ſich verſtreicht. J. Gray
america, abg. Vaill. 20. 2. Spix t, Ja. (ad.) befchreibt ihn im. der ‚indifchen ‚Zoologie unter dem Namen
e) Buteo Kaup. Cherrug. ..Nauclerus furcatus fol ſich bis nach Europa
vulgaris Bechst., Europa, Africa, Alm, Nordamerica, verfipichen haben !; Elanus melanopterus hat ſich ſchon
abg. Naum. 32. 33. öfters, bis nad). Teutſchland verirrt. Milvus aegyptius
jakal. Vaill, Africa, abg. Faill, 16... verſtreicht ſich öfters; ‚nach, Griechenland, Der. ‚Aquila he-
rufinus Rüpp., longipes, Jerd., Africa aufälig, An, liaca ift sein. afiatifcher Vogel, der ‚nur einmal brütend auf
abg. Rüpp. Fauna abyss., der Inſel Loban ſich vorfand. Ebenſo ift ‚pennata ein
augur, küpp., Africa, abg. "Rüpp. Fauna Asp Aſiat. Niftende Arten haben wir in Europa nür 23.
— Vaill., Africa, abg. Vaill. 19. (?einPernis.) Africa befigt ein ihm,eigenthümliches Genus N Delohiärer
k Helotarsus, und folgende Subgenera; 1) Poliohierax
men Pernis Kaup. (semitorguätus). 2) Chelidopteryx (Riocourü). 3) Sce-
a) Hyptiopus Hodgs, lospiza (Francessii). 4) Meliörax (musicus). 5) Pte-
lophotes Cuv., Afien, abg. Col. 10. roa&tus (vulturina)s: 06) Gymnogenys (radiatus).
suberistatus Gould, Alten, Aufn aba. B. of 7) Aviceda (cuculoides).
Auste.. XIV. 1. Verhand. t. 5. Mapitor: An Xrten befist es 60, wovon 35 bie jeßt noch hicht
magnirostris* G. Gray, Afien. in andern Welttheilen entdeckt find.
n bat ein eigenthuͤmliches Genus der, Falcouinae: Hie-
rax und. folgende Subgenera 1) Limnaetus., ;2\ Tachy-
— 24
371
spiza (soloensis). 3). Lophospiza' (trivirgatus).
4) Onychaätus (malayensis). 5) Poliornis (teesa ete.).
6) Polioaätus (humilis ete.). 7) Thalassaätus (pela-
gieus);: 8) Hyptiopus (luphotes ete.).
An Arten hat es bis jeßt ebenfoviel als Africa, nehm:
ih 60, wovon 25 Arten ihm bis jegt eigen find.
Auftralien befißt ebenfalls nur ein eigenthümtiches "Genus
der Falconinae-Jeracidea und folgende fihm bis jest
eigenthuͤmliche Subgenera: '1) Spilocireus (Jardinit) wahr:
fcheintih "auch in Aſien. 2) Lophoictinia (isiurus).
3). Gypoictinia\\(melanosternon).‘; 4)-Urospiza (tor-
quatus ete.).. 5) Leucospiza ,(woy. Hollandiae).
6) Aötotriorchis (australis).
Un Arten befigt' es bis jetzt 24, wovon 5 oder 6 auch
in Aſien und eine nur in America vorkommen.
America ift an Genera und Subgenera am reichſten, denn
es bat mehr eigenthuͤmliche Genera als alle übrigen Erd—
theile zufammengenommen. ‚1). Harpagus., 2) Iectinia.
3) Geranospiza. 4) Asturina. 5) Polyborus. 6) Rost-
rhamus. 7) Ibicter (letzteres mit der Ausnahme des
Australis, der auch in Uuftralien vorkommt. -.
An Subgenera befist. e8 24. 1) Poecilornis (spar-
verius). 3) Tetinia (mississip.). 3) Poecilopteryx
(plumbea). 4) Nauelerus (furcatus). 5). Spizacirrus
(maeropterus). 6) Gampsonyx (Swainsonii). 7) Spi-
zastur (atricapillus). 8) Pternura (tyrannus). 9) Astu-
rina (nitida ete). 10) Morphnus (guianensis).
11) Rupornis (magnirostris ete.)., 12) Thrasaetus
(harpyia). 13) Leucopternis (melanops). . 14) Her-
petotheres (cachinnans etfe.). ‚15) Heteroaätus (aguia).
16) Tachytriorchis (pterocles). 17) Poecilopternis
(Wilsoni ete.). 18) Ichthyoborus (aequinoctialis ).
19) Regerhinus (uneinatus). 20) Odontriorchis (cay-
ennensis). 21) Daptrius (aterrimus). 22), Milvago.
23) nd sei (megaloptera). 24) Ibicter ( aqui-
linus).
An Arten ſteht es Africa und Aſien gleich, denn es hat
bis jeßt nur 62, die 21 verfchiedenen Genera angehören.
Nur wenige Arten, wie F) aesalon, "peregrinus, gyr-
falco, Circus eyaneus, Nisus fringillarius, Astur pa-
“lumbarius, Aquila fulva, ?naevia, Pandion haliaetus,
Buteo lagopus, Buteo vulgaris, die meift im Norden
von America vorzugsweife vorfonmen, theilt eg fonderbas
rer Meife mit Europa und, inſofern diefe Arten auch in
Aſien und Africa vorkommen, auch mit diefen Erdtheilen.
Die hier gegebenen Reſultate werden fich mit der Zeit
ſehr modiftcieren, denn viele Länder von Afien, Africa und
ſelbſt America find für die Drnithologie kaum halb er—
ſchloſſen.
Ueberſicht
der Linneifhen® und Gmelinifchen Arten, nad der XUI. Edi:
5 tion von Gmelin. I
.: Faleonimae. en.
9. pag. 285.
23. pag. 282.
1) Hierax, ceoerulescens Linn.
2) Tinnuneulus vespertinus Linn.
* Zum. leichteren Auffuchen habe ich bey ben von Gmelin eins
geftreuten Cinncifhen Species die Pagina angegeben.
3) Tinnunenlus sparverius Linn.
i dominicensis G mel. ‘
4) Tinnunculus alaudarius Briss.
F. tinnunculus
5) Falco aesalon Gmel.
columbarius Linn.
lithofaleo' Gmel.
regulus Ball.
6) F. subbüteo Lin'n.
7) F. aurantius, Lath,
8) F. lanarius Linn.
stellaris Gmel.
9) F. peregrinus ‚Gm el.
communis Gmel.
barbarus Linn.
peregrinator Sund.
peregrinus indicus
gyrfalco Linn.
islandus Gmel.
candicans Gmel.
albicans Gmel.
obsoletus
novae terrae
sacer :
rusticulus Linn.
cinereus Gmel.
spadiceus Gmel.
12) Jeracidea Noyae Zeelandiae Tıath.
(Zum Theil.)
‘Ws Milvin ao
13) Ietinia plumbea Gmel,
14) Nauclerus fureatus Linn,
15) Circus eyaneus Linn,
pygargus Linn.
hudsonius Linn.
Buffoni Gmel,
uliginosus Gmel.
macrourus Gmel.
griseus Gmel.
16) Circus melanoleucus Gmel.
17) Circus aeruginosus Linn.
rufus Briss,
18) Milvus regalis Briss.
F. milvus
19) Milvus ater Gmel.
austriacus Gmel.
20) Milvus aegyptius Gmeel.
Forskalü Gm el.
II,
21) Spizaätus eirrhatus Will., Gmel.
ceylonensis Lath,
22) Spizaötus coronatus Linn.
23) Nisus tinus Lath.
?fem. supereiliosus Linn,
24) Nisus fringillarius.
F. nisus Linn.
25) Nisus fuscus Gmel.
10) F.
11) F.
Accipitrinae.
. pag.
8. pag.
7. pag.
. Pag.
. pas·
pag.
. Pag:
- Pag:
. Pag.
372
, bey Omelin.
284.
278.
281.
283.
276.
272.
275.
268.
. 262.
. 276.
7.
. 277.
.. 267.
261.
282.
280.
- 373
——
ge (.h wis T Eurtok Mi beh Gmelin.
dubius G mel. 112
x obscurus“G mel. “gr 113.
26) Astur badius Gmel. Fu
Dussumieri Temm.
27) Nisus palumbarius Linn. 30. pag. 269.
gentilis Linn. 13. pag. 270.
eallinarius G mel. 73:
28) Asturina magnirostris @m el. 7946,
29) Asturina urubitinga Gmel. 70. ;
30) Asturina harpyia Linn. 34. pag. 251.
Jacquini Gmel. 39.
—eristatus Gmel.'' RT.
IV. Aquilinae.
31) Aquila pennata Gmel. 90.
32) Aquila naevia Gmel. 49.
- maculatus G mel. 50.
mosilnik G.- Gmel.: ; ‚56.
33) Aquila fulva Linn. 6. pag-/ 256.
„4: ‚ehrysaötus| Linn. 5. .pag.ı 256.
americanus Gmel. 46.
alba Briss. 47.
niger Gmel. 94.
34) Cireaetus cachinnans Linn. 18. pag. 276.
35) Circaetus gallicus Gmel. 52.
3..ferox G. G mel. 59.
35) Circaetus indieus Lath., Gmel. 68.
poliogenys, Temm.
37) Pandion haliaetus Linn. 26. pag. 263.
38) 'Haliaötus ‚albieilla. Linn. ’ 39,
melanaetus Lion. 2. pag. 254.
ossifragus Linn. 4. pag. 255.
albicaudus Gmel. 51.
39) Halia&tus leucocephalus Linn; 3. pag. 255.
40) Haliaötus pondicerianus Gmel. *
41) Haliaötus leucogaster ‚&m el. 43.
2maritimus Gmel. 60.
42) Halia&tus Macei Cuv.
?sinensis Lath. 66.
„ leucoryphos Pall. 99.
V. Butieoninae.
43) Buteo lagopus Brunn. 58.
44) 'Buteo St. Johannis Gmel. 92.
45)'Bnteo 'borealis/@mel. 75:
jamaicensis G@mel. 74
leverianus Gm ell: 76.
variegatus Gmel. 78.
46) Buteo 'lineatus Gmel. 82.
hyemalis Gmel. 96.
47) Buteo aeyquinoctialis Lath., Gmel. 72%
48) Buteo vulgaris.
F. buteo Linn. 15. pag. 265.
albidus Gmel. 79.
versicolor. Gmel, ‚u .ı89.
glaucopis Merr. 42.
49) Pernis cayennensis G mell. | 85.
50) Pernis apivorus Linn. hun; 25. pag. 267.
51) Polyborus brasiliensis Gmel. 64
\
GE c 374
cheriway, tharus, plancus G m. ‚40. 41. 45.
Nr. bey Gmelin.
52) Ibieter australis Gmel. 53.
novae Zeel. Lath. 84: (zum Theil)
53) Ibieter aquilinüus G mel. 110.
Bon den 122 Arten Gmelins find 54 Nominal:Species —
Andre wie barbatus, serpentarius und angolensis müffen
aus der Familie Falconidae entfernt werden.
Nah Abzug dirfer bleiben noch zweifelhafte Arten:
1) Falco japonensis Lath., Gmel. Nr. 44., welcher fo genau,
als es Rath. möglich war, befchrieben.ift., So oft ich diefe
Beſchreibung lefe, fo komme ih auf Astur testaceus, oder
radiatus Lath. Möglich, daß er dag Jugendkleid beſchrie—
ben. ‚hat.
2) Falco orientalis Lath., Gmel. Nr, 67. ebenfalls fehr
ausführlich befchrieben. Möglich, daß er in das Subgenus
Poliornis als Art gehört.
Falco antillarum Nr. 65. Schwer zu’ ermitteln, ‚da die
Dingnofen von Gmelin und Briffon zu kurz und nicht
übereinffimmend find.
Falco 'sufflator Linn. Nr. 17. pag. 275. Möglich, daß
die Befchreibung , die ziemlich abentheuerlid ift, von ‚dem
Circa&tus cachinnans genommen.
5) Falco piscator Nr. 108 Tanas. Buff. bedarf der Mieder-
auffindung.
Falco vespertinoides Nr. 114. in Falk's Neifen befchries
ben mit fhwarzen Hofen, Hals, Bruft und Bauch braun-
lich, weiß gefledt, aus Permien, it big jegt nicht wieder
aufgefunden worden.
7) Falco minutus ift ein kleines Männchen von Nisus frin-
gillarius.
Latham fuͤhrt in ſeiner Synopsis die naͤmlichen Arten
auf, ebenfalls ohne alle Critik. Außer dieſen beſchreibt er noch
folgende Arten, von welchen die Numerierten angenommen ſind.
1) Harpagus bidentatus, Falco lunulatus, nad G. Gray,
?frontatus Gould. Falco callidus Lath., ?tanypterus
Licht., F. obsoletus (gyrfalco Linn.), F. vociferus
(Elanus melanopterus). 2) Elanus axillaris Lath. 3) Ni-
sus tinus. 4) Asturina nitida. 5) meridionalis. 6) mela-
nops. 7) albicollis. 8) Aquila audax (fucosa).
Ich habe die neuere Ausgabe, nicht benutzt, die. noch uncri—
tiſcher iſt, als die erſte.
* ueberſicht
der Arten, welche Azara im 3. Band feiner Voy. de l'am. merid.,
herausgegeben von. Waldkenaer. 1809, pag. 32—110
befchrieben hat. .
Diefer Neifende hat das große Verdienſt, daß er für feine
Zeit fehr wackere Befchreibungen und fehr genaue Dimenfionen
gegeben hat und es wäre fehr zu münfchen gewefen, daß die
Herren Ornithologen, welche ihn fpäter benugt und fo häufig
fatfc "gedeutet haben, feine Befchreibungen zum Mufter genom:
men hätten. Obgleich Azara vielfah, namentlich von Vie—
itlot benußt worden ift, fo Fenne ic) feine Arbeit, worin alle
Arten gedeutet und auf die gebraͤuchlichen Namen zurüdgeführt
worden find. Sch verfuche es hier mit feinen Faleonidae.
Mehrere feiner Arten waren längft vor der Herausgabe fei-
ner Neife befannt, andre hat Azara doppelt befchtieben, weil
er feine Sammlung befaß, fondern nur ein Tagebuch führte.
00
—
RS
—
6
—
375
Sch gebe bie Arten, wie fie Azara aufführt, laſſe die fran⸗
zöfifchen Namen weg und gebe nur die Neo.
4)‘ Palyborus brasiliensis Gmel.
3 Ibieter chimango Azara.
) Ibieter chimachima Azar.
= Asturina Azarae Kaup.
Ag. coronata Az... Temm.
8) Haliaetus aguia T emm. (ad) Spizaötus melanoleu-
cus Vieill. Ene. 1256.
9) Haliactus aguia Temm. (juv.) — Spizaetus fusces-
cens Vieill. Enc. 1255.
10). Buteo pterocles T em m. — Buteo albicaudatus Vieill.
Pnc. 1223.
11) Asturina meridionalis La th. = Circus rufulus Viei 1.
Enc. 1216. i
Falco rutilans Licht. — Falco meridionalis
Lath. Enc. 1246.
Azara vergleicht ihn dem vorigen, allein fagt, daß die
vorderen Schilder der Zarfe viermal fo klein feyen, als. bey
Mr. 11. Es ift das junge Weibchen von Circus ma—
cropterus Vieill., welhes Vieill. Circus albieollis ge=
nannt hat.
Buteo aequinoctialis (ci leucocephalus V ieill. 1216
12)
13)
Lath., Gmel. = }C.busarellus Daud. Vieill. 1212
F.nigricollisLth,., Vieill. 1242
14) Buteo aequinoctialis (juv.)
LeBuson Vaill. But. gallus cathartoides Less.
15 u. 34) Circa@tus cachinnans Linn. — Herpetotheres
cachinnans ‚Vieill. ‚1248.
16) Rostrhamus sociabilis | Herpetotheres sociabilis 1248
Az.,hamatus Ill. = }Buteo .hamatus V. 1223.
17) Asturina, urubitinga Gmel., (juv;) — Buse mixte à
longues taches Vieill. 1241.
18) Asturina, urubitinga Gmel.
peinte, Vieill.. 1241.
19) ‚Astur unieinctus Temm. — Buse mixte, noiratre et
rousse Vieill. 1241.
20) Asturina urubitinga Gmel, (ad.) — Spizaetus niger
et ater Vieill.* 1256.
21) Nach einer Beſchreibung feines Freundes Nofeda; ich
kann die Art nicht ermitteln.
Buse mixte couleur de plomb
(juv.):= Buse mixte
22) Geranospiza gracilis Vieill. 1240.
Temm. = ) Sparvius coerulescens Vieilll.
126%
25) (irrig mit 22 —9— Spizactus — Daud., Vieill.
Enc.. 1258.
24) Nisus pileatus Pr, Max. (ur)
Falco Cooperi Bon. 1.
25) Ich kann ihn nicht deuten. Nach der Beſchreibung follte
man ihn. für einen Cireus ‚halten, ‚allein nach den Dimen-
fionen und der Fluͤgelweite ift eg ein Nisus. Vieillot
nennt ihn Sparvius supereiliaris Ene. 1268. Die Zeit
wird es lehren, ob hier von Seiten Azaras ein Fehler
begangen werden ift, oder nicht.
26) Nisus pileatus (ad. foem.)
27) Nisus fringillarius nad) Azara, Prinz; Mar.
*Vieillot deutet jedoch nicht No. 20.
376
28) Circaätns brachypterus Temm. (ad.) = Sparyius me-
lanoleuceus Vieill. 1267. «.,..
29) (irrig mit; 19 bez.) brachypterus rn (jw.) =
Sparvius semitorquatus Vieill. 1263:
30) Asturina magnirostris . — | Sparvius magnirostris
Vieillot 1265.
Lindayé magnirostris
Vieillot 1246.
31) Circus ‚macropterus Yiesll; = Circus macropterus
Vieill1215.
12). Circus macropterus vieill. (juv.) =. Circus albicol-
lis Vieill. 1214.
32) Cireus histrionicus Quoy, et,Gaim. — Circus ci-
nereus Vieill, 1213.
33) Circus histrionicus (juv.) = Circus campestris
Vieibl. 1214. * up
34) ſieh 15.
35) Nah Azara peregrinus:
36) Rlanus leucurus Vieill' — Kinoides leucurus
Vieill.. 1205. /p2
37) -Ietinia plumbea Gmel., Vieilt =. Blänoides leuc-
urus Vieill. 1203.
38) Nauelerus furcatus Linn. — Elanoides furcatus et
Yetapa Vieill. 1204. 1205.
39) Falco aurantius Lath. — — Elanoides furcatus et Ye-
tapa Vieill. 1237.
40) Falco femoralis Temm. = ale tyäilescens vient
1234. u)
41) Tionuneulus sparverius or
Vieill. 1235.
Paraguay bat demnah nah Azara' 27 Arten Faleonidae;
wovon Nr. 21. und der Sparvius superciliaris näher zu er-
mitteln find. Die übrigen find Nominal = Species.
ne ach sparyerius
Nevifion
der von Vieillot in der Encyclopedie imeihodigue aufgezahiten
Falcunidae.
Diefe Arbeit ift voll der größten Ücbereilungen. und faft, ohne
alten Eritifchen Sinn durchgeführt. » Das Lobenswerthe in der⸗
felben ift der ſchwache Verfuch durch generifche, Trennungen die
große Zahl der Falconidae zu bemeiftern‘ allein Vieillot bat
nur dag eine reine Genus (Ietinia aufgeftellt, alle übrigen hat
er wieder durch fehlerhaft hineingezogene Arten verdorben.
Eine folder Eintheilung konnte zu ihrer Zeit kein großes
Gluͤck machen dund es iſt feinen Zeitgenoſſen nicht zu verargen,
wenn ſie nach einem ſo unvollſtaͤndigen und fehlerhaften Ver—
ſuch die Behauptung aufſtellten, daß die are in Eleinere
Gruppen nicht zu trennen feyen.
Indem id. hier die Unzahl von Fehlern zu (eocrigieren verfuche,
" überlaffe ich den Drnithologen nutsnoc)) wenige» Atten näher zu
beftimmen, von dendn, einige, die ſich in der, Parifer Sammlung
befinden, bey Anſicht der Driginaleremplare, leicht, an ihre paſ⸗
ſende Stelle gebracht werden —
Sch gebe fie ſogleich geordnet. :
1. Unterfamilie. — 5*—
124 Pg. der oa *
1) Hierax eoerulescens Linn: % 57
Falco coerulescens .ı 1256.
2) Tinnunculus vespertinus Linn
Falco 'vespertinus 1232.
377
3) Tinnunculus sparverius Linn.
Falco sparverius
4) Tinnunculus F. cenchris Frisch,
F tinuuncularius Vieill.
5) Tinnunculus rupicolus Vaill.
F. rupicolus Vaill.
6) Tinnunculus alaudarius Briss.
F. tinnunculus Linn.
7) Harpagus bidentatus Lath.
a Falco
8) Falco Aesalon Gmel.
columbarius ‚ion,
lithofalco ‚Gmel.
rezulus Pall.
Pg. der Encye. meth.
1234.
1230.
1236.
1229.
1233.
1236.
1230.
1237.
9) Falco tibialis Vaih. Pl..col. 330. Vaill. 29.
coneolor Temm. Col. 330.
ardosiaceus Vieill,
10) Falco femoralis Temm. eyanescens Vieill.
11). Falco chiquera Vaill.
12) Falco subbuteo Linn.
13), Falco aurantius Lath.
14). Falco frontatus Gould.
?lunulatus nah G. Gray.
15). Falco tanypterus Licht.
?callidus Lath.
16) Falco lanarius, Linn. Pall.
sacer
17) Falco peregrinus Linn.
18) Falco peregrinator, Sundev.
ruber indieus
19) Falco gyrfaleo Linn,
= islandiceus e
Buteo obsoletus Lath.
Buteo einereus Gmel.
2. Unterfamilie. Milvinae.
20), Ietinia plumbea Gmel., Vieill.
21), letinia mississippensis, Wils.
' ophiophaga Vieill.
22) Nauclerus Riocourü Vieill.
— Elanoides Vieill.
23) Nauclerus furcatus Linn.
Elanoides furcatus
Elanoides yetapa ‚Vieill.
24) Circus eyaneus Linn.
gallinarius Vieill.
bohemieus Läth.
macrourus G. Gmel.
variegatüus Gmel.
25) Circus melanoleucus Gmel,
Sparvius melanoleucus Gmel.
26) Circus Acoli Vaill.
27) Circus histrionieus Quoy et Gaim.
einereus Vieill.
campestris Vieill. (juv.)
28) Circus maurus Temm.
ater Vieill. f
29) Circus einerascens Montague*
Montagui Vieill.
Sfis 1846. Heft 5.
1238.
1234.
1233.
1231.
1237.
1264:
1240.
1232.
1233.
1228.
1245.
1238.
1219.
1220,
1208.
1207.
1206.
1204.
1205.
1310.
1247.
1265.
1216.
1215.
1263.
1212.
1213.
1214.
1215.
1211.
* Die britifchen Ornithologen ſchreiben irrig cineraceus Montague.
30) Cireus macropterus ‚Vieill. (ad.)
albicollis Vieill. (juvw.)
31) Circus aeruginosus Linn.
rufus Gmel.
32) Circus ranivorus Vaill.
33). Elanus melanopterus Vaill.
eaesius Saw...)
Buteo vociferus Vveill.
34). Elanus axillaris Lathi
Circus axillaris Vieill:
35) Elanus leucurus Vieill.
Elanoides leucurus Vieill.
36) Milvus regalis Br.
37) Milvus ater Gmel.
aetolius Vieill.
3. Unterfamilie. -Accipüitrinae,
38) Spizaätus cirrhatus Willugby; Gmel.
Faleo eirrbatus With
ceylonensis Lath:
39) Spizaetus ornatus Daud:
40) Spizaetus coronatus’ Linn:
albescens
44) Spizaetus bellicosus Vaill
Aquila bellicosa Vreill,
42). Spizaetus atricapillus C uw.
Buteo melanoleueus VreiN.
43); Spızaetus oceipitalis Vaill.
44) Nisus minullus Vaill. |
Sparvius minullus‘Vieilk
45) Nisus tinus Lath.
Sparvius tinus Vieill.
superciliosus Linn.?-fem,
Sparvius minntus Vieill.
Sparvius-'subniger Vieill
46) Nisus tachiro Vaill.
Sparvius tachiro Vieill
47) Nisus fuscus Gmel.
Sparvius striatus Vienll.
Sparvius; ardosiaceus;,Vieill; _
48) Nisus pileatus Pr. Max.
Sp. major Vieill. (juv.)
guttatus Vieill. (juv.)
49) Nisus fringillarius
Sparv. nisus
50) Nisus torquatus Cuv.
Sp. eirrocephalus Vieill. ,
378
Pg. der Encyc. meth.
1215-
1214.
1209.
1209.
1214.
41206.
1220.
1212.
4206.
1202.
» 1203;
1243.
1242.
1258:
1259.
1254.
1191.
12274
1259.
1266.
1247.
1245.
1267.
1263.
1268.
1265.
1274.
1264.
1266.
1262.
"1268.
Sp. tricolor Vieill, mit falfher Angabe des
Vaterlands, America jtatt Neuholland.
51) Geranospiza gracilis Temm. _
Sparv. caerulescens. Vieill.
Azara Oa. 22.,
52). Astur Gabar Vaill.
Sparv. gabar Vieill.
Sparv. leucorhous (juv.) Vieill.
Sparv. niger (var,,nigr.)
53) Astur badius Gmel.
Sparv. Vieill.
54) Astur musicus Vaill.
Sparv. musieus Vieill.
24*
1267.
1262.
‚1240.
1264.
1269.
1269.
1262.
1271.
379 — vs 380
Pg. der Eneyc, meth, PB. derEncyc. meth.
55) Astur testaceus Ernest Lath. 1243. 76) Helotarsus ecaudatus Vaill. yonuantl
radiatus Lath. 1272. Haliaötus ecaudatus Vieill. ‚1197.
Sparv. rhombeus Vieilk 0141245. 77) Circaötus cachinnans Linn. sans
56) Astur palumbarius Linn. Herpetotheres cachinnans Lin n. 1248.
Sparvius Vieill. 1270. 78) Circaötus brachypterus Temm. ’
Sp. atricapillus Vieill. I 12 7 Sparv. semitorquatus Vieil, 1263.
ji Astur Novae Hollandiae Gmel. 2 ruficollis Vieill. 1263.
Falco clarus juv. i 1243. melanoleueus Vieill, M267:
Sparv. niveus Vieill. 1271. 79) Circaötus radiatus Scop. Jar»
58) Astur unicinetus "Tem m: Sparv. madagascariensis Vieill. 1271.
Az. No. 19. \ / 1241. 80) Circaötus bacha Vaill. ze
59) Asturina nitida-Liath. Buteo bacha Vieill. 1219.
Falco nitidus Lath. 1242. Haliaötus cheela Läth,, Vieill. 1198.
Asturina cinerea Vieill. 1260. 81) Circaetus gallicus Gmel. 1201.
60) Asturina un Daud. Haliaötus ferox G. Gmel. 1196.
Spiz. ıvariegatus Vieill. 1257. 82) Circastus funereus Rüpp.
61) Asturina magnirostris. Gmeel. cinereus Vieill. 1202:
Sparv. magnirestris Vieslb] 1265. 33) Circaetus indieus Luth., Gmel, er
L’Indaye Az. No. 30. 1246. Sparv. Vieill. . 1272.
62) Asturina meridionalis Lath, 1246. 84) Pandion haliaötus Linn. a
Circus rufulus Vieill, 1216. fluviatilis Vieill, R 1199.
63). Asturina Urubitinga Gmel. fulvus Viieill. 1200.
Spizaetus niger .Vieill. (ad.) 1256. 85) Haliaötus albieilla Linn, Pat
Spiz. ater \ 1256. nisus Sav. Nies: ‚1193
Spiz. maculatus 1255. 86) Haliaötus pondicerianus is ‚1196.
Az. No, 17. 1241. 87) Haliaötus canorus Vig. et’ Hör rsf. ie
Az. No. 18.. 1241. Milvus sphenurus Vieill. ‚ 1204.
64) Asturina harpyia Linn. 88) Haliadtus aguia Temm. Re.
Harpyia (maxima ‚‚Vieill. 1249. melanoleucus Vieill, 1256.
66) Asturina Azarae Kaup. fuscescens Vieill. (juv,). ,. 1255.
Harp. coronata 'Vieill. 1252. 89) Haliaötus Macei Cuv. *
66) Asturina melanops;Lath, fulviventris, Vieill. 1195.
Falco melauops Lath. 1244. ?sinensis Lath, (jur. ) 1196.
Sparv. melanops, Vieill.* 1271. 90) Haliaötus vocifer Vaill. 1194.
67) Asturina poecilonotus Cuv. 91) Haliaätus leucogaster Gmel. 1197.
? melanotus; Vieilll 1221. Pand. blagrus Daud. 1199.
68) Asturina albicollis Lath. ? maritimus (jnv.) an 07496.
Falco albicollis Lath. 1242. 5. Unterfamilie. Buteoninae. n
4. Unterfamilie. Aquilinae. 92) Buteo lagopus Br. j 1225.
69) Aquila pennata Gmel. 93) Buteo St. Johannis Gmel. 1227.
Buteo pennata Vieill. 1226. ater Vieill. 1226.
70) Aquila vulturina Vaill. 94) Buteo pterocles Temm.
Haliaötus vulturina Vieill. 1197. albicaudatus Vieill, ’ 1223.
71) Aquila heliaca Sav. 1190. nigricollis Vieill, r 1221.
72). Aquila naevia Gmel. Spiz. leucurus Vieill. 1257.
planga Vieill. 1190. 93) Buteo Wilsoni Bonap.
Spiz. fuscus Vieill. 1228. Sparv. platypterus Vieill. 1273.
73) Aquila Bonelli ° Buteo fuseus Vieill. 1220.
Aquila fasciata Vieill. 1192. 96) Buteo lineatus Gmel. aa,
74) Aquila fulva Linn. ki), 1188. Sparvius lineatus ieill. A amd 266.
chrysaetus Linn. 1189. Sparv. hiemalis Vieill. 1273.
eygneus 1189. 97) Buteo borealis Gmel. 1221.
amerieanus 1191. fulvus Vieill. 1221.
75) Aquila audax bath. americanus Vieill. 1224.
albirostris Vagir 1191. ferrugineocaudatus et Acc. ruficandus
in den Ois. d’Am. sept.
"Hier, wie Circus melanoleucus, testaceus, wird eimund ders 98) Buteo aequinoctialis Lath, Gmel.
elbe Bogel mit einem und demfelben Citat in 2 verfchievenen Genera nigricollis Lath. dan 4242,
aufgeführt. Cirens busarellus Vieill. 1212.
381
BER) TERRDESISIEEN APR Pg: dbr Encye. meth.
Circus leucocephalus Vieill.
dj; 1216.
99) Buteo vulgaris Bechst.
ınntans et fasciatus Vieill. 1217. 1218.
100) Buteo jakal Vaill. 1222:
101) Buteo tachardus Vaill. (non vidi) 1224.
102) Buteo desertorum Vaill. (non vidi) 1223. _
103) Pernis lophotes Cuv.
Buteo cristatus’Vieill. 1221.
104) Pernis cayennensis Gm el.
Asturina eyanopus 1261,
Sp. monachus Vieill. 1272,
Sp. griseus Vieill. 1267.
Sp. bicolor Vieill, 1265.
105) Pernis apivorus Linn. 1224.
106) Pernis eristatus' Cuv. 1225.
107) Polyborus brasiliensis Gmel.
vulgaris.Vieill, 1180.
cheriway Vieill. 1181.
planeus Vieill. 1253,
tharus Vieill 1253.
?Sp. ambustus 1254.
108) Rostrhamus sociabilis A z. 1248,
» Buteo hamatus_Az, 1223.
109) Ibieter aterrimus Temm.
Daptr. ater Vieill. 1180,
110) lbieter chimango Az. 1182.
Polyborus Vieill.
111) Ibieter chimachima Az.
Polyborus Vieill. 1181.
112) Ibieter. australis Gmel. 1253.
F. Novae Zeelandiae 1244.
113) Ibieter aquilinus Gmel.
Ibieter, leucogaster. Vieill. 1183.
Vieillot führt mit Nro. verfehen. im, Ganzen 203 Arten
auf, von welchen 67 theils ganz zu ftreichen, theils als Syno—
nyme aufzuführen find.
Von den noch übrigen 23 Arten bedürfen folgende eine nähere
Prüfung, um als Synonyme oder Arten aufgenommen werden
zu Eönnen.
1) Falco piscator 1233.
2) F. vespertinoides 1242.
3) F, japonicus 1246.
4) F. orientalis 1272:
5) Azara No. 21.
6) Cireus coerulescens Vaill. (Cayenne) 1213.
7) Circus leucophrys Vieill. (Indien) 1215:
8) Sparvius gilvicollis Vieill. (Par. Muf.) 1265.
9) Sp. supereiliaris Vieill. (Paraguan) 1272.
10) Sp. rufiventris 1269.
11) Sp. nigricans Vieill. 1273.
12) Buteo pectoralis Vieill. (Par. Muf.) 1223.
13) Buteo brachyurus Vieill. (Par. Muf.) 1223.
Andre find faft feiner, Deutung werth, indem fie zu fchlecht
befchrieben find, oder ihre gewagte Erklaͤrung der Wiffenfchaft
feinen Nutzen bringt.
14) italicus 1208.
15) germanicus ,
16) tigrinus | Europa. 1240.
17) montanus 1244.
Pg. der Encye. meth.
18) javanicus 1215.
10) Johannensis 1245.
20) Le Piravera 1247:
21) sufflator, Surinam. 1245.
22) pacificus, Neuhol. 1246.
23) Falco connivens ift £ein Buteo, fondern nad) dem Gra—
fen Derby eine Strix.
Außer den genannten Synopſen ift in neuerer Zeit eine von
Leffon erfchienen, die einen Theil der Compl&ment de Buffon
ausmacht. Die Falkenıfind im 7. Band der Vögel pag. 23—
226 befchrieben. _Diefe-- Arbeit ift-‚ ebenfalls eine Compilation,
allein doch beffer als die vorigen. Mir vieler Gewandheit find
die unficheren Arten umgangen, und meift nur die aufgeführt,
die Sranzofen und Hr. Temmind befcrieben haben. Teut—
fhe und "fonftige Autoren find dem Verfaffer meift nur dem
Namen nad befannt, und uͤber Lebensart ift ihm Le Vaill.
die einzige Quelle. Die bey weitem ficherere Quelle über die
Lebensart der braſilianiſchen Wögel des Prinzen Marimilian
zu, Neuwied, fo wie die über europäifche Vögel des noch nicht
Übertroffenen Naumann ift ihm völlig unbekannt.
Seine noch immer, zahlteihen, ſyſtematiſchen und fonftigen
DVerftöße bey den Falconidae laſſen fi aus meiner Ueberficht er:
fehen und corrigierenz es find lauter Fehler, die er Vieillot,
Zemmind und andern nachgefchrieben hat. Einige der von
ihm zuerſt gefchiedenen Genera und Subgenera find in der Natur
begelindetz ich Eonnte von diefen jedoch nur das Subgenus
Gymnogenys adoptieren; ‚andre Genera wie Brachypterus und
Buteogallus habe ich als Nominalgenera gefkrichen.
Neue von ihm entdedte Arten führte er Feine auf, als die
Nominalſpecies welche er aus den Farbenkleidern des Pernis
eristatus gebildet hatz Leffon felbft legt keinen Werth auf
diefe Arten und vermuthet bey der Aufftellung das Nichtige.
Pag. 100..Nr. 5 führe Leffon: einen Nisus minutus Lth.
aus Indien an, welches nicht der minntus Gmel. (einen minu-
tus Lath. gibt es nicht), fondern nach einem kleinen Männ—
chen des Nisus virgatus aufgeſtellt ift
Bon feinen ganz neuen Arten Eenne ich: nicht. den Spizastur
Kieneri, Gervais, Mag. de Zool. t. V. (1835) pl. 35.
Da mir diefes Magazin nicht zur Hand ift, fo entfchlage ich
mid) alles Urtheils, und Fann nur, foviel bemerken, daß er nad)
der Beſchreibung und dem Vaterland eher zu eirrhatus als in
die Nähe von atricapillus gehört.
In neuefter Zeit ging einmal die Sage, daß von einem teut-
fhen Gelehrten ‚eine Spnopfis aller. Vögel in Arbeit fen, allein
man börte nichts weiter von dieſem Unternehmen. Ich balte
ein ſolches, es mag von dem Director der größten Sammlung,
oder von einem Gelehrten herrühren, der das Material auf Rei:
fen zufammen bringt, für’ ein hoͤchſt voreiliges: denn eine foldhe
Synopſis würde um fein Haar beffer, als die bereits vorhande⸗
nen, und wuͤrde jeden Käufer derſelben betrüigen. Es gibt nur
einen Weg und diefer ift, daß man Stüde des ungeheueren Fel—
ſens bearbeitet und fo allmählih das Ganze bewältigt. Sind
einmal die Familien Psittacidae, Pieidae, Fringillidae, Ta-
nagridae, Sturnidae, ‚Sylvidae, Corvidae, Laniidae, Musei-
capidae, Ampelidae, Certhidae, Trochilidae, Meliphagidae,
Charadridae, ‚Ardeidae, Laridae, Anatidae, ‚Columbidae
et ‚Tetraonidae‘ fo wie meine Falconidae bearbeitet, «dann
fpreche man von ber Ausführbarkeit einer Spnopfis aller Voͤgel,
auf der weiter fortgebnut werden Eann.
382°
383 — — 384
Pit Vergnuͤgen wäre ich bereit, die drei ſchwierigſten Fami-— Frankfurt, nicht, beſitzt, von andern europaͤiſchen Sammlungen
lien an die Falconidae anzufchließen und zwar die Kamilien zu erhalten. In diefem: glüdlichen Fall wollte ich mit freund⸗
Psittacidae, Fringillidae et Muscicapidae, welche nad) jetziæ licher Hülfe von andern Gelehrten, im Laufe von 10—12 Jah—
gen Anfichten jeder Eintheilung Hohn ſprechen; allein ich werde ven eine vollftändige Arbeit aller Vögel liefern, die durch ftete
fie ſo lange unterlaffen müffen, bis die Möglichkeit eintritt, das Nachtraͤge jährlich) zu verbeffern und zu vervollſtaͤndigen geeig=
fehlende Material, welches das Senkenbergifhe Mufeum zu net wäre.
Erklaͤrung ber Abbildungen auf Tafel J.
Erfte Familie. FGgalten — Falconidae.
Erfte Unterfamilie Wahre Ballen — Falconinae Fig. |
I. Genus. IH Genus. Il. Genus. IV. Genus. V. Genus.
Kleinfalfe4 Hiörax Pig. | MWeihfalfe-Tinnuneulus | Sperberf.-Harpagus V. Aarfalke - Falco; Vig. | Buffardf.-Jeracidea G.
Ch. Zwei feine Zahn: | Ein Zahn am Ober: | Zwei große Zähne am | Ein Zahn am !Dber: | Ein Zahn am ber:
chen. am Dberfchnabel. | fchnabel. Zehen kurz. Oberfchnab. 2. Schwins | fehnabel. Zehen meift .| fchnabel.;. Tarſen boch,
2, Schwinge faft fo lang.) Schwung: u. Schwansfe: |-ge die Eürzefte, lang. Schwg. u. Schr. | mit’ gefpaltenen, Schil=
ale die 3. dern weich. elaftifch und. !hart..) - dern. Zehenruͤcken grob
2. Subgenus. Weih— 4. Subgenus. Faleo R. |’ getäfelt.
Meih-Falke-Erythropus —
Brehm, Juuberigora Vig. et
H. coerulescens L. T. vespertinus L. H. diodon Temm. F. peregrinus! T. is Horsf.
Zweite Unterfamilie. Weibe — Milvinnae Kaup.
Falken: Weib - Tetinia | Schmwalbenweih.- Nau- | Sperber-Weih- Circus | Aar:Weib - Elanus Buſſard-Weih — Mil-
Vieill. celerus Fig. Vig. Sav. vis Auct.
Eckzahn am Oberfchna: Dberflügel bedeutend | Mittelzeh viel kuͤrzer | Tarfe und Zehen fein | Schnabel groß und ges
bei. Gaumenhöder am | länger als die Flügelfp. | als die fehr hohe gefchil- | geſchuppt. Nigel rund. | trade. Schwanz ſchwach
Schnabelhafen. Zarfen und Zehen fehr | derte Zarfe. SubgenusElanus Sav. | gegabelt.
kurz. Schwanz fehr tief | 3. Subgenus. Sperb.: 2. Subgenus. Weib:
gegabelt. Sperber: Weih - Spilo- Buſſardweih Lophoic-
Subgenug Nauclerus. | eireus Kaup. tinia Kaup.
F. plumbea Gmel. N. furcatus Zinn. €. Jardinii Gould. E. axillaris Zath. |°*M. isiurus ‚Gould.
Dritte Unterfamilie. Sperber oder Dabichte 4 Aceipitrinae Kaup.
Falkenhabicht - Spizae- | MWeih- Sperber - Nisus | Sperber - Sperber oder | Aar-Habicht — Astur | Buffard-Habicht - Astu-
tus. Cuv. Kranichſperber — Gera- Auct. rina Kaup.
Tarfe rings beftedert. | Xarfe lang und ſchlank nospiza Kaup. Zarfen. ſtark mit deut- Mit, mehr, geradem und
1. Subgenus. Lim- | mit kaum erkennbaren. | Aeußere Zehe um die lihen Schildern. Schna: | geſtrecktem Schnabel. ,
naetus Fig. Schildern. Hälfte kuͤrzer als die | bel kurz von der Wur- ! Tarfen gefchildert.
2. Subgenus. Meih: | mittlere. zelan gebogen. 1. Subgenus. Astu-
Meih-Sperber Tachy- 4. Subg. Yar= Yar: | rina,**
Sp, eirrhatus Will. | spiza Kaup,. Habicht - Astur Kp.
Gmel, N. soloensis Horsf. G. gracilis Temm. | A. palumbarius Linn. | A. alhifrons Kaup.
Bierte Unterfamiliee VdDler — Aquilimme Kaup. —* —
Falkenadler — Aquila Weih-Adler — Helotar-Sperber-Adler -Circas | Pelikanadier oder Aare - |. Buffard-Adler,— Haliae-
! Auct. sus Sm. tus Kaup. Pandion. Sav. tus Sav., ;
Tarſe rings gefhildert. | Schmanz aͤußerſt Eurzr.| Tarfen hoch, Zehen | Nägel 'halbkreisfürmig, | Tarſen kurz, geſchil⸗
ie Subgenus. Balken: doppelt. ausgefchnitten, kurz, gefchuppt. gleich groß, im Durch= | dert. Zehnruͤcken durch:
Falkenadler - Hierastus 3. Subgenus. Spilor- ! fehnitt rund. aus getäfelt.n . ti
Kaup. nis @..Gray. 3. Subgenus. Pan- 54 Subgenus. Tha-
dion Sav. | lassaetus Kaup:!
A. morphnoides @. H. ecaudatus Vaill. C.undulatus Fig. P. haliaetus Zinn. >|) H.pelagicus all.
* u. ** In beiden Genera follte eigentlich das 5. Subgenus dargeftellt feyn, das ich leider nicht beſitze. Diefe Abbildungen machen
feinen Anfpruch auf fehr große Genauigkeit, fondern geben mehr den Totaleindruck und die Charactere, foweit es moͤglich war in Diefer- Größe
und in der Kreibemanier fie darzuſtellen. Ben einer dreifachen Vergroͤßernng diefer Bildchen hätte man die größte Genauigkeit erreichen
koͤnnen.
385
unfte Unterfamilie.
‚L;Genus. ll. Genus. ,
Salkenbuffard-Buteo' X. | Weihbuffard-Pernis K.
Nafenlöcher groß, offen, | Naſenloͤcher ritzfoͤrmig.
von gewöhnlicher Bil: | 2. Subgenus. Weihs
dung. ı Meihbuffard — Aviceda
1. Subgenus. Falfen- | Sav,
Falkenbuffard — Archi-
buteo Brehm.
B. lagopus Brünn.
gelegen.
P. cuculoides Swains.
P. brasiliensis.
386
Buffarde— Buteoninae Kaup.
III. Genus.
Sperberbuſſard - Poly-
borus Vieill.
Pafenlöher hoch am
Rand der Wachshaut
IV. Genus.
Yarbuffard — Rostrha-
mus Less.
Nagel der Mittelzehe
kammartig gezahnelt.
‚ V. Genus.
Hubnbuffard-Ibicter K,
Naſenloch rund, in den
Knochen des Schnabels
eingebohrt.
5. Subgenus. Ibicter
Vieill.
U
R. sociabilis Az. I. aquilinus @rmel.
Beyträge
zur Lehre von den Erzlager-Stätten, mit befonderer Berühfichtigung
der vorzüglichften Berg-Reviere der k. k. öſterreichiſchen Monarchie von
Dr. W. Fuchs Wien bey Gerold. 1846, 8. 86, T. 5.
Es kommt uns nicht zu, diefe Schrift zu beurtheilen: Man
wird aber wohl wiffen, daß man von diefem erfahrnen Berg=
mann etwas Gediegenes erwarten darf. Diefe, Unterfuhungen
haben mehr einen wiffenfhaftlihen Zwed, nehmlich die. Genefig
der Erzlager, als einen technifchen oder öconomifchen. Der Ver:
faffer handelt hier von den gleichzeitig mit dem, Gebirg entftans
denen Erzlagern, wie in dem Schiefer-Gebirge zu Schmölnig
und Agordo, in den jüngern Kalklagen der füdlichen Alpen von
Venedig und Kaͤrnthen; endlich in cryſtalliniſch Eörnigen Gebirgs—
maffen wie im Tyrol und Banat.
©. 32. von den Erzlagern fpäterer Entftehung, namentlich
in den Zrapp= und Zrachyt= Gebilden des nieder - ungariſchen
Bergdiſtricts.
S. 72. Ueber-Gangſpiegel und Gang Verſchiebungen
©. 81. Claſſification der Erzlager.
Ellustrationes Plantarum orientalium,
auctoribus Comite Jaubert et E. Spach. Paris chez Roret.
Livrais. XVIL et XVII. 1845. Fol. tb, 161— 180.
Diefes ſchoͤne Werk fährt fort, vortreffliche Abbildungen mit
ſehr genauen und mufterhaften Zerlegungen' zu liefern. Es
werden in diefen Heften fehr ausführlich "befchrieben "und ab—
ebildet.
Y Cousinia sphaerocephala, palmatiloba, crispa, ilicifolia,
erinacea, eylindrocephala, pyrrhocephala, prasina, as syriaca,
anisoptera, rcmosissima, oliverii, involucrata, pugionifera,
actinocephala, silyboides, schulziana, calocephala.
Stechmannia eriobasis.
Derderia. cheirifolia.
Die Befhreibungen find in lateiniſcher Sprache, die e Ertlie
rungen der Zufeln in franzöfifcher. Det und - Sammler find
angegeben. . |
A
* JIconographia
Familiarum nat. regni vegetabilis, auct, A. Schnizlein.
Bounae apud Henry. Fasc. V. 1846. 4. thh. 20.
Diefes nüslihe Werk nimmt mwirklih von Tag zu Tag zu
an Schönheit und Gehalt, die Pflanzen meiftens ganz, die
Iſis 1847. Heft 5.
Zerlegungen fehr zahlteih, Blumen und Früchte ausgemalt;
wodurch die Deutlichkeit ungemein befördert wird, die Anord-
nung gefällig. Dadurch kommt jedoch die Figurenreihe durch—
einander, was das Auffuchen erfchwert. Da es fich hier kei—
neswegs von einem Kunftwerf handelt, fondern von einem rein
wiſſenſchaftlichen, ſo muß die Reihenfolge der Schönheit vorge:
zögen werden. Der Zeitverluft beym Aufſuchen der. Zahlen ift
zu wichtig, als daß um der Artigkeit des Ausfeheng willen die
Unordnung fortdauern follte.
Diefes Heft enthält die Piliaceen und zwar: Tulipa, Hya-
einthus, Allium, Tulbaghia, Daubenia, Anthericum, Aloe,
Hemerocallis, Phormium, Asphodelus, Lilium, Lachena-
lia, Conanthera, Echeandia.
Asparagus, Eustrephus, Dracaena, .
Aphyllanthes, Xanthorrhoea, Cyelobotrya. Uvularia.
Die Hydrochariden: Hydrocharis, Vallisneria, Stratiotes.
Irideen.
Scitamineen: Curcunm, Zingiber, Mantisia, Elettaria,
Hedychium, Hellenia, Kaempferia, Cardamomum, Amo-
num,
Marantaceen: Canna, Maranta.
Mufaceen: Musa, Heliconia, Strelitzia, Ravencila, Urania,
Najadeen.
Typhaceen: Typha, Sparganium.
Palmen: Cocös, Mauritia, Calamus, Hyphaene, Cha-
maerops, Sabal, Lepidocaryum, Sagus, Chamaedorea,
Areca, Astrocaryum, Borassus, Livistona, Phoenix, Ben-
tinkia, Licuala, Maximiliana, Brahea, Euterpe.
Önetaceen: Chloranthaceen, Saurureen, Piperaceen, Podoſtem⸗
meen, Gafuarineen.
Wir haben ‚hieben folgende Wünfche anzubringen, welche zu
berüdfichtigen der DVerfaffer wohl. thun würde,
Die Namen, wenigſtens der Sippen, follten auf den Zafeln
ſtehen. Die lofen und paginierten Blätter follten einen Custos
haben. Ohne denfelben gibt es immer eine lange Sucherey.
Bey der Erklärung der Abbildungen ſollte jede Species mit
einem neuen Abfag anfangen. Hier ift die Sucherey noch
ärger. Wenn‘ wir" nicht "irren, ‘haben wir fchon mehrere biefer
Münfche ausgefprocen: es hat aber dem Verfaſſer nicht beliebt,
diefelben zu beruͤckſichtigen: in der Folge werden wir darüber
ſchweigen.
25
387
Familiarum naturalium
regni vegetabilis Synopses monographicae curante M. J.
Roemer. Vimariae Landesindustrie - Comptoir. Fasc. I.
Hesperides. 1846. 1. 8. 152%. II. Peponiferae. 222.
Es Eommt ung nicht zu, über. diefes Werk ein entfchiedenes
Urtheil zu fällen; indeffen Eönnen wie nicht ander als bie Idee,
Familien in Monographien herauszugeben, ſo daß jeder ſich
anſchaffen kann, was ihm beliebt, fuͤr ſehr wohl gerathen zu
halten; dabey zeigt es ſich unwiderſprechlich, daß der Verfaſſer
dieſe Monographien mit ungewoͤhnlichem Fleiß und großem Ord⸗
nungs⸗Talent bearbeitet, und ber Verleger den Druck fehr über:
fihtlih und wirklich ſchoͤn herftellt, fo daß man fid ungemein
leicht in dem Spftem bis zu den Gattungen und felbft Abarten
herunter zurecht findet; Worzüge, welche ſich bey keinem
andern big jetzt erfchienenen Syſtem in folhem Maaße finden.
Es geht zwar duch diefe Anordnung des Druds mancher
Raum verloren, was aber gegen die fehnelle Auffindung der
Unterabtheilungen und Gattungen wenig in Betracht fommen
kann. Es ift wirklich gar bequem, daß jede Gattung und felbft
jede Abänderung a linea gefest ift, die Autoren dahinter nebft
den beffern Abbildungen, und nod) näher beftimmenden Bemer—
ungen, die Charactere tabellarifch in der vorderen Spalte,
von den Familien, Unterabtheilungen und Sippen ganz aus:
führlich, von den Gattungen wirklih Eurz und mufterhaft.
Voran geht ein Profpectus in beutfcher Sprache, worinn
manche Grundfäre ausgefprochen werden, die wir nicht billigen
Eönnen ; indeffen haben diefelben, wie e8 ung fcheint, weiter kei—
nen Einfluß auf die Bearbeitung, und daher wäre e8 ein Ueber
fluß ſich mit der Critik derfelben abzugeben. Der Verfaffer bes
vhdfichtige vorzüglich die Charactere in Endlich ex's Genera
plantarum, ſucht aber die Wiederholungen zu vermeiden, was
bey einer folchen tabellariichen "Form auch fehr. leicht möglich,
ja natürlich ift. Won diefer Seite wird alfo wieder viel Raum
erfpart, was ſich mit dem durch den ſchoͤnen Drud verlornen
ziemlich ausgleichen wird.
Dann folgt eine Erklärung der Zeichen und Abfürzungen,
befonders der Schriftfteller; darauf der Character der Claſſe,
wie der DVerfaffer die Hefperiden und Peponiferen nennt, Er
tbeilt fie fodann in Familien oder Ordnungen und diefe in
Subordines, Tribus et Genera.
Bon den Hefperiden wird der Character nebft einer Eurzen
Schilderung und der geographifhen Verbreitung vorausgefchickt
und darauf folgt die tabellarifhe Darftellung in Ordnungen oder
Familien. Darauf der Character der Samilien wieder mit einer
kurzen Schilderung, den Verwandtſchaften und der Verbreitung,
auch die Anwendung in der Medicin, den Gewerben und der
Haushaltung. Darauf folgt die Synopsis Generum, ebenfalls
tabellarifehb und endlich die Synopsis Specierum.
Die Hesperides werden getheilt in 6 $amilien: Humiri-
aceae, Olacineae, Balaniteae, Aurantiaceae, Meliaceae et
Cedrelaceae.
Bey jeder Sippe und Gattung ift eine vollftändige Literatur
mit den Geitenzahlen, was ſehr nuͤtzlich iſt. Wir, können hier
eine Bemerkung nicht unterdruͤcken, daß die. Botaniker im der
neuern Zeit angefangen haben, die wilden Namen von Aublet,
AUdanfon und Andern wieder hervorzuziehen, aus einer uͤbertrie—
benen Prioritäte-Sucht gegen die fo mwohlthätigen und der Wiſ—
fenfchaft alfein würdigen Geſetze, welche Linne über die No-
menclatur aufgeftellt bat. So ift aus Humiri Humirium gemor-
————
_ ⸗
388
den, ſtatt Schrebers Myrodendron; ebenſo Icacina, Cans-
jera, Luvunga, Papeda, Malnerega, Naregania, Azadirachta,
Cipadessa, Lansium, Amoora, Walsura, Surwala, Carapa,
Racapa, Touloucouna, Kahya, Soymida, Chickrassia,
Toona, Vavaea und unzählige. Diefem Uebel läßt ſich nun
freytich nicht mehr fteuern, mit Ausnahme derjenigen Namen,
mwelbe Schreber wirklich recht paffend gebildet bat, und
woran man auch ſchon gewöhnt war. i
Der Berfaffer hat manche neue Sippen gebildet, was ums
ben einem folhen Werke kaum rathfam zu feyn feheint. Der:
gleichen find unter. den Aurantiaceen Hesperethusa, Myxo-
spermum, Lampetia, Helie, Merope, Gallesioa, Dioxippe,
Sicklera, Laureola.
Unfer Grund, davon abzurathen, liegt grade nicht in der
Bedenklichkeit vor neuen Sippen, obfchon dergleichen in unferer
Zeit nicht ohne die größte Noth gemacht werden follten; ſon—
dern in der Betrachtung des Zeitverluftes, welcher fire die raſche
Erſcheinung des Werks dadurd entftehen muß : denn der groͤßte
Nutzen, den ein fpftematifches Werk der Art gegenwärtig leiften
kann, befteht gemiß in ber ſchnellen Erfcheinung deffelben, da
von allen, welche jeßt im Gange find, noch Eein einziges fertig,
ift, obfchon die meiften ſchon feit zehn, ja feit mehr als zwanzig
Sahren Iaborieren. Dasjenige Werk, welches zuerft fertig ift,
wird in Gebrauch kommen, wenn e8 auch Zaufend und aber
Tauſend Fehler hat. Stößt man auf einen folhen; fo wird es
dann feicht feyn, fich in den langfam ericheinenden, und alfo
vollftändigeren Werken Naths zu erholen.
Ein anderes Uebel bey einer langgedehnten Erfcheinung liegt
in den nöthig werdenden Supplementen. Es gibt in der Kiteras
tur Eein unbeholfeneres Geräth als ein Buch, worauf der Name
Supplement ſteht; bey Spftemen, wo gemöhnlih Supplemente
auf Supplemente folgen, big dem Publico alle Luft vergeht
dergleichen zu Eaufen, ift es noch ärger. Mer kann bey jedem
Mort, das er nicht im Regiſter findet, einen Haufen Supple—
mente durchftöbern! Daher wäre es fehr rathſam, wenn ber
Verfaffer ſich nah Mitarbeitern umſaͤhe und die Familien ver—
teilte. Dann würde das Merk in wenig Jahren fertig und
alten Botanifern ein erfehntes Geſchenk feyn.
Zu den Veponiferen rechnet der DVerfaffer nah Meisner
die Cucurbitaceen, Gacteen, Paffifloraceen, Malesherbiaceen, Loa⸗
faceen, Turneraceen, Groffulariaceen, Nhandirobeen, Papayaceen
und Belvifiaceen, wovon in diefem Hefte dargeftellt werden die
Gureubitaceen, Nhandirobeen, Papayaceen, Paſſifloraceen und
Malesherbiaceen. Wie gut und deutlich der Verfaſſer die Fa—
mitien wieder abgetheilt hat, zeigen die Cucurbitaceen auf fols
gende Art,
Subordo I. Telfairieae.
Subordo II. Cucurbiteae.
Trib.: Coniandreae: Melothrieae, Bryonieae, Cucume-
rinae, Cyclanthereae, Schizocarpeae, Sphenantheae.
Subordo Ill. Sycioideae.
Subordo IV. Gron»vieae.
Der Verfaffer fcheint ung die geſammte Literatur benußt zw
haben, die feltenften Werke nicht ausgenommen, twie dag von
Silva Manso. Wir müffen bier beyfitgen, daß auch angezeigt
ift, in welche Claſſe des linneiſchen Syſtems die Sippen ge
hören. Das Dctav: format begünftigt auch die bequeme Hand-
habung, des Buche.
389
7 070 Verfuch und Beobachtungen
über den Rartoffelbau und die Kranfheiten der Kartoffeln, mit einem
Anhang über künſtlich erzeugten Guano, von Dr. E. F. Manz.
Stuttgart bey Steinfopf. 1845. 8, 58.
Der Berfaffer, welcher fih ſchon früher durch feine Schrift
über die Befruchtung der Pflanzen als eiftigen Botaniker gezeigt
bat, hat bier. eine große Menge, Verſuche mit fehr vielen Sor—
ten. von Erdäpfeln angeftellt, diefelben genau beſchrieben und
Borfchriften ‚gegeben, wie fie zu behandeln find, um fie gefund
zu erhalten. . Auf jeden Fall ift das Büchlein der Beachtung
werth, und fann bey ber jegigen Noth und bey der Verſchlim—
merung, der Erdäpfel feit dem naffen Jahr 1845 von Nutzen
feyn. Auf. jeden. Fall iſt es den Landwirthen und denjenigen
Perfonen zu empfehlen, welche ſich bey der gegenwärtigen Noth
des Landvolks betheiligen.
Tabula analytiea Fungorum
in Epicrisi seu Synopsi Hymenomycetum Friesiana descrip-
torum, adjoperis usum faciliorem collata a J. G. Trog, senior.
Bernae apud Huber. 1845. 8. min. 314.
Diefe Schrift ift wirklich ein fehr bequemes Taſchenbuch zur
ſchnellen Auffindung der höheren Pilze nad) dem Spitem ‚von
Kriegs. Es find Tabellen in logifcher Form, mit verweifenden
Nummern und ganz Eurzen Characteren, die Gattungen hinten
ausgeworfen, mit den Nummern im Buche von Fries.
Zuerft ift eine Ueberficht der Pilze überhaupt gegeben, fodann
die Zheilung der Hymenomyceten in 6 Dronungen, darauf die
Theilung der Ordnungen in Sippen, der Sippen in. Unter:
©Sippen, und endlich ‚der Sippen in Gattungen. Da es bes
greiflicher Meife mehr Pflanzenfreunde gibt, welche die größeren
Pilze lieber aufſuchen als die microſcopiſchen; fo zweifeln wir
nicht daß das Buͤchlein ſeine Liebhaber finden wird.
Synopsis Hepaticarum
auctt. Gottsche, Lindenberg et Nees.ab Esenbeck.
Hamburgi apud Meissner. Fasc. IV. 1846. 8. 465—624.
Wir haben die frühen Hefte diefer gründlichen Arbeit. ſchon
nad) DVerdienft angezeigt. Das vorliegende Heft enthält die
Eippen und "Gattungen mit Characteren, Citaten und Befchreis
bungen von Frullania, ‘ Fossombronia, ' Petalophyllum,
Zoopsis, Blyttia, 'Symphyogyna ‚'Pellia, Blasia, Aneura,
Metygeria.
Trib. 2. Monocleae: Calobryum, Monoclea.
Trib. 3. Marchantieae: Lunularia, Plagiochasma,
Marchantia, Preissia, Sauteria, Dumortiera, Fegatella,.
Reboulia,: Grimaldia;' Duvalia, Fimbriaria, Targienia,
Cyathodium.
Trib..4. Anthoceroteae: Dendroceros, Blandowia,,
Anthoceros,, Carpolipum. |
Trib. 5. Rieeieae: Duriaea, Sphaerocarpas, Corsinia,
Oxymitra, Riccia.
Man wird aus diefem Berzeichniß ſchon erkennen, daß meh⸗
vere neue Sippen aufgeftellt find. Das nächte Heft macht
den Schluß.
390
Deutfchlands Eryptogamen Flora
oder Handbuch zur Beflimmung der eryptogamiſchen Gewächſe Deutfch-
lands ufw. von Dr. Rabenhorjt, Leipzig bey Kummer, II. 2.
Algen. 1847. 8. 216.
Auch die Einrichtung dieſes die geſammte Cryptogamie ums
faffenden Werks haben wir ſchon angezeigt. Es ift ebenfalls
in tabellarifcher Form, foweit es die Unterabtheilungen und Sip—
pen betrifft. Dann folgen aber die Gattungen nad) der Reihe,
jedoch wieder durch Rubriken zur Bequemlichkeit abgetheilt. Im
Ganzen hält fich der DVerfaffer an dag Syſtem von Küsing,
theilt aber die Algen ein in: Schizophyceae, Gonidiophyceae,
Ascophyceae et Gyrophyceae (Characeae).
Diefe Unterordnungen zerfallen wieder in Familien, und diefe
oft wieder in Eleinere Gruppen, worauf erft die Sippen folgen.
Es ift zwar eine große, abfchredende Menge; indeffen wegen
der guten Anordnung und des überfichtlihen Druds doch nicht
ſchwer zu überfehen. Auf jeden Fall ift e8 ein bequemes Hand»
buch zue Auffindung der Gattungen. Die Größe ift angeges
ben, der Character, Fundort und die Abbildungen.
Die Schizophyceen theilen fich folgendermaaßen ab:
Fam. 1. Diatomaceae: Eunotieae, Diatomeae, Navi-
culaceae, Cymbelleae; Gomphonemeae, Melosireae.
Fam. 2. Desmidieae,
Die Gonidophyceen zerfallen auf folgende Art:
Fam. 3. Nostochinae: Palmelleae, Nostochinae.
genuinae, Hydrureae. \
Fam. 4. Osecillatorieae:
byeae, Rivularieae.
Fam. 5. Confervaceae: Conferveae. (Myxonemeae,
Confervae ‚genuinae, Ectocarpeae), Zygnemeae, Hydro-
dyetieae,
Fam. 6. Ulvaceae: Siphoneae (Vaucherieae, Codia-
ceae, Anadyomeneae), Corallineae, (Aeetabularieae, Spon-
giteae, Corallineae genuinae), Ulveae (Bangieae, Ente-
romorpheae, Ulveae genuinae)..
Die Ascophyceen theilen fich in—
Fam. 7. Ceramiaceae: (Ceramieae, Cryptonemeae,
(Gloioeladeae, Nemastomeae, Spongiocarpeae, Halyme-
nieae, Coecorarpeae) , Chondrieae.
Fam. 8 Sphaerococceae:
rococcoideae, Delesserieae.
Fam. 9. Phyceae: Chordarieae (Lemanieae, Spha-
celarieae, Chordarieae genuinae), Laminarieae, Fucaceae.
Die Gyrophyceen find die Characeen.
* Regiſter uͤber Sippen und Gattungen ſchließt dieſes
eft.
Oscillatorinne, Lyng-
Rhodomeleae, Sphae-
Alghe italiane e dalmatiche,
ilustrate dal Prof. 6.Memeghini. Padova, Fasc. V.
8 353-384.
Das ift befanntlih ein Original-Werk, Alles vom Berfaffer-
groͤßtentheils felbft gefammelt, beobachtet, microſcopiſch unterſucht
und beur£heilt, mit Anführung der Beobachtungen und Mey—
nungen Anderer: denn es ſteht dem. Verfaffer offenbar die ge=
ſammte Literatur diefes Faches zu Gebote.
"Das, Erfcheinen der Hefte wurde einige Zeit verfpätet wegen
1846.
391
einer Krankheit des Verfaſſers: nun aber wieder hergeftellt, wird
die Fortſetzung raſch erfolgen.
Sm vorliegenden Hefte werden die Sphacelarien vollendet,
und e8 beginnt die fiebente Zunft, mit den Cctocarpeen, mit
ausführlicher Schilderung, befonders der Frucht- Organe. Auf
jeden Fall wird durch diefe Arbeit die Wiffenfchaft weiter gebracht,
und fie verdient daher ein ernſtliches Studium.
# Grundzüge
der Anatomie und Phyfiologie der Pflanzen, von Dr. Med. 8. Unger,
Prof. zu Grätz. Mien bey Gerold. 1846, 8. 132, Mit
Holzſchnitten.
Bekanntlich hat der Verfaſſer mit Endlicher im Jahr
1843 Grundfſaͤtze der Botanik herausgegeben, worinn das
Hauptgewicht auf die Darſtellung der ſogenannten Organogra—
phie gelegt, und daher das Anatomiſche und Phyſiologiſche nur
kurz behandelt wurde. Das geſchieht in der vorliegenden Schrift
mit genauerer Ausfuͤhrlichkeit und mit der Gruͤndlichkeit, welche
man bey dem Verfaſſer zu. finden gewohnt iſt. Seine microf-
copifchen. Unterfuchungen und feine , practifchen Verſuche und
Beobahtungen find Überall anerfannt und. bewähren fih auch
wieder in der vorliegenden Schrift, von, der mir, daher nichts
anzugeben brauchen als den Innhalt der größeren Abtheilungen.
Zuerft handelt der Verfaſſer von den Elementar-Theilen der
Pflanzen, von denen wir fchon vor einem haͤlben Menfchen:
Alter gezeigt haben, daß fie aus Zellen und aus nidts als
Zellen beftehen, eine Lehre, welche wir fehon lange für fo aus—
gemacht halten, daß wir ein Wort meiter darüber verloren
haben, weil wir die Zeit zur meiteren Errichtung des Gebäudes
auf diefem Fundamente -nöthig hatten. Ausgemachte Sachen
muß man nicht immer und immer wieder beweifen mollen, fon-
bern es denen überlaffen, welche noch diefes und jenes daran zu
ruͤcken haben.
Der Verfaffer handelt umftändlich von der Form der Zellen,
welche befanntlib Kiefer zuerft ale NRhomboidal: Dodecaeder
veftgefegt hat. Ebenſo befchreibt der Verfaſſer den, Bau der
Zellwand, die Verbindung der Zellen, ihren Innhalt, Entftehung
und Vermehrung.
Darauf kommt er auf. die abgeleiteten Glementar=Drgane,
Spiral:Gefäße, Milchſaft- und eigene Gefäße, fo wie auf die
Verbindung derfelben. Der phnfiologifhe Theil ift befonders
wichtig. Zuerſt die Betrachtung des Pflanzenlebens überhaupt;
fodann das Geſchaͤft der. Zelle, die Aufnahme. der Nahrung, das
Auffteigen des Nahrungsſaftes und feine Vertheilung, die Affimi-
lation, die Secretion, Fortpflanzung, Wärme: und Licht-Entwicke⸗
lung, fowie Bewegungserfceinungen ; zuleßt die Lebens. Erfcheis
nungen im Entwidelungsgang des Individuums.
Clima und Pflanzenwelt in der Zeit, .
ein Beytrag zur Gefchichte beider, von Dr. Med. €, Fraas, Cehrer
der Chemie zu Schleifheim. Landehut bey Krüll, 1847. 8. 137.
Das iſt ein fortlaufender ſehr gelehrter Text, von welchem
man faft in jeder Periode erfennt, wie fehr der Verfaſſer waͤh—
rend feines Langen Aufenthaltes. in Griechenland fich in die
Formen der griehifchen Sprache einftudiert und eingewöhnt hat.
&: fuht gegen die in der neuern Zeit. befonders durch Link
z
zur Geltung gefommene Anficht, daß ſich Clima und Pflanzen
ſeit der gefchichtlichen Zeit nicht geändert haben, das Gegentheil
zu beweifen, vorzüglich durch. die Gultur, und daß ſich daher be=
fonders in den alten öftlichen Laͤndern eine Art von Erfchöpfung
des Lebens zeigt, welche nicht wieder wegzufchaffen ift, indem
die Wälder ausgerottet und die Bäche nerfiegt find, fo daß keine
Bewäfferung mehr möglich iſt. Deßhalb find aus diefen Laͤn—
dern eine Menge Pflanzen verfhwunden und anders wohin ges
wandert, wobey er Herodot, Hefiod, Theophraft und
Andere fleifig benugt und erklärt. Mit den fnftematifchen
Kamen für die griechifchen hätte er aber etwas frengebiger ſeyn
koͤnnen, weil e8 doch etwas zu muͤhſam iſt, "überall feine Schrift
über die Pflanzen des alten Griechenlands nachzufchlagen,
So durchgeht er Porfien, Mefopotamien, Paldftina, Uegnpten
und fommt fodann ©. 49 zur Gefchichte der Flora des füdlis
chen Europas, dem er auch das s des. Genitivg abſtuͤmmelt,
wie es Mode geworden ift zur Verhunzung der bdeutfchen
Sprache.
Hier betrachtetiernun die Wald-Wegeration, die Miefen: und
die Sutterpflanzen, ‚den. Feldbau und liefert S. 106 -befondere
Nachweiſe uͤber das Verſchwinden oder. Auswandern einzelner,
Pflanzen, wie der Nymphaͤen, ber Sumpfpflangen, ‚und bes Laub⸗
holzes, vorzüglich in Griechenland und Stalien.
Die Schrift iff eine fleißige und ſcharfſinnige Arbeit und vers
dient daher alle Beachtung.
A. Eofta in Neapel gibt mehrere Eleinere Werke Heraus,
wovon wir fchon mehrere angezeigt haben. Er hat befannt-
lich mehrere junge Talente vereinigt, um fie zur Bearbei—
tung der Naturgefchichte zu veranlaffen. Diefe nennen fich
Accademia degli Aspiranti naturalisti und geben feit einigen
Jahren Zeitfehriften heraus unter der Leitung von Profeſſor
O. Coſta. Bis jest find ung folgende zugefommen::
Essereitazioni accademiche
degli aspiranti Naturalisti, diretti dal Dr. O. Costa, Prof.
zool. Napoli, Azzolino. I. 1839. 8. 68. tav. 3. U. 1. 1840. 142.
tav. 6. col., 2..1842.187. t. 4. col.
Man muß dem DVerfaffer für diefe Anitalt vielen Danf zuer-
fennen. Sie gewinnt nicht: bloß. der Wiffenfchaft tüchtige junge
Leute, welche fonft vielleicht in der Welt verirrt wären, ſondern
fie. befördert auch: wirklich die Naturgefchichte und beſonders bie
non Neapel, wo mehr als anderswo befonderd über Die Meer—
thiere gearbeitet werden kann. : Das haben beſonders Poli und
Chiaje durch Werke bewieſen, welche Fein anderes. Volk auf—
zumeifen im Stande‘ iſt. Die Bfleger der Wiſienſchaft find aber
noch nicht hinlänglic) im Königreich beyder Sieilien zur Bewäl—
tigung des Reichthums ſeiner Natur, ſo wie des Tadels, den ſich
die Erſchlaffung in der dortigen Literatur in ganz Europa zuge⸗
zogen hat. Gewiß muß die Regierung in Neapel und Sicilien
viel. mehr für die: Wiffenfchaften und: demnach für ihren Ruhm
thun, als fie thut. Großentheild find: es Fremde, welche fich
den Ruhm aus der. neapolitanifchen Natur holen, während: ihn
billigerweife Die Landeskinder des Königreichd vorwegnehmen ſoll⸗
ten. Dazu ‚hätten ſie ein doppeltes Hecht: einmal vom Boden
und das zweyte Mal von den Talenten, mit denen. das glüskliche,
Italien überhaupt verfchwenderifch auögeftattet ift, die ſich aber‘
jest nicht felten auf unmögliche Dinge verirren, weil jte auf Der
393 :
geiftigen Bahn der Wiffenfchaften nicht unterftüßt und geleitet
werden. Ruhe in einem Lande kann nur feyn, wenn geiftige Be⸗
ſchäftigung ift und zwar in allen. Gliedern deffelben. Die Ruhe
führt zur Langeweile und Die Langeweile zu Dummheiten, wenn
nicht zu DVerbrechen. Materielle Beſchaͤftigung reicht nicht: denn
der Leib ift nur Diener des Geiftes,-und bleibt bald liegen oder
kugelt bergab, wenn er vom Geifte nicht polarifiert wird. Wir
wollen und daher freuen, daß in Neapel die Wiſſenſchaften ge:
genwärtig von mehreren gepflegt werden, als früher: denn was
ſie arbeiten, kommt nicht bloß ihnen zu gut, fondern auch ung.
Die Abhandlungen dieſer Zeitfchrift tragen natürlich ein jugend»
liches Gepräge, betreffen jedoch meifteng wichtige oder neue Ge—
genftändesz auch find darunter Abhandlungen von Altern Natur:
forſchern. Auszüge können wir nicht wohl geben; indejlen den
Innhalt.
S. 14. U De Martino: Ein neues Infufionsthier: Po-
terion mazetti t. 1.
Aus den dortigen Bächen; ein aus Bläschen zuſammengeſetz⸗
ter Körper, welcher endlich platzt und eine Menge Diatomeen
uſw. herausläßt.
©. 24. Achilles Coſta, zwei neue Falter T. 2. ſchwarz:
Satyrus beelzebub; mahnt an Hipparchia alector; Unicolor;
atrofuliginosus; alis postieis subtus aterrimis; antennarum
clava parvula, inferne albida. Ornix columbaepennella,
alis anticis margaritaceis, maculis trigonis marginalibus
plumbeo - auratis, fuscoque irroratis, punetisque nigri-
cantibus majoribus; capite, palpis pedibusque margari-
taceis; oculis. fuseis,
©. 31. P. Corigliano: einiges Über die Inſecten bey
Reggio, ein Verzeihniß von etwa 70 Kerfen; ausführlich be—
ſchrieben Pyralis phocnicis; brunnea, fronte faro, alis
superioribus fusco cinereis margine postico striatis; in-
feriobus albicantibus fusco marginatis t. 2. fig. 4.
Lebt in den Datteln, welche von Malta Eamen. Die Larve
ſcheint im Samen: zu leben, fo lang er weich iftz nachher lebt
fie vom Fleifhe der Frucht; fie fraß auch weiße Maulbeeren.
Der Verfaffer hat fie auch aus Africa erhalten,
©. 39. ©. Tommafi und U. D. Martino, neue
Unterfuchungen über die Organifation der Luche I. 3. Ein:
geweide der Eidechfen, Ausführlicheres Uber das Ohr.
Volume Il. Parte 1. 1840. 142, t. 6. col.
Enthält die phyſiſche und oͤconomiſche Statiſtik der Inſel
Capri.
©. 11. P. La Cava, Geologiſches über die Inſel T. 1.
Verſteinerungen.
©. 23. ©. Pafquale, die Flora dieſer Inſel T. 2.
Medicago caprensis.
©. 54. Die Fauna der Inſel. Einige Haarthiere und
Vögel, Lacerta muralis, Gecko parietum, Coluber atro-
virens et Bufo variabilis; Ciniges über Fifche; mehr über
die wirbellofen Zhiere von A. Cofta. Darunter Testacella
haliotidea t. 5; Doris tenera t. 5. Glaucescens , lineis
croceis flexuosis supra subtusque exarata, pallii margine
lineis duabus eroceis, taeniaque media coerulescente arti-
culata cincto; pede pallidiore.
Tritonia acuminata t. 5: pallide flavescens, rubro
marmorata, posterius acuminata, branchiis 26.
Fusus lineolatus n. — Fissurella caprearum n: Chiton
rubicaudus n. (Egypte pl. 3. fig. 6?) var. Ch. laevis t. 3.
fig. 4. hujus.
Sfis 1847. Heft 5.
394
Ch. affinis n. t. 3. fig.‘1. — Ch. alternans n. t. 3.
fig. 3. — Ch. pulchellus n. fig. 2.
Alepas minuta t. 3. fig. 5.
Crustacei: Ebalia elegans n. t. 4. fig. 4. — Maja
ambigna fig. 6. — Rocinela mediterranea fig. 2. — Ido-
thea atrata fig. 7. — Phyllosoma parthenopaeum fig. 3.
Obisium megachelum n. t. 4. fig. 1: Corpore oblongo,
rubro, cephalothorace piceo, segmentisque abdominali-
bus supra fuscescentibus, pedibus pallidis, palpis magnis
turgidisque.
Phalangium spisipes t. 4. fig. 5. a: Viridi flavum,
rufo-fusco maculatum; abdomine subcordato postice acu-
minato, tubereulo vculifero spinis octo armato.
Larentia satyrata t. 6. fig. 2. Hübner t. 86. fig. 439.
Fidonia plumbeolata n. t. 6. fig 4. col. — Oecophora
pavoniella n. fig. 1. Pterophorus flaveodactylus n. fig. 3.
©. 88. M. Garbone, über den Aderbau.
©. 109. ©. Cioffi, Statiftik.
©. 132%. D. Cofta, Meteorologie,
Volume II. Parte II. 1842. 187.
©. 7. Die Statuten der Academie.
S. 15. ©, Tommaſi und de Martino, anatomifche
Bemerkungen über Petromyzon marinus t. 1. Kopf, Gehöror:
gan, Nieren,
©. 25. ©. U. Pasquale, Flora vesuviana.
©. 67. ©. Avellino, über die Reizbarkeit der Gefchlechtg:
organe einiger Pflanzen. Mimulus, Portulaca.
©. 76. G. U. Pasquale, Über einige phyſiologiſche Er:
foheinungen bey zwei Pflanzenfippen. Bewegung der Staubfä-
den bey Erythraea, der Samen bey Oxalis.
©. 81. A. Cofta, über die Forfieulae beider Sicilien,
F. gigantea, marginella, maritima, aurieularia, biguttata,
minor, orsinii, pedestris, decipiens, acanthopygia.
©. 89, Derfelbe, über Janthina. XTaf. ill. mit Anato—
mie, (diefelbe in D. Coftas Fauna), Gefchichtlihes; dann
Zerlegung von J. bieolor. Der Schwimmapparat befieht aus
einee Schicht leerer Bläschen und einer aus Eyern. Schon
befchrieben von Carburio im Opuseoli di Venezia Ill. 1757.
Gattungen find aufgeführt mit den Synonymen. 1) J. bicolor
(penicephala), 2) communis (nitens, prolongata, globosa),
3) exigua. Abgebildet Thier, Eingeweide, Nerven, Schwimm-
apparat. Die Erklärung der Fig. 5 iſt vergeffen.
©. 113. 9. La Cava, Über das Ausblühen des Koch:
faljes am Befuv.
©. 129. U. Coſta, merfwindigere Qualſter in Sicilien.
T. 3. New find beſchrieben: Nabis major flg.,' Acanthotho-
rax n. (Zelus) siculus fig. Syromastes longicornis, Pachy-
eoris hirtus, Capsus aetneus fig., Pachymerus subery-
thropus,
©. 148. ©. A. Pasquale, über die Ranken.
©. 168. Zommafi, Beobachtungen über die Entwide:
lung der Eyer deg Rhizostoma t. 4. Ich fand die Eyer auf
der unferen Fläche des Hutes in den Gefäßen felbft; fie ent:
ftehen jedoch in der befannten Wand zwifden Magen und
Urhemhöhle, die enttwicelteren am Rande und am Centro;
darum Eleine bewegliche Kügelchen; fie ändern ihre Form, zei—
gen Feine Keimſchicht und fein Keimbläschen.
©. 178. O. Cofta, Beobachtungen über Noetiluca
tintinnabulum t. 4. fig. 7; Bemerkung zu Petromyzon ma-
rinum ; Anatomiſches.
tab. 4. in 4°.
23°,
=
395
In demfelben Jahr begann das
Bulletino dell’ Accademia degli aspiranti Naturalisti
pag. 156. f
worinn die Verhandlungen in den Sitzungen bekannt gemacht
werden, die Gefchenfe, beſonders an Büchern, Reifen, Eleinere
Enidekungen.
©. 24. DVincenz Tenore, Beftimmungen von Fumaria
alexandrina, major, gasparinü, calycina, petteri.
©. 34: A. Coſta, entomologifhe Bemerkungen; mand)
MWichtiges über Lebensart, Unterfchiede ufw.
©. 37:8. Giordano, über Cyelamen repandum et
neapolitanum.
©. 90. O. Cofta legt am 28. Sum eine Zafel vor,
welche in das erjte Heft feiner Frammenti di Notomia comp.
kommt. Sie enthält 6 Abbildungen von Branchiostoma (iſt alfo
verfchieden vonder Tafel in der Fauna). Sie ftellt vor das
Ganze, fodann 6 mal vergrößert, halb zerlegt, fihtbar die Wirbel-
fäule, Musfelanheftungen, Lage des Kiemenfads und darunter
der Baucheingemweide miteinigen Blutgefüßen; Fig. 3. das Kopf:
ſtuͤck mit einem Theil des Kiemenfads microfcopifceh, vorftellend
den Kreislauf in den Kiemen und am Leibe; Fig. 4. die Blut:
gefäße der Gefchlechtstheile und. das: Gefäßnes auf der: Leibes-
fläche bis zu den feinften Haargefäßen; Fig. 5. die Organifation
der Enorpeligen Bögen, durch welche fich der Kiemenfad bildet,
fehr vergrößert; Fig, 6. Eyerſtock. Fertig ift jeßt von der Fauna
Heft 39. mit Fierasfer, Trachypterus et Trachichthys.
©. 101. A. Eofta fagt, daß im Auguft nach viel Regen
Cebrio gigas in Menge erfchienen fey.
Sm 1843 erfchienen nun:
Annali del’ Accademia degli aspiranti Naturalisti,
editore G. Avellino, wovon bis jest 12 Hefte in unfern
Händen find, 8%, 413 und 47, welche eigentlich eine Fortfegung
der Essereitazioni und des Bulletino’s find.
©: 7. P. La Cava, Über den gegenwärtigen Zuftand des
Veſuvs; wiederholt fortgeſetzt.
©. 11. U Coſta, Unterſuchung zweyer Verſteinerungen
aus dem Placentiniſchen. Ein 14" langes und *“ dickes
fhwarzes Stud mit Schuppen bedeckt wie eine Schlange, mie
Coluber elaphis.
©. 37. Derſelbe, über die Entwidelung und Erfcheinung
der Kerfe um Neapel. Ein großes Verzeichniß von Monat zu
Monat, welches wiederholt fortgefegt wird.
©. 71. 8% del Groffo, über den Terpentin-Alcohol oder
den Liquor zur Beleuchtung. *
©. 92. NR. Pafamifi, Zerlegung einer, Mißgeburt mit
einer Abbildung, welche :unferm Cremplar fehlt, was bey ita-
lienifchen Büchern: nicht ſelten iſt.
©. 106. S. Zommafi, ‚über die Urformen der organi-
fhen Wefen, Globuli et Vasa.. ®%. Dorotea ſagt, es
feyen deutfche Ideen, nichts werth.
©. 134. D. Cofta, »Befchreibung von Callithamnion
hyaeinthinum.
©. 187. A. Cofta, über, die Bedeckungen ber Synapke
(Holothuria).
©. 148. G. Avellino, über Hibiscus hakeagkolins
s. multifidus.
S. 179. Ude Martino, über das Gehörorgan der Foͤſche.
©. 194. P. La Cava, neue Subſtanz im Faſerſtoff eines
Pleurxitiſchen; ſoll Pseudo-Protein heißen.
©. 205. A. Coſta, Omalisus sanguinipennis.
396
©. 209. 2. Pigliacelli, über die Kohlengrube im Valle
San Giovanni in den Abruzzen.
©. 231... R. Napoli, Zerlegung der Corallina’ offieina.
lis. Enthält keinen Stiejtoff, aber Phosphorfäure und viel Jod.
©. 238. U O. De Meis, über Hirn= und Ruͤckenmark;
Phyſiologiſches.
S. 277. G. Avellino, uͤber Pastinaca latifolia und
die Eßbarkeit ihrer Wurzel.
©. 233. Th. von Heldreich, neue, Pflanzen ‚Sicilieng,
Helianthemum 'nebrodense; _Helichrysum nebrodense;
Centaurea parlatoris; Lithospermum gasparrini.
©. 293. A. Cofta, Monographie von Ophthalmieus. —
P. grylloides, erythrocephalus, ‚albipennis, pallidipennis ».;
lineola n.
©. 317.
ovalen Koche.
S. 325. U Bruni, über den Aderbau des Gutes Bar:
letta. Dafelbft wird angepflanzt: ' Weizen (Grano), Haber
(Biada), Saubohnen (Fave), Erbfen (Piselli), Xinfen, Teig:
bohnen (Cicerchie), Kichern (Ceci), Vitzbohnen (Fagioli),
Baumwolle (Gossypium siamense et herbaceum), Wunder-
baum (Rieino), Reben, Delbaum, Mandeln, "Feigen, Johannis⸗
brod (Carrubbi), Kirſchen, Apricofen (Albicocchi), Pflaumen
(Susini), Percoechi, Pfitfihe (Peschi), Birnen, Aepfel,
Quitten, Granaten, Maulbeerbaͤume; vielerley Gartengewaͤchſe,
wie Kohl, Salat, Möhren, Goldaͤpfel ufw.; viele Capern wild.
Dann ein Verzeichniß der Pflanzen nach dem Iinneifchen Syſtem
von ©. 368 3884.
©. 393. L. Pigliacelli, über den erdharzhaltigen Mer:
gel vom Montorio und deffen Benugung.
©. 401. ©. Avellino, Befchreibung von , Melhania
tenorü — M. erythroxylon,
U. de Martino, über den Bau der Klappe des
Bibliotheca historico- naturalis.
Berzeichnig der Bücher über Naturgefchichte,
welche in Deutfchland, Scandinavien, Holland, England, Frankreich,
Stalien und Spanien von 1700—1846. erfchienen find. Bon Wilhelm
Engelmann. ‚Leipzig bey Engelmann. Band, I. 1846. 8. 786,
Das ift ein ſehr nüsliches Bud, welches reißenden Abgang
haben wird. Es ift zwar foftematifch und alphabetifch geordnet,
und taugt daher nicht zur Anordnung einer Bibliothek: allein
es iſt fehe bequem zur Auffindung der Bücher, welche in einer
Vollſtaͤndigkeit und Genauigkeit verzeichnet find, wie nirgends
wo. Oft felbft der Innhalt der Bände, Verleger und ber
Preis.
Dieſer Band enthaͤlt die Huͤlfsmittel, die Geſchichte und die
Zoologie, welche letztere in die Thierclaſſen abgetheilt iſt. Bey
jeder Abtheilung ſind wieder die innlaͤndiſchen und die auslaͤn⸗
diſchen Werke von einander geſchieden, gut für, den Buchhaͤnd⸗
fer. Unter den Würmern ftehen auch die. Zoophyten. Am
Schluß ift ein Negifter der Verfaffer und eines der Sochen⸗
ſehr brauchbar.
— — —
397
Andeuntung en
aus dem Seelenleben der Thiere von Dr. 8. Schmarda. Wien bey
2 Haas. 1846. 663, 264,
«Es: gibt zwar fhon ziemlich viele Schriften der Art; jede
hat aber ihr: Eigenthümliches und das kann man auch von der
vorliegenden fagen. Sie iff vorzüglich geeignet für: das groͤßere
Publicum, und wird demfelben Unterhaltung und Belehrung
gewähren, » Der Berfaffer hat die Gegenftände in Rubriken
vertheift, wie Unterfcheidung, Raumfinn, Irrthum, Ton, Freude,
Schmerz, Zorn, Begehren, Lebenszaͤhigkeit, Temperatur, Wins
terfchlaf, "Wohnung, Bewegung, Ernährung, Geſchlechtstrieb,
Gefelligkeit, Nahjahmung, Temperament, Klugheit, Zähmung
uſw. Bey allen dieſen Rubriken werden lehrreiche Benfpiele
angeführt.
Derfclbe, Heine Beyträge zur Naturgeſchichte der Infuforien. Wien
bey Haas, 1846. 4. 62. T. 2. ill,
Die Schrift enthält viele Beobachtungen über die Infuſorien
in Defterreich ſowohl des füßen als falzigen Waſſers, morunter
manch Neues und Gritifhes. Woran einiges über: die Farbung
des Maffers durch Infuforien, welche namentlidy aufgeführt
werden:
©. 16. folgen neue Gattungen von Infuſorien, gut befchrie-
ben und abgebildet: Cryptomonas urceolaris, Gyges niger,
Astasia margaritifera, Euglena oxyuris, chlorophoenicea,
ovum, Peridinium adriaticum, tabulatum, Bursaria tessel-
lata, T.istrion n. rostrum.
©. 21. Zur Kenntniß der geographifhen Werbreitung der
Infuforien, welche nun ins Befondere aufgeführt werden. Er
beobachtete um Wien 242 Gattungen, am adriatifhen Meer
113 faft aus allen Sippen. Ueberall wird die Zeit des Fun—
des, der Ort und die Größe angegeben.
©. 52. über die Hüllen von Stentor mülleri, mit Abbil-
dungen. >
©. 55. über den Einfluß des Lichtes auf Infuforien: gute
Beobachtungen.
Fauna littoralis Norwegiae
ober Befchreibung und Abbildung neuer oder wenig befannter Seethiere,
nebſt Beobachtungen über die Organifation, Lebensweife und Entwicke—
lung derfelben von M. Sara, Dr. philosophiae, Pfarrer zu Man—
ger bey Bergen. Chriftiania bey Dahl, Leipzig bey Brockhaus.
Heft L 1846. fol. 9, T. 10. (4 TEL.)
Ein ſchoͤn ausgeftatttees Merk, würdig feines Inhalts. Man
iſt fchon gewohnt, bey dem Verfaſſer nicht blos neue Meer:
thiere zu finden, ſondern audy neue and unerwartete Entdeckun—
‚gen in der Entwidelung derfelben. Davon ift auch die vorlies
gende Schrift wieder ziemlidy reich, und wir bedauern, daf wir
gegenwärtig Eeine vollftändige Darftellung' davon geben koͤnnen,
da wir fie noch nicht eigen haben, fondern nur auf Eurze Zeit
geliehen. Indeſſen ift der Schaden nicht groß, da ein Auszug
ohne die Abbildungen wenig nügen würde und doch jeder, den
es angeht, das Buch felbft haben muß. Der Verfaffer will
durch Ddiefe Hefte nach und nach die Entdedungen der Melt
mittheilen, welche er feit einer Neihe von Jahren gemacht hat,
und zugleih dasjenige aufklären, was ihm in feinen früheren
nn —
s 398
Schriften noch dunkel geblieben 'ift, Die Beobachtungen, find
gemacht zu Florde 12 Meilen, zu Manger 3 Meilen nördlich
von. Bergen, zu Solfwig 14 Meile weftlid, ‚und Gleswaer
3 Meilen füdlich von Bergen.
Der Innhalt ift nun folgender: ;
1) über die Fortpflanzungs = Meife einiger Polypen: Synco-
ryna, Podocoryna (Dysmorphosa),Cytaeis. Befonders über
die Fortpflanzung durch Gemmen, welche bald, dem Muttertbier
ähnlich, bald unaͤhnlich find. und. bald Eyer, bald £eine enthal⸗
ten, daher auch bis jetzt für Eyercapfeln gehalten wurden, “wie
bey den Sertufarien. Einige loͤſen fich ab, andere nicht. Sehr
merkwuͤrdig iſt die Entdedung, daß auch bey ben Quallen
Cytaeis ‘und Thaumantias am Magen: fib Gemmen ent
wideln und ablöfen. Sie find der Mutter unaͤhnlich, gehören
alſo zu dem zuerft bey den‘ Salpen von Chamiffo entdedten
und von Steenftrup weiter. aufgefundenen Genetations-Wech—
fel. Das ift Altes ſehr huͤbſch abgebildet auf Taf. 1, 2
und 4. Der Verfaffer führt auf: Syncoryna sarsia, Podo-
coryna carnea n., Perigonimus muscoides n., Cytaeis
octo-punctata n.
2) Beichreibung der‘ Pennatula borealis ©. 17. &. 2.
Genaue Befchreibung nad einem Stüd in Branntwein.
3) Beobachtungen über die Lucernarien ©. 20. X. 8. Ana:
tomie und Rebensart. Haben Eyerſtoͤcke in den Strahlen, aber
feinen Darm, wodurch fie fih von den Actinien und Meerfter-
nen unterſcheiden; ihre Stelle daher. ſchwer anzugeben. Sie
freffen kleine Schneden, und abgefchnittene Stüde leben ehr
lang. Sie follen als eigene Gruppe neben den Actinien
ſtehen, ſchließen ſich übrigens durch die Gefchlechtstheile an die
Quallen. Der Verfaffer führt auf: L. quadricornis (auri-
eula F. et fäseicularis), aurieula R.(octoradiata), cya-
thiformis n. Die Abbildungen’ auf Taf. 3.
4) über Arachnactis’ albida n., einen fhwimmenden Po—
Inpen, mit zwey Reihen ſehr dider Fuͤhlfaͤden ©. 28. T. 4;
ftebt den Actinien fehr nahe.
5) Von einigen Nöhrenquallen ©. 31.
Man bat’ bis jest noch Feine dergleichen an Norwegen ges
funden.
Agalmopsis elegans n. 2. 5 u. 6.
Mird gegen 2" lang. Ausführlich beihrieben und fehe lehr⸗
reich, weil er unverfehrte Stüde befommen hat, während
man früher nur Bruchftüde hatte. Cuneolaria, Gleba, Pon-
tocardia, Polytomus et Plethosoma find nur Schwimm -
oder Knorpelftüce. Aufer den Eyerftöden hat der Verfaſſer
auch Samenblafen entdedt, alfo Zwitter; dabey neh Gemmen
der Mutter unaͤhnlich.
Diphyes truncata n. ©. 41. 2. 7.
D. diloba n. ©. 45. 8. 7.
Jeder Beytrag zu diefer fonderbaren, kaum begreiflihen Sippe
ift danfenswerth. Diefe Thiere befommen allmählich) Sinn
durch die vorhergehenden. Sie find gleicyfam Agalmopsis mit
ſehr wenigen Schwimmftüden. Der Verfaffer erklärt hier die
von Mehen für Everftöde gehaltenen Bläschen’ für ber Mut:
ter unähnliche Gemmen, alfo Generationswechfel wie bey Zus
bularien, Gorpneen und Sertularien. Der Verfaffer entdedte,
daß die Jungen zwiſchen zwen Strahlen eine Art Stiel haben
wie die Enerinen, mit dem fie ſich feftfesen koͤnnen. Dieſer
Stiel bezeichnet den Hintertheil der Meerfterne und das Kalk:
blättcben fcheint ſeyn Ueberbleibfel zu feyn; Beftätigung von ber
Anfiht von Agaffiz, daß die Meerfterne ſymmetriſch find.
309
Die Ever werden von der Mutter ausgebrütet zwifchen ben um
den Mund geſchlagenen Strahlen, kommen alfo wahrfcheinlich
aus Löchern um den Mund. Ersaea ift nur ein Stud
von Diphyes.
6) Beodadytungen über die
Echinaster sarsii T. 8.
Asteracanthion müllerii n. ©. 56. T. 8.
Die Meerfterne find getrennten Geſchlechtes.
Dotter wird in den foetus verwandelt.
7) Beobachtungen über die Drganifation und Entwidelung
der Sulpen ©. 63. Salpa runcinata T. 8. 9. Sehr aus:
fuͤhrlich, befonders der merkwürdige Generationswechlel, überein:
ffimmend mit Chamiffos Beobachtungen. Salpa spinosa
©. 79. T. 10.
S) über einen durch Quertheilung proliferierenden Ringel:
wurm, Filograna implexa 3. 86. T. 10. Alſo wie die
Naiden.
9) Beſchteibung des Oligobranchus (Scalibregma) roseus,
einer neuen Form der Rüdentiemen-Würmer ©. 91. T. 10.
Steht zwifchen Aricien und Arenicolen.
Wegen der vielm und für die Entwidelungsgefhichte fo
wichtigen Entdedungen hat die philofopbifche Facultät von Zürich
causa faffer im. Sommer 1846 die Doctorwürde honoris
den Verertheilt.
Entwidelung der Seofterne,
Der ganze
Darftellung
der Geftalt-Entwidelung des menfhlichen Organismus. Ein Beytrag
zur Gntwidelungsgefhichte des Menfchen, von Dr. Chriftoph
Schmidt. Mürzburg bey Voigt. 1846. 8. 104. T. 1. in fol.
Es ift gar £ein Zweifel, daß die Phitofophie nur zur Wiffen:
haft gelangt durch die Belebung der Mathematik d. h. durch
die Nachweifung, daß die Natur felbft nichts anderes iſt, als
die Erfcheinung der Zahlen und Figuren, welche felbft nichts
anderes, als Ihätigkeiten find, und mithin die Ideen oder Geifter
der Dinge, wie wir es feit Subren in unferm Lehrbuch der
Natur-Philefopbie begreiflih zu machen gefucht haben. , Dahin
ift aber der Weg noch fehr weit. Im der gelehrten Welt
zeigt ſich noch feine Ahnung. von der Sdentität der Mathema—
tiE mit der Natur. Mur drey Männer find uns befannt,
welche fie begriffen und darzuftellen gefucht haben: Johannes
Wagner, Schübler und der Verfaffer. Es wäre un:
billig zu verlangen, daß fie es Überall follten getroffen haben.
Der Verfuh dazu, dag Dringen auf eine folche Behandlung
ift ſchon aller Ehren werth, und wenn auch die angegebenen
Parallelismen divergieren; fo geben fie doch Fingerzeige, wornach
Andere ſich richten koͤnnen. Darum werden, auch die Darftel:
lungen des Verfaſſers nicht ohne Erfolg. bleiben, fondern Anz
dere ermuthigen, auch diefe Bahn zu wandeln, worauf: diefer
und jener das Rechte treffen Eann.
Ben diefen allgemeinen Bemerkungen muͤſſen wir. ziemlich in
Bezug auf die vorliegenden Schriften fteben: bleiben, da ein
Bericht Über deren Innhalt kaum zu machen ift, wir auch wire:
400
lich nicht im Stande find, diefen Innhalt zu beurtheilen, da
ung, wie gefagt, die Nachweifung der. Naturthätigkeiten und
Formen in den mathematifchen Problemen und Figuren nod)
auf Feine Meife hat gelingen wollen. Wir haben zwar ſchon
in unferem Schriftchen (Ueberficht der NatursPhilofophie und
der damit entitehenden Theorie der Sinne. Frankfurt: bey
Eichelberg. 1802.) einen folchen Parallelismus verſucht,
und die Linie als dag Schema der Zeit, den Kreis als. das des
Raums, die Ellipfe als das der Schwere, die Parabel als das des
Magnetismus, die Hyperbelals dag des Electrismus uſw. dargeftellt:
da wir aber diefen Parallelismus nicht durchführen konnten; fo
ließen mir denfelben im Lehrbuch der: Maturphilofophie 1809
weg. Der Berfaffer verfucht eg: nun auf eine andere Weiſe,
und wendet fich in feiner erſten Schrift fogleich zum Drganis:
mus und zwar zu deffen Grundgewebe, nehmlich dem Bläschen,
worinn er, wie jest alle Phyfiologen mit unferer Lehre in dem
Buche von der Zeugung 1805 übereinftimmen, die Sache aber
theils anders angreift, theils weiter führt, und fogleih auf den
Menfcben anwendet, was ohne Zweifel vihtig ift, aber doc)
mehr ftuffenweife hätte durchgeführt. werden follen, Es hätte
nehmlich vorher gezeigt werden follen, warum dag Ey, warum
der Embiyo, warum endlich) der geborne Leib aus fo und fo
viel Blaſen beftehe, und welche ihre, wefentliche Bedeutung feys
Im zweyten Theil, der auch als befondere Schrift zu. bes
trachten ift und: den Titel hat:
Die Geheimniffe der Mathematik und Phyſik in ihrer, Ans
wendung zur Erklärung der. Lebensvorgänge des menſch—
lihen Organismus. Ebd. 1846. 256. Zaf. 1.
befolgt er fchon mehr diefen Gang, ‚indem ev die mathemati:
fben Principien von vorn an entwidelt und die geometrifchen
Figuren, ‚befonders die Kegelfhnitte mit den: phyſicaliſchen Kräf:
ten wie Magnetismus, . Electrismus, Licht, Wärme uf.
parallelifiert, auch das. Zetraeder den. Gryftallen zum Grunde
legt, wie wir in unferer Maturphilofophie 9.454. Dieſe neuen
Verfuhe muß man gewähren laffen. Die Zeit wird fir prüfen
und weiter führen. Der Innhalt diefer Schrift ift fo manch—
faltig, daß, er zu vielen »Ueberlegungen und. Verfuchen “anregen
fann; auch ift die Sprache fehr belebt, hin und. wieder ‚etwas
poetifh. Wir müßen unfere Meynung wiederholen, daß nehme
lih der Verfaſſer fich beftreben follte, mehr ing Einzelne zu
gelangen und die Luͤcken oder Sprünge: in feiner Entwidelung
auszufüllen,
Zum Schluſſe koͤnnen wir nicht umhin, den Derfaffer auf
ein DVerfehen aufmerffam zu machen, das wahrſcheinlich ‚einem
Gedaͤchtnißfehler zuzufchreiben if. Er befchuldigt ung nehmlidy
geradezu ©. 64 da8 Zero für ein baares Nichts ausgegeben zu
haben (denn er kann nur ung mennen, da niemand anders die
Phitofophie auf das Zero gegründet hat), während wir grade
umgekehrt zuerft gezeigt haben, daß weder. das Zero in det
Arithmetik noch der Punct in der Geometrie ein baares Nichts,
fondern ein Act fey und zwar der ewige Uract felbft: $ 58.
und $ 109 Hoffentlich wird der Verfaſſer dieſes Verſehen
gelegentlich zuruͤcknehmen.
E
1.8
1847.
1 eft WM.
Bemerkungen
über die auf einer Reife nach Italien und Sicilien beobachteten
Schmetterlingsarten von P. C. Zefler.
(Bortfegung von Iſis Heft IV. pag. 308.)
Sesia.
Keine der 3 Arten der Coftaifchen Fauna ift mir vorgefom-
men. ‚Die eine, angeblich neue, Ses. nephrotomaeformis,
befpreche ich unter Ses. leucomelaena; ‚die zweite und dritte,
Ses. chrysidiformis und nomadaeformis, fand Cofta bey
Neapel im Juny. — Nambur fennt auch nur 3 corfifche
Arten: Ses. chrysidiformis, anthraciformis ‘und philanthi-
formis. Sc felbft fand in Sicilien folgende. Species:
71. (1.) Loewii Z.
Iſis 1846. ©. 14.
Bon’ diefer Urt, als deren Vaterland bisher nur der Suͤd—
weſtrand Kleinafieng befannt war, fieng ich ein ‚ziemlich verflo:
genes Weibchen am 9. Juny bey Syracus auf dürren, niede:
ven Gemwäcfen des Kalfbodens von Acradina. Shre Stelle im
Syſtem iſt neben Ses. uroceriformis, welcher fie fogar fehr
ahnlich iſt; fie unterfcheidet ſich von diefer in beiden Geſchlech—
tern durch die fehmälere Dueraderbinde der WVorderflügel, den
Mangel rother Schuppen auf derfelben und längs des Innenran—
des bis zur Bafis, durch die weiße Zafterbafis und durch weiße
Vorderhuͤften — außerdem im männlichen Geſchlecht durch die
ſehr ſchmal beſchuppte Vorderflügelfpige, im weiblichen durch den
Mangel eines vollſtaͤndigen Guͤrtels am fünften Hinterleibs⸗
ſegment.
Ihre Diagnoſe muß wegen Ses, uroceriformis und Ses.
ieteropus abgeändert werden:
Ses. Loewii: alis anterioribus maris latius, feminae
anguste hyalinis, marginibus fuscis, 'apice (maris peran-
guste) flavo, fascia nigra; corpore nigro, cingulis tertio
quartoque latis barbaque anal: flavis; pedibus posticis
flavis, femoribus fasciaque tibiarum chalybeis.
72. (2) Uroceriformis..
Treitschke X, 1. pag. 121. et 258.
Boisduval Index Lep. europ. pag. 43. 350.
Alis anterioribus anguste hyalinis, ‚apice late flavo, dorso
faseiaque aurantiacis;. corpore nigro ‚eingulis 3, 4 et 5to
latis barbaque ‚anali flavis; pedibus posticis flavis ‚ femo-
ribus: fasciaque tibiarum chalybeis.
Das von mir gefangene Männcen flimmt mit Treitſchkes
Befchreibung fo genau uͤberein, daß es hoͤchſt ficher. diefelhe Art
iſt. Wegen des nothiwendigen DVergleih8 mit Ses. Loewii be=
ſchreibe ich. es vollftändiger als TreitfchEr.
Iſis 18417. Heft 6,
Der Scheitel hat ſchwarze Behaarung, ber welche ſich die
rothgelben Nadenhaare etwas hinweg legen. Dbergeficht etwas
glänzend, gelblichweiß, befonderd an der Seite. Fühler Eeulen=
förmig (mehr. als bey Ses. Loewii), ſtahlgruͤn, feitwärts hinter
der Mitte fehr wenig blaßgelblich beftäubt, von der Baſis aus
abnehmend gefranzt bis über die Hälfte dev keulenfoͤrmigen Ver:
dickung, am Ende mit einem Vorftenbüfchel. Zafter dottergelb;
das zweyte Glied unten auswärts ſehr reichlich ſchwarzborſtig,
einwärts mehr gelbborftig; Endglied dünn, unten fchmwarz.
Halstraufe gelblih. Ruͤckenſchild ſtahlgruͤn, Schuiterdeden nur
hinten gelb gerandet (Zreitfich£e nennt die ganzen Schulter-
decken hellgelb — ob mit Abficht?), vor der Fluͤgelbaſis ein
gelblihweißer Punct, darunter ein gelber, bis an den Halskragen
verlängerter Fleck. — Von der Hinterflügelbafis her legen fich
dünne, zarte, weißliche Haare um den Rüden bi8 zum Schild⸗
hen. Beine ſchoͤn bellgelbz Worderhüfte und Schenkel blaͤulich—
grau, erftere mit gelbem Außenrande; die vier Hintern Schenkel
ftahlblau, unten zart weißhaarig. Schienen gelb; die 4 intern
nicht fehe durch gelbe Haare verdidt; an der Bafis und ein
breiter Gürtel vor der Spige ftahlolau. Füße gelblih und
ſtahlblau gemifcht, unten mit ſchwarzen Eurzen Stachelborften.
— Hinterleib ſchwarz, faft ohne Glanz, mit goldgelben Gür-
teln; der breitefte auf dem 4 ten und 6ten Ringe; ein fchmäleret
auf dem fiebenten; die Ninge 5, 3 und 2 haben nur feine
gelbliche Hinterränder. Afterbuſch ziemlid) Tang, goldgelb, auf
der obern wie auf der untern Seite mit 2 breiten, ‚glänzend
ſchwarzen Längsftreifen, die ſich an der Spitze vereinigen; die
Mitte iſt obenauf an der, Baſis ſchwaͤrzlich.
Vorderflügel mit ziemlich breiter ſchwarzer Binde auf der
Duerader, bie auswärts. mit feuerfarbenen Schuppen uͤberdeckt
ift (Treitſchke nennt fie goldfarbig, gegen die Wurzel
ſchwarz umzogen); vor ihr reicht ‚ein ſchmaler langer Glasſtrich
faſt bis zur Baſis, wo unter» ihm, durch eine Laͤngsrippe ges
ſchieden, eine feine Glaslinie liegt; hinter ihr iſt ein zugerunde—
ter, mehr der. Laͤnge nach liegender Glasfleck, von drey ſchwarz—
und gelbſchuppigen Adern durchzogen. Vorderrand breit gelb—
braun, nach hinten dunkler; Innenrand erangegelb (bey Treitſchke
hochgelb), einwaͤrts braun begrenzt; Fluͤgelſpitze goldgelb. mit
breiten, braunen Längsadern durchzogen und gegen den Glasfleck
nicht durch dunklere Färbung abgegrenzt. Franzen gelbbraun.
Unten iſt das: Gelb mit lebhafter (Treitſchke) und das
Schwarzbraun an den Adern eingefchränkter, die Franzen aber
brauner.
Hinterflügel Elar, braunadrig, mit fehr fchmalem, gelbbraunem
Nande gegen den Vorderwinkel; Franzen braun, die haarfoͤrmi—
gen: an der: Bafis meiß. Auf der Unterſeite ift der ganze Vor—
derrand und der. ſchmale Hinterrand fo fchon helfgelb wie auf
der Unterfeite der Vorderfluͤgel.
| 96
-
403
Das Meibchen weiht vom Männchen erheblicher ab, als es
nad) Treitſchkes Worten fcheinen möchte. Es ift größer.
Die (übrigens ziemlich ebenfo geftalteten, ungeftanzten) Fühler
find an der Keule auswärts fehr reichlich weiß beftäubt. Schei—
telhanre brandgelb, ohne alles Schwarz. Dbergeficht hell golds
gelb. Zafter goldgelb, ganz ohne ſchwarze Haare. Bruſt
glänzend violett. (Beine nicht verfchieden.) Die goldgelben
Hinterleibsreifen find breiter und vollftändiger; über dag Schild:
chen geht ein zu beiden Seiten erweiterter, und über den zwey—
ten Ning ein anderer, der in der Breite dem des 5ten Ringes
gleichkommt. Afterbufch Eurz, ſtruppig mit mehr Gelb. Auf
den Vorderflügeln ift der Vorderrand heller braungelb, der In—
nenrand lebhafter orangegelb, die feine Glaslinie überziehend.
Die Innenrandhaare der Hinterflügel find hellgelb. Auf der
Unterfeite find die Fluͤgel auf den befchuppten Stellen goldgelb;
die vordern haben über und unter der goldgelben Binde einen
ſchwarzen Strich.
Sc) fieng meine drey Eremplare bey Meſſina; das Maͤnn—
chen flog am MWeftabhange eines Berges beym Klofter Buon
retiro am 10. July an den Blüthen einer Labiate; das eine
Weibchen fand ich an derfelben Stelle am 11. July in ber
Nachtruhe auf einem Grashalmez das zwente Weibchen fieng
ih am 26. July am Gaftellaccioberge um Mittag, als ein hef-
tiger Wind mehte, der e8 mehrmals zu Boden warf.
Sesia erabroniformis, von welder Treitſchke a. a. D.
ſpricht, kann nur mit Ses. chrysidiformis fem. verbunden
werden; daß fie feine Ses. uroceriformis ift, geht aus der
Angabe der Körpergröße (parva) und der Größe des runden
Glasflecks hinter der ſchwarzen Worderflügelbinde (punctum)
hervor.
73. (3.) leteropus nov. sp.
Alis anterioribus anguste hyalinis, dorso apiceque ful-
vescente, fascia nigra aurantiaco-squamata; corpore nigro
obsolete flavo-eingulato, barba anali flava nigraque; tibiis
posticis vitellinis totis (mas). (fem. ignota).
Sie hat ganz die Größe, Geftalt und faft die Färbung der
Ses. uroceriformis, weßhalb id) fie anfangs als Varietät dazu
ziehen wollte. Die Farbe der Hinterfihienen erlaubt dies aber
nicht, und es zeigen fich noch mehrere Verfchiedenheiten. Die
Unterfchiede find aber folgende: 1) die Fühler — bey Uroceri-
formis nur auswärts und fehr wenig gelblich befhuppt — find
hier auswärts reichlicd) und bis weit gegen die Bafis goldgelb:
ſchuppig; einmwärts ‘haben fie auf der Keule einige gelbe Schup:
pen. 2) die Schulterdeden haben einwaͤrts einen big zum Kragen
veichenden gelben Rand; bey Uroceriformis ift er nur hinten
gelb (do vgl. Treitſchkes Befchreibung); 3) der Hinterleib
ift mehr oder meniger reichlich gelb beftäubt ohne deut—
lih ausgedrüdte Binden; nur der vierte Ring hat einen
feinen weißlichen Hinterrand; am Bauch ift noch weniger Bin:
denähnliches vorhanden und die Beſtaͤubung ſchwaͤcher als auf
der Oberſeite; 4) die Innenrandfranzen, die fih um den Hin:
terrlicken legenden Haare und die Schenfelhaare find nicht weiß,
fondern gelb; 5)die Mititelfchienen— bey Uroceriformis ftahlz
glänzend und fhwarz, nur auswärts vor der Mitte und an der
Spige felbft goldgelbhaarig — find hier helldottergelb mit aus—
märts ſchwarzer Baſis und unvollftändigem ſchwarzem Ninge
vor der Bafis; 6) die Hinterfhienen — bey Uroceriformis
goldgelb mit ſchwarzer Balis und breiter ſchwarzer Binde — find
bier einfarbig dottergelb; nur an der Baſis und um bie
404
Enddornen feheint etwas Stahlblau hervor; 7) die Füße find
einfarbig hellgelb mit ſchwarzen Stadyeln, ohne hervorfcheinendes
Stahlblau; 8) der Glasfleck hinter der Querbinde geht queruͤber
und ift von 4 Adern durchzogen und auswärts dunkel gerandetz
bey Uroceriformis geht er der Fänge nah, hat drey Adern
und ſtoͤßt nach hinten nur an gelbe Befchuppung; der Innen—
tand der Vorderflügel und die Spike find auf beiden Seiten
der DVorderflügel dunkler braungelb, und die Spige ift einwärts
gegen den Glagfled braun; 10) der Glasfleck vor der Quer—
binde reicht weniger tief gegen die Bafis; 11) die ſchwarze Binde
der Querader hat nur auswärts etliche rothe Schuppen, und
bey dem teinften Eremplar fehlen fie auf der Dberfeite ganz;
12) die Flugzeit beider Arten ift verfchieden.
Sch fieng meine drey Männden am 30. und 51. Man ben
Syracus jenfeit8 des Anapo in einem trodnen Graben auf der
dort gemeinen ftarfriechenden Calamintha nepeta; fie waren _
behende wie die meiften Sefien. Das Weibchen ift mir unbe:
Eannt geblieben.
Menn von den angeführten Werfchiedenheiten ſich auch nad)
Auffindung mehrerer Eremplare jeder Urt einige als unerheblich
oder nichtig ermweifen follten, fo bleiben doch wenigitens die Farbe
der Hinterfchienen, die des Hinterleibes und die Flugzeit als
fihere Artmerfmale übrig.
74. (4) Mamertina n. sp.
Alis anterioribus anguste hyalinis, marginibus fuscis,
apice Juteis, fascia nigra aurantiaco-squamata; corpore
nigro, cingulis citrinis 4, barba anali nigra flavaque; tibüis
posticis chalybeis medio flavis, tarsis chalybeis flavo-con-
spersis (mas). (fem. ignota).
Das ſehr ſchoͤne Exemplar fieng ich bey Meffina am: 22.
July am Gaftellaccioberge auf der Calamintha nepeta. Es
hat Aehnlichkeit mit mehrern Arten, ohne doch zu diejen gehören
zu Fönnen. 1) Won denen, die ich befiße, ift ihm am: ähnlich:
ſten Ses. eynipiformis. Dieſe hat aber im männlichen Ge—
fhlecht einen ganz ſchmal befhuppten. Vorder- und Innenrand,
namentlich den legten; . die Glasftelle hinter der Binde ift
beynahe bis zum Hinterrande ausgedehnt, enthält 4 Adern und
reicht über die Hälfte der Gabelader hinweg; die Binde felbft
ift ſchmal; die Hinterfchienen find heil dottergelb mit flahlblauer
Bafis, von welcher ein Strich ſich unterwärts bis zu den Mit:
teldornen. zieht, und ftahlblauem, breitem Gürtel vor der Spike;
Hinterfuß hell dottergelb. — Ses. mamertina, hat einen breiten
braunen DVorderrand der Vorderflügel, einen: fchmälern Innen—
rand, wodurd aber der glashelle Keilſtrich ſehr verengt: wird;
die Binde ift viel breiter; der Glasfleck dahinter Elein, länglich—
rund, von drey Adern durchzogen und durch einen fehr breiten
befhuppten Raum vom Hinterrande getrennt; die Dinterfchienen
find ftahlblau, in der Mitte obenauf fchmal, unten breiter heil-
goldgelb und mit hellgoldgelben Haaren an der Spike; Hinter-
fuß ftahlblau, wmeißlichgelb beftäubt. 2) Ses. ichneumonifor-
mis mas bat die Elaren Vorderflügelflede ausgedehnter, auf dem
Hinterleibe ſechs faft gleich breite, goldgelbe Gürtel, hell dotter«
gelbe Hinterfüße und vieles andere Unterfcheidende. — Ses. ma-
mertina hat die Glasflede fehr eingefchränft, auf dem Hinter
leibe 4 hell citrongelbe Gürtel, wovon der zweyte der breitefte,
der vierte der ſchmaͤlſte ift; Hinterfüße mit mehr Schwarzblau
als. Gelblih. 3) Ses. melliniformis, von welher Ochfenb.
2, ©. 154, fowie Lafpeyres nur Weibchen Eannte, ift mir
fowie die folgenden Nummern in natura nid)t befannt; es iſt
4
405.
moͤglich, daß meine Ses. mamertina ald Männchen dazu ge:
börtz; darum werde ich dag von Ochfenheimers Beſchreibung
Abweichende hervorheben. 4)‘Ses. statuiformis Freyer Neue
Beytr. 4, t. 182, fig. 4. bat an der Wurzel helle Fühler, 9
gleich breite und gleich entfernte Hinterleibsgürtel, gelbe Tarſen
und einen ganz ſchwarzen Afterbufch, was alles nicht auf meine
Seſie paft, 5) Ses. nomadaeformis Ochfenh. 2, ©. 167
hat auf dem Nüden zwey gelbe Streifen (d. h. gelbe Innen—
tander der Schulterdefen; bey Ses. mamertina find fie nur
am Ende citvongelb); von den gelben Hinterleibsgürteln ſchließt
nur der mittlere am Bauch zufammen (bey Ses. mamertina
ſchließen die 3 legten zufammen, und der fehfte Ning bat am
Bauche auch eine gelbe Binde); der Afterbufch durchaus ſchwarz—
blau. (bey Ses. mamertina gelb und fehwarzftreifig) ; die Schie—
nen fchwarzblau, am Ende gelb (ben Ses. mamertina ſchwarz⸗
blau, mit unregelmäßig gelber Mitte); Vorderflügel am Innen:
rande rothgelb (bey Ses. mamertina braun, wenig gelbftaubig)
uf. 6) Ses. masariformis- foll unten fchneeweiße Palpen,
einen hochgelben Seitenftreif des Hinterleibs ufw. haben. 7)
Ses. minianiformis Freyer Neue Beytr. 5, t. 402. fig. 3.
©. 35 fann nichts mit meiner Seſie zu ſchaffen haben, weit fie
entfchieden nichts alg Ses. chrysidiformis fem. ift.
Größe faft der Ses. eynipiformis (Länge des Vorderflügels
34", von der Stirn. bis. zur Spise des Afterbufhes 54°),
BVorderflügel etwas ſchmaͤler und. fpiger. Kopf obenauf ſchwarz;
in die gefträubten Hinterfopfhaare find einige gelbliche eingerhifcht ;
hinter den Augen ‚sieht eine oben breit getrennte gelbe
Borſtenkrauſe; das Dbergefiht hat an jedem Auge einen gro—
fen, gelblichweißglänzenden Fled. Fühler ſchwarzblau, unters
wärts ſehr ſchwach geferbt, ‚gegen die Spitze deutlich keulenfoͤr—
mig verdidt; fie find. bis vor die Spitze abnehmend ziemlich
ſtark gefranzt und haben an der Spige ein Borftenbüfchchen und
am Murzelgliede unten einen citrongelben Fleck. Taſter unten
langborftig, auswärts ſchwarz, obenauf ineiner fängslinie
und unten einwärts hellcitrongelb, gegen die Baſis bläffergelb.
— Kragen glänzend ftahlblau ; Thorar ſchwarz, etwas glänzend, auf
dem Vordertheil mit hell gelbbraunen Haaren beftreut. Die Schul:
terdeden endigen mit citrongelben Haarfhuppen,
und ein folher Punct liegt aufder Vorderflügelbafis.
Unter diefer befindet ſich ein verwiſchbarer folcher Fleck auf der ſtahl⸗
blauen Bruft, der fich verdünnt bis zum Halskragen binzieht. Unter
der Hinterflügelbafis ftehen lange weiße Haare, die fi um den
Hinterrüden herum bis auf das Schildchen legen. Vorderhuͤf—
ten ftahlblau, auswärts hellgelb gerandet (die übrigen Glieder
der Vorderbeine fehlen); Mittel und Hinterfchenfel ftahlblau
und befonders die erften unten mit langen, weißen Haaren: bes
fest. Schienen ftahlblauz; die Mittelfhiene bat auf der Mitte
obenauf einen dunfelgelben Haarbuſch, und an der Spige find
eben ſolche Borftenhaarez die Hinterfchiene hat einen citcongelben
ungleihförmigen Ring, der unten bläffer und ausgebreiteter ift,
und an der Spitze gelbe Borften; die Dornen blaßgelb. Füße
ftahlblau, die mittlern unten gelb, die hintern gelbſtaubig.
(Dchfenheimers und Laſpeyres Beſchreibung der, Beine
der Ses. melliniformis fcheinen oberflächlich zu ſeyn). — Der
ſchwarze, etwas glänzende Hinterleib hat vier vollftändige, citron⸗
gelbe Gürtel am 2,4, 6 und 7 Ringe (bey Ses. mellinifor-
mis follen die 4 Gürtel gleihweit von einander abftehen, und
nad) Lafpenres befinden fie fih am 1, 3, 5 und 7 Ringe); der
erfte Gürtel nicht halb. fo breit wie der Ring fchließt nicht um
den Bauch ; der ziwente ift etwas breiter und fließt, fo wieder
+00
Ste und &kte am Baudhe vollftändig; dee Kte iſt etwas ſchmaͤler
als der dritte, und’ diefer fait fo breit wie der zwente. Der
dritte Ring bat am Hinterrande einige gelbe Schuppen und an
der Seite einen Eleinen gelben Fleck, am Bauche aber nichts;
der fünfte Ring ift oben ganz einfarbig, unten aber hat er eine
vollftandige gelbe Binde, Der. ziemlich lange Afterbufch hat
mehr blaufhwarze als gelbe Haare; dieſe bilden obenauf
drey hell dottergelbe Langsftriche, wovon der mitteljte
an der Bafis ſchwaͤrzlich iſt; unten ift der Buſch gelb, an der
Baſis ſchwarz.
Die Vorderfluͤgel ſind am Vorderrande am dunkelſten, violett—
braun, hell goldbraͤunlich beſchuppt, am meiſten und hellſten
gegen die Spitze. Die Binde auf der Querader iſt ziemlich
breit, ſchwarz, auswaͤrts rothgelb; vor ihr iſt ein keilfoͤrmiger
Glasſtrich, der mit ſeiner ſehr duͤnnen Spitze bis nahe an die
Baſis reicht, und unter ihr liegt eine duͤnne kurze Glaslinie.
Hinter der Binde iſt ein laͤnglich runder kleiner Glasfleck, von
drey Längsadern durchzogen. Die breite Fluͤgelſpitze hat dunkle
Laͤngsadern in hell goldbraͤunlichem Grunde; ihr an den Glas—
fleck grenzender Rand iſt ſowie der Hinterrand verdunkelt; Franz
zen bräunlich. — Auf der Unterſeite iſt das Braune dunkler,
das Gelbe alles heller und gegen jenes ſchaͤrfer begrenzt; Vor—
der⸗ und Innenrand ſehr ſchmal hellgelb, dann einwaͤrts ſchwarz—
braun; die Binde enthält hier mehr Otangefarbe als
auf der Oberſeite.
Die Hinterflügel glasartig, braunaderig; Stigma fehr ſchma
und helfarbig.e Der ſehr ſchmale, braungefchuppte, etwas
braun goldig glänzende Nand vor den Franzen erweitert
ſich allmählih und erreicht. feine größte. Breite im Vor—
derwinfel, wo er dreymal fo breit ift mie an der verdicdten
Längsader (Ses. eynipiformis hat nur eine Hinterrandlinie, an
welche ſich die Franzen unmittelbar anfchließen). Vorderrand
ſehr ſchmal gelblichweiß. Franzen braͤunlich; die Haare an der
Baſis des Innenrandes weiß. Auf der Unterſeite iſt der ganze
Fluͤgelrand hellgelb beſchuppt; auch die Baſis des Flügels und
die verdickte Laͤngsader.
Das Großgedruckte weicht am erheblichſten von den Befchreis
bungen der Ses. melliniformis ab, welhe Laſpeyres aus
dem füdlichen Franfreih und Ochfenheimer aus der Dres—
dnner (2) Gegend, befchrieben haben.
75. (5:) Stelidiformis.
Alis anterioribus anguste hyalinis fuseis, fascia atra;
abdominis fusei medii eingulo exalbido angusto in medio
ampliato, fascieulis lateralibus fuseis; tibüs posticis medio
flavido.
Var. a) antennis pedibusque praeter tarsos fuseis.
Ses. stelidiformis Freyer Neue Beytr. 2, t. 182.
fig. 1. ©. 141.
— — Boisduval Index ©. 42. 332.
Var. b) antennis pedibusque einnamomeis (m. fem.).
Zwenerley Dinge machen diefe Art unter den mit verengten
Glasſtellen der Vorderfluͤgel verfehenen fehr Fenntlich: 1) der
feine gelblihe Reifen des vierten Ringes mit der gegen die Hin-
terleibsbafis: gerichteten Verdidung in der Mitte und an jeder
Seite; 2) hinter diefem Reifen haben die zwen folgenden Ringe
an jeder Seite einen gerade, abgefchnittenen Haarſchuppenbuſch;
beym Männden legt er ſich nach dem Tode mehr an und biegt
fi mehr gegen den Bauch, wodurch er weniger in die Augen
fällt; die, vorhergehenden Ninge haben Fürzere und Eleinere
Seitenbüfche.
+
407
Wenn im Allgemeinen feitfteht, daß die Sefien recht gute
und conftantere Artkennzeihen haben, als viele Schmetterlinge
mit bunten Flügeln, fo Elagt doch Freyer bey dev jetzigen Art
zufällig mit Recht Über Veränderlichkeit in den Merkmalen.
Bon Baſtardarten kann aber nach den bisherigen Erfahrungen
bey den Sefien noch gar nicht die Nede feyn. Meine fieben
Eremplare find in der Körpergröße, der Größe der Glasflecke
und der Farbe der Fühler und Beine verfchieden; dennoch find
fie nad) meiner Ueberzeugung nichts als eine einzige Urt, deren
fofte Merkmale oben angegeben find.
Größe ſehr verfchieden. Mein Eleinftes Exemplar, ein Weib—
chen der Var. a) bat etwas über 6, mein größtes ein Weib—
chen der Var. b) 9" Klügelfpannung, und nad) Freyer,
welcher diefer Art die Größe der Ses. spheeiformis ertheilt,
muß es noch viel anfehnlichere Exemplare - geben.
Körper ziemlich ſtark. Kopf ſchwarz und gelblich gemifcht,
die fehwarzen Haare am reichlichften auf der Stirn; bey ber
Varietaͤt b fehlen fie meiftens, und die andere Behaarung if
roſtgelb, das Obergeficht gelblich. Bey einem Minnchen find
die Kopfhaare meift ſchwarzbraun, mit wenigen eingemifchten
blaßgelben. Taſter obenauf hellgelb, unten beym Männchen
viel= und langborftig außer am Endgliede, und daben ſchwarz;
beym Weibchen find fie hier Furzborftig und roftgelb und nur
am Ende des zweyten und an der Spike des letzten Gliedes
mehr oder weniger ſchwarzhaarig; am wenigſten bey Var. b,
wo auc das Noftgelb fehöner und dunfler wird. Fühler ziem—
lich dit, ſchwach Eeulenförmig, an der Spige mit einem Bor—
ſtenbuſch; beym Maͤnnchen find fie kurz- uud dichtgefranzt.
Ihre Farbe iſt ſchwarzbraun', gewöhnlich etwas roſtfarbig oder
zimmetfarben beſtäubt; bey zwey Weibchen ganz zimmetbraunlic)
uͤberdeckt. Halskrauſe voftgelblih. — Ruͤckenſchild braun, mehr
oder weniger reichlich zimmetbraun angeflogen. Die Schulter—
decken baben einwaͤrts ſchmale, hinten erweiterte hellgelbe Näns
der und in der Mitte des Ruͤckens beginnt am Halskragen eine
feine gelbliche Laͤngslinie, die auf der Mitte verſchwindet (unter
der Loupe finde ich bloß bey einem Männchen keine Spur von
ihr). Vor der Worderflügelbafis ift ein heilgelber Punct (mur
ben einem Eremplar der Var. b durch zimmerbraune Schuppen
werdeckt) und darunter ein gleichgefärbter Fleck, der ſich oft
über die Vorderhüfte ausbreitet. Schenkel gelbbraun, die vier
vordern mit duͤnner, hellgelber Kängslinie, die vier hinten unten
haarfranzig. Vorderſchienen einwärts gelblich, auswärts braun;
Mittel- und Hinterfchienen durch Vehaarung verdidt, welche an
der Mitte und am Ende am reichlichften fteht und fich etwas
ansfperrt. Die Mitte der Hinterfchienen ift nebft den Dornen
gelb oder gelblichweiß; das Uebrige ſchwarzbraun oder (bey
Var. b) zimmetbraun. Alte Füße zimmetbrauntich, unten ſehr
ſpaͤrlich kurzſtachelborſtig. — Hinterleib braun, etwas zimmet⸗
braͤunlich angeflogen oder auch ganz mit dieſer Farbe uͤberzogen.
Am Seitenrande des zweyten Ringes find einige gelbliche Schup—⸗
pen wie auf dem Schildchen; der vierte Ring hat am Hinter—
ande den oben beſprochnen gelblichen, ſchmalen Reifen mit feinen
Verdickungen: in der Mitte und an beiden Enden an der Mitte
und an beiden Enden an der Seite des Körpers; er reicht nehm:
lich nicht unten herum. Bey einem Weibchen der Var. b zeigt
ſich auf der Ruͤckenmitte des zweyten und dritten Ninges ein
aelbliches Püncthen. Der Afterbufch ift gelblihbraun mit hel—
tern Härchen; beym Männchen ift er größer, flach und zierlich
berzförmig; beym Weibchen ift er kuͤrzer und bildet ftruppige,
etwas fperrige Haarbüfchel. Bauch heil zimmetfarbig.
408
Die Vorderflügel etwas Eurz, braun, zimmetfarbig beſtaͤubt;
der Fleck auf der Querader breit und tiefſchwarz; davor iſt ein
kurzer, einwaͤrts zugefpigter Strih, und dahinter ein transvers
verfaler, enförmiger Fleck, beide unklar glasartig, leßterer von 4,
beym Eleinften Weibchen von 3 Adern durchzogen. Vor dem
Hinterrande lichtet fich die Farbe, fo daß bey den meiften Ex—
emplaren die Flügelmembran, wenn aud) ziemlich verdedt, ficht-
bar wird. Bey dem Eleinen Weibchen, das die Flecke überhaupt
ſehr Elein hat, ift diefelbe Stelle am Hintertande nur heller bes
fhuppt. Ein Männchen mit gröfern Glasflecken befist aud)
den glasartigen Laͤngsſtrich Tüngs des Innenrandes, der von
dem Mittelftrih nur durd) eine Rippe getrennt wird. Franzen
heller alg die Fläche.
Auf der Unterfeite ift alles mehr mit Gelb verdedt, vorzüg: -
li der Vorderrand. j
Die Hinterflügel find klar glasartig; die Adern, das Stigma
und der fchmale Nand, der fih allmählich gegen den Vorder:
winkel erweitert, find fchwarzbraun; die Franzen gelbbräunlich.
Auf der Unterfeite find die Adern und der Rand etwas gelb-
beftäubt.
Freyers Abbildung ift in mehren Dingen mißrathen, in
andern abweichend , gehört aber ficher zu meiner Art, wie die
Hinterleibsbüfche und die Erweiterung des Hinterleibsgürtels er:
Eonnen laffen. Sie ift mißrathen in der Flügelgeftatt, welche
fie viel zu ſtumpf gibt, in den Beinen, die völlig unnatüchic
geftaltet und geftellt find, und in der Farbe des zwehten Paa—
tes der Hinterleibsbüfche, die nicht grau, földern fchwarzbraun
oder zimmetbraun feyn follte. Sie weicht ab durc) die beträcht-
liche Breite des Hinterleibsgürtels, und da auch ber Text fie
beftätigt, fo zeigt fie, daß unfere Art noch veränderlicher ift, als
ih nach meinen Eremplaren darthun kann. ]
Mo Frener feine Eremplare ber hat, theilt ee ung nicht
mit. Ich fieng die meinigen bey Syracus: die 2 erften, weib—
lihen Gefchlehts, vor der Halbinfel Magnifi am 14. May
zwifchen Gras und Gamillen auf einer ziemlich dürren Fläche;
zwey Männcen und ein Weibchen auf aͤhnlichem Boden nicht
fern vom Gapueinerklofter in Goefellfchaft der Ses. tineiformis ;
mein fchönftes Eremplar (zu Var. b gehörig) am 28. May
im heißen Sonnenfchein an Gras neben der Latomie des Ca-
sale, und ein Maͤnnchen, wirder in Gefellfchaft der Ses. tinei-
formis am 31. May gegen Abend an Grashalmen. Die Art
ift alſo felten und fliegt in der letzten Hälfte des May und in
der erften des Juny.
76. (6.) Schmidtii Zell.
Alis anterioribus anguste hyalinis fascia nigra, dorso
apiceque subminiatis; corpore viridi- nigro, capite, tibiis
anoque sSuperne sanguineis, abdominis 'eingulis angustis
duobus tribusve flavidis.
Ses. Schmidtiformis Freyer Neue Beytr. U, ©. 140
t. 181. hie: 1. i
Ses. Schmidtiformis Boisduval Index lep. europ. p.
43, 356.
Ses. Schmidtellaeformis Freyer I. Beytr. II, ©. 10.
Berichtigung.
Var. a) eingulis abdominis duohus.
Var. b) eingulis abdominis tribus.
Um 19. May fieng ich bey Eyracus jenfeits des‘ Anapo
auf den feuchten Aeckern an Wiefenblumen des Vormittags nach
und nah 3 Weibchen, und am 6, Juny noch ein Weibchen
409
an der Calamintha nepeta. Da ih fie für Ses. chrysidi-
formis hielt, fo wunderte ich mid) darüber, daß fie fo flüchtig
und ſchwer zu fangen waren, indem Ses. chrysidiformis ſehr
traͤge ſeyn fol. Mein Irrthum war Schuld, daß ich diefer
feltnen Art nicht eifriger nachſtellte. Zwey am 19. May ge:
fangene Eremplare find ſchon ziemlich verflogen; das vom 6.
Suny ift fehr fehon.
Boisduval frägt, ob Ses. Schmidtiiformis WVarietät der
Ses. ehrysidiformis ſey. Wer Originale beider Arten vers
gleihen kann, wird Eeinen Augenblic anftehen, diefe Frage zu
verneinen, Das Männchen, das Freyer dargeftellt u haben
ſcheint, unterfcheidet ſich fogleih durch feinen ſchwarzgruͤnen
Körper. Es wird wohl auch die blutrothen Raͤnder der Schul:
terdecken wie das Meibchen haben; Freyer zeichnet wenigftens
zwey rothe Flecke [hinter dem Halskragen, welche die Anfänge
der Raͤnder ſeyn koͤnnen. Ses. chrysidiformis hat (mag
Laſpeyres, aber nicht Ochſenheimer erwaͤhnt) dieſe Raͤn—
der hellgelb. Ses. prosopiformis, die ich nicht beſitze, kommt
unſerer Art wahrſcheinlich naͤher, ſoll aber nah Ochſenheimer
einen unbandirten Hinterleib und eine ungefleckte Bruſt, und
nach Freyer keine rothe Halskrauſe haben.
Groͤße veränderlich, uͤber der von Ses. chrysidiformis; Fluͤ—
gelſpannung zwiſchen 8 und 13". Körper etwas robuſt, ftahl-
grün, auf dem Vordertheil des Thorar blaugrün. Kopf brand»
roth, auf der Stirn mit einigen ſchwarzen Haaren; Dbergeficht
gelbfchuppig. Taſter ſchoͤn gelbroth; das dünne Endglied gelb,
auf der Unterfeite fhmwärzlih. Fühler ohne Auszeihnung in
der Geftalt, ſchwarz, am Ende mit einem Borftenbüfchel. Hals:
Eraufe brandroth. — Rüdenfchild ſchwarzgruͤn glänzend, Hals:
Fragen und Sculterdefen blaugrün, letztere einwärts hellroth
gerandet und in einen rothen Haarbuſch endigend. Schildchen
mit einigen gelblihen Schuppen. Die ſtahlblau und violettlich
fhimmernde Bruft hat vor dem Vorderflügel einen rothgelben
ftrichartigen Laͤngswiſch, und die Vorderhuͤfte hat einen eben
fothen Außenrand. Schenkel ftahlblau, die vordern mit roth—
gelbem Längsftrih gegen die Spike. Schienen blutroth oder
mennigroth, am lichteften die vordern; die mittleren find an der
Baſis und der Spike verdünnt und ſchwarzgruͤn, am übrigen
Theil durch abftehende Haarfchuppen verdickt; die hintern Schie:
nen find am meiften verdidt, an der Baſis ſchwarzgruͤn, vor
der Spike mit einem unvollftändigen, ſchwarzgruͤnen Gürtel.
Dornen lang, dünn, gelb. Füße grünlich fchwarz, auf der un—
tern Seite mit furzen Stacheln. — Hinterleib gruͤnſchwarz mit
2 — 3 hellgelben, dünnen Reifen (nehmlich am Hinterrande des
2, 4 und 6ten Ringes; der am 6ten fehlt den zwey Eleinffen
Meibchen). Vor diefen Reifen und an den Rändern der übri-
gen Ringe zeige fich mehr oder weniger reichliche blutrothe Be—
f&uppung, am meiften bey dem unverfehrteften Eremplar. Der
Afterring ſpitzt fih zu und ift obenauf mehr oder meniger blut-
roth, welche Farbe bisweilen in der Mitte durch eine ſchwarz—
grüne Laͤngslinie durchbrochen wird. Legſtachel gelbbraun, fein-
boritig.
Die Vorderflügel haben ſchwarze, gruͤnglaͤnzende Ränder, die
vor der Binde der Querader einen lünglichen, fchmalen, einwaͤrts
verbünnten und hinter derfelben einen trangverfalen, enförmigen
Glasfleck übrig faffen. Den letztern durchziehen je nad) feiner
Größe 3—5 ſchwarze, rorhbeftaubte Adern. Auch auf dem
eritern laſſen ſich einzelne rothe Schuppen entdeden, und unter
ihm iſt mehr gegen die Flügelbafis ein feiner, durchfichtiger
Langsftrih. Der Innenrand ift an der Baſis 'mennigroth,
Sfis 1847. Heft 6,
410
weiter auswärts nur roth beftäubt, gleichtwie die ganze Flügel-
fpige und der Hinterrand der Binde auf der Querader; der
Vorderrand hat ſtets die wenigften rothen Schuppen. Franzen
gelbbraun. — Die Unterfeite iſt der Dberfeite ähnlich, nur mes
niger rothſtaubig; der Worderrand ift von der Bafis aus reich-
lich gelb befhuppt. —
Die Hinterfluͤgel ſind glasartig, ſchwarzadrig mit ſchwarzem
Stigma und ſchwaͤrzlichen Franzen; die Baſis mennigroth be—
ſchuppt, und ſolche Schuppen zeigen ſich auch in die Innenrand—
franzen gemifcht.
Freyers Abbildung eines von Fiume ftammenden Exem—
plars zeige nur den mittelften Hinterleibsgürtel; ich vermuthe,
daß er den erften und vielleiht auch den dritten überfehen habe,
da beide fhmäler und undeutlicher find als jener. Die Mittel:
ſchenkel fcheinen mir mit Unrecht fo voth wie die Schienen gefärbt
zu ſeyn; fowohl Mittel: als Hinterfchienen find, vorzüglich die
legten, zu kurz dargeftellt. Die Berchaffenheit der Fühler gibt
er nicht an, vermuthlich, weil fie nichts Abweichendes haben.
Freyer hängt wie mancher Lepidopternfammler noch mit
aller Treue am Endungszwange, d. h. an der Meinung, daß
für gewiffe Gattungen und Familien gewiffe Endungen der Nas
men erforderlich find. Diefer Glaube hat ihm ſchon einigemal
ärgerliche Streiche gefpielt, da e8 ihm mißlang, diefe Endungen
mit den Geſetzen der Iateinifchen Grammatik in Einklang zu
bringen. So gefhah es ihm mit dem Namen unferer vorlies
genden Sefie, die er Herrn Schmidt in Laibah zu Ehren
benennen und mit der Zwangsendung verfehen zu müffen glaubte.
Da über eine Sesia Schmidtiiformis gefpottet wurde, fo fuchte
er die Uebereilung dadurdy gut zu machen, daß er den Namen
in Schmidtellaeformis unfhuf. Wenn nun aud fein Ento-
molog, der nicht am Althergebrachten bloß darum hängt, weil
e3 althergebracht ift, dagegen etwas einwenden wird, daß Sreyer
der Zweyte ift, der einer Sefie von ihrer Aehnlichkeit mit einem
Schmetterlinge ihren Namen gibt, wenn man aud darüber
ſchweigen will, daß diefe Aehnlichkeit abfolut gleih null ift, —
da ja die meiften Sefiennamen an dem ähnlichen Fehler labo—
tieren —: fo läßt fich doch die Bemerkung nicht unterdrüden,
die Iateinifhe Grammatik, gleichwie fie an Mutillaeformis,
Typhiaeformis und andern Unbilden Anftoß nimmt, durchaus
Schmidtelliformis, Tineifornis, Tipuliformis erfordert, und
daß der Name Schmidtella nur unter den Synonymen eriftiert
(Oecophora Leuwenhoekella Wiener Verzeichniss. Hüb-
ner. — Schmidtella Treitschk.) und erft wieder einer
noch unbenannten Species -ertheilt werden muß. In meinem
Eremplare des Frenerfchen Werkes ift vom Namen Schmidti-
formis überall die Endung formis ausgeftrihen, wahrſcheinlich
von Freyers Hand felbft. Das ift offenbar das Zweckmaͤ—
Figfte und Einfachfte, was fih in dieſer Sache thun läft. Ich
befürchte aber Freyers ernfte Miftbilligung, wenn ich ihn als
Autor binter die verfürzte Sefienbenennung fehreiben wollte;
indem ich mich felbft dazu befenne, glaube ich feinem Wunfche
am beften entgegenzufommen, nehmlic eine in jeder Hinficht
untabelhafte Benennung einzuführen.
77: (7) Leucomelaena Zell.
Die mit Ses. philanthiformis und tenthrediniformis ver
wandten Arten erfordern eine fehr forgfältige Unterfuhung, alfo
gewöhnlich auch eine fehr detaillierte Auseinanderfegung, wenn
man fie zuverläffig Eennen lernen will; oberflächliche Abbildun—
gen und Motizen, dergleichen wir in mehrern Werken befommen
26*
411
haben, liefern nur ſchwer zu löfende Näthfel und ſchaffen mehr
Verwirrung und Schaden als Nutzen.
Boisduval gibt in feinem Index lepid. europ. pag. 42.
mehrere neue Arten, die ben oben angeführten fehr ahnlich feyn
follen, und deren Unterfchied er mit kurzen Worten samzeigt.
Seine oder vielmehr Ramburs Ses. meriaeformis fol mit
£afpeyres Ses. philanthiformis var. fig. 28. einerley fehn
und Kleinere Glasflede der Worderflügel und. ganz ſchwarze
Fühler haben. Wenn e8 mir nun ſchon nicht recht wabrfchein=
lich iſt, daß die maͤrkiſche Sefie auch in Suͤdfrankreich und
Andalufien fliegt; fo muß Boisduvals Citat fhon darum
falſch ſeyn, weil die Glasflede auf Laſpeyres Abbildung in
der Größe gar nicht von denen der Ses..philanthiformis ab:
weichen. Ueberdies gehören fig. 27, und 28. zufammen, Daß
bey Ses. philanthiformis die Fühler nicht immer weißftaubig
find, weiß Laſpeyres recht gut, und er fcheint ſehr Recht zu
haben, wenn er fagt, daß bie männlichen Fühler bisweilen
einfarbig ſchwarz ſeyen. Boisduvals Ses. meriaeformis mag
aber eine gute Art, feyn, die mit. Ses. philanthiformis die
weißen Stienflede ‚gemein hat und meiner Ses. aerifrons und
Efpers ‚Ses. leucopsiformis fehr nahe fteht. — Sesia my-
siniformis foll an ven Beinen und der Unterfeite des Körpers
mit weißen Haaren bekleidet ſeyn. Soviel id) weiß, haben bie
Sefien nur an der Unterfeite der Schenkel lange Haare; biefe
wird Boisduval gemeint haben. Das Vorhandenſeyn und
der Mangel derfelben kann recht gut verfchiedene Arten bezeichz
nen, die aber fiher noh andre Merkmale der Urtverfchiedenheit
aufzumeifen haben ‚werden. — Unter der linea vertebralis
flavo-pulverulenta, durch. deren Dafeyn Boisduval feine
Ses. tengyraeformis von Ses. tenthrediniformis unterſcheidet,
bat man vermuthlich eine ausgezeichnete, gelbe, ſtreifenartige
Beftäubung auf der Mitte des Hinterruͤckens zu verſtehen; diefe
Species mag von Ses. tenthrediniformis verfchieden feyn, da
fie aus Andalufien ftammt.
Coſta bat in feiner Fauna del regno di Napoli, Lepid.
crepusc. pag. 20. eine Ses. nephrotomaeformis, die er fo
befchreibt: „Alis antieis fusco-nigris, medio hyalinis, lunula
punctoque ınedio nigris, extremitate posteriore subradiata ;
postieis diaphanis, nervis maculaque costali nigris, fimbria
fulva; abdomine nigro immaculato. ‚Das Männden von
der Größe des Culex pipiens, das Weibchen etwas größer und
viel dunkler. — Palpen unten, an den zwey erſten Gliedern
weiß, fonft ſchwarz. Der ganze Körper braunfchiwarz, Die
Schuppen am Schwanz, ziemlid), ‚lang und dunkler, in drey
Buͤſchel getheilt. Vorderfluͤgel ſehr ſchmal, braun und matt,
in der Mitte mit einem ſehr ſchmalen halbdurchſichtigen Raum,
der durch einen ſchwarzen Bogen und einen ſchwarzen, dreyecki⸗
gen Mittelpunct durchſchnitten wird; gegen den Außenrand iſt
der Raum zwiſchen den Adern etwas durchſichtig, woher er faſt
ſtrahlig erſcheint; Franzen ziemlich lang, goldbraun (fulvo) mit
Seidenglanz. Die Hinterflügel ganz durchſichtig; nur die Adern
und die Einfaffung. ſchwarz; ein ſchwarzes Vorderrandfleckchen
bildet dans. Stiama; Franzen wie. an den Vorderflügeln. —
Zuerft befchrieben in den cenni zoolog. per l’anno 1854 —
gefangen im July 1835, [!] ben Piedimonte D’Alife.‘" — Un:
ter der lunula nigra der Vorderflügel iſt offenbar der an den
runden Glasfleck grenzende dunkle Rand der Slügelipige, und
unter dem punetum die Binde der Queraber gemeint. Ueber
die Beine beobachtet Gofta ein tiefes Stillfhweigen. Wahr:
fcheinfich fehlten fie an feinen Eremplaren, und. da er garnichts
— — —
412
von gelben ober weißen Flecken und Linien am Körper mittheilt
ſo vermuthe ich ſtark, daß die Exemplare verwiſcht und veroͤlt
und obendrein fluͤchtig betrachtet waren, ſo daß die gemeinte
Art vielleicht nur in Coſt as Sammlung zu erkennen ſeyn wird.
Da Ses. anthraciformis Rambur Annal. de la société en-
tomol. 1. pag. 266. pl. 7. fig. 7. — Boisduval Icon. 2,
pag. 10. pl. 48. fig. 4. — ganz ſchwarze Zafter hat, fo kann
fie nicht mit diefer Ses. nephrotomaeformis zufammengehören.
Freyers Ses; triannuliformis Neue Beytr. 5, tab. 404.
tig. 2. ©. 35. hat, wie er felbft bemerkt, am meiften Aehnlich—
£eit mit Ses. tenthrediniformis; ihr Hinterleib hat auf der
Ruͤckenmitte eine Längsreihe von gelben Flecken; ihren Haupt:
unterſchied follen aber drey veinfilberweiße Hinterleibsgürtel. ab:
geben. Mir fcheint. jedoch diefe Art, durch ihre Fleckenreihe
nahe an Boisduvals Ses. tengyraeformis heranzuruden
und ſich vielleicht, mit ihr zu vereinigen. Daß Freyer nicht
die Färbung der Bruft und der Taſter erwähnt, wird ‚vermuth-
lic einft als. bedauerliher Mangel angefehen werden.
Im ſechſten Bericht des fchlefifchen Schmetterlingstaufchvereing
1835. ©. 3. ftellt Herr Aßmann eine Ses. meriaeformis
Ramb. (alſo als identifch mit der Boisduvaliſchen) auf.
Seine Angaben über die Farbe der Zafter (weiß), und das
glänzendweiße Fleckchen vor dem Auge, zeigen, daß dieſe ſchle—
fifrhe Species einerley mit Ses. philanthiformis.Lasp. Och-
senh. ift. — Eben dort wird Ses. muscaelormis Esp. t. 32.
fig. 5. (mas) als eigne und von Ses. philanthiformis ver:
fhiedene Art aufgeftellt. Mit der legtern Anficht erkläre ich
mic) für einverftanden, da. die Abbildung und Befchreibung
Efpers gar nichts enthält, was zu den Cigenthümlichkeiten
der Ses. philanthiformis gehört, und was fie von: fig.,6 (lem.)
trennen fol. (Efper findet nur die Hinterleibsguͤrtel der Fig,
6. größer und deutlicher; Fig. 6. zeigt vier, und zwar.den erften
ſchmaͤler als Fig. 5., an welcher dagegen der dritte Gürtel
feptt.) Daß. fie aber fogar von Ses. tenthrediniformis ver:
fhieden feyn foll, kann ich aus den ©. 3. des Berichts gege—
benen Worten nicht erkennen. Sch habe. beide Geſchlechter in
mehrern Eremplaren von 3 Groͤße der. gewöhnlichen Tenthre-
diniformis; ein Männchen ift ein wahrer, Zwerg (Länge bie
zum Afterbufch 27%‘ — beym größten Männchen. 5475.) Die
Fühler an diefen fomohl wie an den großen find. unterwärts
beym Maͤnnchen ſtärker, beym Weibchen fhmwächer gelb beftaubt
(dort heißt es: „gegen die Spike nach unten gelblichweiß, be-
ftäubt ); die Taſter find mehr. oder weniger lebhaft gelb (dort
beißt es: „die Palpen find gleichfarbig", nehmlich der Beftäu-
bung der Fühler). Die Hinterfchienen ‚haben vor, der Spitze
einen ftahlblauen Ring, und die Spige ſelbſt iſt breiter als bey
Ses. philanthiformis mit. gelben oder. tweißgelblihen Haaren
befegt. (Un Ses. muscaeformis Assm. fol die Spike. weiß-
baarig feyn; auch nennt Afmann die Beine ohne nähere Be:
ftimmung weiß.) Das gelbe Feld der Vorderflügelipige iſt bald
breiter, bald fchmäler, ohne daß der runde Glasfleck in der Größe
abändert, indem fich bloß die Breite der braunen Begrenzung
deffelben danach richtet. Die hellen Gürtel d. h. die meißlichen
Hintereänder am 3, 9 und T7ten Ringe treten mehr hervor,
und die gelbe Beftäubung des SHinterleibes verringert ſich, je
mehr das Thier fliegt. . Was alfo diefer Ses. muscaeformis
Assm. vor der Ses. tenthrediniformis voraus hat: nur gelb:
lichweiß beftäubte Fühler, gelblichweiße Zafter, weiße Beine mit
weißer Spige der Schienen, ſcheint mir zur Begründung einer
von Ses. tenthrediniformis verfchiedenen Art nody nicht hin:
E
413
teichend; darauf, daß bie Eleine Ses. muscaeformis Assım.
nur in fast, dichten Eichengebüfch fliegt, iſt wohl nicht viel
zu geben.
Efpers Ses. bibioniformis Sphing. t. 44. fig. 3.4. aus
Ungarn — hält Ochfenh. 2, ©. 179. Anm. 2. für eine mögs
liche Ses. tenthrediniformis var. Diefe Bibioniformis hat 3
weiße, ſchmale Gürtel und dazwiichen auf der Rücdenmitte weiße
Fleckchen, ferner weißgeringte Beine, am Rüdenfcilde zwey weiße
Streifen (d. h. Schulterdedenränder), darunter zwey dergleichen
Duncte (die wohl dag Schildchen bezeichnen?); und einen ein—
farbig ſchwarzen Afterbuſchz; doch follen Varieräten den legtern
weißgefaumt oder auch gelblich gemifcht zeigen. Nimmt man
dazu, daß die im vergrößerten Maafftabe und daher richtiger ge:
zeichnete. Figur. die unbeſchuppten VBorderflügeltheile viel größer
zeigt als Ses. ‚tenthrediniformis, und namentlich den beſchupp—
ten Vorderrand viel zu ſchmal, fo kann feine Frage fen, ob
diefe Ses. ‚bibioniformis nicht eine eigne Art fey. Ueber die
Farbe der Zalter und des Gefichts meldet Efper leider gar
nichts. — Eſpers Ses. leucopsiformis Sphing. t. 41. fig.
5. 6. ©. 25. vereinigt Och ſenheimer 2, ©. 180. gewiß un:
tihtig mit ‚Ses. philanthiformis. Ihr hinterer Glasfleck ift
kleiner und nur von 2 Laͤngsadern durchzogen (bey S. philan-
thiformis von ‚3 oder eigentlich 4), und ihr Afterbufh ift ganz
fhwarzbraun. Dieſe letztere Verſchiedenheit kann ihre Quelle
in einer oberflächlichen Betrachtung oder in dem verflogenen
Zuſtande des Exemplars haben; aber die erſtere, die ſich in der
Abbildung zweymal zeigt, kann nicht gut zufällig ſeyn, und
ſcheint erheblich, weil. auch meine Ses. aerifrons ſtandhaft zwey
Adern zeigt. Mit letzterer läßt fich jene fürs Erſte nicht ver:
einigenz. denn. meine Art bat rothgelbe Kopfhaare und einen
breiten: gelben Rand der Schulterdede, während: Ses. leucopsi-
formis jihn weiß und fchmal zeigt. Gewiß aber: ſtehen beide
Arten fih nahe. Schade, daß Efper über Gefiht und Bruft
ſeines Falters ſchweigt. Man: f. bey Ses. aerifrons,
Sch felbft habe zwey mit Ses. philanthiformis und tenthredi-
niformis verwandte Sefien in der Iſis 1846. befchrieben, nehm—
lich: 1) Ses. trivittata von Stanchio; fie bat bloß gelbe Gür-
tel. und Zeichnungen ‚. blaufhwarze Hinterfchienen mit einem
gelben Fleckchen an der Bafis der obern Dornen, und auf den
Vorderflügeln geibbedecte fehr Eleine Glasflede, den runden mit
zwey Fängsadern. 2) Ses. leucomelaena, von der Küfte Klein—
aſiens. Dieſe ift der Ses. philanthiformis ſehr aͤhnlich, und
ich ‘habe fie von einander forgfältiger zu unterfcheiden, als ich
es früher that, was um fo eher gefchehen Eann, als ich die neue
Urt in Sicilien aufgefunden habe.
Ses. leucomelaena fieng ich nur in drey ziemlich gut erhal
tenen Eremplaren, 2 M. u 1 W., bey Syracus jenfeits des
Anapo auf der Calamintha nepeta, die fie in Gefellfchaft der
Ses. tineiformis: befuhte, am 30. und 31. May. Sie be-
fisen, weil fie fhon etwas geflogen find, weniger Weiß, als die
von Loͤw gefangenen Eremplare. Die Diagnofe (Ifis 1846.
©. 12.) muß verändert werden:
Ses, leueomelaena: alis anterioribus latius hyalinis fu-
seis apice fulvescente; fronte utrimque, palpis subtus
coxisque antieis subtus albis; abdominis nigri eingulis
1— 5 angustis niveis; femoribus subtus albo-pilosis, tar-
sis fuscis.
Var. b) epistomio toto niveo (mas ex As. minore).
Die ficilifchen Eremplare find größer ald das Stanchiotifche
Maͤnnchen (deffen Länge bis zum Afterbufch 4, jener 45," ;
414
des aſiat. Meibchens 35’). An ihnen fo wie den afiatifchen
Eremplaren iſt das Fleckchen auf der Unterfeite de3 Wurzel—
gliedes der Fühler ſchneeweiß, faſt glänzend. Die gelbliche Be—
fhuppung an der Unterfeite dee Fühler ift bloß bey dem aſiati—
fhen Weibchen auffallend; jbey den andern Exemplaren fehlt
fi. Das Obergefiht glänzt braungelblih, außer beym ſtanchio—
tifhen Männchen, mo es bis: zroifchen die Fühler hinauf fchnee=
weiß ift (var. b). Nüffel braun. Die Halskraufe ift ‚oben
gelblich, nad) unten geht ſie in Neinweiß Über. Halskragen
glänzend violett. — Auf der Bafis des Vorderflügels fehlt den Sici—
kiern der ſchneeweiße Punct gänzlich. Alte Eremplare haben
einen fehr feinen, gelben Außenrand der Schulterdeden, alfo
nicht bloß eine gelbe Spise derfelben, wie ich früher angab; er
reibt fich aber leicht ab, fo daß man oft nichts als eine fhwache
Spur durdy die Loupe fiehts einem: abgeflogenen Syracuſer
Meibhen fehlt auch diefe. Bruſt vorn gelblich (nicht weißlich).
Die 4 Hinterfchenfel: find bey allen Eremplaren zufammenges
druͤckt, an der untern Schneide mit ‘weißer, feiner Längslinie
und rein? weißen Haaren daran. Die weiße Längslinie fehlt
aber bis auf geringe Nefte und die Behanrung gänzlich bey dem
afiatifh n und ſyracuſiſchen Weibchen; bey dem legten iſt fie
ſehr wahrfcheinlih im Fliegen verloren gegangen (dies gefchiebt
bey Ses. philanthiformis auch); bey dem afiatifchen iſt dies
aber nicht gut möglicy, da es im Uebrigen zu gut erhalten ift.
— Die Scyienenfürbung, die ich früher nicht genau genug ans
gab, ift an den 4 hintern Beinen folgende: die Grundfarbe: ift
glänzend fhwarzbraun; auf der Außern Seite beginnt bon der
Bafis ein breiter, weißer Streif mit weißen Haaren, der, fid)
erweiternd,. big Über die Mitte reicht, und zwar an den Hinter
fehienen bis über die Mitteldornen hinweg, wo auch auf der
innern Seite fich einige weiße Schuppen zeigen, fo daß bier ein
unausgebildeter Ring entſteht; die Dornen find ſchmutzig braun
und weißlich; die Spigen ‚aller dieſer Schienen find weißborſtig.
Das afiatifhe Weibchen hat alles; Weiß an den Schienen und deren
Dornen viel [härfer begrenzt. und den Ring an. den Hinterfchienen
vollftändiger, wo dagegen. die. Bafis, fehr breit ſchwarz—
braun ift. Alle Füße der Sicilier find glaͤnzend violettbräunlich,
an den Enden ein wenig heller; bey dem ajiatifchen Männchen find
bie 4 vordern auf der Schattenfeite weißlih; am Weibchen ift die
Baſis des Mittelfußes, fo wie die Anfänge aller Glieder
des Hinterfußes glänzend weiß, nur die Außerften des
legten verlofchener. — Die Hinterleibsglirtel, fo:geftellt wie ben Ses.
philanthiformis, geben nur bey dem afiatifhen Weib-
hen um den Bauch herum, und zwar der mittelite am
alter'chärfften. Es bat auch auf dem Afterbüfcheh obenauf zwey
genäherte weiße Längswifche, während die andern Eremplare
nur an den Seiten einen: duͤnnen Strich von halber Lunge
des Bartes haben, unt das verflogene Syracuſer Weibchen gar
nichts Weißes beſitzt. Jenes Weibchen hat auf: der Bauchfeite
des AUfterbufches feinen weißen Strich, dagegen in der Mitte
einen gelblichen; die Männchen! aber zeigen auf jeder Seite
deffelben einen ſtarken, die Bafis nicht erreihenden Wiſch.
Auf den Vorberflügeln find bey den Männchen die ducchfich-
tigen Räume größer als bey den Weibchen; dev Feilförmige reicht
ziemlich weit gegen die Bafis und wird unterwärts durch die
braune Längsader von einer mehr oder weniger langen ‚aber
noch weiter zur Baſis reichenden Glaslinie getrennt; diefe fehle
den Weibchen. Der runde Glasfled ift ziemlid) groß und von
‚vier braunen Adern durchzogen, deren oberfte fich gegen ihr Ende
415
verdidt; am afintifchen Meibchen ift er viel Eleiner, wird von
der dicken Ader oberwaͤrts begrenzt, und hat alfo nur 3 Laͤngs—
adern.
Die wafferklaren Hinterflügel haben einen fehr fhmalen brau=
nen Hinterrand, der fih gegen den BVorderwinfel, wo er am
breiften iff, ein wenig erweitert. Stigma braun. Auf der
Unterfeite find die Vorderränder und die meiften Adern gelblic)
befchuppt.
Aus diefer Befchreibung geht mit bedeutender Gemißheit herz
vor, daß das aftatifhe Weibchen, das ich mit Ses. leucome-
laena verband, eine eigne Art ift, die hauptfächlid das durch
arofe Schrift Ausgezeichnete zu Merkmalen hat; ich nenne fie
Sesia annellata und würde für fie die Diagnofe der Ses. leu-
comelaena wählen mit veränderter Bezeichnung der Zarfen.
Ferner ergibt fich eine Veränderlichkeit der Sesia leucomelaena,
welche fernere Beobachtungen nöthig macht, wenn fie von andern
ähnlichen Arten, die ſich im Süden ſicher noch vorfinden, genuͤ—
gend unterfchieden werden foll.
Ses. leucomelaena mit Ses. philanthiformis zu verbinden,
hindert vielerley. Lestere hat an den Zaftern nicht reines Weiß,
fondern ein Gelblichweiß; der Hinterkopf hat dottergelbe Haare,
die dort fehlen; der Nand der Schulterdeden ift breiter; die
Haare an der Bafis der Hinterflügel und an der Unterfeite der
Schenkel find gelblich; die Tarfen find einwärts gelblich; auf
den Vorderflügeln fehlt an beiden Geſchlechtern die Glaslinie
unter dem Keilftrich, der weiter gegen die Bafis reicht; die Hin—
terflügel haben einen etwas breitem braunen Rand.
Ses. mysiniformis Ramb. Bdv. fol wie Ses. meriae-
ormis Eleine Glasflede haben und kann demnach nicht zu S.
eucomelaena gezogen werden.
78. (8) Aerifrons nov. sp.
Alis anterioribus anguste hyalinis fuscis apice vix ful-
vescente; fronte aenea, capillis vitellinis; palpis coxisque
ntieis albis; abdominis nigri eingulis 1 —2 angustis albis,
arba anali nigra utrinque parum alba.
Var. a) eingulis abdominis albis duobus.
Var. b) cingulo abdominis albo unico.
Var. ce) ut a) sed abdominis linea dorsali albido-
quamata (1 sp. masc.)
s Sie unterfcheidet fib 1) von Ses. philanthiformis haupt:
fachlich durch folgendes: ihr vorderer Augenrand hat gar nichts
Weißes; ihre Fühler find völlig einfarbig ſtahlblau, ihre Zafter
unterwärts reinweiß, ihre Mittelz und Hinterfchenkel durchaus
unbehaart, ihre Glasflecke auf den Vorderflügeln Eleiner, und
der runde ift nur von 2 Adern durchzogen, ihr Hinterleib ohne
gelbe Schuppen außer bisweilen in einer Linie des Mittelrüdens.
2, Ses. meriaeformis Bdv. Index ©. 42, welche durd) £leinere
Glasflecke der Worderflügel und in beiden Gefchlechtern einfar:
bige Fühler von Ses. philanthiformis verfchieden ift, kann vor-
‚läufig nicht zu Ses. aerifrons gezogen werden, weil von ihrer
Geſichtsfarbe nichts gefagt, fie alfo als nicht verfchieden von der
bey Ses. philanthiformis vorausgefest wird. Vielleicht gibt
Ramburs Fauna beffere Auskunft als Boisd uvalg Index.
3) Ses. leucopsiformis, die ihr nächft verwandt zu feyn ſcheint,
würde dem Vaterlande nach (Ungarn bey Dfen) recht gut zu
meiner DBarietät e pafen, weniger nach der Flugzeit (Ende
September), die jedoch ein Irrthum ſeyn kann; allein ihr gan=
jer Körper, alfo auch ihre Kopfhaare, foll ſchwarzbraun und ihre
416
Schulterdeckenraͤnder weiß und (nad der Abbildung) fehr ſchmal
feyn; ferner iſt ihr befchuppter Hinterflügelrand offenbar viel
breiter, Auf die Angabe, daß der Afterbart ganz ſchwarzbraun
fen, ift nicht viel zu geben, da man den weißen Seitenſtrich zu
leicht uͤberſehen, er ſich auch beym Fliegen oder Fangen abge—
rieben haben kann; eben fo wenig darauf, daß die Vorderraͤnder
aller Flügel auf der Unterfeite in der Abbildung braun gefärbt
erfcheinen. So viel ift gewiß, daß, um die Identitat beider
Species zu beweifen, die DVergleihung der Efperifchen Drigi-
nale erfordert wird, die wahrfeheinlich nicht mehr möglich ift,
oder daß fich unter allen europäifhen Sefien feine als mit der
Leucopsiformis zufammengehörig ausweift, eine Gewißheit, die
noch lange wird auf fich warten laffen. Nehmen wir dazu, daß
die Hymenopterngattung Leucospis, und nicht Leucopsis heißt,
daß ferner Leucopsis (mit weißem Geficht) gerade das Gegen—
theil von der Gefichtsfärbung meiner aerifrons ausdrüdt, fo
dürfte wohl wenig Bedenken übrig feyn, ob nicht auch für die
Zukunft der jetzige Name meiner Sefie den Vorzug vor dem
Efperifchen behaupten werde,
Größe einer Eleinen Ses. philanthiformis, veränderlih in
beiden Gefchlechtern (65 — 8" Flügelfp.).. Kopf an Stirn
und Obergeſicht grüns und blauerzglänzend ; die Haare des’ Hinz
terfopfes und die Halsfraufe bis zu den Taſtern herab dotter-
gelb. Tafter reinweiß; das zweyte Glied an der Spige, befon-
ders obenauf, und dag dünne, feinfpisige Endglied ſchwaͤrzlich.
Ruͤſſel ſchwarz, lang. Fühler geftaltet wie bey Ses. philanthi-
formis, ſtahlblau, über der Baſis fehr ſchwach geferbt, übrigens
beym Männchen Furzfranzig, am kürzeften an der Keule gefranzt;
Fühlerfpise mit einem Bürftenbüfchel; dag Wurzelglied unten
mit dottergelbem Längsftrih. — Halskragen erzglänzend; Ruͤ—
denfchild ſchwarz mit wenig Metallylanz; der Schulterdedenrand
in einer ziemlich breiten Linie helldotttergelb. Schildchen ge—
woͤhnlich gelbfchuppig. Bruſt violettglängend ; vom Nande des
Halskragens geht ein heildottergelber, dicker Streif, ſich allmaͤh—
lich erweiternd, am breitften unter den Vorderflügeln, unter den
Hinterflügeln fich verlierend, oberwaͤrts bis zum Vorderfluͤgel
mit fchön violettglänzender Einfaffung. Die Vorderhüften find
von den Zaftern ab am Aufßenrande in einem breiten Streif
weiß, die Hinterhüften obenauf weiß. Alle Beine glänzend hell-
grün erzfarbig. Die zufammengedrüdten hintern Schenkel haben
eine weiße Schneide auf der untern ©eite und daran feine
Haare. Schienen glänzend violettlih; die 4 hinterften haben
auswärt3, und zwar die hintern am meiften, einen Laͤngsſtrich
fhneeweißer Haare; ihre Dornen find weißlih und haben an
ihrer Bafis wenige meißliche Haare. Füße einfarbig, an der
Bafis etwas meißlich; auf der untern Seite find fie Furzftachel-
borftig. — Hinterleib ſchwarz; hinter dem Schildchen find einige
hellgelbe oder weißlichgelbe Schuppen, die fich bey Warietät ec
als eine mehr oder weniger vollftändige Nücdenlinie bi8 zum
Afterbuſch fortfeßen; der erfte Hinterleibsring hat zu jeder Seite
einen weißlichen oder gelblichen led. Der vierte Ning hat
einen fchmalen, veinweißen Hinterrand. als erften Gürtel, der
fid) an jeder Seite verdidt und am Bauche fehr breit unter:
brochen ift. Der fechfte Ring hat gewöhnlich einen faft ebenfo
feinen weißen Gürtel, der gleichfalls nicht ſchließt; wo er auf
hört, fängt der weiße, dünne Seitenftrih an, der am ſchwarzen
Afterbart bis zur Hälfte hinaufreiht und bisweilen faft fehlt.
Der männliche Afterbart ift doppelt fo lang mie dev weibliche,
aber dünner und unterwärts in der Mitte gelblich.
Die Vorderflüget find violettglänzend fchwarzbraun, am dum:
417
*
kelſten auf der Querader, wo ſich zwiſchen den beiden Glas—
flecken eine breitere Binde befindet als bey Ses. philanthifor-
mis ; gegen den Hinterrand iſt etwas goldbraͤunliche Beſtäubung
zwiſchen den dunklern Adern. Der keilfoͤrmige ſchmale Glasfleck
füllt den Raum zwiſchen der Fluͤgelbaſis und der Binde faſt
nur zu 2 aus; unter feiner Spike befindet ſich beym Maͤnnchen
eine ſehr feine Glaslinie, die ſich bis nahe an die Flügelbafig
erſtreckt. Der Länglichrunde, Eleine Glasfleck ift von zwey gelb—
fehuppigen Längsadern durchzogen. — Auf der Unterfeite ift die
Baſis und der ganze Worderrand bis zum runden Glasfled
hellgelb; ebenfo gefärbt find zerftreute Schuppen, vorzüglic vor
dem. Hinterrande, und die Adern des runden Glasflecks.
Die Hinterflügel find‘ glasartig mit braunen Adern; das
Stigma ift bisweilen etwas ſchmaͤler als bey Ses. philanthi-
formis und fowie der Rand braun; diefer ift etwas ſchmaͤler
als bey der genannten Species, und gegen den Hinterwinfel
und die Flügelbafis bedeucend mehr werengt, fo daß er hier faſt
fehlt, während. er bey Philanthiformis redyt gut mit blofeh
Augen ‚gefehen wird. . Franzen braun; Franzenhaare des Männ:
chens an der Flügelbafis weißlich wie die am Hinterruͤcken anz
liegenden, Haare, beym Weibchen weniger rein. — Auf der Un:
terfeite ijt der Worderrand und die dicke vorleste Aber gelb
beſchuppt.
Bar. b ſcheint mir nicht. bloß durch Abfliegen oder durch
Veroͤlung zu entfieben; ich würde fonft bey zwey unverölten
Männden Spuren des dritten Gürtel! entdedten, wie bey einem
verolten Weibchen. Uebrigens iſt dee zweyte Gürtel meiſt etwas
verlofchener als dev. erſte; bey einem Weibchen ift er ganz rein
und faft ſilberweiß.
Dar. ce, ein Männchen, zeichnet ſich durch mehreres aus; die
weißgelbliche Ruͤckenlinie iſt faſt volftändig und ſehr ſichtbar;
der Seitenrand des Hinterleibes hat bis zum zweyten Guͤrtel
bin weiße, zerſtreute Schuppen. Der runde Glasfleck iſt untere
waͤrts über. eine Längsader weg geleitet, wenn aud nur. unbe:
deutend; er. hat: alſo 3 Längsadern, deren unterſte braun iſt.
Meiter als eine Varietaͤt it diefes Cremplar gewiß nichts. —
Gelbe Schuppen als Nudimente der Rüdenlinie zeigen fi) an
mehreren Exemplaren.
Diefe feltne Sefie, von welcher ich nur 12 Eremplare zu:
fammenbrachte, fliegt im legten Drittel des May und der erften
Hälfte des Suny um Syracus an verfchiedenen Stellen: auf
dem Anger beym Capucinertlofter mit Ses. tineiformis; jenfeits
des Anapo in einem trodnen Graben mit Ses. icteropus an
Calamintha nepeta; bey den zwey Säulen des Jupitertempels.
Ein Paar fieng ic auch einige Meilen füdlidy von Syracus am
Vache Caffibile.
79. (9.) Tineiformis.
Diefe Art hat einige Eigentbümlichkeiten, die fie von allen mir
bekannten Sefien, und eine, die fie von den meiſten unterfcheidet.
Ochſenheimer ſchweigt Über das alles, wahrſcheinlich wegen
Unvollommenheit der von ihm befichtigten Eremplare. Die
Schienen find: nehmlich an ihrer ‚Mitterund ihrem Ende, und
das erfte Fußglied der 4 hintern Beine am ihrem Ende mit
einem gefträubten Bufh ven Haarftacheln beſetzt; der Kopf ift
ſehr kurz und transverfal; die Fühler, die ſehr weit auseinander
ſtehen, find vollkommen borftenformig, laufen alſo gegen die
Epige nicht im Geringften keulenfoͤrmig zu, und entbehren
außerdem an der Spige des Vorftenbüfchels (vgl. Iſis 1838,
©. 292). Sollte man darinn eine generifche Trennung ange
Iſis 1847. Heft 6,
418
deutet finden, fo würde Hlübners Gattungsname Paranthrene
zu verwenden feyn (Catalog. 128.). *
Ochſenheimers Beſchreibung ift unvollftändig, die Espe—
riſche Abbildung aber gut. —
Größe ſehr veränderlih (9 —5'" Flügelfpannung). Körper
und Vorderflügel gelbbraun, wenig glänzend. Fühler lehmgelb,
beym Männchen langhaarig gefranzt big kurz vor der Spike,
beym Weibchen nur microfcopifh pubescierend. Die laͤnglich⸗
runden ſenkrechten Augen‘ find am Vorder» und Hinterrande
weißlich oder heilgelblich eingefaßt. Taſter an der Baſis weiß-
li), nad vorn bräunlih; das Endglied mit dunflbräunlichen
nach vorn ‚gefteäubten Borſten verdeckt. Nüffet braun, beym
Meibchen, wie es fcheint, kürzer als beym Männchen. Hinter:
hauptskrauſe roſtgelblich. Ein paar. weißlihe Schuppen liegen
auf der Flügelbafis unter gelblichen Schuppen. ‚ Hinterrand des
erften Hinterleibsfegments an den Seiten gelb und mit einem
ausgebreiteten Buͤſchchen brauner, an der Spige gelblicher Haare
verfehen. Die vollftändigften Cremplare haben den braunen
Hinterleib mit. gelblichen Haarſchuppen bekleidet; meiftens treibt
fi aber die Ruͤckenmitte ab, und erſcheint dadurch braun und
zu beiden Seiten gelblich eingefaßt. Der nicht immer gleichges
faͤrbte Afterbuſch ift gelbbräunlich, am den Seiten bunfler.
Beine gelbbraun, auf der Schattenfeite gelblich; die lehmgelb—
liben Stahelbüfche find ſchon oben erwähnt; fie find am den
Hinterbeinen am ftätkften, an den Vorderbeinen am ſchwaͤchſten.
Die Vorderflügel find gelbbraun, am Vorderrande dunfler, in
der Spige am bellften lehmgelblich, mit dunfeln Adern durch-
zogen. Unterfeite gelobraun, am fehmalen Vorderrande und vor
dem Hinterrande heil gelblich beſchuppt.
Die Hinterflügel glasklar, an den Nindern, befonders breit
am Innenrande, und auf den Adern bräunlich befchuppt. Die
Schuppen des Innenrandes bilden Feine beflimmte Randlinie,
und die Verdunklung des Vorderwinkels Lichter ſich ganz allmäh:
lich nach innen, in Stigma ift nicht durch Befchuppung an—
gedeutet; die Querader ift ganz fen und Elar. Auf der Unter
feite ift die Mehrzahl der Schuppen blaßgelb. Die Franzen find
bräunlihgrau, am Innenrande gegen die Baſis blafgelb.
Das einzelne Weibchen gleiht in der Größe den größten
Weibchen; es läßt fih nur an feinen Fühlern erkennen, da aud)
die Männchen einen breiten Hinterleib und einen ähnlich geftale
teten, nur wenig längeren Afterbuſch befisen. ’
Sch fammelte bey Syracus ber 40 Eremplare, alfe mit Aus⸗
nahme eines einzigen maͤnnlichen Geſchlechts; am 20. und 21.
May traf ich einzelne auf einem duͤrren Unger nicht weit vom
Gapueinerklofter, auf welchem fparliche Difteln und magere, meift
verdorrte Gräfer wuchfen. Hier festen fie ſich auf Grashalme,
waren aber ſchwer zu fangen. An zwey grafigen MWeftabhängen
von Erdhuͤgeln, wovon der eine jenfeit3 des Anapo liegt, und
die beide mit Gräfern, befonderg mit Aegilops ovata bewach-
fen waren, fieng id) die meiften Exemplare am 30. und 31.
* Paranthrene Hübn.:
Caput transversum fronte latissima.
Aniennae setaceae apice nuda, maris fimbriatae.
Palpi apice aculeati.
Haustellum mediocre. h
Pedes mediocres, in tihiarum medio et apice, metatarsi apice
incrassato - Seligerae,
Alae anteriores squamatae, posteriorum venula transversa
nauda. i
Typ. tineiformis,
27
419
May gegen Sonnenuntergang, als der Mind fich gelegt hatte,
und fie zum nächtlihen Schafe an den Grashalmen faßen.
Sie an denfelben zu erkennen, war nicht ganz leicht, wegen ihrer
ähnlichen Farbe und geringen Größe; ihr Fang machte nun aber
gar feine Schwierigkeit. Die Flugzeit muß weit in den Juny
hineinreichen, und die Urt an einzelnen Stellen ziemlich haͤufig
feyn. Die Bezeichnung „in silvestribus“ bey Noffi für Ses.
aselliformis, wenn fie auf Ses. tineiformis gehen fol, ift
fehr ungeeignet und gewiß nicht genau.
Mir Eennen jest Portugal, Montpellier (Ochſenh.), Flo⸗
renz (Eſper) und Sicilien als Aufenthaltsoͤrter dieſer Seſie,
die folglich uͤber die ganzen Nordweſtkuͤſten des mittelländiſchen
Meeres verbreitet iſt.
Sesia brosiformis Ochſenh. 4, ©. 174 ſcheint kleinen
Exemplaren der Ses. tineiformis ganz nahe zu ftehen, wo nicht
mit ihnen identifch zu feyn. Die Ochfenheimerfhe Dia-
gnofe paßt auf fie, und die Beſchreibung bat nicht viel Unver—
einbares. Die zwey weißen Fleckchen zwifchen Rüden und Hinz
terleib Eönnen fehe gut die zwey hellgelblichen Hinterrandflecke
am erften Hinterleibsfegment feyn, die immer heller erfcheinen
als die Übrige Färbung. Die halbdurhfichtige Makel vor dem
Außenrande der WVorderflügel Fann die bey guͤnſtig auffallendem
Lichte etwas durchfcheinende Hinterhälfte der Vorderfluͤgel ſeyn,
weßhalb wahrfcheinlih Hübner (Catalog ©. 128.) „die Schwin⸗
gen ganz dicht beſchuͤppt“ nennt. Die ſchwarzgrau beſtaͤubte
Haͤlfte der Hinterfluͤgel duͤrfte in dem in der Diagnoſe gegebenen
Sinne: alis posticis hyalinis margine lato fusco aufgefaßt
werden. Nur die Bezeichnung der Schenkel: ſchwarzblau, ſtimmt
gar nicht, kann aber durch Abreibung der Schuppen oder andere
Urfachen gewählt feyn. Nehme ich dazu auf den Umftand Ruͤck—
ficht, daß Ochfenheimers Beſchreibung der Ses. tineiformis
auf Eremplare geht (Hinterleib ziemlich fcharf gelblich gerundet,
Afterbuch nur in der Mitte gelb), die er fpäter nicht vergleichen
£onnte, fo finde ich die Annahme einer nechmaligen Befchreibung
derfelben Art unter anderem Namen als nicht ganz unwahr—
fheinlih. Daß fih die Vermuthung nicht ohne Anſicht der
Driginale zur Gewißheit erheben laͤßt, hat feinen Grund darinn,
daß Ochfenheimer die wichtigften Merkmale mit Stillfhweis
aen übergeht. Won Fühlen und Beinen gibt er nichts als die
Färbung; follten fie nichts Auszeichnendes gehabt habın?
Boisduval vermuthet (Index. pag. 42.) unter Sesia asel-
liformis |!) Rossi (Ochſenh. 2, ©. 138.) eine Varietät der
Ses. brosiformis, welche leßtere er beſitzt. Allein Ses. asel-
liformis fann mit großer Sicherheit mit Ses. tineiformis ver-
einigt werden. NRoffis Worte paſſen ganz auf lekztere mit
Ausnahme des collare albicans, wofür beffer flavicans oder
pallidum gefagt wäre, und der Angabe, daß alle Flügel beſchuppt
feyen. Letztere ift ein Irrthum, der entftehen Eonnte, wenn man
eine ungefpannte Ses. tineiformis von der Unterfeite betrachtet,
wo manvauf den Hinterflügeln nichts Unbefhupptes erblidt.
Sphinz.
Die eigentlihen Sphingiden zählt Cofta unter zwey Gat—
tungen auf: Sphinx und Smerinthus. Er £ennt als neapolis
tanifh: 1) Sph. convolvuli; 2) lineata; 3) euphorbiae häu-
fig bey Deranto, Fondi ufw.; 4) galii in Terra d’Otranto
und Calabria ultra. „Bey ung Lebt die Raupe falt immer auf
Euphorbia cyparissias und tithymalus.“ 5) Atropos; 6)
stellatarum gemein und häufig in allen Jahreszeiten ; fie findet
420
ſich innerhalb der Häufer, wo fie fih in Mauerlöcher, hinter
Schränke ufw. verftedt. 7) Oenotherae — 'auf Oenothera
odorata, an der ſich die Naupe ſogleich einfand, alg fie in den ‘
Garten gebracht war. Anmerkung: „Dbgleich der Dleander alle
unfere Gärten ziert und am Rande der Flüffe nahe am Meere
wild waͤchſt, fo habe ich den Schwärmer doch noch nicht geſe—
ben; in Calabria ultra bildet der Strauch dichte Wälder und
ih habe dort fleißig geſucht.“ — 9) Smerinthus tiliae bey
Alife und Gaftellamare nicht gemein; 9) ocellata viel feltner an
den Abhangen des Matefe. — Rambur nennt als corfifc:
Smerinth. ocellata und populi, Acherontia atropos, Sphinx
Elpenor, lineata, Dahlii und convolvuli, Macroglossa stel-
latarum. Sc felbft traf in Sicilien:
a) Macroglossa:
80. (1.) Stellatarum.
Sch traf diefen Schwärmer überall auf meiner Reife. Am
21. Febr. fah ich einen bey Meffina während des Negenmetters
um die Blüthen eines Raphanus fhwärmen, und am 20. Suly
an einer befchatteten Mauer an der dort herabhängenden Va-
leriana rubra eine Geſellſchaft von 3 Schmetterlingen. In
Terracina flog am fpäten Abend ein Eremplar am 23. Auguft
langs der Mauer des MWirthshaufes, und am 24. Auguft ein
anderes ebendafelbft noch vor Sonnenaufgang. Dieſe Art ift
alfo bey Tag und Nacht, bey Regen und Sonnenfthein in
Thätigkeit. Ein Männchen, am 7. Suny in Gefellfchaft der
Macr. oenotherae gefangen, unterfcheidet ſich nicht einmal dur)
die Größe von unfern nordifchen Eremplaren.
81. (2.) Oenotherae.
Zwey bey Syracus gefammelte Weibchen find größer als die
(gezogenen) meiner Sammlung. Ihr Grün ift meniger fchön,
mehr braun; bey dem zweyten ift nur die WVorderflügelbinde
braungrün; auf der ganzen Unterfeite ift gar nichts Grünes,
und die weiße Mittelbinde der Hinterflügel nicht gegen die Ba—
fis f&harf begrenzt von hellem Braun, das nach beiden Seiten
ing Schwärzliche übergeht, an der Bafis felbft aber von reich—
lihem Weiß verdrängt wird.
Am 6. Juny fah ich nach Sonnenuntergang mehrere Exem—
plate, die mit ſtarkem Gebrumm in feuchten Gräben jenfeits
des Anapo fehwärmten und an ein dortiges Eleinblüthiges Epi-
lobium (vielleiht pubescens) Eyer abfesten. Am 7. Suny
fing ich ein Eremplar kurz vor Sonnenaufgang an derfelben
Stelle.
b) Deilephila:
32. (1.) Euphorbiae.
Eine Naupe froh am 29. Juny in Nicolofi auf dem Bo:
den; fie mußte weit hergefommen feyn, da von einer Euphor-
bia ringsumher Eeine Spur war. Sie verfpann ſich fogleich in
einer Schachtelede “mit ſtarken Seidenfäden unter dürren Blät:
tern. Am 19. Suly war der Schmetterling gegen Mittag aus—
gefrohen, ein von dem hiefigen Schwärmer fehr wenig abwei—
chendes Weibchen.
Die Vorderflügel haben in der Grundfarbe eine fehr ſchwache
tothe Beymifchung; der olivenbraune, bindenförmige Streif ift
auswärts durch kurze, Erigliche Strichelhen ſchattiert. Der Fleck
hinter der Querader iff ein wenig größer als gewöhnlich und
fest ſich als ein Wifch etwas weiter gegen die Spige fort. Auf den
41
Hinterflügeln ift die Baſis breiter ſchwarz und dadurch dag rothe
Mittelfeld ziemlich merklich verfhmätert. Auf der Unter:
feite haben alle Flügel ein verlofchenes Grauröthlich zur Grund—
farbe, die Vorderflügel den gewöhnlichen fhwärzlihen Mittelfled,
die Hinterflügel feine Querlinien, fondern im Hinterwinfel eine
flekartige Anhäufung brauner Strichelchen.
83. (2.) Lineata.
Sie fhwärmte am 6. und 7. Suny nach und vor Sonnen=
aufgang in Gefellfhaft der Macrogl. Oenotherae beym Anapo
an Scabiofenblüchen ganz nad der Weife unferer Deilephila
euphorbiae. \
Saturnia.
Coſta kennt als unteritalifh: 1) piri — in den erften Ta:
gen des Aprils nicht felten; fliegt nur Nachts, fist bey Tage
unbeweglih ; 2) spini ſehr felten in Apulien; 3) carpini —
feltner als die vorhergehende, doc) die Naupe bisweilen an Eichen:
und Schlehenfiräuchern haufig. Cofta gibt hier einen langen
Bericht über die Benukung des Geſpinnſtes, wobey er ſich aber
gegen die Anfiht verwahrt, als ob er die Einführung anempfehle;
man habe ja die Seidenraupe; aber da die Pfauenaugraupe
an den Heden ohne Nachtheil für diefelben lebe, fo. koͤnne man
fie neben jener benugen. — Rambur fand in Corfica nur
Sat. piri.
84. (1.) Piri.
Bey Meffina foll die Naupe an Obſtbaͤumen nicht felten feyn?
ih fah ein paar todte Raupen.
Bombyx.
. 85. (1.) Mori.
Um Meffina und Catania wird viel Seidenzucht getrieben.
Die Raupe fah ich in Menge zu Micoloſi im Haufe des
Pascale Gemellaro, meines braven Aetnaführers. Die Pflege,
die man ihnen erwies, war nicht groß; fie befanden ſich in der
Wohnſtube im ziemlicy finftern Hintergrunde, dem Rauche, der
vom Heerde und aus dem Stall fich verbreitete, und dem Dunfte
ausgefest, der von Menfchen und Speifen ausgieng. Die
meiften hatten ihre Gocon3 in den Aeſten und dem dürren
Laube von Quercus pubescens ſchon angefertigt.
Gastropacha.
Bey Coſta finden wir nur 2 Arten aufgeführt: 1) neustria
in Calabria ult. im Bufhe von Roſarno; 2) trifolü. Er
fagt, fie zeige ſich als WVerwüfterinn von Trifol. pratense und
Medicago falcata; daher müffe der Landmann feine ganze Auf:
merkſamkeit darauf richten, die Zahl diefer Falter zu vermindern
oder zu vertilgen. Das Auffuchen der Raupe fey vergeblich,
da fie ſich zwifchen dichtftehenden Pflanzen verberge; ihr Eins
fammeln wäre auch zu Eoftfpielig. Auf den Falter müffe man
im Suny und July Jagd machen [!].
Rambur Eennt ald corfifche Arten: Gastr. quereifolia,
pini, trifolii, quereus [? Spartii?], pityocampa, franconica,
neustria. Sc) felbft beobachtete auf meiner Reife 4 Arten.
86. (1.). Trifolii.
Die Raupe lebt in großer Menge bey Meffina auf der den
Haven bildenden, fandigen Halbinfel; hier bewohnte fie mit ber
422
Raupe von Psyche apiformis die Büfhe von Juncus acutus,
die ihnen. vor dem weidenden Vieh Schus gewährten. Ihre
Nahrung war das zarte darinn wachfende Gras. Am 24. Febr.
traf ich fie in verfchiedener Größe, aber noch Feine ausgewach-
fen. Ihre Farbe und Zeichnung ſchien mir nichts Abweichendes
zu haben. Sie faßen nah einem nädtlihen Negen an den
obern Xheilen der Pflanzen und waren mithin ſehr leicht zu
fehen. Sm April dagegen, als ich ausgewachſene Raupen fuchen
wollte, waren fie verfchwunden; fie ſteckten wahrſcheinlich in den
Büfhen, und da ich mid) ihretwegen nicht bemühen, nament:
lich nicht an den Binſen zerftehen wollte, fo habe ich feinen
Mefiinifhen Schmetterling erzogen; auch fah ich fpäter Feinen
bey Meffina im Freien. — In Macerata im Kirchenſtaate er=
hielt ich auf eine bey Gastr. spartii anzugebende Weiſe ein
Männchen am 6. Septbr. Es war nicht mehr ganz friſch, ob—
gleih an den Franzen noch völlig unbefchädigt; die Farbe ift
etwas bläffer ald an meinen deutfchen Eremplaren; die Quer:
finie der WVorderflügel hat diefelbe Nihtung, aber nicht diefelbe
Schärfe; die Hinterflügel find ohne Querlinie. Auf der Unter-
feite geht durch alle Flügel an der Stelle der- Querlinien eine
völlig verloſchene helle Scyattenlinie.
87. (2.) Spartii.
Am 5, März fand ih am Dftabhange eines mit Geſtraͤuch
von Quereus pubescens, Erica arborea und Arbutus une-
do bewachfenen Berges bey Meffina im dürren Laube im Kefcher
zwey große Raupen; ich hielt fie für fraglihe Gastr. rubi-
taupen. Womit ic fie fütterte und wann fie fich einfpannen,
it mie nicht mehr im Gedächtnig, und in meinem Tagebuche
habe ich nichts darüber aufgemerkt; fo viel ift gewiß, daß der
Schmetterling, der mir auskroch, aus einer Raupe ffammt, die
mit denen von Gastr. quereus feine Wehnlichkeit hatte. Das
Cocon ift fehr dunkel und ſchwarzbraun, ohne kurze Haarboriten,
durch welche fich die Gefpinnfte von G. trifolii Elebrig anfühlen.
Die leere Puppenfchale iſt rothbraun und um das Schwanzende
herum mit einer Menge Eurzer, gerader Stacheln befest.
Das am 19. July ausgefrohne Weibchen ift Elein, in der
Größe einer gewöhnlichen Gastr. trifoli. Behaarung des gan-
zen Körpers und berfeite der Worderflügel heil lehmgelblich;
die Querlinie hellgelb, duͤnn, einwärt3 braunröthlich fehattiert,
in der Biegung wie bey Gastr. quercus; fie geht nehmlid
vom Innenrande ziemlich gerade und macht erft auf der vierten
Ader (vom Vorderrand aus gerechnet) die Biegung nad) innen;
fie ift gegen den Vorderrand hin dem weißen Mittelpunct näher
al3 der Flügelſpitze. Die Hinterflügel von der Wurzel aus auf
3 der Flaͤche in der Färbung der G. quercus fem., auf dem
Außendrittel heller. Ä
Freyers Bild der G. spartii fem. (Neue Beytr. I. t 26)
weicht in der Geftalt der Querlinie der WVorderflügel und in
der Färbung gar fehr ab; jene ift Sförmig gebogen, ſtatt winf-
lig zu ſeyn, und diefe ift viel zu hell und grau, und auf der
Unterfeite zu dunkel, — Boisduvals Abbildung (Icones II.
pl. 66. fig. 2.) ift zu groß, zu dunkel und an Kopf und Kra⸗
gen gelb ſtatt mit dem Thorax gleich gefaͤrbt. Es ſcheint daher,
als ob dieſe Art in der Färbung und Größe ſich nicht zanz
gleich bleibt. ;
Obgleich der Schmetterling am Tage feines Auskriechens ge=
tödtet wurde, blieb er doch fehr lange friſch und weich und war
am 6. Septbr. noch nicht ganz troden. Im Wirthshaufe zu
Macerata hatte ich gegen Abend das gegen Hof und Garten
423
gerichtete Fenſter offen gelaffen. Als ich nad, einiger ‚Zeit wies
der ins Zimmer trat, faß auf meinem Hute ganz ruhig ein
unzweifelbaftes Männchen von -Gastrop. trifolii; diefer Hut
fand auf meinem Koffer, und in dem Koffer befand fich die
Schachtel mit dem todten Schmetterling. Unmöglich Konnte
diefes Männchen durch Zufall hereingefommen feyn und gerade
bier feinen .Plas genommen haben; die Witterung des unbe>
gatteten Meibchens hatte es bereingelodt. Aber welche Stärke
der Ausdünftung eines ſchon fo lange todten, faft trodnen
Tieres, und welche Feinheit des Geruchs des Männcheng!
Dabey ließ fi) aber doc das Männchen täufchen; denn das
Weibchen gehörte nicht zu feiner Art und lodte es dennoch)
herbey. Da e8 in feiner andern Abficht gefommen war, als
um fich zu begatten, fo hielt ich für ausgemadht, daß beide
Falter zu einerley Art gehörten, und daß mein Gocon von feiner
andern als von einer G. trifolii-raupe verfertigt worden war.
Erft meine jegige Unterfuchung zeigte mir, daß es Schmetter—
linge von zwey verfchiedenen Arten find, und daß man alfo
ſelbſt bey folchen Vorgängen, die man mit zu den ficherften Art
Eennzeichen vechnet, die größte Vorficht anzuwenden habe,
Daß aber mein Meffiner Schmetterling nicht zu G. trifolü
gehören kann, lehren zunaͤchſt die Kühler. Die Zähne derielben
find nebmlich länger und fchlanfer bey jener Art als bey G.
trifolii dem. Auferdem ift die Färbung beider verfchieden, und
zwar bey meiner G. spartii fo, wie ich oben angab; ferner ift
ben diefer die Querlinie auf der. Oberſeite der Worderflügel ganz
anders gebogen und vom Hinterrande viel weiter getrennt. Auf
der Unterfeite zieht faſt eine belle Örenzlinie zwifchen dem dun—
Eiern Wurzelfelde und dem hellen Hintertheil, der ganzen Fluͤ—
geiflähe. — Das Männchen von Gastr. trifolii ift fo kennt—
lich, wenigftens von G. spartii und quercus fo verfchieden, daß
ich nichts weiter anzuführen habe, um den Verdacht einer Vers
wechslung von meiner Seite zu entfernen. Ohne Zweifel war
durch den Tod die Austrodnung und die Vermifchung mit Aus:
dünftungen anderer Schmetterlinge, die in derfelben Schachtel
und andern Behältern ftedten, die Witterung der Gastr. spar-
ti fem. fo verändert worden, daß dag Männchen der G. tri-
folii fie für die eines Weibchens feiner Art annehmen mußte ;
denn die Gaſtropachen gehören, fo viel man meiß, nicht zu den
fonderbaren Schmetterlingen, denen es ziemlich gleichgültig ift,
ob fie ſich mit einem Weibchen ihrer eignen oder einer nahe
verwandten Art begatten,
88. (3.) Pityocanıpa.
Die Raupennefter diefer Art waren auf der balmatifchen Inſel
Lagofta ziemlich häufig auf einer Pinus mit binnen Nadeln
‚(maritima?), und da fie nicht felten die Größe eines Kinder:
Eopfes hatten und an den Enden der Aeſte faßen, fo konnte
ih fie fhon weit von der See aus erfennen, Sie befanden
fih meift in 2—3faher Mannshöhe, fo daß fie nicht ohne
Mühe zu erreichen waren, und oft zu 5—6 an einem Baume.
Sn der Zeit vom 8 — 12. Januar fah ich die Raupen nur im
verfchloffenen Nefte, in welchem fie ſich in einer anfehnlich hohen
Temperatur befanden. In vielen Neftern traf ich die Maden
einer Tachina, die eben aus den Raupen Erochen, und in den
Meftern, welche die ausgewachfenften Raupen enthielten, gab e8
fchon Fliegen-Puppen, gewöhnlich zwifchen den Fäden der Neft-
wände. Nur ven diefen nahm ich mit, um die Sliegen Eennen
zu leınen; die Naupen hoffte ich in Stalien wieder zu finden,
eine Hoffnung, in der ich mich taufchte. Obgleich ich die Nefter
424
ohne alle Vorficht zerriß und die Naupen betaftete, fühlte ich
doch nicht die geringfte Beſchwerde, die diefe Art von Raupen
fo gewöhnlich veranlaßt.
89. (4.) Gastrop. Spee.
Auf dem Kamme der Catena di Peloro, 1— 14- Meile
von Meffina, fand ich am 5. April an dem dort Fümmerlic
twachfenden, von Ziegen und Schafen verbiffenen Cistus sal-
viaefolius zwey Mefter fehr junger Naupen eines hierher ge—
hörigen Spinner. Neustria ſchien e8 mir nicht zu ſeyn, obs
gleich einige Aehnlich£eit nicht zu verfennen war. Da ich nicht
mehr in diefe Gegend kam, fah ich die Naupen nicht wieder.
Cossus. Zeuzera.
Harpyia. Notodonta.
Aus diefen Gattungen ift mir Eeine Art vorgefommen. Bey
Cofta finden ſich als neapolitanifh: Coss. liguiperda, pan-
therinus (nicht gemein im July); Zeuzera aesculi in zwey
Generationen [?], deren zwente als Puppe das nüchfte Fruͤh—
jahr erwartet); Harpyia fagi ( die Raupe im July an Kaſta—
nien bey Gamaldoli); Dieranura erminea (haufig in Piedi-
monte d’Alife, au) um Neapel), vinula (häufig in Terra di
Lavoro, felten in Apulien). Won Notodonta bat er gar
feine Art.
As corfifch Eennt Rambur: Coss. ligniperda, Harpyia
fagi, Uropus ulmi, Dieranura vinula, Notodonta ziczac,
trepida, palpina.
Pygaera.
Gofta hat 2 Arten: anachoreta (in Galabrien felten) und
bucephala (nicht felten); Rambur kennt feine einzige, Ich
felbft fand:
90. (1.) bucephala.
Var. b) alarum anteriorum maenla apicali introrsus con-
vexiore; posterioribus subtus sine striga
«&) abdominis lateribus immaeulatis.
ß) abdomine utrimque serie macularum fusceseen-
tium instrueto.
Un einer jungen Eiche (Quercus pubescens) am Sübdabhange
des Gaftellaccioberges bey Meffina Elopfte ih am 22. Sum eine
Brut Naupen ab, die noch nicht die letzte Hautung angetreten
hatten, und die mir wenig Abweichendes von unferer Bucephala
zu haben fchienen. Sch fütterte fie auf, wobey ich ihr fehnelles
Wachsthum bemunderte. Zur Berwandlung legten fie ſich ohne
Geſpinnſt unter ihre dirres Futter, und am 2. Auquſt hatte ich
ſchon 5 Puppen; am 5. waren alle verpuppt. Da ich nichts
andres erwartete, als daß die Schmetterlinge erſt im nächften
Frühjahr auskommen würden, fo, widelte ich jede Puppe einzeln
forgfältig in ein leinenes Laͤppchen, und ftedte alle zufammen
in eine Schachtel. Ohne daß ih es ahnte, Erochen faft alle
bis zum 11. Septbr. aus, und die legten drey, ein Männchen
und zwey Meibchen, erfchienen mir in Zrieft am 12. und 13.
Septbr. Sene hatten in ihrem engen Behältniß fich nicht aus-
bilden koͤnnen und hatten ſich die Schuppen fo. vollftändig ab⸗
gerieben, daß ich nicht erkennen Eonnte, ob fie zu Bucephala
oder zu Bucephaloides gehörten. Die 3 vollftändig entivicel-
ten Falter bilden eine Annäherung an Bucephaloides, gehören
aber beftimmt zu Bucephala.
Die Vorderflügel find nicht fo gefpist wie bey Bucephaloides,
*
425
fondern> haben bie Geftalt unferer nordifchen Art. Der gelbe
Vorderflügelfled hat nicht den zweiten Aft der Mebianaber zur
unteren Begrenzung, fondern reicht nur mit einer dunfelgelben,
gerundeten Ede über den dritten Aft der Medianader hinüber
wie bey Bucephala; einwaͤrts bleibt er von dem eiförmigen Fleck
der Querader viel weiter entfernt, und diefer felbft ift beträchtlich
Eleiner.
Bon unferer nördlichen Bucephala unterfcheibet der Meffiniz
ſche fich folgendermaßen: der gelbe Vorderfluͤgelfleck reicht etwas
weiter einwärtd und wird von einer concaveren Doppellinie
begrenzt; fein längfter Durchmeffer, der dort aus der Fluͤgel—
fpige bis an den Eintrittspunct der von der Querader herkom—
menden Ader reicht, geht hier bis an den Eintritt des davorlie=
genden Subcoftaladeraftes. Der Querabderflec ift großer, oval,
mit dunklem Kern. Auf der Unterfeite dev Hinterflügel fehlt
die roftbraune Querlinie gänzlih, und nur am Worderrande
finden ſich über der Querader einige rothbraune Schuͤppchen.
Auf der Unterfeite der Vorderflügel ift das Männchen ungefledt;
die Weibchen haben aber einen voftbraunen Wifch, der den Raum
zwifchen den Medianaderäften einnimmt und den Hinterrand
nicht erreicht. Der Hinterleib hat beim Männchen und einem
Weibchen gar Eeine Geitenflede, alfo wie bei Bucephlaoides;
das zweite Weibchen hat fie ſehr deutlih, wenn auch nicht fo
groß wie unfere nordiſche Bucephala.
Ein ziemlich abgeflogenes Männchen, das ich beim Agnanofee
am 19. Auguft von Eichen Elopfte, hat den Fleck der Flügel:
fpie einwärts mehr abgerundet, alfo der gewöhnlichen Geftalt
ſehr nahe; die roſtbraune Doppellinie in der Nähe der Fluͤ—
gelbafis ift faft gerade; die Hinterflügel haben auf der Unterfeite
wirklich eine, wenn auch dünne und nur bis zur Flügelbälfte
teihende Querlinie, die auf der Oberfeite ein wenig durchfcheint;
der Hinterleib bat eine Neihe kleiner, braunlicher Flecke auf
jeder Seite.
Liparis.
Aus diefem Genus und Orgyia hat Cofta nur 3 Arten:
1) morio (am Fuße des Matefe), 2) auriflua (im Gala:
brien, Molife ufw.), 3) antiqua (nicht gemein, in Calabr.
ult., am Afpromonte, fliegt im July). Lip. dispar hat er alfo
um Neapel nicht gefunden! — In Corfica Eommen vor nad)
Rambur: Lip. chrysorrhoea, dispar, monacha et Orgyia
rupestris. Ih traf in Sicilien gar Feine Art, um Neapel
aber die folgende:
91. (1.) dispar.
Das Männden ſchwaͤrmte nicht felten in den Gehölzen um
die Sibyllengrotte bey Bajae und in den Eichen- und Gaftanien-
wäldern bey Camaldoli im Auguft. “Ein mitgebrachtes Paar ift
Eleiner als diefe Art für gewöhnlich bey uns ift; dem Meibchen
fehlen die braunlichen Querlinien der Vorderflügel bissauf wenige
Spuren.
Psyche.
Die Neapolitanifche Fauna enthält 3 Arten: 1) muscella
(nicht felten im April, Mah und Juny auf Ealten und gebirgi-
gen Stellen z.B. dem Afpromonte), 2) pulla (in Calabria
ulteriore im: Sup [!] und Zerracina), 3) Psycodella [1]
nov. sp. alis albo griseoque micantibus hyalinis, corpore
einerascente — verwandt mit Muscella, Eleiner; die Flügel
nadter, grauweiß und durchfichtig mit Seidenglanz; Körper
mittelmäfig mit, weißlicher oder faſt aſchgrauer Behaarung.
Terra d'Otranto. — In Corſica find Rambur Ps,apifor-
Iſis 1817. Heft 6.
— —
426
mis, graminella und zwey Arten, die er nicht ſicher zu
benennen wußte. Diefes gewiß ſehr artenreiche‘ Genus muß
im Süden noch eine anfehnliche Zahl von Arten enthalten. Sch
beobachtete folgende:
92. (1.) muscella.
Ein fhönes Männden fand ich am 14. April zufällig im
Graſe im Gebirge bey Meſſina. Sch erkenne diefe Art viel
beffer aus der guten Huͤbnerſchrn Abbildung als aus Ochfen=
heimers Beſchreibung. Ein ſchwarzer Saum der Flügel ift
nicht vorhanden, fondern nur die Franzen find ſchwarz. Die
nur mit Haaren fehr meitläufig bekleidete Fläche zeigt von der
Baſis her einen weißlichen Reifihimmer. Sehr gut zeigt Huͤb—
nerg Abbildung die Haare am Ende des Hinterleibs in zwey
feitlihe Buͤſchel verlängert. Uebrigens find. die Flügeladern fo,
wie Dchfenb. angiebt, von denen der Ps. plumifera verſchieden.
Hübners Plumistrella ift viel zu ſchwarz, als daß fie
Ps. muscella ſeyn £önnte.
93. (2.) apiformis.
Boisduval Snder ©. 80.
Die Eremplare mit brandrothen Hinterleibshanren bilden wirk—
lich nur eine Art mit den ſchwarzhaarigen; ſie verbinden ſich
durch Uebergänge und ftimmen im Uebrigen. völlig uͤberein
namentlich auch darinn, daß die 3. und die 4. Rängsader (von
der Flügelfpige aus gerechnet) fih zu einer Eurzgeftielten Gabel
vereinigen. Auf dem Vorderruͤcken find bie Haare, bald mehr
roſtgelblich, wie die Haare vor der Flügelwurzel, bald mher
ſchwaͤrzlich. Die längften Haare befinden ſich an den legten
Hinterleibsringen. Der Hinterleib hat auf der Ruͤckenmitte eine
vollſtaͤndige Neihe glänzend ſchwarzer Dreiede, die mit ihren
Spisen die Hinterränder der Ringe nicht erreichen und auf den
Vorderraͤndern ruhen, an welchen fie ſich ſchmal nad) beiden
Seiten hin verlängern. Bey geflogenen Eremplaren legen fic)
die Haare darüber, fo daß nur die Flecke der vorderften Ringe
großtentheils durchfcheinen.
Das Weibchen, das ich in mehrern feifhen Eremplaren un:
terfuchte, ift madenförmig, aus einer fehr zarten gelbmweißlichen
ausgefpannten Haut beftehend. Am fefteren Thorax find die
drey Segmente deutlich zu unterfcheiden, glänzend braungelb,
nach vorn dunkler; auch das erfte Hinterleibfegment ift obenauf
etwas braungelblich gefärbt. Der Kopf ift am dunfelften braun,
oberwärts vom Halfe gar nicht gefchieden, und. hat Eeine unter:
fheidbaren Theile, fondern nur mehrere Vertiefungen um das
dunkle, gefhloffene Maul; diefes verdedt das erfte Paar Füße,
welches Eleiner ift als die zwey folgenden Paare. und mie. diefe
als Eleine, fpite, ungegliederte Wärzchen durch einen Drud her—
vortritt. (Un mehrern Exemplaren. waren die 3 Paar Bruft:
füße ganz deutlich.) Der After, der. ohne erfennbare Genitalien
durch) einen Druck heraustritt, ift auf dem NHinterrande des vor—
hergehenden Segments mit einem Ninge Eraufer, braungelblicher
Haare umgeben; dieſer Haar: Ring ift am Bauche breiter und
in der Mitte fhmal unterbrochen; dag vorhergehende Segment
hat am Bauche auch einen, jedoch ſchmaͤlern Haarffteif, und
nicht felten ift auch das dritte Segment vor. dem After am
Hinterrande behaart.
Die Raupen fand, ich beh Meffina auf. der den Haven bifden-
den Halbinfel. Hier giebt es eine etwas; vertiefte, im Winter
feuchte Stelle ‚die fehr dicht mit Juncus acutus bewachfen ift.
In den Binfenbüfchen, in welche das mweidende Vieh wegen der
Darf:
427
ftachelfpigigen Halme nicht eindringen kann, hat diefe Raupe
ihren ungefährdeten Aufenthalt; ohne diefe Binſe würde fie
wahrfcheinlich zertreten und ausgerottet. Sie frißt das zarte in
den Binfenbüfhen wachſende Gras, und damit fütterte ich fie;
wahrfcheinlich frißt fie andere Gewaͤchſe noch lieber, da ich fie
mit dem Grafe nicht auffüttern Eonnte. Am 24, Februar war
fie hier in Menge, an den Binfenhalmen höher hinaufgeftiegen
oder auch tief unten, in fehr verfchiedenem Alter, ine hatte
fhon an dieſem Zage ihre Gehäufe überfponnen und fih an
3 zufammenge;ogene Halme mit Süden befeftigt; eine Raupe
ſah ich, die eben damit befchäftigt war. Sc fammelte eine
Menge Raupen, und bemwahrte fie in einer geräumigen Schade
tel; aber fie ftiegen alle in die Höhe, Erohen am Dedel herum
und flörten einander. Manche fhienen einen Anfang, fi mit
Gefpinnft zu befleiden, gemacht zu haben; aber gegen das im
Freien gefundene war es fehr unbedeutend. Sie ftarben mir
faft alle, wohl aus Hunger und Mangel an Feuchtigkeit und
Licht, weßhalb ich den Neft ausſetzte. Am 11. März fammelte
ich ſolche Gefpinnfte, die fich überfponnen und befeftigt hatten.
Die Zahl der Gehäufe hatte aber fehr abgenommen; vieleicht
befanden ficy die meiften tief in den Binſenbuͤſchen, in welche
nur von der Seite her einzudringen möglic war. Die ange:
fponnenen waren alle ziemlic oben an den Halmen und frei in
der Luft. Zwey Raupen hatten ihre abgeftreiften Bälge ſchon
herausgefhoben. Von diefen zwei Raupen unterfuchte ih am
13. März die eine; fie war noch unverwandelt und hatte ſich
mit dem Kopfe gegen das Afterende des Sades gekehrt und
ſich mit Fäden umgeben. Die herausgefcyobene Haut war alfo
von der vorigen Häutung, nicht von der der Verpuppung un—
mittelbar vorhergehenden (Vgl. Iſis 1840. ©. 214 Psyche
ealvella). Bon diefen Raupen Erochen mir erft vom 9. May
an Schmetterlinge in Syracus aus. Die Puppe hatte fic
dabey wie gewöhnlich weit aus dem Sade hervorgedrängt. Aber
bie große Mehrzahl der Männchen ftarb in den Puppen. Keßtere
drängten fich nehmlidy ganz aus den Gehäufen, fielen auf den
Boden nnd blieben dort ungeöffnet liegen, daß die Schmetter=
linge vertrodneten. Am 28. May unterfuchte ich alle meine
Gehäufe und fand, daß die Raupen in den mit Gewebe über:
zogenen ſich alle mit einer einzigen Ausnahme verpuppt hatten,
und daß die herausgefallenen Puppen bis auf zwey todt waren.
Die zwey Schmetterlinge befreite ih aus ihren Gefängniffen
durdy vorfichtiges Ablöfen der Puppendeden; aber fie bildeten
ihre Flügel nicht aus. Zugleich unterfuchte ich die weiblichen
Gehäufe, die — wohl wie bey allen Psychen? — daran
Eenntlid) waren, daß Feine abgeftreifte Daut heraus:
hing. Die weiblihe Puppe hat zwifchen ſich und der abge:
ftreiften Haut eine Menge fchneeweißer, lockerer Seide liegen.
Ih bemerkte, daß bey allen weiblichen Puppen die abge:
ſtreifte Haut viel größer und ftärker ift als bey der männlichen.
Da bey jenen feine Haut heraushängt, die innen liegende aber
dicker ift als bey den männlichen, fo füge ich zu den 18401. c.
©. 214. 215 aufgeftellten und bisher unbeantiworteten und wahr:
ſcheinlich gar nicht berüdfichtigten Fragen eine neue: häutet
fih die weiblihe Psyche etwa einmal weniger
als die männlihe? Die Psychen find fo räthfelhafte Thiere,
daß fie mehr verdienen als die bloße Auffpürung neuer Species.
Die weibliche Made ift leicht aus der Puppenfchale herauszu—
ſchaͤlen; letztere war beh allen unverfehrt, auch bey den todten
und vollftändig ausgebildeten Maden, bloß eine war am Thorar
offen, wie geplast,
428
Die ausgefrohenen Männdyen faßen fill an ihrem Gehäufe
oder an den Scyattenwänden. Ben Spyracus, wo ich jedoch
feine Gehäufe fand, fcheint die Psyche auch nicht felten zu
feyn. Auf den Höhen des alten Syracus, ferner auf der
Halbinfel Magnifi, dann auch jenfeits des Anapo beim Jupiter:
tempel traf id) Männchen an, Hatte ich mid) gebuͤckt, um ein
gefangenes Inſect aufzufteden oder zu befehen, fo umſchwaͤrmte
mich nicht felten ein Männchen, ohne daß ich wußte, wo eg
mit einem Male hergefommen war, und entfernte fich auch ges
wohnlich nicht, wenn ich mehrmald mit der, Fangfchere danach
fhnappte. Es fah mit feinen gelblichen Ruͤckenhaaren einer
Hummel oder Biene fehr ahnlich (wodurd Rossi wohl zu feiner
Benennung Apiformis veranlaßt wurde), war aber fogleich
daran zu erkennen, daß es im Schwärmen Eeinen Ton hören
lief. Am 26. April fing ih 5 Männchen auf den. Höhen von
Epipolae, von denen nur eins rothe Hinterleibshnare befißt. Es
ift demnach die fhwarzhaarige Varietät, von welher Ochfen=
hbeimer 2, ©. 177 fpricht, nicht fo gar felten. '
Das Naupengehäufe hat die größte Aehnlicyfeit mit dem der
Psyche atra Freyer ; es ift mit gefreuzten, dürten Grashalm—
ftüden von 4—6 Linien Lange bedeckt; das kahle Afterende ift
weniger lang. Nach dem Anheften zur Verwandlung überzieht
die Raupe ihre Wohnung mit weniger dichtem und. weißerem
Seidengewebe, durch welches hindurdy die Stengeliven fehr gut
gefehen werden, während e$ bey Ps. atra fo dicht ift, dag nur
die Eden der Stengelhen hervorftehen. Eine Befhreibung der
Raupe habe ich leider nicht verfertigt.
Die männliche Puppe ift fehr budelig, mit: ſtark hervor:
tretenden Fühlerfcheiden und gegen den Bauch gebogenem, zwey—
fpisigem Afterende; auf dem Thorax und Kopf etwas glänzend,
gelbbraun. Das dritte Paar der Füße ragt ein wenig i.ber die
Flügelfcheiden hervor, und die 3—4 dahinter folgenden Ninge
baben in der Mitte des Bauchs einen Dreieck. LKuftlöcher
deutlich. N
Die weiblihe Puppe ift länglich oval, nad) hinten dicker,
mit fehr veducirter Kopf» und Zhoracalparthie und großen und
deutlich gefonderten Hinterleibsfegmenten; fie ift braungelb, am
Hinterrande des 2—6. Hinterleibsfegments ſchwarz, alfo mit
5 ſchwarzen Gürteln verfehen.
Die. Zeit der Puppenruhe feheint über 5—6 Moden zu
dauern. Boisduval giebt ald Flugzeit den July an, was
gewiß ein Irrthum ift. — An denfelben Binfen, wo id) meine
Raupen im Frühjahr gefammelt hatte, traf ih am 3. Auguft
die jungen Raupen wieder an; fie hingen, mit Gehäufen von
böchftens 4" Länge, ftellenweife häufig an den Binfenhalmen.
94. (3.) Psyche Spec.
Unter den Raupen der Psyche apiformis fand ih am
24. Februar bey Meffina einige, die ihre Gehäufe mit breiten
Blateftücen befleidet hatten. Sie gehörten wohl ohne Zweifel
einer andern Art an.
95. (4.) Psyche Spec.
In dem Hohlmwege jenfeits des Anapo, wo ich die meiften
Ses. tineiformis fing, frochen auf der Sonnenfeite zwifchen
den mit Schneden überzogenen duͤrren Schäften des Aspho-
delus ramosus nicht felten Psyche-Raupen, die ihre Saͤcke
nur und reichlid mit Stüdichen von weißen Helixſchalen beflei-
det hatten. Sie waren in ziemlich fchneller Bewegung, wozu
fie wohl die Sonnenhige antrieb. Ich feste, da fie ziemlich
gtoß waren, ein Dugend auf einen Zeller, auf welchem ich
429
Pflanzen von Samolus Valerandi, Chlora perfoliata et
Alisma damasonium in fehr angefeuchteter Erde ftehen hatte,
Sie liefen fih die Blätter, vorzüglich von Samolus, ſehr gut
ſchmecken, und es wäre bey längerem Aufenthalt in Syracus
wohl möglicy gemefen, fie zur Verpuppung zu bringen. So
lange ihr Futter friſch und reichlich war, entfernten fie ſich nicht ;
erft fpäter verlorenfie ſich.
Die Side find ſehr geftredt Eegelförmig, zunaͤchſt mit
Schmug und £leinen Pflanzentheilchen befleidet; am Vordertheil
find etwa in Lder ganzen Länge die Pflanzentheile reichlich
aufgeheftet, darunter auch mehrere blattförmige Stüde; auf den
folgenden drey Fünfteln kommen die Schnedenfchalenftüde, die
meiftens mit der converen Seite angeflebt find und ihre glän=
zende, weiße Seite auswärts kehren; fie fißen zwar ſehr feft,
werden aber doch bisweilen beym Kriechen abgeftreift.
96. (5.) Psyche sp.
Zwey Side, die ganz denen der Ps. nitidella ähnlich fehen,
fand ich bey Neapel in Eichen= und Gaftaniengehölz; ich weiß
nicht mehr genau, ob an Baumftämmen. Auf der dalmatifchen
Snfel Lagofta ſah ih, wie ich mich mit Sicherheit erinnere,
mehrere hier und da an den Stämmen von Quercus ilex.
Lithosia.
Bey Cofta find folgende Arten aufgeführt: 1) quadra
2) caniola (etwas felten). 3) complanata [complana]
(auf der Majella und dem Gran Saffo im Aug.). 4) aureola
(im April zwey Eremplare bey Avellino gefunden, mo weder
Pinus abies, noch silvestris, wohl aber P. pinea waͤchſt).
5) bella [pulchra] (häufig). 6) aneilla (im May und
Suny nicht felten; Terra di Lavoro, Prineipato eit., um
Neapel häufiger). 7) punetata (auf der Majella und dem
Gran Saffo im Auguft).
Die corfifhen Arten find nah Rambur: 1) bifasciata
Ramb. 2) pulchra. 3) rufeola Ramdb. 4) luteola.
5) caniola. 6) muscerda. 7) punctata.
A) Naclia
In diefem Genus bat dag Weibchen aufer einem fehr ver:
dickten Hinterleibe Eleinere, anders befchuppte Hinterflügel und
feinere Fühler. Ben der Unterfcheidung der Arten find wegen
des großen Unterfchieds im Umfange der Hinterflügel beider
Gefhlehter nur Männchen mit Männchen, und Weibchen mit
Meibchen zu vergleichen.
97. (1.) Ancilla.
Das Männchen hat, verglichen mit andern Naclien, breitere,
weniger gefpiste WVorderflügel, auf denen ftets nur 3 durchſchei—
nende Flecke hinter der Querader fihtbar find, indem der Fleck
unter der Bafis des erſten Aftes der Medianader fih nie aus—
. bildet. Die Hinterflügel find viel größer als ben N. Punctata:
und Famula und an ber Spige abge-undet; der Raum um bie
Medianader ift duchfcheinig, der Innenrand breit geld. Wie
beym Weibchen ift der ganze Bauch bräunlih, in der Farbe
der Vorderflügel, und mit fcharf ausgedrüdtem Seitenrande,
Das Meibchen hat die Vorderflügel etwas geftrediter als das
Männchen, aber ben weitem meniger geftredt, und folglich brei—
ter als die zwey andern Arten. Die durchſichtigen Flecke find
wie beim Männchen, aber größer, und zwifchen den 3 normalen
ift oft noch ein vierter. Der Fleck unter dem erften Aſte der
Medianader ift verlofchen vorhanden, Die Hinterflügel haben
gleichfalls einen größern Umfang und eine gerundeter Spige als
430
die zwey naͤchſten Arten; ſie find. befchuppt, und wenigftens der
Stamm ber Medianader, oft auch ihre Aefte und bisweilen die
Mittelzelle find braun. Auf der Unterfeite find die Adern ver—
loſchen; die Querader trägt aber einen ftärkern Fled, der mit
dem ſchmalen hellen, braunlihen Vorderrande zufammenhängt.
Der Hinterrand iſt breit wie bey N. famula.
Die Grundfarbe und. die Hinterleibspuncte der N. ancilla
find gewöhnlich bläffer als bey N. famula, viel bläffer als bey
N. punctata,
Ein Männchen, nicht ganz fo groß wie gewöhnlich, fing ich
am 11. Auguft in dem Kaftaniengehölz, das den Eingang der
Sibyliinifchen Höhle bey Bajae umgibt. Seine durchſichtigen
Puncte auf den Vorderflügeln find auf: der Unterfeite faft eins
farbig braͤunlich, an der Bafis und dem Innenrande gelblich,
in der Mitte etwas: durchfcheinend, ohne daß die Zeichnung des
Weibchens, wie gewöhnlich, verloſchen fichtbar würde. — Ein
Meibchen fing ich am 19. Auguſt beim Agnanofee im Eichen -
und. Kaftaniengebölz; es ift ſehr Elein, ‚auf den Vorderflügeln
mit den 4 eine Reihe bildenden Fledchen in auffallender Kleins
beit, auf den Hinterflügeln braunadrig und mit braungrauer
Mittelzelle, an welche fich der braune Vorderrand anſchließt.
98. (2.) Famula. R
Freyer Neuere Beitr. 2, ©, 143. Taf. 183. Fig. 2. 3.
Daß diefe Art nicht Warietät von N. ancilla fein £ann,
lehrt vorzüglich die Kleinheit und fpige Geftalt der Hinterflügel ;
nach diefer gehört fie näher zu N. punctata, und es ſcheint
mir möglich, daß beide in eine Art zufammenfallen.
Die Unterſchiede, die ich zwifchen den beiden. Arten auffinde,
find folgende:
N. punctata mas, — 1) Obergefiht über dem Munde
und am Geitencande dottergelb. 2) Schildchen einfarbig dotter—
gelb. 3) Rüdenfhild und Vorderflügel dunkler braun. 4) Auf
den: letztern iſt der Doppelfleck zu einem einzigen, hinten fehr
ſchwach ausgerandeten Fleck verwachſen. 5) Hinterfluͤgel mit
weit ſchmaͤlerem, ſchaͤrferem und dunklerem Hinterrande und
daher größerem und ſchärfer begraͤnztem durchſichtigen Mittel-
felde und mit! feinem braunen Strich. auf der Querader; Aeſte
der Medianader faft glasartig. 6) Auf der Unterfeite zeigt fich
am: Vorderrande ein fehr breiter, gelber Raum zwifchen dem
braunen Querſtrich und der. braunen Fluͤgelſpitze. 7) Das erfte
Hinterleibsfegment auf dem Rüden ſchwatz. 8) Hinterleibs-
ruͤcken mit einer tiefſchwarzen Punctreihe auf der Mitte; Bauch
mit zwey Reihen tieffchwarzer Puncte,
N. famula mas. — 1) Obergefiht braun oder nach dem
Abfliegen wenigftens einfarbig Iehmiggelbbraun. 2) Schildchen
mit hellbraunem, großem Fleck an der Mitte des Worderrandes,
3) Rüdenfhild und Worderflügel wenig dunkler als bey N.
ancilla. 4) Doppelfled der Worderflügel, hinten und vorn tief
ausgerandet, immer als zwey Flecke erfheinend. 5) Hinterflügel
mit breitem, gelbbraunem SHinterrande, der fich einwaͤrts lichtet
und daher dag durchſichtige, eingeſchraͤnkte Mittelfeid nicht. fharf
begrenzt; auf der Querader ein dicker, gelbbrauner Fleck; auch
die Adern gebräunt. 6) Auf der Unterfeite ift zwiſchen dem
Fed der Querader, welcher mit: dem braunen Vorderrande
zufammenhängt, und der braunen Slügelfpise ein viel ſchmaͤlerer
Zwifchenraum. 7) Das erſte Hinterleibsfegment hat einen
fhwarjbraunen Mittelpunct; die Punctreibe auf der Rüden:
mitte braun; der Bauch unpunftirt oder mit 2 Neihen ſchwar—
zer Puͤnctchen.
A431 u
Das Weibchen der N. punctata unterfcheibet ſich fol-
gendermaßen von feinem Männden: es ift meiſtens größer;
Rücken und Vorderflügel dunkler, Stirn einfarbig braun. Vor—
derflügel mit größern und fchärfern Flecken; Hinterflügel kleiner,
ſpitzer nur längs der Mittelader ſchwach durchfcheinend, dafür
im Mittelfelde gelb; auf der Querader ein großer Fleck. Hinz
terleib auf dem Nüden mit einer Neihe großer, tiefſchwarzer
Flecke; das erfte Glied ift nicht immer ganz ſchwarz, fondern
auc) feitiwärts mit gelben Schuppen beftreut. Bauch mit 2 Reis
ben großer, tiefſchwarzer Flecke, die nicht felten paarweife zu
breiten Querſtreifen zufammenfließen.
Mein einzeineg Weibchen von N. famula unterfcheidet
fi von N. punetata fem. 1) durch größere Breite der Vor:
derflügel in der Gegend des Hinterwinfels und einen comveren
Hinterrand. 2) durch die Geſtalt des Fledes vor der Mitte
de3 Innenrandes; bey N. punetata ift er gerundet, bey N,
famula unregelmäßig edig und größer, (Die Flecke der N.
punctata find nicht immer klar und weiß, wie Sreyer meint,
fondern auch gelblich, und der an der Innenrandmitte ift bis:
weilen auf der Unterfeite heil dottergelb). 3) der Hinterleib
hat eine verloſchene Neihe brauner Fleckchen auf dem Rüden,
und auf dem Bauche gar feine. Außerdem gelten von den
beim Männchen angeführten DVerfchiedenheiten 2, 3, 4, 5 (mit
der Abweichung, daß die Adern nicht gebrüunt find, und daß
auf der Unterfeite die Wurzelhälfte der Mittelzelle gebräunt
ift) und 6,
N. punctata, von Loͤw auf den griechifchen Inſeln und in
Kleinafien gefunden, ift mir nicht vorgefommen. Coſta führt
fie als neapolitanifch an. Dagegen fing id N. famula, die
Gofta nicht Eennt, jedoh nur in einzelnen Exemplaren an ver:
fchiedenen Stellen Stalins: 2 Männchen bey Syracus aus
Piftaciengefträuh am 27. May und 8. Juny; zwey andere
füdlih von Syracus am Bache Caffibile aus Dieandergefträudh.
Ein fehon ziemlich verflogenes Weibchen fing ih am 17. Suny
und am 27. May an Spartium junceum auf Lava bey
Catania, und ein ſehr fchlechtes Männchen bey Sorrent auf
dem Telegraphenberge aus Piftaciengeftrauh am 8. Auguft.
Diefe Urt unterfcheidet fih demnach von N. ancilla auch ſchon
durch den frühern Eintritt ihrer Flugzeit.
Freyers Abbildung ift in der Geftalt der Hinterflügel gar
nicht genau; diefe find in Fig. 3 viel zu groß und in Fig. 2
und 3 zu breit und ftumpf. Er fiheint mir zwey Maͤnnchen
abgebildet (denn Fig. 7, die nach der Kleinheit der Hinterflügel
am erften das Weibchen darftellt, hat einen völlig männlichen
Hinterleib) und den Gefchlechtsunterfchied nur in den Sleden
der Vorderflügel gefucht zu haben. In Fig. 2 fehlt der Fleck
gegen die Fluͤgelſpitze, und der an der Innenrandmitte iſt
gerundet.
B) Lithosia.
99, (3.) caniola.
Ein einziges, mohlerhaltenes Weibchen fing ih am Bache
Cafſibile in Dleander= und Brombeergefträuh am 12. Juny.
Dchfenheimers Beſchreibung läßt diefe Art erkennen.
Meinem Cremplare zufolge muß aber hinzugefügt werden, daß
die Hinterflügel ein fehr verdünntes Hellgrau zur Grundfarbe
haben, das gegen den Vorderrand fich etwas verdunfelt. Ihr
Vorderrand ift auf beiden Seiten fehr fein helldottergelb; der
Vorderrand der Worderflügel bildet auf dev Oberfeite eine etwas
dunkler gelbe, feine Linie, auf der Unterfeite eine bläffere, breitere
432
und gegen den Vorderwinkel erweiterte Linie. Kopf und Kra—
gen find blaßdottergelb, forwie die Schenkel und Schienen; nur
die Vorderbeine und die Schienen dev Mittelbeine find. einwärte
fowie die ganzen Füße grau.
Euprepia.
Die von Gofta unter Chelonia und Callimorpha aufge:
führten Arten find: 1) Hebe (häufig in Terra d'Otranto
ſchon im April; nördlicher Friecht fie erft im May und Sun
aus; auch in den Abruzzen). 2) villiea (haufig im May
und Suny). 3) menthastri (nicht fehr haufig; auf den
Bergen noh im July). 4) fuliginosa. 5) pudica
(nur in 2 Eremplaren in Lecce gefunden im Septbr. und Dctbr.)
6) candida (nicht ſehr gewöhnlib; in Moliſe wurde fie
weniger felten gefunden, im July). 7) grammica (häufig.
Var. a. alis postieis nigris. Ö. al. post. fascia terminali
maculaque media Junata nigris; beide in Calabria ult. im
Sum. ec. alis ant. vix nigro striatis in margine postico
[doch wohl das Weib. ?) in Zerra d'Otranto. 8) dominula-
(nicht gemein: Calabria ult., Abruzzen im Suny und Sulp).
9) jacobaeae (auf dem Matefe und am See von Tufaro).
Die corfifhen Arten find nah Rambur: 1) Lith.
jacobaeae. 2) Callimorpha hera. 3) Chelon.
villica. 4) pudica. 5) caja. 6)fuliginosa.
7) menthastri. 8) lubricipeda. 9) Trichosoma
corsieum Ramb.
100. (1.) pulchra.
Bey Neapel am 11. und 20. Auguft zwey Männchen; das
letztere fehr ſchoͤn; das erftere fing ih am Fuße des Monte
nuovo bey Bajae auf Blüthen von Daphne gnidium. Ber
Trieft flog ein Eremplar zwifchen lichtem Gehölz am 14. Septbr:
Diefe Urt hat mit einigen erotifchen Arten z. B. Eupr.
ornatrix Lin. eine in der Hauptſache Übereinftimmende Körper:
zeichnung; die Ochfenheimer nur ganz oberflächlich angeges
ben bat, weßhalb ich fie genauer mittheile. Endglied der Taſter
menigftens auswendig ſchwarz; Untergeficht dicht über den Zaftern
am vordern Augenrande mit einem ſchwarzen Fed. Jede Kra⸗
genhälfte hat einen fchwarzen led, der aber auch bisweilen
ganz fehlt; am hintern Endpuncte ihrer Naht liegt auf dem
Ruͤckenſchilde ein ſchwarzer Querfled, dem in der Mitte des
Nüdens ein andrer und am Anfange des Schildchens ein
größerer folgt. Die Schulterdeden haben am Außenrande, mo
fie mit dem DVorderrande der Vorderfluͤgel zufammentreffen,
einen großen fchwarzen Fled, ihm gegenüber am Innenrande
einen. fehr Eleinen und einen größern an ihrem bintern Ende.
Auf den Vorderhüften geht ein ſchwarzer Laͤngsſtrich oder ein
bioßer Fleck herab. Die Mittelhüfte hat eine Meihe von
3 Fleden, die Hinterhüfte am untern Ende einen einzigen.
Un jeder Seite des Hinterleibs folgt hinter der Seitentafche
eine Reihe von 6 fhmwarzen Puncten; auf jedem Ringe fteht
einer; es fehlen aber nicht felten 1—3. Am Weibchen find
die fhmarzen Zeichnungen auf der Unterfeite des Körpers Elein
und punctförmig.
101. (2.) grammica.
Var., minor, alis Jatiusenlis, anterioribus
distinete nigricanti-lineatis.
4 Männchen, 2 Weibchen, die ich an verfchiedenen Stellen
um Nom am 25., 26. und 28. Auguft, und in der Gampagna
am 8. Septbr. fing, zeichnen: ſich alle durch ihre Kleinheit aus
feminae
433
(bey ihnen 6— 7"! Vorberflügellänge, bey den unfern 8—9"');
Sie flogen auf dürren, mit Difteln bewachfenen Angern und
festen fih an Grashalme. ı Ihre Worderflügel find breit, wie
e8 bey den unfrigen felten vorkommt; die Hinterflügel find leb—
haft gezeichnet mit vorwaltendem Noth, als wie an denjenigen
einheimifhen Gremplaren, mo das Schwarz am meiften zurüd-
gedrängt ift. Uebrigens ift das Rothe und Gelbe an meinen
Römern nicht lebhafter als an den nordifchen Gremplaren; an
den beiden Meibchen find die ſchwärzlichen Kängslinien in der
Zahl genau wie an den Männchen, doch fhmal und verlofdyen
ſichtbar.
102. (3.) Jacobaeae.
Am Aetna flogen mehrere Exemplare in der untern, Wald:
tegion am 30, Juny.
Ih nahm nur ein Männchen mit, und diefes. zeigt ‚einige
Eigenthlimlichkeiten. Es: ift größer ald meine andern rem:
plare (Vorderflügellänge 49°); die Vorderflügel find etwas
geftredt, und wie bey den zwey afiatifhen Männchen beller
aſchgrau als bey, den einheimifhen Eremplaren. Bon. den beis
den, Hinterrandfleden ift der obere unregelmäßig vieredig, der
untere gerundet. Am Vorderrande der Hinterflügel verläuft bey
meinen 5 übrigen, M. und W., eine graue Strieme auf beiden
Slügeiflächen, die den Raum bis an den. Stamm, der Sub:
coftalader ‚und den erften Aft derfelben ausfült und gegen die
Tlügelfpise fich zu einem Fleck bis an den zweiten Aft) erweitert,
Am ätneifhen Münnden find die Hinterflügel ziemlich blaß—
toth, und der Vorderrand ift fehr ſchmal grau, fo. daß der ganze
Fleck in der. Flügelfpige, den die andern Eremplare fehr deutlich
zeigen, gar nicht. ausgedruͤckt ift.
103. (4.) hera.
Um Eingange in die Sibylienhöhle. bey. Bajaͤ flogen: viele
diefer fchönen Falter aus dem dichten Geftrauch hervor; noch mehr
aber fchoffen: im. Tempel des, Mercurs zwiſchen der Parietaria
und dem Scolopendrium auf, ‚wo fie an der Mauer faßen,
Ein davon gefangnes Eremplar hat die vorzuͤgliche Größe, über
die ſich Freyer wundert (N. B. 3, ©. 129).. Ein Männ:
hen von gewöhnlicher Größe, ſchon fehr verflogen, kam mir bey
Tuligno in den Apenninen am 5. Septbr. vor.
104. (5.) villica.
Var. Sieula a. Konewkai Freyer; maculis alarum
anteriorum flavidis, ‚superioribus costae adhaerenti-
bus, posticis tribus in fasciam intus dentatam coali-
ts; costa subtus phoenicea.
b. ut a, sed alis anterioribus brunneis, maculis postieis
disceretis;' maculis alarum posteriorum fuseis.
Treyer hat die Unterfchiede diefee Varietaͤt von der nordi⸗
[hen gut aus einander geſetzt. Ihr Hauptcharacter befteht
darinn, daß drey Flecke der Vorderflügel, oft auch ein vierter,
nehmlich der Wurzelfleck, den Vorderrand felbft berühren, und
daß derjenige Fleck, welcher am Ende des erften Aftes der
Medianader den Hinterrand berührt, mit dem ihm und dem
Innenrande zunächſt liegenden zuſammenhaͤngt, welcher letztere
an ihm einen hakenartigen Zahn bildet. Daß aber auch dieſe
Auszeichnung nicht durchaus ſtandhaft iſt, zeigt ein Weibchen
(Var. b.). Hier hängen zwar die obern 83Flecke wie dort am
Vorderrande; aber der erſte nur mit einer verdünnten Spitze,
und außerdem fällt der Hafen an dem Hinterrandfle nicht,
Iſis 1817. Heft 6,
er en
434
wie gewöhnlich), mit dem oberen, den Vorderrand berührenden
Fleck zufammen. Diefes Eremplar bildet dadurch eine Varie—
tät, daß die Vorderflügel ein wenig dunfleres Gelbbraun als
bey Eupr. aulica zur Grundfarbe haben, und daß auch die
Flecke der Hinterflügel nicht fywarz, fondern braun find. Mit
Ausnahme der Grundfarbe der [WVorderflügel und der dunfeln
Hinterflügelflefen kommt diefe Varietät alfo der Eleinafiatifchen
nahe; fie zeigt fich aber darinn als eine Achte. Eupr. villica
Konewkai, daß die oben Flecke der WVorderflügel den Vorder:
tand, wenn auch nicht fo breit, wie gewöhnlich, berühren, waͤh—
end fie bey den mir befannten afiatifchen Exemplaren ganz fo
getrennt vom Vorderrande bleiben, wie an unferer norddeutfchen
Villica.
Die Raupen fand ich bey Meffina im Gebirge hoch oben im
Februar und März unter Steinen und an gefchligten fonnigen
Stellen. Theils nah ihrem Aufenthalte, theils nad) ihrem
Ausfehen vermutbete ich etwas ganz Anderes in ihnen als Raupen
von Eupr. villica: da ich aber eine der- gewöhnlichen ſuͤdeuro—
päifchen Bärenraupen gefunden zu haben meinte, und meine
finftere, unfreundlihe Wohnung mid, Eeineswegs einlud, übers
flüffige Beobachtungen mit der Loupe vorzunehmen; fo unterließ
ich ihre Beofchreibung und kann demnach nur nach den leeren
Raupenhaͤuten urtheilen, die ich aufgehoben habe. Die Naupen
nährte ich 'mit denen der Synt. phegea mit Blättern und Bluͤ—
then niedriger, gelber Shngenefiften. Im Laufe des May,
und zwar zuerft am 4, Erochen mir die Schmetterlinge in
Spyracus aus, nad einer Puppenrube von wenigitens 5—6
Wochen. Ein nicht ganz gutes Weibchen fing ich bey Syracus
nicht weit vom Gapucinerklofter, wo es aus fehr erwaͤrmtem
Geſtraͤuch aufflog.
Unſere nordiſche Villicaraupe hat im Leben einen hellbraun:
rothen Kopf mit fehwarzem Stirndreieck, und eben fo gefärbte
Beine; an der abgeftreiften Haut bat fich dieſes Roth in ein
helles Honigbraun verwandelt, Ähnlich dem der Flügel an der
aetrodneten 'Coceinella septempunetata. An einer abge:
ftreiften Haut der Konewkai ift der Kopf ganz ſchwarz, mie
ben jener das Stirndreied; auch die Oberlippe dort roth, ift
bier fhwarz: die Kinnbaden find ſchwarz und nur gegen bie
Bafis dunkel Faftanienbraun, Gegen das Kicht gehalten zeigen
die Augenfchalen hinter den Deellen etwas unter der Mitte
einen großen, eiförmigen, in honiggelblicher Farbe durchfcheinens
den Fleck. Auf zwey andern Naupenköpfen der Konewkai find
diefe hellen Stellen fehr groß, fo daß die Augenſchalen aud bey
bloß auffallendem Lichte honigbräunlich ausfehen und nur einen
fhwarzen Rand ringsum haben; SOberlippe und Kinnbaden
find aber wie bey dem erften Exemplare. Die Beine von allen
deeien find dunkler als an der Exuvia unferer Villica, aber
doch hell genug, um erkennen zu laffen, daß fie im Leben auch
roth waren. Die Haare fcheinen auf dem Vordertheil des Kör-
pers gegen die Spige etwas dunkler zu feyn.
Bon unferer nordifchen Villiea hat die Puppe wenigſtens
nad) dem einen Exemplar meiner Sammlung) am gefurchten
Kremaſter 8 divergirende, kurze, gelbbraune, geknoͤpfte Stacheln,
welche eine Furche in zwey Parthien theilt. Ein in der Zahl
der Stacheln vollſtaͤndiges Exremplar der Var. Konewkai hat
gleichen Bau’ und gleiche Farbe des Kremaſters und der Sta—
cheln, aber flatt 8 Staheln — 12 in zwey Parthien. An andern
Puppen find einige beym Herausziehen aus dem Gefpinnft
abgebrochen und laffen die eigentliche Zahl nicht mehr erkennen.
Ob die an den 2 obigen Puppen unbezweifelt vorhandene Zahl
2
-
435
frandhaft ift, muß ih weitern Beobachtungen anheimftellen. —
Merkwürdig ift es übrigens, daß die Var. Konewkai in ber
Raupe, und vielleiht au in der Puppe Abweichendes hat.
Daß diefes aber Eeine Andeutung einer Art ift, lehrt meine
Var. b.
105. (6.) fuliginosa.
Eine Raupe fand ic) bey Trieft in den Meihnachtstagen
unter einem Stein im Minterlager; weiter füdlih von den
Alpen habe ich diefe Art nicht zu fehen befommen.
Noctuae.
Die Gattungen diefer Familie find bey Coſt a nicht vollftän-
dig abgehandelt und an Arten ungemein arm. Sch gebe fein
Verzeichniß bier im -Bufammenbang: 1. Bryophila.
1) glandifera. 2) perla mit 1 zufammen auf Lichen
saxatilis. 3) par (tab. XII. f. 2.3.) um Neapel und in
Galabrien nicht felten. Die Raupe etwas dick, in der ganzen
Länge von gleicher Stärke, etwas platt mit fparfamen Haaren
auf Hoͤckerchen; gruͤnlich, ſchwarzbunt, an jeder Seite, mit
einer Neihe fhwarzer Flecke, welche aus zufammenfliefenden
Puncten beftehen; in der Mitte laffen fie eine Reihe, heilerer,
vorn faft zugefpigter Slede. Kopf ſchwarz; Naden mit 3. weiß:
lihen Fleckchen. Auf Lichenn. 3) receptricula nidt
fehe häufig. 4) raptrieula felten. 5) deceptricula
etwas felten. — Il. Noctua. 1) triangulum gewoͤhn—
ti. — IM. Triphaena. 1) janthina nicht häufig, doc)
aud nicht felten. 2) interjecta. 3) comes. 4) subse-
qua nicht häufig. 5) pronuba nicht leicht im Königreich
zu treffen. — IV. Amphipyra. 1) tragopogonis
mit der folgenden unter todter Baumrinde im Auguft: am
Afpromonte, über Mentalte. 2) speetrum in dunfeln Hoͤh—
ten; Auguft bis zum Detober. 3) pyramidea nicht fehr
häufig, mit tragop. am Aſpromonte. — V. Mania. 1) maura
in Gebirgen und bufchreichen Gegenden z. B. uͤber Piedimonte
d'Alife, am Afpromonte. — VI. Phlogophora. 1) me-
ticulosa um Neapel ſchon zu Anfang Februars. —
VIL. Apamea. 1) didyma im July und Augufi, aud
bey Tage auf Blumen. — VII. Thyatira. 1) batis
im Suly bisweilen im Thal von S. Rocco. — IX. Gonop-
tera. 1) libatrix bäufig im Aug. an bergigen Stellen, —
X. Mythimna. 1) neglee.ta bey Camaleli. —
XI. Caradrina. 1) glareosa. Naupe nadt, bleic,
unter Steinen. Verpuppung im März in Erde; der Schmet—
terling im April nah 47 Tagen. Bey Camaldoli. 2) exigua
häufig im Auguft bey Camaldoli, befonders auf den Wieſen
und in den Heden. — XII. Leucania. 1) Lalbum
in. großer Menge zu Anfang Auguft. — XHl. Cucullia.
1) verbasei: zweymal im Jahre, im Man und Septbr.,
auf den verfchiedenen Arten von Verbaseum. 2) tanaceti.
3) Wredowiin. sp. (tab. XIV.): alis ant. dentatis
cinereo-flavicantibus, nervis fuscis, vittis duabus albidis.
Der Falter unterfcheidet fih von Cuc. tanaesti hauptſaͤchlich in
der Farbe der Adern und in der Intenfität der Farbe aller
Flügel. Die Raupe ift aber auf den erften Blick von jener
verſchieden. Statt nehmlich beilbläulich zu. ſeyn mit. gelben
Streifen und ſchwarzen Puncten, wie jene, ift die von Cue.
Wredowii blaßgruͤn mit gelben Laͤngsſtreifen und hellen Fleck—
chen von derfelben Farbe, welche in Ränggreihen geordnet und
von Braun umgeben find. Eine Varietät hat dieſelbe Anord—
436
nung von gelben Streifen und Flecken auf braunrothem
Grunde. —
Das reihhaltigere und den Gattungen nach vollftändige Ver:
zeihnig Rambur's über die corfiihen Noctuen füge ich gleich-
falls im Zufammenhange bier bey (Annales de la Soc. entomol.
de France Il., pag. 54.)
1) Acronyeta tridens, — euphorbiae Fabr.? —
2) Bryophila Lichenes F. (var. par. F.?)— 3) Agro-
tis lidia Oram. — saucia H. — suffusa — segetum HA. —
crassa H. — trux H. (lenticulosa God.) — puta (lignosa
God.) — valligera — dilueida 4. — ce nigrum L. —
flammatra F. — 4) Graphiphora plecta L. — 5) Tri-
phaena orbona F. — pronuba L. — 6) Amphipyra
tragopogonis L. — livida F— effusa Bdv. — cinnamo-
mea Bkh. — spectrum F. — 7) Mania maura.. —
8) Heliophobus lichenea 7. — 9) Eriopus Latreillei
Dup. — pteridis F. — 10) Hadena capsincola E. —
carpophaga Bkh. — peresrina Tr. — suberis Bdv. —
protea Dup. — saportae Dup. — solieri Bdv. — aethi-
ops Ochs. — 11) Phlogophora empyrea H. — me-
ticulosa ZL. — 12) Eurhipia adulatrix. — 18) Miselia
oxyacanthae L. — 14) Polia conspersa Wv. — dysodea
Wv. — corsica n. I., p. 279. pl. 9. fig. 3. — flavieineta
F. — asphodeli n. L, p. 281. pl. 9. fig. 4. — 15) Apa-
mea ocelusa 47. — didyma Dkh. — 16) Mamestra
chenopodiphaga Bdv. — brassieae L. — chenopodü
Fabr. — oleracea L. — 17) Thyatira batis.. —
18) Gonoptera libatrix. — 19) Mythimna turca
L. — xanthographa F. — %0) Orthosia instabilis
F. — ambigna H. — ilieis Bdv. — stabilis 4. —
21) Caradrina cubicularis Wv. — fuseicornis n. L,
p- 286. pl. 9. fig. 5. — exigua 4. — plantaginis H. —
22) Lencania straminea 7’r. — punctosa Tr. — am-
nicola Ramb. IL, p. 289. pl. 9. fig.2. — L album L. —
riparia Ramb. I., 288. pl. 9. fig. 1. — vitellina 4. —
lithargyrea Bkh. — albipuneta F. — 23) Xanthia
Iuteago F. — rufina L. — aurago F. — flavago E. —
24) Cosmia trapezina L. — affinis L. — 25) Cerastis
rubiginea Wv. — 26) Xylina Leautieri Bdv.? — con-
formis F. — Merckii n. I., p. 293. pl. 9. fig. 6. — litho-
riza Bkh. — hyperiei F. — platyptera E. — 27) Cu-
cullia tanaceti F. — chamomillae Wov., vielleicht ver⸗
ſchiedene Art. — thapsiphaga Tr. Il., p. 22. pl. 1. fig. 2. —
scrophulariphaga n. Il., p. 20. pl. 20. fig. 4. — caninae
n. II, p. 29. pl. 1. fig. 5. — Iychnidis n. II, p. 17. pl. 1
fie. 3. — scrophulariae E. I., p. 14. pl. 1. fig.1. —
verbasci L. Il., p. 9. pl. 1. fig. 6. — 23) Abrostola
triplasia L. — 29) Plusia festucae L. — chrysitis L. —
eircumflexa L. — chalsytis 4. — gamma L. — ni AH. —
accentifera Lef. — 30) Heliothis peltigera W». —
armisera 4. — 31) Acontia solaris Wo. — luctuosa Wv. —
32) Catephia alchymista. — Ramburii Bdv. — 33) Cato-
eala elocata Esp. — nupta L. — dilecta H. — conjuneta
E.— nymphaea E.— conversa E.— 34) Erastria paula—
elichrysi n. II., p. 24. pl. 2. fie. 15. — seitula nn. Il,
p-26. pl.2. fig. 16. —.ostrina — minuta 4. — fuseula Wo. —
sulphurea 4. — 35) Anthophila aenea Wv.. — amoena
H. — obliterata n. Il., p. 2. pl. 2. fig. 17.— 36) Zethes
n. gen. insularis Il., p. 29. pl’ 2. fig. 12. (Noct. Natlyi Fr.)
Sch felbft beobachtete folgende wenige Arten.
a DU
437
Acronycta.
106. (1.) Rumicis.
Eine einzelne, halberiwachfene Raupe fand ich bey Syracus
am 23. April an Rubus frutie.; fie hatte bloß röthere Haare
als gewöhnlich, und ich nahm fie nicht,
.107. (2.) Euphorbiae.
An den Höhen der ehemaligen Neapolis bey Syracus fand
ih am 29. May eine ziemlich erwachſene Raupe auf Rumex
bucephalophorus, womit id) fie aufzog. Sie hatte, foviel ich
mich erinnere, die größte Aehnlichkeit mit der Abbildung in
Boisduvals Chenilles d’Europe. Bombycoides pl.1.
Euphrasiae, welche zu Euphorbiae gehört, und die ich ganz
übereinftimmend bey Neinerz einigemal fand, fo daß ic) es nicht
der Mühe werth hielt, eine neue Befchreibung davon zu. neh—
men. Beim Anblid des daraus am.20. Auguft erfchienenen
Schmetterlings bedauerte ih, es nicht gethan zu haben; denn
fein Ausfehen ift ſehr befremdend. Gröfe einer mittleren Acr.
rumicis; Flügel viel ſchmaͤler, nehmlich wie bey gewöhnlichen
Eremplaven der A. euphorbiae. Was diefen Schmetterling,
‚ein Weibchen, befonders auszeichnet, ift die Grundfarbe der
Vorderflügel und des Nüdenfchildes: ein viel weißeres Grau,
alg bey der hellften Acr. aceris mit fehr feinen fpärlichen,
ſchwarzen Pünctchen, deren Zahl auf den Schulterdeden und
am Hinterrande der Vorderflügel am fhwächften ift und aljo
die Grundfarbe hier am lichtejten erfcheinen läßt.
Seitenrand des Gefichts und Außenfeite der Tafter ſchwaͤrz⸗
ih; Fühler fadenformig mit weißlich beſchupptem Rüden;
Bruft und Beine weiß; Vorderſchenkel auf der obern Geite
fhwärzlich; die Dornen der Schienen fo wie die Fußglieder alle
mit tief ſchwarzem, unvollftändigem Ninge auf weißem Grunde.
Hinterfüße auf der Unterfeite mit braunroͤthlichen Stacheln
reichlich befeßt. Hinterleib obenauf hellgrau, an den Ringraͤn—
dern heller fowie an den Afterhaaren; Bauch weiß. Die Zeich:
nung der hier und da ſehr verlofchen gelblich gefleckten Vor—
derflügel ift fein und ſcharf. (Aus der Bufis geht Fein Längs-
fttih.) Das erſte ſchwarze Vorderrandfleckchen endigt unters
waͤrts in einem grauen Staubfled ; das zweite beginnt als eine
ſchief auswärts ziehende Linie, die aus drey einwärts geöffneten
Kappen befteht; fie ift dicker als die das Mittelfeld ſchließende
Querlinie und wird auswärts von einem unvollftändigen, von
ihe getrennten Schatten begleitet, der fich am Innenrand am
deutlichften als Fleck ausdrüdt. Der Ningflec groß mit dunke—
lem Kern; der Stirnfleck durd ‚einen grauen Querfleck faft
ausgefüllt; erfterer fteht unter einem ſchwarzen Vorderrandfled,
fegterer, welcher unter drey in der Stürfe abnehmenden ftebt,
bat unter fich gar feine Zeichnung; es müßte denn der Hafen
daflır genommen werden, der fich an der äußern Querlinie ein=
mwärts am erften Afte der Querader zeigt. Diefe Querlinie ift
ſehr fcharf und fein, einmwärts weißer als auswärts begrenzt;
ihe Verlauf und ihre Entfernung am Hinterrande hat nichts
Ungewohnliches; in der ftarfften Kappe (zmwifchen der Subdor—
falader ‘und dem erften Afte der Medianader) ift ein grauer
Schatten, ir welchem fih nur ein Analog des gewöhnlichen
ſchwarzen Längsftricheg erfennen läßt. Am Vorderrande folgen
hinter der Querlinie nody deutliche und, ein verlofchenes, ſchwar—
zes Sledchen. Die weißen Franzen haben feine, verlofchene
ſchwaͤrzliche Laͤngsſtriche, die fih am Ende verdiden und
verdunfeln.
—— —⸗
438
Hinterfluͤgel weiß; die Adern grau und ebenſo die Beſtaͤubung
zwiſchen ihren Aeſten; Franzen reinweiß, ungefleckt. — Unter—
ſeite weißlich, die Vorderfluͤgel im Mittelfelde grau beſtaͤubt.
Zeichnungen ſind nicht ſichtbar. Die Vorderrandflecke ſind in
ſehr ſchmale ſchwarze Striche verwandelt, und die der Franzen
find undeutlicher als auf der Oberſeite.
Da es vielleicht zur Aufklärung uͤber Acr. euphrasiae
dienen kann, fo gebe ich hier die Befchreibung von 3 Raupen,
die ih am Hochwalde und Sattelmald bey Salzbrunn fand.
Diagnofe der erwahfenen Raupe: Kopf fchwarz;
zweyter Ring oben querliber roth, ‚die folgenden oben tief ſchwarz,
mit fchmalen, grauen Hinterrändern, und jeder zu beiden Seiten
mit einem großen, hellgelben led; Seiten dunfelgrau mit
vorher Langsbinde und weißen, ſchwarz eingefaßten Luftlöchern
darüber, !
Befhreibung: Kopf glänzendfehiwarz mit hellem Stirn:
dreieck. Krallenfüße ſchwarz. Vom dritten Ninge an ift der
Rüden breit tief ſchwarz, doch hinten auf dem Ninge abge=
brochen und fo, daß das Schwarze fich hier rundet; am Mor:
derrande jedes Ringes verlängert e8 fich feitwärts zu einer Kinie,
die fih etwas um den gelben Seitenfle@ 'herumzieht und dann
unten im die graue Grundfarbe übergeht. Die gelben Flede,
die den fehwarzen Rüdenftreif einfaffen, enthalten jeder zwey
Marzen mit fchwarzen Sternhaaren; unter ihnen iſt der Grund
fhwarzgrau mit einer grauen, helleingefaßten, ſchwarzhaarigen
Marze. Der Seitenwulft ift roth, oberwaͤrts ſchwarz gefledit
und enthält eine vöthlihe Warze mit braunen Haaren; alles
darunter ift braungrau und jeder Ring mit einer Marze. Der
zweite Ring ift oben roth, vorn mit breitem ſchwarzen Fled,
der das Nothe ſehr einengt; es reicht bis zur grauen Seitenwarze
und enthält felbft auf jeder Seite eine Sternhaarwarze. Baud)
braungrau. Die Warzen find außer den dunfeln Haaren aud)
mit hellen, blonden oder weißlihen Haaren befegt.
Zwey ſolche, faft erwachfene Naupen traf ich nahe neben
einander auf Tussilago nivea, woran fie fraßen, am 2. Auguft,
und am 7. verfpannen fie fich.
Die 3. Raupe flopfte ih am 17. July am Sattelwalde von
einem Ebereſchenſtrauch; fie war in der vorlekten Häutung und
batte auf jedem Ninge das meißliche Kleeblatt fo deutlich, daß
ich augenblicklich an die Noöfelfhe Abbildung dachte, die zu
Acr. euphrasiae gehören fol. Nach der Häautung wurde. fie
aber vollfommen fo, wie die zwen oben befchriebenen Raupen,
nur daß die gelben Ruͤckenflecke heller und blaͤſſer waren, was
aber ganz natürlich iſt, da jene in freier Luft lebten, dieſe in
eine Schachtel eingefchloffen leben mufte. Sie fra außer
Sorbus aud Caprifolium ; fie ſtarb als Puppe. 7
Bryophila.
108. (1.) Receptricula.
Freyer Neue Beitr.. 2, Taf. 179. Fig. 3.
Von Spoliatrieula und Ereptricula, welche diefelbe Flügel
geſtalt und Flügelbreite haben, tinterfcheidet fie fih durch die
ſchraͤgere Stellung der nach außen convereren erften Duerlinie ;
von Fraudatrienla fondern fie ſogleich ihre viel breiteren und
kuͤrzeren Vorderfluͤgel.
Sch fing 1 Maͤnnchen und 2 Weibchen beym Agnanoſee am
19. Auguft an Eichenſtaͤmmen in der Gefellfchaft ‚der Eudorea
incertalis und crataegella; fie hatten ein ähnliches Betragen;
denn fie flogen leicht ab und verſchwanden fehnell im Schatten
439
der Baͤume. Ein Weibhen fand ih an einem Ahornftamme
auf einer Landſtraße nahe bey Neapel. Sie find alle ſchon
etwas verflogen, am meiften das Männchen. Keins von ihnen,
desgleihen von meinen 3 ungarifhen und öfterreichifchen Exem—
plaren, bat, wie Treitſchke befchreibt, nahe an der Wurzel
der Vorderflügel eine dunfleve Querlinie mit weißlihem Streif
oder die erfte vollftindige Querlinie einwärts weiß begrenzt;
der Nierenfled ift ungemein groß und hell fchieferfarbig ausgefüllt.
Agrotis.
108. (1.) Segetum.
Ein fhönes Männchen Elopfte ich am 12. Juny füdlih von
Spyracus aus Centaurea caleitrapa an der Landſtraße neben
Getreidefeldern. Es ſtimmt in allen Merkmalen mit den hieſi—
gen Männchen überein, außer in folgendem: Es ift etwas klei—
ner, die ziemlich lebhaft gezeichneten Vorderfluͤgel find längs
des DVorderrandes nicht dunkel fhattig, auch überhaupt wenig
beftäubt; der Zupfenflect ift halb fo lang wie gewöhnlih. Der
Bauch ift am Seitenrande braungrau gefledt.
109. (2.) dimidia n. sp.
Antennis (maris) semipectinatis (pectine 36 dentium);
alis anterioribus luteo griseis, annulo renuloque distinctis
cinereo expletis, conulo brevi augusto; posterioribus
niveis (fem. ignota).
Das einzelne guterhaltene Exemplar, das ich bis jegt für
Agr. segetum hielt, flog bey Catania am 27. Juny zwiſchen
den Lavaftüden auf und zeigte dabey das Betragen der Agr.
exclamationis. Es iſt eine fichere, eigne Art, die ſich von
Agr. segetum durch ihre Fühler und Kürze der Worderflügel
unterfcheidet. Bey Agr. segetum reihen die zwey Meiben
Kammzähne, in der Länge allmählidy abnehmend, bis über die
Fühlerhälfte, und jede befteht aus etwa 44—46; bey Agr.
dimidia erreihen fie faum die Hälfte des Fühlers, fteben weit—
lauftiger (weshalb fie leichter zu zuhlen find), und jede Neihe
beftehbt aus 34—36 Zähnen; die fo wie der Schaft bräunlich
und dunkler find als bey Agr. segetum. Ben diefer find die
Vorderflügel ſchmal und geftredt; bey Agr. dimidia fchmäler
und Eürzer, doch bey weitem nicht fo fehr wie bey Agr. trux.
Daß Agr. dimidia nicht zu Agr. trux gehört, die auch in
Sicilien lebt, aber mir nicht vorgekommen ift, zeigen die hoͤchſt
verfchiedenen Fühler beider Arten an. Bey Agr. trux mas
find die Fühler nur geferbt, und jeder Kerbzahn träge einen
ſehr ſonderbar geftalteten Haarpinſel. (Treitſchke fpricht
von ſtarken Kammzaͤhnen, daß man an ſeiner Art irre werden
moͤchte). — Bois duval ſtellt in feinem Index ©. 109 zwi—
ſchen Agr. segetum und trux eine neue Art, Sicula, und Cos
(Livia), die ich beide nicht in natura fenne, Freyers Livia
hat offenbar gar Feine Verwandtfchaft mit Agr. Segetum, und
alfo auch Eeine mit Agr,. dimidia. — Sieula ſoll fchmälere
Vorderflügel haben als Agr. Cos und Segetum, mit weißlich
‚grauen Mittelzeichen ufw., mas auf meine ‚Art alles nicht
paßt. Zafterbau derfelbe, wie bey .Agr. Segetum; an der
Seite gleichfall® braun, übrigens fo wie der Kopf und der
Ruͤckenſchild gelbbräunlichgrau, wie bey den dunkelſten Männ—
hen von Agr. Segetum; der Querftrich auf dem Kragen fehr
verlofhen. Beine nicht verfchieden. Hinterleib hellftaubgrau,
am Bauch meißliher und an deffen Rande ohne Flecke.
440
Die Grundfarbe der Vorderfluͤgel iſt wie bey fehr dunkeln
Segetum- Männder, ein helles fhmusig gelbes Braun ohne
die Querftrichelchen, die diefe fo reichlich haben; doch längs des
Vorder- und Hinterrandes verdunkelt. Die fchwarzen Puncte
auf dem Vorderrande und die Mittelzeichen find wie bey der
gemeinen Art; Ring- und Mierenflet find ganz mit dunklem
Grau ausgefüllt; der Zapfenfled ift kurz und mit grauer, Füls
lung., Die bintere Querlinie ift verlofchen, doch zu erkennen;
dicht hinter ihr gleichlaufend gebt eine verlofchene Neihe Tchwärzlis
cher Puncte auf den Adern; die Queilinie vor dem Hinterrande
ift nur in Bruchftüden ſichtbar mit ſchwachen Zaden (wie oft
bey Agr. Segetum) und ſchwach fehattirt. Bor den Franzen
geht eine Neihe ſchwarzer Punete ganz wie bey Agr. Segetum.
Die reinweißen Hinterflügel und die Unterfeite zeigen gar feine
BVerfchiedenheit von unferer gemeinen Saateule.
110. (3.) crassa.
Ein Weibchen Etopfte ih am 28. Auguft bey Nom in der
Campagna aus Difteln.
Diefes Exemplar Eann ich wegen der an der Wurzelhälfte
weißen Hinterflügel nicht zu Treitſchke's Agr. lata rechnen:
auch findet fih auf den Vorderflügeln nicht: der von ihm be=
merkte Unterfchied. in der Einfaffung des Ningfledes, der. Elein
und in die Länge gezogen, von einer ſchwarzen Linie eingefaßt
ift, innen ſchmutziggelb mit braunem Kern.*
Es ift größer als meine Agr. erassa fem., aber in den
Flügeln nicht breiter und in der Färbung wenig. verfchieden.
Nur die beiden voiftandigen Querlinien zeichnen fich ſehr aus;
die erſte nehmlich, weiche vollig geftaltet ift wie bey Agr. crassa,
und die hintere, welche oberwärts dem Nierenfle@ ganz nahe
fommt, find beide, jene auswärts, dieſe einwärts tiefſchwarz
gerandet. Dieſer ſchwarze Nand wird durch die Adern, und
Flügelfalten in Stuͤcke gef&nitten. Der Raum zwiſchen der
bintern Querlinie und dem Nierenfleck iſt unterwärts mit
Schwarz ausgefüllt, und oberwärts berühren fich beide. (In
Heegers Bild der Agr. lata hängen beide Überall an einander).
Die Zadenlinie hat fchärfere Zähne, die fich dem SHinterrande
mehr nähern. (In Heegers Bild der Lata geht fie ganz grade.)
Statt der ftarken Punkte, die Agr. crassa am Hinterrande
bat, find nur dünne kurze Strichelchen. fihtbar, Der Zapfenfled
ift nur halb fo lang wie bey Agr. crassa, wie. in. Heegers
Bild der weiblichen Lata.
Die Unterfeite zeigt nichts erheblich Abweichendeg.
nem roͤmiſchen Meibchen Eommt ein ficilifches aus der Samm—
luug des Herrn Mesner in vielen Dingen überein. Die erfte
QDuerlinie ift noch vollftändiger. und, mit ſehr deutlichem Hafen
am Innenrande ; der Ningfled und die 2. Duerlinie ftimmen
eben fo ſehr mit meinem &remplar, wie fie von Heegers
Bild der Agr. lata abweichen. Die Hinterflügel- find: auf der
Dberfeite reinmweiß, gegen die Franzen allmählich und ſchwach
gebräunt; auf der. Unterfeite find fie faft einfarbig weiß, nur
am Vorderrande ein wenig braunlich; zwifchen dem Hinterrande
und dem Mittelpunct, geht eine bräunliche Schattenbinde, die
auf dem Vorderrande am Iebhafteften, und ‚auf den Andern
= Sch muß bemerken, daß mein fchlefifches Meibchen der Agr.
erassa einen recht großen Ringfleck hat, der von einer feinen ſchwarzen
Linie gebildet wird, welche einen gelblichweißen, dünnen, grau ausge=
füllten Ning umzieht, grade wie in Heegers Abbildung; hiernad)
wäre es alfo Agr. lata Tr., und doch ift es eine fichere Crassa.
*
*
Mit mei⸗
441
weniger verlofchen ift ald in ben Zwiſchenraͤumen. Treitſchke
ſcheint, wenn feine Ag. lata wirklich eine eigene Art ift, die
Unterfhiede eher verwirrt als auseinander gefept zu haben.
Heegers Abbildung "in feinen Beiträgen zur Schmetterlings-
Eunde Tab. 1. Fig. 4. 5. ©. 5.) Elärt das Dunkel nur ‚foweit
auf; ats fie die Vermuthung erregt, daß Treitfchfe feines-
wegs eine zumlihe Anzahl von Eremplaren virglichen ‚hat, wie
frine Worte ve muthen laffen , fondern etwa ein Pärchen (auch)
enthielt fein? Summlung zufolge des gedruften Gatalogs nicht
mehr). Heegers Bild hebt die dunfeln Einfaffungen der
Duerlinien der Vorderflügel nicht hervor und giebt den einfarbig
grauen Hinterflügeln reinweiße Adern. Seine Abbildung des
Maͤnnchens (Fig. 4.) zeige allerhand erhebliche Abweichungen
von der by Freyer (Meue Beite. 2, Taf. 147. S. 89), und
eine Beſchreibung iſt nicht gegeben, - Freyer aber erfennt die
Verwandtſchaft feineg männlichen Fulterg mit Agr. erassa
nicht und maht alfo deren Unterfchiede nicht bemerklich. Die
Zackenlinie ftellt er anders dar als Deeger, und anders als
fie bey Agr. erassa geftaltet ift; da aber Treitſchke feinen
Unterfchied darinn fah, fo folgt, daß) jeder der 3 Autoren feine
Agr. erassa in anderem Kleide erblidt: hat, und daß entweder
wahre Unterfchiede zwifchen den beiden Arten aufgeftellt, oder
wenn dies: nicht möglich iſt, beide wieder vereinigt werden muͤſ—
fen. Den fiherften Unterfchied der Männchen würden die Fühs
ler geben, wenn fie fo wären, wie Treitſchke befchreibt:
vielleicht gehören auch die. fhwarzen Einfaffungen der Querlinien
zu den fpecifiichen Merkmalen, aber fehr wahrfheinlid) nicht
die Größe der Körpers und. der Flügel.
Amphipyra.
111. (1.) dilucida.
Ein einzelne® Eremplar flog am 10. März Vormittags im
Gebirge bey Meffina auf einer grafigen Stelle mehrmals auf
und feste ſich nach einigem‘ Fluge wieder ing Gras, nah Sitte
ber Antoph. aenca.
Nach der Dümnheit feines Hinterleibs und nach der Befchaf:
fenheit des Afterbufhes, in welchem fich beim Unterfuchen mit
einer Nadelſpitze zwey Afterzangen vermuthen laſſen, ſcheint es
ein Männchen zu fehn; die Fühler aber find auferordentlic)
fein, daben ungewöhnlidh Lang, microfcopifch behaart;
gegen die Spige werden die Haͤrchen länger, und in gleihen
Abftänden, indem wahrſcheinlich jedes Glied eins trägt, fteben
dazwiſchen längere‘ Hätchen. Von der Flügelzeihnung fcheint
Treitſchke eine falfhe Vorftellung zu haben. Die Grunds
farbe ift fhmusig hellgelblichgrau, reichlich dunkel beftäubt, am
meiften am Hinterrande, Der Worderrand hat drep braune
Slede; aus dem erften, der nicht weit bon der Baſis abiteht,
fommt eine zadige undeutlihe Querlinie, die vor dem Innen—
rande einen. ftarken Bogen nah aufen macht. (Dies fcheint
Treitſchke's erſte Querlinie zu feyn; fie ift aber in der That
für die 2. zu nehmen, «indem ‚die eigentliche erſte fehlt.) Darauf
kommt, ungewöhnlich weit, gegen die, Baſis zu gerückt, der auf
einen ftarken, braunen, Punet reducierte Ringfleck. - Ziemlic)
weit von ihm, auf der Querader,, fieht der; in. eine, undeutliche
Mondfihel verwandelte Nierenfleck. Zwilhen ihm und‘ dem
vorhin bezeichneten Punct, und zwar, diefem näher, ftebt der
2. Vorderrandfleck; von ihm geht eine ſchwache Schattenlinie
herab faft bis zur Mondfichel und reicht dann. al® ein. grauer
Mebel, der. wenig dichter ift als die Grundfarbe, bis an den
Iſis 1847. Heft. 6.
442
Innenrand; dies ift die Schattendinde. Hinter der Mondſichel
fommt der 3. Vorderrandfleck, der von dem 2. weiter abſteht,
als dieſer von dem erfien; von ibm gebt eine wellige Linie
herab, die an den Medianaderäften ihre Richtung faft in gerader
Richtung; einwärts nimmt, bis fie unter die Mondſichel gelangt
ift, von wo an fie als verdickte, deutliche Wellenlinie faſt ſenk—
recht auf den Innenrand zugeht und ihn verduͤnnt auch erreicht;
der duͤnnſte und undeutlichſte Theil dieſer 2. Querlinie iſt der
an der Medianader zuruͤckgehende, weshalb es ſcheinen kann,
als ob ihr unterer Theil die Fortſetzung der Schattenlinie iſt,
die am zweiten Fleck entſpringt. Die ſehr verloſchene Zacken—
linie, dem Hinterrande näher, als der 2. vollftändigen Querlinie,
macht eine ſtarke Biegung gegen hinten unter dem Vorderrande
und eine breitere, in den Medianaderaͤſten; ihr Innenrand iſt
dunkler fchattiert als ihr Außenrand. Die Hinterflügel find
nicht hellgelb (wie Treitſchke fagt), fondern gelblich ſtaub—
grau, am Hinterrande verdunkelt. Die Unterfeite bat Treitſchke
richtig angegeben. Die Länge der Franzen hebt er‘ mit Recht
in feinen Gattungen Agrotis und Amphipyra hervor.
Allein die Art gehört ohne Zweifel zu feiner von beiden,
fondern fteht der Noctua Spectrum durh die Fühler, die
Franzen, den Slügelbau und die Zeichnung fehr nahe; fie unter
ſcheidet ſich von ihr durch dag Außerft kurze Endglied der Taſter,
mäbrend es bey N. spectrum ziemlich) lang und dornartig ift.
Boisduval vereinigt beide Arten und Cataphanes in feinem
Genus Spintherops, Index ©. 98. Diefelbe Vereinigung
behält Guenee in feinem curiosen Noctuen-Syſtem bey,
doch fo, daß er die Gattung Amıphipyra beißt und fie mit
den übrigen Amphipyren zwifchen die Plusien und Ophiusen
ftett (Annal. de. la.soe. ‚entomol. 1841. ©. 143.)
Boisduvals Abbildung; pl.,80. fig. 5. (ohne Zert) ift
ganz unkenntlich; die Flügel find gegen ‚die Baſis zu ſchmal,
und, am Hinterrande ; zu gleichmäßig. gerundet (ſtatt unter der
Mitte etwas mehr hervorzutteten). Die Grundfarbe ift zu
röthlich, die Worderrandflede zu Elein, die Zadenlinien vor dem
Hinterrande zu deutlih und faft "gerade, "einmwätg zu dunfel
ſchattiert. Die Hinterflügelfcanzen ſind zu fkurzz die, Fühler
zwar von tichtiger Lange, aber zu did.
Herrih= Schäffer giebt in feiner ſyſtemat. Bearbeitung
Noctuid, tab. 2. fig. 11 bloß. die. characteriftifche Unterfeite,. diefe
aber richtig, - Der Text fehlt auch dazu.
Triphaena.
112. (1) Comes.
Zwey Männchen, das eine in ber Größe einer gewöhnlis
chen Comes, das zweite viel Eleiner, und zwar "fo ‘groß tie
Subsequa, beide mit breiten, Eurzen Flügeln. Jenes hat auf
den: Iehmig gelbgrauen Vorbderflügeln gar keinen Ningfled und
einen fehr verloſchenen Nierenfled ohne Einfaffung. Die Zaden:
linie ift einwärts nur ſchmal braun gefäumt. Dies Crempfar
fand ich bey Catania am 3. July todt an einer Binfenfpige
(Juneus acutus), an die es fich durch fchnelles Darauffliegen
gefpießt hatte.
Das 2. Männchen hat mehr gelbgraue Vorderfluͤgel und
deutliche Zeichnungen ;. die’ Zadenlinie vor dem Hinterrande iſt
einmwärts: breit braun fhattiert, und vor dem Hinterrande geht
eine Reihe ſchwarzer, dreiediger Puncte her. »Der Queraderfleck
ber Hinterflüget: ifb bey ihm wie bey dem großen: Eremplare
did und ſtark, und die Randbinde breit. Es - flog beym
28*
443
Agnanofee im Gaftanienwalde aus duͤrrem Laube auf und fegte
fi) mehrmals auf den Boden am 19. Auguft.
113. (2.) Pronuba,
Die Raupe fand ich an gleicher Stelle mit der von Fimbria,
und erhielt daraus den männlihen Schmetterling am 15. May.
Er gehört zu den Eleineren feiner Art. Die Vorderflügel find
breit, wie nicht oft bey dem einheimifchen alter, dabey fehr
heil Iehmig grau mit etwas röthliher Beimiſchung und ohne
Auszeihnung des Vorderrandes; der Rüdenihild und der ein
farbige Kragen ſtimmen mit den Vorderflügeln überein. Taſter
an der Seite braunroth, darliber mit der Forrfekung des hell-
gelbliben von der Fühlerbafig am Augenrande hinziehenden
Striches. Uebrigens hat es gar nichts Auffullendes.
Diefe Art traf Wagner aud in der Negentfchaft, Algier
an mehrern Stellen (Meifen in der Negentichaft Algier 3,
Seite 207).
114. (3.) Fimbria.
Hiervon fand ic im anfangenden Februar eine Raupe auf
dem Gaftellaccioberge bey Meflina an einer Mauer unter Steis
nen und nährte fie mit Alsine media. Der Schmetterling
kroch mir im May in Syracus aus. Es ift ein Männden,
faft Eleiner als gewoͤhnlich, den Worderflügein nach zu der
hellſten Warietät gehörig. Die ſchwarze Hinterflügelbinde iſt
etwas breiter, verengt daher die orangenfarbene Innenhaͤlfte des
Flügels und hat einwärts einen faſt geradlinigen Nand.
115. (4.) Janthina.
Un derfelben Stelle, wo fih Tr. comes gefpießt hatte, flog
am 3. July gegen Abend ein ſchoͤnes Männchen diefer Art
auf und wurde gefangen. Es hat gar nichts Auffallendes.
Ein ſchlechtes Eremplar erhielt ich bey Cifterna an den pontini=
fhen Sümpfen in einer Dede am 24. Auguft.
116. (5.) Linogrisea.
Am 16. Auguft fand ih 2 Eremplare in dem Gaftanien=
malde zwifchen Camaldoli und Antignano bey Neapel; fie fchof-
fen mehrmals ſchnell auf und ließen fi nah kurzem Fluge
ſchnell wieder auf den Boden nieder. An dem einen erhafchten
Eremplar, einem Männchen, zeigt fich nichts Auffallendes.
Eriopus.
117. (1.) Pteridis.
Ein Maͤnnchen ſcheuchte ich bey der Sibyllengrotte bey Bajaͤ
aus Farrenfraut am 11. Auguft; es flog eine kurze Strede
bin wie ein dunfler Züngler und feste ſich auf die bloße Erde.
Phlogophora,
118. (1.) Meticulosa.
An gleicher Stelle mit dem Triph. pronuba und Fimbria
fand ih 3 Raupen diefer Art, die ich mit Alsine media füt-
terte. Zu Ende Aprils (die erfte am 20. und die legte am 30.)
famen mir die Schmetterlinge in Syracus aus, die fich weder
durh Größe, noch durch Färbung auszeichnen. — Sn der
Regentſchaft Algier lebt diefe Art an der Küfte und im Innern.
(Wagners Negentfhaft Algier 3, ©. 207.)
444
Polid.
119. (1.) Dysodea.
Einzeln am 25. July an einer Mauer des Gaftellaccio ge—
funden, ein Eleines Männchen, mit vorzüglich heller Grundfarbe.
Die Vorderflügel find grauweiß, wie an feinem einheimifchen
Eremplar, und ihr Mittelfeld iſt dunfel bläulichgrau. Die
aufgeftreuten orangegelben Fleckchen ſtehen ganz wie gewöhnlid),
find aber lebhafter und ftehen von dem reinen Grunde beffer
ab; auch die Zeichnungen haben durchaus die gewöhnliche Geftalt.
Nur der Nierenfled hängt an einem kreiteren, weißen Vorder—
tandfledchen, und an der 2. Querlinie (hinter dem Nierenfled)
find die Kappen, melde zwifchen. der Subdorfalader und den
Aeſten der Medianater liegt, nicht durch reineres Weiß von
dem übrigen Theile diefer Linie ausgezeichnet; die Franzen find
heller. grau mit breiteren, weißlichen Sledchen, die, was fehr
felten bey Dysodea vorkommt, die ganze Länge der Franz
zen haben, wodurch diefe. alfo ‚grau und weißlich alternirend
ausfeben.
Die Hinterflügel find faft reinweiß mit ſchwaͤrzlichgrauem
Hinterrandicharten, vor welchem deutlicher, vollftändiger und dem
Hinterrande näher die weiße Querlinie herzieht. Die weißlichen
Stellen im Randfchatten wie bey der nordifchen Dysodea.
Unterfeite einfarbig, etwas weißer als fonft, ohne verdunfelte
Stellen, und ohne deutliche Vorderrandpuncte der WVorderflügel.
An den Füblern, Taftern und Beinen entdede ich Eeinen Unter-
fhied. Die Fühler find nicht, wie Treitſchke V.,2. ©. 17
befchreibt, geferbt, fondern bogenförmig und ſehr Eurz und zart
gefranzt, auf der Ruͤckſeite weiß mit dunfelgrauen Rändern der
Glieder, und auf der Bauchfeite braunroͤthlich.
Mamestra.
120. (1.) Chenopodii.
Unter mehrern fchlehten Exemplaren fing ih am 27. Aug.
ein qutes Männchen außerhalb der füdlichen Stadtmauer Roms,
wo ich fie aus Difteln Elopfte. Es ift ein wenig kleiner als
gewöhnlidy und hat hellere Vorderflügel; der Ringfieck iſt etwas
verlofhen und ohne dunfeln Kern, der Kegelflef Eurz und kaum
ein wenig dunkler ausgefüllt. Uebrigens ift die Zeichnung ganz
diefelbe wie bey unferer M. Chenopodii. Die Hinterflügel
etwas weißer mit beffer abgefegter Nandbinde. Auf der Unter:
feite der Vorderflügel iſt der Nierenfleck ſchmal, ziemlich blaß
und unterwärts ohne Schatten. Die gewöhnlichen Linien find
faft völlig verlofchen,
Caradrina.
121. (1.) Kadenii.
Freyer Neue Beitr. 2, ©. 147. Taf. 186.
Fiſcher v. Röslerffamm Beitr. S. 78. Taf. 36.
Big. 2. £
Ein fhönes Männchen Flopfte ih am 21. Suny bey Syracus
auf dem Kalkhöhen von Achradina und Difteln. Es hat mehr
Aechnlichkeit mit Freyers Abbild. ald mit der Fifcherfchen
und unterfcheidet fich von meinen drey andern Cremplaren
(2 M., 1 W.) dadurh, daß die Zadenlinie dem Hinterrande
näher fteht und weniger hervorftehende Eden bildet; ihre gelblis
hen, durch die Rängsadern getrennten Kappen find alle deutlich
und ziemlidy ſcharf, und jede frägt einwärts einen röthlichbraunen
Kegelſchatten. Die weißen 3 Pünctchen an dem etwas verlo-
445
fhenen und nur auswärts gelbgefäumten Nierenfled find ganz
deutlih: einer am obein Ende, 2 am untern der Länge nad)
bintereinander. Der auf einen Punct reducierte Ringfleck iſt
nicht fehr deutlich, dagegen der Mittelpunct auf den Hinterflüs
geln defto deutlicher.
122. (2.) junceti n. sp.
Alis anterioribus angustatis, griseis, annulo_ flavido,
obseurius expleto, renulo griseo, flavescenti submarginato;
posterioribus utrimque albis margaritaceo - micantibus
superne griseo -venosis marginatisque.
Var. 6. renulo utrimque obscurius cinereo - obumbrato.
Diefer Schmetterling, der entfchieden mit Cubiceularis gene=
tifch verwandt iſt und ihr aud etwas nahe kommt, fiimmt
einigermaßen mit Treitfch Ees Befchreibung der Carad,
exigua, doch nicht fo, daß nicht allerhand Zweifel gegen die
Spentität erhoben werden fonnten. Ich halte es daher für dag
Sicherſte, ihn unter einem eignen Namen zu befchreiben und
die Abweichung bemerklich zu machen.
Größe veränderlich, höchfteng wie eine Eleine Cubicularis.
(Borderflügellänge 53 —6%”'.)
Fühler borftenförmig, zart pubescirend gefranzt beym Maͤnn—⸗
chen. Zafter weißgrau, von 14 Augenlängen, etwas auffteigend,
anliegend, mit abgefegten, etwas cylinderifchen, zufammengedrudten
Gliedern; Endglied von 4 Länge des 2. Gliedes, ziemlich dünn
und ſtumpf, mit braunlibem Seitenfled; das 2. Glied augs
wärts gleichfall8 mit hellbraunem Fleckchen, dem ſich nah unten
ein lichterer Schatten anfchließt. Nüffel lang. Halskragen
grau mit dunklerem Hinterrande. Beine hellgrau, Fußglieder
obenauf mit breiter. brauner Bafis; nur bey den Hinterfüßen ift
diefe Farbe blaß und weniger verbreitet. SHinterleib hellgrau,
mit gelblih grauem Afterbufh und einem Schuppenbuͤſch—
chen auf dem erſten Segment hinter dem Schildchen. Vorder:
flügel ſchmal mit ſehr flach gebogenem Hinterrande. Grunds
farbe, wie auf dem Rüdenfchilde, ftaubgrau, gleich der Färbung
von Cubieularis; hier und da dunkler; der Worderrand bat
6—7 Eleine, verlofchene, braune Fleckchen, und hinter der Mitte
3—4 meißlihgraue, durch dunfleres Grau gefchiedene Puncte.
Die beiden gewöhnlichen Querlinien find ‘mehr oder meniger
verlofhen und bieten nichts Merkwürdiges; auch ift dag Mit:
telfeld nicht verdunfelt. Der Ringfleck ift Elein, faſt kreisfoͤr—
mig, blaßgelb mit dunflerem, bisweilen roftbraunem Kern; er
ſteht der erſten Querlinie etwas näher als der Nierenflecd der 2.
Diefer hat gewöhnliche Größe und einen fehmalen, grau ausge:
fülten, nierenförmigen Ring, von einem oben unvollftändigen,
blaßgelblihen umzogen; er ift bläffer als der Ringfleck und aus—
märt3 gegen die Querlinie dunkel fchattiert. Die gezadte Linie
ift verlofchen blaß graugelblich, durch die Kängsadern ftarf zer—
fhnitten und auswärts ftellenweife von einem dunfeln Schatten
begrenzt. Der Hinterrand hat eine Reihe von 7—8 ſchwarzen
Püncthen, an denen einmwärts blaßgelbliche hängen. Franzen
grau mit etwas dunkleren Querlinien und auswärts dunkler
gefledt. Hinterflügel Fürzer als bey Cubieularis, daher mit
fpigerem VBorderwinfel, weiß, durchfcheinig und auffallend lila—
farbig ſchillernd. Die Adern find braͤunlich, eben fo die Hin—
terrandlinie, die fo wie der Vorderrand ſchmal hellgrau ſchattiert
if. Franzen reinweiß, an dem Vorderwinkel ſchmutzigrau.
Unterſeite glänzend. Vorderfluͤgel grau gelblichweiß, in der Mit—
telzelle, um die Querader und an dem Vorderwinkel grau;
Franzen hell, auswärts dunkel, bisweilen verlofchen geſcheckt.
446
Die weißen Hinterflügel haben‘ bier einen noch fchöneren Lila—
fhimmer, als auf der Oberſeite; der Vorderrand bis zur
Subeoftalader ift ſtaubiggrau gelblichweiß; auf der vordern
Hälfte der Hinterrandlinie liegen 5—6 braune Puncte. Die
Adern find wie die Hinterrandlinie gelblichweiß und die Quere
ader hat feine Verdunfelung.
Var. b. unterfcheidet fich weiter durch nichts als dadurch,
daß zwifchen Ring und Nierenfled ein dunfelgrauer Schatten:
fle@ ift, dee mit einem Vorderrandfleckchen zufammenhängt.
Der Nierenflek hat hier die veinfte Roſtfarbe. —
Das Weibchen läßt ſich am beften an den noch ſchwaͤcher
pubescierenden Fühlern erkennen; außerdem find die Vorderfluͤgel
ein wenig breiter und dunkler. Es hat feinen dien Hinterleib,
und fein Afterbufch ift ftärfer als beym Männchen.
Das erfte Cremplar fing ich bey Syracus am 31. May in
den Sümpfen der Cyane an einer fehr reichlich mit Juncus
acutus bewachfenen Stelle, wo es aus einem Binfenbuh
aufflog. Auf einer gleihfallg mit Juncus acutus bededten
Wiefe bey Catania, die im Winter und Frühjahr gewiß größe -
tentheild unter Waffer fteht, flogen am 2. und 3. July mehrere
Eremplare aus den Büfchen auf und festen fich nach Eurzem,
fhiegendem Fluge, aͤhnlich wie Erastr. uncana fchnell wieder in
einen Buſch. Hier waren fie wegen der Stachelfpigen der
Binfen ſchwer zu befommen, weil diefe theils mich ftachen,
theils die Scheere aufgefperrt hielten, fo daß der Schmetterling
davon zu fliegen oder fich füllen zu laffen oft Gelegenheit hatte.
Bisweilen fiel er bis auf den Boden: und faß dann mit: hori=
zontaler Flügelhaltung. Er iſt an folhen Stellen wahrſcheinlich
gar nicht felten.
Treitſchke's Car. exigua fol eine Vorderfluͤgelgeſtalt wie
Car. cubieularis haben. Die Worte der Diagnofe vereinigen
ſich ſchlecht mit der Beſchreibung; die macula orbieularis
flava wird in diefer zu einer weißen Mafel mit hellgelbem
Keen; auch die Nierenmafel ſoll weißlih und in der Mitte gelb
und braun getieft fein.
Ebenfo wenig paßt die Befchreibung der Zadenlinie und der
Randpuncte, und an den Hinterflügeln wird der fo charactes
riſtiſche Lilaſchiller mit Eeiner Silbe erwähnt. — Hübners
Bild zeigt zwar die Vorderflügel fo ſchmal, wie bey meiner Art,
aber ganz anders gejtaltet, nehmlich viel fpiger. Die Zeihnungen
flimmen auch meder im Ausdrud, da fie viel zu lebhaft. find,
noh in der fonftigen Beſchaffenheit. Der Ringfleck bebt ſich
nicht aus der Grundfarbe hervor, und die Hinterflügel find
ſchmutzig lihtgrau, was gegen die Bafıs in Meiß übergeht.
Leucania,
123. (1.)flava.
Freyer Neue Beitr. IV., ©. 141. Taf. 370. Fig. 2.
Mein ziemlih gut erhaltenes, einzelnes Meibchen faß am
23. May Morgens auf einer Blume fchlafend in dem von
Getreideaͤckern umgebenen Amphitheater von Syracus. Es ift
Eleiner als Freners Abbildung und auf den Vorderflügeln
gegen die Baſis nicht fo dunfel gelb; am Hinterrande färben ſich
die Längsadern braͤunlich; der Ringfleck ift nur als weiße,
fhlecht begrenzte Stelle vorhanden; der gleichfalld gegen bie
Bafis nicht gut abgegrenzte Nierenfled fegt ſich in einem brei-
tern, doch mehr gelblichweißen Streif bis in die Flügelfpige fort;
der meiße Streif zwifchen der Median- und Subdorſalader ift
447
ohne Schärfe. Auf den weißen: Hinterflügeln find die Adern
nur gelb und wenig zu bemerken.
Freyer laͤßt hier die Medianader fich in’ drey Aefte auflöfen;
es ift aber gewiß, daß feine Noctua fo wenig wie die meinige
die Eleine Gabel am Hinterrande beſitzt, und daß beide zu einerley
Species gehören, Auf der Unterfeite der Vorderflügel ift von
Flecken gar nicht3 zu bemerken, und nur die Querader zeichnet
fich durch reines Weiß aus. Die Fühler find verhältnifmäßig
kurz, borftenförmig, gegen die Spitze microfcopifch pubescivend,
auf dem Rüden weiß; die Haare des Wurzelgliedes verlängern
fih in ein Büfhchen. Kopf weiß mit aufgerichteten, graden
Haaren auf dem Scheitel. Augen etwas Elein, länglichrund
mit fenfrehtem längeren Durchmeffer. Nebenaugen verftedt,
erft nach Abreibung der Behaarung in ihrer Gegend fidtbar.
Taſter von 1% Augenlängen, wenig über das Untergeſicht her—
vorftehend, weiß, ziemlich dünn, zufammengedrüdt, gerade, etwas
aufgerichtet, auf der Unterfeite abftehend behaart; das Endglied
als Eleine, dünne, ftumpfe Spike vorragend. Nüffel aufgerollt,
wie es fcheint, nicht fonderlih lang. Beine weiß, ungeflecdt ;
Vorder: und Mittelfchenkel unten wollig; Hinterſchienen dicker
und länger als die Hinterfchenkel, auswärts behgart mit kur—
zen, dünnen Doinenpaaren.
Daß diefe Art nicht-mit den Leucanien Pallens, Straminea,
Comma etc. verwandt ift, gebt aus der Belchreibung der Kor:
pertheile hervor; mir. fcheint fie mit der Simyra venosa mehr
Uebereinftimmung zu haben.
124. (2.) vitellina.
Ein fehr abygeflogenes Männchen fing ich am 6. Juny jens
feit8 des Anapo Abends an Scabiofen zwifchen den feuchten
Aeckern. Da Boisduval den Auguſt als die Flugzeit angiebt
(Inder ©. 132), fo muß diefer Schmetterling eine doppelte
Generation haben, deren erfte in den May füllt.
Warum Treitfhfe und Boisduval unfere Vitellina
zu den ächten Leucanien jtellen, ift nicht abzufehen, da ihre
nahe Verwandtſchaft mit Conigera ſchwer verfennbar fcheint.
125. (3.) L album.
Ein. Weibchen Elopfte ih am 27. Auguft bey Nom aus
Diftelgeftchpp.
Xanthia.
126. (1.) ochroleuca.
Ein Pirhen von Syrgeus, beide auf trodnem Boden aus
Difteln geklopft, dag Männchen am 10. Suny, dag Weibchen
am 16. Kesteres bildet eine auch bey ung vorkommende Varie—
tät, bey welcher die beiden Quexlinien in der Gegend des Zupfen-
flecks fich faft berühren. (Bey einem biefigen Männchen fließen
fie bier wirklich zuſammen).
Cerastis.
127. (1.) rubiginea.
Ein) ziemliches Eremplar, das bloß nach feinen ſchwaͤcher be—
baarten Fühlern ein Weibchen ift, fand ich am 31. Januar
bey Zrieft unter einem. Steine im Winterfchlaf. Es iſt im
‚ganzen Mittelfelde fo dunkel mie vor dem Hinterrande und daher
laſſen ſich der Ring = und der. Nierenfled ziemlich gut erkennen;
erfterer bat eine fehr. wenig verdunfelte. Mitte.
Der Bauch bat in der Mitte am Anfange jedes Ringes: einen
fhwärzlichen Fleck, und zu jeder Seite des Ninges noch einen.
—
448
Am Anfang des Afterbufches ſteht ein — ſchwarzer, deutli⸗
cher Puncte.
Wenn Treitſchke's Beſchreibung der Fühler richtig wäre,
müßte feine Art vonder meinigen verfchieden ſeyn; er bildete
fih ein, beym Männden gezähnte, beym Weibchen gekerbte
Fühler zu feben. Mein bey Frankfurt an der Oder im Fruͤh—
ling unter dürrem Laube gefundenes Männchen bat fie borſten—
förmig, mit faft nicht zu unterfcheidenden Gliedern, alfo ſchwach
gekerbt, und beym Weibchen find fie noch weniger abgeſetzt;
beym erftern hat jedes Glied auf der Unterfeite ein doppeltes
Haarbuͤſchchen, wodurd der ganze Fühler zatt gefranzt erfcheint,
und auf dem Rüden hat jedes Glied 2 zarte, faſt anliegende
Härchen. Beym Meibchen find die Franzenhärchen aͤußerſt Eurz,
und jedes Glied hat am Nüden und am Bauch ein längeres
abftehendes Härchen,
Cleophana.
128. (1.) Hyperici.
Aus Difteln geklopft key Syracus auf Kalkfelsboden am
21: Zum.
Es ift ein etwas verflogenes Männchen, auf der ganzen Ober:
feite viel heller grau ‚als ‚gewöhnlich 5; auf den Hinterflügeln mit
wenig ausgezeichneten Adern. Auf der Unterfeite fehlt: beiderley
Flügeln der vöthliche Anflug des Vorderrandes.
129. (2.) Platyptera.
Freyer Neue Beitr. 5, ©. 49. Taf, 412. Fig. 2.
Ein Pärchen fing ic) bey Meflina an dem Gaftellaccioberge
am 22. und 23. July. Sie flogen aus dem dürren Grafe
und festen fid) nad) einigem Fluge wieder ing Gras. Wie die
von Boisduval angegeebene Flugzeit, May und September
(Snder ©. 152.) paffen foll, iſt nicht. recht abzufehn; denn für
meine beiden Eremplare. hatte, wie die Beichaffenheit der Franzen
zeigt, die Flugzeit nicht eben exit begonnen,
Freyers Abbildung zeigt die Fühler, und die Vorberflügel
viel zu kurz; erftere haben kaum die halbe natürliche ‚Länge,
legtere ein zu dunkles, fchieferfarbiges: Grau. Auch ſollten die
Hinterflügel weißer und am. Hinterrande bindenartig grau. feyn
und längere Franzen haben,
Cucullia,
Aus diefem Genus. ift mir in Italien nur eine Raupe zu
Geſicht gekommen, die zu den Verwandten der Cucullia sero-
fulariae gehört und, vielleicht diefe felbit war. Sch fand. fie am
Aetna oberhalb. Nicolofi auf den Afchenflähen an Serofularia
eanina am 30. Juny; fie ging mir unterwegs. verloren.
Plusia.
130. (1.) Chalsytis.
Ein gutes Weibchen fing ich. im Wallgraben des) Gaftellaccio
bey Meffina am 25. Suly. Es iſt viel heller als die Frey erfche
Abbildung, und die Silbertropfen haben nur in gewiffer Rich—
tung einen geiblihen Schein in ihrem Innern. Den ſchwarzen
led in den Franzen der Vorderflügel Uber der Mitte zeigt
Treyers Abbildung ganz richtig 5. er fcheint unter den nächft
verwandten der Chalsytis eigen; dennoch verfchweigt Treitſchke
fein Dafein. — Hinterflügelbafis, Hinterleib und Unterfeite aller
Blügel find bey Freyer nicht gelb genug.
Morig fand diefe Art bey Algier einzeln im Septemben,
(Reife 3, ©. 207.)
449
151. (2.) Circumflexa.
Ein Weibchen bey Neapet am 17. Auguft zwiſchen Aedern
auf einer etwas feuchten Schuttitelle, wo es mit Plusia ni am
Spätnahmittag im. Sonnenfchein an einer Art Mentha flog.
Es ift ſehr befchädigt, und zeigt, daß die eigentliche Flugzeit
Ende July und Anfang Auguft feyn mag.
132. (3.) Gamma.
Der erffere größere Nachtfalter, den ich in Sicilien fing, war
diefe Plusia, ein gutes weibliches Exemplar, dag vielleiht nur
in der Puppe Überwintert hatte. Es flog bey Meffina am
8 März auf blühender Fedia cornucopiae am Eaftellaccio:
berge und machte mir, da ich feit anderhalb Monaten noch faft
nichts Erhebliches gefangen hatte, ſehr wenig ‚Freude. Dieſe
Art war, um Meffina gar nicht haͤufig. Raͤupchen erhielt ich
fhon am 29. Januar mit dem Kefcher auf einer Eleinen, - fehr
weit von Meffina entlegenen Wiefe ‚mehrere im: mittlern Alter;
aber aus: feiner. erhielt ich den Falter, fo daß ich fie auh nur
vermutbungsweife hierher ziehen. kann; ich fand fie. an Calendula
arvensis und nährte fie mit diefer und mit Alsine media. —
Um. Spracus fing ich Gamma als Seltenheit am 23. April.
Ein auf. der ganzen Oberſeite ungewöhnlich gelb. gemifchtes,
Eleines unverſehrtes Männchen. erhielt ich bey Gatania am
3. Sul. Um Neapel. flog Gamma nit felten untermifcht
mit Plusia ni am Rande einer Landſtraße an den Blüthen der
dort häufigen Nepeta calamintha zu Ende des Auguſts.
Nach Wagner (3. Theil, ©. 207.) ift diefe Noctua in der
Regentſchaft Algier fo gemein wie in Europa.
133: (4.) Ni.
Sie hat, wie TreitfchEe richtig bemerkt, im Fluge grofe
Aehnlichkeit mit Plusia gamma, und es gehört eine gefchärfte
Aufmerkfamkeit dazu, um die ſchwirrende Noctua an ihrer
grauen Farbe als Plusia ni zu erkennen. Um Spyracus fing
ich "ein verflogenes Männchen jenfeit3 des Anapo auf einem
Brachfelde am 30. May, wo es aufgefcheucht fih auf ein
Meinblatt zum Schlafen feßte, ftatt wie gewöhnlich an Blüthen
zu [hwärmen. Eben das thut auch Gamma mandhmal, mit
welcher ich diefes Eremplar faft verwechſelte. Bey Catania traf
ih Eremplare der zweiten Generation am 3. Suly auf der bey
Caradr. junceti erwähnten etwas feuchten Binfenwiefe; ſie
flogen Vormittags, und als ich zum zweitenmal die. Stelle be=
ſuchte, gegen Abend leicht, auf und fegten fich tief in die Binz
fenbüfche hinein mit abwärts gerichtetem Kopfe. Bey Meffina
beobachtete ich diefe, Urt wieder in der legten Hälfte des Auguft,
als fie an den Höhen des Gaftellaccio in dem dürren Grafe
und an Nepeta calamintha im Wallgraben ſchwaͤrmte. Ein
fhönes Eremplar nahm ich einem kleinen Asilus ab, der es
fchon getödtet hatte. Am meiften flog aber Plus. ni an einem
Landſtraßenrand bey Neapel am 20. Auguft; fie war an’ diefem
Tage befonders fcheu, mehr als Gamma, und nahm bey. meiner
Unnährung ihren Weg meift über einer Mauer hinweg in einen
Meinberg. Auch. bey Nom flog noch am 28. Auguſt ein
Eremplar ſüdlich der Stadt in der, Campagna. Dieſe ‚Art
ſcheint alfo im ganzen untern Stalien mindeftens feine, Selten-
heit zu feyn.
Shr haracteriftifches Merkmal giebt die Zeichnung der Zaden-
linien auf den Vorderfluͤgeln und das Mittelzeichen; ‘jene bildet
ztwifchen dem 2. und 3. Aſte der Medianader und zwiſchen dem
letztern der Subdorfalader zwey gegen innen geöffnete. und
fhwarzbraun ausgefüllte ſcharfe Winkel und trägt einwärts in
Iſis 1847. Heft 6,
450
den Zwiſchenraͤumen der Aeſte der Subcoftalader und zivifchen
dem 1. und 2. Afte der Medianader, je einen ſchwarzbraunen,
Eurzen Längsftrich, Das Mittelzeichen iſt nicht filbericht, fon-
dern bloß weiß mit matten Schimmer und in dem an der
Medianader hängenden Theil hellgrau ausgefüllt; der freie Theil
iſt eiförmig und mehr oder weniger deutlich getrennt, Merk:
würdiger Weiſe ift diefer Theil bey. drey männlichen Eremplaren
auf dem linken Flügel ganz deutlich abgefondert, auf dem rech-
den Flügel aber nicht; bey einem Meibchen fehe ic) das Umge⸗
kehrte, und bey keinem einzigen die Trennung auf beiderley
—
Das Männchen zeichnet ſich vor allen mir bekannten Plusien
außer vor Circumseripta durch den Hinterleidb aus. An jeder
Seite des 5..Ninges ſitzt ein’ langer, faſt grader, vöthlich blon-
der Haarpinfel, der wenig vom Leibe abfteht, aber fehr in bie
Augen fält, daß man ſich wundern muß, bey Treitſchke
nichtS davon erwähnt zu ſehen; unter, diefem Pinfel befindet
fih am 6. Ninge ein längerer und dünnerer, .deffen Haare an
der Spise ſchwarz find; gewöhnlich. find die ſchwarzen Spigen
in den Afterhaaren verftedt, werden aber leicht mit einer Nadel
hervorgeholt. Da ich bey den. frifchen ‚Schmetterlingen nicht >
auf diefes Anhaͤngſel, deffen Zweck mir väthfelhaft iſt, aufmerk:
fam wurde, fo will ich nicht verbürgen, ob die angegebenen
Ninge die wahren Anbeftungspuncte find. Vielleicht befisen noch
mehr Arten im männlichen Geſchlechte ‚diefe Auszeichnung, und
diefe möchten dann wohl näher an einander geruͤckt werden, als
bisher gefchehen.
Plusia Daubii, die ich nicht in natura kenne, ftebt zufolge
der Sreyerfchen Abbildung (Neue Beitr. 3, ©. 90. Tab. 256.
Fig. 1.) der, Plusia ni fehr nahe; fie hat auf den Vorderflügeln
diefelbe Zeichnung der Zadenlinie, ermangelt aber des. untern,
e.formigen Zheils des Plufien=Zeicheng und. befist dagegen die
Eigenheiten, des Nierenfleds der Pl. gamma. Boisduval
nennt diefe Pl. Daubii (Inder ©.159.) Eleiner als Pl. ni;
nad) Freyer ift fie aber faſt größer als Plusia gamma.
Anarta.
134. (1.) Jocosa n. sp.
So mahrfcheinlich e8 mir auch ift, daß diefes bey Syracus
oder Meffina in der legten Hälfte des Aprils einzeln gefangene
Gremplar doch nichts weiter als füdliche Var. der An, heliaca
ift, fo wage ic) wegen ihrer Auszeichnungen doch nicht, es als
folche aufzuführen.
Es ift ein Männchen und fo groß wie die. größte weibliche
Heliaca (Vorberflügellänge etwas über 44 Zin.). Die Haare
an. Kopf und Nückenfchild find mit. Tebhafterem Gelb gemiſcht,
und die Hinderleibsränder dunkler ‚gelb; Übrigens zeigen fie fo
wenig wie die Fühler, Zafter und Beine den geringffen Unter:
ſchied im Bau von An. heliaca, und dies beftärft mich in der
Anſicht Uber das wahre Verhaͤltniß zu diefer Art. Die Vor—
derflügel find jtumpfer "(doch vielleicht nur bey diefem Exem—
plare?) und daher. am Hinterrande ein wenig gewölbter. Die
Grundfarbe ift röthlihbraun, mährend fie bey Heliaca
gelblihbraun ift (wenigſtens bey der fchlefifchen und branden-
burgifchen, ‘auf melde die TreitfchEfifche “Bezeichnung der
Farbe von Kopf, Ruͤcken und Vorderflügel gar nicht paßt.)
Die Zeihnungen liegen durchaus mie bey der (gemeinen Art; die
dunklern Stellen. haben ein angenehmes lichtes Gaftanienbraun.
Die zweite Querlinie iſt, wie manchmal bey unferer Heliaca,
vollſtaͤndig vorhanden, und zwar eben fo weit gegen den: Hin-
9
67
451
terrand geruͤckt und ebenfo geftaltet; der fcharfzadige Mittel:
ſchatten der Heliaca ift in eine einfache unförmlihe Schatten:
binde umzgeftaltet, an der fich feine Eden bemerken laffen. Die
Franzen find lebhaft gelb mit dunkleren und breiteren Stellen,
wodurch dag Gelbe eingefchränkter ift.
Die Hinterflügel find im Mitrelraume, der faft bie
halbe Flügelbreite einnimmt, lebhaft orangegelb, fchöner als
bey 'Friph. fimbria. Die Breite des ſchwarzen Wurzelraumes
ift wenig breiter als die tief ſchwarze Nandbinde, mit welcher
er am Innenrande durch eine dünne Linie zufammenhängt.
(Bey Heliaca ift die Nandbinde verhältnifmäßig faft doppelt
fo breit ald bey Jocosa, aber beträchtlich ſchmaͤler als die ver—
dunfelte Bafis, fo daß dazwiſchen eine nicht 4 der Flügelbreite
betragende gelbe Binde übrig bleibt, die gegen die Baſis zu an
der Duerlinie endigt.) Die Hinterrandfranzgen find an der
Innenhaͤlfte ſchwaͤrzlich, an der Außenhälfte hell orangegelb.
Die ganze Unterfeite ift ziemlich lebhaft orangefarbig und
auch die dunklen Binden mit folhen Schuppen ſehr reichlich)
beftäubt; die Mandbinden find fchmäler als bey Heliaca, und
dadurch ift der vrangefarbige Raum vergröfert, den nur wenig
braune Stäubchen verunreinigen. (Bey Heliaca ift das Gelb,
mit dem der Jocosa verglichen, ganz blaß und überdies noch
ſehr reichlich braun beftäubt; fo daß nur eine unvollftändige
Binde hinter der Querader auf beiden Flügeln reiner bleibt.)
Auf den Vorderflügein erreicht die Werdunfelung zwifchen
Median: und Subdorfalader nicht die Nandbinde. Die Quer:
aber hat hier einen fcharfen, fhmwarzen Strich, auf den Hinter:
flügeln einen Eürzern und weniger feharfen. Das Gelb der
Franzen ift noch lebhafter als auf der Dberfeite, das Schwarze
daran auf den Vorderflügeln rein, auf den Hinterflügeln in
Grau verwandelt.
Für beide Arten ftelle ich die Diagnofen fo auf:
An. heliaca: alis anterioribus apice acutiusculis,
brunneo-variis, posterioribus nigris, fascia media flava.
An. jocosa: alis anterioribus apice minus acutis,
badio-fuscescentibus, posterioribus aurantiacis, basi fascia-
que marginali angusta nigris.
Heliothis.
135. (1.) Peltigera.
Bey Syracus am 24. May, bey Catania am 2. u. 3. July,
bey Meffina in der Endhälfte des Suly, auf trodnen, am
liebften fandigen, duͤrren Plägen, offenbar die Gtellvertreterinn
unferer Heli. dipsacea. Sie fliegt bey Zage nicht ſchwer auf
aus Gras und Difteln und fest ſich wieder an folhe Gemächfe.
Bey Catania fand ic auf dem durdhglühten Sande am Mee—
resufer ein Eremplar zwifchen den Blättern und Aeſten einer
Diftel verftedt, aus denen es erft beym Umreißen der Pflanze
zum Vorfchein Fam und ſich ermunterte. Auf der Schatten-
feite des Gaftellaccioberges bey Meffina ſchwaͤrmten am heißen
25. Suly mehrere Cremplare an den Blüthen der Ballota
nigra und der Nepeta calamintha. — Bey Neapel fah ic)
diefe Art nur einmal am 20. Auguſt. Es ift nicht zu be-
zweifeln, daß fie eine doppelte jährlihe Erfcheinung hat. -
136. (2.) Armigera.
Am 6. Suny flogen viele Eremplare wahrfcheinlih mit
Peltigera gemifcht, im Getreide jenfeitd des Anapo bey Spyra-
cus, fo ſcheu, daß fie bey der Eile, die ich hatte, vor dem
Thorſchluß in der Stadt zu ſeyn, nur ein einzelnes Eremplar
452°
fing, ein fehr abgenußtes Männchen, welches zeigte: daß der
Flug der erften Generation eigentlich in den May fällt. Ein
ziemlich gutes Weibchen fing ih am 25. Zuly bey Meffina
unter Peltigera, und dies gehört zur 2. Generation. Darf
ich nad) der Befchaffenheit beider Eremplare fchließen, fo fängt
Armigera eher zu fliegen an und hört eher auf als Peltigera.
Uebrigeng fliegen beide Arten mit einander, was Treitſchke 5,
3. ©. 223 mit Unrecht beftreitet. Daher führt auh Nam:
bur beide Arten (als die einzigen Heliothis- Arten ) als Cor:
ſiſch auf.
Acontia.
137. (1.) Solaris.
Var. a. corpore cinereo, alarum anterorum area hasali
caesio nebulosa; alis posterioribus nigris, fascia media
interrupta alba.
Var. b. corpore exalbido, alarum anteriorium area basali
alba, alis posterioribus albis, fascia marginali nigra
(mas) vel ut var. a. (Noctua albicollis Fahr.)
Treitſchke hat Necht, die fchöne helle Var. b. nicht als
eigene Urt gelten zu laffen, da fie einzeln auch in nördlichern
Gegenden vorfommt und fich durd) Uebergänge mit den dunf-
lern Gremplaren verbindet. ’
Bey Syracus war diefe Art nicht häufig. Ein fchönes
Weibchen der Var. a. fing ich am 26. April an den Höhen
gegen Epipolae. Drey gute Eremplare befam ich am 16.
und 17. Suny auf Aeckern um das Capucinerkloſter; dieſe
gehören zur Var b., die überhaupt im Süden mindefteng eben
fo häufig ift wie Var. a. und dem Sommer angehört. Bey
Meffina erhielt ich ein Pärchen derfelben Varietäten am Guftels
laccio am 22. und 23. July. Bey Rom war aber Solaris
am häufigften, und zwar auf wüften, trodnen Stellen, an denen
wahrſcheinlich Convolvulus italieus ihre Raupe genährt hat.
Gegen Abend war fie am leichteften zu fangen, da die zuneh—
mende Kühle fie nicht weit fliegen ließ: Auch bier war Var. b.
gar nicht felten, und ganz frifhe Männchen und Meibchen
unter den verflogenen am 25. und 26. Auguft. Ein am
3. September in der Campagna nördlich vom Soracte gefange:
— ſchoͤnes Weibchen gehoͤrt zu den hellern Exemplaren der
ar. a.
138. (2.) Luctuosa.
Ben Syracus zu Ende April (am 23., 25., 26. und 29.)
gar nicht häufig auf Brachen bey der ehemaligen Neapolis.
Um Rom war fie in der Campagna zu Ende Auguft in der
Gefeltfhaft von Solaris nicht felten. Die Färbung ift bey ihr
eben fo veränderlich wie bey den hiefigen Exemplaren.
Erastria.
139. (1.) Sulphurea.
Selten, bey Syracus im May (6. und 19.) auf Aeckern
jenfeit8 des Anapo; bey Catania erhielt ich 1 Eremplar am
3. July. Meine 4 Eremplare haben gar nichts Ausgezeichne-
tes; an den verflogenen ift das Gelb bläffer, und das Schwarze
breitet fich mehr aus, gerade wie bey der gemeinen nordifchen
Erastr. Sulphurea,
140. (2.) Minuta.
Alis anterioribus basi albidis, postice einereo-lutescenti-
bus, fascia media alba postice dentem medium utrimque
nigro-notatum exserente.
- 453
Treitſchkes Beſchreibung, in welcher. ich allerdings biefe
Art ſuchte, gab mir Feine Gewißheit, weil fie die Zeihnungen
nur andeutet, nicht aber genau ausdruͤckt; fie fpricht außerdem
von einem weißen Dorn an einer braunen Querlinie, ohne zu
beftimmen, nach welcher Seite hin gewendet er ift. Hübners
Abbildung hebt aber jeden Zweifel. Um meine Art ohne Ver:
gleich mit diefer Abbildung, die nur viel zu groß ift, Eenntlic)
zu machen, befchreibe ich den Vorderflügel noch einmal. Die
Bafis deffelben ift ebenfo mie Kopf» und Ruͤckenſchild weiß,
feltner rein, als mit einer lihtgrauen Wolfe, die den Vorder:
rand frey läßt und nach der Bafis des Innenrandes hinzieht.
Hinter dem erften Laͤngsdrittel Eommt ein fchiefliegender, binden-
artiger Querftreif, von grauer Kehmfarbe, der nach außen über
hängt und einwaͤrts verlofhen, auswärts aber fcharf begrenzt
iſt; er bildet ‘die innere Einfaſſung einer weißen, au nad)
hinten überhängenden Binde, welche im Innern bisweilen licht:
grau gewoͤlkt ift, am Vorderrande ſich etwas verengt und an
feiner Mitte auswärts einen breiten, fcharfen Zahn bildet; uͤber
und unter demfelben ift der Nand der Binde mit fchwarzen
Stäubchen gezeichnet. Der übrige Raum des Flügels ift grau
und Iehmgelb gemifcht, am bunfelften um den meißen Zahn
"und in einem aug der Flügelfpise herabgehenden Wifh. Vor
diefem Mifche ift im Worderrande ein weißes Wiſchchen, und
unter der Flügelfpige fommt nicht immer eine feine, weißliche,
verwifchte Finie herab, die größere Schwingungen macht und am
Innenwinkel endigt. Der Rand ift verlofhen ſchwaͤrzlich punc-
tiert; die breiten Franzen haben eine an der Flügelfpise erwei⸗—
terte dünne, weiße Wurzellinie, darauf eine viel breitere, gelbs
graue; am Ende find fie bey deutlichen unverflogenen Eremplaren
weiß und ſchwaͤrzlich gefchedt.
Meine Eremplare ändern zwar in der Größe etwas ab; aber
keins erreicht die Größe der Hübnerfhen Abbildung oder auch)
nur die der fleinften biefigen Paula.
Am Aetna oberhalb Nicolofi fing ih am 30. Suny zwifchen
den’ Lavablöden an dem noch nicht blühenden Gnaphalium
angustifolium* ein einzigeg remplar. Am 6. September
fcheuchte ich an einer Anhöhe vor Xolentino aus derfelben dort
häufig machfenden Pflanzenart nah und nad) an 20 Er.
minuta, wovon vieie noch ganz frifh waren. Ihr Betragen
hatte die größte Aehnlichkeit mit dem der Erastria paula
(S. Iſis 1840. ©. 247). Boisduval giebt den Juny als
die Flugzeit an (Inder ©. 174.). Daß eine doppelte Genera=
tion Statt habe, möchte id bey Minuta ebenfo wenig wie bey
Paula behaupten.
141. (3.) Parva.
Alis anterioribus gilvis, striga altera reeta ante, altera
sinuata post medium tennissimis, punctulo interjecto nigro.
Nymphula transversalis Costa Fauna Neapol.
var. b. area strigis interjecta lilacino - cinerea.
var. c. punctulo nigro duplici.
Hübners Abbildung (Fig. 356) ift fehlerhaft; die erfte, hier
bie einzige Querlinie macht am Vorderrande zu ftarfe Bogen
einwärts und die 2. Querlinie fehlt ganz, während fie doch faft
immer felbjt bey den verflogendften Eremplaren erkennbar bleibt.
Ferner hat fie gegen den Hinterrand einen grauen, weiß umzo—
genen Eifled, alfo ein Auge, wofür in der Wirklichkeit nur ein
Es fieht unferm Gnaph. arenarium fehr ähnlich, ift aber ſchlan—
fer, fchmalblättrig und wächſt nicht fo rafenartig.
454
toftbrauner Fleck zu fehen ift, der ſich nur einwärts an bie
2. Querlinie anlehnt. Die Grundfarbe der Vorderflügel ift
verfehlt, und an den Hinterflügeln follten die Franzen noch ein—
mal fo lang ſeyn. — Dennoch läßt fih unfere Art daraus
erkennen; nicht fo aus der TreitfchEifhen darauf bafierten
DBefchreibung, in welcher das, was die Figur Naturgetreues ent=
hält, gleichfam abfichtiich verwifcht ift. Ueber Coſt a's Nymph.
transversalis f. m. unter Nympbula. Größe veränderlich, faft
immer über der von Minuta, felten fo groß wie Hühners
Bild. Auch die Lebhaftigkeit der Färbung ift der Veränderung
unterworfen. — Ruͤckenſchild und Bafis der Worderflügel find
ſehr licht ochergelb; der Kopf ein wenig weißlicher. Vor der
Slügelmitte verdumfelt fie) die Grundfarbe des Vorderfluͤgels
plöglich zu einer ſchmalen, einwärts unbegrenzten Binde, welche
auswärts von einer feinen, weißen Linie gevanbet wird; dieſe
Linie fteht fchief nach außen geneigt auf dem Innenrande, ift
jtemlich grade und madıt zwey ſchwache Wellen in dev Mittel:
jelle und über der Subdorfalader, Es folgt ein bindenförmiges
Bel in blaß vöthlichgrauer, oft fehr blaffer Farbe, die fid) aus—
waͤrts verftärkt. Diefes Feld wird von der zweiten, verlofche:
nern, weißlichen Querlinie eingefaßt, welche einwärts dunkel
gefaumt, einen fanftwelligen Verlauf hat und Über der Mitte
einen fehr großen, aber etwas abgeplatteten Bogen nach aufen
bildet. An der Stelle der Nierenmatel ſteht ein fchwarzes, fehr
feines Püncthen auf weißlichem Grunde; fehr felten fteht ein
2. darunter (Var. c); zwiichen der Querlinie und dem Hin:
terrande ift der Grund hell ochergelb. Unterhalb des Bogens
liegt auswärts an der Querlinie ein roftbrauner, eiformiger
Wiſch, und ein ebenfo gefärbter Schatten fommt von der Flü-
gelfpige herab. In dem leisten wird oft ein ſchwarzes Puͤnct—
hen fihtbar, und auf dem Vorderrande vor der Spite ein oder
2 verlofchene, weiße Fleckchen. Die fehr breiten Franzen werden
auf der dunkiern Wurzelhälfte von 2 ocergelblihen Querlinien
durchzogen und find auswärts grauweißlich.
Die gelblihgrauen Hinterflügel werden gegen die Baſis all⸗
maͤhlich weißlich; ihre breite Franzen ſind weiß.
Var. b. enthält die lebhafteſt gefärbten Exemplare, bey wel—
hen das Graue des Mittelfeldes mit vielem Lila gemifht und
dicht weiß gepünetelt ift. Ben folhen Eremplaren bemerft man
auch öfter die Zadenlinie in verlofchener, gelblichweißer Farbe
ohne Eden, nur in Wellen längs des Schattens und des
Wiſches hinziehend, bisweilen hier und da mit einigen ſchwarzen
Staͤubchen bezeichnet.
Var. e. hat nichts, als unter dem ſchwarzen Puͤnctchen des
Mittelfelded noch ein zweites; damit find nicht bloß die lebhaft
gefärbten, fondern auch die blaffen Cremplare verfehen.
Diefer Heine Schmetterling flog in der Mitte May ſehr
einzeln um Spracus, und nicht einmal in guten Exemplaren;
am 11. Suny fing ic) an der Landftraße zmwifchen Noto und
Mofolini an den truppmeife ftehenden Pflanzen von Centaurea
caleitrapa über ein Dugend Cremplare, die auch alle mehr
oder weniger verflogen waren, und am 12. an ähnlicher Stelle
eine größere Anzahl zreifchen Spyracus und Avola. Darauf
fuchte und fand ich fie ben Syracus ftets an dieſer ftacheligen
Centaurea, aus deren Blättern und Zweigen fie ſich ziemlich
leiht auffheuchen ließen, worauf fie ſich immer wieder daran
festen. Bey Meffina war die Art an dem Gaftellacioberge in
der legten Hälfte des July felten zwiſchen geibblüthigen 3 Difteln.
Zwey Eremplare fing id im Gebirge von Itti ben der Ver:
fhanzung. Um Rom war fie aber zu Ende Auguft außerhalb
455
der Stadtmauer bey St. Prter am ber dort fehr häufigen Cent.
ealeitrapa in ungemeiner Menge vorhanden, und die Eremplare
waren von der verſchiedenſten Beſchaffenheit, fo daß ich mit
größerer, Zuverfiht als bey Minuta eine doppelte Generation
annehme.
142. (4.) Ostrina.
Capite flavido; alis anterioribus flavescenti - eriseis
exaälbidisve, nebula luteseenti ante punc ulum atrum
medium, striga ante marginem posticum albida acute
bidentata punctis nigris non notata.
Var. a. (verna) capite collarique gilvis; alis anterioribus
llavescenti - griseis, ‚inter nebulam transversam strigam-
que posticam roseis, brunneo-venosis. (Hübners. dig 399
und 648.) 5
Var. 6. (aestiva) thorace albido, capite collarique exalbi-
dis, alis anterioribus exalbidis, nebula media obsoleta,
post medium non vel levissime roseis (Carthami Ir,
3. S. 270. — Nymphula tripunctalis Costa Faun. Neap).
Das Standhafte an diefer fehr veranderlichen Art ift 1) die
gelbbräumliche, der Laͤnge nach dunkler geftrichte oder auch durch—
fchnittene Schattenbinde vor der Mitte. 2) das fehwarze, oft
aͤußerſt Eleine Pünctchen an der Stelle des Mierenfleds. dicht
binter der Schattenbinde. 5) die Geftalt der weißlichen Zacken—
Iinie vor dem Hinterrande; fie beginnt in einem dunklen, aus
der Flügelfpise herabfommenden Wifch und trägt einwats erſt
einen langen, gegen das ſchwarze Pünctchen gerichteten Zahn,
dann einen weniger fcharfen und bey Var. b. bisweilen verlo=
ſchenen unter dem erften Afte der Mediannder.
Diefe Merkmale laffen fi) auch bey der übrigens unzmweifel-
haft fpecififch verfchiedenen Amoena miederfinden; allein die
bindenformige Werdunflung vor der Flügelmitte ift bey dieſer
Urt ſcharf mit Weiß gerandet und nie längsftrihig, und. die
Zadenlinie vor dem SHinterrande ift auswärts auf jeder Art
mit einem ſehr feinen, ſchwarzen Pünctchen bezeichnet. ° Ihre
andern DBerfchiedenheiten gebören nicht bieher. So viel aber
ift gewiß, daß beide Arten generifch nicht verfchieden und auch
Font ſehr nahe verwandt find, wie wir im Boisduvalfhen
Inder auch anerkannt ſehen (©. 174,). Guenee hat aber
(Annales de la Soc. entomolog. 1841. S. 233) aus Amoena
und einigen andern Arten ein eignes Genus gebildet, an wel—
chem er „bey aufmerffamer Prüfung mefentliche Verſchiedenhei—
gen an den Fühlern, Zaftern, Flügeln uſw.“ beobachtet hat!
Unfere Ostrina hat bisweilen die Größe einer großen Parva;
oft iſt fie weit iiber Anth, aenea (Worderflügellänge 33" —53""),
Die am frühften erfcheinenden Eremplare haben einen heflgrauen
Thorax und Hinterleib; Kopf und Kragen find hellochergelb ;
die Taſter noch blaͤſſer, auf der Unterfeite weiß. Die Bafıs
der DVorderflügel bat das Grau des Thorag und einen ebenſo
teichten tofigen Anflug, der aber bey den zu Ende May und
Anfang Suny fliegenden, überhaupt den hellern Cremplaren
ganz vermißt wird. Unter der Medianader nahe der Flügelbafis
ift ein gelbbrauner Längsſtrich, und oft ein zweiter, mehr ver-
wifchter unter diefem nahe am Innenrande. Hinter diefem
Steh nimmt das Grau einen gelblihen Ton an und ‚gebt
dann vor der Flügelmitte in einen gelbbraunen, bindenartigen
Schatten über, der von mehr oder weniger fcharfen, dunfleren
Laͤngsſtrichen zwiſchen den Adern durchzogen wird; er. bildet in
der Gegend der Duerader einen ftumpfen Winkel, ift aber
auswärts nicht ſcharf abgeſetzt, ſondern verflieft mehr in die
Farbe des folgenden Feldes.
456
Diefes reicht bis an bie Juden:
linie; es ift rofenfarbig, etwas mit. Hellgrau und Violett
gemifcht, am Vorderrande aber fehr heil und faft weißlich; die
Adern find nach hinten in Stärke zunehmend, gelbbraun. An
der Stelle des Nierenfleds fteht ein Schwarzes Pünctchen, das
oft gejucht feyn will, da es fich meift auf dunfelem Grunde
befindet. Die Zadenlinie hat aufer den ſchon vorhin angegebe-
nen Zähnen nicht felten noch einen oder 2 über dem erſten,
deren Länge jedoch fehr wechfelt; fie Eommt dicht vor der hell:
gelbbraunen Flügelfpige am Vorderrande herab und entfernt‘ fich
allmählich vom Hinterrande, erreicht aber nie den Innenrand;
einwaͤrts ift fie befonders, oberwärts ziemlich dunkel gelbbrauns
lich fchattiert, auswärts wird fie Durch einen ungleich breiten,
fih nah ihren Ausbuchtungen tichtenden Streif vom Hinter:
rande geſchieden; nur unter der. Spige hat fie auswärts ein
tieffehwarzes Fleckchen. Die Franzen find hinter), der feinen
bräunlihen Nandlinie ſehr blaß gelblich, und haben hinter der
Mitte einen grauen Querſtrich und blafgraue Enden,
Die Hinterflügel find afchgrau, gegen die Baſis heller;
Franzen breit, weiß, an der Wurzel ſehr ſchwach gelblich oder
roͤthlich.
Je heller die Exemplare ſind, deſto blaͤſſer iſt die Roſenfarbe,
deſto unvollſtaͤndiger der Mittelſchatten, deſto mehr fehlen die
anderartigen, gelbbraͤunlichen Laͤngsſtriche. So geht dieſe Art
ganz fanft in das Extrem über, dag nur in den Sommermong:
ten vorfommt, und das ohne die Uebergange leicht als eigene
Art angefehen werden fann. Das beide Ertreme Verbindende
ft in der Diagnofe und dem Anfange der Bemerkungen über
diefe Art angemerkt worden. Die Sommervarietät, die im July
und Auguft, vielleicht auch no im September, und zwar mit
den fehr blafrofigen Uebergängen zufammen fliegt, ift am Ruͤcken—
fhild und Hinterleib weiß, an Kopf und Kragen fehr blaß
kanariengelb. Ebenfo find die WVorderflügel Überall, nur an der
Baſis und an der hinteren Hälfte des Vorderrandes noch mehr
mit Weiß gemifht. Won dem bindenartigen Schatten ift die
Stelle durch verdunfeltes, braunlicyes Gelb angedeutet und dieſe
bier und da mit gelbbräunlichen, mehr oder weniger. zufammen-
hängenden Mebelfleden verfeben. Das Piüncthen dahinter. ift
ſtets fehr fichtbar. Die Zackenlinie iſt verblaßt, vorzüglich in
ihrem untern Theile; an ihrem obern wird fie einwärts durch
gelbbräunlichen Schatten, auswärts duch den Wiſch der Fluͤ—
gelfpige etwas hervorgehoben; bier hat fie auch das fchwarze
Punctfledchen. — Die Hinterflügel find weiß, vor dem. Hin:
terrande fehr blaß gelblichgrau.
Sind folhe Exemplare längere Zeit geflogen, fo fickt man
an ihnen bey eberflächlicher Betrachtung ſehr hell Fanariengelbe
Vorderflügel mit dem ſchwarzen Mittelpünctchen und reinmweiße
Hinterflügel. “Eine genauere Betrachtung läßt aber alle angege—
benen Merkmale mit Ausnahme der dunklen Nebel auf der
Stelle der Schattenbinde wiederfinden. — Die blaffe Sommerz
varietaͤt wird nie fo groß wie die Var. a.
Bon Hübners Abbildungen gehört die erſte den allerdun—
£elften Gremplaren, die aber wohl nie an der Bafis der Vor:
derflüigel fo dunfel geröthet find wie fie; die Schattenbinde ift
zu undeutlih, und ftatt des fehwarzen Puͤnctchens zeigt fich
gar ein kleiner Mierenfled. Auch Fig 648. ift am der Baſis
zu dunfelgelblich, und der Raum zwifhen ber Zackenlinie und
dem Hinterrande zu dunkelbraun ; die. Hinterflügel follten Lichter
feyn, da die Schattenbinde der Vorderflügel fo ſchwach ausge
457
drüdt iſt. — Ueber Coftas Nymphula tripunctalis f. man
©. 226 unter Nymphula.
Das erite Eremplar fand ic bey Meffina am Südabhange
bes Gonzagaberges auf einer trodnen Grasftelle am 25. März;
es betrug ſich wie unfere Paula und wiegte im Sonnenfchein
die Flügel etwas. "Darauf fing ich diefe Art einzeln und felten
den ganzen May und Juny hindurch bey Syracus auf den
Höhen von Acradina und Tyche an Difteln. Erſt im Juny
gab es die Uebergäange zu der Varietaͤt b, und zwey ſolche
Eremplare und dren der Achten Var. b. fing ich auch bey Mef:
fin am 15. Sul. Bey Nom gab e8 in der Gampagna und
ſchon aufßerhab der Stavtmauer zu Ende Auguft die Ueber:
gänge und die heilgelbe Var. b. in Gefeuichaft, und hier ſcheint
die Art nicht zu den feltenen zu gehören. Merkwuͤrdig ift,
daß ich am 23; Auguft ein entſchieden der Var. a. angehöriges,
jedoh ſchon fehr abyeflogenes Weibchen im Gebirgspak bey
Stei unterhalb der Berfhanzung gefangen habe, woraus her=
vorgeht, daß diefe Varietaͤt nicht bloß durch die Jahreszeit‘ herz
vorgebracht wird, fonden auch unter dem Einfluß der durch Die
Localität bedingten Temperatur fteht. (Sortiegung folgt.)
Critiſche Ueberſicht
der
europäiſchen Vögel
von
Dr. H. Schlegel,
Conſervator des.nl, Reichsmuſeums.
Leyden bey A. Arnz. Leipzig bey F. Fleiſcher 1844. 8.
CXXXV. 116.
Beleuhtet von Heinrih Graf von der Mühle.
Ein Werk) wie vorftehendes that ſchon lange jedem practifchen
Drnithologen, allen Mufeen, Sammlern, ja der ganzen Wiffen:
fchaft noth, zumal da durch die in neuerer Zeit eingeriffene
Manie neue Arten zu bilden, für dem nicht ganz practifch durche
bildeten Drnithologen Hinderniffe (aller Urt, durch Zweifel, An:
ftände und Widerſpruͤche erzeugt,’ fich erheben mußten. ı Nur
. mit dem größten Dane kann eine ſolche Arbeit aufgenommen
werden, umſomehr wenn "ein for tüchtigeer Naturforſcher wie
Schlegel, der durch das ausgezeichnete ı Leydner Mufeum
Mittel: an der Hand hat, wie nicht leicht einer, ſich diefem
mübfamen, 'jeitraubenden und wirklich undanfbaren Gefchäfte
unterzieht. Wer aus eigener Erfahrung weiß, was es heißt,
zwölf: und‘ noch mehrere Autoren bey jedem einzelnen Vogel
durchzuleſen, zu vergleichen, das Brauchbare, das Wahre ‚von
den» Serthiimern auszufichten und zufammenzuftellen, wird mir
vollfommen beyſtimmen.
Wir haben zwar ſchon im Jahre 1840 den 1. Theil eines
ähnlichen Werkes erhalten: ,,‚die MWirbelthiere Europa’s von
Graf Keyferting und Prof. Blafius, das des Ver—
dienftlichen vieles enthaͤlt; duch die Handlung des Gegen:
ftandes ſo wie durch die Form an und für ſich ift es jedoch
nur. dem vollkommen ausgebildeten Drnithologen zugänglich,
und zudem ft, Dank dem alfenthalben immer regeren Eifer in
der Naturgeſchichte, des Neuen fomohl an Entdeckungen als
Berichtigungen foviel ſeitdem dazu gefommen, daß das Schle—
gelſche Werk ein mahres Bedürfniß geworden iſt, was «8
noch: in hoͤherem Gradeiwäre, wenn der Verfaffer den Tert zu
Iſis 1816, Heft 6, i
—
458
dem Suſemihlſchen Kupferwerke fortgeſetzt hätte, und dieſe
critiſche Ueberſicht, wie er in feiner Vorrede fagt, als Grund:
lage zu erwähnten Terte dienen würde: denn wir fehen wirklid)
ſchon in dieſer Geitif, wie rafflos der Verfaſſer in feinen For—
fhungen fortarbeiter, weil er ſchon einige Daten aus dem oben
erwähnten Text zu berichtigen ſich genöthigt fieht. Menn
Schlegel in einer kurzen Einleitung den Plan feines Werkes
auseinandergefegt bätte, fo wäre es fr den Leſer fehr dienlich
gewefen: denn ſchon auf der eriten Seite finden. wir das
Linneifche Binom neben einem Trinom, und fönnen -erft im
Verlaufe des Werkes zumal aus den Anmerkungen der zweiten
Abtheilung entnehmen, daß mit diefen Trinomen conftante Kocal:
Raſſen gemeint feyen, ohne daß uns jedoch der Verfaffer die
Graͤnzen diefer Local-Raſſen gegen. die eigenen Arten näher be:
zeichnet. Doch wir wollen zum Innhalt des Merkes felbft
übergeben, und unfere allenfallfigen Zweifel und Anftände
mittheilen.
Das Werk ſelbſt zerfällt in ziwey Abtheilungen. Die erfte
Abtheilung ift eigentlih nur ein fyitematifches Verzeichnig mit
Synonymen, Citaten, nebft Anführung der Wohn: Orte, ganz
fo gehalten, wie das als Einleitung geltende Verzeichniß bey
Graf Keyferling und Prof. Blafius;z die zweyte Abtheilung
bingegen iſt die Gritif der erſten und gibt mit Eorrefpondirenden
Zahlen die Gründe zur Aufitellung‘ oder WVerwerfung einer von
Naäturforfchern angenommenen Art an. Die Spftematif ift
theils nah Temmind, theils nah Keyſerling ımd Bla—
fius; jedoch findet man ſich leichter darin zurecht als in
letzterem Werke. Der Berfaffer beginnt mit den Ebdelfalfen
und endet mit den Naubmövenz wollen: wir jetzt die Arten
feibit durchgehen. /
In der erſten Abtheilung beginnen die Raubvoͤgel mit 3 mei-
fen Edelfalken, der eine mit einem Teinom: Falco candi-
cans islandicus , ift aber, wie ſchon früher in Bezug auf die
vorkommenden XTrinomen bemerkt wurde, eine in Island
‘vorkommende Local-Raſſe des Falco candicans, dem Schlegel
Grönland und Sibirien als Vaterland anmeif’t, dagegen fein
Falco gyrfalco al3 eigene Species nur Norwegen angehört.
Thienemann in feiner Rhea will in "einem critifhen Auf—
ſatz Über die Edelfalken dieſe Arten Schlegels nidt gelten
laffen, und wirft fie unter dem Namen Falco gyrfalco zu:
fammen. Den Aufſatz Kaup’s im museum Senkenbergia-
num £onnte ich nicht vergleihen um zw fehen, in wiefern er
mit der Schleyelfhen Anſicht Übereinftimmt. Schlegel bat
fih aber die genaue Ausfcheidung aller europäifchen Edelfalken
zum 'befondern Srudium gemacht, wie das ausgezeichnete Merk
über die Falkenbeize, das er in Verbindung mir WVerfter
berausgibt, 'beweift, und er darf mohl unbedenklich als befte
Autorität in der Gefchichte diefer Familie der Raubvoͤgel gelten;
zugleich aber geht aus den langen mit Meifterfchaft auseinan-
dergelegten critifchen Bemerkungen der zweyten Abtheilung heror,
wie ſchwer die Diagnofe in diefen Arten ſey, ja daß. ferbft
noch manches Dunkel aufzuklären übrig bleibe. Hierauf theilt
Schlegel den Falco lanarius Auct. in 2 Arten, in Falco
sacer und Falco lanarins. Aus feinen Angaben erhellt, dag
F. sacer wahrfcheinlih nur dem Oſten, F. lanarius aber dem
Sid: Dffen Europas angehoͤre. Thienemann im oben er:
mwähnten Auffas in der Rhea nennt den F. sacer Schlegels
F. eyanopus nah Gesner, und führt an, daB er noch ziem⸗
lich haufig in Böhmen bruͤte; den F. lanarius "Schl. nennt
er aber F. rubens nad): Albertus magnus. Weber die Sy—
29*
459
nonnmen: theilt er nicht ganz die Anſicht Schlegels, fo wie
ec. bey F. Eleonorae als Synonym Faucon saphir von
Artalouche de Alagona erwähnt, während Gesner bey feinem
Cyanopus fagt, er heiße bey den Illyriern Raroh, bey den
Stalienern Safiro. — Die Zweifel, die, Schlegel über die in
meinen „Beiträgen zur Ornithologie Griechenlands," erwähnten
zwey Arten, nämlid F. peregrinoides et F. lanarius hegt,
glaube ich nach feinen ausgezeichneten Auseinanderfeßungen der
Arten dabin aufftären zu. fönnen, daß, fo wie er vermuthet,
mein F. peregrinoides zu. feinem F. lanarius, dagegen mein
F. lanarius zu feinem F. sacer. zu. ziehen ſey. — Seit ic)
ein Eremplar des Achten, F. concolor im Straßburger Mufeum
gefehen habe, glaube ich auch, daß mein, Vogel unter diefem
Namen zu F. Eleonorae zu ziehen fy; Schlegel, fheint
den Auffap Lindermayers in der Iſis 1843. Heft Ve nicht
gekannt zu haben, wo derſelbe Vogel als neue Art unter dem
Namen F. arcadieus erwähnt und abgebildet if. — Daß F.
pallidus eine Zocal-Raffe von F. eineraceus fen, will ih nicht
wibderiprechen, bemerfe jedoch, daß der wirkliche F. cineraceus
ebenfo häufig als erfterer in Griechenland vorkoͤmmt. — Die
noh mandem Zweifel unterworfene Gefchichte von Aquila
naevia ift durch Schlegel auch noc nicht ganz bereinigt, ja
er. hegt felbft Zweifel, ob unter diefem Namen nicht zwey Arten
verborgen feyn dürften. In Griechenland habe id) mehrere
gefledte Exemplare erhalten, bingegen bin ich lo glücklich in der
Obern Pfalz zwey jährlich dort in einer großen Waldung brüs
tende Paare zu befisen, von welchen. ich jährlich ein Stud
erlegen laffe, das fich jedoch ſtets wieder erfegt, und Die ganze
lich Eaffebraun find ohne Spur eines Fleckens. Ich werde in
Zufunft feine Alten erlegen laffen, fondern fuchen einige erwach—
fene Sunge zu befommen, um zu fehen, ob feibe auch ohne,
Fleden find. Aus dem baperifhen Hochgebirge babe ic auch
fchon mehrere Schrey-Adler erhalten, die aber ‚ebenfalls. unge:
fledt waren. — Die verfchiedene Färbung der Aquila pennata
ſcheint mir gleichfalls der Beachtung zu bedürfen. Die zwey
bey München erlegten Exemplare, fo wie die aus Griechenland
mitgebrachten find einfarbig braun mit weißen Achfelfleden, wie
Brehm feine Aquila minuta beſchreibt, dagegen die Sufe-
mihlſchen Abbildungen, fo wie Eremplare aus Klein Aſien und
felbft Neubolland, die ich geſehen, oben ſehr lichtbraun, unten
aber alıf weißlihem Unterleibe braune Laͤngsflecken und die weis
fen Achfelfleden ziemlich undeutlih haben: Ich bin eher
geneigt, dieſe fir jüngere Vögel, jene einfärbigen aber für alte
zu halten. — Das Streichen der Aquila leucocephala als
europäifche Art verdient alle Anerkennung, denn ſolche-JIrrthuͤ—
mer werden immer fort nach- und abgefchrieben, ohne einen
Beleg dafür zu haben. — Was den Vultur auricularis be—
teifft, fo muß ich meinen Zweifel über fein Vorkommen in Gries
chenland, den ich bereitS in meinen „Beitraͤgen“ erwähnte, wies
derholen, ein Zweifel, der ſich Über andere zwey Nanbvögel =
Arten, die Schlegel als griechiſch erwähnt, ausdehnt, nehmlich
über Astur gabar und Haliaätus vocifer. Wenn die Perfo-
nen, welche folhe aus Griechenland geliefert, nicht wirklich ſehr
glaubwürdige Naturforfher find, fo bin id) immer geneigt,
einen Unterfchleif mit aegnptifchen Bälgen bey diefen Sendungen
zu vermuthen. Lindermaner in dem erwähnten Auffage in
der Iſis Führt diefe drey Vögel auch nicht an. i
Die Hirundo Boissonneauti Temm. iſt mit, Redt als
Local:Raffe aufgeführt unter dem Namen H. rustica orientalis.
Temmind will fie aus Griechentand erhalten haben ; wir werden
460
ſpaͤter noch über die zu große Leichtgläubigkeit, welhe Temm.
in den Supplement - Bändern feines Manuels den Angaben ver:
ſchiedener Sammler fchenkt, zu ſprechen Gelegenheit haben. —
Zu wünfden wäre es gewefen, daß Schlegel die Urſachen
angegeben, warum er Lanius meridionalis als eigene Art, und
nicht als Local-Raſſe auffühet: denn dann verdienten Falco
pallidus, Motaeilla melanocephala u, U. mit gleihem, wenn
nicht größerem Rechte als eigene Arten angeführt zu werden. —
Bey Sylvia sarda ift nur die Inſel Sardinien als Waterland
angeführt, e8 wäre zu wünfchen, daf die geographifche Verbrei—
tung dieſes und mehrerer anderer Sänger genauer erforfcht
würde, denn der Wohnort der S. sarda fann fid) denn doch
wohl nicht auf eine Inſel beſchraͤnken; fo babe ich fie an der
Südipige Griechenlands beobachtet und erlegt. — Was die
Zweifel über den von mir als Sylvia ieterina erwähnten Vogel
betrifft, fo werde ich demnädhft in einem: eigenen Auffage meb-
tere neue, oder für Europa neue, jo mie einige zmeifelhafte
Arten genauer befchreiben.
Es ift fhade, daß Schlegel bey Aufftellung feiner neuen
Urt: Ficedula ambigua den mehrerwahnten Aufias Linder =
mayers in der Iſis 1843 nicht gefannt hat; fonft hätte er
ihm gewiß feyen Prioritätsrecht zugeftanden, da jener dafelbit
Seite 342 diefen Sänger fehr genau und richtig nebft Betragen,
Meftbau uw. unter dem Namen: Sylvia elaeica befchteibt. —
Das MWiederauffinden der Sylvia nigrifrons, deren Eriftenz
unzmoeifelhaft zu feyn ſcheint, wäre eine ſchoͤne Aufgabe für
deutfche Naturforfcher. Ueber Salicaria olivetorum hat Lin—
dermayer ebenfalls eine fehr genaue Befchreibung nebft An—
gabe ihrer Lebensart, des Meftbaues, Farbe der Gier ꝛc. gegeben,
woraus zu erhellen fcheint, daß fie nicht unter die Nohrfänger,
fondern in die Nähe von Sylvia orphea, nisoria u. X. zu
ftellen fy. Schlegel zweifelt, ob der von mir unter dem
Namen 8. olivetorum aufgeftellte Vogel hieher oder zu
S. elaeica (ambigua) zu ziehen fey; mein Vogel ift identiſch
mit dem Lindermapyerfhen gleihen Namens, und vermuthe
lih auch mit dem von Schlegel, jedoch ift feine Aehnlichkeit
mit S. orphea viel größer als mit hippolais. —
Die dritte neue Art, welhe Kindermayer in erwähnten
Auffage unter dem Namen S. ochrogenion anführt, halte ich
für das Weibchen oder Junge von S. melanocephala, melches
durch den Genuß der Früchte von Cactus opuntia diefen gel:
ben Fleck am Kinn erhalten hat, ein Umftand, den ich öfters in
Griechenland beobachtete; fo befite ich ein Männchen von
S. atricapilla ebendaher, das ebenfalls einen fchönen ‘gelben
Fleck am Kinn hat. — Die Vermuthung, daß die S. cariceti
Naum. nichts anderes al$ das Sommerfleid von S. aquatica
fey, fcheint fehr wahrfcheinlih und verdient allen Dank der
deutfchen Drnithologen, deren Aufmerkſamkeit fih auch mehr
auf die Wohnorte der S. fuviatilis lenken dürfte: denn daß
diefee Sänger nur die Ufer der Donau bewohnte, ift ebenfo
unwahrſcheinlich, als daß S. sarda nur in Sardinien zu tref:
fen fey. — Schlegel unterfcheidet von S. galactodes als
eigene Art S. familaris Menetries, welch’ letztere ſich durch einen
feitlich mehr zufammengedrüdten Schnabel, ſchmutziges Graubraun
deg Dberleibes, beſonders aber ducch eine durchgehende fchwarze
Binde auf dem Schweife ftatt dergleihen runden ifolitten
Flecken unterfcheiden foll. Wären dieſe Unterfchiede Eonftant,
fo dürften fie meines Erachtens nur zur Annahme einer Local:
Naffe, aber nicht einer eigenen Art berechtigen. Ben mehr als
30 Eremplaren, die ich ausftopfte, fand ich die Färbung mehr
461
oder minder verſchieden; bie zuerſt anfommenden find bie dun-
kelſten auf dem Oberleibe; fpäter bleihen fie ab und werden
zuletzt ifabellfarbene; fo habe ich auch zwey Cremplare aus
Griechenland vor mir liegen, welche Eeine durchgehende ſchwarze
Binde, fondern ſchwarze runde Flecken auf dem Schweife haben.
Die Art-Anerkennung der S. familiaris bedarf alfo noch, glaube
ic, der Beftätigung. —
Die Sdentität der S. Cettii mit S. sericea habe ich eben=
falls fhon nad) Natterers fhriftlichee Mittheilung in meinen
„Beitraͤgen“ angegeben, nur bedürften 'meine dort erhobenen
Zweifel wegen Lockton und Färbung der Ener der Aufklärung. —
S. lanceolata bedürfte als europaifcher Vogel denn doch noch
der Beftätigung, wenigftens ſagt Malherde in feiner Faune
de la Sicile pag. 67, er habe von Bruch in Maynz felbft
erfahren, daß die zwey Cremplare, die er befaß und wovon eines
im NaturalienCabinet in enden fteht, von einem Profeffor in
Bonn ſtammen, der fie aus Rußland ohne Angabe ihres Fund—
ortes erhalten. — Von S. eisticola befige ih aus Griechen—
land eine Warietät, wenn nicht eigene Art, die ich feiner Zeit
mit mehreren andern befchreiben werde. —
Durch diefes Werk Schlegels aufmerffam gemacht, habe
ih unter den Bälgen von Saxicola oenanthe, die ih aus
Griechenland mitbrahte, S. saltatrix unterfhieden. — Mit
Vergnügen bemerkte ih, dab Schlegel Saxicola aurita wie:
der. von. S. stapazina trennt, eine Anficht, für die auch ich
fhon eine Lanze gebrochen. — Die, Motacilla flaya melano-
cephala würde ich lieber als eigene Art ſtatt als Local-Raſſe
aufgeführt fehen: icy bin: gewiß, fpätere Forſcher werden meine
Anſicht beftätigen,
Die Geſchichte der erratifh in Europa vorfommenden Turdus-
Arten fcheint ſelbſt Schlegeln nicht ganz gelungen zu ſeyn,
was duch den Mangel an Eremplaren zum Vecgleiche ſehr
natürlich iſt, mwenigftens weicht er von Keyferling und
Blafius in der Synonymik nad Pallas in Bezug auf die
in Deutfchland erlegten Droffeln in Manchem bedeutend ab.
Turdus sibirieus, welche Schlegel ©. 69 aus der europäis
fhen Fauna ftreiht, weil fie nah Pallas nur im öftlichen
Sibirien vorkommt, muß nad einem Exemplar dieſes Vogels,
der auf der Inſel Rügen gefangen und von Herrn v. Ho:
meyer aus Darfin am 27. September 1845 der ornitbologi:
fhen Gefellfhaft in Coͤthen vorgezeigt wurde, wieder in diefelbe
aufgenommen werden. Was Turdus solitarius betrifft, fo
kenne ich zwey Eremplare von Kleinen in Deutfchland erlegten
Droffeln, beide einander fehr ähnlich, welche aber als Turdus
minor aufgeftellt find. Eines fteht im Naturaliencabinet zu
Strafburg und wurde im Schwarzwald von Herrn Dieß ges
fangen; das andere befiße ich: felbes wurde in der Oberpfalz
in Dohnen gefangen; beide find, was Geftalt, Schwanzfärbung
und Füße betrifft, Nachtigallen; die Unterfeite ift wie bey
Turdus musicus, alfo ſehr verfchieden von der Abbildung im
Sufemihl’ihen Werke. Es ift alfo noch zu entfcheiden, ob
nicht vielleicht zwey verfchiedene Arten vorkommen. — Ob wohl
die Trennung von Turdus varius und T. Whitei, die erſt
Iemmind IV. ©. 602 vereinigte, fih bewährt? —
Sehr angenehm war mir die Trennung von Parus sibinicus
und lugubris, die Keyſerling und Blafius vereinigt hat:
ten. Sch hatte Gelegenheit P. sibirieus mit meinen P. lu—
gubris aus Griechenland zu vergleichen, deren Unterfchied augen-
fältig ift. — Wenn Lanius meridionalis als eigene Art gilt,
462
fo dürfte Sturnus unicolor daffelde Recht haben, ftatt als
Local: Raffe aufgeführt zu ſeyn.
Alauda bifasciata kommt, obgleich nicht häufig, in Gries
henland vor, fo wie A. isabellina; was meine Alauda ferru-
ginea betrifft, fo werde ich fie, fo wie meine var. Phileremos
brachydaetyla, die ih für Alauda ruficeps Rüpp. halte,
und die zwey Varietäten von A. arvensis, wie ſchon erwähnt,
befchreiben. — Das eigentliche Waterland der Fringilla incerta
zu erforſchen, wäre eine. ſchoͤne Aufgabe für ‚italienische und
feanzöfifhe Naturforfcher.
Daß Schlegel Passer salicarius (Fringilla hispanio-
lensis) als eigene Art, Passer domesticus eisalpinus aber als
Local Raffe anführt, ift gewiß naturgemäß; denn Passer
salicarius iſt fo wverfchieden von Passer domestieus, wie
Emberiza palustris von E. schoenielus. — Das Streichen
der Pyrrhula longicauda als europäifche Art, ift fo verdienft-
lih al$ das von Falco leucocephalus, Cinelus pallasii,
Sylvia certhiola u. a m. — Die Vermuthung Schlegels,
daß meine Pyrrhula sinaica identifh mit P. githaginea fer,
beftätige ſich nach Vergleich mit ſolchen Eyemplaren nicht; fie
wird an ihrem Drte beichrieben werden. —
Die Auseinanderfegung der von verſchiedenen Schriftftellern
fogenannten Emberiza lesbia fo wie des für fabelhaft gehalte—
nen Gavoue de Provence von Buffon mag mühlam genug
gewefen fenn und verdient allen Dank und alle Anerkennung.
Sollte Teetrao scoticus wirklich nur-eine Local-Raſſe von,
saliceti feyn ? Mir bleibt es unerklärlich, daß die etwas geringere
Kälte Schottlands das Anlegen eines weißen Winterkleides ver—
hindern follte: übrigens behaupten auch in neuefter Zeit Iſis
1846 englifhe Naturforfcher, daß T. scotieus conftant
2 Schweiffedern mehr habe als saliceti. Die Angabe, daß
Perdix francolinus Griechenland noch jetzt bewohne, bedarf
denn doc noch der Beſtaͤtigung; Belon felbft in feinen
Observationes gibt nur Gandia als Fundort an, und feitdem
hat ſich fo viel verändert.
Durch die Anmerkungen über Glareola Pallasii aufmer&fam
gemacht, habe ich diefen Vogel aud in meiner Sammlung aus
Griechenland in einem ſchadhaften Eremplar entdeckt; die ſchwar—
zen Unterflügeldecfedern machten ihn kenntlich. — Bey Tringa
platyrhyucha darf das füdlihe Europa (Griechenland) als
Fundort nicht umgangen werden, indem fie dort haufig und
unregelmäßig vorkommt. Mein Numenius syngenicos foll
an feinem Orte mit andern neuen Vögeln beſchrieben werden.
Die Löfung der noch immer nicht Elaren Gefchichte des gro:
Ben weißen Reihers Europas ſcheint Schlegeln ebenfalls
nicht gelungen zu fern. Es fprehen zu viele Gruͤnde dafür,
zwey Arten anzunehmen: doch .conftante characteriftifche Untere
fcheidungszeihen, um beide Arten zu trennen, wurden big jest
noch nicht zur Genüge aufgeftellt. Temminck IV. 374 hat
fit) Mühe gegeben, die Cache wo möglich noch mehr zu ver-
wirren. — Sehr anerkennenswerth ift die Aufftellung von
Ardea bubuleus und Streichung der Ardea Verany; folche
in den Handbuͤchern verbreitete Srrthümer bringen nur Verwir—
rung hervor. Ebenfo danfensmwertb ift das Streihen von Ciconia,
Maguari als europäifh, als melde fie doch in allen Hand»
buͤchern und Catalogen fteht.
Daß Schlegel den Angaben Temmincks V. 390, als
£ime Ibis religiosa in Griechenland vor, Glauben fchenkt,
während er andere als europaͤiſch angeführte Vögel: deffelben
Berfaffers, wie den Goldfafan u. U. m. nicht anerkennt, ift zu
465
verwundern; ich glaube nicht, daß er je in Griechenland erlegt
wurde.
Der als Local-Raſſe aufgeftellte Cygnus musicus minor
(Cygnus Bewickii) dürfte wohl als eine eigene Art behandelt
werden, wenigftens gibt Wagler fhon 1832 in der Iſis
©. 1234 eine gute anatomifche Beichreibung zweyer in Bayer
etlegter Schwäne, die er zu Cygnus Bewickii Yarrell zähle,
und die an der Art=Werfchiedenheit wohl keinem Zweifel laf:
fen. — Der eigenfinnige Streit TZemminds wegen feines
Carbo eristatus und graculus ift bündig und hoffentlich auf
immer abgefertigt; wünfchenswerth "wäre es geweſen, daß
Schlegel etwas weniger rüdfichtsvoll mehrere von den Irr⸗
thuͤmern Temminds, wovon zumal die zwey Supplement:
Bände wimmeln, berichtigt und aufyededt hätte: denn wenn fie
von einer folchen ornithologifehen Notabilität ausgehen, verbreiten
fie fih immer mehr und find oft nur ſehr fchwer auszurotten. —
Die Zweifel über die von mir in meinen „Beiträgen als
Larus argentatus, eachinnans et atricilla vermuthungsweife
aufgeſtellten Möven, fo wie zwey von mir noch nicht erwähnte
Möven aus Griechenland, merde ich, wie fchon mehrmals
erwähnt, in einem eigenen Aufiage mit noch andern zweifelhaften
Vögeln zu beleuchten fuchen.
Bey Puffinus obseurus wäre noch zu bemerken, daß er,
wenn auch nicht fo häufig als Puffinus cinereus, doch eben
nicht felten in Griechenland vorkommt. — In einem Aufſatz
von Drummond mit Noten von Stricklamd über die Vögel
der jonifchen Infeln, der in No. 79 der Annals of nat. history
Dec. 1843 abgedrudt ift, wird ein neuer Thalassidroma unter
dem Namen melitensis angeführt, der auf dem Felfen Filfola
an der Suͤdſpitze Maltas brüte; da er gewiß dann auch auf
undern Mi telmeer-Infeln vortommt, fo wäre feine nähere Unter:
ſuchung ſehr zu wuͤnſchen.
Somit ſchuͤeßft das Werk; es enthält 516 Voͤgel, davon
27 Rocale Raffen Graf Kenferling und Blafius haben
490 Arten angeführt. Schade daß das Schlegelfhe Werk
feinen Inder führt; es ift im Studium immer eine hödft
unbequeme Sache und raubt viele Zeit, wenn man herumblät:
tern muf. Der franzöfifhe Text ſcheint mit mehr Vorliebe
bebandelt als der deutſche, wenngleich ‚beide weſentlich nicht
verfchieden find; die Correctur ift gut, nur haben ſich einige
jinnftörende Fehler eingefchlichen; fo ift bey Cuculus America-
nus im deutfchen Text Nord Africa, im franzoͤſiſchen PAmérique
du nord’ als Vaterland angegeben, Druck und Papier find
ausgezeichnet.
Monographin Hyrcoperdineorum
auctore Dr. C. Vittadinio. Augusta Taurinorum. 1842. 4.
95. tbb. 3... (Mem. Acc. tor. V.)
Diefe Abhandlung hat den Preis gewonnen, und iſt befons
ders zu haben. Des Verfaffers fehöne Werke über die Pilze
find ruͤhmlichſt bekannt. Er gibt bier eine Schilderung vom
Außern und microfcopifchen Bau der Balgpilze, und befchreibt
dann folgende Sippen und Gattungen mit Angabe der
Synonyme.
I. Exosporei.
1) Geaster schmidelii, elegans, lagenaeformis, tunicatus,
marginatus, vulgatus n., mammosus, schaefferi, floriformis
n., hygrometricus.
i 466
2) Lycoperdun plumbeum, nigrescens, defossum n.,
dermoxanthum, tomentosum u., fragile, bovista, polymor
phum. marginatum, atropurpureum, velatum, caelatum,
hiemale, excipuliforme, perlatum, pyriforme.
ll. Endosporei.
4) Scleroderma geaster, vulgare.
5) Polysaccum pisocarpium.
6) Elaphomyces papillatus,, atropurpureus, mutabi-
lis, eitrinus, leucosporus, pyriformis u., anthracinus,
maculatus, septatus, retieulatus n., decipiens, variegatus,
asperulus, granulatus, aculeatus, persooni, morettii, echina-
tus, foetidus n.
Il. Fructificatio ignota.
7) Coenococcum’ geophilum.
Es find die meiften abgebildet und zwar ſehr hübſch und
deutlich, auc die microfcopifhen heile.
$ IlIvra
oder allgemeine botanifche Zeitung, herausgegeben von der E. bot. Gef.
zu Regensburg, redigiert von Dr. A. E. Fürnrohr, Prof. Regens—
burg 1845. 8. 788. 234, T. 7.
Mir haben ſchon oft geſagt, daß diefe Zeitfchrift außer den
vielen eigenthümlichen Abhandlungen ziemlich Alles bringt, was
in der Botanik gearbeitet wird, befonders in der ſyſtematiſchen,
ohne jedoch die Anatomie und’ Phyſiologie zu vernachläßigen,
worüber es jeht Übrigens eigene Zeitfchriften gibt. Die Auffäge
find fo mandfaltig, daß eine Angabe derfelben ganz unmoͤglich
ift. Sie umfaffen hier die Hiftologie, Drganologie, Ernährung,
Saftbewegung, Bortpflanzung, Keimung, Krankheiten, chemifche
Beftandtbeile, die fnftematifhe Botanik, Pflanzen = Geographie,
foffile Pflanzen, die angewandte Botanik, erſchienene Schriften,
Gärten, Gefellihaften, Sammlungen, Perfonen ufw.
Außerdem ift diefem Jahrgang beygegeben Witftröms Sab-
tesbericht für 1839 — 42, Überfegt und vermehrt von Beil:
ſchmied ©. 1—234; auch beionders zu haben, was. den Be—
figern der früheren Jahrgänge ſehr angenehm ſeyn wird), da
fie hier eine fo ungemeine BVollftändigkeit der Literatur‘ bey:
fammen finden.
Deutfchlands Flora in Abbildungen
nach der Natur mit Befchreibungen, herausgegeben von Dr. $. Sturm,
Heft 91. 92. Nürnberg beym Berfaffer 1816, 12,
Diefe niedliche und. beliebte und mohlfeile Flora. wird, nun
gezeichnet und. geflohen: von. Sturmsd Sohn. Wilhelm;
der Text ift fortdauernd von Koch zu Erlangen. Diefe Hefte
enthalten beyfammen die. Potentillen, ‚nicht, weniger als 24 an
der Zahl: P. supina, norvegica, rupestris, recta, hirta,
pilosa, inclinata, collina, patula, thuringiaca, reptans, pro-
cumbens, mixta, cinerea, grandillora, nivea, frigida,
splendens, fragariastrum , micrantha, clusiana. r
Es iſt ſehr nuͤtzlich und lehrreich, die Gattungen neben einan⸗
der zu haben; das iſt mit ein Umſtand, welcher dieſem Werk
einen erhoͤhten Werth verleiht.
467
Eliae Fries, Summa Vegetabilium
Scandinaviae.
Lipsiae apud Bonnier. I. 1815. 8. 258.
Mir erhalten hier. ein critifches Werzeichniß der nordifchen
Pflanzen, zwifchen dem normwegifchen Meer und dem weißen,
zwifchen der Eider und dem Nordcap, wie es wohl nur der
Berfuffer herzuftellen im Stande ift. Nach einer kurzen Dar—
fteltung feines morphologifchen Pflanzenfyftems gibt er ein Verzeich-
niß der. Gattungen aller Pflanzen mit Ausnahme. der Pilze
von ©. 1-34, wobey in 6 neben dem Tert laufenden Streis
fen durch Zeichen angedeutet wird, in welchem der folgenden
Länder die Mehrzahl von einer Gattung vorkommt, in Dänes
marf, Gotbland, Norwegen, Schweden, Lappland und Finnland,
Er ſucht überall die urfprünglich linneiſche Gattung. herzuftellen,
Man lernt dabey ſeyn Pflanzenfyftem Eennen; es wird daher
unfern efern ‚angenehm feyn, wenn. wir hier. die Gliederung
deffelben angeben. }
Fam. 34. Ranunculaceae.
Seri —6 Fanı. 35. Berberideae.
eries I. Corolliflorae. Fam. 36. Papaveraceae.
— — —
—
Series IV. Jncompletae.
ClassisX. Bracteiflorae,
Fam. 69. _Aristolochia-
ceae.
Y'am. 70. Santalaceae.
Fam. 71: Thymeleae.
Fam. 72. Elaeagneae.
Fam. 73. Artocarpeae.
Fam. 74. Ulmaceae.
Fam, 75. Urtieaceae.
Fam. 76. Amaranthaceae.
Fam. 77. Chenopodiaceae.
Classis XI. Juliflorae.
Fam. 78. Juglandineae.
Fam. 79. Cupuliferae.
Fam. 80. Salicineae,
Fam.'81. Betulineae.
Fam. 82. Myriceae.
Fam. 83. Coniferae. Equi-
setaceae.
Classis XII. Nudiflorae,
Fam..84. Callitrichineae,
Fatu. 85. Ceratophylleae.
Fam. 86. Characeae.
Monocotyledoneae.
Classis XII. Fructi-
florae.
"Fam. 87: Orchideae.
Fam. 88. Irideae.
Fam. 89. Nareissineae.
468
Fam.90. Hydrocharideae.
Fam. 91. Najadeae.
Classis XIV. Liliiflorae,
Fam. 92. Liliaceae.
Fam. 93. Colchicaceae.
Fam. 94. Alismaceae.
Fam. 95. Narthec'aceae.
Fam. 96. Juncaceae.
Classis XV. Spadiei-
florae.
Fam. 97. Aroideae.
Fam. 98. Potamogeto-
neae.
Fam. 99. Typhaceae.
Fam. 100. Cyperaceae.
ClassisXVI. Glumiflorae.
Fam. 101. Gramineae.
Heteronemeae.
Classis XII. Filices.
Fam. 102. Polypodiaceae.
Fam. 103: Ophioglosseae.
Fam. 104. Marsileaceae.
Fam, 105. Lycopodiaceae.
Classis XVII. Musei,
Fam. 106. Bryaceae.
Fam: 107. Hepaticae.
Classis XIX. Algae.
Fam. 108. Lichenes.
Fam. 109. Byssaceae.
Fam. 110. Fucaceae.
Classis I. Seminiflorae. Fam. 37. Fumariaceae.
Fam. 1. Synanthereae. Fam. 38. Cruciferae.
Fam. 2. Dipsaceae. Fam. 39. Polygaleae.
Fam. 3. Ambrosiaceae. Fam. 40. Balsamineae.
Fam. 4. Valerianeae. Classis VL Columni-
Fam. 5. Rubiaceae. florae.
Fam. 6. Loranthaceae. Fam. 41. Tiliaceae.
Fam. 7. Caprifoliaceae. Fam. 42.. Malvaceae.
Classis Il. Annuliflorae. Fam. 43. Gruinales (Oxa-
Fam. 8. Campanulaceae. lideae).
Fam. 9. Lobeliaceae, Fam. 44. Hypericineae.
Fam. 10. Convolvulaceae. Fam, 45. Cistineae.
Fam. 11. Boragineae. Fam. 46. Violariae.
Fam. 12. Labiatae. Fam. 47. Droseraceae.
Fam. 13. Menyantheae. Fam. 48. Silenaceae.
Fam. 14. Polemoniaceae, Fam. 49. Alsinaceae.
Classis Il. Tubiflorae. Fam. 50. Elatineae.
Fam. 15. Oleinae. Series IIl. Calyeiflorae.
Fam. 16. Verbenaceae. Classis VIl. Faueiflorae,
Fam. 17. Asclepiadae. Fam. 51. Cueurbitaceae.
Fam. 18. Gentianeae. Fam. 52. Ribesiae.
Fam. 19. Solanaceae. Fam. 53. Saxifrageae.
Fam. 20. Personatae. Fam. 54. Crassulaceae.
Fam. 21. Lentibularieae. Fam. 55. Lythrarieae.
Fam. 22. Primulaceae. Fam. 56. Onagrarieae.
Fam. 23. Globularieae. Fam. 57 Halorageae.
Plantagineae.
Plumbagineae.
Fam. 2%.
Fam. 25.
Series It. Thalamiflorae.
Disciflorae.
Classis IV.
Fam. 26. Frangulaceae.
Fam. 27. Corneae,
Classis VII. Rosiflorae.,
Fam. 58. Pomaceae.
Fam. 59. Senticosae.
Fam. 60. Drupaceae.
Fam. 61. Papilionaceae.
Classis IX. Centriflorae.'
Fam. 28. Araliaceae. Fam. 62. Erieineae.
Fam. 29. Umbelliferae. Fam. 63. Empetreae.
Fam. 30. Adoxeae: Fam. 64. Euphorbiaceae.
Fam. 31. Acerineae. Fam. 65. Tamariscineae.
Fam. 32. Resedacenae. Fam. 66. ‚Portulaceae.
Classis V. Sertiflorae. Fam. 67. Paronychiaceae.
Fam. 33. Nymphaeaceae. Fam. 68. Polygoneae.
Iſis 1847. Heft 6.
Die Diatomaceen will der DVerfaffer zu den. Ulvaceen ftellen.
Die Pilze follen im zweyten Theil folgen.
©.135. beginnt eine Synopſis der: Gefäfpflanzen, welche
ſich in Koch s Synopſis nicht oder anders finden, Das ift ein
critifchee Text, morinn die Gattungen auseinander geſetzt
werden.
Ein Regiſter fchließt das Bud.
Nraturgetreue Abbildungen und Befchreidungen
der fchäplichen, efbaren und verdächtigen Schwämme, von Profefjor
J. V. Krombholz. Prag bey Calve. Heft X. 1846. Vol. 36.
T. 71—77. Imperial: Folio,
Diefes große und ungemein nügliche Werk iſt nun gefchloffen.
Sn diefem Fache, nehmlich der. auf das Volk bezüglichen Pilze
kommt ihm fein anderes gleich weder in der Menge, noch in
der Schönheit der Abbildungen; auch der Text enthält Alles,
was noͤthig ift, felbft einen, wiffenfchaftlichen Character, meiſtens
länger als nöthig; die deutfehen und, böhmifchen Namen und
Anführung der wichtigeren Schriftfteller. Mandye Gattungen
ind neu.
r Sn diefem Heft finden fi nicht weniger als 130. Abbilduns
gen, fämmtliche in natürlicher Größe von oben und‘ unten und
mit Durchſchnitten, forgfältig. ihuminiert,„aber leider nicht, nad).
den Nummern gereiht, ſondern durcheinander, fo daß man beym
Aufſuchen viel ‚Zeit verliert... «Diefe Unordnung wurde freylich
nothmwendig dadurch, daß man jeden leeren Fleck auf den Tafeln
benußen wollte; beſſer waͤre es aber gewefen, wenn man einige, -
30
469
Tafeln mehr zu bezahlen gehabt hätte. Endlich hat ber Ver:
faffer die lateiniſchen Namen oft ſehr mafchinenmäßig überfest,
und der Sprache eine ſolche Gewalt angethan, daß man die
Namen ſicherlich nicht benbehalten wird. 3. B. Agaricus
varieeolor verſchiedenfarbiger ſtatt geſchaͤckter oder fchädiger,
A. involutus, einwärts gerollter fatt eingerolfter; A. tumidus,
baufig füßiger ſtatt etwa aufgedunfener; A. radicatus, gewur:
zelter ſtatt etwa langwurzeliger; A. torvus, unfreundlicher ſtatt
etwa garſtiger.
Doch das find Nebenſachen, welche von ſelbſt wegfallen wer:
den. Das Buch wird immer ein ehrenvolles Denkmal für den
Berfaffer und felbft für die böhmifche Literatur bleiben.
Abgebildet find hier:
Agaricus. ‚elixus. suspectus n.
robustus. hypoteius. strobiloides n.
eomus n. radicatus. bovinus.
arachnoideus n. eroceo-viridis.n. variegatus.
cinnamomeus, mutabilis. xanthoporus n.
variecolor. caudicinus, sanguineo-ma-
olivaeeolor n. caperatus. eulatus n.
spadochrus n. mucosus, subtomentosus,
involutus. collinitus. sericeus.
nudus. torvus. inunctus n.
tumidus. Boletus. leoninus.
urinaceus. felleus. pascuus. A.
amethysteus. duleis. aquosus n.
Nederlandſch Kruidfundig Archief
uitgegeven door W. H. de Briefe, 8. Dozy, N. I. 9. Molfen=
boer. Leyden, Luchtmans I. 1. 1816. 8. 115.
Die Tydſchrift vor natuurlyke Gefchiedenig en Phnfiologie
von van der Hoeven en de Briefe hat leider mit Band All.
aufgehört, wie e8 wohl nicht anders zu erwarten war, da die
Holländer nicht zahlreich genug find, um eine wiffenfchaftliche
Zeitfehrift zu halten oder Überhaupt ein narurgefchichtliches Werk.
Es geht ihnen wie den Dinen und Schweden. So lobenswerth
auch der Patriotismus ift, fo verdient er doch Tadel, fobald er
Unmoͤgliches erzwingen will, weil er ſich dadurch ſelbſt ſchadet,
und in diefem Falle wirklich die Wiffenfchaft zu Grunde richtet
und damit begreiflicher Weiſe felbft den Ruhm des Landes,
indem er fein eigenes Werk zerftört. Diefe Völkerftämme follen
ſich doch erinnern, daß fie nur Glieder und zwar fehr Eleine
Glieder des germanifchen Volkes find, wovon nun einmal der
deutfhe Stamm den eigentlichen Leib bildet, an den ſich im
geiftigen Verkehr wieder anzufchließen gewiß Fein Nachtheil liegt
und noch weniger eine Unehre. Gewiß verfteht in Holland
jeder ebenfo gut deutfch als in Dänemark und Schweden, wel—
cher fi mit don Naturwiſſenſchaften befchäftiget. Wollte man
folhen Stammes: Eitelfeiten nachgeben; fo müßte man in
Deutſchland allemannifh und ſaͤchſiſch (ſaſſiſch) ſchreiben, was
aber gewiß jetzt jederman fin eine Laͤcherlichkeit und Thotheit
halten wuͤrde. Mag man immerhin Bethbuͤcher, Geſchichte,
Geographie u. dgl. in der Voksmundart ſchreiben; wiffenfchaft:
liche Werke aber müßen gegenwärtig in der Hauptſprache verfaßt
werden, tie früher in der lateinifchen, worinn zu ſchreiben fich
fein Naturforfcher gefehämt oder gar gemähnt hat, feiner Mut:
terfprache damit einen Schimpf anzuthun. Diefe Volkaftimme
würden auch nod einen andern Gewinn haben, indem manche
ihree Wörter in die deutfche Sprache übergehen wuͤrden und
umgekehrt, wofuͤr wir nicht anders als dankbar feyn koͤnnten.
470
Inder Verzweiflung nun uber das Aufhoͤren der Tydſchrift
haben die Herausgeber diefes botanifche Archiv angefangen, mwel=
ches gewiß fein Keben nicht auf 12 Bände bringen wird, wenn
es auch noch fo lehrreiche Entdedungen und Entwidelungen enthält.
Es lernt nun einmal niemand in uropa holländifh, daͤ—
nifh und ſchwediſch, weil in diefen Ländern zu wenig miffen-
fehaftlihe Werke erfcheinen, obgleih man rühmen muf, daß
die meiften derfelben ganz vertrefflidy find. Selbſt in Deutſch—
land halten fich ſolche Zeitfchriften Eümmerlih, und befondere
Werke über einzelne Zhierclaffen, noch vielmehr Prachtwerke
koͤnnen kaum erſcheinen, wenigftens nicht wie in Frankreich und
England, dort weil die ganze Welt feine Bücher Fauft, hier,
weil auch die reichen Leute fich mit den Wiffenfchaften befchäftigen,
während fie in Deutfchland meynen, fie brauchten nichts davon
zu verftehen ; ſolche Schriften wären für die Bibliotheken. Doc)
damit genug: es ift ja doch vergeblich.
Diefes Hofe enthält Beyträge von Briefe zur Kenntniß der
Flora von Sumatra. Er erhielt die Pflanzen, welche Sung:
bubn, der vom Gouverneur Merkus mit der topographiſchen
Unterfuchung beauftragt ift, gefammelt hat. Junghuhns
großer Erfolg ift fhon aus den kaiſ. leopoldinifchen Abhandlun—
gen bekannt. Hier wird nun der Anfang von der Befchreibung
diefer Pflanzen gemacht, und zwar in Lateinifcher Sprache, alfo
jedem zugänglich. Character, Ort, Höhe, Belchreibung von
Nephrolep's paleacea n., obtusifolia, Blechnum orientale,
Davallia heterophylla, elata, Lindsaea davallioides, Allosurus
esculentns, Cheilanthes tenuifolia, Hemionitis falcata,
Lygodium mierophyllum, Angiopteris evecta, Lycopodium
leucolepis n., trichiatum; willdenowii, cernuum, atroviride.
Aralia? pinnatifida n., capitulata n., Arthrophyllum
ovalifolium n., diversifolium.
S. 20. P. W. Korthals, Bemerkungen tiber einen Theil
von der Suͤdkuͤſte Borneos. Gröfe, Flußgebiete, Diamanten:
Strich mit dem Geognoftifhen. Dieſer Auffaß gehörte eigent=
lich nicht hieber.
©. 46. Dozy und Molkenboer, VBenträge zur Flora
eryptogamica von Niederland; ein Verzeichniß von Pilzen.
©. 58. Kortbals, Blid auf die natürliche Befchaffen:
beit der Wegetation auf Sumatra. Die Natur des Geländes
wird befchrieben mit Angabe der characterifierenden Pflanzen,
Sippen, vorzüglid derjenigen, welche die Pracht der Inſel
ausmadhen.
©. 54 R. B. van den Boſch, Enumeratio Plantarum
Zeelandiae belgieae indigenarum quarta.
EingVerzeichniß der Algen, von ben Diatomeen an; ©. 104 der
Di: und Monocoiyledonen; ©. 112. einiger Moofe und
Flechten.
Thesaurus
Literaturae botanicae omnium Gentlium inde a rerum botanicarum
initiis ad nostra usque tempora quindecim millia opera recen-
sens, curavit G.A. Pritzel. Lipsiae apud Brockhaus. Fasec.l.
1847. 4. 80.
Die Literatur sVerzeichniffe für einzelne Zweige der Maturs
gefchichte folgen eilig hinter einander, und zwar alle mit einem
ungemeinen Fleiße bearbeitet: Engelmanns Berzeichniß der
Bücher über die gefammte Naturgefchichtes Aß manns Quellen:
£unde der vergleichenden Anatomie. Der Verfaffer des vorlies
genden Werks hat faft das Unmögliche geleiftet. Von den
15000, im Titel bemerften Schriften hat er mirklich die meiſten
471
ſelbſt eingefehen und zu diefem Behufe die Bibliotheken befucht
zu Wien, Dresden, Leipzig, Göttingen, Berlin, Bruͤſſel, Paris,
die von Link, Schlehhtendal, De Gandolle, Suffieu,
Deleffert, Barker-Webb und GC. Montagne, fo
daß ihm über 40,000 botanifche Bande durch die Hände ges
gangen finde Die in Deutfchland eingefehenen Werke find
mit einem * bezeichnet, die in Sranfreih und Genf mit
einem +. Nah dem XAlphabeth folgen die anonymen und
periodifchen Schriften, ein Regifter und eine Weberficht der ara—
bifhen Werke von Profeffor MWüftenfeld in Göttingen.
Darauf fommt ein wiffenfchaftlich geordneter Theil umd endlich
ein Repertorium der botanifhen Zeitfchrift:Literatur. Mitbin
alles Möglihe, was man nur verlangen Fann. Das ganze
Merk fol SO Bogen enthalten. Da der WVerfaffer im fofte:
matifhen Theil und, in den Zeiffchriften die einzelnen Aufaͤtze
aufnehmen wird; fo meynen wir, follte das Negifter ganz am
Ende jtehen und doppelt feyn für die Verfaffer und die Namen
der Claſſen, Familien und Sippen, welche nehmlich in befondern
Auffägen behandelt worden find.
Das erfte Heft enthält ſchon 2995 Titel. Ben jedem der
Band, die Jahrszahl, der Verleger, das Format, die Seitenzahl
und der Preis; felbft_ der Innhalt der einzelnen Auffäge in den
gemifchten Werfen, und endlich die AUuffäge, welche ein Ver:
faſſer in verfchiedenen Zeitfchriften geliefert hat. «So 3. B. alles
von Bory de St. Vincent, Mirtbel, Brongniact,
De Candolle, Endliher. Von feltenen Merken ift die
Bibliothek angezeigt, worinn fie fi finden. Es ift alfo nichts
vergeffen, was nur irgend in ſolch' ein Werk kommen fann.
Das Buch iſt einzig in feinee Art und wird daher gewiß allge
meinen Behfall finden.
Systema Reptilium
auctore L. Fitzinger. Vindobonae apud Braumüller.
Fasc. I. Amblyglossae. 1843. 8, 115.
Diefe Schrift hätte ſchon längſt follen angezeigt werden:
allein fie Eam uns durd einen Zufall erft fpät zu, und deßhalb
werden uns die Leſer entſchuldigen, daß wir ihnen eine fo wich—
tige Arbeit jetzt erft vorführen. Man muß fih in der That
wundern, wie es dem Verfaffer auch bey dem raftlofeften Fleiße
möglich geworden ift, To ungemein viel Materialien zufammen
zu bringen, zu verarbeiten, fo viele neue Sippen aufzuftellen,
diefelben zu ordnen und zu characterifiren, da feine amtliche Stel=
lung, wenn wir nicht irren, Eeineswegs am Naturalien-Gabinett
ift und ihm mahrfcheinlich nur wenig Zeit übrig läßt, in dem—
felben für fein großes Studium zu arbeiten. Es foll darinn
durch den vieljährigen und raftlofen Eifer des Directors des
Naturalien-Cabinetts, von Schreibers, eine folhe Maffe von
Material zufammengebraht worden feyn, daß bey manchen
Thierclaffen kaum eine andere Summlung in Europa mit der
Miener Sammlung in die Schranfen treten fünne, was vor:
züglich von den Eingeweidiwirmern, Vögeln und Lurchen gelte:
der Verfaffer fist daher im Rohr und kann fih Pfeifen ſchnei⸗—
den, mie wohl Eaum ein anderer. Das hat er denn auch feit
vielen Jahren fleißig und gefchidt gethan, wie feine Glaffifica
tion der Neptilien 1826 beweift und noch mehr das vorliegende
Merk, welches wohl allgemeine Anerkennung finden und zur
Grundlage des Studiums und der Anordnung in den Samm—
lungen benugt werden wird. Ob die vielen Sippen ‘gern gefehen
und angenommen werden, läßt fich nicht fo ſchnell beurtheilen:
wenn aber aud) nicht; fo ift es doch fehr vortheilhaft, nun eine
472
Gliederung bis ing Einzeifte zu befigen, wodurch jeder in Stand
gefeist wird, nach Derzensiuft zu ordnen. in Hauptvorzug
diefer Arbeit liegt darinn, daß der Verfaffer nicht auf Gerath:
wohl, fondern nad) Principien geordnet hat, was nun ziem:
lic) anerkannt ift, indem faft Eeiner mehr ſich will nad fagen
laffen, daß er etwas blind gefunden habe, während man noch
vor einigen Fahren einen wahren Ruhm darein feste, daß man
feine Unterfuhungen nicht nach vorgefaßten Meynungen der
Philofophie, wie man es nennt, angeftellt hat. Uebrigens ift es
natürlich, daß die Wiffenfchaft endlich über das Handwerk
meifter werden muͤße.
Der Berfaffer ſchickt eine allgemeine Glaffificatiom des ge:
fammten Thierreichs voraus:
1. Provincia: Evertebrata.
A. Gradus Evolutionis Systematum physiologieorum
vegetativorum.
I. Cireulus: Gastrozoa. Evolutio Systematis nutritionis.
a)Evolutio praevalens Systematis d zestionis.
1. Cl.: Infusoria.
b) Evolutio pr. Syst. eirculationis.
2. Cl.: Zoophyta.
e) Evolutio pr. Syst. respirationis.
3. Cl.: Acalephae.
Il. Cireulus: Physiozoa. Evolutio Syst. generationis.
a) Evolutio pr. Syst. digestionis.
4.Cl.: Vermes.
b) Evolutio pr. Syst. eirculationis.
5. Cl.: Radiata.
ce) Evolutio pr. Syst. respirationis.
6. €l.: Annulata.
B. Gradus Evolutionis Systematum phys. animalium.
II. Cireulus: Dermazoa. Evolutio Syst. sensibilitatis.
a) Evolutio pr. Syst. digestionis.
7. Cl.: Acephala.
b) Evolutio pr. Syst. cireulationis.
8..Cl.: Cephalopoda.
ce) Evolutio pr. Syst. respirationis.
9.Cl.: Mollusca.
IV. Cireulus: Arthrozoa. Evolutio Syst. motus.
a) Evolutio pr Syst. digestionis.
10. €l.: Crustacea.
b) Evol. pr. Syst. cireulationis.
11. Cl.: Arachnodea.
c) Evol. pr. Syst. respirationis.
12. Cl.: Insecta.
II. Provineia: Vertebrata.
A. Gradus Evolutionis systematum phys. vegetativorum.
1) Evolutio Syst. nutritionis simulque ossium.
13. C1.: Pisces.
2) Evolutio Syst. generationis simulque musculorum.
14. Cla Reptilia.
B. Gradus Evolutionis Syst. phys. animalium.
3) Evolutio Syst. Sensibilitatis simulqgue nervorum.
15. Cl.: Aves.
4) Evolutio Syst. motus simulque sensuum.
16. Cl.: Mammalia.
Dann werden auch die Ordnungen der obigen Claffen eben:
falls tabellarifch dargeftellt. Es ließen fih viele Bemerkungen
über dieſe Principien machen, für hier foviel. Gewiß ift es,
"daß jede Thierclaſſe ein befonderes anatomiſches Syſtem zum
Fundament habe und daß die Wiederholung folcher Spfteme
477
einftimmende Kennzeichen an den Eyern für die Sippen einer
Zunft oder wenigfteng einer Sippfchaft herauszufinden.
Auf Tafel 16 find Fehlen in der Bezifferung; auch fcheint
das Ey von Crotophaga ani zu fehlen. Andere Zufeln haben
wie nicht durchgefeben. Das überlaffen wir dem Verfaffer zum
Schluſſe des Werkes.
Bulletin
de la Classe physico-math&matique de l’Academie imperiale des
Sciences de St. Petersbourg. Tome V. 1846. 4.
No. 1 und 2 enthält: Über galvanifche Polarifation und
electromotorifche Kraft in Hydrofetten von E. Lenz -und
Saaw lje v. December 1844.
©. 233. Marimilian, Herzog von Leuchtenberg:
Verfahren, ‚bey WVergoldungen und VBerfilberungen auf galvani=
fhem Wege die Dauntität Gold und Silber fennen zu lernen,
welche man angewendet. Auyuft 1. 1845.
©. 30. Palmieri zu Neapel: über einige Phänomene
der tellurifchen Induction. Gelungen bloß durch Kupferdraht.
No. 2. CU Meyer: Verſuch einer Monographie von
Ephedra.
©. 36.
Inulins.
S. 89. J. F. Weiße: drittes Verzeichniß petersburgiſcher Infu—
ſorien. Mit allerley Bemerkungen über manche dieſer Thierchen,
beſonders Glenomorum tingens, Gonium glaucum, Vibrio
prolifer.
No. 3. Kolenati: der Gletfchergaft, mit einer Tafel.
Boreus hiemalis (proboseideus, glacialis, saltans) wird
hier nebft Angabe der Synonyme gut befchrieben und abgebil—
det. Die mweitläufige Einleitung hätte wohl als nicht herges
hoͤrig mwegbleiben können, fowie auch ein großer Theil der Sy:
nonyme, der Namen: Gletfchergait für das Männchen, und
Moospanorpe für das Weibchen defgleichen; fonft ift der Auf:
fas danfenswerth. Die Weibchen finden fih nur im Winter
unter Moos, nicht auf dem Gletſchereiſe ſelbſt; die Maͤnnchen
nur vom Suly big zum October, am Eife felbft im Caucaſus
wie auf den Alpen. Der Berfaffer glaubt, daß fie fich von
Lebermoofen oder Schimmel, vielleicht auch von Infuforien er—
nähren. Abgebildet find: Männchen mit vier verfümmerten
Fluͤgeln, Weibchen ohne Flügel; Kopf befonders, Flügel, Fuͤh—
ler, Tarſus, After.
No. 4. E. Lenz: Bemerkungen über bie Temperatur des
Meltmeers in verfchiedenen Ziefen, mit einer Zafel.
Woskreſſensky: über die Zufammenfegung des
Mo, 5. Buniakowsky: neue Theorie der Parallelen.
©. 86. 9. Jacoby: galvanifhe und elecrromagnetifche
Verſuche. Zweyte Keibe.
S. 91. Brandt: über die Weichtheile und aͤußeren Organe
des Rhinoceros tichorhinns, wovon fehr häufig Knochen in
Rußland vorkommen, oft mit Haut, Muskeln und Gefäßen.
©. 92. Derfelbe: nachträgliche Bemerkungen über den
microfcopifhen Bau der hornigen Kauplatte der Rytina; befteht
aus Zellen.
Hier Eommen folgende Stelfen vor, welche ich nicht unbe—
merkt kann hingeben laffen,
„Wenn ohnehin die Naturforfcher des Auslandes von den
Naturkundigen Nuflande die Kenntniß der Rytina dringend
forderten, wenn ferner noch in diefem Jahr Oken in einer
Vorlefung bey. Gelegenheit: der: Rytinaı fogar der Ruſſiſchen
Regierung die Vertilgung derjelben Schuld gibtz ſo fchien es
mir um fo paffender, alle Theile‘ von Kytina fo gründlich zu
unterfuchen, wie e8 immer für unfere Zeit möglich iſt.“
Da ich mid) nun erinnerte, biefes in einer Vorleſung vorge—
bracht zu haben; fo dachte ich, es müßte etwas darüber in der
Sfis vorgefommen ſeyn. Sch ſchlug daher aller Negifter der
fpätern Sahrgänge nach, und fand. nichts als des Academikers
von Baer Unterfubung über die Verbreitung und Vertilgung
von Stellers Seekuh im Jahrgang 1839. ©. 646. Dafelbft
heißt e8 unter anderem: j
‚Nah Stellers Ruͤckkunft in Sibirien 1742 haben feine
Erzählungen Über die Menge der’ Meerottern auf den Inſeln
und über die Leichtigkeit dev Verproviantierung mit Meerfühen
von der Beringsinfel eine Menge Jaͤger, Kofaken und Abentheu⸗
ver aller Art veranlaßt, ſich nach Kamtſchatka oder Ochotsk
einzufchiffen: fie entdeckten nach und ‚nach (die ganze Inſelkette
bis Alaſchka. Die meiften von den erſten Seefahrern übers
winterten auf der Berings-Inſel, um Provifion einzunehmen,
einige auf der. Kupferinſel. Die Vertilgung der Thiere ging ſo
ſchnell, daß man nad) 17567 fchen ſelten Meerottern. auf der
Beringsinfel fieng und die Verproviantierung; mit‘ Lamantinen
nicht mehr hinlänglich geſchehen konnte. — —
Nach dem, was uns von des Pallas Berichten übrig ges
blieben ift, ift es ziemlich wahrfcheinlich, daß die Lamantine nur
auf der Berings- und Kupferinfel lebten, welche beide unbe—
wohnt find. Es ift daher nicht zu verwundern, daß die Aben—
theurer in einem fo £urzen Zeitraum die Rytina fchneller ver—
tilge haben, als e8 der Dronte auf den mafcarheniichen Inſeln
geworden iſt. Dieſe Inſeln wurden lange nicht von Der ruſſi—
ſchen Regierung beruͤckſichtigt.
Erſt im Jahre 1768 ſchickte man den Capitaͤn Krenitſyne
und den Lieutenant Levaſchev dahin, und in dieſem Jahre
wurde die legte Meerkuh getoͤdtet, wie es Sauer erzählt in
feinem Bericht von der Neife des Capitaͤns Billing. — —
Hieraus ergiebt fih, daß die Rytina nur 27: Jahr die Zeit
ihrer Entdedung Überlebt hat, und daß fie nur von einem ein-
zigen Gelehrten — Steller gefehen worden, welcher durch
feine Beſchreibung fih ein um fo dauerhafteres Monument gefest
hat, als Niemand feine Beobachtungen "beftätigen oder erwei—
tern. Eann. Auch iſt er es, welcher, (ohne e8 zu wollen, zur
PVertilgung ‚der Gattung beygetragen, indem er die Habgier der
Abentheurer erregte.’‘
Da nun bier nichts vorkommt, was auf die Vertilgung die—
fe8 Thiers durch die Gewinnfucht der ruffiihen Regierung bes
jogen werden koͤnnte; fo habe ich ficherlich gefagt, daß das
Thier durch die Gewinnfucht der ruffifhen Jaͤger ausgerottet
worden fey. Mahrfcheinlih mar ein Neifender in der Vorle—
fung, der die Sache mißverftanden hat, — Ich habe mic) hiers
über ausgelaffen bloß zur Steuer der Wuhrheit. Ein anderer
„Die Mittheilung der von Oken in einer Vorleſung geſproche—
nen. Morte findet fih im Graänzboten, Zeitfehrift für Politif und
Literatur von Kuranda Mr. 27. 1845. Sie heißen: Oken erzählte
von einer eigenen Art von Wallfifchen, die man im nördlichen Eismeere
gefunden, die aber aus gemeiner Gewinnfucht von Seiten der ruffifchen
Regierung fo fehr verfolgt wurde, daß fie binnen kurzem ‚ausgerottet
war, bevor die Wiffenfchaft Kenntnig von ihr nehmen fonnte. — Ich
verdanfe diefe Mittheilung meinem hiefigen gefälligen Freunde, dem Hrn.
Dr. Pietzger.“ .
478
479
Grund kann nicht vorhandeh feyn, da ich ja von der ruffifchen
Negierung weder Leid noch Freud erwarte, Ich wundere mich)
übrigens, daß. Brandt ſolche Bemerkungen eines flüchtigen
Neifenden in einem Tagblatt berüdfichtigen mochte und erwarte
daß er es gelegentlich berichtigen werde. O.
©. 94. Tyrrow: über eine Erſcheinung an Daniells
galvaniſcher Batterie.
No. 7 und 8.9. Jacobi: galvanifhe und electromag-
netifche Verſuche. Fortſetzung.
©. 113. F. Minding: ein neuer Ausdruck des Haupt:
faßes der, Dioptrik.
©. 125. Brandt: Bemerkungen über das Vorkommen
eines zweyfachen Haarkleides bey Cricetus songarus.
Man Eannte nur das von Pallas: graugelbbraune Kleid
mit ſchwarzem Nücgrath, weißer Schnauze und Bauch. Das
Mufeum bat feitbem von Gebler und Karelin mehrere
erhalten, welche in der Färbung abweichen. Die Haare find
fänger und reichliher, wie bey der MWinterbehaarung anderer
nördlicher Thiere.. Eines davon ift fehneeweiß, oben ſchwärzlich,
Nüdenftreif braͤunlich. Ein anderes ebenfo nebft einem fchwärz-
lih grauen: Streif an den Seiten des: Halfes Über die Schulz
tern. Das dritte einenhafenförmigen fhwarzen Schulterfleden,
alfo ähnlicher dem von Pallası Die weißen Eremplare wur—
ben im; October‘ und December gefangen: 28 gibt daher mohl
ein Sommer = und Winterkleid.
S. 127. R. Hermann in Moskau: neue: Mineralien
vom. Ural. Chionit dem Kryolith verwandt; Monazitrit weniger
PHospherfäure als der Monazitz Wölknerit wie Brucit; Tagilit
ein’ phosphorfaures Kupfererz; Dihydrit mit Tibethenit und
Phosphorchalcit verwechfelt. "Außerdem mehrere andere Gel:
tenheiten,
Mitthbeilungen
über die Verbreitung des Cretinismus in der Schweiz von Dr, Meyer:
Ahrens. Häfers Archiv VII. 1846, 8. 185.
Der Gretinigmus hat in der. neueren Zeit allgemein die
Augen nicht bloß der Aerzte, fondern auch des größeren Publis
cumg auf ſich gezogen, befonders feitdem Dr. Guggenbühl
die Heilanftalt für dieſe Ungluͤcklichen auf dem Abendberg bey
Drienz gegründet hat. Der Berfaffer hat, mit, großer Mühe
und Aufopferung Berichte aus den betreffenden Gantonen ges
fammelt, und liefert darnach eine fehr unftändliche Statiſtik
über die Drte und die Zahl der vorkommenden Gretinen. Die
Thäler und die Gebirge werben gefchilbert, die Lebensart, dag
Ausfehen, die Mundart der Innwohner, die Ergebniffe der
Leihen-Deffnungen, die herefchenden anderen Krankheiten, Glima,
Bodenhöhe, Zug ber Thäler und Gebirge nad) den Weltgegen—
den; kurz Altes ift berucfichtiget, mas zur Ergründung von
den Urfachen dieſes Uebels dienen fann. Der Verfaffer hat
Beträge von tüchtigen und eifrigen Männern, meift Aerzte ners
halten: über Unterwalden von Defhmwanden; über Ury von
Dr. Luffer; über Ölaris von Prof. Heer; von Graubinden
von Dr. Eblin; Uber Einfiedeln vom Bezirksarzt Kaͤlinz Über
Aargau von Dr. Z3ſchokke und Ingenieur Michgelis; über die
andern Gantone wenig. Mit diefer Abhandlung ift nun ein
guter Anfang gemacht. Es ift zu bedauern, dag von Wallis
nichts eingegangen ift.
480
Lesons d’Anatomie comparte de Georges
Cuvier,
recueillies et publiees par Dum&ril et Duvernoy. Seconde
Edition, corrigee et augmentee. Paris chez Crochard.
I-VIlI. 8. 1835 -46.
Dieſes wichtige Werk iſt nun vollendet. Obſchon es ſchon
feit etwa 200 Jahren viele und tuͤchtige Arbeiten in der Zoo—
tomie gegeben hat; fo muß doh Guvier als der Schöpfer der
vergleichenden Anntomie betrachtet und geachtet werden. Er
hat nicht ‚bloß alles Vorhandene gefammelt, fondern aud das
Meifte felbft nachgearbeitet, ungemein vieles entdedt, und, was
die Hauptſache iff, in eine Ordnung gebracht, wie fie der Idee
diefer Wiffenfchaft gemäß ift. Jede Wiffenfhaft hat ihr eige-
nes Princip für die Giaffification. Der Chemiker. claffificiert
mit recht die allgemeinen Materien, die Mineralien, Pflanzen,
und Thiere nach. den Stoffen, der Phyſiker nach den Wirkun—
gen der allgemeinen Materien, der Naturhiftoriter nach den
Organen, der Anatom nad) den Geiveben und den anatomi=
fhen Spftemen, der vergleichende Anatom ebenfall® und nicht
nach den Thierclaſſen. Nur auf diefe Meife Eann man bie
allmähliche Entwidelung und Ausbildung eines Syſtems dar:
ftellen z. B. des Darms, wo zuerft alle Thiere genannt werden
müßen, denen er noch als felbftffindiger Schlauch fehlt, "gleich:
gültig, in welche Claſſe fie gehören. Daffelbe gilt von‘ der
Stuffenleiter der Kiemen bis zw den Ruftröhren und: Lungen.
Das find Gefege der einfachen Logik, welche Cuvier fehr wohl
befolgt hat und wovon die neueren fehr mit Unrecht abgewichen
find. Um bey diefen die Stuffenleiter. des Darm kennen zu
lernen, muß man das ganze Buch durchblättern, und dann
befommt man fie erft in völliger Unordnung.
Das Werk enthält nun 9 Bände, ſtatt der früheren 5.
Der 1. Band wurde von Cuvier felbft. durchgefehen, ent—
bält aber hin und wieder Zufäse, von Dumeril und Lau—
rillard. Er erfchien fchon im Jahr 1835, ©. 588, und ent-
bält dag Allgemeine nebft. den Bewegungs-Drganen, -alfo Knochen
und Musfeln. Wir können bier bemerken, daß ers. 161 unfere
Lehre von der Wirbelbebeutung des Kopfes nicht anerkennt, wähs
rend Andere ſich darum geriffen haben, und Goͤthe fogar fich die
Entdeckung angemaaft hat. So gieng es faft. allen neuen Kehren,
aud noch den; unferigen, über, die Fußbedeutung der Kiefer bey
den Kerfen und Wirbelthieren ,.fo wie daß Pflanzen und Thiere
fih nur aus Bläschen entwideln und aus nichts als Bläschen
beſtehn. Zuerft.verfpottet, dann ftillfchmweigend zugegeben, nad)
und nad) felbft gefunden, endlich.gelehrt, und zuletzt fogar en—
det, fo bat man wohl gar zum Plagiarius_ feiner eigenet
Ideen und Entdeckungen werden müßte. Das mag hier genug
feyn.
Viel Zufäge hat Übrigens diefer Band nicht erhalten, außer
bey der Beſtimmung der Sculter- und Bedenfnochen ber
Fiſche. Die Herausgeber halten den fogenannten. Gürtelfnochen
nicht für den Oberarm, fondern für den Rabenfchnabel-Forrfag,
welche Meynung wir fehr bezweifeln. Wir glauben die Bedeu-
tung der Schulterfnochen richtiger dargeflellt zu haben in unferm
Auffag Über den Parifer : Pflanzengarten, Iſis 1823 und ſchon
in den frühern Bänden.
Band II. 1837. 726.
enthält die Bewegungsorgane der mirbellofen Thiere und den
Schädel, durchgefehen von Fr. Cuvier und Laurillard,
481
Hier geben ſich nun. die. Herausgeber S. 710 viele Mühe,
uns die Bedeutung der Kopfwirbel abzuftreiten, worunter auch)
vorfommt, daß die Fluͤgelknochen oder die Seitentheile des Schaͤ—
delgrundes wirklich Fächer hätten, während leicht zu beweifen ift,
dak ſie nichts anders als Spalten find; auch haben wir wohl
binlänglich gezeigt, daß es nicht einen einzigen Knochen gibt,
duch den ein Loch gienge, fondern daß alle fogenannten Köcher
nur von der Verwachfung mehrerer Knochen berrühren, ſelbſt
am Schulterblatt. Hätten die Verfaſſer in den erſten Jahrgaͤngen
der Iſis unfere Auffaͤtze ordentlich gelefen; fo würden fie gefun—
den haben, daß die Quer— oder beffer Kochfortfüße der Halswir—
bel nicht anderes find ale "verkürzte und verwachſene Rippen
und ebenfo die Flügelfortfüße der beiden Keilbeine, fo wie die
Gelenkfortſaͤtze des Hinterhauptsbeing. Doc dag find für ung
abgethane Sachen, worüber weiter zu ſtreiten es ung wirklich
anefelt. Wer den Sinn des SKnochengerüftes begreifen kann
ohne diefe Anfichten oder vielmehr, wer feinen Sinn darinn
finden will, der mag fortan die Knochen ſtuͤckweiſe zufammens
lefen wie einen Haufen Steine und geduldig Eden und Spiken
und Spalten, Furchen und Leiften meitläufig befchreiben und
den Studenten die Anatomie zum Ekel maden.
Band III. 1845. 760.
ebenfalls herausgegeben von Fr. Cuvier und Zaurillarb.
Nervenſyſtem und Sinnorgane.
Hier haben fie mehr binzugetban und die neuern Arbeiten
fleißiger benutzt als fruͤher; indeffen hätte doch bey den niederen
Thieren, befonders ‘bey den Würmern mehr gefhehen Eönnen.
Band IV.
Diefer Theit ift wie alle folgenden herausgegeben von Duvers
noy. Erift in 2 Bände getbeilt, wovon der erfte die Kau= und
Schluckwerkzeuge der Mirbelthiere enthält 1835. 632. Es ift
nicht zu läugnen, daß dem Herausgeber die ausländifche Litera—
tur viel vollftändiger bekannt ift, al& den Herausgebern der vo—
rigen Bünde. Auch hat er viel mehr von dem Seinigen hinzus
gethan, jedoch immer deutlich durch Klammern unterfchieden
von Cuviers altem Tert. Es kommt bier vor die Kiefer mit
ihren Muskeln, die Zähne, die Speichel: Drüfen und die Zunge
als Bewegungs-Drgan bey den Wirbelthieren. Die Giftdrüfen
der Schlangen find gut 'augeinandergefegt. Hoffentlich verhel:
fen fie zu einer quten Claffification derfelben. Die Röhre der
Giftzähne hätte beftimmter als bloße Einrollung dargeftellt wer—
den follen: denn daß ein Zahn nicht durchbohrt ſeyn koͤnne, ift
teicht zu ermeſſen. Auch muß die vergleichende Anatomie
berausheben,, daß die fogenannten Schlundfnohen der Fiſche
nichts Eigenes find, fondern nur der hintere Kiemenbogen.
Band IV. 2. 1835. 691.
enthält den Darmcanal mit feinen Anhängen.
Band V. 1837. 503.
enthält „biefelben Organe ben den wirbellofen Thieren, mo be=
kanntlich eine viel: größere Manchfaltigkeit vorkommt, und’ in
482
deren Unterfuchung Cuvier Ungeheures geleiftet Hat. Ueber:
baupt verdankt man ihm: die Auseinanderfegung der untern
Thierelaffen, welche vorher ein wahres Chaos geweſen, obſchon
man aus allen Glajfen und Ordnungen etwas gewußt hat. Es
ffand aber vereinzelt, Überall «mit, Luͤcken, welche «Cu vier: aus:
gefüllt, und eine. richtige ‚Trennung und, Vereinigung möglich
gemacht hat. Diefer Band enthält viele Zufäge von Duvernoy,
und ijt daher fehr reichhaltig , und lehrreih. „Der Darm der
Pycnogoniden ift vergeffen.
Band VI. 1839. 560, j
enthält die Nahrungsaͤfte, Lymphgefaͤße, Arterien, Venen aller
Thierclaffen; ebenfalls, eine ‚große. Arbeit, beſonders wichtig bey
den niedern Thieren, wo es vieles hinzuzufegen gab:
Bund VII. 1840. 656.
enthält die Athem-Drgane, den Mechanismus des Athmens,
Lungen, Kiemen, Waffer: Gefüge und die Harn-Organe. Bey
den Gruftaceen bätte die Zahl und Anheftung der Kiemen bey
jeder Sippe genauer angegeben werden fönnen.
Band VII. 1846. 848
ftellt die Gefchlehts:Organe dar, woruͤber in der neueren Zeit
befanntlicdy ungemein viel gearbeitet worden ift, was auch Du:
vernoy fehr fleißig gefammelt und mit: viel eigenen Unterfus
ungen bereichert hat, befonders bey den’ niedern 'Thierelaffen.
Mehr als die Hälfte diefes Bandes ift durch ihn dazu gekom—
men. Man: muß ihm daflır vielen Dank wiffen, obſchon bey
den Gefchlechtstheilen der Schneden 'nody manches zu thun
bleibt. Der: Streit über Hoden und Eyerſtock dauert fort; da
das bloße Vorkommen von Spermatozoiden ohne befondere Dr:
gane nichts entfcheidet. Won Patella iſt zwar geſagt, daß fie
getrennten Gefchlechtes fey: allein es fehlt alles Einzelne; auch
bey den Halioten und Fiffurellen-bleibt man im Zweifel. Wenn
Patella wirklich getrennten Gefchlechtes ift; fo wird es ſchwer
fenn, ihr einen natürlichen’ Platz anzuweiſen; daffelbe gilt noch
von mehreren Schnecken. Eonderbar. iſt es immer, daß es
ber den Muſcheln Zwitter und getrennte, geben ſollz auch bey
den Afeidien. ift die Sache noch nicht im Meinen, und über
die Girripedien dauert der Streit auch noch fort. So lange er
nicht entfchieden ift, EFann man fie nicht mit Sicherheit claffi=
ficieren. Wir ftellten fie daher bald dahin bald dorthin, je nach-
dem Platz ift, wie ein Hausgerath, das in Fein Zimmer techt
paffen mill. Hier gibt es nody viel zu thun und der Verfaſſer
wird gewiß auch noch Vieles zur Entfheidung beytragen.”
Schließlich müffen wir bemerken, daß der Verf, fib nun zu der
in Deutfchland fortdanernd behaupteten Reihenfolge der ‚Thierelaf
fen gewendet, nehmlich die Kerfe über die Weichthiere geſtellt bat.
Man muß ſich wirklich wundern, daß die Franzoſen dieſer Anz
ordnung fo lange Widerftand geleiftet, haben und zum Theil
noch leiften. Mer nach Prinzipien ordnet, findet fie fo natuͤr⸗
lich, daß er glaubt, es gabe fein. Wort darüber zu verlieren :
denn animale Organe, find, dody wohl mächtiger als vegetatine.
ir LU
EEE
r
Encyclopädiſche Beitfchrift,
vorzüglich
für Naturgefchichte, vergleichende Anatonie und Phyſiologie,
von
o
1847.
Heft Vu
Der Preis von 12 Heften ift 8 Thlr. fächf. oder 14 fl. 24 Xr. cheinifch, und die Zahlung iſt ungetheilt zur Leipzige
Gftermeffe des laufenden Sahres zu leiften.
Man wendet fi an die Buchhandlung Brockhaus zu Leipzig, wohin auch die Beyträge zu fchiden find, Es wird ae
beten, diefelben auf Poftpapier zu fchreiben. Das Honorar für den Bogen ſechs Thaler preuß. Cour.
Unfrankierte Bücher mit der Poft werden zurüdgemiefen.
Einruͤckgebuͤhren in den Zert oder Umfchlag die Zeile ſechs Pfennige.
Bon Anticrititen (gegen Iſis-Recenſionen) wird eine Quartfeite unentgeltlicd) aufgenommen,
I L —— — — — — — — — L _ _ _ — L_L L—— L L _——_—
Leipzig, bey Brockhaus.
Catalog
der Sammlung ausgeftopfter Vögel, weiland Herrn B. F. Hans in Herrnhut bei Löbau gehbrig, welche
zum Verkauf, womöglid im Öanzen, bereit ftcht — bei Möfchler.
Falco fulvus m. f.
F. albicilla m. f.
F. naevius m. f. juv.
F. haliaötus m. f.
F. islandicus m. var.
alba m. f.
F. peregrinus m. f.
F. subbuteo m. f.
F. aesalon m. f.
. tinnunculus m. f.
palumbarius m. f.
Juv.
. nisus m. f.
. milvus m. f.
. lagopus m. f.
. buteo m. f.
. apivorus m. f
rufus m. f.
. eyaneus m. f.
F. cineraceus f. juv.
Strix nyctea m. fehr
ale trid. *
St. nisoria m. f.
St.bubo m. f. m. Vir-
ginien f. id.
St. otus m. f. juv. v.
Kap.
St. brachyotus m. f.
et Grönland.
St. scops m. f.
St. nebulosa m. f.
St. aluco m. f. Var,
rub. £.
St. flammea m. f.
St. pas,erina m. f.
St. dasypus m. f.
Lanius excubitor m.f.
L. minor m. f.
L. ruficeps m. f.
L. spinitorquus m, f.
Corvus corax m. f.
C: corone m.
C. cornix m. f. et va-
riet.
©. frugilegus m. f. juv.
©. monedula m. f.
©. glandarius m. f.
©.pica m. variet. m.f.
C. caryocatactes m: f.
Coracias garrulus m.
f., f. Juv.
Oriolus galbula m.f.
Upupa epops m. f.
Cuculus canorus m.
t. juv.
Picns martius m. f.
P. viridis m. f.
P. viridieanus m. f.
P. major mu, f.
P. medius m. f.
P. minor m. f.
Certhia familiaris m. f.
Sitta caesia m. f.
Yunx torquilla m. f.
Certhia muraria.
Ateedo ispidam. f.
Merops apiaster m.f.
Loxia pithyopsitta-
cus m. f.
L. curvirostra m. f.
L. bifasciata m. alt
m. jung.
Fringilla cocco-
thraustes m. f.
enucleator m. f.
pyrrhula m. Var.
m. f.
F. chloris m. f.
F. coelebs m. f.
F. montifringilla m. f.
E. domestica m. f.
weiße Var. (3 Expl.).
F. cisalpina m.
F. montana, m. f.
F. cannabina m. f.
F. m. f. serinus-
Baſtard.
F. carduelis m. f.
F\spiuus m. f. juv.
F},eitrinella.
F. linaria m. f.
Pectrophanes nivalis
m. f. et Sommer,
Emberiza citrinella
m. 'f. et DVariet.
Emberiza miliaria
m. f.
E. schoeniclus m. f.
juv.
E. hyemalis m, f.
E. hortulana m. f. et
Darietät-
Turdus viscivorus
m. £
T. pilaris f. m.
T. musicus f. m.
T. minor
T. iliacus f. m.
T. torquatus m. f.
T
7:
F.
. merula m. f.
cyanus m. f.
. saxatilis m. f.
Bomby ciphora gar-
rula m. f.
Cinclus aquaticus m.
f. juv.
Sturnus vulgaris m.
ar
Muscicapa zgrisola
m. f.
M. luctuosa m. f.
Motacilla alba m. f.
M. sulphurea m. f.
M. flava m. f.
Sylvia turdoides m. f.
8. salicaria m.
8. phragmitis m. f.
S.arundinacea m. f.
S. philomela m.
Ss; lascinia m. f.
S. nisoria -f. et ın. et
f. c. 2 pull.
S. atricapilla m. f.
S. hortensis m. f.
S. cinerea m. f
S. garrula m. f.
S. rubeeula m. f.
S. ceyanecula m. f.
8. tithys m. f.
S, phoenicurus m. f.
m. Herbſt.
S. hypolais m. £,
S. sibillatrix me
S. fitis m, f.
Ss. rufa m. f.
Troglodytes regulus
m. f. jJuv.
Saxicola oenanthe
rubetra m. f.
rubicola _m.,
Kap.
Accentor alpinus m.f.
A. modularis m. f.
Anthus aquaticus juv.
A. campestris m. f.
A. pratensis m.
A. arboreus m. f.
Alauda calandra m. f.
A. cristata m. f.
A. alpestris nı. f.
A, arvensis m. f. et
var. alba, nigra.
A. nemorosa m. f.
Parus major m. f.
P. ater m: f.
P. coeruleus m. £.
P. bicolor m.
P. cristatus m. f.
P. palustris m. f.
P biarmicus m. f.
P. pendulinus m. f.
P. caudatus m. f.
Begulus aureocapil-
lus m. f.
R. ignicapillus m. f.
Hirundo rustica m. f,
H. urbica m. f£.
H. riparia m. f, et
variet. alba.
Cypselus murarias
m. f.
Caprimulgus pun-
ctatus m. f.
Columba palumbus
m. f.
C. oenas m.
C.domestica var. (2).
C. turtur m. f.
Oedienemus crepi-
tans m. f.
Hx&matopus ostrale-
zus f.
Himantopus mela-
nopt. m.
Charadrius auratus
m. f.
€. morinellus f.
©. hiaticula ın. £ juv.
€. minor m, f£.
Galidris arenaria'm.
S. m.
Numenius. arcuatus
m. f.
N. phaeopus m, f.
Scolopax - rusticola
m. £
S. media m. f.,
S, gallinngo m. f.
S. gallinula m. f.
Totanus fuscus ni.f.
T. Bartramii
T. calidris m. f£.
—
T. chloropus m. f.
Tringa pugnax m. (2)
£. juv.
T. einerea
T. ochropus m. f.
Limosa rufa f.
Tringa glareola m.f.
T. cinclus m. f.
T. variabilis m. f.
T. subarquata m.
T. minuta juv.
Morinella collaris m.
Vanellus cristatus
m. £.
Rallus aquaticusm. f.
Crex pratensis m. f.,
m. Juv.
Gallinula chloropus
m. f. juv.
G. porzana m. f.
G. pusilla m. f. juv.
Podiceps cristatus m.
f. c. 3 pull.
P. suberistatüs m. f.
P. cornutus m. £.
P. auritus m. f.
P. minor m. f. juv.
Phalaropus cinereus
mas.
Phal. a
m.
— avo-
cetta m. f.
Fulica atra m. f.
Alca torda m. £. Juv.
Mormon fratercula
Uria alle m. f.
U. troile m. £,
U. Brunnichi m. f.
U. grylie m, Sommer,
f. Winter u. juv.
Numida meleagris
m. f.
Phasianus margina-
Ltus m. et var. alba.
Phas. nycthemerus
m. f.
Tetrao tetrix m. f.
T. urogallus m. f.
T. bonasia m. f.
T. saliceti m. f.
T. canadensis m,
T. lagopus m. f.
Perdix rubra m. f.
P. saxatilis m. f.
P. cinerea m. f. brũ⸗
tend.
P. coturnix m. f.
Phasianuspictusm.f.
Otis tarda f. Juv. mn.
O. houbara,
Ardea cinerea m.f.
A. purpurea m.
A. stellaris m.k»
A. garzelta m,
A. nycticorax m. f.
Ardea ralloides m. f.
A. minuta m. f.
Ciconia alba m. Juv.
C. nigra m. f juv.
Gypogeranus ser-
pentarius m.
Grus cinerea m. f.
Colymbus glacialis
m. f. Juv.
C.septentrionalis m.
f. juv.
Sterna hirundo m. f.
St. arclica m.
St. nigra m. f.
St. minuta m. f.
Larus ridibundus m.
fem.
L. marinus m.
L. glaucus m. juv.
L. flavipes juv.
L. canus m,
L. eburneus juv.
L. tridactylus m. f.
L. argentatus Juv.
—
Lestris parasitica m.
L. crepidata m.
Procellaria glacialis
m. f.
Anas nigra m.
A. mollissima m. f.
A. spectabilis m. f.
A. glacialis m. f.
A. fusca m. f.
A. histrionica m.
A. rufina m.
A. fuligula m. f.
A. clangula m. (2)
Amerika, f.
A. marila m. f.
A.leucophthalmos m.
fem.
ferina m.
tadorna m. f.
rutila m.
acuta m. f.
strepera m. f.
boschas m. f. m,
variet.
A. penelope m. fem,
A. clypeata m. f.
A. querquedula m. f.
A. crecca m. f.
A. moschata m. f.
Auser segetum m. f,
A. albifrons.
A. leucopsis.
A. torquatus.
Carbo cormoranus
m. f.
Pelecanus onocrota-
lus.
Sulla alba nordiſch, v
Kap.
f.
A.
A.
A.
A.
A.
A.
Cyxnus gibbus.
Mergus mergauser
m. f.
M. serrator m. f.
M. albellus m. f.
Im Fall der Verkauf im Ganzen nicht gelingt, fo ſoll dieſe
Sammlung fpäter auch vereinzelt werden.
Dubletten.
der Sammlung ausgeftopfter Vögel weiland Herrn
C. 5. Hans in Herrnhut.
NB.
Alauda arvensis m.et
f. mit Neft u. Eiern,
A. cornuta .
Alea'torda
Auzalle ass ax
Anas glacialis m. .
A. claugula m. et f.
A. fuscafenn % '
A. leucophthalmos m.
et fem.
Bon vielen ‚Gattungen find mehrere Exemplare vorräthig:
4
Ro. NY RO.) Ni
* A. bposchas m. eth... | h | 5
1 120 A. clypeata m. ct f. | 2 110
1 \— A. penelope m. . . | 1 —
t \— AL erecca m. 2. „15
— 0 in DE
1ı- A. querquedula m. — 15
1 25 A. marila; ..
1 10 — — f. 1 —
A. fuligula f. f.. 215
10 A. histrionica m. . . | 3 —
J
—
——68
1847.
Dwerf
Bemerfungen
über die auf einer Neife nach Italien und Sicilien beobadjteten
Schmetterlingsarten von P. &, Zeller, V.
(Sortfegung von Iſis Heft VE. pag. 457.)
Anthophila.
143. (1.) Purpurina.
Nur ein Pärchen diefer fhönen Noctua erhielt ich bey Rom
in der Campagna nahe der Via appia am 28. Auguſt. Sie
hatten vaffelbe Betragen wie Er. ostrina, die an demfelben
duͤrren Diftelplage flog.
Beide Schmetterlinge find noch ganz unverflegen; das Maͤnn—
hen, Elein (WVorderflügellänge nur 44) mit faft weißen, nur
am Hinterrande blaßgrauen Hinterflügeln und, wie bey dem
Meibchen, mit rofigem Anflug der weißen Stanzen; feine Fühler
find fehe zart meißlich gefranjt.
Mit vollem Recht hat Boisduval diefe Art und Amoena in
einerley Genus mit Ostrina, Parva uſw. gefest. (Inder ©. 173.)
144. (2.) Vespertalis Hbn.
Anthoph. vespertina Tr. Bdv.
Alis anterioribus stramineis punetulo disei nigro, litura
costali ante apicem lineaque marginali brunneis, ciliis
fusco alternatis; posterioribus griseo -sordidis.
Treitſchke fcheint bey feiner Befchreibung mehr Hübnerg
Abbildung, als feinen Driginalen gefolgt zu feyn. Ein Eleines
Männchen hat 5°" Vorderflügellänge; die gewöhnliche Ränge
ift um 6'”.
Die blaßftrohgelben Worderflügel haben einen fehr blaffen,
ochergelblichen, bindenartigen Schatten (Er. macht eine Querz
linie daraus!) vor der Mitte, der fi) vor. dem Vorderrande
verdidt, und an welhem auswärts auf der Duerader an der
Stelle des Nierenfleds ein ſchwarzes Pünctchen hängt. Ben
verflognen Eremplaren fehlt es, und die gelbliche Grundfarbe
hat fih in eine weißliche verwandelt. In der Mitte zwifchen
ihm und dem Hinterrande ift ein wenig breiterer Querfchatten
als der erfte, der mehr die Geftalt einer Querlinie hat, fi
wenig biegt und unter dem Vorderrande plößlich die Nichtung
ſchraͤg einwärts gegen den Worderrand nimmt. Hinter ihm
und dicht vor der Flügelfpige hängt am Vorderrande ein auch
bey ganz verflogenen remplaren vorhandener, gelbbrauner,
wifchförmiger Hafen, der auswärts feharf gerandet ift. Die
Hinterrandlinie ift fcharf, gelbbraun, einwaͤrts blaß ochergelblich
gerandet. Die blafgelben Franzen zeigen, wenn fie unverfehrt
find, graubraune Spiken und. eine Reihe von 6 eben ſolchen
Flecken, jeden zmwifchen zwey Längeadern.
Auf den Hinterflügeln ift der Grund durch graue Beſtaͤu—
bung mehr oder weniger verdedt, am meiften gegen die Flügels
Iſis 1847, Heft 7,
t VL
ſpitze; zwey graue Schatten ziehen quer hindurch, der erfte nahe
der Baſis, der zweite hinter der Mitte. Die Hinterrandlinie
ift gelbbraun, einwaͤrts lichter gefledt und fchattig; die Franzen
gelblich, bisweilen verlofchen bräunlich gefledt; bey einem ganz
unverfehrten Weibchen ſchmutzig graugelb, mit bräunlicher, abge=
fester Mittellinie und braunlihen Spitzen.
Auf der Unterfeite find die Worderflügel graubräunlich, gegen
den Innenrand fehr gelichtet. Der Vorderrand ift hellſtroh⸗
gelb, nach hinten breiter, in der Mitte, vor und an der Spike
duch Gelbbraun unterbrochen, wodurd 2 ziemlich fcharfe, hell:
gelbe Flecke gebildet werden; ein größerer und fchärfer gerandes
ter liegt an der Spige und dem Hinterrande. Die Franzen
find bläffer als auf der Oberſeite.
Auf den blaßftrohgelben Hinterflügeln hat der Vorderrand
vor der Mitte und an der Flügelfpige einen gelbbräunlichen
Wifh, von welhem aus unvollftändige Querſchatten über die
Fläche ziehen; von dem erften ift oft nichts als ein graubräunli=
her Fleck auf der Querader übrig. An der Hinterrandlinie
liegt zwifchen den Aeften der Median- und der Subcoftalader
ein gelbbräunficher Fleck.
Die Stirn trägt einen fegelförmigen, fchneidig endigenden
Haarbufh, der unter der Spige mit ein paar ſchwarzen Fled-
chen bezeichnet iſt; die Zafter erreichen feine Spike nicht völlig.
Beym Männchen find die Fühler weniger merklih als beym
Meibchen microfcopifch weißhaarig gefcanzt.
Diefen feltenen Schmetterling fand ich bey Syracus zwifchen
dem Gapucinerklofter und dem Meere auf dem Ealkfelfigen
Boden. Ein gutes Pärchen Elopfte ih am 9. Juny aus
Diftenz es batte das DBetragen der Ostrina. Ein ſchlechteres
Paͤrchen klopfte ich ebendort aus Diſteln am 16. Juny. Am
11. Juny fing ich im Thale von Ispica, nicht weit von dem
Süpdende Siciliens, ein fehr fchönes Weibchen auf einem Brach-
ader; noch ein Eremplar fah ich auf dem Mege von dort
nach Nofolino. Immer waren es Difteln auf dürrem Kalk
fels, an denen fich die Noctua finden ließ.
145. (3) Amoena.
Ein großes graues Weibchen jagte ich bey Nom am 28. Aug.
in der Campagna aus Difteln. Dieſelbe Art glaube ih am
11. Juny füdlih von Syracus auf einer trocknen Grasftelle
in einem ſehr fehlehten Cremplar gefangen zu haben.
146. (4.) Velox.
Alis anterioribus griseis postice obscurioribus, maculis
4 costalibus fuseis, strigis undatis duabus reniculoque
fuscescentibus, striga acute serrata ante marginem posti-
cum dilute grisea.
Noct. velox Hübn. fig. 515. Tr. X, 3. S. 150.
Hübners Fig. 515 ift, wenn aud nicht richtig, doch fo
gut gerathen, daß ich fie beym erften Durchblättern der Tafeln
31
483
als meine Art erfannte; Fig. 507, die Treitſchke ald Varie—
tät hieher zieht, ſcheint mir gar nicht unfere Urt vorzuftellen.
Border und Hinterflügel find bleichgelb auf den Franzen und
vor dem Hinterrande mit einer Reihe grauer Punctflede, die
unfere Velox gar nicht hatz dagegen haben die Vorderflügel
diefer Fig. 507 am Vorderrand ftatt der ziemlich großen, ſchwaͤrz⸗
lihbraunen Flede paarweis ftehende braune Strichelchen; von
Duerlinien ift nichts zu fehen außer auf den Vorderfluͤgeln das
oberfte Stud der 2., und zwar in anderem Verlauf als bey
Velox fig. 515 und ohne in einen ſchwarzen Vorderrandfleck
auszulaufen. Auch die Flügelgeftalt ift etwas anders und bie
Fühler viel zu kurz.
Mein bey Sytacus auf einer dürren Gragftelle des Kalkfels—
bodens von Ucradina am 10. Juny in faft unverfehrtem Zu—
ftande gefangenes Weibchen, welches das Betragen, mie unfere
Anth. aenea hatte, ift größer (Vorderflügellänge 54 Linie)
und breitflügliger als Hübners Fig. 515.
Die Flügel glänzen gar nicht (Treitſchke nennt fie metall
glänzend), die vordern fehr hellafchgrau, am Innenrande bräun:
lich beftäubt, auf dem ganzen hintern Drittel bräunlichgrau.
Der DVorderrand hat 4 ſchwarzbraune, einwaͤrts geſpitzte Flecke
in ziemlich gleichen Abftänden von einander: der erfte, ſchwaͤchſte
it nahe der Bafis; aus dem 2. kommt eine braungraue, wellige
Duerlinie herab, die etwas einmwärts gerichtet, den Innenrand
erreicht. Für den Ringfleck ftehen einige wenig merf£liche braun—
lihe Staͤubchen; der Nierenfleck ift ziemlich vollftändig, ein-
waͤrts am ftärfften ausgedrüct, auf etwas ftaubigem Grunde,
dem 3. DVorderrandfled gegenüberftehend; von ihm zieht eine
ftarke, braungraue Schattenlinie in zwey Wellen fchief einwärts
zum Innenrande herab. Aus dem 4. Fleck kommt "die
2. Querlinie, die erſt einen groben, flach eingedruͤckten Bogen
nad) außen macht, unter den Medianaderäften plöslich aufhört
und nun kaum noch in Spuren wiederzuerfennen ift, auswärts
ſchmal weißlich gefaumt und dadurch von dem dunflergrauen
Hinterrandfelde getrennt. Mitten durch diefes Feld geht die
vollftändige, feine und ziemlich ſcharf gefägte Querlinie in fehr
beilgrauer Farbung, nur an den zwey gemöhnlichen Stellen
dem Hinterrande mehr genähert; zmwifchen ihr und der zweyten
Duerlinie ift der dunklen Grundfarbe hier und da etwag
Roͤthliches beygemifht, und der Vorderrand hat auf hellem
Grunde 3 verlofchene dunkelgraue Puncte. Die Randlinie ift
dunkelgrau und in 8 Stüde zerfchnitten; die Franzen find grau
und hellgelblich gefledt.
Die Hinterflügel find faft überall dunkler beftäubt; ein paar
lihte Querlinien bilden fih vor der Mitte und in einiger Ent:
fernung vor dem Hinterrande, und der Raum zwifchen beiden
Linien ift etwas heller fchattiert. Won der Baſis geht zum
Hinterrande nahe am Innenrande eine unbeftäubte Falte. Der
Hinterrand ift durch eine ftärfere, doch ebenfo wie auf den
Borderflügeln zerftücelte Linie bezeichnet; die Franzen aber find
verlofchner gefärbt. Die Tufter find, faft gerade und horizontal
zufammengedrüdt, von doppelter Kopfeslänge, außen bräunlich-
grau, innen heil; das Endglied Eegelfürmig dünner, 4 fo lang
wie der übrige Zafter.
Hübners Abbildung läßt die 2, Querlinie ganz vollftändig
gegen den Innenrand verlaufen, und die Schattenlinie um ben
Nierenfleck auswärts im Bogen herumgehen und ſich mit dem
3. Vorderrandfled® verbinden; auch ift die Zadenlinie des Hin—
terfeldes zerſtuͤckelt.
484
Ophiusa.
147. (1.) Cingularis.
Ein Eremplar fah ih am 23. July bey Meffina am Fuße
des Gaftellaccioberges; es fette fic) mehrmals arf die Erde und
bob und fenfte dann, gleichfam Feuchend, feine Flügel; ich fand
Aehnlichkeit in feinem Betragen mit dem unferer Anth. aenea.
Ein anderes Eremplar, das mir gleichfalls entfam, flog am
8. July in der Stadt an einem Haufe. Ein ſchoͤnes Weib:
chen fing ih am 2. September in der Kühle des Morgens
vor der Thuͤr der Peterskiche in Nom auf dem kurzen, zwi—
fhen den Steinen fproffenden Raſen; es flog mehrmals auf
und feßte ſich wieder mit halboffenen Flügeln auf den Boden;
bier fand ich Aehnlichkeit im Benehmen mit dem der Eucl.
glyphica.
148..(2.) Algira.
Un einer fchattigen, mit vielem Farnfraut bewachfenen Anhöhe
be) Meffina flog ein fchlechtes Eremplar am 10. Suly; es
fegte fih mehrmalg nah Eurzem Fluge und gli) in feinem
Benehmen unferer Anth. aenea. In der Campagna bey Rom
flogen am 25. Auguft in einem trodnen Graben 2 Exemplare
auf; fie fchwärmten, daß fie mir faft wie Plus. gamma vorfa=
men, festen fich aber ohne viele Umftände in einen finftern
Winkel der Erdwand, wo ic) ein zerriffenes, dod) den Franzen
nah noch nicht altes Weibchen fing. Ein ſehr ſchlechtes Weib:
chen erhielt ich an aͤhnlicher Stelle am 28. Auguft.
Die eigentliche Flugzeit diefer Noctua füllt demnach in den
July und den Anfang des Auguſt. Nah Wagner ift fie
in der Negentfchaft Algier der bäufigfte Nachtfalter und allent-
halben im Lande zu finden, (Reife in Algier 3, ©. 208.)
149. (3.) Suava.
Bey Meffina felten an einer trodnen mit £urzem Geftrüpp
von Erica arborea und Arbutus unedo befleideten Anhöhe
im Sul. Sie fliegt nicht weit, läßt ſich gewöhnlich bis auf
den Boden niederfallen und wird meiftens nicht eher bemerkt,
als bis fie aufgeflogen ift. Ihr Flug ift ungefähr wie der von
Anth. aenea. Ich erhielt nur 1 Exemplar, ein ziemlich gut
erhaltenes Männchen, am 11. July.
Catocala.
Bon diefem ganzen Genus habe ich nur ein Eremplar mit
rothen Hinterflügeln fliegen fehen, ohne einmal beftimmen zu
fönnen, zu welcher Art e8 gehörte. Es flog im Walde von
Gamaldoli am 13. Auguft in einem Hohlwege. MWahrfcheinlich
müffen in jenen Gegenden die meiften Arten durch die Zucht
gewonnen werden.
Geometrae.
Ueber die neapolitanifchen Spanner ſchweigt der bis jetzt
erſchienene Theil von Coſt a's Fauna,
Der Catalog der corſiſchen Arten enthält 55 Arten, eine
Zahl, die nach der Länge des Aufenthaltes Rambur's auf
Corfica Eeineswegs beträchtlich ift. Ic fand im füdlihen und
mittlern Stalien noch weit weniger.
Ennomos.
Rambur bat folgende hieher gehörige Arten: (Rumia)
erataegaria — (Timandra) amataria, imitaria,
emutaria — (Ennomos) angularia. Mir find
vorgefommen:
485
150. (1.) Amataria.
Var. 5, striga rubenti superne tenuissima, infra extincta.
Ein Männdyen von geringer Größe. Die rothfteinfarbene
Querlinie, die aus der Vorderflügelfpige herabfommt und auch
durch die Dinterflügel zieht, ift faft fo fein wie die fchiefergraue
aͤußere Linie, und ohne die darauf folgende Werdunkelung. Die
Mittelftriche find auf beiderley Flügeln ganz deutlich und
vollſtaͤndig.
Auf der Unterſeite ſind die Laͤngsadern nicht verdunkelt (wie
auch oft bey unſerer Amataria). Die Querlinie, welche hier
der rothſteinfarbenen der Oberſeite entſpricht, und ſonſt gewoͤhn—
lich ſehr deutlich iſt, fehlt hier, ſo daß man nur einen ſchwa—
chen, von der Oberſeite durchſcheinenden Schimmer entdeckt. —
Fuͤhler⸗ und Fluͤgelbau haben nichts Abweichendes.
Gefangen bey Neapel im Kaſtanienwalde beym Kloſter Ca:
maldoli am 13. Auguft.
151. (2.) Imitaria.
Daß. diefer Spanner und ber folgende nicht mit den andeın
Zreitfchfifchen Arten in Ennomos zufammenftehen fann,
bedarf kaum der Erinnerung; fie haben Stirn» und Kragen=
zeichnung, fo wie den Bau der Hinterbeine mit Idaea aversata
etc. gemein. Die Fühler des Maͤnnchens der Imitaria find
ſchwach geerbt und mit kurzen Börftchen gefranzt, aber nicht
gekaͤmmt, wie Tr. fagt, und nur die Worderbeine find auf der
Dorderfeite gebraunt. Die Farbe der Oberfeite ändert ab mit
mehr oder meniger blaffleifchfarbener Beimifchung.
Imitaria fliegt zweymal im Jahre, zuerft im April, dann im
Suly und Auguft. Am 18. Aprit fing ich bey Meffina in
einem Garten zwifchen bufchigen Anhöhen ein ſchoͤnes Männs
hen, und an derfelben Stelle ein zweites am 10. July. Einige
Eremplare erhielt ic) bey Neapel in den Gehölzen beym Agnanos
fee am 11. Auguft und bey Camaldoli am 16. Auguft und
ein Pärchen, wovon das Männchen nody ganz unverflogen ift,
bey Rom am 28. Auguft, wo ih) e8 aus den ftachlichten
(Rhamnus paliurus) Zaͤunen £lopfte. in abgeftäubtes Weib:
chen ſcheuchte ich am 15. Juny bey Syracus aus einem dich»
ten Brombeergefträuce. Stets hielt fich diefe Art auf ganz
trodnem Boden auf.
152. (3.) Emutaria.
Diefer Art giebt Treitſchke nur feine Fafern an den Fuͤh—
lern, und doc ift der Bau ganz derfelbe wie bey Imitaria.
Emutaria traf id in zwey Eremplaren am 3. Sum auf der
fhon mehrmals erwähnten Eleinen Wiefe bey Catania zmwifchen
den Binfen, alfo an einer durchaus freien, fchattenlofen Stelle.
Das fhöne Männchen, das ich erhielt, ift zart, durchaus ohne
das Gelb der Hübnerfihen Figur, dafür weißlich mit Außerft
ſchwachem, fleiſchroͤthlichem Anflug und mit einer Querreihe feis
ner, nicht ſtark ausgedrüdter Pünctchen.
153. (4.) Strigilata.
Ein ſehr abgeftäubtes, aber als diefe Art ficheres Männchen
fing ih am 13. Auguft im Walde von Gamaldoli bey Neapel
an einer reichlich mit Spartium scoparium bewachfenen Stelle,
Es ift auf der Oberfeite viel heller als die hiefige Strigilata,
aber darinn der Hübnerfchen Abbildung ähnlih. — Ein fehr
fchönes, zwergärtiges Weibchen (Vorderflügellänge 54) erhielt
ih) bey Rom am 27. Auguft außerhalb der füdlihen Stadt:
mauer. Es iſt gleichfalls fehr heil, mit der Grundfarbe der
Id. remutata. Die Hinterflügelede ift ein wenig ftumpfer als
486
gewöhnlich; die Flecke der Hinter der feinen Kappenlinie ziehen:
den Binde find hintenzu abgerundet und meift von einander
getrennt; der ſtarke Schattenftreif geht auf den Vorderflügeln
weit hinter, auf den Hinterflügeln dicht vor dem Mietelpunct.
Außerdem ift aber alles wie an unferer Strigilata, und die
Unterfeite zeigt gar feinen Unterfchied.
154. (5.) Dolabraria,
Ein fchönes, Eleines Männchen ohne alle Auszeihnung Elopfte
ih) am 19. Auguft im Kaſtaniengehoͤlz ſuͤdlich oberhalb des
Agnanofees von einem Stamme.
155. (6.) Lunaria.
Var. minor, alis omnibus Junulatis, posterioribus ante
medium minus profunde marginatis.
Ein fleines Männchen, in der Farbe wie Hübners Delu-
naria fig. 34; es befist wie die eigentliche Lunaria die durch—
fheinende, weißlihe Mondfichel ohne dunkle Einfaffung, aber
nicht zwifchen den beiden Querftreifen,, fondern der dort davor—
ftebende berührt das untere Horn der Sichel und zieht dann
derfelben ziemlich nahe nady dem Vorderrande. An den Hinter
flügeln tritt die Ede, in welche der legte Aſt der Medianader
ausläuft, viel weniger hervor; alfo ift auch die Ausbuchtung
darüber weniger tief, und überhaupt find die Zähne aller Flügel
flumpfer und die Buchten feichter.
Nah meinen und Anderer Beobachtungen ift e8 mir nicht
zweifelhaft, daß die Jahreszeit auf die Größe, Farbe und Geftalt
der- Flügel biefer und der verwandten Arten einen bedeutenden
Einfluß übt.
Das Eremplar Elopfte ih an gleicher-Stelle mit Enn. dola-
braria von einem Kaftanienbaume herunter am 15. Auguft.
Geometra.
Die corfifhen Arten find nah Nambur: (Hemithea)
vernaria, coronillaria, corsicaria, aestivaria
und herbaria.
156. (1.) Cloraria.
Zwey Männchen: das eine bey Syracus am 8. Juny auf
trodenem Boden aus einem. Brombeergefträuch geklopft, dag
andere bey Meffina am 15. July an einer mit hohem Heide⸗
kraut (Erica arborea) bewachſenen Anhoͤhe gefangen.
Wahrſcheinlich meint Rambur unter feiner Viridaria unfere
Art. — Nah Treitfhfe foll Cloraria mas an den Fühlern
ſichtbare Kammzähne haben, In der Wirklichkeit find die
Bühler gekerbt, gegen die Spige mit verfchwindenden Kerbzäh:
nen, außerdem kurz fteifhaarig gefranzt, auf dem Rüden von
einer weißen Bafis aus allmählich hellbraungelblich werdend.
Bey Geom. viridata find fie kuͤrzer, ähnlich gefärbt, aber
gar nicht gekerbt, fondern einfach borftenförmig und nur mi—
croſcopiſch flaumhaarig geftanzt.
Beide Arten haben im männlidyen Geſchlecht etwas breitge-
drüdte Hinterfhienen nur mit einem Paar ziemlich kurzer,
ungleicher Dornen; bie Behagrung reicht, auf der Vorderfeite
über die Spige hinaus; der Fuß ift kurz; aber bey Viridata
beträchtlich kuͤrzer. Die Vorderflügel haben gleichfalls bey beyden
Arten die Vorderrandader fahlgelblih. Wie fich die Weibchen
unterfcheiden, weiß ich nicht.
Das eine Eremplar bat auf den Vorderfluͤgeln fehr wenige
weißliche Querſtrichelchen; die Art ſcheint alfo darinn veraͤnder—
lich zu ſehyn. — Die Treitſchkiſchen Diagnoſen für beide
Arten ſind durchaus unbrauchbar.
487
157. (2.) Herbaria M.
Alis dilute viridibus, striga sesquialtera latiore albida,
anteriorum ecosta late pallida; antennis maris biseriato-
peectinatis, apice filiformibus; feminae serratis.
Hübn. fig. 407 (mas). Hemithea herbaria Bd»,
Index pag. 180. 1425. Chlorochroma herbaria
Dup. Catal. pag. 224. .
Ein Weibchen mit verfhoffenem Grün, doch wenig geflogen,
fing ih am 13. May bey Syracus auf trodnem, begraftem
Kalkfelsboden; an ähnlicher Stelle erhielt ich zwey mehr. vers
flogene Männchen am 16. und 21. Juny.
Hübners fig. 407. ift nach einem aufgeweichten und dadurch
verdorbenen Eremplar gemacht, hat daher fahlgelbe Franzen
und einen ſolchen Hinterrand und desgleihen Balis der Hinter:
flügel; auch fehlt die erfte Querlinie der WVorderflügel.
Größe wie Geom. Indigenaria; das Weibchen beträchtlich
größer al dag Männchen (von diefem die Vorderflügellinge
4“, bey jenem 5'").
Kopf hellgelblich, Augenrand am Obergefiht roftroth. Tafter
von 24 Augenlängen beym Männchen, beträchtlich länger beym
Weibchen, aufiteigend, zufammengedrüdt mit ziemlich kurzem,
beym Weibchen längerem, abwärts geneigtem Endgliede, außen
und oben roffröthlih, unten blafigelblih. Fühler ziemlich Eurz,
obenauf am untern Theile roͤthlich; beym Männchen mit zwey
Reihen ftarker, doch ungleich langer Kammzäbne ; die obern find
Eürzer und nehmen allmählicher als die untern in der Länge ab,
alte aber auswärts gefranzt. Die Glieder des Endvierteld der
Fühler find bloß gezähnt und flaumhaarig.
Die weiblichen Fühler find gegen die Spitze fehr verdünnt
und gegen diefelbe abnehmend ſcharf ſaͤgezähnig; außerdem aber
flaumhaarig gefranzt.
Beine ſchmutzig weißgelblih, die vordern überall außer an
den Füßen und die mittleren an den Schenfeln auf der Vorder:
feite voftbraunlih. Die Hinterfchienen cylindrifh, gegen das
Ende etwas verdict, und an der Spike mit einem Paar ziem—
lich langer Dornen verfehen; Fuß wenig Eürzer als die Schiene
(dem Weibchen find die Hinterbeine abgebrochen), Ruͤckenſchild
und Hinterleib obenauf von der Farbe der Flügel. Grundfarbe
der Flügel bellgrün. Die vordern find ziemlich _fpig und haben
eine breite fahlgelbe VBorderrandftrieme, welche gleich hinter der
zweyten Querlinie aufhört. Beyde weißlihe Querlinien laufen
in ihrer untern Hälfte ziemlich parallel; in der obern divergiren
fie ſtark, da die erſte unter einem ftumpfen Winkel einwärts
läuft; die zwente ift breiter und deutlicher, macht ſchwache
Mellen, ift, fonft ziemlich gerade und fegt ſich über die Hinter:
flügel fort. Franzen blafgrün, außen weißlih. Die Hinterflü-
gel haben einen abgerundeten Hinterrand.
Die Unterfeite ift fehr blafgrün, an den Innenraͤndern weiß:
lih; der Vorderrand der Vorderflügel ift in einer fpiszulaufen-
den Strieme roftgelblih; von den Querlinien find nur ſchwache
Spuren zu entdeden,
158. (3.) Smaragdaria.
Ein fhönes Weibchen am 16. Auguft bey Camaldoli in einer
Gartenhede gefangen.
159. (4.) Coronillaria.
Hiübn. fig. 479. 80 (mas) 481. 82. (fem.)
Geom. eytisaria var. 6. Zell. DVerzeihniß der
Eleinafiat. Falter Iſis 1847. ©. 18.
?Gnophos coronillaria Tr. VI, 1. S. 170.
488
?Hemithea — Bdv. Index pag. 180 — Dupon-
chel Cat. pag. 225.
Bey diefem Spanner giebt es etliche Raͤthſel, die ich mir
nicht alle genügend zu löfen getraue. Zuerjt bemerke id, daß
Hübners Abbildungen recht gut und Fenntlich und fo gegeben
find, wie fie feyn follen, nehmlic daß. fie unfere Cythisaria
darftellen würden, wenn das Graue und Schwarze mit dem
entfprehenden Grün vertaufht würde. Won Glanz auf den
Flügeln ift hier fo wenig wie bey Cythisaria die Rede. Mit
Recht fagt daher Treitſchke, daß diefe Coronillaria nicht zu
verkennen ift, vorausgefest jedoch, daß, was er nicht fagt, man
den Vergleich mit Cythisaria nicht aus den Augen laffe. Das
erfte Nätbfel ift nun, wie Treitſchke diefe Aehnlich£eit ver—
Eennen und beide Arten in verfchiedene Genera bringen konnte.
Seine auf Färbung gegründete Methode muß die Löfung geben.
Seine Dberflächlichfeit in Unterfuchung und Befchreibung der
Gegenftände Löft vielleicht das andere Näthfel, wie er auf den
Flügeln einen ftarfen Glanz, auf Kopf und Rüden ftarke Wolle,
auf den Vorderflügeln hinter der 2, Querlinie eine roftbraune
Binde fehen konnte. Man möchte verfucht fein anzunehmen,
daß fein Spanner eine andere Art ſey, und doch laͤßt fich
Hübners Abbildung fo ſchwer verfennen! Aller. diefer Abs
meihungen ungeachtet — vielleicht hat er fie aber gar nicht
bemerkt — behauptet Boisduval, es gebe eine genaue Abs
änderung ber Cythisaria im Innern Frankreichs (Inder ©. 189
Anm. 1.), die fich aber fogleich durch ihre braune Stirn als
verfchieden von Coronillaria ausmweife, und die Coronillaria
Hübn. fey auch die Treitfhfifhe. Wie fich Coronillaria
von Cythisaria unterfcheide, fagt er nicht, doch fügt er in der
Anmerkung hinzu, Treitſchke habe fie in ein falfhes Genus
gebracht, und ihre und der Cythisaria Raupen und Puppen
fenen fchwer von einander zu unterfcheiden. Da er der Cythi-
saria und deren grauen Varietaͤt eine braune Stirn zufchreibt,
fo würde daraus folgen, daß Coronillaria Feine habe. Freilich
feben wir fie weder ben Hübner abgebildet, noch bey Treitſchke
erwähnt, aber Ießterer Eennt fie auch (6, 1. ©. 121) nicht bey
Cythisaria.. — Im 2. Theil der Annales de la Soc. ento-
mol. de France ©. 32 befchreibtt Nambur eine der Coro-
nillaria naͤchſt ähnlihe Art, die fih vorzüglich als Raupe
unterfcheiden fol. Er nennt fie Corsiearia: alis antieis
griseis, strigis tribus transversis sinuatis punctisque duo-
bus nigrescentibus, fronte grisea; antennis in mare peecti-
natis, und fagt, fie fen der grauen Cythisaria außerordentlich ähnz
lich, aber immer 4 £leiner als Coronillaria, und babe. ftärker
gefämmte Fühler (plus peetinees) und ftandhaft eine graue
Stirn bey dunflerem Scheitel; die Raupe aber ſoll ſehr fcharfe
Unterfchiede bieten.
Meil Boisduval eine graue Varietät der Oythisaria £ennt,
fo erklärte ich im Verzeichniß der Eleinen aſiatiſchen Falter ein
einzelnes von Loͤw gefangenes Männchen, das ih in Allem
aufer der Farbe mit Cythisaria übereinftimmend fand, eben
für diefe Varietaͤt. Sch ſehe aber jet, daß es von meinen bey
Neapel und in Sicilien gefangenen Exemplaren durchaus nicht
zu trennen ift. Gehören diefe zu Cythisaria, fo muß ich für
jenes zu meiner erften Beftimmung zurüdfehren.
Mas Cythisaria und meine (d. h. die Hübnerfche) Coro-
nillaria am auffallendften trennt, ift, wie oben erinnert, die
Färbung. Das lieblihe, zarte Blaugruͤn der Cythisaria wird
bey Coronillaria ganz und gar durch Braun erfest, fo daß
wegen des vielen Weiß die Flaͤche weißlich braungran erſcheint;
489
je mehr ſich dort die grünen Schuppen häufen, wie in den
Querlinien, defto mehr nährt fich hier die Karbung dem Schwar—
zen; dabey hat Coronillaria, befonders auf den Vorderflügeln,
eine ganz ſchwache, gruͤnliche Beimifchung. Diefe Veränderung
des Grünen hat etwas fehr Befremdendes. Waͤre fie der
einzige Unterfchied, fo würde nichts darauf zu geben feyn, da
et Elimatifch feyn koͤnnte; zu einem tmefentlichen Unterfchiede
muß er erft durch andere wefentliche WVerfchiedenheiten erhoben
werden. Die Schärfe und Richtung der Zeihnungen unterliegt
bey beiden Arten gleichen Veränderungen und die Stirn iſt
bey beyden tief braunfhwarz, und die Vorderfeite der
Zafter braun.
Hier wären alfo meine grauen Exemplare eben die von
Boisduval. bezeichnete Warietät der Cythisaria. An beyden
Arten find die männlichen Fühler zweyzeilig kammfoͤrmig; ‚die
Kammzähne, in. jeder Neihe 48—50, nehmen allmählich. in der
Länge ab, find auswärts geftanzt, gehen in Kerbzähne über und
verfchwinden an den 10—12 legten Gliedern; die. obere Neihe
enthält Eürzere Zähne als die untere. Bey der Coronillaria
find die Zähne Überhaupt etwas Länger, ſchon für das bloße
Auge, und. ihre Farbe ift dunkler bräunlih, dem Schwarzen ſich
zuneigend, bei) Cytisaria aber gelbbräunlih, Die weiblichen
Fuͤhler beider Arten find -faft gleich gebaut: Eerbig gezähnt, mis
crofcopifch gefranzt, die Haare an der Spike jedes Gliedes etwas
gedrängter geſtellt. An der Coronillaria finde ich die Kerb—
zahne ein wenig ftärker. — Auf dem Rüden der fünf erften
Hinterleibsringe fisen bey Coronillaria ftärfere, dauerhaftere
Haarbuͤſchchen, deren abgeftuktes hinteres Ente dunkel braungrau
gefärbt ift; bey Cytisaria find diefe Buͤſchchen fehr. hinfällig,
fhmäler und einfarbig. grünlichweiß.
Die Raupe der Coronillaria ſchien mir gar nicht von der
der Cytisaria verfchieden; hat fie.Unterfchiede, fo koͤnnen fie
nur ſehr fein ſeyn. Auch ihre Sitten find ganz diefelben.. Sch
Elopfte zivey Raupen vom Cytisus spinosus oder trillorus bey
Meffina in einer Berggegend im März, nährte fie mit, den
Blättern dieſes Strauches und erhielt einen weiblichen Schmet:
terling daraus am 6. May. Die 2. Generation flog bey Nea—
pel indem Walde von Camaldoli an einer Stelle, die reichlich
mit, Spartium. ‚scoparium bewachſen iſt; ich" fing bier am
16: Auguſt ein abgeftäubtes Männchen ; :anı einer. ähnlichen
Stelle beym Agnano dagegen: am 15: und 19. Auguſt von
+ mehrern zwey gute männliche Exemplare.
Die leere weibliche Puppe hat dieſelbe Geftalt und diefelben
Flecke wie die unfter Cytisariaz; der legte Ning iſt der Länge
nach feicht gefurcht, der End£egel auf der Bauchfeite tief einge—
druͤckt und runzelig; an der Spike ſitzen 8 Widerhäkchen;) die
feitlichen ein wenig abwärts, ‚aber nicht ganz fo weit abwärts
wie bey einer Eleinen Cystisaria-Puppe ; letztere ift auch auf
der Ruͤckenmitte des vorlegfen Hinterleibsringes ohne die Laͤngs—
furchen, welche Coronillaria ganz deutlich zeigt:
Aspilates.
Rambur kennt nur zwey hierhergehoͤrige Atten: (Ligia)
opacaria und caliginearia, amd. Ich ſelbſt fand:
160. (1.)"Purpuraria.
Nicht ſelten in der Campagna von Rom ımd bey Natni.
Ein am 28. Auguft und 3. September gefangenes "Pärchen
ſtimmt mit der Varietät unferer Sommergeneration überein, die .
anf den Vorderfluͤgeln eine fchmale erſte halbe Quetlinie, und
Iſis 1817. Heft 7.
— —
490
eine wenig breitere zweite Querlinie haben, welche letztere ein—
fach und vollſtändig iſt. Das Maͤnnchen hat auf der ganzen
Flaͤche ſpaͤrlich aufgeſtreute, verloſchene Strichpuncte; bey ihm
iſt ſowohl das Rothe, wie das Gelbe etwas lebhafter als
gewöhnlich.
161. (2.) Citraria,
Treitſchke erkennt die nabe Verwandtſchaft, wenigſtens
die Aehnlichkeit diefes Spanners mit Aspil. gilvaria, führte fie
aber ziemlich weit von einander getrennt auf. Boisduval
bringt fie mit Recht ganz nahe zufammen, und trifft es felbft
darinn, daß er Treitfhfe's Enn. adspersaria dazu ſtellt
(Inder ©, 188.). In wiefern Gesticularia und Jacularia
dahin gehören, ‚Fann ich aus Mangel an Driginalen wicht beurs
theilen. Dupondel hat die Boisduvalihe Zuſammen—
ftellungen beibehalten, Es ift unzweifelhaft, daß die von allen
Autoren weit getrennten Spanner Strigillaria und Consper-
saria tröß ihrer verfchiedenen Farbe den 3 genannten generifch
und zwar nächft verwandte Arten find. Sie befigen im maͤnn—
lichen Geſchlecht ein ausgezeichnetes Merkmal an den Vorder—
fhienen. Dieſe haben auf der Unterfeite einen langen
Stadel, der unfern der Bafis in einem Haarbuͤſchchen ent—
fpringt und weit über. die Schienenfpige hinausreicht, er
verjunge fich von der Baſis aus und verbiegt. fich bey Citraria
in der Gegend der Schienenfpige ein wenig, worauf er in eine
feine Spige ausläuftz er liege der Schiene: ziemlich dicht an, —
MWahrfcheinlich giebt es noch mehrere durch diefes Merkmal zus
fammengehörige Arten, die dann eine genauere logifche Prüfung
aud) als nahe verwandt anerkennen laffen wird. :
Daß übrigens: diefe 5 Arten fih, an Asp. purpuraria eng
anſchließen, lebrt die Unterfuhung der Zafter, der Fühler und
der Slügelfärbung: Asp. purpuraria hat>aber kuͤrzere Vorder—
ſchienen, ohne den bezeichneten Stachel und alle Schenkel auf
der Unterfeite wollig.
Asp. eitraria ift in Größe und Färbung veränderlih. Die
Früplingsgeneration fcheint größer und lebhaften gelb gefärbt zit
fen, dagegen ſchmaͤlere Querftreifen zw haben. Die Querftreis
fon befonders der außern, haben bey den meiften Exemplaren
der Sommergeneration einen matten, violettlichgranen Schimmer,
der um fo fichtbarer wird, je breiter die Querftreifen werden.
Auch die Franzen ändern in der Farbe. Ich fehe jedoch nir=
gende, wie Treitſchke, roftbraune und gelbe Flecke, fondern
die Franzen find fo hellgelb wie die Flügelfläche mit etwas
Glanz und an der obern größern Hälfte liegen bey unverfehrten
Eremplaren 6-2 brandigbraune Flecke, die die Franzenſpitzen
einnehmen und fich faft nie bis zu dem Flügelvande verlängern;
fie ändern in der Stärke und Größe. Auf den Hinterflügel-
franzen zeigen fich bloß an den Enden der Subdorfal= und
Medianader verloſchene ſchwaͤrzliche Flecke; felten haben fie auch
an dem 2. Afte der Medianader ein Fledichen, und nicht felten
fehlen alle drey, wie es Treitſchke gefunden. zu haben ſcheint.
Sch habe diefe Art und ihre Werwandten, ‘fo viel ich weiß,
nie mit aufgerichteten Slügelfpisen gefunden; ich weiß daher
noch nicht, woher die Unterfeite bey mehreren lebhafter gefärbt
ift als ihre Oberfeite, Citraria fegte fi ins Gras nur mit
völlig horizontaler Flügelhaltung und flog’ leicht auf,
Ein verflogenes Weibchen der Citraria fing ih am 17. Aprit
an dem dürren arafigen Suͤdabhange des Caſtellaccio bey Mef:
fina. In der Campagna füdlich von Nom ander Via appia
war Asp. eitraria auf den trocknen Gras: und Diftelflähen
31*
491
nicht felten am 28. Auguft; auch im nörblihen Theile kam fie
mir am 3. September vor, und auf einem Brachfelde bey Narni
am 4. September. — Sie hat eine weite Verbreitung im füblis
chen und weftliben Europa. Nah Boisdupal und Dupons
chel findet fie fi) im mittlern Frankreich und felbft um Paris,
nah Treitſchke in Spanien, und Loͤw hat fie in Klein—
afien entdedt.
162. (3.) Sacraria.
Alis anterioribus flavidis,
sanguinea.
Var, b, ut a, sed litura parva sanguinea in area dis-
eoidali. b
Hübn. fig. 200. ‘Esper tab. 30. fig. 8. 9. Freyer neue
Beitr. Taf. 131. fig. 1.2.
Var. e, ut a, sed puncto sanguineo in vena transversa.
Var. d, ut a, sed fascia brunnea.
Var. e, ut. d, sed puncto fuscescenti in vena transversa.
Var. f, alis anterioribus gilvescentibus, ceterum ut var. e.
[Var. g, alis anterioribus roseo - suflusis, fascia obseure
rosea] Geom. sanguinaria.. Esp. Taf. 30.
fig. 10. 11.
Die auffallendfte der verzeichneten Varietäten ift die Eſper—
fe Sanguinaria; fie ift jedoch auch von der Art, daß ein
unbefangener Bli fie nicht für eine verfhiedene Species halten
Fann. Alle Varietaͤten verbinden ſich durch Zwiſchenſtufen.
Das Iebhaftefte Gelb zeigt fib an Kopf und Halskragen, und
es richtet fi) bey den Varietäten nad der Beimifhung auf
den Vorderflügeln. Die Varietaͤt mit blutrother oder purpurz
rother Binde hat das reinfte Hellgelb; nach der Binde. richtet
ſich in der Farbe auch der Wiſch auf der Baſis des Vorder:
randes und der Punct auf der Querader. Weniger rein wird
das Gelb, wenn das Noth der Binde fich in Braun ändert,
und bey der Varietaͤt f. überzieht es fich mit ſchmutziger Fleiſch—
farbe oder heller Ocherfarbe. Die bräunlihe Binde ift aus:
wärts dunkler und ſchaͤrfer und mit einer Linie, die heller als
die Grundfarbe ift, gefäumt, Wie die Breite der Binde abäns
dert, fo ift auch der Wifch auf dem Vorderrande mehr oder
weniger ftarE vorhanden; an manchen Weibchen, deren Binde
fchmal ift und nicht den Innenrand erreicht, fehlt er fonft ganze
lich. Die Varietät g. habe ich nicht felbft gefangen; auch Eenne
ich das Vaterland meines Cremplars nicht; fein ganzer Vor—
derrand der Vorderflügel ift fo lebhaft wie die außerordentlich
breite Binde; die ganze Fläche ift blafrofenfarbig gemiſcht, am
meiften in der Mittelzelle und vor dem Hinterrande.
Das erfte Eremplar, offenbar der Frühlingsgeneration angeho-
rig, ein ſehr abgeflogenes Weibchen, fing ich am 19. May bey
Syracus auf den fumpfigen Miefen bey der Cyane; ein
ſchlechtes Pärchen eben dort am 27. May und am 6. Suny.
Auf einem abgemähten Weizenfelde neben der ſchon öfters er—
waͤhnten Eleinen Binfenwirfe bey Catania flogen mehrere zum
Theil unverflogne Eremplare am 3. July. Im einer ähnlichen
Rocalität, nur daß weder Sumpf, noch Wieſen in der Nähe
waren, famen mir wieder bey Meffina mehrere zu Gefiht am
15. Julh. Um Neapel, wo die Art nah Hübner häufig
ift, befam ich nur ein paar einzelne Eremplare in den Bergen
bey Pozzuoli und nahe der Hauptſtadt an einer Landftraße im
Auguft. Um Rom aber war Saeraria der häufigfte Spanner
und überhaupt derjenige, den ich auf meiner Reife in den mei—
fen Exemplaren gefehen habe, Er fliegt dort überall, befon-
fascia obligua ex apice
492
ders in der Campagna, aber auch an der Stadtmauer im Aug.
und September, auf den duͤrren Gras- und Diftelplägen, faft
geſellig. Am liebften ſitzt er im Diftelgeftrüpp, aus dem ſich
bisweilen mehrere auf einmal herausflopfen liefen. Sein Flug
ift leicht, fein Betragen etwas zünglerartig. Er fucht, um ſich
zu feßen, wieder Diftelgeftrüpp auf, oder, da er nicht gern ans
haltend fliegt, fo Erieht er in Grasbüfhe und felbft in ganz
niederliegendes Gras; bier fest er fich ſtets mit ſteil dachfoͤrmi—
ger Flügelhaltung, faft wie Platypt. spinula, und fo, daß man
ihm nicht gut beifommen kann. Da er etwas fcheu ift, fo
hat fein Fang einige Befchwerde, und feine zarten Fluͤgel bes
fhädigen ſich leicht in den Difteln. Die Sommergeneration hat
eine lange Dauer; denn zu Anfang September fing ich noch
ganz frifhe Männchen. Auch bey Narni und Ancona war
diefe Art nicht felten,
Rinne fagt nirgends," aus welchem Grunde er den Namen
Sacraria gewählt habe. Die Richtung der Binden anf den
Vorderflügeln ift eine folhe, daß weder im Zuftande der Ruhe,
nod) fonft wie dadurch die Geftalt eines Kreuzes hervorgebracht
werden kann. Treitſchke thut alfo Unrecht, die Efperfche
unüberlegte Erklärung des Namens nachzufchreiben.
Roffi fagt in feiner Sauna nichts weiter als: habitat in
graminosis frequens (f. bey Efper). Daraus maht Efper:
„man findet fie in Wiefen auf den Halmen der Gräfer, und
mahrfcheinfich nährt fich auc ihre Naupe davon.” Und aus
diefen Efperfhen Morten entjtebt der Treitfchfifhe Bes
richt. „Sie zeigt fih an Grashalmen hängend; wahrfcheinlich
lebt ihre Raupe von niedern Pflanzen der Nachbarfchaft.
Mit folcher Gemiffenhaftigkeit benugen diefe Autoren ihre Quel=
len! — Treitſchke aiebt als Flugzeit den Suny an; diefer
Monat ift aber nach obigem gerade die Zeit, wo der Spanner
als Naupe zu finden iff. Die erfte Generation fällt ohne
Zweifel in den April und Anfang May, wie meine Angabe
über die von Löw in Afien gefanımelten Falter lehren.
Sacraria ift wahrfcheinlic im ganzen Mittelmeergebiet einer
der häufigften Spanner.
Amphidasis; Boarmia.
Rambur führt aus diefen Gattungen folgende Arten als
Gorfiih auf: Amph. hirtaria — Boarm. rhomboi-
daria, sociaria, petrificaria, umbraria Hübn.,
lichenaria, crepuscularia,
Sch felbft habe auf meiner Reiſe nur eine Eleine Boarmia
gefehen, aus der Vermandtfchaft der Crepuseularia. Sie flog
bey Meffina an einem fhönen Märztage fcheu und: behende;
als fie fih an eine Mauer gefegt hatte, machte fogleich eine
der unzähligen Eidechfen auf fie Jagd und verjagte fie, woher
ich die Art nicht beflimmen kann.
Fidonia.
Die corfifchen Arten find nah Rambur: Auroraria,
assimilaria Ramb., indigenaria — (Ligia) Jour-
danaria, opacuria, caliginearia ARamb. (Cabera)
permutataria — (Strenia) Clathrata. Ich fand:
163. (1.) Indigenaria.
Treitſchkes Befchreibung ift folgendermaßen zu verbeffern.
Der verdickte Untertheil des Fühlerfchaftes und der Scheitel des
Kopfes weißlichgelb; Dbergefiht nach oben geradlinig begrenzt
roſtroth; Taſter blafgelb. Kragen und Worderrandftrieme der
Vorderflügel hellcitronengelb.» Die Hinterrandlinie aller Flügel
493
einwärt3 gekerbt, roſtroth, einwaͤrts mit einer. helfcitronengelben
Linie gefaumt; die Franzen: roſenroth mit etwas Roſtfarbe
gemiſcht. Auf der Unterfeite iſt die Hinterrandlinie verloſchen;
aber die Vorderrandftrieme der WVorderflügel ‚breit und roftgelb.
Der. grüne Hinterleib hat einen ‚gelben Rand. — Das Weib:
hen ift erheblich größer al8 das Männchen.
Hübners Abbildung ift ſehr mißrathen, ftellt aber ficher
unfere Art vor: ihe Gruͤn ift zu dunfel, und von gelben Raͤn—
bern und blaffen Querlinien läßt fich feine Spur bliden. Auch
Freyers Bild ſtimmt mit meinen 4 Eremplaren wenig überein.
Diefe niedlihe Spannerart fand ich bey Syracus auf den
trodnen Kalkhöhen von Acradina. Am 19. Suny flog ein
Männden gegen Abend aus einem Strauche von Daphne
guidium, in dem es fehr Elein und ganz gelb ausfah. Ein
zweites Männchen flog an Difteln. Gleihfalls an Difteln fing
“ih ein Pürdhen am 21. Juny. Alle find ganz frifh und
laffen erkennen, daß ihre Flugzeit erft anfing.
Mit Recht ftellen neuere Autoren dieſe Art zu den ambern
grünen Spannern,
164. (2.) Glarearia.,
Var. b, alis fusco-pulvereis, fasciis nullis, strigula venae
transversae distincta.
Ein ſchoͤnes Meibhen am 3. September in der Campagna
nördlich von Nom gefangen — fehr ausgezeichnet durch den
Mangel aller Binden, die Dunkelheit der aufgeftreuten Staub»
den und die Deutlichkeit des braunen Strichs der Querader
auf allen Flügeln. Die Unterfeite, noch dunkler braun beftäubt,
hat einen braunen, über die Queradern hinmwegziehenden, unre=
gelmäßigen Schatten, worinn ſich die braunen Strihe durch
ihre Stärke, deutlich erkennen laffen. Daß dieſes Cremplar
nur Darietät iſt, zeigt fih auf der Dberfeite, wo die Vorder—
flügel vor dem Querftrih, die Hinterflügel in einer Querlinie
binter bemfelben die zerftreuten Haͤufchen weißlicher, glänzender
Schuppen haben, wodurch fich das Weibchen. der Glarearia
charakteriſiert.
165. (3.) Permutataria Hübn,
Alis anterioribus exalbidis, maculis costalibus tribus
fuscis, duabus prioribus in strigas productis, quarum
posterior per alas posteriores continuatur; striola disci
fusca.
Geom. — Hübn. Beiträge IV. tab. 1. fig. F. pag. 87.
(mas) — Hübn. Eur. Schm. Spanner fig. 92. (mas) —
Lomographa permut. Aübn. Cat. pag. 311. 3003.
?Cab. permutaria Boisduv. Index pag. 219. 1816.
2Stegania permutaria Duponchel Cat. pag: 271.
Nur ein Weibchen bey Syracus am 27. May in den Sumpf:
wieſen der Cyane an einer Eilberpappel.
Sn der Größe unter der Hübnerfchen Abbildung, wie eine
mittlere Geom. clathrata (Vorderflügellänge über 54"). Die
Farbe des Körpers und der Flügel ift ein unceines, gelbliches
Weiß, an legtern auf der Unterfeite belle, Fühler borftenför=
mig, weiß, unterwaͤrts microfcopifch gefranzt, mit unterſcheidba⸗
ren Gliedern. Stirn (abgerieben) mit weißlihen Schuppen.
Taſter fehr Elein, dünn, horizontal; der horngelbe Rüffel lang.
Hinterfchenfel zufammengedrüdt, mit ſchief zulaufender Unter
feite; Hinterſchiene etwas länger, zufammengedrüdt, an ber
Bafis verdünnt, mit 2 Paar Dornen; das erfte Paar nicht
weit vom zweiten; das erſte Fußglied länger als die 4 fol
‘aus dem bürren Laube ber jüngern Eichen,
494
genden, zwiſchen ben 2 Krallen ein ganz Eleines, ſchwarzes
Haftläppchen.
Vorderflügel fpis (von Hübner richtia dargeftellt) ; der Hin-
terrand iſt in der Mitte fanft auswärts gebogen, worauf er
etwas einwärts umd ‚gegen die Spitze faſt gerade geht. An den
Hinterflügeln fteht die Mitte des fehr fanft gebognen Hinterran-
des noch am ‚meiften hervor. Die ganze Fläche ift verlofchen
braunlich zart, beſtaͤubt, am meiften noch vor dem Hinterrande,
und von einer ſehr feinen bräunlichen Hinterrandlinie eingefaßt.
Der Vorderrand der Vorderfluͤgel hat 8 gelbbraune, dreiedige
Flecke, den erften vor der Mitte, den zweiten auf dem Anfange
des Endbrittels, den 3. auf dem Vorderrande etwas verlänger:
ten. mehr gegen die Spitze als gegen den zweiten hin. Aus
dem erſten kommt eine dem Hinterrande ziemlich parallele,
ſchwach wellige, feine, braͤunliche Querlinie, die am Innenrande
des Fluͤgels aufhoͤrt; aus dem 2. kommt eine eben ſolche, ſie
geht aber erſt auswärts und dann von der Huͤlfsader an unter
einem ziemlich ſpitzen Winkel gegen den Innenrand, mit der
erſten Querlinie parallel; gegen den Innenrand zu biegt fie ſich
fanft einwärts, und dann geht fie durch die ganze Fläche des
Hinterflügels fort, dem Hinterrande deffelben ziemlich parallel;
ihe dünnfter Theil. iſt der, wo fie den Winkel macht. Die
QDuerader des Vorderflügels hat ein dünnes, braunes Strichel=
chen, ziemlich nahe der eriten Linie; ſehr verlofchen ift das des
Hinterflügels.
Auf der Unterfeite find die Strichelchen alle verftärkt, und
die 2. Querlinie deutlih; die erfte fehlt und die Worderrand:
flede find fehr Elein.
Das Männchen hat nah Huͤbners Abbildungen vollftändig
gefämmte Fühler, und hat übrigens vom Weibchen nichts we—
fentlih Abweichendes.
Hübner vereinigt mit feiner fig. 92 auh Permutataria
fig. 504, und Boisduval und Duponkel folgen feinem
Vorgange. Es ift mir nicht glaublih, daß diefe Art fo fehr
abändere, indem mein Weibchen der fig. 92 (mas) fo fehr ähn=
lic ift, und ich halte fig. 504 für eine zwar verwandte, aber
doch ganz verfchiedene Art mit gelberen Flügeln, viel veichlicherer,
gröberer, brauner Beftäubung, und die zwey Querlinien aus
Eeinen Worderrandfleden entfpringend, — Boisduval feht
(Inder ©. 219) Hübners Commutataria fig. 505 mit ocher⸗
gelben Flügeln und ganz anders gefteliten Querlinien als fragliche
Barietät hinter Permutataria; Duponchel erklärt fie aber
für eine unzweifelhafte Warietät! Beide Autoren geben das
füdliche Srankreih als. Vaterland der Permutataria an und
als Flugzeit den April und Auguft.
Mit Recht ftellen fie aber Permutataria und Dilectaria als
naͤchſte Verwandte zufammen.
166. (4.) Semicanaria.
Am 3. April bey Meffina ein ſchoͤnes Männchen, auf ber
ſuͤdlichen Lehne eines der höchften dortigen Berge der Peloro—
Eette, die nur mit niedrigem Gefträud) befonders Erica arborea
bewachſen war. Hier flog der Spanner mehrmals auf und
feste fih mit tagfalterartiger Flügelhaltung ing Gras. Am
12. April fuchte ich dort abermals und fand ein Eremplar, das
mir aber auf dem Fahlen, felfigen Boden entfam.
167. (5.) Aceraria.
Am Sübdabhange des Karfts Elopfte ich am 28. und 31. Des
cember 5 Männchen und ein Weibchen an verfchiedenen Stellen
Die Männchen
495
fielen bey dem warmen Sonnenfchein, ohne zu fliegen, hin ins
Gras und zogen ihre Flügel fo dicht zufammen wie Fidon.
aeseularia. Das Weibchen ſah ih nur zufällig aus den Aeften
auf den Boden fallen. Ich vermuthe, daß diefe Art nach der
Ueberwinterung auch noch im Frühling fliege zu gleicher Zeit
mit 'unferer Progemmaria.
Das IR ee iſt gelbbraͤunlich, ausgezeichnet durch den ſtar—
ken Afterbuſch, der aus gedraͤngten, braͤunlichen, an dem End⸗
drittel hellgrauen Haaren beſteht, und durch den gaͤnzlichen
Mangel der Flügel, ſtatt deren an der Seite des glattſchuppi—
gen Rüdenfchildes nur ein paat längere, hellere Schuppen
hervorſtehen. Kopf auf der Vorderfeite etwas dunkler als der
Ruͤckeuſchild. Fühler heller, fhwach geringelt mit verdicktem
MWurzelgliede. Bruſtfeiten ſchwach ſeidenglaͤnzend hellgrau.
Beine gelbbraͤunlich, an den Gliederenden obenauf mit einem
feißlichgrauen Punetz die Dornen der 4 hintern Schienen find
fehr kurz, am kuͤrzeſten das erfte Paar der Hinterfihienen, wel
ces am Anfänge des legten Laͤngsviertels ſteht und kaum aus
der Befhuppung herausragt.
Chesias.
Ron den 2 corfifchen Arten: obliquata und hippo-
eastanata habe ich nur eine in Sicilien entdedt, nehmlich:
168. (1.) hippocastanata.
Un einem dürren, ‚nur ſtellenweiſe mit Erica arborea be⸗
wachſenen Abhange des Melorogebirges: ‚bey Meffina flog am
5. April ein Weibchen auf und feste fid) nad). einigem Sluge
auf den Boden. Auch bey Glogau fing, ich diefe Art, zu Ende
April nur auf Heidekraut; doch ‚Eonnte ich „hier ‚bisher nur
Maͤnnchen auftreiben. Es ift gewiß, daß diefe Art nichts mit
dem Kaftanienbaum: zu fihaffen hat.
Cabera.
Rambur Eennt 2 corfifche Yrten:
pillaria.
169. (1.), Punetaria.
Var. minor, pulvere teneriore pareius Conspersa, striga
in alis posterioribus subreeta.
Zwey Weibchen, am 15. Auguſt füdlih vom Agnano aus
dem Laube junger Eichen (Quercus'robur) geflopft.
Da diefe Art in der’ Fiügelgeftäle, "Größe und Zeichnung
abändert, fo kann ich die beiden neapolitanifchen Eremplare nur
für eine Eleinere, feiner gezeichnete Varietaͤt anſehen. Vorderfluͤ—
gel nur 6 Linien lang, fo fpig wie nur felten bey unfern Erem>
plaren. Die Grundfürbe iſt blaß, mit werigern und zarteten,
röthlichen Strichelchen beffteut, wie gewöhnlich an der Theilung
der Medianader reichlicher als. anderwaͤtrts. Die zwey Punctz
Linien find deutlich, etwas. blafbraun. und fein. Die violett:
braͤunliche Duerlinie iſt ſtark auggedrüdt, doch nicht grob, auf
den Hinterfluͤgeln dünner; auf den Vorderfluͤgeln geht fie vom
Morderrand aus gerade bis falt zur Medianader, „dann, biegt, fie
ſſch fanft einwärts und läuft in einem faſt geradlinigen Bogen
nah dem Innenrand; über die Hinterflügel ‚geht. fie auch faſt
gerade, und zwar, falt vom Vorderrande ſelbſt aus. (Einen
folhen Werlauf der Duerlinie hat unfere einheimifche Punctaria
gewöhnlich nicht, und ich befige bloß ein Eremplar, das ihn
nur auf den WVorderflügelm, und ein 2,,"dag ihn nur auf den
Hinterflügein ebenfo hat.) "An den ' gewöhnlichen Stellen’ vor
dem Hinterrande zeigen fich die beiden gewöhnlichen Staubflede
Pusaria und Pu-
496
der Punctaria, nur Eleinet und verlofchener. Der Hinterrand
ift auf den Vorderflügein nur mit weit getrennten Pünctchen,
auf den Hinterflügeln mit eben ſolchen, Eleinen, blaßbraunen
Strichelchen gezeichnet. So Elein find fie an keinem meiner
einheimifchen Punctaria-Eremplare, doch zeigen dieſe darinn eine
bedeutende WVeränderlichkeit, und da bei) den zwey nenpolitanis
ſchen Eremplaren auch die climatiſche Einwirkung beruͤckſichtigt
werden muß, ſo kann ein höherer Grad der Abweihung nicht
mit Sicherheit als fpeciftich angefehen werden.
- Auf der Unterfeite ift die Farbe fehr heil und faft unbeftäubt;
die Querlinie und die Punctreihe nebſt den Nandpuncten find
fihtbar, aber alles außerordentlich zart.
Defchievenheiten im Körperbau kann ich nicht entdeden,
170 (2.) Suppunctaria.
Alis dilute ochraceis, striga media violaceo-fuscescenti
alarum anteriorum leviter ‚arcuata, posteriorum Tecta,
punctulis marginis postici vix, Conspienis.
Var d, striga distincta ante, strigaque ex punclis minu-
tis post medium. F
Suppunctaria, neben eine gewöhnliche biefige Punctaria
geſtellt, erſcheint fo fremdartig, daß ohne nähere Unterfuhung
des fpecififche Unterfchied unzweifelhaft fein möchte; fie ift aber
der eben befchriebenen Varietaͤt von Punctaria in der Große
und Geftalt gleich und überhaupt fo nahe, daß es confequenter
gewefer wäre, fie auch nur als Varietät aufzuführen. Was fie
auszeichnet, iſt 1) die blaffe ochergeibe, ein wenig ing Fleiſch⸗
farbene ziehende Grundfarbe, auf welcher fih nut durch die
Loupe dunflere Stäubchen wahrnehmen laffen; für das bloße
Auge ift die Fläche einfarbig. 2) die Geftalt und Feinheit der
Mittellinie; diefe iſt violettgraubtaun, etwas verlofhen, faft
überall gleich dünn, aber doch bey einem Exemplar weniger, fein
als beym andern; über die Vorderfluͤgel geht fie noch ſchwaͤcher
gebogen als bey der Warietät von Punctaria, und an dem
Worderrande faͤngt fie am dünnften an; durch bie Hinterflüiget
geht fie in noch geraderer Richtung. 3) die Hinterrandlinie
befteht aus verlofchenen, braͤunlichen, ſehr weit getrennten Pünctz
hen, die fi) unter der Loupe doch als Strichelhen zeigen,
zumal. auf den Hinterflügeln, 4) gegen die Baſis ift an ‚der
Stelle, wo bey Punctaria die Punctreihe fteht, eine fehr. zarte
und feine vollftändige Linie fichtbar, wenn aud) nur bey einem
Eremplare recht. deutlich und, ‚auch. über den. Hinterflügel, hin—
weggezogen. Diefes Eremplar (Var. b.) beſitzt auch die, Punct-
reihe ‚hinter der. Mittellinie, aber aus viel. feineren. Pünctchen
beftehend.al8 die Punctaria var. Es bildet zu dieſer den. beften
Uebergang, indem es ſich bloß durch Schwäche der Betäubung,
Mangel der zwey Staubflede vor dem Hinterrande, Feinheit
der Duerlinien und Puncte, ein wenig veränderte Richtung, der
Mittellinie, und Verwandlung der Punctlinie gegen die mals
in eine vollftändige Linie unterfcheidet,
Die Unterfeite ift viel bläffer als die Dberfeite; bey ver
Eremplar ganz einfarbig, bey zwey andern ſchimmert die Me
tellinie ſeht verloſchen durch, und bey Var. b, außerdem auh
die kuͤrzere Linie gegen die Beſi⸗ und die Punctlinie; altes)
auch die Mandpuncte, iſt auf diefer Seite noch zarter als auf,
der obern,
Un den Fühlern finde ich Feine Abweichung von Punctaria:
nur fcheinbar find fie ſchwaͤcher gekaͤmmt, weil die Karamzähne
ſich mehr angelegt haben; das Maͤnnchen hat eben fo 24 Kamm:
zähne wie Punctaria.
497
Sn demſelben Eichengehölz am Agnanofee, two meine Punc-
taria var. b., flopfte ih deey Männchen und 1 Weibchen aus
dem Laube junger Eichen am 15. und 19. Auguft. Die Art
ift dort fo wie Punetaria gar nicht haufig.
171. (3.) Poraria Tr.
An einer fonnigem Lehne neben der Palermitaner Straße bey
Meſſina jagte ih am 8. April aus niedrigem Eichengeſtraͤuch
ein Weibchen, und am 10. July an derfelben Stelle ein Pärchen.
Die 3 Eremptare gehören zu den Eleinften ihrer‘ Art und
fehen übrigens in Grundfarbe, Beftäubung und Zeichnung den
biefigen ganz. gleih. Das Männchen und das Weibchen vom
8. April haben gleicdy "hinter dem Augenfledchen eine ftaubige,
roͤthlichbraune Schattenbinde und vor dem Hinterrande der Vor-
derflügel die ziven Nebelflecke ziemlich deutlich; beides fehlt dem
Meibchen der. Sommergeneration, bey welchem auch die Hinter:
randlinie mehr in Puncte aufgeloͤſt ift.
Daß diefe Art nicht Linnes Phal. porata feyn kann, wofür
Treitſchke fie fo zuverfichtlich erklärt, läßt fich leicht aus der
Linneifchen Befchreibung erkennen. Daß Poraria Tr. auch
in Stalien Iebt, würde Treitſchke mahrfcheinlich als einen
neuen Beweisgrund angefehen haben. Allein Linne legt fchon
in der Diagnofe ausdrüdlich den Hinterflügeln allein einen Aus
genfle® bey (postieis ocello.minuto), und dies wiederholt er
in dev: Befchreibung mit den Morten; ocellus in medio ala-
rum postiearum minutus, alae superiores puncto centrali
fusco. Die von mir gefehenen Exemplare der Poraria befiken
ohne Ausnahme auch auf den Vorderflügeln einen Augenfled,
wie es Treitſchke feldft. beichreibt.
Ferner hat unſere Poraria ſtets einen ganz weißen Kern ohne
die geringſte Spur von Gelb, dagegen hat Linnés Porata
in dem Ocellus fuscus eine. pupilla lutea. Endlich fol
Porata der Größe nad) unter. den Spannern media ſeyn,
während doch Poraria; entfchieden, parva oder minor ift, wie
Clathrata (Faun. ©, 335), ocellata. (Faun. ©. 336) ufw., da
ſchon Bilineata, Immutata, Remutata das Praͤdicat minor
erhalten. — Eine andere Frage iſt freilich, die, welche Art Linne
eigentlich gemeint habe. Meine Sammlung ift nicht vollftändig
‚genug, um eine Art zu enthalten, auf welche die Befchreibung
bequem angewendet werden koͤnnte.
172. (4.) Gyraria Hüb. 543.
Ein ſehr ſchoͤnes Meibchen ſaß am 30. Januar bey Meffina
auf einem. Ugaveblatte, am Rande eines Gartens, der fo wenig
wie die benachbarten Gärten Eichen enthielt: es war der erfte
Schmetterling, den ih in Sicilien fing.
Die Hübnerfche Abbildung 543 gehört trotz ihrer Abwei—
chungen beftimmt hieher. Treitſchke ift geneigt (X, 2
©. 202), fie zu Pupillaria. zu ziehen.
Mein Eremplar iſt etwas größer als Hübners Figur und
bat etwas fpisere Vorderflügel; die Grundfarbe ift ebenfo zie—
gelroth, nur noch dicker aufgetragen. Der Mittelftreif ift ſchwaͤzlich—
grau, wie dort, nur vollftandiger und weiter gegen die Vorder—
raͤnder verlängert; auf den Vorderflügeln ift er auswärts verlo-
ſchen gezähnt, indem fich bier auf den Adern Linienförmige,
bervorftehende Verdunfelungen: bemerken Taffen, Der Nina iſt
Eleiniee als in Hübners Figur, mit, weißem Kern; der Fleck
auf den Hinterflügeln: an der Stelle des Ninges ift aber. ftärker
und dunkler. Die zwey Punctreihen find vorhanden, aber. ihre
Puncte Eleiner und heller als bey Hübner. An den Franzen
iſt die innere Hälfte nicht wie dort purpurroth, fondern dunkel
Iſis 1847. Heft. 7,
‚einem Rain fing ich auch ein
498
violettgrau, die Außere Hälfte heil rofenfarbiggrau. Vor den
Sranzen geht eine bey Hübner meggelaffene Neihe brauner
Pünctchen her, die auf den Vorderflügeln gegen die Spige zu
— Stärke zunehmen; in der Spitze iſt der groͤßte und dunkelſte
unct.
Die Unterſeite iſt ſehr verloſchen und hell mit ſchwarzgrauer
Wurzelhaͤlfte der Franzen. An den Vorderfluͤgeln ift der Vor:
derrand roſtgelblich, gegen die Spitze am dunfelften, und der
Mittelraum ijt braungrau mit zartem vofigem Schimmer. Die
Schattenbinde fcheint auf beiderley Flügeln durch; das Mittel-
zeichen iſt auf beiden ein fchmaler Strich mit. weißlichem Kern,
und auf den vordern ift die Punktreihe deutlich fichtbar. Nand-
puncte fehlen.
Eben fo wie Hübners Figur hat mein Exemplar auf dem
Nüden des Hinterleibes eine Laͤngsreihe ſchwaͤrzlicher
Flecke. ES wäre Schade, wenn dieſes Merkmal an der
Gyraria nicht ftandhaft wäre. Ich fehe es wieder in Hüb-
ners Gyrata fig. 434 mas, deren Färbung von der des Meib-
chens fchon gar ſehr abweicht.
Aus Treitfch es: Befchreibungen der Gyraria und Pupil-
laria kann ich mir die Merkmale beider Arten nicht klar machen,
und Boisduval und Duponcel tragen zur Erläuterung
nichts bey. Beide Arten ftehen ſich darinn nahe und unter-
feheiden ſich dadurch von den Gattungsverwandten, daß. die
Neihe von Hinterrandpuncten auf den VBorderflüs
geln gegen die Spise an Ausdrud zunimmt und mit dem
ſtaͤrkſten Punct endigt. (In Hübners fig. 69 iſt frei⸗
lich davon gar nichts ‚zu fehen). Pupillaria hat die Grund:
farbe wie Punetaria, und diefe mit rothem Staube, der meift
Querftrichelchen bildet, veichlich beftreut. Die Mittelzeichen
bilden bey meinem Männchen auf jedem Flügel ein deutliches
Aeuglein mit weißer Pupilfe, beym Weibchen laͤßt ſich dafuͤr
nur ein rothes Staubhaͤufchen erkennen, welches auf den Hin—
terfluͤgeln im der Mitte ein weißliches Puͤnctchen enthält. Frau—
zen an der Innenhälfte lehmgelb, an der Außenhaͤlfte blaß.
Der Hintercand ift heller ald die Grundfarbe, und ganz ohne
Flecke. Die Größe ift wie die einer anfehnlicyen Punctaria,
Aecidalia.
Rambur hat die in Corfica gefundenen Aeidalien ſowie
die Arten der folgenden Genera unter die beiden Gattungen
Dosithea und Aecidalia vertheiltz; es find: (Dosithea) infir-
maria Ramb., attenuaria Ramb., politaria, orna-
taria [paludata L], decoraria, pusillaria,' fili-
cata, incanata, contiguaria—(Acid.) rubricaria,
pallidaria, aversaria, elongaria Ramb., obsole-
taria Ramb., centaureata, exiguata, ericeata,
Ramb., oxycedrata Ramb., gemmata, suberata,
scoparia Ramb.
173. (1.) Ochrearia Sv.
Geom, ochraria F. v. Röslerstamm Beitr. 1, pag. 45 u.
127. tab. 50. fig. 1.
Var. d, sieula: major, paulo dilutior,
Bey Syracus nicht felten auf einem etwas frifchen, gras⸗
reichen Rande eines Hohlweges jenſeits der Cyane; ſie
flogen hier zwiſchen einer. gelbbluͤthigen Umbellate leicht auf und
berrugem ſich überhaupt, wie unfere nördliche Ochrearia. Auf
paar Eremplare beym Gapu=
32
cinerfloiter.
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Shre Flugzeit begann nach dem 20. May und dauerte bis
in den Anfang des Juny hinein.
Die mitgebrachten Eremplare zeichnen fich durch ihre Größe
aus, worinn fie der Rufaria gleicy kommen; nur ein Weibchen
iſt nicht größer als gewöhnliche biefige Weibchen. Die Farbe
ift die heifte an umverfehrten einheimifchen Exemplaren vorkom—
mende; doch giebt e8 auch eine etwas Iebhaftere Färbung in
beiden Geſchlechtern. Die Stärke und Breite der Binden und
QDuerlinien, desgleichen ihre Geftalt und Entfernung von einan=
der, find allen den Veränderungen unterworfen, die unfere
nördliche Ochrearia zeigt; auch in der Vorderflügelgeftalt zeigt
fi) ein böberer oder geringerer Grad von Zuſpitzung. Das
dunkle Püncthen auf den Hinterflügeln ift gewöhnlich gut aus:
gedrückt, dody bey weitem nicht fo ſehr wie bey Rufaria. Die
fehr zarte Hinterrandlinie ift verlofchen und trägt auswärts an
den Enden der Adern je ein braunes, meift leicht fichtbares
Pünctchen.
Auch die Unterfeite ift veränderlich und bietet fo wenig mie
der Fühlerbau irgend ein Merkmal, wodurd man die fo früh:
zeitig fliegende ficififche Ochrearia als eine von der fpätern,
Eleinen, noxdifchen verfchiedene Art trennen Eönnte,
Der unter den Eleinafiatifhen Schmetterlingen als Acid.
rufaria aufgeführte Spanner ift, wie ich mich nun überzeugt
babe, nur ein Exemplar diefer großen Var. von Ochrearia.
174. (2.) Rubricaria.
Ein Meibhen am 23. Auguft bey Nom, ein Männchen
nördlih von Nom in der Campagna am 3. September. —
Beide von gemöhnlicher Größe, jenes blaß und fchmugig gefärbt,
das Männchen lebhafter geröthet, aber bey weitem nicht fo fchon,
wie nicht feltene hiefige Exemplare.
175. (8.) Pygmaearia 4. Tr.
Aus Treitſchkes Beſchreibung wird wohl Niemand. diefe
Art wiedererfennen; merkwürdiger MWeife erhebt er gegen Hüb-
ners fig. 336 Zweifel, während gerade dieſe viel beffer und
richtiger ift al8 die von ihm gelobte fig. 335. Boisduval
eitiert fogar nur fig. 339.
Bon meinen zwey Männchen ift das eine Eleiner als das
andere, und bende Eleiner als Hübners fig. 335 (Vorderflü-
gellänge 23—23'). Fühler mit fehr langen Gliedern (etwa
24), die unten an der Spitze beiderfeitS in einen Zahn endigen,
der einen langen gefiederten Kammzahn trägt; die Fänge der
Zähne nimmt gegen die Spige ab, und die 2—3 legten Fuͤh—
lerglieder find bloß geferbt und gefranzt (nah Treitſchke find
die Fühler zart gekaͤmmt!).
Die ſchmutzige blafgelblihe Grundfarbe (n Hübners
fie. 336 meift weiß) wird menigftens auf den Vorderflügeln
größtentheils verdrängt. Die WVorderflügel haben ein Eleines,
fraubigbraungelbliches Murzelfeld, das durch eine Sförmig ge=
kruͤmmte Linie der Grundfarbe begrenzt wird. An diefe ftößt,
durch eine feine bräunliche Querlinie davon getrennt, eine breite
braungelblihe Schattenbinde, deren Hinterrand von einer dunk—
len fchattigen Querlinie durchzogen wird. (Bey Hübner ift
diefe Binde zu fehmal, die folgende viel zu breit und mit
roͤthlicher Farbe.) Der darauf folgende bindenformige Raum in
der Grundfarbe wird von einer fcharfen braunen MWellenlinie in
zwey ungleiche Hälften getheilt; in der erftern, breiten, fteht
an dem Außenrande der vorherigen Schattenbinde der fchwarze
Mittelpunct, der aber auch in diefelbe hineingefchoben vorkommt.
Der übrige Flügelraum ift wieder braͤunlich und enthält dicht
500
_— — —
vor dem Hinterande eine weißgelbliche Wellenlinie, die vor dem
Hinterwinkel und uͤber der Mitte eine Erweiterung enthaͤlt;
einwaͤrts iſt ſie ſehr dunkel, bindenartig braun ſchattiert. Die
Franzen lang, eine braune Mittellinie trennt die gelbliche Wur—
zelhaͤlfte von der weißlichen Endhaͤlfte.
Die Hinterfluͤgel ſind an der Baſis wenig verdunkelt; durch
den ſchwarzen Mittelpunct geht ein ziemlich gerader, brauner
Schattenſtreif; hinter ihm folgt die duͤnne Querlinie der Vor—
derfluͤgel, unter dem Vorderrande und hinter der Haͤlfte eine
kleine Ecke machend. Der breite verdunkelte Raum vor dem
Hinterrande iſt ſchmaͤler als auf den Vorderfluͤgeln, noch dunk—
ler, und die helle Linie darinn hat gegen den Vorderwinkel eine
Erweiterung. Franzen wie vorhin beſchrieben.
Die Unterſeite iſt lebhaft gezeichnet; auf blaßgelblichem Grunde
geht eine braune Schattenquerlinie durch das Mittelzeichen; die
duͤnne Querlinie iſt nicht ganz ſo ſcharf, endigt ſich aber auch
auf dem Vorderrande in eine Verdickung. Vor der b’äunlichen
Hinterrandlinie durch einen ſchmalen gelblichen Raum getrennt,
zieht eine breite, braune Mellenbinde über die Fläche; fie ift am
Vorderrande am breitejten und verdünnt fich allmählidy bis in
den Hinterwinfel. ’
Das Weibchen, ebenfo in der Größe wechfelnd, ift bläffer
gefärbt, fonft aber ganz gleich gezeichnet. Nur an den Franzen
ift die Außenhaͤlfte braunlich geflect auf Ober- und Unterfeite.
Die Hinterfchienen find Fürzer als die Hinterfchenfel, ftielrund,
am Ende etwas erweitert, in beiden Gefchlechtern nur mit End-
dornen. Sch fing zwey Männchen und vier Weibchen am
28. Auguft bey Nom, am 3. September in der Campagna
nördlich davon, und am 4, an der Höhe von Nurni, immer
auf trodnen, begraften Stellen, wo ich fie anfſcheuchte und fie
ſich an Grashalmen feßten; dag eine Männchen ſah ih im
Sonnenfchein behende und flatternd am Halme hinauflaufen.
Die Männchen find noch ganz frifch, die Weibchen aber mehr
oder weniger verflogen. Diefe Art kann dort nicht felten feyn,
Boisduval giebt als Vaterland die füdliche Schweiz an mit
dem July als Flugzeit, Treitſchke die MWienergegend mit
dem Suny und Sul.
176. (4.) Brumata.
Ein Männden, von anfehnliher Größe, mit etwas abge—
rundetern WVorderflügeln als die 4 Eremplare meiner Samm: _
lung, fonft ohne alle Abweichung, fand ih am 31. December
bey Zrieft am Südabhange des Karfts. Es war ganz frifch
und fam mit tagfalterartiger Flügelhaltung unter dem von der
Sonne erwärmten Grafe und abgefallnen Eichenlaube hervorge-
krochen. — Hiernach fliegt diefe Art in den füdlichften Gegen-
den, in denen fie vorfommt, exit zu Ende und zu Anfang des
Jahres. Ben uns fand ich die legten Meibchen in der Mitte
des Decembers. Nah Nageburg fliegen einzelne Männchen
noch im März und April (Forftinfecten 2 Th. ©. 190), eine
Beobadhtung, deren Nichtigkeit ich durch meine Erfahrungen
nicht beftätigen kann.
177. (5.) Filicata.
Sehr veränderlich in der Größe (Vorderflügelänge 5-34";
die Eleinjten Eremplare, ein Pärchen, fing ich im Auguft und
September. Auf den Vorderflügeln fteht der Eleine fchwarze
Mittelftrih entweder frey, außerhalb des fchwärzlichen Feldes,
oder im Rande deffelben. Das ſchwarze MWifchfledchen am
Vorderrande vor der bindenförmigen Querlinie ift ftandhaft;
501
eine Fortfegung durch getrennte Fleden zu einer Querlinie ift
nur felten zu bemerken,
Um Spracus fing ich diefen Spanner zuerft am 29. April,
dann einzeln und felten bis zur Mitte des May, auf den Kalk—⸗
böhen der ehemaligen großen Stadt an Difteln, an deren Blät-
ter, und zwar auf die Unterfeite er fich fegte. Darauf erfchien
er zum zweitenmal im Auguft und zu Anfange September bey
Neapel, Nom und Ancona, immer auf dürren, faft nur. mit
Difteln bewachſenen Stellen. Nah Treitſchke und Bois:
duval fliegt er im Juny.
Die männliche Hinterfchiene diefer Art ift flahgedrüdt, am
Endorittel erweitert und dann zugeſpitzt; auf der untern, flachen
Seite ift eine Laͤngsfurche, in welcher ein Schuppenhaarbufch
zum größten Theil ruht; diefer fist an der Baſis der Schiene,
befteht aus mindeftens 40—50 an ber Spike vöthlichgelben
Haaren, deren Spitzen dag Ende der Grube erreichen; wird der
Schenkel zurüdgebogen, fo fpreizt fi) der Haarbufh aus. Der
Zus fehlt gänzlih. —
178. (6.) Rusticata.
Sie hat einen von Filieata ganz verfchiedenen Hinterfchienen=
bau: die Hinterfchiene ift nehmlich Fürzer als der Schenkel,
ffielrund, gegen die Spige ein wenig verdidt, ganz ohne Dors
nen; der Fuß ift volljtindig.
Ein fehr verflognes Weibchen am 15. Auguft oberhalb des
Agnanofees bey Neapel im trodnen Eichengehoͤlz.
179. (7.) Polygrammata.
Fünf Männdhen aus Sicilien unterfcheiden fih von 2 bey
Slogau gefangenen Weibchen und von Hübners guter Abbils
dung in der Zeichnung der WVorderflügel. Das bandförmige,
aus lauter Querſtreifen zufammengefeste Mittelfeld ift in beiden
Geſchlechtern vorn und hinten durch eine weißliche Linie begrenzt:
beym Männchen ift der Innenrand diefeg Feldes vom Innen—
tande des Flügels aus bis zur Höhe des ſchwarzen Mittelpunc-
tes zwiſchen 2 Querlinien dunkelbraun; auch der Außenrand
ift vom Vorderrand des Flügels aus, dann fich erweiternd big
zur Medianader hin dunfelbraun gefärbt. Das Weibchen hat
dafür eine ganz helle, gelbbräunliche, fi) nicht hervorhebende
Färbung. Das Mittelband in diefem Felde, welches violettgrau
gefärbt ift und den ſchwarzen Punct enhält, ändert in beiden
Geſchlechtern in der Breite fehr ab; bey einem Weibchen ift es
in feiner untern Hälfte zu einer Linie verengt, bey einem Maͤnn—
hen auf dem rechten Flügel über der Subdorfalader zuſammen—
geſchnuͤrt.
Treitſchke bemüht ſich, Acid. Polygrammata von Aspil.
lineolata zu unterfceiden. Iſt diefes nöthig, fo giebt das
graue Band, worinn der ſchwarze Mittelpunct fteht, das befte
Merkmal; bey Lineolata läuft es ein wenig gebogen in den
Borderrand; bey Polygrammata aber macht es auf der Sub:
coftalader hinterwärts eine fehr fcharfe Ede. Außerdem find
die männlichen Fühler der Lineolata ganz deutlich geferbt und
Eurzhaarig gefranzt. Polygrammata hat dagegen fonderkar
gebaute Fühler: die Glieder find kurz, zufammengefchoben,
doch unterfcheidbar ; die ganzen Fühler fehr zufammengedrüct
und dadurch außerordentlich breit; auf der Unterfeite find fie
microfcopifch pubescirend gefranzt.
Acid. Lignata [ven Borkhauſen V, 27 al® Geom.
Yittata gut befchrieben], die der Polygrammata bey Treitſchke
mit Recht am naͤchſten fteht, hat geferbte, ziemlich ſtark ge—
franzte männliche Fühler, und dicht vor den Hinterrändern der
502
Flügel eine Neihe paarweiſe geftellter, ſchwarzer Puncte; Poly-
grammata hat diefe gar nicht und nur eine feine, braune, auf
den Hinterflügeln etiwag wellige Ranidinie.
Polygrammata fliegt zweymal im Sahre. Bey Syracus
fing ih fie einmal auf einem Brachfelde in der Nähe der
Syraca am 12. May, und am 27. May in den Sumpf-
wiefen der Cyane nicht ganz felten aus Brombeergefträuh, in
welches fie immer tief hineinfroch, fo daß mir die meiften Exem—
plare, die übrigens auch ſchon verflogen waren, entkamen. Auf
einer ganz freien Binſenwieſe bey Catania fing ich ein frifches
Männchen am 2. July.
180. (8.) Bilineata.
Ein fhönes Maͤnnchen am 12. Juny zwifhen Avola und
Syracus in einem Bromberrgefträuh an der Landſtraße; ein
abgeflogenes am 15. July an der mit Farrenkraut befleideten
Nordfeite eines Berges bey Meſſina. Um Neapel war Bili-
neata im Auguſt haufig in den Kaftanienwäldern bey Camaldoli
und am Ugnanofee, befonders im Brombeergeſtraͤuch. Ein
verflogneg Weibchen vor Zolentino am 6. September; andere
Elopfte ich aus Gartenheden bey Rom am 27. Auguft.
Das fchöne, reine Gelb, das unfere Bilineata nicht felten
siert, hat Feind der mitgebrachten Exemplare (wohl aber ein
Eleinafiatifches Weibchen von To 8, Iſis 19.), am meiften noch das
Spracufifche. Unter den Neapolitanifchen hat eins die bräunliche
DVorderflügelfarbe von Freyers N. Beitr. tab. 83. fig. 2;
feine Hinterflügel haben ein verlofchenes, etwas gebräuntes
Gelb, find alfo bey weitem nicht fo ſchoͤn, wie bey den von
Löw in Afien gefangenen Eremplaren. Nur diefes eine fo
gefärbte Meibhen — auch die afintifhen find Meibchen —
fam mir vor, fo fehr ich mich bemühte, mehrere zu erhalten. _
Bey den zwey ficilifchen Männchen find auf den Vorderflü-
geln die beyden innerften Querlinien, zwifchen denen das Mit:
telftrichlein fteht, zu getrennten Ringen zufammenlaufen; dev
oberjte ift der bey weiten größte, dann folgen erft eine Null,
dann eine Acht (in der Subdorfalzelle), endlich noch eine Null.
Daß gerade die beiden Sicilier die Geftaltung haben, ift beſtimmt
nur ein Zufall; aud bey den einheimifchen Eremplaren ift fie
nicht eben felten.
Larentia.
181. (1.) Plagiata.
In verfchiedner Größe, doch nie fo groß, wie bisweilen bey
ung, zu Ende April, den ganzen Man hindurdy und bis in den
Suny bey Syracus auf den Kalkhöhen der alten Stadt auf
Brahen und MWaidplägen nice felten. Zu Ende April fcheint
dort die Flugzeit zu beginnen, Die Nahrungspflanze ift dort
ohne Zweifel Hypericum erispum. Eine zweite Generation
wird dort nicht fehlen; ich fah fie aber weder bey Meffina nod)
auf dem feften Rande.
Das Grau der Vorderflügel ift ſtets hell; die Querbänder,
die nicht ſtark ausgedrückt und wenig gebräunt find, zeigen die
gewöhnliche Weränderlichkeit in ihrer Annäherung en einander.
Bey einem Weibchen fließen fie in der Subdorfalzelle zufammen.
182. (2) Tempestivata n. sp.
Alis griseis fuscescenti strigosis, anterioribus acutius-
eulis, strigis prioribus antice angulatis, puncto disci nullo,
striga una posteriore lineolis fuscis longitudinalibus notata.
Sie ift der Sobrinata fehr ähnlich, namentlich darinn, daß
die winklige, auswärts weiß gefäumte hinter der Flügelmitte
503
laufende Duerlinie einwaͤrts auf den Laͤngsadern kurze, ſchwarze
Striche trägt, wovon die drey oberften enger zufammenjtehen
und verdickt find; fie hat aber viel fpikere WVorderflügel, in die
graue Grundfarbe fehr wenig Nörhliches eingemifcht, und ent:
behrt des ſchwarzen Mittelſtriches auf der Oberſeite gänzlich.
Große etwas unter Sobrinata; die männliden Fühler find
zwar Schwach, aber doch viel ſtaͤrker als bey Sobrinata geferbt,
bey melcher fich kaum die Glieder unterfcheiden laffen; außerdem
find fie etwas länger geftanzt. Kopf, Nüdenfhild und Hinter
feib heil bräunlichgrauz; es fehlt dev braune Querſtrich hinter
dem Kragen und der braune Längsftrih zu jeder Seite des
Hinterleibs. Taſter, wie eg ſcheint, ein wenig fpiser, übrigens
auswärts graubräunlih, an der Spise mit weißgrauem Punct
wie dort bey unbeſchaͤdigten Exemplaren.
Die hellbräunlichgrauen Vorderflügel haben: eine viel fchärfere
Spige, indem der Hinterrand ſich unter ihr fanft einwärts
frummt. Die Fläche ift von vielen dunfleren, welligen Quer:
Linien durchzogen; die vorderiten brechen ſich über der braunges
zeichneten Medianader : zu, immer fohärferen Winkeln, jemebr fie
von der Bafis entfernt liegen. Die 2 legten, getrennter als die
übrigen, bilden durch etwas verdunfelten Grund ein Band, das
fih unter dem Vorderrand auf eine andere Weiſe bricht als
bey Sobrinata; die innere Grenzlinie macht nehmlich einen
weniger fpigen einfpringenden Winkel, die Aufere einen ſchaͤrferen
und kleineren ausſpringenden. Der ſchwarze Strich, der bey
Sobrinata unter der Spitze des letztern Winkels im Rande
des Bandes oder dicht an demſelben liegt, fehlt bey Tempesti-
vata gänzlich, Die duch fchwarzbraune Längsftriche auf den
Adern bezeichnete QDuerlinie gebt in den Worderrand meniger
einwärts gebogen über und ift auswärts von einer ziemlich
deutlichen. weißgrauen Linie gefaumt, die zwifchen der Median:
und Subeoftalader, alfo an den 3 ftärkften ſchwarzbraunen
Laͤngsſtrichen, am meißeften ift. Die vor dem Hinterrande her:
ziehende weißliche Wellenlinie in einem zu beiden Seiten etwas
verdunfelten Grunde ift am Vorderrande einwärts duch eine
ſtaͤrkere Verdunkelung bezeichnet, und durch eine zweite, wieder
einwärts, an der Hülfgader. Die Hinterranpdlinie ift fein, braun,
an den Adern unterbrodyen.
Hinterflügel heller mit unvollftindigern Wellen, von denen fich
die hinter der Mitte durch ihre bräunliche Schattierung, befon=
ders auf den Adern, am meiften auszeichnet. Cine weiße Kup:
penlinie geht vor dem Hinterrande her und ift gleichfalls: einz
waͤrts braun fchattiert. Die blaffen Franzen find fehr verloſchen
braͤunlich gefleckt.
Unterfeite viel heller als bey Sohrinata, fehmugiggrau, glän=
zend ſchwach dunkler wellig; durch die deutliche, braune Rand—
linie zeigt fih bier der Vorderwinkel fehe auffallend fpiß.
Braune Mittelfteiche find verlofchen fichtbar; am deutlichften
auf den Hinterflügeln.
Diefes Spannerchen fand ich mehrmals im April bey Meffina
an den Bergen zwifchen den Heidefträuchern (Erica arborea);
aber nur ein Männchen wurde mir zu Theil am 4. April.
Ein ſchoͤnes Weibchen fing Loͤw auf Rhodus im XApeil;
ich habe es, weil e8 einzeln war, bey der Aufzählung der Loͤwi—
ſchen Falter übergehen müffen.
183. (3.) (Eupithecia). spec.
Eine Art, in der Größe der Lar. reetangulata, fand ich
am 14. September ziemlich hoch am Karft bey Trieſt, wo ich
fie aus Wacholder ſcheuchte. Die Exemplare waren ganz
504
verflogen; nur ein ziemlich gut erhaltenes Männchen habe ich
davon genommen; nach ihm allein wage ich aber, da bie
Eupithecien fo ſchwer zu unterfcheiden find, Eeine Beſchreibung.
Sch bemerfe alfo für diejenigen, welche dort den Spanner wieder
aufiuchen follten, daß er bläulichweiß, grau beſtaͤubt und wellig,
am Vorderrande am dunkelften, und auf den Vorderflügeln mit
ftarkem, auf den Hinterflügeln mit ſchwaͤcherem Mittelftrich be=
zeichnet ift. Dentieulata ift es nicht.
184. (4.) Centaureata.
Ein Pärchen ohne Auszeihnung; das fehr verflogene Männ-
en am 11. May im Thale von Sfpica, das Weibchen am
4. May bey Syracus auf einem Brachfelde.
Cidaria,
185. (1.) Galiata Donzel.
Ein Eremplar flog bey Narni aus einem Schlehengefträuch,
entkam mir aber.
Zerene,
186. (1.) Adustata.
In einer dichten Dede bey Gifterna, am nördlichen Ende der
pontinifchen Sümpfe, flogen mehrere fehlechte Eremplare diefer
Art am 24. Auguſt; die Evonymusblaͤtter waren ſtark befref-
fen, ohne Zweifel von ihren Raupen,
187. (2.) Breviculata Donzel.
Melanthia — Donzel Annal. de la Soc. ent. VI, p. 478.
tab. 18. fig. 7. — Zeller Isis 1847. pag. 20.
Melanth. brevieularia Duponchel Catal. p. 274.
Melanippe brevicularia Doisduv. Index p. 217. 1799.
Diefes Spannerhen will Herr Herrih » Schäffer, wie
ih von F. v. Nöslerftamm erfahre, zu den Eupithecien
rechnen, So lange die Gattungsmerfmale der Eleinen Larentien
noch nicht feftgeftelle find, wage ich nicht, ihm darinn nachzu—
folgen. Der Bau des Hinterleibs fcheint dafür zu fprechen,
auch die geringe Breite der Hinterflügel. Allein die Form der
Fluͤgelzeichnung ift eine andere, und den Spanner fah ich, gegem
die Gewohnheit der Eupithecien ſich auf die bloße Erde ſetzen.
Keider habe ich es verfäumt, die Flügelhaltung im Stande ihrer
Ruhe zu beobachten, da diefe die ficherfte Entfcheidung fuͤr oder
wider die Zuzählung zu Eupitheeia gegeben hätte.
Sch fing ein fhon etwas verflognes Männchen und ein fehr
fehönes Weibchen, erftereg am 4., Ießteres am 19. May auf den
Kalkhoͤhen des ehemaligen Syracus, wo ich fie aus Diſteln fcheuchte.
Die Diagnofe habe ich fehon früher gegeben; da noch Feine
deutſche Befchreibung der Art eriftirt, fo füge ich fie hier bey,
Größe der Lar. centaureata; das Weibchen etwas größer;
die Vorderflügel wie bey Lar. reetangulata, a!fo ziemlich‘ breit
mit etwag breitem Hinterrande. Fühler des Männdens bor—
ftenförmig, microſcopiſch pubescirend geftanzt, auf dem Ruͤcken
weißlich mit verdunfelten Gliedereinfchnitten; die Glieder felbft
wenig abgefegt. Kopf und Nüdenfchild roͤthlichbraun; Taſter
£urz, ffumpf, zuſammengedruͤckt, auswendig röthlihbraung Rüffel
lang. Mitte des Nüdenfchildes mit hellem Fleck. Hinterleib
weiß, auf dem Nüden der zwey erſten Ringe dunkel braungran,
durch Schwarz feharf begrenzt; auf der ziemlich fcharfen Nüden-
fheide trägt der dritte Ning ein ſchwarzes Schuppenhoͤckerchen;
in den Seiten der mittleren Ninge fteht eine Neihe fchwarzer
Puncte, wovon auf jedem Ninge einer. Bauch beym Maͤnn—
chen gegen die Baſis mit einigen ſchwarzen Fleckchen. Beine
auf der Lichtfeite rothbräunlich, auf der Schattenfeite und an
505
den Gliederenden weiß; die helleren Hinterbeine haben 2 Paar
fehr ungleicher Schienendornen, das obere hinter dem dritten
Laͤngsviertelz die Hinterfchiene fait ftielrund, an der Baſis
verdünnt.
Flügel weiß. Das Murzelfeld der Vorderfluͤgel iſt röthlich-
braun; es reiht am WVorderrande viel weiter al$ am Sinnen:
tande und feine Grenzlinie,diernahe am ſchwarzen Mittelpuncte
binzieht, macht drey fehr ftumpfe Eden: zwey in der Mittel:
zelle, die dritte in der Subdorfalzelle.. Zwey Paar meißlicher,
fehr zadiger, braun eingefaßter und gefledter Querlinien theilen
das MWnrzelfeld in. 3 etwas ungleiche Theile. "Hinter dem freyen
Mittelpunct Eommt eine ſehr -wellige, -bleygraue, verdoppelte
Querlinie, die dem Mittelpuncte gegenüber einwärts braune
Zähne hat und. ſich auf dem Vorderrande erweitert, indem ſich
dort einwaͤrts noch zwey gleichgefaͤrbte kurze Strichelchen an ſie
anſchließen, ſo daß hier alſo vier graue Striche ſind, von denen
die zwey hintern ſich zu Querlinien fortſetzen. Die Doppellinie
iſt durch einen linienfoͤrmigen, ihren Kruͤmmungen folgenden
weißen Raum von dem Hinterrandfelde getrennt. Dieſes iſt
an der Spitze am breitſten und bis uͤber die Huͤlfsader hinweg
roͤthlichbraun, dann weißlich mit ein paar dunklern Nebeln und
endlich im Hinterwinkel mit einem oder zwey ſchwaͤrzlichen Wi—
ſchen bezeichnet. In dem roͤthlichbraunen Raum ſieht man eine
vom Vorderrande herabkommende Reihe weißer Strichelchen,
welche in ſchwarzen bis zum Hinterrande reichenden Schatten—
kegeln ruhen. Vor dem Hinterrande find nur einzelne ſchwaͤrz⸗
liche Striche, keine Randlinie. Die Franzen ſind rings um
das roͤthlichbraune Feld ſelbſt roͤthlichbraun, nur blaͤſſer, uͤbri—
gens aber weißlich mit grauen Flecken.
Die Hinterfluͤgel haben am Innenrande die Anfaͤnge von
welligen bleygrauen Querlinien, zuerſt nahe der Baſis, wo ſie
einen dunkeln, nicht den Vorderrand erreichenden Fleck bilden,
dann kommt hinter dem grauen Mittelpunct eine Doppelwelle,
die hinter der Mitte verliſcht; darauf eine anfangs und hinter
ihrer Haͤlfte fleckenartig verſtaͤrkte, und zuletzt ein grauer Fleck
in der Fluͤgelſpitze, der vom Hinterrande durch eine Reihe von
drey ſchwarzen Strichen getrennt wird. Hier ſind auch die
weißlichen Franzen blaßgrau gefledt.
Die Unterſeite iſt faſt lebhafter gezeichnet als die Oberſeite.
Auf den Hinterfluͤgeln find die Querlinien dunkel und vollftäns
dig. Auf den Vorderflügeln ift das Wurzelfeld dunkelgrau ohne
Meilen ; binter dem Mittelpunct laufen die Querlinien zu einer
welligen Schattenbinde zufammen, das Hinterrandfeld ift grau,
gegen die Flügelfpige am dunfelften, unter der Hälfte weiße
fledig. Die Mittelpunkte find alle ſehr deutlich.
Das Weibchen iſt breitflügliger und lebhafter gefärbt; fein
Hinterleib dicker und fpiger, feine Fühler fehr wenig feiner als
beim Männchen,
Diefe wohl nur dem Mittelmeergebiet eigene Art fliegt nach
Duponchels Angabe, die nichts Unwahrfcheinliches hat, 2 mal
im Sahre: im May und July, Boisduval giebt den Juny
als Flugzeit an.
Idaea.
188,.(1.) Calabraria.
In der Mitte. des May bey Spyracus auf den Kalkhöhen
von Acradina an) begraften Stellen nicht häufig; fie fliegt ziem-
lich leicht und ſetzt fic wieder ins Gras. Bon einem gefell
ſchaftlichen Fluge 'habe ich nichts bemerkt. Treit ſchke nimmt
in der Diagnofe drei Binden auf den Vorderflügeln an, wovon
Iſis 1847. Heft 7.
506
er die dritte in der Befchreibung zu einem bloßen Hinterrand-
faum macht. Ich befige nur ein Männchen, das diefen bin-
denförmigen Schatten fo lebhaft und einwaͤrts fo fcharf begrenzt
— nur durch eine Linie der Grundfarbe von der ten Binde
gefhieden — hat, daß er ſich als Binde anfehen läft (Hübs
ners Fig. 49. fem.). Bey den meiften Eremplaren ift e8 ein
ſchwacher Nebel, am meiften verdidt gegen die Spige, oder er
fehlt auch ganz und gar.
Auf den Hinterflügeln ift die einzige Binde, die nehmlich fich
an die Ae Vorderflügelbinde anfchliegende, am Innenrande am
vollftändigften und rötheften; hinter der Mitte verlifcht fie ent
weder völlig, oder fie fest fich als ein braungrauer Schatten
fort; bisweilen zeigt fihy von ihre nichts als auf den Innen—
tande ihre beiden Grenzlinien, und zwar die obere verdickt und
lebhafter geröthet. Won einer Nandbinde kann bier gar nicht
die Nede ſeyn; denn höchftens 'ift der Innenwinkel längs des
Hinterrandes etwas geröthet.
Daß 'Geom. Taeniaria Freyer weiter nichts als eine Va—
rietaͤt iſt, Dei der "alles Noth eine mweißlichgraue Farbe ange—
nommen hat, habe ich ſchon früher ausgefprohen. Dupon—
het ſtellt diefelbe Vermuthung auf. (Catalogue ©. 244,
Unm. 2.)
Ein fonderbares Mifverftändnig muß Herrn Boisduval
veranlaßt haben, ©. 187, 1480. zu fragen, ob Calabraria nicht
eine Varietät der Geom. Vibicaria fey. Beide jind im Fluͤ—
gelbau und dem Charakter der Zeichnung ſo verfchieden, daß eine
Erörterung völlig uͤberfluͤſſig iſt.
Sechs Eremplare, Männchen und Meibchen, die Loͤw von
Rhodus und der Kuͤſte Kleinafiens mitgebracht hat, und die ich
als Id. Calabraria in diefem Sahrgange der Iſis ©. 20.
aufgeführt, habe, bename ich als eigne Art. Geom. tabidaria.
Diefe Art fteht der Calabraria allerdings außerordentlich nahe;
fie unterfcheidet fi), aber von meinen Cremplaren fo wie von
den mir befannten Abbildungen und Berchreibungen ftandhaft:
1) am auffallendften durch das VBorhandenfein von vier
Mittelzeihen, die der Calabraria, fo viel ich weiß, ohne
Ausnahme fehlen. 2) Durch die.abgeftumpfteren Vorder» und
Hinterwinfel der Hinterflügel beim Männchen; beim Weibchen
iſt bloß der Vorderwinfel auffallend. zugerundet. 3): Den ſchmu⸗
tzigen, trüben Ton der gelben und rothen Färbung, wodurch
die Vorderhälfte der Hinterflügeliein 'von dem der Calabraria
ſehr abweichendes Anfehen erhält, 4) Duͤrch den größern Zwi—
ſchenraum zwifchen dem Hinterrande und der nächften Binde.
Größe und Bau wie ben Calabraria; die Vorderflügel auf
gleiche Weife veränderlih. Zafter ein wenig länger und, weiter
über die Stirn hervorftehend. „Grundfarbe der; Vorderflügel trüb
und ſchmutzig lehmgelb, dunkler als bey Calabraria; eben fo
haben die zwey Binden: eine bräunliche, das angenehme Roth
verfchlechternde Beymiſchung; ihr Verlauf iſt derfelbe, aber die
hintere ift vom Hinterrande.entfernter und. verengt fih etwas
am Innenrande. Die Duerader hat einen ziemlich ftarfen,
braunen, punctartigen Strich. Vor dem Hinterrande iſt der
Raum bindenartig roch angeflogen in der Breite, daß nur ein
querlinienförmiger Zwiſchenraum zwifchen ihm und der Binde
bleibt, oder es ift bloß ein folder Mebelftreif fichtbar. Die Hin-
terflügel find‘ heller als die Worderflügel und ebenfo auf: ber
Vorderrandhälfte am lichteften und angenehmften gelb; aber
diefes Gelb ift felbft trlib und wenig angenehm, wie ich eg nur
an einem Pärchen der Calabraria fehe, deffen Vaterland mir
unbekannt (vielleicht Frankreih) if. Das Mittelzeiihen, ein
323
507
Strichelchen auf der von der Subcoftalaber herfommenben Quer:
aber, ift noch fchärfer und ausgezeichneter ale auf den Vorder⸗
fluͤgeln. Die Binde, faft immer vollftändig bis zum Vorder—
ande gehend, ift etwas weniger gekrümmt und entfernter vom
Hinterrande ald bey Calabraria und erweitert fih etwas mehr
auf den Aeften der Medianader, worauf ihr; Hinterrand fich
wieder ein menig einzieht. Der Hinterrand ift breit dunkel
fhattig mit Roth beftäubt. Die Franzen find, an ber Bafis
Iehmgelblich und nur auf den aͤußern 3 geröthet; bey Calabra-
ria find fie an der Baſis kaum ein wenig bläffer roth als an-
derswo.
Auf der Unterſeite iſt die Färbung angenehmer gelb und rothz
die Mittelzeihen haben das Roth der Hauptbinde. Der Hin⸗
terrand ift hier wie bey Calabraria veichlich roth beftäubt.
Die Diagnofe ftelle ich fo:
Calabraria: alis luteis purpureo-ciliatis, puncto disei
nullo, anterioribus purpureo- bifasciatis , posterioribus ro-
tundatis antice laete ochraceis, fascia unica purpurea.
Tabidaria: alis luteis purpureo - ciliatis, puncto
disci fuscescenti, anterioribus purpureo - bifaseiatis, poste-
ricribus rotundatis, antice dilutis, fascia unica purpurea.
189. (2.) Degenerata.
Ein Pärchen fing ih in den Wäldern bey Neapel am 13.
und 15. Auguft; ich Elopfte das Männchen aus Hafelgefträuc,
das Weibchen aus dem Laube von Eihen. Das Betragen ift
ganz wie bey Aversata.
Diefe Art foll nah Treitſchke eine grünlichgelbe Grund—
farbe haben; ich finde fie nicht anders als bey dunkeln Erem:
plaren der Aversata, ſchmutzig beingelb. Hübner bildet fie
fogar bläffer ab als diefe. Das leichtefte Merkmal der Dege-
nerata ift, daß der Raum zwifchen der erften und zweiten
Duerlinie, und nicht wie bey Aversata zwiſchen der zweyten
und dritten, bindenartig dunkel ausgefüllt ift; feine Farbe ent—
fteht durch eine Mifhung aus Braun, Grau und Nöthlic.
190. (3.) Aversata.
Ein Maͤnnchen am 15. Auguft beim Agnanofee im Wald⸗
geſträuch.
Es gehoͤrt zu der Varietaͤt mit grauer Binde uͤber die Fluͤgel,
bat aber manches Eigenthuͤmliche. Es iſt eins von den klein—
ſten Exemplaren, mit ſo ſpitzen Vorderfluͤgeln, wie es ſelten bey
dieſer Art vorkommt; Grundfarbe außerdem, daß ſie wie bey
den dunkelſten Exemplaren iſt, noch mit einem roͤthlichen An—
flug; der ſchwarze Punct ſteht auf den Vorderfluͤgeln ziemlich
nahe am Rande der Binde außerhalb, auf den Hinterflügeln
innerhalb; die Binde ift matt, am dunkelften einwärts; aus⸗
mwärts vor der Grenzlinie ift fie faft verlofchen; der Winkel,
den diefe Linie unter dem VBorderrande macht, ift fehr ftumpf,
tritt alfo ungewoͤhnlich wenig hervor.
191. (4) Ruficostata Z.
$fis 1847. ©. ?
Auf den Kalkhöhen um das Capucinerkloſter bey Syracus
kam diefer Spanner mir etwa mal vor; das eine Eremplar
entfam, das andere, fchon etwas verflogene und zerriffene, fieng
ih am 21. Suny auf einer Stelle, wo viel Thymus creticus
wuds und Pemp. thymi und Pyral. sauguinalis ſich aufs
hielten. *
Die oben gegebene Befchreibung des einzelnen Eremplars aus
Kleinafien paßt in den fpecififhen Merkmalen; das ficilifche
em 508
Männchen hat aber die Querlinien (wohl wegen längeren: Sties
geng) undeutliher, und die erfte fehle bis auf ſehr ſchwache
Spuren; die Grundfarbe ift ſchwaͤcher grau beftäubt und da—
duch etwas heller; in der Größe jteht dieſes Cremplar aber
jenem fehr nach (Vorderflügellänge 4" gegen 54).
An dem röthlihen Vorderrande der Vorderfluͤgel erkannte ic)
diefe Art ſchon, als fie noch frey umher flog.
192. (5.) Paludata 1.
Idaea ornata Tr. 6, 2. 283.
Acidalia ornataria Bdv. Index 221. 1835.
Dosithea ornataria Duponchel Cat. 272.
Daß Phal. paludata Linn. die Geom. vurnata s. orna-
taria auct, fey, habe id Iſis 1844. ©. 42. Nr. 47. bewier
fen; ich trage alfo fein Bedenken, Linne’s Benennung wieder
aufzunehmen.
Diefen Spanner fand ich, fo viel ich ‚bey der jegigen Unters
ſuchung fehe, bey Syracus gar nicht; denn was ıch dafuͤr hielt,
gehört alles zu Congruata, Ein gutes Pärchen: der Paludata
fieng ih am 10. July an einer ſonnigen Berglehne bey, Meſ—
fina; ein gutes Weibchen an Difteln oben am Gaftellaccioberge
am 23. July. Die Art: ift alfoı dert wenigſtens nicht häufig.
Am 283, Auguft erbielt ich ein unverfehrtes Weibchen bey Rom
auf einem Diftelplage., —
193. (6.) Congruata n.sp.
Alis niveis, posterioribus rotundatis subintegris, striga
postica tenui repanda fusca, fasceia contigua maculis cae-
siis composita.
Sie fieht bey cberflächliher Betrachtung der, Paludata fo
ähnlich, daß ich fie als diefe gefangen und daher auf dem Flug:
orte wenig betrachtet habe; nur bisweilen flieg in mir die Ver:
muthung auf, daß ich auch Decorata darunter gefammelt haben
möchte, keineswegs aber die, daß es eine eigne Art fein: £önnte.
Bey der jegigen Unterfuchung finde ich aber die Verwandtfchaft
meiner Congruata mit der Decorata größer al mit der Pa-
ludata, und ich wäre fehr geneigt, fie ald eine füdliche, weis
Bere, feiner gezeichnete Warietät dazu zu ziehen, wenn ich nicht
die Bildung des Hinterrandes der Hinterflügel ſtandhaft vers
fchieden fände. Bey Decorata hat diefer nehmlich in der Ges
gend der Hilfgader eine fehr deutliche Ausbuchtung, die durch
die fchwarzen Nandftriche bezeichnet wird; fie iſt ſo ftarf wie
bey Paludata. Bey Congruata ift die Ausbuchtung ganz
ſchwach, die Abweichung der durch Striche bezeichneten Rande
linie an diefer Stelle wenig merklich, daher auch die Bucht in
den Franzen viel unbedeutender als bey Decorata. Dieſes
Merkmal fcheint hier fpecififh zu feyn, zumal da es ſich an
der Frühlings», wie an der Sommergeneration unverändert
erhält. in folher Einfluß des füdlihen Glimas, wie wir ihn
bey mehrern Hipparchien £ennen, mag alfo hier nicht gewaltet
haben. Außerdem find die männlihen Fühler in der Mittel
gegend offenbar deutlicher geferbt als bey‘ Decorata. Endlich
ift die Färbung heller und die Zeichnung feiner,
Größe veränderlih (Vorderflügellänge 64 — 44); die größs
ten, und zugleich dunfelften Cremplare find aus dem April und
May. Grundfarbe ein reines Weiß, alfo ohne das geringfte
bengemifchte Gelb wie bey Decorata. Die Querlinien auf den
Flügeln gehen wie bey Decorata. Die erfte, auf dem Flügels
drittel, ift deutlich, und die Stüde, woraus fie befteht, feiner
als bey Decorata. Won der über das verlofchene Mittelzeichen
binmwegziehenden Schattenlinie find die meiften Stuͤcke bey ber
Freühlingsgeneration fichtbar, doc in geringerer Zahl und Stärke
509
als beh Decorata und daher nie eine vollftändige Linie aus—
machend; bey der Sommergeneration ift meiftens nur am Vor:
der= oder Innenrande ein verlofchenes Fleckchen ‚als Neft der:
felben vorhanden, weßhalb die Fläche ſehr rein bleibt. Die
Kappentinie ift feiner, fonft aber ganz wie bey Decorata; die
dicht dahinter folgende Fleckenbinde befteht aus getrennten, blaͤſſe—
ren Flecken. Die Färbung diefer Binde giebt einen Hauptun:
terfchied der Congruata und Decorata von Paludata.
In den 2 Aushöhlungen der Kappenlinie iſt nehmlich bey
alten 3 Arten die Färbung der Flecke gelbbraun; in der obern
Aushöhlung liegt ein fo gefürbter Doppelfled. Bey Paludata
fegt er fich gegen den Vorderrand hin fort und zieht um die
fharfe Ede der-Querlinie herum, worauf er verlifcht; nur bis—
weilen wird noch ein getrennter, verlofchener Fle näher dem
Vorderrande fichtbar, gleichfalls in gelbbräunlicher Farbe. Bey
Decorata und Congruata fchlieft fib an den (bey Decorata
dunfleren) Doppelflecd gegen den Vorderrand hin nie ein brau=
ner, fondern erft an der Ede der Querlinie ein mit ihm zu:
fammenhängender, bläulichgrauer Doppelfled; dann folgt ein
abgefonderter,, ovaler in gleicher Farbung, und am Worderrande
felbft ein ſchwarzgraues Fledchen; diefe bläulichen Flede und
das ſchwaͤrzliche Fledichen fehlen niemals. — Unter dem in der
Ausbuchtung ftehenden bräunlichen Doppelfle® Eommen zwey
bey Decorata und Paludata zufammenhängende oder fein ges
trennte enförmige Flede; be) Decorata find fie blaugrau, und
haben ihren Rängsmeffer nach der Länge des Flügels; bey Pa-
ludata find fie bloß hellgrau und haben die größte Ränge nach
der Quere des Flügels; bey Congruata find fie gerundet, faft
wie bey Paludata, heil blaͤulichgrau und ſtets durch eine breite
weiße Linie getrennt. Die darunter in der 2ten Ausbuchtung
der Querlinie liegenden 24 Flede find bey Decorata am größ-
ten und dunkelſten. — Vor dem Hinterrande zieht ein braun:
licher Schattenftreif her, deffen gezähnter Innenrand zwifchen fich
und dervorhergehenden Fleckenbinde eine reinmweiße, den Vertiefungen
und Erhöhungen der Fleckenbinde folgende Linie läßt. Diefe weiße
Linie ift am fchmälften, namentlich im Innenwinkel, und am
fhärfften durh dunkle Begrenzung bey Decorata, am breitften
und verlofhenften begrenzt bey Congruata, indem bey diefer der
Schattenftreif fehr verlofhen und ſchmal ift und bisweilen ſtuͤck—
weife fehlt, fo daß er nur bey genauer Betrahtung erkannt
wird. Die Linie vor dem Hinterrande ift aus fürzern Strichen
jufammengefeßt alg bey Decorata; die oberften find aber eben
fo die ftärfften, und bey mehren Eremplaren der Sommergene:
ration die allem fichtbaren. Franzen blaͤſſer als bey Deco-
rala, an der Sommergeneration weißlich mit etwas dunklerer
Mittellinie.
Auf den Hinterflügen ift der Mittelpunct deutlich, von der
Schattenlinie nur das Immenranddrittel vorhanden. Die Kap:
penlinie fehr zart und etwas verloſchen; die zwey dahinter fols
genden Siedenbinden blaß bläulihgrau, ohne die bräunlichen
Stellen der Paludata, und durch einen viel breitern, weißen
Zwiſchenraum getrennt als bey den verwandten Arten. Die
Strichlinie vor dem Hinterrande, deffen Eigenthüͤmlichkeit ſchon
befptochen ift, bläffer und zarter als auf den Vorderflügen, am
ftärkften bey der Hilfsader.
Auf der Unterfeite find die Vorbderflügel von der Baſis aus
fhmusig arau, oder bey der Sommergeneration auch faft weiß;
die Hinterflügel ganz weiß; die Zeichnungen der Oberfeite fchei=
nen fehr verlofchen durch und fehlen öfters bey der Sommer:
generation bis auf geringe Spuren,
510
„Diefe niebliche Spannerart fliegt bey Syracus auf den Kalk
höhen der ehemaligen großen Stadt, zwifchen Difteln und auf
Stellen, wo viel Thymus eretieus wächft. Hier mar fie eben
felten; wie unfere Decorata und Paludata feste fie fih auf
den Boden und flog nicht weit. Die größten Eremplare mit
ber dunkelften Randzeichnung und der dunfelften Unterfeite der
Vorderflügel, die entſchieden die Frühlingsgeneration ausmachen,
welche unſerer Decorata am nächften fteht, flogen zu Ende
des Monats. Die Eleinere, weißere, bläffer gezeichnete Sommer:
generation erfchien in der Mitte des May. ı Mein Eleinftes
Eremplar, ein Weibchen, fieng ich bey Meffina an einer fonni:
gen Anhöhe an der Palermitaner Strafe am 15. July.
Sn Boisduval’s Index ©. 221. und Duponchel's
Catalog ©. 272. fehe ih, am legtern Orte zwar ziemlich weit
abgefondert, am. erftern vor Ornataria (Paludata) und Deco-
raria (Decorata) und nicht zwiſchen beide geftellt, eine Art
unter dem Namen Concinnaria Ramhur aus dem füd»
lichen Spanien. Ob diefe mit meiner Congruata zufammen-
fällt oder nicht, muß ich dahingeftellt fein laffen, da ih nur
weiß, daß Coneinnaria bey Duponchel im Suplem. tom. 4.
auf pl. 52. abgebildet feyn foll.
194. (7) Immutata Tr.
Zwey unzmweifelhafte Exemplare, ein gut erhaltenes Pärchen,
Elopfte ih am 27. July bey Meffina am Feftungsgraben des
Gaftellaccio auf der Schattenfeite an der Mauer aus einem
Geftrüpp von Parietaria, Nepeta calamintha und Solanum
sodomeum, alſo an ähnlicher Stelle, wo bey ung diefer Span:
ner gewöhnlich gefunden wird. Sie haben die gewöhnliche Größe,
aber einen etwas gelblihen Zon in der Grundfarbe, wie ich
ihn nur in 2 aus der Wiener Gegend ſtammenden Männchen
febe, und ohne das Bläuliche in dem Grau des Hinterrande
feldes. Außerdem find fie nur ziemlich verloſchen beftäubt, bey
weitem alfo nicht fo lebhaft wie Herrich-Schaͤffers gute
Abbildung Geom. tab. 17. fig. 101. — Ein viel Eleineres
Männchen, merklich bläffer durch ſchwaͤchere und lichtere Be:
ftäubung fieng ih fhon am 15. Sum bey Meffina im Ge:
ſtraͤuch am Rande eines Gartens. — Aufer dieſem gelblichen
Ton und der Mattigkeit in der dunfeln Färbung finde ich can
den 3 Erempflaren gar nichts Abtweichendes,
Drey andere Eremplare fieng ich im Kirchenftaate, Ein
Meibchen, ziemlich verflogen an einem Gartenzaune am 6. Spt.
vor Zolentino gefangen, fehließt fich fehr nahe an dag Kleine
Meffinifche Maͤnnchen; e8 ift nur ein wenig größer als diefes.
Ein verflegnes Weibchen ven bderfelden Größe (Vorderfluͤgel—
lange 54") — gefangen aus einem Gartenzaune bey Rom
am 27. Auguft — hat nichts Gelblidyes, fondern ein weißliches
Grau zur Grundfarbe, die durch die ſchwache Beftäubung wenig
verdunfelt wird; ihre Hinterrandlinie beiteht aus dunfeln, un:
gewoͤhnlich langen und einander genäherten Strihen; die File
denbinde hinter der Kappenlinie ift deutlich und ohne Bläuliches;
auf den Vorderflügein laſſen ſich an der hinter dem Mittel-
puncte ziehenden Scyattenlinie auf den Adern Eden erkennen. —
Das dritte Exemplar, ein ziemlich gutes Männchen fieng ich
bey Rom am Thore bey St. Peter am 1. Septbr. Es ift faſt
fo Elein wie eine große Incanata (Vorderflügellänge 43’), ein
wahrer Zwerg, von weißlichgrauer wenig beftäubter Grundfarbe
und ziemlich lebhaften Zeihnungen; die Ate Schattenquerlinie
der Vorderflügel ift faft vollftändig, macht auf den Adern be:
merfbare Eden und läuft hinter dem Mittelpunet, aber ſehr
511
nahe daran vorbeh; die beutliche Fleckenbinde ift bloß grau ohne
Blaͤuliches. —
Alte ſechs Exemplare gehören beſtimmt zu unſerer Immutata,
auch nach der Unterſeite. Da Linne's Phal. immutata der
Berchreibung nah (Fauna ©. 338.) auch nad Zetterftedts
Zeugniß (Ins. lappon. ©. 968.) beſtimmt nicht, die Treitſch—
Eifche ift, fo läßt fich letztere nur als tiber Deutfchland und die
europäifchen Länder ſuͤdlich und weſtlich davon „verbreitet ans
geben.
195. (8.) Incanata.
Var. australis: diluta, minus pulverosa, strigis tenuibus.
a) ex flavido albida, alarum forma ordinaria.
b) ut a, sed nana, alis anterioribus acutis.
c) alba.
Mit Recht fagt Treitſchke, daß Incanata eine veränders
lihe Art fey; aber wahrſcheinlich mit Unrecht verbindet er Huͤb—
ners Dilutaria fig. 100 mit deffen fig. 106. Letztere ift befon=
ders in dem Ausdrude der Schattenbinde in der Flügelmitte
und in der Breite des hellen Streifens vor dem Hinterrande
verfehlt.
Deutlich gezeichnete Eremplare haben auf den Vorberflügeln
folgende Zeichnungen. Beynahe in der Mitte zwifchen der
Bafis- und dem fehr deutlichen Mittelpuncte, bisweilen aber
auch etiwag drüber hinaus, geht die erfte Querlinie in einem
fanften, gegen den Vorderrand ftärfer gefrummten, auswärts
converen Bogen; fie ift dünn, nicht ſtark ausgedrüdt und hat
auf den 3 Adern und dem Vorderrande eine verdunfelte punkt
oder flecartige Verdidung. Die zweyte Querlinie fchattenartig,
breiter als die erfte, geht bald mehr, bald weniger weit hinter
dem Mittelpunct ungefähr parallel mit dem Hinterrande; auf
den Adern ift fie etwus verftärft und bildet da bisweilen kurze
Zähnen; in der Subdorfaladerzelle kruͤmmt fie fih am meiften
einwärts, und auf den Aeften der Medianader ſteht fie ein we—
nig auswärts hervor; am Innen: und Vorderrand ift fie am
breitften und etwas verdunfelt. Die dritte Querlinie, in der
Mitte zwifchen der zweyten und dem Hinterrande, oder auch
etwas davor, ift fehr dünn und hat beynahe die Richtung dee
zweyten, nur daß fie in der Subdorfalzelle faft gar feinen, in
der Höhe des Mittelpunctes einen ziemlich mer£lihen Bogen
einmwärts macht; auf jeder Ader hat fie einen dunfeln, punct=
artigen Knoten, und oft zeigt fi von der ganzen Querlinie
nichts als dieſe Knoten in der Geftalt einer Querreihe von
ſchwaͤrzlichen Puncten. Es folgt hierauf, durch einen fehr
ſchmalen Zwifchentaum von ihr gefchieden, die graue, ſchattige
Binde, deren Flede ſich auswärts nur undeutlich abrunden und
fih nie trennen; nur in der Höhe des Mittelpunctes zieht fich
diefe Binde fo zufammen, daß fie fait getrennt wird. Vor dem
Hinterrande geht ein ebenfo gefärbter ſchmaler Streif her, wel:
her nur in der Höhe des Mittelpunetes ſich etwas erweitert.
Zwifchen diefem Streif und der vorhergehenden Schattenbinde
ift ein Zmwifchenraum, der eine Querlinie in: der Grundfarbe
bildet; diefe folgt dem Verlaufe der Schattenbinde, und ermweis
tert fich am meiften an der verengten Stelle derfelben. (Hüb:
ner giebt ihre Geftalt richtig an, aber die Breite zu beträchtlich.)
Auf den Hinterflügeln fehlt an meinen Eremplaren die Quer:
linie nahe der Baſis (die Huͤbners Abbildung zeigt)... Die
(zweyte) Schattenlinie ift breiter und gerader als auf den Vor—
berflügeln manchmal ganz gerade, am dunfelften auf dem’ In—
nentande (wo Hübner fie mwegläßt); fie geht nahe vor dem
512
Mittelpuncte vorüber. Die (dritte) dünne Querlinie ift eine
Fortſetzung der Querlinie der Vorderflügel, nicht ganz fo deut»
lich wie dieſe, ‚übrigens von gleicher Befchaffenheit; aud fie
macht in der Gegend des Mittelpunctes eine Krümmung nad
innen; ‚fie ſteht vom SHinterrande weiter ab als die. auf den
DVorderflügeln. Den Raum zwifchen ihr und dem Hinterrande
füllen die zwey. fchattengrauen Streifen, die beide an der Stelle,
wo die Querlinie ihre Krümmung macht, fich ‚gleichfalls: biegen.
Die fie trennende Linie in der Grundfarbe wird oft durch. graue
Beftaubung der Adern in Flede zerfchnitten. Die Hinterrand»
linie aller Flügel -befteht aus braunen feinen Strichen, die an
den Mündungen der Adern weit. getrennt von einander bleiben;
in diefen Luͤcken liegen an der Bafis der Franzen deutliche,
braune gerundete Puncte.
Die Grundfarbe ift bey den hiefigen Cremplaren ein. weiß—
liches Grau mit einer. fehr ſchwachen gelblichen Beymiſchung.
Ueber die ganze Fläche find braunliche Staͤubchen geftreut, ge—
mwöhnlich nicht reichlich. Doch habe ich ein Männdyen, wo auf
den Vorderflügeln der ganze Vorderrand und die Bafis verftäubt
ift und tie erfte Querlinie ganz: fehlt, die 2te ſich als ein brei-
ter Schatten zeigt. Immer ift aber die Worderrandrippe felbft
von der Bafis aus braun, in verfchiedener Länge. .
Auf der ſchwach glänzenden Unterfeite find die Vorderfluͤgel
ziemlich dunkelgrau, am Innenrande ‚heil, ſowie die, Hinter
fluͤgel. Mit Ausnahme der erften Querlinie find die Zeichnun—
gen der Dberfeite verloſchen fihtbar, am beſten die dritte Quer—
linie, ſchwach die beiden Schattenftreifen vor dem Hinderrande.
Die Randzeihnung ift menigftens in den Franzenpuncten fehr
verloſchen, doch mit der Loupe zu finden. Mittelpuncte deutlich.
Dhergeficht ſchwarzbraun; Hinterkopf dunfelgelbbraun; der Zwi⸗
ſchenraum ift ſchmutzig weißlich, was fih an den Fühlern hin—
aufzieht. — Ein Pärchen aus Wien unterfcheidet ſich dadurch,
daß die Grundfarbe ganz ohne gelblihe Beymifhung, alfo viel
weißer ift, und der Zwiſchenraum der Fühler eine ſchneeweiße
Farbe hat. Auf der Unterfeite zeichnet ſich dieſes Weiß in den
Hinterflügeln etwas aus. — Bey. ihrer Uebereinffimmung in
den Übrigen Merfmalen mit der nördlichen Incanata laͤßt ſich
an feine fpecififche Trennung. denken.
Meine italienifhen Eremplare bilden drey Varietäten, die ſich
darinn vereinigen, daß fie hell gefärbt find und fchmwächere, dün=
nere Querlinien haben; doch hat ein Weibchen von var. b. die
2te Querlinie: breit und fchattenartig; die Mittelpuncte und die
Puncte auf den Franzen find ganz deutlich, und bey einzelnen
far. Von der dritten, fo wie von der erften Querlinie find
nur die Puncte auf den Adern Übrig. Die Vorderrandrippe iſt
gebräunt. Die ganze Unterfeite ift hell, und der Innenrand
der DVorderflügel breiter gelichtet als bey unferer Incanata. Der
Raum zwifchen den Fühlern ſchneeweiß. Die, zmey Hauptva—
tietäten entftehen durch die Grundfarbe; Var. a. hat etwas
Gelblihes in ihr unreines Weiß gemifht, ungefähr fo, daß
unfere norddeutfche Incanata zu diefer Warietät werden würde,
wenn. die Beftäubung und die Breite und der Ausdrud der
Querlinien verringert würde. Bey einem Männden fehlt die
Schattenlinie hinter dem Mittelpunct. Ein anderes Männchen
ift mahrer Zwerg mit ungeröhnlich gefpigten Worderflügeln
(var. b. — Var. c. hat gar nichts Gelbes in der Grundfarbe,
und daher durch ihr helles, faft reines Weiß ein auffallendes
Ausfehen. Auf den Vorderflügeln haben mehrere Eremplare
die zweyte Querlinie fehr unvollftändig. Auf der hellen: Unter-
feite find die Schattenftreifen vor dem Hinterrande bismeilen
513
ganz verlofchen, Uebrigens ftimmt alles an beiden Varietäten
mit der gewöhnlichen Incanata überein.
Ich fand Var. a. und b. bey Meffina und Syracus. Ein
fhon etwas geflogenes Männchen faß an einem Nobinienftamme
an der Palermitaner Straße am 19. Februar; ein zweytes fieng
ih im Gebirge am 15. April an einer fonnigen Lehne aus
Spartium junceum. Zwey gute Männdyen klopfte ich bey
Shracus am 15. May und Juny aus einen Brombeergeſträuch
neben Gärten, und ein Weibchen bey der Cyane an ähnlicher
Stelle am 6. Juny, — Das zwergige Männchen (var. b.)
fieng ich in einem Garten bey Meffina am 29, July. — Von
Var. c. erhielt ih ein fchon etwas verflognes Maͤnnchen am
9. Juny aus demfelben Geſtraͤuch bey Syracus, wo ih ein
Männchen der Var. a. gefangen hatte. Bey Catania fieng
ih ein Weibchen in einem Garten zwifchen Lava am 25. Suny;
bey Meffina ein Weibchen am 10. Sum, und bey Neapel ein
Pärchen am 12. und 16. Auguſt. Sm Allgemeinen "habe ich
alfo diefe Art gar nicht häufig angetroffen. So viel ich weiß,
giebt e8 im nördlichen Deutfchland Eeine Frühlingsgeneration der
Incanata.
In den Hübnerfchen Tafeln ift eine Geom. Dilutaria
fig. 589., die zwifchen meiner Incanata australis und der fol-
genden Art in der Mitte fteht. Daß fie nicht zu Incanata ge—
hören Fann, ift, daß die Grundfarbe zwar ein ſchmutziges Weiß—
gelb ift, aber in der Flügelmitte ein großer weißer Naum bleibt,
in welhem die ſchwarzen Puncte ſtehen; daß auf den Vorder—
flügeln vor dem Mittelpunct zwey graue Querlinien ſtatt einer
fteben; daß der Mittelpunct viel zu nahe an die punctirte Quer—
linie geruͤckt iſt, wodurch Fein Plak für die fchattige Querlinie
(die 2te der Incanata) bleibt, von welcher nur am Innenrande
ein Anfang zu fehen iſt; die zwey grauen Schattenftreifen vor
dem Hinterrande fcheinen leicht hin gemalt zu ſeyn, wie ihre
Ungleichheit auf beiden Flügelpaaren verräth; uͤberhaupt fieht
mit das ganze Bild ohne Sorgfalt und wie nach einem durch
Feuchtigkeit verdorbenen Eremplare gemacht aus. Daß es mit
Geom. dilutaria fig. 100. nichts zu fchaffen hat, bedarf kaum
der Erwähnung.
196. (9.) Aridata.n. sp.
Alis exalbidis griseo-|pulvereis, puncto disei fusco, stri-
gis 5 griseis, tertia tenui fusco-punctata, serie lineolarum
fuscarum in eiliorum basi.
Var. b. alis dilute grisescentibus/ puncto disei alarum
anteriorum nullo.
Var. c, ut a, sed puncto disci nullo.
Diefe in der Größe und der Meinheit der Grundfarbe ver
aͤnderliche Art zeichnet ſich vor Incanata, mit der fie eine ober:
flaͤchliche Aehnlichkeit hat, und vor andern verwandten Arten
dadurch aus, daß auf der Bafis der Franzen aller
Fluͤgel, etwas getrennt von der feinen, ftaubgrauen Hinter-
tandlinie, eine vollffändige Reihe weit getrennter, ſchwarz—
brauner Strichelchen hinzieht. Hierin vereinigen ſich die
mwunderlichen Größenverfchiedenheiten; außerdem aber ſtimmt die
Grundzeihnung aller, fo fehr fie auch in der Grundfarbe ver:
ſchieden feyn mögen.
Die größten Meibchen haben 6’ Vorderfluͤgellaͤnge; das
Eleinfte Pärchen nur 34’. Vorderfluͤgel merklich fpiser als bey
Incanata, indem der Vorderrand faft gerade geht und ſich nur
an der Spike ein wenig frümmt. Der Hinterrand iſt nicht
gerader. An den Hinterflügeln ift der Hinterrand fanft gebogen,
Sfis 1847. Heft 7.
— — —
— —
514
in der Mitte, d. h. an dem letzten Aſte der Medianader, zwar
ſehr wenig, aber doch etwas hervorſtehend, waͤhrend ſich bey
Incanata gar keine Hervorragung bemerken laͤßt.
Obergeſicht dunkelbraun, unter den Fuͤhlern ganz ſchwarz.
Taſter kurz hellbraun, inwendig am hellſten. Hinterkopf ringartig
braungelb, viel heller als bey Incanata; Raum zwiſchen den
Fühlern reinweiß, was fih eine Strede an den Fühlern hinauf:
zieht. Männliche Fühler borftenförmig,, ganz ungekerbt, zart
gefranzt (bey Incanata fehr fein geferbt und fo geftanzt, daß
immer zwiſchen 2 Kerbzähnen eine Luͤcke bleibt). Fuͤhlerruͤcken
ſchmutzig gelbweiß, an der Bafis ganz weiß. Beine auf der
Kichtfeite gelbbräunlih, am dunkelſten die vordern, vorzüglich an
den Hüften. Die männlichen Hinterbeine find ſchmutzig weiß-
lich und Elein; Schenkel dünn, Schiene dider, 1 länger als
der Schenkel, an der Bafis mit einem ſtarken Schuppenhaar-
buſch, der der Länge nad) Liegt und bis an die Spiße der
Schiene reiht; Fuß dünn, von der halben Schienenlänge, gegen
die Spige verdünnt, ohne Krallen. Beym Meibchen ift bie
Hinterfchiene an der Baſis verdickt, in der Mitte etwas ge:
fhwollen, am Ende mit 2 ungleihen Dornen befest; der Fuß
5 gliedrig, länger als die Schiene, mit Krallen.
Die ganze Oberfeite ift gleich gefärbt, ſchmutzig weißlih, in
verfchiedenen Graden der Neinheit, daher bald weißlicher, bald
gelblichgrauer; uͤberall fpärlich mit braunen Stäubchen beftreut.
Alle Flügel haben einen feinen, braunen Mittelpunct, Eleiner
als bey Incanata, meift ganz deutlich. Zwiſchen ihm und der
Baſis iſt eine gelblihgraue Querlinie mit einer ſchwachen Ver:
dunfelung am VBorderrande und auf der Median» und Sub—
dorfaladerz fie kruͤmmt ſich fanft auswärts, nähert fich dem
Mittelpunet und geht dann in einem ftärfern Bogen gegen den
Vorderrand; fie ift die verlofchenite Linie, die öfters fehlt. Die
zweyte Querlinie ift breiter und fhärfer, ſchwach wellig, vom
Innenrande aus fich etwas verdünnend und in ziemlich gerader
Nihtung (gewöhnlich mit ſchwächerer Biegung in der Subdor-
falzelle, als bey Incanata) hinter dem Mittelpuncte vorbey
gehend, worauf fie von der Subcoftalader an unter einem ſtum—
pen Winkel einwarts gegen den Vorderrand zieht; fie hat Eeine
Verdunkelungen oder zahnartige Hervorragungen. Die Ste
Duerlinie ift fein, auf den Adern ſchwach punctartig verdunkelt,
zweymal fehr flach einwärts gebogen, alfo gerader als bey In-
canata. Die 2 folgenden mehr fchattengrauen Querſtreifen
haben eine ziemlich breite Linie in der Grundfarbe zwifchen fich;
diefe biegt fih unter der Mitte mehr nach außen und verdickt
ſich daruͤber und darunter etwas. Die Randlinie ift blaf ſtaub⸗
grau, fein, faſt immer zuſammenhaͤngend und wird wenig be—
merkt; ein heller, linienfoͤrmiger, ſchwachwelliger Raum trennt
fie von der Sten Querlinie. Auf den einfarbigen, hellen Fran—
zen liegt die oben erwähnte Reihe ſchwarzbrauner Strichelchen ;
es find im Ganzen 9, die 2 unterften, am Innenrandwinkel
am ſchwaͤchſten und genähertften; als Fortfegung laffen fich oft
noch 2 auf den Vorderrandfranzen entdeden.
Auf den Hinterflügeln fehlt die erſte Querlinie. Die 2te,
dieffeits des Mittelpunctes, macht öfters zwifchen diefem und
dem Innenrande einen fehr fumpfen Winkel. Die drey fol:
genden Querlinien find wie auf den Vorderflügeln, aber etwag
breiter und bläffer, namentlich die Ste, die fehr ſchwache oder
gar keine Verdunkelungen auf den Adern hat. HDinterrandlinien
und Striche auf den Franzen wie auf den Vorderflügeln; Striche
33
find nie mehr als 9 fichtbar.
ao —
Auf der Unterſeite find die Vorderfluͤgel mehr grau verdun—
£elt, als die Hinterflügel, manchmal faft grau; die Mittelpuncte
find deutlich; von den Querlinien feinen nur die 3 außern
durh. Am beften fichtbar ift die helle Wellenlinie zwifchen der
4. und 5. Querlinie, doch weniger gekruͤmmt. Die Striche auf
den Franzen find ſchwaͤcher als auf der Dberfeite. /
Var. b. ift ein vorzüglich großes und dunfeles Weibchen mit
ffaubaraugelbliher Grundfarbe. Den DVorderflügeln fehlt auf
der DOberfeite der Punct, mährend er auf der Unterfeite fehr
deutlich ift. Auf leterer ift die Grundfarbe im Mittelfelde,
auf derfelben Seite der Hinterflügel die Baſis braunftaubig.
Var. ce. ein mittelgroßeg Weibchen mit weißlicher Grundfarbe
und fehr verlofchener Zeichnung, hat nirgens Mittelpuncte, und
auf der Unterfeite find die Vorderflügel unbedeutend dunkler als
die Hinterflügel. (Am 22. July bey Meffina.)
Bon diefer Art fieng ich zwey größere Weibchen, darunter
Var. b. bey Syracus am 24. May auf den Kalthöhen beym
Gapucinerklofter; das eine ift fehr hell und verflogen. Sie ges
bören zur Frühlingsgeneration. Die Sommergeneration fieng
ih von der Mitte July an bis in den Auguft hinein, in bei—
den Gefchlechtern bey Meffina; fie flogen auf dem Caſtellaccio—
berge aus dem dürren Grafe auf und festen ſich bald wieder
in daffelbe, fo daß fie mich durch ihr Betragen an unfere einhei=
mifche Arid, straminata erinnerten. Darauf traf ich diefe Art
wieder in 2 Eremplaren bey Cifterna auf einem trocknen, wüften
Mage am 24. Auguft, und bey Rom zu Ende des Monats
auf dürren, fonnigen Plägen nahe der Stadt und in der
Gampagna. Sie ift wenigftens in der zweyten Generation
gewiß nicht felten.
Sn den Hübnerfchen und Herrich- Schäfferfchen Abbildungen
fehe ich weiter Feine Urt, die meiner Aridata fo nahe kaͤme,
daß ich fie davon zu unterfcheiden hätte.
Auch von den durch Rambur befannt gemachten, in die
Nachbarſchaft gehörigen Arten Eann ich Eeine mit ihr vereinigen.
Da der Theil der Annalen, worinn fie vorfommen, ſchwer zu
erlangen ift, fo gebe ich die Ueberfegung der Ram burfchen
Berchreibungen zum Vergleiche. Die Abbildungen babe ich nicht
zur Hand; daher bemerfe ich nur, daß fie ungenau find und
wenig zur Belehrung beytragen koͤnnen.
1) Dositheainfirmaria (tab. 2. fig. 18. Annal. II.
pag- 36.
Alis griseo -pallidis, fusco rubroque adspersis, strigis
transversis fuscis, fimbriis interne serie dupliei punetorum
nigrorum ; margine postico sinuato.
„Beynahe fo groß wie Incanaria [Incanata], aber die Fluͤ—
gel etwas fehmäler, fehr blaßftaubgrau (d’un gris res - pale)
mehr oder weniger bededt mit braunen und rothgelben (roux)
Atomen, die legtern find oft fo zahlreich, daß die Flügel davon
einen roͤthlichen (rougeätre) Anftrih erhalten. Diefe haben
einen febwärzlichen Mittelpuncet, die vordern bisweilen 1—2
andere Puncte mehr einwärts, wovon einer auf dem Vorder:
rande [Hiermit find die Ueberrefte der erften Querlinie gemeint,
welche fi) auf den Adern als Puncte zeigen]; außerdem find
fie von mehrern buchtigen, braunen, bisweilen töthlichen (rou-
geätres) Querlinien durchzogen, wovon eine, fichtbarere (une
surtout plus visible) zwiſchen dem Mittelpunct und dem Hin—
terrande ſteht. Die Branzen find von der Farbe der Flügel
und einwärts mit einee Doppelreihe Eleiner [hwarzer
Striche begrenzt. Unterfeite der Flügel, ähnlich der Dber-
feite, von einer großen Zahl brauner Atome verdunfelt, mit
516
rothgelblichem Vorderrande. — Der Raum zwifchen den Fuͤh—
lern ift weiß, die Fühler find nicht merklich gefrimmt. — Im
Juny um Ajaccio.“
Dieſe Art kommt der Aridata allerdings nahe; die beſchrie—
bene DVorderflügelgeftalt läßt fich fehr gut in ihr erfennen, und
die kleinen fhwarzen Striche auf den Franzen zeigen nod)
mehr auf Aridata hin, Allein Aridata, hat nur eine einzige
Reihe, und wenn man auch annehmen wollte, daß Nambur
unter der 2ten Neihe die Hinterrandlinie felbft gemeint babe; fo
ift dagegen zu erinnern, daß die Randlinie bey Aridata fo blaf,
fein und vollftändig ift, daß fie unmöglich als eine Neihe
fhwarzer Punete und Striche (series duplex punetorum nig-
rorum!) angefehen werden kann. Nöthliche Atome hat Ari-
data auch gar nicht, und noch viel weniger hat fie je eine
roͤthliche Beymiſchung, und ein margo posticus sinuatus geht
ihr gleichfalls ab.
2. Dosithea attenuaria (tab. 2. fie. 19. ©. 37.)
Alis elongatis griseo-rufis, puneto lineisque fuscis ob-
liquis transversariis; posticis emarginatis.
„So groß wie Filicaria [Filicata] aber mit ſchmaͤlern und
viel längern Flügeln; Hinterflügel ausgerandet, hinterwärts wie
abgeſtutzt. — Vorderflügel blafröthlichgrau (d’un gris roussä-
tre päle), an der Spige etwas lichter, mit braunem Mittel:
punct. Fünf buchtige Querlinien ziehen hindurch, wovon die
dren außerften, breitften und fichtbarften fehr an einander ge—
drängt find; an den Hinterrand aeftellt, erreichen fie nicht den
Norderrand und halten vor der Spige bey einer lichtern Parthie
plöglih an. ı Die 4te geht dur den Mittelpunct, und die Ste
zweifchen Diefem und der Baſis. Dieſe Linien find fehräg, ob—
gleih dem Hinterrande parallel, — Hinterflügel etwas brauner
als die Vorderflügel, weil die Querlinien fich erweitern und zu=
fammenfließen ; diefe find gegen den Innenrand und vorzüglich
in der Flügelmitte am ſchaͤrfſten. Die Franzen find in der
FSlügelfarbe durch braune Flecke unterbrochen. — Unterfeite
etwas dunkler als die Dberfeite, mit, deren Zeichnung. Der
Ruͤcken ift rotbgelblib (roussätre); der Hinterleib lang, mehr
oder weniger braun fehattiert, das lekte Segment vötblichgelb
(d’un jaune roussätre) unterwärts und fehr lang. Das Ueb:
tige ift grau. Palpen kurz und Auferft fein; Nüffel ziemlich
lang; Fühler wenig gekaͤmmt.“ Die Art ift nach Farbe, Fluͤ—
gelgeftalt und Franzenzeichnung mit Aridata gar nicht zu ver=
wechfeln. i
3. Acidalia elongaria pl.2. fig. 20. ©. 38.
Alis cinereo - rufescentibus atomis nigris adspersis,
strigis undatis transversis punetoque in medio nigro.
„Von der Größe der Incanaria [Incanata], der fie etwas
ähnelt; aber ihre Flügel find länger. — Diefe find weißlichgrau
(d’un gris blanchätre), ein wenig rothgelblih, am Vorderrand
und an der Baſis der vordern mehr rothgelb, mit ſchwaͤrzlichem
Mittelpunct.. Die Vorderflügel werden zwifchen diefem und dem
Hinterrande von 4, die Hinterflügel von 3 buchtigen, ziemlich
fharfen, vothgelblichbraunen (d’un brun roussätre) Querlinien
durchzogen; zwifchen dem Punct und der Bafis fiebt man noch
1—2; außerdem find die Flügel mit fehwarzen, gleichfam trupp=
weiſe geſtreuten Atomen befüt. Franzen röthlichgelb ‘(roussä-
tres) am Außenrande bräunlich, auswärts [einwärts 2] mit einer
Reihe ſchwarzer, getrennter Puncte bezeichnet.
Unten find die Flügel etwas bläffer mit einem fchmwärzlichen
Puncte, drey Querlinien von derfelben Farbe und dem Anfchein
517 !
einer vierten, die in der Nichtung des Mittelpunctes verläuft.
Der ganze Körper ift von der Farbe der Flügel. Der Naum
zwifchen den Fühlern ift meiß, lestere find nicht erheblich ges
kaͤmmt (sensiblement pectinees). Palpen fehr Eurz, glatt,
chlindriſch, Ruͤſſel kurz. — Im Septbr. in der Umgegend von
Ajaccio.“
Der rothgelbe Vorderrand der Vorderfluͤgel und die Franzen—
zeichnung trennen dieſe Art ſogleich von Aridata.
4. Acidalia obsoletaria pl.2. fig. 21. ©. 39.
Boisduval Index pag. 224. 1872.
Alis einereo-rufis, strigis sinuatis transversariis obso-
letis, puncto in medio nigro.
„Von der Größe und Geftalt (taille) der Incanaria. Die
Flügel haben ein graues Nothgelb, mehr Nothgelb am Worders
rande, in der Mitte einen fehwarzen Punct. Vor [Hinter]
dem Mittelpunct laufen 3—4 buchtige, etwas dunklere, fehr
wenig mer£lihe Querlinien ; zwifchen dem ſchwarzen Punct und
dem Körper noch 1—2, gleichfalls fehr wenig ſichtbare. Frans
zen breit, etwas bläffer als die Flügel, einwärts mit einer Neihe
ſehr getrennter, ſchwarzer Puncte,
Unterfeite der Vorderflügel rothgelblihbraun, am Vorderrand
mehr rothgelb, bezeichnet mit einem Punct und 3 braunen
Duerlinien gegen den Hinterrand. Hinterfluͤgel rothgelblich mit
einem ſchwarzen Punct und zwey bräunlichen Duerlinien.
Ale 4 Flügel find mit einer -rothgelbbraunen Stiderey (li-
sere) gefäumt, und die rothgelblichen Franzen haben einwärts
eine Neibe Eleiner, [hmärzlicher, fehr getrennter Puncte. Der
ganze Körper ift wie die Flügel gefärbt; der obere Theil des
Kopfes ift lebhaft weiß, und die nicht merflich (sensiblement)
gefämmten Fühler find rothgelblich. Palpen kurz, cylindriſch,
glatt. Ruͤſſel kurz. — Im July um Aſjaccio.“
Auch dieſe Art kann wegen des rothgelben Vorderrandes und
der Franzenzeichnung nicht Aridata ſeyn. Die Ungenauigkeit
in der Beſchreibung der Zeichnungen dieſer 4 Spanner wird,
wie ich befuͤrchte, dem Wiedererkennen der Arten weſentliche
Hinterniſſe in den Weg legen.
197. (10.) Cireuitaria Lubn.
Alis pallidis, fascia nebulosa media limboque latissi-
mo strigam pallidam macularem continente lufeis, striga
filiformi interjecta fusca, anteriorum area basali lutea
fusco - terminata.
Geom. eircuitaria Hübner fig. 499. fem.
Emmiltis eireuitaria Hübner Cat. pag. 309. 2975. 1
Acidalia cireuitaria Doisduval Index pag. 223. 1856.
Dosithea eireuitaria Duponchel ‚Catal. pag. 273.
Diefes huͤbſche Spannerchen, das nah Herrich-Schaͤffers
Anſicht (Panzers Fauna Heft 165. ©. 35.) mit Pusillaria
eine eigne Gattung bildet, gehört zue Verwandtſchaft der Acid.
osseata und macht fich leicht kenntlich, durch das dunkellehm—
gelbe Wurzelfeld der Worderflügel, welches durch .eine dünne
braune Linie auswärts fcharf abgegrenzt wird. Hübners Ab:
bildung läßt die Art gut erfennen,
Größe der Eleinern und Eleinften Eremplare der Ac. osseata,
Vorderflügel fpiker mit etwas geraderem Vorderrande. Grunde
farbe des Körpers und der Flügel ein fahles, blaffes Gelb;
Untergeficht fehr wenig dunkler. Zafter Elein, dünn, nicht Über
das Geficht hervorragend. Fühler weißlichgelb, beym Männchen
fehe ſchwach geferbt und merklich gefranzt, beym Weibchen nur
518
ſehr ſchwach fägezähnig. Vorder: und Mittelbeine des Maͤnn—
chens lang und dünn, die Hinterbeine fehr kurz. Schenkel
fadenförmig, unten etwas haarig; Schiene länger, in der Mitte
gefhwollen, an der Bafis am dünnften, an der Spige ohne
Dornen; Fuß etwas über halb fo lang wie die Schiene, faden—
förmig, ohne Krallen, das erfte Fußglied länger als die übrigen
zufammen. Beym Meibchen ift der Hinterfuß länger, und die
Schiene, welche dünner als der Schenkel und etwas gekrümmt
ift, hat am Ende zwei) Eleine Dornen, Hinterleib beym Weib:
den lang.
Die Borderflügel haben ein dunkel lehmfarbenes MWurzelfeld,
das durch eine braune, nad aufen convere Linie begrenzt wird
und am Innenrande ſchmaͤler ift als am Vorderrande. Durch
die Flügelmitte zieht eine Iehmgelbe Schattenbinde, die ein wenig -
gekruͤmmt und einwärts dunkler als aufwärts iſt; von der fols
genden fchwachwelligen, braunen Querlinie fteht fie nur duch
eine inie der Grundfarbe getrennt ab, vom MWurzelfelde aber
durch einen bindenförmigen, in der Mitte verengten Raum.
Hinter der braunen Querlinie ift der ganze, gegen den Innen—⸗
rand verengte Naum bis zu dem Hinterrande Iehmgelb, und
darinn zieht nahe am Hinterrande eine in ungleich große
Flecken aufgelöfte Querliniez bey etwas verflogenen Eremplaren
und beym Weibchen iit fie unaufgelöft und gegen den Innen—
winfel und über der Mitte verdidt. Die Franzen werden von
einer, beym Männchen ſehr dunkeln, bräunlichen Mittellinie
durchzogen,
Auf den helleren Hinterflügeln fehlt das MWurzelfeld; durch
die Mitte geht ein ziemlich gerader, braunficher, bindenartiger
Schatten. Ein Mittelpunct ‚fehlt hier wie auf den Vorderfluͤ—
gen. Die braune Duerlinie ift fo deutlich wie auf den Vor:
derflügeln, mehr gebogen ; das dahinter folgende Feld ift eben fo
befchaffen, nur bläffer, desgleichen die Franzen.
Auf der Unterfeite find die Vorderflügel grau überzogen, am
Vorderrande heller, in dem Innenrandfelde weißlichgelb. Die
Schattenbinde in der Mitte, die darauf folgende Querlinie und
die helfe Querlinie vor dem Hinterrande find auf beiden Flüs
geln Iebhafter und fichtbarer als auf der Dberfeite; die Franzen:
linie ift faft eben fo deutlich.
Das Weibchen hat fpisere WVorderflügel und ift auf der Un:
terfeite ſchwaͤcher gezeichnet, al8 das Männchen.
Von diefer Art habe ih nur 3 Männchen gefangen. "Das
erfte, größte und fehr fhön erhaltene, bey Syracus am 3. Suny
in der Gegend des Capucinerklofters auf einem fteinigen, ſehr
dürten, faum mit einigen vertrodineten Gräfern bedeckten Brach—
felde. Die beiden andern fieng ich füdlih von Nom in der
Gampagna am 28. Aug. in der Gefellfchaft der Acid. pyg-
maecaria, gleihfals in einer fehr trodnen Localität. (Das
Meibhen ift aus dee Mesnerihen Sammlung). Bois:
duval und Duponchel fennen als Flugzeit den Juny im
füdlichen Srankreih. Daß eine doppelte Generation ftatt finde,
möchte ich aus meinen wenigen Beobachtungen nicht folgern.
198. (11.) Fractilineata n. sp.
Alis rubellis, puncto medio fusco, strigis obseurioribns,
striga alarum posteriorum subemarginatarum media antice
acutangula; capite superne rubello (mas).
Zwey Männchen in der Größe einer mittlern Osseata mi
fpigern Vorderflügeln; vorzüglich Eenntlib macht fie die braun
liche Querlinie auf den Hinterflügeln hinter dem Mittelpunct
welche vor dem Vorderrande einen ſehr ſchwachen, ausfpringen
519 . — ———
den, ſpitzen Winkel bildet, und dann unter einem fehr ftumpfen
einfpringenden in den Rand übergeht, — Herrich-Schaͤffers
Rutillaria hat zwar auch gewöhnlich hier einen ſcharfen Winkel,
aber ev. ift nicht fpis, fondern fehe ftumpf, und außerdem if
der Raum zwifchen den Fühlen ſchneeweiß. Letzteres giebt auch)
den ficherften Unterfchied von den Namburfchen Acid. obso-
letaria und elongaria.
Won meinen zwey Erempfaren fieng ich das eine am 26.
Juny oberhalb Catania bey Vieranni auf einer begraften Stelle
zwifchen Lava; das zweyte am 30. Suny in der untern Wald⸗
region am Aetna.
Grundfarbe ein ſchmutziges, ſehr verloſchenes Fahlroth. Ober⸗
geſicht gelbbraͤunlich. Taſter hell, ſehr kurz, duͤnn. Ruͤſſel
von mittler Laͤnge. Fuͤhler mit fahlgelblichem Ruͤcken, einfach
borftenförmig, ziemlich merklich gefranzt. Vorder- und Mittels
beine von anfehnlicher Fänge, auf der Vorderfeite hellbräunlich.
Hinterbeine fehr kurz weiflichgelb. Schenkel fadenförmig, Schiene
ebenfo lang, dider, zufammengedrüdt, gegen die Spitze durch
Schuppenhaare verdidt, ohne Enddornen; Fuß von 3 Schie⸗
nenlaͤnge, wie es ſcheint, zweygliedrig, ohne Krallen. Fluͤgel
in der Grundfarbe ziemlich gleich, heller als der Koͤrper. Die
Vorderfluͤgel find an der Baſis etwas verdunkelt; eine braͤun⸗—
liche, dünne Querlinie zieht wellig mit dem Hinterrande parallel,
kruͤmmt ſich obermwärtd gegen innen und endigt mit einem vers
tofehenen, dunklen Fleckchen. Die Mittelpuncte find braun,
ſehr deutlich, auf dem Vorderflügel größer. Ein Schattenftreif
geht vom Innenrand der Hinterflügel diffeits des Mittelpunctes
ziemlich gerade vorbey, auf den Vorderfluͤgel hinüber und auf
den Mittelpunct zu, an welchem er verfchtwindet. Die folgende
dünne, bräunliche Querlinie geht auf den Hinterflügeln wenig
gebogen, aber fehr divergierend gegen den Schattenftreif, und
macht am Vorderrande den oben befchriebenen fcharfen Winkel;
auf den Vorderflügeln ift fie etwas bogig mit Verdunklungen
auf den Adern, die bey einem Exemplar auswärts ftumpfe
Zähnchen bilden. Der darauf folgende Schattenftreif ift breit,
einmwärts auf den WVorderflügeln durch einen fchmalen, auf ben
Hinterflügeln durch einen breiten, Linienförmigen Zwifchenraum
der Grundfarbe von der Querlinie getrennt, und auswärts von
einer fehärferen, hellen Wellenlinie begrenzt; dieſe hat auf den
Vorderfluͤgeln in der Gegend des Innenwinkels und über der
Mitte eine Verdickung, auf den Hinterflügeln in dev Mitte eine
Biegung und vor der Spise faft eine gegen Außen gerichtete
Ede. Zwiſchen ihe und dem Hinterrande ift der Grund ſtrei—
fenartig verdunkelt. Der Hinterrand der Hinterflügel hat in
der Gegend der Hülfsader eine merkliche Ausbuchtung. Die
lichten Franzen haben nahe am NHinterrande eine Neihe von
7— 3 verlofehenen, braunen, ftrichartigen Puncten.
Auf der Unterfeite ift die Grundfarbe durch Grau verbunfelt;
die erfte Querlinie der Worderflügel fehlt; der Schattenftreif der
Mitte ift auf den Vorderfluͤgeln vollftändiger und fo wie bie
darauf Eommende Querlinie dunkler und breiter als auf ber
Oberſeite; die zwey Schattenftreifen vor dem Hinterrande find
aber fo wie die Franzenpuncte verlofchener.
199. (12.) Rufillaria Herr. - Schff.
Herrih - Schäffer Syftem. Bearb. Geometr. tab. 14.
fig. 84. 85.
Alis rubellis, punctulo medio fusco, strigis obscuriori-
bus, striga alarum posteriorum media antice obtusangula,
eapillis inter antennas niveis.
520
Diefe Art unterfcheidet fih von der vorigen durch die fchon
bey legterer angegebenen Merkmale, ferner durch den Mangel
der Ausbuchtung an den Hinterflügeln, die Feinheit ber volls
ſtaͤndigen Querlinie hinter dev Mitte, das fchwarzbraune Ober:
geficht, die ftaubige Grundfarbe und die fürzer gefranzten Fühs
ler des Maͤnnchens. — Die Unterfchiede von Rambur’s
Acid. Elongaria und Obsoletaria mögen vielleicht beffer aus
den Abbildungen beftimmt werden.
Herrich-Schaͤffer's Art ift ohne Zweifel diefelbe, Die mir
Fiſcher von Röslerftamm als Rufularia Tr. in lit. mit=
theilte. Die Abbildung zeigt die Worderflügel nicht ſpitz und
die dunfelfte Querlinie (jene nehmlich, welche auf den Hinter:
flügeln die characteriftifche Ede hat) nicht fein genug und auf
der Franzenwurzel gar nichts von fchwärzlichen Puncten und
den Raum zwifchen den Fühlern wie den Ruͤcken gefärbt.
Größe meiner 6 Exemplare wie die Eleinfte Acid. osseata;
Tlügelgeftalt fpiger mit geraderem Vorderrande. Grundfarbe
ein fehr blaffes, ftaubiges Hellroth. Kopf am Untergefiht tief
gelbbraun, Hinterfopfring heller gelbbraun; ein breiter Raum
zwifchen den Fühlern rein weiß, was fich am Fuͤhlerruͤcken etwas
binaufzieht; Fühler gelblihweiß mit kaum zu unterfcheidenden
Sliedern, beym Männchen fehr zart gefranzt. Taſter heil, fehr
dünn und Elein. Vorder- und Mittelbeine ziemlich lang, auf
der DVorderfeite fchwach gebräunt; Hinterbeine beym Männchen
fehr Elein, weißlih. Schenkel fadenformig, Schiene dicker und
länger, zufammengedrüdt, durch Hanrfchuppen gegen die Spike
verdickt, wo fie darüber hinausftehen, Fuß von wenig mebr als
4 Schienenlänge, dornenförmig zugefpist, ohne Krallen. Beym
Weibchen find die Hinterfchienen anfehnlich länger; die Schiene
länger als der Schenkel, in der Mitte gefchwollen, ohne Haar:
fhuppen, an der Spige mit zwey ziemlich gleichlangen, dünnen
Stacheln; Fuß faft fo lang wie die Schiene, mit zwey deut—
lihen Krallen; erſtes Glied faft fo lang wie die andern 4 zu—
fammengenommen.
Vorderflügel an der Baſis ein wenig dunkler; dem feinen,
braunen Mittelpünctchen näber als der Bafis geht eine dünne,
fehe verloichene, wellige Querlinie. Hinter dem Mittelpunct
gebt ein breiterer, mehr neblichter Querftreif in einigen ſchwachen
Biegungen, ber fih am Vorderrande einwärts biegt und ver—
lifcht; bisweilen it er Faum zu bemerken. Die folgende Quer:
linie ift die feinfte und dunfelfte; fie macht auf den Adern fehr
fhwahe Eden, ift etwas bogig und geht vor dem Vorderrande
unter einem ftumpfen Winfel einwärts, Hierauf kommen zwey
fhattige, mit einander parallele Querftreifen; ihr Zwiſchenraum
ift eine in Flecke zerfchnittene, nicht feharf gerandete Linie, die
den Vorderrand nicht erreicht. Die Nandlinie -ift ganz verlo=
ſchen, und die hellen Franzen haben an ihrer Baſis eine durch
die Loupe gut erkennbare Neihe braunfchwarzer Pünctchen.
Auf den Hinterflügeln fehlt die erfte Querlinie; der Schat—
tenftreif vor- dem fehr deutlichen Mittelpünctchen ift etwas bogig
und meift deutlicher ald der entfprechende auf den Vorderflügeln ;
einem Männchen fehlt er. Weiter vom Mittelpunct entfernt
fommt die feine Querlinie, die etwas wellig geht, vor ihrer
Hälfte einen ftärkern Bogen auswärts macht und vor dem Vor—
derrande einen ausfpringenden, ſehr ftumpfen Winkel bildet,
binter welchem fie in ziemlich gerader Nichtung den Vorderrand
erreicht. Die beiden darauf folgenden Schattenftreifen find
etwas breiter- als auf den Vorderflügeln und folgen den Kruͤm—
mungen der durch einen fehmalen Zwifchenraum getrennten, cha=
racteriftifchen Querlinie. Franzen wie bey den Vorderflügeln,
521
Auf der Unterfeite find die Vorberflügel grau überzogen, am
Vorderrande gelblich, die Hinterflügel ganz heil; auf den legtern
ift das Mittelpünctchen deutlich, auf den erftern nicht. Die 2
Querlinien binter ihm find fehr ſchwach fichtbar; bey einem
Weibchen ift aber auf den Hinterflügeln auch der Schattenftreif
davor deutlich und ſcharf. Die 2 Randftreifen find kaum be—
mer£bar. Die NRandlinie ift kaum als eine Reihe Eleiner, dunk—
lee Striche zu erkennen; viel undeutlicher und faft nur bey ganz
unverfehtten Exemplaren bemerfbar find die Sranzenpuncte-
Sch fing 2 Männchen, 1 Weibchen am 25. und 26. July
auf dem Gaftellaccio bey Meffina im duͤrren Grafe.
200. (13.) Pinguedinata n. sp.
Alis nitidulis, albidis, obsolete griseo -strigosis, costa
ipsa flavida, ‚punetulo medio serieque punctulorum eiliari
fuscis; epistomio brunneo-fusco, vertice niveo; tibiis posti-
eis maris penicillatis, feminae bicalcaratis.
Don diefem fehr zarten Spannerchen habe ich nur ein fchö:
nes Pärchen gefangen: das Männchen am 25. Suly auf dem
Gaftellaccio bey Meffina an gleicher Stelle mit Rufillaria, das
Meibhen am 24. Aug. bey Gifterne zugleich mit Aridata.
Am beten ſchien Pinguedinata bey Str minata zu ftehen;
allein diefe hat an der Hinterſchiene im männlichen Gefchlecht
einen Pinfel. Mit Ausnahme der Größe fheint fie auch zu
Sylvestrata und Remutata zu paffen; diefe haben den Pinfel,
aber im weiblichen Gefhleht an der Hinterfchiene 4 Stacheln.
Größe der Acid. Osseata, Flügelgeftalt diefelbe, nur die
Hinterflügel etwas breiter und fürzer. Grundfarbe weißlich,
faft wie bey Exanthemaria, mit etwas ſchwaͤcherem Glanz als
Candidata. Dbergefiht dunfelbraun, oben ſchwarz; Raum
zwifchen den Fuͤhlern fchneeweiß, Nackenring bräunlichgelb, welche
Sarbe nur bläffer, auch die Vorderfeite der Randrippe der Vor—
derflügel hat. Taſter bräunlichgelb, dünn, kurz, ſpitz, ein wenig
hervorſtehend. Fuͤhler an der Bafis weiß, höher hinauf weiß:
fih, einwärts durch Beſchuppung gezähnt in beiden Gefchleche
tern; wodurch fie beh oberflächlicher Betrahtung dunkler gerin=
gelt ausfehen; beym Männchen find fie deutlich gefranzt; beym
Meibchen microfcopifch pubescirend. Beine ſchmutzig gelblid),
die 4 vordern ziemlich lang und auf der Vorderſeite gebräunt.
Hinterbeine beym Maͤnnchen fehr klein, weißtih. Schenkel
fadenförmig; Schiene länger, zufammengedrüdt, allmählich er
weitere, auf der Innenfeite an der Bafig mit einem fehr blaß—
gelben, der Länge nach liegenden Haarpinfel von der Länge der
Schiene; Fuß fadenformig, von 1 Schienenlänge, ohne Krallen,
wie es fcheint zweygliedrig. Beym Weibchen find die Hinter:
beine anfehnlich länger ; die etwas gefchmwollene Schiene mit zwey
Endftaheln; der Fuß 5gliedrig mit Krallen.
Die Vorderflügel haben 5 ſtaubgraue, wellige Querlinien;
die erfte vor dem deutlichen Mittelpünctchen ift verlofchen und
hört vor dem WVorderrande auf. Die zweyte ift deutlicher und
ſchwach bogig. Die dritte ift die feinfte und ſchwach wellig,
gegen den Vorderrand etwas einwaͤrts gerichtet. Die vierte ift
breit und verlofchen, von der Iten mie von der Sten durch einen
ftreifenförmigen Zwiſchenraum der Grundfarbe getrennt, Die
fünfte geht unmittelbar vor. dem Hinterrande ber. Die weiß⸗
lihen Franzen haben an) der Baſis eine Reihe fehr feiner, braus
ner Pünctchen.
Auf dem Hinterflirgeln fehlt die erſte Querliniez die vor dem
Mittelpünctchen macht in ihrer Hälfte eine ſehr ſchwache Ede;
die dritte steht weiter vom Mittelpunct ab als die zweyte, iſt
Iſis 1847. Heft 7.
522
weniger deutlich al3 die entfprechende der Worderflügel und macht
in der Mitte und vor dem Vorderrande eine fehr ſchwache Ede.
Die 2 folgenden Schattenftreifen find durch eine breitere wellige
Linie der Grundfarbe getrennt, und die fünfte fteht ein wenig
weiter ab vom Hinterrande als auf den Vorderflügeln. Die
Franzenpuͤnctchen wie dort. Hinterrand fanft gerundet chne
Ecke oder Ausbuchtung.
Auf der Unterfeite haben die Worderflügel einen gelblichen
Torderrand mit dunfelgrauem Wifh von der Baſis aus; die
Mitte ift durch Grau ein menig verfinftert. Die Querlinien
hinter dem Mittelpunct fcheinen matt dur, am ſchwaͤchſten auf
den meißlichen Hinterflügeln. Der Hinterrand ift durch eine
blaſſe, bräunliche, in den Adern unterbrochne Linie bezeichnet,
movon auf der Oberfeite nichts bemerkt wird. Auf den Fran—
zen laffen ſich kaum Spuren der Punctreihe entdeden. Die
Mittelpuncte alle find großer und deutlicher als auf der Oberſeite.
Fortfeßung folgt.)
Ueber
die Knochen von Felis, Hyaena et Canis
aus den Diluvialgebilden des Severfenberges bey Duedlinburg.
Felis.
Meberrefte von Thieren aus dem Kaßengefchlechte find in den
Knochenablagerungen des Sevedenberges im Verhaltniß zu denen
anderer Raubthiere fehr felten und erft neuerdings babe ich mid)
von dem Vorkommen derſelben völlig Überzeugt.. Einen früher
entdeckten Mittelhandknochen konnte ich nicht mit Zuverlaͤſſig—
£eit beftimmen und ließ ihn daher als zweifelhaft bey ber Hyäne
ftehen *). Der verftorbene Inſpector Krüger befaß in feiner
Sammlımg den oberen Theil eines Femur, den ich freylich nicht
gefehen habe, um die Nichtigkeit dev Beſtimmung zu beuttheilen.
Die legten Ausgrabungen haben nun zwar unzweife! hafte Reſte
aus diefer Gattung geliefert, allein e8 bleibt mir immer noch
ſehr merfiwürdig, daß bey der großen Anzahl von Hpänens und
Wolfsknochen nicht zahlteichere Fragmente von Felis fich ge:
funden haben, während doch bey Egeln, wo die Knochenab—
fagerung der unftigen ganz analog ift, zahlreichere und beſſer
erhaltene Ueberrefte gefunden werden.
Die vorliegenden Ertremitätenfnochen gehören nur der ein=
zigen Art
F. spelaea.
Waͤhrend die bisher gefundenen und an verfchiedenen Orten
befchriebenen Zähne und Schädel als mit dem lebenden Löwen
ähnlich bezeichnet werden, finde ich die Ertremitätenfnochen dem
Tiger viel näher ftehend. Auh im Schädel maht Owen auf
den wichtigen Unterfchied zwifchen Löwe und Tiger in der ver-
hältnigmaßigen Länge der Nafenbeine und Oberkiefer aufmerkfam
und eine Prüfung dieſes Characters bey der foflilen Art würde
erft die Verwandtfchaft derfelben mit einer der lebenden zuver=
laͤſſig herausftellen. Die mir befannten Abbildungen, geftatten
letder diefe Unterfuhung nicht, ebenfv liegen noch gar feine
brauchbaren Befchreibungen anderer Sfelettheile vor, welche ich
zur Vergleihung mit den meinigen benußgen £önnte. Es ift
daher ſehr wuͤnſchenswerth, daß die Beſitzer foffiler Weberrefte
* Vergl. Iſis 1845. 199,
382
523
von Felis spelaea diefelben einer abermaligen Vergleihung mit
den Sfeleten von Loͤwe und Ziger unterwerfen, damit das
natürliche Verhaͤltniß diefer drey Arten erkannt werde.
Oberarm. Wiewohl das vorliegende Fragment ziemlich
unvollftändig ift, fo zeigt es dennoch die generellen Charactere
ganz deutlich und ed würde nur die Wahl der Art für daſſelbe
übrig bleiben. Indeß auch dieſe ift nicht fchmierig, da ung
die Größe fogleih auf das Skelet des Löwen und Tigers ver—
weiſt.
Tiger, von dem ich das maͤnnliche Skelet vor mir habe,
hat einen ſchlanken aber kraͤftigen Oberarm. Die Leiſte an der
aͤußern Seite, welche dem Anconaeus externus zur Anheftung
dient, beginnt im untern Drittel des Knochens deutlicher her—
vorzutreten, iſt ziemlich ſcharf, und ein Wenig nach vorn ſich
wendend erweitert ſie ſich zur breiten Anheftungsflaͤche fuͤr den
Dreher des Vorderarmes, welche hier rhombiſch, etwas vertieft
und mit ſcharfen Raͤndern umgeben iſt. Der knoͤcherne Bogen
an der Innenſeite, durch welchen der Nervus medianus und
die Artéria brachialis vor ihrer Theilung laͤuft, bildet einen
von hinten und oben nach vorn und unten mit ſehr geringer
Neigung gerichteten Canal und iſt breit und duͤnn. Der Canal
ſelbſt hat einen ziemlich lang-ovalen Durchſchnitt. Die drey—
eckige Grube fuͤr das Olecranon faͤllt von oben und von den
Seiten ſogleich ſtark ein und in eben dem Grade ploͤtzlich ſenkt
ſich der untre Theil dieſer Grube fuͤr den Gelenktheil des Cu—
bitus ein.
Bey dem foſſilen Fragmente tritt die Leiſte ſchon etwas fruͤ—
her hervor, hebt ſich hoͤher und gewährt dadurch dem Brachia-
lis internus eine groͤßere Ausdehnung auf der hintern Flaͤche,
in deren Mitte ſich eine ſanfte unregelmaͤßig begrenzte, gewiß
bedeutungsloſe Einſenkung findet, waͤhrend ſie beym Tiger ganz
glatt und etwas conver iſt. Die Erweiterung der Leiſte für
den Supinator brevis beginnt früher, zeigt nur vorn einen er—
habenen fcharfen Rand, neben welhem fie am tiefiten iſt, und
rundet ſich hinten gleihhmaßig ab. Sie’ ift übrigens nicht ges
ſtreckt rhomboidal, fondern ihre ftumpfen Winkel find gebogen,
verwifcht. Die Grube für das Dlecranon fällt an der Innen—
feite bey Weitem nicht fo fteil ein, ift weniger tief und im uns
tern Theile vertieft fie fih auch nur allmaͤhlich und ſchwach.
Das Gefäßloch an der Innenſeite iſt relativ Eürzer, breiter oval,
der fnöcherne Bogen ſchwaͤcher und hinten fcharf. Die Fläche
vorn unter dem Ganale ift breiter.
Vergleichen wir mit beiden den Oberarm des Löwen, fo un:
terfcheidet fich derfelbe ſogleich durch feine Kürze und geringere
Stärke. Ben ihm erhebt fich die aͤußere Keifte fpäter aber da=
für ploͤtzlich ftärker, fo daß das Mittelftüd des Oberarms ab:
gerundet erfcheint, während doch ben dem foffilen und dem des
Tigers eine ſchwache aber deutlich fichtbare Kante noch Über die
Mitte hinaus läuft. Die ermeiterte Anheftungsfläche ift läng=
lich ſchmal, Eurz, eigentlich eine Vertiefung mit fcharfen Raͤn—
dern. Die Grube für den Ellenbogenfortfag füllt überall fanft
ein, ebenfo ihr untrer Theil. Die Fläche über dieſer Grube
ift ſchmal und gleihmäfig fanft eingefenft. Der innenfeitige
Ganal gleicht im Durchſchnitt dem des Foſſils, aber fein knoͤ—
cherner Bogen ift dider, an der Außenfläche ſtark conver und
am bintern und vordern Mande abgerundet. Im Scheitel der
Diecranonsgrube liegt ein einziges Ernaͤhrungsloch, bey dem
nm und dem bes Tigers zaͤhlt man deren drey in der
Mitte,
Andere Theile, die vielleicht genügendere Charactere gewähren
524
Eönnten, find an dem Koffil nicht erhalten und mit Ueberein—
ffimmung der folgenden Fragmente glauben wir eine größere
Aehnlichkeit des Foffiles mit dem Tiger als mit dem Loͤwen
erkannt zu haben und fügen nur noch folgende Größenverhält-
niffe an:
Löwe
Tiger Männt. Weibl. Foffiler.
Größte Ränge des Oberarm: 0,380 0,261 0,2755 —
Höhe der Dlecranongrube 0,033 0,025 0,030 0,036
Mitt. Breite d. Anheftungsfläche 0,015 0,010 0,006 0,010
Länge der außern Leifte 0,090 0,070 0,078 0,102
Höhe des innern Ganales 0,020 0,017 0,016 0,018
Breite deffelben 0,007 0,009 0,017 0,018
Breite des Enöchernen Bogens.0,014 0,009 0,010 0,013.
Metacarpus. Wir befisen ein Eremplar vom Mittelfin-
ger der linken Hand, von welchem ſich das entfprechende des
Löwen durch geringere Größe, durch einen kuͤrzern und relativ
breiten Körper unterfcheidet. Es übertrifft aber auch den des
Tigers noch an Größe, bey welchem zugleich der feitliche Fort—
faß am obern Gelenf£opfe gemölbter und breiter ift. Der Kör-
per bes foffilen hat eine obere flache, nur wenig convere Fläche,
während er beym Ziger abgerundet ift. Die Grube des Kapfel-
bandes am untern Gelenkkopfe ift bey dem foffilen am meiteften
und tiefften, der Gelenkkopf felbft aber nur wenig gewölbt und
fehe breit mit ſtark hervortretender Mittelleifte.
Dimenfionen: Löwe
Tiger Maͤnnl. Weibl. Foffil
0,105 0,090 0,098 0,112
Breite am oberen Gelenffopfe 0,019 0,023 0,018 0,023
Breite über dem unt. Gelenff. 0,023 0,022 0,019 0,028.
Phalanx und zwar die erfte vom Zeigefinger der linfen
Hand. Sie übertrifft die des Tigers nur wenig an Länge,
defto mehr aber an Stärke. Außerdem verdünnt fich dieſelbe
beym Tiger fchneller, hat eine tiefere Gelenfgrube für den Mes
tacarpus. ie erreicht beym männlichen Löwen an Länge 0,034,
beym weiblihen 0,037, beym Ziger 0,040 und. Foffil 0,042.
Metatarfus der zwenten längften Zehe vom rechten Hin:
terfuße. Während der Körper des Mittelhandfnochens breit ges
drüdt war, ift diefer mehr abgerundet ald beym Tiger Die
obere Gelenffläche hat einen deutlich vorragenden Nand und die
Kapfelbandgrube vor dem Capitulum ift wiederum fehr breit
und tief. Der untere Theil des Knochens ift überhaupt fehr
ſtark und die Mittelleifte am Gelenkkopfe höher als beym Ziger
und Löwen. Die Größe weidht von dem bey Cuvier abgebils
deten Eremplare ab.
Länge
Tiger. Löwe männl. weibl.
Länge 0,122
Breite am obern Gelenk 0,023 0,025 0,019 0,030
„ am untern Gelent 0,022 0,024 0,020 0,029
Die Shwanzmirbel des Tigers find etwas fchlanfer als
die des Löwen, daher der vorliegende foffile Wirbel, welcher
fürzer und plumper ift, auch dem dreyzehnten bey Felis Leo
mehr gleicht ald dem des Zigers, wo er 0,050, bey Leo fem.
0,042, bey Leo mas 0,043, im Foffil 0,042 mißt.
2. Hyaena Storr.
Von der Hyäne fanden fich fo zahlreiche Ueberrefte, daß ſchon
früher diefelben monographifch bearbeitet werden Eonnten. Auf
foffiler
0,098 0,115 0,131
525
der ganzen Sübfeite der Steinbrüche entlang, wo die Knochen—
lager big jest unterfucht wurden, fanden fih Hyaͤnenknochen in
größerer oder geringerer Zahl und von Individuen verfchiedenen
Alters. Wiewohl nun Hyänenrefte ſchon vielfach befchrieben und
felbft die unferes Knochenlagers einer fpecielferen Unterſuchung
unterworfen worden find; fo glaube ich dennoch nicht Ueberflüffiz
ges zu thun, wenn ich hier abermals eine forgfältige Unter:
fuhung von zahlreichen SHpänenreften befannt mache, um fo
weniger, da die vollftändigfte Monographie, welche uns Blain—
ville in feiner Dfteographie über die Hyaͤne geliefert hat, nicht
fo bedeutendes: Material enthält, als mir zu Gebote fteht.
Hyaena spelaea Goldf.
Die neuerdings entdedten Schädel =, Kieferfragmente und
Zähne bieten. feine befonders bemerfenswerthen Eigenthuͤmlich—
Eeiten dar und ich gehe daher fogleich zu den einzelnen Scelet—
theilen Über.
a. Wirbelfäule
1) Atlas. Den erften Halswirbel der Carnivoren erkennt
man fogleih an den flügelförmig erweiterten Querfortfägen,
welche den Eräftigen Eopfbewegenden Muskeln eine fichere An:
beftungsfläche darbieten, und durch die Zahl und Lage der ihn
durchbohrenden Ganäle. Durdy die Anordnung diefer Canaͤle
allein kann man die Gattungen der Raubthiere felbft mieder
unterfcheiden. Es find deren vier auf jeder Seite des Ruͤcken—
marfscanals vorhanden, von denen der eine dem Flügel am
Grunde neben den Gelenkflaͤchen für den Epiftropheus durch—
bohrt und der art. carotis cerebralis zum Durchgange dient.
Diefer mündet in der Mitte der untern Flügelfläche in der
Grube, in welcher zugleih der Canal des erften Halsnerven—
paares ausgeht. So liegen beide Ganäle beh der Hyäne. Beym
Wolf dringt der Canal für die Garotis auf der obern Flügel
flähe durch und muͤndet fchräg nach vorn laufend in der Mitte
der unteren Flügelgrube, ift alfo fürzer und oval im Durch—
fchnitte, während er ben der Hyäne einen freisrunden Durch=
fehnitt hat. Felis und Ursus weichen in Lage und Form
diefes Ganales von Hyaena nicht ab. Im vordern Theile aber
haben Canis und Felis nur einen den Bogen durchbohrenden
und im Marfcanale neben der vorderen Gelenfflähe ausgehen—
den Canal und ift zwar derfelbe ben Canis abgerundet drenfeitig,
bey Felis länglihoval im Durchſchnitt. Bey der Hyaͤne ift
biefer Canal fehr weit und außerdem noch wie auch bey Ursus
526
ein den Flügelgrund durchbohrendes rundes Koch, welches bey
Ursus E£lein, dem vorderen Flügelrande näher gerüdt, zuweilen
nur als ein tiefer Ausfchnitt im Flügelrande (fo bey U. ame-
ricanus, mo er fich aber von dem entfprechenden Ausfchnitte
bey Felis und Canis durch feine bedeutende Tiefe unterfcheis
det). Am Ausgange des Ganales der MWirbelarterie finde ich
nun ben Hyaena erocuta noch eine £leine in den Marfcanal
mündende Perforation, welche der H. striata, Ursus, Felis,
Canis fehlt und bey der gefleckten Hyaͤne felbft auf der linfen
Seite weit enger als auf der rechten ift.
Hyaena erocuta und H. striata unterfcheiden ſich nur dar—
inn von einander, daß die Grube auf der obern Fläche, in wel:
cher die beiden vordern Ganäle gemeinfchaftlic münden, bey er:
fierer einen größern Umfang hat und auch der in den Mark:
canal mündende Gang auffallend weiter if. Der Ausfchnitt
am vordern Rande des Bogens zwifhen den Hinterhauptsges
len£flähen bildet bey der geftreiften Hyaͤne einen einfachen regel:
mäßigen Bogen, ben der gefledten aber ift er geradlinig, winklig.
Der gegenüberftehende Ausfchnitt am vordern Rande des Mir:
bel&örperg erfcheint bey H. striata eng und tief, bey H. cro-
cuta weit und flah. Auf der Unterfeite des Körpers erhebt
fih bey Iegtrer Art eine deutlihe am SHinterrande fogar noch
vorfpringende Mittelleifte, welche der Sehne des langen Beuge-
muskels des Halfes zur Anheftung dient. Ben der geftreiften
Hyaͤne dagegen ift diefe Leifte nur ſchwach entwidelt. Endlich
ift bey diefer der Körper und Bogen im Verhältnig zum Flügel
weit größer als bey H. crocuta.
Die foffilen Cremplare find vor Allem etwas ftärfer und
Eräftiger als bey den lebenden Hyaͤnen und gleichen in der Bil-
dung der obern Flügelgrube der geflediten Hyäne. Der Aus-
ſchnitt im vordern DBogenrande wird durch die flärfere An—
fhmwellung über demfelben zwar etwas abgerundet, indeß ftellt
er doch nie einen deutlichen Bogen, wie bey H. striata dar.
Die Flügelränder find überall zerbrochen, feheinen aber dennoch
die der H. erocuta an Ausdehnung übertroffen zu haben. Auch
der vordere Ausfhnitt im MWirbelkörper gleicht durch feine Tiefe
und Enge dem der geftreiften mehr als der gefledten Hyaͤne,
der er aber im Umriß gleich bleibt. Die untre Mittelleifte ift
deutlich entwidelt und ihrer ganzen Länge nach höher als bey
den lebenden Arten. Der vordere Flügelausfchnitt gleicht durch
feine Ziefe dem der H. crocuta. An dem einen foffilen Exem—
plare ift der rechte Flügel verfrüppelt und vermehrt dadurch die
Zahl der befannten Eranfhaften foffilen Knochen.
Dimenfionen:
Durchmeffer am Rande der vorderen Gelenkflaͤchen 0,054
Senkrechter Durchmeffer des Markcanales
Durchmeſſer zwifchen den hintern Gelenfflächen
Länge des Körpers in der Mitte
Länge des Bogens in der Mitte
Durchmeffer der Flügelbafis
2. Epiftropheus. Auch diefer Wirbel hat in die Augen
“fallende generelle und fpecifiiche Eigenthümlichkeiten. Ben den
Felinen läuft der Rüden des Dornfortfages, der bey allen Raub»
thieren enorm entwidelt ift, in eine Spige aus, welche den
dritten Halswirbel überragt. Vor diefer Spige ift der übrigens
fcharfe Rüden abgeplattet und in eine rhomboidafe Flaͤche er:
meitert. Bey den Ganinen reiht der Dorn nach vorn verhält:
nifmäßig am weiteften über den Bogen des Atlas weg und
H. crocuta.H. striata H. spelaea
0,045 0,057—0,055
0,0238 .0,020 0,032—0,032
0,046 0,042 0,050—0,050
0,019 60017 0,023—0,020
0,032 0,028 _ 0,038—0,035
0,035 0,038 0,043—0,042
am bintern Ende verdidt er fich etwas und endet in eine ab—
f&hüffige drepfeitige Fläche. Bey Ursus hebt ſich dieſe drey—
feitige Fläche nach hinten und oben, fo daß fie bogenförmig den
Mirbelkörper uͤberdeckt. Ben den Hyaͤnen ift die hintere Ede
des Dornes in zwey Knoten getheilt, welche bey ber gefledten
ſtärker find als bey der geftreiften. Bey letzterer ift überdieß
der Dorn im vordern Theile höher.
"Die foffilen Eremplare, deren zwey vorliegen, zeigen bie
927
unverfennbaren Charactere dev H. crocuta, ohne dieſer gleich
zu kommen. Ihre vorvern Gelenfflächen find etwas gewölbter
und der Zahnfortfag dazwifchen relativ fürzer, noch kürzer aber
iſt der perforiete Querfortiaß, dagegen der Dorn ganz enorm
entwidelt. An dem einen jugendlichen Exemplare iſt die hintere
obere Ede des Dornes wulſtig angefhwollen und der ganze
hintere Theil nach rechts und links. auffallend ſtark entwickelt,
fo daß man geneigt feyn Eönnte eine krankhafte Bildung zu verz
muthen ; die regelmäßige Form des Dornfortfages geftattet indeß
diefe Annahme nicht. Der höchfte Punct des Dornes liegt nicht
wie bey der gefleckten Hpäne in der Mitte, fondern am Außer:
ften Ende.
Dimenfionen:
H. crocuta H. spelaea
Körperlänge 0,050 0,050
Körperbreite 0,023 0,028
Range des Zahnfortſatzes 0,021 0,016
Ducrchmeffer zwifchen den hintern Gelenffl. 0,043 0,048
Höhe des Dornes Über denfelben 0,027 0,029
Breite der hinten Dornfläche oben 0,019 0,032
unten 0,015 0,027
3. Der dritte Halswirbel, Beh Ursus, Felis und
Canis bat derfelbe Eeinen hervorragenden Dorn wie bey den
Hpänen, fondern nur eine fiharfe Mittelleiite in der Länge des
Bogens, weil be) ihnen der Dorn des Epiftropheus den Bogen
des dritten Halswirbeld noch überragt. Von den folgenden
Wirbeln unterfcheidet er fh. dadurch, daß fein Querfortfaß am
Ende nicht getheilt ift, fondern anftatt des untern Endfortfaßes
nur einen mehr weniger hervortretenden Rand befist. Der Quer—
fortfaß ſelbſt ift jedoch an feinem Grunde, wo ſich die Gefaͤß—
perforation. befindet, breiter als bey den folgenden Wirbeln mit
Ausnahme des fechften, an dem die Größe des Querfortſatzes
alte übrigen Theile des Wirbels Überwiegt und zumal nad bins
ten und unten kraͤftig entwidelt ifl. Bey der lebenden geftreifz
ten Hyäne ift der untere Fortfas am Ende des processus
transversus merklich ftärfer als bey H. erocuta und der hin—
tere Rand des Bogens weit tiefer ausgefchnitten, etwa fo tief
als am vierten Wirbel der gefledten.
Die foffilen Eremplare zeichnen fich fogleich durch die Fräftige
Entwidlung ihrer Dornen. aus und. für die dritte Stelle-im
Halfe der gefleckten Hpäne fpricht die Entwidlung ihrer Quer
fortfäße. Der Ausfchnitt am Hinterrande des Bogens aber
tritt bis an den Grund des Dornes heran, daher diefer einen
viel ſteileren Hinterrand hat als bey den lebenden Arten, Außer—
dem ift der Ausfchnitt auffallend breit, ungeführ fo als am
fünften der lebenden Hyaͤne. Während bey H. crocuta ferner
die Vertiefungen an der untern Korperfläche zu beiden Seiten
des Mittelkieles, in denen die Ernährungslöcher liegen, tiefer als
ben den foffilen Gremplaren find, fenfen fich bey diefer die Gru—
ben zu beiden Seiten des Dornes, in denen die Ernährungs-
candle für den Bogen und die Gelenkfortfäge liegen, tiefer ein
und haben überhaupt einen größeren Umfang, Endlich darf die
überwiegende Größe der foffilen Wirbel noch als eigenthuͤmlich
bezeichnet meiden.
4. Der vierte Halswirbel. Der Querfortfaß bey Felis
bat diefelbe Bildung als am dritten Wirbel der geftreiften
Hyaͤne, denn ev ift ſehr breit und hat am Ende einen nad)
unten vorftehenden Kängsrand. Ben Canis theilt fich der pro-
cessus transversus nicht, iſt ſchmaͤler und verlängert ſich am
528
Ende in einen Fortfag nach hinten und einen ähnlichen nad)
vorn, Die Gattung Ursus unterfcheidet fich von Felis durch
einen auffallend fchwächeren Bogen und Dorn. Bey ben Hyaͤ—
nen ift hier der Querfortfag am Ende wirklich getheilt und zwar
in einen bintern oberen fchmäleren und einen unteren Fortjab,
welch' letztrer faſt ebenfo breit als der processus felbft iſt.
Bey der geftreiften Hyäne ift nun der obere hintere Fortfaß
breiter und vünner als bey der gefleciten, welche ihn ſchmal und
did hat. Uebrigens ift noch der Dorn bey jener niedrig und
breit, bey diefer ſpitz und lang.
Die Form des processus transversus weiſt die vorliegenden
foffiten Exemplare fogleich, in die Gattung Hyaena und zwar
ift der obre hintre Fortfaß deffelben die und breit, worinn ihre
fpecififcher Unterfchied von den lebenden Arten liegt. An dem
einen Eremplare find die Ernährungslöcher auf der obern Bo—
genfläche fehr groß und liegen nicht in der mittleren großen
Einſenkung, fondern noch an den Gelenfflächen für den dritten
Halswirbel. '
5. Der fünfte Halswirbel. Der fürzere, vorn un)
hinten tief ausgefchnittene Bogen mit dem fchmalen Dornfort:
faße characterifiert denfelben ganz gut. Bey den Katzen ift der
Vorderrand des Bogens wie an den übrigen Wirbeln gerade,
der Hinterrand verhältnißmäfig wenig ausgefchnitten und der
Querfortfag auffallend ſtark entwidelt: denn außer dem obern
bintern Fortfage befist er noch eine nach unten ausgebreitete
große dreyeckige Knochenplatte.e Bey Canis ſtimmt er mehr
mit dem vorigen Wirbel überein, aber fein Dornfortfag ift
ſchmal und fteht in der vordern Hälfte des Bogens, wahrend
er benm vierten breiter war und in der Mitte ftand. Bey Ur-
sus zeichnet er ſich durch feine große Kürze aus. Bey der ges
fledten Hpäne ift der Querfortfaß fchwächer entwidelt als am
vierten Wirbel, der Dorn und Bogen fehr ſchwach, bey der ge=
ftreiften ift dagegen der Querfortſatz ſtaͤrker entwickelt als am
vierten, beynah fo auffallend alg bey Felis, von der er ſich
durch die geringere Entwidlung feines Dornes und Bogens un-
terfcheidet.
Das foffile Exemplar gleiht in der Bildung des processus
trausversus der H. erocuta, unterfcheidet fich aber von: beiden
lebenden Arten durch einen ftärferen Bogen, auf deſſen Ober:
fläche zu jeder Seite der breite, ſtarke Dorn [liegt. Der
Bogen gleicht alfo Felis und Canis, mit denen jedoch der
tiefe Ausſchnitt am NHinterrande und die Form des Querfort—
fortfages gar Feine Verwechslung zuläßt.
6. Der fiebente Halswirbel hat überall einen einfachen
Querfortfas, während der fechfte einen dreyfach getheilten fehr
Eräftigen befißt, einen hohen ſchmalen Dorn und einen fürzern
Körper als alle Übrigen. Ben Felis ift der Dornfortfaß am
(ängften und dünnften, und die beiden Gelenfflächen für den
erften Nüdenwirbel tragen am obern Nande noch einen £leinen
Zapfen. Bey Canis ift der Dorn flürker, der Bogen breiter,
der Hinterrand deffelben nicht ausgefchnitten, wodurch er fich
fogleih von den übrigen unterfiheidet. Bey den Bären ift der
Bogen fehr ſchmal, dagegen der Körper ſehr ftark und der
Querfortfag auffallend lang. - Bey den Hhaͤnen ift der Dorn
zwar ſchmal, aber ſtark und lang und endet bey der: geftreiften
Urt ſpitz, bey der gefledten in. zwen Aeſte getheilt. Außerdem:
iſt bey jener der Duerfortfag breit und ftark, bey dieſer ſchmal
und dünn. ;
Menn auch der Dorn des foffilen Exemplares verletzt ift,-fo
529
‚Eann man aus der Breite und Stärke deffelben dennoch erfehen,
daß er einer Hyaͤnenart angehört und zwar mit dem ber ges’
530
fledten am meiften übereinftimmt. Auch der’ verhältnißmäßig
fhmale Querfortfag erlaubt feine andere Deutung.
Dimenfionen.
F. Leopardus C. lupus U. americ. H. striata H. crocut. H. spelaea
-Querdurchmeffer d. Bogens am Hinterr, gemefjen beym III 0,047 0,040 0,042 0,053 0,059 0,062
IV 0,049, 0,041 0,043 0,050 0,059 0,068-0,066
V 0,050 0,042 0,043 0,052 0,059 0,070
vu 0,044 0,034 0,039 0,048 0,054 0,058
Länge des Bogens in der Mitte des TIL 0,022 0,030 0,016 0,023 0,026 0,031-0,028
IV 0,021 0,026 0,015 0,017 0,020 0,034-0,035
V 0,018 0,020 0,011 0,012 0,014 0,024
VII 0,014 0,015 0,012 0,012 0,013 0,021 -
Länge des Körpers des 11 0,027 0,030 0,023 0,032 0,030 0,034
IV 0,026 0,030 0,021 0,030 0,026 0,032-0,034
V 0,026 0,024 0,019 0,032 0,030 0,035
VII 0,024 0,022 0,020 0,025 0,021 0,028
Die Rüdenwirbel der hier im Vergleich ftehenden Raubthiere
find im "Allgemeinen ziemlich übereinftimmend conſtruirt und
nur eine genauere Unterfuchung lehrt die entfcheidenden Cha:
tactere fennen. Die Hyänenwirbel zeichnen die hohen, mit einer
befonderen Anfchmwellung endenden, mehr nach hinten gerichteten
ſtarken Dornen aus, welche im untern Theile dreyfantig, im
obern aber bey H. erocuta von vorn nad) hinten zufammenge:
druͤckt, bey der geftreiften Hyaͤne dagegen feitlich comprimirt
find. Darinn ähneln die legteren der Gattung Canis auffals
lend, indeß haben diefe doch Eeine concave Fläche an der hintern
Seite des Dornes für die Zwifchendornmusfeln wie die Hyäne,
fondern einen ſcharfen Kiel zur Befeftigung der ligamenta inter-
spinalia. So ift es aud bey Felis, deren Wirbel fich durch
ſeitlich ſtark comprimirte, dünne, gerade ‚aufgerichtete Dornen
mit ſchwachen Endknoten auszeichnen. Ursus endlich trägt
niedrige und breite ſtarke Dornfortfäge ohne Anfchwellungen am
Ende. "Nach dieſer Formenbeftimmung der Dornen laffen ſich
die foffilen Eremplare ſchon zur Genüge erkennen.
7. Der erſte Rüdenwirbel ſchließt die Gattung Felis
mit ihrem breiten niedrigen, die Gattung Canis mit dem gleich—
mäßig ftarfen und nur mit einer leichten Anfchwellung endenden
und Ursus mit dem: niedrigen plumpen Dornfortfaße aus und
vermeift ung auf die Hyaͤnenarten. Von diefen iſt bey der ges
- fireiften zwar der Dorn fo lang als bey Canis, allein er ift
breiter, ermangelt des Kieles für das Zwifchendornband wenige
ffeng im untern Theile und endet mit einer ftarfen Anſchwellung.
Die gefledte Hyaͤne trägt fhon bier einen fehr langen und
ftarfen Dorn, der vorn am Grunde eine fcharf begränzte, drey-
feitige, in der Mitte gekielte Fläche hat, welcher an der hintern
Seite eine Ähnlich gebildete Grube entfpricht. In der Mitte
feiner Zänge erhebt fich ein feitlicher Kiel, der den oberh deut—
lich nach hinten gebogenen Theil des Dornes vierkantig macht.
Am Ende findet ſich eine leichte, etwas geſtreckte Anſchwellung.
Das prächtig erhaltene foſſile Cremplar ftimmt nun im We—
fentlichen mit dem legt befchtiebenen überein, aber unterfcheidet
fih ganz auffallend durch die Ereistunde (0,024 im Durc)-
meffer haltende) breit gedruͤckte Anfchwellung am Ende des
Dornes, welche ſich fo ſtark bey feinem lebenden Raubthiere
findet. Der Dorn behält auch von vorn nad) hinten den gro-
feren Durchmeffer, meil die in der Mitte mit einem deutlichen
Knoten entfpringenden feitlichen Kiele nur ſchwache Leiſten blei=
ben. Die hintre Flähe am Grunde des Dornes bildet eine
tiefe Grube von ovalem Umfange, aber niedriger als bey der
H. crocuta und diefer entfprechend ift die am vordern Grunde
befindliche gefielte dreyfeitige Fläche weit niedriger. Der Quer:
fortfaß verhebt fich in einen Eleinen Hafen, der fich aber; auch,
nur ſpitzer beym Leoparden: findet, über der Gelenffläche fuͤr das
Nippenhöderchen, welche zugleich etwas tiefer ift.
Dimenfionen.
Längsdurchmeffer des Körpers 0,020
Querdurchmeſſer des Körpers 0,026
Querdurchmeſſer duch die Querfortfäge .-. 0,063
lei 1 „vordern ‚Gelenfflähen 0,044
a anır » hintern Gelenfflähen 0,036
Höhe’ des Dornfortfages 0,055
Breite am Grunde deffelben 0,018
Breite der dreyfeitigen Fläche ebenda
F. Leopardus C. lupus Urs, americ. H. str. H.croc. H. spelaea
0,019 0,017 0,018. .0,017 0,022
0,021 0,027 0,029 0,033 0,039
0,054 0,068 0,062 0,075 0,082
0,036 0,049 0,048, 0,056 0,058
0,025 0,037 0,038 0,041 0,045
0,061 0,047 0,063. 0,081 0,097
0,017 0,020 0,017 0,019 0,025
0,014 0,009
0,018 0,015
Höhe bderfelben
8. Der fünfte Rüdenwirbel. Waͤhrend bie erften
Rüdenwirbel noch den niedern breiten Körper der Halswirbel
haben, hat der fünfte fehon einen hohen gleich dreyfeitigen pris—
matifchen Körper, deffen Bogen bey der geftreiften Hyaͤne einen
niedrigen breiten, ben der gefledten einen diden hohen Dorn
trägt. Bey Felis, Canis, Ursus ift der Dorn bereits fo fehr
nach hinten gerichtet, daß eine Verwechslung mit den Hyaͤnen
Iſis 1847, Heft 7,
ſchon deshalb nicht Statt haben kann.
Die foffilen Eremplare
gleichen wiederum der Hyaena crocuta dur ihren ſtarken
Dornfortfaß, welcher am Ende zu einem deutlichen Knoten an—
fhmwillt. Im obern Theile biegt fi der Dorn ſchon merklich
nad) vorn wie bey der geftreiften Art. Aus der untern drey—
feitigen Fläche erhebt ſich die Xeifte für das Fig. interspinale
fehe hoch, ſcharfkantig und gerade abgeſchnitten, verſchwindet
34
535
Gelenkflaͤche it tiefer, ber Rolle des Oberarmes entfprechend,
und ihr ebener Theil ift deutlich abgefegt, zugleich viel größer
als beym lebenden. Der Nand für die Cubitalgelenkfläche bil:
det ben der H. crocuta faft einen rechten Minfel mit abge=
rundetem Scheitel, bey der foffilen dagegen einen fehr fanften
Bogen an der überhaupt viel Länger ovalen Gelenkfläche. Die
die Sehnengruben trennenden Leiften über der untern Gelenk:
fläche find auffaltend far, hoch, daher die zwifchen ihnen Lies
genden Gruben tiefer, aber auch breit und mit flahem Grunde,
Die äußere Ninne biegt fit) nad) unten und verläuft tief ein=
gefenet bis zum Rande der Gelenkfläche, während fie bey den
lebenden Hyänen fogleih nad dem inneren Rande fi wendend
verfehwindet. In der Mitte ded Knochens findet ſich nach Sins
nen eine leichte Erweiterung mit einer rauhen Fläche, die ic)
bey den lebenden Eremplaren vermiffe. Die untere Gelenkflaͤche
ſcheint conſtant tiefer zu ſeyn als bey der gefleckten Hyaͤne.
Dimenfionen.
H. crocuta H. spelaea
0,198 0,205-0,220
Länge des Radius
0,018 0,019-0,021-0,020
Breite der oberen Gelenkflaͤche
Laͤnge derſelben 0,028 0,033-0,035-0,031
Breite der untern 0,015 0,016-0,018
Laͤnge derſelben 0,030 0,035-0,037
Biate im untern Theile d. Radius 0,040 0,047-0,044
4. Die Elle des Baͤren iſt bey Weitem ſtärker als deſſen
Radius und trägt nur ein kurzes Olecranon. Dieſes iſt bey
den Katzen länger und der Knochen ſelbſt im obern Theile allein
fehr ftart. Bey Canis ift die Elle lang und dünn. Ben den
Hpänen gleicht fie im. der ftärferen Entwidlung des oberen
Theils den Katzen, verbidt ſich jedoch auch unten merklich, zu⸗
gleich durch die rauhe Flaͤche für die Speiche ſich unterſchei—
dend. Der Ellenbogenfortſatz hat einen hinteren dicken und
einen vordern ſpitzen Knoten, anftatt des letztern haben Hund
und Kate zwey fpitze. Die Gelenkflähe bildet einen Halbkreis
und fällt an der innen Seite fteil ab. Bey der geftreiften Urt ift
die Elle ebenfalls ſchlanker, ihr Fortſatz kuͤrzer und ſchwaͤcher
und ihre Verbindung mit der Speihe im untern Theile nicht
o innig.
J Die *ffiten Ellen find im untern Theile meift fragmentarifc
und ihre Länge und die Form des untern Griffeld bleiben daher
unbefannt- Der Ellenbogenfortfaß ift immer ſtark und kräftig
und endet oben mit einer breiten Fläche. Ihre Humerusgelenk—
fläche bildet feinen Halbkreis, fondern fenft ſich nad Unten
tiefer herab, und der plumpern Rolle des Dberarmes entfprechend
ift die äußere Fläche unter einem auffallend ftumpferen Winkel
gegen die Radiusfläche geneigt, welche felbft einen weiten Bogen
bildet. Ein ganz junges Eremplar ohne Epiphnfen und von
0,110 Länge fcheint nad) feiner ganzen Form der Hyäne anzu=
gehören ; im untern Theile verdidt es ſich auffallend.
Dimenfionen.
H. crocuta H.spelaea
Deffnung der Gelenkfläche 0,022. 0,030
Höhe des Olecranons über berfelben 0,024 0,028
Durchmeffer deffelben immitten d. Gelenffl. 0,024 0,030
Deffnung der Rabdialgelenkfläche 0,025 0,031
Durchmeffer der Endfl. des Olecranons 0,026 0,082
5. Von den Handwurzelknoſchen befise ih nur das os
naviculare in mehreren Eremplaren. Daffelbe ift fehr chara—
cteriftifch gebildet und daher leicht zu beftimmen. Seine obere
536
und untere Gelenffläche bey Canis fehr flach und die Rinne
für den Griffelfortfaß des Nadius ſehr ſchwach; ebenfo finde ich
es beym Xeopard, nur daß es bey diefem einen kuͤrzeren Durch-
meffer von innen nach außen hat. Dem Bären fehlt die Rinne
für den Speichengriffel völlig. Die tiefe Ninne nun und deren
ftarfe Erftrefung nah hinten characterifieren befonders die foſ—
filen Kahnbeine als hyänenartig, aber fie unterfcheiden fid) durch
die ſtärker gewoͤlbte obere und tiefere untere Gelenffläche deut—
lich genug von dem der H. erocuta.
6. Die Mittelhandknochen, wiewohl ſehr übereinftim>
mend gebildet, unterfcheiden ſich bey den Kugen durch ihre
Kürze und Dünne von den Eurzen und dien des Bären und den
langen und dünnen des Molfes und endlich den langen und
dicken der gefledten Hyane.
Es liegen mehrere Eremplare der TI. spelaea vor, welche,
wiewohl fie die Formverhältniffe der H. erocuta beißen, doc)
3 Th. auffallend von derfeiben abweichen.
Der vierte der: rechten Hand hat einen obern ſeitlich zuſam⸗
mengedrücten Kopf und einen, zumal wo ev fich an den dritten
anlegt, geraden Nand, an der Außenfeite dagegen einen wink—
ligen, weil ihn hier eine obre und untre, in der Mitte zufams
menftoßende Rinne begränzen. Dieſe Bandgruben finde ich
bey dem foffilen Exemplare tiefer und den Gelenkkopf felbit
gewölbter. Der Körper des Knochens ift deutlich dreykantig und
zwar ift beym Foffil die untre Fläche breiter und in ihrem vors
deren Theile etwas eingefenft. Auch der untere Gelenkkopf
ſcheint mir gewölbter zu feyn und deffen mittlere Leiſte höher
als bey der H. crocuta. Derfelbe Knochen von der linken
Hand gehört mit dem eben befchriebenen nicht zufammen, denn
er ift etwas Eürzer und dicker, fein Carpalgelenk fchmäler, die
Bandgruben tiefer, der Körper ſcharf dreyfantig und zumal ift
die Berührungsfläche mit dem dritten Knochen fehr fcharfkantig,
nach vorn breiter 'werdend, indem fich fchon von hinten oder
oben her auf der untern Fläche eine breite Keifte erhebt, welche
bis gegen das Phalangengelenf auffteigt und dadurch die Höhe
der innern Berührungsfläche erzeugt. Begrenzt wird diefe Fläche
durch einen die feitliche Gelenftopfsbandgrube überragenden Fort—
ſatz. Der ganze Knochen weicht alfo fo auffallend von den
Hpänen und allen lebenden Naubthieren ab, daß man ihn,
fall8 er allein gefunden worden wäre, leicht einer eigenthuͤm—
lihen Gattung zuzufchreiben geneiat feyn koͤnnte. Indeß deuten
alle diefe erwähnten Unterfchiede nur auf. eine größere Muskel:
Eraft, welche von der der übrigen Hyaͤnenknochen faum weiter
entfernt ift als diefe von der. der lebenden H. crocuta. Unſtrei⸗
tig zu ihm gehört -
Ein dritter Mittelhandfnochen, welcher ähnliche Eigenthuͤm—
lichkeiten darbietet und fehr gut dem vorigen anliegt. Seine
Beruͤhrungsfläche ift ſehr rauh und durch eine 0,023 lange Er:
böhung auf der Mitte der untern Fläche erweitert: ' Diefer
gegenüber an der Innenſeite dem untern Grubendache des viers
ten Knochens gegentiberftehend, findet fich ein’ wargenförmiger
Knoten, wie ich ihn nirgends gefehen habe. Der Garpusges
lenkkopf fcheint relativ zu fchmal zu feyn und feine Länge ift
im Vergleich mit der gefledten Hyäne für den vierten Finger
zu groß. "Ein andres Eremplar der rechten Hand gehört mit
dem erft erwähnten vierten demfelben Zhiere und weicht in ähn-
licher Weife von dem der H. erocuta und dem zulegt erwähn⸗
ten Metacarpus ab als jener vierte. j
Der zweyte Metacarpus der linfen Hand gehört einem drit—
ten Thiere und unterfcheidet fi) vom lebenden durch die ftärfere
537 2
Compreffion feines oberen Theiles, durch die ſtärkere Woͤlbung
des Gelenffopfes nad) außen und die- größere Ausdehnung des—
felben nach hinten.
Dem erften derfelben Hand fehlt der untre Gelenffopf und
feine fcharf dreykantige Form unterfcheidet ihn fogleich von der
mehr abgerundeten der gefledten Hyaͤne. h
Dimenfionen,
H. crocuta H. spelaea
Länge des zweyten 0,083 0,087
des dritten 0,078 0,076-0,078
des vierten 0,069 0,069-0,072
Die Phalangen der Hyaͤnen zeichnen ſich durch einen kur—
zen dicken, oben gewölbten, unten flahen Körper von dem ge:
bogenen der Katzen, dem fchlanfen, zierlichern des MWolfes und
dem flachgedrücten des Bären Eenntlich genug aus. Drey foflile
Eremplare von äußern Zehen (ob innen oder außen, von der
Hand oder dem Fuße läßt fih nicht beftimmen) unterfcheiden
fi von denen der mittleren Finger durch eine ftärfere Wölbung
der obern Fläche. Sie find um 0,002—0,004 länger als bey
ber geflediten Hyäne.
c. Die hintern Ertremitäten.
Ueberrefte des Beckens der Hyaͤne haben fich zwar wieder—
holentlich gefunden, aber fie find fo fragmentarifh, daß fie wie
die foffilen Nippen zu einer. fpeciellen VBergleihung mit den
lebenden nicht geeignet find. Ich wende mid) daher fogleich
zum
1. Oberfchenfel, welcher in einigen vortrefflich erhaltenen und
538
Katzen und Büren erlaubt feine gekruͤmmte Geftalt Eeine Ver:
wechslung, eher mit dem des Wolfes, denn bey diefem iſt er
ebenfalls gebogen. Indeß characterifiert den des Wolfes doch
feine leichtere, ſchlankere Form, der obere horizontal ftehende,
nirgends überhängende Gelenkkopf, die tiefe Grube neben dem
Trochanter und die unter derſelben deutlich abgegrenzte vertiefte
Fläche, die höheren Keiften des Patellengelenkes, während den
Hyaͤnen ein ſtaͤrker gewölbter, nach innen und unten herab:
bängender “oberer Gelenkkopf, eine flachere Grube neben dem
dickeren und niedrigeren Zrochanter eigenthümlich ift. Die Hyaͤ—
nenarten fcheinen nur der Größe nach von einander verfchieden
zu fehn.
Die Höhlenhyäne befaß einen langen und ſtarken nur wenig
gekruͤmmten Dberfchenfel, deffen oberer Trochanter weit ftärker
als bey der gefledten Hyane und am Ende gleihmäfig von
vorn nach hinten abgerundet nicht aber wie bey den lebenden
Arten ſchraͤg von oben und hinten nach vorn und unten abge=
ſchnitten war. Die Eleine begrenzte Fläche vor dem Trochanter
beym Wolf finde- ich auch bey der Höhlenhyäne. Die Längs:
tinne an der hinten Seite iſt tiefer und deutlicher wie bey der
geflekten Art. Die Ziefe der Grube vor dem großen Trochan—
ter fcheint keinen fpecifiihen Unterfchied zu gewähren, denn bey
einigen foffilen finde ich fie weit und tief, der des Molfes ähn-
fh, auc ift die vor dem Eleinen Trochanter herablaufende
Rinne bald breiter bald ſchmaͤler und die Ränge der Leiſte an
der hintern dußern Seite ſehr verfchieden. Bey einem Frage
mente ift der Eleine Zrochanter fchmäler und hervorftehender als
bey den Hpänen, etwa wie bey Canis, mit dem er aber dennoch
nicht verwechfelt werden kann, denn fein ftarfer, breit gedruͤckter
Körper, fein großer Trochanter und oberer Gelenkkopf find uns
mehreren unvollftändigen Eremplaren vorliegt, Mit dem der verfennbar hyänenartig.
Dimenfionen.
H. striata H. crocuta H. fossilis
Groͤßte Länge des Schenkels 0,200 0,224 0,260
Durchmeffer unter d. ob. Gelenffopfe 0,038 0,050 0,0553— 0,052
Breite des Einganges der tiefen Grube 0,018 0,017 0,020—0,016
Höhe deffelben 0,024 0,024 0,054—0,031
Entfern. d. El. Troch. v. Rande d, Gelenkk. 0,020 0,020 0,025—0,022
Breite des Patellengelenfes 0,016 0,020 0,023—0,026
Breite an der Hinterfeite der Knorren 0,038 0,049 0,053—0,051
2%. Das Schienbein ift beym Wolf, Leopard und Bären
länger als bey der Hyaͤne, bey Felis und Ursus überdieg der
obere Kopf von hinten nach vorn weit fürzer und bey Canis
der ganze obere Theil viel ſchwaͤcher. Die Fibula legt ſich
nur bey der Hyaͤne im untern Theile inniger an die Zibia.
Die foffilen Exemplare, deren 5 vollftändige gefunden worden
find, ftellen ſich durch ihre Kürze und Stärke fogleich neben die
gefledte Hyaͤne, welche fie in diefen igenfchaften fogar noch
übertreffen. Außerdem ift ihre obere Hinterfläche tiefer ausge:
böhlt, was aber nur ein im verfchiedenen Alter bedingter Cha—
racter feyn möchte, denn diefe Vertiefung finde ich bey einem
fehe jungen: Eremplare ohne Epiphpfen weit flacher als bey der
gefleckten Art. Unten haracterifiert die hintere Fläche eine
große Nauhheit und drey Sehnengruben. Born läuft eine fcharfe
Kante bis auf das untre GelenE hinab, die ich bey den lebenden
Thieren vermiffe.
Das Pfeifen» oder Wadenbein ift ein fehr dünner und in
feiner ganzen Länge Eantiger Knochen, oben und unten an der
Aufenfeite der Zibia anliegend, Sch befige feine foffilen Erem-
plare, wohl aber findet fi an dem untern Theile einer Tibia,
0,020 über dem Gelenk und in 0,055 Länge das Fragment
"des Pfeifenbeines mit diefem Knochen ganz innig verwachen,
nur hinten die Spuren der Spnchondrofe zeigend, vorn ganz
innig verbunden. Außerdem ift diefes Fragment nicht dünn und
fadenförmig, fondern bildet eine breite Knochenplatte von 0,015
—0,019 Durchmeffer. In der Mitte, wo die Breite am gröf-
ten ift, findet fich eine raue Stelle und diefe, fowie das gerade
abgefchnittene untere Ende des Tragmentes führt mich zu der
Dermuthung, daß das Thier die Fibula bey irgend einem Un—
glüdsfalle zerbrochen ‚hat und durch die darauf erfolgte Heilung
diefelbe fo ungeheuer ausgedehnt wurde,
Dimenfionen.
Länge des Schienbeines
Iſis 1847. Heft 7.
0,200 0,229
U. americ. F. Leopardus C. Lupus. H.striata H. crocuta H. spelaea
0,180—0,148
34*
0,220 0,182 0,180
539
540
U. americ. F. Leopardus C. Lupus H. striata H. crocuta H. spelaea
Singsdurchmeffer des oberen Kopfes 0,042 0,045
Querdurchmeſſer deffelben 0,048 0,048
Breite des untern Kopfes 0,040 0,030
Dide der Fibula 0,008 0,006
3. Von den Fußwurzelknochen liegen das Ferfenbein,
Sprungbein und Kuhnbein vor mit.
Bey den Hyaͤnen und Katzen beſitzt das Sprungbein eine
der untern Schienbeingelenkflaͤche entfprechende fchiefe Nolle mit
einer. mittleren, ziemlich flachen Bertiefung, welche beym Wolf
bedeutender und zugleich geraderift. Beym Bär ift die Rolle
ganz flab. Der mit dem Os naviculare gelenfende untre
Fortſatz erfcheint beyin Reoparden am Eürzeften, länger bey der
Hyäne, wo feine Endfläche zugleih am ftärkften gemwölbt iſt,
am längften beym Wolf. Die Foffilen Sprungbeine gleichen
am meiften dem der gefledten Hyaͤne, denn nur ihre mittlere
Vertiefung liegt wenig mehr nad) innen, der untere Fortfag if
etwas länger und die Rolle größer.
Das Ferfenbein entwidelt fi bey den Hyaͤnen ftärker
0,040 0,040 0,051. 0,060—0,034
0,042 _ 0,035 0,050 0,050—0,040
0,024 0,030 0,040 . 0,040—0,032
0,004 0,003 0,004 0,015
von rechtd nach links als beym Wolf, mas fi vorzüglih an
der Anheftungsflaͤche der Achillesſehne deutlich ‘zeigt. Beym
Leopard iſt der untre Fortfag weit ftärker und im entgegenges _
festen Grade geringer beym Bär. Die foffilen Ferfenbeine ge:
hören anderen Eremplaren als die Oprungbeine, denn fie find
Eleiner. Eine bemerfenswerthe Eigenthuͤmlichkeit, duch welche
fie fid) von dem der gefledten Hyäne unterfchieden, habe ich nicht
entdeden koͤnnen.
Das Kahnbein des Molfes ift ſchmal und ſehr did, waͤh—
tend das des Leoparden eine weniger tiefe Gelenkflaͤche für den
Aftragalus hat als das der Hyaͤne und beym Bären fein Um—
fang nicht laͤnglich oval, fondern faft rund ift. Die obere Ge-
lenkflaͤche des Foſſiles iſt relativ größer als bey der gefledten
Hyaͤne und etwas flaher wie eg mir fcheint.
Dimenfionen.
F. Leopardus C. Lupus H. erocuta H. spelaea
Breite der Rolle des Astragalus 0,020 0,019 0,019 0,019 —0,021
Hohe deffelben an der Innenfeite 0,032 0,039 0,034 0 038 —0,040
Laͤnge des Caleaneus an der Aufenfeite 0,064 0,035 0,051 0,038
Durchmeſſer über der Gelenkflaͤche 0,022 0,020 0,021 0.025
Länge des obern Fortſatzes 0,033 0,051 0,027 0,031
Laͤngsdurchmeſſer des Os naviculare 0,012 0,020 0,020
\ Querdurchmeſſer deffelben 0,010 0,016 0,019
3. Canis.
So ſcharf das Zahnfoftem der Gattung Canis im Vergleich
mit feinen nächften Verwandten -Felis und Hyacna daracteri=s
siert ift, fo ſchwierig laffen ſich ihre einzelne Arten von einander
o
Die Zahl der Badenzähne ift überall —
allein fie bleibt nicht conftant, denn im Unterkiefer entwickeln
ſich die erften Luͤckzaͤhne zuweilen gar nicht oder verfchwinden,
wenn fie ausfallen, ſpurlos. Mit dem erften einwurzligen ift
dies haufig der Fall, aber auch mit den folgenden ift eg nicht
beyſpiellos, denn ein vor mir liegender prächtiger Schädel eines
männlichen Wolfes hat im rechten Kieferafte vom zweyten Luͤck—
zahne nur noch ein Wurzelftü und vom erften und dritten
find auch die Alveolen fpurlos verſchwunden, ebenfo vom erften
im linken Afte und es fcheint, als wären diefelben nie vorhan—
den gewefen. Bey manchen Dunderagen iſt e8 bleibender Cha>
racter, daß fie einen Luͤckzahn weniger tragen. Im Oberfiefer
ſcheint nur der erite zuweilen auszubleiben, mwenigftens finde ich
es ſo an zahlreichen. Schädeln der verfchiedenen Arten. Die
beiden Kauzahne find beharrlicher in ihrem Erfcheinen, der Teste
zweymwurzlige im Oberkiefer fcheint in feltenen Fällen — ich ver—
miffe ihn in einem MWolfsfchädel —, und der Eleine Kornzahn
im Unterkiefer häufiger auszubleiben. Von C. vulpes ift mir
indeß ‚fein Beyſpiel eines fehlenden Zahnes bekannt. In der
Form kann man nur relative Unterfchiede zwifchen C. familia-
ris, C. vulpes und C. lupus anführen. Sehr plump und
Eräftig, am menigften comprimirt, mit hoch£egelförmigen Zaden
in den Kronen verfehen find fie beym Wolf, in geringerem
Grade erkennt man dieſe Charactere beym Haushunde, die
unterfcheiden.
Zähne find mehr comprimiert und die Kronen niedriger; beym
Fuchs endlich find fie noch) ffärfer comprimiert, aber mit fpigern
und höheren Zaden in den Kronen, deren bintere Anfäge zus
gleih am wenigften entwidelt find. Ihrer Stellung nad) findet
fein Unterfchied Statt, denn die Luͤckzaͤhne find bald getrennt
bald eng zufammengerücdt und weder nah den Arten, noch
nad) dem Alter oder dem Gefchlechte kann man hier ein Gefeg
ausfindig machen.
Die Eckzähne find beym Wolf ſchlank kegelfoͤrmig, mäßig
comprimiert, beym Haushunde Fürzer, plumper und ftärker
comprimiert, beym Fuchs lang, bafenformig gekruͤmmt und
nicht minder ftar& zufammengedrüdt. Die Schneidezaͤhne laffen
ſich kaum von einander unterfcheiden, wenn nicht die Größe be—
ruͤckſichtigt wind,
C. spelaeus Goldf.
Die zahlreichen. foffilen Kieferfragmente und einzelnen ‘Zähne
deuten nur eine Species an, welche auffallend dem C. Lupus
gleicht. j
Der horinzontale Aft des Unterkiefers it im Allgemeinen höher
und dider als beym Wolf, denn die Hohe unter dem: Fleifch-
zahne beträgt bey ‚diefem kaum 0,030, waͤhrend die foffilen
immer höher find. Die Länge des Aftes, die Lage der Kinn-
nervenlöcher, der untere Nand, die Grube des Maffeters ſtim—
men völlig mit ©. Lupus überein.
Der erfte untre Lüdzahn ift ein E£leiner einfacher Zahn mit
ſehr niedriger, außen gemwölbter, innen concaver, an der Bafıs
verdicter, ziemlich Freisrunder Krone. Das foffile Cremplar
bat. eine längere Wurzel als beym Wolf und ift etwas Eräftiger.
Ein andres, in. einem linken Kieferafte befindliches, iſt noch
541
etwas plumper. Der ‚folgende Luͤckzahn befteht aus einem vor—
deren. gleichſchenkligen Hauptkegel, an deſſen binterem Rande
noch ein. Eleiner ſelbſtſtaͤndiger Zaden ſich befindet; außerdem
erhebt fich der wulftige Schmelzfaum unter und hinter dieſem
Zacken noch zu einem ſehr Eleinen Hoͤcker. Von den fünf fofli-
len Cremplaren diefes Zahnes befinden ſich drey noch in den
Kieferfragmenten. Im erſten ‚derfelben fehlt ihm der hintere
Eleine Baden bis auf eine leichte Anſchwellung, ‚welche fich in
der Mitte der an der bintern ‚Seite herabfteigenden ſcharfen
Leiſte bemerklich macht. Der Schmelzfaum ift ganz regelmäßig-
Darinn alfo gleicht diefer Zahn dem entiprechenden .bey C. vul-
pes, nur mit dem Unterfchiede, daß der Fuchs einen gleich
mäßigen ſcharfen Hinterrand hat und daß bey ihm der Schmel;=
faum fih hinten etwas erweitert. Diefelbe Erweiterung des
Schmelzſaumes — aber nicht die Bildung eines Fleinen Hocers
— zeige der Zahn in dem zwenten Kieferafte, ins welchem zus
gleich, vom erften Luͤckenzahne feine Spur. mehr vorhanden ;ift.
Hier iſt auch der Eleinere Zaden entwidelt. Zwey andere Erem-
plare find ſtark abgenutzt und erkennt man nad) hinten. eine
gefonderte Abnugungsfläche des Eleinen Hafens, der bier gewiß
ftärker al8 bey den: übrigen gewefen iſt. Am dritten Luͤckzahne
find die einzelnen: Zacken felbftftändiger entwickelt. Der vordere
faͤllt mit ſeinem Hinterrande ſenkrecht ab, weil ſich der zweyte
kleinere ſogleich dahinter erhebt und hinter dieſem der Schmelz.
ſaum in einen wirklichen Hoͤcker aufgetrieben iſt. Sechs foſſile
Exemplare, theils einzeln theils in Kiefern ſitzend und aus ſehr
verſchiedenen Alterszuſtaͤnden zeigen auch nicht einen erwähneng-
wertben Unterſchied von den vor mir liegenden des Lebenden
Molfes. . Der vierte und legte Luͤckzahn iſt etwas größer, daber
der Eleine Zaden und Köder im Schmelzfaume noch deutlicher
hervortreten kann. Auch bier laffen die zahlreichen foſſilen
Eremplace verfchiedenen Alters Feine befonderen Eigenthuͤmlich—
feiten wahrnebmen, denn daß ihr vordree ſcharfer Rand nicht
in gerader Linie ziemlich fteil'auffteigt, fondern die Baſalſchmelz—
wulft etwas erweitert vortritt, dürfte nocy -nicht ala wefentlich
abweichender: Character betrachtet werden. Der Fleiſchzahn bes
fteht aus einem vordern kleineren und einem. mittleren größeren
£egelformigen: Zaden, an welch' letzterm ſich hinten. und innen
in der Mitte feiner. Höhe ein kleiner zitzenfoͤrmiget Anſatz findet.
Uebrigens fällt der. Hinterrand diefes großen Kegels ſteil ab, fait
fenfrecht, und zwey niedrige quergeftellte Hoͤcker, von denen der
innere Eleinee und ſpitzer ift, bilden den dritten: Theil der Krone,
welcher. zu „den. eigentlichen Kauzaͤhnen überführt. Iiwen- nad)
in den Kiefern figende, ſtark abgenugte, foffile Eremplare fcheis
nen won ſehr alten Männchen berzurühren, denn der dritte
Hödertheil der Krone ift verhaͤltnißmaͤßig fehr kurz. Die beiden
Eremplare eines ganz jungen Individuums aus dem rechten
und‘ linfen Kiefer zeichnen fich durch) Fharfe Ränder überall aus
und haben einen auffallend kleinen Höder an der Innenſeite des
Mittelkegels, der zugleich tiefer fteht als bey den übrigen foffilen
und lebenren Exemplaren. Mir fcheint dieſer Character dem
Milchgebiffe eigenthuͤmſich zu ſeyn. Die, andern beiden eines
ausgewachſenen Männcens haben einen größeren, deutlich fegel=
förmigen, etwas nach hinten ſich Erummenden,, runden Zalon
an der Innenſeite.
Die Krone des erften wahren Kauzahnes ftellt eine. arofe,
ſcharfkantige Schmelzwulft dar, in deren vorderem Theile fich
zwey neben“ einanderftehende zitzenfoͤrmige Höder erheben. Die
beiden Eremplare des: fofjilen jüngften Thieres unterfcheiden fich
merklich von den lebenden dadurch, daß der vordre innere Hoͤcker
— — 542
nur als kleiner zitzenfoͤrmiger Anſatz an dem groͤßern äußeren,
faſt den ganzen Vordertheil der Krone einnehmenden, erfcheint.
Hinter dieſem großen Hoͤcker erhebt ſich der Außenrand deutlicher
als bey den lebenden zu einem kleinen Hoͤcker. Der zweyte und
letzte Kauzahn iſt ein einwurzliger mit knopffoͤrmiger Krone,
welche mit dem Rande des letzten im Oberkiefer ſich reibt und
deshalb eine ebene oder hoͤckerige Kauflaͤche erhält. Wenn aber
der. legte im Oberkiefer fehlt, fo verflimmert auch er, menigftens
beobachte ich dieſes an zwey lebenden Schädeln. Die Gröfe
des Zahnes ift ſehr unbeſtimmt an den lebenden und foffilen,
daher ein Unterfchied zwiſchen beiden zugleich wegen ihrer höchft
einfachen Form nicht angegeben werden kann.
Der erfte bisweilen verfümmernde Luͤckzahn
ſtaͤrker wie auch die folgenden im Unterkiefer
förmige Krone fpisiger im Milchgebiß. Der zweyte entfpricht
in dev. Form mehr dem dritten als zweyten des Unterfiefers,
in der. Größe aber fteht er dem: letztern näber und dieß ift auch)
bey den fofjilen Eremplaren der Fall, welche verhaͤltnißmaͤßig
noc) Eleiner find, ohne im Uebrigen Unterfchiede zu zeigen. Der
dritte entfpriht in derfeiben Weife dem vierten untern Lüdzahne,
weicht aber. merklih in der Größe won ibm ab. Auch bier
fann ich die fofjilen Exemplare von den lebenden nicht unter=
ſcheiden.
Der obere Fleiſchzahn beſteht aus einem vordern ſpitzkegel⸗
foͤrmigen Zacken, an deſſen Baſis ſich vorn und innen noch ein
ſehr kleiner niedriger Hoͤcker mit beſonderer Wurzel findet. Der
hintere Zacken iſt comprimirt, nicht ſpitz, ſondern grade und
f&harfrandig. Vey vorgeruͤckter Abnutzung verſchwindet alsbald
der kleine innere Hoͤcker und nur feine Wurzel haftet noch am
Zahne. Die foſſilen Eremplare gehören ausgewachſenen und
ſehr alten Individuen an, denn ſie ſind alle mehr oder weniger
abgenutzt und es ſcheint mir nur darinn eine Eigenthuͤmlichkeit
zu liegen, daß der innere Hoͤcker vielleicht niemals eine ausge—
bildete felbftftändige Krone befigt.
Der erſte Kauzahn beſitzt einen ſcharfen vorſpringenden
Schwelzrand an der Kronenbaſis und dieſe felbft trägt zwey
Be dreyfantig pyramidale, hohe Zacken und, an der innern
eite des vordern einen Eleinen ſehr niedrigen, ‚hinter welchem
meift eine unebenhöcerige Fläche liegt. Die zahlreichen foffilen
Eremplare aus den verfchiedenften Alterszuſtaͤnden fiimmen fo
völlig mit den lebenden übervin, daß fie in die Schädel unferes
Wolfes gefegt formell nicht von: den wahren unterichieden wer:
den koͤnnten. Der zweyte Mahlzahn hat ganz diefelbe Form
und unterfcheidet fich von dem erſten nur durch die um die
Hälfte geringere Groͤße. Auch bier führt die forgfältigfte Unter»
ſuchung der lebenden und foffilen auf Eeine abweidyenden Eigen⸗
thuͤmlichkeiten.
Die comprimirten Eckzaͤhne haben eine an der Innenſeite
von zwey ſenkrechten Leiſten begraͤnzte Fläche und waͤhrend ſie
im Oberkiefer lang hakenfoͤrmig gebildet ſind, kruͤmmen ſie ſich
im Unterkiefer ſtärker und zugleich plumper. Die beiden Exem—
plare aus den jungen Kiefern des foſſilen Wolfes weichen durch
ihre zierlichere Krone und ſtaͤrker comprimirte Wurzel von den
lebenden ab. Dieſelbe Form zeigen zwey andere Exemplare
eines ausgewachſenen Thieres mit bereits‘ abgeriebenen Spitzen
und tiefen Reibungsflaͤchen am der Hinterſeite, aber fie find im
Allgemeinen ſchwächer und zierlicher. Ein fünftes Eremplar
mit ſtark abgeriebenener Krone ift furz, plump, faft drepkantig,
mit ſtark gebogenem und comprimirtem Vorderrande und weniger
im Oberfiefer iſt
und feine kegel—
gekruͤmmtem breitem Hinterrande, Diefem folgen zwey eines
943
noch älteren Individuums, deren Kronen faft völlig abgenußt
find. Diefe feinen aber dem Dberkiefer anzugehören, denn
fie find meniger gekruͤmmt und ihre Gompreffion ift auffallender
als bey den vorigen. Der eine von ihnen hat außer der obern
horizontalen Kaufläche noch zwey unter einem ftumpfen Winkel
gegen einander geneigte, von denen die eine ſich nur aus einer
abnormen Stellung des reibenden Zahnes erklaͤren laͤßt. Zuletzt
liegen noch zwey durch ihre ſehr ſtark comprimirte Geſtalt aus—
gezeichnete Eremplare vor, deren Kronen bereits vollig abgenußt
find. An der Innen- und Aufenfeite befinden ſich zwey ſenk—
rechte Furchen, welche je nach dem Grade der Compreffion ſchon
Canis lupus €. spelaeus
0,016—0,014—0,015— 0,015—0,015—0,017
0,008—0,008—0,009—0,008—0,007 —0,006
von vorn nach hinten 0,015
von rechts nad links 0,010
Schneidezähne fanden fich gleichfalls in mehreren Eremplaren,
aber die Eigenthümlichkeiten derfelben find fo geringfügig, daß
fie nicht erwähnt zu werden brauchen.
Andere Theile des Skeletes fommien verhältnifmäßig fehr ſel—
ten vor, fcheinen aber zur Unterfcheidtung mit dem Wolfe ber
Jetztwelt beffer geeignet zu ſeyn als das Zahnſyſtem.
Ein Rüdenwirbel, der V. VI. und VI. noch beftimmbar
durch die ſtarke Neigung feines Dornes nad hinten, durch die
feichten Gelenfgruben für die Nippen und die faſt horizontale
Lage der vordern Bogengelenkflaͤchen, unterfcheidet fich von dem
entfprechenden des Wolfes durch einen Fräftigeren Körper mit
einem untern Mittelkiel, welcher jenem ganz fehlt und bey den
Hyänen nur an den legten Nüdenwirbeln entwidelt if.
Eine Anzahl Schwanzwirbel, ſchlank und zierlih, ſcheinen
nur in der Größe vom lebenden Wolfe abzumweichen, denn mit
denen eines ausgewachſenen Männchens ftehen fie in folgenden
Berhältniffen:
Canis lupus Canis spelaeus
Länge des VIII. 0,028 0,031—0,028
IX. 0,027 0,051—0,030
X. 0,026 0,025 geh. zu ein. fehr jung. Xhiere.
XII. 0,024 0,027 \
XIV. 0,023 0,026
Mehrere Rippenfragmente find von der Stärke derer des
Wolfes, auch in ahnlicher Weiſe abgerundet, aber weniger ges
kruͤmmt, und binten mit einee fchärferen Kante verfehen.
Der foſſile Dberfchenkel ift ftark gekrümmt, fein Körper nicht
breit, gedrückt fondern rund, fein obrer Gelenffopf wie ben Ca-
nis familiaris faft rechtwinklig abftehend, und der vordere Eleine
Trochanter höher gelegen als beym Wolf. Die fcharfe Keifte
an der hintern äußeren Seite läuft bis unten hinab, erhebt ſich
bier aber bey dem foffilen in eine hohe Kante, mährend fie
beym lebenden Wolf mit einer niedrigen Rauhheit endet. Die
Grube für die Kniefheibe fcheint tiefer und fchmäler zu feyn.
Dimenfionen.
Canis lupus C. spelaeus
Länge des Schenfels 0,220 0,237
Breite am obern Gelenf 0,045 0,051
Breite der obern Zrochantergrube 0,013 0,017
Höhe derfelben 0,019 0,023
Entfernung d. kleinen Troch. v. Gelenkk. 0,015 0,013
Breite der Knieſcheibenflaͤche 0,015 0,015
Breite der untern Knorren 0,041 0,045
544
angedeutet auf der flachen Innenſeite der vorigen Zähne erfchei=
nen. Wenn man die Form diefer legten Eckzaͤhne mit den der
erft erwähnten vergleicht, wird man genöthigt dieſelben verfchies
denen Gattungen zuzufchreiben, fo auffallend ift der Unterfchied
in der Gompreffion. Da aber alle Zwifchenformen vorhanden
find, fo glaube ih, daß diefer Character der Compreffion weder
generell noch fpecifiich, fondern ganz individuell je nah Alter
und Geſchlecht ift. Zur Beurtheilung diefes Verhältniffes will
ich die beiden Durchmeffer, von hinten nach vorn, und von
rechts nad) links, in der Mitte des Zahnes abgenommen, noch
beyfügen:
Ein vierter Mittelhandfnochen der rechten und linfen Hand
übertrifft die am Skelete durch größere Stärke und Länge und
tiefere Bandgruben. Ebenfo ift der de8 Daumens bedeutend
länger. Der des Eleinen Fingers beider Hinterfüße befist eine
fharfdreyfantige Geftalt, mit einem ſchmalen ſtark gewölbten
Gapitulum und ift verhältnißmäßig lang und dünn. Die mitt-
lern Metatarfusfnochen ftimmen mehr mit denen des Molfes
überein und fcheinen anderen Individuen anzugehören als die
erft erwähnten,
Dimenfionen.
Länge des Daumengliedes 0,024 0,029
Il Metacarpus 0,082 0,086—0,088
IIE Metatarfus 0,089 - 0,096
IV. 44 singe 0,094 0,100
Veimear" 3 0,079 0,091—0,087
Breite des Il Metacarpus 0,008 0,009—0,010
III Metatarfus 0,007 0,010;
IV: ia side 0,006 0,008
NV: su N 0,008 0,009
Die Zehenphalangen find beym Wolf zierlicher und ſchlanker
als bey den Hyänen und ihre Gelenfenden im Verhaͤltniß zum
Nörper dicker. Die des Leoparden geſtatten megen ihrer Kruͤm—
mung £eine Verwechslung. Die der hintern Ertremitäten find
merklich länger al die der vordern und hienach befiße ich drey
Phalangen der erften Ordnung aus ben vordern Ertremitäten
und fechs derfelben Ordnung von. hinten, welche alle auf der
obern Seite weniger gemwölbt erfcheinen als bey unferm Wolf,
übrigens in der Größe mie folgt variiren.
Canis Lupus
Breite Länge
0,005 0,024
0,005 0,025
C. spelaeus
Breite Ränge
0,008 — 0,026
0,006 — 0,027
Hechter Mittelfinger
vorlegter Finger
vn
legter ⸗ 0,006 0,024 0,007 —0,026
mittlere Zehe 0,028 0,032
erſte Zehe 0,030 0,034
äußerfte Zehe 0,027 0,030-0,031
Endlich Liegt noch ein foffileg Würfelbein des linken Hinter—
fußes vor, welches unverkennbar die Charactere des Wolfes
zeigt. Bey den Hyänen ift daffelbe nehmlidy ein faſt wuͤrfel—
förmiger Knochen mit einer obern ebenen Gelenffläche für den
Calcaneus, und drey unteren, neben einanderliegenden, flach) ver= |
tieften, von denen die beiden größern, die untere Seite einneh—
menden mit den beiden legten Metatarfusköpfen gelenken. Die
Eleinere auf der Innenfeite neben dieſen liegende Fläche gelenkt
545
mit dem Keilbeine , für welches gleich daruͤber noch eine befondere
hoch vorftehende Gelenkflähe fih finder. Beym Wolfe ift der
Knochen höher, prismatifch, die Gelentflähe für das Hadens
bein nicht ſchief nach außen fallend, fondern horizontal. Die
untern weniger Gelenkflaͤchen für die Mittelfußknochen liegen
nicht in einer ‚Ebene, fondern die des vorlesten Metatarfus ift
deutlich) vonder tiefer liegenden des legten abgegraͤnzt und die
untre Fläche für os euneiforme ift Elein, ſtark gewölbt, bey
den Hyänen flah. Die über diefer liegende, bildet mit der des
os naviculare einen: fpigern Winkel und die Anfchwellung an
der Hinterfeite tritt ſtark hervor Beh den’ Katzen weicht es
bey: großer Uebereinflimmung doch durch die fchräge Stellung der
Getenffläche des letzten Metatarſus fogleih ab. Beym Bären
trägt es eine befondere Gelenfflähe für das. Sprungbein.
Das foffile Eremplar unterfcheidet ſich demnach faft nur durch
die Größe vom Wolf, denn daß die untern Flächen vielleicht etwas
tiefer ausgehohlt, fchärfer von einander abgefegt find und ähnliche
Unterfchiede fcheinen ‚mir zu geringfügig zu feyn, als daß fie
irgend wie berüdfichtigt werden müßten.
Dimenfionen:
I. leopardus H. erocuta C. lupus C. spelaeus.
Länge 0,018 0,013 0,020 0,021
Breite 0,014. 0,018... 0,017 . 0,018
Dide 0,013 0,017 0,016 0,019
Ein foſſiles Heiligenbein erregt wegen feiner Eigenthümlich-
feiten anfangs einige Zweifel über feine Beſtimmung, indeß
glaube ich es doch dem’ C. spelaeus zufchreiben zu müffen.
Beym Leoparden befteht es nehmlih aus drey nach hinten all—
maͤhlich an Größe abnehmenden, faft glei breiten Wirbeln, fo
H. erocuta H. striata F. leop.
Länge des erften Mirbels 0,030
Breite deffelben 0,069
Länge des zweiten Wirbels 0,017
Breite deffelben 0,055
Urkunden und Beyträge
zur älteren Gefhichte von Schwaben und Südfranken, von C. Fr.
von Gok, Hofdomänenrath. Stuttgart key Köhler. I. 1846, 8.
199.-. 1. 1847. "260,
Das ift eine ungemein fleißige Arbeit, wozu. der Verfaffer
nicht bloß. die einſchlaͤgigen Druckwerke benugt, fondern auch
das Stuttgarter Archiv von den ülteften Zeiten her auf das
genauefte ausgezogen und: jedes Wort angeführt hat, welches
auf Spuren von ömifchen Niederlaffungen, Strafen, Wällen
und befonders. den berühmten Gränzwall Bezug haben Eann,
wie Steinweg, Deerweg, Gefträß, Grabhügel, Burg, Niefen:
fteig, Römerberg, "Schelmenbühl u. dgl., ganz fo wie es Mone
in feiner Urgefchichte des badifchen Landes 1845. gemacht hat.
Obſchon nun diefe Bemerkungen ſehr oft täufchen und. man
deßhalb viele „vergebliche Wege machen, Zeit und Koften weg:
werfen muß, wie wir es leider felbft Häufig zum großen Aerger
und. Nachtheil der Auffuchung erfahren haben; fo ift dennoch
eine folche mühfeelige Arbeit mit allem Danke anzunehmen, weil
fie möglicher Weife zu Entdeckungen führen kann, ein Gefallen,
den fie und jedoch nicht gethan hat, fondern nur die Ausfage der
Sfis 1847. Heft 7.
546
daß alfo der ganze Knochen eine faſt rectanguläre Geftalt hat.
So ift das ebenfalls dregmirblige des Molfes, jedoch darinn
verfchieden, daß die Dornen in eine zufammenhängende Leiſte
verwachſen, was beym Leopard weniger der Fall ift. Bey den
Hpänen find die zwey erften, mit dem Darmbeine verbunde-
nen Wirbel weit ftärker als die beiden letzten, und zivar
find deren Dornen bey der geftreiften Art ftärker als bey
der gefledten. An "dem foſſilen Kreuzbeine fehlen die
Dornen, fie waren aber wenigftens am Grunde mit einander
verroachfen tie beym Wolf. Dagegen find die zwey erften
Wirbel merklich ftärker und bilden die gemeinfchaftliche Fläche
für das Darmbein, was bey Canis und Felis nicht Statt hat,
fondern, wenn auch auffallender, bey den Hyaͤnen. Won diefen
weicht es aber darinn ab, daß es fchmäler und ſtaͤrker iff.
Einer jungen Hoͤhlenhyaͤne Fann es nicht gehört haben, denn
die Wirbel find bereits innig mit einander verwachfen und Eeine
Nath mehr fihtbar. So hat auch die vordere Gelenkfläche
eher die bauchige Form der Hyaͤne als die flache des Molfes.
Indeß Liegen, und diefer Character ſcheint entfcheidend zu feyn,
die Nervencanäle diht am Rande, bey den Hyänen aber um
0,012 davon entfernt. Leider laßt fich nicht beftimmen, ob
noc ein vierter Wirbel vorhanden war, wiewohl es nicht wahr:
f&heinlih ift, denn dann würde der Körper des dritten wohl
noch ftärfer feyn müffen. In der wahrfcheinlichen Wirbelzahl
alfo, in der Form der Dornen, im der Größe, und in der Lage
der Nervencandle ſtimmt diefes foffile Kreuzbein mit dem des
Molfes überein und entfernt fich von ibm in der färfern
Entwidlung der erften Wirbel, in einer größeren Fläche für
das Darmbein und durdy die gewülbte Flaͤche für den letzten
Lendenwirbel.
C. lupus O. spel.
0,020 0,020 0015 0,019
0.056 0,051 ... 0,049 0,059
0,012 0,016 0,016 0,016
0,049 0,039 . 0,033 0,045
Dr. Giebel,
Landleute und Taufende von Schaufel- und Bohrerjtichen. Hinter
dem Dfen findet man weder Römermauern noch Straßen, fondern
nur, wenn man mit den eigenen Füßen darauf herumtritt,
Der erfte Band enthält die vömifchen Alterthuͤmer und
Heerftragen der ſchwaͤbiſchen Alb und Bodenfee nach Archiv—
Documenten mit anderen Forfhungen, und ift unter diefem
Zitel befonders zu ‚haben. Er ift in 16 Capitel getheilt, je
nach den Straßen in verfchiedenen Gegenden.
©. 1. Bemerkungen über den Straßenzug der peutingeri-
ſchen Tafel von Vindoniffa nach Reginum; über die Kennzeichen
der Nömerftragen und die Hülfsmittel zur Entdeckung derfelben.
Der Verfaffer billigt die von Stihaner, Leichtlen, Bud
ner, Raifer, Pauly, Paulus ufw. angenommene Rich—
tung von Zurzach über Hüfingen, Rottweil, Sulz, Rottenburg,
Heidenheim, Itzing, Pförring ufw. angenommene Richtung,
wodurch die Strafe alfo in einem großen Bogen geführt wird
wohl über 100 Millien mehr, als die Tafel angibt. Wir
haben hierüber ſchon foviel in der Sfis 1825 und 1832 ges
ſchrieben, daß wir es hier nicht der Mühe werth halten, darüber
ein Mort weiter zu verlieren. Diefe Strafe geht übrigens fo
in die Kreuz und die Quer, daß wir jedem eine guͤckliche
35
547
Reife darauf wünfhen müßen, Die Roͤmer hatten Überall in
Schwaben Niederlaffungen und Strafen, Wer irgendwo ein
Stüdlein davon gefunden hat, ber machte es zur peutingerifchen
Straße, während doc diefe Zafel nur die Hauptftraßen verzeich⸗
net hat. Doch diſputieren hilft daruͤber nichts: ſie muß im
Zuſammenhang nachgewieſen werden, welchen Tauſende von
Fetzen derſelben nicht geben koͤnnen. Dieſes Capitel iſt uͤbri—
gens ſehr lehrreich, ſowohl durch die Angabe von zahlreichen
xoͤmiſchen Denkmaͤlern, von Straßenſpuren und von den Kenne
zeichen derfelben. _Daffelbe gilt von den. folgenden. Capiteln,
worinn der DVerfaffer wirklich Alles zufammengetragen hat, was
nur irgend Bezug auf etwas Nömifhes haben kann. Der
Hauptnugen diefer mühfamen Arbeit wird feyn, daß man bald
eine Charte des römifhen Schwabens wird verfertigen koͤnnen,
ein ungemeiner Gewinn, für den ihm das Vaterland dankbar
feyn muß. Der Derfaffer fhildert die Vorkommniſſe von Rot—
tenburg, dag er gegen Jaumann für Samulocenis hält, geht
fodann über Zübingen, Nürtingen (Grinarione?) auf-die Alb
über Grabenftetten nach Zainingen (Clarenna?), nad Haufen
ob Lohnthal (ad Lunam?), Heidenheim (Aquileja ?).
Dann werden ©. 61. die Vorkommniſſe befchrieben bey
Dradenftein, Pappelau, Vaihingen, Köngen, Kirchheim;
©. 75. Rottenburg, Mesingen, Reutlingen, Sigmaringen;
©. 103. von Ulm auf dem linken Donauufer nah) Macchthal,
Grüningen und Scheer; ©. 111, von Rißtiſſen Uber Emerkin—
gen, den Buffen und Hohenthengen nach Ueberlingen einerfeits,
über Aulendorf, Waldfee nach Leutkirch anderfeits; endlich von
Hohentbengen über Hüpfelsberg nah Scheer; ©. 181. von
Raiz bey Sigmaringen über Filfingen, Aach, Hohentwiel bis
Bankholzen am Unterfee, hier dag meifte nah Citenbenz.
©. 142, macht er Bemerkungen über den Heerzug Julians
von Vindoniffa nady Pannonien, wobey er meynt, der Weg am
rechten Donauufer wäre zu fumpfig und zu unficher gewefen,
und Julian mürde eher auf dem Fürzeren [2] Wege von
Augufta NRauracum durch den Schwarzwald bis Hüfingen
(Brigobanne) über Rottweil (Aris flavis), oder feitwärts,
vielleicht über Dürcheim gegen Tuttlingen, und von da entweder
von der Gegend bey Winterlingen und Erbjtetten aus über die
Ab, oder über die Anhoͤhen auf dem linken Ufer der Donau,
am Fuße der Alb bis zu dem Einfchiffungsplage gezogen feyn:
denn Diefe Straße am linken Ufer der Donau hätte jedenfalls
den Vortheil der größeren Sicherheit vor der am rechten Ufer
vorausgehabt, mas wir einzufehen nicht vermögend find. Auch
möchten wir wiffen, wo man von Augft über den Schwarz:
wald nach Hüfingen kommen £önnte,. ohne über Windiſch und
Zurzach zu gehen oder wenigftens über Waldshut und an der
Wutach binauf.
S. 149. folgen Auszüge aus dem Archiv, nad den Ober:
ämtern geordnet,
Der zweyte Theil, melder den vömifchen Gränzwall
befchreibt von der Altmühl bis zur Jaxt in Verbindung mit
den römifchen Heerjtraßen und Alterthuͤmern an der Oberdonau,
ber Sart und dem mittleren Nedar ift ebenfalls befonders
zu haben.
Ueber dieſen Gränzmwall oder fogenannten Pfahl haben fich
die meiften Verdienfte erworben Buchner und Fr. A. Maier,
indem fie denfe!ben wirklich bereift und bis ing Einzelne gefchils
dert haben. Außer den Angaben derfelben hat aber noch ber
Derfaffer ſehr vieles benust und befonders die Innfchriften ges
fammlet, Zuerft ſpricht er über die Ausdehnung und den Zweck
548
des Gränzwalls und befchreibt denfelben von der Mündung der
Altmuͤhl bis nach Mirtenberg; fodann ©. 28. die Römerftraße
von Aquileja bis Negino, wie wir ſchon bemerkt haben. Außerz
dem ©. 54. die Theile des Graͤnzwalls innerhalb der Gränge.y
von Wirtenberg nebft den dafelbft: vorfommenden Nömerftraßen
und Alterthümern, befonders bey Lorch, Welzheim, Rottenburg,
Cannſtadt, Marbah, Laufen, Pforzheim, Wiesloch, Speyer,
Dehringen und Jaxthauſen, von da endlih ©. 201. bis an
den Mayn und die Höhe.
©. 209. folgen wieder Auszüge aus dem Staatsarchiv von
andern Dberämtern. Man muß wirklich die Ausdauer. des
Verfaffers und fein Beftreben, vollftändig zu ſeyn, bewundern.
Es fehlt jegt nichts, ‘als daß jemand eine Charte nach feinen
Angaben verfertiget.
Sadbrbüder
bes Vereins von Alterthums = Freunden im Rheinland. Bonn beym
Verein; Köln bey Eifen. I—IV. 1842—44. 8 Til.
Mas die Gelehrten: Verfammlungen nüsen, zeigt dieſe Zeit
fohrift. Der Verein wurde gegründet auf Weranlaffung der
PhilologensBerfammlung zu Bonn 1841; Borftand Profeffor
Ritſchel, redigierende Secretüre Dr. Urlih8 und Dr. Lerſch.
Die Statuten find fehr kurz und enthalten dag Gemwöhnliche.
Es muß ziemlich antiquariſcher Vorrath dageweſen feyn,
indem dieſe Zeitſchrift kaum ein Fahr darauf gewappnet hervor:
trat. Freylich gibt es auch keinen Strich in Deutſchland, wel—
cher fo reich an roͤmiſchen Denkmaͤlern wäre, wie das Mheins
Gebiet, wo eine Welt unter der Erde liegt, die nur auf den
Sinn und den Fleiß derer harrt, welche darauf herumtreten.
Dieſe Zeitſchrift enthält bereits größere Original-Abhandlungen,
viele kleinere Mittheilungen uͤber allerley Fuͤnde, Anzeigen von
neuen Buͤchern uſw.: fie iſt überhaupt mit Sorgfalt und Ein—
ficht vedigiert, und darum muß man ſich um fo mehr wundern,
daß die Hefte weder Ueberficht noch Megifter haben, wodurch die
bequeme Benugung ganz unmöglicd wird. Auch fehlt eine be=
fondere Erklärung der Tafeln.
Heft l. 1842. 138. T. 4.
enthält die alte Gefchichte von Bonn, infofern es auch Verona
geheißen, von Kerfc.
©. 38. Alterthuͤmer des Kreifes Bittburg, beſonders Sun:
Tohriften, von ©. Bayh.
©. 45. Monumente, welhe zu Bonn aufbewahrt werben,
von Urliche.
©. 67. Denkmäler aus der vordeutfchen Periode der Nedar:
Gegenden, von Pauly.
©. 75. Nömifche Alterthuͤmer aus Mecklenburg von Th.
Bernd, welche eigentlich nicht hieher gehören. Der. Verein
follte fit) auf das Mheingebiet befchränfen, welches ohnehin
fhon zu. groß ift, nehmlid von der Schweiz bis. nach Holland,
wozu alfo auch das Gebiet des Nedars, der Mofel, Maas und
Schelde gehören.
©. 80. Neue römifche Innfchriften aus Wiesbaden, Maynz
und Rheder bey Bonn, von Lerſch.
©. 86. Zu eheinländifchen Innfchriften, von Dr. 9. Dünger.
©. 101. Literariſche Anzeigen von verfchiedenen Büchen;
ſehr ausführlich, von demfelben.
©. 123. Miscellen. Keine Entdedungen, Berichtigungen
u. dgl, aus verfchiedenen Gegenden.
6*
49
©. 129. Chronik des Vereins, Statuten, Mitglieder.
So geht es nun in den folgenden Heften fort, aus denen
wir daher nur die groͤßern Abhandlungen anzeigen koͤnnen.
Heft I. 1843. 158. T. 1.
©. 1. Coblenz als Römerftadt von F. Deycks.
©. 9. Der Weinbau im römifhen Gallien und Germanien,
von Dünger.
©. 33. Nömifhe Monumente an verfchiedenen Orten;
Gebäude, Cameen, Münzen, Innſchriften.
©. 109. Literariſche Anzeigen.
©. 143. Miscellen uſw.
Heft I. 1843. 211. T. 8.
Ueber Gesonia von $. Oſann.
Die Siegel und Wappen Bonns, von Ferfch.
Die Alemannenfhladt des Clodomwigs, von
S. 1.
©. 17.
©, 31.
Dünger.
©. 60. Antiquarifhe Entdeckungen im Negierungs: Bezirk
von Trier, von Dr. J. Schneider.
©. 86. Monumente verfchiedener Art an verfchiedenen Drten ;
Grabmäler, Bildiverke, Innſchriften uſw.
©. 149. Literatur.
Heft IV. 1844. 822. T. 8.
©. 1. Alte Beveftigungen in den Vogeſen, von Dr. 5.
Schneider.
©. 13. Deutſche Unterthanen des roͤmiſchen Reichs, von
Spbel.
©. 88. Monumente; Gebäude, Bilder, Münzen.
©. 147... Der planetarifche Götterfreis, befonders auf rhein⸗
ländifchen: Kunft-Darftellungen, von Lerſch.
S. 169. Fiteratur.
Heft V und. Vl. 1844. 436. 8. 14.
©.1—170. Die Neiterftatue des Oftgothen- Könige Theo-
derich, vor dem Pallafte Carls des Großen zu Aachen, von
C. P. Bock. Eine fehe gründliche, und gelehrte Abhandlung,
worinn deffenungeachtet nichts. von. dem Metallölumpen - zu
Aachen gefagt ift, ‚den „wir in der Iſis 1830. ©. 1077. für
die bey einem Brande gefchmolzene Bildfaule erklärt haben,
Die, Iſis fcheint alſo im. Rheinlande nidyt vorzufommen,
©. 177. Das Franzenfüppchen bey Trier, von Schneider.
©. 202. Die. Mofelfifhe des Aufonius und über die
Zuftände des Mofelfttoms im Altertbum überhaupt, von W.
Chaffot von Slorencourt.
Hier werden die Mofelfifche aufgeführt nah M. Schäfer,
Boͤcking und Troß, welche bekanntlich mehrere Fiſche unbe:
ftimmt gelaffen oder unrichtig benannt haben; von unferer Aus—⸗
einanderfegung in der Iſis 1845. ©.5. weiß der Verfaffer
nichts. Wenn die Iſis im Nhein= Gebiete fehlt, fo. Eann fie
auch wohl in Trier fehlen, um fomehr als dafelbft Aufons
Fiſche in Natura vorkommen.
©. 228. Römifche Alterthuͤmer aus Baden, von Rappen-
egger.
©. 235. Ueber die Niederlaffungen ber Römer im Becgiſchen,
von Dligfchläger. -
©. 252. Wo bat Caͤſar die Ufipeten und Tenchthter
befiegt, von Dedericdh.
©. 287. Monumente; Hermen, Innfchriften, Satcophage,
Gefäße.
©. 333. Literatur.
Die Abbildungen find fehr zahlreich‘ und forgfältig gemacht,
550
Diefe Zeitfchrift wird große: Theilnahme ermweden und hat es
[don gethan. Ihr Eifer verdient alle Anerkennung.
Flora oder allgemeine botanifche Zeitung,
herausgegeben von der k. b. botaniſchen Geſellſchaft zu Regensburg,
redigiert von Dr. Fürnrohr, Profeſſor. Regensburg. 1846.
700. T. 6.
Dabey Wikſtroͤms Jahresbericht uͤber die Fortſchritte der
Botanik von 1839—42, uͤberſetzt und vermehrt von Beil—
fhmied.. Ebd. ©, 235—504.
Das ift wieder ein reichhaltiger Jahrgang mit vielen Original:
Auffäsen, Auszügen, Anzeigen, Nachrichten aus allen Zweigen
der Botanik mit ungemeinem Fleife gefammelt und mit Sad:
kenntniß dargeftellt. Dabey fehr gute Negifter, wobeh noch eine
befondere Erklärung der Tafeln, mit: Hinweifung auf die Sei:
tenzahlen zu wuͤnſchen wäre,
Die Fahresberihte von Wikſtroͤm, mwoben man Beil:
fhmied wegen feiner vielen Zufäge als Mitarbeiter nennen darf,
find berühmt, obſchon diefelben unbegreiflicher Weife nicht fo von
den Botanikern gekauft werden, wie fie es verdienen. Sie find
ein vollftändiges Nepertorium von allen Arbeiten und Entdedun:
gen, wie man ein folches wohl kaum von einer andern Wiſſen—
haft hat. Außerdem verfertigt Beilſchmied dazu ungemein
genaue Negifter von den Sachen und Schriftftellern, fo da
SER Schriften alles erfüllen, was man nur irgend wünfchen
ann.
Catalogue de Hepidopteres d’Europe
distribue&s en Familles, Tribus et Genres, par Duponchel.
Paris, Mequignon. 1844—46. 8, 532.
Obſchon die Franzofen fih nicht fo viel mit der Falterkunde
befchäftigt haben, wie wir Deutfchen, fo. haben ſich doch in der
neuern Zeit nicht wenige etnſtlich auf diefes Studium gelegt und
es zu einem hohen Grad von Gründlichkeit und Vollſtaͤndigkeit
gebrahtz und fie find es, denen man in den legten Fahren
mebrere volftändige. Handbücher über dieſe Thierordnung zu
danken hat. Man muß ihnen zugeftehen, daß fie ein befonderes
Zalent haben, ihre Sachen. gut zuzubereiten umd ordnungsmäfig
aufzutragen. Boisduvals Inder hat die Eleinen Falter
weggelaffen; im vorliegenden Buche find fie aufgenommen und
zwar vorzüglich nah Fifcher von Röslerffamm und Zel-
ter. Man hatnum ein vollftändiges Verzeichniß ‘aller europäi-
ſchen und felbft der nordafiatifchen Falter ſyſtematiſch geordnet,
und was befonders bequem ift auch; mit einem Regifter, welches
alle Gattungen auffuͤhrt und bey jeder die Sippe bemerkt.
Bey den Moctuen ift der DVerfaffer vorzüglich der Bearbeitung
von Guenee gefolgt, bey den Scyaben der vor Zeller;
das Uebrige hat er nady feinen Ideen dargeftellt. Das Bud)
ift eigentlidy Eein ‚Catalog, fondern ein Handbuch mit den Cha—
racteren der Sippen, welche er feinen Grundfägen zu folge bloß
nad) der Sliege entworfen hatz jedoch gibt er auch das Nöthige
vom den Raupen: und Puppen.
Bey den Gattungen ftehen die Hauptfchriftfteller, das Land
und die Flugzeit, Leider ift der DVerfaffer im vorigen Sahre
geftorben.
Es wird’ unfern Lefern angenehm feyn, eine Kenntniß von
dem Spftem zu erhalten. Die Zünfte folgen nach der alten
551
Benennung fo aufeinander: Diurna, ‚Crepuscularia, Bomby-
ces, Noctuae, Pyrales, Geometrae, Tortrices, Tineae.
Fam. I. Diurna. -
Divisio I.: Tibiae posteriores calcare unico armatae.
Sectio 1. Tetrapoda, Suspensa.
Trib. 1. Danaidae: Danais (Euploea).
Teib. 2. Argyonidae: Argynnis, Melitaea.
Trib. 3. Vanessidae: Vanessa.
Trib. 4. Libytheidae: Libythea.
Trib.5. Nymphalidae: Limenitis, Nymphalis, Apa-.
tura, 'Charaxes.
Trib.6. Satyridae (Hipparchiae): Arge, Erebia,
Chionobas, Satyrus.
Sectio 2. Hexapoda, Cincta.
Trib. 7. Papilionidae: Papilio, T'hais, Zerynthia.
Trib. 8. Parnassidae: Doritis, Parnassius.
Trib. 9. Pieridae: Leuconea crataegi, Pieris (Pontia),
Anthocharis, Zegris eupheme, Leucophasia sinapis.
Trib. 10. Rhodoceridae: Rhodocera, Colias.
Trib. 11. Lycaenidae: Thecla, Polyommatus.
Trib. 12. Eryeinidae: Nemeobius (Hamearis).
Divisio 1l.: Tibiae ‘posteriores calcaribus duobus
armatae, Hexapoda.
Trib. 13. Hesperidae: Steropes, Hesperia, Syrichtus,
Spilothyrus malvae, Thanaos tages.
Fam. ll. Crepuscularia p. 39.
Divisio I. Tibiae posteriores calcaribus: distinctis.
Trib. 1. Sphingidae.
Seetio 1. Sphinx, Deilephila, Acherontia, Macro-
glossa, Pterogon.
Sectio 2. Smerinthus (Laotho£).
Tribus 2. Sesiaeidae: Thyris, Sesia.
Divisio Il. Tibiae posteriores calcaribus vix distinetis.
Trib. 3. Zygaenidae: Zygaena, Syntomis, Procris,
Aglaope (Atychia).
Fam. III. Noeturna p. 55. (A. Bombyces).
Trib. 1. Lithosidae: Naclia, Melasina, Emydia, Dejo-
peia pulehra, Lithosia, Calligenia rosea, Setina roseida.
Nudaria mundana.,
Trib. 2. Chelonidae: Euchelia jacobeae, Callimorpha,
Euthemonia russula, Chelonia, : Trichosoma parasitum,
Arctia fuliginosa, ;
Trib. 3. Psychidae: Typhonia (Chimaera), Psyche,
Heterogynis penella.
Trib. 4. Liparidae: Penthophera morio, Liparis, Leu-
coma nigrum, Laelia coenosa, Dasychira pudibunda,
Orgyia, Colocasia coryli, Clidia 'geographica.
Trib. 5. Lasiocampidae: Megasoma repandum, Lasio-
campa pruni, Odonestis potatoria.
Trib. 6. Bombycidae: Clisiocampa neustria, Trichiura
erataegi, Cnethocampa processionea, Eriogaster lanestris,
Poecilocampa populi, Crateronyx dumeti, Bombyx rubi.
Trib. 7. Attacidae: Attacus (Saturnia).
Trib. 8. Endromidae: Aglia, Endromis.
Trib. 9. Hepialidae: Cossus, Zeuzera,
arundinis, Hepialus.
Trib. 10. Endagridae: Stygia, Atychia appendiculata,
Eindagrina pantherina.
Trib. 11. Limacodidae: Limacodes (Heterogenea).
Trib. 12. Platypteridae: Cilix spinula, Platypteryx.
Macrogaster
552
Trib. 13. Dieranuridae: Dieranura (Cerura), Harpyia
(Stauropus), Uropus ulmi, Asteroscopus: cassinia.
Trib. 14. Notodontidae: Ptilodontis palpina, Lo-
phopteryx camelina, Ptilophora plumigera, Leiocampa
dietaea, Notodonta dromedarius, Peridea trepida, Dry-
nobia velitaris, ‚ Heterodonta, argentina, , Mierodonta
bicolora, Chaonia dodonaea, Gluphisia erenäta, Diloba
caeruleocephala,
Trib. 15. Pygaeridae: Pygaera, Clostera curtula.
Trib. 16. [B. Noctuae] p. 6. Bombycoidae.
Acronycta, Elatina coenobita, Diphthera, Bryophila.
Trib. 17. Noctuo-Bombycidae: Cymatophora (Cero-
pacha), Cleoceris. viminalis, Tethea.
Trib. 18. Orthosidae: Trachea, Episema, Semiophora
gothica, Anchoeelis litura, Orthosia, Cerastis, Glaea
rubricosa, Dasycampa rubiginea, Mecoptera satellitia,
Xanthia, Hosporina eroceago, Gonoptera libatrix, Cir-
roedia ambusta, Plastenis retusa, Mesogona acetosellae,
Cosmia trapezina.
Trib. 19. Gortynidae: Hydroecia nietitans, Gortyna.
Trib. 20. Nonagridae: Nonagria.
Trib. 21. Leucanidae: Mithymna, Leucania, Simyra,
Synia musculosa.
Trib. 22. Caradrinidae: Grammesia trilinea, Caradrina,
Hydrilla palustris, Stilbia stagnicola.
Trib. 23. Apamidae: Glottula pancratii, 'Apamea, .
Luperina infesta, Xylophasia polyodon.
Trib. 24. Hadenidae: Aplecta herbida, Pachetra leuco-
phaea, Hadena, Phlogophora lucipara, Solenoptera
meticulosa, Eurhipia, Dianthoecia, Jlarus, Polia, Neu-
ria saponariae, Chariptera culta, Agriopis aprilina,
Valeria oleagina, Miselia, Epunda lutulenta, Polyphae-
nis prospicua, Cerigo cytherea, Jaspidia, Placodes,
Eriopus, Thyatira.
Trib. 25. Noctuelidae: Hiria linogrisea, Triphaena,
Segetia xanthographa, Noctua, Opigena, Actebia prae-
cox, Chersotis, Agrotis, Charaeas graminis, Heliopho-
bus, Spaelotis, Rusina tenebrosa.
Trib. 26. Amphipyridae:Spintherops, Amphipyra,
Syntomopus einnamomeum, Scotophila, Mania.
Trib. 27. Xylinidae: Dipterygia pinastri, Xylocampa,
Lithorhiza, Hyppa rectilinea, Egira eonspieillaris, Calo-
campa exoleta, Xylina, Cloantha, Cleophana, Epimecia
ustulata, Cucullia, Charielea delphinii.
Trib. 28. Heliothidae: Anthoecia, Anarta, Heliodes
rupicola. .
Trib. 29. Calpidae, Calpe.
Trib. 30. Plusidae: Abrostola, Plusia. 42
Trib. 31. Catocalidae: Catocala, Catephia.
Trib. 32. Ophiusidae: Bolina cailino, Ophiodes luna-
ris, Ophiusa, Toxocampa lusoria, Cerocala, Mierophysa
jucunda.
Trib. 33. Anthophilidae? Anthophila, Micera paula,
Glaphyra glarea, Leptosia velox.
Trib. 34. Agrophilidae: Metoponia flavida, Agrophila
Hydrelia argentula.
Trib. 35. Anomalidae: Timia margarita.
Trib. 36. Phalaenoidae: Brephos.
Trib.37. Goniatidae: Euclidia, Metoptria monogramma.
Trib. 38.:Acontidae: Acontia. }
953 —
4
Trib.:39. Noetuo-Phalenidae: Phytometra aenca,
Oratocelis communi macula, Haemerosia, erastria.
[C. Pyrales].
Trib. 40. Pyralides p. 194.
Subtrib. 1. Hercynites: Boreophila manualis, Hereyna,
Orenaja alpestralis.
Subtrib. 2. Ennycehites: Threnodes pollinalis, Ennychia,
Pyrausta, Rhodaria sanguinalis.
Subtrib. 3. Pyralites: Pyralis, Asopia, Stenia punctalis.
Subtrib. 4. Nympbulites: Hydrocampa, Nymphula.
Subtrib. 5. Scopulites: Pionea forficalis, Scopula.
‘ Subtrib. 6. Botytes: Lemia pulveralis, Odontia dentalis,
Rivula sericealis, Botys, Udea ferrugalis, Stenopteryx
hybridalis.
Subtrib. 7. Cledeobites: Cledeobia bombycalis.
Subtrib. 8. Aglossites: Aglossa.
Subtrib. 9. Herminites: Sophronia emortualis, Hermi-
nia, Hypena, Madopa salicalis, Helia calvarialis, Zethes
insularis.
Trib. 4). Phalaenidae [D. Geometrae].
Subtrib. 1. Ennomites: Rumia crataegaria, Metro-
campa, Urapteryx, Ennomos, Himera pennaria, Ange-
rona prunaria, Crocallis, Eurymene dolobraria, Aventia
flexularia, Philobia notataria, Epiona emarginaria, Go-
donela, Tionela, mandra amataria.
Subtrib.2. Chlorochromites: Chlorochroma vernaria,
Hemithea, cytisaria, Phorodesma, Geometra papilio-
naria,
Subtrib. 3. Gnophites: Gnophos, Elophos.
Subtrib. 4. Boarmites: Tephrosia, Boarmia, Hemero-
phila petrificaria.
Subtrib. 5. Cleorities: Cleora lichenaria, Boletobia,
Mniophila.
Subtrib. 6. Amphidasites: Amphidasis, Nyssia hispi-
daria, Phigalia pilosaria.
Subtrib. 7. Hibernites: Hibernia, Anisopteryx aescula-
‘ ria, Chemerina.
Subtrib. 8. Fidonites: Halia wavaria, Scordiona, Name-
ria pulveraria, Ploseria, Thetidia, Ligia opacaria, Fido-
nia, Eupisteria, Hyria, Phyllometra, Heliothea, Speranza.
Subtrib. 9. Aspilatites: Cleogene tinctaria, Pellonia
vibicaria, Aspilates, Egea pravaria, ‚ Phasiane palum-
baria. Tephrina murinaria.
Subtrib. 10. Eubolites: Anaitis plagiaria, Eubolia men-
suraria, Eusebia bipunctaria, Coremia ferrugaria.
Subtrib. 11. Cidarites: Cidaria, Cheimatobia brumaria,
Ypsipetes impluviaria, Phaesyle eaesiaria, Lobophora
hexzpteraria, Acasis viretatia, Corythea juniperaria,
Chesias spartiaria.
Subtrib. 12. Larentites: Larentia, Eupithecia pusillaria.
Subtrib. 13. Melanthites:-Melanthia adustaria, Mela-
nippe marginaria,
Subtrib.14. Zerenites, Venilia macularia, Zerene,
Corycia temeraria.
Subtrib.15. Caberites: Ephyrapunctaria, Cabera, Stega-
nia-permutaria, Ületa vittaria.
Subtrib. 16. Acidalites: Dosithea ornataria, Acidalia,
Strenia celathratia.
Subtrib. 17. Sionites: Siona dealbaria, Acalia tenehraria,
Sthanelia, Minoa, Anthometra plumularia.
Iſis 1847. Heft 7.
554
Subtrib. 18. Dasyditess Odezia choerophyllaria, Psodos,
Dasydia torvaria, Pygmaena venetaria.
Trib. 42. Platyomidae [E. Tortriees] p. 281.
Xylopoda, Nola strigulana, Sarrothripa revayana, Halias,
Tortris, Amphisa gerningana, Oenophthira pilleriana,
Ptycholoma ministrana, Xanthosetia hamana, Argyrotoza
holmiana, Peronea sparsana, Glyphiptera literana, Teras.
Phibalocera fagana, Hypercallia christiernana , Aspidia
eynosbana, Anthitesia salicana, Penthina hartmanniana,
Sciaphila, Paedisca, Sericoris, Coceyx, Carpocapsa, Gra-
pholitha, Ephippiphora jungiana, Phoxopteris, Cochylis,
Argyrolepia tessarana, Argyroptera gouana.
Trib. 43. Sohoenobidae: |F. Tineae] p- 311. Seirpo-
phaga, Schoenobius gigantellus, Chilo.
Trib. 44. Crambidae: Crambus, Eudorea ambiguella,
Hythia, Diosia marginella, Phyeis, Galleria.
Trib. 45. Yponomeutidae: Myelophila, Aedia pusiella.
Yponomeuta, Psecadia, Chalybe, Pyraustella.
Trib. 46. Tineidae: Diurnea fagella, Lemmatophila,
Cheimonophila gelatella, Epigraphia atomella, Caulo-
bius sparganiellus, Haemilis, Anacampsis populella, Lita,
Enolmis acanthella, Aconıpsia (Gelechia), Butalis, Hyp-
solopha, Rhinosia, Alucita xylostella, Ateliotum, Anar-
sia, Macrochila rostrella, Palpula, Fugia daphnella,
Harpipteryx.
Parasia neuropterella, Chauliodus , Dasycera oliviella,
Lampros, Enicostoma geoffrovella, Chelaria conscriptella,
Stenoptera orhonnella, Ineurvaria masculella, Adela, Nemo-
tois, Nomophora (Nematopogon), Solenobia lichenella,
Micropteryx, Aechmia, Tinagma metallicella,
Glyphipteryx, Phygas, Euplocamus, Tinea granella,
Roeslerstammia, Oecophora, Argyresthia, Coleophora,
Graeillaria, Coriscium, Ornix, Cosmopteryx, Elachista,
Opostega, Lyonetia, Lithocolletis, Tischeria.
Trib. 47. Pterophoridae.
Subtrib. 1. Pterophorites: Adactyla (Agdistis),
Pterophorus.
Subirib. 2. Orneodites: Omeodes.
Nicht zu billigen iſt, daß die Tribus unter den Nachtfaltern
ohne Gliederung auf einander folgen, indem dadurch die Ueber-
ſicht erſchwert und die Kenntniß der Tribus eine bloße Suche
des Gedächtniffes wird. Der Werfaffer hat während einer Ian-
gen Neihe von Jahren ſich aufs eifrigfte mit den Kaltern und
Raupen befchäftige und Arbeiten. geliefert, die aller Anerkennung
werth find. Wie ſchädlich es aber ift, ſich nur mit einer ein zi⸗
gen Thier-Claſſe oder Ordnung mit Ausſchluß aller andern zu
befchäftigen, davon: geben hier die neuen Sippennamen einen
fhlagenden Beweis, indem wirklich eine Menge davon in andern
Drdnungen ſchon ebenſo aufgeftelit find, oder nur mit geringen
Uenderungen in dieſem eder jenem Buchſtaben oder im Ge—
ſchlecht. Uebrigens ‚fallen nicht alle dem DVerfaffer zur Laft,
außer infofern er fie aufgenommen und alfo nicht gewußt hat,
daB fie ſchon vergeben. find. Boisduval hat fich nicht viel
beffer in Acht genommen, fonft würde er feinen Schmetterling
Chelonia genannt haben; auch Stephens und Guenee,
ſelbſt Treitſchke haben nicht wenig Namen gemacht, welche
fhon vorhanden waren, Mit dergleichen Fehlern find behaftet:
Nemeobius, Trichosoma, Typhonia, Laelia, Colocasia,
.Megasoma, Trichiura, Macrogaster, Heterodonta, Miero-
donta, Elatina, Cerastis, Hydrilla, Placodes, Hirya et
39:
555
Hyria, Dipterygia, Hyppa, Glaphyra, Hydrelia, Timia,
Stenopteryx, Sophronia, Helia, Rumia, Tephrosia, Bole-
tobia, Halia, Ligia, Coremia, Ypsipetes, Melanthia, Veni-
lia, Ephyra, Euchelia, Peronea und nody manche andere.
Paläozoologie.
Entwurf einer ſyſtematiſchen Darſtellung der Fauna der Vorwelt von
Dr. Chr. G. Giebel. Merſeburg bey Nulandt. 1846. 8. 360.
Man muß bey dieſem Werk anerkennen, daß es keine mecha—
niſche Aufzaͤhlung der Gegenſtaͤnde iſt, wie wir ſie ſchon bey
Dutzenden haben, ſondern nach wohluͤberlegtem Plan und mit
großem Fleiß bearbeitet. Der Verfaſſer betrachtet die Verſteine—
rungen als ein geſchloſſenes Ganzes und daher die Palaͤologie
als eine unabhaͤngige Wiſſenſchaft, welche ſich der andern nur
als Huͤlfsmittel bedient. Das werden ihm wohl wenig Natur:
forfcher zugeben. Uebrigens übt diefe Beſchraͤnkung weiter keinen
nachtheiligen Einfluß auf die Brauchbarkeit des Buches aus,
wenn man nicht etwa den Umftand dahin rechnen will, daß man
nicht immer ohne Nachfchlagen weiß, zu welcher lebenden Sippfchaft
dieſe und jene hier aufgeführte Verfteinerungen gehören, fo tie
auch, daß der Verfaffer manchmal Verfteinerungen in eine Sipp—
fchaft vereinigte, welche unter den lebenden Thieren in verfchiedes
nen Sippfchaften ftehen, wie z. B. Serpula, Terebella, Spir-
orbis, darauf Balanodea, Entomostraca, Brachyura uſw.
Das leßtere mag indeffen zum leichtern Beltimmen bequem ſeyn,
und fo Eommt e8 bey diefem Zwecke nicht darauf an, ob e8
natürlich ift oder nicht.
Er legt der ganzen Anordnung des Werks die Ciutheilung
der Thiere in 3 große Haufen zum Grunde: irreguläre, veguläre
und ſymmetriſche Formen; jene die Infuſorien, die anderen die
Polypen und Nadiaten, diefe die Molusken und Wirbelthiere,
Kerner theilt er die Thiere ab in Bauchthiere, Gliebderthiere
und MWirbelthiere. Zu den erften Infuforien, Polypinen, Radia—
ten und Mollusken. Die zweyten werden nad) den Elementen
eingetheilt in Waffer : Gliederthiere (Würmer), in amphibifche
Gliederthiere (Gruftaceen), in Land-Gliederthiere (Urachnoiden)
und in Luft-Gliederthiere (Inſecten).
Die Wirbelthiere zerfallen nach demfelben Princip in Fifche,
Lurche, Vögel und Haarthiere. Auf diefe Weife befommt er
12. Glaffen.
Die Verfteinerungen endlich theilt er nad) den geologifchen
Perioden in drey Haufen: der Uebergangs- Gebirge, der Floͤtz⸗
Gebirge und der tartiären Formationen.
Die ältefte Periode, für die Verfteinerungen nehmlich, beginnt
mit dev Graumaden -Formation, und umfaft das Steinfohlen-
und Kupferfchiefer- Gebirg, nehmlich Alles was unter der ſoge—
nannten Trias liegt.
Das Merk zerfällt nun nad) biefen Worbegriffen in 3 Capi=
556
tel: die Periode des Mafferlebens, Durhgangs- Periode und
Deriode des Land- und Luftlebens. Jede Periode theilt fich
wieder nach den drey Grundformen des Thierreichs: Bauch—
thiere, Glieder und MWirbelthiere. Die erfte Periode hat in
der dritten Grundform nur Fifche, die zweyte Fiſche und Lurche,
die dritte alle obern Thier-Claſſen.
Die erfte Periode ©. 25 fteht nun fo:
Erfter Typus: Gasterozoa.
Erſte Stufe: Amorphozoa.
Erfter Kreis: Phytozoa: Spongien u. dgl.
Zweyter Kreis: Infuforien.
Zweyte Stufe: Zoophyta.
Erfter Kreis: Polypina.
Familien: Tubiporinen, Gelleporinen, Gorticiferen.
Zweyter Kreis: Radiata.
Samilien: Grinoiden, Echinoiden.
Dritte Stufe: Conchifera.
I. Bivalvia.
Erfter Kreis: Conchina.
Familien: Monompyarier, Dimyarier.
Zweyter Kreis: Brachiopoda.
Familien: Zerebratulinen, Productinen.
Il. Univalvia.
Dritter Kreis: Monothalamia.
Familien: Patellinen, Trochoiden, Schizojtomen, Pyramoiden,
Nautiloden.
Vierter Kreis: Polythalamia:
Familien: Orthoceratiten, Goniatitiden.
Zweyter Typus: Arthrozoa S. 54.
Erſter Kreis: Palaeadae.
Familien: Trilobitiden, Cytheriniden, Eurypteriden.
Zweyter Kreis: Insecta.
Aptera, Tetraptera.
Dritter Typus: Vertebrata ©. 59.
Erfter Kreis: Placoides.
Familien: Schthyodorulithen, Cladodinen, Leftracioniden.
Zweyter Kreis: Goniolepidoti.
Samilien: Gephalafpiden: Cölacanthoiden, Acanthodiden, Lepi—
dofteen, Sauroiden, Saurier,
Bey jeder Abtheilung fteht der Character nebſt Bemerkungen
und fodann werben die Sippen reihenweife aufgeführt mit Angabe
der Zahl der Arten, der Formationen und der Schriftfteller.
Dann folgt ©. 72. eine tabellarifche Ueberficht der Sippen
mit den Formationen und der Artenzahl in Spalten.
Auf ähnlich fuftematifche Art werden auch die beiden andern
Perioden behandelt S. 80 und 193, natürlih mit Vermehrung
und Verminderung der Glaffen und Familien.
557
|
958
Profeſſor DEen,
über die Schädelwirbel,
Gegen Segel und Göthe.
Da ih in Hegels Schriften, fo ‚weit fie die Natur betrafen,
nur ſehr allgemein gehaltene, bloß logifhe Säge bemerft, vor:
züglich in der organifhen Welt nur empiriſche Ercerpte ohne
philofopbifhen -Zufammenhang, von Princip, Conftruction, ges
netifcher oder phpfiologifcher Entwidelung der Organe der Pflan:
zen und Thiere feine Spur gefunden, ic mich aber vorztglich
der Entwidlung und Begründung des Cinzelnen zugemwendet
habe und alfo nichts aus Hegel3 Büchern brauchen konnte; fo
babe ich die neue Ausgabe nicht weiter beachtet, nehmlih ©.
MW. Fr. Hegels Werke. Vollſtaͤndige Ausgabe durch einen
Berein von Freunden des WVerewigten. Band VI. Naturphilo-
fophie, berausgegebeu von Dr. C. 8. Michelet. Berlin bey
Dunder 1842, 8. -»
Nun finde ich in Profeffor 8. Ph. Fifhers Werk: Spe-
culative Characteriftit und Kritit des Hegelfchen Spftems. Er—
langen 1845. ©. 361., daß jenes Buch fih aud mit mir
befchäftiget hatte. Beym Nahfchlagen treffe ih ©. 567. auf
folgende Stelle:
„Der Grundorganismus des Knochens ift der Ruͤckenwirbel,
und Alles nur Metamorphoſe deſſelben, naͤmlich nach inwendig
eine Roͤhre und deren Fortſaͤtze nach Außen. Daß dieß die
Grundform der Knochenbildung fen, bat beſonders Göthe (zur
Morphologie ©. 162. 248. 250. 339.) mit feinem organifchen
Naturſinn gefehen und die Uebergänge vollfommen verfolgt, in
einer fchon 1785. verfaßten Abhandlung, die er in feiner Mor:
phologie herausgab. Oken, dem er die Abhandlung mittheilte,
bat ihre Gedanken in einem Programm, das er darüber fchrieb,
geradezu als fein Eigenthum ausgeframt, und fo den Ruhm
davon getragen. Göthe zeigt (und es ift eine der fchönften
Anfhauungen, die er gehabt), daß die Kopffnochen ganz nur
aus diefer Form herausgebildet find: dag os sphenoideum, das
os zygomaticum (dad Sochbein), bi$ zum os bregmatis, dem
Stirnbein, welches der Hüftfnohen im Kopfe ift. Aber für
folhe Umbildung der Knochen, daß fie, flatt innere Mitte zu
feyn, jeßt umfihließend werden, und nun die Beftimmung
haben, nad Außen für die Ertremitäten, Arme, Beine ufw.
Anhaftspuncte zu werden, mit einander fich zu verbinden und
zugleich beweglich zu feyn, — fir diefe Umkehrung reicht die
Spentität der Form nicht hin, wie auch nicht beym Wegetabi-
liſchen. Diefe andere Seite, das Hereinwerfen des Rüden:
wirbel8 zu den einzelnen Knochen, hat Göthe nicht verfolgt,
wohl aber Oken. Der Rüdenwirbel ift der Mittelpunct des
Knochenſyſtems, der fih in die Extreme des Schaͤdelknochens
und der Ertremitäten dirimirt und fie zugleich verbindet: dort
die Höhlung, die fih durch Vereinigung der Flächen zur Run—
dung nad) Aufen fihliekt, hier das in die Ränge geftredte Hin:
ausgehen, das in die Mitte tritt und fich wefentlic durch Co—
häfion an die Längen der Muskeln befeſtigt.“
Diefes Kauderwelfch laffe ich auf ſich beruhen.
Sch gehe fchon feit einigen Jahren damit um, Göthes
Anmaafungen über die Mirbelbildung zuruͤckzuweiſen: allein
während der Ausarbeitung meiner allgemeinen Naturge—
fhichte blieb mir nicht eine Minute Zeit übrig, etwas ande—
res zu lefen oder zu fchreiben; und als ich damit fertig war
und an Göthe dachte, fah ich nicht nur unnüsßen Zeitverluft
vor mir, fondern auch ein ſchwieriges Zufammenfuchen von fruͤ—
heren Necenfionen meines Programmes und ein höchft wider:
liches Zufammentragen von Dingen, welche das Publicum nicht
intereffieren Eönnen, nehmlich einen Wuſt von Klatfchereyen,
Kleinlichkeiten, Eitelkeiten und Gehäffigkeiten, welche zu erzählen
ich mich bisher ſperrte, die aber nöthig find, um zu zeigen, wie
Göthe allmählich Luft und Muth bekam, fich meine Entdedung
zuzueignen.
Schon im Jahr 1836 ſpielte jemand bey Empfehlung des
neuen Abdruds eines Buchs von Göthe in der allgemeinen
Zeitung darauf an, daß ich Göthen die Idee der Schädel:
wirbel geftohlen hätte. Ich erklärte ihn ebendafeldft (20. Suny)
kurz fir einen Luͤgner, Verlaͤumder und Ehrabfchneider, worauf
er ſchwieg.
Durch diefe Befchuldigung veranlaßt, hat Profeffor Kiefer
bey der Verfammlung der Naturforfcher und Aerzte zu Jena
1836. folgendes vorgetragen und zwar in der vierten allgemei=
nen Situng, in der Gegenwart des Großherzogs und des Erb-
großherzogs, fowie der weimarifchen und altenburgifhen Minifter.
Amtlicher Bericht Über die Verfammlung deutfcher Natur:
forfher und Aerzte zu Jena im Septemder 1836. Weimar
bey Voigt. 1837. 4. ©. 95.
„Der geheime Hofratb Dr. Kiefer machte hierauf unter
Vorzeigung eines Schildkröten» Schädels folgende Mittheilung.
Ic bin es der Ehre des Stifters der Berfammlung fhuldig,
über eine Nachricht in mehreren Zeitungen, daß feine Entdeckung
über die Bedeutung der Schaͤdelknochen nicht ihm zuftehe, fon=
dern entlehnt fen, folgende Erklärung zu Protocol zu geben:
Herr Hofrath Oken hat feine Entdedung im Jahr 1806.
[Frühjahr 1807.) in meiner Wohnung unter mwechfelnder Be-
fprehung in der Miffenfchaft geweihten Stunden der Nacht
mir demonjtrirt, als derfelbe bey Gelegenheit feiner Reife nad)
der Inſel Wangeroog mid), den damaligen Stadtphnficus zu
Northeim ben Göttingen, - längere Zeit befuchte. — Der von
ihm hierzu. eigens zerfprengte Schädel einer Schildfröte aus
meiner Sammlung hat ſich gluͤcklicher Weiſe jest, nach 30 Jahren,
noch vorgefunden. Die einzelnen MWirbelfnochen des Schaͤdels
find von feinee Hand, die leicht Eenntlich ift, bezeichnet; und ich
freue mich, diefen das Eigenthbum feiner Entdeckung beweifenden
Schädel bier vorzeigen zu Fünnen. — Darauf im [Spät:]
Sabre 1807., als Oken nah Sena berufen wurde, erſchien
fein Antrittspeogramm: „Ueber die Bedeutung der Scyädel-
knochen.“ — Dieß ift Factum, für deffen Treue ich bürge.
Hierzu bemerkte der Geheime Medicinalrath Lichtenftein:
8
559 x
daß auch ihm der Herr Hofrath DEen die in Nede ftehende
Entdekung im Jahre 1806* ausführlid) mitgetheilt habe.“
Sch hätte mich daben beruhigen £önnen, ° Allein dennoch Fam
Hegels Buch mit obiger Stelle noch im Jahr 1842. Darauf
alſo nur Folgendes:
Ich habe die Entdeckung im Jahr 1806. gemacht (Iſis
1818. 511.) und im Jahr 1807. die Abhandlung daruͤber
als Privat-Docent in Goͤttingen geſchrieben, alſo zu einer
Zeit, wo Goͤthe ohne Zweifel nichts von meiner Eriftenz
wußte.
Diefe Abhandlung fchiete ich nad) Jena und ließ diefelbe bey
Göpferdt drucken ald Antritts-Programm der Pro=
feffur dafelbft, wo Göthe geheimer Rath und Cu—
vator der Univerfität war. Diefes allein wäre hinläng-
lich, um die freche Lüge zu widerlegen.
Sch ſchickte natuͤrlich Göthen wie den andern Negierungs-
gliedern ein Exemplar zu. Dieſe Entdeckung hat ihm fo ges
‚ fallen, daß er mich einlud, in.den Dfterferien 1808. auf 8 Tage
zu ibm nah Weimar zu kommen, was ich auch gethan,
Diefe Lehre, anfangs verlaht und verfpottet wurde nachher
mit foviel Eifer ergriffen, daß mehrere es verfuchten, diefelbe
auf allerley Schleichwegen als die ihrige einzuſchwaͤrzen. So
lange dieſe Lehre: verhoͤhnt wurde, ſchwieg Göthe; als ſie aber
in Meckels Werke uͤbergieng, in Spixens Cephalogene-
sis 1815., in Ulrichs Schildkroͤtenſchädel 1816. ufw., und
alfo Ruhm zu verfprechen anfieng, fo entftand allmählich ‚unter
den Weimaranern, welche gern alles-ihrem Goͤthe zufchrieben,
was Neues in Jena zum Vorfchein Fam, ein Gemurmel, daß
diefe Idee auh von Goͤthen herrühre, Um diefe Zeit kam
Bojanus, Profeffor zu Wilna (der viel in die Iſis arbeitete,
dem ich freundfchaftlih verbunden war, den ich in feiner toͤd—
lihen Krankheit auf 8 Tage bey Darmftadt 1826. befuchte)
nab Weimar, wo er bey Verwandten wohnte. Dafelbft hörte
er nun von dem Gemurmel über Goͤthes Entdedung, ſchenkte
ihr halb Glauben und ſchickte mir darüber dieſes Gerede zu,
das ich ohne Bedenken in der Iſis abdrucen ließ 1818. ©. 509.
Darauf zeigte ih num an, daß ich meine Entdedung gemacht
babe im Spätjahr 1806. am Schädel eines Hirſches auf einer
Harzteife. Ebenda ©. 511.
Nun Bojanus die Sache zur Sprache gebracht hatte, bes
kam Goͤthes Eitelkeit Muth und er kam hinterher, drenzehn
Jahr nady meiner Entdedung, und fagte (Morpbelogie J. 2.
1820. ©. 250.): „er ſey feit dreyfig Jahren. von diefer gebeis
men Verwandtfchaft überzeugt und habe Betrachtungen darüber
immer fortgefegt” — im Jahr 1791. nach feinen nachgelaffenen
Merken. Band X. 1833. ©. 94.
Obſchon ich ihm nun aus feinen anderen, ganz verwirrten
und. ideenlofen ofteologifhen Auffägen (datiert 1795. Morpho—
logie ebd. ©. 145.) leicht hätte -beweifen Eönnen, daß er Feine
Ahnung davon hatte; ſo wird man doch wohl begreifen, daß
diefer Schritt fehr am unrechten Det gewefen wäre, befonders
da Goͤthe fich hütete, meiner zu, erwähnen. Da ich aber, wie
natürlich, darüber fchwieg, und feine Familiares, wie- fie fic)
felbft nannten, worunter auch der verrückte Schelver, ihm die Ent—
deckung in Schriften zufchrieben (daber Goͤthe fie lobte) ; fo. wuchs
fein Muth immer mehr und er befam nad) 4 Jahren (1824.)
* Jin Spätjahe zu Braunſchweig.
560
nun felbft die Kedheit, auf eine jedoch vorfichtige und verſteckte,
nötbigenfalls zum Abläugnen brauchbare Weife zu verftehen zu
geben, als wenn ic) fein Plagiarius wäre. Das Böfe, was
G. von der Iſis fagte und prophezevte, hat fich felbft Lügen
geftraft. Die Necenfion von feinem „Leben, Wahrheit und
Dichtung“ in der Iſis 1817. Nr. 42., welche man dem Lord
Byron zufchreibt, erklärt hinlänglich feinen Zorn gegen letztern und
feine Nachfucht gegen mich. Er war es, der den Großherzog Carl
Auguft gegen mic, aufjtiftete und die Mißhandlung hervorrief
und unterhielt, welhe mir in Weimar zu Theil geworden ift.
Er ſchreibt ©. 122, zur Morphologie Band I. Heft 2.
1824. folgendes:
„Im zweyten Theile der Morphologie Seite 50. [250] ſteht
ein Bekenntniß, wie ich erft drey, dann ſechs MWirbelfnochen
anzufchauen und anzuerkennen veranlaßt worden. Hierin fand
ih nun Hoffnung und Ausfiht auf die fchönfte Beruhigung,
bedachte möglichft die Ausbildung, diefes Gedantens ing Einzelne
Eonnte jedoch nichts Durchgreifendes bewirken, Zuletzt fprad)
ich bievon vertraulich unfer Sreunden, welche bedaͤchtig zuſtimm—
ten. und auf ihre Weife die Betrachtung verfolgten.
Im Sahre 1807. fprang dieſe Lehre tumultuarifch und un—
vollftändig ins Publicum, da e8 ihe denn an vielem Widerftreit
und einigem Benfall nicht fehlen Eonnte. Mieviel ihr aber die
unreife Art des. Vortrags gefchadet, möge die Gefchichte dereinft
auseinanderfeßen; am fchlimmften wirkte der falfche Einfluß auf
ein würdiges Prachtwer&, welches Unheil fich in der: Folgezeit
leider immer mehr und mehr offenbahren wird.’ ‚Hier meynt er
ohne Zweifel Spirens Cephalogenesis.)
Diefen hämiſchen und. verſteckten Angriff, hätte, ich nun be=
antworten follen. Da mid) aber Goͤthe nicht genannt, im
Grunde auch nicht befhuldiget hat, und. ich uͤberdieß in Jena
wohnte; fo würde ich, wie leicht. einzufeben ift, dadurch in. die
größten Unannehmlichkeiten verwidelt worden feyn.
Sch dachte, die Naturforfcher und Anatomen waͤren mit. der
Lage der Sache befannt, und. ich Eönnte ihr Urtheil ruhig, ab=
warten, Die Belletriften aber, welche überall das große Wort
führen und von meinen Schriften nichts wußten, nahmen die
Andeutungen Göthe8 begreifliher Weiſe an, und verfündigten
den Ruhm ihres Mannes in aller Welt. Die Naturforfcher
aber, welche mit dem Gang diefer Lehte bekannt waren, wie
Medel, Spir, Ulrih, Carus, Cuvier, Geoffroy
St. Hilaire, Albers, Burmeifter, Straug-Dürd:
beim, Owen, Kieſer und Lichtenſtein haben Gerechtig—
keit geübt und Göthen zurüdgewiefen. Damit war id) zus
frieden. Mit Degels Buch ift es aber etwas anderes.
Goͤthe ſelbſt erklärt durch obige Stellen, daß er nie einen
Auffag über. diefen Gegenftand gefchrieben habe. Kann man
alfo die Stelle in. Hegels Bud) anders als ein Bubenſtůct
nennen?
Ich erkläre daher die Angabe in dieſem Buch als Lüge und
Ehrabfhneidung,, und wenn der. Herausgeber im etiwa einer zwey—
ten Auflage dieſe Erklärung nicht wortlih aufnimmt ;. fo, werde
ich ihn. alg gewiffenlofen Ehrabfchneider gerichtlich verfolgen, und
das um. fo mehr, als Hegel in den von ihm felbft dem Drud
übergebenen. Schriften nichts dergleichen gejagt und der Heraus—
geber diefem Band aus Hegels abgelegten Manuſcripten, ja
fogar aus Collegien-Heften von Studenten, jedenfalls Leichefinniger
Weiſe zuſammengeſ hat.
— — — BIT Do m
“
*
Literariſcher Anzeiger.
1847.
M XL.
——————— —— — ET ET — — —
Dieſer Literariſche Anzeiger wird den bei F. A. Bro@pans in Leipzig erſcheinenden Zeitfhriften „Blätter für literariſche Unterhaltung“
und „fl“ beigelegt oder beigeheftet, und betragen bie Infertionsgebühren für die Zeile oder deren Raum 2Y, Nor.
PVerlags- und Commiffionsartikel
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1547. 1% 2. pril bie Juni
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robiona i wydana przez S. &. 12. Poznai. 10 Ner.
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Gr. 12. Geh. 1 Thir. 24 Ngr.
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in Wien ift foeben erfchienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen:
Khleſlꝰs
des Cardinals, Directors des geheimen Cabinetes Kaiſers Mathias,
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Mit der Sammlung von Khleſl's Briefen, Staatöfhreiben, Vorträgen, Gutachten, Decreten, Patenten, Dentzetteln
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Erfter Band. 44 Bogen in gr. 8. Mit Khlefl’s Portrait. %
Broſch. 3 Zhlr., oder 4 8. 30 Kt. &.:M, *
Das ganze Manufeript iſt vollendet in unſern Händen, und wird der Druck ohne Unterbrechung gefördert. Der zweite Band
ift bereits unter der Preſſe.
Sn meinem Berlage erfchien und ift durch alle Buchhand-
lungen zu erhalten:
Der deuffchen Auswanderer
Fahrten und Schickſale.
Friedrich Gerstäcker.
Mit einer Karte der Vereinigten Staaten von Nordamerika.
Gr. 8. Geh. 1 Thlr.
Diefes intereffante Werkchen bildet zugleich den vierten
Band der in meinem Verlage erfcheinenden Volks-Bibliothek,
deren übrige Bände unter befondern Ziteln :
1. Joachim Nettelbed, Bon Eh. L. Haken.
Zweite Auflage. 1845. 1 Zhlr.
1. Der alte Heim. Bon &. W. Kessler.
Zweite Auflage. 1846, 1 Thlr.
MM. Die Sprichwörter der Deutichen, Von W.
Horte. Neue Ausgabe. 1847. 1 The.
fortwährend durch alle Buchhandlungen zu beziehen find.
Zeipzig, im Juli 1847. ;
F. A. Brockhaus.
Benachrichtigung,
das Handwörterbuch der griechiſchen Sprache von
Pape, und das Grammatiſche Wörterbuch der
engliſchen Sprache von Thieme betreffend.
Das bei uns erfchienene « Handwörterbuh der griechifchen
Sprache von Pape in zwei Banten» erlaffen wir fortwährend zu
dem urfprüglichen Subferiptionspreife von 6 Thlr., fowie den drit-
ten Band, welcher die Eigennamen enthält, zu 1’, Zhle.,
wobei überdem jede Buchhandlung in den Stand gefegt ift,
auf ſechs auf einmal bezogene Eremplare ein Frei-Exem—
plar zu bewilligen. Hiernach möge man über eine_ andere
Anzeige, daß das griechische Wörterbuch von Seiler und Ja—
cobig (Preis 71, Zhle.). das vollftändigfte und mwohlfeilfte
fei, urtheilen. Bei gleihem Preife fehlen bei legterm we—
nigftens die Eigennamen, während das Pape'ſche Wörter:
buch ohne diefelben nur 6 Thlr. Eoftetz der fonftige Inhalt muß
dem Urtheile Sachfundiger zur Vergleichung überlaffen bleiben.
Neben dem vollftandigen griechifch deutfchen Wörterbuche-
ift ferner im vorigen Jahre als vierter Band beffelben, aber
auch) "unabhängig, erfchienen: ‚
Handwörterbuch der deutſch⸗griechiſchen Sprache
zum Schulgebrauch. Lex.8. Ein ſtarker Band. Preis
27, Zhle: ‚Auf feh6 Eremplare ein Frei-Gremplar.
Gleichzeitig mahen wir auf das vortreffliche
Thiem e' ſche Grammatifhe Wörterbuch der eng-
liſchen und deutſchen Sprache. Zweite Auf:
lage. 2 Theile. 8. Dreiſpaltig. Preis 2 Thlr.
aufmerkfam. Dieſes Wörterbud) bietet Vortheile in Einrichtung,
Bolftändigkeit und Preis wie Fein anderes gleichen Umfangs. Die
rafche Verbreitung in Deutfchland und England für den Schul:
und Handgebrauch hat ſchon im zweiten Jahre feiner Erſchei—
nung eine neue Auflage nöthig gemacht. Frei-Eremplare 6 + 1.
Braunfchweig, im Suni 1847,
Keiedeich Vieweg G Sohn.
GBildersaal.
Darſtellungen aus den Gebieten der Kunſt, der
Wiſſenſchaft und de Lebenb.
Erſtes und zweites Heft.
(fir. 1—428.)
Großfolio. Geh. Iedes Heft 16 Nur.
Der „Bilderſaal“ enthält eine Auswahl der vorzüglichften
in meinem Befige befindlichen Holzfchnitte und Cliches, von de—
nen zu beigefegten Preifen [Harfe Abklatſche zu beziehen
find. Derfelbe Eann nicht nur als hübſches Bilderbuch empfohlen
werden, ſondern verdient auch befonders die Aufmerffamkeit der
Befiger von Buchdrudereien.
Zeipgig, im Suli 1847.
F. A. Brodhaus,
In Unterzeichnetem iſt foeben efienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen:
Die Architektur |
und ihr Verhältniß zur heutigen Malerei und Sculptur
Heintih Sübfe,
\ Großh. bad. Baubdirector, Ritter ıc. ıc.
Gr. 8. Brofh. Preis I Thlr., oder 1 FI. 36 Kr. N
- Nachdem der rühmlich bekannte Here Verfaſſer vor zwanzig Jahren die Frage: „In welchem Stile. folen wir bauen?”
zu beantworten geſucht, dürfte er fich durch Ausführung vieler öffentlichen Gebäude jowie duch wiederholte Kunftreifen noch
tiefer und gründlicher in diefen Gegenftand hineingearbeitet haben und jegt um fo mehr berechtigt fühlen die Principien mit
Beftimmtheit auszuſprechen, als ſich diefelbe Hauptrichtung, die er in der Architektur zu erreichen ftrebt, in der neudeutfchen
Hiftorienmalerei und Sculptur bereits einer dreißigjährigen Anerkennung erfreut. Seine vorliegende Schrift hierüber zerfällt
in drei Abtheilungen: erftens in die allgemeine Aeſthetik der Architektur, zweitens in die hiſtoriſche Betrachtung der verfchiedenen
Bauarten und drittens in die Anwendung auf die lebende Kunft. Die erfte Abtheilung berührt zunächit das Berhältniß der
Architektur zu den übrigen ſchönen Künften und die äfthetifche Nothwendigkeit der einheitlihen Richtung und engen Berbindung
mit der Sculptur und Hiftorienmalerei. Die zweite würdigt bei jeder Bauart die an derfelben erfcheinenden harakteriftifchen
und formalen Eigenfchaften vorwärts und rückwärts vergleihend. Nach diefer biftorifchen Betrachtung wird endlich in der
deitten Abtheilung die Frage über einen der Gegenwart entfprechenden Bauftil beantwortet, worüber gegenwärtig fo fehr ent—
gegengefeste Anfichten herrfchen.
Stuttgart und Tübingen, im Juni 1847.
J. ©. Cotta'ſcher Verlag.
Im Berlage des Unterzeichneten find foeben erfchienen und
duch alle Buchhandlungen Deutjchlands, Deftreihs und der
, Schweiz zu beziehen:
Aufzeihnungen
des
Generallieutenants
Friedrich Wilhelm
Grafen von Bismark.
Gr. 8. Geh. 3Thlr., oder 5 Fl. 24 fr.
Diefe Memoiren begreifen den Zeitraum von 1791 bis zum
zweiten Parifer Frieden; in der politifhen Welt, fowie bei
Militairs, dürften diefelben ein beſonderes Intereſſe erweden.
Aus dem Leben
einer deutſchen Fürſtin.
Maria Feodora Freifrau von Dalberg.
. ©r.8. Geh. Mit 3 Stahlftihen. 2 Thlr., oder 3 F1.36 Kr.
Nebſt der bewegten Lebensgefchichte einer unlängft verftorbe-
nen Fürfin enthalt dies Werk viele biographifche und hiſto—
rifche Erinnerungen, die fi) in ihren Zagebüchern aufbewahrt
fanden.
Karlörube. Franz Noldeke.
Soeben ist erschienen:
Zeitschrift
für
Beutsches Alterthum
herausgegeben
von
Moriz Haupt. _
Sechsten Bandes erstes Heft.
/ j Gr. 8. Brosch. I Thlr. a
Inhalt: Die fünf Sinne, von Jakob Grimm. — Die An-
thropogonie der Germanen, vom Wilh. Waäckernagel. —
Zwei Mordsühnen von 1285 und 1288, von Fr. Böhmer. —
Briefe aus dem 14. Jahrhundert, von Demselben. — Der
Ehrenbrief Jakob Vüterich’s von Reicherzhausen, von TA. v,
Karajan. — Ritter Ratibolt, von Demselben. — Wado,
von Karl Müllenhof. — Das Glücksrad und die Kugel des
Glücks, von Wilk. Wackernagel. — Der Welt Lohn, von
Demselben. — Die deutsche Heldensage im Lande der
Zähringer und in Basel, von Demselben. — Schretel und
Wasserbär, von Demselben. — Der tugendhafte Schrei-
ber, von Jakob Grimm und M. Haupt. — Bisleht, von Ja-
kob Grimm. — Das Todtenreich in Britannien, von Wilk.
Wackernagel.
Leipzig, im Juni 1847.
ENreidmumm’sche Buchhandlung.
RAFAEL VON URBINO
UND SEIN VATER GIOVANNI SANTI.
VON
Jg. D. PASSAVANT.
Bwei Bande. Gr. 8.
Mit 14 Abbildungen in einem Atlas in Grossfolio.
Es ift von Freunden der. Kunſt häufig der Wunſch aus-
gefprohen worden, von diefem Werke, das in der Kunftlitera-
tur Epoche gemacht und deffen Werth im In- und Auslande '
allgemeine Anerkennung gefunden hat, den Text einzeln zu
befisen, während Andere nur die Abbildungen wünfchten..
Ich habe mic; daher entjchloffen in der Ausgabe auf Belinpapier
den Tert des Merked ohne den Atlas zu 8 Thlr,
den Atlas ohne den Tert zu 10 Thlr.
von jegt ab einzeln abzulaffen. Der Preis des ganzen Werkes
bleibt nach wie vor in dieſer Ausgabe 18 Thlr., in der Pradt-
ausgabe (mit Kupfern auf hinefifhem Papier) 30 Ihr.
».2eipzig, im Juli 1847.
r FS. 2. Brodhaus.
Sonverjations - Xerifon.
Neunte, verbeiferte und jehr vermehrte Originalauflage,
Dollftündig in 15 Bünden.
Diefe neue Auflage, welche den Inhalt aller frühern Auflagen und Supplemente des Eonverfations-
Lerifon in fih aufgenommen hat, wird ausgegeben:
1) in 120 Heften, von denen monatlich 2 erjcheinen, zu dem Preife von 5 Nat.
Erfhienen: 104 Hefte.
2) bandweife, der Band auf Drudpap. I Thlr. 10 Ngr., Schreibpap. 2 Thlr., Belinpap. 3 Thlr.
Erſchienen: 13 Bände.
Sn einer neuen Ausgabe
3) in 240 Mochenlieferungen, zu dem Preife von 2", Ngr. Erſchienen: 89. Lieferungen.
KE Subjeribentenfammler erhalten in jeder Ausgabe auf 12 Exemplare 1 Freieremplar,
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Vollständig 500 Blatt in Duart, in 120 Lieferungen,
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Erſchienen: 82 Vieferungen.
Zeipzig, im Juli 1847. F. A. Brockhaus.
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wig und Holftein. Bon Kohl. Leipzig 1846. Zweiter Band.
N) € r & i t t Schluß) — Art. VI. Wei, Herzog zu Würtemberg. Bon
€ r a u rt, Heyd. Dritter Band, vollendet und herausgegeben von Dr.
Karl Pfaff. Tübingen 1844. (Schluß.) — Art. VIH. T) Die
Hundertfiebzehnter Band, i Berufung der ‚schwedischen Rodsen durch die Finnen
A und Slawen. Von Ernst Kunik. Petersburg 1844 und 1345.
1847. Januar Februar. M arı. 2) Die Völkertafel des Pentateuch. Don Gorres. Regensburg
ZZ ; 1845. — Xrt. IX. Allgemeine Sal jeihtr Der a
„., von Klemm. Fünfter Band. Leipzig 1847. — Art. X. Entwur
Subolt des hundertfiebzehnten Bandes einer praftifchen Schaufpielerfchule von Auguft Lewald. Wien
Art. I. Drei italienifche Schriften von Salv. Morfo, Dom. | 1845. — Art. XI. Zur Erinnerung an 8. 8. W. Meyer.
— —— — über ſiciliſche 3 Braunſchweig 1847.
thümer. — Art. I. ©. Bernhardy's Grundriß der griechiſchen
Siteratur. Zweiter Theil Halle 1845. — Art.’ Drei Juhalt des Anzeige-Blattes Nr. CXVEL.
Schriften über ſchwäbiſche Münzkunde von v. Pfaffenhofen, Rechenſchaft über meine handfchriftlihen Studien auf meiner
Binder und Albrecht. (Schluß.) — Art. IV. Ueber die Ro: | wiffenfchaftlihen Reife von 1840 — 44. Bon Profeffor Dr.
manzenpoefie der Spanier. (Schluß des Art. im 114. Bande.) — | Zifchendorf. (Fortjegung.)
Druck und Verlag von F. A. Brockhaus in Leipzig.
“
Literariſcher Anzeige
⁊
T,
1847. X XII.
Diefer Literarifhe Anzeiger wird den bei F. A. Brodhans in Leipzig erfheinenden Zeitfähriften „Blätter für Literarifihe Unterhaltung“
und „„Bfiß'“ beigelegt oder beigeheftet, und betragen die Infertionsgebühren für die Zeile oder deren Raum 2, Nor.
Bericht
uͤber die
Verlagsuntern
ebmungen für 1847
| F. A. Brockhaus in Leipzig,
Die mit * bezeichneten Artifel werden beftimmt im Laufe des Sahres fertig; von den übrigen iſt die Erfcheinung ungewiffer.
(FBortfesung
I. An neuen Auflagen und Neuigkeiten erfcheint
ferner:
60. Jeſter (F. E.), Ueber die Eleine Jagd, zum Gebraudhe
angehender Sagdliebhaber. Dritte, verbeiferte und ver:
mehrte Auflage- Bier Theile., Mit Kupfern. Gr. 8.
61. Jörg (J. Ch. ©.), Zehn Gebote der Diätetik,
oder ebenso viele dem Menschen vom Schöpfer auferlegte
Pflichten. Gr. 8. Geh.
>62. Kaltfhmidt (ak. H.), Neueftes und vollftändigftes
Fremdwörterbüch, zur Erklärung aller aus fremden Spra-
hen entlehnten Wörter und Ausdrüde, welche in den Kün-
ften und Wiſſenſchaften, im Handel und Verkehr vorkom—
men, nebft einem Anhange von Eigennamen, mit Bezeich:
nung der Ausſprache bearbeitet. Zweite Auflage. (In
8 Heften.) Gr. 8. 2 Thlr. 4 Ngr.
Gartonnirte @remplare werden unter befonderer Berechnung des Einban=
des geliefert.
*63. Korte (W.), Die Sprichwörter und ſprichwörtlichen
Redensarten der Deutſchen. Nebft den Redensarten der
deutfchen Zechbrüder und aller Praktif Großmutter, d. i. der
Sprihwörter ewigen Wetter-Kalender. Gefammelt und mit
vielen jchönen Verſen, Sprüden und Hiftorien in ein Bud)
verfaßt. Neue Ausgabe. Gr. 3. Geh. I Th.
*64. Die Einverleibung von Krakau und die Unterzeichner
der Schlußacte des Wiener Congreffes. ine publiciftifche
Erörterung. Herausgegeben von F. Bülau. Gr. 8. Geh.
6 Nar. J
*65. Die Kurmark Brandenburg ‚ihr Zuftand und ihre
Berwaltung unmittelbar vor dem Ausbruch des franzöſiſchen
Krieges im Deteber 1806. Won einem ehemaligen höhern
Staatsbeamten. Mit 14 Beilagen. Gr.8. Geh. 2 Thlr.
20 Rgr.—
Der Berfoffer dieſes Werkes (Sberoräſident von Baſſewis) liefert
in demſelben nicht nur eine vollſtandige, — aus amtlichen Quellen
geſchöpfte hiſtoriſch-ſtatiſtiſche Daxſtellung der Verhältniſſe diefer Provinz
unmittelbar vor den preußiſchen Kriegen mit Napoleon, ſondern zugleich
eine zuverläffige Materialienfammlung und einen Leitfaden für einen gro—
Ben Abſchnitt in der preußifchen Staatsgefhichte, ſodaß dafelbe als cin
treuer Spiegel zur Vergleichimg zwiſchen Sonft und Sept den Behörden
und Ginmohnern der Provinz zum Geſchäftsgebrauch und zur Grinnerung
erwünfcht fein dürfte.
Mandl (L.), Bandhuch der allgemeinen Ana-
tomie, angewendet auf die Physiologie und Pathologie.
Nebst einer Einleitung über den Gebrauch des Mikro-
skops. "Deutsche, nach dem französischen Original vom
66.
* 74. Wlaton’s Werke.
aus Rt. XI.)
Verfasser besorgte, mit vielen Zusätzen versehene Aus-
gabe. Zwei Bände. Mit 10 Kupfertafeln. Gr. 8.
*67. Massaloup (J. V.), Logarithmisch - trigono-
metrische Hülfstafeln. Kin zur Horizontal-Projection
gemessener Längen auf schiefen Ebenen, sowie vorzugs-
weise zum Gebrauch bei nivellitischen Arbeiten und beim
Markscheiden unentbehrliches Handbuch für Geometer, In-
genieure, Markscheider, Wasserbau- und-Chausseebeamte,
Gr. 8. Geh. 3 Thlr. 18 Ngr., dauerhaft gebunden 4 Thlr,
68. Naumann (B. F,), Handbuch der Geognosie.
Zwei Bände. -Mit 20 Tafeln und mehren in den Text
eingedruckten Holzschnitten. Gr. 3. Geh.
Bon demfelben Verfaſſer erſchien bereits dafelbft:
Lehrbuch der reinen und angewandten Krystallographie. Zwei Bände.
Mit 39 Kupfertafeln. Gr. 8. 1%0. 7 Thh.
69. Novellenfhag der Italiener. In einer Auswahl überfegt
von A. Keller. Drei Theile. "Gr. 12. Geh.
*70. Oertel (F. M.), Genealogische Tafeln zur
Staatengeschichte der germanischen und sla-
wischen Völker im 10. Jahrhunderte. Nebst ei-
ner genealogisch - statistischen Einleitung. . Mit einem
bis zu. Ende !346 fortgeführten Nachtrage.. Quer 8.
Cart. I Thlr. 15 Ner.
u — Die Jahre 1815 und 1846:
Erster Nachtrag zu den Genealogischen Tafeln des 19.
Jahrhunderts. Quer 8. Cart, 16 Ner.
‚Wie jet durch diefen Erften Nuchteag, fo wird auch für die Zukunft
diejes Werk durch jährliche Nacyiräge ftets_vollftändig echalten werden,
12. Passavant (J.D.), L’ocuvre de Raphael d’Ur-
kin, ou catalogue raisonne des ouvrages de ce maitre,
pr&cede d’une notice sur sa vie. In-8. Broch.
Bon dem Verfaſſer erſchien bereit& ehendafelbft:
Rafael von Urbino und sein Vater Giovanni Santi. Zwei Bände.
Gr. &. Mit 14 Abbildungen iu einem Atlas in: Grossfolio. ; 1839.
Belinpapier 18 Thle. ; Pracjt- Ausgabe (mit Kupfern auf dinefifhem
Papier) 30 Thir. 5 N
In der Nusgabe auf Velinpapier werden ſowol der Tert als auch die
Abbildungen dieſes Werks einzeln eulaflenz der Text Poltet apart 8 Thlr.,
der Atlas 10 Thlr,
*73. Pfeiffer (L.), Monograyhia familiae Meliceo-
rum. Gr. 8. In Heften.
Aus dem Griechiſchen überjegt von
K. Steinhart und H. Müller. In ſechs Bänden. Er:
fier Band.und folgende. Gr. 8. Geh.
Das Werk wird durch eine allgemeine Ginleitung über das Leben: und
En
die Werke Platon’s eingeführt und jedem einzelnen Dialoge noch eine bes
fondere Einleitung vorangefchidt werden,
Durch H. Müller erſchien bereits dafeldft:
Die Luftfpiele des Ariftophanes. Drei Bände. 1843—46. 5 Ehlr. 12 Nor.
°75. Prescott (W. Henry), Gefhichte der Eroberung von
Bern. Aus dem Englifchen überfegt. Zwei Bände. Gr.d.
ed.
— W. H. Prescott erſchien bereits in demſelben Verlage:
ichte Ferdinand's und Iſabella's der Katholiſchen von Spanien.
Reken rl Zwei Bände, Gr. 8. 1843. 6 Thle,
Geſchichte der, ee
übern mexicaniſchen
ende Sorten. Aus dem Englifchen überfebt. Zwei Bände.
lithographirten Zafeln. Gr. 8. 1845. 6 Thlr.
*76. Pritzel (G. A.), Thesaurus litteraturae bota-
nicae omnium gentium inde a rerum botanicarum initiis
ad nostra usque tempora quindecim millia opera recen-
sens curavit. In Heften. Gr. 4. Erstes Heft und fol-
gende. fi i J
Das erſte Heft dieſes wichtigen bibliographiſchen Wertes iſt bereits im
Druck beendigt.
*77.Raumer (F. von), Vorleſungen über die alte Geſchichte.
Zweite verbeſſerte Auflage. Zwei Bände. Gr. 8. Geh.
Dir erfte Band ift bereits ecſchienen und koſtet 2 Thlr. 20 Nar.
“78. Naumer (F. von), Nede zur Gedächtniffeier König
Friedrich's M gehalten am 28. Januar 1847 in der Eönigl.
preuß. Akademie der Wiffenfhaften. Erftie und zweite
Ausgabe. Gr. 12. Geh. 4 Nor.
Gbendafelbft erfhien von 3. v. Naumer:
d Gedächtnißfeier König Friedrich's 118., gehalten am 20. Sanuar
in der königl. Freukifhen Akademie der Biffenfepaften, Gr. 12,
43. 6 Nar.
— zur Gedähnisfeier König: Friedrich Wilhelm’s TIL, gehalten am
3. Xuguft 1843 in der Univerfität zu Berlin. Gr. 12. 1843. 8 Nor
«79. Ross (Gst.), Handbuch der chirurgischen Ana-
tomie. Gr. 8. Geh. i
Die erfte Abtheilung: „Ehirurgifche Anatomie der Extremitäten“, ift ber
reits ausgegeben und koſtet 20 Nor.
*80, Säma-Veda. Die Hymnen des SämaVeda, im Ori-
ginal, mit der Accentuation der Handschriften, heraus-
gegeben, ins Deutsche übersetzt, mit kritischen und
exegetischen Anmerkungen, die Varianten des Rig-Veda
und Mittheilungen aus den Commentaren des Säjanätschärja
zum Rig-Veda und des Mehidhara zum Jadschur-Veda ent-
haltend, begleitet und mit einem Glossar versehen von
T. Benfey. Gr. 8. Geh.
81. Schmid (R.), Die Gefeke der Angeljachfen. In der
Urfprache mit Ueberſetzung, Erläuterungen und einem anti:
quarifchen Gloffar. Zweite verbeflerte Auflage. Gr. 8.
Bon der eriten Auflage diefes Werkes, den Text nebft Ueberfepung
enthaltend (1832), find. noch Eremplare zu dem Preife von 2 Thlr. 8 Nor.
zu erhalten.
*32. Schmidt (A. €. 3.), — des in Deutſchland
in der Gegenwart wirklich geltenden gemeinen bürger-
lihen Nechts: Acht Bände. Gr. 8. Geh. k
“33. Schubert (F.), Handbuch der Forftchemie. Zwei
Bände. Mit Abbildungen. Gr. 8. Geh.
*34. Schufelfa (F. ), Gefchichtsbilder aus Schleöwig-
Holftein. in deutiches Kefebuh. Gr. 12. Geh. 1 Zplr.
10 Nor.
N Dritte Xuflage ——— eingeleitet und
— r. Syufelta. 8. 184. 1.Shle. 15 Nor.
*85. Stael (A. G. von), Delphine. Aus dem Franzöjifchen
überfegt von F. Gleich. Mit einer Einleitung. Zweite
Auflage. Drei Theile. Gr. 12. Geh.
“86. Sternberg (A. von), Berühmte Be Frauen des
18. Jahrhunderts. Zwei Theile. Gr. 12. Geh.
Bon dem Berfaffer erfhien bereits daſelbſt:
Kortunat. Ein Fernmärden.. Zwei Theile. 8. 1838. 3 Thlt. 2 Nor.
Der Mifjionair. Ein Roman, Zwei Theile. Gr. 12. 1842. 3 Thlr.
*87. Die fymbolifchen Bücher der reformirten Kirche, über:
feßt und mit einer Einleitung und Anmerkungen herausgege-
ben won E. Gf. Adf. Bödel. Gr. 8.
Diefe Sammlung wırd im Aeußern ganz mit ber in demjelben Verlage
erfipienenen „Concordia, Die ſymboliſchen Bücher ber evangeliſch-lutheri⸗
von Mexico mit einer einleitenden Ueberſicht des
ildungszuftandes und dem Leben bes ob
Ü
irche, it Einleitu— . X. om
Re N en hegautögegehen von $. A. Koethe“ (1890,
*83, Talvj, Gefhichte der Colonifation von Neu - Eng-
land. Bon der erften Niederlaffung dafelbft im Jahre 1607
bis zur Einführung der Provinzialverfaflung von Maffachufetts
im Sahre 1692. Nach den Quellen bearbeitet. Gr.8. Geh.
Bon der Berfafferin (Therefe Amalie Luife Robinfon, geb,
von Zakob) erfhien bereits in demfelben Verlage:
Berfuh einer geſchichtlichen Charakteriftit der Volkslieder germanifcher Na⸗
tionen mit einer UÜeberſicht der Lieder) aufereuropäifcher Völkerſchaften.
Gr. 8. 1840. 3 Thlr. 5 Nor. s era u
Die Unechtheit der Licder Dffian’s und des Macpherſon'ſchen Oſſian's ins»
befonbere, Gr. 8. 20 Nar.
“39. Vollftändiges englifch-deutfches und deutfch-englifches
Taſchenwörterbuch. Nach den beften Quellen Be ne
Eannteften Autoritäten bearbeitet von 2. Albert. — A. u.d.2.:
Complete English- German and German -English Dic-
tionary. - Compiled on the best and most celebrated au-
thorities. 16. Geh.
Diefes Zafhenwörterbuc) der englifchen Sprache ſchließt ji im Aeußern
au das von‘. H, Kaltſchmidt bearbeitete franzöſiſch-deutſche und deutſch⸗
franzöfifhe Taſchenwörterbuch an, das 1844 in zweiter Auflage zu dem
Preife von 24 Nor. in demſelben Verlage erſchien.
*90. Taſſo's (Torquato) Befreites Serufalem.
von A. F. K. Stredfuß. Vierte verbefferte Auflage.
Zwei Theile.
Gr. 12. Geh. 1Thlr.
Bon der erjten Auflage dieſes Werks mit gegenübergedrudtem Drigi-
naltert (2 Bande, 1822) find fortwährend Gremplare zu dem herabge—
fegten Preife von 2 Nor. zu erhalten.
Sn bemfelben Verlage ift ferner erfchienen ;
Taſſo's (Zorquato) Auserlefene lyriſche Gedichte. Aus dem Stalieni-
ſchen überfept von K. Förſter. Mit einer Einleitung: „Ueber Zor«
quato Taſſo als Iyrifher Dicpter.” Zweite, vermehrte und verbefierte
Auflage. Zwei Theile. Gr. 12. 184. 1 Shle. 15 Nar.
(Der Beſchluß folgt.)
Ueberſetzt
Soeben ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu
beziehen:
Longet (F. A.), Anatomie und Päysiologie
des Nervensystems des Menschen und der Wirbel-
thiere mit pathologischen Beobachtungen und mit Ver-
suchen an höhern Thieren ausgestattet. Eine von
dem Französischen Institut gekrönte Preisschrift.
Aus dem Französischen übersetzt und mit den Ergeb-
nissen deutscher, englischer und französischer For-
schungen aus den letzten Jahren bis auf die Gegenwart
ergänzt und vervollständigt von Dr. 8. A, Edeim.
Mit lithographirten Tafeln. In zwei Bänden. Ersten
Bandes erste bis vierte Lieferung. Preis einer
Lieferung von acht Bogen mit den dazu gehörigen
Tafeln 22. Ngr.
Eine Uebersetzung von Longet’s « Anatomie et Physiologie
du systeme nerveux», welche dem Buche seinen Werth als
Quelle für die Beobachtungen und Ansichten eines der
ausgezeichnetsten lebenden Experimentatoren erhält, und
durch eingeschaltete Zusätze mit allen irgend wichtigen
Leistungen der letzten Jahre auf das sorgfältigste vervoll-
ständigt, darf sich der günstigsten Aufnahme versichert
halten. Als eine Ergänzung der in letzter Zeit sich immer
mehr vervielfältigenden Arbeiten über allgemeine Nerven-
physiologie, — muss sie, an der Seite der neueren Arbeiten
in der Nervenpathologie, insbesondere den Patliologen will-
kommen sein, — indem sie vor Allem eine möglichst voll-
ständige und ins Einzelne gehende Zusammenstellung über
die specielle Nervenphysiologie darbietet.
Leipzig, im August 1847.
Brockhaus & Avenarius.
Bei
— Bei Ernſt Fleiſcher in Leipzig iſt erſchienen:
Briefe
* aus dem Freundeskreiſe
Aus ven handſchriften herausgegeben
Goethe, Herder, Hopfner und Merck.
“= von Dr. Karl Wagner.
Br 8 Broſchirt. 2 Thlr.
Zgnaz Jackowitz in Leipzig erfchien ſoeben
PR
Deſterreich
Su. und
die Broſchuren ſchmiede
gegen
dieſes Kaiſerthum.
Von
Johann Sporſchil.
22 Bogen. Gr. 8. Geh. 1% Thlr. — 2 Fl. 15 Kr.
E.:M. — 2 Fl. 42 Kr. Rhein.
BE” Der Inhalt diefer intereffanten Schrift zerfällt in fol-
gende XVII Eapitel: 1. Einleitung. I. Kirchliche Zuftände:
111. Wirkfamkeit der Kirche. IV. Geiftlichkeit. V. BoIks-
ſchulen. VI. Studienwefen. VII. Cenfur. VII. Geheime
olicei. IX. Adel. X. Beamtenftand. XI. Armee. XI. Na-
tionalitäten in der Armee und das Duell. XIN.-Strafge:
Ks ebung der Armee. Dauer der Dieuftzeit. Angebliche
icderungemishräudie. XIV. Regierungspolitif in Be:
zug auf die Nationalitäten im Kaiferthume und foge-
nannfer Sprachenkampf. _XV. Auswärtige Politik in
Bezug auf Deutfchland. XVI. Auswärtige Politik in
Bezug auf die übrigen Staaten. XVII. Schlußwort.
In Unterzeichnetem ift foeben erfchienen und durch alle Buch»
bandlungen zu beziehen:
Erin.
Auswahl vorzüglicher irifcher Erzählungen
mit febenögefchichtlichen Nachrichten von ihren Verfaſſern
und N der beſten irifchen Volksſagen,
ärchen und Legenden
von
K. v. K.
Erftes und zweites Bändchen.
Enthaltend:
Gerald Griffin,
ein Schriftſtellerleben.
8. Broſch. Preis 1 Thlr. 21 Ngr., oder 2 FI, 42 Kr.
Diefe erften Bändchen einer Sammlung, welche beftimmt
ift, unferer Landsleute Antheil an Leben, Kuft und Leiden, an
Denken, Fühlen und Dichten des eigenthümlichen und vielge-
prüften Volkes der Sren durch eine deutfche Wiedergabe der
freueften und frifcheften Darftellungen feiner. vorzüglichften Er:
zähler und feines Poftlihen Sagenfchages zu erregen und zu
nähren, enthalten die Lebensbeſchreibung eines Dichters, der
mit feinen Zandöleuten Banim und Carleton den Ruhm theilf,
die Eigenthümlichkeiten, Lebensäußerungen und Schicfale des
irifhen Volks, des Landvolks vorzugsweife, auf eine natur⸗
wahre und zugleich Fünftlerifch wirkungsreiche Weife als Er-
zähler dargeftellt zu haben. Für die zunächft erfcheinenden
Lieferungen find beftimmt: eine möglichft vollftändige Samm:
lung von Volksſagen, Märchen und Legenden, theils
der neueften von Croker's „Fairy Tales’ entnommen, theils
und vornehmlich aus trifchen Zeitfchriften und fonftigen irifchen
Quellen gefhöpft; von Griffin vorerft feine berühmtefte Er-
zählung „Die Schulgenoſſen“; Mehreres mit einer felbftbiogra-
phifchen Einleitung, von Carleton; das Befte, inöbefondere
aus der neueften Ausgabe feiner „Tales of the O’Hara Family”,
von Banim, fodaß die Lefer durh Griffin, Earleton und
Banim gemwiffermaßen drei Haupttheile Erin’s, den Norden
(Ulfter), den Südoften (Leinfter) und den Südweften (Munfter)
in den Erzählungen ihrer begabteften Söhne dargeftellt erhal-
ten. Ihnen an fchließt- fich für den vierten Haupttheil
die nordweftliche Landſchaft Connaught, das durch Wärme
des Gefühls, Elare parteifreie Veranſchaulichung dortiger Zu:
ftände und eine Fünftlerifch abgeſchloſſene Darftellung ausge:
zeichnete Lebensbild „St.-Patrick’s Eve’, von Charles Lever,
aus Galway, defjen Uebertragung unter den Augen des Ver—
faſſers entftanden ift, der dazu eigene Tebensgefchichtlicde Nadh-
richten liefern wird. -
Stuttgart und Tübingen, im Suli 1847,
J. ©. Cotta'ſcher Verlag.
Boll ſtändig ift jegt im Verlage von F. A. Brockhaus
in Leipzig erfchienen :
Luther
von feiner Geburt bis zum Ablaßftreite.
(1483 — 1511.) «>
Von Karl Jürgens.
Drei Bünde. —
Gr. 8. Geh. Jeder Band 2 Thlr. 15 Nor.
Mit dem foeben auögegebenen dritten Bande ift der erfte
Lebensabfchnitt des großen Reformators gefchloffen und das
Werk liegt für denfelben als ein vollftändiges Ganzes vor.
Geſchrieben für alle Diejenigen die ein Herz haben für die
Kirche Ehrifti und das deutfche Volk, Feiner Partei und Eeinen
Höhen noch Ziefen zu Gefallen oder zu Keide, ift diefes Buch
weder den untern Schichten noch vorzugsweife den Theologen,
fondern inöbefondere den dazwiſchen liegenden Kreifen beftimmet
und hat bier, fowie von Seiten der Kritik, bereits die ehren-
vollfte Anerkennung gefunden. — Die zweite Abtheilung von
Luther's Leben wird der Verfaſſer fpäter bearbeiten.
kr
u
Sn Karl. Gerold's Verlagsbuchhandlung in Wien iſt er- | Dash, La Marquise de Parabere. 2 vols. — Dodecaton,
ſchienen und durch alle Buchhandlungen zu erhalten:
Anleitung
zum Heberfeßen aus dem Stalienifchen.
Erfier Band. u...
Auserwählte Anekdoten und Erzählungen in italie—
nifcher Sprache theils gefammelt, theils überfeßt aus
andern Sprachen und, theild ganz neu verfaßt und
geordnet nach dem ftenopädifchen Syſteme
von
Stanz Anton Rosental,
k. 2. SProfeffor, Erfinder ftenopädifher Methode u. f. w.
Gr. 8. Wien 1847. Brofh: 1 Zhlr.
Ferner von demfelben Verfafler:
Anleitung
die italienische Sprache ohne früheres regelmä-
Biges Lernen der italienifchen Grammatik in mög-
lichſt Eurzer Zeit fprechen zu können.
Zweiter Sheil.
Für die erften Anfänger bearbeitet nad) den Principien der
neuern ftenopädiichen Unterrichtsmethode vom Erfinder derfelben.
— Gr. 8. Wien 1847. Brofh. 1 Thlr. 6 Ngr.
Bolftändig ift nun erfchienen:
Des Seibes und ver Seele vollftändige
Geſundheits und Erziehungslehre.
Briefe
über Erziehung, Beförderung und Aufrechthaltung eines mög:
lüchſt glüdlihen Zuſtandes des Körperd und Geifted u. ſ. w.
Ein unentbehrliges Sandbuch
für Gebifdete überhaupt und für Aerzte, Aeltern und Erzieher
insbefondere.
Bon Dr. K. H. Rofenberg.
Gr. 8. Brofh. 4 Theile in 2 Bänden 7 Thlr.
Auch in 14 Lieferungen à 15. Ngr.
Französische Romane zu billigen Preisen.
Sammlung von 67 Bänden franzöfifher Romane in
ſchönen Dundezansgaben, zufammen für 54 Thlr.
5 Nor., erlaffen wir jest für SE Shlr. 18 Mgr.
Einzelne Romane liefern wir A Band 32 Ngr,
Lamartine, Chute d’un ange. 2 vols. — Marryat, M.
Violette. 3 vols. — Beybaud, Dona Marianı. ? vols —
Fobert, Le Capitaine Mandrin. 2 vols. — Saint-Felix,
Louise d’Avaray. 2 vols. — Marco de $Saint-Hilaire,
Histoire populaire anecdotique et pittoresque de Napoleon
et de la grande armee. 3. vols. — Scott, La Pythie des
Highlands. 2 vols. — Bernard, Chasse aux amants. I vol. —
Berthet, La belle Drapiere ! vol. — Arlincourt, Les
Anneaux d’une chaine. 2 vols. — Berthet, Le Loup-
Garou. I vol. — Arlincourt, Les trois Royaumes.
2 vols. — Balzac, Esther. 2 vols.. — F'eval, Les Amours
de Paris. 6 vol: — Huge, Le Roi s’amuse. I vol, —
Musset, Anna Boleyn. 2 vols.. — Scott, Ayme Verd.
2 vols. — Souvestre, La Goutte d’eau. 2 vols. — Al-
lart, Settimia.. 2 vol. — Balzaec, La Vieille file.
I vol. — Bermard, Le Beau-Pere. 3 vols.. — Cooper,
Excursion d’une Famille americaine en Suisse. 2 vols. —
Drud und Berlag von $. A. Brockhaus in Leipzig.
ou le Liyre. des douze. 2 vols. — Balzac, L’Interdiction.
I vol. — Berthet, Une maison de Paris. yon. — Coo-
per, La vie d’un Matelot. 2 vols. — Dumas, La Pein-
ture. 2 vols. — Cooper, Fleur de bois. 2 vols. — Du-
mas, Albine. 2 vols. — Sand, Pauline. 1 vol. — Sand,
Mauprat. 2 vols. — Saintine, Soirdes de Jonathan.
2 vol. — Abrantes, Une soiree chez Mad. .Geoffrin.
I vol. — Waldor, Rue aux ours. 1 vol. — Sand, Lettres
d’un voyageur. 2 vols. — Arlincourt, L’Herbagere. I vol.
Wir empfehlen bei diefer Gelegenheit unfer reich-
haltiges Lager franzöfifcher Literatur, in parifer wie.
brüffelee Ausgaben, welche wir zum großen Theil zu
ermäßigten Preiſen abgeben. —
Eeipzig, im Auguft 1847. u *
Brockhaus & Avenuarius.
Bei Braumüller & Seidel, f. f. Hof- Buchhändler A
Wien, am Graben im Haufe der ‚Sparcaffe, ift erfhienn
und zu haben: STORE
Hefterreichifche militeirifche Zeitfehrift.
1847. Fünftes Seft.
Diefes foeben erſchienene Heft enthält folgende Aufſätze:
1. Lebensumriß des k. E. Generals der Eavalerie Paul Frei-
herr von Wernhardt. — I. Der Zug der Defterreicher nach
Neapel im Jahre 1821. (Schluß.) — III. Scenen. I. Aus der
Geſchichte des k. k. Küraffierregiments Graf Ignaz Hardegg
Nr. 8. (Fortfegung.) 9 In der Schladht bei Aspern 1809.
5) In der Schlacht bei Wagram am 5. und 6. Zuli. I. Aus
der Geſchichte des k. k. Linien-Infanterieregiments Baron Für:
fienwärther Nr. 56. 6) In der Schlacht bei Dresden am
27. Auguft 1813. 7) In der Schlacht bei Xeipzig am 16. Dc-
tober 1813. 8) In dem Zreffen bei St.-Julien am 27. Fe—
bruar 1814. 9) In dem Treffen bei Sur la Eotte am 28. Februar
1814, 10) Im Gefechte bei Les Kufiettes am I. März 1814, —
IV. Züge von Heldenmuth aus den legten Kriegen der Defter:
reicher. Vierte Sammlung; Nr. 1-36. — V. Literatur. —
VI. Neueſte Militairveränderungen. — VII. Die ältern Iahr-
gänge der milifairifchen Zeitfchrift. (Schluß.)
Auf diefen Jahrgang 1847 wird. in allen Buchhandlungen
PKränumeration angenommen. Die Preife find in dem
Umfchlage jedes Heftes angegeben.
Bei F. A. Brockhaus in Keipzig ift erfchienen und durch
alle Buchhandlungen zu erhalten:
sauna Der Dormeli -
mit fteter Berückſichtigung der Lebenden Thiere,
Monographifch dargeftellt
von
Br. © ©. Giebel.
2 Erften Bandes erfte Abtheilung:
Die Säugeihiere der WVorwelt.
Gr. 8. Geh. 1 Thlr. 13 Ngr.
Nach dem Plane des Verfafferd wird der erfte Band dieſes
Werkes die Wirbelthiere (Säugethiere, Vögel, Amphibien
und Fifche), der zweite Band die Gltederthiere (Snfekten,
Spinnen, Krebfe und Würmer), der dritte und vierte Band
die Bauchthiere (Mollusca, Cephalophora, Acephala, Radia-
ten, Polypen und SInfuforien) enthalten. Jede Abtheilung
bildet ein für fich beftehendes Ganzes. a
Literarifher Anzeiger.
1847. M XIV.
Diefer Literarifche Anzeiger wird ben bei F. A. Srockhaus in Leipzig erfcheinenden Zeitfhriften „Blätter für Titerarifche Unterhaltung‘
und „Sſis beigelegt oder beigeheftet, und betragen die Infertionsgebühren für die Zeile ober deren Raum 2%, Nor.
Bericht
uͤber die
Verlagsunternehmungen für 1847
F. A. Brockhaus in Leipjig,
Die mit * bezeichneten Artikel werden beftimmt im Laufe des Sahres fertig; von ben übrigen ift die Erſcheinung ungemwiffer.
k (Befhluf aus Rr. XIII.)
91. Zauffkirden : Englburg (Gräfin), Die Schweftern |, 96. Veinticinco Comedias de Lope Felix de Vega
bon Savoyen. Gr. 12. Geh. E Zhlr. 15 Nor. Carpio, con su vida y notas criticas, escogidas y orde-
Bon der Berfafferin erſchien bereits dafelbft : nadas por D. Eligo Baron de Münch-Bellinghausen
Die&ipwärmerin. Erzählung. Gr. 12. 1846. 1 Chlr. 12 Ngr. y D. Fernando Jose Wolf. Gr. 12. Geh. -
*92. Taylor (9.), Philipp von Artevelde. Ein dra: | *97. Von einem deutfchen Soldaten. Gr. 12. Geh.
matifches Gediht. Aus dem Englifchen von A. Heimann. 1 Zhle. 18 Nor.
8. Geh. *98. Voigts (F.), Novellen. Erfter bis dritter Theil. Gr. 12.
*93, Ungarifche Zuftände. Gr. 12. Geh. 1 Thir. Geh.
: * *99. Wahrheit und Dichtung in ruſſiſchen Novellen. Ueber-
ng = te jest von W. Wolffohn. Mit biographifch -Literarifhen Ein-
Der Anhang enthält N in dem Patente und den —— vom leitungen. Erſter Theil und folgende. Gr. 12. Geh.
3. Jebr. 1847 allegirten Gefege, den Artikel der „Allgemeinen Preußifhen 7] * i 5
— vom 5. Febr. m Bus Patent vom 8. Sehr, ivegen einverukann 100. Werber Bertha von), Altes Lieben, neues Hoffen.
des vereinigten Landtags. Roman. Gr. 12. Geh. 1 Thir. 24 Nor.
95, Vetus Testamentum graecejuxta LXX interpre- | * 101. Zestermann (C. A.), Die antiken und die
tes. Textumadeditionem Vaticano Romanam accuratissime christlichen Basiliken, ‚nach ihrer Entstehung, Aus-
edidit, argumenta et locos Ni Ti parallelos notavit, lectio- bildung und Beziehung zueinander dargestellt. Mit 7 Ii-
nes variantes omnes codicum vetustissimorum Alexandrini, thographirten Tafeln. Gr. 4. Geh. I Thlr,
Ephraemi Syri, Friderico-Augustani subjunxit, commenta- Fe ee — arg Bi ausführliche u —
343 7 . oa 4 itun ner von cadẽmie royale des Sciences,
tionem isagogicam praemissit Gonst. Tischendorf. Ge ara de Belgique ekrönten Preisfrift: „„De Basilicis libri
Gr. 8. Geh. tres‘ von welher Gremplare ebenfalls durdy den Verleger der deutfchen
Indem, diefe. Ausgabe ſich ſtreng an den üblichen vaticaniſcherömiſchen Ausgabe zu beziehen find.
Zert anfaltet und doch zugleich ſämmtliche Zesarten der drei (nebft dem
a en re int einen en DI a ER Men
ichen griechiſchen Text in einem fortlaufenden Apparate darbietet, fol jie ; B
ebenfo RE wie den ftreng wiſſenſchaftlichen Foderungen ae — Durch alle Buchhandlungen iſt der Verlags- Katalog bon
hen und einem fühlbaren Bedürfniffe abhelfen. F. A. Brockhaus in —— durch einen vierten Nachtrag
46 f
Das Nähere wird ſpäter in einer befondern Anzeige bekannt gemacht werden, | bis zum Schluſſe des Sahres I ortgeführt, gratis zu erhalten.
Im Verlage von Brockhaus & Avenarius in Leipzig werden im
Laufe des Jahres 1847 folgende Werke erscheinen:
I. Annali dell’ Instituto di corrispondenza archeologica. , 2. Illuftrirte Zeitung für die Jugend. Herausgegeben
Vol. XVII: (1846.) In-S. — Bulletino dell’ Instituto unter Mitwirkung der beliebtejten Jugendſchriftſteller von
di corrispondenza archeologica pel’ anno 1846. In-8. — Julius Kell. Zweiter Jahrgang. Wöchentlich eine Nummer
Monumenti inediti dell’ Instituto di corrispondenza von einem Bogen in ſchmal gr. 4. Mit vielen Abbildun-
archeologica pel’ anno 1846. Folio. (Roma.) Pränu- gen. Preie des Jahrgangs 2 Thle.; ein Quartal 15 Nar.;
merations-Preis dieses Jahrgangs 14 Thlr. ein einzelnes Monatöheft H Nr.
Dieſe artiftifh und wiffenfhaftlich werthuolen Schriften des Inſtituts Probenummern find durch ale Buchhandlungen und Poftämter zu erhalten,
fü äologiſche Gorrefpondenz in Rom begi i x ® ebenfo vollftändige Gremplare des erſten Jahrgangs, geh. a2 Thlr., elegant
für. arhäologifhe Eorrefpondenz in Rom beginnen mit dem Jahre 1829 und geb. a 2 Ihlr. 8 Nar. Jahrg —**
können complet & 18 Thlr. per Jahrgang geliefert werden. Der Jahrgang & 1065 R Ä Aug
Feigen \ E — * Snferate werden mit 2 Nor. die Zeile berechnet und befondere
1845 wird nod zum Pränumerationspreife von 14 Thlr. gegeben. £ Anzeigen gegen Verguͤtung Eon L Thlr. für das Taufend beigelegt.
3. Zeitschrift der Deutschen morgenländischen
Gesellschaft, herausgegeben von den Geschäftsführern.
Erster Jahrgang. Gr. % Geh. Preis eines Jahrgangs
für Nichtmitglieder der Gesellschaft 2 Thlr. 20 Ner.
Diefe Sapar erſcheint jährlich in 4 Heften; bas- erfte t des Jahr⸗
gangs 1846 iſt bereits erfhienen. Snferate werden auf den Umſchlägen
abgedrudt und für den Raum einer Zeile mit 2 Nar., befendere
Anzeigen mit 1Thlr. 15 Nor. berechnet.
‚4. Abn (F.), Nouvelle methode pratique et facile
pour apprendre la langue allemande.
Cours. Seconde edition, entierement refondue.
8 Ner.
Auch der zweite Gurfus wird binnen kurzem erfcheinen. N
-5, Benfey (Th.), Die persischen Keilinscehriften
mit Uebersetzung und Glossar. Lex.-8. Geh. I Thlr. 5 Ner.
6. Bibliotheca philologico - germanica, oder Verzeich-
niß der ſowol in älterer ald in neuerer Zeit, insbefondere
aber vom Sahre 1800 an, in Deutſchland erfhienenen, dem
Gefammtgebiete der deutfchen Sprachwiſſenſchaft angehören:
den Schriften. Mit einem vollftändigen Materienregifter.
Gr. 8. Geh.
7. Bibliothek der neueften ausländischen Literatur in
Ueberſetzungen. (Gefchichte, Politik, Intereſſen der Ges
genwart, Reifen, Romane.) Gr. 12. Geh.
Wir haben zunächſt für diefe Sammlung 2, Blancs „Gefhichte der
franzöfifhen Revolution” und A. de Lamartine's -Geſchichte der
Sirondiften“ beftimmt.
8. Biblioth&que choisie de la litterature frangaise.
8. Geh.
Diefe Sammlung wird eine Auswahl der vorzügliern Werte der
franzoͤſiſchen Ziteratur älterer, neuerer und neuefter Zeit enthalten. Er—
ſchienen find bis jest 2 !
Sand ‚Indiana. Edition autorisee par l'auteur. 1 vol. 20 Ngr. —
Moliere, Oeuvres choisies. 2vols. 1 Thlr. 15 Ngr. — Thiers, Histoire
de la Revolution frangaise. 6 vols. 6 Thlr. ) ,
Gorrectheit, elegante Ausftattung, und billiger Preis machen diefe Aus—
gaben allen Freunden ber franzöfifchen Literatur empfehlenswerth.
Durd gleihmäßige Ausftattung fehliehen ſich an die Bibliotheque
ehoisie an:
Dumas, La Dame de. Monsoreau. 6 vols. 3 Thir.
‚ Memoires d’un medeein. T. 1 &5. 2 Thlr, 15.Ngr.
Feval, Le fils du diable. 8 vols. 4 Thlr.
Beaumont (Mad. Leprince de), Le magasin des enfants. 25 Ngr.
Montholon, Histoire de la captivite de Ste. Helene. Avec le masque
de l’Empereur. 1 Thlr, 4 Ngr.
8. Geh.
9, Blanc (Louis), Histoire de la revolution fran- |
gaise. Tome premier. Origines et causes de la revolution.
8. Geh. 1 Thir. 4
10. — — — keſchichte der franzöfifhen Ne-
volution. Aus dem Franzofifchen. Erfter Band. Allge:
meine und befondere Urfachen der Revolution. 8. Geh.
1 Zhlr. 7%, Nor. x h h !
Das volftändige Werk wird 10 Bände umfaflen, deren jeder in fünf
xieferungen ausgegeben wird.
11. Byron, Tales. 2 vols. Elegante Miniaturausgabe. Geh.
12, Le Cancionero de Juan Alfonso de Baena.
Collection d’aneiens troubadours espagnols inedits, publiee
par M. Francisque Michel, professeur de litterature
etrangere a. la faculte des lettres a Bordeaux. Avec un
glossaire. Deux vols. Gr. 12. Geh. :
13. Dumas (Alexandre), Memoires d'un’ medecin.
Tome sixieme et suiv. 8. Geh.
Die bisher erfchienenen -5 Bände enthalten Alles, was von biefem
Roman bis jest veröffentlicht ift.
Bon demfelden Berfaffer erfhien in unferm Berlage:
La Dame de Monsoreau. 6 vols. In-8. 3 Thlr. *
14. Emy (A. R.), Lehrbuch der geſammten Simmerkunſt.
Aus dem Franzöſiſchen von 2. Hoffmann, Baumeiſter in
Berlin. Zwei Bände, zufammen 80 Bogen Zert in Lerifong,
mit/einem Atlad von 157 Zafeln in Großfolio. Geh.
Das Ganze wird in act Lieferungen erfepeinen; jede Lieferung, Tert
und Atlas, koftet-im Subferivtionspreife 3 Thlr., das vollftändige Werk
wird.alfo auf 24 Thlr. zu ftehen kommen. Profpecte und Probelieferungen
des Atlas find in allen Buchhandlungen zu bekommen.
15. Die Fabrikation des Roh- und Gusseisens. Von
Flachat, Barrault und J. Petiet. In einer Reihe
von Abbildungen mit erklärendem Texte. Aus dem Fran-
zösischen. Enthaltend einen Atlas von 95 Tafeln in Gross-
folio. Text in 4. In drei Lieferungen, Subseriptionspreis
einerLieferung, Text und Atlas, 9 Thlr.
Premier |
16. Fahrten und Abenteuer des Herren Stedelbein. Eine
wunderbare und ergögliche Hiftorie in Bildern und Berfen
für, die liebe Jugend. Quer 4. Geh.
Die Bilder find Xöpffer's „Histoire de Mr. Cryptogame“ entlehnt.
17. Die Frauen der Bibel. In Bildern mit erläuterndem
Zerte. Erſte Abtheilung: Frauen des Alten Teftaments, in
zwanzig Lieferungen, jede einen Stahlftih mit Zert enthal-
tend. Vierzehnte Lieferung und folgende. Schmal gr. 4.
Subſcriptionspreis einer Lieferung 8 Ngr.
Die zweite Xbtheilung: „„ Frauen des Neuen Teftaments ”, wird fpäter
exſcheinen
EI von P. Bree und U. Kerle
u. OD. ed,
19. Jahresbericht der Deutschen morgenländischen
Gesellschaft für das Jahr 1846. Gr. 8. Geh.
Der erite Sahrgang (1845) Eoftet 20 Ngr.
20. Zerrold (Douglas, Herausgeber des „Punch“), Eine
Chronik von Kleefeld, nebft einigen Nachrichten von dem
Einfiedler von Sattheim. Aus dem Englifchen. . Mit dem
Bildniffe des Einfiedlers. 8. Geh. 24 Nor.
21. Lamartine (A. de), Histoire des Girondins. Huit
vols. In-8. Geh.
22 ———, Gefhiäte Den RSBDINER:
e
Aus dem Franzöfifhen. Acht Bände. E
23. Lieder für unfere Kleinen aus alfer und neuer Zeit.
Mit Suuftrationen von Ludwig Nichter. KI. 8. Velin—
papier. Geh. FE
24. Longet (F. A,), Anatomie und Physiologie des
Nervensystems des Menschen und der Wirbelthiere,
mit pathologischen Beobachtungen und Versuchen an hö-
heren Thieren ausgestattet. Eine von dem Franzö-
sischen Ynstitut gekrönte Preisschrift. Aus dem
Französischen übersetzt und mit den Ergebnissen deut-
scher; englischer und französischer Forschungen aus den
letzten Jahren bis auf die Gegenwart ergänzt und ver-
vollständigt von Dr. J. A. Hein. Mit lithographirten
Tafeln. Zwei Bände. Gr. 8. Geh. \
Beide Bände werden in etwa 12 Lieferungen von 8 Bogen erfheinen und
jede Lieferung 22%% Nogr. Eoften.
25. Mahäbhärata, in kritischer, vollständiger Uebersetzung
von Theodor Goldstücker. Vier Theile, jeder aus
zwei Bänden bestehend. Gr. 4. Geh. Subscriptionspreis
einer Lieferung von 20 Bogen 2 Thlr. 7%, Ner.
Ausführliche Profpecte, mit Drudprobe, an ebenfo michtigen als
umfangreihen Unternehmens find in allen Buchhandlungen zu befommen,
Der Drud wird zu Dftern d. 3. beginnen.
26. Maistre (Xavier de), Oecuvres complötes.
In-8. Geh. 1 Thlr. —
Enthaltend: Voyage autour de ma chambre. Expedition noeturne.
—— de la cite d'Aoste. Les prisonniers da Caucase. La jeune
iberienne,
27. Mirza Mohammed Ibrahim, Grammatik der leben-
den persischen Sprache. Aus dem Englischen übersetzt,
zum Theil umgearbeitet und mit Anmerkungen veraehen
von Prof.Dr. H. L. Fleischer. Gr.8. Geh. 3 Thlr.
28. Raffelsperger (Franz), Allgemeines geogra-
phisches Lexikon des östreichischen Kaiser-
staates. (In einer alphabetischen Reihenfolge.) Nach
amtlichen Quellen und den besten vaterländischen Hilfs-
werken, von einer Gesellschaft Geographen und Post-
männer. Zweiundzwanzigstes Heft und folgende. (Wien.) |
Gr. 8. Preis des Heftes 20 Ngr.
29. Ralph (J.), A guide to English .conversation. —
Anleitung zur englischen Conversation nebst kurzen gram-
matikalischen Anmerkungen für Schulen und zum Selbst-
unterrichte, und einem kleinen Wegweiser auf dem Ge-
biete der englischen Literatur. 12. Geh. 12 Neger.
30. Neue Shakspeare-Galerie. — Die Frauen und
Mädchen in Shakspeare’s dramatischen Wer-
ken. In 45 Lieferungen, jede einen Stahlstich mit Text
enthaltend. Mit einer Einleitung. Elfte Lieferung und
folgende. Schmal gr. 4. Subscriptionspreis einer Lie-
ferung 8 Ngr.
31. Thiers (A.), Histoire de la revolution frangaise.
Nouvelle &dition. Tome sixieme et dernier. 8. Geh.
Preis jedes Bandes I Thir. ‚
32. Töpffer (N.), Gefammelte Schriften. Novellen, Ro:
mane, Reifen. _ Vollftändige deutſche Ausgabe. In etwa
zwölf Bändchen. 8. ‚Geh. Preis des erjten Bandchens 15 Nr.
Diefe Gefammtausgabe wird umfaſſen: v
Genfer Novellen; Wanderungen im Zidzad, —— durch ‚die
“ Schweiz und Oberitalien; Das Pfarrhaus, ein Roman in Briefen; Rofa
* Gertrud, eine Novelle. — Eine hiographiſch-kritiſche Einleitung, ſowie
ein Portrait des Verfaſſers werben dem legten Bande beigegeben werden.
33 — — — , Die Bibliothek meines Oheims.
Eine Genfer Novelle. Vollſtändige deutſche Ausgabe, mit
137 Bildern in Holzſchnitt, von der Hand des Verfaͤſſers.
16. "Elegant geh. 1 Thlro 15 Nar.
3 — —, Genfer Novellen. Deutſche Aus-
gabe, mit Illuſtrationen. Rer.-8. Geh. _
5. , Warhrhaftige Gefchichte des Herrn
Eryptogame, in Bildern. Quer 4. Geh.
36. Unterhaltende Belehrungen zur Förderung allgemeiner
dung. Zwei Bande in 100 Lieferungen. Mit Ab:
bildungen. Preis einer Lieferung 2 Nor.
Fede Lieferung wırd eine Abhandlung enthalten, bie ein in "2 ab⸗
eſchloſſenes Ganzes bildet. Die tüchtigſten Männer vom Fach haben
ihre anehiehent für die Bearbeitung diefes gemeinnüsigen Unternehmens
ugefagt. Au
i ——— Profpect iſt in allen Buchhandlungen zu haben; die
erften Lieferungen werben binnen kurzem erfcheinent.
37. Waldow (A), Die wichtigſten Synonymen der fran-
zöfifehen Sprache nad) Giraud, Beauzee und Roubaud
erklärt und mit Beifpielen aus claffiihen Autoren verfehen.
Ein nothwendiges Hülfsbuh für Zöglinge höherer Lehr—
anftalten. 8. Geh. 10 Nor.
33. Wheaton (Henri), Elements du droit interna-
tional. Deux vols. In-8. Geh.
‚Der er ift außer durch andere Schriften bereits bekannt durch
feine „Histoire des —— du droit des gens“ (2 Bände), die 1846
in zweiter Auflage bei 3. X. Brodhaus in Leipzig erfcien.
39. Zaleskiego (Bohdana), Duch od Stepu. Elegante
Miniaturausgabe. 16. Geh. und cart.
In gleicher typographifcher Ausftattung wie A. Mickiewier' „Konrad
Wallenrod“ (1846, 15 Nat.).
Zu gefälliser Beachtung!
Ein bedeutendes Lager von Werken der ausländischen
Literatur, namentlich der französischen, englischen und ätalie- _
nischen, sowie die vielseitigsten Verbindungen mit dem Aus-
lande setzen uns in den Stand, alle’ uns ertheilten Aufträge
zu den billigsten Preisen mit möglichster Schnelligkeit aus-
zuführen; wir empfehlen uns daher Allen, die Bedarf davon
haben, und sind stets bereit, nähere Auskunft über unsere
Bedingungen u. s. w. zu ertheilen.
Ferner machen wir auf folgende Kataloge aufmerkjam,
welche wir vor einiger Zeit ausgaben, und die durch alle Buch-
bandlungen gratis zu erhalten find: i
Verzeihniß einer Sammlung älterer und neuerer Werke in
franzöjifcher,,. englifcher ıc. Sprache, welche zu bedeutend
herabgefegten Preifen von uns zu beziehen find. (Nr. 3,
Zuli 1845.) i
Catalogue d’ouvrages delitterature, beaux arts, grands ouy-
rages à figures etc. a un rabais considerable. (Juin 1845.)
Hllen Freunden anslandifher Eiteratur können Diefe Wer-
zeichniſſe, als an guten Werken fehr reichhaltig, mit Recht
empfoblen werden.
Brockhaus & Avenurius.
In Unterzeichnetem ift foeben erfchienen und duch alle Buchhandlungen zu beziehen :
Maler,
Leben der ausgezeichneiften
Bildhauer und Baumeifter,
von Cimabue bis zum Jahr 1567,
befchrieben von
- Giorgio
Bafari,
Maler und Baumeifter.
j - Au6 dem Stalienifden.
Mit einer Bearbeitung fämmtlicher Anmerkungen der frühern Herausgeber, fowie mit eigenen Berichfigungen und
* Nachweiſungen begleitet von
Eruſt Förſter.
Fünfter Band.
Mit I lithographirten Bildniſſen.
Gr. 8. Broſch. Preis 2 Thlr. 20 Nor, oder 4 FI. 30° Kr.
Seitdem in Deutſchland ein erneuetes, man darf wol fagen leidenſchaftliches Intereffe
fhichte erwacht ift, Hat man vielfältig das Bedürfnig gefühlt,
für. die bildende Kunft und ihre Ge:
und den Wunſch ausgeſprochen, die Lebensbeſchreibungen der
Künftler, durch deren Aufzeichnung der aretinifche Maler Vafari nod unter dem Schuge des glorreihen Haufes Medici den
Grund zw der gefammten neuern Kunſtgeſchichte gelegt hat, ins Deutſche überfegt und nach dem Stande unferer jegigen Kennf-
niffe berichtigt und vervollftändigt zu jehen.
Wir freuen uns daher,
dorlegen zu tönnen, welches Zon und Inhalt des Driginald mit ebenſo
dem beutjchen Publicum mit diefer Ueberfegung ein Werk
viel Treue als Leichtigkeit wiebergibt- Die Herausgeber,
welche die von Vaſari gejhilderten Kunſtwerke größtentheils aus eigener Anſicht und Unterfuchung Eennen, und in den fpeciell-
ften Theilen der gefammten Kunftgefihichte einheimifch find, haben- diefe Ueberfeßung mit alfen wuͤnſchenswerthen Nachträgen und
Berichtigungen ausgeftattet, jodag wer nun in Stalien eine neue Ausgabe des Vajari veranftalten will, Die deutſche Leberfegung
wird zu Hülfe nehmen müffen.
m. die Anfı — elaſſiſchen Werkes zu erleichtern, haben wir die frühern Bande (I. IL. 1. 2, IIr. 1. 2.
IV), ir 15 Th gr., Dder 26 Fl.
oder 21 Fl.
abgegeben werden.
‚Stuttgart und Tübingen, im Auguſt 1847.
1 Ne I. 30 St. Eofteten, zufammengenommen auf 13 Thlt. 10 Nor,
im Preife ermäßigt, einzelne Bände aber, Eonnen nicht anders als zu den gewohnlichen Ladenpreifen
3 ©. Eotta’fher Verlag.
—
Soeben ist erschienen:
Zeitschrift
: für ’
deutsches Alterthum
herausgegeben
von
Moriz Haupt.
Sechsten Bandes zweites Heft.
Gr. 8. Brosch. I Thlr.
Inhalt: Pantaleon von Konrad von Würzburg, heraus-
gegeben von Haupt. — Die spottnamen der völker, von
Wiln. Wackernagel. — Mete bier win lit lütertranc, von
Demselben. — Das lebens licht, von Demselben. —
Der wolf in der schule, von Demselben. — Erde der
leib Christi, von Demselben. — Gold im munde, ‚von
Demselben. — Windsbraut und windgelb, von Demsel-
ben. — Ein weib und drei liebhaber, von Demselben. —
Vor liebe fressen, von Demselben. — Haus kleid leib,
von Demselben. — Italiänischer liebeszauber ünd krank-
heitsegen, von Demselben. — Rom und der pfennig, von
Demselben. — Liber sententiolarum, von Demselben. —
Aus Dieterichs drachenkämpfen, von Haupt. — Zu Vö-
luspä, von K. Weinhold. — Heinzelein v. Constanz, von
Haupt. — Wichtel, von Demselben. — Wiesbader glos-
sen, von Wilh. Grimm. — Ein gläzisches christkindelspiel,
von K. Weinhold. -- Deutsches calendarium aus dem 14.
jahrhundert, von R. v. Lilieneron. — Von dem Anticriste,
herausgegeben von Haupt. — Hausehre, von Demselben. —
Zweite handschrift von Grieshabers altdeutschen predig-
ten, von Dr. Weigand. — Mittelhochdeutsche liederdichter,
von Haupt. — Bruchstücke aus Konrads von Würzburg
trojanischem kriege, von: J. Zacher. — Altvil, von Haupt.
Leipzig, im September 1847.
BE eidimanmn’sche Buchhandlung.
Für Freunde hiftorifcher. Itudien.
Noch in diesem Monat erscheinen in meinem Verlage:
Geschichtstafeln.
zum Schul- und Privatgebrauche
von
Dr. Wilhelm Friedrich V olger,
Director der Realschu!e des Johanneums zu Lüneburg,
Erste Abitheilung.
Alte Geschichte,
bis zum Untergange des Weströmischen Reichs.
Fol. Preis: etwa 20 Ngr: (16. gGr.)
Gibt es auch der Werke keine geringe Zahl, welche eine
chronologische, mehr oder weniger geographisch oder eth-
nographisch getrennte Reihefolge der geschichtlichen Merk-
würdigkeiten enthalten, so glauben doch der Herr Verfasser
und die unterzeichnete Verlagshandlung mit obigem nichts
Ueberflüssiges zu bieten, zumal die dafür gewählte Form
eine neue ist und gewiss das Verdienst der Klarheit und
Uebersichtlichkeit sich zu erwerben wissen wird. ?
Gleich wie bei geographischen Atlassen vom Allgemei-
nen zum Besondern übergegangen wird, indem solche
zuerst die ganze Erde auf einer Tafel, dann einzelne Erd-
theile, Länder, Provinzen enthalten, und selbst bis zur aus-
führlichen Darstellung einzelner Localitäten herabsteigen, so
soll auch nach diesem Grundsatze in unserm Werke die
Geschichte erst in allgemeinen Uebersichtstafeln, dann in
immer speciellern Darstellungen vorgeführt werden. Jeder
Staat, jedes Land, selbst einzelne dauernde Zustände (z. B.
Kreuzzüge etc.), werden ihre speciellen Tafeln erhalten, so
weit sich dieses als nothwendig herausstellt, und deren jede
wie es die Masse des Stofls fodert, selbst aus mehren sich
aneinander anschliessenden Bogen bestehen. j
Doch sollen diese Einzel-Darstellungen nie isolirt er-
scheinen, sondern durch eine entsprechende räumliche Ein-
theilung der Tabellen die Hauptrubrik einer jeden stets in
Verbindung mit allen oder den zunächst mit ihr. im Zusam-
menhange stehenden Ländern und Völkern vorführen.
Bei dem allgemein rühmlichst anerkannten Namen des
Herrn Verfassers, dessen Lehrbücher der Geschichte so sehr
verbreitet sind, dürfte es überflüssig sein, über dieses
Werk mehr des Empfehlenden zu sagen. Dasselbe mag bei
seinem baldigen Auftreten selbst für sich sprechen, und
wird ihm dann eine freundliche Aufnahme wol schwerlich
versagt werden.
Die Abtheilungen des Werkes über die mittlere und
neue Geschichte sollen baldigst nachfolgen.
Hamburg, im September 1847,
Joh. Aug. Meissner’s Verlagshandlung.
Bei Braumüller & Seibel, Ef. Hof-Buchhändler in
Wien, am Graben im Haufe der Sparkaffe, ift zu haben:
Hefterreichifche militairifhe Zeitfehrift.
1847. Sechstes Heft.
Dieſes foeben erſchienene Heft enthält folgende Auffähe:
I. Das k. k. Hufarenregiment Palatinal im Feldzuge 1809. —
I. Ueber Kriegsfpiele und deren Nugen. Mit einer Kupfer:
tafel. — IM. Scenen aus den Geſchichten der k. k. Regimenter
Baron Piret Kin. Inf. Nr. 275. Großherzog von Zoscand
Dragoner Nr. 4; Graf Khevenhiller Lin.-Inf. Nr. 35; Erz:
berzog Ferdinand Marimilian Cheveaurlegers Nr. 3, und Prinz
Hohenlohe Kin.-Inf. Nr. 17; 18 Scenen. — IV. Züge von
Heldenmuth aus den legten Kriegen der Deftreiher; vierte
Sammlung (Fortfegung), Nr. 37— 55. — V. Literatur. (Mi-
litairftatiftit Rußlands.) — VI. Beleuchtung der neuerer Zeit
im Drude erfhienenen Schriften des Prinzen Eugen von Sa-
voyen. — VI. Neueſte Militairveränderungen.
Sn unferm Verlage ift erfchienen ;
Bei 2 de
Sehen und Wiffenfchaft der Tonlunſt
von
Edudrd Krüger.
Preis 1 Thlr. 25 Nor.
Leipzig, im Auguft 1847.
Dreitkopf & Härtel.
Bei Perthes-Besser & Mauke in Hamburg ist
unter der Presse, und wird gegen Ende September erscheinen:
Bessel,. F. W., Populäre Vorlesungen über
wissenschaftliche Gegenstände. Nach dem
Tode des Verfassers herausgegeben von H, ©. Schu-
macher. In Einem Bande.
Prospecte sind in allen Sortimentsbuchhandlungen zu haben,
TUT — N SEHEN EEE — — — —
Bei F ˖ A. Brockhaus in Leipzig erſchien ſoeben und iſt
in allen Buchhandlungen zu erhalten:
Foscolo (Ugo), Lehte Briefe des Jacopo Hrtis,
Aus dem Stalienifchen überfegt von F. Lautſch.
Zweite Auflage Gr. 12. Geh. 1 Thlr.
Druck und Verlag von F. A. Brockhaus in Leipzig.
Anthus arboreus .
A. pratensis . .» -»
Ardea stellaris .
A. cinerea fi. - - -»
A. minuta m. et f.
Bombyeiphora g garrula
Caprimulgus europ. m.
CRITEM..-. o:. ».. ne
Charadrius hiaticula m.
fc. 5 plc N nn
C. auratus -. 2.» »
Corvus corax . » »
©. frugilegus . - »
C. pica EEE
C. caryocatactes .
Ciconia alba -
€. nigra . -
Columba turtur weiß.
Colymbus arcticus
C. glacialis
€. septentrionalis
Cuculus canorusm. f.
Cygnus gibbus
Euberiza lapponica .
E. nivalis . (WI.
Falco islandicus alt.
F. peregrinus f. .
F. rufus m. .
F. lagopus . .
F. cyaneus m. m, Raub
or
F. subbuteo .
F. milvus
F. tinnunculus m. et f.
F. nisus m. et f.
F. iNäten f. mit Raub
F. palumarius m
— juv. m. Raub
Falco aus Grönland.
Fulica atra. . .
— m. f.c. 7 pafl.
Gallinula chloropus .
G. porzana .
G. crex m. f. ce. 4 pull!
Grus cinerea m. 3
Lanius meridionalis .
L. ruficeps f. . . .
Larus ridibundus m.
— f.
L. eburneus . ..
Merops apiaster . .
Mergus merganser m.
— ——
M. serrator m.
Numenius arcuatus
Oriolus galbula m. f.
ae 1 EEE
Otis tetrax m. . .»
— — f...
Pavo cristatus m.
Pelecanus crispus .
Parus major .
Perdix coturnix
Pyrrhula vulgaris f.
Perdix coturnix m. f.
— eianie
P.cinerea m. f. c. 12
pull. . 3
— 13 p.
Phasianus marginatus
var. alla. ..
Ph. pictus m. f. c. 15p.
—— | — „| 222 22281 | I-| »
|lIgerro- “uni |
—
—
Ph. pictus m. . .
— fc4 pull.
Ph. marginatus m.
en
Phalaropus cinereus
rufas’; 10. .&
Pyrrhula enucleator. m.
ch Tem, v7 Sole
Podiceps cristatus m.
fen... Te
f. jJuv.
Piadtas" Tr
P. minor. -
— m. f. c. 3 na.
et 2 ov.
juv. 2 Stüd.
1
Rallus aquaticus .
Sterna nigra . -
Scolopax rusticola m.
et c. 3 pull. .
gallinago, -
Sterna hirundo m. f.
Strix nisoria fem. .
St. nyctea fehr alt .
jüngere '.
St. bubo aus Birginien
St. lammea m. et f.
St. scops fem. . . .
St. aluco m. m. Raub
Sturnus vulgaris =
Sylvia phoenicurus m.
S. cinerea m.. .
S. turdoides m. et £.
S. Iuscinia fem. . .
Tetrao urogallas m,
fem.
T. tetrix mas. etfem.
Inäs, . ©...
T. canadensis . . .
T. lagopus Winter .
T. bonasia m. et f,..
Totanus fuscus m. f,
T. hypoleucos . .
Tringa ochropus m, f.
T. pusnax m, et’f. .
T. ochropus mas. .
fem.
Turdus merula m.
T. musicus m. . «
T. torquatus m. et f.
Uria grylie Sommer .
— Winter
— Darietät .
— troille .
Vanellus cristatus m.
et f. c. 2 pull. 2 ov.
Yunx torquilla m. _f,
Ervten.
Alauda capensis . .
A. magna ....
Alcedo alcyon . .
A. americana . . »
As. mexicana ui.
ASUS a ar ne
Ampelis tersa . . »
A. americana . . .
Au cariſe
A, terfer SMS
Anas spousa m. . .
Aptenodytes chryso-
Coma ET >
Ardea 2% 2...
Bucco cayennensis
AREHUE
I il
2
2
1
[TEST EST
Caprimulgus® . . .
Certhia coerulea . .
C. flaveola . . . .
Cinnyris ficorum .
Columba tarolinica .
Gl ausalaeı.n.
€. migratoria .
C. passerina . .
C. pusilla 2 .
G.tiecpar..2.
Coracias aby ssinicus
(cafler). z
Corvus cristatus -
Corythaix persa . .
Cuculus auratus ca-
pers...»
C. cyan ......»
Edolinus remifer .
Emberiza ery Broghn
thalmos &
E. oryzivora
E. pecors: :'. | .*M
Erolla.nasica . . »
Falco sperverius m.
Fringilla arborea
F. brasilieusis.. .
F. cyauea . .» »
F. elegans .
%. OryXya aeg me
R.. SOCKaDIEE. Je = is
Galbula viridis . «
Gallinula porphyrio .
Gracula quiscola. «
BHeliornis surinamen-
SIS.n Are nur,
Hirundo purpurea
Icterus minor . ».»
L phoenicus .. = +
l. Agripennis . -
Lampretormis aurafus
L. cautök_ .,- *ı.e
Lanius americanus .
L. tyrannus .. +...
Loxia.astrild.. « »
L. capensis B
L. maya. .,.
Melliphaga Nov. Hol-
landiae ..,,...” » =
M. tenuirostris .»
Merops erythropterus
Muscicapa coronata .
M. Lathami . .
M. paradisea . »
M. tyrannus
Myothera loricata
Nectarinia Antilleusis
Oriolus-ballimorae m.
— f.
O. hoemorrhoe . .
Paradisea apoda . .
Ornismya mellivora .
O. mesoleuca . . »
vuvmnvn Sean
|»
— — SEIFERT
| — —— —— »—— ——
—
22
1
|
O. albiventris . . .
Pardalotus pipra.. .
Parra jacaua . . .
Parus atricapillus .
Phylornis _cochineni-
DONSB naar
Picus auratus . . »
P. carolinus m. .
— RR
Picus coronatus m. .
— —
P. erythrocephalus .
P. fliavescens m. . .
P. variosus m. ’
P. pubescens \. 7.
P. villosus
Pipra caudala . . .
P. erythrocephalus .
P. longicauda . . .
P, gutturosa . . .
P. manacus . -
Sitta brachyura .
Prionites brasiliensis
Promerops capensis
Psittacus cristatus
P. erithacus
P, maca0 . .
P. pullarius. . .
P. surdus e
Pioglopus Aracarni.
Pteroglossus piperi-
voruüs iu . ;
Querula rubicollis,
Ramphastos tricolor ,
Rhamphoceles jacapa
Saxicola pileata, . -
Scolopax minor. ..
Sylvia superciliaris .
S, eitrinella . ..»
S. marilandica .
S. solitariaıa. 02) .. |.
Tanagra archiepiscop.
T. eardinalisı. ...%
T. cayanazız) Wi“
T. eristata Er
T. eyanietera . .
T..cyanocephala .
T. episcopus “er
T.jacapa 0.
T. missisippiensis
T. rubra m. .
—
T. thoracica
T. velia
Tetrao virginianus .
Turdus atriceps En
T. melodus..
T. migratorius. - »
Vidua longicauda .
V. paradisea ,„ . .»
V. torquata . . . »
Trochilus div. Sorten
von 2 bis 2 Thlr.
— —
© | „-Evve—. | “| I-1| —— —— —— ZN) ——
—ODDDVVVVVVVVVVVVVO0
Außerdem noch mehrere vorzügliche Cabinetsſtücke enthaltend
Vögel mit ihren Neſtern und Eyern oder Zungen.
ſchiedene Bierfüßler, worunter 1 Rennthier, 2
Dann ver:
Seehunde ıc.
Vö⸗
gelbälge, Vogel⸗ Eyer, ins und ausländifche prachtvolle Schmetter-
linge, vor allem aber ein ausgezeichnetes Conchylien-Cabinet, worz
Näheres auf frankirte Briefe.
Exoten und Doubletten von Vögeln werden fehon jeßt einzeln
abgelaffen, im Nothfall auch die Preife etwas ermäßigt werden.
En ä—ñ
unter die feltenften Stüde.
H. F. Moeſchler.
Inuhalt der Iſis 1847. Heft VII.
Ceite
481. 3eller, über italiänifche Schmetterlinge V. Noctuae: An-
thophila, Ophiusa, Catocala.
Geometrae: Ennomos, Geometra, Aspilates, Boarmia,
Fidonia.
Chesias, Cabera, Acidalia, Larentia, Idaea.
Dosithea, Acidalia.
Giebel, über die Knochen von Felis, Hyaena et Canis im
Seyefenberg.
484.
493.
513.
522,
Seite
545. Bücher von Gok, den rheinländifchen Alterthums-Freunden.
550, Bücher. von Fürnrohr, Dupondel, Giebel.
557. Ofen, über die Schädehwirbel gegen Hegel und Göthe.
Umſchlag.
Catalog einer Sammlung ausgeſtopfter Vögel.
— —
Verkehr.
Buch an Rich. Owen; 2 Sprach-Charten an K. Bernhardi.
Eingegangen:
Tr, zur allgemeinen Naturgefchichte. — B. weiße Farbe, — B. Ca:
talog von Vögeln,
Büccher.
Dr. Fr. Hessler, Susrutas, Medicinae Systema etc. ex san-
skrita in Latinum sermonem vertit etc. Erlangae apud
Enke. 1. 1847. 8. 249. t. 2.
Das Ebenbild von C. G. Schönherr. 1846. 4.
M. J. Roemer, familiarum naturalium regni vegetabilis Sy-
nopses monographicae. Fasc. III. Rosiflorae. Vimariae.
1847. 8. 250.
Dr. ©. Hartlaub, Syftematifcher Inder zu Azaras Päaxaros del
Paraguay. Bremen bei Schünemann. 1847. 4. 29,
Joubert et Spach, Illustrationes plantarum orientalium.
Paris chez Roret. Livr. 19 et 20. 1845. II. 4. fol. 13
bis 16. tab. 179 — 200.
Pritzel, thesaurus literaturae botanicae omnium gentium.
Lipsiae apud Brockhaus. Fasc. I. 1847. 4. 80.
Dr. Giebel, Fauna der Vorwelt mit fteter Berüdfichtigung der leben—
den Thiere. Ebd. Bd. J. Abth. 1. Säugthiere. 1847. 8. 283.
9. Kröyer, Danmarks Fiffe, Kjöbenhavn. II. 1. 1846, 8.
1— 320, Holzſchnitte von Blind).
Dr. Mauz, Grörterungen über die Rartoffelfranfheit und Nathfchläge
zu deren Verhütung. Stuttgart 1847, 8. 56.
J.D.Dana,on the Volkanoes of the Moon. Newhaven 1846,
8 23. (Sillimans Journal II.)
Geognoftifche Charte des Königreichs Sachſen. Drei Blatt ill. Section
VII. ; 2te Aufl. der Sect. XIV. und Generalcharte. 1847. Fol.
J. W. Zetterstedt, Diptera Scandinaviae Lundae (Gry-
phiswaldiae). 1847. VI. 8. 2163— 2580. (Pars V.
nondum allata). — Alia.
L. Treviranus, über einige Arten auomalifcher Holzbildung bei Di—
cotyledonen. (Bot, tg. 1847. 377 - 401.).
Derfelbe, über den Fruchtbau der Gruciferen, Ebd.
432 — 436,
400 — 16,
Zeitfhriften.
Blätter fuͤr Titerarifche Unterhaltung. Leipzig bei Brodhaus. 4. 1847.
Februar bis Juni.
Wackenroder und Bley, Archiv der Pharmacie, Hannover bey Hahn.
1847. 8. Heft 1—6,
Nyt Magazin for Naturvidenskaberne. Christiania p. Dahl.
1846. 8. V. 1. 88 t. 1. fol. 2. 89—214. — 1817.
V. 3. 216— 318. t. 1—4. \
Flora oder allgemeine botanifche Zeitung, ‚redigiert von Fürnrohr.
Regensburg 1846. 8. 790. T. 6. — Dabey iſt: — auch
befonders zu haben:
Wickſtröms Jahresbericht über die Botanik 1839 — 42., überſetzt
von Beilſchmied. Ebd. 1846. 8. 235 —504.
Arbeiten des Naturforſchenden Vereins in Riga, redigiert von Dr. Mül-
ler und Sodoffsky. Rudolſtadt bey Froebel 1847. I. 1,
8 144,
H. Kroyer, naturhiftorift Tidsſtrift. Kjöbenhavn paa Reitzel. NY
Näffe II. 2, 1846. 8, 133 — 224. T. 1.2,
W. Haidinger, Berichte über die Mittheilungen von Freunden der
Naturwiffenfchaften in Wien, Wien bey Braumüller und Seidel;
1. Nr. 1—6, 1846, 8, 263, 1. Nr.7.8. 1846, 8, 68.
+
Eucyclopadifche Beitfchrift,
vorzüglich
für Naturgefchichte, vergleichende Anatomie und Phyſiologie,
von
o
1847.
Heft va.
Der Preis von 12 Heften ift 8 Thlr. ſaͤchſ. oder 14 fl.,24 &r. theinifh, und die Zahlung iſt ungetheilt zur Leipzige
Oſtermeſſe des laufenden Jahres zu leiſten.
Man wendet ſich an die Buchhandlung Brockhaus zu Leipzig, wohin auch die Beytraͤge zu ſchicken ſind. Es wird ge⸗—
beten, diefelben auf Poftpapier zu fchreiben. Das Honorar für den Bogen fechs Thaler preuß. Cour, Ei
Unfrankierte Bücher mit der Poft werden zurüdgemiefen.
Einruͤckgebuͤhren in den Tert oder Umfchlag die Zeile ſechs Pfennige.
Bon Anticritifen (gegen Iſis-Recenſionen) wird eine Quartfeite unentgeltlich aufgenommen.
— ————————— ——— —————————————————————— En.
Leipzig, bey Brockhaus.
Anzeigen.
—
Für Herausgeber entomologiſcher
Werke und Beitfgriften.
Der Unterzeihnete, welcher fich bereits feit einer Neihe bon
Jahren bei der Herausgabe mannigfacher naturhiſtoriſcher
Werke betbätigte, und deſſen Name befonders durch die bon
3. Hübner gegründeten, fpäter von ihm ſelbſt und in neue-
jtee Seit von Dr. Herrid-Schäffer in Negensburg forte
gefegten Werke der entomologifchen Welt hinreichend bekannt
it; erbietet ſich hiermit den vefp. Verfaffern und Herausge-
bern folder Werke zur Lieferung der dazu benöthigten Abbil-
dungen gegen billiges Honorar und ertheilt nähere Auskunft
auf frankierte Anfragen unter nachſtehender Adreſſe:
Earl Geyer,
Ntaturalienmaler,
Lit. H. 404. Mittler Graben in
Augsburg.
Verkauf
einer Mineralienſammlung.
Eine Mineralienſammlung von 700 Stücken, unter denen ſich
die edeln Metalle in ſchönen und koſtbaren Exemplaren und viele
ſeltene und ſchöne Sachen befinden, von denen die kleinſten 11,
die größten 4 im Durchmeffer halten, iſt billig zu verkaufen:
Der Unterzeichnete wird das Verzeichniß derfelben gern an Lieb:
baber abgeben und den Verkauf einzuleiten fuchen. — Briefe er:
bittet ex ſich poſtfrei.
Renthendorf bei Triptis, am 15. Julius 1847.
Ludwig Brehm.
Bei Auguft Hirfhwald in Berlin iſt erſchienen und
in allen Buchhandlungen zu baben:
Disquisitiones
anatomico-comparativae de
membro piscium pectorali
institutae in museo regio berolinensi a
Dr. ©. Mettenheimer.
Adjectis tabulis duabus.
Gr. 4. Broch. Preis 1 Thlr.
Im Verlage von Dunder und Humblot in Berlin
ijt foeben erfchienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen:
Stein, Dr. Friedr., Vergleichende
Anatomie und Physiologie der Insecten in Mo-
nographieen bearb. I. Monogr.: Die weib-
lichen Geschlechts-Organe der Käfer, Mit
9 Kupfer -Tafeln. Gr. 4. geh. 10 Thir.
Durch alle Buchhandlungen iſt zu beziehen:
Thesaurus literaturae botanicae
omnium genlium inde a rerum botanicarum inilüs
ad nostra usque lempora, quindecim millia opera
recensens. Curavit @&. A. Prilzel.
Erſte und zweite Lieferung.
Sr. 4. Jede Lieferung auf feinftem Mafchienenpapier 2 Thle.,
auf Schreib: Belinpapir 3 Thlr.
Leipzig, im Auguft 1847.
F. U. Brockhaus
J
4
vH ©
1847.
Heft VI
Bemerfungen
über die auf einer Reife nach Italien und Sicilien beobadjteten
Schmetterlingsarten von P. C. Zeller. VI.
(Fortfegung von Iſis Heft VII. pag. 521.)
Pyralides.
Herminia.
Nah Cofta find die Merkmale dieſes Genus: Palpi infe-
riores longi sursum reflexi; alae anteriores amplae, mar-
gine postico parum flexuoso [!]; autennae maris pectinatae,
aut nodosae.
Er Eennt 4 Arten als neapolitanifh: 1) tarsicrinalis
(nicht felten); 2) barbalis (mit der vorigen an gebüfchreichen
Stellen); 3) tarsiplumalis (auf dem Matefe im July);
4) tentaculalis (in Terra d'Otranto im Jum), — Name
bur bat eine corfifhe Art: erinalis.
201. (1.) Derivalis.
Ein ziemlich verflogenes Weibchen heil und ohne andere Aus—
zeihnung als mit etwas ftarfen, dunklen Querlinien fieng ic)
am 15. Auguft oberhalb des Agnanofees bey Neapel in einem
mit Eichen gemifchten Gaftanienwalde,
202. (2.) Crinalis.
Ein ſehr verflognes Weibchen mit gut ausgedruͤckter Zeich-
nung und von mittlerer Größe erhielt ich von mehrern am
24. Auguft an einer Gartenhede bey Gifterna. Diefe mit
Tarsiplumalis leicht zu verwechfeinde Art ift am beiten an den
Taſtern zu erkennen, deren zwentes längſtes Glied fait gerade,
zufammengedrüdt, an der obern Schneide mit langen Haar—
ſchuppen beſetzt ift, das Endglied über 4 fo lang, rüdwärts
von der Spige mit einem zufammengedrüdten Schuppenbüfd-
chen. Letzteres ift etwas größer beym Männchen, deffen Palpen
übrigens gleich gebaut find.
Hypena.
Coſta's Merkmale: palpi inferiores longi, recti, arti-
eulo ultimo sursum reflexo; alae anteriores praecedenti-
bus angustiores ac longiores, margine postico parum
flexuoso; antennae in utroque sexu setiformes. Seine Ar—
ten: 1) lividalis „der Schmetterling: kriecht im October
aus [2]; die Puppe zwifchen Steinen und in Felsſpalten —
Neapel und an andern Stellen. 2) crassalis „im July
und Septbr. auf Erica vulgaris [follte dieſe dort vorkommen ?]
und Urtica dioieca in Lecce.“ 3) palpalis in Lecce. 4)
trigonalis n. sp. „alis antieis griseo flavoque nebulo-
sis, triangulo marginali obscuriore lineato-punctato; po-
stieis einereo-fuseis, linea albida ante fimbriam. Sie hat
Iſis 1947. Heft 8.
viel Aehnliches mit Rostralis und Achatalis [erassalis]. Von
diefer trennt fie fi durch den dunklern und ziemlich fcharf bes
grenzten dreyedigen Raum, desgleichen durch die Farbe der
Hinterflügel; von jener durch, die weißliche Linie, welche die
Franzen umgiebt, und duch die Farbung uud Schärfe der
Tlede auf den Vorderflügeln. — Findet fich im Innern der
Wohnungen vom May bis Septbr. Sch erkenne diefe Tri-
gonalis nidyt nah der Coftaifhen Bezeihnung. Rambur
bat drey corfiihe Hypena: rostralis, obsitalis und
lividalis. Sch traf nur eine:
203. (1.) Lividalis.
Un zwey Dugend Cremplaren, die ich an verfchiedenen Stel=
len gefammelt habe, bemerfe ich fehr unerhebliche Abänderungen.
Bey manchen Eremplaren iſt die Grundfarbe des Murzelfeldes
der WVorderflügel ein wenig dunkler gegen den WVorderrand, oder
mit fehr ſchwachem grünlihem Schimmer verfehen; von einer
Farbe wie von blau angelaufenem Stahl kann gar nicht die
Nede feyn. Bey manden Eremplaren ift das ſchwarze Puͤnct—
en ftärfer, ben andern fchwächer. ’
Hübners Figur 11. weicht fo ſehr ab, daß fie kaum zu
meiner Art gehören kann; Fig. 186. dagegen ift ziemlich richtig,
aber ihr Gelb an der Baſis nicht fhön und hell genug.
Freyers Bild ift zu grün, ohne Punct, auswärts zu
zeichnungslos, und in den Zaftern verfehlt. Duponchels
Lividalis pl. 213. fig. 3. fommt meinen Faltern am nächften,
ift aber nicht zart genug.
Ein einziges Eremplar fieng ich bey Catania am 25. Suny;
bey Meffina fand ich die meiften auf dem Gaftellaccio an der
Oſt- und Nordſeite des Gemäuers, wo ich fie aus der Parie-
taria olfeioalis am 25. und 26. July und 2. Aug. Elopfte;
der Schmetterling fucht das Finftere, wo er auch während des
Fliegens leicht Überfehen wird; er werftedt fich ins Gebuͤſch und
fest fi) gern an Parietaria-Ötengel mit fteil dachförmiger,
nur wenig” flacherer Flügelhaltung, als Platypt. spinula. An
der Stadtmauer von Sorrent fieng ich wieder ein Eremplar
an Parietaria, am 8. Auguft. Wahrfcheinlich lebt ihre Raupe
an diefer Pflanze. Die eigentliche Flugzeit ift für Meffina die
Mitte des July.
Pyralis.
Gofta: palpi inferiores breves, curvi; antennae peecti-
natae. Facies Bombycarum [!]. Mas: ano barbato, fem.
nudo, acuto, oviductu extenso. Alae anticae A, longio-
res aere micantes; B, breviores, squamis scabrae. Daß
diefe Merkmale nicht binreihen, um die Arten kenntlich zu
machen, erinnert Cofta mit Recht. Er bat zwey Arten:
1) pinguinalis; indem. er Hübners Abbildung tadelt
36
563
verweift er auf feine eigne Taf. 9. Fig. 8., in welcher ein
Männchen abgebildet fey fol. Allein Taf. 9. bat nicht einmal
8 Figuren, und auf andern Zafeln ift Eeine Pinguinalis: 2)
aenalis Costa, man f. hierüber Cuprealis.
As corfifhe Arten Eennt Rambur: euprealis, pin-
guinalis, bombycalis und corsicalis n. sp. I
fand folgende:
204. (1.) Cuprealis.
Ein Eleines, ganz franzenlofes Männchen fieng ich in Civita
eastellana (nördlih von Nom) im Gafthofe Abends in einem
finftern Zimmer am 4. Septbr.
Gojta führt eine Pyr. aenalis auf, die nichts weiter als
Coprealis if, Er vermuthet diefes beynahe felbft, und die
Abweichungen von der Hübnerfchen Figur 153., die er anführt,
geben den 'beften Beweis. Treitſchkes Befchreibung hätte
ihm einen Theil feiner Zweifel 'gelöft, wenn er fie befragt hätte
oder hätte befragen koͤnnen; ftatt deffen berücfichtigt er bloß die
Treitſchkiſche Diagnofe, in welcher über die Hinterflügel ges
fhwiegen wird. Er bezeichnet feine Art folgendermaßen:
Alis antieis nigro-fuliginosis, maculis aeneis transver-
salibus angulosis duabus, alteris medio rotundatis coalitis,
quarum marginale annulare [?] fimbria pallide aenea; alis
postieis albido - sericeis margine postice vix fuscescente
— Kopf braunfhuppig, fowie der Nüdenfhild, auf welchem
die erzfarbigen Raͤnder der Schulterderfen zwey Bogenflede bil:
den, Dberflügel ſchwarz- rauchfarbig mit Metallfhimmerz; eine
Ziczadlinie ift bey der Baſis und eine andere bogige beym Hin=
terrande von berfelben Farbe; zwifchen ihnen eine Gruppe von
4—5 tundlichen’ Sleden, von denen derjenige, welcher den Vor—
derrand berührt, die Form eines Ninges oder Aeugleins hat,
das aber mandhmal nicht vollftändig genug ift, um genau auf
dem Worderrande zu feyn, und dies ift gewöhnlich der Fall auf
dem linken Flügel [!]. Der Hinterrand und die Franzen has
ben bdiefelbe Kupferfarbe, nur bläffer und weniger glänzend und.
von braunen Strichen zerfchnitten. — Hinterflügel feidenglan:
zend weiß, am Rande nur etwas bräunlich. Körper von der—
felben Farbe, Beine dunfelerzfarbig und fehr dornig. — In
Calabria ultra, vorzüglih um Neggio im Auguft und Sptbr,
nicht felten.
Er gibt hierauf die Naturgefchichte und Befchreibung eines
angeblich brafiliihen Zünslers. In einer feft verfchloffenen
Schachtel mit brafilifchen Infecten, in weldye von außen feine
Raubinſecten eindringen Fonnten [2], hatten Raupen feidene
Röhren angelegt und die Inſecten befreffen. Sie verpuppten
fih im März und April, die legte am 25. April, alle in einem
Gefpinnfte aus Seide, Koth und Inſectentruͤmmern. Sie find
nadt, ohne irgend ein Haar [?], von fehr glänzender, dunfel-
caftanienbrauner Farbe; Kopf braun; erſter Ning brauntoth
(rosso - bruno), jeder Ning, mit Ausnahme des erften, durch
eine Furche oder. Falte in zwey Hälften getheilt; lang 1
Zoll, Durchmeffer 1 Linie. Dem Falter gibt er feinen neuen
Namen mit Net, da er nichts als Cuprealis iff. Er be—
fchreibt ihn fo: Alis antieis eupreo-fuliginosis, striis fle-
xuosis, macula annulare [annulari] maculisque parvulis
irregularibus fulvis subauratis; alis postieis subalbidis,
stria candidiore fusco limbata.
Kommt in Korm und Farbe und faft in der Größe mit
Aenalis und Cuprealis überein, aber der Metallglanz biefer
beiden ift weniger merklich und bläffer, und die Verdunkelung
564
(il melanismo) auch weniger lebhaft; außerdem hat der fremde
Zuͤnsler Kopf und Augen ſchwarz, Palpen braun und länglich,
Fühler zart, ſchwarz, länger als die Hälfte der Worderflügel;
Ruͤckenſchild auch braun mit „roͤthlichem (fulvastro) Hinterende,
was mit Hilfe der gleichgefärbten Enden der Schulterdeden im
Stande der Ruhe einen runden Fleck bildet; Hinterleib graus
lihbehaart, am obern Theile mit einem kleinen Kamm. —
Die Vorderflügel haben zwey hin und hergebogene Zickzacklinien,
die eine nahe an der Bafis, die andre fehr nahe am Außen—
rande; auf dem Vorderrande find einige Fleckchen, und eine Ste
Linie faßt den Rand von der innern Seite ein, dem eine Reihe
von ſchwarzen, länglichen Puncten folgt (einge il margine della
parte interna, cui succede ete.). in runder, faft augen=
formiger Fleck fteht in der Mitte und in der Nähe des DVor-
derrandeg mit ‚einigen andern untegelmäfigen, auf der Fläche
zerftreuten, Alle diefe Linien und Flecke find von röthlicher
(fulvo) Farbe, mehr oder weniger heil, mit dem Ölanze vers
goldeten Kupfers; die Fläche ift der Länge nach ungleihmäfig
"röthlich erzbraun (bruno rossiccio di bronzo). — Die Hin-
terflügel find gerundet, afchgraulich = weiß mit Seidenglanz ; eine
braune Linie faßt den Nand ein, und eine andre zartere, blaf-
fere durchläuft die kurzen, glänzenden Franzen; in der Fläche
ift eine nur bey günftigem Lichte fihtbare, faft weiße Querlinie.
Alle jene Linien und Streifen find bin und hergebogen und
wie aus Fleckchen zufammengefeßt. SHinterhüften afchgraulich,
dicht behaart; Tarfen braun, afchgraulich geringelt. — Das
Männchen ift Elein, brauner als das Meibchen. Es zeigen
fi) mancherley Abweichungen in der Stellung des runden, faft
augenförmigen Flecks der Vorderflügel, welcher bisweilen den
Vorderrand entfchieden einnimmt, bisweilen unvollftändig ift;
die gebognen Linien find mehr oder weniger breit und vers
ſchlungen.“
Es iſt leicht moͤglich, daß Cuprealis auch in Braſilien lebt,
eben ſo moͤglich aber, daß die Raupen erſt in Europa in die
Schachtel gelegt wurden, da bekanntlich die Weibchen von Py-
ralis einen ſehr langen Xegeftachel haben, der in die Bun
Deffnungen eindringt.
205. (2.) Netricalis.
Alis anterioribus luteo -fuseis strigis duabus pallidis,
posteriore introrsus bidentata; posterioribus nigricantibus
striga media pallida, antice acutangula: fem, alis angu-
statis pallidis.
Hübner: fig. 158.
var. b. alarum ant. strigis ramo conjunctis, ceterum
ut var. a.
alis post. serie marginali macularum flavescen-
tium notatis ceterum ut var. a.
alis ant. brunneo -Jutescentibus, posterioribus
basi macnlisque marginis postiei Jutescentibus,
strigis ut in var. a.
Bombyx moldavica Esp. III. tab. 86. fig. 1. p. 38.
Oledeobia graecalis Duponchel Pyr. tab. 224. fig. 1.
pag: 76.
Cledeobia moldaviealis Dup. Cat. pag. 210.
Var, e. gigantea, alis ant. lutescentibus, ceterum ut d.
Um Syracus war: diefe Art von der Mitte bis zu Ende
May beym Gapucinerklofter gar nicht felten; fie flog auf Kalk:
boden an trocknen Grasplägen und Nainen zwifchen Getreide:
feldern teicht aus dem Graſe auf und feste fid) nach kurzem
var. €.
var. d.
565,
Fluge an Grasfpisen hingend mit halb erhobenen Flügeln, fait
wie Fid. clathrata. Ungeachtet ich aber Pläße, mo das
Männden flog, forgfältig durchſuchte, gelang es mir nicht, ein
Meibchen aufjufinden; erft am 28. May erhielt ih ein ſchon
fehr abgeflogenes zufällig im Graſe.
Alte bier gefangene Männchen gehören zu meiner Var. a.,
die auf den DVorderflügeln fehr felten eine vöthliche, fondern
dafür eine braungelblihe Beymiſchung, bald Lichter, bald dunk—
ler, und auf den Hinterflügeln. ais Hauptfarbe Braunfchwarz
haben. Am gelichteten Hinterrande der Vorderflügel find nur
gegen die Spitze ein paar meißlichgelbe Laͤngsſtriche fichtbar.
Die erfte Querlinie ändert nicht viel in der Geftalt, und bricht
ſich unter der Mitte zu einem ausfpringenden, fpisen Winkel.
Die zweyte Querlinie fommt der erften am Innenrande bis:
weilen ſehr nahe; fie hat einwaͤrts zwey ftarfe Zähne, den oberen
dem braunen Mittelfled, den untern der Ede der erften Quer—
linie gegenüber. Ben Var. b. ift diefe Ecke und der untere
Zahn der 2ten Querlinie durch einen dünnen, hellen Strich in
der Flügelfalte verbunden. — Die Hinterflügel find braun:
ſchwarz, gegen die Bafis wenig gelichtet. . Ueber, der Mitte geht
eine weißlichgelbe Binde, die einmärts fcharfer begrenzt iſt als
auswärts und am nnenrande dünner als am Vorderrande;
fie macht vor dem letztern einen ſcharfen, fpigen Winfel, der
die Urt fehr leiht von Bombycalis unterfcheiden läßt; nahe
am Innenrande hat fie einen ftumpfen, mehr abgerundeten
Winkel, Ben Var. c. zeigt fih vor dem Hinterrande eine uns
terbrochene Reihe fehr verlofchener weißlichgelber Flede, von
denen die dem Innenwinkel naͤchſten die größten find.
Die durch ihre röthliche Beymifchung, zumal auf, den Hin:
terflügeln ausgezeichnete Var. d. hat an den Hinterrändern
aller Flügel die helle Fleckenreihe ziemlich vollffändig und aus
größern, einwaͤrts lang zugefpisten Sleden zufammengefest; der
ganze Innenrand der Hinterflügel ift breit hellroͤthlich. Zu diefer
Varietaͤt gehören die von Loͤw aus Afien mitgebrachten 3 M.
Var. d. ift ſehr groß (VBorderflügellänge 74’ — bis beym
Eleinften M. 4%) und hat eine fehr helle Färbung, auf den
BVorderflügeln wie die hellfte var. a., Übrigens ift fie wie var.c.
Das Vaterland des einzelnen Cremplars ift mir unbefannt.
Das Meibchen hat eine verlofchene Färbung; die hellen Quer—
linien ffimmen mit denen des Männchens überein; helle Flede
fehlen vor den Hinterrandern. Fühler borftenformig mit kaum
zu unterfcheidenden Gliedern und fehr Eurzer, fpärlicher Behaa—
rung. Taſter verhältnifmäfig etwas Eürzer, dünner als beym
Maͤnnchen; die Marillartafter ſehr deutlich, in Haarbüfchel
ausgehend. Ocellen deutlich. Ruͤſſel Elein, zur Hälfte obenauf
befchuppt.
Dupondel’s Cled. netricalis pl. 214. fig. 2. p. 72.
206. (8.) Angustalis.
Boy Sorrent fieng ich auf dem trodenen Meftabhange beym
Telegraphen ein gutes Männchen am 8. Auguft. Sn der
Gampagna füdlih von Rom mar die Art auf trodnem, nur
noch mit duͤrren Gräfern und Difteln bewachſenem Boden nicht
felten am 28. Auguft, in meift ſehr fchlechten Gremplaren;
ich fieng bier auch ein fehr abgeftaubtes Weibchen,
Treitſchke's Angabe, daß der Schmetterling auf feuchten
Miefen lebe, muß auf einem Irrthum beruhen; denn überall
traf ich ihn nur auf dem dürrften Boden, wenn er nur nicht
pflanzenaum war, am meiften auf freyen Pläsen in Kiefer
waͤldern.
566
207. (4.) Brunnealis.
Ein ſchoͤnes Männchen in dee Campagna zwifhen Albano
und Rom am 25. Auguft, ein feht verflognes am 28. Auguft
näher an Nom. Sie zeigten in ihrem Betragen gar nichts
von der Angustalis Abweichendes; wie Ddiefe flogen fie nur
kurze Streden und fegten fi) ganz nahe an den Boden oder
auf diefen felbft.
Scopula.
„Palpi inferiores breves et conici; antennae setaceae,
hasi complanatae; alae breves sericeo-micantes, albido
maculatae, margine postico striolato.“ Costa. — Den
Namen des Genus erftärt Cofta auf folgende Meife: „Sco-
pula, vielleicht von oxorem, Erhöhung (eminenza), während
Scchrank es von dem deutfchen Furste, prineipessa ableitet.’
(Treitſchke giebt richtig Buͤrſte an), Seine neapolitänifchen
Arten find: 1) dentalis ziemlidy gemein im Suny und
Auguft um Neapel und anderwärts. 2) prunalis den gan—
jen Sommer gemein. 3) margaritalis ziemlih häufig
den ganzen Sommer hindurch faft im ganzen Königreihe. —
Rambur hat feine corfifhe Art.
208. (1.) Dentalis.
Um Spracus felten, ein Männdyen in der grafigen Fläche
vor Magnifi am 14. Man, ein andres am 20. May beym
Gapucinerfiofter. Sn der Campagna um Nom fcheint fie nicht
felten zu ſeyn; ich fing 2 Männden am 28. Auguft und
am 3. Septbr.; noch eins erhielt ich mit Bot. catalaunalis
auf einem Brahhader bey Narni am 4. Septbr. 3
Diefe Art hat alfo zwey Generationen. Ich habe mehrmals
beobachtet, daß ihre Flügelbaltung in der Ruhe fteil dachfoͤrmig
gewolbt ift, wie die der Platypt. spinula.
209. (2.) Scorialis.
Alis acutioribus, anterioribus ceinereo-nigricantibus, an-
nulo, renieuloque in disco pallescenti nigricantibus, striga
postica flexuosa, acute serrata, pallido-marginata; palpis
infra abrupte albis.
Sehr ähnlich der Scop. prunalis, und durch wenige Merk-
male verfchieden. Sie ift Eleiner als die kleinſte Prunalis.
Ale Flügel find fpiger und geſtreckter, namentlich die vordern,
deren Hinterrand etwas fchräger zuläuft und ſich vor Der da=
durch mehr hervotretenden Spitze etwas mehr einzieht. Die
Grundfarbe der WVorderflügel ift ein verduͤnntes, etwas ftaubiges
Braunfehwarz mit lihtem, gelblihem Mittelfelde, worinn die
zwey Mittelzeichen in befonderer Größe. Die fügezähnige Quer:
linie ift auswärts von einer blafgelblichen eingefaßt und zieht
fid unter dem Nierenfled weiter einwaͤrts vom Hinterrande zu:
rue, worauf fie wie ben Prunalis undeutlih wird; fie ift auf
dem Vorderrande fehr di und verdünnt fic) von da aus. Die
Hinterrandlinie befteht aus faft zufammenhängenden, ſchwarzen
Streichen (bey Prunalis find fie fehr getrennt). — Hinterflügel
dunkler grau mit fehr verlofchenem Querſtreif (dev bey mancher
Prunalis ziemlib ſcharf ift) und zwey größern, braunen Fleck—
hen: an der Spise und dem Vorderrande der Mittelzelle,
Noch ftärker und fchärfer find fie auf der Unterfeite, wo auch
der Querftreif deutlih ift. Die Vorderflügel find auf der Un-
terfeite fehr dunkel grau mit matt durchfcheinenden Zeichnungen ;
die 4 WVorderrandflede liegen in weniger hellem und weniger
gelblihem Grunde. Die Nandlinie befteht auf allen Flügeln
aus fehr deutlichen Stricheldyen. ;
567
Die Tafter find etwas kuͤrzer, dicker und dunkler, unten aber
eben fo abgefchnitten weiß (Nüffel mweißbefchuppt. Dberer Aus
genrand mit einer weißen Linie; Bauch weiß mit deutlichen
Puncten — alles wie bey Prunalis).
Das Minncen fing ib im Dorfe Nicolofi am Aetna am
Hau’e meines Führers iin Garten am 29. Juny; das Meibchen
fbon am 25. Juny bey Catania an der Strafe nad) Meffina
zwifihen den Lavablöcdın im Gebuͤſch.
210. (3.) Margaritalis.
Bey Neapel fand ih am 21. Auguft in einem Garten auf
einer gelbbtühenden Grucifere die Raupen in verfchiedener Größe
nicht felten zwifchen den Btüthenftielen. Won den vielen, die
ich fammelte, waren die meiften geftochenz die gefunden aus—
aewachfenen verpuppten fich ohne Erde zwiſchen Flor; die
Schmetterlinge Erochen mir in Ancona und Zrieft aus zwifchen
dem 10. und 15. September.
Es ift alfo gewiß, daß im Suͤden die Mehrzahl im Herbft
augfriecht, und möglich, daß die ausgewachfenen überwinternden
Raupen nicht eher zur Verwandlung gelangen als die Kinder
ihrer Gefchwifter.
Die 3 mitgebrahten Schmetterlinge zeichnen fi) durch nicht
aus, als duch ihre Kleinheit, die wahrſcheinlich ihre Veran⸗
laſſung im Futtermangel hat.
Botys.
„Palpi breves gracilesque; antennae setaceae. Alae an-
teriores angulo externo acuto, superficie sericeo - micanti,
vel conchiliarum splendore praeditae.“ Costa. Als
neapolitaniſche Arten werden aufgeführt: 1) rubiginalis
nicht felten. 2) verbascalis. 3) ocrealis (ochrealis)
im Mav. 4) verbasealis häufig im May und Sun.
5) spiralis n. sp. „alis antieis griseo -fuscis, surculis
spiralibus variis albidis. Körper filberweiß und fo find auch
die Füße. Die Vorderflügel find grau mit braunen Flecken,
welche begrenzt von weißen Wellenftrihen (contornate da ri-
voli bianchi), eine Zeihnung faft wie bey Dubitalis H. fig. 49.
bilden. Mon dieſer unterfcbeidet fie ſich durch Größe, und
größere Schwärze (melanismo), was die Ordnung der Flecke
nahe der Baſis umkehrt (il ch& inverte lordine). Var. al-
bidior: alis antieis albis, maculis punctisque fuseis, in
angulo et margine antico. Die Zeihnung der Furchen (de
solehi che limitano), melde die braunen Flecke der Vorder:
flügel begrenzen, zeigen deutlich, daß fie nur eine einfache Das
rietät der Spiralis ift, bey welcher das Dunkle (il melanismo)
der Flede am [Border?] Winkel und Vorderrande (sull’angolo
e margine anteriore) wählt, am Hinter- und Snnenrande
faft verſchwunden ift. Sie ift auch etwas kleiner. * Findet
ſich an Heckenzaͤunen ben Camaldoli und anderwaͤrts im Auguſt
und September reichlich.“ — Dieſe Art kann id) aus ihrer
Beſchreibung nicht erfennen; aud) habe ich bey Camaldoli keine
ähnliche Art in Zaͤunen gefunden. 6) urticalis im May
und Suny gemein (ovvia). 7) silacealis „im Map und
Ende Sun.’ 8) ferrugalis in Lecce, Baſilicata und Rom.
9) cinetalis nicht ſehr häufig. 10) ibridalis (hybrida-
lis) im July und Auguft in den ſchattigen Gebüfhen; in
Dalmatien bäufiger. 11) sericealis nicht felten. 12) pal-
lealis [palealis]) „in Bafilicata; es mangelt an der unftigen
der dunkle Fleck am Vorderrande der Hinterflügel”‘. 13) argy-
ralis n. sp. Bey diefer Art geht die Nachlaͤſſigkeit Gofta’s
— —
568
fo weit, daß er weder eine Abbildung noch eine Befchreibung
liefert; außerdem theilt er eine etwag mährchenartige Weiſe des
Eyerlegens mit. Der Falter Erieht im May aus und legt
die Eyer auf den Feigenbaum, worauf, tie ich, glaube, die
Raupe lebt. Die Eyer find weiß, cryſtalliſch, Eugeliht. Der
Kunftgeiff, mit dem er diefelben legt, ift fonderbar. Er ver:
längert auf die gewöhnliche Weiſe den Legeftachel, und die Eyer
binaustreibend, überkleidet er fie mit einem Schaum, welcher
an der Luft bald gerinnt und dem Pappus ähnlich wird, der
die Samen von Scorzonera, Lactuca ete. befleidet. Darauf
fucht er fie vom Laube abzuftoßen, um fie der Willkür der
Winde zu überlaffen! Vielleicht verbreitet er auf diefe Meife
feine Art über viele Bäume und Pflanzen. Nach 10 Tagen
Eriechen die ganz weißen Larven aus, deren Kopf nach 3 Tagen
rötblih wird; und dennoch find fie dann mit bloßen Augen
unfichtbar (inpercettibili); fie kamen nah 5 Tagen um, weil
ih nicht wußte, womit ich fie nähren folte. —- Hat Cofta
hier die Eyer der Chryfopen einem Schmetterlinge untergefchoben
und das Abftoßen derfelben dazu erdichtet ?
Bey Rambur find als corfifche Botysarten aufgezählt:
1) verticalis. 2) hyalinalis. 3) silacealis. 4) politalis.
5) ferrugalis. 6) sericealis. 7) polygonalis. 8) hybri-
dalis. 9) asinalis. 10) brusneralis [Bruguieralis Dup.]
11) ophialis. 12) isatidalis Dup. N
Sch felbft beobachtete folgende Arten:
211. (1.) Silacealis.
Ein Eleines Weibchen, etwas dunfel im Mittelfelde der Vor—
berflügel und auf den Hinterfluͤgeln, bey Syracus in den feuch-
ten Feldern und Miefen der Syraca an Geſtraͤuch am 12.
May. Ein großes, ganz gewöhnliche Weibchen im beften Zu=
ftande, bey Neapel in einem Maisfelde füdlich der Stadt am
17. Auguft.
Diefe Art hat alfo im Süden eine doppelte Generation. Da
Nubilalis, dee Name des Männcens bey Hübner, früher
bekannt gemacht worden ift, fo bleibt die Frage zu erledigen,
warum Treitſchke und die Spyftematifer nad) ihm den Na—
men des Meibchens vorgezogen haben,
212. (2.) Politalis.
Botys — F. v. Röslerstamm Beyträge I. tab. 27. fig.1.
a—c.p 47.
Botys — Duponchel Pyr. pl. 218. fig. 4. pag. 134.
Pionea — Duponchel Catal. pag. 204.
Sn der Campagna um Rom gewiß gar nicht felten; ich
fieng dort mehrere ſchoͤne Eremplare in beiden Gefchlechtern am
25. und 28. Auguft und 3. Septbr. ſtets auf den dürften,
nur mit vertrockneten Gräfern und Difteln bewachfenen Stellen.
Es ift ohne Zwenfel ein Irrthum, daß fie fih, wie Dupon-
chel angiebt, in feuchten Gehölzen aufhalte; auch ift mir der
Suny und July (Treitſchke und Duponkbel) als Flugzeit
unwahrſcheinlich, wenn nicht eine doppelte jährliche Generation
ftatt findet.
213. (3.) Verbascalis.
Mehrere Eremplare bey Syracus aus Geftriuch anf tredinen
und feuchten Stellen gefangen in der 2ten Hälfte des May
und dem Anfange des Juny.
569 =
214. (4.) Bruguieralis.
Botys — Duponchel pl. 232. fig. 3. pag. 320.
Botys — Duponchel Cat. pag. 207.
Ein einzelnes Männden bey Syracus zwifchen den Kalk:
felfen der ehemaligen Neapolis in einem Brombeergeſtruͤpp am
23. May.
Bon diefer Art habe ich ein Eleinafiatiiches Eremplar als
eine fraglihe Bruguieralis aufgeführt; die Anſicht des ficilifchen
Eremptars beiveift, daß das Fragzeichen zu löfchen ift. Zu den
ſchon gegebenen Theilen der Befchreibung füge ih das Nöthige
hinzu. Die Fühlerglieder find etwas lang, an den Enden
dunfelgrau, verdidt und abgeftust, Grundfarbe der Flügel
fhmusig ftaubgrau, auf. den Vorderflügeln mit hervorfchim-
merndem Gelb, An diefen iſt der Vorderrand bis zur Sub—
coftalader dunkel. Nicht weit von der Baſis ift eine braune,
auf dem VBorderrande verdidte Querlinie, die fchief von dem—
felben hinüber in ſchwacher Biegung zum Innentande zieht.
Hierauf kommen die erften 2 Mittelzeihen, wovon das obere
ein bräunlicher, grau ausgefüllter Ning (wofür bey dem afia=
tifhen Eremplar ein fcharfer, brauner Punct), das untere ein
verwifchtes, braunes Fleckchen ift (bey dem afiatifchen deutlicher
und dabey größer als der obere Punct; in Duponchels Abs
bildung ein bloßes Pünctchen), Das dritte Mittelzeichen ſteht
weiter von ihnen ab, als fie von der Querlinie, und ift ein
dicker, brauner ſtaubig ausgefüllter Ning, an der grauen Vor:
devrandverdunfelung haͤngend. Die darauf folgende braune,
dünne Querlinie ift ibm naͤher als dem Hinterrande, an den
beiden Enden etwas verdickt, auswärts mit einer blafgelblichen,
an beiden Enden erweiterten Einfaffung ; fie macht dem Mittel:
zeichen gegenüber einen ftumpfen ‚einfpringenden Winkel; darauf
geht fie in einem ftarfen Bogen zuerft auswärts, alsdann fo
weit einwärts, daß fie fenkrecht unter das Mittelzeichen und
diefem nahe fommt, und dann geht fie verdickt in ſchwach ge—
kruͤmmter Linie zum Innenrande. Der Raum zwifchen ihe
und dem Hinterrande ift auf der Vorderhälfte mit einem braͤun—
fihgrauen, ſehr großen Schattenflef ausgefüllt, und am Sn:
nenwinfel befindet fi in der Ausbuchtung der Querlinie ein
ebenfo befchaffener, nur viel Eleinerer. Die Franzen find ſchmu—
sig gelblich, von einer Reihe bräunlicher Puncte auf dem Hinz
terrande begrenzt; hinter einer verlofchenen, grauen Linie find
fie, hellgrau.
Hinterflügel von der Bafis aus hell, am Hinterrande, be:
fonders im Vorderwinkel verdunkelt. Vor der Mitte iſt ein
verlofchener, ziemlich großer, braungrauer Fled, darunter eine
verlofhene Querlinie, die in der Mitte einen flachen auswärts
converen Boden macht, welchet fih in ſcharfen Winkeln aus
ihe erhebt. Hinterrandpuncte braun, nur an der Vorderhälfte
deutlih. Franzen an der Bafis gelblich, hinter einer dunflen
Linie hellgrau.
Auf dee Unterfeite find die Vorderflügel faſt eintonig grau,
die hintern an der MWurzelhälfte weißlichgrau. Alle Zeichnungen
ſcheinen verlofchen durch; die Querlinien find breiter und ver—
floffener; auf den Vorderflügeln fehlt die gelbliche Einfaſſung
der zweyten Querlinie bis auf ein deutliches Fleckchen des Bor:
derrandes.
Diefe Art findet fih alfo im fühlichen Frankreich, in Corfica,
Sicilien und Kleinafien, wahrfcheinlid aber auch an den übrigen
Mittelmeerküften. Sie hat eine doppelte Generation; denn dag
Loͤwiſche Eremplar war gegen Ende Septbr, gefangen
Iſis 1847, Heft &
970
Alis griseis anteriorum costa, macula 'maxima apicali
ac minore anguli postiei obscurioribus; strigis duabus
fusecis, posteriore infra valde flexa; annulo venae trans-
versae fusco.
var. a. annulo altero in cellula discoidali.
Duponchel loe. eit.
var, b. puncto pro annulo altero.
Isis 1847. pag. 22.
215. (5.) Carnealis.
*Botys — Hertih- Schäffer in Panzer’ Fauna
Heft 163 Taf. 4
?Botys — a pl. 232. fig. 4. pag. 322. —
Catal. pag. 207.
Größe gewöhnlich unter der von Ophialis; alfe Flügel viel
fpiser und etwas geftredter, grauröthlicher und ohne die dun—
teln Slede auf der 2. Querlinie und am Hinterrande; Voder—
flügel bleichroͤthlich, etwas ſtaubig, am Vorderrande auf der
MWurzelhälfte fhmusiggrau; am Innenrande am hellften. Die
erſte Querlinie ift braun, etwas wellig und macht einen aus—
wärts converen, faft edigen Bogen; fie ift viel feiner als bey
Ophialis. Nicht weit hinter ihr in der Mittelzelle fteht ein
verlofchener, bisweilen unmerklicher Punct. Auf der Querlinie
folgt eine braune Mondfichel, die auswärts weißlich ausgefüllt
ift, und wie ein hell ausgefüllter, ovaler Ring erfcheint. Die zweyte
Querlinie geht, fanft auswärts gebogen, f[hwachwellig bis zum er:
ften Afteder Medianader, auf welchem fie fich verdünnt einwarts wen=
det, bis unter das Queraderzeichen, worauf fie verdickt in ziemlich nes
vader Linie etwas fehief einwaͤrts zum Innenrande gelangt. Die
bräuntiche Hinterrandlinie ift nur unterwärtsimehr in Striche aufge-
löft. Die fehr hellgeauen Franzen haben wie auf den Hinterflügeln
erft eine braunliche, ziemlich deutlihe Mittellinie, dann nod)
eine fehr verlofchene Linie. Die hellern, mehr grauen Hinterflüs
gel haben ein verlofchenes Fleckchen vor der Mitte gegen den
Vorderrand. Hinter ihm kommt eine braungraue Querlinie;
vom Borderrande aus geht fie erft in fanftem Bogen fehräg
herab, fich dem Hinterrande nahernd; vor ihrer Hälfte wendet
fie ſich plöglih einwärts und nimmt dann unter einem fehr
ſtumpfen Winkel die Richtung gegen den Innenrand. Die
Hinterrandlinie ift in verlofchene, bräunliche Flecke aufgelöft.
Auf der heilen Unterfeite find nur die Mittelzeichen, aber nur
als verlofchene Flede, ferrter die zweite Querlinie und die in
Strihfledchen aufgelöfte Hinterrandlinie fihtbar; die erfte Linie
fehlt gaͤnzlich. —
Das Weibchen ift heller und Eleiner, mit feinen Fühlern,
und (wie e8 nach dem ſehr verflogenen Exemplare fcheint)
ftumpfflügeliger, ſonſt aber, gleich gezeichnet. Treitſchke's
Beſchreibung erwähnt nicht der Aehntichfeit mit Ophialis,
ertheilt den Hinterflügeln eine erſte Querlinie, die auch auf der
Unterfeite erfcheint, und fpricht von einer feinen (braunen ?) Linie
und einer weißen vor den Franzen, die meine Exemplare gar
nicht befigen. Dennody glaube ich in der Beftimmung nicht
zu irren,
Dupondel’s Abbildung weicht fo fehr ab, daß fie zu einer
andern Art zu gehören feheint. Sie ift für meine Art viel
zu groß und zu ftumpfflügelig. Die Bafis der Vo: derflügel ift
fledartig dunkelgrau , worauf ein heller, bindenartiger, auswärts
dunkel. gefäumter Raum folgt. Die zweite Querlinie (auch
nad) der Befchreibung) blafigelb, einwärts braun gefaumt, fteht
zu weit vom Hinterrande ab und nimmt viel eher die Nichtung
einwärts, weshalb fie den nicht mondförmigen, fondern gerunde-
36*
571
ten Mittelfle (un petit point brun à peine marque) unter=
wärts berührt. Won einer Hinterrandlinie und einer Querlinie
der Franzen ift auf beiderley Flügeln nichts zu bemerken. Auf
den Hinterflügeln ift die Querlinie viel zu weit vom Hinter:
tande entfernt; fie macht einen einfachen Bogen und erreicht
nicht den Innenrand.
Herrrich-Schaͤffers Abbildung habe ich nicht gefehen.
Fifher v. Roͤslerſtamm fchreibt darüber: „fie iſt zu roth;
der weiße Streif vor den Franzen [er eriftirt weder an meiner
Art, noch ben Ophialis] und die Querlinie auf den Hinterflü-
geln find anders als an meinen Gremplaren, wo die Grund:
farbe bleich vorblib ift und vor der hintern Querlinie noch ein
bräunliher Fleck ſteht; vor den Franzen zieht eine braune
Linie; die Wurzelhälfte der Franzen ift weißgefleckt; über die
hintere Hälfte gehen zwey braune Linien. So find auch die
Franzen der Hinterflügel, wo die Querlinie in der Flügelmitte
kaum winklig gebrochen ift [!]. Die Fühler Eönnen nicht
„kaum merklich gefranzt‘ oder „innen gleihmäßig gefranzt“
genannt werden; dag Männchen führt nur den gewöhnlichen
Flaum. Dennoch glaube ih, daß Solitalis H.- Sch. das
Männchen zu Carnealis iſt.“
Von meinen Eremplaren fing ich zwey Männchen, dag eine
ziemlich gut, dag andere fehr abgeflogen, am 18. und 19. Juny
bey Syracus auf dürren Grasftellen auf Kalkfelsboden bey dem
Gapucinerklofter. Die übrigen fing ic) bey Meffina am 10.
und 11. Suly an den Bergen neben der Palermitaner Straße;
fie bielten ſich etwas gefellig an dem ſehr reichlichen Farnkraut
am Nordabbange eines Berges, und fegten fich ftets an daffelbe.
Die meiften Eremplare waren fchlechte; doch erhielt ih noch
zwey fehr gute Männchen unter ihnen. Ihr Betragen ſchien
‘mir dem unſerer Pulveralis aͤhnlich zu feyn, nur daß dieſe
nit im Gebuͤſch fliegt.
216. (6.) Testacealis n. sp.
Alis anterioribus subangustis, flavis, costa margineque
postico late lateritio-squamatis, signo medio strigisque
duabus fuscescentibus, pesteriore valde flexuosa (mas).
Sehr nahe verwandt mit Botys ochrealis; aber £leiner, mit
fhmälern Vorderflügeln, geraderem Worderrande derfeiben und
dunfel roftrother Beftäubung, die bey Ochrealis ganz fehlt.
Kopf voftrötblihb, auf dem Geficht dunkler; oberer Augen—
rand febr fehmal weiß. Marillartafter einfarbig voftroth (bey
Ochrealis obenauf weiß, als Fortfegung der weıfen Linie am
Augentande); Lippentafter Eürzer als bey Ochrealis, nur um
14 Augenlängen über die Augen hervorjtehend (bey Ochrealis
2), toftroth, unten ſcharf abgefest fchneeweiß. Müffel obenauf
weiß. Fühler braunrötblih dunkler als bey Ochrealis. —
Ruͤckenſchild gelb mit roftrothen Schulterdeden. Beine meißlich,
am reinften die hintern; die vordern find auf der Vorderfeite
roͤthlich. Hinterleib blafröthlic mit weißen Ringrändern.
Die Vorderflügel find am Worderrande gerader und uͤber—
haupt fehmäler als bey Ochrealis, im Grunde fo ochergelb wie
bey diefer, aber ſehr reichlich mit ziegelrothen oder dunkel roſtro—
then Stäubchen beftreut, von denen der ganze Vorder- und
Hinterrand eingenommen wird. ine braunlicdye, augmärts
gebogene Querlinie gebt nicht meit von der Bafis; darauf
kommt auf der Querader ein bräunliher Strich, und hierauf,
etwas meiter von ihm als vom Hinterrande entfernt (bey
Ochrealis ift er in der Mitte) die zweite Querlinie, die etwas
welliger Läuft als bey Ochrealis. Auswärts ift fie mit der
= 572
teineren Grundfarbe geſaͤumt, und dba diefe auch vor dem Hin—
terrande verlofchen hervortritt, fo zeigt fich zmwifchen ihm und
der Querlinie eine dunkle Schattenbinde. Franzen röthlihgrau
mit dunkler Mittellinie,
Die Hinterflügel find ſehr heil, gelblih, am Hinterrande
geröthet (bey Ochrealis grau, oder feltener blaßgelblich), mit
braunlicher, unterbrochener Nandlinie gegen den Vorderwinkel
und röthlichgelben, auswärts hellern Franzen. Ein ſehr ver:
lofchener, grauer Querſtrich zeigt fi nicht weit vom Hinter:
rande als Reſt einer Querlinie.
Auf der bleichgelben, mehr als bey Ochrealis glaͤnzenden
Unterſeite iſt das Mittelfeld der Vorderfluͤgel grau. Die hintere
Querlinie iſt nur big zum 2ten Aſte der Medianader fichtbar,
feiner, fehärfer und dem Hinterrande näher; der Mittelftrich
fbimmert durch. Auf den Hinterflügeln Eommt vom Border:
ande eine feine graue Querlinie, die dem Hinterrande viel näher
ift als bey Ochrealis und in der Flügelmitte verlifht. Die
bräunliche Randlinie befteht auf beiderley Flügeln aus getrenn—
ten Strichelhen; auf den Hinterflügeln find diefe getrennter und
nehmen diefelbe Stelle ein wie auf der- Oberfeite.
Duponchel® Botys ochrealis pl. 219. fig. 1. ift fehr
mißrathen und meder der von F. v. Roͤslerſtamm und
Mann auf dem Sömmering reichlich gefangnen Ochrealis
Tr., noch meiner Testacealis gleih. &ie ift Eleiner als leg:
tere, mit zu ftumpfen Flügeln, zu gelben Hinterflügeln und
ganz falfchem Laufe der hintern Querlinie der Vorderflügel.
Das ganz frifhe Exemplar, ein Männchen, fieng ih am
22. Juny bey Syracus auf dem Kalffelsboden von Acradina
nicht weit von San. Benagia.
217. (7.) Ferrugalis.
Um Spracus nicht ſehr felten in Brombeer: und anderem dich-
ten Geftrüpp in der 2ten Hälfte des May und dem Anfange
des Juny. Darauf fand ich den Züngler wieder am 10. und
22. Zuly bey Meffina, am 16. Auguft bey Neapel im Walde
von Gamaldoli und am 13. und 14. September bey Trieſt am
Karft im Heidefraut in Gefellfchaft der Hybridalis. ine
doppelte Generation ift alfo gewiß.
Treitſchke hält Hübn. Fig. 54. für dag Männchen,
Fig. 150. für das Weibchen. Mir fcheint es umgekehrt. Fig. 150.
it fehe gut geratben, 54 fchlecht.
Duponchel hat aus diefer Art ein eigneg Genus, Udea
Guende, gemaht (Cat. p. 209). In den dafür aufgeftellten
Merkmalen findet ficb nichts, was nicht berechtigte, jede belie=
bige Botysart zu einem eigenen Genus zu erheben; und ich
felbft bin nicht im Stande, das geringfte bierzu nöthigende
Merkmal an der Ferrugalis aufzufinden oder ihre nahe Ver—
wandtichaft mit Fulvalis zu verfennen. Herr Guenee wird
wabrfcheinlih nur den Namen des Genug mitgetheilt, die
Merkmale aber einer fpätern Bekanntmachung aufgefpart haben.
218. (8.) Fulvalis.
Ben Syracus felten. Aus einem beftimmten Brombeerge-
ſtraͤuch zwiſchen Gärten bey den Latomien Elopfte ih ein paar
Männchen am 20. May und 17. Suny, und ein paar Meib-
hen am 15., 17. und 18. Juny; zwey Münnchen gleichfalls
aus Brombeergefträuh am 23. May im antiken Amphitheater.
219. (9.) Pallidalis. h
In der Campagna zwifchen Albano und Rom Elopfte ich ein
573 2
Weibchen aus einer Verbascumftaude am 25. Aug., ein Maͤnn⸗
hen derfelben Gegend am 28. Auguſt. — Die beiden Quer:
ftreife auf den DVorderflügeln bleiben am Innerande fehr weit
getrennt, und die des Weibchens find gelbbräunlich; der Quer—
ftreif der Hinterflügel ift an beiden Gefchlechtern ziemlich vers
lofchen.
220. (10.) Verticalis.
Ein ganz gewöhnliches, ſchon etwas abgeflognes Männchen
erhielt ih am 17. Juny bey Syracus. Ben Meffina hatte
ih im Februar an Brenneffein (Urtica dioiea und pilulifera)
viele Eleine Raupen, höchft wahrfcheinlich von Liefer Art gefun=
den, fie aber nicht erziehen Eönnen. Zu der Zeit, wo der
Schmetterling flog, kam ich nicht wieder an diefe Stelle.
221. (11.) Pandalis.
Var. b. striga pone medium tenera, minus serrata,
Ein einziges Weibchen am 16. Aug. im Walde von Gamal:
boli bey Neapel. Es gehört zu den Eleinern und ift bläffer gelb
mit feineren Zeichnungen. Auf den Vorderflügeln it die hinter
der Duerader laufende Duerlinie am feinften und nur ſchwach—
wellig; auf den Hinterflügeln zeichnet ſich die hinter der Mitte
ziehende Querlinie nicht bloß durch Feinheit und faft gaͤnzlichen
Mangel an Zähnen aus, fondern auch dadurch, daß fie in
der Nähe des Worderrandeg, ftatt fich zu verdicden, fich verduͤnnt
und dann verfchwindet. Der aus Mondficheln zufammenges
feste Schattenftreif vor dem Hinterrande fteht diefem auch näher
als gewöhnlich (kommt er bey unfern einheimifchen Weibchen
bisweilen demfelben ebenfo nahe, fo geſchieht dies durch eine
Verdickung der Mondficheln). Auf der Unterfeite find die 2
Mittellinien an beiderley Flügeln nur in der vordern Hälfte
fichtbar und daben fehr verlofhen und fein; die Mittelzelle der
BVorderflügel ift nur ſchwach beſtaͤubt. — Rechte eigner Art
kann ic in diefen Abweichungen von unferer Pandalis nicht
angedeutet finden.
222. (12.) Hybridalis.
Diefer Zuͤnsler findet fich faft das ganze Jahr hindurch und
überall um das Mittelländifhe Meer. Am 24. Februar fieng
ih 2 Gremplare auf der Halbinfel des Leuchtthurms bey Mef-
fina, und ihr fehlechter Zuftand bewies, daß fie fchon im vori-
gen Jahre geflogen hatten.
an andern Stellen boy Meffina, ferner bey Syracus, Catania,
Neapel, Nom und Trieft. Schon am 23. April fieng id) ein
frifches Weibchen, und ven da an fheint die Entwidelung der
Schmetterlinge ununterbrochen fortzugehen. Am meiften flog
die Art am Karft weftlich von Trieft in einem lichten Eichen-
gehölz auf Heideftaut (Erica vulgaris).
223. (13.) Terrealis.
Bon 2 Eremplaren, die ih im Malde von Camaldoli bey
Neapel am 16. Auguft antraf, erhielt ich nur dag Männchen.
Es gehört ohne allen Zweyfel zu Terrealis, ift aber Elein und
bat die Zte Querlinie auf den Vorderfluͤgeln feiner und theil-
weiſe verloſchen; die Querlinie auf den Hinterflügeln ift ſehr
verlofhen, ohne Zaͤhne und verfchmindet weit vor dem Vorder:
rande. Daffelbe zeigt ſich auf der Unterfeite.
224, (14.) Polygonalis.
Das erfte Eremplar, ein ſchoͤnes Weibchen (var. b.) fieng
Ich fammelte darauf Exemplare
974
ih am 12. Juny beym Bache Caſſibile zwiſchen Syracus und
Avola, das zweyte (var. a.) bey Syracus nicht weit vom Ca—
pucinerklofter am 16. Juny. Zu Ende des Monats traf ich
diefe Art wieder ben Gatania. Sie flog auf den Ravafeldern
leicht auf, feste fich bald entiveder auf Geftein oder ganz nied—
tig an dürre Kräuter und ließ fich felten fangen, weil ihre
Verfolgung Über die lodern Lavaftüde nicht nur befchwerlich,
fondern auch wegen der fcharfen Spisen gefährlih war. An
den hier reichlich wachfenden Sträuchern fand ich die Raupen.
Auch bey Meffina famen mir einige Eremplare in der Mitte
des July vor; bey Neapel in der Nähe der Solfatara ein ein=
zelnes am 11. Auguft, und bey Neapel in der Nähe der Sol-
fatara ein einzelnes am 11. Auguft, und bey Narni ein eins
jenes (var, e.) auf einem Brachfelde am 4. September. Die
Entwidelung ift alfo ſehr ungleih, hauptfädhlich nach der Lo—
calität; die von mir gefangenen gehören ohne Zweifel einer ein=
zigen Generation an. Ob eine zweyte Generation vorkommt,
weiß ich nicht. s
Die im Freyen gefangenen Schmetterlinge haben bie lebhaf—
tefte Färbung der Hinterflügel. Diejenigen, die längere Zeit
als Raupen in der berfchloffenen Schachtel lebten und durch
Mangel an Nahrung auffallend Elein geblieben find, zeichnen
fih durch das verblaßte Gelb auf den Hinterflügeln aus. Die
Entwidelung ift alfo fehr ungleih, bauptfächlid nach der Lo—
calitätz die von mir gefangenen gehören ohne Zweifel einer
einzigen Generation an. Ob eine zweyte Generation vorkommt,
weiß ich nicht.
Die im Freyen gefangenen Schmetterlinge haben die lebhaf—
teſte Faͤrbung der Hinterfluͤgel. Diejenigen, die längere Zeit
als Raupen in der verſchloſſenen Schachtel lebten und durch
Mangel an Nahrung auffallend klein geblieben ſind, zeichnen
ſich durch das verblaßte Gelb auf den Hinterfluͤgeln aus. Die
Lebhaftigkeit der Worderflügelfürbung hängt weniger von. der
Einwirkung des Lichts und der Neichlichkeit der Nahrung ab;
denn ich habe Eremplare mit fehr hellen und mattgezeichneten
Vorderflüigein im Frenen gefangen, und lebhaft gefärbte, wenn
auch nicht fo häufig, durd die Naupenzucht erhalten.
Mein größtes Weibchen (von Catania) hat eine Worderflügel-
länge von 8“; das Eleinfte erzogne 43 Die Länge ber
Vorderflügel ändert ab, ift aber nie gegen die Breite fo be=
teächtlih wie in Hübners Diversalis fig. 102. Die Grund»
farbe derfelben ift beym Weibchen eine Mifhung von Grau
und Braunroth, worinn letzteres vorwaltet; hinter dem Mittel:
zeichen tritt dag Graue bindenartig hervor und wird von der
ſchwarzbraunen einwaͤrts gezähnten Querlinie durchzogen, die
fi) am Innenrande fledartig verdidt und hier die innere Grenze
der hellen Färbung bildet. Die erfte Duerlinie ift ſtark und
einwärtg mit demfelben Nöthlichgrau gerandet. Das Mittelfeld
ift außer hinter dem Queraderfleck verdunfelt, am meiften gegen
den Innenrand. Der braune Nierenfleck auf der Querader
bat nie einen fcharfen Umtiß, und läuft öfters mit 2 Eurzen
Spisen in die Gabel der Medianader aus. Vor ihm liegt in
der Mittelzelte ein rundes braunes Fledchen. Bey den maͤnn—
lihen Exemplaren ift die Grundfarbe reiner roth, bisweilen faft
blutroth, und das Mittelfeld ift nicht verdunfelt5 bey manden
verfchießt es in ein fchmusiges, ſehr felten in ein gelbliches
Rothgrau. Immer ift der Hinterrand verdunkelt, am meiften
gegen die Fluͤgelſpitze.
. Ueber die Veränderung der dottergelben Farbe der Hinter:
flügel ift fehon gefprochen worden. Auch die fhwärzlihe, un:
579
Oberſeite. Auf den Hinterflügein find alle Adern blaßgelb;
am Vorderrand liegt vor der Mitte eim lehmgelber und gegen
den Worderwinkel ein ſchwaͤrzlicher Fleck; legterer größer und
von den Adern durchſchnitten.
Bon diefer Art fing ih am 25. und 28. Auguſt ein paar
Eremplare auf dürren Gragftellen in der Campagna und bey
Rom felbft. Am 4. Septbr. traf ich fie nicht felten an einem
duͤrren, begraften Abhange auf ber Nordfeite von Narni. Auf
einem Brahader, 2 Stunden von der Stadt, der ganz mit
Seabiosa columbaria bededt war, war der Zünsler in Menge.
Er fliegt nicht weit und nicht mild, ſtets niedrig; da truͤbes
Wetter war, feßte er ſich, hoͤchſtens 4 Fuß hoch über der Erde,
zwifchen mehreren Ötengeln an ein Aeſtchen oder einen Stiel,
immer fo, daß die untere Seite gegen das Licht gekehrt, und
die lebhafte Zeichnung fichtbar war. Bey Ancona traf id)
Eremplare am 10. Septbr. Botys Catalaunalis wurde zuerft
in der Gegend von Barcelona aufgefunden, fpäter audh um
Montpellier. Löw fing ein ganz verflognes Weibchen bey
Phinik in Kleinafien im November. Wahrſcheinlich iſt dieſe
Urt in dem ganzen Mittelmeergebiet verbreitet.
Dupondel erklärt im Catalogue feine (ſchlecht abgebildete,
doch nicht zu verfennende) Botys Catalaunalis für Botys
Cilialis A. 119. Tr. 7, 124. Sch kann ihm darinn nicht
beiftimmen, obgleich ih weiß, daß Mann in feiner Sammlung
eine Catalaunalis alg Cilialis A. beſaß. Die Abbildung hat
eine durchaus verfchiedene Flügelform und auf den Vorderflügeln
fehr breite, dunfelvoftbraune Adern, eine vollftändige hintere
Duerlinie und, was ein fehr wefentlicher Unterfchied ift, einen
ganz weißen Vorderrand. Treitſchke befchreibt fo, als ob
feine Originale völlig mit Huͤbners Abbildung einerlen find;
er weiß fogar, daß feine Art meiftens die Größe der Rubigina-
lis, zumeilen die der Trinalis hat, was bey Catalaunalis gewiß
nie vorkommt. Dagegen weiß er nichts von ber Laͤnge bes
Körpers, der Beine und der Fühler.
227. (17.) Argillacealisn. sp.
Alis anterioribus acutis, cinereis, strigis 2 nigricantibus
obsoletis, costa postice nivea punctis quatuor nigris
notata.
Keiner mir befannten Art ähnlich. Größe einer mittlern oder
Eleinern Cespitalis; die Vorderflügel find von der Baſis aus
mehr erweitert, und ihr Vorderwinkel ift ſcharf und fpiß.
Grundfarbe ein helles Afchgrau mit zerftreuten ſchwarzen
Stäubchen. Eine weiße, wenig fcharfe Linie zieht fih am obern
Augenrande hin und eine Strede am Fuͤhlerruͤcken hinauf. Fühler
mäßig lang, borftenförmig, beym Männchen etwas zufammenges
drüct, ſchwach geferbt und zart pubescirend gefranzt. Deellen
deutlih. Augen rund. Kiefertaiter zufammengedrüdt, um bie
doppelte Augenlänge über die Augen hervorftehend, unten behaart,
zugefpist, meißgrau, mit ſchwarzen Atomen befprengt, unten
weiß.” Ruͤſſel honiagelb, obenauf weiß graufchuppig. Beine
von mittelmäfiger Ränge, weiß, dunkelgrau beftäubt. Vorder—
ſchiene von etwas mehr als halber Schenfellänge, auf der Innen⸗
ſeite mit langem, anliegendem Haarbuſch. Hinterſchiene $ länger
als der Schenkel, zuſammengedruͤckt, an der Spitze und am
Anfange des letzten Enddrittels mit je einem Paar ſehr unglei—
cher Dornen; der laͤngſte iſt einer des obern Paares, und dieſer
reicht über die Schienenſpitze hinweg. Hinterleib obenauf gelb:
lichgrau, am Bauche weiß, grau beſtaͤubt, mit einer weit ge—
trennten Reihe ſchwarzer Puncte.
580
Die Vorderfluͤgel ſind auf der ganzen Flaͤche ſehr gedraͤngt
weißlich gepuͤnctelt und lichten ſich auf der Innenrandhaͤlfte
etwas, während fie ſich am Hinterrande am meiſten verdunkeln.
Die beiden Querlinien ſind etwas verloſchen, ſchwaͤrzlich, duͤnn,
ſchwach gezaͤhnt; die erſte geht in einem ſanften, gegen außen
convexen Bogen und hat zwiſchen den Laͤngsadern ausſpringende
Eden; die zweite faͤngt in einem ſchwarzen Vorderrandfleck ziems
ih nahe dem Vorderwinfel an, läuft erft in einem fanften
nad) außen gewölbten Bogen nicht fern vom Hinterrande, ent—
fernt fi) dann allmählid von ihm und läuft nach mehrern
fhärfern zahnartigen Ausbiegungen etwas hinter der Mitte in
den Innenrand. Das erfte Mittelzeichen fehlt; ſtatt der Nie—
renfle&s find nur zwey braungraue Puncte übereinander fichtbar.
Vor der fehr feinen, braunen Hinterrandlinie fteht eine Reihe
von 6—7 ſchwarzen Puncten. Der Borderrand ift auf der
äußern Hälfte in einer dünnen Linie fchneeweiß; vor und hinter
dem Doppelpuncte hat er je einen ſchwarzen Punct, einen ſtaͤr—
Eern. als Anfang der zweiten Querlinie und dann nod einen
ſchwarzen Längsftrich, hinter welchem die Franzen bis zur Spitze
fchneeweiß find. Die Franzen des Hinterrandes find nach einer
feinen, gelblichweißen Linie graubraun, an ihren Enden aber
weiß; am Innenwinkel find fie verlofchener gefärbt. — Die
hellgrauen Hinterflügel find im Vorderwinkel am dunkelſten
und haben auf der HDinterrandlinie eine Reihe ſchwarzer Puncte
oder Strichelben; Franzen weißlich.
Auf der Unterfeite find die Vorderflügelin einem breiten Raume
längs des Hinterrandes und einem fchmälern des Vorderrandes,
die Hinterflügel in einem breiten längs des Vorderrandes weiß mit
fhwärzlicher Beftäubung. Die Vorderflügel find im Mittelfelde
dunkelgrau, längs des Innenrandes etwas glänzend gelblichweiß;
auf dem Vorderrande find die Puncte größer, aber lichter als
auf der Oberfeite. Die Hinterflügel find außer am Vorderrande
etwas glänzend mweißlih. Die Puncte vor den Franzen aller
Flügel und da8 Dunkle der Vorderflügelftanzen haben eine leb⸗—
haftere Färbung als auf der Dberfeite. Das Meibchen hat
etwas breitere Flügel.
Diefe Art fand ich nur bey Meffina an dem Gemäuer des
Gaftellaccio am 25. und 26. July. Sch Elopfte fie aus dem
niedrig in den Mauern wachfenden Gaperngefträuch und dem am
Fuße dev Mauern wachſenden Geftripp von Solanum Sodo-
meum, Parietaria, Nepeta, Calamintha nur auf der Nord =
und Dftfeite. Sie fliegt ziemlich leicht auf, und fest fi) nad)
Eurzem Fluge am liebften an Pflanzen, weniger gern an die
Mauern; an jene immer fo, daß die Unterfeite dem Lichte zuge—
kehrt ift, alfo hängend, an diefe gewöhnlich mit abwärts gerichtes
tem Kopfe, und mit flacher, doch hinten etwas erhobener Fluͤ⸗
gelbaltung. Manche Eremplare flogen an der Mauer immer
höher hinauf und entfamen fo.
Diefe Art war nit häufig, und mande Crempfare ſchon
länger geflogen. Ob ihre Nahrung der Capernftrauh (ganz
dornenlos, doch foll e8 Capparis spinosa ſeyn) ift, weiß ich
nicht. Diele Blätter waren zerfreffen, und auf der Oberfeite
einiger fand ich Räupchen: grün mit großem Kopfe und langen
gelben Haaren; fie fafen unter einigen fehr Eunftlos gezogenen
Fäden. Wegen der Nähe meiner Abreife Fonnte ich mich auf
tie Erziehung nicht einlaffen. Anfangs vermuthete ich in ihnen
Pontia-Raupen; dann fam ich auf die Vermuthung, fis möchten
zu meiner Argillacealis gehören. Möglich ift diefes, da Bot.
sericealis auch eine langhaarige Raupe hat.
‘
581
Noy. gen. Tegostoma.
Epistomium horizontaliter productum subtus excavatum,
antice sub-emarginatum.
Palpi tenues, maxillares breves (maris nulli?);
Labiales elongati, epistomium vix excedentes, articulo
ultimo brevi nudo. Haustellum spirale.
Pedes modice longi; anticorum tibiae breves, intus
fasciculo pilorum armatae; posticorum tibiae teretes bis
bicalcaratae. 3
228. (1.) Comparalis.
Pyr. Comparalis H. fig. 126. 127.
Synaphe Comparalis 4. Cat. 347. 3327.
Botys Comparalis Tr. 7, ©. 89.10, 3. ©. 233.
Bot.-Comp. Dup. pl. 219. fig. 2. pag. 142.
Bot. Comp. Dup. Cat. pag. 208.
Ein fehr abgeflogenes Weibchen fing ich bey Meffina auf der
Halbinfel der Lanterna zwifchen Binfen und Klee. Ein Pärz
chen, wovon dag Männchen noch fehr gut erhalten ift, fing ich
am 20. Auguft bey Neapel auf dem mit Zribulus und Kamillen
fpärli) bewachfenen, dürren Rande einer Landftraße, Hier
flogen die Schmetterlinge leicht auf und fegten ſich bald mieder
bin, gewöhnlich auf die vom Sonnenbrande erhiste Erde, auf
der fie bey ihrer fchmugigen Färbung leicht zu überfehen waren.
Nah Duponkhel findet ſich diefe Art auch im füdlichen
Frankreich.
Die früheren Autoren haben wahrſcheinlich den Kopf des
Schmetterlings für zerquetfcht gehalten und deshalb über feinen
fo ausgezeichneten Bau geſchwiegen. Herrih- Schäffer
befchreibt ihn genau auf dem Umfclage zum 165. Heft der
Panzerfchen Fauna; von den Zaftern aber gibt er eine falfche
Borftellung.
Nymphula.
Costa: „Palpi inferiores breves, articulo secundo squa-
moso, ovato-dilatato, compresso, ultimo nudiusculo, sursum
reflexo.““ Cofta, der die Treitſchkiſchen Gattungsmerfmale
für Nyınphula mit Recht als zu wenig characteriftifch tadelt,
und fie ing Stalienifhe überfest, ‚damit man das Verdienſt
der Glaffification der Deutfchen beffer erkenne, führt 7 Arten
auf: 1) Lemnalis bey Neapel an den Ufern des Sebeto im
May und Jung. 2) Nymphaealis „an gleicher Stelle,
aber fehr felten, meil die Mymphaen, auf denen fie lebt, bey
Neapel fehr felten find. 3) Tripunetalis n. sp. Taf. IV.
(lies II) fig. 1. „pallide flavicante (!), alis antieis fascia
marginali trieurva, albida, fulvo-limbata, altera fulva, in
medio punctis tribus nigris. Kopf und Thorar meißglänzend,
befhuppt, gelblich fhimmernd; Hinterleib (corpo) oben etwas
gelblich, unten weiß. Vorderfluͤgel ftrohgelb mit einer linien-
förmigen, dreimal gekruͤmmten, beym Saum (?) ſchmutzigeren
oder weißlichern Binde (fascia lineare a tre curve piü squal-
lida o bianchiccia presso l’orlo), welche einwärts von einer
röthlihen (fulvastra) Färbung begrenzt wird, die ſich gegen
die Hälfte verliert, wo fie einem andern weißlihen Querftreifen
begegnet (ove incontra un’ altra striscia obliqua bianchiceia).
Dren ſehr Eleine ſchwarze Puncte bezeichnen die Grenzen der
2 Binden und der Baſis (consegnano i confini delle due
fascie e della base), no die gelbe Färbung verſchwindet und
dann faft weißlich wird; die Franzen find etwas dunkler und
ungleich ‘gefärbt (inegualmente colorata). Hinterflügel bräun:
lid) oder ſchmutzigweiß mit weißen Franzen.
582
Var. a. Taf. 4. (lies 3) fig. 2. Vorderfluͤgel ftrohfarhen
mit blaßgelben Querbinden; die drey ſchwarzen Puncte deutli-
her, aber Eleiner. Hinterflügel Eleiner (!piu piccole vielleicht
heller?). Diefe Varietaͤt entfteht durch Xrübung (squallore)
der Färbung der Stammart. Die Zeichnung bleibt immer dies
felbe, das Röthlihe geht in Gelb über, dieſes im folgenden
Felde in Strohfarbe und zulest in Weiß. Dies entfteht nicht
durch Abftäubung, noch durch Einwirkung des Lichts, da ich es
an friſch ausgefrochnen Eremplaren fo gefunden habe.
Die untern Tafter haben das letzte Glied cylinderifh mit
ftumpfer Spitze; die andern Glieder find befhuppt wie in fig. b.
der Zafel. — Gefunden auf dem Berge von Gaeta, genannt
Torra d’Drlando und bey St. Martin in Neapel.“
[Nach diefer ſehr fchlechten Beſchreibung und ber Stellung in
Nymphula ift es nicht leicht möglih, die Art zu beftimmen.
Zwar find auch die Abbildungen jämmerlich, fie laffen aber doch
fo viel erkennen, daß Cofta bier eine Erastria ostrina
var. b. vor fich gehabt hat! Fig. 1. zeigt den ſchwarzen Mittel-
punct und den ſchwarzen Punct am WVorderwinfel; von einem
dritten im der Mittelzelle mehr gegen die Bafıs bin, an einer
Stelle, wo wirflih bey der Ostrina aestiva bisweilen ein Pünct-
chen vorkommt. So erklärt fih nun auch die räthfelhafte Be—
zeihnung der drey fchwarzen Puncte in der Befchreibung. Es
ift far, eine Erastria für eine Nymphula zu halten und über
i meriti delle elassazione degli Alemanni fpotten zu wollen].
4) lunulalis n. sp. Xaf. 4. (lies 3) fig. 3. „‚alis antieis
griseo -fulvis, aureo argenteoque pruinatis, lineis tribus
flexuosis transversalibus argenteo-albidis, macnla apicale
[l. apicali] lunulata nigra, limbo argentato; alis posticis
albidis micantibus immaculatis. Körper weiß, glänzend, etwas
grau auf Kopf und Thorax; Augen fhmwarz und groß. Vor⸗—
derflügel grau-röthlih (grigio-fulvastre) mit fehr kleinen glaͤn⸗
zenden, theils goldenen, theils ſilbernen Puncten beſtreut. Drey
bogige, ſilberweiße Linien bilden ebenſo viele zarte Binden, von
denen eine laͤngs des Hinterrandes, eine in der Mitte, die letzte
bey der Baſis. Ein braͤunlicher, mondſichelfoͤrmiger, weißge—
ſaͤumter Fleck ſteht zwiſchen den 2 erften Binden, der erſten
jedoch am naͤchſten. Hinterfluͤgel weiß, glaͤnzend ohne einen
Fleck. Die Taſter ſind zarter als bey der vorigen und haben
das letzte Glied noch zarter und kuͤrzet. — Mit der vorigen an
gleihem Drte in Gaeta, auf Iſchia, bey Foggia und ander-
waͤrts.“ J[Dieſe Art ift einerley mit Treitſchke's Nymph.
undalis,. an melcher man, jedoch goldene und filberne Puncte
vergeblich fucht. Coſt a's Abbildung ift in der Flügelform ganz
verfehlt und zeigt die Querlinie an falſchen Stellen, die mittlere
nehmlidy zu weit hinter der Mitte und die außerfte, falfche und
zu wenig gefrümmte, zu nahe an dem. Hinderrand; daher fteht
aud der Nierenfleck faft in der Flügelfpise].
5) Transversalis n. sp. Taf. 7. fig. 5. (verbeffert
für 2.). „Alis anticis flavidis, striga media diagonali
ochracea, externe aerata, altera flexuosa, ochracea, medio
alba, altero latere fusco, altero aerato, fimbria fusco-
sericea; alis posticis einerascentibus, margine fusco, fim-
bria albida. Aehnlich der Lunulalis und der Tripunctalis,
von melden fie fich durch die Worderflügel unterfcheidet, welche
im Grunde roͤthlichgelb find (di color giallo rossiccio) mit
einem ocherröthlichen (color rosso di ocra), f&hrägen Quet-
ſtreifen, der gegen die Bafis verfchwindet und an der Uußenfeite
ſilberweiß ift. Ihr folgt eine andere, welche die Geftalt einer
filberweißen linearen 5 hat, melde überall von Ocherroͤthlich
983
umfchrieben ift, mas in den einwaͤrts gehenden Krümmungen
lebhafter ift, wo es ein Fleckchen hervorzubringen ſcheint. Sie
verſchwinden allmaͤhlich an der entgegengeſetzten Seite. Franzen
weißgelblich, aber der Fluͤgelſaum iſt roͤthlich — Hinterflügel
aſchgraulich, gegen den Rand braͤunlich; Franzen wie an den
Vorderflügeln. Sehr felten |! in Terra di Lavoro im Aug. —
Waͤre e8 wohl Phal. paludata F.? [Un der Erastria parva,
welche diefe Art auch zufolge der nicht allzufchlechten Abbildung
ft, wird man Erz: und Silberfarbe ebenfo vergeblih fuchen,
wie eine Aehnlichkeit mit Nymph. lunulalis (i. e. undalis).
Meine Schlufbemerfung zu N. tripunctalis ift auch hier ganz
an ihrem Ditte]. \
6) Potamogalis auf dem Matefe in den Umgebungen
des Sees häufig in dem legten Tagen des July.
7) Numeralis auf dem Pafcone, wo fie im Juny reich—
lich fliegt. 8) Stratiotalis. „Unfere Exemplare find
Eleiner alg Hübners Abbildung des Maͤnnchens; das Fleckchen
verengt fih zu einem ſchwarzen Aeugelchen mit weißer Pupille,
Außerdem ift die Bafis der Vorderflügel braun und endigt mit
einer dunklern Begrenzung, wo Hübner faum ein ‚braunes
Püncthen hat. Zu Ende Auguft in der Gegend des Lago
fucino.“ —
Sn Corfica entdeckte Rambur folgende Urten: 1) Nymph.
interpunctalis. 2) nudalis. 3) numeralis. 4) Hydro-
campa potamogalis. 5) rivulalis Ramb. 6) Ramburialis
Dup. 7) Stratiotalis. 8) Literalis. 9) (Anopia) aetnaea-
lis (-punctalis).
229. (1.) Undalis.
Hübners Abbildung macht den Zuͤnsler Eenntliher als bie
Duponchels; obgleih die Flügelform durch größere Stredung
noch verfeblter ift, fo ift doch die Geftalt der Querlinien und
des characteriftifhen Nierenflecks beffer wiedergegeben. Treitſch—
ke's Befchreibung ift ſehr mangelhaft.
Größe veränderlich, Vorderflügellinge 3—4"' — Grundfarbe
des Kopfes, des Nücdens und der Vorderflügel bleich ochergelb,
dunkler gewoͤlkt. Fühler zufammengebrücdt mit kaum unter:
fcheidbaren Gliedern, beym Männchen zart pubescirend geftanzt.
Oberer Augenrand mit weißer Linie. Kiefertafter Eurz, faden—
fürmig; Xippentafter 14 Augenlängen lang, etwas aufgebogen,
“ außen braungelblih, an ihrer Bafis fo wie bie Oberraͤnder aller
drey Glieder weiß; alle Glieder find (duch Behaarung) umges
kehtt Eegelformig, am ftärfften und größten ift das zweite, am
Eürzeften das Endglied. Ruͤſſel lang, obenauf an der Baſis
befhuppt. Ocellen ſichtbar. Beine weißlih, auf der Vorder:
feite gelblich; Worderfhienen von * Schenkellaͤnge, einwaͤrts
mit langem, anliegendem Haarpinſel. Hinterſchenkel ſo wie die
Vorderſchenkel zuſammengedruͤckt; Hinterſchienen faſt ſtieltund,
Unverdickt, + länger als der Schenkel, mit zwey Paar Dornen:
das obere hinter der Mitte. Hinterleib obenauf braungelblich,
unten weiß.
Vorderfluͤgel ziemlich laͤnglich, doch nicht fo fehr geftredt wie
in Dupondels Abbildung, Nahe der Bafis gebt eine zadige,
weißliche, wenig fichtbare Querlinie. Die zweite Querlinie ſteht
vor der Mitte, ift wenig geneigt, wellig und macht unter ber
Mittelzelle einen: ftarken Bogen nach außen; bie dritte Quer:
linie fteht binter dem Anfange des dritten Laͤngsdrittels des
Fluͤgeis, ift wellig und macht einen ftarfen Bogen nad) aufen,
dem Mittelzeihen gegenuͤber, Diefe drey Linien find etwas
584
dunkel eingefaßt. Am Hinterrande befindet fich noch eine feine
mweißliche Linie, auswärts auf dem Nande mit einer fchwarzen,
zufammenhängenden Punctreihe bezeichnet. Im äußeren Theile
des Mittelfeldes liegt der fchiefe Nierenfled, etwas zuſammenge—
drückt, ‚braun, mit weißgrauem Innern und meißlic) umzogen.
Durch ihn hindurch geht ein bindenartiger Schatten, von mehr
oder weniger dunkler, gelbbräunlicher Farbe; zwifchen ihm, dem
Mierenfle® und der hintern Querlinie ift eine fehr helle Stelle
der Grundfarbe; die Querlinie felbft erweitert fich auf dem
Vorderrand fledenartig und hat hier hinter fich eine beträchtliche
Berdunflung.
Hinterflügel weißlich, faft durchfcheinend, vor dem Hinterrande
ſchwach gebräunt; beym Weibchen find fie manchmal blaßgrau;
eine unterbrochne braune, feine Randlinie fondert die Fläche von
den Stangen ab.
Nah Treitſchke lebt der Schmetterling in Süumpfen, und
Dupondel fchreibt e8 nah, Er fliegt bey Syracus im
May; zu Ende des Monats traf ich ihn häufig in ſchlechten
Eremplaren an einer thonigen, mit Mentha’und Gras bewachfes
nen Stelle, die ſich durch Megen leicht in eine Pfüse verwan-
belte; außerdem aber nur an trocknen Grasftellen, befonders bey
ber Neapolis und Acradina. In Pompeji fing ich ein Erems
plar am 8. Auguft. In der Campagna um Nom, an ber
Stadt bey St. Peter, felbft in der Stadt auf den Graspläßen
beym Lateran, ferner in der Gampagna gegen Civita castellana,
bey Narni und bey Xolentino fand ich diefen Zünsler nur
immer an ganz frodnen, gras- und Eräuterreichen Stellen zu
Ende Auguft und Anfang September. Er hat fiher 2 Gene:
rationen, deren erfte den May und Junh hindurch fliegt. Am
21. Suny fing ich bey Syracus ein fhönes Männchen, das
vielleicht fhon zur 2. Generation gehört, deren eigentliche Flug:
zeit im mittlern Stalien in den Auguft und September fällt.
Nah Duponchel ift der Schmetterling auch im füdlichen
Frankreich einheimifh. Wahrfcheinlih lebt er aber um das
ganze Mittelmeer,
Dhne Zweifel hat die Nachricht Über den Aufenthalt des
Schmetterlingg Treitfhfen veranlaft, ihn zu Nymphula
zu fegen, mohin er nicht gehört. ine Botys ift es aber zu
folge feine Zafter auch nicht.
230. (2.) Interpunectalis.
Alis anterioribus dilute ochraceis, puncto ante medium,
puncto medio strigaque punetorum interrupta postica
fusco - einereis obsoletis; posterioribus maris exalbidis,
fem. einerascentibus.
Hübner fig. 128. Mas. Tr. 8. ©. 128.
Var. 5, alis saturatius coloratis,
ceinereo nebuloso, ceterum ut a.
Dup. pl. 221. fig. 2. pag- 162.
Var. c, alarum ant. disco einereo-obducto, striga postica
subintegra, ceterum ut 6. Pyr. Nudalis Hübn. fig. 90.
Var. d, ut c, sed striga priore subintegrz, puncto altero
ante lunulam transversam; alis posterioribus cinereis,
striga obsoleta obseuriore. —
Eine ächte Botys zufolge der Tafter, in der Färbung fehr
veränderlih. Der ältefte Name für fie wäre Nudalis 4,
allein er läßt Verwechslung mit Undalis befürdten, und wird
daher lieber aufgegeben,
anteriorum disco
585
Die Hinterflügel haben immer, bie Vorderfluͤgel bisweilen in
der Mitte einen roͤthlichen Mufchelfhimmer.
Bey Var. b. ift die Grundfarbe der Worderflügel gefättigter
und längs des Worderrandes bisweilen röthlich gemifcht ; unter
dem Punctfled der Querader ift ein grauer bis zu der hintern
Querlinie veichender Schatten. Die Hinterflügel find auch beym
Männchen grau. — Mein Eremplar der var. c. (Nudalis 4.)
ift ein Maͤnnchen; auf der ganzen Fläche der Vorderfluͤgel
gebräunt mit Ausnahme der Nänder, die mehr gelblich bleiben;
die Flecke fcheinen nur matt hervor (bey Huͤbn. viel deutlicher).
Die Hinterflügel find nur im Vorderwinkel fo dunfel wie in
Hübners Abbildung. —
Var. d. unterfcheidet fich dadurch von var. b, daß der graue
Schatten fich weiter über das Mittelfeld und felbft bie zur
Baſis hin verbreitet, daß auch vor den Franzen die Farbe mit
Grau gemifcht ift, daß beide Querlinien fait vollftändig find
und aus größern Flecken beftehen, daß der Queraderfleck (flatt
des Punctes der var. a.) mondfihelähnlich ift, und daß vor ihm
nod ein beutlicher Punct in der Mittelzelle ſteht. Alte diefe
Varietaͤten gehören entfchieden zu einerley Art.
Duponcdel zieht feine Nymphula unipunctalis
pl. 221. fig. 5. pag. 166. als DVarietät zu Interpunctalis
(Catalog. pag. 203), gewiß mit Recht. Sie gehört der Grunds
farbe nad) zu var. e, hat aber die Querlinie aus feinen, ſchwar—
zen Puncten zufammengefegt und auf der Querader nur einen
fhwarzen Punct, Auch ift die fchattenartige Querlinie der
Var.d. auf den Hinterflügeln viel zu ſcharf ausgedrüdt, —
An derfelben Stelle verbindet Duponchel aud) feine Nymph.
bipunetalis pl. 221. fig. 6. pag. 167. mit Interpunetalis.
Der Abbildung nach thut er daran entfchieden unrecht; denn diefe
zeigt. auf den hellgelbbraunen Vorderflügeln feine aus fhwärzli-
chen Sleden beftehende Querlinien, fondern dafür zwey feine,
gelblihe, feharfgefägte Querlinien, von denen die andere nur
halb, die hintere aber ganz ift. Im Mittelfelde find zwey
fhwarze Puncte (Stellvertreter des Ring- und des Nierenfleds),
durch einen gelben Raum von einander getrennt, und darunter
gegen den Innenrand befindet fich ein ſchwarzer, hakenfoͤrmiger
Wiſch. Nah der Befchreibung find die beiden Querlinien ges
zähnelt, ſchwaͤrzlichgrau, die erfte einwärts, die 2. ausmärts
bellgelb eingefagt — was fi) ganz gut auf Interpunctalis
anmenden läßt. Ueber den bafenförmigen Wiſch fchweigt die
Befchreibung. Da der Schmetterling überdieß mit N. unipune-
talis an einerley Ort (bey Montpellier) gefangen wurde, fo bin
ich fehr bereitwillig, Herrn Duponchel bei feiner Einziehung
der Species recht zu geben; allein die Abbildung wäre dann im
höchften Grade mißcathen.
Das erfte Eremplar, ein ſchoͤnes Männchen der Var. b, fing
ih bey Spracus in den Spracaflımpfen auf einer Wiefe im
hohen Grafe am 6. May. Ein Männchen, zwey Weibchen,
alle von Var. d, erhielt ic) an den Rändern der Sümpfe, noch
am 23. und 31. May und dem 6. Suny. Ben Neapel fing
ih am 20. Auguft an einem dürren, begraften Abhange mehrere
Eremplare der Var. a. an Heliotropium -Blüthen, alle aber
ſchon verflogen. Um Rom war der Zünsler, befonders als
Var. a, nicht ganz felten auf trocknen Grasplägen vor und in
“der Stadt. Er hat ohne Zweifel eine zweifache Generation.
Nah Duponchel bewohnt er auch das fühliche Frankreich,
namentlich die Gegenden von Montpellier; nad Nambur,
der ihm in zwey Arten trennt, in Corfica,
Iſis 1847, Heft 8.
586
231. (3) Numeralis Tr.
Duponchel pl. 221. fig. 3. (m.) 4. (f.) pag. 164.
Cat. pag. 203.
Auch diefe Art ift zufolge ihrer Taſter eine Achte Botys,
nächft verwandt mit- Botys Elutalis (Albidalis) und Botys
pascualis (lutealis F. R. lit). Duponchels Abbildungen
find gut; nur darinn zeigt fig. 3 einen Fehler, daß auf den
Hinterflügeln ftatt des verlofhenen Querftreifs vor dem Hinter
tande eine Reihe ſchwarzer Puncte auf den Adern vorgeftellt ift.
Hübners zu Eleine fig. 89 weicht fo fehr ab, daß ich Bedenken
trage, fie für unfere Art zu halten. Die Flügel find viel zu
fhmal, die Grundfarbe [hmusig weiß, der Vorderrand der Vor—
derflügel mit mehr und anders geftellten dunkelgrauen Puncten;
durch den Nierenfleck geht eine graue, vollftindige Schattenbinde.
Nehme ih Duponchels Numeralis als die Stammart an,
fo iſt die Grundfarbe des Nücdenfchildes, de3 Kopfes und der
Vorderflügel ftaubig, roͤthlichweiß, letztere am vörhlichften von
der Bafis aus längs des Vorderrandes, Am obern Augen=
tande iſt eine ſchneeweiße Linie, die niht bis zum Gefidht
herunter reiht. Fühler ziemlich lang, borjtenformig mit
ſchwach unterfhiedenen Gliedern, beym Männchen fehr zart
pubescirend gefranzt. Deellen deutlich. Kiefertafter pinfelförmig.
Lippentaſter um die doppelte Augenlänge über die Augen her—
vorstehend, dreieckig zugefpigt, wie die Kiefertafter ſchmutzig
bellbräunlich, am erften Gliede unten ganz weiß. Beine ziem—
(ih lang, ſchmutzigweiß, auf der Lichtfeite ſehr ſchwach roͤthlich.
Vorderſchienen von halber Schenkellänge, mit langem Haarbuſch
auf der Innenſeite. Sinterfchenfel etwas zufammengedrüdt,
Schienen um # länger, ftielrtund, unter der Mitte und am Ende
mit je einem Dornenpaar. Hinterleib ſchmutzig graumeiß.
Vorderflügel nach hinten allmählich erweitert mit fanft ges
rundetem Hinterrande. Die beiden Querlinien find grau; dig
erften vollftündig, zadig, etwas fehräg. Hierauf kommen die
zwey characteriftifhen Mittelzeichen: das erſte gerundet, das
zweite auf der Querader viel größer, unregelmäßig nierenformig;
beide fchwärzlichgraue, hellgrau ausgefüllte Ninge bildend. Die
zweite Querlinie befteht aus £leinen, zufammenbängenden, ein-
waͤrts geöffneten Kappen= und Winkelſtrichen; fie ift vom Vor—⸗
derrande aus fanft nach außen gebogen und hört unter dem
Nierenfleck faft auf; bey genauer Betrachtung fieht man aber,
daß fie längs einer Ader einmwärts gebt, ſich vor der Berührung
de3 Medianaderftammes mit einer Verdidung mieder umbiegt,
fehr weit gegen den Hinterrand zuläuft und nun unter einem
fharfen Winkel den früheren Verlauf wieder annimmt, unter
welchem fie den Innenrand erreicht; fie bildet mithin eine ſehr
tief einwärts gehende Bucht, die von dem erften Medianaderaft
durchfchnitten wird. Vor und hinter ihr trägt der Vorderrand
einen grauen Punct; aus dem Vorderwinkel fommt ein grauer
Schatten herunter. Der Hinterrand ift mit ſehr ſcharfen,
fhwärzlihen Puncten bezeichnet.
Hinterflügel weißlih, grau beftäubt, vor dem Hinterrande
mit einer doppelten grauen Schattenlinie, die fid) beide gegen
den WVorderrand erweitern; der Hinterrand felbft wie bey den
Vorderfluͤgeln ſchwarz punftiert, nur etwas verlojchener, Am ,
Ende der Mittelzelle fteht ein grauer Mittelpunct, ein andrer
am Vorderrand diefer Zelle weiter einwaͤrts.
Unterfeite dee Vorderflügel aſchgrau, an den Nündern bleich-
‚gelblich; die 2, Querlinie laͤßt fich als ein verdunfelter Schatten
erkennen, der fich über die bleichgelben Hinterflügel fortfegt.
35
587
Der BVorderrand der DVorberflügel bat gegen die Spitze hin
4 fbhwärzlichgraue Puncte; die Hinterrandpuncte find fo deut—
lic wie auf der Oberfeite. Die am Vorderrande grau beftäub-
ten Hinterflügel haben die 2 Puncte des Mittelfeldes fledens
ähnlicher und deutlicher als auf der Dberfeite,
As Var. b. haben zwey Männchen zu gelten, bie bey leb-
bafter Zeichnung die Worderflügel ziegelroth beftäubt haben, am
dichteften längs des Vorderrandes; bey dem einem Eremplare
fheint die Grundfarbe nur am Innenrande etwas hervor.
Als Var. e, die leicht für eigne Art angefehen werden kann,
gelten mir 3 Weibchen, bey denen die Nandpuncte und bie
2, Duerlinie bis auf Außerft ſchwache Spuren fehlen und die
Mittelzeichen ſehr verlofchen find, und auf den Hinterflügeln
nur am DVorderwinkel- Spuren der grauen Querlinie erblickt
werben. Bey dem einen Exemplare ift der Ningfled der Vor:
derflügel Elein und matt, doc, fonft nicht abweichend; bey den
2 andern ift feme Stelle nur durd) eine Verdunklung angedeutet.
Auf der Unterfeite fehe ich nicht nur die 4 Vorderrandpuncte
der Dorderflügel, fondern auch die Hinterrandpünctchen, obgleich
fehr Elein und blaß, doch ganz vollftändig; übrigens ift aud)
diefe Seite ſehr verlofchen gefärbt. Außer ihrem Habitus vers
rath auch die weiße Augenrandlinie, daß diefe 3 Schmetterlinge
nur Meibchen der Numeralis und nichts weiter find.
Sch fing ein ſchoͤnes Weibchen Var. e. am 4. May, ein
verflognes Meibchen Var. a. am 10. May, ein fhönes Maͤnn—
chen Var. a. und ein ſchoͤnes Weibchen Var. c, legtere beide
aus demfelben Gebuͤſch, alle auf trodnem Kalkboden aus
Gefträuh bey Syracus an verfchiedenen Stellen. Die zwey
ſchoͤn erhaltenen Männcen der Var. b. und ein etwas abge=
flogeneg Weibchen der Var. c. fammelte ih auf einem trodnen
Berge bey Ancona am 10. September, wo fie zwifhen Difteln
in Gefellfchaft der Geom. Sacraria und der Botys catalaunalis
aufflogen und ſich ftet3 auf die Erde fegten.
Außer Stalien wird der Zünsler auch in Eorfica (Nambur)
und im füdlichen Frankreich (Duponchel) angetroffen.
231. (4.) Punetalis.
Das Männdyen hat einen viel längern Hinterleib, geftredtere
Flügel und gewöhnlich eine viel dunflere, Eaffeebraune Grund»
farbe al8 das Weibchen; bey welchem fie Ichmgelb ift. Außer
dem weißen Mondſichelfleck der Borderflügel zeigt fich bey unbe:
fhädigteren Gremplaren noch ein weißes Fleckchen in der Mit:
telgelle auf der erften Querlinie. (Keiner der Autoren erwähnt
e8), Auch) die Hinterflügel haben gewöhnlich einen verlofchenen
Mittelfled mit weißlichem Kern.
Ein Männchen, 4 Meibchen fing ih am 15., 27. May
und 6., 7. Juny bey Syracus am Nande der Syracafümpfe
auf grasreichen Stellen; ein verflognegs Männchen zwifchen
Juneus acutus bey Gatania am 3. Suly, ein verflognes Weib:
chen bey Narni auf einem Brachfelde am 4. September,
Duponchel vereinigt im Cat. ©. 201 mit diefer Art feine
Asopia aetnacalis pl. 223. fig. 4. pag. 199. Diefe
Abbildung ift ganz mißratben, bat einen andern Flügelfchnitt,
einen kurzen, ftumpfen SHinterleib, Eeine Beine (wonach alfo
Beine von gewöhnlicher Länge vorauszufägen wären), und auf
den Vorderflügeln einen citronengelben Nierenfleck (tache jaune
reniforme), und gegen die Bafis keine Querlinie; die hintere
Querlinie ift jedoch richtig. Nur auf Duponchels Autorität
laͤßt fi) die Verbindung diefer Aetnaealis — (von Kefebvre
im Thale Bandazzo am Aetna gefunden) — mit punctalis
| 588
rechtfertigen. Mit Necht fagt Duponchel, Huͤbners Figur
ſey unfenntlih. Sie hat viel zu lange Flügel, ift zu hell
ochergelb und mit falfhem Laufe der 2, Quertinies dennoch
gehört fie ficher unferer Art an.
Nah Duponchels Catalogue pag. 201 foll unfere Puncta-
lis allein ein eigned Genus — Stenia Guende — bilden. Die
Kippentafter find durchaus nicht von den Botystaftern verfchieden ;
Schlankheit des Körpers und der Beine zeigen viele Botys-
Arten in hohem Grade. Iſt ein neues Genug zu errichten, fo
müffen auch Botys Catalaunalis und Bruguieralis darinn
aufgenommen werden und als Gattungsmerfmale gelten: palpi
maxillares filiformes, acuti, breves— labiales ut in Genere
Boty; abdomen- elongatum — pedes longi; tarsi postici
tibiis multo löngiores.
Rn Punctalis bey Nymphula (Stratiotalis ete.) ftehen
laffen, wie Herrih: Schäffer in Panzers. Fauna
fe 163. ©. 23..vorfchlägt, geht wegen des Baues der Lip-
pentafter gar nicht an.
255. (5.) Stratiotalis.
Um 14. May auf den Sumpfwiefen der Halbinfel Magniſi
ein verflognes Maͤnnchen — am 19. May mehrere Maͤnnchen
in dem mit Iris pseudacorus gemiſchten Schilf am Ufer der Cyane
bey Syracus. Jenes Männchen bat in der Mitte der Hinter-
flügel ein fo ſchwaches graues Strichelchen wie manche hiefige
Eremplare; das von der Cyane mitgebrachte hat einen ftarken
led. Uebrigens ift alles wie an unferer einheimifchen Art.
234. (6.) Potamogalis.
Ein ſehr fchlechtes Eremplar fand ich an der Cyane in Schilf
am 19. May. Da ich eg nicht mitnahm, fo kann id nur
fagen, daß es mir gar nichts Abweichendes zu haben fhien.
Nov. Gen. Duponchelia.
Palpi maxillares nulli.
Palpi labiales breviuseuli, ascendentes, squamati, arti-
culo ultimo brevi, obtuso.
Haustellum longum.
Abdomen elongatum.
Pedes longiusculi, tibiae anticae brevissimae, posticae
bis bicalearatae, tarsos posticos longitudine aequantes.
Alarum anteriorum cellula discoidalis brevis-
sima depressa hyalina.
Differt genus, Nymphulae (Hydrocampae) proximum,
ab omnibus Pyralidibus cellulae in alis anterioribus dis-
eoidalis brevitate ac nuditate.
Generi huic notis validis stabilito Duponchelius, lepi-
dopterologiae peritia et scriptis entomologieis insignis,
nomen dedit.
235. (1.) Fovealis n. sp.
Nur ein Männchen, am 4. Mat auf dem falghattigen Boden
zwiſchen Syracus und dem Anapo gefangen; e8 hatte den Flug
der Pyr. sanguinalis.
Größe einer Eleinen Nymph. nymphaealis, aber mit ver=
haͤltnißmaͤßig Eurzen, viel fhmälern, heilbraunen Flügeln; die
hintere Querlinie der Worderflügel ift weiß und zeichnet fich
dadurch vorzüglich aus, daß fie nicht, wie bey den meiften Zuͤns—
lern, einen einfpringenden, fondern einen flarfen ausfpringenden
Winkel made.
589
Grundfarbe ein unangenehmes, mit etwas Grau gemifchtes,
nicht fehr dunkles Braun, Fühler mäßig lang, zufammenge>
drücdt, mit kaum getrennten Gliedern, fehr zart microfcopifch
geftanzt, auf dem Nüden braungelblih mit dunklen Gliederz
fpigen. Ocellen ſehr deutlich. Augen groß, halb£ugeliht, am
Hinterrand etwas abgeflacht. Oberer Augenrand mit einer
weißlichen Linie eingefaßt. Marillartafter fehlen. Lippentaſter
von wenig mehr als Augenlänge, auffteigend, zufammengedrüdt,
- unterwärts abſtehend haarfchuppig, die Schuppen gegen die
Spike des zweiten Gliedes etwas verlängert; das Endglied kurz,
ſtumpf, ziemlich kahl; fie find weißlich, auswärts und am Ends
glied auf der Unterfeite braun. Ruͤſſel aufgerollt, lang. Beine
ziemlich lang, ſchmutzig, meißlichgelb, auf der LKichtfeite braun.
Vorderbeine: Hüfte und Schenkel faft gleich lang, zufammenges
drüdt; Schienen nicht von halber Schenfellänge, durch anlie—
gende Haarſchuppen verdickt, auf der Innenfeite mit anliegendem
Haarbufh; auf der Worderfeite an der Baſis weißlich, fonft
braun; Fuß fo lang wie Schenkel und Schiene zufammen;
erftes Fußglied von 3 Schenkellänge. Die Dornen an ber
Mittelfchiene find auf der Kichtfeite dunkelbraun; der eine drey—
mal fo groß wie der andere. Hinterbeine: Schenkel und Schiene
ziemlich glei lang zufammengedrüdt; Schiene gegen das Ende
ein wenig gekrümmt, unter der Mitte mit einem Dornenpaar
und an der Spige mit einem zweiten; die Dornen find. eben fo
ungleich wie die der Mittelfchiene und auswärts braͤunlich; Fuß
von etwas mehr als Schienenlänge. Die Enden der 2 Krallen
an jedem Fuße flehen aus der Befchuppung hervor, — Schul:
terdeefen von gemwohnlicher Range. Hinterleib ſchlank und lang,
von der Baſis aus beilgrau, allmählich immer dunkler braun;
das lange, gefpiste Afterglied hellgrau, braunftaubig; Bauch
beilgelblich, braun beitäubt; an jeder Seite des Leibes geht eine
Reihe heller, dunkel beftäubter Schuppenbüfche,
Fluͤgel verhältnigmaßig klein und geſtreckt. Hinterrand der
Vorderflügel fehr wenig gebogen und fehräg gegen den abgeruns
det fpisen Vorderwinkel laufend, Vorderrand fanft gebogen,
Die Mittelzele hat nur # Flügellänge, ift etwas eingedrüct
mit Ungleichheiten, gegen die Bafis fpärlich befchuppt, auf dem
größten Theile aber ganz fehuppenlos, ebenfo aud) auf der Uns
terfeite. . Hinter ihr ift die Grundfarbe zu einer braunen Binde
verdunfelt, die den DVorderrand nicht erreicht, ſchraͤg einmwärts
gegen den Innenrand geht und hier auf der der Bafis zugewendes
ten Seite von einem gelblichweißen Fledd begrenzt wird, Won
ihr bis zu der (gewöhnlichen) 2. Querlinie ift der Worderrand
ſchmal ochergelblich ; die 2. Querlinie beginnt hinter einem braus
nen Fleckchen mit einer ochergelblichen Erweiterung auf dem
Vorderrande und nimmt dann, weißgefärbt, die Richtung eins
waͤrts, parallel mit dem Hinterrande; unter der Mitte bildet fie
einen großen, ſpitzen, gleichfchenkligen Winkel; fie ijt dunkel
gefaumt. Hinterrandlinie braun; Franzen grau mit bräunlicher
Mittellinie.
Hinterflügel dunkel braungrauz vor der Mitte gegen den
Vorderrand ift ein verlofchener, brauner Fleck; hinter der Mitte
geht eine verlofchene, weißlihe Querlinie, die in ihrer Hälfte
einen nach außen gewölbten Bogen bildet. Hinterrand und
Franzen wie an den Vorderflügeln,
Unterfeite fehr licht; die ‚braune Binde und die helle Quer:
fine ſehr verlofchen; auf den Hinterflügeln ift der braune Fleck
fhärfer als auf der DOberfeite, und der Vorderrand ift gelblich,
braun beftäubt.
590:
Asopia.
„Palpi breves, acuti; antennae setaceae. Alae anterio-
res rotundatae. 4A, vel fimbria bicolorata alternatim prae-
ditae. 2, lineis duabus flexuosis maculam magnam
eingentibus, altera in basi, altera in margine postico
posita, area interjecta diversicolore.““ (Costa.) Cofta
tadelt Treitſchkes Genus Asopia, wie e8 im 7. Thl. der
Schmetterlinge von Europa aufgeftellt iſt, indem er die Nach—
träge gar nicht kennt; er fchlägt für Treitſchkes Jam. B.
(Choreutes) ein eignes Genus vor, und für diefes den Namen
Macropia. Bon den eigentlichen Afopien Eennt er ale .
neapolitanifch: 1) rubidalis häufig im May und Suny.
2) nemoralis nidt felten im Suny und folgenden Mona—
ten. 5) farinalis gemein; bisweilen nur von halber Größe.
4) fimbrialis im Sommer auf dem Matefe und bey
Piedimonte d’Alife,
Rambur fand in Corfica nur rubidalis und cor-
ticalis.
236. (1.) Farinalis.
Zwey "gewöhnliche Weibchen von Eyracus, am 28. May
und 8. uni; ein andıes Cremplar fah ic in Nom am
25. Auguft im Mauthamte,
Treitſchke giebt diefer Art fonderbarer Weiſe die Größe
der Botys flavalis und darüber! Auch befchreibt er die erſte
Querlinie der Vorderflügel falfch.
237. (2.) Domesticalis n. sp.
Alis anterioribus basi apiceque obscure schistaceis,
medio ochraceis, puncto medio fusco, strigis duabus albi-
dis, priore curva; posterioribus_einereis, strigis duabus
albidis.
Ein einziges Männchen, am 4. Auguft in Meffina an einer
Mauer gefunden, aufs Sicherfte von Farinalis, der es am
nächften verwandt iſt, verfihieden. Ich gebe nur die Unter-
ſchiede an. ö
Sn der Größe unter der Eleinften Farinalis ( Worderflügel-
länge 35). Vorderfluͤgel ſchmäler. Wurzelfeld dunkel ſchie—
fergrau, von einer weißlichen, nach außen converen, gar nicht
winf£ligen Querlinie begrenzt. Im verengten Mittelfelde
(wie eg aber auch bey Farinalis vorfommt) fteht auf der
Duerader ein deutlicher brauner Punct. Es if auswärts unter
der Mitte reichlich dunkelgrau beftaubt und hat eine weniger
angenehm gelbe, mehr fahle Grundfarbe. Die 2. Querlinie
unterfcheidet beide Arten wieder ſehr ficher; bey Domesticalis
macht fie unter dem gewöhnlichen verdidten, mondfichelfürmigen
Theile einen fcharfen Winkel und nur eine gegen außen geöff-
nete Kappe, worauf fie wieder die Richtung einwaͤrts nimmt
und mit einem weiten, aber flacheren Bogen zum Innenrande
läuft; ihe gegen den Hinterrand vorfpringender Theil ift alfo
viel mehr verengt als bey Farinalis und bildet oberwärtg
einen feharfen Winkel, während er bey Farinalis durchaus
abgerundete Eden hat und aus mehrern Kappen befteht. Dag
Hinterfeld ift fchiefergrau, an der Flügelfpige und dem mond—
fihelförmigen Theil der Querlinie fehr verdunfelt, ganz ohne
die Hinterrandpuncte der Farinalis, Franzen dunfelgrau,
von dem Hinterrande durch eine feine geibliche Linie getrennt
und dahinter von einer fehr dunkelgrauen und einer hellen Linie
durchzogen.
591
Hinterflügel einfarbig, ziemlich dunkelgrau, nicht fo dunkel
wie ben Lienigialis. Die beiden weißen Querlinien find feiner
als bey Farimalis und fliefen in der Flügelfalte breit zufammen
(mie oft auch bey Farinalis). Im Hinterwinkel liegt ein braus
ner, verwifchter Fleck, und davor am Hinterrande ein Eleinerer.
Franzen lichter als an den Vorderflügeln.
Unterfeite einfarbig dunkelgrau, ganz ohne die Mittelpuncte
der Farinalis. Worderrand der Vorderflügel nur big zu der
2, Duerlinie untein und ſchmal gelblich, Flügelfpige ganz
ohne Roth; die Querlinien verlofhen; Franzen dunfelgrau
mit dunklern Querlinien. NRüdenfhild dunkel ſchiefer—
grau; Hinterleib nahe der Baſis mit 2 vollftändigen ſchwarz—
braunen Binden ohne gelbe Nüdenlinien.
Hübners fig. 95. der As. farimalis zeigt faft die Faͤr—
bung und Zeidhnung meiner As. domesticalis. Die erfte
Querlinie mat feinen Winkel, fondern geht im Bogen; das
Murzel: und das Hinterrandfeld baben nichts Rothes, fondern
find diolettſchwarz; das letztere Feld hat Eeine Randflecke. Die
Hinterflügel find, wenn aud) gewölft, doch ziemlich dunkelgrau.
Aber alles das, was diefe Abbildung Uebereinftimmendes mit
Domesticalis hat, ift eine Folge der Schlechtigkeit der Malerei.
Daß bier nichts als unfere gemeine Farinalis dargeftellt ift,
beweift der Mangel des Mittelpunctes der Vorderflügel, die
Größe des Bogens an der 2. Querlinie, die helle Farbe des
Ruͤckenſchildes. Duponchels Abbildung (pl. 223. fig. 1.)
ift zwar nicht ſchoͤn, aber doch in den characteriftifchen Merkma—
ten viel naturgetreuer.
258. (3.) Incarnatalis 2°
Asopia lueidalis Dup. pl. 223. fig. 5. pag. 198.
Alis carneis (auterioribus subflavesceentibus), strigis
duabus abbidis, sinuatis, antice non incrassatis.
Dupondel bildet ab und befchreibt einen Zünsler, der nur
hierher gehören kann, obgleid mein Eremplar das nicht zeigt,
was in der Abbildung fo auffallend ift, nehmlich auf den Vor—
derflügeln das Feld zwiſchen den 2 Querlinien bindenartig ver—
dunfelt (une large bande légèrement arquee d’une teinte
plus foneee); aud die Dinterflügel find von ber Bafıs bis
zur 2. Querlinie zu auffallend verdunfelt. Während vie Abbil-
dung einen verdidten weiblichen Hinterleib und ſehr dünne Fuͤh—
fer zeigt, Spricht der Text, daß fie einem Männchen angeböre.
Es ift auffallend, daB Duponchel diefe Art in feinem Cat.,
wo doch ihr Plag bey Rubidalis geweſen wäre, gar nicht
erwähnt.
Sch habe nur ein Weibchen, das erſt vor Furzem ausgefrochen
ſeyn Eonnte, am 19. Auguft in einem Eichengehoͤlz oberhalb des
Agnanofees bey Neapel gefunden. Woher Duponcyel fein
Exemplar bat, ift fehwer zu fagen, da er feine Art mit der
Treitſchkiſchen Lucidalis für einerley hält und daher
Treitſchke's Angaben copirt. Wahrfcheinlich hat er es aber
aus dem füdlichen Frankreich.
Große der Asop. rubidalis, mit der diefe Art nächft ver-
wandt ift; die Vorderflügel find aber beträchtlich fchmäler und
geftredfter. Grundfarbe von Kopf, Thorar und Vorderflügeln
gelblichfleifchfarbig mit dunflern Stäubhen. Die Stirnhaare
weichen vorn als eine Art Stirndach herab bis fait zu den
Taftern. Kiefertafter Elein, zugefpist, verſteckt; Lippentafter
vorgeſtreckt, horizontal, mit etwas hängender Spige; das 2, Glied
am längften, nach vorn verdidt; das Endglied kurz, zugefpißt,
Ruͤſſel etwas Eurz, aufgerolft, obenauf befhuppt. Augen halb:
592
Eugelicht, am Hinterrande etwas eingebrüdt. Ocellen fehlen.
Fühler borftenförmig, microfcopifch faferig. Beine blaß ocher-
gelblich, auf der Kichtfeite geröthet, fowie am Bauche. Worder-
ſchiene von halber Schenfellänge, auf der Innenſeite mit anlie—
gendem Haarbuſch, der die Spike nicht erreicht. Mittel und
Hinterfchiene duch Beſchuppung verdidt mit einem Paar End-
dornen; die Hinterfchiene hat unter der Mitte noch ein Paar;
fie ift länger als der allmählich verdünnte Fuß. Scyulterdeden
von gewöhnlicher Laͤnge. Hinterleib ziemlid) lang, blaß ofen:
farbig angeflogen.
Vorderflügel mit 2 verlofchenen, weißlihen, auf den zuge:
endeten Seiten dunkler gefüumten Querlinien, die fih auf
dem Vorderrande unbedeutend verdidenz die erfte jteht vor dem
Anfange des 2. Drittels, macht bloß nahe am Vorderrande
einen Eleinen, ftumpfen Winkel und geht dann ein wenig fchräg
einwärtd zum Innenrande. Die 2. Querlinie, am Anfange
des Enddritteld der Länge, macht in ihrer Hälfte einen fehr
ftumpfen, ziemlich) geradſchenkligen Winkel, Das Mittelfeld iſt
durch Feine Verdunkelung ausgezeichnet,
Hinterflügel ſehr blaß fleifchröthlich mit roſenfarbnen Stäub:
hen beftreut; die 2 Querlinien deutlicher und gleichfalls auf
den einander zugewendeten Seiten verlofchen rofenfarbig gefaumt;
die erfte ift nahe der Baſis, die 2. vor der Flügelhälftez beide
find gegen außen conver, die erſte mehr in der Nähe des In—
nenrandeg, die 2, faft in der Flügelmitte. Die Hinterrandlinie
ift lebhafter als auf den Vorderflügeln, roſenroth und ziemlich
dünn. Alle Franzen find ſchmutzig gelblih mit vöthlihem
Anfluge.
Unterfeite bläffer. Auf den Vorderflügeln, die am Vorder—
rande breit gelblich find, ift nur die obere Hälfte der 2. Quer—
linie verlofchen fichtbar. Auf den Hinterflügeln zeigt ſich unter
der Mitte eine helle Querlinie, die in der Mitte einen ftumpfen
Winkel bildet; fie ift Eeine von der Dberfeite durchicheinende
Linie; denn von diefen ift Feine fihtbar. Die Hinterrandlinie
blaßroſenroth.
239. (4.) Fimbrialis.
Bey Neapel im Eichengehölz am Agnanofee am 19. Auguft,
bey Cifterna an einer ſchon öfters erwähnten Gartenhede am
24. Auguft, bey Rom an ähnlicher Stelle am 26. Auguft drey
ſchoͤne Weibchen, die in der Größe den meiften dentichen etwas
nachfteben.
240. (5.) Flammealis.
Sm Eöniglichen Garten in Neapel aus dem Raube der immer—
grünen Eiche am 12. Auguft, in den Eichengehölzen bey Ca:
maldoli und am Agnanofee am 13., 15. und 19. Auguft;
ftets aus Eichenlaub geklopft, doch felten. Der Züngler hält
in der Ruhe den Kopf hoch und den Hinterleib aufgerichtet,
wodurch er ein eignes Anfehen erhält. Er fest ſich an Eichen:
taub. (Bey Berlin fing ich ihn häufig fchon am 7. July;
auch Treitſchke und Duponchel geben den Suny und
Anfang Sum als die Flugzeit an.)
Das Männchen hat hoͤchſt auffallend geftaltete Schulterdecken,
die deffen ungeachtet noch Fein Autor befchrieben hat. Sie find
fo lang, daf fie über den Anfang des Hinterleibs hinwegreichen,
dabey dimnhäutig, ſchmal und lang zugefpist, auswärts befchuppt,
inwendig mit langen Haaren reichlich befest, die zum Theil
unter dem Innenrande als Büfchel hervorftehen; indem fie
fih, vielleicht durch dag Trocknen, immer verbiegen, hebt ſich der
Innenrand in die Höhe und erſcheint ala geldliche, etwas glänz
593
\
zende Linie. Beym Meibchen haben fie Eeine auffallende Länge
und find nur durch die Befchpuppung etwas verlängert; die Bes
haarung auf der Unterfeite mangelt gänzlih. Es hat einen
langen 2egeftachel. — Dupondyel (Catalogue ©. 200) ftellt
unfere Flammealis mit Nemoralis und Ornatalis (Saturnalis
Tr.) in ein befonderg Genus (Asopia),. deffen wefentliches
Merkmal: „ein duch die Befhuppung beilförmiges Endglied
der Taſter“ der Flammealis gänzlich abgeht, fo daß fie un—
möglich mit. jenen zu einerlen Genus gehören kann. Herrich—
"Schäffer (in Panzers Fauna Heft 163. ©. 25. verbindet
Flammealis und Nemoralis zum Genus Agrotera; aber nad)
den Zaftern, den Flügeldefen und den Genitalien entfchieden
mit Unrecht. Sch ſchlage für Flammealis ein eignes Genus vor:
Endotricha.
Palpimaxillares absconditi, breves, filiformes;
labiales breviusculi, adscendentes, compressi,
infra squamato-pilosi, articulo terminali brevi.
Haustellum spirale.
Ocelli duo.
Antennae maris ciliatae.
Patagia maris angusta, elongata,
longe-pilosa; feminae brevia, subtus nuda.
edes mediocres; tibiae posticae teretes bis bical-
earatae.
Oviductus articulatus, elongatus.
241. (6.) Nemoralis.
Zwey Männden, 4 Weibchen, meift fehr ſchoͤn erhalten, fing
ih am 15. Auguft in dem mit Eichen gemifchten Kaftanienge-
bölz an den Höhen füdlih vom Agnanofee. Die fpäte Flugzeit
beweift die Eriftenz einer doppelten Generation, deren erfte bis
jest nur befannt war.
Mit Recht ift der Bau der Lippentafter von Dupondel
als characteriftifh für ein befonderes Genus anerfannt worden;
doch möchte der Name Asopia wohl nicht dafür zu verwen»
den ſeyn.
242. (7.) Corticalis.
Die erfte Duerlinie ift ein weißer, etwas glänzender, binben-
förmiger Querffrih, der ziemlich gerade ift, faft ſenkrecht auf
dem Innenrande fteht, ſich zwifchen der Median und Subdors
falader erweitert und zugefpist vor dem Vorderrande aufhört.
Die zweite gleichgefäbte, einwaͤrts ſchwarzgeſäumte Querlinie
entfpringt auf dem Vorderrande nicht weit vom Vorderwinkel,
macht einen ſehr weiten Bogen gegen den Hinterrand, worauf
fie ihre Richtung einwärts und aufwärts nimmt, in welcher fie
den Urfprung des erſten Medianaderaftes erreicht; nun geht fie
ſehr erweitert und ziemlich gerade gegen den Innenrand, den fie
hinter der Mitte deffelben erreicht. Die Aushöhlung der Quer:
linie ift auf der vordern Hälfte bis zum Worderrande weißgrau
und enthält ein fhmwärzlihes, mondfichelähnlihes Strichelchen
auf der Stelle des Nierenflecks; dahinter ift der Grund big zur
Querlinie wieder verdunfelt und gebräunt. (Won einer großen,
weißen, in die Querlinie verfließenden Makel, von der TreitfchEe
fpricht, findet ſich alfo nichts vor; er hat wieder die Hüb-
nerfchen, übrigens Eenntlichen Abbildungen befchrieben).
Auf den gegen die Bafis gelichteten, braungrauen Hinterflüs
gelm geht eine unvollftändige, verloſchene, weißliche Querlinie in
geringer Entfernung vor dem Hinterrande.
Iſis 1847. Heft 8.
subtus
594
Größe veränderlich; mein Eleinftes Männchen hat 34” Bor:
derflügellänge, mein größtes 44. — Das Weibchen ift dem
Maͤnnchen ähnlih, nur mit breiteren, lichter gefärbten Flügeln.
Diefe Art bildet den Typus eines Genus Hypotia.
Palpi maxillares porreeti triangulares.
Labiales horizontales, articuli seeundi squamis infra in
barbam productis, articulo terminali ereeto, longiusculo,
filiformi.
Haustellum brevissimum.
Antennae mediocres, maris ciliatae; articulus basa-
lis faseiculo squamarum producto instructus.
Ocelli nulli.
Patagia medioeria, squamis terminalibus adscendentibus.
Pedes mediocres; tibiae posticae bis bicalearatae, tarsis
longiores.
Abdomen utrimque fasciculatum.
Ab Aglossa, cui palpis labialibus, defectu haustelli et
ocellorum affine est genus, differt palporum maxillarium,
antennarum articuli basalis et abdominis structura, ab
Asopia (farinali ete.) palpis, antennis, haustello ete.
Nomen ab ör6 (subtus) — @rıov (auricula).
Species: corticalis 8. V.
Pyralis corticalis S. V. Hübn. Dup. — Asopia corti-
calis Tr. — Synaphe cort. Hübn. — Aglossa corticalis
Her.-Schäf. Pz. Fauna 163. pag. 11.
Sch fing diefe Art felten bey Syracus in der 2. Hälfte des
Juny in der Gegend des Gapucinerflofters auf ganz trodnem
Kalkfelsboden an Difteln. ‘Sie fit mit aufgerichtetem Hinter:
leibe, wie Farinalis, und wulftig lodrer Befhuppung des Ruͤcken—
ſchildes; ihr Flug ift weder fchnell, noch anhaltend. — Gleich—
falls an Difteln und auf dürren Anhöhen fing ich zwey Männ:
chen bey Meffina am 12. und 23. Jul. (Fortf, folgt.)
Ueber
das wilde Renunthier.
Don Wilhelm Liljeborg.')
Das wilde Nennthier ift wohl mit Recht als Stammvater
jener den hochnordifchen Wölfern fo aͤußerſt nüglichen zahmen
Rennthiere, als vielfältige Beute jener jenfeits des Polkreifes in
den ausgedehnteften Deden herumftreifenden armen Säger,**) und
als fchönftes Thier und größte Zierde der nordiſchen Alpen, es
mürdig, von ung etwas genauer betrachtet zu werben, Da es
aber in ſehr rauhen Gegenden hauſt, in denen es nur mit großer
Mühe und Beſchwerde beobachtet werden fann, fo find feine
Lebensweiſe und feine Sitten noch nicht hinlaͤnglich erforfcht
worden. Um ein Eleines Scherflein zu deren Kenntniß beyzu—
tragen, will ich hier, anfer einigen allgemeinen Bemerkungen,
das, was mir von jenen durch eigene Beobadytungen und aus
Berichten der Rennthierjäger auf den norwegifchen Alpen bekannt
geworden iſt, mittheilen.
) Observationes Zoologicae. Diss. auct., praes. Wilh.
Liljeborg. Lundae 1844. 8. p. 21—27. —F
Patlas ſagt in feiner Zoographia rosso-asiatica, daß
vie Jukagiren im öftlichen Sibirien bloß von der Jagd auf die wilden
Rennthiere leben.
u. 38 ’
595
Die milden Mennthiere leben in den nörblichften Gegenden
und Wuͤſten der alten Welt und Americas. Obgleich) in den
verfchiedenen Fändern an Farbe und Größe verfchieden, machen
fie doch, fo weit wir nad) den bisherigen Erforfhungen darliber
urtheilen £önnen, nur eine einzige Art (Cervus Tarandus L.)
aus. Brolif*), welcher den Schädel eines zahmen Rennthiers,
der einem gewöhnlichen Mennthierfchädel gewiffermaßen unähn-
lich war, aus Norwegen erhalten hatte, wollte aus bdiefer Un=
ähnlichkeit eine neue Art ableiten. Wenn mir aber erwägen,
wie fehr die in der Gefangenfchaft gehaltenen Thiere varliren ;
fo fönnen wir jene Uuähnlichkeit, die nur anf einen Körpertbeil,
auf eine ein wenig breitere und Eürzere Kopfform, befchränft
war, keineswegs für hinreichend zur Gründung einer neuen Urt
halten. Die fiberifhen Nennthiere find Eleiner, als bie norwegi—
fen und Lappländifhen. Pallas fagt, es Fämen jährlich
Rennthiere, von den americanifchen Inſeln vielleicht, über das
Eis nach der öftlichen Gegend von Siberien, nad) den ändern
der Tſchuktſchen, und diefe feyen zum Theile den fiberifchen uns
ähnlich, ferner, fie wanderten fehr zahlreich über das arktifche
Eis nach den hyperboreifhen fpisbergiihen Inſeln. Ich felbft
vernahm von einem Norweger, welcher fich auf diefen Inſeln
aufgehalten hatte, daß die Rennthiere dort haͤufig und kleiner
und weniger ſcheu, als die norwegiſchen, waͤren. Je weiter nach
Norden, deſto mehr ſcheint ihre Groͤße ſich zu verringern.
In Norwegen, auf den hoͤchſten und oͤdeſten Bergen,
vorzüglich auf dem Doevrefjeld und den nad) dem Ocean ſich
erſtreckenden Gebirgszügen, in der Gegend von Bergen und
Romsdal, fchweifen die Menntbiere weit und breit herum. Auf
den Nomsdaler Bergen am Meere, um Sundalen und andere
Derter follen fie befonders häufig fenn. Es bat ſich dort er—
eignet, daß ein Säger mit einem Schuſſe drey Nennthiere erlegt
bat. Die Säger follen fie dort auf die Weiſe verfolgen, daß
fie ganze Herden gegen die tiefen Klüfte, welche auf den weiten
Schneefeldern vorfommen, treiben. Die Nenntbiere, welche fehr
ſcheu und nun erfchredt find, ftürzen fih wie blind in die Tie—
fen, und nur das eine oder andere, welches auf eine vorragende
Ede geräth, wird den Sägern zu Theil. Auch auf den vom
Dovrefjeld gegen Süden auslaufenden Gebirgsruͤcken find die
Rennthiere ziemlich häufig anzutreffen. Auf den Berghoͤhen,
welche das Gulbrandsthal zu beiden Seiten umgeben, vorzüglich)
um die höchften Berge, Nondene, und auf den Alpen, welde
dag Gulbrandsthal vom Dftthale (Defterdalen) trennen, habe
ich felbft fie beobachtet.
Ein Jaͤger fagte mir, daß die um Rondene vorkommenden
Rennthiere im Allgemeinen ‘größer wären, als die auf den weſtli—
chen Bergen gegen den Ocean hin haufenden. Außerdem vers
nahm ich von einem ſehr erfahrnen, Jaͤger welcher auf dem
Berge Dovrefield mohnte, daß auch die fi) an Alter nabe
ftehenden Nenntbiere unter einander oft an Größe verfcieden
wären. Ihre beftimmte Größe erreichen fie nicht vor ihrem
vierten oder fünften Lebensjahre. Die größten, welche um
Rondene herum erlegt werden, haben ein Gewicht von etwa
320—360 Pfund.
Auf den norwegifchen Alpen fteigen fie felten, außer im Win:
ter, in die mit den Eleineren Birken bewachfene Gegend binab.
Sm Sommer treiben fie fich meiftens in den Gegenden herum,
in denen der Schnee zum Xheile nicht gefhmolzen ift und die
) Bulletin des Sc. Nov. 1828. p. 339.
596
vom Schnee entblößten Stellen Flechten und Dryas octopetala
ernähren.*) Die letztere Pflanze, welche einen bittern Gefhmad
hat, lieben fie fehr, weßhalb die Jaͤger fie auch Nennthierkraut
nennen. In ihrer Begierde nach bitteren Dingen und, wie
Pallas berichtet, nah Urin ähneln fie den Biegen. Auch zarte
tes Gras freffen fie. Den Schnee, welcher ihre Futterkräuter
bedeckt, raͤumen fie mit den Füßen weg. Gern weilen fie an
den Bergabhängen, welche die meifte Sonne haben, und fonnen
fi, auf dem Schnee gelagert, bey heiterm Himmel meiftens
in den Eleineren Thaͤlern und auf offenen Dertern zwifchen den
hohen Bergen, befonders an folhen Stellen, auf denen fie eine
weite Ausfıcht haben. Aufgefcheucht laufen fie mit der größten
Schnelligkeit dahin. Sie follen von allen Vierfüßern auf diefen
Alpen die fchnellften feyn. Dennoch werden fie vom Vielfraß
(Gulo borealis), welcher unvermuthet aus einem Hinterhalt auf
fie losſtuͤrzt, überfallen. Die Wolfe, welche fie bisweilen ver-
foigen, ftehen doch bald wieder davon ab, weil fie fehen, daß
fie fie nicht einholen Eonnen. Eben ſo, wie die Ziegen, erftei=
gen fie fehr gut die Felfen. Sch felbft fah ein großes, durch
einen Schuß ſtark verwundetes Nennthier ſchnell über einen
fteilen, mit großen, fpisigen Steinen dicht bedediten Abhang bin»
weg fteigen, über welchen ich und der mir folgende Säger nicht
ohne große Mühe zu gehen vermochten. Sie befisen einen fehr
fharfen Geruch, fo daß fie, wenn der Wind ihnen zufteht, den
Säger auf 2—3000 Ellen weit mittern Eönnen. Merken fie
feine Nähe, fo fliehen fie ungefaumt und um fo fchneller, wie
man fagt, wenn fie, durch den Anblid des Jaͤgers erfchredt
werden. Defhalb gehen die Nenntbierjäger auch wo möglich
auf einer folhen Jagd gegen den Wind an.
Megen der Form ihrer Klauen, welche breit find, Eönnen fie
leicht über den Schnee weglaufen. Durch dieſe Fähigkeit, ihre
Gefhidlihkeit im Steigen und ihre harte Natur, vermöge
welcher fie nicht allein die heftigen Stürme, melche bisweilen
in den Gebirgen toben, fondern auch die ſtrenge MWinterkälte
der Alpen zu ertragen vermögen, fcheinen fie ganz vorziiglich
gut zum Bewohnen jener rauhen und wüften Gegenden, welche die
Natur ihnen zum Aufenthalt angewiefen hat, ausgerüftet zu
feyn. Wenn fie gleich auf den Bergen weit umher ftreifen, fo
wählen fie doch gewiffe Pläge aus, auf denen man fie oft, falls
fie nicht vertrieben worden find, antrifft, und welche den Fägern
auch wohl befannt find. In ihrer Schnelligkeit und Spürfraft,
mie auch in der Schärfe ihres Gefichtes befißen fie fefte Schuß:
mehren gegen ihre Verfolger. Daher fagt ein Jaͤger, welcher
viele Fahre hindurch nah Mennthieren auf dem Dovrefjeld
gejagt hatte, er hätte bemerkt, daß ihre Anzahl fich keineswegs
verminderte, fondern eher vermehrte.
*) Ballas berichtet, daß die wilden Nennthiere in Siberien zur
Sommerzeit von befonnten Stellen nad) waldigen wandern, um vor
den Bremfen geficherter zu feyn. Ich beobachtete dagegen in Norwegen,
daß fie den Sommer auf den höchiten, völlig mwaldentblößten Bergen’
zubringen. Im Winter follen fie aber an etwas niedrigeren Gtellen
vorkommen. Auf den hohen und Falten Bergen, auf denen der Schnee
zum Theile niemals ſchmilzt und ich weniger häufig Inſecten fand,
ſcheinen fie vor den Bremſen ficherer, als in den diefer ftehenden Wäl—
dern, zu feyn. Die Jäger fagten, fie hätten fie nie im Fichtenwalde
gefehen, in welchem fie aud) wegen ihrer großen Geweihe nicht fo Teicht
vorwärts Fommen Fönnen. In ſolchem Walde würden ferner die Wölfe
ihrer Leicht Here werden. — Pallas fügt auch, die Rennthiere fräßen
nur im Winter Flechten; ich habe aber gefehen, daß fie es auch mitten
im Sommer thun,
597
*
Sie haben eine zweifache Koͤrperbekleidung, eine herbſtliche
und eine winterliche. Jene iſt groͤßtentheils graubraun, dieſe
graugelb. Die Haare verlieren ſie nur einmal im Jahre. Das
Abwerfen derſelben geht den Sommer hindurch vor ſich und iſt
um das Ende des Auguſts, wo ſie das Herbſtkleid bekommen,
beendigt.*) An Fellen, welche gegen das Ende des Julius
erlegten Rennthieren abgezogen worden waren, bemerfte ich, daß
das Abmwerfen der Haare am Kopfe und Halfe anfange. Das
neue Haar nach dem Abmerfen der erfteren Haare war furz
und gefättigt braungrau. Machher verfchwindet die braune Farbe
allmählich gegen den Winter. Das Auswahfen der Geweihe
und das Abfallen der Haare fcheinen gemwiffermafen in Zuſam—
menhang zu ftehen, weil jene nach dem Wegfallen diefer fchnell,
etwa ‚mit dem Anfange des Septembers fchon, voll ausgewach:
fen find und die Haut mit den Haaren, welche fie in der
Sugend bededten, abgeworfen haben. Alle Rennthiere haben
faft zu ein und derfelben Zeit ihr voll ausgewachſenes Geweih.
Dana) ftellt fih ihre Brunſtzeit ein. Die heftigfte Begierde
ergreift auf etwa 14 Tage die Männchen. Das größte derſel—
ben jagt die Eleineren wen und treibt mehrere Weibchen (von
den norwegifchen Sagern Semla genannt) zufammen. Hat
es feine Begierden geftillt, fo folgt ihm ein zweites, und fo fort
bis zum Ende des Octobers. Später nach beendigter Brunft-
zeit, ſchaaren fie fih in eine Heerde zufammen und bilden fols
cherweiſe größere Heere, die wieder in mehrere Eleinere getheilt
find, welche diejenigen umfaffen, die von den größeren Rennthie—
ten in der Beunſtzeit bemeiftert worden waren. Dann geſchieht
08, daß man um den Sneebätte auf dem Dovrefjeld etwa
Zaufend Rennthiere beyfammen fehen kann. Wenn die Heerden
meiter ziehen, fo gehen meiftens die Weibchen voran, oder, wenn
feine Weibchen daben find, das größte Männchen. Die älteren
Rennthiere werfen früher, etwa um dag Ende des Decembers,
die Gemweihe ab, die jüngeren gleich darauf, Das Kalb, welches
gegen das Ende des Mayes geboren wird, faugt menigfteng bis
zum October, beträgt ſich auf ähnliche Meife, wie die jungen
Ziegen und folgt der Mutter den Winter hindurch. Sm An:
fange ift e8 braunlich und gleichfam wollig. So bleibt feine
Tracht bis zu der Zeit, in welcher die erwachfenen ihre Herbſt—
tracht anlegen; dann ‚aber bekommt es ähnliche Haare und
Farbe, mie diefe. Zu derfelben Zeit wachfen ihm auch, Eleine
Geweihe, welche im folgenden Winter abfallen. Im Herbite
darauf, das ift im zweiten Sabre feines Alters, wird es ſchon
zur Fortpflanzung tauglih. Seine Mutter liebt e8 ſehr. Mir
erzählte ein Jaͤger, er habe ein weibliches Rennthier, welces
von feinem Kalbe begleitet worden, erſchoſſen, und das Kalb
habe die Mutter auch nach ihrem Xode nicht verlaffen.
Ueber die allmähliche Bervolffommmung der Thiere
auf der Erdoberfläche.
Bon Dr. C. ©. Giebel.
Die Theorie von der allmählich zu größerer Vollkommenheit
fortfchreitenden Entwicklung der organifchen Gefchöpfe auf der
*) Am 20. Junius v. J. ſchoß ich auf dem Dovrefjeld ein erwachſe—
nes Rennthier, welches damals die Haare verlor, und defien Geweih,
mit behaartem Belle bedeckt, ungefähr den britten Theil der zukünftigen
&öfe Hatte,
598
Erdoberfläche ift bereits im Mofaifhen Schöpfungsbericht ausge
fprochen, aber in einer Form, in welcher fie nur bis zur Gründung
einer wiffenfhaftlihen Geologie und Paläontologie geglaubt
werden konnte. Denn daß Mofes nicht in Folge directer Beob—
achtungen behauptete, die Pflanzen feyen früher als die Thiere
und der Menfch fpäter als diefe erfchaffen und daß feine Schös
pfungstage Feine geologifhen Perioden find, wiewohl er auch
Sonne, Mond und Sterne an denfelben entftehen laͤßt, wird
durch die einfache Thatſache widerlegt, daß in den geognoftifchen
Formationen als Denkmäler früherer Schöpfungsperioden feffile
Pflanzen und Thiere zugleich eingebettet fich finden, und alfo
auch ſtets zu derfelben Zeit gelebt haben. Der Fortfchritt in
der Gefchichte der organifchen Melt äußerte fich in ganz andrer
Meife, ohne daß die tiefe Mahrheit im religiofen Mythus be—
einträchtigt würde. Die Geologen ſtimmen heutiges Tags auch
alle darinn Überein und nur Über die Gewalt diefes Fortfchrittes,
foweit dieſelbe durch Thatſachen unterftügt werden foll, herrfcht
noch eine, aber eine große Meynungsverfchiedenheit. Wir wollen
jest die bezuͤglichen Thatſachen und Beobachtungen prüfen, um
zu erfahren, innerhalb welcher Gränzen die fortichteitende Ent—
widlung der thierifchen Drganifation Statt gefunden hat.
Die allgemeinfte Anfiht über die allmahliche Vervollfommnung
der Organismen ift diejenige, weldye nur den Kortfchritt von den
Ealtblütigen zu den warmblütigen Mirbelthieren zugibt. — Wir
übergehen bier die Anficht derer, welche die Fortfchrittstheorie
als eine aprioriftifhe und ganz unzuläffige betrachten, weil fie
nur Mangel an Einfiht in die Organifation überhaupt ver—
raͤth. — Jene Behauptung ftügt fih auf die unleugbaren That
ſachen, daß die Fifhe und Amphibien bereit3 vor Ablagerung
der Formationen der Trias eriffirten, die Vögel und Saͤuge—
thiere dagegen erft beglaubigte Ueberrefte ihres Dafeing in juraſſi—
fen und jüngern Schichten abgelagert haben. Einen Schritt
weiter gehen die Palaontologen, welche die Vervollkommnung
der Wirbelthiere von Klaffe zu Klaffe gefchehen laffen oder viel-
mehr von den Fifchen zu den Amphibien und von diefen zu
den Vögeln und und Cäugethieren fortfchreiten fehen. Die
älteften Fifchrefte wurden in den Ludlow Schichten des Grau:
twadengebirges, zahlreicher in dem Alten Rothen Sandfteine
entdeckt; Amphibien dagegen erft im Ihüringifchen Zechftein und
in gleichaltrigen Gebilden Englands. Ueber die dlteften Voͤgel
und Säugethiere fehlen untrügliche Beweife, denn die Fußſpuren
jener im bunten Gandfteine des Gonmnecticutthaleg und die
Fährten des Chirotherium in derfelben Formation des Werra—
thales geftatten Feine zuverläffige Deutung ihres Urfprunges.
Auch die Vogelknochen in der Mealdenbildung find bezweifelt
und Pterodactplen zugefchrieben und die Unterkiefer im Stones:
fielder Jura find lange Zeit falfch und vielfach gedeutet wor—
ben. Eine allmählihe Vervollkommnung andrer Typen dee
thierifhen Drgnnismus als der der Mirbelthiere leugnet man
allgemein und der Grund, daß Niemand_diefelbe erfennt, liegt
nicht etwa darinn, daß fie in der Gefchichte der Organismen
nicht Statt gefunden hat, fondern lediglich nur in den ver—
ſchiedenen Anfichten über die Dignität der einzelnen Klaffen oder
Typen des Thierteicheg.
Ueber die Dignität der einzelnen Typen des Mirbelthiers find
alle Zoolegen derfelben Anficht, indem fie die Fifche als unvoll—
Eommenfte, die Amphibien und Vögel als nächft höhere und
folgende und die Säugethiere als am höchften organifirte Gruppe
barftellen. Diefe Rangerdnung iſt in der Natur felbft begruͤn—
det und wird aud durch die geologifche Entwidlung beftätigt.
599
Die Dignität der Übrigen Thierklaſſen wird aber von den ver
ſchiedenen Syſtematikern nad) verfchiedenen Principien beftimmt.
Ohne ung bier auf die Unterfuhungen ber ſyſtematiſchen Zoolo⸗
gie einzulaſſen, wollen wir nur mit wenigen Worten auf den
Unterfchied dreyer natürlicher Syſteme des Thierreichs aufmerk⸗
fam machen. Cuvier theilte das Reich in vier Abtheilungen
in folgender aufſteigender Ordnung: Animalia zoophyta, wohin
die Infuforien, Polnpen, Nadiaten und Eingeweidewürmer in
5 Klaffen gehören; A. articulata, zu denen er 4 Klaffen Glie—
derthiere ſtelltz A. mollusca in 5 Klaffen mit den Cirripedien
als 6. Klaffe, und A. vertebrata mit den 4 befannten Klaffen.
Diefe nach anatomifhen Spftemen geordnete Reihe weicht aufz
fallend von der nah den Drganen beftimmten ab. Oken
unterſcheidet nehmlich Rumpf- und Kopfthiere, welch' letztte die
Mirbelthiere find. Erſtere zerfallen in drey Klaſſen: Darm—
thiere mit den drey Stufen der Infuforien, Polypen, Quallen;
Aderthiere mit ebenfalls drey Stufen: Muſcheln, Schnecken und
Kracken; Hauthiere, wohin die Wuͤrmer, Krabben und Fliegen.
Dieſem Syſteme widerſpricht ſowohl nach Zahl der Klaſſen als
vorzuͤglich nach deren Inhalt ein drittes. Burmeiſter be—
gruͤndet auf die Form des thieriſchen Koͤrpers und die Elemente
aͤls Grundbedingungen der thieriſchen Mannichfaltigkeit drey
Hauptpruppen des Thierreiches, mit je vier Klaſſen in aufſtei⸗
gender Reihe: Bauchthiere, wohin die Infuſorien, Polypen,
Radiaten, Mollusken; Gliederthiere, zu denen die Wuͤrmer,
Krebſe, Spinnen, Inſecten; Wirbelthiere, wohin die bekannten
vier Klaſſen gehören. Wie in dieſen drey Syſtemen die wir
bellofen Thiere in verfchiedener Nangordnung folgen, fo in allen
übrigen für natürlich ausgegebenen Spftemen. Daher kann
die Unterfuhung über die allmählihe Vervolfommnung in der
geologifhen Entwicklung des thierifhen Organismus keineswegs
von der Geologie und Paläontologie allein geführt werden, ſon—
dern muß nothwendig durch die fyftematifche Zoologie eine fichere
‚Grundlage erhalten.
Mir Eönnen nach wiederholter ſtrenger Prüfung aller natürlis
chen Spfteme des Thierreihes vom philofophifhen und naturs
biftorifchen Standpuncte aus nur dag zulegt erwähnte als ein
wirklich natürliches anerkennen, und ihm folgend fehen wir den
thierifchen Organismus in den geologifchen Perioden fich ebenfo
allmählich zeitlich vervollfommen, wie er in der lebenden Schöpfung
ſich ſtufenweiſe von den Infuſorien duch die Glieder- und
Mirbeithiere bis zum vollendeten Organismus des menfchlichen
Körpers vervollfommnet. Diefer Parellelismus in der geologi-
ſchen und begriffsmäßigen Entwicklung dürfte zugleich als Maps
ftab für den Werth der natürlichen Spfteine überhaupt betrach—
tet werden, wie denn auch einer unfrer erften Forſcher, Agaffiz,
(Agassiz rech. s. l. poissons fossiles, IV. p. X.), fteis
lich nicht ohne Anfechtung behauptet: ein richtig Elaffificirendes
Thierſyſtem muß zugleich ein genetifches, muß der Ausdrud des
fucceffiven Erfcheinens der Thiere auf dee Erdoberfläche feyn.
Bevor wir unfere Behauptung durch die Entdefungen der
Geologie und Paläontologie beweifen, bemerken wir noch, daß
wir unter der begriffsmäßigen Entwidlung dez thierifchen Organis—
mus fowohl diejenige verftehen, welche in den einzelnen Stufen
des natürlichen Syſtemes gegeben ift, als auch diejenige, welche
das embryonale Reben eines jeden Thieres umfaßt. Es läßt ſich
daher eigentlich ein doppelter Parallelismug in der gefammten
Entwidlung des Thieres nachweifen, mie ebenfalls Agaſſiz
für die Fiſche es bereits gethan und am Schluffe feiner ichthyo—
logifchen Unterfuchungen als eriwiefen annimmt, daß der Fiſchem⸗
600
bryo in feiner Entwidlung, die Klaffe der jegigen Fiſche in
ihren zahlreihen Familien und der Fifhtypus in feiner planeta=
riſchen Geſchichte in allen Beziehungen gleiche Phafen durchlau—
fen, durch welche hindurch man immer den naͤmlichen Schoͤ⸗
pfungsgedanfen verfolgt.
Der erfte Fortſchritt im Begriffe des thierifchen Organismus
ift der durch die Elemente oder die Außenwelt: bedingte. Er
äußert ſich natürlid nur in den Thiergruppen‘, welche fich über
die Grundbedingungen bereits erhoben und mit der Aufenwelt
in Kampf gerathen find. Ben den Bauchthieren Fann daher
noch £ein Unterfchied von Land-, Luft: und Waſſerbewohnern
geltend gemacht werden, fie find der Außenwelt nody nicht un—
terworfen, fondern typiſche Wafferbemohner, die noch mit der
Som fämpfen. Die Glieder» und Wirbelthiere dagegen be=
flimmen ihre Dignität nach den Elementen, indem ihre unvolls
Eommenfte Stufe das Wafferleben (Würmer, Fifche), die zweite
höhere eine das Waſſer- mit dem Land» und Luftleben vermits
telnde oder Durchgangsſtufe (Krebfe, Amphibien) darftellt und die
böchften Stufen das Luft und Landleben (jenes Inſecten,
Vögel; diefes Spinnen, Säugethiere) einnehmen. Diefe drey
wichtigften Momente im vollendeten Organismus müffen noth:
wendig auch in feiner geologifchen Geſchichte epochemachend her=
vortreten. In der That beftätigen denn auch die Petrefacten
drey große Perioden in der gefchichtlichen Entwicklung des Thier—
reiches. Die erſte derfelben ift die des Mafferlebens, Sie
beginnt mit den erften Anfängen der Drganifation und dauert
bis zur Ablagerung des Kupferfihiefergebirges. Die Thiere waͤh—
tend diefer Zeit waren Waſſerbewohner. Die zweite Periode
ift die vermittelnde oder Durchgangsperiode, in welcher allein
die Krebfe und Amphibien den Character der Thierwelt im Ver:
gleih zur erften und den folgenden Perioden beftimmen. In
ihre Dauer fällt die Ablagerung der Triasgebilde, des Sura=
und Kreidegebirgeds. In der dritten Periode herrfcht das Land»
und Luftleben, welche beide ſich nicht trennen laſſen. Die
Spinnen, Snfecten, Vögel und Säugethiere entfalten ihre Manz
nichfaltigfeit und vollenden die thierifche Entwidelung in ber
Zeit, fo daß mit Ablauf diefer dritten Periode, welche die ter—
tiären Straten und das Diluvium umfaßt, die geologifche Ge—
ſchichte der thierifhen Organismus abgefchloffen ift.
Menn die eben bezeichneten Perioden wirklich natürliche fern
ſollen, fo müffen. diefelden außer dem Fortſchritte zur Vollkom—
menheit auch die übrigen wefentlichen Momente im Begriffe des
thierifhen Organismus überhaupt enthalten. Diefe Momente
liegen einerfeits in dev Form und daher müffen in jeder Periode
irregulaͤre (Infuforien), reguläre (Polypen, Nadiaten) und ſym—
metrifche (die übrigen Klaffen) Thiere auftreten. Das andre
Moment gibt die Entwicklung der Drgane und ber dreifache
Typus, der Bauch, Glieder: und MWirbelthiere, beruht auf die=
fer, daher Repräfentanten diefer Haupttypen in jeder Periode
neben einander exiftiren müffen. Daß die fowohl nach der Form,
ald auch nach den Drganfpftemen verfchiedenen Xhiertypen in
eder Periode wirklich vepräfentiert waren, kann jegt Niemand
mehr in Zweifel ziehen. As Wirbelthiere Eennen wir in den
Formationen unterhalb des Kupferfchiefers die Ganoiden in
großer Anzahl, als Gliedeethiere die wafferbewohnenden Trilobi—
ten, als Bauchthiere die ungeheure Menge von Mollusken,
Radiaten uud Polypen. Die eben genannten Thiere vepräfen-
tieren zugleich den fyftematifchen und regulären Typus, wahrend’
der irreguläre erſt in dem einzigen Peridinium aus der fächfi:
ſchen Steinkohle erfannt worden if, Im Trias-, Jura- und
\
601
Kreibegebirge al3 der zweiten Periode angehörig find Ueberrefte
von Thieren derfelben Klaffen und ebenfo in den tertiären Stra—
ten neben zahlreichen andern entdeckt worden.
Ueber die Natürlichkeit der Perioden laͤßt ſich alfo wohl‘ fein
Zweifel mehr geltend machen und es frügt fih nur noch, ob
unfere Bezeichnungen, Periode des Wafferlebens, der Vermitt—
lung, des Land» und Luftlebens, genügend begründet find und
dadurch deren Nothwendigkeit und Fortfchritt nachgewieſen ift.
Sn den zur ‚erften Periode gehörigen Formationen find Ueber:
tefte von Land» und Luftthieren aufgefunden worden, wie die
Blattaflügel in den Steinfohlen bey Wettin und der Skorpion
derfelben Formation in Böhmen. Auch die Saurier des Kup:
ferfchiefergebirges waren Eeine ſtrengen Wafferbewohner. Den
Character der zweiten Periode verleugnen die Inſecten aus dem
Solenhofer Suta, der Vogel von Glarus und die Beutelthiere
von Stonesfield. Daß ſich aber diefe Thatſachen den ausge—
fprochenen Anfichten nit nur fügen, fondern fogar diefelben
noch zuverläffiger begründen, ift meiner Meinung nach ſehr leicht
zu begreifen. Sedermann weiß, daß der Character einer Fauna,
gleichviel ob der eines einzelnen Landes, eines MWelttheiles, einer
Zone oder einer geognoftifchen Formation oder eines in eine
geologifche Periode vereinigten Formationsſyſtemes nicht durch
die vereinzelten Geftalten größerer Ihiergruppen, fondern durch
die am zahlteichften und mannichfaltigften entwidelten Typen
beftimmt wird. Ebenfowenig als man daher die Charactere der
lebenden Fauna Europa's mit den wenigen bey Gibraltar woh—
nenden Affen oder die Fauna der diluvialen Straten mit den
wenigen Schildkroͤten- und Krofodillreften bezeichnen darf, wird
man auch die Infectenflügel den Steinfohlen und die Unterfiefer
von Stonesfield zur Characteriftit großer geologifcher Perioden
wählen koͤnnen. Andrerfeit® aber wird man zugeftehen, daß
die wafferbemohnenden Zrilobiten mit ihrem unbeftimmten Zah:
lengefege einen fchlechten Begriff vom Typus der Gliederthiere,
die Ganoiden von den MWirbelthieren und die Amphibien von
einem zweiten Stadium in der Entwidlung der Mirbelthiere
geben, Die Erfcheinung einiger Inſecten, Amphibien und
Säugethiere war daher nothwendig zur beffern Verwirklichung
der nur ſchlecht repräfentierten vollfommenen Typen der Glie—
derthiere und Mirbelthiere. Immerhin mag unfere Kenntniß
diefer vereinzelten Geftalten durdy neue Entdefungen um eine
beträchtliche Anzahl vermehrt werden, fie deuten auch dann noch
das gewaltige Streben der Isbendigen Ideen zur Erfcheinung
an, aber verändern den Character einer geologifchen Periode
nicht. Wenn fie dagegen in zahlreichen und mannichfaltigen
Ueberreften entdeckt würden und den Begriff einer ganzen Klaffe
füllten, dann müßten wir die Cinwürfe Bronns und andrer
Gegner der Fortfchritttheorie gelten laffen und unfere Anfichten
als im Miderfpruh mit den Tharfachen zuruͤcknehmen.
Nach diefen allgemeinen Bemerkungen über die allmähliche
Bervolllommnung der thierifchen Drganifation, die fich jedem
unbefangenen Palüontologen nothwendig von felbjt aufdrängen,
wollen wir noch etwas naher auf die gewonnenen Thatſachen
eingehen, um zu erfahren, worinn die ſich fteigende Vollkom—
menheit im Einzeln liegt.
Unfere erfte oder Periode des thierifchen MWafferlebeng umfaßt
die Alteften verfteinerungsführenden Straten bis zum Kupfer:
ſchiefer. Von den darinn erkannten Thierklaſſen übergehen wir
die Infuforien, da deren Unterfuhung fo eben erft angeregt
worden ift, ‚und treffen dann zunächft auf die Polypen. Die
zahlreichen, vorzüglich im Uebergangsfalke abgelagerten Geftalten
Iſis 1847, Heft 8,
= 602
gehören theils zu den Bryozoen, theild zu den Anthozoen und
tepräfentieren von diefen verfchiedene Typen. Von den Radia—
ten wird bey Weitem die größte Anzahl zu den gegenwärtig
fehr verdraͤngten geftielten Krinoideen gezählt und von den voll:
fommneren Typen der Echinodermen kennen wir nur vereinzelte
Geſtalten. Die Mollusfen treren zahlreich auf aus den Drdnuns
gen der Cormopoden, Bronchiopoden, Gaftropoden und Cephalopo=
den. Unter den Gliederthieren finden wir die Trilobiten und unten
den Wirbelthieren die Ganoiden nebft einigen Plakoiden. Vergleichen
wir alle diefe Formen mit dem Begriffe jeder Klaffe, die fie re-
präfentieren, fo find allein die Mollusken nicht blos in der Anzahl,
fondern audy in der Manncyfaltigkeit ihrem Klaffenbegriffe am
nächften gekommen. In ihrer Entwidlung fpricht fich aber
grade der Character der eriten Periode des thierifh.n Organis—
mus aus, die typiſchen Wafferbewohner find die Bauchthiere
und die vollfommenffen unter ihnen die Mollusten oder ſym—
metrifchen Bauchthiere, da fie noch nach der Form unterfchieden
werden koͤnnen. Man Eönnte diefe erfte Periode daher auch
Periode der Bauchthiere, Periode der Mollusten nennen. Eine
andere vollkommenere Repräfentation des thierifchen Organismus
auf der erfien Stufe feiner Entwidlung war nicht möglich,
denn wären Polypen und Radiaten überwiegend entwickelt gewe—
fen, fo wäre der Begriff überhaupt eim falfcher geworden, da in
beiden dag Formprincip noch nidyt überwunden iſt; oder wären
die Trilobiten und Ganoiden nicht erfchienen, fo hätten die we—
fentlihften Momente — des aͤußerlich und innerlich gegliederten —
thieriihen Organismus gefehlt.
Die Periode der Trias, des Jura- und [Kreidegebirges
ernährt zunächft als die unmittelbare Folge der erften Periode
auch diefelben Thierklaffen als diefe, daber finden wir wieder
die Snfuforien, Polnpen, Nadiaten und Mollusfen. Die lies
der= und Wirbelthiere aber, auf der zweiten Stufe ihrer Ent:
widlung angekommen, erfcheinen nicht mehr als waſſerbewoh—
nende Trilobiten, fondern als Würmer und wahre Krebfe, nicht
mehr als Ganoiden, fondern zugleich als Knochen- und Knor—
pelfifche und als Saurier. Es wird wohl Niemand in Zweifel
ziehen, daß die Krebfe des Bunten Sandfteines und des obern
Sura volllommnere Öliederthiere find als die Trilobiten, auch
daß fie eine bey Weitem größere Mannichfaltigkeit darbieten und
ſehr wohl eine vermittelnde oder Durchgangsftufe zu repräfen-
tieren geeignet find. In noch höherem Grade gilt daffelbe von
den Fifchen, Sauriern und Schildfröten der fecundären Forma—
tionen. Der Unterfchied diefer zweiten Periode von jener erften
liegt alſo hauptſaͤchlich darinn, daß zwey neue und näcft höhere
Thierklaffen aus den beiden vollendetern Typen, den Glieder -
und Mirbelthieren, auftreten und der thierifche Organismus
dadurch feiner Vollendung näher geführt wird. Aber nicht nur
in der Erfcheinung neuer Klaffen ſpricht fich der Fortfchritt aus,
auch in den bereits früher entwidelten läßt er fich nicht verken—
nen. Bon den Infuſorien begegneten wir bis jeßt erſt einem
Peridinium in der erſten Periode, im Jura dagegen liegen zahle
reiche Formen und in der Kreide werden fie noch mannichfalti—
ger und maffebildend. Die früher nur angedeuteten Typen bet
Polypen liegen im Jura- und Kreidegebirge ebenfalls durch
zahlreihere und mannichfaltigere Formen repräfentiert. Die
Radiaten verlieren den überwiegenden phntozeifchen Character,
indem bie geftielten Krinoideen fich vermindern, die Afteroiden
und Echinodeen in ungeheurer Verbreitung eine größere Man—
nichfaltigfeit darbieten. Die Mollusken trennen fich in zahls
reichere Familien, und vervollfommnen diefe, vorzüglich ift ihre
38:
603
höchfte Ordnung, die Gephalopoden, in ben Koraminiferen, dem
Nautiliten und Belemniten fichtli” auf eine vollfommenere
Stufe erheben. Die Fifhe endlich find nicht mehr blos bie
Mittelgeftalten der Ganoiden, fondern wahre Knorpelfifche ver=
mehren ſich und ächte Gräthenfifche erfcheinen zum erſten Male.
Pie im Allgemeinen fo im Einzeln liefern alfo die Petrefacten
der fecundäreh Formationen den unwiderleglichen Beweis, daß
der thierifche Drganismus in der Zeit ihrer Ablagerung voll:
kommener repraͤſentiert war, als vor derſelben.
Die dritte Periode oder die Petrefacten der tertiaͤren und
diluvialen Straten ſtellen außer den Klaſſen der zweiten Periode
noch die uͤbrigen zur Vervollſtaͤndigung des ganzen Syſtemes
fehlenden dar. Außer den Wuͤrmern und Krebſen ſind es unter
den Gliederthieren die Landbewohnenden Spinnen und die Luftbe—
wohnenden Inſecten, welche fruͤher weder in Familien noch in
Klaſſen, jetzt aber in der That begriffsmaͤßig repraͤſentiert ſind.
Unter den Wirbelthieren wird der Protornis von Glarus ploͤtz⸗
lich durch die ganze Klaſſe der Voͤgel verdraͤngt und die Unter—
kiefer von Stonesfield durch mehr denn 500 Saͤugethiere aller
Ordnungen. Es zeichnen ſich alfo die tertiiren Straten duch
zahlreiche Ueberrefte der vollfommenften Thiere vor allen frühern
Formationen aus, wogegen fic auch noch fein competenter Rich⸗
ter erklaͤrt hat. Wie verhält es ſich aber mit den Klaſſen der
vorigen Periode? dag Wafferleben hatte bereits im der erften
Meriode feine Vollendung erreicht und in der zweiten fahen wir
einzelne feiner Typen nad) einer groͤßern Mannichfaltigkeit fire:
ben und jest befchränft fich feine Umwandlung nur noch inner
halb der Familien und Gattungen. Neue Typen erfcheinen
nicht mehr, denn Die begriffsmäßigen waren bereits realifirt.
Anders verhält eg jich dagegen mit den ampbibiotifchen oder
Kiaffen der Vermittlung des Waſſer- und Landlebens, denn fie
erheben fich jest erft auf die zweite Stufe ihrer innern Ent:
widlung. Bey den Krebfen fällt es weniger in die Augen,
wiewohl die genaue Wergleihung ihrer Formen in beiden Perio—
den zu Öunften der lestern ausfällt, ben den Amphibien dages
gen fpricht fich der Fortſchritt entfchiedener aus. Ben der eriten
Betrachtung möchte freilich Mancher das Gegentheil behaupten,
wenn er die fihmweren landbewohnenden Dinofaurier und die
flatternden Pterodactplen verfihwinden und an deren Statt bie
weit unvollfommener organifivten Schlangen und Batrachier
auftreten fieht. Aber wie in der Durchgangsperiode ber Um:
phibientypus in den Dinofauriern und Pterodactylen über feinen
Begriff binauszugehen ftrebte, fo wurde er andrerfeits durch zahl-
reichere und mannichfaltigere Enaliofaurier und Labyrinthodonten
entehrt und diefe Ausihweifungen find Auswüchfe, welche in
der damaligen Aufern Stellung bedingt die eigene innere Ent⸗
wicklung nicht zur hoͤchſten Vollendung gelangen ließen. Der
wahre Begriff der Amphibien iſt, die Fiſche mit den Voͤgeln und
Saͤugethieren zu vermitteln und die vollendete Erſcheinung die—
ſes Begriffes liegt in dem Unterſchiede der nackten und be—
ſchuppten Amphibien, welche zugleich mit den Voͤgeln und
Säugethieren auf der Erdoberfläche erſcheinen.
Menn es fich hiernach nicht in Abrede ftellen läßt, daß in
den Formationsfoftemen der thierifhe Drganismus allmählich
vollfommener entmwidelt auftritt und in dem jüngften Syſteme,
den tertiären und Diluvialgebilden, bereits feine begriffsmäßige
hoͤchſte Vollendung erreicht hat: fo ſcheint ein Unterfchied zwi—
fehen der letzten geologifchen Periode und ber gegenwärtigen
Schöpfung im thierifhen Organismus nicht ausgefprohen zu
feyn. In der That wird man auch bey einem ftrengen Ber:
604 -
gleiche die Sauna der Gegenwart um Nichts, vor der Fauna
der Vorwelt bevorzugt finden. Seitdem vielmehr mit Ablage:
rung des Diluviums die geologifhe Entwidlung des Erdballs
ihre Vollendung erreicht hat, ſchloß ſich auch die zeitliche Ent—
wicklung der Drganifation und dieſe neue Periode der Ruhe
ift lediglich der geiftigen Gntwidlung des Menfchen beftimmt,
der nicht eher auftreten Eonnte. Die Natur mußte ihren Kampf
vollendet haben, als der durch Selbſtbewußtſein vor ihr ausges
zeichnete Geift feine Entwicklung beginnen Eonnte,
Ueber
den heutigen Zuſtand unſerer Kenntniſſe von
Weſtindiens Ornithologie,
von Dr. G. Hartlaub in Bremen.
Swainſon ſagt im erſten Bande feiner Natural History
and Classification of Birds: The birds of Westindia by
some strange fatality are as little Known now as they
were in the time of Sir Hans Sloane,. aud we have no
accounts whatever of the ornithology of that part of tro-
pical America. In ganz ähnlihem Sinne aͤußert fih D.
Stridland in feinem der British Association for the
advancement of science von 1844 vorgelegten „Bericht Über
die neueften Fortfchritte und den gegenwärtigen Zuftand der
Drnithologie” und es ift in der That nicht zu läugnen, daß
die Drnithologie der weftindifchen Inſeln in neuerer Zeit nicht
in dem Maafe ftudirt und gefördert wurde, als bey der Lage diefer
Inſeln, der Zugänglichkeit derfelben und deren ununterbrochenem
Verkehr mit allen überfeeifhen Handel treibenden Nationen
Europa’s der Fall feyn Fünnte. Mit Unrecht, wie ung fcheint,
hat ſich die Aufmerkfamfeit reifender Zoologen bis jest nur fels
ten dorthin gewandt, und man ift dafelbft noch nicht wie in
verfchiedenen Havenplägen Suͤd- und Nordamericad, in Sene—
gambien und Java, auf die Idee gefommen, das Sammlen
und Präpariren zoologifcher Gegenftände zum Erwerbszweige
zu machen. Es hält daher überaus ſchwer fich weftindifche
Naturalien zu verfchaffen. Wir felbft haben uns an verfchiedene
Bekannte auf Cuba und Domingo, deren Bereitwilligkeit der
Wiffenfchaft zu dienen wir nicht bezweifeln, wiederholt und unter
der Zufage hoher Preife mir der Bitte gewandt, Wogelhäute
von dorther zu fenden,. haben aber auf biefem Wege bisher
wenig oder nichts erhalten, und zwar, wie uns aus Wortzau-
Prince ‚und Matanzas gefchrieben wird, weil eg dort gänzlich
an Leuten fehle, welche fich auf das Zubereiten derfelben ver—
ftänden. Nur über die Vögel Cuba’s liegt ung eine dem heuti=
gen Standpunct der Wiffenfchaft angemeffene Arbeit vor, und
binfichtlich der Tobago's ift mit einer folchen der Anfang
gemacht. Das Wenige aber, was wir von der Zoologie der
übrigen weftindifchen Inſeln wiffen, beruht zum Theil auf den
Nachrichten Älterer Neifefchriftftelleer, als Dviedo, Laet,
Keuillee, Du Tertre, Rohefort, Sloane, Bromne,
einer ziemlich unlauteren oder doch für die jegigen Anſprüche
der Wiffenfchaft kaum nutzbar zu machenden Quelle, zum Theil
auf den zwar fragmentarifchen aber fehr brauchbaren Mittheis
lungen Briffon’s, Catesby’s und Vieillot's, zum, Theil
‚endlich, und dies ift nicht unwichtig, auf vereinzelten Angaben in
Mufeumscatalogen und neueren Reifebefchreibungen. Unter dies
fen Umftänden dürfte e8 wohl an der Zeit feyn, das ſolcherge—
605 5
ſtalt zerftreute Material zu fammeln, daffelbe einer critifhen
Sichtung zu unterwerfen und demnach den Ihatbeftand unferer
Kenntniß von Weſtindien's Drnithelogie feftzuftellen. Jede
größere dieſer mittelamericanifhen Inſeln ſcheint neben einer
überwiegenden Menge nord = oder füdamericanifcher gewiſſe ihr
zum Theil 'ausfchließlich angehörige zum Theil au) über eine
oder mehrere der übrigen Inſeln verbreitete Arten zu befigen,
und wir Fennen bereit3 120 folder im engeren Sinne als
weftindifh zu bezeichnender Vögel. Ungemein gering erfcheint
neben dieſer nicht unbedeutenden Anzahl eigenthuͤmlicher Arten
der Beftand ausſchließlich weftindifcher Gattungen, deren wir,
einiger weniger zuläffigen und weniger allgemein anerkannten
(Dulus, Rhamphoeinelus, Priotelus) nit zu gedenfen, nur
zwey namhaft zu machen haben, naͤmlich Todus und Sauro-
thera. Die erfte diefer Gattungen, hinfichrlic ihrer ſyſtemati—
fhen Stellung vielfach verfannt und angefochten, von Guvier
zu den Eisvögeln gebracht (er rangiert diefelbe zwifchen Ceyx
und Buceros und vereinigt in fie den Achten Todus viridis
und "einen africanifchen Eisvogel, Alcedo caerulea Kuhl,
Buffon’s Todier de Juida!j, von Swainfon mit großem
Aufwande geiftreicher aber einfeitig befangener Argumentation
zu den Mufeicapiden verwiefen und mit der dahin gehörigen
füdamericanifhen Gattung Todirostrum. zufammengeworfen,
von Gray endlich richtiger neben Eurystomus, Eurylaimus,
Prionites aufgeführt und zur Bildung einer eigenen Unter:
familie geeignet befunden, ſcheint über die Mehrzahl der weſtindi—
fhen Inſeln verbreitet und zählt bis jeßt drey Arten, überaus
ſchoͤne und zierlihe Eleine Vögel von ziemlich gleichartiger Faͤr—
bung. Bey Leffons Todus mexicanus beruht die
Angabe des Waterlandes höchft wahrſcheinlich auf einem Irr—
thum; die Berliner Sammlung, reiher an mericanifhen Vögeln
wie alle übrigen zufammen, hat nie eine Todus-Art von dorther
erhalten, und derartige Unrichtigkeiten find zudem bey Leffon
nichts außerordentliches! fein Psittacus anrifrons' von Neu:
ſeeland“ erweiſt fib nah v. Tſchudi als peruanifh, und
feine „ceyloniſche“ Todopleura pipra- ffammt von Gujana.
Schon auf Trinidad fcheint feine Achte Todus-Art mehr vorzu:
Eommen. Ueber die Lebensweiſe diefer fo ifolirt ftehenden Gut:
tung mangelt e3 leider noch immer an ausführlichen Nachrichten.
Die zweite der oben als ausfchließlich weſtindiſch aufgeführten
Gattungen, Saurothera Pieill., begreift zwey fehr eigens
thümliche Vögel aus der Familie der Kufufe und ift, fo fcheint
e3, auf Cuba, Domingo und Jamaica befchränft. Auf dem
Feftlande America's wird diefe Gattung durch die nahe ver:
wandte Form der ebenfalls Tangichnäbligen Laufkukuke,
(Geoeoceyx Wagl.) vertreten, welche die Weſtkuͤſte jenes Conti—
ments von Galifernien bis Guatemala bewohnt.
Neben diefen beiden characteriftiichen Sormen begegnen wir in
der Drnithologie Meftindieng einer Eleinen Anzahl von Gattun—
gen, welche ein durchaus nordamericanifches Gepräge verrathen,
nehmlich Mniotilta, Sylvicola, Vireo, Seiurus, Bombyeilla
und Grus, dann aber einer ungleich größeren rein füdamericani-
f&her, a3 Morphnus, Certhiola, Rhamphopis, Trogon,
(zwey Arten), Spermophila, Ptilogonys, Tachyphonus, Salta-
tor, Aglaja, Euphone, Pipra, Pitylus, Platyrhynchus,
Psittacara, Pionus, Nyetibius, Steatornis, Coereba, Rham-
phocaenus, Galbula, Rhamphastos, Prionites, Dacnis,
Casmarhynchus, Dendrocolaptes, Crotophaga, Campylopte-
rus, Tamatia, Parra, Podoa ete. In der geographifchen
Lage, dem tropifchen Clima der weftindifchen Inſeln findet diefes
606
Verhaͤltniß feine Erklärung; es erfcheinet jedoch noch weniger
auffallend dur) den Umftand, daß etwa ein Drittel der genann—
ten Gattungen nur auf Trinidad, der dem füdamericanifchen
Feſtlande zunächft gelegenen größeren Inſel, angetroffen wird. —
Von folhen Arten, welche dur ſehr allgemeine Verbreitung,
Anzahl der Individuen oder befonderz characteriftifche Geftalt und
Färbung einen hervorftechenden Zug in der an Säugetbieren fo
armen Xhierwelt MWeftindiens abgeben, verdienen unter andern
hervorgehoben zu werden: die 3 Crotophaga-Xrten, major,
ani und rugirostra Sw., 5 Todus-Arten, Certhiola flaveola,
(Certhia martinicana, bahamensis und bartolemica der
älteren Autoren) eine Über ganz MWeftindien verbreitete, von
v. Tſchudi noch in Peru gefundene Art, 7—8 Taubenarten,
wovon die Chamaepelia passerina auf allen Inſeln lebt, und
felbft den entlegenen Bermudas nicht fehlt, Ibis rubra und
alba, Sula fusea und Pelecanus' fuscus, Anous stolidus
und Phoenicopterus ruber. &egterer ſcheint in Weſtindien
den Mittelpunct feiner Verbreitung, feine eigenfliche Heimath zu
haben. Er gelangt dort zu einer außerordentlichen Größe, "die
biefige Sammlung befigt ein Eremplar von Matanzas, welches
von der Schnabelfpige bis zum Scwanzende 544" Parifer
Maak mißt.
Mir beginnen unfere ornithologifhe Revuͤe ber meftindifchen
Inſeln mit Cuba, als der dem Flächeninhalt nach bedeutend-
ften, zoologifh am beften befannten und Nordamerica zunächft
gelegenen derfelben. Die erfte zufammenhängende Nachricht von
den Vögeln Cuba’s verdanken wir Vigors, mwelder im dritten
Bande des Zoological Journ. 45 von Ma c=Leay dort geſam—
melte Arten anfzählt, und darumter mehrere neue befchreibt.
Shen früher waren einzelne Vögel von dorther durch Tem—
mind in den Planches coloriees abgebildet, nehmlich Strix
furcata, Picus percussus und supereiliaris, Corvus nasicus,
(jamaicensis auct. ), Trogon temnurus und Turdus rubri-
pes, welche Iegtere Art wohl zmweifels ohne mit der von Ca—
tesby auf den Babamainfeln Andros und Ilathera beobachteten
und auf pl. 30. feines Werkes abgebildeten Droffel zu identi—
fieiren ift, Zrisson’s Merula americana einerea von Domingo
(Turdus plumbeus Gm.) ift eine nabe verwandte aber beffimmt
verfchiedene Art, auf welhe man die genannte Figur Gates:
by’s irethümlich bezogen hat. Wir begegnen in diefem Verzeich—
niß der Mac-Leayiſchen Vögel au) dem Todus viridis,
der jedoch nicht felbft auf Cuba vorfommt. Wohl aber finder
fih dort eine nahe verwandte noch buntere Art, nehmlih T.
multicolor Gould, fpäter von Zeffon in den Annales des
Sciences naturelles als T. portoricensis befchrieben.
Sm Sabre 1835 erfchien die „Erſte Reiſe nach Nordamerica
von Carl Wilhelm Herzog v. Würtenberg, umd auf
p- 73. diefes Werks finden wir ein Verzeichniß von 78 Arten
von Vögeln, welche derfelbe auf Cuba beobachtete und fammelte,
Diefes Verzeichniß ift, wenngleich die Beftimmungen zum Theil
fehr mangelhaft erfcheinen und feine hinlaͤngliche Kenntniß der
befannten Arten verrathen, von großer Wichtigkeit, weil eg ver—
fehiedene Vögel nahmhaft macht, welche in Ramon de Sagra’s
Hauptwerfe fehlen. Als ſolche heben mir hervor: Tyrannus
sulphuraceus Herzog Paul, Turdus jamaieensis, Bomby-
eilla americana, Trochilus gramineus, Ibis alba, Himanto-
pus nigricollis, Grus americana, Plotus anhinga, Procella-
ria Wilsonü; einige andere Namen wiederholen wir dagegen
bier nicht, weil ihnen offenbar eine falfche Beſtimmung zum
Grunde liegt. Schen in diefem Werke wird die auf Cuba
607
lebende Saurothera-rt, von den Einwohnern Arriero genannt,
fehr beſtimmt von der Saurothera vetula Domingo’s und Ja—
maica’s unterfchieden, jedoch noch nicht miffenfchaftlid benannt.
Gine von ihm für neu gehaltene Trogon-Art führt der Herzog
als T. silens auf, obgleich diefelbe mehrere Jahre früher von
Temmind unter der Benennung T. temnurus abgebil—
det wurde. Die Muscicapa flaveola Herz. Paul, ift nur
dag Weibchen der M. ruticilla. Was den Werth diefes Ver:
zeichniffes noch erhöht, find Nachrichten Über die Lebensweife
einzelner Arten, 3. ®. des Trogon und des Arriero. Vier
Sabre fpäter endlich erfchien zugleich die in fpanifcher und fran—
zoͤſiſcher Sprahe Ramon de la Sagra's wichtiges Werk:
Histoire physique, politique et naturelle de T’ile de Cuba,
und darinn eine reichhaltigere von dOrbigny bearbeitete Orni—
thologie dieſer Inſel. Die 129 von de la Sagra gefammel-
ten Vogelarten, deren Namen wir hier um fo weniger zu tie
derhofen brauchen, als diefelben in einem früheren Jahrgange
diefer Zeitſchrift vollftändig mitgetheilt find (Iis 1845. p. 201),
werden binfihtlih ihrer geographifchen Verbreitung von d'Or—
bigny unter folgende 6 Abtheilungen gebracht: 1) 14 Arten,
die zugleih Cuba und Südamerica bewohnen; 2) 49 Arten,
welche im September und Dctober aus Nordamerica ankommen,
in Guba überwintern und im Fruͤhlinge wieder zurückkehren ;
3) 26 Arten, die zugleich) in beiden Hälften des americanifchen
Feſtlandes leben; davon find 15 Stand» und 11 Zugvogel,
welche leßtere im März von Norden her nach Cuba kommen
und fih von da weiter nach Süden begeben; 4) 8 Arten,
welche in der nördlichen Hälfte der alten und neuen Melt
zugleich vorfommen; 5) 5 Arten, die beiden Hälften Europas und
America's gemeinfchaftli eigen find, und 6) 27 ausfchließlich
weftindifhe Arten; nebmlih: Nisus fringilloides, Otus
siguapa, Noctua sigu, Turdus rubripes, Tyrannus magni-
rostris, caudifaseiatus und matutinus, Muscipeta caribaea,
Passerina olivacea, Linaria caniceps, Ieterus humeralis,
Xanthornus dominicensis, Quiscalus atroviolaceus, Corvus
jamaicensis, Trochilus Ricordi, Todus multicolor, Pieus
pereussus, superciliaris und Fernandinae, Saurothera
Merlini, Psittacus leucocephalus, Trogon temnurus, Co-
lumba leucocephala, portoricensis, inornata, cyanocephala
und zenaida. Alle diefe Zahlenangaben haben als auf unvoll:
ftändigem Materialbeftande beruhend, nur relativen Werth, genuͤ—
gen jedoh um das Verhältniß der Drnithologie Cuba's zu der
Mord- und Suͤdamerica's characteriftifh herauszuftellen. . Das
oben reproducierte d'Orbigny iſche Verzeichniß der den Antillen
eigentbümlichen Arten läßt mehrfache Berichtigungen zu. Noch
drey der von de la Sagra auf Cuba gefammelten Voͤgel
glauben mir für ausſchließlich weſtindiſch erklären zu dürfen,
nehmlich Seiurus sulfurescens, Pyrrhula nigra und Tanagra
zena. Letztere Art wurde, wohl ierthümlich, von d’ Orbigny
für identifh mit Leſſom's brafilinnifcher (2?) Tanagra Pretrei,
Cent. zool. pl. 45. gehalten, wogegen jedoh Leſſon in ber
Revue zoologique von 1839 begründete Einwendungen bekannt
madt. Sollte fich aber dennoch die Tanagra Petrei als das
Meibchen der T. zena (L.) Vig. (Cates bys Fringilla baha-
mensis) erweifen, fo wuͤrde die vereinzelte Angabe Leſſon's
gewiß nicht genügen, das habitat diefes Vogels auf Brafilien
auszudehnen. Die Pyrrhula nigra (auct.) Vieill. (Gates:
by’3 Rubicilla minor nigra) koͤmmt, obgleih von Briffom
mexicana genannt, ſehr wahrfcheinlich in Merico nicht vor; es
gefchieht wenigftens in feinem fpäteren Verzeichniß dortiger
608
Thiere bdiefer Art Erwähnung und die Sammlungen bejigen
diefelben nur von MWeftindien. Dagegen hat Audubon drey
der von d'Orbigny als nur den Antillen angehörig genannten
Taubenarten im Sommer auf den Florida Keys angetroffen,
nehmlich Columba zenaida, leucocephala und Starnoenas
eyanocephala. Somit bliebe die Zahl 27 diefelbe. Rechnet
man dazu noch einige wenige einzeln befanntgemachte Vögel von
Guba, nehmlich ein fehr ſchöne Carduelis-Art, von Servais
unter dem Namen Fringilla Cubae in Guerin’s Magazin de
Zoolog. abgebildet und befchrieben, dann Rhamphopsis flammige-
rns Jard. und Selb. (R. Passerini Bonap.), ferner die vom
Herzog Paul auf Cuba erlegte Turdus jamaicensis und
Tyrannus sulphuraceus (fall8 erfterer richtig beftimmt und
leßterer wirklich eine neue Art!) und endlich eine ung von Ma-
tanzag zugefommene fehr Eleine Carho-Art, leider im ſchlech—
teften Zuftande der Erhaltung und defiwegen zur genauen Be—
flimmung nicht ‚geeignet; fo laßt ficb die Geſammtzahl der
antilliſchen Vögel Cuba’s auf etwa 32 bringen, von welchen,
foviel befannt, 17 nicht über die Inſel hinaus verbreitet find,
Für die Bahamainfeln bleibt Catesby unfere Haupt:
quelle. Fıft alle dort angetroffenen Vögel kommen auch auf
Cuba vor, die Mehrzahl derfelben ift über alle Antillen verbreis
tet. Haematopus palliatus fcheint eine Ausnahme zu machen ;
er bewohnt die Bahamas, wird aber für feine der größeren
weftindifhen Inſeln erwähnt. Es ift mehr als wahrfcheinlich,
daß die beiden von Swainfon unter den Namen Prionites
bahamensis und Trogon bahamensis befchriebenen Vögel gar
nicht auf den Bahamainfeln leben. Der erftere, von welchem
wir in dem wenig befannt gewordenen 4. Bande von Sardine
und Selby's Illustrations of Ornithology eine gute Akbil=
dung erhalten haben, ift von Kirk aus Tobago eingefandt,
und von dorther oder von Zrinidad dürfte auch der Trogon
ffammen. Catesby will aud) die Sialia Wilsoni auf den
Bahamas angetroffen haben, eine Acht nordamericanifche Art,
welche zwar den übrigen meftindiichen Inſeln fehlt, deren conti—
nentalee Verbreitungsbezirk jedoch bis Guatemala hinunter
reiht, von woher die hiefige Sammlung Exemplare erhielt.
Die Loxia violacea L. (Catesb. pl. 40, jegt der Gattung
Guiraca Sw. beizuzäblen.) haben die Bahamas mit Jamaica
gemein, Carduelis (?) bicolor auet. mit Domingo, St. Tho:
mas und einigen anderen der Antillen.
Dviedo ift wohl der erfte, welcher Vögel von St. Do—
mingo befchrieben hat. Aber aus feinen Befchreibungen ift
wenig zu machen, und unfere Befanntfchaft mit der Ornitholo—
aie diefee großen Inſel beruht hauptfachlich auf den Angaben
Briffon’s und Vieillot's. Erfterer befchreibt eine beträchtliche
Anzahl von Chervain in dag Neaumurfhe Mufeum aus
Domingo eingefandter Wögel, und zwar mit der diefem Schrift:
fteller unter den Alteren Autoren eigenthümlichen Ausführlichkeit
und Genauigkeit. Letzterer hielt ſich einige Zeit auf jener Inſel
auf, beobachtete und fammelte dort zu nicht geringem Nutzen
der MWiffenfchaft, und legte dann die Nefultate feiner Forſchun—
gen in den beiben Foliobänden feiner Histoire naturelle des
oiseaux de l’Amerique septentrionale nieder. Im neuerer
Zeit wurde die Snfel vom Herzog von Würtenberg und
von dem Botaniker C. Nitter in Wien für naturbiftorifche
Zwecke bereift. Mur legterer veröffentlichte die Früchte feiner
Reife in einem Werke, welches den Zitel führt: Naturhiftorifche
Reiſe nach der weftindifchen Inſel Haiti. Die Botanik fcheint
aber dem genannten Reifenden nur wenig Zeit zu ornithologifchen
609
‚ Beobachtungen übrig gelaffen zu haben. Wir erfahren einiges
‚und eben nicht Neues über die Lebensmeife von Trochilus
niger und gramineus, und der „zoologiſche Anahng’' enthält
ein mageres und leider, höchit uncritifches Namenverzeichniß von
etwa 78 Arten dort gefammelter Vögel. In diefem Gataloge
figueiren unter andern als dominicanijhe Vögel Parus coeru-
leus uud Pelecanus onocrotalus, was für die anderweitigen
Beltimmungen Eein großes Vertrauen beanfprucht. Das obenge=
nannte Neifewerk des Herzogs von Würtenberg enthält
nur. vereinzelte auf die Drnithologie Domingo’s bezüglihe No—
tigen. Leſſon's Traité d’Ornithologie, gemwiffermafen ein
Catalog des Parifer Mufeums, in Bezug auf andere weſtindi—
ſche Infeln von großer Bedeutung, bezeichnet nur.fehr wenige
der dort confervirten Arten ald von Domingo ftammend. Nach
den hier angeführten fpäclihen Quellen, wozu noch eine geringe
Anzahl vereinzelter in verfchiedenen zoologiſchen Zeitfchriften zu
fuchender Angaben kommt, fcheint fidy für die Drnithologie dies
fer Inſel etiwa folgendes zu ergeben. Die Anzahl nordamericaz
nifcher alfo wahrſcheinlich zum großen Theil nur temporär dort
vorfommender Arten ift noch ziemlich groß, aber doc weit ge:
tinger als auf Cuba, denn fie erreicht noch lange nicht die
Hälfte der von dorther bekannten Vögel. Von diefen heben
wir als auf Cuba fehlend die auch auf Jamaica anzutreffende
Gattung Moiotilta hervor. Dagegen hat die Anzahl der den
füdamericanifchen Typus verrathenden Arten zugenommen, und
wir begegnen bier unter andern zuerft den Öattungen Euphone
und Certhiola. Merkwürdig wäre 88, wenn die in Ritz
ters Lifte aufgefühtte Muscicapa eoronata (Azara’s Chur-
rinche) wirflid auf Domingo lebte. Aber bis auf anderweitige
Beftätigung bezweifeln wir dies. Von eigentlich weftindifchen
Voͤgeln gehören folgende, ſowiel befannt, der Inſel Domingo
an: Nisus striatus WVieill. (N. Malfıni Less.), Psittacus
dominicensis, Todus subulatus Gould in Mus. Soc. Zool.
Londin., Turdus plumbeus, Picus striatus, Formicarius
brachyurus (Vieill) Gray, wohl auch auf Martinique, von
Lafrenaye zur Gettung Rhamphoeinelus erhoben, Dulus
dominieus (auet. Vieill., Corvus erythrophthalmus und
palmaruın, beide vom Herzog Paul zuerft benannt und beo=
bachtet, letzterer im Libaogebirge des fpanifchen Antheits der Inſel,
faum fo groß wie eine Dohle, ſchwarzbraun, erfterer vielleicht
identifh mit Corvus americanus Pr. Wied und Audub.,
Ornismya mimima, leterus flavigaster Vieill., Hirundo
nigra und dominicensis, Columba annulata Temm., Ibis
erythrorhyncha Gould und Charadrius Brissonii Wagl.
(armatus dominic. Br.). Dagegen bat die Infel mit andern
Antillen gemeinfam: Todus viridis mit Jamaica, Martinique
und Goundeloupe, Saurothera vetula mit Jamaica, Coceyzus
dominicus mit Cuba (nah Herzog Paul beftimmt verſchie—
den von americanus), Turdus fuseatus mit Portorico, Turdus
hispaniolensis mit Jamaica, Carduelis bicolor mit den Baha-
mas und St. Thomas, Pieus portoricensis mit Portorico,
Euphone musica mit Martinique und Trinidad, Guiraca vio-
lacea mit Jamaica und den Bahamas, Spermophila noctis
auet. (Loxia haitii Ricord,?) mit Martinique und Guade—
loupe, Tyrannula albicapilla und altiloqua fo wie Sylvicola
griseicollis mit Portorico, S. pumilia mit Jamaica, Columba
earibaea mit Portorico, C. portorieensis mit Cuba und Por:
torico, ufw. Bon den 5 Colibriarten Domingo's (Cuba zählt
deren nur zwey, höchfteng dren) kennt man T. holosericeus
aud) noch von Portorico, Barbados und Martinique, St. Thomas
Iſis 1847. Heft, 8, 5
— —
—— —
610
und Guadeloupe, gramineus von Trinidad und Cuba —2
aurulentus von Portorico, mellisugus von Trinidad. — Der
mweitverbreitete Cathartes aura lebt auf verfchiedenen weſtindi⸗
ſchen Inſeln; wir kennen ihn von Cuba, Domingo und St.
Nevis; die ebenfalls beiden Hälften America's angchörige Athene
eunicularia nur von Domingo und St. Nevis. Von ädt
füdamericanifhen Arten leben auf Domingo unter andern beide
Crotophaga- Arten, ani und major, Parra jacana, Picus
passerinus, Falco. nudicollis (Ibyeter aquilinus) nad Rit—
ter (?), Agelajus guirahuro, Quiscalus sericeus Licht ,
Conurus gujanensis.
Samnaica.
Unfere Kenntniß der Vögel Jamaica's bat feit Sir Hans
Sloane Eeine Fortfihritte gemacht. Won den 82 Arten,
toelche derfelbe in feinem befannten Werke aufführt, figuriren viele
in unferen Syſtemen al$ rein nominell; denn fie find entweder
nicht wieder aufgefunden, oder die ungenügcaden Befchreibungen
Sloane's laffen die zum Grunde liegenden Arten nicht mit
Eicherheit erkennen. Sloane vertheidigt die Vögel Samaica’s
gegen ben den tropifchen Voͤgeln lim Allgemeinen gemachten
Vorwurf des unharmonifhen Gefanges; wir entfinnen uns in
einer, neueren englifchen Neifebefchreibung von dem wundervollen
felbft von unferer Nachtigall nicht völlig erreichten Gefange
eines Vogels auf Martinique gelefen zu haben. In neuefter
Zeit feinen bedeutende ornithologiihe Sammlungen von Ja—
maica aus nach England gelangt zu feyn; wenigfteng find dem
hiefigen Muſed über Hamburg eine Partie Wogelbälge von dorther
zugefommen, und Lafresnane bat gleichzeitig in der Revue
zoologique mehrere für ihn neue in der That aber zum Theil
allbefannte Arten von Jamaica befchrieben. Allem” Anfchein
nach befigt diefe Infel eine reiche und eigenthümliche Vogelfauna
mit vorherfchend füdamericanifhem Character. Mir nennen als
nur von dorther ftammend: Tanagra nigricephala James.
(Spindalis bilineatus Jard. Selb. Illustr. IV.) eine ſehr
fhöne Art, auf Cuba und Domingo durch die ähnlic) gefärbte
aber viel Fleinere Tanagra zena vertreten; Myiadestes armilla-
tus (Vieill.) Sw., vielleiht auh auf Martinique, jegt von
Gray zu der füdamericanifchen Gattung Ptilogonys gezogen,
deren 5. Art er abgeben würde; Tachyphonus ruficollis (Gm.)n.
von Lafresnaye ald neu befchrieben unter dem Namen T. rufizu-
laris, wahrſcheinlich identifch mit Fringilla martinicensis LtA.;
Picus jamaicensis und radiolatus (leßterer nah Herzog
Paul aud auf Cuba); Quiscalus erassirostris Sw.; Pachy-
rhynchus aterrimus Lafr.; Pionus vinaeeicollis Lafr.;
Coccyzus pluvialis auet. cine prachtvolle Kukufart, von
Lafresnaye unter der Benennung Piaja cinnamomeiventris
als neu befchrieben; Cinelocerthia ruficauda Gould; Psitta-
cara nana Vig.; Icterus leucopteryx und bananae, meld)
legterer auch auf Martinique vorkommen foll; Nyetibius ja-
maicensis; Columbigallina versicolor Lafr.; Columba leu-
coptera; dann 6 zum Theil fehr fehöne Golibriarten, Campy-
lopterus ensipennis, Trochilus mango, Ornismya cephal-
atra, Kingii, furcata und Floresii Boure. Andere weftindi:
fhe Arten haben wir ſchon als Jamaica mit Domingo gemein-
ſchaftlich angehoͤrend kennen gelernt. Die Zahl der nordameri—
canifhen Vögel, melde die Inſel bewohnen, ſcheint nur £lein
zu feyn: es gehören dahin der meitverbreitete Alcedo aleyon,
Sitta earolinensis, Hiaticula vocifera (auch auf Cuba, Do:
mingo, St. Nevis ufw.) Podilymbus carolinensis, Anas
39
.611 i — —
americana und einige andere; Platalea ajaja ſcheint über alle
arößeren Antillen verbreitet zu feyn. Sn Gray's „Calalogue
of the speeimens of birds in the collection of the Bri-
tish Museum‘: findet man noch als von Jamaica herffammend
erwähnt: Sula rubripes Gould (piscatrix auet.), außer ben
gewöhnlichen weftindifchen Zaubenarten die Columba gym-
nophthalmos ; ferner Gallinula galeata Licht.; 4 Entenarten
Dendrocygna arborea, Erismatura dominica, Querquedula
discors und Dafila acuta, mit Ausnahme der lesteren auch
auf Domingo und Cuba. Nach d'Orbigny wird leßtere Infel
von 9 Reiherarten bewohnt; wir Fennen deren nur 7 von Do—
mingo und nur 3 oder 4 von Jamaica,
Portortico Mauge bat auf diefer Inſel fleißig geſam—
melt, und das Verzeichniß der von ihm herftammenden Vögel
des Pariſer Mufums in Leffons Traite d’Ornithologie
bildet nebft Wieillot’s Histoire naturelle des oiseaux de
V’Am£rique septentrionale faft das ganze unferer Kenntnig
der dortigen Vogelfauna zum Grunde liegende Material. In
letzterem Werke wird Portorico für folgende Arten als Ba:
terland angegeben: Turdus fuscatus, Sylvicola pensilis, gri-
seicollis und törquata; Picus portoricensis; Trochilus
viridis, holosericeus, aurulentus und Maugei. Leſſon
hingegen macht an 40 von Mauge dort gefammelter Arten
namhaft, und darnach möchte ſich etwa folgendes ergeben.
Die Zahl der der Inſel ausfchlieglich angebörigen Arten fcheint
gering zu ſeyn; fie befchränft fi auf Noctua nudipes Daud.,
Scops portoricensis, Pitylus portoricensis Daud. (Pyrthula
aurantieollis Vieill.) und Trochilus Maugei; andere fcheint
fie mit Domingo und Cuba gemein zu haben, als Turdus
plumbeus, die oben genannten Arten Vieillot's, Todus por-
toricensis Less. (mit Cuba), Hirundo dominicensis, Eu-
phone musica, Sylvicola altiloqua. ine nicht unbedeutende
Unzahl von Arten Eommen aber, dem Leſſonſchen Verzeichniß
nac zu urtheilen, der Inſel von Mordamerica aus zu und
darunter mehrere, die wir weder als auf Cuba noch Domingo
angetroffen kennen, z. B. Picus carolinus, Lanius tyrannus;
andere 3.8. Sylvia trichas, Columha carolinensis, Seiurus
aurocapillus, Setophaga ruticilla, Anas americana genießen
eine weitere weftindifhe Werbreitung. Der füdamericanifche
Coecyzus minor Gm. in Meftindien auf Portorico und nad)
Ritter auch auf Domingo vorfommend, ift von Aububon
fogar auf den Florida Keys angetroffen. Die Columba cari-
baea (C. lamprauchen Wagl.) ift foviel ung befannt bis jest
als auf Portorico befchränft zu betrachten. Im Allgemeinen
offenbart fich eine große Webereinftimmung der Drnithologie die—
fer Inſel mit der St. Domingo’s.
Von den Vögeln der unfern Portorico gelegenen Inſel
St. Thomas weiß man fehr wenig, Feuillee’s Journal
des observations physiques ete. enthält einiges auf die Zoolo:
gie diefer Inſel bezügliche. Leſſon bezeichnet als von da her:
ftammend Falco sparverius, Passerina bieolor Vieill., Co-
lumba violacea, Ardea ludoviciana, Trochilus holosericeus
und Dendrocygna arborea. Ganz fürzlih hat Dr. Puche—
ran in der Revue zoologique nachgemwiefen, daß Leſſom's
Dieaeum aterrimum von bort herſtamme, und nichts
anteres ſey als eine (allerdings fehr merkwürdige!) Warietät
der Certhiola flaveola.
Grays ſchon ermähntes Verzeichniß der im brittifhen Mus
feum aufbewahrten Vögel, leider bis jegt nur die Rapaces,
612°
Gallinae, Grallae'und Anseres umfaffend, enthält einige Arten,
als deren Baterland die Eleine Inſel Nevis genannt wird,
nehmlich folgende: Buteo borealis (Falco jamaieensis Gm.),
Falco anatum Bonap., Athene cunieularia, Hiaticula voci-
fera, Nyecticorax: violaceus, Gallinagoe Wilsoni, alles nord-
americanifche Vogel. Anderweitige Nachrichten über die Zoologie
diefer weftindifchen Inſel kennen wir nicht.
Guadeloupe. Es ift fehr zu bedauern, baß der ausge—
zeichnete Naturforfher LHerminier, welcher längere Zeit
als Arzt auf Guadeloupe lebte, durch einen vorzeitigen Tod
daran verhindert wurde, feinen Plan, eine Fauna jener Inſel
auszuarbeiten, zur Ausführung zu bringen. Nach Allem, was
wir von der Drnithologie Guadeloupe’g wiffen, ſcheint fich der
nordamericanifche Character dort nur in fehr geringem Grade
noch geltend zu machen. Dagegen lernen wir aus Lafresnaye's
und Leſſon's Beſchreibungen von F!Herminier über:
fandter Exemplare manche eigenthümliche Art Eennen, nehmlich:
Rhamphoeinclus (Formicarius Gray) tremulus Lafr.
(die Grive trembleuse der Einwohner), Seiurus herminieri
und jguadeloupensis Less., Saltator guadeloupensis Lafr.,
Turdus montanus und herminieri Lafr., Procellaria diabo-
lica Hermin. (Diablotin der Ginwohner). Eine dritte Droffel-
art, Turdus densirostris Vieill. (Grive corossol auf Gua—
deloupe) wird auch in Martinique gefunden. Die einzige auf
Guadeloupe vorkommende Spechtart, Picus herminieri Less.
ift von düfterer fehr eigenthümlicher Färbung, und das Exem—
plar des Parifer Mufeum’s (wir Eennen fein zweytes) trägt bie
iverhümliche Waterlandsbezeihnung „Il’Amerique du nord.“
Aus einer vortrefflichen zootomifchen Arbeit Herminiers in
den Annales des sciences naturelles erfieht man, daß der
fhon erwähnte Pitylus portorieensis auch auf Guadeloure
lebt; ebenfo Certhiola flaveola und Falco sparverius. Auch
Coceyzus minor (Portorico, Domingo) koͤmmt dort vor; da=
gegen werden auffallender Weife nur eine oder zwey Golibriacten
angetroffen, nehmlich Trochilus eristatus und holosericeus,
beide auch von Barbados bekannt. Leſſon's Traité d’Orni-
thologie nennt al8 von Guadeloupe ftammend die Spermophila
noctis, einen Troupale enfume und die Brafiliihe Ardea
eocoi. Wenn ©. R. Gray im 30. Hefte feiner Genera of
Birds als Vaterland des Steatornis caripensis auch die Snfel
Gundeloupe nennt, fo beruht dies fehr mahrfcheinlich auf einem.
Irrthum. LHerminier, dem wir bekanntlich die Wieder:
auffindung des Guacharo nebjt ausführlihen Nachrichten über
denfelben verbanfen, erwähnt ganz fpeciell, daß er einige Exem⸗
plare diefes Vogels durch die Bemühungen eines Freundes vom
Driginalftandorte her erhalten habe. Er fagt nirgends, daß er
denfelben auf Guadeloupe angetroffen habe, und eine ander=
meitige Quelie für die Angabe Grah's exiſtirt ſchwerlich; die
Literatur Über den Steatornis ift fehr bekannt geworden, und
es ift nicht wohl anzunehmen, daß das Vorkommen eines fo
außerordentlichen Vogels auf einer wenig umfangreichen Inſel
einem Sachkundigen hätte verborgen bleiben follen, der fich
die ornithologifche Erforſchung derielben zur Aufgabe geſtellt
hatte, und mehrere Fahre auf die Loͤſung derfelben verwenden
fonnte,
Die Lage der Infel Martinique laͤßt auf eine gemwiffe
Uebereinftimmung ihrer Sauna mit der von Guadeloupe
fhließen, und das Wenige, was wir von der Ornithologie jener
Inſel Eennen, beftätigt diefe Anficht. Aber unfere Bekannt:
ſchaft mit derfelben ift fehr unvollſtaͤndig. Latham, Spar:
613
. mann und Vieillot haben einzelne Vögel von Martinique
befchrieben, lefterer in der Eneyclopedie und dem Dictionnaire
d’Histoire naturelle, eine größere Anzahl Briffon nad) einer
von Thibault de Chanvalon auf jener Inſel zufammenges
brachten Sammlung. Sn der. einige Jahre fpäter erfchienenen
Keifebefchreibung deffelben, ‘welche unter dem Titel Voyage à
la Martinique 1763 in Paris veröffentlicht wurde, findet ſich
auf Seite 163 ein Verzeichniß jener Vögel mit den Brif-
fonfchen Benennungen. Leſſon's Traite enthält nur fehr
wenige auf die DOrnithologie von Martinique bezügliche Angaben.
Us Arten, welhe man zunaͤchſt als der Inſel eigenthuͤmlich
angehörend betrachten darf, nennen wir: Coereba gularis
Sparmann, einen Vogel, welchen wir in Eeinee Sammlung
gefehen zu haben uns erinnern; ferner Tyrannus vorax Vieill.,
Columba cuprea Wagl. und Columba castanea Wagl.,
beide von Briffon befchrieben; andere weftindifhe auch auf
Martinique angetroffene Vögel find Spermophila noetis, Todus
viridis, Tyrannula martinica und petechia; Certhiola fla-
veola, Euphone musica, Turdus densirostris Fieill. und
T. (Rhamphocinelus) brachyurus Vieill.; endlich 4 Colibris
arten, nehmlich Trochilus holoserieeus, mellivorus, cristatus
und bicolor. Bon nordamericanifchen Arten Eommen dort unter
andern vor: Sylvicola ruficapilla auet. und Emberiza pusilla
Wils.
Die Snfeln Barbados und St. Vincent find ornitholo—
giſch nur ſehr unvollſtaͤndig durchforfht. Won erfterer kennt
man die Tanagra albiventris Gray (T. barbadensis caeru-
lea Briss.), von legterer eine fehr ſchoͤne und der Inſel ganz
ausfchließlih angehörige Papageienart, Psittacus Guildingii
Vig. Zwey andere Vogel von St, Vincent erinnern wir ung
in der reihen Sammlung der zoologifhen Gefellfhaft in Lon—
don gefehen zu haben, nehmlich eine wahrſcheinlich unbefchriebene
Art, Vireo semeioeinetus Gould und die brafilifche Spermo-
phila einereola. Auf Barbados lebt Trochilus eristatus und
holosericeus; welche Colibriarten auf St. Vincent angetroffen
werden, ift ung unbekannt.
Tobago. Diefe Infel hat, wie Guadeloupe in L'Hermi-—
nier, das Glüd gehabt in dem dort anfäffigen ngländer
Kirk einen ebenfo talentvellen als eiftigen Beobachter gefunden
zu haben. Sir William Sardine, welchem feit einer
Reihe von Sahren Tobagovögel von Kirk überfandt murden,
hat, nachdem er ung einzelne derfelben in feinen Illustrations
of Ornithology vorgeführt, angefangen in den Annals and
Magazine of Natural, History eine ausführlihe und wahr—
ſcheinlich ſehr vollftändige Drnithologie Tobago's zu veröffentlis
hen, deren Fortfesung und Beendigung hoffentlid nicht mehr
lange auf fich warten laffen werden. Wie die Lage diefer Infel
es nicht anders vorausfeßen macht, iſt der Character ihrer Sauna
ein fübamericanifcher, wenngleich noch nicht in dem Maaße aus—
fchlieglih, wie auf dem benachbarten Trinidad. Die bie jegt
von Sardine namhaft gemachten Arten find: Morphnus
urubitinga, Spizaetos ornatus, Falco columbarius, Otus
americanus, Podager nacunda, Chordeiles labecula-
tus J., Caprimulgus cajennensis (früher von Jardine
als €. leopetes befchrieben und abgebildet), Procne domini-
censis, Acanthylis brachyura, eine neue dem Cypselus
poliurus T’emm. verwandte Art; ferner Prionites bahamensis
Sw., Crotophaga rugirostra Swains. eine merkwürdige wahr:
fheinlih auf Tobago befchränfte Art, deren Lebensweiſe uns
Kirk fhon früher fehr anziehend gefchildert hat; endlidy zweh
614
Colibri, Phaetornis hirsutus und Campylopterus latipennis.
Auch Trochilus mango ift dort anzutreffen. Matherbe,
rühmlichft befannt durch feine Drnithologie Sicilien’s, fein Ver—
zeichniß der Vögel Algerieng und andere zoologifche Arbeiten,
befchreibt in der Revue zoologique. von 1846 einen Picus
Kirkii von Tobago. Wir zweifeln nicht, daß die Fortſetzung
der Arbeit Sardine’s ung mit zahlreichen neuen Arten diefer
intereffanten Inſel Meftindiens bekannt machen wird.
Trinidad. Die Omithologie diefer großen unweit der Kuͤſte
Gumana’s gelegenen Inſel ift beffer bekannt wie die der meiften
übrigen weftindifchen Inſeln. Drey Hauptquellen unferer Bes
£anntfchaft mit derfelben find folgende: 1) Burton’s Catalogue
of the colleetion of Mammalia and Birds in the Museum
of the Army Medical Department at Fort Pitt, Chatham;
Chath. 1838, ein Werken, in welchem an 50 Arten von
Trinidad nahmhaft gemacht werden; 2) Less. Trait@ d’Orni-
thologie, viele Vögel von dorther verzeichnend, welcher der Paris
fer Sammlung durh Robin zufamen, und 3) Lath. General
History of Birds; darinn die Befchreibungen verfchiedener von
Lord Seaforth dort gefammelter Vögel. Aus diefen Nach:
richten tritt ung neben mancher der Inſei eigenthümlich angehoͤ—
renden Art, eine vollftändig brafilifche Wogelfauna entgegen:
die [este Spur nordamericanifchen Einfluffes ift beinahe ver—
ſchwunden. Folgende Arten characterifieren hinlaͤnglich die fo
eben hervorgehobene Webereinftimmung der Vögel Trinidad's
mit denen Brafiliens und der angränzenden Laͤnderſtriche des
tropiſchen Americas: Strix ferruginea Wied., Caprimulgus
torquatus, Tyrannus cajanus, Platyrhynchus cancromus,
Arundinicola leucocephala Pall., Pyranga flammiceps,
Aglaja mexicana, gyrola und punetata (Spotted emerald
Tanager Lath. Gen. Hist.), Tanagra episcopus, Euphone
chlorotiea und musica (weftindifh), Stephanophorus diade-
matus Natt., Rhamphocelus jacapa, Spermophila minuta,
Todirostrum einereum,
Coereba eyanea, Certhiola flaveola, Dendrocolaptes picoi-
des, Xanthornus ieterocephalus, Psittacus macao, 'Trogon
violaceus, eurucui und collaris Vieill., Picus rubiginosus
Sw. (Trinidad woodpecker Lath.) eine fehr fhöne Art. -
welche die hiefige Sammlung: von Guatemala bejist und von
welher Gray in feinem Werke über die Gattungen der Vögel
eine gute Abbildung liefert; ferner Picus cinnamomeus, eajen-
nensis und passerinus, Galbula ruficauda, Alcedo super-
ciliosa, Coceyzus cajanus und minor; Casmarhynchus
variegatus, Porzana cajennensis, Parra jacana, Podoa
surinamensis; Thriothorus gularis, Turdus favipes Vieill.
(Lesson. Rev. zool. 1839, p. 137.), Thamnophilus rubigi-
nosus und eirrhatus; endlich eine ganze Neihe continentaler
Golibriarten, nehmlich Trochilus supereiliosus, fervidus,
granatinus, maculatus, moschitus, ornatus, hypophaeus,
bicolor, auritus, elarigula Burn. Von ausſchließlich weſtindi—
fehen Voͤgeln bewohnen Trinidad: Ptilogonys armillatus
(Vieill) Gray, eine ung von Jamaica und Martinique be=
Pipra aureola, Dacnis cajanus, ‘
Eannte Art; Trochilus bolosericeus, gramineus und crista- .
tus; die ſchon genannte Euphone musiea; Tyrannula albica-
pilla Vieill. Als nordamericanifb nennen wir auf die Autori=
tät Burton’s bin Archibuteo lagopus (Black-hawk Wils.),
Dolichonyx oryeivorus, Tyrannula nuneiola Wils. Als der
Inſel allein angehörige Arten feheinen aenannt werden zu duͤr—
fen: Strix phalaenoides Vieill., Hirundo Robini Less., -
Falco cucullatus Swains., Tamatia bitorquata Gould,
615
Euphone tephrocephala Pieill., Todus obscurus auct.
(nah Leſſon's Angabe!), Rhamphocaenus trinitatis Less.,
Trochilus heteropygius Less., Jourdanii Boure., eryth-
ronotus, superbus, oenone Less. (auch in Peru nad
v. Tſchudi!) und brevirostris Less., Pipra pareolides
d’Orb. et Lafresn. (Manakin tijE de la Trinit€ Vieill.
Galer.) von Cande auch um Garthagena beobachtet (Rev.
zool. 1839, p. 165), und Pipra melanocephala Vieill.
Der merkwürdigfte Vogel Trinidad's ift aber der Guacharo.
Sn der Sitzung der Parifer Academie der Wiffenfchaften vom
27. Auguft 1838 machte Bory de St. Vincent derfelben
die Anzeige, daß der Humboldtifche Steatornis von Herrn
Hauteffier von Maria-Öalante auf Trinidad wiedergefunden
fey. Aber in Lathams General History of Birds, einem
in Frankreich freilich fo gut als unbefannten Werke, wird auf
Seite 365 des 7. Bandes unter dem Namen „Zrinidad
Goatſucker“ ganz vollftändig und unverkennbar der Guacharo
befchrieben, mit genauer Angabe der Kokalität feines Vorkom—
mens auf Zrinidad, feiner Lebensweiſe ufw., nach den Mittheis
lungen eines Herin I. V. Thompfon, welcher den Vogel
fhon 1803 auf Zrinidad als Speife vorgefeßt erhielt. Er heißt
dort Diablotin und bewohnt die Felfenhöhlen der den Ein:
gang zum Golf von Paria bildenden Inſelchen. Sollte der
Diablotin Guadeloupe’s, die Procellaria diabolica Z’Her-
minier’s doch vielleicht der Guacharo ſeyn? Daß diefer vielbes
ſprochene Vogel auch an ähnlichen Kokalitäten des benachbarten
Gumanas Lebt, gebt aus einer von Latham citirten Stelle in
dem Neifewerfe des Franzofen 3. Depons (1806) hervor.
Leffon befchreibt zwey Vögel als von den „Antillen her
ſtammend“, ohne die Inſel, welcher fie angehören, namhaft zu
machen. Diefe find Caprimulgus odopteron (Rev. zool. Il.
p- 100). Dann wird im Traite d’Ornithologie unter Angabe
diefes Waterlandes eine Gallinule poeeilonotos Cuv. genannt,
und Lafres naye befchreibt eine Rhamphoeinelus-Art, R. guttu-
ralis von den Antillen.
Die weit nach Europa zu vorgefchobenen Bermudas find,
foviet ung bekannt, ornithologifch noch wenig unterfudht. Sn
dem oben citirten Gataloge der Samminng zu Fort Pitt in
Chatham findet man einige Arten als von dort herfiammend
verzeichnet, nehmlich: Columba passerira, Alcedo aleyon,
Sterna fuliginosa, Phalacrocorax carbo (?) und Phaeton
aethereus.
Zum Schluß mögen hier die Namen einiger feltneren ädht
weftindifchen Vögel der Bremer Sammlung Plas finden.
Prionites bahamensis Sıp. Tachyphonus ruficollis Gm.
Myiadestesarmillatus Vieill. Turdus jamaicensis auet.
Todus viridis L. Turdus rubripes T’emm.
Guiraca violacea auet. Colaptes Fernandinae Fig.
Passerina olivacea auet. Saurothera vetula Vieill.
Carduelis Cubae Gerv. Saurothera Merlini d’Orb.
Trogon temnurus Temm. Spermophila nigra Pieill.
Tiyrannus magnirostris Viell. Dendrocygna arborea auect.
Tanagra nigricephala James. Erismatura dominica auet.
Coceyzus pluvialis auct.
616
Das Erdbeben vom 29. July 1846,
im Rheingebiet und den benachbarten Ländern, befchrieben und in ſei—
nen phyſicaliſchen DVerhältniffen unterfucht von Dr. 3. Nöggerath,
Prof. Bonn bey Henry. 1847. 4. 60. Eh. 1.
Das Erdbeben und feine Erfcheinungen
vom 29. July 1846., von Dr. 3. Bögner. Frankfurt bey Brönner
1847. 8. 210, Ch. 1.
Schriften diefes Innhalts können wir nicht ausführlich an—
zeigen; um ihrer Wichtigkeit willen glauben wir aber auf Diefe
Schriften aufmerffam machen zu müßen.
Beide Haben viele Nachrichten aus allen Gegenden, wo man
das Erdbeben verfpürt hat, gefammelt, zufammengeftellt und mit
andern verglichen, und beide haben eine Charte vom Verbreitungs—
Bezirk beygelegt. Er erſtreckt fih aus der Gegend von Brüfjel
und Mond bis Coburg, von Freyburg bis über Weſel hinaus,
und beide Charten ſtimmen wirklich ziemlich in dieſer Hinſicht
mit einander überein. ;
Die erfte Schrift befchäftiget fich vorzüglich mit der Darftellung
der phyſicaliſchen DBerhältniffe und zieht auch das um Diefelbe
Zeit in Italien vorgefommene Erdbeben in Betracht. Die zweyte
Schrift gibt eine Art Gefhichte zu verfchiedenen Ländern und
Beiten, fo daß alſo beide Schriften ihren eigenthümlichen Werth
haben und einander gewiſſermaaßen ergänzen,
Monographie der Petrefacten der Aachener
Kreide - Formation
von Dr. 3. Müller, Oberlehrer in Aachen. Herausgegeben vom
naturhiftorifchen Verein der preußifchen Nheinlande, Bonn bey Henry
1847, 4. 1. 48. T. 2.
Das ift eine fleißige Arbeit mit guten Befchreibungen und
deutlichen Abbildungen. Das Heft enthält Meerfterne, Meerigel,
©erpulen, Nodosaria, Rhyncholithes, Xerebratulen, viele
Mufcheln, Pollyeipes. Die Hefte werden fortgejeßt.
Memoria terza
sui Minerali della Suizzera italiana, da Louigi Lavizzari Dr.
Capolago 1845. 8. 95.
Die früheren Hefte haben wir ſchon angezeigt; das vorliegende
berdient es ebenfalls, weil ed mehrere Minerallen eryftallogras
phiſch und chemifch, manches felbft geognoftifch beftiimmt und ab—
bildet; ein Behtrag, welcher den Mineralogen angenehm und
nüslich ſeyn wird.
Dem Dolomit im Ganton Teffin widmet der Werfaffer Die
Seiten 7 —24.; gibt davon Abbildungen und Zerlegungen, ſpricht
über deffen Entftehung und befchreibt insbefondere den Berg—
San Salvatore de Lugano; dabey auch ein DVerzeichniß jeiner
Pflanzen.
©. 25.
Tremuliten.
©. 36. defigleichen von verſchiedenen Turmalinen,
©. 44. Salamftein im Leventinerthal.
©. 46. rothes Rauſchgelb.
©. 48. Staurolith, vom Gotthard, abgebildet und a
©. 53. Cyanit, defgleichen.
©. 58. Mißpickel, abgebildet.
ebenfo Abbildung und Zerlegung von verfchiedenen .
617
z
" &.63. Molybdän auf dem Gotthard.
©. 65. Talk, ebendaber. |
S. 68. Zitanit mit Abbildungen.
©. 72. Walfererde,
©. 76, Eifenfies,
S. 78. Kalffpath vom Gotthard und von andern Orten.
©. 89, Berg: Eryftall.
Beyträge
zur Lehre von den Grzlagerftätten mit befonderer Berückſichtigung der
vorzuͤglichſten Berg- Reviere der öfterreichifchen Monarchie, von Dr.
W. Fuchs, Bergrath und Ober-Hütten-Verwalter des nieverungarifchen
Berg-Diftrictes. Wien bey Gerold. 1846. 8, 86. T. 3,
Des Verfaffers practifhe Kenntniffe und fcharfe Beobach—
tungsgabe find ſchon aus feinem früheren Aufenthalte in Agordo
ber bekannt und man fann daher auch hier nichts Anderes als
Gründliches und Selbftändiges erwarten. Er handelt ausführ:
lid) von den gleichzeitig mit dem Gebirg entftandenen Erzlagern
' im Schiefergebirg zu Schmöllnig, in den jüngern Kalklagern
ber füdlihen Alpen von Venedig und Kärnthen, ferner in den
erpftallinifch Eörnigen Gebirgsmaffen von Tyrol und Banat.
: ©. 32. von den Erzlagern fpäterer Entftehung in den Trapp:
und Trachnt= Gebilden des nieder= ungarifchen Berg = Diftrictes.
©. 72. Ueber Ganafpiegel und Gang-Verſchiebungen.
©. 81. gibt er endlich eine Claffification der Erzlager.
Die Tafeln ftellen vor das Vorkommen des Galmeys und
Gang: Berfchiebungen.
Eine genauere Darftellung des Innhaltes fcheint uns uns
thunlich und unnöthig.
Etymolsgifcher chemiſcher Nomenclator
der neueften einfachen und zufammengefegten Stoffe, entworfen und ges
fammelt von Dr. Ph, Schmidt. Lemgo bey Mayer V. 1846.
8 55
Mir haben die Einrichtung diefes Woͤrterbuchs ſchon ange—
zeigt. Es ſcheint vollftändig zu feyn, und enthält eine Furze
Befhreibung und Darftellung der Stoffe, Angabe der Atom—
Verhältniffe und Erklärung der Namen. Diefes Heft geht von
Achillein bis Zinnfäure,
Familiarum naturalium regni vegetahilis
Synopses monographicae curante M. 'J. Roemer. Vimariae,
Landesindustrie-Comptoir. Fasc. IH. 1847. 8. 250,
Die Hefperiden und Peponiferen haben wir angezeigt ©. 387,
und dafelbft die Einrichtung diefer Monographien angegeben.
Die Behandlungsart ift natürlicher Meife bey den Rofifloren
gleich geblieben, bequem in der ‚Anordnung und im Drud,
Zuerft die Amygdalaceen mit Character, Tracht, Verwandtfchaft,
Berbreitung, Kräften und Gebrauch; dann die Synopsis Gene-
rum an der Zahl 12 tabellariih; ©. 6. die Synopsis Specie-
rum ſehr zablveih, mit allen Abarten, den deutfchen und
franzöfifchen Namen, was hefonders den Obftzüchtern fehr nuͤtz⸗
ih fern wird. Der Verfaffer hat’ überhaupt ſich fehr viele
Mühe gegeben, die Abanderungen unferer Obftforten zu fammeln,
Iſis 1847. Heft 8,
—
_—
618
zu ordnen und zu beftimmen, auch die Schriftfteller angeführt
und die Abbildungen der befferen Werke. Das gilt befonders
von den Mandeln, Pfirfichen, deren Zahl faft endlos ift, bey
den Apricofen, Pflaumen und Kirfhen nit minder. Das
fheint uns eine fehr gute Arbeit, auf jeden Fall eine ſehr
fleißige.
©. 97. folgen die Pomaceen mit 25 Sippen in der Tabelle;
©. 105. die Gattungen auf ähnliche Art bearbeitet; auch bier
die Sorten zahlreich aufgeführt: und beftimmt, befonders bey
den Birnen und Xepfeln. Man hat hier furz beyfammen eine
vollftändige Ueberficht der Pomologie, und man kann nicht
anders als diefe Idee von Monographien höchlich loben. Die
eigentliche Critik kann begreiflicherweife erſt eintreten, wenn man
das Werk wirklich in Gebrauch zieht. Sowie es aber vorliegt,
nimmt es ſich fehr gut aus und empfiehlt fich in jeder Hinficht.
Yllustrationes Plantarum orientalium
auctoribus Comite Jaubert et Spach. Parisiis apud Roret.
Fasc. 19. 20. 1846. 4. II. Fol. 13—16. T. 179—200.
Diefes fhöne und Iehrreiche Werk fchreitet raſch vormärts.
Der zweyte Band ift nunmehr: vollendet mit dem zweyten
Hundert neuer Pflanzen, welche mufterhaft von Gontier ge—
zeichnet und von den grauen Gouffe-Jkleb und Hamille,
fo wie einigevon Mougeot u. Clerge in Kupfer geftochen find, mit
genauen Zerlegungen der Blumen = und Gröpstheile von Spach.
Die Tafeln enthalten mit ausführlicher Iateinifcher Befchreibung:
Stechmannia heterophylla, leptoloba.
Jurinella aucheri, chamaecynara, absinthifolia.
Vinea 'bottae.
Frankenia aucheri, persica.
Erodium cadmaeum.
Biebersteinia aucheri, multifida, brachypetala, leiose-
ala.
B Galium eristatum, olympicum.
Asperula involucrata.
Boissiera bromoides.
Arrhenatherum Kotchyi.
Triticum longe aristatum.
Aegilops tripsacoides.
Histoire naturelle des Poissons
par Cuvier et Valenciennes. Strasbourg chez Levrault. XVII.
1846. 8. 508.
Es ift ſchon fo oft von diefem Werke die Rede gemefen, daß
wir jegt nur den Innhalt diefes Bandes anzuzeigen brauchen.
Er enthält die fogenannten zahnlofen Karpfen, literarifch und
foftematifh mit großem Fleiße -bearbeitet wie früher. Man wird
über die große Menge und über das viele Neue ſich wundern.
Beſchrieben werden hier:
Cobitis
barbatula arenata n. corica.
nurga mieropus n. pavonacea
fasciata n. anguillicaudata monoceros.
suborbitalis n, savona. chlorosoma.
chrysolaimos turio. zonata n.
spiloptera n. bilturio rupecula n.
39*
619
marmorata.
vittata.
fraenata
panthera
insignis
tigris.
fossilis.
taenia.
guntea
amnicola n.
erythrorhina n.
ocellata n.
pavonina n.
surinamensis n.
unimacula n.
sphenops n.
montana n.
aculeata n.
cucura
gongota
botia
bulgara.
hasselti n.
pangia
oblonga.
Kuhlii n.
Balitora.
lineolata n.
brucei
Poeeilia.
dominicensis n,
punctata n.
gracilis n.
Mollienisia latipinna.
calaritanus
fasciatus n.
iberus n.
enenicolus n.
pisculentus n.
nigrofaseiatus n.
swampina.
vernalis n.
Lebias.
lunatus
moseas n.
hammonis.
Fundulus.
zonatus n.
eingulatus n.
fonticola n.
Hydrargyra.
majalis n.
Grundulus bogotensis.
euvieri n.
pentlandii n
humboldtii n.
gronovii
lueius
australis n.
estor.
reticulatus.
truttaceus
scriba
attenuatus.
boa
lineatum n.
buchanani.
vulgaris
ach3
eantrainii
Orestias.
jussiei n.
agassizii.
mülleri n.
Anableps.
coarctatus
Esox
americanus
phaleratus
vermiculatus.
Galaxias.
fasciatus n.
termalis n.
guttata
phoxocheila.
subfusca n.
scaturigina.
geto.
dario,
grandis.
malapterura
maculata.
nasuta.
multilineata
schneideri n.
mento
variegatus.
brasiliensis n.
multifasciatus
hispanica n.
owenii n.
albus n.
luteus n,
elongatus.
lineatus
depraudus
lugubrosus.
maculatus
forsteri (alepidotus). alpinus.
Stomias.
field n.
Punchax.
Kuhlii n.
Belone.
caribaea
hians n.
ciconella n.
Microstoma argenteum n.
pictum n.
Vandellia |!) eirrhosa.
anastomella n.
annulata.
melanostigma
senegalensis n. carinata n. platura.
truncata gerania n. ineisa n.
ardeola n. argalus caudimaculata n.
timucu n. crocodilus cancila n,
scolopaeina n. urvillii trachura.
galeata n.
Scombresox.
camperi scutellatus forsteri n.
rondeletii n. equirostrum.
Trichomyeterus.
puuctatus n. nigricans n.
areolatus n. rivulatus n.
maculatus n. incae.
Die diefem Band bengegebenen Tafeln enthalten folgende:
Leueisceus parvulus, alfredianus, stigma, filamentosus,
rutiloides, savignyi, agassizüi, iris, baldneri, stympha-
licus, maxillaris, harengula, melettina, gatensis, boscii,
spirlingulus, cultellus, dussumieri, acinaces, apiatus,
atronasus.
Chondrostoma saeva, lipocheilos, syriacum.
Catla buchanani.
Catostomus planiceps, carpio.
Sclerognathus cyprinella.
Exoglossum lessueurianum.
gracilis n.
barbatula n.
Das Thierreich
geordnet nach feiner Organifation, als Grundlage der Naturgejchichte
der Thiere und als Einleitung in die vergleichende Anatomie, vom
Freyherrn Georg von Euvier. Nach der zweyten Ausgabe mit
Zuſätzen überfegt von A. W. Streubel, Berlin bey Reimer. I.
1846, 8. 972.
Guviers Merke bedürfen Feiner Empfehlung, wohl aber
die Ueberſetzung derfelben. Won der vorliegenden darf man
ohne Bedenken behaupten, daß noch Feine mit foviel Fleiß und
fov el eigenen Zufägen bearbeitet worden ift, tie die vorliegende.
Der Ueberfeger hat gehörigen Drtes Alles eingetragen, was die
Miffenichaft feit dem Zode des Verfaffers gewonnen hat oder
was demfelben entgangen ift, beſonders was die microfcopifche
Anatomie betrifft und die Glaffification, in welch' leterer man
nicht nur alle neueren Verfuche, fondern auch viele eigenthuͤm—
lihe Ideen vorgetragen erhält. Ueberdieß die Gefhichte der
Zoologie, wie man zu fagen pflegt, in nuce und dennoch fehr
vollſtaͤndig. Wir können daher diefes Werk mit ‚gutem Ge:
wiffen empfehlen. Drud und Papier ift fhon, wie man es
bey dieſer Buchhandlung "gewöhnt ift, bey der Glaffification
jedoch zu öconomifch, indem die Ordnungen und Zünfte nicht
abgefest find, was die Ueberficht ungemein erſchwert.
Hymenopteres
par Le Comte A. Lepeletier de St.-Fargeau. Paris chez Ro-
ret. II. 1815. 8. 646. t. 25—36. col. (Nouvelles Suites a
Buffon.)
Wir haben Band I. und II. von diefem michtigen Merk
©.317. angezeigt, und theilen nun aud die Fortfegung mit.
Fam. XII. Crabronides pag. 1.
621
Trib. 1. Cere£rites: Cereeris, Philanthus, Psen, Nys-
son, Bicyrtes n. ;
Trib. 2. Gorytites: Gorytes, Hoplisus, Euspongus,
Lestiphorus, Psammoecius, Arpactus.
Trib. 3. Mellinites: Alyson, Mellinus, Cemonus, Pem-
phredon.,
Trib. 4. Crabronites: Stigmus, Crabro,, Sulenius, Ble-
pharipus, Ceratocolus, Thyreopus, Crossocerus, Linde-
nius, Dasyproctus [!], Corynopus, Physoscelus, Nitela,
Oxybelus.
Trib. 5. Trypoxylites: Trypoxylon, Pison.
Trib. 6. Astatites: Palarus, Dinetus, Miscophus, Ta-
chytes, Astata.
Fam. XUI. Bembecides p. 259.
Bembex, Monedula, Hogardia, Stizus.
Fam. XIV. Sphegides p. 304.
Trib. 1. Pelopites: Pelopaeus, Podium, Ampulex.
Trib. 2. Dolichurites: Dolichurus.
Trib. 3. Sphegites: Chlorion,; Pronaeus,
Sphex, Ammophila, Miscus, Coloptera.
Trib. 4. Pompilites: Aporus, Evagetes, Planiceps,
Salius, Micropteryx,, Calicurgus, Pompilus, _Anoplius,
Macromeris,
Trib. 5. Pepsites: Ceropales, Ferreola, Pepsis, Pal-
losoma.
Fam. XV. Scolides.
Trib. 1. Scolites: Campsomeris, Scolia, Colpa, Tiphia,
Meria, Trigonalis.
Trib. 2. Sapygites: Sapyga, Polochrum, Thynnus, Ela-
proptera.
Trib. 3. Mutillites: Methoca, Plesia, Myrmecodes,
Myrmosa, Psammotherma, Apterogyna, Mutilla, Schro-
derma.
Die Beendigung diefes Werks wird Brulle der Profeffor zu
Dijon übernehmen, da Augenſchwaͤche dem Verfaffer die Fort:
fesung nicht erlaubt.
Das beyliegende Heft der Abbildungen enthält Gattımgen aus
ben meiften Sippen, forgfältig illuminiert, mit befonderer. Ans
gabe der Fluͤgeladern.
Dynatus,
Entwurf
einer foftematifchen Eintheilung und fpeciellen Befchreibung der Platte
würmer, auf mierofeopifche Unterfuchungen gegründet von N. ©. Dr:
fted. Eopenhagen bey Reitzel. 1844. 8. 96, T. 3,
Diefe Abhandlung erſchien 1848. in Kroͤyers Zeitfchrift
Bd. IV. Heft 5 u. 6., bier num felbftftändig, verbeffert und
vermehrt. Deßhalb haben wir diefelbe in der Iſis 1846,
©. 132. nicht ausgezogen. Cie ift von Wichtigkeit und ver-
dient daher alle Berückfichtigung. Bekanntlich bat ſich der Ver—
faffer vorzüglich auf das Studium der Mürmer gelegt, und
darinn ſchon fo Tuͤchtiges geleiftet, daß man auch in vorliegens
der Schrift etwas Gründliches und Vollftändiges erwarten darf.
Da fie Elein ift und daher leicht in alle Hände kommen kann;
fo wäre eine genaue Darftellung davon überflüffig. Sie enthält
622
das Gefchichtliche, den imnern Bau, namentlih das Nerven—
foftem, die Bewegung, Verdauungs » Organe mit Holzſchnitten,
Blutlauf, die Athmung, Fortpflanzung und endlich Claſſifi—
cation, welche den Hauptinnhalt ausmacht. Sie jteht folgender
Maaßen:
Ordo I. Annulata.
Ordo II. Apoda.
Subordo 1. Nematoidina — Gordiea.
Subordo 2. Acanthocephalina — Sipuneulacea.
Suborde 3. Trematodina — Hirudinea et Planariea.
Subordo 4. Cestoidina — Nemertina.
Ordo Ill. Entozoa.
Ordo IV. Infusoria.
Dann folgt der Innhalt diefer Schrift.
Trib. Planariea.
I. Tubo eibario ramoso.
A. Ore maximo ferme plano,
Fam. 1. Cryptocoela: Thysanozoon tuberculatum,
Planocera folium, Eurylepta cornuta, Leptoplana ato-
mata, Typhlolepta n. coeca.
B. Ore minore plus minusve ceylindrico.
Fam. 2. Dendrocoela: Monocelis lineata, Dendro-
coelnm lacteum, Planaria torva, Telostoma n. tubulosa?
ll. Tubo eibario simplici.
Fam. 3. Rhaptocoela.
A. Ore cylindrico horizontali.
a. Oris apertura terminali.
Subf. 1. Prostomeae: Prostoma crocea.
b. Oris apertura non terminali.
Subf. 2. Derostomeae: Vortex truncata, Derostoma
gibbum.
B. Ore annuliformi verticahi.
Suhf. 3. Mesostomeae: Mesostoma linzna, Stronzy-
lostoma n. radiatum, Typhloplana fulva, Macrostoma n.
appendieulatum. S
C. Ore minutissimo non exsertili.
Subf. 4. Microstomeae: Microstoma. n. lineare, Con-
voluta n. (Planaria convoluta).
Subordo. 4. Cestoidina.
A. Os inferum, anus terminalis.
Fam. 1. Nemertina.
a. Corpus filiforme, fissurae respiratoriae nullae:
Cephalothrix n. bieculata, Astemma rufifrons.
b. Corpus lineare teretiusculum.
1) Fissurae respiratoriae nullae: Borlasia tricuspida.
2) Fissurae respiratoriae distinetae: Polystemma ro-
seum, Nemertes flaccida, Tefrastemma dorsale.
e. Corpus lineare - oblongum, depressum, fissu-
rae respiratoriae distinetae: Cerebratulus angulatus.
B. Tubi eibarii utraque apertura terminalis opposita:
Amphiporus neesii.
Der PVerfaffer fehreibt nicht übel deutſch; indeffen wird er
wohl thun, wenn er die Correcturen durch einen Deutfchen be——
forgen läßt, damit Fehler verbeffert werden, mie folgende:
„Diefe Abhandlung ift größtentheils in Kroͤyers Zeitfchrift
gedruckt geweſen, erfcheint aber hier ꝛc.“
Vermes.
623
„Da Vieles ohne Figuren nur ſchwer zu verſtehen war, habe
ich durch Holsfchnitte diefem Fehler abzuhelfen geſucht.“
Auch bey den Plattwürmern giebt e8, ebenfowenig wie bey
den Medufen, Eeinen andern Unterfchied ꝛtc.“
„Da nur wenige diefer Geſchlechter recht begründet iſt.“
Was R. in feiner Anatomie der Borlasia hierhin fuͤhrt.“
„Der Membran.”
„Mährend der Rüden nady unten Eehrt‘'!
„Planaria capitata ift von Johnfton mit Reht zu den
nadten Mollusten hingefuͤhrt.“
„Der ganze übrige Theil des Körpers wird von Generations-
Organen aufgenommen.’
„Dbgleich beide mit männlihem Gliede verfehen find."
„Mehre Muskelbunde find vereinigt. Jedes einzelne Mus:
kelbund.“
Deutſchlands Fauna
in Abbildungen nach der Natur mit Beſchreibungen von J. Sturm.
Vull. Käfer, Nürnberg beym Verfaſſer 1846, fl. 8. 88. T. 329—
344, il.
Der ruͤſtige Sturm wird nun eifrig unterftügt von feinen
Söhnen, wovon Friedrich alle Tafeln diefes Heftes in Kupfer
geftohen und zwar fehr genau und fchön, wenn man bedenft,
daß es lauter Kleine, fait microfeopifhe Käferchen find;
überall die Zehen» und Fühlhornglieder fehbar, alle forgfältig
auggemalt. Das Heft enthält:
Atomaria atra, ferruginea, fimetarii, umbrina, fumata,
nana, badia, linearis, elongatula, unifasciata n., conta-
minata, fuscipes, mesomelas, basalis, fuscata, nigriceps,
analis, terminata, gutta, apicalis, turgida, munda, nigri-
pennis, diluta, prolixa, impressa, cognata, gravidula,
pusilla..
Antherophagus silaceus mit Freßwerkzeugen, Füßen und
$lügel; nigricornis, pallens.
Paramecosoma melanocephala, defgleihen mit Zerlegungen,
elongata, pilosula.
Epistemus dimidiatus mit Zerlegungen ; globosus, ovulum,
globulus, exiguus.
Die Beſchreibungen enthalten den Character, eine weitere
Schilderung, Unterfchiede von andern, Dorkommen ufw,
Der Fifhplag zu Trieft
oder Beſchreibung der demfelben zugeführten Fiſche und anderen epbaren
Meerproducte nebft Andeutung ihrer Zubereitung als Speife von Dr.
Ernſt Plucar. Trieft bey Börner. 1846. 8. 83.
Diefe Eleine Schrift wird den ans Meer veifenden Natur:
-forfchern ein fehr angenehmer Leitfaden feyn, indem fie darinn
nicht bloß ein trockenes Verzeichniß der Meerfiſche und der eß—
baren Krabben, Muſcheln und Schneden finden, fondern aud)
eine Furze Vefchreibung der Fifche, wodurch fie in den Stand
gefegt werben, ſich über die Gattung zu vergewiffern. Vorzuͤg⸗
lich angenehm ift es auch, gleich bey feiner Ankunft zu erfahren,
was für Thiere man zu erwarten hat, wodurch man viele Zeit
624
des Nachforfchens erfparen Eann. Auch jedem Neifenden wird
das Büchlein infofern nüslich feyn, daß es ihn belehrt, welche
Kirche fhmadhafter find als die anderen, und zu welcher Sahrs-
zeit fie auf den Markt kommen. Dabey werden ihm die örtli:
chtn Namen gute Dienfte leiften.
Das Verzeichniß ift nicht gering: Der Verfaffer führt nicht
weniger als 125 Fifhe Gattungen auf: 10 Krebfe, 48 Weich:
thiere, 6 Dintenfchneden, 12 Schneden, 30 Mufcheln, 2 See:
igel und 1 Actinia. Die, Fifchfippen find:
Sp. Sp. Sp.
Raja 10 Lepadogaster 2 Sparus 13
Squalus 10 Pleuroneetes 7 Sciaena 2
Acipenser 2 Gobius 5 Polyprion 1
Lophius 1 Callionymuss 1 Serranus 4
Uranoscopus 1 Trigla 5 Labrax 1
Trachinus 2 Scorpaena 2 Mugil 1
Syngnathuss 4 Naucrates 1 Mullus 2
Centriscus 1 Lichia 1 Cyprinus 5
Stromateus 1 _Scomber 7 Lebias 1
Muraena 2 Xiphias 1 Atherina 2
Ophidium 1 Zeus 1 Engraulis 1
Cepola 1 Brama 1 Clupea 3
Regalecus 1 Labrus 12 Exocoetus 1
Blennius 4 Maena 1 Belone 1
Gadus 4 Smaris 1. Esox 1
Weber
verfchiebene neue ober feltene Reptilien aus Neugranada,, und Gruftaceen
aus China, von Prof, N. A. Berthold. Göttingen bey Dietrich.
1846, 4. 32, T. 3. ill. >
Der immer fleißige Verfaffer gibt uns hier wieder genaue
Befchreibungen von 24 Lurchen und 9 Krebfen, welche größten:
theils noch unbekannt waren, befonders aus den genannten Laͤn—
dern, aus welchen man, genau befehen, faft nichts aus diefen
Glaffen Eennt. Befchrieben find nun bier:
Hemidactylus mabouia.
Gymnodactylus albo-gularis.
Polychrus gutturosus n. fig.
Norops auratus.
Anolis latifrons n. fig.
Ameiva vulgaris.
Eumeces spixii.
Calamaria degenhardti, n.
fig. badia.
Coronella venustissima, coc-
cinea, merremii.
Lycodon petolarius, delia.
Don den chinefifhen Krebfen
Liagore rubro-maculata.
Calappa cristata.
Doriple quadridentata.
Pagurus aspersus n. fig.
Coluber_pantherinus.
Herpetodryas aestivus.
Dendrophis liocercus.
Dipsas nebulata, dieperinckii,
Elaps corallinus.
Trigonocephalus schlegelii
n. fig.
Phyliobates melanorrhinus
n. fig.
Dendrobates histrionicus n.
fig.
Bufo agua.
werden hier befchrieben:
Scyllarus haanii n. fig.
Thenus indicus.
Squilla affinis fig., raphidea.
Gonodactylus edwardsii n.fig
Die Eigennamen bey den Gattungen find nicht zu ‚billigen.
625
Beridte
über die Mittheilungen von Freunden der Naturtoiffenfchaften in Wien,
gefammelt und Herausgegeben von Wilhelm Haidinger Wien
bey Braumüller und Seidel. I. 1846. 8, 263, II. 68.
Es hat fih feit einem Jahr zu Wien eine Gefellfchaft von
Freunden der Naturwiſſenſchaften gebildet, welche ſich regelmäßig
verfammelt, und fid) wechfelfeitig die gemachten Entdedungen
mittheilt. Die Abhandlungen merden feiner Zeit erfcheinen.
Mittlerweile werden in diefen Berichten die £leinern Gegenftände
und Auszüge aus den größeren befannt gemacht. Man wird
fid) gewiß freuen, daß auch in diefer Gegend von Deutfchland
ein Kreis von Thätigkeiten fich bildet, dem ein reiches Feld zur
Bearbeitung zu Gebote fteht, wie ſchon diefe ungemein zahlveis
chen Berichte beweifen, Es hat diefem Lande bisher nur an
einem Drgan gefehlt, wodurch die zahlreichen Freunde der Na—
turwiffenfchaften zu der Welt reden Eonnten. Diefe wird daher
dieſelben mohlwollend begrüßen und mit Dank die Entdeckungen
und Belchrungen anerkennen.
Die Sigungen find wöchentlich und begannen im April 1846,
Die Mittheilungen find fo zahlreich, daß es unmöglich ift, auch
nur ein Verzeichniß davon zu geben. Sie betreffen alle Gegen—
ftände der Naturwiffenfchaften, Phyſik, Chemie, Mineralogie,
Geognofie, Gletfcher, Verfteinerungen, Botanik, Pflanzen : PhyYy:
fiologie, SInfuferien, Anatomie, Zoologie überhaupt, kurz alle
Zweige der Naturgefchichte, bis jest am meiften Mineralogis
ſches und Geologifhes; jedoh gibt e8 kaum ein Fach, worinn
nicht Vorträge wären gehalten worden,
Deserizione
di. Genova e del Genovesato. Genova 1846, 8. I. 182 et
180. 11. 542. 11. 355.
Das ift ein Prachtwerk, welches die Stadt Genua bey Gele:
genheit der Naturforfcher-Verfammlung hat verfertigen und den
Mitgliedern austheilen laffen. Die VBerfammlung war eine der
zahlreichften in Italien und mochte wohl gegen 1000 Mitglieder
zählen. Der Prafident war der Stantsminifter und der Ge:
fandte zu Paris, Marchefe U. Brignole Sale, Affefferen
der Advorat und Bibliothecar G. EC. Gandolfi um
Dr. ©. Cafaretto; der General-Srcretär Marchefe F. Pal:
lavicino, Decurio der Stadt, nebjt 7 Collaboratoren; der
Director der Aufnahms- Commiffion der General: Major und
Commandant der Seefhule, 3. Della Marmora,
Das Werk zerfällt in. 3 Theile, wovon ſich der erfte mit dem
phyſicaliſchen Theil des Landes befchäftiget, der zweyte mit der
organischen Welt, der dritte mit dem Menfchen, der 4. mit
der Kunft.
- Der erfte enthält vorzüglich die Geologie nebft einer Charte
von Marcheſe 8. Pareto; der zweyte wurde geleitet von
Marcheſe Mar Spinola nebft. Mitarbeitern. für einzelne
Fächer; der dritte. mit aͤhnlichen Gehülfen vom Marcheſe Ca:
millo Pallavicino; der vierte defigleichen vom. Advocaten
Chriftoforo Gandolfi.
Bor dem Ganzen ift eine Charte vom Golf von Genua,
vom Cap Noli an bis Porto fino mit einer kurzen geographis
fhen Schilderung. ©. 37. folgt das Geofogifche mit: Durch:
Iſis 1817, Heft 8,
\ 626
ſchnitten und Verzeichniſſen der Verſteinerungen. Dabey eine
illuminirte Charte von Nizza bis Sarzana, Alles von Pareto,
©. 143. die Meteorologie von Profeffor G. Garibaldi
und 3. Ciocca, Witterung und Erdmagnetismus.
Die zweyte Abtheilung beginnt auf neuer Seite mit dem
Pflanzenreih, bearbeitet von Profeffor G. De Notarie.
Zuerft ein Ueberbli® über die Gegenden von Ligurien, fodann
ein Verzeihnig der Phanerogamen nach dem natürlichen Syſtem;
©. 51. eine Beſchreibung meniger bekannter Gattungen;
©. 59. die Cryptogamen auf ähnliche Art behandelt, mit
microfcopifchen Abbildungen von. mehreren Zangen.
S. 76. ein Verzeichniß der Zoophyten von demfelben.
©. 80. ein Verzeichniß der Actinien, Quallen, Echinoiden,
Cruſtaceen, Wuͤrmer und Weichthiere von Verany, dem
Director des Naturalien-Cabinetts zu Nizza, nebſt allerley wichti⸗
gen Bemerkungen uͤber einzelne meiſt neue Gattungen, beſon⸗
ders von Meerſchnecken, wovon abgebildet ſind:
Elysia viridis, Pleurobranchidium chiaii, Doris paretii,
Tritonia eostae, Lomanotus genei, Janus spinolae, Histio-
teuthys rüppellii, Octopus cocco, Enoploteuthys owenii,
Die Bemerkungen über die Schneden find wichtig, theils hinz
fihtlid des Vorkommens, theilg des Baues. Es Eommen
darunter viel neue vor, befonder8 unter. Doris, Eolidia et
Sepia. Mann Eann diefe zoologifchen Aufſaͤtze auch befonders
haben, und darum unterlaffen wir es, Auszüge davon zu geben.
©. 111. Fiſche, mwahrfcheinlich bearbeitet von U. Saffi,
Profeffor der Naturgefchichte zu Genua, mit Benugung der
Arbeiten von M. Spinola und Biviani. Manch Nuͤtzli—
ches Über die Laichzeit und die Wanderung, Sodann ein
alphabetifches Verzeichniß nach den Volfsnamen, von denen wir
jedoch bedauern müßen, daß ihr Sinn nicht erflärt iſt, was
doch einem Innwohner nicht ſchwer ſeyn dürfte. Dabey der
wifenfhaftlihe Name, die Zeit des Fanges und ihr Werth.
Dann das ſyſtematiſche Verzeichniß nad Carl. Bonapartes
Syſtem mit Synonymen und wieder den Volksnamen. Es
find aufgeführt 212.
©. 149, die Lurche: zwey Schildfröten, 6 Eidechfen, foviel
Schlangen und 7 Nadtlucche. Darunter Testudo lutaria et
caretta, Lacerta ocellata, Gecko mauritanicus, Seps chaleci-
des, Vipera aspis, nicht Lacerta viridis.
©. 151. Vögel, von Marcheſe Durazszo.
Zuerſt alphabetifh nach den Volksnamen mit der ſyſtemati—
fhen Benennung und kurzen Bemerkungen über Ankunft, Menge -
und Neftbau; darauf das fuftematifche Verzeichnif. Es find
aufgeführt 343. Abgebildet find: Turdus solitarins, Emberiza
rustica, schoeniculoides, Fringilla incerta. Hätten illumi-
niert werden follen.
©. 179. Haarthiere an ber Zahl 39; darunter bisweilen
der Molf und der Luchs, Phoca vitulina et monachus, Anti-
lope rupicapra, Dysopes cestoni, Talpa coeca et curopaea,
Sciurus vulgaris et italicus, Delphinus delphis, Physeter
macrocephalus, Balaenoptera museulus. Es fehlt der Stein:
bod, der Bar, und das Murmelthier, und die ſchwarze Matte,
Die zahmen find nicht erwähnt.
Der Band I. enthält die dritte Abtheilung, nehmlich- die
Geſchichte, Aderbau, Gewerbe, Handel und Schifffahrt, medi-
einifche Topographie, Wohlthaͤtigkeits-Anſtalten, Kirchenwefen,
40
627
Geſetzgebung, Unterricht, Verwaltung, Bevölkerung, Einkünfte,
Mundart.
Der Band IM. enthält die vierte Abtheilung: Archäologie,
Mahlerey, Bildhaueren, Kirchen, Paläfte, Univerfität, Biblio—
theken, Haven, Münzen. Diefer Band mit vielen Abbildungen
von Kunftfadyen und Gebäuden,
Veberfidht
der Arbeiten und Veränderungen der ſchleſiſchen Gefellfhaft für vater:
ländifche Culture im Jahr 1845. Breslau bey Graf. 1816, 8,
168, 53,
Diefe Geſellſchaft ift eine der Alteften in Deutfchland und
‚ wohl die zahlweichfte und fleißigfte unter allen. Sie theilt ſich
in nicht weniger als 11 Fächer: für Maturfunde, Botanik,
Entomologie, Sudeten, Medicin, Deconomie, Pädagogik, Ge:
ſchichte, Kunft, Technologie und Muſik.
Voran Berichte über die Nerfammlungen, Ausgaben und
Einnahmen, Mitglieder, Bibliothek.
©. 21. der Jahresbericht der mebdicinifhen Abtheilung von
U. Barkow.
©. 37. der Bericht der entomologifchen Abtheilung, von
Gravenhorſt, enthalt manch Wichtiges.
Lehner, über Lebensart von Eccoptogaster pruni et pyri.
Schilling, über die Nüffelkafer Schleſiens.
M. v. Uechtritz, Über die Käfer Schlefieng.
Sravenhorft, über die Ausbildung und Umbildung der
Flügel und Flügelzellen bey den Schlupfwefpen.
Klopſch, Erziehung der Harpyia fagi.
Schummel, beßgleihen der Harpyia mühlhauseri.
ßerdem Befchreibungen von feltenen oder neuen Gattungen.
S. 55. Bericht der botanifhen Abtheilung von Wimmer,
Kraufe, über feltene Pflanzen in Schleſien; Wimmer
deßgleichen.
Dr. Körber, Aphorismen über dag Verhaͤltniß der Arten
zu ihren Individuen.
Wichura, Über den Blüthenbau der Valerianeen; Wim:
mer, begleichen uͤber die Nyctagineen.
©. 67, Bericht der paͤdagogiſchen Abtheilung von Scholz.
©. 73. Bericht der hiftorifchen Abtheilung von Hundrich;
befonders Über die Zahl der Böhmen und Mähren in Schlefien.
S. 87. Beriht der naturwiffenfhaftlihen Abtheilung von
Göppert. Boguslamsfi, über die Periodicität der
- Cometen.
S. 90. Marbach, über die Farbenringe dev Genftalle.
©. 91. Duflos, über die Ermittelung. der Bejtandtheile
der organifhen Korper; Gegenmittel der Vergiftungen.
©. 98. Fiſcher, über das Don und dag Leuchten des
Phosphors.
S.110. Müller, über Harnftoff und Harnfäure.
©. 112. Günsburg, pathologifche Bildung des menſchli—
chen Eyes; Über Nerverbahnen.
©. 115. Purkinje, über die Steuctur-DVerhältniffe des
Faſergewebes des Herzens; neurologifhe Beobachtungen.
©. 117. H. Schols, Ergänzungen zur ſchleſiſchen Mol:
lusken Sauna; Schnedenzudt.
Au⸗
628
S. 124. Goͤppert, Uber die Kartoffel-Krankheit; über das
Keimen der doppelt geſtalteten Samen von Lycopodium den-
ticulatum.
S. 180. Schade, Verſteinerungen bey Saarbor.
©. 188. Goͤppert, über die Zahl und Verbreitung der
verfteinerten Pflanzen; über den Bernftein in Schlefien; die
Pflanzen der mittleren Surafchichten. Dabey 2 Folivtafeln,
©. 151. Bericht der technifchen Abtheilung von G.Bauer.
©: 161. Bericht über die Sudetenkunde von Boguslaws ki.
a meteorologifhe Beobachtungen in Xabellen von
5. 152,
Nyt Magazin
Christiania p. Dahl. V. 1.
88. t. 1. in fol.
Diefe Zeitfihrift enthält wichtige Driginal- Abhandlungen aus
allen Theilen der Naturgefhichte und der Naturkunde, worinn
fih die Nordlaͤnder ſeit Linne immer. ausgezeichnet haben.
Es iſt nur zu bedauern, daß die nordifchen Sprachen im übri-
gen Europa und felbft in unferm Deutſchland fo wenig, getries
ben werden, und daher die Mühe und Entdeckungen der Ge—
lehrten diefer Länder erſt fpat oder gar nicht zur Kenntniß der
Welt kommen. Das Mineralogifhe mag Leonhard und
Bronns Zeitſchrift mittheilen, das Botanifche die Regensbur—
ger Zeitung; das Zoologifche theilt die Iſis mit, fo gut, als es
gehen mag und ald der. Verbreitung der genannten Zeitſchrift
felbjt dadurch Eein Eintrag gefchieht. Wir müßen hier bemer=
fen, daß wir nody nicht im Stande gemwefen find, uns ein gro=
ßes und vollftändiges Wörterbuch der dänifchen und ſchwediſchen
Sprache zu verfhaffen, auch nicht einmal wiffen, vielleicht zu
unferer Schande, ob. es in diefen Sprachen Wörterblcher gibt,
wie das von Adelung, obfhon wir ung im Buchhandel fleis
Big darnach umgefehen haben.
Diefes Heft enthält einen Verſuch einer geognoftifch-mineralo:
gifhen Befchreibung der Kobalt- Gruben von Modum, von
K. F. Böbert, welcher für die Geognoften ebenfo wichtig ift
wie für die Bergleute. Dabey eine Gruben-Gharte in Fol.,
namentli der Gruben von Sfuterud und Gaarftad. Die
Charte erfiredt fi von da big über Snarum hinaus,
Nachtrag zur Drnithologie Norwegens von H. Raſch. ©.33,
Der Verfaffer bat ſchon in den früheren Heften die Vögel
Norwegens behandelt und theilt jeßt mit, was Ihm feit einigen
Fahren wieder Neues aufgeftoßen if. Es ift nicht ein bloßes
Derzeichnif, fondern es finden ſich bier allerley Bemerfungen
über das Vorkommen und die Lebensart nebft ‘genaueren Be—
ſchreibungen und critifchen Vergleichungen; dabey find die bani-
fhen Namen, woraus man vielleicht Manches für die deutſche
Terminologie benugen fann, So werden bier behandelt:
Der nordifche Jagdfalke, Falco gyrfalco Nilson, welchen
der Verfaffer mit den aͤhnlichen critiich vergleicht.
Falco apivorus, milvus.
Strix lapponica, liturata, funerea, tengmalmi, passerina.
Caryocatactes guttatus. Sturnus vulgaris.
Sylvia salicaria,
Anthus richardi, eine Seltenheit, ausführlich beſchrieben.
Fringilla coccothraustes;
Columba turtur.
for Naturvidenskaberne. 1816 8.
9
X %
Perdix cinerea. |
Tetrao urogallus, tetrix, Jagopoides.
Tringa platyrhyncha , Recurvirostra avocetta; Sterna
nigra.
"Larus leueopterus, glaueus. Lestris cepphus (crepidata).
Procellaria glacialis, ausfuͤhrlich befchrieben.
Thalassidroma pelagica.
Anas speetabilis; Sula alba.
glacialis; Mormon areticus.
Gefege für die Fortpflanzung des Lichtes in ifophanen und
einachſig ernftallifierten Körpern, von D. I. Broch. S. 48 -88.
Uria troile; Colymbus
Abhandlungen
der £ Ncademie der Wiffenfchaften zu Berlin aus dem Jahr 1842,
Berlin ben Dümmler 1844, 4, Tf.
Mir fahren fort in der Anzeige diefer wichtigen Schriften:
Kunth, über die natürliche, Gruppe der Liliaceen im: weiz
teften Sinne des Worts ©. 1—595,
Der Berfaffer behandelt hier die Melanthaceen, Uvularieen,
Liliaceen, Afphodeleen, Aſparageen, Smilaceen, Opbiopogoneen.
8. u Buch, Über Granit: und Gneuß, vorzüglich in Hinficht
der aͤußern Form, mit welcher diefe ‚Gebirgsarten auf der Erde
fläche erfcheinen. "8.57 —- 77. T. 1. il.
Die Tafeln enthalten die Durchſchnitte und Flächen von dem
Kinnefulle, den weitgothifchen Bergen, dem mittleren Schweden
und füdlichen Norwegen, von Finn- und Efthland.
ob. Müller, über den Bau und die Kebenserfcheinungen
des Branchiostoma lubricum... December 1841. S. 79—116.
%.1—5.
Das ift eine fehr gründliche Zerlegung, welche fpätern Unterfus
chern fo wenig übrig IAft, mit ſehr vielen und vergrößerten Ab:
bildungen der einzelnen Theile: ganz Vorder- und Hintertheil,
Querſchnitt, Enerftoce, Kiemen und Daım, Muskeln, Nerven,
Knorpel, Eingeweide, Wimper-Bemwegung, Blut:Bewegung, Stel:
lung im Syſtem, neben den‘ Gncloftomen,
Dove, über die nicht periodifchen Uenderungen der Temperatur:
Vertheilung auf der Oberfläche der Erde. IM. ©. 118 -243.
Sehr viele Tabellen aus den verfchiedenften Gegenden und
Sahren.
Ende, über den Gometen von Pons IV. ©. 1-60.
In der philologifch = hiftorifchen Abtheilung bemerfen wir:
Sat. Grimm, über zwey entdeckte Gedichte aus der Zeit
des deutfchen Heidenthums. S. 1-27.
Hoffmann, über die Zahl der Juden in Preufen.
©. 223—243. gegen 200,000.
Schott, Skizze zu einer Topographie der Producte des
chineſiſchen Reichs. S 245-385.
Dieſe Abhandlung iſt fuͤr die Naturgeſchichte von Wichtigkeit,
beſonders wenn man einmal im Stande ſeyn wird, ‚die genann—
ten Pflanzen und Thiere ſyſtematiſch zu beftimmen, was uͤbri⸗
gens hier auch manchmal vorfommt, "Botaniker und Zoelogen
in Indien follten fich daran madıen.
Es gab dort fhon eine Naturgefchichte von 206-221. nach
Chriſtus; die Alteften aber auf ung gefommenen Bücher der Art
gehören in das 5. und 6. Jahrhundert. Das neueſte und
vollfommenfte wurde gefchrieben von 1592—1578., aber erft
- aedeudt 1590. Es ift in der Manier von Plinius, heift
Pen-tsao, der Verfaffer Li: Shi:Tfhin; er ward Bürgers
| 630
meiſter in einer Stadt der Binnen-Provinz Hu-Kuang. Aus
diefem und andern Büchern gibt nun Schott kurze Auszüge;
es betraͤgt 3 ſtarke Bände in El. Folio; befchrieben find 1892
Gegenftände nebft 8160 Recepten. Scott fest, wo er Eann,
die ſyſtematiſchen Namen dazu, meiftens nah Abel-Ramu-=
fat’3 Eneyclopedie japonaise, welche aber nach Dr. Klotzſch
meift unrichtig feyn ſollen.
Abhandlungen aus dem Jahr 1848. Berlin
1845. 4 ff.
Karften, über die chemiſche Wahlveriwandtfchaft S. 1—19.
Klug, die Goleopteren-Gattungen: Athyreus et Bolboce-
ras, dargeffellt nach den in der Sammlung zu Berlin) vorhande-
nenArten S. -I57 Tl.
Ausführlich beſchrieben und ſehr ſchoͤn abgebildet:
A. bilurcatus, tridens, trideutatus, tritubereulatus,
excavatus, lanuminosus, 'angulatus, mexicanus, bicolor,
eyanescens, aeneus, corynthius, authraeinus, violaceus,
orientalis, kordofanus, porcatus.
Bolboceras proboseideus, frontalis, coronatus, quadri-
cormis, recticornis, excavatus, trituberculatus, ‚unicornis,
castaneus, Intlentuß; validus, quadridens, suleicollis,
trisuleatus, boechus, capensis, pollens, tumefactus, farc-
tus, lacerus, bonariensis,'striato -punctatus, sculpturatus,
lueidulus, caesus.
P. Rieß und GI Mofe, über die Pyro = Electricität der
Mineralien, ©. 59-97: 1% 1.2. Cryſtalle.
Line, über die Stellung der Cycadeen im natürlichen Syſtem.
Gehören in die Nübe der Palmen; find palmendrtige Zwie—
belgewächfe. Aus dem Wurzelſtock treiben ſchuppenartige Blaͤt—
ter hervor, wie fie die Zwiebeln in der Regel haben, dann blatt—
artige Stämme oder Schaͤfte, den Blaͤttern der Palmen aͤhnlich—
Joh. Muͤller, Unterſuchungen uͤber die Eingeweide der
Fiſche; Schluß der vergleichenden Anatomie der Myxinoiden.
©. 109 -170. 1 &:A4— 5:
Diefe gründliche Abhandlung mit vielen ſehr ſchoͤnen Abbils
dungen, gejtochen von C. Haas, laͤuft ſchon feit 1884., und
lehrt dieſes merkwürdige Thier in allenı feinen Verhältniffen
auf3 Genauefte kennen. Hier befchreibt: der Verfaſſer die Kies
menfüde, Diem, Leber, Gefchlechtstheile, Nebennieren, Nieren,
Schleimſaͤcke, Blutkörperchen; am Schluffe Bemerkungen Über
den Bau der Eingeweide bey- einigen Plagioſtomen; endlich Über
die Schwimmblafe. der Fiſche, fehr ausführlid.
Wei, üb. das Maaß der körperlichen Winkel. S.171—188.
E. Mitſcherlich, üb. ein’ Goniometer. S.189 -197. T. 1:
In der philologifch-hiftorifchen Abtheilung ift zu bemerken:
9. E. Dirkfen, über ein in Juſtinians Pandecten ent:
haltenes Verzeichniß ausländifcher Waaren, von denen eine Ein-
gangsfteuer erhoben wurde. &. 59—108. ;
Es fommen bier viele Gewürze und andere Stoffe aus In—
dien und Africa vor, auch Edelfteine und Thiere.
Der Band für 1844: Berlin 1846. 4.
Nie, über die Anordnung der Eleckricität auf Leitern.
&.1—47. T. 1.
Kunth, Über die natürliche Pflanzengruppe der Buddlejeae.
©. 49—69.
Derfelbe, Reviſion der Familien "der Commelyneen.
S 71-88.
L. v. Buch, über die Cyſtideen, eingeleitet durch | die, Ent-
widelung der Eigenthuͤmlichkeiten von Carxocriuus orhatus.
©. 89—116. T. 1.2.
631
Joh. Müller, über den Bau und bie Gränzen ber
Ganoiden und Über das natürlihe Syftem der Fiſche.
©. 117-216. 3%. 1—6.
Mieder eine große und reichhaltige anatomifche und ſyſtemati—
fche Abhandlung, worinn der Verfaffer eine von den andern
ganz abweichende Claffification der Fiſche aufftellt, welche wir
bier mittheilen müßen.
Subelassis I. Dipnoi.
Ordo J. Sirenoidei.
Fam. I. Sirenoidei.
Snbelassis II. Teleostei.
Ordo I. Acanthopteri.
Familiae: Pereoidei, Cataphraeti, Sparoidei, Sciae-
noidei, Labyrinthiformes, Musilloidei, Notacanthini, Scom-
beroidei, Squamipennes, Taenioidei, Gobioidei, Blennioidei,
Pedieulati, Teuthyes, Fistulares 15.
Ordo Il. Anacanthini.
Subordo 1. Anacanthini subbrachii.
Fam.: Gadoidei, Pleuroneectides.
Subordo 2. Anacanthini apodes.
Fam. Ophidini.
Ordo III. Pharyngognathi.
Subordo 1. Pharyngognathi acantho-
pterygli.
Fam : Labroidei eycloidei. L. etenoidei, Chromides.
Subordo 2. Ph. malacopterygii.
Fam. Scomber esoces.
Ordo IV. Phyhostomi.
Subordo 1. Ph. abdominales.
Fam.: Siluroidei, Cyprinoidei, Characihi, Cyprinodon-
tes, Mormyri, Esoces, Galaxiae, Salmones, Scopelini,
Clupeidae, Heteropygü (Amblyopsis) 11.
Subordo 2. Ph. apodes.
Fam.: Muraenoidei, Gymnotini, Symbranchii.
Ordo V. Plectognathi.
Fam.: Balistini, Ostraciones, Gymnodontes.
Ordo VI. Lophobranchii,
Fam. Lophobranchi.
Subelassis Ill. Gunoidei.
Ordo I. Holostei.
Fam : Lepidosteini, Polypterini.
Ordo Il. Chondrostei.
Fam.: Acipenserini, Spatulariae.
Subelassis IV. Elasmobrancki.
Ordo I. Plagiostomi.
Subordo 1. Squalidae.
Fam.: Seyllia niectitantes, lamnoidei, alopeciae,
Cestraciones, Rhinodontes, Notidani, Spinaces, Scymnoidei,
Squatinae 10.
Subordo 2. Rajidae. 4
Fam.: Squatinorajae, Torpedines, Rajae, Trygones,
Mvliobatides, Cephalopterae 6.
Ordo I. Holocephali.
Fam. Chimaerae.
Subelassis V. Marsipobranchi.
Ordo Il. Hyperoartii.
Fam. Petromyzonini.
Ordo HI. Hyperotreti,
Fam. Myxinoideae.
Subelassis VI. Leptocardii.
632
Ordo I. Amphioxini.
Fam. Amphioxini.
Abgebildet find: die anatomifchen Theile von Polypterus et
Lepidosteus. iu.
N G. Roſe, üb. das Cryſtallſyſtem des Quarzes. ©. 217 —274.
.1—6,
Dove, über den Zufammenhang der Märme- Veränderung
der Atmofphäre mit der Entwidelung der Pflanze. S. 276 —
404. 8.1. 7
Sehr viele WärmesTabellen, mit Angabe der Bluͤthzeit eini-
ger Pflanzen. In der mathematifchen Abtheilung fteht die
fünfte Abhandlung von Ende über den Gometen von Pons.
©. 73—99,
Sohannes Müller hat (oben: genannte Glaffification der
Fiſche) bey den Ganoiden, namentlich bey Polypterus et Le-
pidosteus zwey Querreihen von Klappen im Arterienftiel ge:
funden und als characteriftifche Kennzeichen für diefe Fiſche
aufgeftellt. Dadurch) veranlaft hat Carl Vogt die Amia
calva aus den Clupeiden unterfucht und denfelden Bau’ gefun—
den. (Ann. Se. nat. Serie II. Vol. 4. 1845. p. 53. t. 9.)
Die Amia hat aber Eeine Enöchernen und tafelfürmigen, fondern
biegfame abgerundete Schuppen und foll deßhalb nah Vogt
bey Sudis et Osteoglossum unter den Clupeiden bleiben, was
Müller nicht zugibt, fondern jene zu den: Ganoiden ftellt,
die beiden legtern aber bey den Glupeiden läßt, meil fie nur
zwey Herzklappen ohne Muskelbeleg des Arterienftiels, baben.
Aus derfelben Veranlaffung hat Prof. Stannius herausgegeben:
Benterfungen
über das Verhältnig der Ganoiden zu den Clupeiden, insbefondere zu
Butirinus, Roſtock bey Deberg 1846, 8. 20,
Er billigt die Vereinigung von Lepidosteus, Polypterus et
Amia nebft Acipenser et Spatularia mit den Ganoiden und
ſucht nun. ihr Verhältniß zu. den. Clupeiden auszumitteln. Er
findet nun Uebergänge zwifchen beyden, namentlich bey Butiri-
nus, den er eigens deßhalb zerlegte, 4 Klappen in zwey Reihen
an der Öränze von Bulbus und Herzkammern, aber. ohne Mus-
kelbeleg; auch Andeutungen einer Spiralklappe im Darm, mie
bey den Ganoiden und Amia. Daben befchreibt er die übrigen
anatomifchen Berhältniffe eines Fifches, welche im Ganzen mit
denen der Glupeiden übereinftimmen. . Butirinus verbindet alfo
Charactere der Clupeiden und Ganoiden, und die legteren ftehen
den Knochenfifhen nicht fchroff gegenüber, gehört zu den
Giupeiden, bildet aber den Uebergang zu. den. Gunoiden, welchen
der Mustelbeleg des Bulbus arteriosus ausfchließlich verbleibt.
Gorrefpondenz: Blatt
des naturforſchenden Vereins zu Niga, redigiert von Dr. Medicinae
C. 5. G. Müller. Riga bey Kümmel. 1846. 8, 181.
Wie ſehr die Naturwiffenfhaften in der neueften Zeit ſich
unter alle Stände verbreiten, bemweifen vorzüglich die vielen. Ge—
feufchaften, welche fich faft in jeder bedeutenden Stadt bilden.
Lievland hat von älteren Zeiten, ber immer tüchtige Naturfor-
ſcher gehabt, beſonders angeregt durch die Univerfität zu Dorpat.
Sie haben fih nun zufammengethan, um fich wechfelfeitig zu
ermuntern und’ zu unterftügen. Die Gruͤndung geſchah im
Jahr 1843, befonders auf Veranlaſſung ber bereits ruͤhmlich
631
bekannten Naturforfher Gimmerthal und Soboffsky.
Sie vereinigte bald 160 Mitglieder in ihrer Mitte und hielt im
Suny 1844. ihre erſte allgemeine VBerfammlung, nachdem ſchon
früher Sisungen dev einzelnen Fächer gehalten worden waren,
nehmlich der Zoologen, Botaniker, Mineralogen, Phnfiker und
Chemiker. Sie haben fih nun entfchloffen, ihre Verhandlungen
druden zu laffen, vorzüglich, um das Intereſſe unter ſich felbft
zu erhalten ‚und in den Dftfee= Provinzen anzuregen. Es ift
auch Manches darunter, was in größeren Kreifen bekannt zu
werden verdient.
©. 33. Ein Vortrag von Gimmerthal über die verſchie—
denen Kerf-Syſteme.
©. 50. Heugel, über die Beſtimmung der Meidenarten.
©. 61. Dr. Mütter, über einige lievländifche Pflanzen,
die früher nicht bemerkt wurden.
©. 77. Wangenheim von Qualen, Über das Weſen
und die Zendenzen der Mineralogie, Geognofie und Geologie.
©. 86. Deugel, über den Urfprung des Schwefels in den
Pflanzen.
©. 99. W. von Motfhulsfy, Befchreibung neuer Käfer:
Cieindela baltica, Erirhinus indistinetus, Phytonomus
gimmerthali, Peritelus puncticollis.
©. 102. Kawall und Gimmerthal, Befchreibung von
8 neuen Muden.
©. 115. Gimmerthal, über die Schlangen der Oſtſee—
Provinzen. Pelias berus, chersea, Tropidonotus natrix,
ausfriacus, Anguis fragilis. ;
&. 117. Deugel, die Algen in pbyfiologifcher und mor—
phologifcher Beziehung.
©, 147. Kerfting, über das leidenfroftifhe Phänomen.
©.152. Frederking, SGlaffification der chemiſchen
Elemente.
©. 158. Dr. Buhſe, Über den Bau der Flechten,
Außerdem bin und wieder Auszüge aug andern Schriften.
Die meiften Auffäge find populär gehalten, was für diefe
Blätter fehr zweckmaͤßig zu fern ſcheint.
Unterfuchungen
über das Vorfommen des Hermaphroditismus in der Natur. Ein hiſto—
riſcher Verſuch von I. J. ©. Steenftrup, Lector zu Soröe, überſetzt
von Prof. Hornſchuch. Greifswalde bey Otte. 1846. A. 130. T.2
in Folio.
Eine Beurtheilung dieſer Schrift iſt ſehr ſchwer, beſonders
bey einem Verfaſſer, welcher in ſeinem Buche über den Gene—
rations-Wechſel ſoviel Kenntniß, anatomiſches Geſchick und
Scharfſinn entwickelt und ſoviel Behfall gewonnen hat. Es gehen
zwar dieſe löblichen Eigenſchaften der vorliegenden Schrift keines—
wegs ab: fie enthält aber jo ſonderbare Deutungen der Ge—
fchlechtätheile und fo bebenfliche Schlüffe, daß die Beyſtimmung
auch höchft bedenklich werden muß, Wir haben das Buch mit
der größten Aufmerkſamkeit gelefen, können und aber bey allem
Scharffinn des DVerfaffers ebenfo wenig von feinen Schlüffen
überzeugen, als Diejenigen Männer, melche der. Ueberſetzung Bez
merfungen beygefügt haben, wie Dr. Ereplin, Dr. Fr. Mül—
ler, Dr. Kari, Var. Schulge und ber Ueberfeger. Die
Abbildungen find zwar nicht ſchön, aber meiftend deutlich, Der
Verfaſſer geht ziemlich alle Thiere Durch, welche nach demfelben
im Verdachte der Zwitterfchaft ftehen, und bildet Die Geſchlechts—
Iſis 1847, Heft 8.
632
theife ab, namentlich von Meer = Eichel, Negenwurm, Blutegel,
Planaria, Coryne,, Helix, Limnaeus, deutet manche Theile
für verfümmerte oder vuhende Organe, wobey man nicht weiß,
was man Davon halten fol. Man muß die Prüfung dieſer
Anfichten jedem ſelbſt überlaffen und abwarten, ob Ddiejelben in
den Goder der Anatomie und Phyſtologie aufgenommen werden,
Zum Schluſſe fönnen wir nicht unbemerft laffen, daß er ©. 85.
hinſchreibt: Die Züricher Univerfität hätte Neumplers Ab—
handlung, worinn er das von Bojanus für die Reſpirations—
Drüfe gehaltene Organ der Mufcheln für die Hoden erklärt, mir
einem Preiſe gekrönt. Hätte er den Auffag in der Ifis 1841.
©. 218, mit Aufmerffamfeit gelefen; fo wiirde er gefunden haben,
daß das nicht der Fall war, Beſſer hätte er gethan, die Natur
jenes Organs zu erforfchen. Ebenfo fagt er ohne weiteres ©. 95.
‚Man wird ſich an Baers Beobachtung (Müllers Arch.
1835. S.224.) erinnern, daß ein Limnaeus aurieularia durch
die eine Gejchlechtsöffnung die von Der andern Deffnung aus:
geftülpte Partie aufgenommen hatte, und daß dieß Phänomen von
Dem Beobachter ſelbſt und von allen nad) ihm, als eine Selbft-
befruchtung gejchildert wurde; aber ich muß nach dem oben dar-
geſtellten Verhalten die Möglichkeit hievon ganz Läugnen, gleich-
wie ich Die Gelbjtbefruchtung bezweifeln muß, Die zufolge Ofen 8
Erfahrung (Iſis 1817. ©, 320.) bey dieſer Schnede folte
Statt finden.
Dfen gibt an, baß ein Junges vom Limnaea auricularia
ſogleich nach feiner Geburt im Sommer 1814. in ein eigenes Glas
gelegt wurde, und im Sommer 1815. Eyer legte, woraus eine
große Vienge- Junge gekommen, ohne daß es Verkehr mit einer
andern Schnede gehabt. Es würde fehr zu wünfchen feyn, daß
Experimente Diefer Art mit aller möglichen Genauigkeit ausge—
führt und mit allen ftattfindenden Einzelheiten angegeben wuͤr—
den. Ich fehe, dab Prof. Dr. Czermak in Wien eine ähn-
liche Beobachtung an Limnaeus stagnalis gemacht hat. Roß—
mäßler, Sconographie der Land- und Suͤßwaſſer-Mollusken
1. Seit ©. 94.5 dagegen jagt Liſter über Planorbis: „in se
privatim steriles sunt, et nisi inter se jungantur, non gi-
gnunt.“
Darauf wird nichts weiter zu erwiedern feyn, als unfere Worte
in der Iſis zu wiederholen,
„Schnecken-Junge ohne Begattung.
Im Sommer 1814. hielt id) einige Wafferfchneden von
Limnaea aurieularia, die Junge brachten. ° Sogleich eins da=
von in ein befonderes Glas gebracht, erwuchs bis zum nächften
Sommer 1815, legte ganz allein mehrere, Die befannten Cyerftäbe, aus
denen ich über 100 Junge erhielt, von denen gegenwärtig noch
einige Dugend leben, Wieder eines fogleich von den‘ andern
getrennt, war im. Frühjahr 1816. völlig erwachſen; ich fanı
aber durch einen Unfall darum. Seine ungetrennten Kamera—
den pflanzen fich fort.“ — Roßmäßler fagt:
„Als ich in Wien war, theilte mie Der rühmlichft befannte
Anatom und Phnfiolog Prof, Dr. Czermak feine Entdeckung
der Superfücundation bey L. stagnalis mit, Er fonderte aus
einem Laiche ein einziges Ey ab und erhielt von der Daraus
völlig ifolirt erzogenen Schnee, alfo ohne Befruchtung frucht:
bare Eyer.“
Die nachgetragenen Bemerkungen von Creplin betreffen Die
Geſchlechtstheile der Gingeweidwürmer; die von Müller bie
DBlutegel, woben aud) Die von Quatrefages über die Pla-
narien; die von Schulße die Süßwaſſer-Polhpen, wobey auch
Wills über die Rippenquallen; die von Karſch Die Limnäen;
40*
633
Die vom Ueberfeger faſt alle Claſſen. Nachtragen müpen wir
noch, daß der DWerfaffer auch den Pflanzen die Zwitterfchaft ab—
ſpricht, indem er jede Blume ald eine zufammengefegte Darzu=
ſtellen fucht.
Organum @®lfactus Cetaceorum
praesertim Delphinorum auctore A. Alessandrini. Bononiae
1842. 4. 20. t. 2. (Novi Comm. Acad. bonon. IV.)
Der Verfaſſer fchildert hier Das gefammte Geruchs-Organ von
Delphinus tursio et delphis, und bildet daſſelbe auf. zwey
großen Tafeln ab, wofür man ihm jehr dankbar feyn muß, da
man es noch nicht gehörig fennt, ja es Diefen Ihieren ab-
geiprochen hat, obichon bereit? J. Hunter 1787. das La—
byrinth bey den Walen entdeckt und ſelbſt Die Niechnerven als
vorhanden ausdrüdlich bemerkt hat. Der Verfaſſer geht nun
die fpäteren Meynungen durch und bejihreibt fodann das ge=
ſammte Riech-Organ der genannten Thiere mit der Genauigfeit,
welche man bey) Diefem berühmten Anatomen gewohnt ift. Er
hat auch Die feinen Niechnerven gefunden wie Sunter und
PBrofeffor Mayer zu Bonn, welche legtere Entdeckung er jedoch
nicht kennt. Um fich Darüber nicht zu täufchen, muß ‚man
friihe Schädel‘ haben. Gr bildet übrigend nur das Innere der
Nafe ab mit Arterien und Nervenfaden des fünften Paars, auch
den Zufammenbang der euftachifchen Trompete mit der Nafe,
aber nicht Die Riechnerven felbft. Auf jeden Sal ift übrigens
Diefe Abhandlung ein dankenswerther Beytrag für Die verglei—
chende Anatomie,
Sulla Lampreda marina,
Mem. del Prof. B. Panizza Milano. 1844. 4. 29. tab. 2. in fol.
(Istituto lombardo 11.)
63 haben zwar fehon mehrere tüchtige Männer über Die Meer—
Pricke werthvolle anatomische Unterfuchungen befannt gemacht,
wie Some, Nathfe, Born, Carus und 3. Müller, über
Die Slußpride Bojanus in der Iſis 1821. 28., welche letztere
aber der DBerfaffer nicht fennt: dennoch blieb immer noch Dieß
und jene zurück, jo daß der Werfaffer noch genug nachzutragen
hatte, befonders über das Hirn, die Nafe, Die Kiemenfäde, das
Gefäßſyſtem und die Gefchlechts:Verhältniffe, wozu ihm befonders
gute Gelegenheit geboten wurde Durch den. Umftand, daß Die
Vieerpriden zur Laichzeit im Frühjahr den Po berauftommen
bis in Den Teſſin bey Pavia, wo er biefelben lebendig exhielt,
obſchon in geringer Zahl.
Er bejchreibt nun das Hirn und bildet es ab fehr genau nebft
dem Urſprung der Nerven mit eritiichen Bemerkungen; ebenfo
die Naſe mit ihren Theilen. Gr hat ebenfalls bemerft, wie
Bojanus und auch wir bey der Flußpricke, daß das Waſſer
zu Den Siemenlöchern hinein und herausgeht und der Mund
nichts dabey zu thun hat. Er lobt beſonders Rathkes Be—
ichreibung des Gefäßſyſtems und der Gefchlechtstheile, welche
Home jo fonderbarer Weife verfannt hat. Die Abbildungen
find in großem Maapftab und ftellen vor das Hirn, einen ſenk—
rechten Längsichnitt Durch Mund, Nafe und Kiemen, einen ähn-
lichen, um Die männlichen Gefchlechtstheile zu zeigen; fodann
den Fiſch ganz und ebenfo noch drehmal geöffnet, Maͤnnchen und
634
Weibchen mit voller Entwidelung bes Milchens und Roogens,
und endlich auch den weiblichen Noogen nad) der Entleerung.
Die Anatomen können ſich daher über Diefen Betrag freuen,
indem er manches Neue enthält, Manches beftätigt umd be—
richtigt,
Quellenkunde der vergleichenden Anatomie,
als Vorläufer einer pragmatifchen Gefchichte der Zootomie, von Dr.
F. W. Aßmann, Lehrer der Zootomie in Leipzig. Braunſchweig
bey Vieweg. 1847. 8. 319.
Das iſt eine ungemein fleißige und nützliche Arbeit, welche
mit dem Index von Engelmann den Zoologen und ZSooto—
men große Dienfte leiften wird. Es iſt wirklich ein Glück, daß
es folche fleifige Leute gibt, welche den edlen Beruf über fich
nehmen für andere zu forgen. Der Berfaffer hat alle möglichen
Zeitſchriften durchftöbert, um jede hergehörige Abhandlung zu
finden und zu verzeichnen. In dem größern Abfchnitten ift auch
das Buch fehr wohl geordnet, und da ein Namenregifter dabey
ift, auch Alles ziemlich leicht zu finden. ?
Zuerft Die allgemeinen Schriften, Gejchichte, Lehrbücher, Samm—
lungen und bergl.
©. 12. Monographien der Säugthiere; S. 30. der Vögel;
©. 44. der Lurche; ©. 40. der Fiſche; ©. 47. der wirbellofen
Thiere überhaupt; S. 50. der Mollusfen; ©. 63. der Anneli=
den; ©. 67. der Cruſtaceen; S. 72. der Arachniden; ©. 73.
der Inſecten; S. 80. der Echinodermen; S. 82. der Entozoen;
©. 87. der Acalephen; ©. 90. der Polypen; ©: 98. der In—
fuforien.
Dann folgen S. 102. die Schriften nach der Neihe der ana=
tomifchen Syfteme: Knochen, Muskeln, Gefüge ©. 123.5 Ner—
ven S. 140.5; Sinnorgane ©. 150.5; Athemorgane ©. 166.;
Darn ©. 184.5 Gefchlechtötheile S. 196.5 Entwickelungs-Ge—
fhichte ©. 209.5 Phosphorescenz ©. 240.; Winter = Schlaf
©. 242.
‚Dan muß dem DVerfaffer alle Anerkennung gewähren und ihm
Dank für diefe Mühe jagen, wenn auch nicht Alles aufgeführt
ift, was man bey einer ſolchen Menge von Gegenftänden nicht
verlangen fann, So fönnten wir ibn gleich mehrere bon uns
fern Sthriften nennen, Die er vergeſſen hat oder. die wenigftend
nicht im Negifter ftehen, wie die Bildung alles Organifchen aus
dem Bläschen in unferem Buch über die Zeugung; die Ent:
wicelung der Därme aus dem Nabelbläschen; das Univerfum
als Fortfegung der Sinnorgane, Die Naturphilofophie, worinn
wir die Bedeutung Der anatomischen Theile auseinandergefegt
haben, manche Auffäße in der Its, befonders über die Bedeu—
tung der Kopffnochen, des Kiemendedeld ufw. in den erſten
Jahrgängen, Das Zahnfyftem in dem von 1825. uw. Doc,
wie gefagt, wollen wir, dem DVerfaffer feinen Vorwurf machen,
da wir wohl wilfen, wie ungemein fihwer, ja wie unmöglich
es ift, nichts zu überfehen. Wohl aber wäre zu wünſchen ges
wefen, daß er bey jedem Artikel Die Aufſätze nach der Zeit ges
ordnet hätte, Das ift nicht fo fehiwer, wie es ſcheint. Man
muß Daben wie bed einem Wörterbuch verfahren, nehmlich bie
Titel auf befondere Zettel ſchreiben und dann ordnen.
635
Lectures
on the comparative Anatomy and Physiology of the inverte-
brate Animals by Richard Owen, Prof. London by Longman
2 1843, 8. 392.
Lectures ete. on the vertebrate Animals I. Fishes.
1846. 308.
Hier tritt zum erften Dal in England die philofophifche Betrachtung
in der vergleichenden Anatomie hervor, und zwar ſogleich in
einem vollen Strom, jo dag man der Wiffenfchaft Glück wün—
fchen kann, indem fich ‚hier ihrer ein Mann annimmt, der Durch
feine faft unzählbaren empiriſchen Forſchungen in allen Thier—
elaffen, allen Syſtemen und Organen mit allen Hülfsmitteln
ſich unter die erſten Anatomen geftelt hat. Er fucht überall die
Bedeutung der Iheile zu erforfchen Durch Nachweifung der ho—
mologen Theile, bald in den untern, bald in den höhern Or—
ganen und Thieren, fo wie wir es fchon feit einem halben Men—
ichenalter gelehrt haben, Da ihm fo vieled zu Gebote fteht,
was andern fehlt; jo wird es ihm gelingen eine Menge Organe
und Thiere an ihren rechten Plag zu jegen, was uns bisher
nicht möglich geweſen iſt. Er folgt zwar im feiner Darjtellung
der Reihe der Thierclaſſen, was wir nicht billigen fünnen, wie
wir ſchon bey Cubiers Anatomie bemerkt haben: dieß benimmt
aber nicht3 den. genauen Unterfuchungen, Abbildungen und Bes
fchreibungen und noch weniger den jinnreichen Vergleichungen
und den geiftreichen Deutungen, obſchon Manche nach herge-
brachter Weije dergleichen Dinge eine Spielerey nennen. Das
fünnen wir uns übrigens gefallen laffen: denn Die Bilder der
Dichter find auch Epielerey, eine des Geiftes; Die unferige aber
iſt eine Spielerey der Natur, welche ihr übrigens ſehr leicht
wird, Da ſie nur Das Eine Taufend» und Taufend Mal wiederholt
und eben dadurch Das Manchfaltige Hervorbringt. Dieſes zu er—
fennen, oder vielmehr dieſelbe Entwidelung im Bewußtſehn zu
wiederholen iſt unfer Betreben. Bis auf den heutigen Tag hat
e3 ſich ausgewiefen, Daß Die Betrachtung Der Ericheinungen als
einzelner abgefchloffener Dinge zu nichts geführt hat als zu einem
Haufwerk, an das fich fein Hercules wagen fann und mag.
Der Verfaffer ſchickt als Grundlage fein Furges Syſtem der
Glafjen voraus. Diefen fehlen noch die philoſophiſchen Prin—
eipien, welche einige Jahr fpäter nehmlich im zweyten Bande
bhervortreten. Bemerken wollen wir nur, daß er die Ningelthiere
auf die Fiſche folgen läßt und die Cirripedien Dazu jtellt, und
zwar in folgender Neihe: Urustacea, Arachnida, Insecta,
Annellata, Cirripedia. Die Tunicaten ftelt er zu den Weich-
tbieren; die Gehimodermen und Acalephen zufammen in eine
Glaffe; die Polypen theilt er in Ciliobrachiata, Anthozoa et
Nudibrachiata; Die Entozoeen in Coelelmintha et Sterelmiutha;
die Infuforien in Rotifera et Polygastria. Im Verlauf des
Werkes kommen jedoch manche Abänderungen in der Reihen—
folge or.
Beh den einzelnen Ordnungen wird zuerft Die weitere Glafft:
fication, gegründet auf die anatomischen Unterfchiede, gegeben ;
Dann gewöhnlich der äufere Bauz fodann die anatomischen Sy—
fteme und Organe in abwechjelnder Ordnung, je nachdem. e3
Die genetifche Gntwidelung erfordert. Man findet daher Die
Spiteme nicht wie in einer Tabelle immer an demfelben Orte,
fondern in einem fortlaufenden zufammenhängenden Tert, fo
daß das Buch ohne Ueberichlagung gelefen werden muß, wenn
man in den Geift des Zuſammenhanges eindringen und nicht
bloß Ihatfachen ſammeln wild, wozu 3.8. Cuviers Anatomie
636 _
vortrefflich eingerichtet ift. Es find hier wirklich gehaltene Vor—
lefungen, in denen man bekanntlich Hundert und Sundert Dinge
zur Vergleihung und Erläuterung herbeyzieht, um den Gegen-
ftand klar und eindringlich zu machen. Dabey hat der Ver—
fajfer außer feinem eigenen Schage alle Ihatjacheu und Feen
der andern Forſcher benugt, und, man darf wohl jagen, mit
einer Art Vorliebe den Zuhörern das mitgetheilt, was in Deutſch—
land, deſſen Literatur er vollftändiger kennt, geleifter worden ift. So
finden ſich Die Glieder des alten Stamms wieder zuſammen in
der Natur-Wiſſenſchaft.
Der Verfaſſer beginnt feine Entwidelung von unten, wie wir
es in Deutfchland machen; gebt alfo den ſynthetiſchen Weg; Die
Franzoſen bekanntlich umgekehrt den analytiſchen. Beide find
gut je nach Umſtänden, und es jollten daher beide gelehrt wer—
den; Die legtere zur Sammlung ver Ihatfuchen zuerit; jodann Die
andere zur geiftigen Verknüpfung derſelben. Die franzöſiſche
Methode wäre Daher für Die höheren Gynmaften oder Special-
Schulen; ‚Die ſynthetiſche Dagegen für Univerjitäten.
Der BVerfaffer beginnt nun S. 16. mit den Polbgaftrien, und
ftellt den Bau, Die Bewegung, Gmährung und Fortpflanzung
durch Iheilung ufw. dar. ©. 28. folgen die Räderthiere auf
ähnliche Art.
Die Eingeweidivürmer; viel ausführlicher, abgetheilt
in ihre verfihiedenen Zünfte, überall mit zahlreichen Holz—
fchnitten,
©. 81. die Polhypen; S. 101. die Quallen; ©. 112. die
Echinodermen.
S. 129. die Würmer; S. 147. die Lernäen und Cirripedien;
©. 162. die Cruſtaceen; ©. 192. die Infecten nach allen Ord—
nungen und anatomifchen Shitemen; ©. 250. die Arachniden.
©. 267. folgen die Tunicaten; ©. 277. die Bradyiopoden;
©. 280. die Mufchelnz; S. 291. die Pteropoden; ©. 295. die
Schnecken; ©. 312. die Cephalopoden jehr ausführlid).
Es wäre unmöglich, hier ins Einzelne zu gehen; man wird
aber ziemlich überall finden, was man fucht. Ueber das Ger
Schlecht = Verbältnig der Cirripedien bleibt der DVerfaffer unent=
jchieden, er ftelt übrigens beide Anfichten dar, daß fie nehmlich
Zwitter wären oder ‘getrennten Gefchlechtes. Die Enticheidung
wäre wegen der endlichen Glaffification febr zu wünſchen. Es
gibt befanntlich feine Zwirter unter den Gruftaceen, und. Daher
muß man Die Ginreihung der Eirripedien unter Diejelben zur Zeit
für gleichgültig halten. Uns wird es aber von Tag zu Tag
heller, Daß fie getrennten Gejchlechts find.
Der zweyte Band wird, wie oben der Titel befagt, bloß
son den Fiſchen eingenommen, und Daraus fann may ſchon auf
die Vollſtändigkeit fchliegen. Hier tritt nun Die philoſophiſche
Betrachtung Des Knochenihitems in ihrer ganzen Vollſtändigkeit
auf, und zwar al3 Hauptführer der Wirbel und die Wirbelbe-
Deutung Des Kopfes, Cs ift zwar hierinn bey den Fiſchen noch
vieles zu thun: aber Die Fiiche werden e3 jehn, weldye die Bein:
Philofophie am vollftändigften und Elarjten nachweifen. Außer
den Schädelfnechen verlangt Der Kiemendedel und das Schulter=
gerüft noch weitere Unterfuchungen und Ueberlegungen. Wir
haben zwar in den erften Bänden der Iſis unſer Möglichites
gethan, um die Bedeutung diefer Theile herauszubringen. Dan
muß aber das Urtheil abwarten, weldyes Männer wie Owen
darüber am Ende aller Enden füllen werden.
Zuerft eine allgemeine Vergleichung der vier oberen Thier—
A
©. 42,
claſſen, bejonders hinſichtlich des Knochenſhſtemis, feiner Beftand-
637
theile und feiner Entwidelung. S. 41. ſchickt er die Claffifi-
cation voraus, worinn er ziemlich der neueren Anordnung bon
Sobannes Müller folgt, mit Beridfichtigung der von
Agaffiz aufgeftellten Glafjification. Dann werden Die Beſtand⸗
theile des Fiſchwirbels und der ganzen Wirbelſäule dargeſtellt;
S. 70. der Schädel, überall mit vielen und ſchönen Holzſchnit—
ten, alles deutlich zerlegt; ©. 116. die Kiemenbögen, das Schuls
ter= und Bedengerüft.
S. 140. die Sautfnochen und die Bedeutung der Knochen—
ſtücke des Kiemendeckels, des Unterfieferd ufw., der Sloffen ufw.
nebft Tabellen über Die Benennungen bey verfchiedenen Schrift:
ftellern. Diefes Knochſyſtem ift eine reiche Fundgrube für Ver—
gleichungen und Ueberlegungen. Es gibt noch vieles Darüber
zu fagen, wozu aber Zeit und reiche Sammlungen nöthig find,
Der Verfaſſer bat fein Möglichftes gethan, um Diefe Unterſuchun—
gen in das wiffenfchaftliche Geleife zu bringen.
©. 163. dag Muskelſyſtem, worüber ſich bey den Fiſchen
nicht viel fagen läßt.
S. 178. dag Nervenſyſtem, ſchon viel reichhaltiger, befonders
bey den Sinnorganen und den electrifchen. Zu bemerken ift,
daß der Verf. von Den hintern Naslöchern der Lepidosiren
fagt, fie öffneten fich nicht in den Mund, fondern. auswendig,
binten an der Oberlippe, wodurch alſo unfere oft angedeutete
Anficht, daß fie nur Das zwehte aͤußere Nasloch find, beftätiget
wird.
©. 219. das Verdauungsinften, Gebiß und Darm.
S. 246. Gefaͤßſyſtem, Lymphgefäße, Venen, Kiemen, Arterien,
Luftblafe, Nieren.
©. 286. Geſchlechtsſyſtem und Entwidelung.
Ben einer folhen beurtheilenden Darftellung der anatomifchen
Berhältniffe darf man ſich auf die folgenden Bände freuen; bes
fonderd geben die Lurche viel Aufklärung über Das Knochen—
Syſtem, namentlich des Schädels, der Schulter und des Bedens.
Dhne Zweifel wird der DVerfaffer auch darauf fommen und und
auf Diefe Weife gine durchdachte und die Gefege Darlegende Ana—
tomie liefern: denn er hat dazu geiftige und materielle Kräfte,
Theorie positive de la Fecondation des
Mammiferes,
basee sur l’Observation de toute la serie animale, par Dr. F.
A. Pouchet, Prof. a Rouen. Paris chez Roret. 1842. 8. 163.
‚Bekanntlich hat fich ein heftiger Streit entzunden zwifchen dem
Verfaſſer und IH. Bifhoff, Prof. zu Gießen, über Die Prio-
rität Der Entdeckung, daß auch beym Menfchen wie bey den Säug-
thieren Dad Eh auch ohne Befruchtung vom Eyerftod ſich ablöſe
und in Die Bärmutter gelange und zwar beym erfteren beh jeder
Menftruation; daß mithin die Anwefenheit von fogenannten gel—
ben Körpern Fein Beweis von Befruchtung ſeh. Wir haben
darüber ſchon bey der Anzeige von Biſchoffs Beweis uſw.,
638
Ifis 1844. ©. 939. erklärt, daß wir biefer Entbdeckung nicht hin:
länglich gefolgt und daher auch) nicht im Stande waren, eine Mey—
nung Darüber zu außern. Bifchoff hat feitdem eine umftänb-
liche Auseinanderſetzung dieſes Streites und die ganze Geſchichte
Diefer Entdekungen gegeben in ben Annales Se. nat. Serie Ill.
Vol. 2. 1844. 104.
Der BVerfaffer hat fomohl Durch eigene Unterfuchungen und
durch Vergleichung einer großen Zahl von phyſiologiſchen Wer:
fen feinen Gegenjtand jo alljeitig und gründlich behandelt, daß
er ſich in den Stand geſetzt fah, folgende Geſetze aufzuftellen.
41) Der Menſch macht Feine Ausnahme; die Erſcheinungen
feiner Erzeugung gehen nach entiprechenden Geſetzen mit Denen
anderer Thiere, und find ſelbſt volfommen einerley mit. den
Vorgängen bey denjenigen Ihieren, welche an der Spibe ftehen.
2) Die Zeugung geihieht bey allen Ihieren durch Ener; nur
einige niedere TIhiere machen Davon eine Ausnahme.
3) In der ganzen Ihierreihe weſen Die Eyer nor der Bes
fruchtung.
4) Phyſiſche Hinderniſſe wiederfegen fi) bey den Säugthieren
der Berührung des Saamens mit den Eyern, jo lang fie noch
in den graafiichen Bläschen ſtecken.
5) In der ganzen Ihierreihe treten ohne Widerrede die Eyer
aus dem Eherftod unabhängig son der Befruchtung.
6) Bey allen Ihieren treten fie aus zu beftimmten Zeiten und
in Verbindung mit der periodifchen Aufreizung Der Gejchlechts-
theile,
7) Bey den Säugthieren hat Die Befruchtung nur flatt, wenn
der Austritt der Eyer mit der Anwefenheit des Saamend zu—
fammenfällt.
8) Die Menftruation entipricht den Erjcheinungen der Brunft-
zeit bey andern Ihieren.
9) Die Befruchtung fteht in einem beftimmten Verhältniß mit
der Menftruation, auch kann man den Zeitpunct zwifchen je zweh
Menftruationen leicht und genau angeben, wann Die Empfäng—
niß phyſiſch unmöglich ift, fowie denjenigen, wo fie wahrichein:
lich ftatt finden kann. \
10) Eine eigentliche Eherſtocks-Schwangerſchaft kann es nicht
geben. >
Dazu kann noch kommen.
1) Regelmäßig gefchieht. Die Befruchtung in der Barmutter.
2) Die Bauch)» und Trompeten Schwangerfchaften beweiſen
nicht, Daß die Befruchtung regelmäßig im Eyerſtock felbjt ftatt
babe und daß fie den Austritt der Eher bewirfe.
3) Der Regel nach ziehen fich Die Mutter-Trompeten nur. in
der Nichtung von innen nach außen zufammen, um Die Gyer
fortzufchaffen.
Es wäre unmöglich, die vielen Ihatfachen und Beurtheilungen
auch nur einiger Maaßen anzugeben, welche in Diefem Buche
enthalten find. Wer fich ernſtlich mit der Sache bejchäftiget,
muß das Buch felbit leſen. Er findet darinn eine ganze Li—
teratur.
2
‘
la:
1847.
9
Bemerfungen
über die auf einer Reife nach) Italien und Sicilien beobachteten
Schmetterlingsarten von P. C. Zeller. VII.
-(Fortfegung von Iſis Heft VIII. pag. 594.)
Choreutis Hübn.
Choreutes Tr. H.- Sch.
Cofta fhlägt bey Beſprechung der Afopien für dies Genus
den Namen Maeropia vor; allein fey es, daß er es nicht zu
den Ppraliden rechnet, wohin es auch kaum gehört, oder daf
er es nur überfehen hat, es erfcheint in den mir befannten
Lieferungen feiner Fauna nirgends, Auh Rambur ſchweigt
über die corfiichen Choreutiden,
243. (1.) Ineisalis.
Der Annahme des Altern, Dübmerfhen Namens Nemorana
fteht fein Hinderniß entgegen; Duponchel hat ihn in feinem
Catalogue ©. 282. auch fhon aufgenommen.
Gewöhnlich find die Hinterflügel ſchwaͤrzlichbraun; von der
Bafis aus geht ein Eeilförmig erweiterter, roͤthlicher Mifch,
unter deffen Spike am Hinterrande zwey roͤthliche Fleckchen
nebeneinander liegen. Der Raum zwifchen der Falte und dem
Innenrande ift roͤthlichgrau. Ein großes Weibchen (Var. b.)
von Neapel hat die ganzen Hinterflügel röthlih; nur ein
fhwärzliher Schatten geht in geringer Entfernung vor dem
Hinterrande in den ſchwaͤrzlichen Vorderwinkel, von welchem ein
ſchwaͤrzlicher, ſchmaler Streif zur Baſis zieht. Die weißen
Beine zeichnen ſich durch ihr ſchwarzes, letztes Fußglied aus;
Vorder- und Mittelſchienen ſind auswärts beſtaͤubt; Hinter:
ſchenkel an der untern Scheide braun; Hinterſchiene auswaͤrts
braun bis zu dem erſten Dornenpaar, bey welchem eine weiße
Querlinie die Grenze bildet; hinter ihr zimmtbraͤunlich, an der
Spitze braun,
Von dieſer Art fing ich ein einzelnes Exemplar bey Syracus
in der Nähe der Cyane am 6. Juny; e3 war ohne Zweifel
aus den benachbarten Einzäunungen gefommen. Auguft und
September ift aber die eigentliche Flugzeit. Um Neapel feheint
die Urt ziemlich häufig zu feyn. Sie fliegt in und bey Gärten
an Blüthen von Mentha, Daueus carota, Reseda, Kamillen,
vorzüglich aber von Heliotrop, und hat ganz das Betragen der
Parialis: ©ie fliegt nehmlich zitternd und ſchwirrend nach einer
Blume bin und friecht daran herum, wobey fie die Flügel flach
und am Hinterrande wenig verbogen trägt. An einem ſonni—
gen Abhange, wo an einer Stelle eine Menge Heliotrop wuchs,
kamen aus den nahen Gärten nach und nad ein Dußend her—
bey, die ich leicht wegfing. — Hinter Gaeta fammelte ich an
einem großen milden Feigenbufh Raupen und Puppen am
23. Auguft, und in der Campagna ben Rom fand ich noch
Iſis 1847. Heft 9.
ef st
IX.
einige Puppen an Feigengefträud am 26. Auguſt. Diefe Art
ift alfo in ganz Italien und überall einheimiſch, wo der Feigen?
baum wild waͤchſt; da er auch in Deftreich vorkommt, fo muß
fie ſich auch an Feigen halten, die nicht im Freien uͤberwintern.
Die Raupe fpinnt auf der Oberfeite eines Blattes an einer
Spitze ein reichliches, fchneeweißes Gefpinnft, wodurch das Blatt
an diefer Stelle mehr oder weniger zufammengezogen und. hohl
wird; fie frißt die Blattſubſtanz zwiſchen den Adern heraus und
verdeckt die geöffneten Stellen mit ihrem Gefpinnft. Zur Ver:
puppung geht fie an ein amdıes Blatt und zieht die Spike
eines ganzen Blattzipfels zu einer Roͤhre zufammen und legt
darinn ihr dichtes Gewebe an. Aus der Spike deffelben dringt
die Puppe beym Auskriechen bis zur Hälfte des Körpers hervor.
Die Raupe ift etwas fpindelförmig, heil gelblihgrün, am
Bauche gelblich, mit honiggelbem Kopf und einem großen, fchwar:
zen Punct auf jedem Auge. Der Mücenftreif ift deutlich und
gelblich; die Warzen find groß und fchwarz; und zwifchen je
3 ſolchen Warzen befindet fih auf jedem Ringe ein gelber Filed,
wodurch eine Art gelber, oberer Seitenbinde entfteht, — Die
Puppe ift bräunlich oder braun in verfchiedenen Abftufungen.
Die Beinfcheiden treten nicht über die Spige der Flügelfcheiden
hinaus. Die Stien trägt unterwärts einen Kranz von 6 lan:
gen, feinen, divergirenden Haaren; ähnliche ftehen einzeln in den
Seiten bey den Kuftlöchern. Am SHinterleibe find feine Quer—
reihen von. Dörnchen. Der jtumpf Eegelförmige Gremafter
trägt am Ende zwey fehr kleine, gemäberte, aufwärts ges
richtete Spitzen. — In höchftens 14 Tagen Eriecht der Schmet=
terling aus,
Die Eremplare, die Löw von den griechifchen Inſeln mitge—
bracht hat, find meiftens größer, auf den Vorderfluͤgeln mit
deutlicherer zweiter Querlinie und vor dem Hinterrand lebhaft
roſtbraun.
244. (2.) Stellaris n. sp.
Alis brevioribus, nigro brunneoque mixtis, punctis costa-
libus 3 niveis, punctis striolisque sparsis lilaeino-
argenteis, eiliorum macula media magna nigrieante; major.
(Seintillulalis: alis longioribus nigro brunneoque
mixtis, punctis costalibus tribus nigris, punctis strio-
lisque sparsis lilacino - argenteis, ciliorum macula media
parva cinerea vel nulla; minor.)
Var. 6, punetis juxta costam nonnullis virescenti-ar- .
genteis.
Diefe Art ift der Seintillulalis hoͤchſt ähnlich, aber in den
wenigen Unterfchieden conjtant. Sie ift erheblich größer und
ihre Vorderflügel (3'" lang gegen etwas mehr als 24") find
auffallend breiter, und ihr Vorderwinkel ift entfchieden weniger
ſpitz. Die Franzen find weiß, aber am Vorder- und am Innen—
winkel ſchwarz und ftets von einer volftändigen, fchwarzen
643
Mittellinie durchzogen; unter der Mitte ift ein großer, fchwar=
zer Fleck, in welchem bie Franzen gar nichts Weißes haben.
Bey Seintillulalis erreicht die ſchwaͤchere Mittellinie felten, oder
doch ſehr verblaßt, den fchwarzen Fleck der Flügelfpike, und
wenn fie fih auh unter der Mitte verftärkt, fo entfteht nur
ein ſchwacher Fleck, der von der Franzenbaſis durch meißliche
Farbe getrennt und hell und Elein bleibt. Bey Stellaris geht
diht am Hinterrande vor den Franzen eine weiße, hier und da
unterbrochne Schuppenlinie, deren längftes Stud vor dem Fran-
zenfled liegt. Von diefer Linie befist das fchönfte meiner
Seintillulalis-Cremplare nur 4 durch weite Zmwifchenräume von
einander getrennte Schüppchen. Auf den fchwärzeren Hinter:
flügeln hat Stellaris in den Franzen eine breite ſchwaͤrzliche
Linie; bey Scintillulalis ift fie verlofchener und fchmäler und
erreicht gewöhnlich nicht die Flügelfpige. — Auf der Unterfeite
find bey Stellaris die Hinterflügel faft ſchwarz; die viel hellen
Borderflügel haben unter der Spitze von den Franzen aus
neben einander 2 weiße, Eurze Striche, die der Seintillulalis
gänzlich fehlen.
Bey der feltnen Var. b. find die dem Vorderrande zunaͤchſt
ftehenden glänzenden Schuppenhäufhen blaßgruͤn ftatt blaßlila=
farbig. Bey einem Eremplare findet diefe grünliche Färbung
nur bis zum 2, Vorderrandpuncte ftatt, bey zweyen fogar nur
auf dem rechten Flügel. Das Weibchen hat noch Eürzere Fluͤ—
gel und einen dickern Hinterleib.
Ich fing von diefer Art Über 30 Eremplare bey Syracus
am 23. May. Sie flogen in einer Schluht am Abhange von
der ehemaligen Neapolis auf der Schattenfeite an dem Geſtraͤuch,
befonders um die Blüthen der Nepeta calamintha. Weiter
ift fie mie nit vorgefommen.
245. (3., Vibrana A. (Vibralis Tr.)
Var.d. australis: minuta, flavedine minus laeta,
fasciis alarum anteriorum albida vel cana, posteriore
integra.
Es ift mie noch immer nicht möglich, fpecififche Merkmale
an diefem ftandhaft zwergartigen Schmetterlinge zu entdeden.
Die Unterfchiede für diefe Varietät, die ich in der Aufzählung
der Eleinafintifchen Schmetterlinge nach einem einzelnen Exem—
plare aufftellte, erweifen fich als veranderlih. Standhaft finde
ic nur die Kleinheit (Worderflügellinge 224" gegen 243%"
der deutfchen Vibrana), die Vollftändigkeit der 2. Binde der
BVorderflügel, indem diefe nie von ſchwarzen Adern durchſchnitten
wird, und das weniger fchöne Braungelb auf Thorar und Vor:
derflügeln, vorzüglich im Mittelfelde. Nach der reineren weißlis
chen Farbe der beiden Binden ließen ſich 2 durch Zwiſchenglie—
der verbundene Varietäten unterfcheiden. — Auf der Unterfeite
der Vorderflügel ift die weiße Querlinie am gwoͤhnlichſten voll:
ſtändig, und bindenartig erweitert; bisweilen aber ift fie unter
dem Vorderrande fo breit unterbrochen mie gewöhnlich und dabey
ebenfo dünn. Duponchel führt in feinem Catalogue ©, 283.
eine Xylopoda pretiosana n. sp. aus der Provence und Cor:
fica auf mit der Bemerkung, daß fie vielleiht nur eine biäffere
Varietät der Vibrana fey; da ich weder die Abbildung, noch)
die DBefchreibung in den Supplementen gefehen habe, fo weiß
id) nicht, ob fie mit meiner Vibrana Var. australis zufams
menfällt.
Ben Meffina flog ein ſchon nicht mehr unbefchädigtes Pär:
chen diefer Art am 9. März an einer trodinen fonnigen Anhöhe
zwifchen blühendem Heidekraut (Erica arborea); fpäter traf
644
’
ich die Art dort noch einzeln im April. Ben Syracus war fie
zu Ende April und im Anfange May gar nicht felten, aber
meift verflogen, an feuchten Gräberrändern, in denen Nepeta
calamintha häufig wuchs, und wo fie am Spätnachmittag im
Sonnenfchein ſchwirrte. Ein fhönes Weibchen erhielt ich am
14. Mai auf der Halbinfel Magnifi. Die Entwicklung ift alfo
ſehr ungleih. Um Neapel fing ic ein fehr Eleines Männchen
(Borderflügellänge 2" lang) der 2. Generation bey Gamaldoli
am 16. Auguſt und ein ſchoͤnes Weibchen in Geſellſchaft der
Chor. ineisalis an Mentha am 17. Auguft. — Bey Narni
am 4. September dren ſchoͤne Weibchen auf den Blüthen einer
Inula (ähnlich pulicaria) am Rande eines feuchten Grabes. —
Die große Verfchiedenheit der Loalitäten ift alfo ohne Einflug
auf die Größe diefer füdlichen Vibrana; ich vermuthe daher,
daß fie ſich doch noch als eigne Art ausweifen wird.
246. (4.) Alternalis.
Ein einzelnes Männchen, an der füdlichen Stadtmauer von
Nom auf einer Kamillenblüthe gefangen am 37. Auguft. Es
hat kurze Vorderflügel, wie fie aber auch an der biefigen
Alternalis vorfommen; das Mittelfeld derfelben ift unbeftäubt
und hat einen fehr feinen, nad außen geöffneten, gelblichen -
Strich auf der Querader; die Querlinie dahinter ift ihm gegen=
über unterbrohen und die Lüde durch die Stäubchen der dahin=
ter folgenden Staubbinde ausgefüllt. Die Spike der Hinter-
ſchiene hat eine vollftändige, braune Binde, und der Fuß deut:
liche, braune Flecke.
Pyrausta.
„Palpi breves; antennae setaceae. Alae anteriores
transverse fasciatae, fasciis integris vel in maculas divi-
sis.“ Costa. Als neapolitanifche Arten enthält die Fauna:
1) Cespitalis im April und May, dann im Sum und
Auguft, häufig. „Unſere Cremplare ermangeln der blaffen
Sarbe an der Baſis der Flügel.” 2) punicealis, „Ale
unfere Eremplare find Eleiner und etwas abweichend von Hüb-
ners Figur. Manchmal nehmlich ift die Grundfarbe dunkel
roͤthlich (rosso- livido oscuro) und die Flede fehr deutlich;
manchmal ift die Farbe bläffer.” Bey uns häufig von May
bis September. 3) Sanguinalis mit einer „Var. d, alis
antieis flavis, fasciis sanguineis; an Castalis Tr. [Die
Stammart hat die Zreitfch£efche Diagnofe; was ift alfo der
Unterfchied, da Cofta diefe Varietaͤt nicht befchreibt ?]. Die
Raupe unferer Varietaͤt lebt auf Anethum foeniculum und
verwandelt ſich in einem dünnen Seidengefpinnft, mit dem fie
das Laubwerk oder auch die fecundären Blüthenftiele der Dolde
umwidelt [Ich zweifle an der Nichtigkeit diefer Angaben und
vermuthe eine Werwechslung mit einer Depressaria]. In
Zerra d’Dtranto. 4) Porphyralis „im September, auf
Mentha aquatica, ähnlich [2] der Sanguinalis.*
As corſiſch kennt Rambur 1) Sanguinalis. 2) pur-
puralis. 3) floralis. 4) punicealis. 5) cespi-
talis.
247. (1.) Sanguinalis.
Var. a, Alis ant. vitellinis, costa, fascia media antice
furcata, fasciaque marginali sanguineis, margine postico
ipso vitellino; abdomine einereo. (Syrac. vere, Narn.)
Var. 6, alis anterioribus pallidius vitellinis, costa, fascia
media antice furcata fasciague marginali sanguineis, abdo-
mine cinereo; major. (Istria.)
645
Pyr. eastalis Eversm. Faun. Volg. p. 469.
Pyr. auroralis Kindermann in lit.
Var, c, Alis anterioribus laetius vitellinis, costa, fasciis
duabus maculaque interjecta costae adhaerenti sangui-
neis, margine postico vitellino; abdomine pallido. (Syrac.
aestate, Catan.)
Pyr. haematalis H.
349. 3342.
Huͤbners Hämatalis hat mancherley Ausgezeichnetes:
das Gelb ijt heller und fhoner, und hinter der erften Binde
nicht mit Grau gemifcht. Die erfte Binde ift immer ſchmaͤler
und fliekt nie mit dem hinter ihr folgenden, am Ende der
Vorderrandftrieme hängenden Fled zufammen. Was vom Hin-
terrande hinter der 2. Binde Übrig ift, hat nebjt den Franzen
eine licht dottergelbe Farbe (bey Var. ift eg mit Grau vemifcht,
und bisweilen” ganz grau). Die Hinterflügel find auf den
innern 3 ſchmutzig weißgelblih, mit wenigem Grau gemiſcht;
der Hinterennd ift bindenartig grau, und davor ift die verlofchene
Spur einer gelblihweißen, auf beiden Seiten verfürzten Binde
fihtbar;. die Franzen find reiner gelb. Die ganze Unterfeite ift
bleichgelb, und die Zeichnungen der Dberfeite fcheinen deutlicher
durch. — Ruͤckenſchild hell dottergelb (bey der gewöhnlichen
Sanguinalis ftet3 grau, mit weißlihem Endgliede). Diefe Va—
rietät Eommt bey uns nicht vor, fondern ift die Sommergene=
ration in beißen Rändern auf Kalkboden.
Sanguinalis war bey Syracus zu Ende April und bis nad)
der Mitte des May häufig an den Abhängen der ehemaligen
Meapelis und Acradina; fie flog brfonders in der Gegend der
Gräber auf dem Origanum smyrnaeum. In ber Mitte bes
Juny erfchien die zweite Generation, Haematalis, und war
fhon am 16. Juny nicht felten; fie hielt fi nun mehr auf
dem Thymus eretieus, als auf Origanum. Zwey Pärchen
fammelte ih am 2. und 3. July bey Catania auf der mehr
erwähnten kleinen Binfenwiefe, in deren Umgebung nur Lava
und dürrer Sand, aber Fein Kalk vorhanden ift. Bey Narni
fing ih am 4. September auf einem Brachfelde wieder ein
Eremplar, das die Mitte zwiſchen der gewöhnlichen Sanguina-
lis und Haematalis hält. Das Gelb, fo wie dag Grau der Hin—
terflügel ift dunkler als bey der letztern; die erſte Binde iſt breit
und hängt durch Staͤubchen mit dem dahinter folgenden Fleck
zuſammen, an den Hinterfluͤgeln ſind die Franzen gelblichgrau;
die Unterſeite der Flügel hat viel Grau, wie bey der gewoͤhnlichen
Sanguinalis; der Hinterleib ift grau und wird hinten gelblich.
- Die Var. b, die mir Kindermann unter dem Namen
Auroralis aus der Gegend von Fiume gefchidt hat, ift mir in
Stalien nit vorgefommen. Sie ift beträchtlich größer (Vor:
derflügellänge 44°" gegen höchftens 4) und hat ein bläfferes
Gelb, das ſich befonders in dem Raum zwifchen ben Binden
verdünnt und mit Grau mifcht. Die erfte Binde ift fehr breit,
in der Mitte gelichtet und mit Graugelb gemifcht, an den Rän—
dern verdickt und etwas ſchimmernd; ihr Hinterrand bildet eine
vollftandige gefrümmte Linie. Der Raum zwifchen ihr und
der 2. Binde ift beym Maͤnnchen ungewöhnlicy verengt. Die
2, Binde breitet ſich wirklich bis an den Rand aus und enthält
vor demſelben eine Neihe von 4 graugelblichen verlofchenen Fleck—
hen. Franzen grau mit einer rothen Randlinie an der Bafis
und einer verlofchenen vor der Mitte. Hinterflügel und Unter
feite wie bey einer gemeinen Sanguinalis; auf der Unterfeite
haben die Vorderwinkel eine Thöne rofige Betäubung.
Ich habe fie ben der Aufzählung der afiatifchen Falter irri⸗
178. Syliythria — M. Cat.
646
gerweiſe fir identifh mit Dupondels Virginalis angefehen,
welhe auf Nhodus und im Peloponnes vorkommt. (Diefe
Virginalis fteht der Sanguinalis zwar fehr nabe, ift aber
eine gute, eigne Art von ter Größe der Sanguinalis Var. b,
mit anders beſchaffener Mittelbinde und dadurch characterijiert,
daß der Raum zwifchen den 2 rotben Binden nur eine gelbe
Linie bildet, welche auf dem erften Afte der Medianader einen
fharfen, einfpringenden Winkel hat). ‘Es ift mir wahrfchein:
lich, daß zu ihr Treitſchkes Pyrausta castalis 7, 165 ge:
höre; die DBefchreibung iſt leider nah der Treitſchkeſchen
Manier ohne alle Genauigkeit, was vermuthlih die wefentlichften
Abweihungen veranlaft hat. Die Castalis hat „aſchgraue
Zafter mit gelblihem Anflug; unfere Var. b aber braungelbe,
roſig überflogne Zafter mit fchneeweißhaarigem Murzelgliede.
(Bey Sanguinalis nennt Treitſchke fie bräunlich, gelb ange:
flogen, mie fie wirklich find).
Castalis hat „ein ſehr breites, ganz rofenfarbiges Mittelfeld,
ohne Einfaffung von Linien.“ Unfere Var. b. hat in diefem
Mittelfelde d. b. der erften Binde ein Roth wie Sanguinalis
(wo Zr. nur von Blutrotb und Sanguineus fpriht), und es
ift wirklich eingefaßt d. h. der Vorder- und der Hinterrand find
mit geglätteten Schuppen verfehen, die eine Randlinie bilden.
Castalis foll bisweilen ein blaßrothes Wurzelfeld haben; ich
glaube aber nicht, daß bey Sanguinalis, wo die Sntenfität des
Dottergelben eben gegen die Baſis zu ihren hoͤchſten Grad
erreicht, Diefe je durch Roth überzogen merden fann, und ic
habe nie ein ſolches Eremplar gefehen. Castalis fol auf der
Unterfeite der Flügel überall ſchwach roͤthlich ſchimmern; allein
ben Sanguinalis zeigt fih ftets nur gegen die Flügelfpigen ein
tofiger Anflug. — Evermann's Pyr. castalis ift in
4 Zeilen befchrieben und in diefen fo kenntlich gemacht, daß
gar Fein Zweifel bleibt. Die Angaben über den Flugort der
Sanguinalis bey Treitſchke find aus Scriba entlehnt. Die
Vermuthung, daß die Raupe auf Moos lebe, ift gewiß irrig.
Sehr wahrſcheinlich lebt die Raupe in Deutichland auf Thymus
serpyllum, bey Syracus auf Thymus creticus.
248. (2.) Purpuralis.
Das haracteriftifche Merkmal diefer Art befteht nicht in dem
Borhandenfein einer gelben Hinterrandlinie auf den Vorderfluͤ—
gen (wie Eversmann meint: Punicealis in Faun. Casan.
pag. 470.) — denn diefe fehlt bisweilen vollig — fondern der
auf dem Innenrande hinter der Mitte ftehende gelbe Fleck und
der gelbliche Fled vor der Binde der Hinterflügel find die Merk:
male, an denen man Purpuralis ftets ficher erfennen fann.
Sener, der unterfte Theil einer Fleckenbinde, ift einwärts conver
und dunkel gefaumt, auswärts aber etwas concav und. mit
2—3 kurzen Spigen verfehen ; diefer ift blaßgelb, einwaͤrts abge-
rundet, beym Männchen größer ald beym Weibchen und ſteht
mehr gegen den Vorderrand als in der Mitte.
Hiernach ergiebt fih, dat Duponchels Pyr. moestalia
pl. 224. fig. 9. pag. 228. (aus der Schweiz und dem füdlichen
Frankreich) Catalogue ©. 198 — nichts ift als eine auf den
Vorderflügeln ſehr dunfle, fhwärzlihe, mit wenig Purpur ge—
mifchte und nur mit blaßgelben Fleden und Binden gezeichnete
Varietaͤt, wie fie bey längerem Fliegen durch Abreibung der
rothen und gelben Schuppen aus der gewöhnlichen Purpuralis
nicht felten entiteht.
Ich habe 4 Männchen, 1 Meibchen in Stalien gefangen,
die nicht zu unferer großen, helltothen Sommergeneration gehoͤ—
4
647
ven, fondern ein Bindeglied, zwifchen diefer und den Frühlings:
faltern bilden. Sie haben nur mittlere Größe, an der Baſis
der WVorderflügel aber ein dortergelbes, ſcharf begrenztes Dreieck,
und in den Sieden und Binden ein lebhaftes Gelb. Ein
Männchen, bey Gamaldoli bey Neapel am 16. Auguft gefans
gen, iſt etwas abgeflogen und hat daher ein fchmußigeres, blaͤſſe⸗
des Purpurbraun auf den Vorderfluͤgeln. Ein Maͤnnchen bey
Ciſterna am 24. Auguſt gefangen, bat einen ſchwaͤrzlichen Hin—
terleib und ein düfteres Purpurbraun, ohne verflogen zu feyn.
Ein Männhen von Nom. (28. Aug.) und ein Pärchen von
Narni (4 Eoptbe „haben dagegen eine fo ſchoͤne Purpurfarbe,
wie manche biefige Männchen der Frühligsgeneration und Weib—
chen der Sommergeneration. Das neapolitanifche Männchen
bat einen ſehr breiten, gelben Hinterrandftreif der Vorderfluͤgel;
bey den übrigen Eremplaren ift er fehe ſchmal und in breit ges
trennte Fleckchen oder Puncte aufgelöft. Ganz ebenfo iſt es
auf den Hinterflügeln, nur daß das Maͤnnchen von Ciſterna
gar fein Gelb, ſondern dafür Purpurftaub an diefer Stelle
zeigt. — In Sicilien erhielt ich Feine Pyr. Purpuralis,
249. (3.) Phoenicealis.
F. v. Röslerftamm Beitr. Taf. 93. fig. 2. ©. 279.
Ein Verkennen diefer Art ift nicht moglich, wenn man ie
fehonen Abbildungen und die gute Beſchreibung bey Fiſcher
v. Roͤslerſtamm vor Augen hat. Ueberdies habe ich zwey
Männchen von Mann erhalten, fo daß alfo an meiner Br:
ffimmung nicht der geringfte Zweifel haften kann.
Ich fing ein einzeines Weibchen im Walde von Camaldoli
bey Neapel am 16. Auguft, Es iſt Eleiner als das Männchen;
"ben ihm ift der Zahn am obern Ende des Vorderrandfledes der
Vorderflügel abftumpft, wodurch er faft ein Eleines, abgeſchnuͤr—
tes Stuͤck des großen Flecks vorftellt; die Hinterflügelbinde ift
ſchmaͤler, ſchaͤrfer umfchrieben, fonft- wie gewöhnlich geftaltet,
und die Mitte des Hinterrandes ift purpurrorh beftäubt.
250. (4.) Punicealis.
Var. a, alis anterioribus sordide fusco-purpurascentibus,
basi vix vitellino maculatis, alis posterioribus nigris,
immaculatis, fascia media flava costam attingente,
Pyr. Porphyralis Hübn. fig. 56.
Var. 5, ut a, sed alarım posteriorum fascia antice
abbreviata, ceterum in medio obtusangula.
Pyr. Punicealis Dup. pl. 224. fig. 6.
Var. e, ut a, sed fascia alarum post. utrimque abbre-
viata.
Var. d, ut a, sed alarum ant. basi abrupte vitellina.
Var. e, ut d, alis ant. laetius purpurascentibus, basi
abrupte vitellina, alis posterioribus ad basim flavo -
‚pulverea.
Var. f, ut e, sed alis posterioribus ante medium flavo
obsolete maculatis.
Var. 9, ut f, sed alarım post. fascıa antice abbreviata.
Var. h, ut e, sed alis post. basi flavida, nigrescenti-
sparsa, fascia media lata.
Punicealis bat auf den Worderflügeln hinter der Mitte eine
gelbe, Eutze Linie, die auf dem Innenrande fleht und S formig
gemunden, mehr oder weniger vollftändig und einmärts dunfel
gefaumt ift (diefer dunkle Saum ift der. untere Theil “einer
bogigen Querlinie, deren Verlauf in der Grundfarbe meift kennt—
lich, ift und durch die gelben, daran liegenden Flecke noch beffer
angedeutet wird); hinter ihr liegt über der Subdorfalader ein
um Brufa gefangen.
A 648
gelber Fleck, und über dem erften Afte der Medianader ein zwey—
ter; beyde find an unfern nordifchen Erempfaren und bey der
füdlichen Feühlingsgeneration Elein und von einander getrennt;
bisweilen aber fehlen fie auch. An der füdlihen Sommergene:
tation find fie meift beträchtlich größer und hängen dann ftets
zufammen. Diefe Zeichnung unterfcheidet ſich bey Punicealis
ftet8 von der am gleichen Stellen befindlichen der verwandten
Arten; denn aud) bey Phoenicealis ift fie anders, —
Die im Frühlinge bey Meffina gefangene Punicealis gleicht
der nordifchen, welche zu Var. a. und b. gehört. Die Grunde
farbe der WBorderflügel ift ein ſchmutziges Purpurbraun mit
gelben Staͤubchen überflogen., Bon den 2 gelben Flecken am
Vorderrande ift der untere wie gewöhnlich der größere, aber in
der Größe veraͤnderlich. Der Fleck davor in der Digcoidalzelle
ift Elein und rund und fehlt bisweilen, befondere bey Var. b.
Am Innenrande fehlt bisweilen die gewundene gelbe Linie, oder
die Flecke dahinter fehlen; immer ift fie unvollftündiger als an
der füdlihen Sommergeneration. Gegen die Baſis zu find ein
paar gelbe, bisweilen zufammenhängende Fleckchen übereinander
ſichtbar; mandmal Fehlen fie au, wenn die andern gelben
Flecke recht eingefhränft find. — Auf den Hinterflügeln ift mit
Ausnahme des weißlichen Vorderrandes der Naum zwifchen
Baſis und Mittelbinde ſchwarz mit gelben Haaren. Die gelbe
Binde hat einwärts in der Mitte einen einfpringenden ftumpfen,
meift ziemlich geradlinigen Winkel; auswärts iſt ihr Nand uns
gleihmäßig gekrümmt; in der Breite wechfelt fie, iſt aber ſtets
mindeftens fo beträchtlich wie an der deutichen Punicealis; fie
lauft in den weißlichen Worderrand aus. Der Hinterleib "ft
fhwarz, nach hinten geibbräunlich, an den Hinterrändern aller
Ringe beilgelb. — Zu diefer Var. a. gehören 4 München, nad)
dev Mitte März bey Meffina; 2 Männchen und ein Weibchen
am 2., 5. und 12. April ebendort, ein Weibchen von Löw
Ein am 21. März bey Meffina ge:
fangenes Männchen weicht ſchon etwas ab; es hat ein
angenehmeres Noth auf den Vorderflügeln und einen gelberen
Hinterleib, an dem nur das 2., 3. und 4. Segment auf der
Dberfeite grau find; die Hinterflügelbinde hat gar keinen ein—
fpringenden Winkel, fondern ift fanft gerundet.
Zu Var. b. gehören 5 Weibhen — Meffina am 21. März;
Spracus am 25. April und 19. May; Campagna nördlich von
Nom 3. September; Patara an der Küfte von Kleinafien im
April — bier hört die gelbe Hinterflügelbinde in merklicher Ent—
fernung vor dem Vorderrande auf; die Vorderflügelzeichnung ift
wie bey Var. a. Solche Eremplare find auch bey uns Feine
größere Seltenheit, als die Var. a5 fit fcheinen fogar im meibli=
chen Gerchlecht das Gemöhnliche zu ſeyn.
Ben Var. ce, einem Weibchen, bey Meſſina am. 19. Marz
gefangen, find die Zeichnungen der Vorderflügel außer dem Fleck
nahe am Vorderrand auf fehr fehiwache Spuren reduciert, und die
Grundfarbe befonders düfter, Von der Binde der Hinterflügel ift
nur der Theil Über dem MWinfel vorhanden; der dimne Schenkel,
welcher fonft den Innenwinkel erreicht, Fehlt daher gänzlich, und
der andere ift verfchmälert und hört weit vor dem ſchwaͤrzlichen
Vorderrande auf. Die Unterfeite zeigt die gelben Zeichnungen
durch ſchwarze Staͤubchen verdüftert, verkleinert und weir von
einander getrennt.
Var. d, — ein Männden, ziwey Weibchen von Syracus am
23, May und 6. Juny — bilden wahrſcheinlich die Erftlinge
der füdlichen Sommergeneration, deren Raupenleben in bie
fühlere Jahreszeit fiel, Das Roth der Vorderfluͤgel iſt lebhafter
649 ;
ald bey Var, a; die gelben Flecke darauf ausgebreiteter und
volftändiger; die ganze Baſis ift dicht gelb beftaubt, wird nad)
binten immer reiner und wird duch eine gewundene, dunflere
Linie der Grundfarbe plöglich begrenzt. Die Bafis der Hinter:
flügel hat nur nody gelbe Flecke oder folhe Beftäubung; der
Hinterleib ift fhon mit einem ſchwachen gelblihen Neif über:
flogen. — Auch diefe Varietaͤt findet fich bey ung, vielleicht aber
erft im hoben Sommer.
Var. e, — ein Männchen am 17. Auguft bey Neapel, ein
Meibhen am 25. July bey Meffina gefangen, ein Weibchen
von Patara — unterfcheidet ſich durch nicht von Var. d, als
daß die Bafis der Hinterflügel nicht nur gelbe Behaarung, fon=
dern auch eine gelbe Beftäubung hat, die aber von der Binde
durch eine reine Linie der Grundfarbe getrennt bleibt; die Binde
felbft erreicht verlöfchend nicht ganz den Worderrand. — Nur
mit ſchwaͤcherer Beftäubung findet fi Punicealis ebenfo gefärbt
auch bey ung,
Var. f, — ein Männden von Bruffa, ein Meibchen ben
Syracus am 17. May, eins bey Meffina am 22. July,
2 Meibchen bey Syracus am 23. May gefangen — bildet einen
ſehr fanften Uebergang von e zu g. Die gelben Schuͤppchen
auf dem MWurzelfelde der Hinterflügel geftalten ſich zu Eleinen,
undeutlichen $ledichen, unter denen eins vor der Mitte der Binde
nod am beften troß feiner Kleinheit zu erfennen ift. Naͤher
gegen die Bafis und gegen den hellen Vorderrand macht fid)
ein ſchwarzes Fleckchen bemerflich, das einwärts in den Grund
übergeht. Alle Farben find übrigens lebhaft, und die Hinter
flügelbinde erreicht den WVorderrand. Der Hinterleib ift ſchon
reichlich gelb beftäubt und die Grundfarbe ſchimmert nur auf
den vordern Segmenten durch.
Var. 8, — drey Weibhen, am 23. May und 7. Juny bey
Syracus gefangen — ftimmen mit den Weibchen von f. über:
ein, haben aber die Hinterflügelbinde wie Var. b. Das eine
Weibchen zeichnet fib aus durch feine fchwärzlicher rothen Vor—
derflügel und feine ungemein ſchmale Hinterflügelbinde, vor wel
cher zweh deutliche, aus gelben Schuppenhaufen gebildete Fled=_
hen liegen; das dem VBorderrand nähere ift E£leiner als das
mehr einwärts geftellte.
Var. h, — ein fehe abgeflognes Männchen von der Inſel
Standio, 5 Männchen bey Syracus im May, 2 Männchen
bey Catania am 25. Juny und 3. July, eins bey Neapel am
17. Auguft gefangen — ift fehr ausgezeichnet dadurch, daß dag
Gelbe bier feine größte Ausdehnung erreicht. Die Binde der
Hinterflügel ift meift außerordentlich breit (bey einem Exemplar
faft ohne Winkel), und gegen die Baſis ift die Grundfarbe dot-
tergelb, mehr oder weniger fchwärzlich beftäubt gegen den Innen—
rand und mit einem ziemlich ſcharf umgrenzten, fchwarzen led
gegen den Vorderrand. Hinterleib dottergelb, mit grauer Ober-
feite des 3., 4. und 5. Segments und der Afterfpise. —
Zu dieſer Varietät giebt es Feine Meibchen, oder vielmehr die
dazu gehörigen Weibchen find var. f. und g. Sie hat. durch
ihre Hinterflügel etwas fo Abweichendes, daß ich anfangs in ihr
durchaus eine eigne Art erkennen wollte. Dies ift fie aber
gewiß nicht; vielmehr gebt fie duch die von „mir aufgeftellten
Darietäten aufs Sanftefte in die gewöhnliche Punicealis über.
Dffenbar ift fie aber ein Product des füdeuropaifchen Sommers ;
denn bey uns kommt weder fie, noch Var. f. und g. vor. Sch
bezweifle nicht, daß man fie einft alg eigne Art aufitellen werde,
wenn dies nicht fchon, etwa unter dem Namen Pyrenaealis in
Dupondels Catalogue, gefchehen iſt; ebenfo wenig aber
Iſis 1817. Heft 9,
650
finde ich e8 zweifelhaft, daß man dann Feine wahre Species in
ihr haben werde.
Bey Meffina fing ich diefe Art im Frühjahr auf dem Gaftel:
laccio an der damals noch nicht blühenden Nepeta calamintha,
um Spracus bey Neapolis und Acradina an den Blüthen des
Origanum smyrnaeum, um Catania im gemifchten Geftrüpp
zwifchen Lava und bey Neapel an Mentha und andern Kabiaten.
251. (5.) Pygmaealis Dup.
Pyr. Pygmaealis Dup. pl. 224. fig. 7. pag. 225.
Pyr Fucatalis Tr. 10, 3. ©. 36.
Pyr. atrosanguinalis Eversmann. Fauna Casan. 471.
Pyr. pygmaealis et atrosanguinalis Dup. Cat. 198.
Botys fucatalis H.-Schff. Panzers Faun. Heft 163, ©. 16.
Dupondel hält es für möglih, daß fie nur eine Außerft
Eleine Warietät der Punicealis ſey. Das ift aber gewiß ein
Irrthum; den die Geftalt der Worderflügel, deren Zufpisung
bey Pygmaealis Eversm. mit Necht bervorhebt, allein fhen
miderlegt. Duponcdel’s Abbildung ift ſehr verfehlt, Die
Flügel find zu abgerundet, und die Hinterflügelbinde iſt zu
fhmal, zu gebogen und bdottergelb, während fie ziemlich
gerade, breit und blaß ftrohgelb fenn ſollte. Wahrſcheinlich
bielt er fein Exemplar für ausgeblihen und ergänzte die
ihm wahrfcheinliche Farbe (un jaune dore). Auch zeigt die
Figur Eeine auswärts weiße Franzen, wie fie doch nach der Be—
ſchreibung (noirätre, avec l’extr@mite grise) und der Wahr—
beit ſeyn follen; fie find auf der innern Hälfte ſchwarz, am
Hinterwinfel grau und übrigens weißlich.
Ich erhielt nur 2 Männchen bey Meffina, das eine fehr
fhöne am 4. März an einem begraften, fonnigen Abhange um
Calendula arvensis, das andere etwas verflogene am 9. März
an einem mit blühendem Heidekraut (Erica arborea) und
Arbutus unedo bededten Abhınge an der Palermitaner Straße.
Bey legterem ift der gelbe Fled am Vorderrande der Worderflü:
gel fehr deutlich, ftatt daß er bey dem evftern, fchöner purpur=
braunen matt durchſchimmert; ; auch ift die Hinterflügelbinde breiter.
Sch meiß nicht, welches Bedenken Eversmann hatte, feine
Art für identifch mit der Treitkeſchen Fucatalis zu erklären,
da diefe nicht gerade fchlecht befchrieben ift.
Sie bewohnt außer Sicilien noch Ungarn (Tr.) und das
füblihe Uralgebirge (Evergmann). Da fie in Nußland zu
End Juny fliegt, fo ift die, ohnedies wahrſcheinliche doppelte
Generation entfchieden.
252. (6.) Cespitalis.
Ein ganz gemwöhnliches, Kleines, blaffes Männchen und ein
einzelnes Weibchen fing ich auf den Straßen von Pompeji am
8. Auguft. Ben Nom und in der Campagna nördlich gegen
Nepi war diefe Art häufig am 26. Auguft und 3. September,
und noch häufiger bey Narni auf den Gragplägen bey der Brüde
am 4. September. Auch bey. Folentino fing ich ein Pärden
om 6. September. Die Männchen haben die Größe unferer
Frühlingsgeneration und nur eine fchärfere Zeichnung; ein einzi—
ges Männchen ift fo groß, wie fie bisweilen im Sommer bey
uns vorkommt (Vorderflügellänge 44’), aber in der Färbung
nicht von jenem verfchieden. Die Meibchen haben die Größe
unferer Sommergeneration und auf den Hinterflügeln ein etwas
lebhafteres Gelb als einzigen, wenig merflichen Unterfchied; die
gelbe Nandlinie der Hinterflügel ift gut ausgedruͤckt, erreicht aber
nicht ganz den Vorderwinkel.
41*
651
253. (7.) Floralie.
Var. a, alis ant. lunula venae transversae nigra griseo-
eineta; alis posterioribus fusco-griseis, postice lutescenti-
bus, fascia ante marginem fusca.
Var. 6, alis ant. punctis duobus in vena transversa
griseo-einetis, ceterum ut Var. a.
Pyr. Floralis Tr. 7, 178. — Conversalis Dup. pl. 234.
fig. 45. pag. 359.
Hübners Floralis ift nad meinen Epemplaren auf ben
Rorderflügeln viel zu hellgelb; der ſchwarzbraune Mondfleck ift
mit feiner ganzen Cinfafjung in einen großen, ſchwarzen Fleck
verwandelt, und die Hinterfluͤgel find orangefarben, auf ber
Innenhaͤlfte citvongelb, ohne alle graue Beſtäubung. Ich möchte
bezweiflen, daß die Art fo vorkommt. — Dupondels Flo-
ralis pl. 225. fig. 6. ift auf den Vorderflügeln zu roͤthlich
und hell und auf den Hinterflügeln viel zu wenig verdunkeltz
fie gehört hinſichtlich des Mondfleds zu Var. a, hat aber die
beiden Querlinien ſchaͤrfer und vollftändiger als meine 6 Exem—
plare. — Seine Pyr. conversalis ift unbezweifelt mit mei⸗
ner Var. b. einerley; in der Abbildung iſt aber der untere Fleck
auf der Querader weggelaſſen entweder aus Mangel an auf:
merkfamer Betrachtung, oder weil es wirklich ſo vorkommt,
Beftimmt ift die bläuliche Beftäubung zn ſtark aufgetragen; in
bläulihem Grau ift fie an einzelnen Cremplaren wirklich vor
handen. — Am auffallendften wird unfere Art durch die Unter
feite; bier ift fie hellgelb mit breiter hinterer, ſchwarzer Binde
durch alle Flügel und auf den Vorverflügeln mit ſchwarzem
Nierenfleck und folbem Punct davor. Xeßterer it by Du=
ponchel ausgelaffen. Der Hinterrand ſchwärzt ſich bisweilen
zu einer Nandbinde, wie in Dupondels Bild.
Ein Pärchen diefer Art (Var. a.) fing ic) in Pompeji am
8. Auguft, wo es in den Mittagsftunden auf dem mit Gras
und Blumen bewachſenen, durchwaͤrmten Lavapflafter langfam
und unftit Hinfhwärmte; ein ſchoͤnes Männchen flog am
1. September beym Golifeo auf einer mit Cynodon dactylon
bewachfenen Stelle. Der Schmetterling liebt die ſtaͤrkſte Son—
nenbige und erwärmten Boden, von dem er fi) aud) nicht weit
erhebt. Blumen fah ich ihn nicht beſuchen.
Das als Pyr. conversalis unter den £leinafiatifchen Faltern
aufgeführte Meibchen wurde auf Rhodus zu Ende April ober
Anfang May gefangen; es iſt größer (Vorderflügellänge 43)
mit breiteren Vorderfluͤgeln und düjteren Dinterflügeln,
Ein Weibchen (Var. b.) erhielt ih am 20. Auguft bey Nea-
pel an einem fonnigen, begraften Abhange. Diefe Art hat alfo
eine doppelte jährliche Generation.
254. (8.) Siculalis Dup.
Alis nigris, anterioribus flavescenti-pulvereis, maculis
2—3 costalibus obsoletis flavidis; posteriorum eiliis
externe griseis.
Var. a, lunula venae transversae atra.
Var. 5, lunula in puncta duo mutata.
Pyr. Siculalis Dup. pl. 225. fig. 8. pag. 240. Dup.
Cat. pag. 198.
Nahe Verwandt mit Floralis; fo groß wie eine Frühlings:
cespitalis, felten etwas größer.
Oberſeite ſchwarz, auf Kopf, Nüdenfhild und Vorberflügeln
gelbbeftäubt, und daher mehr oder weniger tief gelbbraun; die
Stirn und befonders das Untergeficht weißlich; Taſter weißlich,
nad) vorn und oben auf braun beftäubt. Männliche Fühler
652.
zweizeilig gefranzt, wie bey Floralis, weibliche nur mit einzelnen,
Eurzen Borſtenhaͤrchen befeßt. Beine braunz Vorderbeine auf
der Lichtſeite und die Hinterfchienen auswärts braunhaatig.
Hinterleib nur fehr ſchmal an den Hinterrändern gelblichgrau.
Auf den etwas neblicht beftäubten Vorderflügeln zeigt ſich am
Borderrande weit hinter der Mitte ein gelbliches Fleckchen, das
ſich einwärts oft m den Anfang einer Querlinie fortſetzt; hinter
ihm ift auf dem Vorderrande ein ſchwarzer kleiner led und
dann oft noch ein verwifchtes, fehr Eleines gelbliches Fleckchen.
Ein ähnliches, nur meiſt deutlicheres zeigt ſich aud) vor der
Mitte am Vorderrande und ein andres bisweilen am Snnen=
vande hinter der Mitte. Hell gezeichnete Cremplare haben alfo
5 Vorderrand- und ein Innenrandfleckchen; dazu kommt fehr
ſelten noch eing am Innenrande vor der Mitte und weniger fel-
ten verloſchene Puncte vor dem Hinterrande am Innenwinkel.
Auf der Duerader fleht ein nach aufen geöffneter, ſchiefer, tief
ſchwarzer Strich, der ſich bey Var. b. in 2 Puncte aufgelöft
hat. Die Franzen hellbraun, noch heller auswärts.
Die viel reiner ſchwarzen Hinterflügel haben öfteıg am Hin:
terrande gegen den Innenwinkel hin ein verlofchenes, gelbliches
Fleckchen oder Pünctchen, und bey manchen Cremplaren läßt
ſich davor ein bindenartiger, tief ſchwarzer Schatten wahrneh—
men. Franzen am Wurzeldritrel ſchwaͤrzlich, übrigens ſchmutzig
gelbgrau, am Innenrande ganz braun.
Die Unterfeite iſt lichte fhwarz, und auf den Vorderfluͤgeln
nur fchwärzlichz auf der Querader ift ein tieffchwarzer Nieven-
fleck und dabinter eine nicht vollftandige, ſchwarze Schattenbinde,
die auf dem Vorderrande tiefichmwarz beginnt und hier auf beiden
Seiten von lichtem Dellgelb begrenzt wird. Manchmal ift diefes
Gelb mehr ausgebreitet, und zwar einwaͤrts bis zum Nierenfleck;
bisweilen fürbt fih aud der Worderrand, felbft gelblich, aber
nicht bis zur Baſis. Auf den Hinterflügein ift die ſchwarze
Schattenbinde breiter, aber gemöhnlich ſehr verloſchen oder
kaum merkbar.
Duponchels Abbildung zeigt nicht die richtige Fluͤgelform,
die wie bey Floralis ſeyn ſollte, und den Vorderrandfleck vor
dev Mitte zu groß, indem dieſer ftets Kleiner ift als der erfte
binter der Mitte; auf den Hinterflügeln iſt ftatt eines petit
point fauve ein ſchwarzer angegeben, k
Der Schmetterling fliegt im May und bis über die Mitte
des Juny hinaus bey Syracus auf der gegen die Stadt gewende—
ten Seite der, Kalkhöhen von Neapolis und Acradina. Ein
ſehr abgeflogenes Weibchen fing ich fihon am 29. April, ein
ebenfolhes am 4. May; ich vermuthe, daß gegen die Mitte
May die erfte Generation abgetreten ift; denn zu Ende May
und Anfang Suny fing ich ſchoͤne Exemplare. Im Anfange
des Man erhielt ich einige Exemplare an Bluͤthen gelber
Spngenefiften (Chrysanthemum?); fpäter aber flogen fie nur
auf den fonnigften, Eahiften Kalkftellen, und fegten ſich auf den
nadten, erhisten Boden. Ihr Flug ift langfam und von fur:
zer Dauer, wird aber nad kurzem Ausruhen fortgefebt.
Ennychia.
„Palpi inferiores breves. Antennae setaceae. Alae
(uti corpus) nigrae vel fuscae, utraque pagina sericeae,
suprema fascia vel macula alba.“ Cofta, Drey Arten
enthält die neapolitanifche Fauna, von denen ich Feine angetroffen
habe: 1) pollinalis in Calabria ultra; July. 2) Cingu-
lalis in Lecce und Prineipato eitra, felten. 3) guttalis
653
\
in Daunia und anderwäuts im July. — Als corfifch, und mit
einem Fragezeichen führt Rambur Pollinalis auf.
Hercyna.
- „Palpi breves. Antennae ineisae 4, vel pectinatae 2.
Alae anteriores laevigatae A, vel pustulatae B. Imagi-
‚num faeies noctuarum, colores obscuri.“ (Costa) Die
neapofitanifche Fauna enthält nur eine Art: Strigulalis
„im May und Suly,’' die corfifche gar feine,
255. (1.) Strigulalis.
Var. d, dilutior, macnla alarum posteriorum subtus
obsoleta.
Nur etwas Eleiner und weniger ſcharf gezeichnet ald gewoͤhn—
lich; doc) ändert die Stärke der ſchwarzen Adern vor dem Hin—
terrande der Vorderfluͤgel fehr ab. Sie fteht in der Faͤrbung
zwifchen der gewohnlichen Strigulalis und Cicatricalis, bat
aber mit jener die ftumpfe, gerundete Geftalt der Flügel gemein,
Auf der Unterfeite der Hinterflügel ift der Fleck verlofchen oder
gar nicht fihtbar. Am 19. Auguft fieng ic) in den Eichenge:
bölzen beym Agnanoſee 2 Maͤnnchen und 6 Weibchen, melde
von den durch einen Stoß erfcdyütterten jungen Stämmen aus
dem Laube und von der Ninde abflogen.
256. (2.) Chlamitulalis 4.
Pyral. chlamitulalis Hübn. fig. 160. 181.
Nola chlamitulalis Dup. 228. fig. 6. pag. 277.
Hercyna chlamydulalis Zr. 10, 3. 41.
Nola elamydulana Dup. Cat. 283.
Röselia chlamydulalis 4.- Schff. Panzers Faun. 163.
Seite 6.
Nur ein Meibhen, am 24. Juny bey Spracus zwifchen
Gärten gefangen, ohne daß ich weiß, an welcher Pflanzenart.
‚ Die Vorderflügel haben eine, weiße Grundfarbe, die ſich längs
des Vorderrandes blaß ſchmutziggelb färbt. Die Hinterrandlinie
ift Scharf und zimmtbraun und hört im Vorderwinkel ploͤtzlich
auf; fie hat über der Mitte und am Innenwinkel einen Zahn;
die dadurch gebildete Bucht wird durch einen fchwarzgrauen, aus—
waͤrts tief ſchwarzen Fleck ausgefüllt; über dem obern und unter
dem untern Zahn liegt ein ſchwarzer Strih längs der braun
gelben Linie; zwifchen ihr und dem Schwarzen bleibt eine ſehr
feine, weiße Linie. Die Franzen find grau, auf dem Wurzel—
drittel mit einer vollſtaͤndigen Querlinie aus 7 dunfelgrauen
Fleckchen. Die Schuppenhöder liegen an den gewöhnlichen
Stellen. 2
"Auf den weißen Hinterflügeln iſt der Hinterrand gegen den
Vorderwinkel blaßbraͤunlich, und auf der Mitte ift ein verlo:
fchener, braͤunlichgrauer Schatten, Die weißen Franzen haben
eine verlofchene, bräunliche Linie nahe ihrer Baſis.
Die DVerfchiedenheit der beiden Geſchlechter ift demnach nicht
fo groß, wie Zreitfchfe angiebt, Denn Hübners fig. 181;
das Männchen, kommt meinem Weibchen fehr nahe und ift
bloß im Mittelraum der WVorderflügel dunkler. Sie macht die
Art viel Eenntlicher ald es durch Dupondels Bild gefchieht.
Tortrices.
Ueber diefe Abtheilung der Nachtfalter ſchweigen Cofta und
Rambur gänzlich.
Heterogenca.
257. (1.) Asellana.
Var. d, alis aut. latiorihus laetiusque luteis, an spec.
div. Castaneana? N
Zwen Weibchen, bey Neapel am 16. Auguft im Walde von
Camaldoli von Kaftanienbiumen geflopft. Sie fetten ſich haͤn—
gend an die. Unterfeite eines Blattes, trugen die Flügel faſt fo
fteit dachfoͤrmig wie. Plat. spinula und kruͤmmten den Hinter:
leib. ſtark aufwärts. Beide find ſchon fo verflogen, daß fie nur
noch wenig Franzen haben; ich kann alfo für jest die Abwei-
ungen von der gewöhnlichen Asellana nur unvollftandig anges
ben. Ihre Vorderflügel find entſchieden breiter mit weniger vor—
tretendem Worderwinfel und weniger ſchraͤg, mehr ſenkrecht
gehendem Hinterrande; die Hinterflügel find £ürzer und daher
weniger langlichrund als bey unferer Assellana. Die Grund-
farbe ift ein viel. angenebmeres Dchergelb ohne Beimifhung
von Braun am Körper ‚und an den DVorderflügeln, und die
Hinterflügel haben außer einem gelblicheren Ton der dunfelgrauen
Grundfarbe einen breitern gelben Nand. Das Gelbe herrfcht
auf der Unterfeite der Flügel viel mehr vor. An Fühlen und
Zafteın ſehe ic) einen Unterſchied.
Penthina.
258. (1.) Thapsiana n. sp:
Epistomio, palporum apice patagiisque niveis; alis ant.
albis, hasi ac triangulo dorsi postico nigricantibus, hoc
in nebulam eineream faseiatam continuato, apice ocellari
ferrugineo.
Naͤchſt verwandt der Dealbana (Minorana Tr). Sie unters
ſcheidet fich von ihr durch das ſchneeweiße Geficht, deffen Farbe
auch das Wurzelglied der Fühler uͤberziehtz bey Dealbana ift
das Weiße weniger rein und geht vberwärts nad und nad) in
Braun über, Thapsiana hat weiße Schulterdeden, die nur an
dev Baſis tieffchwarz, Übrigens aber bisweilen gegen die Spike
töthlich Übeeflogen find; bey Dealbana find fie braun wie der
Hinterkopf, an der Bafis dunkel. Thapsiana hat in der Spitze
des grauen Dreieckes, welches im Innenwinkel der Vorderflügel
fist, einen fehwarzen Punct, aber darüber niemals den ſchwarzen
Punct oder Strich der Dealbana; auch ift die braun und grau
gefleckte Nebelbinde, die fich vor der Spise des Dreiedes über
den Flügel zieht, bey Thapsiana hinterwärts nur von blafgrauen,
glänzenden Schuppen begleitet, nicht wie bey Dealbana von
einem glänzend blaugrauen, feharf umgrenzten Streif. Thap-
siana bat an der Mitte des Hinterrandes einen roftbraunen,
nach oben erweiterten Sled, weldyer der Dealbana fehlt.
Veränderliche Größe und Flügelgeftalt der Dealbana, Kopf
hinter den Fühlern braunfchwarz, mit helleren Schuppen am
Halſe; Vorderkopf reinweiß, nur eine ſchmale Linie längs des
Augenrandes braun. Fühler bräunlich, am Wurzelgliede oben:
auf weiß. Zafter geftultet wie bey Dealbana, aber mit kürze:
vom Endgliede, weiß, auswärts am oben Rande mit einem die
Spige nicht erreichenden Striche. Ruͤſſel Elein, gelblich, Ruͤcken—
ſchild vorn ſchwarz, hinten braun und weiß gefledt; Schulter
decken vorn ſchwarz, an den zwey Endbritteln weiß oder hell
fleifchfarben. Bruſt weißgrau, feidenglängend. Beine weißlich;
Vorderſchenkel bräunlich auf der Lichtſeite; Vorder und Mit:
telfchiene' vorn mit brauner Bafis, braunem Mittelband und
brauner, breiter Spise; Hinterfchiene verlofhen gefleckt. Alle
Füße, nur die hintern verlofchen, braun mit weißen lie:
655
deripigen. — Hinterleib grau, beym Männchen hinten zerſtreut
weißſchuppig und mit gelblichweißem Afterbuſch; Bauch weißlich.
Vorderfluͤgel weiß mit ſehr unmerklichem fleiſchfarbenen Anz
flug. Das Wurzelfeld iſt dunkelgrau, braun, weiß und roſt⸗
farben gefleckt, durch hellere Beſchuppung faſt in ein inneres
und ein aͤußeres Feld getheilt; der hintere Rand deſſelben iſt
verdunfelt und wellig vonver und Über der Mitte weniger tief
ausgerandet als bey Dealbana. Sn dem folgenden, weißen Felde
zeigen ſich auf dem Innenrande gewöhnlich 1—2 braune Puͤnct⸗
chen, ebenſoviel immer auf dem Vorderrande, und unter dieſen
lebtern ein oder zwey graue Fleckchen. Der Innenwinkel hat
ein mit der breitften Seite auffigendes Dreieck in grauer, ſchwarz—
brauner und roflbrauner Mifchung, deffen einwaͤrts gekehrte Spike
durch einen ſchwarzen Punct bezeichnet ift; über ihm beginnt
ein grauer Mebelfled, der fi bis zum Vorderrande hinzieht
und dort, eimwärts erweitert, daS weiße Mittelfeld einengt.
Diefe nebelhafte, bindenartige Fortfegung des Dreiecks begleitet
binterwärts, durch eine fchmale, weiße Linie gefchieden, ein verlo⸗
ſchener, hellgrauer, glaͤnzender Querſtreif. Der Raum der Fluͤ—
gelfpise iſt bis nahe am das obere Ende des oben genannten
Querftreifes gran und roftbraun wolkig; einwaͤrts bemerkt man
2—4 ſchwarze, linienartige Puncte unter einander; am Hinter⸗
rande felbſt ein ſchmales, roſtbraunes Dreieck, von welchem zwey
Verlaͤngerungen, die eine nach den oberſten ſchwarzen Puncten,
die andere nach dem Vorderrande geht. Fluͤgelſpitze augenartig
roſtbraun, beiderſeits von einem weißen Dreieck eingeſchloſſen.
Auf dem Vorderrande liegen ſchwarze Puncte und Striche ab—
wechſelnd, die ſich in der Nebelbinde und hinter derſelben in
ſehr ſchief auswaͤrts gerichtete, roſtbraune Striche fortſetzen.
Franzen am Innenwinkel breit weiß; in der Mitte auswaͤrts
voftfacbig und grau, Übrigens gegen die Spike an Dunkelheit
zunehmend grau, um bie Flügelfpige eine ſchwarze Linie bildend,
binter welcyer eine weißliche- Linie mitten durch fie hindurch
zieht.
y Hinterflügel grau (heller als bey Dealbana), gegen bie Baſis
gelichtet; Franzen weißlichgrau, gleichfalls heller als dort, nahe
der Bafis mit dunkler Linie und weniger verdunkelten Spitzen;
die Franzen des Worderwinfels find auswärts am dunkelſten grau,
Unterfeite der Vorderflügel grau; am Innenrande fcheint das
weiße Mittelfeld fledenartig durch, indem es ſchon vor ber Mitte
in ziemlich ſcharfer Begrenzung aufhört. Worderrand mit
6 Paar weißlichen Furzen Häkchen, die gegen die Spise zu an
Entfernung und Größe zunehmen. Franzen bläffer als auf der
Dberfeite, an der Mitte auswärts brandigbraun.
Hinterflügel weißlihgrau, gegen den Vorderrand allmählich
dunkler grau und mit etlichen Querſtrichelchen; in der Fluͤgel—
fpige ſteht ein augenähnlicher, dunfelgrauer Punct. Franzen
wie an der Oberfeite,
Das Weibchen, in der Größe ähnlich dem Männchen abän-
dernd, zeichnet fich nicht immer durch hellere Färbung aus, und
ift an der Stärke des Hinterleibes zu erkennen. j
Die Raupe lebt bey Syracus in den Dolden der Thapsia
garganiea, die dort auf den Höhen der ehemaligen Stadt
überall waͤchſt; fie naͤhrt fi von den Früchten, die fie mit
etwas Gefpinnft zufammenzieht und ausfrißt, wahrſcheinlich
etwas gefellig; denn ich fand die Samen ganzer Dolden zu
einem Ballen zufammenzogen. Ich weiß nur von ihr, daß fie
vöthlich ift. Zur Verpuppung geht fie heraus, ohne Zweifel an
die Erde, und fpinnt ſich, wenn fie feine anderen Materialien
bat, mit reiner, fchmeeweißer Seide ein leichtes Gefpinnft, in
656
welchem fie fi bald verpuppt. Ich hatte fie zuerft mit ben
ungeöffneten Dolden eingefammelt; als fie ausgewachfen waren,
krochen fie in den Schachteln viel umher nach einem pafjenden
DVerpuppungsorte. Das gelbbräunlihe Püpphen bat vom
2. Hinterleibsringe an, mit Ausnahme der zwen legten, auf
jedem hinter dem Vorder» und vor dem Hinterrande eine Quers
reihe von Spitzwarzen; die vordere Reihe enthält immer größere
Warzen. Der Afterkegel hat um die Spike mehrere Borften=
warzen; von der Bauchfeite gegen das Licht befeben, zeigt er
fi am Ende in 2 £urze, divergivende, ſtumpfe Spigen getheilt,
über welche 8 Börftchen hervorftehen, und zu jeder Seite ders
felben ein £leines, horizontales Spiswärzchen.
Am 2. Juny und den folgenden Tagen maren mir die
Schmetterlinge ausgefrohen. So häufig die Art feyn muß,
hobe ih doch nie einen im Freien gefunden. Am 22. Suny
fammelte ich) eine Menge Thapsia- Samen, 'der meift fon
troden war, und der mir noch Raupen zu enthalten fchien.
Sch ließ ihn ganz troden liegen und im Winter zu Anfang des
Sahres 1845 Eamen mir einige Schmetterlinge aus, die in der
Stube Abends fchwärmten.
259. (2.) Aceriana F. R. in litt.
*Penth. Aceriana Dup. Suppl. IV. p. 316. tab. 76.
Dup. Cat. 297.
Capite cum thorace rufescenti-griseis, alis ant. albidis,
basi trianguloque dorsi postico rufescenti-cinereis, hoc in
nebulam fasciatam griseam continuato, apice ferrugineo-
notato.
Don Dealbana und Thapsiana, deren Größe und Geftalt
fie hat, unterfcheidet fie der Mangel der weißen Gefichtsfarbe,
die grauen Zafter, welche nur am Endgliede und auf der In—
nenfeite weißlicy find, und die grauröthlichen Schulterdedten ohne
fhwarze Baſis; ferner auf den Vorderflügeln das bläffere, ge—
radliniger begrenzte MWurzelfeld und der Mangel eines Augens
fleds im Vorderwinkel. Penth. Ocellana fteht ſehr entfernt
durch die Verſchiedenheit der Flüygelbildung, da fie nicht wie
diefe einen unter der Spike eingedrüdten Hinterrand bat, und
ift am Nüdenfchild und an der Baſis und der Spige der Vor:
derflügel anders und dunfler gefärbt.
Größe einer Eleinen Dealbana mit etwas geffredtern Vor—
derflügeln. Kopf vöthlihftaubgrau, binten dunkler. Taſter
fehlanfer al$ bey Dealbana, grau, inwendig und am hervorftes
henden Endgliede weißlih. Ruͤckenſchild roͤthlicher und dunkler
als der Kopf. Beine fehmugig weißgrau; Schienen an ber
Bafis, dem Mittelbande und der Spike dunkelgrau; Fußglieder
bellgrau und braun wechfelnd; das Graue ift an den Vorder:
beinen am dunfelften, an den Dinterbeinen am verlofchenften.
Hinterleid grau, am Bauche weißlich.
Das MWurzelfeld der weißlichen Vorderfluͤgel ift roͤthlichgrau
mit braunen Querftrichen; fein Hinterrand bildet eine unter der
Mitte fehr ſtumpfwinklig gebrochene, ſchwachwellige Linie ohne
die tiefe Ausrandung über der Mitte. Ein paar febr feine,
graue Pünctchen ftehen auf Vorder- und Innenrand des weißlis
chen Mittelfeldeg. Im Hinterwinkel liegt ein ziemlich Eleineg,
graues, faft gleichfeitiges Dreied, von deffen Spike ſchraͤg eins
wärts gegen den Vorderrand ein hellgrauer nach oben fich ers
weiternder Mebel zieht, der mit dem Dreie eine unordentliche
Binde bildet; ihm fehlt der verlängerte, fchwarze Punct der
Dealbana. Hinter ihm ſchimmert der Grund ftreifenartig fil-
bergrau, worauf im Spiegelfelde zwen big dren ungleiche, Schwache,
.
657
braune Püncthen unter einander folgen, die auswärts wieder
von einem filbergrauen. Schuppenftrich begrenzt werden. - Die
Flügelfpise iſt hellgrau nebelicht 5 ein gelbbräunlicher, Länglicher
Fleck kruͤmmt ſich fo, daß er an der Mitte des Hinterrandes
binzieht, Die Flügelfpige ift nicht mit einer Farbe ausgefüllt,
fondern es geht von oben ein gelbbrauner hafenformiger Strich
herab, der fich ſchnell verdünnt, und hinter weldhem der Grund
weißlich bleibt. ‚Dee Worderrand hat wechſelnd dunfelbraune
Puncte und Fledchen, die fih ſehr ſchraͤg einwärts und hinter
wärts verlofchen fortfegen; die Fortfegungen der Fleckchen find
gelbbräunlic. Franzen am Innenwinkel weißgrau, am Vorder—
winfel ſchwaͤrzlich, Übrigens dunklergrau mit glängender Mittel:
linie und über der Mitte etwas dunfelfledig.
Hinterflügel einfarbiggrau mit dunfelem Puncte in der Fluͤ—
gelfpise; Franzen heller, nahe der Baſis von einer dunflern
Linie durchzogen und der Flügelfpige gegenüber verdunkelt.
Unterfeite der Worderflügel grau mit ſchmalem, weißlihem
Fle auf dem Innenrande; die Vorderrandlinie weißlich, nad)
hinten erweitert, hat von der Flügelmitte an 4 braune Fleck—
chen und dazwifchen ſchwache Punkte. Flügelfpige mit braunen
Fleckchen. Hinter der weißlihen Hinterrandlinie find die Franzen
einfarbiger und dunkler als auf der Oberſeite. — Hinterflügel
hellgrau ringsum und auf der gegen den Worderrand befindlis
chen Flügelfalte weißlih. In der Zlügelfpige ein dunkelgrauer
Punct. Franzen einfarbig grau.
Diefe vom Herrn Mann bey Mien entdedte und von
Fiſcher v. Röslerftamm benannte Art kommt nad Du—
poncdel aud in Frankreich vor. Sch Elopfte ein ſchoͤnes Weib—
chen am 11. Auguft gegen Abend aus einem Brombeerſtrauch
in der Umgegend des Agnanofees bey Neapel,
Tortrix.
260. (1.) Dumicolana n. sp.
Capite et collari ochraceis; -alis anterioribus schista-
ceis, basi fascia obliqua intus Jatissima trianguloque co-
stali ante apicem brunneis ochraceo-marginatis (mas).
Dem äufern Anſehen nach nächft verwandt mit Tortr. laevi-
gana, aber auf den erſten Blick verfchieden durch die ganz
grauen Hinterflügel, denen alfo die gelblihe Spige fehlt, und
durch den gelben Hinterrand der breiten Binde der Vorderflü-
gel; außerdem durch einen verfchiedenen Bau der leftern ıc.
Größe einer fleinen Laevigana. Kopf ochergelb, oder hell
lehmgelb; ebenfo das Murzelglied der Fühler und die auswärts
wenig gebräunten Zafter, deren 2. Glied gegen die Spige an
Breite mehr zunimmt als bey Laevigana. Fühler bräunlich-
grau, ſehr ſchwach geferbt und zart pubescivend gefranzt. Ocel—
len deutlich. Kragen des graubraunen Nüdenfchildes ocheraelb,
fo wie die Bafis der Schulterdeden. Vruſtſeiten feidenglänzend
weißlich. Beine gelblib; Vorder» und Mittelfchienen und Vor:
der- und Hinterfüße (Mittelfi.ge fehlen) auf der Fichtfeite braun
gefledt. Der Hinterleib dunfelgrau; Bauch und Unterfeite des
Afterbufches hellochergelb.
Vorderfluͤgel etwas breiter als bey Laevigana, ohne die vor—
tretende Spite derfelben, daher auh am Hinterrande unter der
Spitze nicht eingedrüdt; der Vorderrand hat nicht den feft an—
fließenden Umfchlag an der Bafis, fondern er biegt fidy felbft
um, ohne ſich zu falzen, und der umgefchlagene Theil wird zwi—
fhen dem MWurzelfelde und der Binde breiter und verliert fich
auf der Mitte der legten. Grundfarbe violettlich oder fchiefer-
Iſis 1847. Heft 9.
658
gran, Das Murzelfeld, in welches die gelblichen Schuppen
des Kragens etwas hineinragen, ift wenig dunkler und hinter
waͤrts nicht volftändig ſchmal heilgelb gerandet; der Rand ift
mwellig conver und fteht über der Mitte am meiften edig hervor.
(Ein Imnenrandflek fehlt). Die gelbbraune Binde beginnt auf
der Mitte des Vorderrandes als ein breites Band, worauf fie
ſich fehe bald zu einem fehr großen, edigen, am Innenrande
etwas berengerten Fleck ausdehnt; ihr ſchmal, gelb, volftandig
gefäumter Innenrand kruͤmmt fich erft gegen den Außenrand,
unter der. Mitte wieder gegen die Baſis zu, und dann geht er
nahe dem Hinterwinkel auf den Innenrand; ihre Hinterrand ift
nur. am engen Anfange und darauf nach einem breiten Zwifchen=
raum ‚gelb eingefaßt. Vor der Flügelfpise liegt auf dem Vor—
derrande eim gelbbraunes Dreieck, deffen gelbe Einfafjung ſich
über die Spitze hinaus, in eine Linie unterwärts dem Hinter:
rande faft parallel verlängert. Franzen gelblih, am Vorder—
und Innenwinfel braungrau, am letztern in größerer Breite,
Hinterflügel einfarbig dunkelgrau: Franzen hellergrau, nahe
ihrer Bafis von einer dunklen Linie durchzogen.
Unterfeite grau, der Vorderrand der Vorderflügel in der Mitte
fhmal gelb, eben fo die Außenbälfte der Franzen, mit Aus:
nahme der auf der Oberfeite erwähnten Stellen. Hinterflügel
heller grau, gegen den WVorderrand und auf der innern Flügel-
falte gelblich gemiſcht.
Das einzene Männchen fieng ich bey Syracus am 11. May
am Rande der Spracafümpfe in einem Brombeergefträud.
261.”(2.) Pronubana.
Ein wahrfcheinlich ſehr verbreiteter MWicler in dem Gebiete
des Mittelmeeres, da feine Raupe die mandfaltigfte Nahrung
genieft. In der Aufzählung der von Loͤ w gefammelten
Eleinafiatifhen Falter habe ich ſchon die Namen zufammen=
gezogen, womit man Varietäten des Maͤnnchens und die Weibchen
als verfchiedene Species begabt hat. Duponkhel hat in feinem
neueften Werke, dem Catalogue des Lepid. d’Europe, ©. 286.
noch alle 3 Namen: Pronubana, Hermineana und Ambustana
neben einander aufgeführt. Die Abänderungen des Männchens
habe ih a. a. Ds bezeichnet, und bemerfe, daß ich Eeine anderen
aufgefunden habe, Auch das Weibchen, von dem ich damals
nur 3 Eremplare zum Vergleich hatte, ift der Abänderung ſehr
unterworfen, aber vor dem Männchen dadurch ausgezeichnet, daß
feine Hinterflügel einfarbig rothgelb find ohne fchwarze Hinter
tandlinie. In der Größe übertrifft es das Männchen bisweilen
ſehr beträchtlich; doch habe ich aus fehr Farg genaͤhrten Naupen
Weibchen erhalten, die dem Fleinften Männchen gleich Eommen.
An den Hinterflügeln find die Franzen um den Innenwinkel
ſchwaͤrzlich, ausnahmsweiſe aber auch wie die übrigen vothgelb. _
Die Vorderflüigel haben die meiften Abänderungen in der Färz
bung. Ihr Grund ift in der Regel lehmgelb mit fatter braun:
gelben Querſtrichelchen ſchwach gitterartig überzogen. Selten
verdunkelt fi) der Grund mit braunroth; am ftärfften ift dieß
bey Duponchels Hermineana der Fall, einer Varietät, die
mir in dem Grade (brun-rougeätre) nicht vorgefommen ift.
Bei diefer Werdunfelung verdunkeln ſich die Strichelchen mit
oder fie verfchwinden. Seltener (bei einem fehr Eleinen Erems,
plar) wird der Grund ganz bla und einfarbig. Bei der ges
wöhnlichen Färbung zeigt ſich der Innenrand verfinftert, und
in der Verfinfterung vor der Hälfte ein länglicher, halbovaler
Fleck, der aber auch ausbleibt. Die Binde hinter der Mitte
ift immer nur durd) verlofhene Grenzlinien angedeutet; fie ift-
42
-
659
auf dem Vorberrande etivas, auf dem Innenrande, gegen mel:
chen fie fich erweitert, viel beträchtlicher werbunfelt; mit ihrer
Hinterrandlinie befindet fie ſich im Hinterwinfel. Vor der Spike
geht vom Vorderrande eine zitternde Zinie herab, hinter welcher
fih der Grund am Vorderrande nicht verdunkelt; jie erreicht
den Hinterrand nahe am Innenwinfel; doch bleibt fie auch mehr
oder weniger aus. Der Hinterrand tritt an der Mitte convexer
hervor, als in Duponhels Abbildung; die Sranzen find an
der ſchwach heworftehenden Spike gebräunt.
Von diefer Art Elopfte ich ein Meibchen bey Syracus ſchon
am 23. April von einer Diftel. Darauf fand ic) am 3. Juny
einige Naupen und mehrere Puppen an mehreren zuſammen⸗
ſtehenden, etwas uͤppig wachſenden Pflanzen von Nepéta ca-
lamintha. Jede Puppe hat ihr weißes Geſpinnſt einzeln fuͤr
ſich gemacht; auch die Raupen wohnten einzeln zwiſchen zu—
ſammengezogenen Blättern; im Ganzen aber war das geſellige
Vorkommen nicht zu verfennen. Von den Puppen fam mit
ſchon am 6. Suny ein männlicher Schmetterling aus, und die
andern folgten in den nächften Tagen. Darauf fieng id ein
Maar Maͤnnchen an den Büfchen der Daphne gnidium, die
dort Überall einzeln auf dem Kalkfelfen waͤchſt. “Die etwas
“fteifen, durch weiße Seide zufammengezogenen Blätter an den
⸗
Spitzen der Zweige machten mich auf die darinn wohnende
Raͤupe aufmerkſam, in welcher ich ſogleich mit Verwundern die
Bewohnerinn der Nepeta erkannte, und die Aeſte, an denen
eine Menge Blätter der Kinge nach an einander geheftet waren,
enthielten gewöhnlich eriwachfene Naupen. Manche Buͤſche waren
ziemlidy reichlich mit Naupen befegt. Eine Art Eleiner Schneus
monen ſchwaͤrmte in großer Menge um die Daphne und trägt
gewiß viel zur Verminderung des Widlers bei: Da das Sutter
trocken und faftlos wurde, Erochen die jüngften Nuupen fort
und begaben fich an mehrere Pflanzen von Samolus valerand!,
die ich in feuchter Erde ftehen hatte; fie fpannen fich bier eine
zeln zwiſchen zwey Blätter ein und liefen ſich diefelben wohl
ſchmecken. Die meiften Weibchen famen mir zu Anfang Suly
in Catania aus (wo fie mir verdarben). Endlich fieng ich noch
am 12. Auguſt ein Weibchen in Neapel, wo ich es in der Villa
reale aus dem Laube der immergrünen Eichen Elopfte, an
welchem fehr wahrfcheinlich die Naupe auch Lebt.
Diefe erreicht eine Länge von 10 — 12 Linien und hat eine
gewöhnliche, ſchlanke MWiclergeftalt. Sie ift hell gelbgrun, auf
dem Nücen dunkler und mit feiner, dunfelgrüner Nüdenlinie
und blaffen, nicht fehr auffallenden Warzenpuncten, die je ein
Elares Borfichen tragen. Das Köpfchen iſt glänzend hell. ho—
niggelb mit noch hellevem Gebiffe ; das Nackenſchild iſt nicht
ausgezeichnet; e8 glänzt wenig und wird vorn durch eine braun=
liche, Fehr ſtumpfwink ig gebrochene Linie begrenzt; die Spike des
Winkels ift nahe am Vorderrande. An der Eeite des Schild:
chens und faft binten ift ein ſchwarzes Pünctchen, faft wie ein
Schneumenenftih, und diefes bildet ein vorzügliches Merkmal
der Raupe. Afterfchild ganz ohne Auszeichnung; Beine heller
als die Grundfarbe,
Sie Eriecht hurtig und kann fich durch Zufammenziehen und
Verdicken ſehr verfürzen und ein fehr verfhiedenes Anfehen
gero'nnen.
Die DVerpuppung gefcbieht zwifchen den Blättern in einem
leichten Gefpinnft, auf die Weife der Riheana ete. Die Puppe
ift gelbbraun mit verdunkeltem Nüden; vom 2ten bis &ten
Hinterleibsring hat jeder in einiger Entfernung von den Rändern
”
660
2 Reifen von Stachelwarzen; der vordere Neifen enthält die
ſtaͤrkeren.
Die Zeit bis zum Auskriechen habe ich zwar nicht genau
beobachtet; fie iſt aber hoͤchſtens 10 Tage. Ob das im April
gefangene Weibchen aus vor= oder diefjührigen Naupen ftammte,
vermag ich nicht zu unterfcheiden; mir ift jenes wahrfcheinlicher.
262. (3.) Gerningana.
Don diefer auf Heidekraut in Kiefer und Birfenwald nicht
felfnen Art babe ich bey Glogau noch kein Weibchen aufzufin-
den vermocht; bey Zrieft dagegen babe ih am 12. Sept. ein
einzelnes Weibchen und nichts weiter gefunden; am Weſtab—
bange eines mit Eichen bewachfenen Berges’ ſaß es "zwifchen
blühendem Heidekraut ( Erica vulgaris) an einer Blüthe des
blauen Eryngiums. Uebrigens ift es ohne Auszeichnung.
263. (4.) Productana n. sp.
Alis ant. ochraceis subretienlatis, costae parte basali
revoluta ac faseia media obliqua maculaque costali postica
apicem attingente luteo -fuscis (mas).
Der DVorderrand der Vorderflügel kruͤmmt ſich faſt bis zur
FSlügelmitte um, und feine Schuppenfranzen legen fib an die
Flügelflähe an; biernach fteht die Art: mit Totr. histrionana
in der naͤchſten Verwandtfchaft, nicht aber nach der Färbung
und Zeihnung. In dieſer zeigt fich ziemliche, Aehnlichkeit mit
Ribeana, oder, da die Binden unregelmäfiger und. nebft- den
Flecken dunkler ausgefüllt find, mit Grotiana. Das. Haupt-
merfmal gibt der braune laͤngliche Vorderrandfleck, welcher ſich
verdünnt bis zur Slügelfpige binzieht und bis in die Franzen
hineinreicht.
Groͤße einer Eleinen T. Grotiana. Kopf, Ruͤckenſchild und
Dorderflügel ochergeib, im Zone der T. riheana. Zafter um
die halbe Augenlänge hervorftehend, zufammengedrüdt; das 2te
Glied gegen das Ende verdickt, auswärts ſchwach gebraunt,
das kurze Endglied fpig. Fühler ohne eingefchnürte Baſis,
ſchwach geferbt, flaumhaarig gefranzt. Der graue Hinterleib
hat einen ftarfen, gelblichgrauen, fehimmernden Afterbufch.
Geftalt der Vorderflügel wie bey T. ribeana, alfo mit ſtark
gewolbtem Worderrande; geibbräunfiche Querftricheichen bilden
ein verlofchenes, gegen den Hinterrand deutliches Gitter. Vor
der Mitte fteht auf dem Innenrande rin verftärfter brauner
Strih. Der umgebogne Vorderrand ift verdunfelt und mit
braunlichen Querftrichen bezeichnet. Auf der Mitte deffelben
beginnt die ſchraͤge, gelbbraune Binde und gebt fich erweiternd
hinüber in den Hinterwinfel, vor welchem ihre vordere Nandlinie
den Innenrand berührt; diefe Nandlinie ift deutlich und braun
und bat zwey fanfte, eintretende Kruͤmmungen über und unter
der Hälfte; ihr Hinterrand ift nur oben am Anfange fcharf;
darauf ift er verwifcht, indem fich die Binde erweitert und dem
Morderrandflede nahe kommt; die dunkelfte Stelle der Binde
ift auf dem Innenrande, nacht dem am Worderrande, ihre ver—
tofchenfte auswärts an der Eriveiterung. Der Vorderrandfleck
ift ein Dreyeck, das mit der Baſis auf dem Rande, und deffen
fpigefter Winfel in der Flügelfpige liegt. Franzen nur an der
Flügelfpige und am Innenwinkel braun. F
Hinterflügel einfarbig grau, gegen die Spige fehr undeutlich
dunkler gegittert.
Unterfeite der Worderflügel grau; die Mittelbinde fchimmert
dunkler, aber verlofchen durch, und vor und hinter ihr iſt der
Vorderrand fleckartig gelblich. Franzen hellochergelb, am Vor—
661
der⸗ und Innenwinkel grau. Hinterflügel weißgrau mit dunkel
grauen Gitterfleckchen.
Das Weibchen ift mir nicht vorgefommen.
Das Eleinere, faſt unverflogene Männchen fiong ih am
S1ften Januar bey Moffina auf VBrombeergefträud an einer
Gartenhecke; dag größete, das die Mittelbinde ein wenig fchmäler
bat, erhielt ich gleichfalls aus-Gefträuh am 27. May bey Sy—
racus in den Sumpfwiefen um die Cyane. Die Ungleichheit
der Flugzeit ift auffallend, fo wie die Flugzeit des erften Exem—
plares, da Feine eigentliche Tortrix im erften Frühjahr erfcheint
oder gar ald Schmetterling überiwintert.
Duponcel bat eine Tortr. flavana aus der Parifer Ger
gend pl. 239. fig. 6. pag. 87., die ziemlich gut hierher paßt;
fie hat die Große meines Moeffiner Eremplars, aber den Innen⸗
vand der Binde nicht zweimal gebogen und den Außenrand
nicht ausgefchwungen,fondern die Binde ift überall ziemlich gleich
breit; der WVorderrandfled ift wie ben Productana (nad) dem
Texte foll er zwifchen der Spike und der Binde liegen.) Im
Catalogue ©, 286. zieht Duponchel fie zu Ribeana, was
der Abbildung nach fehr unrecht iſt. Sedenfalls ift die Figur
eher eine ungenaue Abbildung der Produetana, als einer Ri-
beana-Barietät.
264. (5.) Strigana.
Zwey Männchen, fo Elein wie Faum die Weibchen, mit menig
lebhafter Farbe und Zeichnung fieng ich, am 28ften Auguft und
am 3ten Sept. in der Campagna von Nom, in Gegenden, mo
ih von Artemisia campestris feine Spur bemerkt habe.
265. (6.) Zoegana.
Ein ſchoͤnes Pärchen bey Capua am 22ften Augſt auf einem
ſehr dürren Anger füdlih der Stadt; ein ſchoͤnes Männchen in
der Campagna zwifchen Albano und Rom, und ein fehr Eleineg
Männchen (DVorderflügellänge 23" — bey einem Glogauer
Meibchen 5’) ebendafelbft, nur der Stadt näher, am 2Sften Aug,
266. (7.) Viridana.
Sie flog in der Maldregion des Aetna in der Naht vom
29ften bis SO ften Juni häufig, und am folgenden Tage Elopfte
ich ganze Schaaren aus dem Laube der. Eichen (Quereus pu-
bescens), das, ohne Zweifel durch ihre Raupen, fehr befchädigt
mar. Auch an den Stämmen ſaßen fie fehr reichlich. Ein
Männchen traf ich oberhalb der Baumgrenze, wo es fih an
einen Schneehaufen in den Schatten feste. Die meiften Exem—
plare waren ſchon ſehr abgejtaubt und weißlich. Die mitge—
brachten haben ein helleres und deutlicher gegittertes Grün, als
meine bey Glogau aus der Naupe gewonnenen Falter; doc)
mag dieß die Folge von der Längern Einwirkung des Tageslichts
feyn, der fie als Falter ausgefest waren. Bey dem Eleinen ge—
fangenen Weibchen ift das Gruͤn etwas gelblich. Groͤße ver
änderlich nach der Neichlichfeit der Nahrung, — Diefer Wickler
hat am Aetna diefelbe forftlihe Bedeutung wie bey uns; ich
glaube aber nicht, daß die alten Stämme dort von ihm gelitten
haben, und junge gibt es dafelbft nicht. — Loͤw fieng den
Wickler in Kleinafien fhon am 19. May.
267. (8.) Tesserana.
Var. b) macula ante marginem posticum flava obsoleta.
Ein ſehr fchönes Männchen von Neapel; in einem Kaftaniens
twalde bey Camalvoli flog es am 16. Auguft zwifchen Spartium
scoparium auf und fegte fi) auf ein Kaftanienblatt.
662°
Das prächtige Roth, eine Mifhung aus Zimmtbraun und
Drangenroth, — von Treitfehke Kothfteinfarbe genannt! —
ſchraͤnkt die lebhaft gelben Flede und Binden ungewöhnlich ein
und läßt vor der Mitte des Hinterrandes von dem gewöhnlichen
Fleck nur einzelne gelbe Schuppen übrig. Die Binde nahe der
Baſis iſt nad) vorn etwas verengt, erreicht aber den Vorderrand
vollfommen. (In Duponchels ziemlich guter Abbildung er—
reiht fie ihm nicht.) Der Innenrandfleck ift Elein und abge—
rundet, und überhaupt bleibt das Roth entfchieden die Grundfarbe.
263. (9.) Albipalpanan. sp.)
Epistomio palpisque albis, externe flavescentibus; alis
anterioribus flavidis, fascia media postice dentem exserente
strigaque postica rufo - ferrugineis.
Verwandt mit T. triangulana Tr., fo daß ich beym Fangen
eine kleine Warietät derfeiben vor mir zu haben glaubte und
daher mir ihe Einfammeln nicht angelegen genug ſeyn ließ.
Jetzt, wo ich beide vergleidhen Eann, fehe ich freylic einen fehr
großen Unterfchied, Alle Flügel find breiter; die Mittelbinde
hat hinten über der Mitte nur einen Eleinen Zahn, der nie bis
zu der folgenden Zeichnung reicht; diefe iſt ein fchmaler, fehief
auswaͤrts gelegter Streif; endlich ift das Geſicht weiß und die
Zafter ſchneeweiß, auswärts gelbbraͤunlich angeflogen, während
bey Triangulana Kopf und Tafter die Farbe des Ruͤckenſchil—
des huben.
Größe einer größern Coch, Kindermanniana. Kopf weif,
am obern Augenrande rings herum toftröthlich. Tafter um
mehr als die Augenlänge über die Augen hervorſtehend, nach
vorn verdidt. Endglied Elein, ffumpf, nur ein wenig aus der
Beſchuppung des zweyten Gliedes herausragend; fie find ſchnee—
weiß, auswärts oben roftfarbig angeflogen. Fühler braungrau
mit roftdraunem Wurzelgliede, beym Männchen anſehnlich ges
franzt, Ruͤckenſchild roftbraun. Vorder- und Mitteibeine auf
der Vorderſeite glänzend bräunlich mit weißlichen Gliederfpigen ;
Hinterbeine auswärts gelblihgrau, einwärts, fo wie an den
Dornen und den Füßen, blaßgelblich. Hinterleib braungrau mit
hell gelblihem Afterbufch.
Vorderflügel blaß dottergelb, an der Baſis gefättigter, auf
dem Vorderrande bis zur Mittelbinde verbunfeltz unter ihm
ſchimmern zerftreute, weiße Schuppen. Die Mittelbinde geht
vom Vorderrande ſchraͤg einwärts, doch weniger geneigt als bey
Triangulana; fie ift faft gleich breit, macht auf der Subcoſtal⸗
ader einen ſehr ſtumpfen, gegen die Baſis geoͤffneten Winkel
und hat am deſſen Spitze auswärts einen abwärts geneigten
Zahn; ihre Farbe ift ein fchones dunkles Roſtroth wie bey
Triangulana und der vorhin befchriebenen Tesserana; ihre
Nandlinien find unter der Mitte bisweilen etwas braun; ihre
ganze Einſaͤumung ift überall glänzend weißlich. Unter dem
Zahn geht eine folche glänzende Linie hinüber zum Innenwinkel,
an welchem der Innenrand 1—3 roftbraune Puͤnctchen trägt.
Vor der Spige fommt vom Vorderrande ein roſtrother, alänzend
weißlich gefäumter Streif herab, der an Breite abnehmend mit
ſeiner Spise den Hinterrand nicht weit vom Innenwinkel bes
rührt. Die Flügelfpige hinter ihm iſt voftfarbig überzogen,
Franzen wenig dunkler als die Grundfarbe.
Hinterflügel einfarbig grau, Franzen hellgelblich, ander
Wurzel von einer grauen Linie durchzogen, auf der vordern
Hälfte roſtroͤthlich angeflogen.
. Unterfeite 'grau; die dunfeln WVorderflügel haben hinter der
Mitte ein Paar blafgelde Fleckchen und roftgelbe Franzen, und
663
die Zeichnungen der Oberfeite fcheinen verlofchen durch. An
den hellergrauen Hinterflügeln find die Franzen gelblich gran.
Das Meibchen ift ein wenig größer und ſchmaͤler geflügelt.
Diefe Art fliegt bey Spracus ziemlich felten zu Ende April
und in der erfien Hälfte des May in den Sümpfen der Syraca
an falzhaltigen Stellen; ich [heuchte fie hier aus Büfhen des
Juneus acutus, aber auch von Stellen, wo diefer nicht wuchs,
fondern Salicornien und Statice limonium. Sie fliegt wie
Triangulana und Baumanniana nicht weit und ift leicht an
ihrer hellen Farbe zu erkennen.
Eversmanns Tortr. tergana Faun. Casan. pag. 498.
koͤnnte nach der Diagnofe allenfallg mit meiner Art verwechfelt
werden. Letztere hat aber mit Baumanniana feine nähere Des
ziehung, während Eversmann feine Tergana für eine moͤg—
liche Warietät derjelben anfteht. Kopf und Taſter, die er bey
Tergana und Baumanniana ſtillſchweigend als übereinftimmend
annimmt, find bei der legtern noch dunkler als bey Triangu-
lana; bey Albipalpana fo wie es ihr Name bezeichnet,
269. (10.) Flagellana Dup.
Alis anterioribus angustis, stramineis, argenteo con-
spersis, strigis duabus inaequalibus, altera media, altera
postica,
' Var. a. rufo - ferrugineis.
Areyrolepia flagellana Duponch. pl. 240. fig. 6.
pag. 441. — Cat. pag. 510.
Var. b. fuscescentibus, priore antice abrupta.
Var. c. ut b. minuta, alis elongatis.
Sch führe diefe Art nur darum bier aufl, weil fie mit
Treitſchkes Tortr. sanguinana in naͤchſter Verwandtſchaft
fieht und ich jet nicht von. feiner Klaffification der Wider
abweichen will.
Aehnlich der Sanguinana, verfchieden durch die fehr lang ges
zognen Flügel und die fchmalen, fchiefergelegten beiden Duers
ftreifen dee DVorderflügel. Größe fehr veränderlich (Worderflügel:
länge 33; bey var. c. faum 3").
Kopf, Rüden und Vorderfluͤgel ſtrohgelb oder gelblichweiß.
Tafter und die Augenlänge über die Augen hervorftehend mit
Eurzem, geneigtem Endgliede, auswärts ſchwach gebräunt. Fuͤh—
fer an der Bafis gelb, fonft bräunlich, beym Männchen pubes⸗
cirend gefranzt, beym Weibchen noch zarter. Bruſt feidenglän-
zend weiß, Beine weißgelblih, die vorbern und mittlern auf
der Lichtfeite beilbraunfledig, Hinterfüße fehr verlofchen gefledt.
Hinterleib grau mit weißlihem Afterbuſch; beym Weibchen iſt
die Aftergegend und der Bauch gelblich,
Vorderflügel in der Länge etwas veränderlich; bey meinen 8
Eremplaren ift fie ungleich, am längften bey dem £leinften
Männden, Vorderrand bis zum erften Queritreif roftbraun
punctiert; an der DBafis laufen die Flecke etwas zufammen,
Bey Dar. b. bleiben fie alle, und weiter getrennt und find zarter
und braͤunlich und reichen über die Mitte hinaus. Unter dem
Vorderrande und vorzüglich im ganzen Mittelfeide find einzelne
und mehr zufammenhängende filberglänzende Schüppchen geſtreut.
Die erſte Querlinie fangt auf dem Innenrande noch vor der
Mitte an und geht ziemlich gerade fehräg auswärts zum Vor—
derrande hinüber; fie ift auf dem Innenrande etwas verbidt,
wird wieder dicker in der Flügelmitte und verdünnt fich unter
dem DVorderrande, auf welchem fie bläffer ift; ihre Farbe ift
rotbraun und am meiften auf dev Mitte zerftreut filberfchuppig.
Bey Var. b, und ec. bört die Binde hinter der Verdickung
664.
an der Subcoftalader auf; bey genauer Betrachtung fieht man
aber ein verlofchenes, braͤunliches Fleckchen am Vorderrande,
welches der Fortjegung der Binde bey Var. a. entſpricht. Dus-
ponchel bildet die Binde bloß an der Subdorſalader breit un—
terbrohen ab. Die zweyte Querlinie fängt am. Innenrande
vor dem Innenwinkel an und läuft nicht ganz gerade, ziemlich
parallel mit dem Hinterrande; hinterwaͤrts hat fie unter der
Mitte eine ſtarke Verdickung; eine zweyte, Eleinere befindet fich
unter dem Vorderrande. Bey Var. e. erweitert fie fih auf
dem Nande, ftatt fich zu verſchmaͤlern. Ihre Farbe ift wie die
der erften Querlinie, nur mit reichlichern Silberfhuppen. _
Hinterflügel ſchmal und fpig, grau, bey Var. a. gegen die
Bafis mehr weißlich, fo wie die Franzen; dieſe find auf dem
erſten Drittel von einer,grauen Linie durchzogen.
Unterfeite glänzend, auf den Vorderfluͤgeln gelblichbraungrau,
am Vorder» und Innenrand gelblich; die beiden Querlinien
ſchimmern in bräunlicher Farbe duch. Franzen blafgelb. Hin:
terflügel weißgrau oder faft weiß, durch eine gelbliche Nandlinie
von den weniger glänzenden Franzen abgefondert.
Von jeder Varietät fieng ic) nur ein Stuͤck; nehmlich Bar. a.
in der Gampagna bey Nom am 28. Auguft auf einer dürren
Stelle neben der Via appia;z Var, b. bey Syracus in einem
Hohlwege bey der Cyane an derfelben Stelle, wo ich die meiſten
Ses. tineiformis fammelte; Var, e, an den [Syracafümpfen
am 11. May.
Dar. b,, ein Weibchen, hat die fürzeften Flügel und in der
Färbung die bemerkten Auszeichnungen; ich würde ſie fuͤr eine
von Bar. a. verfchiedene Art halten, wenn Bar, e., ein Maͤnn⸗
chen, in der Zeichnung des Vorderrandes mit Var, a. fimmend,
und in der Erweiterung der Zten Querlinie von beiden abwei—
chend, nidyt noch längere Flügel als Var. a. hätte.
170. (11.) Hoffmanseggana.
Schwaͤrmte nicht felten an einer Gartenhede bey Gifterna im
Kirchenftaate Nachmittags am 24. Auguft, wobey fie noch Eleiner
ausſah, als fie fchon if. Das einzelne mitgebrachte Männchen
ift wenig verflogen, dunkel und ausgezeichnet klein.
Coccyz.
271. (1.) Zephyrana 7’.
Coceyx — Dup. Suppl. IV. p. 179. pl. 65.
Coceyx — Dup. Catalogue pag. 342.
Var. a. verna: alis anterioribus viridi-flavescentibus,
eiliis posteriorum cinereis. \
Var. b. aestiva: alis anterioribus rufescenti-flavidis,
eiliis posteriorum maris albidis, feminae cinereis.
Diefe Art verdankt ihren Pla unter Coceyx dem Gerüchte,
daß fie an Nadelholz lebe; in der Wirklichkeit gehört fie zu den
Cochyliden. Sie lebt auch nicht an Nadelholz; denn ich fieng
fie nur auf fonnigen Grasplügen, wo weit und breit nur Pa—
pilionaceen, Cistus und baumartiges Heidefraut wuchs.
Aus Treitſchkes Befchreibung wird die Art ſchwerlich er—
kannt werden; ich befise aber ficher feine Art durch briefliche
Mittheilung. Er fheint nur das Männchen gefannt zu haben.
Beide Gefchlechter haben den Worderrand der Worderflügel
braun gepünctelt, und darinn erft hinter-der Mitte ein längeres,
dann vor der Spike ein ebenfolches, gemöhnlich dunkleres Fleckchen
von faft vierediger Geftalt.
Beym Männchen ift der Grund etwas gemölft mit unvoll-
ftändigen, zerſtreuten und zu Querlinien zufammenfliegenden
\
665 -
Silberpuncten; am meiften tritt der unter dem Queräderchen
befindliche als eine erhabene Stelle hervor, An der Mitte des
verlofhen braͤunlich punctierten Innenrandes zeigt fich ein ges
bogner, nur die halbe Flügelbreite erreichender Qüerftreif, der
etwas ſchief auswärts Liegt und fehr verlofchen ift, wie ein
dunkler Fled im Innenwinkel. Die Hinterflügel find dunkel—
grau mit grauen Franzen. Ein verwifchtes Männchen, deffen
Baterland vielleiht Ungarn ift, hat weißliche Franzen, ohne, wie
es [cheint, zur Sommergeneration zu gehören. Das fchöne am
Sten September gefangene Maͤnnchen hat hellgraue, gegen die
Bafis weißliche Hinterflügel und weißliche Franzen, Ob das
Männchen der Sommergeneration immer fo gefärbte Hinter:
flügel hat, muß ich unentſchieden laffen.
Das Weibchen weiht vom Maͤnnchen bedeutend ab. Der
Grund der Vorderflügel ift reiner, mit zerftreuten, glänzenderen
Silberpuncten. Der Innenrandftrich it deutlich, ftärker, ftellens
weife braunroͤthlich, mit erfenglanzenden Flecken gerandet; eine
Fortfegung zum Innenrand laͤßt ſich bisweilen angedeutet er
Eennen; fie geht unter einem fcharfen, fpisen Winkel e.nwärts
und erreicht vor dem Vorderrandflet den Vorderrand, Im
Hinterwinkel liegt ein eifenglänzend gefaumter, brauntoiher Fleck,
an weldyen fid) andere ebenfo gefärbte und gefüumte zu einem
unvolllommnen Querſtreif anfchließen; von feiner Spitze gebt
bey einem Eremplar der Sommergeneration eine eifenglänzende,
bey den andern eine mehr oder weniger filberichte Querlinie über
die Querader zum Vorderrande. Hinter dem 2ten Vorder—
randfleck kommt eine eben fo gefärbte Querlinie herab, die gez
bogen bis zur Mitte des Hinterrandes reiht. Die Grundfarbe
meiner drey im Frühjahr gefangenen Weibchen ift graugrünlich
geld, bey den zweyen der Sonmergeneration ohne grünlicye
Beymifchung, dafür aber mit einer fehr fhwachen röthlichen.
Die Dinterflügel aller 5 Weibchen find mit den Franzen gleich
farbig dunkelgrau.
Sechs Eremplare der Frühlingsgeneration fieng ich bey Meffina
im Pelorogebirge ziemlich hoch auf begraften’fonnigen Abhängen,
wo Cytisus, Erica arborea, Cistus, Spartium junceum
mwächft, und wo ich fie aus dem Grafe am Spätnachmittag
auffheuchte: ein Pärchen ſchon am 18. März, die andern am
3. und 15. April. Bon der Sommergeneration erhielt ich ein
Meibchen bey Catania am 3. Juli am Nande einer Wiefe; ein
anders Weibchen faß bey Mefiina am 15. July in den Bergen
an der Palermitanerftraße auf Farnkraut in der Sonne), und
das unverflogene Männchen fieng ich am 3. September in der
Gampayna auf einem freien, dürren, mit Gras und Difteln
beiwachfenen Plaß.
Sericoris,
272. (2.) Urticana,
Ein Männden, ziemlich verflogen, Elein, düfter braun ge:
zeichnet, ganz gleich mit den von Löw aus Aſien mitgebrachten
Maͤnnchen — am 17. Auguft bey Neapel gefangen auf den
fruchtbaren Feldern zwiſchen den beiden, Eifenbahnen.
273. (2.) Porreetana n sp.
Alis anterioribus elongatis, griseo-exalbidis, basi, fascia
pone medium macnlaque marginis postiei medü diformi
dilate brunneis; posterioribus. einereis.
Zufolge des keilfoͤrmigen Fleds auf dem Hinterrande und auch
der übrigen Zeichnung und Bildung gehört fie in die Verwandte
[haft der Cespitanaz auferdem hat fie auch eine oberflächliche
Iſis 1847, Heft 9.
-
665
Aehnlichkeit mit der bey dem Eleinafiatifchen Faltern befchriebe-
nen Penth. artemisiana, welcher aber der Keilfleck fehlt.
Was fie unter den Sevicorisarten auszeichnet, ift vielerley:
ihre geringe Grröße (wie Penth. dealbana oder eine kleine
Ser. cespitana), ihre Langgeftredten Vorderfluͤgel, ferner
auf diefen. der Mangel ſtark glänzender Linien, die ſchmale Binde
hinter der Mitte, welche oberwarts in ihrem Hinterrande einen
fchwarzen Fleck und darunter einen ftarf vorftehenden, ſpitzen
Zahn hat; dann ein gelbbräunlicher, einwärts fpis zulaufender
Strich, der fih im Innenwinkel gleich) hinter der Binde befin-
det; endlich der große, hellgelbbraune, eckige Keitftrich, welcher
an der Stelle des Hinterrandes chief auffist.
Ruͤckenſchild, Kopf und Taſter ſchmutzig gelblichweiß. Ober—
kopf und Taſter braun beſtaͤubt, wodurch das Geſicht um ſo
heller, aber in unrein weißlicher Farbe hervortritt. Fühler hell—
braͤunlich, vorm Ruͤcken aus gefehen zu beiden Seiten fehr ſchwach
gezahnelt. Zafter kurz, zufammengedrüdt, nach vorn fehr ver—
dit, das Eurze Endglied kaum aus der Behaarung bervorftes
hend, Ueber den Wordertheil des Thorax und die Baſis der
Schulterdecken geht ein braunes Band hinweg; die Schulter:
deden find übrigens wie das Gefiht. Bruſt feidenartig grau
weiß. Beine bellgelbbraun und weiß gefleckt, die hintern ein—
wäcts einfarbig ſchmutzigweißlich. Hinterleib grau, am ſchwa—
chen Afterbufch lehmgelb.
Vorderflügel geſtreckt, ſchmutzig gelblichweiß. Wurzelfeld
gelbbraͤunlich, braunquerſtrichig, an der Baſis und an feinem
Hinterrande bandartig verdunkelt; letzterer bildet unter feiner
Mitte einen ſtumpfen Winkel. Nach einem breiten, binden—
foͤrmigen, ſchwach ſchimmernden Zwiſchenraume kommt die an
beiden Enden verduͤnnte, gelbbräunliche Binde, welche ſich hin—
terwaͤrts unter der Haͤlfte zu einem ſcharfen Zahn erweitert und
daruͤber einen ſchwarzen Fleck in ihrem Hinterrande traͤgt. Von
dieſem bis zu einem. dahinter folgenden, ſchwarzbraunen Vor—
derranddreieck iſt der Grund violettgrau, außer auf. dem Vor—
derrande, der weißlich bleibt und mit einem braunen Punct ge⸗
zeichnet iſt. Der Hinterrand der Binde. iſt weißglaͤnzend einge⸗
faßt und ſchaͤrfer als ihr Innenrand. Im Hiuterwinkel liegt
ein gelbbräunliches Fleckchen, das ſich einwaͤrts zuſpitzt und ver—
laͤngert. Auf der Mitte des Hinterrandes ruht ein ſchraͤger,
breiter, einwaͤtrts etwas eckiger Fleck, den glänzende, etwas graue
Schuppen einfaßen. Die Flügelfpige iſt ocellenformig braun—
gelb, ın der Mitte verdunfelt; zwiſchen ihr und dem vorhin er—
wähnten fhwarzbraunen Nanddreiect hat der Vorderrand auf
hellem Grunde noch 2 gelbbraune Dreieckchen und dazwiſchen
je ein bräunliches Stricheichen, das ſich einwärts zu einer ſchie—
fen, glänzenden Linie verlängert. Auf dem Worderrande Liegen
alfo vor der Spike 3 dreieckige Fleckchen, wovon das innerfte
das großte und ſchwarzbraun, die zwey andern gelbbräunlich find.
Die Nandlinie ift braun und einmwarts unterbrochen gelbweißlich
gefiumt. Franzen braͤunlich und grau gemifcht.
Hinterflügel einfarbig grau; die Scanzen find- heller, nahe der
Bafis von einer dunklen Linie durchzogen und am Vorderwinkel
dunkler. x
Unterfeite der Vorderflügel dunfelgrau, auf der hintern Hälfte
des DVorderrandes mit 4 Paar weißlidhen Häkchen, die in der
Größe nach innen abnehmen; das innerfte Paar ift das ges
trenntefte und bey dem einen Männchen verlofchen; die Hinters
tandlinie ift weißlid mit Knötchen, die Franzen braun. Die
Hinterflügel find weißgrau mit einer bräunlichen, weißlich einge:
faßten Puftel im Vorderwinfel und einigen braͤunlichen Wiſch—
42*
667
hen auf dem Vorderrande. Franzen hell, gegen den Worder-
winfel hin gebräunt, an demfelben am meiften.
Das Weibchen hat etwas fchmälere und fpisere Vorderfluͤgel
und einen ftärferen Hinterleib als das Maͤnnchen, ift aber übri-
gens diefem ganz gleich gezeichnet.
Ein fehr fchönes Männchen fieng ih am 30. April auf den
Sumpfwiefen der Halbinfel Maanifi nordlid” von Syracus,
ein Pärchen, wovon das Männchen ſchon veeflogen ift, am
9. May an einem Aderrande nahe bey Syracus, Ihr Flug
bat nichts Merkwuͤrdiges.
274. (3.) Indusiana n. sp.
Alis anterioribus sordide albidis, basi, fascia pone me-
dium postice dentem fusco notatum exserente maculaque
ante marginem posticum medium brunneis; posterioribus
ahis (mas).
Flügelgeftalt faft die der. vorigen Att, doch nicht ganz fo
geftredit; die Hauptmerkmale find, wenigftens für dag Maͤnn—
en, die ganz weißen Hinterflügel und auf den Vorderflügeln
der Punct in der Spiße des Zahns am Hinterrande der Binde
und der Llängliche Fleck vor dem Hinterrande, der mit diefem
parallel liege und an den Rändern verdunkelt ift.
Größe. ein wenig Eleiner als die vorige Art. Kopf bleich-
ochergelb, hinten gebräunt. Taſter mweißlichgrau, ziemlich kurz
zufammengedrüdt, nach vorn durch die Beſchuppung fehr erwei—
tert mit abwärts geneigtem, dünnem, nicht kurzem Endgliede.
Fühler gelbbräunlih, vom Ruͤcken gefehen beiderfeits fehr zart
gezaͤhnelt, unten microfcopifh pubescivend gefranzt. Nüdenfchild
gelbbraunlich. Bruft weißlich. Worder: und Mittelbeine bla
ochergelblich, auf der Lichtſeite braungefledt (Hinterbeine fehlen).
Hinterleib grau, am Bauch und am fhwadhen Afterbufc)
hellgelblich.
Vorderfluͤgel wie die vorige Art ohne Umſchlag, im Grunde
weißlich, aber gegen den Vorderrand hin verdunfelt und überall
mit ganz verlofchenen, grauen Querwellen durchjogen. Das
Wurzelfeld ift heilgelbbraun, querwellig, hinten unter der Mitte
mit fehe ftumpfer, faft abgerundeter Ede. Die hellgelbbraune
Binde hinter der Mitte geht fehr menig fchräg auswärts vom
Vorderrand gegen den Innenrand erweitert; unter der Mitte
hat fie an ihrem Hinterrande einen ftarfen, aufwärts geneigten
Zahn, in deffen Spige ein fchwarzbrauner Punct liegt; unter
ihm zieht dicht an der Binde hin ein grauer Streif bis zum
Innenrande. Vor der Mitte des Hinterrandes liegt ein längli—
cher, hellgelbbrauner, ringsum braun verdunkelter Fleck, unrein
und ſehr duͤnn weißlich umzogen, und faſt dem Hinterrande
parallel, von welchem eine graue, braͤunlich gemiſchte Welle ihn
trennt; eine kuͤrzere geht von ſeinem untern Ende nach dem
Innenwinkel. Die Fluͤgelſpitze iſt ocellenartig gelbbraun. Vor
ihr liegen 3 gelbbraunliche, ſchiefe Fleckchen, und als 4. laͤßt
fid) der Anfang der Binde anfehen; zwiſchen ihnen in hellem
Grunde je ein gelbbräunliches, fchiefes Strichelhen, dergleichen
fih auch vor der Binde am DVorderrande befinden. Franzen
gelbbräunlich.
Hinterflügel ganz tweiß, in der Spike verlofchen grau.
Unterfeite der WVorderflügel braungrau, auf dem Vorderrande
mit 3 dunklen Sledchen in weißlihem Grunde. Hinterflügel
mie auf der Oberfeite,
Ein einzelnes Minnchen fieng ich bey Gatania am 2, Sul
auf der fchon öfter erwähnten Eleinen Binfenwiefe.
668
Aspis.
275. (1.) Solandriana Tr. Udmanniana Linn.
Ein ganz gewöhnliches Männchen bey Syracus am 7. Suny
an einem Brombeergefträuch zwifhen dem Anapo und dem
Zempel des Jupiters.
Carpocapsa.
276. (1.) Pomonana.
Ein Männchen froh mir am 17. May in Syracus aus.
Die Raupe fand ih im Winter in Wallnuͤſſen, vielleicht auch)
in der eßbaren Kaftanie, und hielt fie, da ich fie nicht, weiter
prüfte, für die Naupe der Myelois Ceratoniae. Sie fcheint
ſehr haufig in Sieilien zu ſeyn; denn eine kleine Sorte Aepfel,
die fÜß und grün und zu Ende Juny bey Catania reif ift, ent:
hielt fie in fo großer Anzahl, daß faſt Eein Apfel davon frey
war. Auch in Apricofen fcheint Pomonana vorzufommen.
Die darinn lebende Raupe bewohnt das Stielende, frißt eine
Strede ing Fleifch hinein und füllt es mit ihrem Koth aus.
277. (2.) Fagiglandana de Heyden.
Entomologifche Zeitung 1841. pag. 11. (bey Tortr. Splen-
dana).
Capite fumoso; alis ant. fusco-einereis, spatio basali
angulato nigrieanti, speculo obsoleto, apice anguloque
interno fuscis; posterioribus fumosis, maris margine
interno albido, eiliisque anguli analis nigricantibus.
Diefe Art ift der Splendana nacht verwandt und mechfelt
wie fie beträchtlich in der Größe. Splendana, wie ich fie ein-
zen in unfern Eichenwäldern gefangen habe, iſt leicht von ihr
zu unterſcheiden durch die viel heller grauen Vorderflügel, in
welchen das Murzelfeld zwar diefelbe Geftalt hat, wie bey ihr,
aber durdy graue Beſtaͤubung faft gänzlich verdedt if. Das
Spiegelfeld hat einen größeren Umfang, ift reiner gelb, und die
ſchwarzen Längsftrichelhen darinn zeichnen ſich durch ihre Stärke
aus. Außerdem haben die männlichen Hinterflügel die einfache,
graue Farbe wie bey den Weibchen. Fagiglandana hat einen
braungrauen Kopf und NRüdenfchild, und über den Vordertheil
des Thorar ein braunes Band. Zafter obenauf braungrau,
unten ftaubig gelbgrau, bisweilen find fie ganz gelbgrau und
nur an der Spike oben braunlih. Die Vorderflügel find braune
grau, mit fehräg vom Vorder und Innentande auslaufenden
dunklern Strihen; am Wurzelfelde bildet der Hinterrand in der
Mitte einen fpis zulaufenden Winkel; es ift verdunfelt und
querftreifig. Die braunen Vorderhäkchen find ſchaͤrfer und in
deutlicher Linie fortgefeßt, Der Naum zwilhen dem Wurzel
felde und der dreiedigen Verdunfelung im Innenwinkel bildet
einen bellgrauen, von mehrern dunklern Querſtrichen durchzoge—
nen Innenrandfleck, der ganz dem der Grapholithen gleich ge=
ftaltet, und nur weniger fcharf ift und einwärts in die Grund:
farbe verfließt. Das Spiegelfeld ift bräunlichgrau, wenig gelb-
lich, mit glänzenden Linien wie bey Splendana eingefchloffen,
aber verengter und nur mit unbeutlichen ſchwarzbraunen Laͤngs—
ftricheihen. Der Grund bis zum Vorderrande verdunfelt ſich
und bat glänzende ſchiefe Grundlinien.
Hinterflügel beym Männchen dunkelbraungrau, nad vorn
heller; der Innenrand bis zur 2. Innenrandader ſcharf abge-
grenzt hellgrau, in dem Hinterwinfel mit einem ſchwarzen drey-
eigen auffigenden Fleck. Franzen hellgrau, um den SHinter-
winkel fhwärzlih, am Innenrande weißlihgrau; eine bunfel:
graue Linie durchzieht fie nahe an der Baſis.
669
Das einzelne Meibihen aus Neapel, das ich befiße, ift (zus
faͤllig) ſehr Elein und hat einfarbig dunfelbräunlichgraue Hinter—
flügel, fo wie ein größeres aus der Gegend von Frankfurth am
Main; ihre Franzen find hellgrau und nur von der dunklen
Linie durchzogen, ohne andere abweichende Färbung.
Auf der Unterfeite find die Vorderflügel braungrau, am Vor:
derrande mit meißlichen, verlofchenen Doppelbäfchen. Die grauen
Hinterflügel find gegen den Vorderrand mit fchwachen, dunflern
Querſtrichen gegittertz beym Männchen ift die ganze Sinnen
hälfte und die Baſis des Vorderrandes fhwärzlich, und die bei—
den Falten zeigen fich als feine, weißgraue Linien. Beyderley
Fluͤgel ſchillern violettlich.
Sch klopfte von dieſer Art 3 Exemplare, wovon ich 2 gute
Maͤnnchen erlangte, am 12. Auguft in Neapel in der Villa
reale von den immergrünen Eichen, die dort an der Ditjeite
ganze Reihen bilden, Ein anderes Männchen erhielt ih am
15. Auguft beym Agnanofee, ich meiß nicht, ob von Eichen
(Quereus robur fructu sessili) oder von Kaftanien, und am
19. Auguft ebendort ein Weibchen.
An dem von Herrn Heyden erhaltenen Pärchen der Fagi-
glandana entdecke ich durchaus Feine Verfchiedenheit von meinen
neapolitanifchen Widlern, außer daß fie, unter fi ungleid),
Eleiner find. ]
Sciaphila.
278. (1.) Hyemana 4.
Lemmatophila hyemella Tr. X, 3. ©. 267.
Cheimonophila hyemella Dup. Catalog. pag. 332.
Ein einzelnes Männchen, ſchon etwas verflogen und auf den
Vorderflügeln faft einfarbig, aber zuverläfig zu diefer Art gehös
tig, wie der Fühler- und Taſterbau allein ſchon ausweiſt, fieng
ih be) Meffina am 28. Februar in einem Eichergeftrüpp an
einem Berge neben der Palermitanerftraße; ich Elupfte e3 von
den mit duͤrrem Laube verfehenen Sträuchern von Quercus
pubescens und beobachtete die der Hyemana eigenthuͤmliche
Weiſe beym Fluge.
- 279. (2.) Pumicanan. sp.
Alis anterioribus apice rotundatis griseis basi fasciaque
obliqua media obseurioribus obsoletis, fasciae margine
interno subundato, postice striolis fuscescentibus tenerri-
mis reticulatis. Aehnlich den verlofchenften Eremplaren der
" Wahlbomiana, von diefen aber verfchieden durch die abgerun=
detere Spige der Worderflügel, bläfferes Grau und verlofchene
Zeichnungen, vornehmlich durch den Mangel der Worderrand-
fledchen gegen die Spitze hin auf beiden Flügelflächen und die
zarten Querffrichelchen gegen den Hinterrand. — In der Färz
bung hat fie faft noch mehr Aehnlichkeit mit der Abrasana
F. R. in lit.; nur ift diefe beträchtlich dunfler und ohne die
zarten Gitterſtriche, und hat einen fpisern Vorderwinkel als
Wahlbomiana.
Sn der Größe wenig unter einer mittleren Wahlbomiana.
Kopf und Taſter gelblichftaubgrau. Taſter um die doppelte
Augenlänge Über die Augen vorftehend, zufammengedrüdt, gegen
das Ende des 2. Gliedes erweitert; am untern Theile der Er:
meiterung tagt das kurze, ftumpfe, etwas niedermwärts geneigte
Endglied hervor. Fühler wie bey Wahlbomiana. Worderbeine
auf der Vorderfeite grau, verlofchen dunkler gefledt; Hinterbeine
blaßfahlgelblich, faft weißlich.
Vorderflügel in der Breite nicht ganz beftändig; der Vorder—
winkel ift zwar vorhanden, aber fehr zugerundet, und der Hin—
— — —
670
terrand ſanft conver. Grundfarbe ſtaubgrau, mit dunklern, zu
kurzen Strichen angehaͤuften Staͤubchen zart gegittert, am deut—
lichſten gegen den Vorderwinkel. Nicht weit von der Baſis
läßt fich die dunkle, fchiefe Binde der Wahlbomiana angedeutet
wahrnehmen; ihr Hinterrand ift fhwach wellig, fonft ziemlic)
gerade, durch dunklere Stäubchen bezeichnet. Hierauf kommt
ein bandformig beller Raum, durch die Mittelbinde nad) hinten
ziemlich fcharf begrenzt, unterwärts aber gegen innen in bie
Farbe des Wurzelraumes verfchwindend. Der Innenrand der
Mittelbinde ift ſchwach wellig, ohne die tiefen ausgenagten Stel:
len der Wahlbomiana; doc habe id ein Männchen und ein
Meibchen, wo er an denfelben Stellen, die dort ausgenagt find,
ftärker mellig eingebogen ift. Hinterwärts ift die Binde ganz
ohne Rand und ihre Aufbören nur durch lichteren Grund ange:
deutet. Der Anfang des Vorderwinkelfeldes wird durch mehr
zu einer Linie zufammenbängende, dunkle Staͤubchen angedeutet;
dahinter ift der Grund faum merklich dunkler, aber mit reichli=
chern Querftrichelhen. Auf dem Vorderrande fehlt der Wech—
fet von hellen und dunklen Stellen binter der Mittelbinde,
Franzen hellgrau mit dunflerer Wurzellinie.
Hinterflügel hellgrau; Franzen heller mit zarter. dunkler Linie
vor der Baſis.
Unterfeite der Vorderflügel einfarbig ftaubgrau, am Vorder—
tande heller, etwas gelblih, felten mit einer Spur von fehr
ſchwachen grauen Randflecken gegen den Vorderwinfel. Hinter
flügel heller, bisweilen weißlihgrau, am Worderrande fchmal
gelblich.
Diefe Art fieng ich bey Syracus zwifhen dem 12. Muh
und 7. Suny jenfeits des Anapo an Brombeergeftrauh; meh—
tere Cremplare E£lopfte ich von einem ftarfen Feigenbaum aus
dem Laube. Sie ift dort die Stellvertreterinn der Wahlbo-
miana, war aber wenigftens 1844 im Vergleih mit diefer ſehr
felten. Beym Aufweidyen ift mir die größere Hälfte meiner
9 Exemplare fo ölig geworden wie Schmetterlinge, deren Raupen
im Marke der Pflanzen oder in Früchten leben, nur irgend wer-
den fönnen: ein Uebel, an welchem Wahlbomiana und ihre Ver-
wandten nicht leiden.
250. (3.) Segetanan. sp.
Capite cum thorace ochraceo; alis anterioribus pallide
ochraceis, fascia angusta fracta prope basim, fascia postica
antice late furcata strigaque marginis postiei obscure
ochraceis; fascia priore sub medio rupta.
Auch aus der Werwandtfchaft der Wahlbomiana, naͤchſt
verwandt mit der folgenden Art und mit der unter den Elein-
afiatifchen Faltern befchriebenen Rhodiana, verſchieden von diefer
durch beträchtlichere Kleinheit, etwas fpisere Worderflügel, ange:
nehmeres, teineres Dchergelb der Zeichnungen, den deutlichen
Zufammenhang des DVorderrandfleds mit der Binde zu einem
Aſte derfelben und die Geftalt des Streifens am Hinterrande,
indem er nicht divergiert und Über der Mitte aufhört, fondern
an demfelben hin bis fait zum Vorderwinfel zieht — von Stra-
tana durch den Mangel der bräunlihen Staubhäufden auf
den Zeichnungen.
Größe veränderlih, wie die einer Eleinen Wahlbomiana.
Thorar, Kopf und Taſter ocergelb; letztere um die Augenlänge
über die Augen hervorftehend, allmahlidy verdickt mit niederges
bogenem, zugefpistem Endgliede. Fühler auf dem Rüden bleich,
mit verdunfelten Enden der Ringe beym Männchen, weiter
abmärtd deutlich geringelt, unten ganz ſchwaͤrzlich, ſchwach
671
gekerbt, ſehr zart gefranzt. Bruſt -feidenartig weiß. Beine
bleich, die vordern und mittlern auf der Lichtſeite ocherbraͤunlich,
die hintern einfarbig weißlich. Hinterleib grau mit anſehnlichem,
gelbem Afterbuſch.
Vorderfluͤgel bleich ochergelb, an der Baſis etwas verdunkelt.
dicht weit von derſelben, als Begrenzung des gewoͤhnlichen
dunkeln Wurzelfeldes, iſt eine ſchmale Binde, die durch zwey
uͤber der Mitte in einem ziemlich ſpitzen Winkel zuſammentref⸗
fende Arme gebildet wird; der untere Arm iſt dünner, verlo—
ſchener und bisweilen in der Fluͤgelfalte durchbrochen (Var. b.);
der Endpunct des Winkels wird duch eine Verdunkelung ange—
zeigt. Hinter der Binde wird der Grund fehe licht, doch am
den beiden Gegenrändern etwas weniger als in der Mitte,
Die darauffolgende dunkel ochergelbe oder ocberbräunliche Binde
beginnt an der Mitte des WVorderrandeg und gebt ſchräg aus:
woͤrts zum Innenrande, den ſie nahe am Hinterwinkel erreicht;
ihr Innenrand iſt ſcharf, bisweilen weißlich geſaͤumt und hat
auf der Mitte und unter der Kalte einen kleinen einſpringenden
Winkel; dem obern diefer Winkel gegenüber trennt ſich vom
Stamme der bintere Gabelaft, der vor der Flügelfpige im Vor:
derrande endigtz ter Naum in der Gabel ift heil, mehr oder
weniger eingefchränft und nicht ſcharf begrenzt; die Aeſte ſelbſt
find über der Mitte bisweilen verloſchen. Laͤngs des Hinter:
vandes zieht aus dem Innenwinkel ein ocherbraͤunlicher Streif
bis in die Nähe des Vorderwinkels, wo er. fich verdünnt und
aufbört. Weder die Grundfarbe, noch die Zeichnungen find mit
dunkeln gebäuften Stäubchen beftreut. Franzen bleichgelb mit
dunkler Linie vor der Baſis.
Hinterflügel grau, gegen die Baſis heller. Franzen noch
lichter als auf den Vorderflügeln. Unterfeite der Vorderfluͤgel
ziemlich dunfelgrau, etwag gelblich gemifcht, mit ſchmalem, bleich-
aelblichem Worderrande und 2—3 ganz verlofchenen, grauen
Fleckchen auf demfelben vor der Spige. Franzen gelblich, um
den Vorderwinkel dunkeler. Hinterflügel hellgrau, faſt weißlich,
mit ſchwacher, gelblicher Beymiſchung.
Das einzelne Weibchen iſt groͤßer als die Maͤnnchen; der
Grund der Vorderfluͤgel iſt ſehr dunkel und die Gabelbinde ein—
waͤrts deutlich weißgeſaͤumt. Die Hinterfluͤgel ſind auf beiden
Seiten weißlich, und die Unterſeite der Vorderfluͤgel iſt nur
wenig grau.
Diefe Art fliegt ben Syracus in der legten Haͤlfte des April
(zuerft am 22.) und den erften 3 bes May in Meizenfeldern,
an deren Rändern ich fie Abends und bey Nogenwetter auch am
Tage auffheuchte. Cie flogen nach der Weife der Pratana
und feßen fi an Halme und Aehren. Auch auf den anftofen-
“den Brachfeldern erbielt ich einige Eremplare. Cie waren gar
nicht häufig; doch gehörten fie zu den Wicklerarten, die ich in
der daran armen Gegend noch mit am öfterften fand.
281. (4.) Stratanan, sp.
Capite cum thorace albido, alis anterioribus albidis,
fascia fracta prope basim, fascia pone médium Angulata,
mwacula costali margineque postico ochraceis obsenrius
punctatis.
Var. b, fasciis obsoletissimis, punetis paulo distinetio-
ribus (mas).
Var. ec, alis ant. osseis subunicoloribus postice paulo
obseurioribus (mas).
Von der vorigen ift fie leicht zu unterfcheiden durch die weiße
liche Kopf- und Ruͤckenfarbe, durd die weniger geipisten Vor—
— “ —
672
derfluͤgel, die tieferen Winkel in der 2. Binde, die uͤberall aufge—
freuten dunfeln Puncte. Naͤher kommt fie der Rhodiana;
fie hat aber. weniger ftumpfe Vorderflügel, zerſtreute dunkle
Puncte, — Rhodiana verlofhene Querftricheihen — und den
Innenrand der Binde am Vorderrande der Worderflügel aus
converer. Sie hat auch eine oberflächliche Verwandtſchaft in
ihrem habitus mit Tortr. pratana.
Größer als Segetana. Kopf und Ruͤckenſchild gelblichweiß.
Tafter um eine Augenlänge über die Augen binausftebend all
mählich verdickt mit zugefpigtem, abwärts geneigtem Endgliede,
auswärts verdunfelt gelblichgrau. Fühler wie ben Segetana.
Bruftfeiten weiß. Beine fhmusig weißlich, die vordern auf der
Lichtſeite ſchwach gebräunt; Hinterleib „hellgrau, nad) hinten
weißlicher mit gelbem Afterbuſch.
Vorderflügel weißlich mit ochergelblichen Stäubchen beftreut,
befonders am Innenrande; die Binden liegen wie bey Segetana,
find aber weniger rein ochergelb und durch gehaufte braunere
Staͤubchen dunkler punctiert. In der Ede der erften Binde iſt
ein noch dunflerer Punct. Der Innenrand der hintern Binde
ift oberwärts conver und hat ein wenig. über dev Mitte einen
tief eindringenden Winkel, dann einen weniger beträchtlichen
unter der Flügelfalte; er ift mit verdunfelten Puncten befegt,
die fich namentlich unter der Mitte auszeichnen. Diefe Binde
bleibt, an ihrem Hinterrande verblaffend, getrennt von dem bis
in die Flügelfpige verlängerten Vorderrandflecke; ein dreiediger,
gleichgefärbter Fleck liegt mit feiner längften ‚Seite auf dem
Hinterrande der Flügel und bleibt durch einen weißlichen Raum
getrennt vom Dreiecke des Vorderrandes; doch fließt er auch
mit diefem zufammen, fo daß der ganze Vorderwinkel ocher—
gelbbräunlich, aber blaͤſſer als die hintere Binde, ausgefüllt ift.
Die hellen Franzen find nahe an ihrer Baſis ven einer etwas
verlofchenen, ocherbräunlicyen Linie durchzogen.
Hinterflügel, etwas veränderlich in der. Zufpikung des Vor—
derwinkels, lichtgeau, oft faſt mweißlich mit noch hellen Franzen,
deren Bafis eine blaßgelbliche Linie umzieht.
Unterfeite der Vorderflügel grau, am Hinterrande bleich, beym
Weibchen ift das Graue eingefchränfter; der Vorderrand ift auf
der bintern Hälfte ſchmal gelblih, vor der Spike mit ſehr
verlofchenen grauen Sleden. Hinterflügel ſchmutzig getbiichweiß.
Zur Var. a, d.h. zu den deutlich und lebhaft ‚gezeichneten
Gremplaren geboren meine 3 Weibchen; nach dem Vorhandenen
zu fihliegen wäre Var. b. die normale Färbung der Männchen,
bey denen alfo die Zeichnung zwar kenntlich, aber ſehr verlo—
ſchen it. Wehe
Var ec. hat darinn eine Auszeichnung, daß auch der ſonſt
weißliche Grund gelblich überftäubt iſt, wodurch die ganze Fläche
faft einfarbig wird, nur gegen den Hinterrand mit zunehmender
Dunkelheit. Schon bey Var. b. fommt die Verſtaͤubung des
Meißen, nur fhwächer vor; daher Eann bey Var..e.. an feine
befondere Art gedacht werden. }
Die Meibchen fcheinen in der Megel anfehnlich größer zu
feyn als die Männchen ; eins derjelben ift jedoch kleiner als die
großten Männchen.
Diefe Urt fieng ich meift an denfelben Etellen, wo Sezetana
flog, und bielt fie. bis zur jegigen Unteruchung für Varietaͤt
derfelben, was fie beftimmt nicht ift Sie füngt fpäter an zu
fliegen, nehmlich erft nah dem Anfange des May und dauert
Länger, nehmlich bis tief in. den Juny binein. Sie ſcheint ver—
breitetet zu ſeyn ; denn ich fand ein Männchen und 2 Meib:
673
chen am 11. und 12. Juny auf meiner Neife nach dem Suͤ—
dende Siciliens.
282. (5.) Fragosana n. sp.
Alis anterioribus albis, fasciis duabus apiceque late
ochraceo-griseis, punctis fuseis, exasperatis dispersis (mas),
Auch noch mit Wahlbomiana verwandt, doch ſchon entfernter,
ausgezeichnet durch die zerftreuten rauhen Puncte auf den Bor:
derfluͤgeln und durch die zweite Binde der Vorderflügel, welche
fanft gebogen, an ihrem Innenrande fanft wellig und unter
der Mitte mit einer größern raubfchuppigen Stelle gezeichnet ift,
Größe der allerfleinften Wahlbomiana, wie eine Eleine Sege-
tana. Kopf und Nüdenfhild weißlich, gelblich und grau be—
ſtaͤubt. Taſter wie bey Segetana. Fühler am Wurzelgliede
auswärts weißlich, fonft ſchmutzigweißlich und dunkler gevingelt,
ſehr zart pubescirend gefranzt. Beine ſchmutzig geibweißlich,
auf der Vorderſeite der vordern und mittlern deutlich braun
gefledt. Hinterleib hellgrau, an den Ringrändern weißlih, am
Afterbuſch gelblich.
Dorderflügel ziemlich fehmal mit fpigem, doch abgerundeten
Vorderwinfel und faft geradem Hinterrande, und weißer, wenig
geteubter Grundfarbe. An der Bafig ftehen ein paar ungleiche,
unvollftändige, grauochergelbliche Querftriche; worauf als Grenze
des MWurzelfeldes eine ziemlich ſchmale, unter der Mitte ſtumpf—
winklig gebrochene, gegen den Innenrand verlöfchende Binde folgt,
in grauochergelber Farbe und an den Nändern mit dunklern,
rauhen Staubhäufchen befeßt. Der Zwifhenraum zwiſchen die:
fer und der 2. Binde ift weiß und am Vorderrande mit einem
Strichelchen bezeichnet. Die zweyte Binde, ebenfo gefärbt und
. gezeichnet wie die erfte, geht in ziemlich gleicher Breite etwas
ſchraͤg auswärts, fanft gefrimmt und mit ein paar ſchwachen
Wellen ihres Snnenrandes, und fchwächer ausgedrüdtem Außen:
rande, an welchem auf der Mitte eine Ede hervorfteht; unter
der Mitte bilden mehrere braune Schuppenbäufchen einen dunk-
‚ fen, rauhen Strich der Laͤnge des Flügels nach. Hinter einem
bindenförmigen, weißen Naum ift der ganze Übrige Theil des
Flügels‘ grauochergelb mit helfen Stellen, an feinem einwärts
gewendeten Nande durch rauhe verdunfelte Puncte begrenzt und
außerdem von einigen unregelmäßigen Reihen folcher Puncte
durchzogen; am Vorder- und Hinterrand find helle Stellen.
Franzen 'gelblichgran oder weißlich mit dunfler Wurzellinie.
Hinterflügel hellgrau, gegen die Baſis heller; Franzen fehr
heil, vor der Bafis von einer dunfeln Linie durchzogen.
Unterfeite der Vorderflügel grau, am Vorderrande fehmal
gelblichweiß, mit 5—6 verlofchenen, gelblichweißlichen Hinterrand⸗
Imien. Hinterflügel viel heller als die Dberfeite, faſt weißlich.
Das Weibchen Eenne ich nicht,
Meine 4 Männchen fieng ih am 17. und 21. Man bey
Syracus um das Gapucinerklofter an Rändern von Weizenfel—
dern. Ihr Betragen ift das der Segetana. (Kortf. folgt.)
Zur allgemeinen Naturgefchichte.
Don Ernſt Chriftian v. Trantvetter.
4. Vertheidigung der 4 alten Grunditoffe gegen die über 50
einfachen Stoffe der beutigen Scheidekunde.
Natur und Freiheit‘ find die beiden Seiten, in melde ſich
Altes. fcheidet. Die Natur oder Wüchfe aber fondert fich wieder
in das Gebiet des Großweltlichen und. dag des Kleinweltlichen :
Sfis 1847, Heft 9,
—— _—
674
fo. mie andererfeitg die Freiheit in das Gebiet des Praktifchen
oder Gewerbigen und. das des Idealen oder Urweislichen zer⸗
füllt. Unter dem Großweltlichen wird das verſtanden, was man
Himmel und Erde nennt, das Weltgebäudige: dieß ift der Ge—
genftand der Naturlehre (Physica). Unter dem Kleinweltlichen
aber verftehen wir das Einzelmefige, das was in den fogenann-
ten Naturreichen enthalten iſt; diefes iſt der Gegenftand der
Naturgefchichte.
Das Kleinweltliche geht aus. dem Großweltlichen hervor, und
deshalb muß auch, die Naturgefchichte auf die Naturlehre fol-
gen, Vornehmlich werden ſich die allgemeinen Verhaͤltniſſe des
Kleiniweltlichen nad denen des Großweltlichen richten. Wir
werden alfo bey der allgemeinen Maturgefchichte, bey der Auf:
ftellung der Neiche, auf die. großweltlihen Verbältniffe Ruͤckſicht
zu nehmen haben. ‚Da nun die Lehre von den Elementen oder
Grundſtoffen in der Naturlehre eine Hauptfache betrifft, fo wird
diefelbe auch, für die. allgemeine Naturgefchichte von nicht gerinz
ger Wichtigkeit feyn, und eben in ſofern foll- fie bier in Bes
trachtung ‚gezogen werden. Es gilt hier, eine Vertheidigung der
alten Elemente ‚oder Grundftoffe gegen die einfachen Stoffe der
heutigen Scheidefunde. Dabey werden wir uns aber am beften
in die Mitte der Suchen verfeßen, wenn wir einen Gegner der
alten Elemente verhören und dann feine Behauptungen durch
Gründe zu widerlegen fuchen.
Zu dem, Ende führe ich eine Stelle aus der Allgemeinen
Literaturzeitung (Nr. 99. 1846,) an, wo man unter der Ueber
ſchrift „Populäre Naturkunde” in der Necenfion der Schrift,
„Spiegel, der Natur, ein Leſebuch zur Belehrung und Unterhal-
fung, von. Dr. Gotthilf Heinrih V Schubert, Hofr.
und Prof. in Münden, 1845," unter Anderem aud) folgendes
lieſt: „So verwirft natuͤrlich (2) Schubert die alte Lehre
von den vier Elementen, welche wahrfcheinlich von der Verkoh—
lung vegetabilifcher. Körper hergenommen ift, wobey neben Luft
foͤtmigen Stoffen auch wäfferige (wie Holzeffig) zum Vorſchein
kommen, ‚während erdartige Afche zurlidbleibt, nachdem Feuer
ausgebrochen. — Schubert fpricht von diefen alten vier Ele—
menten nad feiner fcherzbaften Meife ©. 114. in der Art:
„„neben jenen. dreh ‚andern, durch Gewicht und Maaf beftimm-
baren fogenannten Elementen nimmt fich dann vollends das vierte,
das Feuer, ſo aus, wie die Tugend neben drey Bratwürften ; —
oder wenn man nach unfern Begriffen von Urftoffen, das Feuer
dazu zählen wollte, dann wire diefes eben fo aeredet, als wenn
man fpräche, der menfchliche ‚Körper beftebt aus Knochen und
Sleifh, aus Haut und Bewegung. Denn das Feuer
iſt fein Urſtoff in gewoͤhnlichem Sinne, fondern es ift feinem
Wefen nad eine. Bewegung der Urftoffe, fo wie. der" Ton der
Clavierfaite, den mein Ohr vernimmt, kein Meffingdrabt und
feine Luft ift, fondern eine Bewegung des angefpannten Mef-
fingdrahtes und der Luft, deren Anregung auf mein Gehörorgan
wirkt. — Die Buch (führt der. Necenfent fort) meidet alfo
auch jeden ‚Schein von der fich geltend machenden modernen
Froͤmmigkeit, — dagegen hörte ich einmal einen unferer moder—
nen Frommen ſich ereifern Über die Dreiſtigkeit der Chemiker,
welche gewagt hätten abzugeben von. den vier Elementen, Die
fon ‚bey der Schöpfungs=-Gefchichte im erften Buch Mofis
angedeutet."
Bey gegenwärtiger Erörterung haben wir e8 nun weder mit
der ‚erwähnten Necenfion, noch. mit dem recenfierten Buche an
fih zu thun,. fondern das Angeführte foll nur zur Darlegung
der jetzt herrſchenden Anficht von den Elementen und einfachen
43
675
Stoffen überhaupt dienen, melde mir beleuchten wollen. Wir
wagen e8 nehmlich, diefer herifchenden Anficht entgegenzutreten,
indem wir zeigen, daß derfelben weder eine wüchfige Anſchauung,
noch ein richtiger Begriff von dem, was ein Element ift, zu
Grunde liege.
Glemente find keineswegs die einfachen, von unferer Scheide:
kunſt unzerlegbaren oder big jest nicht zerlegten Stoffe, fondern
fie find die Änfangsgründe (prineipia, exordia), die Urzuftände
in der Verwandlung oder Erſcheinung des Stoffes überhaupt.
Diefe Bedeutung hat auch das griechifche Stoicheion, welches
mortforfchig mit dem teutfchen Stoff zufammenfällt, und wel
ches auch die Anfangsgründe einer Wiffenfchaft, alfo weder etwas
Handgreifliches, noch etwas Unauflösliches, bedeutet. Daß aller
Stoff urfpringlich eins, daß Stoff und Kraft im Grunde nicht
vorfchieden, daß Stoff nicht ohne Bewegung, und diefe nicht
ohne einen Stoff ift, daß der Stoff am Ende Geift, und ber
Geift Stoff heißen kann; — daran braucht man mit einem
Phyſiker wohl nicht zu reden. Wenn es ſich nun aber einmal
von Stoffen handelt, fo wird es ung erlaubt ſeyn, der Sprach:
fhöpfung zu folgen, und die beiden gebundenen, der Schweere
mehr gehorchenden Stoffe ſchlechtweg als Erde und Waſſer,
die beiden ungebundenen, leichten Stoffe aber als Luft und
Feuer zu bezeichnen. Wir könnten freylich auch fagen: Erd—
Princip, Waffer: Princip ufo., oder gar Erdgeift, Waffergeift
ufw., fo wie Manche in der Sprachlehre ftatt Namen, Ding:
wort, fratt Zahl, Zahlform u. dgl. feßen; allein das einfache
Port ift uns viel lieber, in ihm fliefien Anfchauung und Begriff
gleihfam zufammen, Myſtiker, wie Sacob Böhme, baben
in ſolchen Morten wohl den Geift genhnet. Und wenn Pin—
dar anhebt: „Waſſer ift dag Erſte“, fo hatte er dabey gewiß
nicht bloß etwas Handgreifliches im Sinne. Die Erde ift der
Grund des Starren, des Feften; das Maffer ift der Grund der
Auflöfung, des Fluffes: die Luft ift der Grund der freien Be—
wegung nad Außen, des Schnellkräftigen; das Feuer endlich ift
der Grund der freien Bewegung nach Sinnen, der theilende
Grund. Hier ift nur alles diefes maflig ausgedruckt. Und
wenn das Feuer, das Licht nicht dag maffige Weſen hätte, fo
koͤnnte es auch nicht auf die Maffe einwirken, wie e8 doch thut.
Die Grundftoffe, fo aufgefaßt, laſſen ſich ſehr wohl mit den
vier Nechnungsarten vergleichen. Die beiden einfachen Rech—
nungsarten hängen auch gleichfam an den Sachen feſt; die beis
den zufammengefesten Rechnungsarten aber reifen fich von den
Sachen los und haben e8 bloß mit der Form der Tihätigkeit
zu thun. Auch mit den von mir aufgeftellten vier Gtaffen der
Mederheile laffen fich die vier Grundftoffe vergleichen: das Fefte
entfpricht dem Namen, dag Flüffige dem Beinamen, das Schnell:
£räftige dem Morte, und das Durchdeingende dem Nedetheilchen.
Dieß letzte bezieht fich auf den inneren Sinn und Verftand der
ganzen Mede.
Halten wir num dieſe unfere Anficht oder vielmehr Einficht
der Sache an die in dem oben Angeführten fich ausfprechende
Anficht, fo ergiebt ſich, daß diefer legten weder eine wüchfige
Anſchauung, noch ein richtigee Beariff zu Grunde liegt. Die
Meinung anlangend, die vier alten Elemente wären wahrſchein—
lich von der Verkohlung vegetabilifcher Körper hergenommen;
fo heißt dieß in der That die lebendige Wüchfe-Anfchauung der
Alten gänzlich verfennen und ihnen unfere verflimmerte Stumpf:
finnigfeit unterfchieben. Sa, die 55 einfachen Stoffe, die man
jet fir Elemente ausgeben will, die find aus dem Schmelz
tiegel hervorgegangen, nicht aber jene Grundſtoffe der Alten.
676
Diefe erkannte man mit dem finnlihen und dem geiſtigen Auge
zugleih, indem man die Natur im Großen und Ganzen be-
trachtete: der Seefahrer erkannte fie, indem er im Sturm mit
den Eimpfenden Elementen rang, ‚denen er fich preisgegeben hat:
er erkannte fie, auch wann er ruhig beym Glanze feines Leit-
fterns, im Hauche der Luͤfte über die falzige Fluth nad) dem
erfehnten Lande bdahingleitete. Sie erkannte auch der. fühne
Waller, welcher mit dem Kameele, ſdem Schiffe der Wirfte,
die unfruchtbaren Sandftreifen durchzog, und beym Stich der
Sonnenhise und heißer Luft nach Waffer lechzete, nad dem
Glemente, das mitten in die Wüfte eine Dafe binzaubert. —
Sie erkannte aber auch der an die Scholle geheftete Landbauer;
denn nächft der Befchaffenheit ded Bodens waren es Regen,
Wind, und Sonnenfchein, von denen das Gedeihen feiner Staa-
ten abbing. Das Jahr war ihm gleichfam ein chemifcher Kehr-
gang der Miſchung und Entmifchung der Stoffe, und auch die
f. 9. organifche Chemie war in jenem Lehrgange enthalten. So
vertheilten denn die Aftrologen die vier- Grundftoffe "unter vier
Meltgegenden und Jahreszeiten des alten Feldcalenders. Konnte
fih auch hierbey das Willfürliche der Beftimmung nicht. halten,
fo lag doc) ſelbſt diefer eine Ahndung des wuͤchſigen Verhaͤlt—
niffes zu Grunde. Der cryftallificende Winter thaut auf, wenn
Bulkan feine Werkftätten in Gluth fest, und den milden Luͤf—
ten fchließt ſich das organifche Leben auf. Aus folhen An:
fhauungen bes frifchen jugendlichen Alterthumes entwickelte fich
die Vorftellung von den vier Grundftoffen nicht auf eine ver—
gebliche armfelige Weife durch die Beobachtung einer Verfohlung.
Die Dichter namen jene Anfchauung auf, und noch der finnige
Birgit läßt den Silenus fingen: „Wie in der großen Dede
umber zufammengettieben gewefen die Samen ber Erden, des
Athems und Meeres, und zugleich des Elaren Feuers; wie aus
diefen erſten alle Anfänge und felbft der zarte Kreis der Melt
geronnen ſey.“ \
Der Anfang der Philofophie felbft war eine Philoſophie der
Stoffe, in der ionifhen Echule von Thales an. Und ganz
wüchfegemäß fchritt der Geift von diefer fort zu einer Philofophie
der Form, wie fie fich in der italifchen Schule, namentlich
durch Pythagoras, offenbarte. So wenig wie wir nun die
Ergebniſſe diefer legten Philofophie, 3. B. den Pythagorei—
ſchen Lehrſatz, jemals für veraltet halten, eben fo wenig find die
Ergebniffe der erften, der Stoffphilofophie, zu verwerfen.
Uber über die drey erften Glemente wollen unfere Tags-Phy—
ſiker allenfalls noch Gnade ergeben laſſen, weil fie doch wäg-
und meßbar find und fih mit Bratwürften vergleichen Laffen,
nicht aber über dag vierte Element, das Feuer, das ihnen dage-
gen nur mie die Tugend vorfommt. Sie follten doch wiffen,
daß Vieles in ein und dieſelbe Lifte gehört, was doch unter ſich
wieder ſehr verfchieden ift. Sch Eenne durch eigne fleifige Be—
nugung eine Naturgefchichte, worinn der Verfaffer die Art: und
Gattungsbezeichnungen, gleihfam als Ballaft, als erdigen Mie-
derſchlag, mit Petit: Schrift gedrudt, von einem Schüler bat
zufammentragen laffen. Anfehnlicherer Drud, in Bourgeois-
Schrift, hat der Fluß der eigentlichen Ausführung, und wie
vom Winde eingeftreut finden fi die dem Werfaffer felbft
mehr eigenthuͤmlichen, oft treffenden Bemerkungen, in Corpus—
Schrift. Aber von allem übrigen Gewebe unterfcheiden ſich mit
Grober Cicero - Schrift gedrudt, die allgemeinen Betrachtungen,
in denen der Verfaffer ganz er ſelbſt ift. Diefe find aber fo
überfchwenglich, faſt myſtiſch-geiſtreich nnd hocherhaben, daß ein
aufgewecter Kopf mir einmal ein Stück davon vorlas, und
677
mich dann fragte: Verftehen Sie da3? Sch verfich eg nicht." —
Dagegen vertheidigte ich den Werfaffer, jugend: ein Verftand
liegt doch dahinter; mie die Natur felbft, fo kann ja aud) die
Naturgefbichte allen alles werden. Auch diefe hochtrabenden
Meden find doch innere Naturgefhichte. Ich hätte ſcherzhafter
Meife fagen können: auf einige Braftwürfte gehört fi) ein
geiſtiges Traͤnkchen, und ein populärer Scherz zur befferen Ver—
dauung. Eben fo nun verhält es ſich mit den vier alten Ele—
menten. Die Verfchiedenheit hinfichtlih der Schwere und Dich—
tigkeit bezeichnet gerade die Abftufung der Grundftoffe. Wie
Ovidius fingt, der als Lehrdichter hier allerdings auch zu hören
(Berwandt. 1.25.): „die fourige Kraft des gewichtlofen Him—
mels fchimmerte empor und erlas fih die Stelle im hoben
Aether. Ihm am nächften ift die Luft an Keichtigkeit, wie an
Stelle: dichter, als dieſe ift die Erde und zog die gröberen
Stoffe, und fie wurden gedrüdt von der Schwere ihrer felbit,
Die umfliegende Feuchte befaß das Aeußerfte und umfing den
feften Weltkreis.“ Dieß fpielt auf den Okeanos der Alten an.
Don der Luft zum Feuer ift Eein anderer Sprung als vom
Gehör zum Geficht, Die wir doch beide als Aufere Sinne anſe—
ben. Der oben angeführte, etwas getrübte Spiegel der Natur
fügte: Wenn man nady unfern Begriffen von Urftof:
fen das Feuer zu den Elementen zählen wollte, fo koͤnnte man
auch fagen: der menfchliche Körper befteht aus Knochen und
Sleifh und Hauten und Bewegung; denn das Feuer fen Fein
Urſtoff in gewöohnlihbem Sinne, fondern es fen feinem
Mefen nach eine Bewegung der Urftoffe! Wir antworten hier
auf, daß wir eben die jegt herrfchenden Begriffe von Urftoffen
ganz unrichtig finden, und den jegt gewöhnlichen Sinn davon
nicht gelten laſſen. Der Sag aber, daß das Feuer nur eine
Bewegung der Urftoffe ſey, bat für ung gar feinen Sinn. Das
Weſen des Feuers ift eben fo wenig eins mit Bewegung, ale
das der ‚Erde eins mit Nuhe. Hat denn das Maffer nicht
auch feine Bewegung und die Luft die ihrige? Haben wir nicht
Flüffe und Winde? und ift das Feuer weiter nichts, als dieß?
Bewegung und Nube theifen alle Urftoffe, und obgleich das
Feuer die freiefte Bewegung bat, fo ift es doch darum nicht
bloße Bewegung: es ift immer der befondere geeigenſchaftete
Stoff, wie folches feibft die Verwandtſchaften des Lichtes nach
der heutigen Scheidefunft beweifen.
Endlich feheint 08 der Abfchager jenem Buche, dem Spiegel
der Natur, beſonders hoch anzufchlagen, daß es auch jeden
Schein vermeide der Uobereinffimmung mit jener Geiftesbefans
genheit, welche fich durch fremdartige Einmifchung von dem
rein =wiffenfchaftlihen‘ Wege ableiten läßt. Dieſer die alten
Elemente vertheidigende Auffas glaubt in diefer Hinfiht vor
dem wilfenfchaftlichen Nichterftuhle nicht minder gerechtfertiget
dazuftehen. Wenn derfelbe ſich auf Zeugniffe des Alterthums
und felbft der Dichter berufen bat, ſo geſchah es nur darum,
weil fih annehmen Laßt, daß das wahre Naturverhältnig fich
dem gefunden, offenen Blicke niemals ganz entzogen haben
werde. Nun aber verlangen wir mit Necht, daß auch innerhalb
des wiffenfchaftlihen Bereiches felbft fich nicht irgend ein Anſe—
hen auf Koften der Wahrheit, der freien Unterſuchung, geltend
made. Die Fortfchritte der beobachtenden und verſuchmachenden
Wuͤchſewiſſenſchaft erkennen wir gerne und dankbar an: aber die
Frage Über die Elemente gehört nicht vor diefes Gericht. Meder
durch Werfuche, noch dur einzelne Beobachtung wird man
berausbringen, welches die Urftoffe feyen. Die Entfcheidung
diefer Frage gehört der allgemeinen, weisheitsliebigen Naturbe—
678
trachtung. Und da mollen- wir denn die Meisheit: Hallen des
Alterthumes lieber befragen, als die Küchen und Schmelztiegel
der heutigen Chemie. Unfere heutige Wirchfefunde führt, wegen
der fich jährlich mehrenden Entdedungen und Beobachtungen im
Einzeinen, leicht zu einer gewiffen UWeberhebung der Tages:
Meisheit. Der Wahn wird genaͤhrt, als ob die neuefte Bücher:
meffe auch das Beffere und Beſte bringe; ein Buch wird nach
der Jahrzahl feines Erſcheinens gefhäßt. Die Befleifigungen
der Menfchlichkeit (Studia humanitatis) dagegen gewöhnen daran,
den Werth eines Geiftes-Erzeugniffes nicht von der Zeit feines
Erſcheinens abhangig zu machen, über den Farm des Tages die
Stimmen der Vorzeit nicht zu überhören, nicht den Spruch
geiten zu laffen: „Und der Lebende hat Recht.“ Es dürfte alfo
den Naturwiffenfchaften wohl nicht unheilfam ſeyn, wenn bins
fort auch die Humaniften fich etwas mehr, als big jeßt, um fie
befümmerten, wozu fie fehon in fofern aufgefordert find, als die
Naturkunde ein Gegenftand des Unterrichtes und ein Mittel der
Jugendbildung if. Man wird ung alfo mohl erlauben, fteis
lich Eeinerley Vorurtheil, aber doch etwas Philologie, und ganz
befonders etwas Logik in die Naturwiffentchaften einzumifchen:
Menn man dieß nicht geftatten wollte, fo müßte man es auch
einem Kepler, einem Euler, zum Vorwurf maden, die
Gröfentehre in die Naturmwiffenfchaften eingemifcht zu haben, da
ja diefe eine Erfabrungswiffenfhaft ſey. Die rohe Erfahrung
verdient noch nicht den Namen einer Wiffenfchaft. Nach diefen
Vorbereitungen werden mir dann den Krieg, nicht bloß vertheidi—
gungsweife führen, fondern auch angriffsweife zu Werke gehen.
Erſtlich Täft fich doch wohl erwarten, daß die Natur, die -
tberall als die größte Kuͤnſtlerinn durch wenig einfache Mittel
fo Großes auszurichten weiß, in den Glementen fih am we—
nigften verſchwenderiſch und unmethedifch zeigen werde. Es
töft fi erwarten, daß die Anlage ihres Kunſtwerkes fich dem
befchauenden Vernunftweſen nicht erſt vermittelft des Schmelz:
tiegels zu erfennen geben werde. Schon darans läft fich ſchlie—
fen, daß die fogenannten einfachen Stoffe das nicht fenn kön—
nen, mas unter Elementen, Urftoffen, zu verftehen ift. Und
mit diefen angeblichen Elementen, den einfachen Stoffen, ift es
fowohl dem Mefen als der Zahl nach ſſo fehr aufgabmäßig
oder problematifch beftelt. Laffen wir die Phyſiker felbft hierliber
ein Geftändniß ablegen! — In dem Lehrbuch der Phnfit vom
Prof. Kriegs beißt eg darüber: „Allein die Mittel, die wir zur
Zerlegung der Körper anwenden koͤnnen, find ihrer Natur nad)
fo eingefehränft, daß wir nie gewiß ſeyn Eonnen, einen Körper
durch fie wirklich in feine Beſtandtheile aufgelöft zu haben.
Daher ift bey den Körpern, melde heutzutage für einfach gelten,
bey dem einen Theil ihr Dafein, und bey dem andern ihre
Ginfahbeit zweifelhaft.” — Und gleichwohl wird in die—
ſem Buche dabey angemerkt: „Das Neih der vier Elemente
hat, mie das Reich der vier Monarchien, feine Endfchaft
erreicht.””(!) Ferner beißt es dafebft: „Man trifft ben Zerle—
gung vieler Korper auf Veränderungen, die felbft durch
unfere Waagen bemerflih gemacht werden, ohne daß
man im Stande wäre, den Stoff, durch den fie wahr cheinlich
bervorgebracht werden, befonders aufzufangen. Um biefe
Veränderungen zu erklären, bat man daher gewiffe einfache Stoffe
angenommen, deren Befchaffenheit freilich nur durch die Er-
fheinungen beftinnmt werden Fann, zur deren Behuf fie erdacht
worden find. Es geboren dahin der Sauerftoff, der
MWafferftoff, der Stidftoff, der Kohlen ftoff. — Die
gemeine Luft wird aus Sauerſtoffgas und Stidftoffgas beſte
679
hend, das Mauffer aber aus Sauerftoff und Waſſerſtoff zuſam—
mengefest betrachtet. (Dagegen täße fich aber einwenden, daß
die beiden, angeblich die Zufammenfeßung bildenden Stoffe aud)
und als Erſcheinungsweiſen, gleichfam als Seiten eines und deſſel—
bon Stoffes betrachtet merden koͤnnen.) — Es giebt, heißt es weiter,
nod) andere hypothetiſche einfache Stoffe, die aber umwaͤgbar
find. — Die zweyte Glajfe der einfachen Körper begreift diejeni=
gen Körper, die man noch nicht zu zerlegen im Stande gewes
fen ift, woraug freilich nicht. folgt, daß fie überhaupt nicht zers
legt werden Eönnten oder daß fie abfolut einfach. wären. Jetzt
rechnet man dahin den Schwefel, den Phosphor, alle
Metalle und die Erden. — A, von Humboldt felbft
ſagt in der Vorrede zu feiner Weltbeſchreibung: ... „fuͤr einfach
gebaltene Stoffe werden vermehrt oder zergliedert werden." —
Und, ſagen wir, wenn ſie wirklich ſo einfach waͤren/ fo würden
fie todt und unfruchtbar feyn: Aus den Urftoffen aber foll fi
Altes gebären, fie follen die unerfchöpflihen Quellen des Seins
und Werdens feyn.
Menn nun jene f. g. einfachen Stoffe wirklich die Urftoffe
waͤren, fo müßte fich doch wohl im ganzen Baue der Welt,
der Meltkörper, und der von denfelben erzeugten Cinzelwefen
oder Organismen die Spur ihrer Einwirkung oder Zuſammen—
wirkung finden, da Stoff und Geflalt in allem Naturcgebilde
einander nothwendig bedingen. Aber nirgend ift fo etwas nachge—
wieſen oder nachzumeifen. Daß, wie Humboldt (a. a. O.
©. 155.) anführt, „die chemiſchen Elemente der Meteormaſſen
diefelben find, welche wir zeritreut in der Erdrinde antreffen, im
Ganzen 4 aller uns befannten fogenannten einfachen Stoffe,"
führt ung nicht weiter; denn hätten fich andere legte Beſtand—
theile gefunden, fo würden fie nur die zufällige Kifte derfelben
vermehrt haben. Das Fremdartige jener Maffen wird gerade
dem Mangel eines der alten Elemente, des Waſſers, zugefchrie:
ben. Die chemifchen Elemente laffen uns nirgends die Ver—
hältniffe des Ganzen gewahren. Dagegen find. bie fogenannten
alten Elemente gleihfam der Compaß, der ung auf der Farth
durch den ganzen Weltraum leitet.
Mas in der Gewaͤchskunde oder der Thierfunde der Bau ber
Pflanzen oder des Thieres ift, der in gewiffe Haupttheile zer—
fällt, das ift in der großen. Melt der Bau des MWeltkörpers
überhaupt, fuͤr welchen ung unfere Erde einftehen muß. Die
Haupttheile des Exdkörpers aber find das Erdreich, das Waſſer—
weich, das Luftreih und das Feuerreih. So bat die Sternlehre
auch gleichlam ihre Anatomie, ihre Phofiologie ufw. Unſer
Sonnengebäude aber muß und kann uns für die Übrigen Son:
nengebäude und für das Meltgebäude überhaupt einftehen, denn
die Himmelsräume find von denielben alten Elementen erfüllt.
Dieß laͤßt ſich ſchon aus dem alle Welträume verbindenden Licht
fehliegen, wenn auch das Starre, das Flüſſige und das Schnell:
bare nicht wahrgenommen würden. , Meines Erachtens: frellen
in unferem Sonnengebaͤude die Trabanten das Erdartige, die
Srrfterne dns Waſſerartige, die Haarſterne das Luftartige und
die Sonne das Feuerartige vor. , Wenigftens lehrt unfere Sterns
£unde, daß dem Monde das Waſſer fehle. (Ganz fehlen kann
es wohl nicht.) Dagegen find 3 unferer Erdoberfläche mit
Waſſer bededt: und daß daffelbe auf dem Mars fich finde,
zeigt die weißglänzende Schnee» und Eisflaͤche in dem Polar:
glirtel. Auch bey den Doppelfonnen ſcheint die verſchiedene Faͤr—
bung auf den Gegenfas des Sonnigen und des Jrcſternigen
binzubeuten. Eben dieſer Gegenfas in den alter Urftoffen
iſt es, der ung überall die Verhältniffe aufſchließt, fo wie Zer
680
uͤberall der bewegende und lebenerweckende Grund iſt. Der
Verhalt und der Verlauf dieſer Spannung iſt die Geſchichte
der Natur. Das iſt nach Horaz, „die zwieträchtige Ein—
tracht der Dinge.“
Der gewoͤhnliche Einwurf, den man gegen eine wiſſenſchaftliche
Naturforſchung macht, iſt der, daß ſie ſich nicht an die Erfah—
rung halte, ſondern irgend ein Lehrgebaͤude in die Natur hin—
eintrage. Deshalb beziehe ich mich gern auf ſolche Schriften,
die bloß aus der Erfahrung zu ſchoͤpfen bekennen. Wenn ſich
nun zeigt, daß dieſe Erfahrungsſchriften für meine Lehrart
ſprechen, daß dieſe ſich gleichſam aus. jenen hervorziehen
läßt, ſo wird man die Richtigkeit meiner Lehrart um ſo weniger
bezweifeln koͤnnen. In vorliegendem Falle kann ich wohl von
keinem ruͤhmlicheren Werke meine Gewährleiftung. hernehmen,
als von A, von Humboldts Kosmos oder phyſiſcher Weltbe—
fhreibung. Diefe Schrift hat es ſich zur Aufgabe gemacht, ein
Naturgemaͤlde im Großen und Ganzen zu entwerfen, und zwar
„beſchraͤnkt fie fih (©. 68.) auf eine empirifche, erfahrungs—
mäßige Betrachtung." In diefem Werfe nun wird der ſoge—
nannten einfachen Stoffe kaum ein= oder dag andermal gedacht:
d.e „‚alten Elemente‘ hingegen fyielen in allen Theilen deffelben,
freilich) gleihfam unter der Dede, die größefte Rolle, vornehm—
lich bey der phyfifchen Erdbefchreibung. Ich habe, mir beym
Leſen deffelben eine Menge von Stellen angemerkt, von denen
ih bier nue fhlieflih noch einige ausheben will. ©, 53:
„Sie (die phufiihe Erdbefchreibung) lehrt, um auch einige Bey:
fpile aus dem Kampfe des Flüffigen mit dem
Starren anzuführen, was allen großen Stromen gemeinfam
ift in ihrem oberen und unteren Laufe." — ©. 163: Die Erd»
vinde verändert im Laufe der Sahrhunderte das Döhenver-
hbältniß der Fefte zur Dberflähe des Flüffigen, ja
die Sejtaltung des Meerbodens ſelbſt.“ — ©. 169. Die Form
und Gliederung der Continente .... fteht in einigem Verkehr
mit dem alles umgrängenden Meere... Das tropfbarz
flüffige Element wird wiederum von dem Dunftfreife
bededt, einem Luftocean, in welchem die Bergketten und
Hocebenen der Fefte wie Untiefen aufiteigen. " — ©. 170:
„Es ift gezeigt worden, wie die Verhältniffe. der Erdober—
fläche, ... das Gebiet der Meere (des Tropfbar-Fluͤſſigen)
und des Luftkreiſes mit feinen meteorologiihen Pro>
ceffen, die geographifche Verbreitung der Pflanzen und Thiere,
endlich die phyſiſchen Abftufungen des Menfchengefchlechtes in
einer und derfelben Anſchauung vereinigt werden koͤnnen.“ Hier
werden alfo von unferem Verfaffer die Licht- und Feuererfcheis
nungen mit zu dem Luftkreiſe gezogen; und bey dem. Erdmag—
netismus iſt auch von der Erdwärme und der Lichtentwidlung
die Mede, Im Uebrigen aber entfpricht. diefe Behandlung
ganz der von Seneca in feinen „wuͤchſigen Forſchungen“
befolgten, nehmlich der nach den vier Elementen. Eben fo fol
gen die Aeußerungen des Vulcanismus auf einander. Mach der '
Lichtausſtroͤmung wird ©. 225., vonden Luftquellen,
©. 227. von den Wafferquellen, und ©. 232. von den
Erdquellen gehandelt, — ©. 237. wird auf die überall glei—
chen Gelege. der Geftaltung und Erfcheinung der Schichten der
Erdrinde aufmerffam gemacht, welche Aebnlichkeit „ſich durch
den luft= und woafferlofen Satelliten. nach erweitere;“ — dieſe
Bemerkung alfo ganz in Uebereinflimmung mit meiner eben
aufgeftellten Anficht von. den Zrabanten; — ©. 301. „die
neueren Fortſchritte der Geognofie .. , leiten ung auf... die
raͤumliche Vertheilung des Feften und Fluͤſſigen,
681
der Kontinente und der Meere, welche die Oberfläche unfers
Planeten bilden.... Die Umgränzung des Starten durch dag
Fluͤſſige iſt ſehr verſchieden geweſen.“ — ©. 303: „‚Unfer Pla:
net hat zwey Umbüllungen: eine allgemeine, den Luft—
Ereis, als elaftifhe Flüffigkeit; und eine theilweife, nur
örtlich verbreitete, die Kefte umgränzende, das Meer .... „Aus
diefer Kenntniß der gegenfeitigen Einwirkung von Luft, Meer
und Land ergiebt fih, daß mitterungslehrige Erſcheinungen“
(darunter find die feurigen mitbegriffen), „von geognoftifchen
Betrachtungen getrennt, nicht verftanden werden koͤnnen.“ —
©. 305. „Vorherrſchend ift das flüffige Element zwifchen
der DOftküfte der alten und der Meftküfte dar neuen Welt.’ —
©. 316: „Große Veränderungen hiengen von der Zu- oder
Abnahme des Tropfbar-Flüffigen auf der Erde ab ... . ©. 317:
„In der Deutung diefer verwidelten Erfheinungen (des Zus
ruͤcktretens des Meeres) muß man fehr vorfichtig feyn, da leicht
dem einen der alten Elemente, dem Waſſer, zugefchries
ben wird, ma3 zwey andern, der Erde oder der Luft, anges
bört.” — ©. 320: „Die beiden Umbüllungen der ftarren
Oberflaͤche unſers Planeten, die tropfbarsflüffige und die luft—
förmige ... bieten durch ihre Temperatur: Verhältniffe man:
nigfaltige Analogien dar." — ©. 321: „Von der Gränze
beider, des Luftmeeres und des Oceans, an aufwärts und ab—
waͤrts, find Luft: und Waſſerſchichten beftimmten Geſetzen der
MWärmeabnahme unterworfen.’ — Nah dem Luftkreiſe
wird, ©. 337., von den Witterungserfcheinungen, melde „ihre
Haupturfache in der erwarmenden Kraft der Sonnenftruhlen
baben,'' und S. 341. von der Klimatologie (Wirkung des
Kichtes und der Wärme) gehandelt. — ©. 364: Der meteoro:
logiſche Theil des Naturgemäldes zeigt, daß alle Vorgänge der
Lich teinſaugung, der Würmerntbindung, der Elafticitäts
veränderung, des feuchtigkeitsmeßlichen Zuftandes und
der electriſchen Spannung innig mit einander zufammenhans
gen." Auch hier alfo werden die alten Urftoffe nochmals zu:
fammengeftelit. So fpringen ung denn, auch in der heutigen
Phyſik die alten Elemente aller Eden und Kanten in die Augen!
und wir follten ung einreden laffen, „ihre Neich habe feine End:
Schaft erreicht?” Dieſe Anführungen aus dem vortrefflichen
Werke — einer fo geiftvollen Zufammenftellung des bisher Beob—
achteten — beweifen wohl deutlich genug, daß, nachdem die neuere
Phyſik den alten Elementen den Abſchied gegeben bat, fie doch
nicht umbin kann, fie ihrer Naturfchilderung, wenn anders
diefe wirklich der Erfahrung gemäß ſeyn foll, zu Grunde zu legen.
Auch wir laffen alfo die einfachen Stoffe der Chemiker ihres
Ortes ganz ruhig dahin geftellt fern, nur foll man nicht wäh—
nen, durch fie die alten, wahren Elemente verdrängen zu koͤn—
nen; denn dieſe chemifche Einfachheit macht nicht das Mefen
eines Grundftoffes aus. Ueberhaupt erkennen wir die Fortfchritte
der Chemie in Verfuchen und Beobachtungen des Einzelnen
dankbar an, jund laffen ung, wie gefagt, auch geift= und ein:
bildungsreiche, eingemifchte oder abgeriffene Betrachtungen , ſelbſt
wenn fie, mie weiland die alchymiſtiſchen Ergüffe, an das Dichteri-
fihe und Geheimnißvolle hinſtreifen follten, wohlgefallen: Die
Beobachtungen find für diefe Wiffenfihaft eben fo, nothwendig,
als für die Gefchichte die Durchftöberung der Urkunden und
Sahrbüher, die Erforichung der Jahreszahlen und Namen,
womit man fid) auf der einen Seite beicyäftiget, während man
es von den andern Seite auch nicht an fogenannten Ideen
oder Anfichten über die Geſchichte fehlen läßt. Dagegen wird
man auch denjenigen Weg geftatten, nach welchem beide Seiten
Iſis 1847. Heft 9.
682
nicht getrennt erfcheinen, fondern der Geift die Maffe durch—
dringen (mens molem agitare) und ſich vornehmlich durch
eine Logifhe und fachgemäfe Anordnung, durch eine gegliederte
Darftellung offenbaren fol. Dadurch würden die Naturwiffen:
ſchaften für die claffiiche, menſchenthuͤmliche Bildung und für
die Erziehung anfprechender und gewinnreicher werden. Ein
Alter fagt: „die Welt ift Ordnung; und fo muß fich doch
diefe Ordnung aud in der Weltbeſchreibung abfpiegeln. Und
eine Ordnung kann nicht fo verſteckt fenn, daß fie vor der Auf:
zählung der einfihen Stoffe feines Menfhen Sinn wahrge:
nommen, fein Menichenverftand erkannt hätte,
Wenn nun die vier Elemente uns wirklih den Schlüffel für
die Gliederung der Narurlehre geben, fo läßt fi, wie geſagt
erwarten, daß diefelben Gründe auch in die Naturgeſchichte
übergehen, daß die fogenannten naturgefchichtlihen Neiche fich
jenen Elementen gemäß geftalten werden. Und dieß iſt eigent—
lich die Spige der gegenwärtigen Abhandlung. Mir wenden
ung alfo nun zu den naturgefhichtlihen Neichen, wo wir eben=
falls einen Kampf mit den Anfichten der heutigen Naturkunde
zu beftchen haben werden.
2. Nachweiſung der vier Reiche der Naturgeſchichte.
Nahdem wir nun die „vier alten Elemente“ gegen die 55
fogenannten einfachen Stoffe der heutigen Chemie, wie wir glaus
ben, fiegreich vertheidiget haben s fo habın wir damit auch zugleic)
den Grund gelegt zur Nahweilung der vier Neiche der Wuͤchſe—
gefchichte gegen die von der heutigen Naturgefchichte angenomme:z
nen drey Meiche (das der Grubenwerfe (Fossilia), das der
Pflanzen und das der Thiere) oder gegen die zwey organifchen
Reiche (das Pflanzenreih und das Thierreih). Zwar habe ich
in meinen bereits erfchienenen Schriften über die Cintheilung
des Pflanzenreihes, des Thierreiches und des Menfchenreiches
in den Einieitungen auch jedesmal von dem Verhältniffe der vier
Neihe das Nöthigfte geſagt. Weil ih mich aber daben fehr
Eurz faßen mußte und diefe Unterfuchung in die allgemeine Na—
turgefchichte gehört, auch eine der gemeinen Meynung zuwider-
laufende Anordnung durch ‚befondere und mehrfeitige Darftellung
mehr Eingang finden möchte; fo will ich dieſem Gegenftande
biemit nochmals eine kurze Betrachtung widmen.
Ich will von dem ausgehen, wovon mein eiqnes Nach—
denfen über die Neiche der Naturgefhichte ausgegangen ift. Die
Welt der Einzelmefen oder Gefchöpfe fteht nicht abgefondert fuͤr
ſich da, fondern fie gebt aus dem Grofweltlichen, aus dem Ele—
mentarifchen, Melt£örperlichen, hervor. Es ift alfo anzunehmen,
daß die. Grundverhältnife des Meltförperlichen auch in das
Kleimveltliche, Einzelwefige, Übergehen und hier die Sonderun:
gen und Verzweigungen bewirfen werden. Da wir nun bei der
Erdbetrachtung, felbft nach der erfabrungsmäßigen Darftellung
der heutigen Phyſik in dem vortrefflihen Dumboldtifhen
Werke, auf die Grundverhältniffe des Erdreichg, des Waſſerrei—
ches, des Luftreiches und des Feuerreiches zurückgeführt worden
find, fo dürfen wir mit Recht fchliefen, daß wir auch beh dem
Kleinweltlichen oder Naturgeihichtlihen eine diefen Grundver—
hältniffen entfprechende Berzweigung antreffen werden. Und
die Erfahrung felbft, fo wie die Gefchichte diefee Wiſſenſchaft
zeigt, daß dieſer Schluß uns richtig geleitst bat. Wir erfen-
nen nebmlich in dem fogerannten Mineralreicye die vorberr=
fhende Wirkung des Erd-Elementes, in dem Gewaͤchsreiche
die des Waffer-Elementes, indem Thierreihe die des Luft:
Elementes, und in dem Menfchenreiche die des Feuer- oder
43*
683
Kicht-Elementes. Nachzuweiſen, daß wir in biefer Anerkenntnig,
in diefer Auslegung der vier Neiche uns nicht täufchen, fondern
dazu guten Grund haben, das wäre nun unfere Aufgabe.
Diefes ift aber, um mit A. v. Humboldt zu reden, eine
Erkenntniß, die nicht aus der unnmittelbaren Sinnesanfchauung
erwachfen fann, und woben es wohl erlaubt ift, nach bloßer
Induction, wie nach forgfältiger Vergleichung der Zhatfachen,
zu Merke zu gehn. Da ung aber dabey das Anfehen, ich
möchte fagen, der gefammten heutigen Naturgefchichte entgegen=
frebt, fo wird e8 und auch bier erlaubt feyn, uns auf Zeug:
niffe zu berufen, welche, zum Theil wider den Willen der Schrift:
ſteller felbft, für unfere Lehre fprehen. Was erftlih den Zu:
fammenbang des Wüchfegefchichtlichen mit dem Großweltlichen
überhaupt ‚betrifft, fo fagt U. v. Humboldt, daß „obne den
Kreis des organifchen Lebens das Naturbild unvollendet feyn
würde." — „Der Begriff der Belebtheit, fagt er (Kosmos,
©. 367.) ift fo an den Begriff von dem Dafeyn der treibenden,
unabläffig wirkſamen, entmifchend ſchaffenden Naturfräfte
geknüpft, welche in dem Erdförper ſich regen, daß in den äls
teften Mythen der Voͤlker diefen Kräften die Erzeugung der
Pflanzen und Thiere zugefchrieben, ja der Zuftand einer unbes
lebten Dberfliche unferes Irrſternes in die chaotifhe Urzeit
fämpfender Elemente hinaufgeruͤckt wurde.“ — Sch glaube nun
zwar, daß man bey Erfindung diefer Mythen durch die Jahres—
erfcheinungen geleitet wurde: allein auch diefe Erfcheinung ift,
wie wir früher bemerften, ein Bild dee MWelterfcheinung.
Iſt nun jene Abhängigkeit des Gefchöpflichen, Einzelweſigen,
vom Weltförperlihen als unbeftreitbar anzunehmen: fo. wird
e8, meine ich, fauch felbft dern Ungelehrten einleuchtend ſeyn,
daß in dem fogenannten Mineralreihe das Erd=- Element die
Hauptrolle fpiele, in dem Gemwäckhsreihe aber das Waffer-
Element, in dem Thierreiche das Luft: Element und in dem
Menfchenreiche das Feuer- oder Licht: Element, daß alfo diefe
vier Neihe den vier Grundftoffen entfprechen. Das Minerals
reich ift bier, wie gezeigt werden wird, in dem Sinne zu neb>
men, daß wir darunter die Drufen oder Cryſtalle verftehen, und
diefe werden in der Dunkelheit, im Schooße der Erden (oder
im Dunfel des Gewoͤlk's) geboren. Das Wachsthum der
"Pflanze aber hängt ganz vom Lauf der Säfte ab; wie man
von dem Thiere fagt: „es ſtirbt,“ fo fagt man von der Pflanze:
„ſie verdorrt.“ Was mit dem Maffer vorgeht, das geht auch
mit der Pflanze vor. In Wärme und Sonnenfchein thaut
gleihfam die Pflanze auf, fie verarbeitet Säfte und haucht
nad) Oben ihre Düfte aus. Wie der Fluf, die Bewegung des
Waſſers, neh ber Schwere gehorcht, fo ift auch die Pflanze
mit der Wurzel noch an den Boden gefeffelt. Diefes Waſſer—
weſen der Pflanze hat auh Schubert in feiner allgemeinen
Naturgefchichte recht lebendig ausgedrüct, wenn er das ftille
Gewaͤchsreich mit dem ruhigen Meeresfpiegel vergleichet. Das
Thier hingegen ift das Luftgefchöpf. Es ift, wie die Luft, nicht
mehr an den Boden gebunden, es hat freie Bewegung. Ja
die Beweglichkeit macht ben ihm, wie bey der Luft, gerade das
eigenthümliche Weſen aus. Luft und Licht hängen zwar
auch ſchon nah der Spracherzeuqung zufammen: etwa wie im
Kateinifchen in aura: aber doch ift die Luft für dag Licht noch
Aeußeres, Maffiges; das Thier ift gleichfam fehend blind, dag
Licht iſt ihm nicht eingeboren. Im Menfchen erft wird der
Lichtfunfen frey. Darum richtet er fein Haupt empor, und
Dben und Unten ift für ihn, was in der ihn umgebenden Welt
oben und unten ift. Kurz, der Menſch ift das Kichtgefchöpf,
684
und er ift nicht mit dem Thiere in Einem Neiche zu begreifen.
Wie das Feuer alles zertheilt und durchdringt, fo durchdringt
auch der Geift, die-Einheit des Menfchen alle Wefen, und der
Menſch erfcheint dadurd) als der Herr der Schöpfung, ven der
er doch felbft abhängig ift. — Auf ſolche Weife läßt fih, wie
ich wähne, der Zufammenhang der vier Weiche mit den vier
Grundftoffen auch fhon dem gemeinen Verftande einleuchtend
machen.
Uber auch ohne auf die vier Grundftoffe zuruͤckzugehen, wuͤr—
den wir, wenn wir nur richtigen Begriffen folgen, genöthiget
ſeyn, die genannten vier Meiche, und nicht etwa, wie feit
Ariftoteles gewöhnlich, drey, oder, wie jest Üblich, zwey,
aufzuftellen, und eben fo wenig würden wit, wie neulich ein
Berliner Naturforfcher gethan hat, die Pilze von den Pflanzen
als ein viertes Meich abfondern Fonnen. Man hat von Prof.
Beſeke eine Gefchichte diefer feit Ariftoteleg gewöhnlichen
Eintheilung der Narurgefchichle in Neiche, welhe Schrift von
Späteren benugt worden ift. Wir aber wollen von der Ge:
lehrſamkeit nur in fomweit Gebrauh machen, als fie unmittelbar
unfere Sache fördert.
Wir bemerken alfo bloß, daß man in neuerer Zeit das Mine—
talreich, als das Unorganiſche (Leblofe) enthaltende, von dem
Pflanzenreih und Thierreich, als das Drganifche, Lebendige, ent-
baltenden, abgefchieden hat, fen e8 nun, daß man dennoch drey
Keiche der Naturgefchichte, nehmlich Mineralreich, Pflanzenreich
und Thierreich, fteben ließ, oder bvaf man, wie bey den Neueften
gewöhnlich, au im angef. Humboldtifchen Werke gefchieht,
das Unorganifche der Erdlehre überläßt, und in der Naturge—
ſchichte das organifchen Leben oder das Organiſch-Lebendige be=
handelt, und dieſes dann in zwey Reiche, in das Pflanzenreich
und das Thierreich, eintheilt. Es kommt hier alſo darauf an,
daß wir die Begriffe von Orgaiſchem und Unorganiſchem,
von Febendigem und Keblofem unterfuchen, um zu be-
ſtimmen, was in die Wüchfegefchichte gehört, und in welche Ab:
theilungen oder Reiche diefe zerfällt. Mir fcheint e8, daß man
mit diefen Begriffen noch feinesweges recht ing Klare gekom—
men ift. Aber auch der Begriff des Naturgeſchichtlichen ſelbſt
ift noch ſehr unbeſtimmt. Wenn man in der Naturgefchichte
von dem Gegenfage des Dryanifchen und Unorganifchen im
gewöhnlichen Sinne ausgeht, und die letzte auch zur Naturge—
ſchichte rechnet, dann gehören alle Körper hinein, und es ift
nicht zu vertwvundern, wenn eine Mineralogie fogar ein Gas
unter den Mineralien aufführt. Was bleibt dann für die Na—
turlehre, fuͤr die Erdlehre insbefondere, noch übrig? Beſſer tbun
dann ſchon diejenigen, welche, wie Al. ». Humboldt, das foge:
nannte Organiſch-Lebendige allein als Inhalt der Naturgefchichte
auftreten laffen. Aber jener Gegenfaß des Organiſchen und,
Unorganifchen ift E.inesmeges der oberfte in der Naturgefchichte.
Ein Zuftand der MWiffenfchaft, in welchem die erſten Begriffe
noch fo wenig in Ordnung gebracht find, kann zwar dem Ge—
dichtniffe eine Maffe von Kenntniffen darbieten, aber dem Geifte,
melcher nach Erfenntniß verlangt, Fann er wenig genligen,
Um die jet Überhaupt herrſchende Anficht diefer Dinge vor
Augen zu ftellen, bebe ich Einiges aus einer Schrift aus, die
für den öffentlichen Unterricht in Frankreich eingeführt, und zu
gleicher Abficht in's Teutſche überfegt worden: ‚Populäre Na—
turgefcehichte der drey Meihe. Von $. ©. Beudant,
Mitne Edwards, U. v. Suffieu. 1845. Sin dem
erften Bande, welcher Milne Edwards Zoologie enthält,
findet fih, unter dee Ueberfchrift: „Unterſchied zwifchen den
685
unbelebten und den belebten Mefen,’ unter Anderem folgendes:
„wiſchen beiden ift Alles (2) unaͤhnlich.“
„1) Die Entftehungsweife. Ein Mineralförper entſteht uns
mittelbar aus der Verbindung zweyer oder mehrerer Stoffe,
welche ihrer Natur nad mwefentlich von der feinigen verfchieden
find, und fib im Verhaͤltniß ihree chemiſchen Verwandtichaften,
womit fie begabt find, zufammenfegen. in beliebtes Weſen
bingegen ... fann ſich nur unter dem Einfluffe eines ihm aͤhnli—
den Körpers bilden.‘
„2) Art der Eriftenz. Die leblofen Körper, 3. B. die Eteine,
die Metalle, find im verbfeibenden Zuftande innerer Ruhe, die
Elementartheilhen (Molecule), aus welchen fie zuſammengeſetzt
find, erneuern fich nicht: wenn er an Umfang zunimmt, jo
gefchieht es, weil fih auf ihrer Oberfläche andere Elementar—
theilchen ablageın. Jeder belebte Körper hingegen ift Sig einer
inneren Bewegung und feine Vergrößerung gefchieht durch Anz
fegung neuer Theile ven innen.
,,3) Die Dauer der lebloſen Körper hat Feine nothwendige
Gränze. "
4) Art des Untergangs. Sie tragen auch keinen Zerſtoͤ—
rungsgrund in ſich; die belebten gehen unfeblbar unter.
5) Form und Größe. Jeder belebte Körper ift gleichſam
im Boraus beftimmt, eine gewiffe Form zu tragen, und diefe
hat nichts mit der geometrifhen Einfachheit gemein, weldye ung
die Mineralien zeigen. Marmor: 3. B. kann fo gut unter der
microfcopifchen Geftalt eines microfcopifh Eleinen Stäubchens
beftehen, als unter der Form eines ganzen Gebirges.
„‚6) Innerer Bau. Die lebenden Mefen find aus felten
und flüffigen Theilen zufammengefest, die legten find in allen
Puncten verbreitet, und um dieſe Flüffigkeit zufammenzubalten,
haben die feften Theile die Form dünner Blaͤttchen oder Fäden,
daß Zwiſchenraͤume oder Höhlen umgeben werden koͤnnen. Man
giebt diefem allgemeinen Bau den Namen DOrganifation.
Auch nennt man diefe Weſen organifirte Körper, als
Gegenfag zu den Mineralien.”
„7) Die lementar= oder chemifche Zufammenfegung des
Stoff3. Ein leblofer Körper, z. B. ein Etein oder irgend ein
Mineral, Eann einzig und allein aus den Moleculen eines und
beffelben einfachen Stoffes gebildet feyn, oder wohl aus dem
Zufammentreten zweyer oder mehrer chemifcher Elemente, deren
Anzahl jest 50 überfteigt, hervorgehen... Die lebenden Wefen
aber haben immer eine fehr complicirte Zufammenfesung uſw.“
Am Schluſſe heift es: „Es genügt, wenn man fagt: belebte
Körper find Weſen, welche fih ernähren und ſich wies
dererzeugen.”
Hiemit haben wir in der That den Stoff zu unferer Un—
terfuchung gewonnen. Man fieht, daß hier der Gegenfas durd)
befebt und unbelebt ausgedrüdt wird; „organifiert und unorga=
niſch „Eommt nur als ein untergeordneter Unterfchied in Betracht.
Humboldt fest beyde Ausdride zufammen: „Das Organifch-
Lebendige“ (Pflanzen und Thiere), wahrſcheinlich weil er auch
oft von einem „Erdenleben“ fpricht. — Wie follen wir nun
diefe Unbeftimmtbeit befeitigen? Zuerft müßen wir ‘den Begriff
von dem Naturgefchichtlihen Überhaupt feftftelien. Dann müßen
wir innerhalb dieſes Begriffes die Gegenfäge weiter verfolgen,
den Verziweigungen nachgeben.
Mir haben aber vorläufig das Naturgefchichtliche das Einzel
weſige genannt, nehmlich weil die dahin gehörigen Mefen ein
Ganzes für fih bilden, nicht zu dem allgemeinen Erdbau
gehören. Wir Eönnen fie alfo auch, befonders mit Rüdficht
4 685
auf Blumenbach's Bildungsteieb, nisus formandi, Gebilde,
Formata, nennen; denn wenn fie für fich ein Ganzes ausma—
den, fo fest dieß eine gewiffe beitimmte Form voraus. Alles,
was in die Wüchfegefchichte gehört, muß geformt, geftaltet
ſeyn, und man kann ſtatt MWüchfegefhichte auch Formungss
oder Geftaltungsiehre, Bildungsiehre (Morphologia) feßen.
Segen wir nun den Begriff der Naturgefchichte alfo auf, fo
gehören die Drufen oder Grpftalle mit in diefelbe, keinesweges
aber das Ungeformte, alfo nicht alles, was man einen Minerals
Eörper zu nennen pflegt. Der Marmor, 5. B., der in dem
oben Angezogenen genannt wurde, gehört zwar zur Erdlehre,
aber nicht zur Naturgefchichte.
Ufo das 5. Stud in obiger Anführung, Form und
Größe, giebt ung das beftimmende Merkmahl für das
MWüchfegefhichtlihe ab. Jeder naturgeſchichtliche Körper,
fagen wir, iſt gleihfam zum Voraus beftimmt, eine gewiffe
Form zu tragen, und dieß gilt audy von den Drufen.
Wenn es aber weiter hieß: „und diefe (Form) hat nichts
mit dev geometrifhen Einfachheit gemein, melde ung
die Mineralien zeigen," — fo laffen wir dieſes nicht gelten;
denn diefe geometrifche Einfachheit und Regelmäßigkeit der Form
ift e8 gerade, wodurch die Drufen fih von den andern Gebil—
den unterfcheiden, wie fich denn diefes bey ihnen, als welche
die erfte Stufe, das erfte Glied des Gebildeten ausmachen, auch
nicht anders erwarten läßt. Ben den Drufen berrfcht, fo zu
fagen, dag Geometrifche, bey den Pflanzen "hingegen das Arith—
metifche; bey dem Thiere dann dag Mechanifche, 'beym Men:
fhen dae Dynamiſche. Wenn in dem Angeführten als ein
Merkmal der belebten Mefen angegeben wird, daß fie eine ges
wiffe gewöhnliche Größe haben, worinn fie ſich halten; ſo gilt
die auch von den Drufen. „Die gemöhnlihe Größe der
Drufen ift 3 Zoll Länge und 1—2 Linien Dide. Eben in Hin:
fibt auf die Größe habe ich das Maturgefchichtliche auch das
Kleinweltliche genannt, im Gegenfas zu dem Groß weltlichen. —
Menn aus Drufen fih auch Erdſchichten oder Felfen bilden,
fo fteht dieß unferer Lehre nicht entgegen; denn wir haben ja
eben fo auch die Kohlenlager, den Muſchelkalk und die Infu—
forien = Rager.
Was das 6. Stud, den inneren Bau, betrifft, fo follen
die lebenden Weſen aus feften und flüffigen Theilen zufammenge-
fest ſeyn, und die legten follen als dünne Blättchen oder Fäden
Höhlen bilden, welcher Bau Drganifation genannt werde. Daß
aber dieß in gewiffer Maße auch von den Drufen gelte, ift
nicht zu leugnen. Man denke nur an das Cryſtalliſations⸗
waſſer, an das, mas von dem Bau der Dru' gelehrt wird.
Aue Drufen entftehen aus Blaͤttchen, die ſich auf einander
legen und fich fehr oft durchkreuzen uſw.
Das 7. Stüd, die chemiſche Zuſammenſetzung anlans
gend, wo gefagt wird, daß ein Ieblofer Körper aus einem einfa=
chen Stoffe gebildet feyn kann, oder daß zwey oder mehre
Stoffe zufammentreten, aber immer in fehr einfachen Verhält:
niffen zufammengeftellt, daß dagegen die lebenden Körper zwar
theils aus denfelben Stoffen beftehen, theils aus andern, welche
immer das Ergebniß von 3 oder 4 beftimmten chemifchen Stoffen,
nehmlich von Kohlen‘, Maffer- u. Sauerftoff, verbunden find; daft
endlih in dem Mineral jedes Atom eines zuſammengeſetzten
Körperd nur eine fehr Eleine Anzahl Elementar= Atome enthält,
in den organifirten Weſen aber eine fehr große; dieß anlangend,
fage ich, fo ift die größere Cinfachheit der chemiſchen Zufam-
menfegung fein Grund, die Drufen aus dem Bereich der Na:
637
turgefchichte oder der Gebilde auszufchließen, fie ift vielmehr
wiüchfegemäß, da die Drufen das niedrigfte Glied der Gebilde
find, und auch die Pflanzen fih von den Thieren in diefer Hinz
fiht unterfcheiden. Die Bildung der Drufe gefchieht, wie die
alles Kleinweltlichen, duch Zufammenwirkung aller vier (alten)
Grundftoffe; auf dem verfchiedenen Verhältniffe dieſer Zuſam—
menftunmung (concentus) beruht eben die Verfchiedenheit der
Bildungen. — Uebrigens foll z. B. der Diumant aus reinem
Kobtenftoff beftehen, während er doch, nad) Andern, Spuren von
Mafferftoff und Sauerftoff enthält,
Mas nun (um die frühen Stüde nachzuholen) die Entite=
bungsweife betrifft, daß nehmlich ein Mineralkörper ein Er:
zeugniß der von ſelbſt eintretenden Verbindung der, ihm ungleis
chen Stoffe ift, ein befebtes Wefen hingegen ſich nur unter dem
Einfluffe eines ihm ähnlichen Körpers bilder; — fo ſteht erftlich
dies lehzte, wenigftens in Hinficht auf die Urerzeugung, noch in
Frage, und dann iſt diefes, nehmlich die Bortpflanzung, eben
die Eigenfchaft, wodurd ſich das Gewächsreih von dem Dru—
ſenreich unterfcheidet. Das Weſen der Drufe iſt in fich ver:
fehtoffen, gleichfam wie der Tüpfel, das der Pflanze reitt ſchon aus
fich heraus, ift fortlaufend, gleichfam wie die Linie. Die Druſe
entſteht, fie bildet ſich, fo zu fagen, für ſich felbft. Die Drufe
eben zeigt uns noch die Urerzeugung. Damit hängen nun auch
die noch folgenden Stuͤcke zufammen,
Die Art des Daſeyns, daß nehmlih die Drufen in innes
rer Ruhe verharren und nur zunehmen durch Anſetzung aͤhnli—
cher Theile von aufen, während die f. a. belebten Körper der
Sitz einer inneren Bewegung find, und fich nur durch Anfegung
neuer Theile von innen vergrößern; fo bezeichnet allerdings eben
dieſe innere Bewegung eine höhere Stufe. Aber auch dag Zus
nehmen der Drufe von außen iſt ein cegelmäfiges Fortbilden,
und fie ift deshalb Feinesweges in dag Gebiet des Ungeftalteten
zu. werfen.
Die Dauer ber f. g. leblofen Weſen hat Feine nothmendige
Gränze, auch in der Drufe nicht, eben weil fie, fo zu fagen,
noch nicht der Zeit anheimgefallen, weil die DBeftändigkeit ihr
Theil ift. Aber zerftört kann fie werden, eben weil-fie ein
Gebilde (Formatum) ift.
Die Art des Untergangs endlich ift nothwendig bey beiden
eben fo verfchieden, als die der Entftehung.
Daß übrigens die Ernährung und Fortpflanzung die. belebten
Körper (nehmlich Pflanzen und Thiere) ſchon hinlaͤnglich be—
zeichne, mag gelten; aber die Graͤnze des Naturgefchichtlichen
nach dem Naturlebrigen hin ift damit feinesweges bezeichnet.
Sn die Naturgefchichte gehört alles Gebildete, und zu dem
Gebildeten, Geftalteten, gebören auch die Drufen.
Nicht Altes alfo, was bisher in dem Mineralteiche aufgeführt
wurde, gehört, nach dem von uns aufgeftellten Begriffe, in die
Naturgefchichte oder Gebildlehre, fondern nur die Druſen; wes—
balb wir aud das erſte Neich lieber Drufenreich als Mine-
valveich genannt haben. Diefe unfere Anficht von den. Druſen
ift fo wuͤchſegemaͤß, daß man fie auch fchon von Andern ausge
fprochen findet. So fagt With. Haidinger (Anfanysar.
der Mineralogie 1829.) unter der Ueberfchrift: „Vom Begriff
der Mineralogie" ©. 3. „Cryſtalle find fo lange ein Gegenftand
der naturgefchichtlichen Unterfuchung, als fie die Eigenſchaften
behalten, welche fie bey ihrer Bildung angenommen haben. Sie
hören auf, jenes zu ſeyn, fobald fie diefe verlieren. Derjenige
Theil der Naturgefebichte, welcher fih auf die Cryſtalle, und
überhaupt auf die Erzeugniffe der Cryftallifation bezieht, iſt die
J
688
Mineralogie.“ — Aber dann ſetzt er wieder zu unbeſtimmt hinzu:
„Sie lehrt ung die Eigenfchaften der unorganifhen Na=
turerzeugniffe in ihrem natlırlihen Zuftande fennen und
bezeichnet diefe Körper mit eigenthuͤmlichen Namen.“ Unter der
Ueberfchrift: „Von den Individuen,‘ fayt er: „Die Cryſtalle
find e8, auf die fi am Ende die Unterfuchung der unorganis
ſchen Naturerzeugniſſe bezieht. Sie find die Individuen des
Mineralreiches.’” Hier wird alfo zwifchen Genftallen und unor=
ganifchen Körpern überhaupt nicht gehörig unterfchieden. Daher
£ommt e3 denn, daß Haidinger nachher, feinem Lehrer Fr.
Mohs folgend, fogar Gafe und das Waffer unter den Mine:
ralien auffübrt.
Nicht alles Fefte ift eryſtalliſiet. A. v. Humboldt giebt
uns die Stufen an, wenn er fagt, daß „ſchon die Nähe einer
Ausbruchsmaſſe Modificationen der Erhärtung, der Verkieſelung,
des Körnigwerdens, der Cryſtallbildung hervorbringt.“ Diefelben
Modificationen finden wir bey den Meteormaffen, — Oken
(a. a. O. ©. 15.) fagt: „Die Körper find entweder ungeftaltet,
und dann nur mecanifch an einander gehäuft, verhärtet,
wie Speditein, Kreide; oder chemiſch und daher feft und
innerlich etwas geftaltet, derb, wie Zhonfchiefer, oder halbge—
ftaltet, Eörnig, ftängelig, blätterig, abgefondert, wie Marmor;
oder geflaltet, gedrufet. Die Geftalten oder Genftalle, zu
Teutſch Dreufe, find entweder uſp.“ (DEen nehmlich
gebraucht den Namen maͤnnlich: der Drus; Blumenbad hin-
gegen fagt weiblih eine Drufe.)— Eine Ahnung davon, daß die
Drufen nicht mit dem fogenannten Unorganifchen zufammenzus
werfen feyen, ſcheint auch darinn zu liegen, daß früberhin in den
Naturgefhichten die Edeljteine eine eigne Abtheilung machten.
Auch Goͤthe hat die Frage aufgemworfen, eb die Edelfteine be:
fonders abzuhandeln feyen? — So viel zur Begränzung des
Naturgefchichtlichen.
Ehe mir nnfere Eintheilung vom Naturgeſchichtlichen aufitel=
len, werden mir den Begriff vom Lebenden und vum Dr:
ganifierten näher zu unterfuchen haben. Unſtreitig gebt das
Mort Kebend oder Kebendig urfprünglic und zunacft nur
auf dag Thier (dieß im bisher gemohnlichen Sinne genommen):
und mwenn es von etwas Anderem , z. B. von der Pflanze
gebraucht wird, fo ift es, um mit Cicero zu reden, „von. feinem
urfprünglihen Sitze auf etwas Anderes uͤbergetragen,“ welche
Ueberfragung man eine metaphoram zu nennen pfleget. Le—
bendig iſt urfprünglich eing mit befeelt (grieh. empsychon).
Dierk beweiiet auch der griechifche Namen Zoon und der lateinis
ſche animal (eigentlich was Athem hat). Aber fhon Ariftote=
les (3. d. Rebenden, VII. 1.) fagt: „So fteigert: fich jener
Grund: des Lebens in unmerklihen Stufen bis zur Thierſeele
berauf, fo-daß man in dem Verfolg jener Reihen das Nächft:
verwand'e und das in der Mitte liegende kaum zu fcheiden ver:
mag. Unter den Leblofen Dingen ſteht aber die Claſſe der
Pflanzen oben an. Doch auch von diefen unterſcheidet fich eine
von der andern durch die Stufen des inwohnenden Lebens, fo
daß die ganze Neihe derfelben, mit anderen Körpern
verglichen, ‚lebendig, und nur mit den Thieren verglichen,
leblos erſcheint.“ — Sch babe aber ſchon erinnert, daß man auch
von einem: Erdenleben fpricht, und daß wahrfcheintidy deshalb
U. v. Humboldt den Ausdrud Drganifch=Lebendiges für
Pflanzen und Thiere gebraucht. Platon nennt fogar dag
Metall ein befeeltes Thier oder Lebendiges. Wenn alſo nach
den Zeitungsberichten, ben der Verfammlung der Naturforfcher
in Berlin eine Schrift eingegeben wurde, welche die Weltkoͤrper
689 —
als große Thiere vorſtellte, ſo mar dieß nichts fo Unerhoͤrtes.
Jene Schrift ſoll indeß als eine naturwiſſenſchaftliche Ketzerey
zuruͤckgewieſen worden ſeyen. In der Wiſſenſchaft ſollten auch
die Ketzereien nicht ausgewieſen werden, fobald fie nur die Natur
und die Vernunft als Richter über ſich anerkennen, Wir unfes
res Theils nehmen bier den Ausdruck Lebendig oder Beſeelt in
der eigentlichen Bedeutung, der Sprache gemaͤß, fo daß wir nur
das darunter verftehen, was willführlibe Bewegung hat und
daß alfo dadurdy die Thiere von den Pflanzen geichieden werden,
Durch Uebertragung freilih mag auch bey den !WYflanzen und
felbft bey den Cryſtallen von einem Leben: geiprochen werden;
denn wenigſtens die Bildung der Eryſtalle zeigt einen regfamen
Vorgang.
Saft eben fo nun verhält es ji mit dem Ausdrude, orgas
nifiert odec gegliedert: aud) er gilt urſpruͤnglich nur von
dem, was man Thier zu nennen pflegt. Drganifiert heißt eis
gentlich mit Merkjeugen begabt, und nur was willfürliche Bewe—
gung hat, kann Werkzeuge haben, nehmlich Bewegungswerk—
jeuge und Sinnen: Werkzeuge, Die Theile der Pflanze dienen
freilich auch zu etwas, aber man kann fie deswegen doch nicht
Merkzeuge, im eigentlihen Sinne, nennen. Verſteht man ‚aber,
wie in obiger Anführung aus Milne Edwards gefcieht,
unter Organifierung den inneren Bau, fo fann man dieſen auch
den Drufen nicht abfpreden: indem er mit einer beftimmten
639
auferen Form nothwendig zuſammenhaͤngt. Der innere Bau
der Drufen üb zwar den Pflanzen nicht gleich, aber doch aͤhn—⸗
lich, jo wie ja auch der dev Pflanzen dem der Thiere nur aͤhn—
lich iſt. Im eigentlichen Sinne aber nennen wir gegliedert oder
werkzeughaft nur diejenigen Weſen, welche mit will£ührlicher
Bewegung begabt find,
Bey der Eintheilung felbft nun ift die wichtigfte Frage die:
welches iſt die oberfte Verzweigung, der höchfte Gegenfag inner-
halb des ganzen Gebietes? Von der richtigen Beantwortung
diefer Frage hängt die Richtigkeit der ganzen, Eintheilung ab.
Um alfo ‚unfere Eintheilung vorläufig vor Augen zu ftellen, er—
Elären wir uns dahin: daß die oberfte Verzweigung Eeinesweges
in. die Scheidung des Unorganifchen und Drganifhen im ges
woͤhnlichen Sinne zu feßen ift, wonach auf der einen Seite die
Mineralien, auf ber andern die Pflanzen und Thiere ftehen,
fondern daß vielmehr das Unbefeelte den oberften Gegenfaß bil:
det, in der Weife, daß die unbefeelte oder leblofe Seite oder
Abtheilung die Drufen umd die Gewächfe, die, befeelte oder le:
bendige aber die Thiere und die Menſchen enthält. Wir ffellen
alfo zwey Abtheilungen und vier Reiche auf: in der eriten Ab—
theilung das Druſenreich und das Gewäkhsreich, in der andern
das Thierreich und das Menfchenreih; nach folgender Haltung
(schema).
Il. Gebiet der Gebilde oder des Naturgefchichtlichen.
a. Lebloſes. Unbeſeeltes.
Ohne willkuͤhrliche Bewegung.
1. Druſenreich. 2. Gewaͤchsreich.
Ohne Ernährung und Fort— Mit Ernaͤhrung und Fort—
pflanzung. pflanzung.
Es bleibt uns aber hierbey noch Manches näher zu erklären
und naczumeifen übrig.
Daß diefe vier Reiche den vier Grundftoffen entfprechen, ift
fhon oben erinnert worden. Die Drufe zeigt die Beftändigfeit
der Erde, die Pflanze den Fluß des MWaffers, das Thier die
Beweglichkeit der Luft, und der Menfch den durchdringenden
Geift des Feuers, Die beiden Ieblofen Reiche entipredyen den
unteren. oder einfachen Grundftoffen, die beiden lebendigen den
oberen oder zufammengefegten Grundftoffen. Dem Ausdrude
organifiert gebe ich nicht: die, eingefchranfte Bedeutung,
wonacd er mit lebendig oder befeelt eins wäre, oder aufer den
Befeelten nur noch die Pflanzen in fi) begriffe; fondern ich
dehne ihn auf das Goeitaltete, Gebildete, Überhaupt aus, alſo
auch auf die Druſen. Ich fehe daben weniger auf die eigentlis
he Bedeutung, die von Werkzeug (instrumentum), als. auf die
von Gliederung (in membra redactum), verftehe ihn alfo
nit fowohl von dem inneren, grundbeftändigen Bau, als viels
mehr von dem Bau des ganzen Einzelmefens, wonach dieſes ein
gegliedertes Ganze ausmacht. In diefem Sinne nimmt aud
Kant den Organismum, das Gliedertbum. Mie dieſe Gliede—
rung auch den Drufen zugeichrieben werden Eönne, wird. bey
der Eintheilung des Drufenreiches noch, genauer entwidelt wer:
den. Dieſe Gliederung ziebt ung alfo die Gränze zwifhen dem
Naturgefchichtliben und dem Naturlehrigen.
Weber eine andere Scheidung feheine ich mich aber noch: ſtark
verantworten zu müffen, nehmlich über die des Befeelten in das
Thierreich und das Menſchenreich. Ich habe zwar darüber in
meinen Schriften über die Eintheilung des Thierreiches und die
Sfis 1847. Heft 9,
b. Lebendiges. Beſceltes.
Mit willkuͤhrlicher Bewegung
3. Thierreich. 4. Menſchenreich.
Ohne aufrechte Stellung. Mit aufrechter Stellung.
des Menſchenreiches ſchon das Noͤthigſte gefagt: doch was dort
nur einleitungsweife vorkam, das findet hier. feine einentliche
Stelle. Man follte meinen, die. Naturkundigen müßten ſich
wenigſtens eben fo. fehr dagegen gefiräubt haben, daß der Menic)
in das Xhierreich oder in die Naturgefchichte überhaupt gezogen
werde, als jetzt die Chemiker fich fträuben, dag Feuer mit den
andern drey Grundftoffen in Eine Neihe zu ftellen, weil es ihnen
nehmlic zu geiftig ift. Aber vielmehr fheinen die Wüchfege-
f&ichtler eine Art von Siegesgepränge darein zu fegen, den
Menfhen mit dem unvernünftigen Vieh zufammenzubringen.
Eine gewiſſe Vorliebe für die Natürlichkeit, ſcheint darinn zu
liegen, dieſelbe Natürlichkeit, welche Rouffeau’s Emil
andeutet, auf DVieren zu gehen. Aber wir nehmen ja den Men:
ſchen auch nicht aus der Wuͤchſe heraus, wenn wir ihn ein
eignes Neih ausmachen laffen. In der griechiſchen, lateinifchen
und franzöfifhen Sprache Elingt wenigftens der Verftoß nicht fo
arg, wenn man den Menfchen als eine Gattung oder Art oder
Familie mit den Thieren in ein und daffelbe Meich fett: denn
ftatt Thier, weiches eins mit dem griechiſchen Therion, dem
lateinifchen Fera (bestia) ift, fteht dort Zöon, animal, welches
eigentlich Lebendiges, Beſeeltes bedeutet, alfo allerdings auch auf
den Menfhen paßt. Aber den Menfchen unter die Thiere
zu fesen, und ihm doc den Bezeichnungsnamen Sapiens, ber
Weife, zu geben, heißt die Begriffe verwirren.
Die Haupteinwendung, welche man gegen die Abfcheidung
der Menfchen in ein beſonderes Meich vorbringt, ift die, dak im
Pflanzen= und im XThierreiche dasjenine, was ſich fruchtbar
begatten kann, eine Urt bildet. "Da nun, fchlieft man, die
44
691
Menſchen aller Farben ſich fruchtbar begatten Eönnen, fo bike
den fie auch nur Eine Art. Diefer Schluß ift aber nicht rich—
tig; der Oberſatz muß heißen: Bey den Pflanzen und Zhieren
bildet das, was ſich fruchtbar begatten ann, eine Art. Denn
das letzte girt keinesweges für alle gegliederte Mefen. Die Dru—
fen erftlich begatten ſich fhon gar nicht. Und felbjt bey den
höheren Thieren findet fih fehon die Spur davon, daß bey
artgemüßiger Verfehiedenheit doc) eine fruchtbare Begattung ftatt
finden kann. Und der Menfch unterfcheider ſich ja eben auch
in diefer Hinficht von den Thieren: der Weiße kann fich mit
dem Schwarzen feuchtbar begatten, aber fofern er der Wuͤchſe
treu bleibt oder der Vernunft folgt, thut er eg nicht. Schon
durch die Sprachen Verfchiedenbeit und. die erdbefchreibige Tren—
nung wird dieß verhindert. Die Gefittung verhindert ed, und
durch das Geſetz ift es verboten.
Mas im Thierreiche die Glaffen find, das find im (wuͤchſi—
gen) Menfchenreiche die fogenannten Waffen (radices), deren
Finnee ganz richtig vier angegeben bat, und die fich wieder in
Unterclaffen theilen, weiche den Drönungen des Pflanzen= und
des Thierrreiches entfprehen. Was in diefen Neichen die Gatz
tungen und Arten find, das find im Menfchenreiche die Ge—
fhlechter oder Schlage (gentes) und die Stämme (nationes),
dur die Sprachen und Mundarten gefchieden. So maht alfo
bey dem Menfchen ein Vernunft Abdrud, die Sprache, die
Scheidung. Wie der Sprachgebrauch fir den Menfchen oft
andere Ausdrüde hat, als für die Thiere, 3.3. effen ſtatt
freffen, fo £önnten wir auch für die Eintheilung des Menſchen—
reiches andere Namen gebrauchen. Doc der Gewohnheit wegen
Eönnen wir in der Wiffenfchaft auch diefelben Ausdruͤcke anwen—
den, ohne deshalb ein Mifverftändniß zu befürchten. Reden
wir doch auch bey den Drufen von Gattungen und Arten,
ohngeachtet fie fih gar nicht begatten.
Sn meinen Schriften über das Thierreih und Menfchenreich
habe ich aus alten und neuen Schriftftelleen Mehres beigebracht,
um zu zeigen, wie diefelben, wenn fie gleich den Menſchen nun
als eine Art, Gattung oder Familie mit den Thieren zufams
menfaffen, dennoch in ihren Befchreibungen den Menfchen fo
oft den „übrigen Thieren oder Lebendigen“ gegenüberftellen und
tie fie alfo dadurch, gleichfam wider Wiffen und Willen, be—
zeugen, daß unfere Schilderung beider Neiche im Weſen ber
Dinge gegründet ſey. Da die Zergliederungslehre (Anatomia)
immer die wahre Grundlage folder Befchreibungen ift, fo fcheint
eine Stelle im Ariftoteles (von den Lebendigen 1. 12.) be—
fonderg merkwürdig, wo er fagt: „die Theile mußten, binfichtlich
ihree Sage nah oben und unten, nach vorn und hinten, nad
der rechten und linken Seite auch darum aufgezählt werden,
damit e8 fih um fo deutlicher hervorheben möchte, worinn der
Bau des menfchlichen Körpers von dem thierifchen abmeiche.
Um vorzüglichften zeigt fich diefer Unterfchied des Menſchen von
andern Thieren (Leb ndigen) in den Theilen, welche die Wuͤchſe
oben und unten angeordnet hat; denn diefe obern und unteren
Theile finden fich nach dem Weltall oben und unten.’ Diefe
Stelle habe ich in der Iateinifchen Abhandlung über dag Men—
ſchenreich richtiger, als bisher geſchehen, auszulegen geſucht.
Ferner (Ariſt. ebend, I. 1.) „Nach diefer Lage der Theile
bat der Menfch eine der der übrigen Belebten entgegengefeßte
Gelenkbewegung.“ — Auch U. v. Humboldt, obgleich er im
Kosmos nur von einem Menfchengefchlechte redet und ber
Anſicht huldigt, nach welcher „die Menfchenraffen Formen ‚einer
einzigen Art" (alfo nicht einmal eines Gefchlechtes) „find,
692
nimmt dennody, wenn er von ber Geographie des Organiſch⸗
Lebendigen, d. h. der Pflanzen und Thiere, gefprochen hat, einen
neuen Anfaß, indem er zum Menfchen übergeht, und muß die
Wichtigkeit des nationalen Gepräges anerkennen. Wenn er
aber aus einer menfchenthumlichen Betheiligung auch „jeder An:
nahme von höheren und niederen Menſchenraſſen widerftreben
möchte, indem alle Meufchen gleihmäßig zur Freiheit beftimmt
ſeyen;“ fo dürfen wir behaupten, daß unfere Scheidung des
Menfchenveiches von dem Thierreiche, wie fie eine Srucht huma—
niftifher Studien ift, auch zugleich die Würde des Menfchen
in e.n helleres, — ja das wahre Kicht fest, indem fie auch wiſ—
ſenſchaftlich den Menfchen aus der Thierhrit (bestialitas) heraus—
zieht, — und daß die Eintheilung des Menfchenreiches in Claf-
fen, Drdnungen, Familien und Gefchlechter, binfichtlich des
allgemein menfchlichen Gepräges Eeinem Theile den mindeften
Abbruch thut. Vielmehr fimmen wir aus vollem Herzen dem
bey, was Kant (zum ewigen Frieden, dritter Definitivartikel)
über das WVerhältniß der Europäer zu den auswärtigen Men:
ſchengattungen fo ſchoͤn und kräftig ausgefprochen hat.
Doch das Weitere hiervon gehört in die Naturgefchichte des
Menfihenreiches. Hier haben wir nur zeigen wollen, daß wir,
alles Geftaltete oder alle Gebilde in eine leblofe und eine leben=
dige Seite abfcheidend, — eben fo die Wüchfe und die Vernunft
für ung haben, wenn wir, auf der Seite der Lebendigen, das
Menichenreich abgefondert auf dag Zhierreich folgen laffen, als
wenn wir, auf der Seite der Leblofen, das Drufenreich als das
erfte Neich vor dem Pflanzenreiche einführen.
Arbeiten
bes naturforfchenden Vereins zu Riga, redigiert von Dr. Müller und
Dr. Sodoffsky. Rudolſtadt bey Fröbel. Band I. Heft 1,
1847. 8, 114,
Mir haben fchon bey Gelegenheit der Anzeige des Gorrefpon-
benzblatt8 der gehaltreichen Arbeiten diefes fleißigen Vereins
gedacht, und können nun mit gutem Geroiffen fagen, daß die:
felben in dem vorliegenden Hefte an Wichtigkeit und Ausdehs
nung gewonnen haben. Es enthält 5 Abhandlungen aus der
Botanik, der Zoologie und Microfcopie, welche viel Neues ent—
halten, mit Sachkenntniß und Geſchick gefchrieben find und daher
als vermehrende, aufklärende und berihtigende Beyträge aner=
kannt werden muͤßen.
1) Dr. F. A. Buhſe: zur Flora der Oſtſee-Previnzen.
Der Verfaffer führt hier nah Bunges und Ledebours
Angaben 52 feltenere Gattungen auf, welhe in Fleiſcher und
Lindemanns Flora nicht aufgeführt find, meiftens mit An:
gabe des Fundortes. Die Oftfeeprovinzen enthalten 957 Phane:
togamen, worunter 225 Monocotyledonen und 732 Dicotyledos
nen, alfo wie 1:3, aus 97 Familien, worunter die Zuſammenge—
fsten 5, die Graͤſer 15, die Riedgräſer 75, die Hülfen,
Kreuzbiumen, Nofaceen und Scrofularien je „1; betragen.
2) ©.7. C. A. Heugel: über Nephrodium filix mas
in Bezug auf vorkommende Verwechfelungen mit ähnlichen Far:
renarten. ine Gefchichte diefer Gattung und ihrer Benam—
fungen; genaue Befchreibung derfelben, fo wie von N. dilata-
tum, spinulosum, eristatum, Athyrium filix fem.
3) ©. 23. B. U. Gimmerthal: Einiges über bie
Blatt: Welpen im Allgemeinen nebft einer Ueberficht der
693 £
Gattungs=Charactere und der in Liv» und Curland beobachte:
ten Arten.
Der Verfaffer fchildert hier da3 Ey, die Larve, Puppe und Fliege
nach allen ihren Theilen und Verhältniffen, befonders den Ader—
verlauf der Flügel, wobey eine Zafel derfelben ungern vermißt
wird, um fo mehr als in der ungemein zahlreichen und genauen
Claſſification darauf vorzüglih Rüdfihr genommen wird. Von
einem fo manchfaltigen Aderverlauf ift es unmöglich, ſich ohne
Abbildungen ein Elares Bild zu denken. Die Tabelle ift muſter—
baft, obſchon die Hauptfippen beffer durch den Drud hätten
herausgehoben werden koͤnnen. Es werden ihrer 13 aufgeführt
mit vielen Unterfippen. Nah der Zabelle folgen ©. 42. die
Blattwefpen jener Gegenden mit Befchreibungen, aud der Abs
änderungen, Es find ihrer 150 Gattungen.
4) ©. 61. Dr. W. Sodoffsfy: über die Metamorphofe
des Eng, der Raupe mit ihrem anatomifhen Bau, der Puppe
und des Falters, Ernährungs= und Fortpflanzungsart.
5) ©. 83. Dr. C. E. v. Merklin: das Microfcop und
feine Reiftungen. ine Geſchichte der Erfindung und der Vers
befferung dieſes in der neueren Zeit fo wichtigen Inſtrumentes,
fowie eine Angabe der wichtigften Entdeckungen, welche befon=
der3 in der neuern Zeit im Pflanzgen- und Thierreich damit
gemacht worden find.
Methodifcher Handatlas
zum gründlichen Unterricht in der Naturgefchichte für Schüler höherer
Lehr Anjtalten, ſowie zur Selbftbelehrung, von A, Menzel, Zürich
bey Meyer. Thierreich, Lief. III u. IV. 1846, 8 T. 11.
Diefes ift wirklich ein ſehr nüsliches Hülfgmittel für das
genauere Studium der Thiere, befonders ihrer Charactere, oft
felbft der Sfelete und der inneren Theile. Der Verfaffer hat
meiftens die beffern Abbildungen copiert und deutlich dargeftellt
mit guten Erklärungen der Theile.
Die beiden Hefte enthalten Tropidonotus natrix, ganz,
Skelet, Schädel, Beuteldrüfen und Eingeweide.
Crocodilus vulgaris et lueidus.
Hypochthon anguineus et Amphiuma didactylum ebenfo.
Seutigera, Geophilus, Polydesmus , Glomeris,, Cteniza,
Tegenaria, Scorpio, Phrynus, Thelyphonus, Galeodes,
Chelifer, Phalangium, 'Trogulus, Trombidium, Ixodes,
Nymphon, Pyenogonunm.
Squilla, Phyllosoma, Armadillo, Asellus, Bopyrus,
Gammarus, Phronima, Limulus, Argulus.
Echinus, Asterias, Lycoris,' Aphrodite, Sabella, Are-
nicola, Nais, Thalassema, Piseicola, Helluo, Gordius,
Planaria.
Taenia, Ligula, Diplozoon, Amphistoma, Üysticereus,
Coenurus.
Sepiola,
Bey den Snfecten und Gruftaceen Eönnten wohl mehr Buch—
ftaben ſeyn, weil nicht jeder die einzelnen Theile fogleich er
rathen kann.
Eitiologia della Provineian e Diocesi di Como
pr. M. Monti, Prof. Como pr. Ostinelli. 1846. 8. 35.
Schon Jovius und die ſpaͤtern Ichthyologen reden von
den Fifchen des Comerfees, laffen aber manden Zweifel über
die Gattung. Daher muß man dem’ Verfaffer Dank wiffen,
daß er genaue Unterfuchungen der Fifche diefer. Gegend ange:
ſtellt und die Älteren Ichthyologen verglichen hat. Wichtig hie-
bey ift e8, daß er die Volksnamen ‚mit aufführt. Es find da=
bet) viele critifche Bemerkungen und DVergleichungen mit andern
Schriftſtellern, über den Fang, das Gewicht, den Preis: und
dergleichen, nebft bezüglichen Stellen aus den ältern und ältejten
Schriftſtellern.
Auf dieſe Weiſe find aufgeführt 28 Gattungen.
Acipenser sturio, naccarii.
Cottus gobio, Cazzuola.
Blennius cagnota, Caguetto.
Lota vulgaris, Bottatrice.
Acanthopsis taenia, Ghisela.
Barbns fluviatilis, Barbio,
Cyprinus carpio, Carpione.
Tinca vulgaris, Tinca.
Phoxinus laevis, Fregarolo.
Chondrostoma nasus, Strigio.
Leueciscus pygus, Pigo.
Leueiscus pauperum, Triotto.
Cyprinus erythrophthalmus,
Scardola.
Aspius arborella, Arborella.
Clupea finta, Agone.
Salmo fario, Trotta di
fiume.
S. truta, Trotta.
T. thymallus, Temolo.
Esox lueins, Luccio.
Anguilla vulgaris, Anguilla.
L. cavedanus, Cavedine. Petromyzon planeri, Lam-
L. muticellus, Vairone. preda.
L. pagellus, Trullo. Ammocoetes branchialis,
L. scardinus, Truio. Lampreda.
Histoire naturelle des Poissons
par Cuvieret Valenciennes. Paris chez Bertrand.
XIX. 1846. 8 54. pl. 520 —
553. col.
Strasbourg chez Lévrault.
Die Parifer Sammlung erhält jährlich Beyträge aus, aller
Melt, wodurd, das Neue fi immer mehrt und dem Verfaſſer
Getegenbeit gibt, feine große Arbeit zu vervollftändigen. Diefer
Band enthält die Sippen Hemiramphus mit 27 Gattungen;
Exocoetus mit 34.
Dann folgen die zwifchen die Hechte und die Häringe gehoͤ—
renden Sippen; Chirocentrus 1, Alepocephalus 1, Chanos 7,
Gonorhynchus 2, Mormyrus 20, Osteoglossum 2. Ischno-
soma 1, Hyodon 4, Albula (Butyrinus) 9, Elops 3, Mega-
lops 3, Amia 10, Sudis4, MHeterotis2, Eiryihrinus 5,
Macrodon 6, Lebiasina 1, Pyrrhulina 1, Umbra 1.
Abgebildet ‚find:
Leueiscus duvaucelii.
Cobitis barbatulaj, chrysolaimus, biloptera, malapterura.
Balitora erythrorhina.
Poecilia sphenops, dominicensis.
695
NMollienisia latipinna.
yprinodon iberus, moseas. Tr
Fundulus coelicolus.
'Hydrargyra hispanica, vernalis. Das igpil 4
Orestias cuvieri, pentlandii, humboldtii, jussiei, agassi-
zii, albus.
Anableps gronovii, coaretatus, elongatus.
Esox estor.
Galaxias trutaceus.
Microstoma argenteum.
Stomias boa.
Panchax lineatum.
Vandellia eirrhosa.
Belone hians, erocodilus, annulata.
Scomberesox eamperi.
Trichomyeterus punctatus.
Eremophilus mutisii.
Bon Anableps ift eine anatomifhe Tafel gegeben.
Zeitfehrift für Malaco- Zoologie,
herausgegeben von Dr. Med. 8. Th. Menke, ©. 9. zu Pyrmont,
Hannover bey Hahn. Jahrg. 1. 1841. 8. 192. 1l. 1345. 198.
Ueber die Kerfe haben wir ſchon feit Menfchengedenfen Zeit:
fhriften; auch uͤber die Voͤgel feit ziemlich langer Zeitz; über
andere Thierclaſſen hat ſich noch feine hervorgemagt. Es war
daher ein kuͤhner Entfchluß vom Verfaffer mit einer folchen für
die Meichthiere bervorzutreten. Wir glauben aber mit ihm,
daß diefelben zahlreich und wichtig genug find: denn nicht bloß
in ſyſtematiſcher und anatomifcher Hinfiht wird jest ſehr viel
in diefer Glaffe gearbeitet, fondern auch und zwar vorzüglich in
geologifcher, fo daß es alfo Menſchen genug gibt, denen daran
liegen muß, fobald. als möglich zu erfahren, was auf diefem
Felde Neues hervorwächſt. Der Herausgeber ift auch der Mann
dazu. Er ſelbſt beſchaͤftiget fich feit feinem ganzen Leben damit,
hat eine der- größten Sammlungen und hat ſchon ſchätzenswerthe
foftematifche Arbeiten darüber herausgegeben, auch feine Biblio:
thek foll vollſtaͤndig feyn.
In diefer Zeitfchrift finden wir Auflage aller Art; vorherr—
fehend jedoch foftematifche. Woran eine gedrängte Literatur—
Gefchichte, fodann Auszüge von Büchern; eine Geſchichte der
wichtigeren Sippen und Gattungen umd zwar von den älteften
Zeiten, felbft von Homer und Hefiod, Characteriftif neuer
Gattungen; eine Uecberficht der MWeichthiere der Nordſee, mit
wichtigen Bemerkungen über die Helices,' welche Rinne aus
der Barbaren erhalten ufm. Die Schrift iſt reich am einer
Menge Eleinee Bemerkungen und Entdedungen und wird daher
den Kefern gewiß von großem Nutzen feyn. Sie fteht indeß
noch nicht auf der Höhe, welche fie erreichen Fann und muf.
Das Unatomifche und Phyſiologiſche ift bis jegt nicht hinlaͤng—
lich berlichfichtigt worden, und doch läßt ſich ohne daffelbe in
der Spftematif nichts mit Erfolg thun.
696
Hist. naturelle
des Helminthes ou Vers intestinaux, par. Felix Dujardin,
Prof. a Rennes. Paris chez Roret. 1845. 8. 654. pl. 12.
(Suites & Buffon.)
Der Verfaſſer hat fich durch feine vielen, meift microſcopiſchen
Beobachtungen als einen fleifigen und nachdenkenden Natur:
forfcher erwiefen, "und ſich vielen Ölauben erworben. Mie fein
Merk über die Infuſorien kaum eine Seite enthält, worauf
man nicht eigenen Beobachtungen und Unterfuchungen begegnet;
fo auch bey dem vorliegenden Werk, Es fehlt zwar feinen Glaf-
fificationen das philofophifche Princip: aber wen fehlt es nicht?
Daher wollen wir es aud nicht bey dem Verfaſſer verlangen,
ihm vielmehr dankbar feyn dafür, daß er ung: wohl überlegte
und verftändige empirifhe Eintheilungen gibt, wie. die Sranzofen
überhaupt, alſo ein fleißig gefammeltes und richtig und huͤbſch
zugehauenes Material, womit fi bauen läßt, Der Verfaffer
kennt alle neueren Arbeiten, felbft die einzelnen Abhandlungen in
englifchen und deutfchen Zeitichriften, ja die Artikel in Erſchs
Encyclopaͤdie, und er gibt überall darüber feine Beurtheilung
und Meynung ab. Das Buch enthält das ganze Syſtem der
Eingeweidwürmer wie zu ihrer Zeit die von Goͤze, Jeder,
Rudolphi und Delle Chiaie, ift aber mit allen neuern
Entdefungen und Anfichten vermehrt. Woran die Beſchreibung,
aber ohne den Character; die Eintheilung der Ordnungen oder
Zünfte; fodann der Sippen und Gattungen mit den Citaten,
der Größe, dem Wohnort um. Man findet bier viel neue
Gattungen. Er bat fich feit 20. Jahren mit diefer Unterfu=
bung befchäftiget und in diefer Zeit 1400 Wirbeithiere und
300 wirbellofe unterfucht, Cingeweidwürmer lebendig über 250;
Rudolphi 350, in der Wiener Sammlung 368 in 476 Gat-
tungen MWirbelthiere. Der Verfaſſer fcheint bey diefen Unterfu-
ungen nicht gehörig unterftüßt worden zu ſeyn. Mir wiffen
nicht, ob von Seiten der Negierung oder der Anjtalt. Das ift
übrigens eine Sache, worüber leider faſt jeder Naturforfcher zu
£lagen hat.
Nach einer Einleitung Über die Gefhichte (zu Furz), die Kenn:
zeichen, den Aufenthalt und die fchlimmen Folgen diefer Thiere
gibt er feine Claffification, die wir mittheilen,
A. Darm.
a. grad und vollftändig; Geſchlechter getrennt.
. Mund am Ende ohne Häkchen Cl. 1. Nematoides,
2. Mund an. der, Bauchfeite
ohne Häkchen. ı... » .»
b. Darm einfach oder. gabelig,
ohne After; Zwitter. . CI. 3. Trematodes.
B. Dhne Darm und ädhten Mund.
a. Geſchl. getrennt, Haut derb. Cl. 4. Acanthocephaler.
b. Zwitter, Haut weih. . . CI. 5. Cestoides.
Es ift fehe unrecht, daß der Verfaſſer diefe Ordnungen oder
Zünfte mit dem Namen Glaffen belegt; wie foll man am Ende
die Claſſen benamfen, wie viel Claffen haben und wie begründen 2
Dahin kommt man ohne philofophifche Principien,
Dann folgt der eigentliche Xert.
—
Cl. 2. Acanthothéques.
697
I. Nematoides.
1. Trichosomum, Thominz n., Eucoleus n. (Trich.
aerophilum), Calodium n. (plica), Liniscus, Trichocephalus,
Sclerotrichum.
2) Filaria, Dispharagus n. (Spir. laticeps), Spiro-
ptera (Physaloptera), Proleptus.
3) Eucamptus n., Dicelis n., Leptodera n.. Strongy-
lus, Pseudalius n. (inflexus).
4) Oxyuris, Ozolaimus n. (Asc. megatyphlon), Helig-
mus.n., Ascaris, Heterakis (vesicularis).
Dorylaimus n., Passalurus n. (Ox. ambigua). Atractis
n., Enoplus, Oncholaimus n,, Amblyura, Phanoglena,
Enchilidium, Rhabditis n. (Anguillula), Anguillula. .
6) Cueullanus, Sclerostoma n. (Strongylus equinus),
Syngamus, Angiostoma n., Stenodes n., Stenurus n. (C.
inflexus).
7) Daenitisn. (C. globosus), Ophiostoma, Dochmius
n. (Strong. trigonocephalus), Rictularia cristata. :
Appendix p. 281.
Stelmius n., Liorhynehus, Prionoderma, Cheiracanthus,
Gnathostoma, Lecanocephalus, Aneyracanthus, Hetero-
cheilus, Stephanurus, Hystrichis n., Hedruris, Crossopho-
rus, Odontobius, Tropisurus, Trichina, Mermis, Gordius.
II. Acanthotheques p. 299.
Pentastoma.
Ul. Trematodes p. 510.
Octobothrium, Diplozoon, Diporpa n., Axine (Hetera-
canthus), Polystoma.
Tristoma.
Aspidogaster, Amphistoma, Monostoma, Holostoma,
Tristoma (Cladocoelium, Dierocoelium, Podocotyle,
Brachyeoelium, Eurysoma, Brachylaimus, Apoblema,
Echivostoma, Crossodera).
Appendix p. 473.
Diplostomum, Cercaria, Bucephalus, Leucochloridium,
Aspidocotylus.
Peltogaster, Gyrodactylus, Myzostoma, Hectocotylus.
IV. Acanthocephales p. 483.
Echinorhynehus.
V. Cestoides p. 543.
Rhynchobothrius, Anthocephalus, Tetrarhynehus, Gymno-
rhynchus, Dibothriorhynchus,
Taenia, Bothriocephalus, Schistocephalus, Triaenopho-
rus, Bothridium (Solenophorus), Ligula.
Caryophyllaeus, Proglottis n., Scolex, Gryporhynchus,
Dithyridium,
Cysticereus, Echinococcus, Thysanosoma.
Fictitia p. 639.
Catenula, Vertumnus, Crinon, Diacanthos, Ditrachyce-
ros, Sagittula, Physis, Furia, Dipodium, Cercosoma.
Spermatozoides, Psorospermies, Acephalocystes.
Degli Insetti Carnivori
adoperati a disstruggere lespecie dannose all’ Agricoltura, da
A. Villa. Milano 1845. & 35. tav. col. (Spettatore IH.
ur. 19.)
Die Gebruͤder Villa ſind immer ſehr fleißig in der Beob—
achtung der Lebensart der Kerfe und machen von Zeit zu Zeit
Iſis 1847. Heft 9,
698
dieſelben bekannt. Der Verfaſſer hat ſeit 20 Jahren ſeine
Aufmerkſamkeit auf die Verwuͤſtungen der Pflanzen durch die
Inſecten gerichtet, und dabey konnte es an manchen neuen
Beobachtungen nicht fehlen. Hier werden nun viele ſchaͤdliche
Pflanzenfreſſer aufgefuͤhrt und ebenſo ihre Feinde. Abgebildet
find 22 Gattungen Raubkaͤfer, vorzüglich zu dem Zwecke, daß
diefelben von Gärtnern und Randleuten gefchont werden Eönnen.
Die erfteren graben befanntlicy zu ihrem eigenen Nachtheil nicht
felten Töpfe in den Boden, damit ſich die Naubfäfer darinn
fangen. Der Auffaß wurde veranlaßt durch eine Preisaufgabe
der Maylander Gefellfhaft für die Ermunterung der Künfte
und Handwerke, worinn vorzüglich DVerfuche verlangt werden,
um die Naubfäfer zu vermehren. Das ift eine kaum zu er—
wartende Hoffnung, theils weil diefe Käfer nur lebendige Thiere
angreifen, theils weil die meiften Pflanzen zerftörenden Kerfe
verftedt wohnen, Es wird wohl Fein anderes Mittel geben, als
die Fanghaͤfen aus den Gärten zu vertreiben.
Iconographie ornithologique.
Nouveau Recueil general de Planches peintes d’Oiseaux, pour
servir de suite et de Complement aux Planches enluminees de
Buffon et aux Planches coloriees de Temminck et Lau-
gier, accompagne d’un Texte raisonne, critique et descriptif,
publie par 0. Des Murs, Figures par A. Prevot et
Oudard. Paris chez Klincksieck. Livr. I—VI. 1845—47.
Gr. in 40.
Die größten Sammlungen von Vögel: Abbildungen find bes
Eanntli die im Titel genannten. Da nun Temmind fein
fhönes Werk nicht fortfegt, “fo ift allerdings dag gegenwärtige
Unternehmen an der Zeit, und es fehlt dem Verfaſſer dazu
weder an Gegenftanden noch an Kenntniß. Die beiden Maler
find? am Mufeo angeftellt und haben ſich ſchon hinlänglich
bewährt. Die Zeichnungen find auch offenbar fehr getreu; die
Vögel haben Federn und nicht Haare; Borſten und Fuffchup-
pen find mit Aufmerffamkeit gemacht und die Ausmalung ift
forgfältig und ſchoͤn; bey manchen Gattungen Schnabel und
Füße in Umriffen. Sedes Heft hat 6 Tafeln und 5—4 Bogen
Text, und koſtet 8 Franken für die Subferibenten, was uns nicht
viel zu feyn fcheint.
Voran der lateinifhe Sippen - Character nebft Bemerkungen
über die Unterabtheilungen, mit Angabe des Gefchichtlichen und
der zur Sippe gehörigen Gattungen; ebenfo find die Gattungen
behandelt, mit Angabe der Größe und einer ausführlicheren
Beſchreibung.
Die bis jetzt erſchienenen Hefte enthalten nun folgende Ab—
bildungen.
Aquila isidori.
Neomorpha gouldii.
Poephila mirabilis m et f.
Columba rivoli.
Merganetta chilensis, colum-
Platycercus phaäton n.
Jacamaraleyonides leucotis u.
Gallus lafayettii.
Zanclostomus diarldi.
Bucco punetatus, luteus.
biana. Pomaterhinus horsfieldii.
Haliaötus vociferoides n., Penelope pileata.
vocifer. Biensis typus (Rallus).
Icterus gularis, pectoralis.
Mesites variegata, unicolor.n.
Pernis torquata, rußicollis.
Psittacus amazoninus n.
Tinnunculus gracilis.
Scops portoricensis.
Picus erythrops.
Coracias caudata.
44*
689
Perdix bonhami. Merops lefebvrii n.
Ardea atricollis. M. nubicoides n.
Conurus acuticaudatus. Ortyx leucopogon.
Philepitta sericea, isidori n.
Sehr comifch nimmt e3 ſich aus, daß der Verfaffer in Her
Zueignung Sfidor Geoffroy St. Hilaire als den Bes
gruͤnder der parallelen Zbier »Glaffification anredet. Einem
jungen Mann wie Des Murs mag ſolche Unkenntniß ohne
Schaden hingehen. Allein dem Herrn J. G. muß es ſehr
unangenehm ſeyn, wenn er hier hingeſtellt wird, als wuͤßte er
nicht, daß das parallele Thierſyſtem ſchon ſeit mehr als einem
Viertel Jahrhundert in Deutſchland beſteht.
Linnaea entomologien.
Zeitſchrift, herausgegeben von dem entomologifchen Verein in Stettin.
Berlin bey Mittler. I. 1847. 8. 591. T. 2.
Diefe Zeitfehrift gebt raſch vorwärts ſowehl der Zeit als dem
Innhalt nad. Diefes Heft enthält 6 große wertnvolle Ab—
handlungen, welche die Wiſſenſchaft um Vieles vorwaͤrts brin—
gen, vorzüglich die Kenntniß und genauere Beſtimmung der
Sippen und Gattungen.
1) Dr. Suffrian in Siegen: Nevifion der europäifchen
Arten der Gattung’ Cryptocephalus. S. 1. Enthält voran
das Gefchichtliche, fodann die Sippen-Charactere, die Unterfippen
and die Gattungen fehr ausführlich befihrieben, bis jegt nicht
weniger als 67 Gattungen; Schluß im naͤchſten Band.
2) U. Förfter in Aachen: Über die Samılie der Myméi—
den. ©. 195, Ebenfalls eine genaue Beſchreibung der Sippen
und Gattungen dieſer microſcopiſchen Immen. Aufgefuͤhrt wer—
den die Sippen Ooctonus, Rachistus n., Litus, Leimaeis n.,
Gonatocerus, Dee, Anagrus, Polynema, Mymar,
Eustochus, Dorielytus n.; im Ganzen 42 Gattungen, wor:
unter nicht weniger als 23 neue und. critifche.
3) P. C. Zeller in Glogau: Die Argyreſthien. ©. 234. Eine
fehr gruͤndliche Auseinanderfegung dieſer Sippe mit mehreren
Unterfippen, wobey 26 Gattungen ausführlich befchrieben werden;
darunter 9 neue. Tafel.
4) Derſelbe: Die Gracilarien. ©. 303. Tafel. Von
diefer Abhandiurg gilt daſelbe. Es find 3 Sippen befchrieben:
Gracilaria, Coriscium et Ornix, mit fehr vielen Gattungen
und einer Tafel fehr genauer Abbildun.en des fehr zufammenge:
fegten Aderverlaufs der Flügel, vom Berfaffer felbft gezeichnet.
. Man vermifit ungern eine befondere Erklaͤrung der Abbildungen,
weil dadurch die Wergleihung fehr würde erleichtert werden.
Ueberhaupt follte am Schluß eines jeden Theils eine Nachwei—
I der Tafeln ftehen.
5) Prof. H. Löw in Pofen: über die europäifhen Raub—
| (Diptera asilica). ©. 384. Ebenfalls eine gründliche
und critiſche Abhandlung über die hieher gehörigen Cippen,
mworunter viele neue Gattungen.
6) Prof. Burmeifter in Halle: über die Mundbildung
ven Pedieulus &. 569. T. 1. Es ift merkwürdig, daß der
Mund der Käufe ungeachtet der microfcopifchen Nührigkeit bis
jet noch nicht gründlich unterfucht worden iff. Burmeifter
bat feine Gefebidlichfeit in diefem Fache [bon oft bewiefen, und
hat e8 auch wieder im vorliegenden Falle, wo er die Luͤcke aus—
fültt, welche Nisfch ben der Unterfuchung der Kieferläufe ges
laffen hat. Nach der Erwähnung des Gefchichtlihen zeigt er,
700
I
daß der von Swammerdamm und Nisfch angegebene
Bau der Mundfcheide richtig ſey; der Stachel aber oder Pfeil
nicht aus 4 Borften beftehe, wie Nigfch vermuthete; fondern
aus 4 hornigen Halbröbren, melde je 2 und 2 in einander
fteden, fo daß zwey als größeres Rohr die beiden anderen feine
ren umbüllen. Die innern Eonnen aus den aͤußern hervorgeſcho—
ben werden, nachdem letztere aus der fleifchigen Scheide hervorge—
treten find. Ihr Ende ift abgeftugt, etwas verdickt und am
Endrande gefnidt. Der Verfaſſer befchreibt nun ausfuͤhrlich
und bildet ab diefen Bau bey der Schweinslaus.
Fauna austriaen.
Die Käfer nah der, analytifchen Methode bearbeitet von Dr. &. Redten—
bader Wien. 1847. Seft J. 8, 160.
Dieſes Werk ift eigentlich die Ausführung von des Derfaffers
Gattungen der deutſchen Kaͤfer-Fauna, nad) derfelben Methode
und mit demfelben Fleiße, fo daß es eines weiteren Lobes nicht
bedarf. Die Form ift tabellarifh nach der Art, wie man
mehrere Floren befist, nehmlid in einer fortlaufenden Tabelle,
worinn dur) Zahlen auf das Machfolgende verwiefen wird;
eine Form, welche ung menigftens ‚viel unbequemer vorkommt,
ald diejenige, welche fi mit großen und £leinen Buchſtaben
hilft. Sie ift indefien gäng und gebe, und fo mag ein Wort
darüber unnuͤtz ſeyn. Wichtiger iſt indeffen wehl die Betrach—
tung, daß dadurch Die Weberficht der natürlichen Verwandtſchaft
verwifiht wird, und eine folche Form eigentlich nur dazu dient,
gefhwind den Namen der Pflanze oder des Thieres zu finden,
was wenigſtens auch ein Vortheil ift, befonders auf Ercurfionen
oder Reifen. In dieſer Hinfiche kann man die verliegende
Urbeit nicht anders als loben. In der Vorrede jagt der, Ver:
faffer, daß er zum Schluſſe noh die Gattungen befchreiben
werde, welche im übrigen Deutfchland vorkommen; beffer hätte .
er gethan, Diefe fogleich in den Stod des Werkes aufzunehmen.
Provincial= Saunen — von nun an nichts mehr enthalten
als ein bloßes Namen-Verzeichniß, etwa mit den Synonymen
und dem Fundort der ſeltenen. Die Gruͤnde leuchten von ſelbſt
ein. Ein Hauptgrund iſt aber der, daß doch in jeder Provinz
ziemlich alle Thiere vorkommen, welche fib in den andern finden,
und daß man demnach glaubt, eine Provinzial-Sauna müße voll
Luͤcken ſeyn, wodurch fie an Abnehmern verliert. Der, fleißige
DVerfaffer bat bloß im Erzherzogthum Deftreih 3500 Käfer ges
funden. Dabey hätten die übrigen deutfchen noch fehr wohl
Pag. Man muß aber Deutichland nicht naturwidrig ausdeh—
nen, 3. B. nicht über die Alpen hinüber, wo ein anderes Glima,
eine andere Vegetation und auch andere Menfchen vorhanden
find. Dagegen gehört das ganze Nheingebiet dazu und das
Ddergebietz was zur Weichſel gehört, follte man den Wohlen
laffen, welche ja auch eine Fauna und Flora werden haben
wollen.
Urbrigens ift das Buch gut gegliedert. Woran die Tabelle
zur Beftimmung der Familien, deren der Verfaffer 61 aufführt;
fodann ©. 9. die Tabelle der Sippen, an Zahl 748; ©. 63. die
Zabelle der Gattungen mit ben Gicindelen beginnend, und hier
mit Olibrius endigend Nr. 123.
fi
702
Bodrom
einer Monographie der böhmifchen Trilobiten, von J. Hawle, Kreis:
haupfmann des Berauner Kreifes, und A. Corda. rag bey Calve.
1847.. 4. 178. 3,7.
Menn fih die Angaben der Verfaffer bewähren: fo werden
ihre Entdeckungen Epoche in der Gefchichte diefer Thiere muchen.
Sie haben gefunden und abgebildet zufammengefegte Kiemenfüße
bey den Paradoriden, Gangfüfe und Scheeren bey Bronteus, auch
einen Saugnapf ander Unterfeite des Kopfichildes bey Para-
doxides, welcher außerordentliche Aehnlichkeit mit den Saus—
näpfen des Argulus foliaceus hat. Die Paraderiten find
verwandt den Galigiden, die Bronteiden den Sphaͤromiden, die
Phacopiden. den Seroliden, die Ddontopleuriden den Upodiden,
die Harpiden den Arauliden, welche lestere analogen Kopfoau
und fat gleihes Pygidium haben, fo daß fie faft nur durch
die Zahl der Leibestinge und den Bau der Augen verfcieven
find. Sig haben nicht weniger als 329 Gattungen in Böhmen
gefunden, moraus viele neue Sippen aufgeftellt und abgebildet
werden. Bey der Eintheilung nehmen fie auf das Zufammenfus
geln keine Ruͤckſicht, weil dergleichen faft in allen Sippen vor—
fommt. Die Eintbeilung gebt folgender Maafen:
Series I. Telejurides: Pygidium ganz und ganzrandig,
deffen Achfe manchmal in einen adyfenftändigen einfachen Dorn
verlängert ift.
Fam. 1. Paradoxides: Physacium n., Phanoptes n.,
Crithias n., Tetraenemis n., Goniacanthus n., Enneacnemis
n., Herse n, Acauthocnemis n., Acanthogramma n , Endo-
gramma n., Micropyge n., Kilipsocephalus, Selenosema n.,
Conocoryphe n., Piychoparia n., Ütenocephalus n., Ag-
raulos n., Staurognus n., Paradoxides.
Fam. 2. Selenopeltides: Selenopeltis n.
Fam. 3. Trinucleides: Polytomurus n., Ampyx, Trinuc-
leus, Tetrapsellium n,
Fam. 4, Phalaeromides: Phalacroma n., Selenoplichus,
Mesospheniscus, Diplorhina n., Condylopygen., Lejopygen.
Fanı. 5. lllaenides: Microparia n., Nileus, Symphysu-
rus, Dysplanus, Illaenus, Plaesiocomia.n.
Fam. 6. Bronteides: Bronteus, Cyclopyge.
Fam. 7. Phacopides: Alcesten., Ogygia, Asaphus,
Hemierypturus, Archegonus, Xiphogonium n., Proetus,
Phillipsia, Grifüthides, Goniopleura n., Oyphaspis, Cono-
paria n., Bolenus, Aulacopleura n., Calymene, Pharostoma
n., Homalonotus, Atractopyge n., Cybele n., Enerinurus,
Amphion, Odontochyle n., Phacops.
Seriesll. Odonturides: Pygidium [appig oder
gezähnt.
Fam. 1. Remopleuride:: Amphitrion, Remopleurides.
Fam. 2. Battoides: Arthrorhachis n., Peronopsis n.,
_ Battus, Pleuroctenium n,
Fam. 3. Thysanopeltides: Thysanopeltis.
Fam. 4. Pelturides: Dindymene n., Prionopeltis n.,
Asteropyge n., Metacanthus n., Peltura.
Fam. 5. Chirurides: Phacoparia n., Eccoptochile n.,
Actinopeltis n., Chirurus? Sphaerexochus.
Fam. 6. Lichades: Corydocephalus, Lichas, Dicrano-
peltis n., Acanthopyge n., Dieranogmus n.
Fam. 7. Odontopleurides: Odontopleura, 'Trapelocera n.
Arges, Ceratopyge n., Ceraurus.
Fam. 8, Harpides: Harpus, Harpides.
— —
702
Die Abbildungen in deutlichen Umriſſen, mit den Namen
bey jeder Gattung. Die Verfaſſer werden eine vollſtaͤndige
Monographie liefern.
Fauna der Vorwelt
mit ſteter Berückſichtigung der lebenden Thiere, monographiſch dargeſtellt
von Dr. C. ©. Giebel. Leipzig bey Brockhaus. I. Abth. 1. Säuge-
thiere, 1847. 8. 283.
Das wird ein vollftändiges Werk Über die WVerfteinerungen,
fleifig gefammelt und wohlgeordnet; jede Familie, Sippe und
Gattung characterifiert; bey der letztern ausführliche Gitate und
Spnonyme mit einer genauen DBefchreibung mit dem geognofti-
fhen und geographifchen Vorkommen. Der Verfaffer folgt im
Ganzen dem Syſtem von Cuvier, jedoch mit eigenthümlidyen
Abanderungen, und beginnt, wie e8 bier ganz recht ift, mit den
oberen Haarthieren. Es iſt befonders zu loben, daß er überall
auf die noch lebenden Thiere Nüudfibt nimmt, weil dadurch das
Berftandniß der verfteinerten leichter und ihre Stellung begreiflis
cher wird. Woran geht eine gedrängte Darftellung des Kno—
hengerüftes; fodann das Nöthige über das Alter und die Man:
nichfaltigfeit der Erdſchichten, mworinn folche WVerfteinerungen
vorkommen. Darauf folgt ©. 14. der befondere Text, auch
vom Menfchen mitgetheilt, was etwa hierher gehört, To wie das
wenige, was man von Affen gefunden hat. Fledermaͤuſe gibt
e8 auch nur wenig verfteinerte, die Naubthiere dagegen find fehr
zahlreih, was auch von den meiften folgenden Zuͤnften und
Sippfchaften gilt. Am Scluffe gibt der Verfaſſer eine Ueber:
fihr über die Zahl und die Verbreitung und das geognoftifche
Vorkommen diefer Thiere, nebft einem WVerzeichniß der Literatur
und einem Regiſter fo, daß alles in dem Buche beobachtet zu
ſeyn ſcheint, was zu deffen Benußug nur immer erforderlich
feyn kann. Wir zweifeln nicht, daß diefe Arbeit Anerkennung
und Beyfall finden werde.
Danmarfs Fifke,
beffrevne af H. Kröyer. Kiobenhaun 1846. IM.
fehnitte son Flinch.
Bon dieſem ausführlihen und gründlichen Werke haben wir
die erften Hefte ſchon angezeigt, und fonnen ung daher mit An-
gabe des Innhalts begnügen. Die Befchreibungen find in jeder
Hinfiht genau, beſonders die Maaße zahlreic) angegeben und
bey jeder Gattung eine critifhe Auseinanderfegung. Die Cha;
tactere der Sippen und Gattungen find jedoch offenbar zu lang
oder vielmehr, fie find ganz gut, aber es follte daraus ein kuͤrze—
ter Character gezogen und voran geftellt werten. In diefem
Betracht ift eg nicht qut, daß die neuere Zeit von Linnes
Verfahren abgegangen ift. Die dänifhen Namen koͤnnten auch
dev deutfchen Nomenclatur fehr nüslih fern; wenn man fie
mehr beruͤckſichtigte, als leider der Fall ift. Mir müßen über:
baupt alle germanifhen Sprachen als einen aemeinfchaftlichen
Schatz betrachten, aus welchem die Hülfgmittel zu nehmen find,
wenn fie im Privatſchatz fehlen.
Diefes Heft enthält die Gattungen 74—87 und zwar:
Osmerus eperlanus p. 1. Coregonus lavareius, oxy-
Mallotus arcticus p. 23. rhynehns. albula p. 55.
Thymallus vulgaris p. 35. Acantholepis silus p. 98.
8. | 320, Holz⸗
703
Esox lucius p. 236.
Belone rostrata p. 255.
Scomberesox camperi
p- 278.
Manrolieus mülleri p. 98.
Silurus glanis p. 121.
Clupea harengus, sprattus,
schoneveldii p. 138.
Alosa finta, communis p.202. —— 289
Engraulis encrasicholus ⏑
p- 221. Carassius vulgaris p. 293.
Aus der Entfernung der Seitenzahlen Eann man hinlänglich
ermeffen, wie viel Naum der DBerfaffer einer jeden Gattung ges
widmet bat. Cs ift bey jeder Gattung ein Hol;fchnitt, welcher
die Geftalt gut darftellt, und die einzelnen Theile fo gut, als
es bey der nöthigen Kleinheit der Abbildungen möglich if.
Unterfuchungen
über die Fauna peruana auf einer Neife während 1838 — 42, von
Dr. 3.3. von Tſchudi. St. Gallen bey Scheitlin. Heft VI-XII.
1846, kl. Folio. S. 33—316, und 80. und 35 Zafeln ill.
Dieſes Werk iſt nun geſchloſſen. Wir haben das Noͤthige
davon, beſonders die Einrichtung, ſchon bey den fruͤheren Heften
angezeigt und koͤnnen ſagen, daß es in ſeinem Werthe gleich
geblieben iſt.
Die Vögel gehen noch von Tafel 31 — 36. und enthalten
Penelope rufiventris, Crypturus Kleei, Odontophorus spe-
ciosus, Charadrius winterfeldti, Larus modestus, Merga-
netta leueogenys. Die Bearbeitung der Vögel ift von Caba—
nis, welcher noch viele Gattungen aufführt und beſchreibt.
Woran geht eine Ueberſicht aller bis jetzt entdeckten Vögel in
Peru mit Anführung der Schriftfteller, was ſehr nüslich ift.
S. 57. beginnt die ausführlihe Beſchreibung von Gattungen
aus folgenden Sippen.
Sarcorhamphus, Cathartes. J
Polyborus, Hypomorphnus urubitinga, Buteo, Circaetus,
Morphnus, Climacocereus (Trachypterus), Nisus, Harpa-
gus, Falco, letinia, Circus.
Noctua, Scops, Bubo, Otus, Strix. h
Nyetibius, Caprimulgus, Hydropsalis, Chordiles, Hi-
rundo.
Ampelis, Ampelion (Procnias cucnllata), Phytotoma,
Ptilogonys, Cephalopterus, Rupicola, Pipra, Psaris, Mio-
neetes (Museicapa rufiventris).
Scaphorhynehus, Tyrannus, Myiarchus (Tyrannula ),
Copurus, Blaenia, Leptopogon.
T'odus, Trieeus (Todirostrum), Platyrhynchus, Orchilus
(Euscarthmus), Colopterus, Euscarthmus, Leptocereus
(Lepturus).
Ptyonura, Ochthites (Museigralla).
Cyelarrhis, Thamnophilus, Formivora.
Pithys, Corythopis, Chamaeza, Conopophaga, Tinactor,
Cinelus, Grallaria.
Seytalopus, Cyphorhinus (Thryothorus), Troglodytes,
Turdus, Mimus.
Anthus, Setophaga, Myiodioetes, Sylvia, Hylophilus.
Euphone, Proenias, Procnopis, Callospiza, Tanagra,
Ramphocelus, Phoenisoma, Taehyphorus, Saltator, Cisso-
pis, Arremon.
Emberiza, Zonotrichia, Syealis, Phrygilus, Spiza,
Chrysomitris, Sporophila (Spermophila), Callirhynchus,
Coceoborus, Pithylus.
704
leterus, Sturnella, Cassicus; Cyanocorax.
Opetiorhynchus, Cillurus (Upucerthia), Copirostrum,
Daecnis, Certhiola, Diglossa, Xenops, Synalaxis, Anabates,
"Dendrocolaptes; Trochilus; Prionites; Alcedo, Galbula.
Coceyzus, Crotophaga, Trogon, Lypornix, Capito; Ram-
phastos, Pteroglossus.
Picumnus, Colaptes; Psittacus, Conurus.
Columba, Thinocorus, Odontophorus, Ortygis, Cryptu-
rus, Tinamotis, Crax, Penelope.
Oedienemus, Charadrius, Strepsilas.
Ardea, Nyeticorax, Mycteria, Platalea, Tantalus, Ibis,
Tringa, Actitis, Totanus, Scolopax, Rhynchoea; Rallus,
Crex, Gallinula, Fulica.
Himantopus, Phoenicopterus.
Sterna, Rhynchops, Larus, Procellaria, Haladroma,
Anser, Anas, Merganetta, Pelecanus, Dysporus, Haliaeus,
Tachypetes, Phaeton, Plotus, Podiceps, Spheniscus.
Abgebildet find hiervon:
Phrygilus plebejus; Arremon frontalis; Anabates
montanus, ochrolaemus, melanorhynchus; Dendrocolap-
tes validus, cunchotambo; Trochilus leucogaster, insectivo-
rus, otero. Lypornix rufocapilla. Capito glaucogularis.
Picus haematogaster, Conurus rupicola, mitratus, Psitta-
cus mercenarius, Columba frenata, meloda, gracilis.
Penelope rufiventris, Kleei; Odontophorus speeiosus,
Charadrius winterfeldtii; Larus modestus; Merganetta
leucogenys.
Dann folgen die Lurhe ©, 1—80.
Voran wieder eine fpftematifche Weberficht aller bekannten
aug Peru mit den Synonymen. Ausführlih werden dann be-
ſchrieben Gattungen aug den Sippen Dactyloa, Steironotus,
Scelotrema n., Steirolepis, Pychodeira, Liolaemus, Uro-
centron, Ütenoblepharis n. i
Diplodactylus, Discodactylus, Hoplopodion.
Callopistes, Cnemidophorus, Euspondylus n., Proctopo-
rus n., Trachylepis, Copeoglossum n.
Typhlops, Boa, Sphenocephalus, Zacholus, Liophis,
Psammophis, Lygophis, Lycodon, Dipsadomorphus,
Siphlophis, Dipsas, Ophis, Elaps, Echidna, Lachesis,
Crotalus.
Rana, Cystignathus, Cyeloramphus, Telmatobius, Colo-
dactylus n., Leiuperus, Bufo, Trachycara n., Phryniscus,
Anaxyrus n.
Abgebildet find: Scelotrema formosum, Ctenoblepharis
adspersa, Euspondylus maculatus, Proctoporus pachyurus,
Xystrolepis punetata, Copeoglossum einetum.
Sphenocephalus melanogenys, Liophis taeniurus, Lygo-
phis elegans, Oxyrrhopus semifasciatus, Siphlophis fitzin-
geri, Calechidna ocellata, Lachesis picta.
Cystignathus sylvestris, Colodactylus eaeruleus, Bufo
trifolium, Trachycara fusca, Anaxyrus melancholicus,
Bulo molitor.
Dann folgen die Fiſche ©. 1—35.
Der Neifende war bier unglüdlih, indem mehrere Sendun—
gen unterwegs zu Grunde gegangen find.
Befchrieben find: Pleetropoma pietum, macrophthalmos,
Corvina. delieiosa, minor, Otolithus peruanus, Haemulon
modestum, Pristipoma seapulare, Cheilotrema fasciatum,
Cheilodaetylus cinctus, Pomacentrus, Pimelepterus laevi-
705
frons, Caranx peruanus, Mugil rammelsbergii, Pyzidium
dispar, Chaetostoma (Loricaria) loborhynchus.
Ophidium blancodes, Balistes adspersus, Discopyge
tschudii.
Ubgebildet find: Cheilotrema fasciatum, Cheilodactylus
einetus, Pygidium dispar, Chaetostoma loborhynchus,
Ophidium maculatam, Discopyge tschudi.
Die Abbildungen find im Ganzen wohl gelungen, die Illu—
mination forgfältig, das Papier weiß und überhaupt die Aus:
fattung veihlih und gefüllig.
Naturgeſchichte der Vögel,
bearbeitet von Dr. 9 NR. Schinz, Prof., mit Abbildungen von
5. Kull. Zürich bey Meyer, Heft III. — VI. 1846.
T. B.—F. und T, 12—30.
fl. Folio.
Diefe ſchon tiederholt geruͤhmten Abbildungen ericheinen,
tie man fieht, ſehr raſch, und befriedigen daher ficherlich die
Münfche ihrer Abnehmer. Obſchon eigentlich fürs große Publi—
cum beftimmt; fo haben fie doh aud Werth für den eigentli-
chen Maturforfcher theils durch die gelungene Darftellung felbft,
theil durch die Auswahl der merkwürdigen Vögel, theils endlic)
durch die Abbildungen von Eyern und fonderbaren Neftern.
Die mit Buchſtaben bezeichneten Tafeln ftellen vor die Ent—
mwidelung des Kuͤchelchens und fonderbare Nefter z. B. von
Parus capensis, pendulinus, Sylvia macroura, cisticola,
resulus, troglodytes, Hirundo fulva, rustica, Museicapa
‚eristata.
Bon Vögeln find abgebildet:
Prionites momota.
Corvus frugilegus, cornix, corax, monedula, pyrrhoco-
rax, graculus, caryocatactes; faſt bey allen die Eyer und
von C. p. auch das feltene Neft.
Pica melanoleuca, gubernatrix, eyanea, eristata, infausta,
glandaria.
Dendrocitta leucogastra, Ptilorhynchus holosericeus,
Glaucopis temnura, Barita tibicen, Gracu!a religiosa.
Oriolus galbula mit Neft, regens, Coracias garrula,
Astrapia gularis, Pastor roseus, Sturnus varius, ludovicia-
nus, Paradisea superba, regia, sexsetacea, papuana,
_ Psarocolius baltimore, icteronotus, pecoris; Quiscalus
versicolor, Bombyeilla garrula: Buphaga erythrorhyncha,
Lamprotornis leucogaster, aeneus; 'Turdus saxatilis, cya-
heus, viscivorus, pilaris, musicus, merula, torquatus,
polyglottus; Pitta erythrogastra, granatina, Cinclus aquati-
cus, Menura superba.
Saxicola rubetra, rubicola, oenanthe; Malurus lamberti,
Sylvia hypolais, turdoides, palustris, trochilus, luseinia,
einerea, rubecula, sueeica, atricapilla, sialis, tithys, phoe-
nieurus.
Accentor alpinus mit Neft; Regulus ignicapillus; Troglo-
dytes parvulus; Pteroptochos albicollis.
Es find alfo auf wenigen Tafeln foviel Gattungen abgebildet
als Platz haben, obne daß deßhalb die Figuren zu £lein wurden
oder das gefällige Ausſehen wäre vermindert worden. Mir
zweifeln nicht, daß diefe Vorzüge nebſt der eiferigen Fortfegung
den Benfall des Publicums behalten werden.
Iſis 1817, Heft 9
706
Bon den Monographien der, Süugethiere deffelben Verfaffers
und an demſelben Orte
ift das Heft XVII. 1846 erſchienen. Es enthält das Kno—
Hengeruft des Tapirs und die Antilopen: A. hazenna, de-
pressicornis, rupicapra, pyrenaica, fureifer; fo daß man
alfo bald die große Menge der Antilopen beyfammen haben
wird.
Der Tert ift in beyden Merken fich gleich geblieben.
Catologo metodico dei Pesei europei
di Carlo L. Principe Bonaparte. Napoli. 1846. 4. 99.
Es wurden in der neuen Zeit die Fifche von ganz Europa
mit einem ungewöhnlihen Fleiße aufgefucht, beobachtet, unters
fchieden und befchrieben, fodaß man jest nicht bloß eine genauere
Kenntnig von ihrem Baue, fondern auch foviel neue Gattungen
darunter gefunden hat, daß fie wohl das Doppelte der alten
Gattungen betragen fünnen. Wenn man Spanien, Portugall
und Griechenland ausnimmt; fo wird es faum einen Fled in
Europa geben, in welchem nit neue Beobachtungen über die
Fiſche wären angeftellt „werden. Für Stalien hat der Prinz
felbft fein Möglichftes gethan, fat aus jedem Bach die Inn—
wohner zufammengebracht, und ſich auch befanntlich vaftlog mit
der Beftimmumg und Glaffification der Fifche befchäftiget, fo
daß wohl niemand anders beffer im Stande war, ein vollftändi=
ges und ficheres Verzeichniß der europaifchen Floſſentraͤger zu
verfertigen. Daſſelbe befriedigt auch alle: Forderungen, welche
an ein ſolches Verzeichniß gemacht werden fünnen, indem es
ſchoͤn, wohl geordnet und Überfichtiich gedruckt ift, die größeren
Aotheilungen duch die Ordnungen und Familien hindurch bie
zu den numerierten Sippen in der Mitte, die Gattungen abge:
jet, mit dem Aufiteller, den Synonymen, der Angabe einer
Abbildung und endlih dem Vorkommen. Es find überall die
neuen Abtheilungen: der alten Sippen angenommen, 3. B. die
Gadidae getbeilt in Subfamilien, und diefe in folgende Sippen:
Strinsia, Phyeis, Motella, Brosmius, Lota, Merlueius,
Uraleptus, Mora, Pollachius, Merlangus, Gadus, Raniceps.
Solche Auseinanderfogungen finden fi) faft bey jeder linneiſchen
Sippe. Die Gattungen find offenbar mit der vorfichtigften
Gritit geprüft und aufgenommen. Jeder, der fid nun mit
diejer Claſſe beichäftiget, kann diefes Verzeichuiß als einen ſichern
Leitfaden benugen und die Sammlung darnach ordnen, aud
denjenigen Gattungen nachforfchen, von deren Vorkommen in
feiner Gegend man noch nichts gewußt bat. Sippen find bier
aufgeführt nicht meniger als 276; darunter italiänifche 227,
brietifche 130, feandinavifche 1205 Gattungen 853, des füßen
Maffers 210, des Meers 643, des Mittelmrers 383; 40 gehen
in die Fluͤſſe.
Histoire naturelle des Inseetes.
Hymenopteres par le Comte A. Lepeletier de St. Far-
geau. Paris chez Roret. III. 1845. 8. 646. IV. par
A.Brulle, Prof.& Dijon. 1846. 680. (Suites a Buffon.)
Die vorigen Bände diefes wichtigen Werks haben wir ſchon
angezeigt Sig 1846. ©. 317. und mir brauchen daher jest
nur fortzufahren mit der Mittheilung des Syſtems.
45
707
Fam. XII, Les Crabronides.
Trib. 1. Les Cercerites: Cerceris, Philanthus, Psen,
Nysson, Bieyrtes.
Trib.2. Les Gorytites: Gorytes, Hoplisus, Euspon
gus, Lestiphorus, Psammaetieus, Arpactus.
Trib. 3. Les Mellinites: Alyson, Mellinus, Cemo-
nus, Pemphredaon.
Trib. 4. Les Crabronites: Stiemus. Crabro, Sole-
nius, Blepharipus, Ceratocolus, Thyreopus, Crossocerus,
Lindenius, Dasyproctus, -Corynopus, Physoscelus, Nitela,
Oxybelus.
Trib. 5. Trypoxylites: Trypoxylon, Pison.
Trib. 6. Astatites: Palarus, Dinetus, Miscophus, Tachy-
tes, Astata. j
Fam. XII. Les Bembecides p. 259: Bembex, Mo-
nedula, Hogardia, Stizus.
Fam. XIV. Les Sphegides p. 304.
Trib. 1. Les Pelopites: Pelopaeus, Podium,
Ampulex
Trib. 2. Les Doliechurites: Dolichurus.
Trib. C. Les Sphegites: Chlorion, Pronaeus, Dyna-
tus, Sphex, Ammophila, Coloptera.
Trib. 4. Pompilites: Aporus, Evagetes, Planiceps,
Salius, Mieropteryx, Calicurgus, Pompilus, Anoplius,
Macromeris.
Trib. 5. Pepsites: Ceropales, Ferreola, Pepsis, Pal-
losoma.
Fam. XV. Les Scolides p. 496.
Trib. 1. Les Seolites: Campsomeris, Scolia, Colpa,
Tiphia, Meria, Trigonalis.
Trib. 2. Les Sapygites: Sapyga, Polochrum, Thyn-
nus, Klaproptera
Trib. 3. Les Mutillites: Methoca, Plesia, Myrme-
codes, Myrmosa, Psammotherma, Apterogyna, Mutilla.
Schroderma.
Den 4. Band hat Brulle bearbeitet wegen des ſchwachen
Gefichts von Lepeletier.
Les Chrysides: Parnopes, Stilbum, Euchroeus, Pyria,
Chrysis, Pleurocera, Hedychrum, Elampus, Cleptes.
Les Ichneumonides p. 56.
Type 1: p.76. Las Pimpla. Rhyssa, Ephialtes,
Pimpla, Glypta, Lissonota, Meniseus, Polysphincta, Schi-
zopyga, Clistopyga, Trachyderma, Epimecis, Orthocen-
trus, Euceros, Bassus, Metopius, Xorides, Xylonomus,
Odontamerus, Echthrus, Banchus, Westwoodia, Exetastes,
Tropistes, Arotes, Acaenites.
Type 2. p. 133 Les Ophion: Osprynchotus, Lapton,
Ophion, Thyriodon , Ophiopterus, Paniseus, Campoplex,
Maecrus, Atractodes, Anomalon, Collyria, Podogaster,
Uremastus, Traehynotus, Porizon, Helwigia.
Type 3. p. 184. Les Cryptus: Macrogaster, Cryptus,
Phygadeuon, Mesostenus, Cryptanura, Christolia, Bary-
ceros, Nematopodius, Mesochorus, Hemiteles, Ischnoceros,
Pezomachus, Phytodietus, Cylloceria, Plectiscus, Hemi-
gaster, Agriotypus.
Type 4. p. 269. Les Ichneumon: Joppa, Pristiceros,
Trogus, Ichneumon, Ischnus, Crypturus, Stilpnus, Bra-
chypterus, Mieroleptes, Alomya, Mesoleptus, Megastylus,
Labium, Tryphon, Polyblastus, Exenterus, Exyston,
Exochus, Scolobates, Sphinctus.
— —
— —
708
Les Braconides p. 325.
Divisio 1. p. 333. Les Cyelostomes: Bracon, Vipio,
Myosoma, Syngaster, Megaproctus, Binarea, Heteropte-
ron, Rogas, Hecabolus, Hormius, Chremylus, Spathius.
Divisio 2. p. 476. Les Polymorphes: Opius, Perili-
tus, Meteorus, Rlıopalophorus, Streblocera, Leiophron,
Ichneutes, Blacus, Helcon, Eubadizon, Paxylloma.
Divisio 3 p. 4835. Les Areolaires: Agathis,
Mierodus, Microgaster, Acoelius, Mirax, Cardiochiles,
Trotieus.
Divisio 4. p. 510. Les Cryptogastres: Sigalphus,
Chelonus, Ascogaster, Phanerotoma, Rhitigaster, Acamp-
sis, Fornicia, Spinaria, Trachypetus.
Divisio 5. 515. Les Exondontes: Alysia, Chasmo-
don, Aenone, Dacnusa, Choroebus, Chaenusa, Coelinius.
Divisio 1. p. 518. bes Flexiliventres: Aphidius,
Ephedrus, Praon, Toxares, Monoectonns, Trioxys.
Les Evanides p. 522.
Evania, Brachygaster, Foenus, Peleeinus, Monomachus,
Stephanus, Megischus, Megalyra, Aulacus, Capitonius.
Les Chaleidites p. 547.
Divisio 1. p. 559. Les Leucospidiens: Leucospis,
Märres.
Divisio 2. p. 562. Les Chalcidiens: Chaleitella,
Epitranus, Chaleis, Phasgouophora, Conura, Halticella,
Dirhinus, Notaspis, Agamerion.
Divisio 3. p. 566. Les Eurytomiens:
Systole, Isosoma, Decatoma, Epimacrus.
Divisio 4. p. 586. Les Thorymiens: Megastigmus,
Palmon, Thorymus, Monodontomerus, Diomorus, Calli-
mone, Ormyrus.
Divisio 5. p. 571. Les Eucharidiens: Sirocerus,
Eucharis, Thoracantha, Galearia, Schizaspidia, Perilam- .
pus, Psilogaster, Cratomus.
Divisio 6. p. 574. Les Agaoniens: Agaon, Idarnes,
Blastophaga, Sycophaga. E
Divisio 7. p. 576. Les Spalangiens: Spalangia,
Cerocephala, Theoeolax.
Divisio 8. p. 578. Les Pteromaliens: Asaphes,
Maeroglenes, Calypso, Pyrene, Gastraneistrus, Mierade-
lus, Urolepis, Meromalus, Rhaphitelus, Psilonotus, Ormo-
cerus, Cyrtogaster, Pachylarthrus, Dieyelus, Toxeuma,
Sphegigaster, Prosodes, Syntomopus, Megorismus, Panste-
von, Paphagus, Coryna, Lamprotatus, Seladerma, Semio-
tus, Systasis, Isoeyrtus, Spaniopus, Pachyneuron, Micro-
melus, Meraporus, Metopon, Metastenus, Eunotus, Meri-
sus, Dipara, Norbanus, Eupsilocera, Pteromalus, Hetroxys,
Chiropachus, Macroneura, Prosopon, Trigonoderus, Me-
rostenus, Lelaps, Epistenia, Cea, Chryseidea, I;yeisca.
Divisio 9. p. 594. Les Eupelmiens: Cleonymus,
Stenocera, Platynocheilus, Notonisus, Calosoter, Eupel-
mus, Metapelma,, Prionopelma. Ü
Divisio 10. p. 597. Les Eneyrtiens: Erieydnus,
Chiloneurus, Cerchisius, Cereobelus, Eneyrtus, Aphelinus,
Coccophagus.
Divisio 11. p.599. Les Eulophiens: Trichogramma,
Pteroptrix, Elasmus, Entedon, Pleuropachus, Epiclerus,
Euderus, Lophocomas, Ophelimus, Eupleetrus, Elachestus,
Eulophus, Bellerus, Cirrospilus, Pentacladia.
Eurytoma,
709
*
Les Proctotrupides p. 606.
Divisio 1. p. 611. Les Diapriens: Diapria, Platy-
mischus, Cephalonomia, Aneurhynchus, Galesus, Coptera,
Paramesius, Basalys, Spilemicrus, Belyta, Cinetus, Isma-
rus, Helorus.
Divisio 2. p. 614. Les Proctotrupiens: Procto-
trupes.
Divisio 3. p. 615. Les Gonatopiens: Aphelopus,
Anteon, Chelogynus, Labeo, Myrmecomorphus, Embole-
mus,, Gonatopus, Campylonyx, Calyoza, Bethylus, Epiris.
Divisio 4. p. 618. Les Ceraphrontiens: Megaspi-
lus, Mierops, Calliceras, Ceraphron.
Divisio 5. p- 619. Les Platygastcriens: Baeus,
Hemisius, Gryon, Telenomus, Thoron, Xenomerus, Te-
leas, Macroteleia, Calotelea, Scelio, Sparasion, Platy-
gaster, Epimeces, Inostemma, Iphitrachelus.
Divisio 6. p. 623. Les Mymariens: Mymar, Oocto-
nus, Anaphes, Polynema, Litus, Eustochus, Anagrus,
Alaptus.
Les Cyripides p. 626.
Figites, Eucoila, Kleidotoma, Biorhyza, Anacharis,
Leiopteron, Peras, Aegilips, Onychia, Callaspidia, Cynips,
Allotria, Melanips, Anıphitectus, Ibalia.
Les Oryssides p. 638. Oryssus.
Les Urocerides p. 640.
Urocerus, Tremex, Xyphydria.
Les Tenthredines p. 648.
Divisio 1. p. 658. Les Lydiens:
Lyda, Tarpa, Pterygophorus, Lophyrus.
Divisio 2. p. 661. Les Tenthrediniens: Perreyia,
Heterarthrus, Fenella, Druida, Dictynna, Athalia, Campto-
prium, Aulacomerus, Tenthredo, Allantus, Dineura, Peec-
tinia, Waldheimia, Selandria, Dolerus, Nematus, Pristi-
phora, Cladius.
Divisio 3. p. 667. Les Hylotomiens: Pachylota, Hy-
lotoma, Schizocera, Didymia, Scobina, Sericocera, Blasti-
cotoma, Cephalocera.
Divisio 4. p. 671. Les Cimbieciens: Perga, Sizygonia,
Pachylostieta, Plagiocera, Amasis, Cimbex.
Es ift nicht zu billigen, daß der Verfaffer in diefem legten
Band p’öglic) die Terminologie verlaffen und die Namen:
Familia et Tribus weggelaffen oder andere dafür gewählt hat.
Auch blieb die Bezifferung der Sippen weg, wodurd die Ueber-
fiht und das Auffinden ungemein erfchwert wird.
Diefer Band hat noch einen andern Uebelftand, woran aber
der Verfaſſer unfhuldig ift. Dem Berleger wurde offenbar
das Merk zu weitläufig und daher drängte er den Verfaſſer
gegen dag Ende des Bandes den Tert abzufürzen, und daher
findet man von hier an bey den meiften Sippen nichts anders
gefagt als: Hat fo und foviel Gattungen. Uebrigens hat
Brulle fich feines Gefchäftes mit Eifer und Sachfenntnif
angenommen, und daffelbe fo gut erlediget, als eg unter den
obwaltenden Umftänden gefchehen Eonnte. Man bat nun wer
nigftens ein Werk Über die gefammten Sippen der Immen und
auch der meiften Gattungen. Ueberall, wo die Gattungen nicht
aufgeführt find, werden die Auffäge angezeigt, wo fie befchrieben
worden, fo daß man alfo doc) leicht nachkommen fann. Ein
Negifter über die Sippen aller Bände ift uͤberdieß fehr behülflich,
fo wie die Literatur hinter jeder Familie,
Xyela, Cephus,
710
Es ift nicht zu laͤugnen, daß die Beſchreibung der Gattun-
gen zu weitläufig ift, wodurch der Bauſch des Werkes zu groß
wurde. Das werden wir indeffen Alle gern entichuldigen, da
jeder Scheiftfteller weiß, wie wenig er anfangs abzufchäsen im
Stande ift, wie groß das Maaß feiner Gegenftände feyn darf,
um bis zum Ende gleichformig zu bleiben. Auch bat Lepele—
tier nicht bloß die Charactere der Gattungen unmäfig lang
gemacht, ſondern diefelben fogar wörtlich in franzöfifher Sprache
wiederholt, ein Uebelftand, wodurch feine 3 Bände fat zum
doppelten Bauſch ausgedehnt worden find, und 'man es daher
dem Verleger auch nicht übel nehmen fann, daß er einmal der
Sache ein Ende madyen wollte.
Deserizione di Genova e del Genovesato.
Genova 1846. 8. 182. 180. II. 542. III, 355.
In Stalien iſt die Gelehrten: Verfammlung eigentlich Sache
der Negierungen, wenigfteng wird Alles durch diefelben angeordnet,
und meiftens find Minifter oder Beamte von ähnlichem Rang
" Geſchaͤftsfuͤhrer. Die Verhandlungen werden prachtvell in
4. auf Koften der Regierung gedeudt und an die Mitglieder
verfchenet. Mitglied kann im Grunde jeder werden, der irgend
ein Amt hat oder der Mitglied einer Gelehrten- -Gefellfchaft ift,
deren es Hunderte in Italien gibt. Die Städte greifen nicht
minder ein als die Neyierungen. Sie geben wie in Deutfchland
defte, und laffen gewöhnlich eine Topographie prächtig drucken
und verfchenken. Meiftens wird eine Statue eines ihrer be—
rühmten Mitbürger durch Sammlung von Unterfchriften gefeßt,
fo in Pifa, Florenz, vielleicht auch anderwärts, in Genua die
Bildinule von Columbus,
Die vorliegende Topographie ift ein Prachtwerk.
Der erſte Band enthält die Maturgefchichte, der zweyte die
Menſchen-Geſchichte, der dritte die Kunftgefchichte.
Im erften Theil iſt die Topographie und Hpdrographie von
B. Pareto, eigentlih die Geologie, mit einer Charte des
Golfs vom Fürftenthbum Genua und einer illuminierten geog⸗
noſtiſchen Charte der Liguria maritima.
©. 143. ein Auffag über die Meteorologie von G. Gari—
baldi und $. Cioca bis ©. 180,
Dann folgt die Naturgefchichte, geleitet von Mar Spinola.
Das Pflanzenreih von G. De Notaris ©. 1—74. mit
einer Zafel in Folio. Ein Ueberblid und fodann ein tabellaris
ſches Verzeichnis. Darunter viele neue Meerpflanzen character
tifiert und abgebildet: Callithamnion vermilare, flagellife-
rum, Sphacelaria tribuloides, radicata, Bangia Aids boryi,
Dimorphotrichia intermedia, spectabilis.
©. 75. Die Zoophyten, von demfelben. Ein kurzes Verzeich-
niß mit einigen Bemerkungen über Sertularia pinnata, Cella-
ria pyriformis, Pherusa tubulosa, Tubulipora patina, minima.
Polytrema corallinum.
Die folgenden wirbellofen Thiere find alle bearbeitet von
Berany. Ein Verzeichniß der Actinien, Quallen, Echinoder=
nen, Krabben, Würmer, Weichtbiere mit dren- Tafeln ſehr fchö-
ner Abbildungen: Actinia verrucosa, rubra, concentrica
(cari), aurantiaca, rondeletii, maculata, careiniopados
(pieta), effoeta, bellis (brevicirrata), caerulea (viridis),”
cinerea.
Cerianthus actinioides.
zı
Stephanomia uvzria, Doliolum mediterraneum, Cestum
veneris, Bero& ovata, Callianira bialata, diploptera, Aleyno&
papillosa, Diphya boryi, Hippopodius luteus, Velella lim-
bosa, Porpita glandifera.
Callirho& basteri, Dianaea lucullea, proboscidalis, pileata?
Oceania phosphorica, Aequorea mesonema, forskalii, ris-
soana, Pelagia panopyra. Aurelia aurita, crucigera,
Cassiopaea borbonica, Rhizostoma aldrovandi.
Comatula adeone, Euryalus costatus, Ophiurae 6;
Asteriae 8; Echini 7; Holothuriae 5; Siphunculi 2;
Crustacea 108.
Würmer 357.
Girripeden 9.
Mufheln etwas -über 100.
Bracbiopoden 7.
Schneden gegen 300,
Gephalopoden 30.
Elysia (Actaeon) viridis, Pleurobranchidium Della
Chiaje, Doris paretii, Tritonia Costae. Lomanotus genei,
Janus spinolae, Histioteuthys rüppellii, Octopus cocco,
Enoploteuthys owenii. Außerdem find viele Gattungen näher
befchrieben.
Bey Sternaspis ift das der Mund, mas Dtto für den
After angefehen.
Vermetus hat zwey Kiemen, der Embryo hat eine helirartige
Schale mit einer Windung, und einen Fuß ohne Dedel.
Bey Elysia viridis ift die Deffnung am Halfe in der Nähe
des blattformigen Lappens nicht die Gefchlechtsöffnung, fondern
der After; dahinter eine Eleinere zum Einlaß des Waſſers zu
den Kiemen, Das männliche Organ ift etwas hinter dem
rechten Fühlfaden, dag weibliche hinter dem After an der Ber:
bindung des biattförmigen Lappens mit dem Hals. Ergießt
feinen Purpurfaft. Die Eyer find in einer gelblihen Schnur
und hängen an Felſen oder fchwimmen fpiralfürmig, 4—5’ lang,
1 und 4" did. Die embtyonifche Schale ift nautilusförmig
und das Thier hat einen Dedel viel Eleiner als die Deffnung.
Lomanotus fieht ziemlich aus wie Scyllaea; die Kiemen
bilden zwey zadige Haͤute längs dem Ruͤcken; Fühlfüden wie
bey Doris, Gefchlechtsöffnung rechts am Halfe, After auch
rechts, aber weit binten. Kopf fo breit als Leib mit einem
Stirnfchleyer, worauf jederfeit3 zwey Eleine Fühlfäden. Länge
6, Färbung voth mit weißen Düpfeln.
Janus mit Kiemen wie Eolidia, zwey Fühlfüden auf dem
Halfe, Eegelformig und nicht zurüdziehbar, vereinigt auf einem
dien Stiel. Augen dahinter, fehr Elein und ſtiellos. Beide
Sefchlechtslöcher in einem Hoͤcker vereinigt, rechts am Halſe,
After hinten auf dem Kreuz. Leib gelblich, Enden der Kiemen—
fäden blau; Länge über 4, Eyer in einer Meihe, in einer
gewundenen Schnur, 20” lang; in jedem Ey 45—75 Dotter.
Der Embryo hat eine nmautilusformige Schale und einen klei—
nen Dedel. Delle Chiaje hat das Thier abgebildet unter
dem Namen Eolidia. cristata.
Der Verfaffer hat 20 Gattungen von Doris, worunter 12
neu; 19 Eolidia, mworunter 15 neu; 31 Gephalopoden, wo—
runter 9 neu,
©. 111. Fifhe von Profeffor A. Saffi.
Der Prinz Carl Bonaparte gibt für Italien 470 Gat—
tungen an faſt foviel als Vogel; hier werden nur 210 aufge:
führt, Eönnen aber wohl auf 280 fteigen.
712
An ber Küfte im Sand Ieben Mugil, Clupea finta,
Labrax; in der Region der Meerpflanzen, worunter befonders -
Caulinia oceanica, dıe verfchiedenen ale, Serrani ete; im hohen
Meer oft 800 Meter tief die Squali, Polyprion cernium,
Pagellus centrodontus, Centrolophus pompilus,; Sebastes
imperialis, Brama raii, Dentex macrophthalmus. Dazu kom—
men Zugfifche, welche am meiften eintragen, wie die Scombri—
den und Giupeiden, Coryphaenen, Naucrates duetor; namentlich)
Thynnus vulgaris, alalonga, thunnina, breyipinnis, Auxis
bisus, Pelamys sarda, Scomber scombrus, colias, Caranx
trachurus, Clupea sardina, Engraulis encrasicholus et
amara.
Endlih kommen zufällig hieher Lagocephalus pennanti,
Thynnus pelamys, Lampris guttatus, Seriola bipinnulata,
welche eigentlich nur an den Papusinfeln wohnen. Neu entdedt
wurden Laeviraja bramante et Cerna macrogenys.
Nun folgt ein tabellarifches Verzeichniß mit der Zeit ihres
Aufenthaltes nach den Namen der Mundart; nur fihade, daß
die Namen nicht erklaͤrt find: denn es ift oft fehr ſchwer, die
Ableitung derfelben zu erkennen. Dann folgt ein Verzeichniß
nach dem Prinzen Carl Bonaparte.
©.149. Zurche, von demielbenz; nur 2 Schildfröten]:
Emys lutaria et Thalassochelys caretta, ſechs Echfen:
Podareis muralis, Lacerta agilis (stirpium), Thimon ocella-
tus, Ascalabotes mauritanicus, Seps chaleides, Anguis
Irasilis.
Sieben Schlangen: Coluber viridiflavus, Zamenis riccioli,
Elaphis quadrilineatus, Natrix torquata et tessellata,
Vipera aspis.
Sieben nadte Lurche: Hyla viridis, Rana esculenta, tem-
poraria, Bufo vulgaris, Salamandra maculata, Seiranota
perspicillata, Triton cristatus.
©. 150. Vögel vom Marchefe Carlo Duraszo.
Duerft ein VBerzeichniß nach den Namen der Mundart, die
leider auch nicht erklärt find; dann das foftematifche Werzeich-
niß. Die Zahl ift 343. Aufenthalt und Neſtbau iſt anges
zeigt; außerdem einige critifhe Bemerkungen: Abgebildet, find,
aber nicht illuminiert Turdus solitarius, Emberiza rustica
et schoeniculoides, Fringilla incerta juv. et adult,
S. 178. Hanrthiere von Saffı.
Nur 23 Gattungen, worunter offenbar mande Mäufe,
Spitz- und Fledermäufe fehlen: denn es find nur aufgeführt
Mus decumanus, muscenlus, sylvaticus, Arvicola savii, Sorex
araneus et ciliatus, Vespertilio cestoni, auritus, murinus,
daubentoni, serotinus et ferrum equinum. Wolf und Luchs
bin und wieder, Phoca vitulina et monachus, Rupicapra,
Delphinus delphis, Physeter macrocephalus, Balaenoptera
musculus; aud) Lepus variabilis et cuniculus.
Der zweyte Band enthält die Geſchichte.
©. 69. die Landwirthſchaft.
S . die Gewerbe.
. den alten Handel.
‚ den neuen.
. die medicinifche Topographie.
. die Wohlthaͤtigkeits-Anſtalten.
. das Kichen-Wefen.
. 947. die Gefeggebung.
. 424. die Schulen.
cheſtuͤhle.
96666666
Die Univerſitaͤt hat gegenwaͤrtig
©
RS
e
713
©. 449. Bürgerlihe Verwaltung. Innwohner 674,988 in
271 Gemeinden und 7 Provinzen.
S. 469. Ethnographie, vorzüglich die Bevölkerung der ein:
zelnen Drten, Häufer 22,716, in Genua 4903, mit 47,045
Männern, 50,576 Weibern, im ganzen Land 86,181 und
82,554. ©. 519 Einnahmen und Ausgaben, Wehrftand 33,000
im Krieg 142,000. nehmlidy im ganzen Reid.
©. 535. Mundart.
Der Band IH. enthält die Gefhichte der Kunft. ©. 355.
mit etwa einem Dugend Tafeln. Archäologie, Maleren, Bildne—
rey, Kirchen ungemein zahlreich, Palaͤſte, Wafferleitungen,
Brunnen, Univerfität, Academie der Künfte, Bibliotheken, Thea—
ter, Haven, Kranfenbäufer, Zeughaus, Paläfte der Privaten,
alte Münzen und Abbildungen,
Archives du Museum d’histoire naturelle.
Tome Ill. Livraison 1—4. 1843. 4. 616,
pl. 29.
Paris chez Gide.
Faft diefer ganze Band ift angefüllt mit einer Monographie
der Malpigbiaceen von Adrian von Suffieu, von S. 1—151.
und ©. 255. mit 23 Xafeln.
Das ift alfo ein ganzes Bud) und in jeder Hinficht vollſtaͤn—
dig; voran die Erklärung der Zafeln und der Bezifferung der
Theile, wozu der Verfaſſer meiftens die Anfangs-Buchftaben der
lateinifhen Benennung gewählt hat; es kommen aber auch
einige griecifche Buchſtaben und andere Zeichen dazu. Das
MWichtigfte bey der Bezeichnung derfelben Theile bey vielen Pflan=
sen iſt ohne Zweifel die Gleichformigkeit, welche man leider
bäufig befonders in. der Anatomie vermißt, Gut ift e8 aud,
wenn man den Anfangs-Buchſtaben des lateinifchen Wortes
wählt: aber viele andere willführliche Zeichen find ſchwer zu bes
halten. Die drey erften Zafeln ftellen vor Querfchnitte der
' Blüthentheile, Entwicklung des Samens, Haare, Drüfen, Zellge—
webe der Blätter und Durchfchnitte der Eletternden Stengel.
Die folgenden Tafeln zeigen Blüthen und deren Zerlegung ſehr
ſchoͤn, gezeichnet vorn Verfaſſer felbft und geftochen größtentheilg
vom Fräulein Zaillant, einige von Mougeot.
S. 17. Das Gefhichtlihe, welches nicht‘ älter ift als das
Jahr 1703. Die meilten, find im heißen America. Der Ber:
faffer befchreibt 550 Gattungen, fajt viermal fo viel, als man
15 Sabre vorher kannte. Dann wird die Blüthe befchrieben
nah 8. Schimpers Grundfägen über die Blattftellung in
Geigers Magazin für Pharmacie Band 28. 1829. (Sym-
phytum). Darauf das. Gewebe, die Drüfen, Haare ufw.;
Staubfäden, Groͤps und Samentheile fehr ausführlib, auch
die“ Verbildungen; endlich, die Blätter, Zweige und Stengel,
alles microfcopifch.
S. 135. fpriht er über die verwandten Sippen: Coriaria,
Erythroxylon, Acer et Aesculus. In der neuen Welt finden
fih 528 Gattungen, in der alten 55. Die Einleitung läuft
bis ©. 151.
©. 225. folgt das Spftematifche, Charactere der Familien,
der Abtheitungen, Sippen und Gattungen; daben die Citate, Vor:
fommen ufw.
A. Malpighiaceae .diplostemones.
a/ Apterygieae seu Malpighieae.
Malpighia, Byrsonyma, Burdachia (Carusia), Coleosta-
chysn., Lophanthera n., Pterandra n., Verrucularia n.,
Iſis 1847. Heft 9.
714
Galphimia, Spachea n., Bunchosia, Echinopteris n., Dicella,
Heladena n., Thryallis.
b. Notopterygieae s. Banisterieae p. 353.
Lophopterys n., Brachypterys n., Stigmaphyllon: Ry-
sopterys, Banisteria, Peixotoa n., Heteropterys, Tricomaria,
Acridocarpus.
c. Pleuropterygieae s. Hireae p. 493.
Tristellateia (Zymum), Hiptage, Triaspis, Aspidopte-
rys n., Triopteıys, Wetrapterys, Hiraea (Mascaguia),
Diplopterys n., Jubelina n., Dinemandra n., Dinemagonum.
B. Malpighiaceae meiostemoness. Gaudi-
chaudieae p. 588.
Gaudichaudia, Aspicarpa, Camarea, Janusia n, Schwan-
nia /Fimbriaria).
Non satis notae: Caucanthus, Platynema, Bembix.
Es ift nicht abzufehen, warum Apterygieae und nicht Ap-
terygiae ufw. gefchrieben wird, da ja diefe Namen nicht von
Sippen hergenommen find, ebenfo warum Brachypterys u. dgl.
©. 153 — 253. Slourens, Anatomie der Haut und der
Schleimhäute, mit Tafel 24—2I ill.
Sehr feine microfcopifche Unterfuchungeu, wie man fie von
dem gründlichen Werfaffer erwarten fann. Die Abbildungen
find ſehr fchon gemalt von Werner und fehr fein geftochen
und ausgemalt.
Allgemeine deutjche naturhiftorifche Zeitung,
im Auftrag der Gefellfchaft Sfis in Dresden und in Verbindung mit
mehreren Dresdner Naturforfchern, herausgegeben von & Tr. Sachſe.
Dresden bey Arnold, Jahrgang I. 1846. 8. 582. 10 Tafeln,
(2 Thlr. 24 n. Gr.)
Diefe Zeitſchrift Lift fi) gut an und wird hoffentlich Benfall
und Abſatz finden, da tüchtige Männer an der Spige ftehen,
da fie wirklich viel Lehrreiches enthält und offenbar mit Sorg—
falt und Einficht redigiert ift. Sie wird befonders in Sachſen
das Studium für die Naturgefchichte verbreiten und zu größes
rer Anerkennung bringen, theils weil die Mitarbeiter in Sachſen
allgemein befannt find, theils weil häufig fächfifche Gegenftände
befprochen werden und theils endlich weil die Behandlung in
den meiften Fällen wirklich für das größere Publicum paffend
ift. Uebrigeng verbreitet fie fich über die ganze Erde und über
alle Zweige der Naturgefchichte, vermeidet aber und zwar mit
Recht die höchiten und fchwierigften wiffenfchaftlihen Unterfu=
ungen, microfcopifche, anatomifhe und phyfiologifche Darſtel—
lungen u. dgl.
Diefer Band enthält eine ziemliche Anzahl von felbftftändigen
Abhandlungen, ebenfo Eurze Anzeigen von Büchern und endlich
allerley Eleine Dinge, auch Berichte Über Verfammlungen der
Naturforfcher, Über die naturhiftorifchen Anftalten und Samm—
lungen verfchiedener Laͤnder. Unter den erftern mehrere grofe
Auffäge Über die fteyerifchen Gebirgs- Formationen, befonders
der Alpen, von Dr. E. Leſche, über Polypen =» Bildungen und
Goralten-Bänfe an Cuba, über die Baru-Snfeln bey Sumatra
von F. A. Schurig; mehrere critifche Darftellungen von
Sacfe; über den Stand der Naturwiffenfchaften in Spanien
von M. Willfomm; über den Haushalt der Ameifen und
Bienen: Schaben von C. Nagel ufw. ine Ueberficht, ein
Sach- und Perfonen-Regifter erleichtern die Benugung.
45*
713
4) Weber den relativen Werth der Natur:
wiffenfchaften
für die formelle Bildung der Jugend, eine Nede von Profeffor D. ©.
Jaäger. Stuttgart bey Webler. 1846. 8, 22.
2) ee naturwiffenfchaftliche Unterricht auf
Gymnafien,
mit befonderer Nückficht auf die Zuftände im Königreich Sachſen. Zwey
Denkſchriften der Gefellfehaften „für Natur- und Heilkunde‘ und Iſis
in Dresden, verfaßt von Prof. L. Neihenbah und Prof. H. E.
Nichter, Dresden bey Arnold, 1847, 8. 187.
Klagen über Klagen gegen die MWiderfeglichkeit der Philologen
bey den wiederholten Bitten der Naturiwiffenfchaften um Einlaß
in die gelehrten Schulen; ganz fo, wie wir fie ſchon vor mehr
als einem Dugend Fahren ausgeftoßen haben in der Iſis 1829.
©. 1225. Alles vergebend. Bitten, Worftellungen, Zureden,
vernünftige und felbft augenfcheinliche Gründe wie Dampficiffe
und Dampfwägen helfen nicht, obſchon die Philclogen fehr gern
darauf fahren. Sie meynen, e8 finde fi ven felbft, wie man
bisiveilen auf einen Palimpfeft fällt. Diefer erfordert jedoch)
fange und wahrfcheinlich allein ehrwürdige Studien. Die na—
turwiſſenſchaftlichen Entdefungen aber fommen über Nacht und
fallen den Mükiggangern im Traume ein, fo daß diefe nicht
nöthig haben, auf Dampfwägen zu fahren, um auf Palim—
piefte zu fallen. Die Natur drängt fih überall von felbft auf
und braucht nicht gefucht oder gar unterfucht zu werden. Was
Gott gemacht, ift Allen klar; was aber Menfhen gemadt
haben, ift oft überichrieben und verlangt gut gefchliffene Gläfer
und allerlen chemifche Neagentien, welche bekanntlich aud) von
den Philologen nicht zuruͤckgewieſen werden.
Jaͤger fucht zu zeigen, wie die Naturwiffenfchaften auch zur
formalen Bildung beytragen und bey den Prüfungen auf den Gym—
nafien benußt werden fünnen, um die Fortfchritte der Schüler zu
ermeffen. 3 hat er mit viel Klarheit und Weblwollen für die
Sache dargeftellt. Gründe helfen aber hier nichts. Die Philos
logen werden nur nachgeben, wenn fie müfen. Die Gründe,
die fie angeben, find nur Vorgeben. Der einzige und eigentliche
Grund ihres MWiderftands ift, daß fie nichts von den Natur—
wiffenfchaften verftehen und fich daher ſchaͤmen, bey den Prüfuns
gen fchweigen zu follen. Das ift zwar eine unnotbige und daher
eitle Scham: denn niemand'mwird von ihnen verlangen, daß fie
mehr als jeder Gebildete von der Naturwiſſenſchaft kennen follen.
Das ift aber grade der kitzlige Punct. Sie bilden fih ein,
die Melt meyne, in der Philologie ftäfen alle Kenntnijfe des
Himmels und der Erde, und diefen Nimbus wollen fie ſich be—
wahren. Sie werden ſich daher auf ihrem wurmſtichigen Throne
wehren, bis er unter ihnen zufammenftürzt.
Ernſthafter nehmen e8 die fächfifchen Naturforfcher, und zwar
auf Veranlaffung ihrer Negierung, welche von den dortigen Ge:
fellfchaften ein Gutachten verlangt hat, alfo offenbar die Ein-
führung der Naturwiffenfchaften wuͤnſcht. Sie fegen den Phi:
tologen mehr als empfindlich zu, indem fie den klaͤglichen Zuftand
der Naturmwiffenfchaften und der Sammlungen felbft in dem
gelehrten Sachfen auf eine ſchmachvolle Weiſe enthüllen, fo wie
die Hartnädigkeit, womit die Philolonen felbft den Anträgen
der Negierung alle möglichen Hinderniffe in den Weg legen;
indem fie ihnen zeigen, wie andere Nationen, nebft ihrer freye—
ven Bewegung, vorzüglich den Naturwiſſenſchaften ihr Ueberge—
716
wicht in der Welt zu danken haben, und uns daher nicht mit
unrecht als bloß theoretifche Träumer, die es zu Eeinem practi=
fben Geſchick bringen, verachten. Jaͤger zeigt, daß auch die
Naturgefchichte zur formalen Bildung beyträat und die ort:
fihritte der Schüler beurtheilen läßt; die fächfifchen Naturfor:
ſcher, befonders außer den genannten, die Mitglieder der dorti—
gen naturforichenden Gefellfhaften verbreiten ſich über alle Fra—
gen, welche hier zur Sprache fommen fünnen, über die Methode,
die Hilfsmittel, die Stundenzabl, die Art und Menge der Gegen—
flände, die zu verlangenden Kenntniffe der Lehrer ze. Es ift recht
gut, daß die Sache einmal fo gründlich durchgenommen wird;
es fiheint ung aber, man muͤße in der Praxis nicht alles wollen,
und namentlid) feinen Goder aufitellen, theils weil man die Regie—
rungen und die Schulbehörden abſchreckt, theils weil die Durch—
führung eines vollftändigen Plans doch nicht möglich ift, felbft
nicht auf Univerfitäten. Man follte hierinn bloß individuell
verfahren und nichts anderes verlangen, als daß ein tüchtiger
Lehrer für Phyſik und Chemie, und einer für Naturgefhichte
angeftellt werde. Wie er e8 zu machen habe, follte man ihm
gaͤnzlich überlaffen: das muß man ja doch thun, welche Vor:
fhriften man ihm auch gegeben haben mag. Wer ann denn
feinen Geift nad) Vorfchriften umformen ?
Woher aber tüchtige Lehrer nehmen, wird man fragen.
Darauf dient diefelbe Antwort: man fann feine machen. Macht
aber nur Stellen, jedoch folchye, welche den Mann mit der Fa—
milie ernähren: dann werden fie ſich von felbft machen, ohne
daß ihr einen Finger zu rühren braucht. Wo viele Fabriken
find, da wachfen die Technifer und Chemifer aus der Erde
heraus. Uebrigens muß der Unterriht auf Gymnafien von
oben nach unten gehen, nehmlich vom Menfchen anfangen; auf
Univorfitäten umgekehrt. Lehrbücher für Schulen, welche nicht
diefen Gang befolgen, taugen nichts; daher ift auch das unferige
nichts nutz. Wir hätten es nicht fo fehreiben follen: allein
damals war uns. die Sache nit fo Flar wie fpäter, Der
Gymnaſial-Lehrer muß die Natur-Geſchichte analytiſch vortra=
gen, zerlegen, zeigen, demonftrieren; der Univerfitäts-Lehrer muß
fie fynthetifch vortragen, zufammenfegen, erzeugen, fchaffen;
jener ift Anatom, diefer Phnfiolog oder Philoſoph.
Seminarien flr die Naturgeichichte würden nicht helfen, ſon—
dern nur Mafchinen liefern, weil jetzt niemand mehr Zoologie
tehren Eann, ohne Philofopbie und Anatomie. Freylich hört
man mit Schreden allgemein über den Verfall der Univerfitäten
jammern: Studenten und Profefforen nehmen auf eine fchauer-
liche Weife ab. Wo vor 30, 20 und felbft noch vor 10 Jah—
ten ein Achtung gebietender Stock von gediegenen, weltberühms
ten Profefforen war; da fteben jest in jeder Facultät nur ein=
jelne Männer, vom Sturm ummeht, mit fpärlidyem Nachwuchs
meiftens in Uniform. Mißhandlungen, Sufpendierungen, Ver—
fegungen, Abfegungen, infperrungen, Werfümmerungen und
Vertreibungen haben das Genie und Talent von der academiz
fehen Laufbahn abgefchredt und der Technik und Chemie zuge:
führt; und mit Decretieren verwandelt man niemanden in einen
Profeffor. Freylich find es die Profefforen, welche am wenig:
ften geborchen. Wer foll aber der Willkuͤhr die Stange halten
und der Verdummung, wenn nicht die Profefforen, als eigens dazu
berufen? Mer MWiffenfchaft haben will und dem zufolge Blüthe
des Aderbaus und der Gewerbe, daraus Kraft und Anfeben des
Staats, endlich Ruhm bey der Nachwelt, der muß fich die An⸗
ſpruͤche und ſelbſt Launen der Muſen gefallen laſſen.
17
Denfidrift
zur Beyer des Kundertjährigen Stiftungefeftes der Naturforfchenden Ge
fellfchaft in Zürich. November 1846. Zürich bey Zürcher, 1846. 4.
Si 1
Aus dem Stiftungsjahre erfieht man, daß in Zürich ſchon
früher der Sinn für die Naturwiffenfchaften erwacht ift, wenig-
ſtens gehört eine hundertjährige Privat Gefellihaft unter die
erften, welde in Europa außerhalb Stalien gegründet worden
find. ° Der Veranlaffer der Stiftung war ein Dr. Heintid
Hahn, ſpaͤter Rathsherr; der eigentlihe Stifter aber der
Prof. der Phyſik
Gefner 1746. Er war Vorftand der Gefrliihaft bis 1790;
fodann Dr. 9. Cajpar Hirzel; 1803. Dr. und Prof. der
Phyſik Heinrih Rahn; 1812. Dr. Paul Ufteri; 1831.
Drofeffor Cafpar Horner; 1834. Profeffor Dr. H.Nudolf
Schinz.
Man ſchaffte Zeitſchriften und Buͤcher an, woraus nach und
nach eine ſehr reichhaltige Bibliothek entſtand; man kaufte auch
phyſicaliſche Inſtrumente und richtete eine kleine Sternwarte
ein; endlich ſelbſt einen botaniſchen Garten.
Eine ſehr werthvolle Mineralien-Sammlung der Stadt kam
in das Local der Geſellſchaft; am meiſten Gewicht wurde auf
die zoologifhe Sammlung gelegt; jest auf die Bibliothek, nach—
dem alles Uebrige vom Staat für die Univerfität angekauft wor:
den war. Diefe 3 Sammlungen find nah und nad fo ans
fehnlich geworden, daß fie neben keiner der mittleren Univerfitäs
ten ſich ſchaͤmen dürfen; befonders enthält die Bibliothek ziemlich
alte theureren Werke, welche zu einem umfaffenden Studium
der gefammten Naturgefhichte nöthig find.
Der Bericht enthält eine umftändlihe Gefhichte der Gefell:
fhaft ©. 1—33. Beygegeben ift ein. vollftändiges und fehr
nuͤtzliches Verzeichniß der Schriften aller Mitglieder, vom Lehrer
5. 5. Siegfried von ©. 1—58.
Bey diefer Secularfener wurden mehrere Vorträge gehalten,
wovon folgende dien gedrudt.
Ueberſicht
der geologiſchen Verhältniſſe der Schweiz von Dr. A. Eſcher von der
Linth; und über die Harmonie der Schöpfung von Dr. O. Heer.
Zürich. Ebd. 1847. 8. 48.
Der erſte Aufſatz enthaͤlt eine gedraͤngte Darſtellung des Al—
penbaus nach vieljaͤhrigen eigenen Unterſuchungen vom Verfaſſer
in einer auch der allgemeinen Bildung verſtaͤndlichen Sprache.
Der andere ©. 25. deßgleichen eine geſchichtliche Darſtellung
der Erdepochen nach den Verſteinerungen, wovon der Verfaſſer
5 annimmt: die Kohlen-Periode, die Salz-Periode, Jura-Pe—
viode, Kreiden: und Molaffen- Periode; zeigt, wie in jeder diefer
Perioden vollfommenere Organismen auftreten.
Den dritten Vortrag hielt Prof. Mouffon über die Elec—
tricität der Dampfbildung. Er ift abgebrudt in den Mitthei:
lungen * — Geſellſchaftt in Zuͤrich. 1847.
S. 1-1
am Chorherren-Stift Dr. Med. Johannes
718
Hbbandlungen
der nafurforfchenden Gefellfchaft in Zürich zur Feyer ihres Hunbertjähris
gen Zubiläums. Neuenburg 1847. 4. (Denkſchriften der allgemeinen
Schweizer Gefellfchaft VIII.)
Diefer Band enthält mehrere fehr wichtige Abhandlungen. mit
fehr guten Abbildungen und ſchließt ſich würdig an die ſchon
früber angezeigten Bände an. Die Züricher Geſellſchaft bat
während des Sabrhunderts ihres Beſtehens manche werthvolle
Abhandlungen herausgegeben. In der neuern Zeit find die Ab—
handlungen überall ftreng miffenfchaftlich geworden und daher
in den Kreis der academijchen Schriften rühmlich eingetreten.
Die erfte Abhandlung: Über die Bildung der Samenfaͤden
in Bläschen als allgemeines Entwidelungg » Gefeß, dargeftellt
von Prof. U. Köllifer S. 1-82 mit 3 Tafeln,
enthält fehr zahlreiche microfcopifhe Unterfuchungen über dies
fen fo wichtigen Gegenftand, befonders bey den niedern Thieren,
wo es oft fehwer ift, die Gefchlechter zu unterfcheiden. Der
Verfaſſer durch geht alle Thierclaffen bis zu den Quallen, Polypen
und Näderthieren herunter, mit Bezugnahme auf die Entdeckun—
gen und Anfichten feiner Vorgänger. Es wird abgebildet die
Entwidelung der Samenfäden von Helix pomatia, Caninden,
Testudo, Rana, Scorpio, Lumbrieus, Cassiopeia, Coma-
tula, Sertularia, Ophiura, Cirratulus, Sipuneulus, Teredo,
Salpa, Distoma, Megalotrocha, Pagzurus und anderer Krebfe,
Polyelinum, Nemertes, Botryllus, Planaria ete.
2) Bemerkungen über die natürlichen Werhältniffe der Ther⸗
men von Aix in Savonen, von Prof. U. Mouffon. ©. 1—48.
mit 3 Tafeln in Folio.
Eine geologifhe Schilderung nebft einem Verzeichniß der Ver:
feinerungen mit illuminierten Durchſchnitten und einer Charte
der Gegend am See von Bourget.
3) Ueber die Factorielle uf. mit der compleren Baſis m,
von Prof. 3.2. Raabe. S.1—19.
4) Einige Worte zur Entwidelungs-Gefhichte von Eunice,
von H. Koch in Teieft, mit einem Nachworte von Köllifer.
©. 1-31. mit 3 Tafeln.
Eine ſehr genaue Verfolgung von der Entmwidelung der Jun—
gen diefes Wurms, von dem der Verfaffer gefunden hat, daß
er lebendig gebärend ift. Dabey fehr reinliche Abbildungen in
Umtiffen auf Tafel 1 und 2. \
Prof. Köllifer gibt dazu ©. 13. das Geſchichtüiche und
zugleich die Entwickelung von Exogone oerstedii n., welcher
Wurm die Eyerſaͤckchen an der Bauchfeite des Leibes trägt, mit
Abbildungen auf Tafel 3.
5) Ueber Doppelfalze des chromfauren Kali mit der chrom
fauren Talferde und dem chromfauren Kalk, und Uber das Vers
halten der arfenigen Säure und des Stidorhyds zu dem chrom⸗
fauren Kali, von Dr. €. Schweizer. ©. 1—16.
6) Die neueren Algen: Spfteme und Verſuch zur Begrln-
dung eines eigenen Spftems der Algen und Florideen, von
Dr. C. Nägeti. ©. 1—120.
Diefes wird ein großer und gründlicher Auffag, wovon bie
jeßt nur eine feharfe critifche Beleuchtung der in der neueften
Zeit aufgeftellten Syſteme abgedrudt ift. Zuerft das Syſtem
von Harven 1841; ©. 24. das von SG. Agardh 1842;
©. 43. das von Decaisne; ©. 54. das von Endlidher;
©.68. das von Küsing 1343. Im nächſten Hefte wird
das Spftem der Verfaffers folgen. ;
719
Die Gefellfhaft hat nun auch mit dem laufenden Jahr
angefangen, herauszugeben:
Meittheilungen
der naturforfchenden Geſellſchaft in Zürich,
wovon bis in den April 4 Nummern oder 4 Bogen erfchienen find,
Darinn befindet fih der Auffas über de Electricitaͤt der
Dampfbildung, von Prof. Mouſſon. S. 1—16.
©. 17. Prof. Heer, einige Worte uͤber die verſteinerten
Käfer zu Deningen. 161 Gattungen in 63 Eippen, alle neu,
am meiften QBupreftiden und Hydrophiliden.
©. 18. Prof. Kölliker, Über die Structur und die Vers
breitung der glatten oder unmillführlihen Muskeln. }
©. 23. H. Hofmeifter, über die meteorologifhen Verhält-
niffe von Lenzburg. z
©. 37. Prof. Schinz, zoologifhe Bemerkungen über einige
Kerfe im heißen Sommer 1846.
©. 38. 9. Denzler, Ingenieur, Über die örtlichen Erdbe—
ben zu Eylisau.
©.41. Kölliker, über die Entozoengattung Gregarina ;
fen ein einfaches Bläschen ohne Mund und denncch ficherlid)
ein Thier.
©.48. Dr. A. Eſcher, über neue Petrefacten aus dem
Salzkammergut.
S. 49. Prof. H. Meyer, über Wachs-Modelle zur Em:
bryologie,
©. 52. Prof. W. Defhmwanden, über die Bewegung von
Fluͤſſigkeiten.
©. 61. Prof. Dr. Raabe, über den Werth eines beſtimm—
ten Integral aus der unbeftimmten Integral-Function gezogen ıc.
1847, 8.,
Tydschrift
voor natnurlijke Geschiedenis en Physiologie, door J. van der
Hoeven en W.H.E. de Vriese Xlı. 3. 4. Leiden by Lucht-
mans. 1845. 8. 163 — 291. tbb. 2—6. }Boekbeschouwing
p. 71 — 176.
Mit diefem Heft ift leider diefe gute Zeitfchrift gefchloffen.
Ein fo Eleiner Volkszweig wie der bolländifche, Fann unmöglich
eine wiffenfchaftliche Zeitfhrift aufrecht erhalten. Die Holländer
müßen fich in diefer Hinficht wieder an Deutfchland anfchließen
oder franzofifch fehreiben, wozu fie audy viele Neigung zu haben
fcheinen.
©. 163. Ein botanifher Ausflug des verftorbenen Split:
gerbers in Eurinam.
©.185. AU. A. Sebaftian, Prof. zu Gröningen, Bemer—
Zungen bey der Zerlegung einer Giraffe aus Nubien. 2. 2.
Nach dem Gefchichtlihen folgen Befchreibungen des Schaͤdels,
der Wirbel, der Gliedmaaßen mit ihren Muskeln, des Hirns,
der Verdauungsorgane und des Kreistaufs. Abgebildet find ein
Druchſchnitt des Hirns, die Mügen, Blinddarm und Keber.
©. 225. Dr. Jakob Molefhott, neue Beyträge zur
Kenntniß des feineren Baues der Lungen.
Der Berfaffer hat diefen Gegenftand ſchon in feiner Heidel—
berger Differtation: de malpighianis pulmonum Vesiculis
1845. mit Abbildungen behandelt, feitdem feine microſcopiſchen
Unterfuchungen fortgefegt und hier Manches darnad) berichtiget.
720
©. 233. Dr. A. Brants, über die Luftröhren in dem zu:
fammengefegten Auge der Gliederthiere. T. 3. ill.
Es find hier abgebildet Hirn und Augen von Musca do-
mestica et Dytiscus fehr vergrößert und deutlich vom Ver—
faffer ſelbſt gezeichnet.
Prof. J. van der Hoeven, Belchreibung von einigen neuen
oder wenig befannten ausländifchen Kaltern. Taf. 4, ill. Abge⸗
bildet find: Nymphalis edwardsii, Plusia duverneji, Catocala
dotata.
©. 257. 8. Dozy und H. Molfenboer, Benträge zur
Flora eryptogamica von Niederland. T. 5. 6.
Pilze aug den meilten Sippfchaften.
Abgebildet find: Agaricus leveilleanus, Ascophora chali-
dea, Aecidium glaueis mit mictofcopifchen Theilen.
©. 239. Prof. W. H. de Briefe: Myanthus landsbergii,
nova species Orchidearum.
Dann folgen Bücheranzeigen von verfchiedenen Werfen mit
ziemlich ausführlihen Auszügen. ,
Man muß wirklich bedauern, daß diefe Zeitfchrift eingegangen ift.
Rede
über das Grdächtniß, von Prof. H. Fr. Autenrieth. Tübingen bey
Fues. 1847, 8. 22.
Das Gedaͤchtniß ift eine der merfwärdigften geiftigen Thätig-
feiten, auf welcher genau genommen die Fortdauer des Bewußt—
fenng beruht, aber ebenfo ſchwer zu erklären ift, wie das Bewuß—
feyn felbft. Man bat von Eindrüden gefprochen, welche im Hirn
zurücdbleiben, woran wohl etwas feyn muf. Wie aber das
Bewußtſeyn diefe Eindrüde wieder auffuchen und finden fann,
das ift die fchwere Aufgabe.
Der Verfaſſer führt nun eine Menge Benfpiele von einem
merkwürdigen Gedächtnif- Vermögen auf, fowohl bey Thieren
als Menfhen. Der Verfaſſer fam nun auf den Gedanken,
das Gedächtnig mit den Schwingungen der Töne zu verglei=
chen, indem befanntlid) eine Saite zu tönen anfängt, wenn fich
ein mit ihrer Spannung harmoniſcher Ton vernehmen läßt,
fonft aber fchweigt. Ebenfo tritt die Erinnerung hervor bey
neuen Vorftellungen, welche mit einer früheren in. Verbindung
ftehen oder im Gegenfaß; auch beym Suchen eines vergeffenen
Mortes, indem man verfchiedene Vorftellungen probiert, wodurd)
man endlid auf eine geräth, welche mit der ehemaligen in
irgend einer Beziehung fteht. Dadey nimmt der Verfaffer
Schwingungen oder Undulationen des Nervennepes im Hirn an,
was freylicb noch eine fehr wenig befannte Sache ift, obſchon
dergleichen Undulationen gegenwärtig beym Lichte angenommen
werden. Wir glauben an feinen mechanifchen Proceß weder
beym Licht, noch viel weniger bey den geiftigen Verrichtungen,
fondern an einen dynamifchen Proceß, welcher bey fo feinen
Thaͤtigkeiten nur ein polarer feyn kann. Uns iſt jeder Empfin-
dungsact und felbft das Denken eine Entladung der, Hirn
Spannung, was alfo auch auf die Wiederholung des Denkens,
nebmlic auf das Gedächtniß angewendet werden muf. Def:
fenungeachtet halten wir die Erklärung des Verfaffers für eine
glüdliche Sdee, welche auf den redyten Meg führen Eann, indem
nicht ‚leicht eine größere Aehnlichfeit aufgefunden werden fann,
als die des Gedächtniffes mit dem Mitklingen dev Saiten.
HZ
Anzeigen.
In meinen Verlage ift erſchienen und durd alle Buchhandlungen Im Verlage von @. Frebel in Rudolstadt ist er-
zu bezichen: schienen:
Sauna der Porwelt Arbeiten
mit fteter Berückfichtigung der lebenden Thiere.
Donogranbit, darge NATURFORSCHENDEN VEREINS
von
Dr. & ©. Giebel,
Erſten Bandes zweite Abtheilung :
Die Vözel und Amphibien der Vorwelt.
Gr. 8, Geh. 1A. 10 or.
Die 1. Abtheilung : Die Säugethiere der Dorwelt, Foftet 16.18.9975
RIGA.
3
R edigiel
Ä
mit der dritten Abtheilung (Fifche) wird der erfte Band des Merfes, —
die Wirbelthiere enthaltend, geſchloſſen ſein. Der zweite Band wird
die Bliedertbiere, der dritte und vierte Band die Bauchthiere behan— Dr. Müller und Dr. Sodofsky.
deln. Jede Abtheilung Bildet ein in fich abgefchloffenes Ganzes.
—— — Ersten Bandes zweites left.
9 Bogen gr. 8 à Heft 3 ThiIr.
L. Pfeiffer,
MONOGRAPHIA HELICEORUN VIVENTIUN. ——
— ie Alexandri Lehmanni Beliquie botaniex, sive Enu-
3 en ren nei — meratio plantarum in itinere per deserta Asiae mediae
P ao : Ce >00 £ & * an
omnium hujus familiae generum et specium hodie cognitarum J
Fasc. I. Gr.8. 196. 10 gr. Scripsit Al. Bunge, Med. Dr. Botanices Prof. P. ©.
Diefes Werk, welches die Diagnofen von mehr als 2100 Arten Heliceen in Universitate Dorpatensi ete.
enthä ird 2 Ba ild ie in 5 bis 6 Heft e —
thalt, wird 2 Bände bilden, die in 5 bis 6 Heften ausgegeben werben, NB. Die zu diesem Heft gehörigen Abbildungen werden nach-
Leipzig, im Auguft 1847. geliefert.
£&. A Drodhaus ve Die Umfchläge diefer Zeitfchrift empfiehlt der Verleger zu wirk—
famer Befanntmadhung naturwiſſenſchaftlicher Anzeigen,
Seite
641,
653.
665.
673.
692,
Aunhalt der Iſis 1847.
Seller, italiänifche Schmetterlinge VIL. Zünsler. — Cho-
reutis. Pyrausta, Hercyna.
Wicdler, Heterogena, Penthina, Tortrix , Coceyx.
Sericoris, Aspis, Carpocapsa, Sciaphila. A
Trautvetter, zur allgemeinen Naturgeſchichte.
Bücher: Verein zu Riga, Methodifcher Handatlas von A. Men—
zel, Monti, Dalenciennes, Menke, Billa, Des
Murs, Linnaea entomologica , NRedtenbaher, Hawle
und Corda, Giebel, Kröyer, Tſchudi.
Seite
765.
Heft IN.
Bücher: Schinz und Kull, Bonaparte, Lepeletier und
Bruhle, Genova, Archives du Museum M., Sachſe,
Säner, Neihenbah und Richter, Züricher Stiftungsfeft,
Schweizer Denffhriften VIII., Züricher Mittheilungen, Hoe⸗—
ven und Vrieſe, Autenrieth. — In Heft VIII. ©, 616,
Nöggerath, ©. 632, Stannius.
Umſchlag.
Fauna der Vorwelt. — Pfeifers monographia etc. — Arbeiten
des naturforfchenden Vereins zu Riga,
J
1847.
Heft X
Bemerfungen
über die .auf einer Reife nach Italien und Sicilien beobachteten
Scmetterlingsarten von P. C. Zeller, VI.
(Fortfegung von Iſis Heft IX. pag. 673.)
Wickler.
Crocidosema noy. gen.
Palpi triangnlares, articulo apicali brevi.
Äntennae pubescenti- ciliatae.
Alae anteriores acutae, apice ocellari, speculo instru-
etae, maris sine ptychi costali; posteriores maris in
bası harba floccosa instructa, venae medianae furca bre-
vissima, vena transversa obliqua.
Genus hoe Paediscae affine differt ptychos defectu,
alarum posteriorum venis et barba basali.
Nomen a xg0xis (floccus) et one (signum).
Da außer der fonderbaren Haarflocke auf der Bafis der Me:
dianader, auch die Veräftelung der Adern eine Abweichung vom
gewöhnlichen Widlerbau zeigt, fo befürchte ich nicht, daß diefes
neue Genus in. die Gategorie der 70 Genera fommen werde,
morein neuerlich ein geſchickter Sranzofe die Wickler zu zerfpalten
gewußt hat. Grapholitha inquinatana mas zeigt zwar auf
der Medianader lange, ſchwarze, borftenformige Haare, gehört
aber. feinem übrigen Bau nach mit: Nebritana etc. zufammen,
283. (1.) Plebejanan. sp.
Deser. Alae anteriores longiusculae griseo-alhidae; area
basalis fuscescens postice angulata; macula anguli postiei
fusea triangularis; speculum oitidulum punctis 3 atris no-
tatum; macula. magoa fuscescens costalis postica lineolam
nigram supra speculum continet.
Das einzelne Männchen fieng ich bey Syracus am 12. May
auf einem Brachader bei der ehemaligen Neapolis.
Größe einer Eleinen Phoxopt. unguicana. Flügelgeftalt ganz
wie Phox. naevyana. Kopf hell ochergelb; Fühler braunlich, auf
der Unterſeite faferfpigig gezähnt. Nebenaugen deutlich. Zafter
mäßig fang, zuſammengedruͤckt, nach vorn dreyedig erweitert, mit
abwärts geneigtem, wenig aus den Haaren hervorftehendem End:
gliede; fie find ‚gelblich, an der Ceite des Ruͤckens nach vorn
mit einem: braunen Fleck; die Haare der Unterfeite: find brauns
lich. Ruͤſſel ſehr Elein. Beine bleichochergelblich, die 4 vordern
auf der Kichtfeite braunfledig; an den hintern find die 4zletzten
Fußglieder auswärts an der Bafis braͤunlich. Hinterleib grau
mit ziemlich langem, gelblihem Afterbufch.
Vorderfluͤgel mit fanft gewoͤlbtem Vorderrande durchaus wie
bey Naevana; der Vorderwinkel iſt deutlich, tritt aber wenig
hervor. Die ſchmutziggelbweiße Grundfarbe tritt nur im Mit—
telfelde hervor. Das Bafalfeld iſt gelbbraͤunlich, hinterwaͤrts
Iſis 1847. Heft 10,
dunkler und fcharf abgefchnitten; der Hinterrand bildet unter
der Mitte ‚einen Winkel, über welchem er etwas eingedrüdt ift.
Darauf folge die belle Grundfarbe, auf der Innenrandhälfte am
hellſten, befonders am Rande des Wurzelfeldes, auf der Vor:
derrandhälfte etwas verdüftert, Etwa von der Flügelhälfte an
ift der ganze obere Raum bis zur Spitze gelbbräunlich, wolkicht,
mit verlofchenen, dunklen WVorderrandfledihen und ebenſo verlo:
ſchenen, weißlichen — die ſich in ſchiefergraue Linien ver—
laͤngern; nur die 2 weißlihen Häkchen vor der gelbbraunen
Spige find. länger und deutlich. Die Flügelfpise wird unter:
waͤrts von einem weißlichen Rängsftrichlein abgefchloffen. -Ein
ſchwarzer Längsfteich feht uber dem Spiegelfled. Im Innen:
winfel iſt ein gelbbräunliches, ſchwarzfleckiges Dreyeck, an deffen
gegen den Mittelraum gemendeter Seite fich die weißliche Grunds
farbe bis zum Spiegelfled in ‚einer dünnen Linie verlängert,
Der weißlihe Spiegelfleck ift ziemlich groß, ruht auf dem Hin:
terrande, an dem er big zum Innenwinkel reicht, enthält 3 tiefs
ſchwarze Puncte über einander und wird auf beiden Seiten von
zwey glänzenden, weißlichen Linien eingefchloffen, die am Sinnen:
winkel zufammenfließen. Die Franzen find heilgelblichgrau, vor
der Bafis mit fhwärzliher Linie und über der Spitze brandig.
Hinterflügel hellgrau, auswärts wenig verdunfelt, gegen dag
Licht gehalten mit deutlihem Aderlauf. Auf der Medianader
befindet fich, nicht ganz weit von der Baſis anfangend, die merk:
wuͤrdige Daarflode, welche die Hälfte der Entfernung von der
Bafis bis zum erften Afte der Ader einnimmt; fie befteht aus
einer dichtgedrängten Maffe weicher, ftaubgrauer Haare, die fich
etwag gegen den Innenrand neigen und an der Spike gegen den
Boden kruͤmmen. Die Querader fteht ſehr fehief und trifft die
Medianader in der Mitte zwifchen dem erſten Afte und ter
Gabelfpaltung; die Gabel ift ſehr klein. Franzen ſehr licht
grau mit dunkler Linie vor der Baſis.
Unterfeite der Vorderflügel braungrau mit weißlichem Innen—
rande und 5 Paaren gelblicher,: verfloffener Vorderrandfleckchen,
die einwaͤrts kleiner und undeutlicher werden. Die Franzenbafis
bildet cine gelbliche, feine, Rinie um ıden Hinterrand. Hinter:
flügel weißlihgrau, am Borderrande verlofchen grau quergeftrichelt.
Paedisca.
384. (1.) Fultana n. sp.
Capite, thorace 'alisque anterioribus ochraceo -pallidis; .
fasciis harum duabus lateis, irregularibus, introrsus obli-
quis, in dorso incrassatis (mas, fem.).
Sie hat im männlichen Geſchlechte den Umfchlag des Vor:
derrandes, ift alfo eine Achte Paedisca. Unter allen mir be-
fannten Arten zeichnet fie fih dadurd aus, daß von dem dun—
keln Innenwinkelfleck aus, die ihm als Fortfeßung angehängten
46
723
Flecke ſchraͤg auswärts und nicht einwaͤrts gehen, fo daß alfo
die dadurch entftehende unregelmaͤßige Binde der erften ziemlic)
parallel ift und ſich oberwärts gegen den Hinterrand neigt.
Außerdem gehört der Wicler zu den größeren im Genus, und
feine blaffe, fablgelblihe Grundfarbe mit lehmgelben Zeichnungen
kommt feiner ächten Paedisca nahe.
Größe einer £leinern Parmatana. Rüdenfhild, Kopf, Zafter
und Grundfarbe der Vorderflügel ſehr bleich Fahlgelblich. Taſter
dreyedig, zufammengedrüdt, etwas hängend mir kurzer Spitze.
Fuͤhler gelblich, unten dunkel geringelt, beiderſeits zart gezaͤhnelt,
beym Weibchen noch zarter. Beine fahlgelblich, auf der Licht—
feite gebräunt mit weißlichen Puncten an den Enden der lie:
der. Hinterleib gelblichgeau mit hellgelblichem Afterbuſch.
Vorderflügel ziemlich geftredt mit deutlichen Vorderwinkel,
bleichgelb, ſchwach weißlich glänzend mit lehmgelblichen Fleckchen,
beſonders am Vorderrande beſtreut. Das Wurzelfeld mit einigen
verloſchenen Querſtrichelchen. Die erſte Binde iſt ziemlich
ſchinal; fie ruht, als Begränzung des gewöhnlichen Wurzelfel—
des, auf dem Innenrande, iſt ziemlich gerade, ſchief nach außen
gegen den Vorderrand gerichtet, am Anfange verdickt und dun—⸗
kel, dann durch die Subdorſalader durchſchnitten oder doch an
der Stelle ihres Durchganges verengt, nach oben blaͤſſer wer—
dend und vor dem Vorderrande aufhoͤrend, auf welchem 2—3
ungleiche, lehmgelbe, genäberte Fleckchen als ihr angedeutetes
Ziel betrachtet werden Eönnen. Die Vorderflügelfalte reicht nicht
bis zw ihnen, beträgt alfo nicht 4 der Vorderrandlänge, Das
große, Iehmgelbe, einwärts befonders dunkle Innenrand-Dreyeck
am Sinnenwinfel hat aus der Spike einwärts eine fchmälere,
blaͤſſere, bandförmige Fortfegung, welche ihre Richtung faft auf
den Vorderwinkel zu nimmt, aber vor demfelb'n ploͤtzlich ver—
duͤnnt in den Vorderrand ausläuft. Vor diefer unregelmäßigen
Binde liegt ein Iehmgelber, Eleiner Fleck und mehrere verlofchene
Strihelhen auf dem Vorderrande. Aus der Slügelfpige und
von den Franzen kommt ein gebogenes, lehmgelbes Fledchen,
an welches fich eine gefchlängelte mehr oder weniger unterbrochene,
blaffe Linie als Fortſetzung fhließt, die bis in die Nähe des
Snnenwinfels reicht und hier auf beiden Seiten —- im fonftigen
Spiegelfelde — matt glänzend gefäumt ift. Die bleihen Fran:
zen haben an der Baſis eine dunflere, in der Mitte verftärk-
tere Linie.
Hinterflügel dunfelbraungrau, gegen bie Bafis lichter; Franzen
ſchmutzig weißlich, nahe der Bafis von einer grauen Linie durchs
zogen; gegen den Hinterwinkel find fie grau.
Unterfeite braungrau, am dunkelſten und braunften auf ben
Vorderflügeln, ringsum an den Rändern bleihgelb. Der Vor:
derrand der Vorderflügel ift ftriemenartig blaßgelb, gegen den
Vorderwinkel erweitert und vor demfelben mit 5 gelbbräunlichen
Fleckchen gezeichnet, die in Größe und DeutlichEeit gegen innen
abnehmen. Die bleihen Franzen haben vor ‚der Mitte des
Hinterrandes ein braunliches Querftrihelhen und darüber ein
paar verlofhene Puncte, als Theile einer unterbrochenen Linie.
An den Hinterflügeln ift der Vorderrand breiter gelblich, aber
einwaͤrts nicht fcharf begranzt. Franzen heller als auf ber
Dberfeite. — Das Weibchen hat kuͤrzere Flügel und einen
langen, dien Leib. Der Schmetterling verwifcht ſich leicht,
aber die Brucftüde der ziweyten Binde, und mithin auch deren
ausgezeichnete Richtung bleiben immer fichtbar.
Drey Männhen, 2 Weibhen am 9., 16. und 17. Juny
bey Syracus in der Nähe des Kapucinerkloftere auf Kalkboden
aus Difteln geklopft, in denen ihre Raupen wahrſcheinlich leben.
— — 724
-
Zwey Männchen find ſehr fhön, die andern Eremplare find
mehr oder weniger verwiſcht.
285. (2.) Cirsiana Z.
Entomol. Zeitung 1843. ©. 150.
Sifher v. Roͤslerſtamm Bentr. tab. 64. fig. 6. (Scu-
tulana) ©. 180.
Es ift befremdend, daß diefe Art fo weit nah Süden vor:
kommen foll; allein eine ſehr forgfältige Prüfung laßt mic
nicht daran zweifeln, daß Cirsiana auch bey Syracus an Difteln
auf den fumpfigen Syracawiefen lebt. Das am 19. May ge:
fangene Männchen bat nur etwas breitere Worderflügel als
meine deutfchen Eremplare und es gehört nicht zu den aller:
dunkelften. Das Weibchen, gleichfalls breitflüglig, doch fo wie
ih e8 auch in der Sammlung habe, ſtimmt mit den dunfelften
Exemplaren aufs Scönite überein. Es weicht nur dadurch
ab, daß das vorlegte Häfchenpaar am Vorderrande der Worders
flüge fehlt.
286. (3) Cnieicolana nov sp. »
Am 7. Juny fieng id an der nämlichen Stelle 2 Männ⸗
hen, von einer der vorigen nächft verwandten Art. Sie find
fo Elein, daß ihnen keins meiner Cirsiana- Männhen- darinn
gleihfommt, ein wenig Über Paed. graphana. Ihre Vorder:
flüget find erheblich geftredter, alg bey Cirsiana, übrigens aber
in Dunkelheit und Zeichnung mie diefe. Der Innenrandfleck ift
faft veinweiß, und fein Innenrand bildet einen fanften, gegen
die Bafis converen Bogen ohne Wellen. Sm Spirgelfelde ſteht
in der Höhe der davor befindlichen, fonft ausgezeichnet dunfeln
Ede des Innenwinkelflecks, die hier verlofchen und ſchwer wies
derzuerkennen ift, ein tiefſchwarzes Längsſtrichelchen, und in
einiger Entfernung darüber ein ſehr Eurzes, punctähnliches. Die
Vorderrandhaͤkchen haben nichts Abweichendes; auf der Unterfeite
find 5 Paure.
287. (4.) Mollitana n. sp.
Ein Meibchen fieng ich an demfelben Tage mit Cnicicolana,
das aber nicht zu ihnen, auch nicht zu einer der befannten näd)-
ften Arten gehören kann. Es hat die Größe und Flügelbreite
einer Eleinern Brunnichiana, und zeichnet ſich fogleidy dadurd)
aus, daß der dunkle ISnnenwinkelfled gegen das Spiegelfeld zu
eine fo wenig wellige Nandlinie hat wie Similana. Von diefer _
trennen fie der verfchiedengeformte Hinterrand, der unter der
etwas vortretenden Spitze fanft eingedruͤckt ift, die auf der Vor:
derrandhälfte mehr einfarbige dunkle Grundfarbe, das legte Paar
Vorderrandhäkchen, wovon das der Spise nächfte viel größer
als fein zugehöriges und mie ein Eleines Fledichen ift, und das
bellere, weißliche Spiegelfeld. Eben das ftärfere Wortreten der
Flügelfpige gibt auch den ſichern Unterſchied von Brunnichiana,
Cirsiana, Scutulana ete. Der Kopf ift bräunlich, lehmfarben,
auf dem Geficht heller; die dicken, zufammengedrüdten Zafter
find unten und an der Spige bräunlich, einwärts hellgelblich,
außen graugelblih. Die Vorderrandhälfte der Vorderfluͤgel ift
gelbbraun mit Sciefergrau gemifcht. Der Innenrandfled ift
weißlich, nur einwärts ſcharf begränzt, von mehrern bräunlihen
Wellen durchzogen; das Schildfeld ift ſchmutzig weißlichglänzend,
im obern Theil mit 3 fteichähnlichen Fhwarzen Puncten: Bon
den Vorderrandhäfchen find auf der Unterfeite 4 Paar deutlich,
wenn auch einwärtg verlofchener. Die Franzen um den Innen—
winkel find auf beiden. Seiten fhmusig gelb. — Ein andıes
725
Meibchen, das beſonders an den Franzen befchädigt iſt, fieng
ih fhon am 19. May; es gehoͤrt fehr wahrſcheinlich mit Mol-
litana zufammen, bat aber Aehnlichfeit mit unferer in Gebirgen
mohnenden Hepalicana. Wie an diefer und der Mollitana
find die Tafter gefärbt und geftaltetz der Kopf ift roftgelber als
bey Mollitana. Die Vorderflügel find auf der Vorderrandhäffte
dunfeler alg bey Der Mollitana ; braun und fhiefergrau ges
miſcht, worinn ſich bloß die dunfelften Zeichnungen bemerflich
muchen. Der dunfelbraune Fleck, der fih bey Hepaticana vers
diinnt am Hinterrande hinzieht, fehlt gänzlich; dafür ift wie bey
Mollitaıa ein gelbbrauner Strih, der auf dem Vorderrande
hinter dem dritten Häfchenpaar ent pringt, ſich etwas verdickt
— bey diefem Eremplar mehr und dunkler als bey Mollitana
— und verdünnt am Hinterrande herabzieht. Das letzte Haͤk—
chenpaar ift wie bey Mollitana; der Hinterrand nicht vollftäns
dig, aber offenbar auch fo eingedrüct; das Spiegelfeld ift ein—
waͤrts verwiſcht, hat alfo eine anders geftaltete Grenze; in der
Faͤrbung und Zeichnung ffimmt es mit Mollitana; nicht minder
der von 2 vollftändigen lehmbräunlihen Wellenlinien und einigen
Querftrichelhen durchzogene Snnenrandfled. Auch der Vorder
and der Vorderflügel auf der Unterfeite ift gleich gezeichnet.
288. (4.) Albuneana n. sp.
Corpore albido; alis anterioribus obtusiusculis, albidis,
oblique griseo undulato-strigosis, postice dilute griseis,
speculo argenteo-incluso, striolis atris paueis notato.
Obgleich es eigentlich meine Abficht ift, das Treitſchkiſche
Wicklerſyſtem bey der gegenwärtigen Aufzählung italienifcher
Wickler unverändert zu laffen; fo kann ich mich doch nicht ent=
balten, die folgenden Arten bier und nicht in Grapholitha aufs
zuführen, da ihre Verwandſchaft mit den fo eben befprochnen
Paedisken zu entfchieden ift. Sie haben alle im männlichen
Geſchlecht auf den Worderflügeln an der Baſis eine enganlie=
gende Falte des Vorderrandes von eigonthuͤmlicher Befchaffenbeit,
in beiden Geichlechtern mindefteng eine Andeutung des Innen—
tandfleds und ein deutliches Spiegelfeld.
Ziemlidy groß, wie eine große Hohenwartianal, über Brun-
nichiana; ausgezeichnet durch die weißliche Farbe mit bleichen,
geiblichgrauen, etwas zerftreuten, welligen Querftrihen auf den
Vorderflügein, die fich hintermwäarts vom Vorderrande aus fchief
nach außen legen, und dag von mittelmäßig lebhaften Silber:
linien umſchloſſene Spiegelfeld.
Kopf und Nüdenfcild weißlih. Taſter zufammengedrüdt,
gegen die Spige faft feheibenförmig erweitert mit abwärts ges
neigter, ſtumpfer Spitze, faft weiß, außen mit einem verlofchenen,
grauen Strich oder Fleckchen. Fühler weiß mit Außerft zarten
Spischen gezähnt. Vorder- und Mittelbeine auf der Kichtfeite
bräunlichgrau gefledt. Hinterleib gelblich grauweiß, am ziemlic)
ftarfen Afterbufch weißer.
Vorderflügel etwas ſchmal; der Vorderrand fehr flach cen=
ver, der Hinterrand unter der fehr wenig vortretenden Spige
feicht eingedruͤckt, alfo in der Geftalt ähnlich den Flügeln der
Hepaticana, Brunnichiana, aber fhmäler. Grundfarbe weiß:
li), in der Gegend des Spiegelfeldes etwas grau, Überall mit
graugelblichen, etwas verlofchenen, zerftreut ftehenden, melligen
Querftrichelchen, die fih am Innenrand gegen die Baſis etwas
anfammeln, wodurd die Stelle des fonjt gewöhnlichen Innen—
tandfleds ziemlich Eenntlid wird, da fie nur verlofchen beftäubt
ift. Hinter der Flügelmitte beginnen die aus dem Worderrande
fommenden Striche deutlicher und länger zu werden und fich
726
ſehr fchief gegen aufen zu legen; ber vor der Mitte beginnende
ift der längfte, die andern 3—4 nehmen gegen die Spitze in
der Länge ab; zwifchen ihnen ftcher kurze Etrichelhen, und
gegen die Spige glänzen einige Zwifchenräume filbericht. Das
Spiegelfeld ift einwärts und oberwärtS von der verdunfelten
Grundfarbe ſcharf begränzt und gegen diefe und gegen den Hin:
terrand von einer verdicten, filberglänzenden Linie eingefchloffen ;
dor der innern diefer beiden Linien ſteht über dem Ende der
Flügelfalte ein fchwarzer oder gelbbrauner, fehr deutlicher Punct.
Im Spiegelfelde ift oberwärts ein- meift in 2 Puncte getheilter,
ſchwarzer Laͤngsſtrich und darunter noch der eine und andre
ſchwarze Punct. Franzen auswärts gegen die Flügelfpise ſchwaͤrz⸗
lic, übrigens weißlichgrau.
Hinterflügel lichtgrau, gegen die Baſis heller; Franzen weiß—
lich, nahe der Baſis von einer deutlichen, dünnen, grauen Linie
durchzogen.
Unterfeite der Vorderfluͤgel briunlichgrau, am Vorderrande
von der Mitte aus weißlich mit blaßbräunlichen, fchiefen Stri—
helchen. Franzen fhmusig weißlich, auswärts um die Flügel-
fpise ſchwaͤrzlich. Hinterfluͤgel ganz weißlich, längs des Vorder—
tandes am heilften, dahinter ſchwach grau verdunfelt.
Das Weibchen hat etwas fürzere Flügel; fonft ift e8 dem
Männchen fehr ähnlich.
Selten um Syracus. in fehr fchönes Männchen fieng ich
jenſeits des Anapo am 31. May, woraus zu fchließen ift, daß
die Flugzeit in den Ichten Tagen diefeg Monats eintritt; die
übrigen Gremplare, 4 Männdyen [und 2 Weibchen, im Juny
an verfchiedenen Tagen bis zum 21 ften.. Sch Elopfte fie in
verfchiedenen Gegenden auf Kalkboden aus Difteln; ein Weib:
hen auch füdlich von Syracus gegen Avola hin.
289. (5.) Griseolana n. sp.
Capite, thorace alisque anterioribus griseis, his vix_re-
tusis, obscurius pulverulentis, costa oblique strigulata,
speculo obsoleto nigro-punctato.
Eine unfcheinbare Art in der Gröfe einer größern Frutetana,
mit zwar ediger, aber ganz unmerklich vortretender Vorderflügel:
fpise und fehr feihtem Eindruck unter derſelben am Hinter:
tande.
Kopf, Taſter, Ruͤckenſchild und Beine ſtaubgrau. Taſter um
mehr als die Augenlaͤnge Über die Augen vorſtehend, zuſammen—
gedrüdt, nach vorn fcheibenartig erweitert mit abgeitumpfter,
niederwärts gerichteter Spike. Fühler, vom Nüden gefehen,
beiderſeits fehr zart faferzahnig, unten zart pubescierend geftanzt.
Border: und Mittelbeine auf der Kichtfeite braunlich gefledt.
Hinterleib nach hinten hellergrau mit ſchwachem, weißlichgrauem
Afterbufch.
Vorderflügel ziemlich geftredt, am Vorderrande fehr fanft.
conver, hinterwärts faft gerade; fie find dunkler als der Thorax,
mit ſchwachem, gelblihem Anfluge, dicht mit verlofchenen, dunk—
lern Strichelhen querüber beftreut. Das Wurzelfeld zeichnet
fih gar nicht aus. Der Vorderrand bat auf lichterem Grunde,
vor der Mitte anfangend, fchief nad aufen gerichtete Strichelz
den von mehr lehmgelblicher Farbe und abwechſelnder Dicke,
fo daß die weißlichen Zwiſchenraͤume felbft als verlofchene Stri—
chelchen erfcheinen. Nur bey einem Weibchen laßt fich das
gewöhnlihe dunkle Dreyeck, wenn aud wenig ausgezeichnet,
wahrnehmen. Das Spiegelfeld wird gegen dieſes von einer
obfoleten, grauglänzenden Linie begränzt, und gegen den Hinter
rand von einer ebenfolhen, nur höher hinauf veichenden: in
127
feinem obern Theile liegen 3 — 1 ſchwarze Strihelhen oder
Puncte. Franzen heil, auf der innern Hälfte grau und weiß
punctiert,
Hinterflügel hellgrau, beym Weibchen gegen die Bafis heller
als beym Männden. Die nody lichteren Franzen find vor der
Bafis von einer verlofchenen dunklen Linie durchzogen.
Unterfeite der Worderflügel dunkelgrau; vor der Spiße ftehen
auf dem Vorderrande drey weit getrennte, weißlichgraue Häkchen:
paare; die weiter einwärts folgenden find an einander gefchoben
und Eleiner und. verfchwinden gegen die Bafis zu. Hinterflügel
fehe hellgrau, längs des Vorderrandes etwas dunflergrau und
bier gegen die Spike mit verlofchenen Querſtrichelchen. Auf
den Franzen find 2 verlofchene Duerlinien.
Das Weibchen ift kürz- und fihmalflügliger, mit etwas kuͤr—
zeren Zaftern, ſonſt gleich dem Männchen, Das eine Weibchen
ift nur wie eine Eleine Frutetana und auf der Unterfeite der
Hinterflügel ganz einfarbig, ohne Verdunkelung des order:
randes.
Ich fieng ein ſchoͤnes Männchen bey Meſſina im Gebirge
aus Geſtraͤuch von Cytisus triflorus am 18. April, ein etwas
befhädigtes Männchen und 2 gute Weibchen bey Syracus am
13. May in der Gegend des Gapucinerklofters auf kahlem Kalk:
boden auf Gragftellen. Wie diefe Flugzeiten zufammenpaffen,
ift etwas ſchwer zu erklären; die 4 Eremplare find aber beftimmt
von einerley Art.
290. (6.) Modicana n. sp.
Alis 'anterioribus apice producto albido - griseis, lute-
scenti-griseo pulvereis strigulosisque, macula gemina ante,
fascia obliqua post dorsi medium brunnescentibus, spe-
eulo dentem introrsus exserente obsolete punctato.
Var. b. faseia brunnescenti in costa ad apicem pro-
ducta.
Ihre Vorderfluͤgelſpitze ſteht viel mehr hervor als bei) der
vorigen und nähert ſich fhon dem Bau der Hohenwartiana;
ihre Hauptmerfmal gibt die Grenze des Murzelfeldes und die
Seftalt des Spiegelfeldes: jene wird an der Snnenrandhälfte
durch zwey dunkle, gelbbraͤunllche, ſchief über einander geftellte
Flecke gebildet, zwifchen welchen die Subdorfalader breit durch
zieht; das Spiegelfeld hat auf der innern Seite ftatt der. weiße
lich glänzenden Linie mehr einen unförmlichen led, der, indem
aus dem dunfeln Innenwinkelfleck eine Ede eindringt, oberwärts
eine einwärts gerichtete Werlängerung befigt, deren Länge der
Veränderlichkeit unterworfen. ift.
Gröfe der ficilifchen Cremplare wie Hypericana. Ruͤcken—
fhild, Kopf und Oberſeite der Zafter ſchmutzig gelblichweiß,
Taſter nach oben fheibenförmig erweitert mit abwärts gerichte—
ter, ſtumpfer Spitze, braͤunlich, an der Spike und auswärts
oben dunkler. Fühler gelblich, wie bey der vorigen Urt. Beine
gelblich, auf der Kichtfeite braunfledig, die hintern nur verlofchen.
Hinterleib grau, mit ftarkem, weißlihem Afterbufch.
Auf den Vorderflügeln ift der Grund ſchmutzig gelblichweik,
durch gelbbraunlichen Staub und folhe Querſtrichelchen verfin-
ftert; die meiften welligen Querftrichelhen ftehen auf dem Wur—
zelfelde und dem Worderrande; jenes ift am Vorderrande meift
verdunfelt, an ſeinem Hinterrande aber nur an der untern
Hälfte ſcharf begränzt, nehmlich durch zwey zimmetbräunliche
oder graugelbbäunliche Flecke, deren oberer weiter gegen die Flü-
gelmitte zu fleht, und welche durch die hellbeftäubte Subdorfal-
728
aber getrennt werben. Hinter ihnen wird der Grund befonbers
hell und ſchwaͤcher beſtäubt; darauf kommt der zimmetbräunliche
Innenwinkelfleck, der hinterwaͤrts uͤber der Falte mit einem
dunkeln, aus ſeinem Rande hervortretenden Puncte bezeichnet
iſt; oberwärts ſchließt ſich dunkler, gelbbraͤunlicher Staub zu
einer Binde, deren innerer Rand ganz undeutlich iſt, und welche
über der Mitte die Richtung ſchief einwaͤrts gegen den Vorder:
rand nimmt, wo fie fidy an den dunfeln, von der Baſis am
Borderrande herfommenden Schatten anfchließt. Hinter ihr find
auf dem Vorderrande gelbbräunliche oder zimmetfarbene Häkchen
bis zur Spige, zwifchen welchen der gelblichweiße Grund ſich zu
etwas glänzenden Linien verlängert; auch die. Häkchen verläns
gern fi zum Theil zu mehr oder weniger geraden Linien. In
der Flügelfpise ift’ein zjimmetbräunliches Fleckchen, auf dem Vor:
derrande, von einem weißlichen. Doppelhäfchen und auf dem
Hinterrande von einem mehr oder weniger, deutlichen weißlichen
Komma umfchrieben. Ueber dem Spiegelfelde ift der Grund
braunlich, und mit fehr feinen, ſchwarzen Pünctchen beſtreut.
Es hat die fchon angegebene Geftalt und trägt oberwärts und
hinter feiner Mitte ein paar ſchwarze Prinete oder Längsftrichel:
chen. Die Franzen find auf der Innenhaͤlfte weihlich, febr dicht
mit äußerjt feinen, fchwarzen Pünctchen betreut, auf der Außen-
hälfte etwas glänzend gelblichgrau. ig
Hinterflügel grau, Franzen hell, vor der Bafis von einer
dunkeln Linie durchzogen.
Unterſeite der Vorderfluͤgel dunkelgrau, auf dem Vorderrande
von der Mitte aus bis zur Spitze an Breite zunehmend gelb—
li und mit bräunlichen Häfchen. Das weißliche, feine Stri⸗
chelchen auf dem Hinterrande neben der ocellenähnlich gezeichnes
ten Spitze ift ganz deutlich, Stanzen bräunlihgrau, an. der
Wurzelhälfte dunkler,
Hinterflügel hellgrau mit weißlicher Vorderrandlinie und bräuns
lichen Querftrichelhen vor der Mitte.
Das MWeischen iſt Eleiner und Eurzflügliger.
Var. b. ift ein Männchen von vorzüglich lebhafter Färbung.
Die 2 Innenrandflede und die Binde find lebhaft zimmetbraun;
letztere fest ficy derdünnt auf dem DVorderrande bis zur Bafis
fort; in der Verdunkllung über dem Spiegelfelde ift die Ber:
längerung des einen Vorderrandhaͤkchens zu einem diden, zimmet⸗
braunen Strich erweitert und big an die Mitte des Hinterranz
des geführt... Selbft die Flügelfpige ift ein wenig länger. Kopf
und Ruͤckenſchild find dunkler ochergelblich. In allem. Webrigen
ffimmt diefes Eremplar mit den andern, und ich halte es alfo
nur für Varietaͤt.
Meine öfterreichifcehen Eremplare bee Graph. Modestana F.
Röslerstamm in lit. find auf beiderley Flügeln auffallend
heller; der Doppelfled am Innenrande der DVorderflügel füllt
faft gar nicht auf. Im Uebrigen find fie aber den ficilifchen
Exemplaren gleich, und ich erkläre fie fir diefelbe Art. Da bey
Treitſchke eine, wenn auch fpiter eingejogne Modestana
vorfommt; fo habe ih, um aller Verwechslung vorzubeugen, den
nur in literis gebrauchten Namen Modeéstana mit einem noch
gar nicht verwendeten vertaufcht.
Modicana fliegt bey Syracus in der legten Hälfte des May
und Anfang Suny auf etwas fruchtbaren Graspläßen, befonders
in der Gegend des Anapo. Das fhöne Männchen Var. b.
fing ih ſchon am 11. May. Mann fammelte feine Mo-
destana auch im May und Suny, aber auf tuedinen Ges
birgsſtellen.
729
291. (1.) Fusculana n. ap.
Capite ac thorace fusco -griseis; alis anterioribus acu-
tis, fusco griseis, macula geminata ante fasciaque obliqua
post dorsi medium fuscis, speeulo nitidulo striolis atris
notato.
Größe einer P. frutetana mit anfehnlih längern Zaftern
und fpiteren Worderflügeln und weniger converem Hinterrande
derfelben. Ruͤckenſchild, Kopf und Zafter ziemlich dunkel braun—
grau. Zafter um 14 Augenlängen über die Augen hervorſte—
bend, zufammengedrüdt, nad vorn fehr erweitert, mit abwärts
gerichteter, ziemlich langer, von der Behaarung des Zten lie:
des verdeckter Spitze; fie find gegen die Spige zunehmend dun—
kelbraun. Fühler grau, fein dunkel geringelt, auf beiden Seiten
fein gezaͤhnelt. Beine graubraun, hell gefledt. Hinterleib dun—
kelgrau, an den Hinterrindern der. Ringe heufhuppig, befonders
an der Seite. Afterbufch hell.
BVorderflügel ziemlich ſchmal mit fehr flach converem Bor:
derrande und etwas vortretender Vorderecke, unter welcher der
ſchwach convere Hinterrand fanft eingedruͤckt iſt. Grundfarbe
bräunlic grau, dunkler quergeftrichelt und beftaubt. Das Wur:
zelfeld iſt bindenartig dunkel zimmetbräunlich gerandet; der Rand
tritt zwifchen der Median- und Subbdorfalder fleckartig ftark
hervor; am dunfelften ift der Snnenrand. Hinter dem Wur:
zelfelde wird der Grund bindenartig hell, am Worderrande am
fhmälften und verdunfelt. Die bintere Binde fängt auf der
Flügelhälfte mit 3 bräunlihen Vorderrandſtrichelchen an und
verdunfelt fih gegen den Innenwinkel hin immer mehr; fie
läuft ſchraͤg, ift gegen das Mittelfeld nicht fcharf gerandet, außer
an ihrem untern Ende; ausmärts ift ihr Nand ziemlich ſcharf.
An ihrem Innenrande hat fie Über der Mitte eine fchwache,
darunter eine tiefere und weite Ausbuchtung; an ihrem Außen—
vande ſteht Über der Mitte ein fchief aufwärts gerichteter Zahn
hervor und darunter am Spiegelfelde eine ftumpfe, oft verdun⸗
kelte Ede.
Das Spiegelfeld hat gegen dieſe Ede eine weißlich glänzende
‘ Linie und eine zweyte vor dem Hinterrande; zwiſchen beiden
ftehen auf zimmetbräunlihem, fhmalem Grunde 3— 4 ſchwarze,
parallele Längeftrichelchen, deren oberftes fich in eine zimmetbraune
Verdunfelung verliert, Hinter der Binde folgen big zur Fluͤ—⸗
gelfpige 3 in Größe zunehmende Fleckchen, die ſich in zufammen:
faufende Linien fortfegen, wovon eine fih am Hinterrande hinter
dem Spiegelfelde faſt bis in den Innenwinkel hinziebt. Zwifchen
den Worderrandfleden ſtehen meißliche Doppelhäfchen, die eins
waͤrts in ſchwach blenglänzende Linien übergehen. Die Flügel:
fpige ‚hat einen zimmetbraunen. Ocellus, binter dem auf dem
Hinterrande ein verlofchenes, weißliches Häfchen ſteht. Franzen
an der Baſis mit fchwärzlicher, fehr fein weißpunctierter Linie;
auswärts find fie grau.
Hinterflügel- braungrau; die hellen Franzen find nahe ber
Bafis von einer dünnen, Über der Mitte von einer breitern,
dunkeln Linie durchzogen.
Unterſeite der Vorderfluͤgel dunkelbraungrau, bisweilen ſehr
ſchwach violettlich ſchillernd, auf dem Vorderrande mit 4 gelb:
lichen Doppelhaͤkchen, die einwaͤrts an Größe und Ausdruck ab—
nehmen. Hinterfluͤgel ſehr hellgrau, am Vorderrande braͤunlich
quergeſtrichelt, und mit einem braͤunlichen Fleckchen kurz vor
der Spike.
Das Weibchen hat auf den Eleinern und ſchmaͤlern Border:
fluͤgeln auf lichterem Grunde die Zeihnungen deutlicher, vor⸗
Iſis 1847. Heft 10.
— —
730
züglich die Binde,
Eleinften Männchen.
Diefe Art fheint um Meffina käufig zu fern. Sie Iebt an
den fonnigen Abhängen höherer Berge im Grafe den ganzen
April hindurch ziemlich gefellig. Schon am 3. April traf ich
die. Männden nicht felten im Gebirge auf freyen, begraften
Stellen; aber nur bey bedecktem Himmel liefen fie ſich auf:
fheuchen. So wie die Sonne fhien, erhob ſich Eein einziges
mehr. Am 11. und 17. April aber flogen fie gegen den
Sonnenuntergang am Südabhange des Gaftellaccio im milden
Sonnenfchein an einer von Ziegen ganz abgefreffenen Stelle,
wo ein fcharfes, ſtarres Gras in großen Buͤſchen waͤchſt.
292, (8.) Fervidana n. sp.
Thorace, capite palpisque albis; alis anterioribus albi-
do-favidis, macula extrorsus obliqua superne acuta ante,
fascia introrsus obliqua post dorsi medium luteo -griseis,
strigulis eostalibus postieis albis intus nitidis, speculo ni-
tido striolis atris notato.
Nächft verwandt mit Gr. Wimmerana (bey welher Treitfch:
ke die 2 Hauptfarben der Vorderflügel unnatürlich umkehrt),
verfchieden durch anfehnlichere Größe, gelbliche Beymiſchung auf
den Worderflügeln fowohl in der Grundfarbe wie in den Zeich—
nungen und weniger fchiefe Stellung des Innenrandfleds vor
der Mitte; auch find die Franzen bey Wimmerana auf der
Sinnenrandhälfte mit fchwargen Pünctchen betreut, daben “aber
an der Flügelfpise nicht mit braunen, brandigen Eden verfehen.
Die Hinterflügelfranzen bey Fervidana find arau. — Gr.
Metzuerana ift eine von Wimmerana und Fervidana fehr
verfchiedene Art: das Weiß ihrer Worderflügel ift reiner; die
Zeichnungen haben einen grünlichgrauen Ton, und der auf dem
Innenwinkel liegende Theil der Binde bildt einen der Länge
nach durchfchnittenen, ovalen, eintwärts verdunfelten Fleck. Gr.
Hohenwartiana fommt der Fervidana in der Färbung
der Vorderflügelftanzen gleich, hat aber fpitere Borderflügel und
ochergelde Farbe des Kopfes und Nüdenfchildee. Gr. La-
eteana hat einen Innenrandfleck vor der Flügelmitte und,
was Treitſchke nicht aefehen hat, einen eigenthümlichen Länge:
Eniff im Spiegelfelde. Gr. Incana, der das erftere Merkmal
auch mangelt, bat Kopf und Rüdenfhild lihtgrau.
Groͤße wie Gr. Hypericana. Ruͤckenſchild und Kopf weiß.
Schulterdecken weißlih. Taſter um 13 Augenlängen über die
Augen vorftehend, zufammengedrüdt, nad vorn fehr erweitert
mit ſchief abwärts gerichteter Spige, weiß, an der Spitze unter—
wärts grau. Fühler weißlich, ſehr ſchwach beiderfeits gezähnelt.
Beine weißlich, die 4 vorderften auf der Lichſeite braunfledig;
blaͤſſer gefleckt ſind die Hinterfuͤße. Hinterleib. hellgrau, am
Afterbuſch meiflicher. Vorderfluͤgel mit etwas, doch fchwächer
als bey Hohenwartiana vortretender Spitze, im Grunde gelb:
lichweiß oder fehr heil ſchmutzig gelblich.
Das MWurzelfeld ift an der Vorderrandhälfte ganz verlofchen
gefärbt, gegen den Innenrand etwas verdunfelt; hier wird es
von einem fehief auswärts Überhängenden, grauochergelben, bin=
denförmigen Fleck begränzt, deffen Außenrand zweh ſchwache
Mellen maht, und deffen Spige gegen das Mittelfeld endigt.,
Der Raum dahinter ift an dem Fleck ſelbſt am hellften. Die
aus dem Innenwinkel fich erbebende Binde, dem Fled in der
Farbe gleich, nimmt über der Mitte die Richtung einwärts und
Läuft vor der Mitte des Vorderrandes in 2 braunliche Häkchen
deffelben verdünnt aus; fie ift einwärts ohne fharfe-Begränzung,
— 46*
Zwey don meinen 4 find Eleiner als bie
731
binterwärts aber bon weißlichen, glänzenden Linien eingefaßt.
Faſt bis zu ihr reicht der Vorderrandumfchlag, und vor ihr hat
der Vurderrand bräunfiche, verlofchene Puncte, Hinter ihr geben
von demſelben gelbbräunliche Strichelchen ſchief auswaͤrts und
vereinigen ſich in einen das Spiegelfeld von oben einſchließenden
mattgraugelben Fleck; ihre Zwiſchenraͤme bilden weißliche, ein:
wärts etwas glänzende Linien. Das Spiegelfeld wird von 2
weißlichen glänzenden Linien eingefchloffen, von denen die didere
gegen die Mittelbinde gerichtet und auf derfelben mit einem
tieffehwarzen Pünctchen bezeichnet iſt; im verlofchen gelblichen
Spiegelfelde ftehen 1 —3 ſchwarze Längsftrichelchen oder Puncte.
Die Fiügelfpise ift nur einwärts von einem ziemlich ftarken,
weißen Häkchen begränzt. Die Franzen find um die Fluͤgel—
fpiße an den Enden ſchwarzbraun, außerdem an der Wurzel
hälfte dunkler grau, als auswärts, ohne ſchwarze Pünctchen.
Hinterflügel grau, gegen die Baſis weiklih. Franzen hell—
arau, am dunfelften um die Flügelfpige, am weifeften um den
Innenwinkel, vor der Baſis von einer dunkeln Linie durchzogen.
Unterfeite der Vorderflügel dunkel bräunlichgrau, am Vorder—
tande und von der Mitte bis zur Spige gelbweißlid mit braunen
Strichelchen; die bellgelbgrauen Franzen find um bie Spiße
auswärts ſchwaͤrzlich. Hinterfluͤgel ſehr hell grauweißlih, am
Vorderrande, befonders in der Flügelfpige, mit grauen Quers
ftrichelchen.
Das Weibchen ift ohne Auszeichnung.
Sch fing 1 Männden, 4 Weibchen von fehr ungleicher
Büte, am 30. und 31. May bey Syracus jenfeitg des Anapo
in einem trocknen Hohlwege, wo fie aus dem größtentheils ſchon
bürren Graſe aufflogen.
. 293. (9.) Delitana F. R.
’ Paedisca — Fiſcher v. Röslerffamm Beytr. ©. 185.
tab. 65. fig. 2. a. b.
Ich befige von Männchen diefer Species nur ein von F. v.
Röslerftamm felbft erhaltenes) Eremplar und ein von mit
gefangenes, Beide find am Vorderrande ber Vorderflügel bes
ſchaͤdigt, woher ich nicht mit Gewifheit den durch Schuppen
gebildeten Umfchlag an der Baſis erkennen Eann; doch nehme
ich feine Exiſtenz an, da ich hier und da einige längere Schup—
penhaare, tie fie unter dem Umfchlage zu ruhen pflegen, aus
der Flügelbafis gefträubt hervorftehen fehe. In diefer Annahme
beftärft mich der Umftand, daß die folgende Art den Umſchlag
vollftändig befißt.
Sch fieng bey Syracus ein ziemlich gutes Meibchen am
13. May, ein ziemlich fchlechtes Maͤnnchen am 19. Suny, beide
in der Gegend des Kapucinerklofters auf trodnem, begraſtem
Kalkboden.
Diefe Art bat zwifchen dem ocellenähnlichen Fleck der Flügel:
ige und der Binde nur 2 größere, zimmetbraune Sledchen ; in
den weißlichen Zwiſchenraͤumen derfelben fteht je ein Eurzer,
zimmetbrauner Strih, wie die citierte Abbildung. richtig zeigt.
Als ein befonderes Kennzeichen ift noch anzuführen, daß aus
dem weißen Naume zwifchen dem Wurzelfelde und der Binde
etwas über der Mitte ein weißlicher Laͤngsſtrich in die letztere
hineinreicht; er ift zwar bisweilen etwas verwifcht, erfcheint aber
bey veränderter Haltung des Fluͤgels ſtets ziemlich deutlich.
—men.
— rer e D —⸗e—
Grapholitha.
294. (1.) Acuminatana Z.
Graph. — Z. in der Lep. Faun. von Lievland Iſis 1846.
©. 256.
Zwey Eleine Männchen, fehr genau mit den -Eleinften hiefigen
flimmend. Am Hinterrande der DVorderflügel liegen in der
untern Hälfte 3 ſchwarze Puncte unter einander, und ein vier
ter fteht in der Flügelfpige etwas abwärts gleichfalls am Hin:
terrande. Mie. dort fhimmert die ganze Unterfeite unter der
Koupe bey gewiſſer Flügelhaltung ſchwach reifartig oder falt
milchblaͤulich.
Ich fieng beide Exemplare im Gebirge bey Meſſina an einem
fonnigen Abhange am 3. April.
295. (2.) Gemellana n. sp.
Alis anterioribus longiusculis badio-fuseis, lunula gemi-
nata dorsali alba, striolis costalibus albis partim in lineas
coeruleo-plumbeas continnatis, punctis atris in margine
postico medio sub quatuor (mas, fem.).
Nächft verwandt mit Petiverana, wie diefe und Acumina-
tana mit dem VBorderrandumfchlag, leicht zu unterfcheiden an
der nicht gelb-, fondern rothbraunen Grundfarbe der geſtrecktern
Vorvderflügel und dem weißen, ſchraͤger gelegten Doppelmond des
Innenrandes.
Das Maͤnnchen etwas groͤßer als das Weibchen, wie eine
mittlere Petiverana. Ruͤckenſchild rothbraungran, Kopf mehr
grau. Taſter weißlich, unten und vorn mit langen grauen,
etwas reifartig ſchimmernden Haaren und dadurch zu einem
ſcheibenfoͤrmigen Dreyeck erweitert mit abwaͤrts gerichteter, ſtum⸗
pfer Spitze. Beine grau, auf der Lichtſeite dunkler, weiß ges
fledt. Hinterleib braungrau.
Vorderflügel rothbraun mit befonders hinterwärtd und am
Vorderrande vorberrfchendem röthlihen Zone. Der Vorderrand
hat 5 Paar weißliche, ſchiefe Strichelchen, von denen dag Außerfte
vor der Spise die größten und ‚getrennteften Häkchen enthalt.
Die Zwifchenrdume der Häkchen find auf dem Vorderrande
ſchwarz, welche Farbe einwärts unter den roͤthlichen Schuppen
verfhwindet. Von dreyen gehen bleygraue ſehr ſchieſe Linien
aus: die erfte, von einem vor der Mitte des Vorderrandes fir:
henden kleinen Häfchenpaar entfpringende endigt über der Spike
des weißen Doppelmondes; die Zte ifb mit der Lften parallel,
geht über der Flügelmite fchräg einwaͤrts und bricht der Spige
des Doppelmondes gegenüber fich wieder unter einem ftumpfen
Winkel, deffen unterer Schenkel nad dem Innenwinfel, alfo
wieder auswärts geht. Won hier jleigt eine mit ihr vereinigte
gleihfarbige Linie gerade und parallel mit dem Hinterrande in
die Höhe, verliert fid über der Flügelmitte und fließt mit der
erftgenannten Kinie ein ſchmales Spiegelfeld ohne Striche, kaum
mit ein paar unbeutlihen Puncten, ein. An der Mitte bes
Hinterrandes ftehen in gleihen Entfernungen 8 tief ſchwarze
Puncte; über ihnen ift ein weißes, Eurzes Kängsftrichelchen, das
die hervortretende, abgerundete Flügelfpige von unten abſchließt.
Der weiße Doppelmond fteht auf der Mitte des Innenrandes,
ift ſehr wenig gefrümmt, aber ſtark nach hinten geneigt; die
Scheidelinie ift dünn; hinter und über der Spitze befinden ſich
etwa 3 ſchwarze feine Laͤngsſtriche über einander, die in dem
Winkel der Bleylinie endigen. Die Franzen find glänzend, am
Bafaldrittel weißgrau, auswärts braungrau, am dunkelften über
x
733
der Spitze, welche mit einem braunen Striche eingefaßt iff, der
aber nicht bis zu tem weißlichen untern Grenzftrich reicht.
Hinterflügel braungrau, nad aufen allmählich verdunkelt.
Franzen gelblichhellgrau, von einer braungrauen Linie vor der
Baſis durchzogen; um den Innenwinkel find fie dunkler grau,
und ebenfo auswärts um die Spike,
Unterfeite der Vorderflügel dunkelgrau mit Reifſchimmer. Die
Vorderrandhäfchen find von innen auswärts zunehmend deutlich;
der weißlihe Laͤngsſtrich unter der Flügelfpige auffallend deut:
lich; die Franzen am Bafaldrittel verlofhen hellgrau. Hinter
flüget hellgrau, längs des Vorder- und Hinterrandes breit ver
dunfelt. Die Flügelfpige ift von einer weißlichen, feinen, fehr
auffallenden Linie eingefaßt, hinter welcher die braune Randlinie
um fo ftärfer hervorfticht. Franzen weißlihgrau, um die Spige
dunkler.
Das verflogne, Eleinere Weibchen zeigt den Doppelmond auf
der Unterfeite der etwas Fürzeren Vorderflügel durchſchimmernd
und die Hinterflügelfläbe mehr einfarbig hellgrau. Uebrigens
bat es die Artmerfmale mit dem Männchen gemein.
Das Männdyen fieng ich im Gebirge füdlih von Sorrent
am 8. Auguft gegen Abend an dem bufchreihen Nande eines
Hohlweges auf Schafgarbe (cb Achillea millefol.?); das
Meibchen bey Camaldoli an ähnlicher Stelle zwifchen Ruͤſterge—
ſtraͤuch, wo Schafyarbe und Clinopodium vulgare wuchs.
296. (3.) Consequana n. sp.
Alis anterioribus acutis einereis postice fusceseentibus,
speculo utrimque plumbeo-marginato lineolas tres atras
continente; posterioribus cinereis, basi ac ciliis albidis.
Um nächften der Plumbagana, aber mit ftärker heroorgezo—
gener DBorderflügelfpige, dunkflerem Grau der Vorderflügel und
der Hinterflügel und dadurch Heller hervortretendem Graumeiß
der Baſis der legtern. Gr. Succedana hat ftumpfere Vorder:
flügel al Plumbagana und ein verdunfeltes, querſtrichiges Ba—
falfeld, da8 der Consequana fehlt.
Kleiner als Plumbagana. Kopf, Rüdenfhild, Hinterleib und
Vorderflügel ſchiefergrau. Tafter aufgekruͤmmt, unten etwas
‚bürftenartig, mit Eurzem ftumpfem Endgliede, graumeißlich.
Fühler grau. Beine braungrau, an den Gelenffpisen hell.
Hinterſchienen am hellften.
Vorderflügel mit ſchwach converem Vorderrande, am Innen⸗
rande dunkler grau, vor und über dem Epiegelfelde bräunlich.
Die Hintere Hälfte des Vorderrandes hat weißliche, fchiefe Haͤk—
hen, von denen die Außerften die größten und deutlichften find;
das 2te und te von der Flügelfpige aus bat einen etwas grö-
Fern, bräunlichen Fleck hinter fih, als die andern; das erffe,
dritte und mehrere folgende ſetzen fich einwärts als undeutliche
Bleylinien fort. Das braungelblihe Spiegelfeld hat 3 mehr
oder weniger vollftändige, tiefihmarze Längsftrichelhen; vor ihm
it eine breite Bleylinie, und vor diefer in braͤunlich verdunfel:
tem Grunde ein ſchwarzes Püncthen; hinter dem Spiegelfelde,
durch einen ſchmalen Raum vom Hinterrande getrennt, ift eine
andre Bleylinie. Der Hinterrand ift von einer fchwärzlichen
Linie umzogen. Franzen hellgrau, außen dunfler.
Hinterflügel graumeißlib, am Hinterrande und zwar gegen
den Vorderwinkel in Breite und Stärke zunehmend braͤunlich—
grau. Franzen weißlich, vor der Bafis von einer dunfeln Linie
durchzogen.
Unterfeite reiffehimmernd; Vorderflügel dunklergrau, am Vor:
derrande nur mit 2 Paar deutlichen, weißlihen Häkchen. Hins
734
terflügel viel heller, faſt weißlich, im Vorderwinkel und längs
des Hnterrandes, und beym Männchen auch am Vorderrande
derlofchen grau.
Don diefer feltnen Urt fieng id bey Syracus ein Maͤnnchen
am 14. April und 2 Weibchen am 29. April und 21, Map.
296. (4) Capparidana n. sp.
Epistomio flavescenti- metallico; palpis albidis, artienlo
ultimo fusco; alis anterioribus griseo-albidis, strigis con-
fertis costae dorsique fuscescentibus oblique co&untibus,
speeulo lineolis 3 atris notato antice lineola plumbea
terminato.
Aus der Verwandtſchaft der Succedana, fehr Elein, kenntlich
an dem Metallglanze des Gefihts und außerdem an den vielen,
bräunlichen, ſcharfwinklig gebrochenen Querlinien auf weißlichem
Grunde der DVorderflügel.
Größe unter Plumbagana (Borberflügelläinge 2 — 24"),
Ruͤckenſchild und Kopf graugelblich weiß; erfter hat ein braunes
Halsband und einen braunen Querftreif über die Mitte, ders an
den Schulterdecken endigt. Das ganze Geficht hat bis zu den
Füblern hinauf blaßgelbliche, lebhaft metallylänzende Haarſchup⸗
pen. Taſter mäfig lang, nad) vorn allmählich erweitert, weiß:
ih, mit Eurzem, ftumpfem, graubraunem Endgliede. Fühler
weißlih. Beine ſchmutzig weiß, die 4 vordern auf den Schies
nen und Füßen, die hintern an den 4 legten Fußgliedern braune
De der Lichtſeite. Hinterleib dunkelgrau, am Bauche
weißlich.
Vorderfluͤgel geſtreckter als bey Plumbagana und Conse-
quana, aber mit fo wenig wie bey erſterer hervortretender Fluͤ—⸗
gelſpitze; ſchmutzig gelblichweiß, mit vielen, braͤunlichen Quer—
linien. Dieſe gehen von beiden Gegenraͤndern aus, ſind ſchraͤg
auswärts gerichtet und zwar je weiter nach hinten, deſto ſchraͤ⸗
ger; die des Innenrandes find länger und endigen an einer
markierten Linie, die von der Flügelbafis auf dee Subcoftalader
hin bis zum Hinterrande reicht; die des Vorderrandes berühren
diefe Linie nicht, die daher recht Eenntlich ift. An der Mitte
des Innenrandes bleibt die Grundfarbe befonders rein, und
indem fich die Linien davor und dahinter verdiden und verdun—
keln, fo bildet fich bier ein freilich wenig ausgezeichneter, etwa
4fpaltiger Mondfled. Vor dem Innenwinkel und dem Spies
gelfelde ift der Grund braͤunlich fleckartig verdunfelt. Die Vor—
derrandftrihe werden von der Hilfte des Worderrandes an
dunkler und breiter und Laffen weißliche Häkchen zwiſchen fich.
Die ſchwach gerundete Flügelfpige hat cin weißliches, deutliches
Vorderrandhäkchen vor und einen weißlichen Fängsitrih am Hin:
terrande unter fih. Das Spiegelfeld ift fhmal und hat 2—3
tiefſchwarze, unvollftändige Längsftriche: es wird bloß einwärts
von einer breiten, flefartigen, violettgrau glänzenden Linie be:
gränzt, melde von einer weißlichen Lingslinie, die bis an den
Hinterrand reicht, durchſchnitten wird. Franzen graugelblich,
ausmwartd dunkel, am meiften um die Spike.
Hinterflügel fehr hellgrau, am Hinterrande, befonders vor der
Spige, bräunlihgrau. Franzen weißlih mit dunkler Linie vor
der Baſis. ,
Unterfeite teiffhimmernd; Vorderfluͤgel dunkelgrau mit weiß—
lihen Hafchen am Vorderrande und weißlicher Hinterrandlinie,
Hinterflügel verlofchen grau. Franzen mie auf der Dberfeite,
As ich diefes durch fein glänzendes Geficht fo ausgezeichnetes
Wicklerchen antraf, war feine eigentliche Flugzeit ſchon vorbey.
Es war gar nicht felten am 25. Suly und 2. Auguft auf dem
735
Gipfel des Gaftellaccio bey Meffina. Hier ſchwaͤrmte es im
Zidzad wie Gr. petiverana gegen Abend an den aus ber
Mauer hervorgewachfenen Sträuchern einer ftachellofen Cappa-
ris, die eine WVarietät der Capparis spinosa ſeyn foll; den
Nuheplag nahm es auf der Dberfeite der Blätter derfelben.
Da ich mit Sicherheit annehme, daf die Naupe an biefer
Pflanze, und zwar in den Früchten lebt, fo habe ic) die Species
danad) benannt.
298. (5.) Cytisana n. sp.
Alis anterioribus nigro caeruleoque marmoratis, costae
striolis albidis obsoletis, macula dorsali semi-ovata carneo-
albida, speculo maculis coeruleo-nitidis incluso nigro-
striato. j
Ohne Vorderrandumfchlag, aus ber Vermandtfchaft der Trau-
niana, ausgezeichnet durch die dunkelblauz und ſchwarz gemifche
ten Vorderflügel mit halb ovalem weißlichem oder röthlich wei—
ßem Fleck (d. h. der Hälfte eines der Länge nach durchſchnitte—
nen Enflede.)
Das einzelne, maͤnnliche Eremplar hat faft 3“Vorderfluͤgel⸗
länge. Kopf, Nüdenfhild und WVorderflügel ſchwarz mit reich
lic) eingemifchtem, etwas glänzgendem Dunfelblau. Taſter buͤr—
ftenförmig mit kurzem, ftumpfem Endgliede, ſchwarz, unten
gegen die Bafis fo wie die Badenkraufe gelblih. Beine braun,
auf der Schattenfeite und an den Gliederenden fchmugig weiß:
lih. Hinterleib ſchwarz mit wenig hellerem Afterbufch.
Vorderflügel mäfig geſtreckt, ſchwarz, reichlich mit Dunkelblau
gemifcht, mit dunflern, fhwarzen Puncten und Fleckchen. Am
Innenrande liegt ein rothlich weißer Fleck, der vor der Mitte
anfängt und nicht weit vom Hinterwinfel endigt; er ift nur
gegen die Baſis durch dunkle Fleckchen fcharf gevandetz ver
feiner Mitte ift er am höchften, und von da aus geht fein
Rand ſchwach wellig gegen ten Hinterwinfel zu; auf dem Sn:
nentande hat er 3 verlofchene, fhwärzliche Puncte, wovon der
mittelfte der dicfte ift. Das ſchmale Schildchen, welches auf
bunfelgelbbraunem Grunde 3 tiefichwarze, wenig ausgezeichnete
Längsftrichlein bat, ift vorn und hinten durch 2 gebogne, ftabls
blauglänzende Querlinien begränzt, von denen die innere fich
unregelmäßig verdictt und ‚oben in eine fchiefe blaue Vorderrand—
linie übergeht; beide bleiben vom Innenwinkel getrennt, hängen
aber unter dem Epiegeifle® durch einen blauglänzenden Fleck
zufammen. Die weißlihen DVorderrandhäfchen find fo wenig
ausgebildet, daß eigentlich nur zwey, die vor der Spike befind:
liben, vorhanden find; aus einem weißlichen Punct vor dem
ten geht eine biauglänzende Linie fchief zum Hinterrande und
ſchließt fie fo wie die halb gelbbraune, halb ſchwarze Spitze ab.
Hinterrandlinie ſchwarz. Franzen hellgrau, aufen dunkler.
Hinterflügel dunfelgraubraun, gegen die Baſis ein menig
lichte; Franzen ſchmutzig weißlich mit bräunlicher Linie vor
der Bafis.
Unterfeite reiffhimmernd, braungrau. Die Borderflügel: find
am Innenrande, fo weit beym Fluge die Hinterflügel darunter
liegen, weißlich mit ſcharfer Begränzung gegen innen; auf dem
Vorderrande find mindeftens 6 weißliche, vwerlofchene Hakenfleck—
chen fichtbar; der innerfte ift vom Sten durch den breitften, der
5te vom Aten durch den fchmalften Naum getrennt. Die
Franzen der Morderflügel find dunkler als auf der Oberfeite;
die der Hinterflügel aber nicht.
Das einzelne Maͤnnchen fieng ich ben Meffina in den Ber:
gen an Cytisus infestus am 18. April.
736
3. v. Roͤslerſtamm fohidte mir ein Eremplar von Mo-
tacillana FR. in lit. zur Anſicht; es ift Übel erhalten und
zeigt allerhand Abweichungen, weßhalb ich eine Vereinigung mit
meiner Urt nicht wage. Es ift anfehnlich größer (Vorderflügel:
länge 33”); die blaue Beymifhung der DVorderflüigel ift vios
lettiich, ſtatt tiefblau; von den gleichfalls violettlich gefärbten
Nandlinien des Spiegelfeldes hängt die äußere mit der violett:
lihen Färbung des Mittelraums des Flügels zufammen; aber
eine linienförmige Fortſetzung zum Vorderrande läßt ſich durch:
aus nicht wahrnehmen. Der Innenrandfleck ift weißlich, durch—⸗
aus ohne röthlihe Beymiſchung; einwärts if fein Nand vollig
conver, ohne Einbiegungen; an feiner Höhe bilden meißliche
Schuppen eine jtumpfe Ede, die der Cytisana ganz fehlt; der
Innenrand trägt 4 graue, aufgerichtete Strihelhen. Am Bor:
derrande ift nur vor der Spige ein weißliches Püncthen, Auf
der Unterfeite find etwa 5, von denen die Außerften durch
fhwarze, breite Näume getrennt find, ftatt daß bev Cytisana
die 2 außerften fich faft auf einander fchieben. Der Innenrand
ift nur ein wenig heller als die Flache. An den Hinterflügeln
find die Franzen dunfler,
Db dag Exemplar ein Männden ift, läßt ſich nicht mit
Sicherheit fagen; denn der Hinterleib ift zwar männlich, aber
umgekehrt angefegt, und brauct alfo ihm nicht von Anfang an -
gehört zu haben. An den Fühlern finde ich Feine Auskunft
über das Gefhleht. Nah F. v. Röslerffamms Nachricht
fommt dieſe Motacillana in Ungarn, bey Leipzig und bey
Berlin vor.
299. (6.) Selenana n. Sp.
Alis anterioribus latioribus fusco-nigris, lunula dorsali
postica subeurva alba; posterioribus maris nigrieantibus,
basi ciliisque albis, feminae cum ciliis nigris.
Graphol. Jungiana in der Enum. Lepid. As. min. Isis
1847. pag. 26.
Indem ich einen Irrthum eingeftehe, den nehmlich, daß ich
zwey fehr verdorbene weibliche Eremplare — troß ihrer noch
theilweife vorhandenen ſchwarzen Hinterflügelfrangen — für
Jungiana erklaͤten konnte, muß ich die, wenn auch nur fehr
fhwache Befürchtung befeitigen, daß meine Selenana vielleicht
zu Orobana gehören möchte. Won leßterer befiße ih nur ein
einzelnes Männchen, dag der Selenana in der DVorderflügelform
außerordentlich gleichfommt, und auch darinn mit ihr ffimmt,
daß der weife Innenrandmond ſich mit feiner Epige der das
Spiegelfeld einwärts begraͤnzenden, lilafhyimmernden Linie. mehr
nähert als ben Jungiana.. Mein Eremplar der Orobana hat
Merkmale, die bey den mit Jungiana verwandten Arten ſpeci—
fifch zn feyn pflegen. Der weiße Mond iſt ftärfer gegen fein
Ende verdickt, mit der Spise nach hinten umgebogen; die da—
binter liegende violettglänzende Querlinie behält dem Horne des
Mondes genüber ihre fanft nad) außen convere Nichtung bey,
ftatt, wie bey Selenana fich bier etwas gegen daffelbe zu wen—
den und zu verdiden; von den weißen Vorderrandhaͤkchen ift
das der Spike naͤchſte auch das ſtaͤrkſte und laͤngſte, ſtatt fo
Elein zu bleiben wie die andern oder fogar Eleiner zu werden;
auf der Unterfeite find fie paarweiſe durch breitere Zwifchenräume
getrennt und nicht fo an einander gefchoben, daß fie eine ein—
fahe Neibe bilden; außerdem werden auf der Dberfeite. bie
Vorderflügel gegen die Bafis zu immer heller, faſt grau, ſtatt
dunfelfchwarz zu bleiben; endlich, und das.ift entfcheidend, find
die weißlichen Zafter duͤnn, auf der untern Seite nicht bürften-
751
förmig, Tondern faum mit einzelnen, hervorftehenden Haar:
fpigen befleidet, und das Endglied fteht lang und frey hervor,
— Von Jungiana ift Selenana verfhieden duch die kürzern
und viel dunflern Flügel; den weniger gekruͤmmten Mond auf
den vordern, die größere Mähe des Horns bdeffelben gegen die
glänzende Querlinie, die abweidyende Krümmung derſelben, im
weiblihen Geſchlechte durch die fchwarzen Franzen der Hintere
flügel.
Größe unter Jungiana, wie Orobana. Ruͤckenſchild, Kopf
und Fühler dunkelbraun; Gefiht über dem Munde hell. Taſter
und Geſichtskrauſe ſchmutzig weißgrau, erftere auf der Unterz
feite bürjtenformig durch reichlihe, nah vorn dunkler braun:
graue Haare; Endglied furz, ziemlidy dünn, wenig vorftehend.
Beim Weibhen find die Haare dunkler und auch das End:
glied ift unten bräunlich. Beine gelblich weißgrau, die vordern
auf der Lichtfeite und die 4 hinterften an den äußerſten Fuß—
gliedern braungrau mit weißen Spigen. Beim: Weibchen find
alle Beine dunfelgelblihgrau, und nur die Dornen und Fuß:
gliederfpigen weißlich.
Hinterleib braun, am Ende mit wenigen, gelblihen Haaren.
Vorderflügel breiter al3 bey Jungiana, beim Weibchen aber
noch merflich breiter und fürzer als beim Männden; ſchwarz⸗
braun, beim Weibchen faft ſchwarz, gegem die Bafis und den
Vorderrand etwas lichter.. Hinter der Mitte des Innenrandes
flebt eine weiße, zahnartige Mondfichel, die breiter und zwar
weniger gefrüummt ift als bey Jungiana, aber, weil fie weiter
nah hinten fteht, mit der Spise der glänzenden Querlinie
näher fommt; fie ift auf dem Innenrande am breitften und
bier“ durch ein bräunliheg Mittelftricheichen gefpalten; beim
Meibchen ift fie fürzer und fehmäler und ohne Spaltſtrich.
Der Vorderrand bat 10 weiße Strichelben, von denen bie
innerften mehr gegen den Hinterrand geneigt find als die äu—
ßerſten; die 2 innerften, unterwärts blauglänzenden liegen noch
vor der Flügelmitte und find durch eine ziemlich breite, dunkle
Stelle von den folgenden getrennt; das erjte und 4te derfelben
ſetzt fih in eine blauglanzende Linie fort, und die erfte derſel⸗
ben geht noch weiter abwärts in eine lilaglänzende, einwärts
gebogene, verdickte Linie über, die den Spiegelfled von innen
begrenzt. Zwiſchen den 2 der Fluͤgelſpitze naͤchſten Strichelchen
fommt ine blauglänzende Linie herab, und es fteht unter ihnen
ein fo gefärbter Punct; als Fortfegung einer dem Hinterrande
parallelen Linie, an welche ſich die 2te blauglänzende anſchließt,
folgt eine lilaglänzende Linie als äußere Grenze des Spiegel:
feldes; dieſes verengt fi nach unten und trägt 3 tiefſchwarze
Laͤngsſtrichelchen, deren Länge abwärtd abnimmt. Die Hin:
terrandlinie ift fein und ſchwarz, Die Franzen glänzend braun-
grau.
Hinterflügel des Männchens heller braun als die Vorder:
flügel, ‘auf der Wurzelhälfte weißlih; die Franzen weiß, an
der Flügelfpige grau, vor der Bafis aber von einer braunen
Linie durchzogen. ı Beim Weibchen find die Hinterflügel faſt
ſchwarz, einfarbig, mit eben folhen Franzen, in welchen. ji
die dunfle Linie vor der Bafis erkennen läßt.
Unterfeite der Vorderflügel ſchwaͤrzlich, grauglänzend, auf
dem Borderrande mit. weißlihen Häkchen; die Innenrandhälfte
ift weißlih mit brauner Subdorfalader und durchſchimmerndem
Mondfled. Die Hinterflügel find wie auf der Oberfeite, aber
lichter ſchwaͤrzlich und längs des Worderrandes grau. Beim
Weibchen ift hier alles einfarbig fehwar;, und die Innenrand—
hälfte des WVorderflügels fehr verengt und düfter grau, dod) mit
Iſis 1847. Heft 10,
738
ebenfo deutlichem Monde wie beim Männchen; die Vorderrand:
haͤkchen find kleiner und feiner.
Zwey Männhen am 3. April, 1 Weibchen am 15ten bey
Meffina im Gebirge in fonnigen Thälern an Papilionaceen,
wo ich fie ald Jungiana fieng, deren Betragen fie butten.
Diefe Art iſt mwahrfheinlid an den Mittelmeerküften die Stells
vertreterinn der Jungiana. Löw fieng zwey Weibchen an ber
Küfte von Kleinafien am 11. und 20. April.
Phozopteris.
300. (1.) Lanceolana.
Nicht felten. bey Syracus auf den Wiefen und in trodnen
begraften Gräben in den Spracafümpfen zu Ende April, am
meiften gegen Abend fliegeud, meift größer und bläffer als die
hiefigen Eremplare, aber. ohne fpecififche Verſchiedenheit. Die
3 mitgebrachten Weibchen, in der Größe fehr ungleich, haben
faſt einfarbige VBorderflügel, bleich ochergelb, wie dürres Rohr.
Ein Pärchen fieng ih füdlic von Syracus am Bache Caffibile,
301. (2.) Venosanan. sp.
Alis latioribus, minus lanceolatis, griseo - ochraceis,
costa nebulaque media longitudinali fuscescentibus, venis
postieis nigricantibus, puncto venae transversae albido.
( mas.)
Sicher verfchieden von Lanceolana durdy die breiteren und
meniger fcharf zugefpisten Vorderflügel, Eenntlich befonders da-
tan, daß die Adern alle in. f[hwärzliher Farbe hevvortreten,
vorzüglich dunkel die in die obern $ des Hinterrandes auslau:
fenden.
Größe einer anfehnlichen Lanceolana. Ruͤckenſchild und
Kopf braunlichgraugelb. Zafter obenauf etwas heller, um die
Augenlänge über die Yugen hervorftchend, zufammengedrüdt,
dreyedig, mit faum aus den Haaren hervorftehendem Ends
gliede. Beine etwas glänzend, ſchmutzig hellgelb; die 4 vordern
auf der Lichtfeite dunkelbraunlich gefledt. Hinterleib grau, mit
hellem Afterbufch.
Vorderflügel im Grunde ſchmutzig hell ochergelb, dien Farbe
ift längs des Worderrandes im einer ſich nach binten zuſpitzen—
den Strieme braͤunlich überzogen. "Durch die Mitte geht ein
breiter, brauner, firiemenartiger Schatten von der Baſis nad
der Flügelfpige; er ift obermärtd am dunfelften und. fticht bier
gegen den hellen Grund merklich ab; gegen den Innenrand zu
geht er almahlih in die verdunfelte Grundfarbe über. An der
QDuerader auf der Grenze des Hellen und. des Dunkeln, in
legterem fteht ein auffallender, weißer Punct, von welchem aug
die Adern, als ſchwaͤrzliche, dünne Linien nah dem Hinter:
und DVorderrand laufen. Der Vorderrand hat in dunklem
Grunde fehr verlofchene, hellere Schrägftricheldyen ; den Hinter:
rand füumt eine braune Linie. Franzen hellbräunlich, über
dem von der Spige ausgehenden braunen Laͤngswiſch, der Fort-
fegung des braunen Mittelfchattens, find fie bleich rohrfarbig.
Hinterflügel grau, einwärts und gegen den Innerand Lichter.
Franzen fehr hell grau, an der Baſis mit dunklerer Linie durch-
zogen.
Unterfeite der Worderflügel dunkelgrau, am Snnenrande
etwas hell; der Hinterrand von der gelblichen Franzenbafig als
von einer feinen’ Linie umzogen. - Hinterflügel viel heller grau,
am. hellften ‚gegen :den Innenrand zu.
Diefe Art fand ih am 29. April, am 4. und, 12. May
auf feuchten Wieſen in den Syracaſuͤmpfen bey: Syracus; da
47
739
ich fie für Abänderung det Lanceolana hielt und nur fpärlich
fand, fo habe ih nur wenig Exemplare und feine Weibchen
gefangen.
302. (3.) Badiana.
1 Männhen, 2 Weibchen am 13. und 16. Auguft bey
Neapel im Walde von Gamaldoli von Kaftanienftfämmen ge
Elopft. Ihre Flugzeit mußte damals eben beginnen, da fie jo
felten waren.
303. (4.) Phoxopt. spec.
Am 13. Auguft fand ich an Kaftaniengeftrauh im Walde
oberhalb des Agnano nicht felten Blätter, die wie die Eichen:
blätter durd) die Raupen von Penkleriana, an den Rändern
mit Seide zufammengeheftet waren und fo die Schotenform
erhalten hatten. Die darinn lebenden Raupen waren in ver:
fhiedenem Alter und hatten bier und da die Epidermis anges
freffen; fhmusiggrün mit honiggelblihem Kopfe, fehr kenntlich
an der Zeichnung des Prothorar: 4 ſchwarze Puncte in einem
nad vorn offenen Bogen, von denen die 2 Außerften und vor=
derften größer als die beiden mittlern find und faft an ber
Seite des Ringes ftehen. Ich machte natürlich Eeinen Verſuch
die Naupen zu erziehen. Sie fönnen kaum u einem andern
Genus als zu dem gehören, welches Badiana, Unguicana,
Uncana, Siculana etc. umfaßt.
Teras.
304. (1.) Abildgaardana.
Ein einziges, fehr abgeflognes Männchen, auf der Vorder:
flügelbafis ohne gelblihe Beymiſchung, alfo eine ächte Abild-
gaardana — £lopfte id am 6. Juny am Rande der Cyane—
wiefen aus Schlehengeſtraͤuch. Diefe frühe Generation fehlt
ben uns; fie fommt aber ſchon in einzelnen Eremplaren um
Wien vor.
305. (2.) Ferrugana.
Nur die allergewöhnlichfte Varietät (8. v. Rslſt. 2. 23.)
Mehrere Männchen klopfte ic) am 28. und 31. Januar bey
Trieft am Suͤdabhange des Karfts aus dem duͤrren Laube jun:
ger Eichen; ein einzelnes, fhon etwas verflogenes bey Meffina
in den Bergen von Tremmonti am Gefträud von Quercus
pubescens am 25. Februar.
Cochylis.
306. (1.) Tischerana.
Um Spracus zu Ende April und ten ganzen May hindurch),
nur einzeln, an trodnen Grasftellen befonders des Kalkbodens.
Von Artemisia campestris, die ich für unfere hiefigen Mid:
ter als Nahrungspflanze annehme, habe ich dort fo wenig eine
Spur gefunden, wie auf einer Iehmigen Anhöhe bey Ancona,
wo ich ein ſchoͤnes Männchen der Sommergeneration am 10.
September fieng. — Diefe Art verbreitet fih von den Küften
der Dftfee (um die Odermündung) füdlich über Europa und
wahrfcheinlih über die ganzen Küften des mittelländifchen
Meeres.
307. (2.) Cancellana n. sp.
Alis anterioribus pallidis, nitidulis, ochraceo -reticula-
tis, lunula costali punetoque anguli postiei fuseis; poste-
rioribus cinereis, ciliis pallidis (mas, fem.)
Aus der Vermandtfchaft der Coch. Mussehliana; £enntlid)
740
an ben geglätteten, weißlich glänzenden, beſonders hinterwaͤrts
ochergelb gegitterten Vorderfluͤgeln.
Größe wie Mussehliana. Ruͤckenſchild bleichochergelb. Kopf
mweißlih, an den Augenrändern gelblich. Fühler des Maͤnn—
chens deutlich gefranzt. Zafter mäßig lang, vorn verdidt, mit
wenig hewvorftehendem, ftumpfem ndgliede; fie find auf der
Dberfeite und einwärts weißlih, an der Außenfeite bräunlich
gelb. Die 4 Vorderbeine auf der Lichtfeite bräunlich, hellge—
fleckt, die Hinterbeine bleichgelb. Hinterleib grau am Bauch
und Afterbufch gelblich.
Vorderflügel etwas breit mit fanft gewoͤlbtem Worderrande,
an der Bafis gelblih, nach hinten heller ing Weißliche, unter
der Roupe ganz glänzend weißlih. Die Adern treten hinter:
wärts in ochergelber Farbe hervor und find durch ochergelbe
Querftrihelhen verbunden, wodurch das gitterformige Anfehen
entiteht, das an der Bafis am ſchwächſten ift, weil bier die
Adern wenig verdunfelt find und die Querftriche wenig bemerk—
bar werden. Vor der Mitte des Innenrandes liegt: auf bie
fem ein ſchräg auswärts geneigter und. gefrümmter, dicker
Strih; er iſt lehmgelb und befonders einwäarts dunkelbraun
gerandet; er endigt an der Medianader, wo eine ſchwache Ver—
dunkelung der Grundfarbe bemerkt wird, und ihm entfprechend
liegt an der Mitte des Vorderrandes ein lehmgelbes Fleckchen.
Der Innenwinfel hat einen braunen, ſehr Eleinen, faft punct-
foͤrmigen Fled.
Hinterflügel mehr oder weniger dunkelgrau, verlofchen dunkler
querſtrichig; Franzen bleichgelb.
Unterfeite der Worderflügel dunfelbraungrau, ander Hinter:
hälfte des Vorderrandes ziemlich ſchmal bleichgelb und dunkel:
grau punctitt.
Hinterflügel weißlichgrau, auf der SHinterhälfte, befonders
gegen den Vorderwinfel, mit grauen Querftrichen. Die Fran:
zen der Vorderflügel find lebhafter gelb als die Hinterflügel.
Das Weibchen hat etwas fchmälere Vorderflügel und ift we:
niger lebhaft gefürbt als das Männden.
Auf den Sümpfen, i margi, ben Faro, an der fchmalften
Stelle der ficilifhen Meerenge, flog diefe Art am 19. März
nicht ſelten; ich erhielt aber nur ein ziemliche und 1 fehr
ſchlechtes Männdyen. Sie flogen im Sonnenfchein leicht durch
Scheuden aus den dichten Büfchen des Juncus acutus auf.
Am 23. April fieng ih 2 Pärchen an ähnlicher Steile in den
Spracafümpfen bey Spyracus.
307..(3.) Posterana Hffgg. in lit.
Der Wider, welcher zufolge der von Treitſchke dazu ge—
zogenen Hoffmannfeggfchen Benennung Posterana eine
bey ung ziemlich) gewöhnliche Art ijt, läßt fih aus der Zreitfch-
£ifhen Befchreibung nicht wieder erkennen. Es findet übrigens
bey diefer Ambiguana eine gewaltige Gonfufion ftatt. Treitſchke
er£lärt Ambiguana, Frölich in den Tortr. Würtemberg. für
„ſo deutlich befchtieben, daß Fein Mißverſtaͤndniß denkbar ift.“
Nun hat er aber felbft die Befchreibung mißverftanden und dem
Trölihfhen Namen Ambiguana einen fremden Wider un-
tergefchoben! Der Treitfhfifche Widler bat einen gelb-
lihmweißen Nüden, der Froͤlich ſche einen Thorax fuscus,
jener hat eine WVorderflügelbinde, von deren Verbreiterung am
Snnenrande Treitſchke ſchweigt; diefer hat eine ſascia me-
dia intus [d. h. am SInnenrande] dilatata; Eur; beide Wickler
find ganz verfchieden. Die Frölihfhe Ambiguana befige
ich; fie ift in der Glogauer Gegend in Gehölzen ziemlich felten
741
und-zeichnet ſich eben durch den ſchwaͤtzlichen Thoͤrax aus, wos
tinn fie der Dubitana ähnlich iſt; uͤberhaupt ift fie von Froͤ—
tih fehr richtig befchrieben werden. Ungeachtet nun die
Treitſchkiſche Ambiguana mit der Froͤlich ſchen gar nicht
zu vereinigen ift, fo hat Treitſchke doch die Froͤlich ſche
Diagnoſe abgeſchrieben, von welcher die Worte von fascia me-
dia an nur zu Ambiguana Fröl. paffen. Dieß fcheint er
fetbft gefühlt zu haben; da er jedod von der Vereinigung bei
der Arten überzeugt war, fo fcheint er danach feine Beſchrei—
bung eingerichtet zu haben, in welcher demnah die Hoff:
mannfeggfche Posterana nicht gut zu erfennen ift; er be=
fchreibt nehmlich nur die Franzen als braunfledig, während der
Rand davor und befonders die Flügelfpise gleichfalls mit Braun
gezeichnet find. In feiner Correſpondenz mit Fifher von
Roͤslerſtamm erklärt er für feine Ambiguana einen Mid:
ler, den ihm mein Freund mit der Notiz: „ift aus Ungarn;
auch erhielt ih ihn von Mesner unter dem Namen Poste-
rana Affgg., und es fol nah Kuhlweins Meynung die
wahre Tin. Hybridella Hübn. 351. fein,’ zugeſchickt hatte.
Dadurch ift er ohne Zweifel veranlaft worden, X, 3. ©. 148,
Posterana Hfgg. al® Synonym mit feiner Ambiguana zu
vereinigen, Wir dürfen alfo die Hoffmannfeggifche Benen—
nung für unfern Wickler aufnehmen, den ich hernach genauer
bezeichnen werde.
Daß Treitſchke feine Ambiguana unfenntlih befchrieben
bat, zeigt auch der Umftand, daß: Duponchel ſie unrichtig
deutet und uns alfo mit einer dritten Cochylis ambiguana
befhenft. In feinen Platyonid. ©. 505. Taf. 262. Sig. 7.
— Catalogue S. 309. — befchreibt und bildet er eine Am-
biguana ab, von der er fagt: elle m'a paru se rapporter à
YAmbiguana de Tr. et de Fröl., und die eine fichere
Penth. Simplzna FR. ift!
Posterana Hfgg. in lit. — Ambiguana Tr. — Mi-
norana Prittw. in Ephem. entomol. 1845. pag. 246.
Thorace et capite exalbidis; alis anterioribus exalbidis,
in costa et postice cinereo-nebulosis, fascia media antice
abbreviata punetisque duobus fuscis notata, margineque
postico fusco - violaceis, ciliis fuscescentibus dilutius
tessellatis.
Var. a) alis longioribus.
_Var. b) alis _brevioribus.
Ich glaube nicht zu irren, wenn ich die Eremplare mit kuͤr—
zern Flügeln nur für eine Warietät anfehe, da ich außerdem
auch nicht einen ffihhhaltenden Unterfchied entdeden kann. —
Für eine Cochylis ift diefe Art Eeinesweges, wie v. Pritt-
witz behauptet, von unerheblicher Weränderlichfeit. — Poste-
rana unterfcheidet fihb von Ambiguana Fröl. durch be-
trächtlichere Größe, in welcher fie den gröfern Cremplaren der
Dobitana glei fommt, durch gelblihweißen Thorar (keines—
weges fchneeweiß, wie v. Prittw. befchreibt) ftatt eines dun=
felgrauen, durch jdie vor der Mitte abgebtohne, am Innen—
rande nicht erweiterte Vorderflügelbinde, den breiten, dunfeln,
fledigen Hinterrand (der bey Ambiguana Fröl. gelblich bleibt)
und die braunen, heller gefledten Franzen ftatt einfarbig gel—
ber. — Ben Carduana n. sp. an Hybridella Hübner.
351. — (2 Männden, 1 Weibchen bey Pofen am 13. Su
gefangen) find Kopf und Thorax auch gelblichweiß; die Vorder:
flügel find ader hinten breiter; die abgefürzte Binde ift innen
rojtbraun und endigt mit einem tiefſchwarzen Fledchen, unter
welchem auswärts ein zweites fteht; der Verbunfelung vor dem
— —— —
742
Hinterrande iſt viel Roſtbraun beygemiſcht, und die Franzen
find voffgelb mit grauen, breit getrennten Wuͤrfelflecken —
Pallidana FR. in lit. ift beträchtlich Eleiner als Poste-
rana und unterfcheidet fich fofort durch das bräunlichgraue
Rüdenfhild, welches bloß vorn zwifhen den beiden Schulters
deden einen breiten, hellgelben Fleck hat; außerdem ift der
Hinterrand nur an der braunen Randlinie verdunfelt, die ſtum—
pfere Flügelfpige in der Grundfarbe; nur von dem drittleßten
bräunlichen Vorderrandfleck geht ein hellbraͤunlich bindenartiger
Streif herab, ähnlich wie bey Ambiguana Frölich: die Scan:
zen find violettlih braun, verlofchen, hellfleckig ( Diefe Art ift
bis jetzt, foviel ich weiß, erft in Mecklenburg vorgefommen. —
Gilvicomana n. sp. bat bey geringerer Größe einen ocher⸗
gelblichen Kopf und Vorderrand des Rüdenfchildes, welches
übrigens wie die Schulterdeden gelbbraun if; vie gelblichen,
hinten verdunkelten Vorderflügel haben eine vollftändige, ſchlecht
begrenzte Mittelbinde von braun und grau gemifchter Farbe,
einen eben folhen breiten Hinterrand und braun und heller
wechſelnde Franzen. (Diefe Art, von der ich bey Glogau ein
Eremplar, am Probjtbainer Spigberge ein 2tes fieng, ein
Ztes aus Mecklenburg erhielt, wurde mir als Flaviscapulana
FR. mitgetheilt; da der Name aber der Wahrheit widerfpricht,
fo habe ich ihn abandern müffen.)
Posterana hat Ruͤckenſchild, Kopf, Fühlerbafis und Ober—
feite der Zafter weiß mit ſchwacher, gelblicher Benmifchung.
Fühler auf der Ruͤckſeite weißlih, in den Gliedereinfchnitten
wenig verbunfelt, auf der Unterfeite zart gefranzt. Taſter beim
Weibchen länger als beim Männchen, bey lesterem nicht um
die volle Augenlänge über die Augen hervorftehend, doch felbft
darinn ein wenig veränderlich, nach vorn erweitert; das End—
glied ftumpf und Eurz, nicht weit aus der Behaarung des
2ten Gliedes vorragend; fie find auswärts hellbräunlich ange⸗
flogen, beim Weibchen am wenigſten. Die 4 vordern Beine
auf der Lichtſeite graubräunlich mit weißlichen Fleckchen; Hin»
terbeine einfarbig weißgelblih, ebenfo an den 2 Paar Dornen.
Hinterleib grau am Bauche und After weißlich; die Ningränder
find auf, dem Rüden nad hinten zu mit hellen Schuppen
gefranzt.
Vorderfluͤgel gelblichweiß, an der Baſis gelber; der Vorder:
tand ift bis zu einem bräunlihgrauen Mürfelflet der Rand:
mitte graupunctict, mit einem größern, hellgrauen Randfleck
nicht weit von der Baſis An der Mitte des Innenrandes fist
ein bindenartiger, brauner Fleck, der fidy nach hinten zu kruͤmmt
und an der Slügelfalte aufhört; mehr oder weniger deutliche,
gelbbräunliche Nebel fegen ihm fort bis zu dem dunflern Fleck
an der Vorderrandmitte; er iſt in der Mitte braun, an den
Rändern violettlih dunkelgrau, einwärts am dunkelften; uͤber
der Slügelfalte liegen bey vollftändigen Eremplaren zwey weit
getrennte, dunfelbraungraue Puncte an ihm, die bey oberflächs
liher Betrachtung durch einen dünnen Längsftrich, die Flügel:
falte, vereinigt ericheinen. Der Hinterrand ift in anfehnlicher
Breite braun und grau, fledig und wollig, doch an der Mitte
am wenigften, nicht felten, und zwar am meiſten am Vorder:
winfel, mit, purpurfarbiger Benmifhung. Diefer hat auf den
Vorderrandfranzen 2 braune Fleckchen und ein drittes, nicht
immer deutliches, weiter einwärts, wo die Franzen aufhören;
und aus dem lestern fommt bisweilen ein bräunlichee, unten
verdidter und verdunfelter Fleck herab, der fich dem Worders
winfel gegenüber befindet. Die Franzen find biäulihbraun mit
verlofhenen, braungelblihen Wuͤrfelflecken; diefe liegen entwe-
743 —
der nur auf der Außenhaͤlfte und find dann ſehr undeutlich,
oder fie reichen big zur Baſis, und dann iſt eher die Haupt
farbe der Franzen als roftbräunlich anzunehmen und in derſel—
ben 5 bläulichbraune Mürfelflede, von denen die am Innen—
wineel einander am näcften und unbeutlichften find. Der
lichte Grund zwiſchen dem verdunfelten Worderwinfel und, ber
Mittelbinde glänzt weißlich. Die Länge der Vorberflügel if
veränderlich; am Eürzeften find fie gewoͤhnlich beim Weibchen,
Hinterflügel lichtgrau, gegen die Baſis heller; beim Männs
chen find fie heller. und oft mit grauen Querfledchen beftreut.
Unterfeite braungrau, an der Hinterhälfte des Worderrandes
mit weißlichen Rledchen; am Innenrande zeigt fich der Grund
vor und binter dem Mittelfleck verlofchen weißlich. Franzen
verlofchener als auf der Dberfeite., Hinterflügel weißlich, am
Worderrande von der Baſis aus hellgrau und in der Fluͤgel—
fpige verlofhen queeftrihig. Im den Franzen zeigen ſich big:
weilen lichtgraue Fleckchen.
Von diefer Art fieng ich ein gemwöhnliches Maͤnnchen ber ge:
ſtrecktfluͤgligen Varietät am 28. Auguft füdlid von Rom an
Difteln. Zwey andere Männchen, das eine am 25. Auguft
in der Campagna bey Nom gefangen, das andre bey Narni
am 4. Eeptember, gebören zur Var. b. und zeichnen fich Durch
ihre Kleinheit aus. An beiden haben die WVorderflügel ein ver-
lofhenes Anſehen; die 2 Puncte am Ende deg Innenrandflecks
find vorhanden. Bey dem roͤmiſchen Exemplar iſt der Hinter—
tand und der Vorderwinkel dunkelroſenroth mit, braunen Fle—
den. Das Narnifhe Eremplar bat ſehr wenig und blaffes
Roſenroth nur am Nande, in den hellen, gelblien, längs
deffelben hinlaufenden Fleden, in gleichgeftaltetes Männchen,
aber wie gewöhnlich gefärbt, fing Löw im Auguft bey Dfen.
— Bey ung fliegt Posteranus an Carduus nutans und Ar-
etium bardana, in deren Früchten die Raupe lebt; v. Pritt»
witz erhielt eine Anzahl aus den überwinterten Früchten von
Centaurea jacea.
309. (7.) Mollieulana n. sp.
Thorace et capite pallide ochraceis; alis anterioribus
exalbidis ochraceo-nebulosis, macula dorsi medii curva
lutea, macula opposita fusca, eiliis pallide einereoque
alternatis (mas, fem.)
Aus der Verwandtfchaft der vorigen, mit binterwärts brei—
tern DVorderflügeln, ohne dunfle, braune Flecke in der Mitte
und am Hinterrande, mit hellochergelbem' Kopf und Rüden:
child.
Größe im Ganzen etwas unter Posterana. Kopf und Ruͤ—
ckenſchild in der angegebnen Farbe, auf den Schulterdecken und
am Augenrande etwas gebräunt. Fühler gelbbraunlich, beim
Männchen zart gefranzt. Taſter um mehr als die Augenlänge
über die Augen hervorftehend, nach vorn erweitert, hellochergelb,
an der Seite gebräunt; das fehr Eurze Endglied fteht kaum aus
den Haaren des 2ten Gliedes heraus und hat eine meißliche
Spike. Beine auf der Lichtfeite hell gelbbräunlich, weißlich ge-
fledt; die Hinterbeine viel bläffer. Hinterleib hellgrau mit ans
ſehnlichem, gelblihem Afterbuſch. Worderflügel nach hinten er—
“ weitert, gelblichweiß, etwas glänzend, an der Baſis gelber,
überall, aber vorzüglih auf dem Hinterranddrittel ochergelbs
nebelicht. An der Mitte des MWorderrandes hängt ein ſchraͤg
auswärts gerichteter, braungrauer MWürfelfled; von ihm aus
gegen die Baſis hat der Vorderrand braͤunliche Puncte und in
der Nähe der Baſis ein dunkleres Fleckchen. An der Mitte
— —— —
744
bes Innenrandes ſteht ein bis zur Medianader hinaufreichender,
dunkelroſtbrauner, bindenfoͤrmiger Fleck, von welchem bis zum
Vorderrandfleck ein lichtes, ochergelbliches Gewoͤlk zieht; er iſt
auf beiden Seiten, nicht ſcharf, grau gerandet, und auswaͤrts
haͤngt an ihm auf der Fluͤgelfalte ein dunklerer Punct. Im
ochergelben Gewoͤlk vor dem Hinterrande zeichnet ſich ein laͤng—
lihrunder, aus dem Hinterwinkel auffteigender Sled aus. Der
Vorderrand hat 3 graue Flecke, von denen 2 fich in ochergelbe,
f&hiefauswärtsgehende Streifen fortfegen; der innerfte liegt am
Anfange der Vorderrandfranzen, der dritte an der Fluͤgelſpitze
felbft. Die Franzen des Hinterrandes find bleichochergelb mit
4 grauen Würfelfleden; der oberfte liegt von dem Fleckchen der
Blügelfpigfranzen weit entfernt; unter ſich ſtehen fie ziemlid)
gleich weit ab.
Hinterflügel ſehr lichtgrau, heller gefranzt.
Unterſeite der Vorderfluͤgel braͤunlichgrau, am dunkelſten ge:
gen den Vorderrand. Dieſer hat auf feiner hintern Hälfte in
fhmalem, gelblihweißem Grunde braune Fleckchen. Die Stanz
zen find fo mie die Hinterflügel verlofchener. gefärbt und gezeich—
net alg auf der Oberfeite.
Diefe Art flog bey Eyracus am 6. und 7. Juny ziemlich
felten am grasteihen Rande eines Kußfteiges, der in den feuchten
Aeckern zwifchen dem Anapo und den Säulen des Jupitertem—
pels hinführt. Schon am 19. May fieng ich ebendort 2 ziem-
lid) -abgeflogne Weibchen.
810. (5.) Contraetanan. sp.
Capite et thorace flavidis; alis anterioribus angustulis
pallidis, fascia media punctoque anguli postici cinnamo-
meis, fascia marginis postici violaceo - cinnamomea.,
Größe wie eine £leine Coch. Angustana; die fcharfe, [hmach-
gebrochne, zimmetbraune Binde auf den ziemlich ſchmalen Vor—
derflügeln und der gelbbräunliche, violettſchimmernde, bindenar-
tige Hinterrand zeichnen die Art vor allen mir befannten aus.
Kopf und Ruͤckenſchild bleichgelb, an den Raͤndern dunfler.
Tafter kaum um die Augenlange über die Augen hervorftehend,
nad vorn erweitert, bleichgelb, an den. Seiten zimmetbräunlich
angeflogen; Endglied fehr kurz und ftumpf. Fühler beim-
Männchen deutlich gefranzt. Die 4 Vorderbeine auf der Licht-
feite gelbbraun, hellfleckig; die Hinterbeine einfarbig glänzend
gelblih. Hinterleib grau.
Vorderflügel ziemlich ſchmal mit fanft converem Vorderrande,
ſehr heil gelb, an der Baſis dunkler und am Vorderrande gelb>
bräunlih. Vor der Mitte iſt eine vollftändige Binde von un:
gleicher Breite und zimmetbrauner, auf dem. Vorderrande ver:
dunfelter Farbe; fie macht unter der Mitte eine Eleine Ede
nad außen und jteht auf. dem Innenrande der. Baſis näher
als auf dem VBorderrande. Der Innenwinkel trägt ein zimmet=
braunes, dreyeckiges Fleckchen. Der Hinterrand iſt gelbbräun:
lich verdunkelt mit vielettlichem Schimmer; an einen vor der
Spitze liegenden Vorderrandfleck haͤngen ſich mehrere Flecke zu
einer unregelmäßigen Fleckenbinde an, die bis in den Innen—
wineel reiht. Nur bey dem von mir gefangenen Weibchen ift
fie fcharf auf beilem Grunde, bey den andern Exemplaren mit
der Umgebung zufammengefloffen. Franzen gelblich, verlofchen
gelbbraun gefleckt. j
Hinterflügel nebft den Franzen einfarbig. hellgrau.
Unterfeite der Worderflügel grau, am Vorderrande auf der
Hinterhälfte gelblich, von einem ſtarken, grauen Fleckchen und
einem Eleinern vor der Spike unterbrochen. Auf den ‚gelb:
745
bräunfihen Franzen umzieht den Hinterrand eine gelbliche Linie.
Um Sunenrande fchimmert hinter der Mitte ein fehr verloſche—
ner, gelblidyer Fleck durch. Hinterflügel grau, beim Weibchen
ſehr hell.
Ein einzelnes, ſchon etwas geflognes Weibchen fieng ich bey
Narni am 4. September auf einem Brachfelde an Diſteln.
Ein Paͤrchen, das gleichfalls an den Franzen beſchaͤdigt iſt,
brachte Loͤw von ſeiner Reiſe mit; das Maͤnnchen fieng er im
Auguſt bey Pera, das Weibchen gegen Ende September bey
Bruſſa.
311. (6.) Notulana n. sp.
Capite ac thorace flavidis; alis anterioribus favidis,
fascia media intus obscure, puncto anguli postici, ma-
eula supra angulum posticum fasceiaque postica ex costa
attenuata fuseis. (mas.)
Sehr aͤhnlich der Manniana, leicht zu erkennen an dem
braunen Fleck auf den fchmälern VBorderflügeln zwifchen dem
Innenwinkelpunct und der vor der Fluͤgelſpitze quer Übergezoge-
nen Binde; er iſt groß und von diefer Binde durch eine weiß—
lid) glänzende Linie getrennt, oder hängt mit ihr auch hier und
da durch Zaͤhne zufammen. Die Grundfarbe ift blafgelb; die
Binden find zwar wie bey: Manniana geftaltet, aber dunfler-
braun, und die verengte vor der Flügelfpise ift in ihrer Mitte
breiter. Kopf und Ruͤckenſchild find heilgelb, bey länger geflos
genen Eremplaren weißlich. Größe unter der von Manniana.
Sch fieng mehrere meift verflogene Männchen diefer Art bey
Syracus am 23. und 29. April nach Sonnenuntergang an
grafigen, feuchten Grabenrändern in der Gegend der alten Nea—
polis. Weibchen fand. ich nicht.
312. (7.) Purgatana.
Der Kopf mit den Zaftern, das Ruͤckenſchild und der Hin—
terleib find ſchwarz und nicht, wie Treitſchke fagt, aſchgrau;
nur die Schulterdeden find hinten und am ſchmalen Außen:
tande weiß; der Afterbufch iſt gelblich; die Beine ſchwarz, mit
meißen Sleden, und die Hinterfchienen und Füße auf der dem
Leibe zugekehrten Seite weiß.
Nur ein verflognes Männchen fieng ich bey Syracus am
24. April, Da diefe Art bey Wien im July gefangen wurde,
fo hat fie eine doppelte Generation.
313. (8) Reliquana,
Diefe Art, die nichts weniger ald eine Cochylis ift ‚erhielt
ich aus unbeachteten Raupen, welche mit denen von Tortr.
Pronubana an Daphne gnidium auf den Kalkfelfen von Sy—
tacus lebten. Die Schmetterlinge Frochen mir einzeln zu Ende
Juny und Anfang, July aus. in Paar fah ich auch um
Daphnefträucher fliegen. Um,NRom waren fie zu Ende Auguft
und Anfang September an ben mit Clematis (vitalba.?) hau:
fig durhmachfenen Gartenzaunen in größter Menge, und gegen
Abend ſchwaͤrmten fie bey ruhigen Wetter in ganzen Schaaren.
Crambina.
1. Crambus.
Coſta, der nah Treitſchke das. Genus Chilo ital.
Chillo benennt und diefen Namen von „XvAom insucco“ ab:
leitet, giebt als verbefferte Merkmale, für daſſelbe: Palpi in-
feriores porreeti, subdeclinati,, eontigui, rostriformes,
superiores biarticulati, apice clavati, fasciculo ‚pilorum
Iſis 1847. Heft 10. \
746
inter frontem palposque eminentes. Seine neapolitanifchen
Arten find: 1) hortuellus’(febr leicht auf Wiefen und Ges
treidefeldern zu finden). 2) rorellus (häufig vom Suly bie
zum Geptember [?] auf Wiefen und Getreidefeldern). 3) pi-
netellus Tr. (,‚felten bey ung”). 4)-conchellus Tr.
(felten in Calabria ultra und auf der Majella im Auguft).
5) Falsellus mit einer Varierät: alis anticis albidis, ba-
dio punetulatis, fimbria postica aurata micante, palpis
externe nigro punetulatis, die dem gewötnlichen. Falsellus
außerordentlich ähneln foll, aber deren Worderflügelfrangen (ali
posteriori ift ein Schreibfehler ftatt anteriori ) metallglänzend
oder füft ‚vergoldet find, während die braune Querbinde halb
verwifcht iſt. [Sch vermuthe, daß Cofta fich fehr in dem
Namen geirrt hat, und daß bier ein wahrer Falsellus ge:
meint ift.] 6) Inquinatellus. (Die Hinterflügel weiß,
nicht braun; im Auguft.) 7) Chrysonuchellus (fehr
häufig im Königreich). 8) Beklus (fehe felten — in Ab-
ruzzo ultra im Thale von Roveto unter Canistro zu Ende
Auguft, auf dem Matefe auf der Piana di Cusano zu Ende
Sup). 9 Majorellus: „alis anticis lividis, striga
marginali albo-margaritacea, macula humerali flavida lu-
nulata; alis posticis cinereo-fuseis, fimbria albida. Koͤr—
per röthlichbraun mit Perlfchimmer; Ober- und Unterpalpen
wie gewöhnlich [1]. Vorderfluͤgel gelblichbraun (fosco livido)
mit einer geradlinigen, perlfarbigweißen Laͤngsſtrieme des Vor—
derrandes, welche den Frummen Außenrand in derfelben Farbe
wie das innere Feld laͤßtz ein gebogener, gelblicher. Querfled
fteht «gegen die. Baſis, ähnlich faft dem von Ch. colonnellus.
Hinterflügel afchgrau glänzend, dunfler gegen die Spige und
am Vorderrande, mit glänzend weißen Franzen. Taf. VIE
Fig. 1. [Eben diefe Figur wird auch, jedoch irrig, zu Phyeis
luridella gezogen. Cie und die Befchreibung gehören ohne
den geringften Zweifel zu Pempelia Zinckenella fem., und
find nach einem alten, vergelbten Exemplare gemadıt]. — 10)
Luteellus mit Var. mas: lineolis nullis- an Silacellus
Tr. vel flavellus mihi — ganz gelblih ohne Fled; die
Hinterflügel gelblichweiß. Nicht gemein, im Commer [Bey
diefer Art hat Cofta bloß die Diagnofe aus Treitſchke ab:
gefchrieben, ‚ohne ein Gitat beyzuſetzen; ich bezweifle, daß der
wahre Luteellus um Neapel vorkommt. Die Co ft aifche Va—
vietät Fann aber fehr gut zu Eudorea ochrealis (Chil. sila-
cellus Tr.) gehören... 11) Contaminellus (Dft ver:
wiſcht fi die Nandlinie, fo daß fie faum Fledchen in den
Zwifchenräumen der Adern übrig läßt, und ift es ſchwer, diefer
Art nach der (aug Treitfichke abgefchriebenen) Phrafe zu ers
Eennen). 12) Pyramidellus (im Septbr. 1833. Unſere
Gremplare weichen ab, indem die Zafter, befonders auswärts,
befprengt find). 13) Margaritellus (im Auguft auf dem
Afpromonte in Calahria ultra), 14) Argentellus: Pal-
pis 'stuposis brevibus, alis anticis albo argenteoque mi-
cantibus, nervorum interstitiis ad marginem punctis atris,
quandoque obsoletis, fimbria alba; alis posticis albidis,
eiliis candidissimis. Ganz glänzend weiß. Augen ſchwarz;
Rorderflügel x filberglängend, manchmal mit goldenem Nefler;
am Rande in den Zwiſchenraͤumen der Adern ein fehr ſchwar—
zer Punct, der bey manchen weißern Cremplaren ganz fehlt.
Die Hinterflügel find weiß, beraucht, mit fehr weißen Franzen
wie die. Worderflügel. — Vielleicht gehört er zu Falsellus
(deriva. dal. Falsello); ev; zeigt aber feine Spur von den
Duerfleden oder Linien”. [Die Angabe über die ſchwarzen
; 47 *
747
Puncte zeigt, daß bier nicht etwa Perlellus gemeint iſt; ich
kann diefen Argentellus nicht wiedererfennen]. 15) Colon-
nellus [!] palpis anterioribus faseieulatis longissimis
antennis valde eristatis, erista supra nigra, subtus alba;
alis antieis plumbeis, lunula humerali elevata flavo - au-
rantio - zonata; alis postieis subhepatieis, marginibus
fuscescentibus, fimbria flavida. Körper braun, Hinterleib
ſchwarz mit weißliben Ringrändern und langem, roͤthlichem
Ufterbarte. Kopf klein; Augen groß, halbEugelicht, ſchwarz;
Stirn beſchuppt und vorn fehnabelförmig verlängert (fronte
squamato e prolungato anteriormente in forma di rostro).
Beine fehr ſchlank und kurz [!]; die Unterpalpen lang, braun,
obenauf weißlich. Fühler fehr gebartet; die obern Palpen am
Ende mit einem langen, tothgelben Borftenbufch, welcher dem
vorlegten Gliede der Unterpalpen gleich kemmt. Vorderflügel
bräunlichblenfarben, metallglänzend mit einer fchmusigweißen
Binde am DBorderrande, welhe den VBorderwinfel nicht erreicht,
und gegen die Bafis mit einem Frummen Gürtel von aufge
richteten, großen, braunen und goldgelben Schuppen, melden
eine parallele orangegelbe Binde folgt [suecede i. e. fih an—
fchließt]. Hinterflügel rauchbraun mit lebergelbem Nefler, bräun=
lihem Vorder- und Hinterrande und gelblihen Franzen. —
Sn Terra d'Otranto und den Abruzzen im Sommer nicht ges
mein’. — Die Unordnung in der Beſchreibung ift ein deut—
liches Zeichen, daß die Fauna nicht mit dem gehörigen Fleiße
gearbeitet wurde, und die Beſtimmung einer fo offenbaren
Phycida als ein Chilo (Crambus) einer der vielen Fälle,
aus denen zu erkennen ift, daB Cofta feiner Aufgabe mwenig
gewachfen war. Chilo Colonnellus — bey dem ſich alles ver—
einigt, um diefe Stelle der Fauna napol. als eine horrende
Monftrofität erfebeinen zu laffen — ift dag Miünnchen des
Ch. Majorellus Cost. oder Pempelia Zinckenella. Coſta
citirt bey Colonnellus tab. 8. fig. 3. feines Werts; es foll
fig. 2. heißen. Bey feinem Argentellus_ cititt er tab. 8.
fig. 2.; bier muß das Citat ganz geftrichen werden.
Die ven mir gefundenen Arten find folgende:
314. (1.) Pectinatellus n. sp.
Antennis maris longe pectinatis; alis anterioribus sub
apice profundius sinuatis, flavidis, longitudinaliter eine-
reo argenteoque venosis, striola argentea post venam
transversam nulla.
Naͤchſt verwandt mit Cr. palpellus, wefentlid verfchieden
durch die längeren Kammzähne der Fühler, die tiefer ausgebuch—
teten Vorberflügel und den Mangel des filberweißen Laͤngs—
frihs zwifchen der Querader und dem Hinterrande,
Beträchtlich Eleiner (Worderflügellänge nur 6 Linien). Zafter
merklich Eürzer und gegen die Bafis zu dider, obenauf, fowie
die Marillartafter, der Kopf und der Außenrand der Schulter:
deden blaͤſſer ocjergelb; die, legtern find übrigens heller und
gelblicher braun. Geftalt der WVorderflügel biefelbe, aber die
Einbuchtung unter der Spike ift tiefer und läßt die Ede dar:
unter fpiger hervorftehen. Die zwey filberweißen Längsftreifen,
wovon der eine am Vorderrande, der andre dicht an der Mes
dianader und deren erftem Afte hinzieht, find fehmäler, und die
ganze Medianader ift bis an den 2ten Aft breit afchgrau. Die
Subdorfalader fticht nicht gegen den breiteren afchgrauen In—
nenrand als eine gelblichweiße Linie oder Strieme ab, und der
von ihr in der Nähe der Baſis abwärts gehende Aft fehlt völs
lig, oder vielmehr es ift nur das Ende beffelben in einer ſchma—⸗
748
len Spur zu erfennen. Die Querader hat die bleidy ochergelbe -
Grundfarbe ohne Verdunklung; der filberweiße Kängsftrich, der
bey Palpellus hinter ihr faft bis an die erfte Querlinie reicht,
mangelt durchaus; man fieht nur in der Grundfarbe, wie auf
den andern Laͤngsadern eine Linie aus goldglänzenden Schuppen.
Die zweyte Querlinie macht nicht die ſcharfen Kappen wie bey
Palpellus, und ift veichlicher mit Silberſchuppen belegt. Zwi—
fhen der gelbbraunen Zranzenlinie und der davor hergehenden
Punctreihe ift ein viel beträchtlicherer Naum, daher zwifchen
diefer und der 2ten Querlinie ein um fo eingefchränfterer; die
Puncte felbft find mit bläulihweißen Schuppen zum Theil vers
det und erfcheinen daher dem bloßen Auge afchgran.
Die Hinterflügel find dunklergrau, an der Spige neben den
Franzen bleichgelblich 5; die Franzen fchneeweif. Auf der Unter:
feite der Vorderflügel iſt die braunliche Mittellinie der Franzen
dunkel und deutlich; der Hinterrand bis zu der erften Quer—
linie (diefe von der Baſis aus gerechnet) milchweiß und fchärfer
abgegrenzt als bey Palpellus,
Nur ein Männchen diefer Art fieng ich am 23. Auguft in
dem Paffe von Itri unterhalb der Verſchanzung auf einer duͤr—
ten Stelle im Graſe zwifhen Myrten- und Piftazienges
ſtraͤuch.
Duponchel beſchreibt (Hist. nat. des Lepid. IX. p.41.)
mit Unrecht die geibliche Färbung der Subdorfalader als einen
filbermweißen Längsftreif; mit Necht aber wundert er fich über
die Hübnerfhe (au fonft nicht recht gerathene) Fig. 32.,
worinn die Fühler männlih find und doch feine Kammzähne
haben. Zufolge des Zertes (‚das Männchen hat ganz deutlic)
gefiederte Fühler‘) follten fie aber diefelben erhalten, und wenn
ih mid) recht erinnere, fo verficherte mir F. v. Roͤsler—
ffamm, daß fie in feinem Exemplar des Merfes nicht fehlen.
Da Treitſchke felbft darüber ſchweigt, fo muß in älteren
Eremplaren des Hübnerfchen Werfes der Fehler nachgebeffert
worden feyn.
315. (2.) Tentaculellus.
Hübners Abbildung muß ich, felbft wenn fie eine mir in
natura unbekannte Art vorftellt, für ſehr fchleht erklären; fie
ift auf der rechten Seite anders gezeichnet als auf der linken;
dort hat fie unter dem Vorderrande eine vollftändige, braun—
gelbe Linie, hier eine unterbrochne, dort vor der erſten Duer-
linie 3, bier 4 weiße kurze Längsftriche, dort die weiße Linie
an der Medianader bis zur Baſis vollftändig, hier weit vor
derfelben endigend. Kopf und Taſter find hier weiß, und letz—
tere Eürzer als bey meinen Arten. Iſt die Länge der Zajter
richtig angegeben, fo fenne ich die Hübnerfche Tin. tentacu-
lella nicht. — Zu dem Treitſchkiſchen Tentaculellus macht
Fifcher v. Röslerftamm die Bemerkung, ed fey nicht die
Hübnerfche Art, fondern Palpigerellus FR., der im
Mannifhen Catalog zwiſchen Palpellus und Tentaculellus
aufgeführt wird. — Bon Zreitfch Ee’s Befchreibung deuten
allerdings die Worte: ‚Fühler des Mannes viel ſchwaͤcher ge=
fiedert (als bey Palpellus)“ auf ine ganz andre Art, alg
die ich für Tentaculellus annehme; denn diefe hat gezähnte,
fehr zart gefranzte Fühler. Alle andren Worte Treitſchkes
verrathen die größte DOberflächlichkeit. — Von Duponchels
Crambus tentaculellus (IX, pag. 44. tab. 268. fie. 4. a.
(mas) b. (fem.) befige ih nur eine Skizze des weiblichen Vor:
derflügel3 und die Befchreibung.
Nach erfterer ift mein bey Rom gefangener Crambus biefelbe
749
Urt; die Befchreibung widerfpricht wenigfteng nicht, da bie Un—
terfchiede, die er von Cr. palpellus giebt, offenbar nur indi—
viduell und oberflichlih find. Duponchel finder 5.3. die
Fühler einfach gefranzt (siimplement ciliees), währene fie fehr
lang gezähnt find; er hat dies nicht bemerft, weil die Zähne
fehr gedrängt ftehen.
Indem ich meine Art fiir einerley mit der feinigen annehme,
finde ich es nöthig, fie zu befchreiben.
Antennis maris confertim longe dentatis, feminae se-
taceis; palpis longis erassiusculis; alis anterioribus latio-
ribus pallidis, maris longitudinaliter brunneo - lineatis,
venis aureo-squamatis, puncto venae transversae fusco,
strigis duabus postieis repandis, fem. subunicoloribus,
vitta fusca sub vena mediana.
Größe veränderlich, gewöhnlich unter Palpellus; (WBorderflüs
gellänge des Maͤnnchens 53 — 63", des Weibchens 8 — 83").
Rüdenfhild, Kopf und Dberfeite der Tafter weißlich ochergelb;
Kopf mit dunkler Kängslinie in der Mitte. Fühler mir hellem
Meißgelb, was fih am Nüden etwas hinaufzieht und dann
ein wenig verdunfelt. Beim Männchen haben fie gelbbräun=
liche, ſehr gedrängte Zähne, die gegen die Bafis dicht an einans
der liegen, weiter hinauf aber zwiſchen ſich hindurch fehen
laſſen; diefe Zähne find Länger als breit, nad) vorn gebogen,
auf dem Nüden niedergedrüdt, fo daß die Spige mehr hervor=
tritt, und ſehr Eurz gewimpert. Beim Weibchen find fie zart,
borftenförmig, gegen die Spige unmerklih geerbt, ſchwach
pubescirend. Deellen deutlih. Mearillartafter fehr entwickelt,
dreyeckig mit langer Spitze, an der untern Hälfte der Außen—
feite zimmetbraun. Lippentaſter um 3 Augenlaͤngen über die
Augen hervorftehend, unter der Spige der Marillartafter am
meiften verdidt, von da an abnehmend und zulest zugefpißt;
fie find beim Männcen innen mit Ausnahme der Spise und
unten an der Baſis weißlich behaart, auswaͤrts zimmetbräun:
lich, gegen die Srige dunkler; beim Weibchen viel heller. Nüffel
fehr Eurz und unbrauchbar. Schulterdedien graugelbbraun, auge
wärts weißlich; beim Meibchen find fie einfarbig bleidyochergelb,
faum einmwärts ein wenig verdunfelt. Beine an den Schenfeln
und den Hinterfchienen auf der Schattenfeite weißlich, übrigens
gelbbräunlich, abwärts dunkler; die WVorderbeine am dunfelften.
Auch bier ift beim Weibchen alles viel heller. Hinterleib auf
dem erften Segment und an den Seiten hinter den Hinter
beinen weiß, übrigens weißlich ochergelb, mit ziemlich ftarfem,
weißem Ufterbufch; beim Weibchen ift er weißer, und fein Af:
terbufch kuͤrzer und armhaariger.
Vorderflügel etwas kuͤrzer als bey Palpellus, unter ber
Spise weniger tief ausgebuchtet. Grundfarbe bleich ochergelb
wie das Rüdenfchild. Länge des Worderrandes geht eine weiße
Strieme, nur an der Bafis fehr ſchwach glänzend; von der
Baſis aus geht auf dem Worderrande felbft eine fehr dünne,
gelbbräunliche Linie, die ſchon vor der Mitte den Rand vers
läßt, unter den Franzen deffelben binzieht und nie das Ende
der Strieme erreicht, oft aber in ihrem hintern Theile ſtuͤckweiſe
verfhwindet. ine gleichfarbige Linie bildet den Innenrand
der Strieme von der Bafis aus, tritt aber in fie hinein und
verfchwindet vor der Mitte; eine andere mehr hinterwärts eins
tretende geht auf das Ende ber gelbbräunlihen WVorderrandlinie
zu, wird aber, ehe fie es erreicht, 2 mal fchief durchbrochen.
Diefe weiße Strieme ift nicht fo rein und auffallend wie bey
Palpellus, hat diefeibe Geftalt und Stelle, nehmlich an der
Medianader und ihrem erften Afte; fie ift unterwärts von einem
750
braunen Strich gefäumt, der ſich zu einer Goldſchuppenlinie
fortfegt und in diefer Fortegung ſich mehr der Subdorfalader
genähert hat. In der Mittelzelle geht eine goldfehuppige Linie
vor der Querader her, welche nur die halbe Laͤnge der Zelle
hat. Auf der Querader häuft fich gewöhnlich brauner Staub
ju einem Querfled an. - Zwifchen der WVorderrandftrieme und
der Medianaderftrieme liegen in ochergelblihem Grunde 6 un:
gleihlange Goldfhuppenlinien, und binterwärts zwiſchen diefen
weiße, furze Striche, die fich einwärts in die mit einzelnen,
ſchwarzen Schuppen beftreute Grundfarbe verlieren; die Gold—
fhuppenlinie, welche binter der Querader liegt, erweitert ſich
einwärtg zu einem bis zu dieſer reichenden, filberglängenden
Keilfleck. Der Innenrand der Flügel ift an der außern Hälfte
breiter grau ald an der innern; die Eubdorfalader traͤgt eine
duͤnne, hellbraune Linie, und ift fehr hell gelblich eingefaßt.
Die beiden meißen Striemen und die 5 dazwifchen liegenden
weißen Längsjtridie endigen an einer feinzähnigen, zimmetbraus
nen Querlinie; ihr parallel läuft in weißem Grunde eine braus
nere, ebenfo geftaltete, und vor den Franzen an der gelblichen
Randlinie eine Neihe brauner Puncte, Bon diefen find die 8
unterften, die vom Innenwinkel noch weit abftehen, am weite
ften von einander getrennt und faft ſchwarz; auch ift dag Gelb
der Nandlinie an ihnen am reinften. Die weißlichen Franzen
werden nahe der Bafis und an der Spike von einer bräunlichen
Linie durchzogen; die erjtere iff die dunflere und den 3 ſchwar—
zen Puncten gegenüber verdidt; hier und an der Flügelfpige
glänzen die Franzen filbericht.
Hinterflügel grauweißlich, gegen die Spike grau, und vor
der hier aug bräunlihen Puncten zufammengefloffenen Rand»
linie in hellem Grunde mit einer verlofchenen, grauen Kinie.
Franzen fehneeweiß, an der Bafis vor der Flügelfpise mit einem
kurzen Querſtrich.
Unterſeite der Worderflügel braͤunlich, hinter der Querader
am dunkelſten, zwiſchen der erſten Querlinie und dem braun—
punctierten Hinterrande weiß. Die erſte Querlinie iſt dunkel,
ohne Biegungen, die 2te ſehr verloſchen. Die Vorderrand—
ſtrieme iſt ſchmutzig gelblich; der Innenrand gelichtet. Die
Franzen weiß, an den Enden gelbbraun; an der Flügelfpige
haben fie vor der Baſis eine Furze, bräunliche Querlinie.
Hinterflügel weißlich, am WVorderrande und gegen den Vor—
derwinkel bräunlichgrau. Franzen fehneeweiß. Beim Weib:
hen find die Vorderflügel etwas geftrediter, bleichochergelb, an
den dunflen Stellen des Männcheng auch dunkler. Der braune
Fleck auf der Querader ift in Größe und Deutlichfeit fo ver—
änderlich wie die Zahl der goldfchuppigen Linien, die hier uns
fcheinbarer und Eürzer find ald beim Männden. Unter der
Medianader, und zwar am untern Rande der Flügelfalte, laͤuft
ein aus braunen, gehäuften Schuppen zufammengefegter, ftrie-
menartiger Längsftreif, der nicht die Baſis erreiht und in
wechfeinder Entfernung vom Hinterrande aufhört. Bey einem
Weibchen ift er nur durch braͤunlich ochergelbe Echuppen augs
gedrüdt. Die Puncte vor dem Hinterrande find. verlofchen,
doch viel deutlicher als die groͤßtentheils kaum Eenntlihen Quer-
linien. Die Franzen find an der Flügelfpige und beh den 3
Puncten blaßgoldglänzend. — Die Hinterflügel find weiß, nur
vor dem Hinterrande fhwach grau. — Die Unterfeite der Vor-
derflügel ift viel vwerlofchener als die deg Maͤnnchens.
Sc fand diefe Art in der Campagna nicht weit von Albano
am 25. Auguft nicht felten; da dag Wetter ziemlich ftill und
warm war, fo flogen die Schmetterlinge aus dem Grafe und
751
den Diſteln leicht auf und festen ſich nach einigem Fliegen hän:
gend an einen Halm oder auch auf die bloße Erde. Mir
fchienen fie in ihrem Betragen Aehnlſchkeit mit unferem Cram-
bus fascelinellus zu haben. Die Weibchen, viel feltner, lies
Ben ſich erft durch ftarkes Stören in den dichteren Grasbuͤſchen
zum Auffliegen bringen und flogen weniger. Am 28. Auguft
wollte ich fie wieder auffuhen; e8 war aber, wenn auch heif,
doch ſehr windig, und fo fand ich trog allem Fleiß nur noch
2 Männchen; das eine jagte ich aus dem Grafe, das andere
Elopfte ich von einer Diftel, von welcher es ſich herabfallen
ließ. Wahrſcheinlich iſt dieſe Urt um Rom häufig.
Die Männchen, in ſchlechten Zuftande, aus Portugal ſtam—
mend, hielt ich bisher für Cr. tentaculellus. Das Eleinite
derfeiben hat 7°", dag größte nahe an 8" Vorderfluͤgellaͤnge.
Die Taſter find fpiger, was durch Abfliegen der Haare entftans
den ſeyn kann; allein fie find auch entfchieden ein wenig länger.
Un den Fühlern finde ich gar keinen Unterfchied, und auf den
Vorderflügeln nur den, daß der oberfte der 5 weißlichen Laͤngs—
ftrihe (vor der erften Querlinie) in die Vorderrandftrieme uͤber—
geht, wodurch diefe bier durch einen fpigen, braungelben Keil
gefpalten erfcheint. Hinter der ſchwarzſchuppigen Querader iſt
der Keilftrich bey einem Gremplar blafgoldig, einmwärts weiß:
lihglänzend, bey den 2 andern geglättet filberweiß; alſo keinen
conftanten Unterfchied bietend. — Es kann aber doc) wohl der
portugiefifhe Falter ſpaͤter als eine eigne Art nachgewieſen wers
den, wozu jedoch. beffere Exemplare gehören, als ich. befike:
Eine beftimmt verfchiedene Art ift diejenige, die ich unter. den
Eleinafiatifhen "Schmetterlingen al8® Cr. tentaculellus
aufgeführt habe. Die Schlechtigkeit meiner portugiefifchen
Eremplare mag den Irxrthum diefer Beftimmung entfchuldigen.
Das in der Kebhaftigkeit der Faͤrbung und Zeichnung dem
Männchen gleichkommende Weibchen beweift, daß Cr. contri-
tellus eine von meinem Tentaculellus ganz verfchiedene Art
if. Die Fühlerzäbne des Männcens find kürzer und breiter,
nehmlich faft fo breit wie hob. Die Marillarrafter find Eleiner,
die Lippentaſter 34 Augenlängen uͤber die Augen vorftehend,
viel ſchlanker, beym Weibchen fo dunkel wie beym Männchen.
Schulterdecken des Weibchens an der innern Hälfte dunkler
gelbbraun als beym Männchen. Worderflügel länger als bey
tentaculellus; und zumal die des Weibchens lang geftredt.
Zeichnung wie bey Tentaculellus; die glänzenden Linien find
nicht golden, fondern röthlih und wenig ausgezeichnet; der Keil:
fle@ hinter der Querader ift reinmweiß, glänzend, nicht metallifch,
größer und breiter und mit zerftreuten, ſchwarzen Schuppen
gefaumt, Beym Meibchen, das alle Zeichnungen fo vollftändig
und deutlich wie dag Männchen befist, ift außerdem der ganze
Raum zwifchen der weißen Medianaderftrieme und Subcoftalader
mit gehaͤuften, dunfelgelbbraunen Schuppen ausgefüllt, Auf
der Unterfeite ift nur die Slügelfpise und die Gegend der
3 Puncte weiß; das übrige, bey Tentaculellus weiße Feld ift
von der Grundfarbe überdedt.
316. (3.) Carectellus n. sp.
Palpis griseis, ante apicem niveum fusco-einetis; alis
ant. acuminatis, pallidis, fuscescenti lineatis, striga bi-
fracta media cinnamomea, strigula costae ante apicem
nigra, albo-marginata (mas. fem.).
Gehört trog dem Mangel des weißen Längsftreifeng der Vor:
derflügel zu den mit Cramb. pratorum verwandten Arten; die
Vorderfluͤgelecke ift daben länger und fpiger als ben Pascuel-
192
lus, und, was die Art fehr Eenntlich macht, am Franzenrande
diefer Vorderecke ift eine fehr feine, doppelte ſchwarze Linie, die
vereinigt in die Spike ausläuft.
Größe der allerkleinften Eremplare von Cramb. pratorum.
Kopf und Ruͤckenſchild weißlih. Fühler an der Bas des
Ruͤckens weißlich, höher hinauf gelbbräunlich; unten unmerklich
geferbt und miccofcopifch pubescirend gefranzt. Marillartafter
fhneeweiß, nur an der Außenfeite unten gelbbraunlich ; Kippentafter
um mehr alg die Nüdenfhildlänge über. die Stirn hervorſte—
hend, innen weiß, außen gelbbrännlih, nad vorn weißlih, dann
mit einem brandigbraunen Ninge, und hinter diefem ſchneeweiß;
fie. find langhaarig und die Haare liegen nicht feſt an. Beine
weißgelblich, die vordern auf der Lichtfeite her weißlichen Fuß:
glieder mit je einem braunen Fleck. Sculterdeden einfarbig
weißgelbtih. Hinterleib weißgelblihgrau, in der Nüdenmitte
nach vorn dunkler.
Vorderflügel fehr blaßgelb mit graubräunlichen Längslinien
von der Bafis aus. Hinter der Mitte fiehen auf dem, Vor:
derrande zwey fehr fchiefe, braune Striche, deren erfterer, als
zimmetbraune Linie über den ganzen Flügel fortgefegt, fih noch
über dem legten Medianaderafte einwärte kruͤmmt; fie nähert
fih nicht mehr foweit der Bafis, wie auf dem Vorderrande,
biegt fih dann über. der Laͤngsfalte unter einem einfpringenden,
ſcharfen Winkel wieder nad) aufen und gelangt. in einem nad)
außen converen Bogen zum Innenrande. Ein dritter, Vorder:
tandftrich läuft im Anfange weniger fhräg auswärts, kommt
dem Hinterrande nahe, macht dann unter dem legten Medianaderaft
einen braungelben, einwärts converen Bogen, der bis zur. Flü-
gelfalte reicht und geht von da ab als braune Linie fchrag zum
Snnenwinfel; an vollftändigen Cremplaren zieht fie auf dem
Snnentande bis ber die erſte Querlinie hinaus gegen die Baſis.
Zwiſchen den beiden Querlinien ‚find die. meiften braͤunlichen
Fängslinien paarmweie geftellt. Der 3. Vorderrandftrih hat
eine weiße Linie hinter fich, worauf das Dreied der. Flügelfpige
eine braungelbliche, bleicher querftrichige Farbe gewinnt; es ift
von den Franzen durch eine doppelte, oben vereinigte, braun=
fhwarze Linie getrennt, die auf beiden Seiten weißgefäumt ift. _
Unter ihr, dem dbraungelben Bogen der 2. Querlinie ‚gegenüber
liegen auf weißlicherem Grunde drey ſchwarze Randpuncte;
längs diefer Puncte hat das Wurzeldrittel der Franzen einen
£urzen blaßgoldglänzenden Strich; der Raum hinter dem
unterften Drittel der 2. Querlinie ift meißlih. Die, Franzen
find weißlich, auswärts gelbbraͤunlich, am dunkelſten an. der
Slügelfpise.
Hinterflügel grau, am Vorderwinkel auswärts mit Eurzer,
brauner Randlinie und vor derfelben hell; die Franzen weißlich,
vor der Baſis mit bräunlicher, an der Flügelfpige verdicter
Linie durchzogen. ,
Unterfeite, der Vorderflügel braungrau, am Vorderrande gelb—
lich mit einem braunen Querfledcen vor der Spike; aus der
weißlihen Flügelfpise fommen 2 fhwarze Hinterrandlinien,
wovon die äußere auf den Franzen felbft liegt... Hinterflügel
wie auf der Oberſeite.
Das Weibchen. ift überall heller als dag Männchen; nur die
2 ſchwarzen Nandlinien der VBorderflügelfpige find eben fo dunkel.
Das erfte Cremplar fieng ic) bey Syracus auf den Kalkhoͤ—
ben von Acradina an einer Erhlen, dürren Stelle am 19. Juny.
Am 10. July und den folgenden Tagen ſammelte ich eine
Anzahl zum Theil fchon fehr abgeflogner Eremplare bey Meffina;
an dem Weftabhange eines Berges beym Kloſter Buon retiro
753 R
an der Palermitanerſtraße. Sch jagte fie nur aus ben hier
häufigen Raſen eines ſtarren, langen Graſes auf (od Arundo
"mauretanica?) Abends und bey Tage. Der Schmetterling
fliegt, weißlich ausfebend, nicht weit und fegt ſich an Gras,
ftets mit abwärts gerichtetem Kopfe; im Sitzen hat er wie Cr.
eerussellus die Haare am Ende der Lippentafter zu einem
umgekehrten Kegel ausgebreitet. An andern Stellen bey Meffina
fand ich diefe Art auf demfelben Grafe nicht; wahrſcheinlich
aber Eommt fie auch bey Stri und anderwärts, an der Straße
von Rom nad Neapel vor, wo diefes Gras haufig wächſt.
Dupondel hat einen Crambus pallidellus (VIII, p. 63.
pl. 270. fig. 6. — Catalog. pag. 316.) aus der Gegend von
Montpellier, welcher meinem Carectellus . nahe verwandt
ſcheint. Was ihn fogleib von diefem trennt, ift die Geftalt
der WVorderflügel. Bey Pallidellus find fie bloß fpig, nicht
wie bey Carectellus in eine Ede vortretend, daher auch der
Hinterrand ohne die Ausrandung unter derjelben. Die erfte
Querlinie macht Über der Flügelfalte Eeinen einfpringenden Wins
kelz die zweite geht vom Worderrande viel weniger fchrag ab.
Der ganze Raum hinter derfelben bis zum Hinterrande ift vers
dunfelt und ohne Nandpuncte, und die den untern Rand der
Flügelfpige zierende fo «ausgezeichnete, ſchwarze Doppellinie
findet fih in der Abbildung kaum angedeutet, in der Beſchrei—
bung aber ganz übergangen. Den Taſtern giebt die Beſchrei—
bung ein mit der Färbung des Kopfes Übereinffimmendes, ziem—
lih reines Weiß. — $. v. Nöslerftfamm mill in diefem
Pallidellus den Cramb. hortuellus var. cespitellus fehen;
allein die erſte Duerlinie geht ganz anders; fie macht einen
fharfen Winkel und geht viel fenfrechter auf den Innenrand
zu; auch fteht fie weiter hinter der Mitte. —
317. (4.) Falsellus.
Ein fchönes, fehr Eleines Männchen fing ih am 24. Aug.
bey Ciſterna von mehrern, die id von Ruͤſtern Elopfte; es hat
nichts Abweichendes.
318. (5.) Pinetellus.
Von mehreren Cremplaren, die ih am 15. Auguft beym
Agnanofee im Walde von Kajtanienftämmen abflopfte, habe ich
3 Weibchen mitgebracht. Weder in Größe, noch Färbung,
haben fie etwas Ausgezeichnetes.
319. (6.) Inquinatellus.
Ein Männchen fieng ich bey Cifterna am 24. Auyuft neben
einem Weingarten; ein andres bey Ancona an’ dem fteilen Ab—
bange des hohen, mit einer Kirche gefrönten Berges am Meere
am 9. September; drey Weibchen am 14. September weftlich
von Trieft an den Abhaͤngen des Karfis, wo ich fie unter den
nicht ſeltenen fchlechten Exemplaren ausmwählte, die in Gefell:
ſchaft der Bot. hybridalis auf Heidekrant im lichten Eichenge:
ffrauch flogen.
Das Männchen von Ancona ift von der Größe der Eleinften
biefigen Exemplare; die Tafter find etwas Länger und auf der
Dberfeite reiner gelblich alg bey meinen gleichgroßen Inquinatel-
lus Männchen; die entfchieden breiteren Worderflügel find in
der gemwohnlichen Farbe, nur bläffer und weniger beftäubt; die
Querlinien, Flede und Puncte liegen ganz gewöhnlich. Die
Hinterflüigel find bellergrau, fo wie bey manden Weibchen, —
Da Inquinatellus in der Breite der Vorderflügel nicht fand:
baft ift und felbft in der Länge der Tafter etwas abändert,
überdies die Zafter der fogleich zu befprehenden Weibchen Fein
Iſis 1847. Heft 10.
J
— — —
754
Zeugniß für Artrechte geben, fo kann dieſes Maͤnnchen einſt⸗
weilen als Var. 6. mas alis anterioribus latioribus minus
pulverulentis, posterioribus canis; palpis longivribus aufger
führt werden.
Die 3 Triefter Weibchen haben gleichfalls entfchieden breitere
Vorverflügel als die biefigen; aber in der Färbung derfelben
feine Abweihung; ihre Hinterflügel find noch weißlicher. Shre,
Zafter find offenbar kuͤrzer als bey den hieſigen Meibchen.
Wenn das Münnchen dazu entfprechende Tafter: und Fluͤgel—
bildung befüße, fo hätten wir, wo nicht eine eigne Art, wenige
ftens eine füdliche Mare anzunehmen, Das Männchen Var. b.
kann der Länge der Tafter wegen nicht dazu gebören. Diefe
3 Weibchen gelten mir alſo als Var. c, fem.: alis anteriori-
bus latioribus, posterioribus cano-albidis; palpis bre-
vioribus.
Das Männden von Cifterna hat noch Fürzere Vorderflügel
als Var. b. mit einem fchiefer und ‚weniger conver julaufenden
Hinterrande; die Grundfarbe ift reiner und blaffergelb und
längs des Sunenrandes viel ſchwaͤcher gelbbraun beftäubt. Die
erfte Querlinie zeigt denfelben Verlauf wie bey unferem Iuquina-
tellus; aber die 2. jteht von der erften viel weiter ab und
dem Hinterrande näher; in ihrer oberen Hälfte biidet fie einen
viel ftumpfern Winkel, und fie läuft dem Vorderwinkel näher
in den Vorderrand. Hinterflügel febr heil. Zafter ein wenig
Eürzer und dünner als gewöhnlich. Fühler ohne Unter chied. —
Bey diefem Eremplar, dag mir gleich beym Fangen ſehr auffiet,
fommt alfo zu den kuͤrzern Zaftern und MWorderflügeln die
veränderte Stellung und Krümmung der 2. Querlinie auf den
Borderflügeln.
Megen des legtern Umftandes laͤßt es fih nicht zu Var. c.
als das fehlende Männchen ziehen; übrigens hätte ih Maͤnn—
chen von Var. e, die am Karft auch flogen, ficher mitgenom:
men, wenn fie ein fo beftemdendes Ausfehen, das fih nicht
ganz abfliegen läßt, gehabt hätten. Da Inquinatellus ganz
gewiß in ber Entfernung der beiden Querlinierf abändert, fo
kann ich das Cifternee Männchen aud nur als Varierät auf:
ſtellen, nehmlich als Var. d, mas: alis ant. latioribus,
minus pulverulentis, striga altera minus arcuata margini
postico propiore; posterioribus cano-albidis; palpis
brevioribus.
Das von Löw bey Smyrna zu Ende September oder Anfang
Detober gefangene Eremplar, das ih als Inquinatellus aufge:
führt babe, ift ohne allen Zweifel eine eigne Art: Crambh.
paleatellus n.sp. die ihrer Flügelgeftalt nach näher mit
Cr. tristellus al8 mit Cr. inquinatellus verwandt iff. Shre
Vorderflügel find viel ſchmaͤler als bey dem fchmalflügligften
Tristellus und Inquinatellus, und fo bfafigelb wie bey
Inquinatellus fem., die f[harfe Vorderede der letzteren
fehlt, indem die Spike ziemlich abgeftumpft if. Won der
erften Querlinie ift nur der verlofhene Fleck an der Median:
ader übrig, von der zweiten gewöhnlich geftellten nur die untere
Hälfte. Die feinen Hinterrandpimetchen ftehen wie gewöhnlich,
aber nicht in Tebhafter gelbem Grunde, fondern in hellerem.
Die Franzen find blaßgelblih, ohne den lebhaften Gianz und
die dunklere Färbung des gewöhnlichen Inquinatellus. : Hinter:
flügel geftredter, faft weiß, fo glänzend wie bey Inquinatellus
fem. Die XTafter, fo lang wie gewöhnlich, find vorn viel
dünner und auswärts ganz ohne braune Stäubchen,
nur dunkler ochergelb als oberhalb. Die Fühler zeigen mir
48
755
nur größere Feinheit und helleres Gelb, übrigens biefelben ſchwa—
den Einterbungen wie bey Iuquinatellus mas.
320. (7.) Angulatellus Dup.
Crambus Angulatellus Dup. pl. VII, pag. 118. pl. 273.
fig. 2. — Catalogue pag. 518.
Cramb. suspectellus Zell. Isis 1839. ©. 174.
Alis anterioribus acutis, pallide-einereis griseisve, dorso
late schistacco, strigis duabus fuscis, priore ad venam
medianam fusco-maculata, posteriore distinctiore, eiliis
orichalceis.
Naͤchſt verwandt mit Cr. inquinatellus, aber im Durch⸗
ſchnitt kleiner mit breiteren, kuͤrzern Vorderfluͤgeln, beſonders
kenntlich an der ſchiefergrauen, bis zur Falte ausgebreiteten
Farbe des Innenrandes und den meſſingglaͤnzenden Hinterrand-
franzen.
Gröfe etwas Über Cr. pinetellus. Kopf gelblichweiß. Fühler
beym Männchen ſehr ſchwach geerbt, microſcopiſch pubescirend
gefranzt, auf dem Ruͤcken hell und dunflergrau wechfelnd ; beym
Weibchen fehr fein. Taſter etwa 3 Augenlängen über die
Augen vorftehend (wie bey Inquinatellus), ſchmutzig gelblichweiß,
und fo wie die Marillartafter auswärts dicht mit braunen
Puncten beftreut, an der Baſis unten weißhaarig. Nüffel
lang, meißfchuppig; fo wie die Dede der Vorderhüften. Beine
feideglängend fahlgelb, die vordern auf der Lichtfeite bräunlich.
Rücdenfhild mit grauen Spitzen der weißlihen Schuppen.
Hinterleib graugelblich, hinten belt.
Vorderflügel beträchtlich kürzer al8 bey Inquinatellus; ber
Hinterrand fteht unter ber Mitte weniger conver hervor und
zieht fich unter der Spige weniger zuruͤck, fo daß dieſe nicht fo
fpis erſcheint. Grundfarbe fehr bleichgelb oder auch weißlich,
was jedoch oft nur in der Medianzelle und auf den von dieſer
ausgehenden Adern fichtbar bleibt, indem Der übrige Naum fich,
nur verdünnt, mit dem Schiefergrau des Innenrandeg über:
zieht. Diefer Innencand hat nur gegen die Bafis einen braun
umftäubten, ſchlecht begrenzten gelblihen Fleck. Ein Theil die:
fer Beſtaͤubung ift als Anfang einer vom Innenrande fehr
fhräg auswärts gehenden Querlinie anzufehen, die über der
Flügelfalte am Urfprung des erften Medianaderaftes einen ſtets
vorhandenen braunen Laͤngsfleck trägt und über der Mittelzelle
wieder ruͤckwaͤrts, doch undeutlicy zum Vorderrande geht. Die
2. Querlinie entfteht nahe am Innenwinkel, macht auf ber
Falte einen einfpringenden Winfel, deffen oberer Schenkel ver:
dit ift und fich allmählich verdünnt, und geht dann in einem
nad außen fehr converen Bogen, deſſen aͤußeſter Urſprung über
dem letzten Medianaderaſte liegt, ſehr verduͤnnt, aber deutlich,
in den Vorderrand uͤber; ſie iſt braun oder auch zimmetbraun
und auswaͤrts weißlich gerandet, am ſchmalſten und unreinſten
an dem oberen Theile; oft wird dieſer weiße Rand durch eine
linienaͤhnliche Verdunklung gehoben und erſcheint als weiße,
vorn dunkler und dicker als hinten eingefaßte Querlinie. Der
Vorderrand iſt uͤber der Mittelzelle gelblichgrau, am meiſten
grau vor der 2. Querlinie; ſein letztes Drittel zeigt mehr Gelb.
Der Hinterrand iſt weniger breit, aber lebhaft ochergelb, ein:
waͤrts durch Grau begrenzt und mit 7 ſchwarzen Puncten be—
zeichnet, von denen zwiſchen je 2 Adern einer ſteht. Franzen
mefjingglängend, am Iebhafteften gegen die Spike; um den
Innenrand glänzen fie faft nur grau.
Hinterflügel (mie bey Inquinatellus) gelblihgrau, gegen den
Rand verdunkelt. Franzen weißlich, mit einer gelblichen Bafallinie.
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756
Unterfeite lichtgrau, auf den Hinterflügeln heller, befonders
auf der Innenrandhaͤlfte; die Worderflügel haben die gelbe Hin-
tertandlinie, nur bläffer, mit den fchwarzen Puncten, und ber
Dorderrand ift vor der Spike gelblich.
Das Weibchen ift bläffer und verlofchener und hat die Mit-
telzelle und die Aderäfte, der etwas laͤngern Vorderfluͤgel, weiß.
Sch fand von diefer Art Eremplare in der Campagna nord»
lid) und füdlih von Rom am 28. Auguft und 3. September
auf dürren Gras» und Diftelftellen; ein Pärchen an einer
trocknen Eräuterreihen Anhöhe bey Xolentino am 6. Septemb.
Nicht felten war Angulatellus auf einer fehr duͤrren Anhöhe
ben Ancona am 10. September. Er ift nah Duponchel
in Frankreich äußert häufig und fommt auch in der Schweiz
und in Gorfica, jedoch hier nur in halber Größe, vor. Nach
F. v. Röslerftfamm lebt er auch in Mecklenburg. Löw
brachte ihn von Bruffa in Kleinafien. Diefe Art hat alfo eine
fehr große Verbreitung.
321. (8.) Contaminellus.
Ein Männchen außerhalb Roms bey St. Peter am 26. Aug.
gefangen, hat wie ein am 4. September bey Narni erhaltenes
auf den Vorderflügeln die ocyergelbliche Grundfarbe reichlich mit
Braun verftäubt; 3 bey Ancona zugleich mit Cr. angulatellus
am 10. September gefammelte Männchen haben ein- helleres
Gelblich und zartere Beftaubung, find alfo ſehr hell, auch auf
den Hinterflügein. Alte 5 zeichnen fi vor meinen bey Glogau
und Sranffurth gefammelten Contaminellus dur folgendes
aus: die Morderflügel find merklih ſchmaͤler und fchärfer
gefpißt; ihnen feblt die ſcharfe, weißliche Laͤngslinie, die bey
Contaminellus von der Bafis aus unter der Medianader bis
in die erfte Querlinie ziehtz es fehlt ferner der breite braun—
graue Streif, der "diefe Linie unterwärts einfaßt und begleitet.
Statt der wifchartigen Verdunkelung, ber erften Querlinie, die
bey Contaminellus über die Medianaderäfte hinweggeht, iſt
bier bloß eine dunkle zarte Linie; ebenfo ift e8 mit der. Ver—
ftärfung der 2. Querlinie über der Flügelfalte, die hier ebenfo
wie die ganze Linie zart und bloß dunkler iff. Fühler, und
Tafter nicht verfchieden. Hinterrandpüncthen zart, Elein und
vollſtaͤndig.
Es iſt nicht wahrſcheinlich, daß dieſe Schmetterlinge eine
eigne Art bilden. Ich befiße zwey hiefige Schmetterlinge, die
entfchieden nichts al8 Contaminellus: var. find, obgleich ‚fie fehr
abweichen. Ihre Vorderfluͤgel find fpis und mwenigftens bey
dem einen fo ſchmal wie bey den Stalienern;. fie find. ganz
violettbräunlic verdunfelt ohne die. weißliche Linie, und die
hintere Querlinie hat die Verdidung zart und zadig. Außer:
dem find ihre Hinterflügel verhältnigmäfig fehr dunkelgrau. —
Ferner befige ih 2 vielleicht aus Oeſterreich ſtammende Männ-
chen, die etwas heller find alg diefe dunkle Warietät, aber mit
ihr in dem Mangel der weißen Laͤngslinie und der Befchaffen-
beit der 2ten Querlinie übereinftimmen; die Verdickung der er:
fien Querlinie ift etwas fhwächer als beim gewöhnlichen Con-
taminellus, und Zufpisung und Breite der Vorderfluͤgel haben
gar nichts Ausgezeichnetes. Ferner fieng ich bey Glogau ein
breitflügliges Männchen mit ſcharfer Spitze der echergelblichen
Vorderflügel , obne weiße Längslinie und mit den beiden Quer:
linien von der Befchaffenheit wie bey den Stalienern. Endlich
habe ich ein Weibchen, deſſen Waterland wahrfcheinlich die
Frankfurther Gegend ift, und das fid an die 3 Anconer Männz
hen aufs Engfte anfchließt; die Vorderflügel find noch ſchmaͤler
157
und fpiger. Sch unterfceide alfo Contaminellus in zwey
Dauptvarietäten.
A. alis ant. linea alba media ex basi prodeunte, subtus
fusco marginata.
B. Alis ant. sine linea alba basali.
a) acutiorihus obscurius ochraceis,
b) acutioribus, longioribus, pallidis,
(mas Ancon.; fem. Francof.?)
e) acutioribus, longioribus, fusco-pulvereis, strigis
teneris (Rom, Tolent.)
d) fusco-pulvereis, strigis teneris.
e) violaceo - fuscis totis, striga posteriore tenera.
(Glog.)
strigis teneris
«&) alis ant. angustis.
6) latiusculis.
322. (9.) Anapiellus n. sp.
Alis anterioribus brevioribus, basi griseis, fascia me-
dia subperpendiculari ochracea intus albae adnata, plaga
postica ex parte fusco -punctulata, striga gemina [usca
proxime ante puneta marginalia atro-orichalcea.
Sehr nahe mit Cr. bellus verwandt, für mwelhen ich ihn
auch einfammelte, aber ficher fpecififch verfchieden; er ift Eleiner,
auf dem Kopf weißlich ftatt ochergelblih; die Vorderfluͤgel find
etwas ſchmaͤler; die gelbe Querbinde ift faft ganz gerade, nicht
einwärts conver; die fie einwaͤrts einfaffende breite Linie ift nicht
ganz filberweißglängend, fondern hat nur glänzende Stellen und
erweitert fich einmwärts fehr; der Raum zwifhen der Mittellinie
und der braunen, doppelten hintern Linie ift nicht ganz und
gleichmäßig braun punctiert, fondern die Puncte find vorn
und in der Mitte faft fledartig angehäuft, fo daß der Theil
vor der Doppellinie weiß bleibt; die Doppellinie macht vor den
glänzenden Nandpuncten einen ſchwaͤchern Bogen und kommt
biefen alfo fehr nahe, während fie bey Cr. bellus ſich in ziem—
lich ſtarkem Bogen vor ihnen hinzieht; der Raum dahinter ift
ftatt weiß blaßgelb.
Größe unter Cr. bellus (VBorderflügelläinge 33 — 84“ gegen
44 — 44"). Kopf und Rüdenfhild ſchmutzigweiß, Halskragen
und Schulterdecken in der Mitte bleich ochergelblich (bey Cr.
bellus blaß ochergelb, an denfelben Stellen dunkler). Fühler
microſcopiſch gefranzt, obenauf weißlich. Zafter wie bey Bel-
lus, außen grau, gegen die Spike dunfler, obenauf meißlich.
Ruͤſſel lang, weißlich beſchuppt. Beine feidenglänzend ſchmutzig
weißlich, die 4 vordern auf dev Kichtfeite gelbbräunlich, an den
Füßen am dunfelften; die hintern bla braungelblih. Hinter—
leib weißgrau mit gelblihmeißem Afterbufch.
Die Vorderflügel, etwas fchmäler als bey Cr. bellus, find
im Murzelfelde fehr biaßgelb, hinten und längs des Vorder—
tandes breit bräunlichgrau. In der Mittelzelle liegt beim
Männchen ein verlofchenglänzendes, meißliches, wenig. bemerf:
bares, aber gegen das Licht durchfcheinendes Dreyeck und da=
binter vor der Querlinie ein heil ochergelber Fleck, der ſich nie
bis zum Vorderrande ausdehnt, unter ficy aber einen gelblichen
Wiſch hat, mit dem er bisweilen znfammenläuft. Die weiße
Duerlinie ift faft gerade, wenigftens am Innenrande nicht
nad außen gekruͤmmt, bier erweitert, am Vorderrande verengt
und verdunfelt; unter der Subeoftalader hat fie den meiften
Silberglanz, unter der Medianader weniger, an den beiden
Gegenrändern Eeinen; ihr Außenrand wird gebildet durch einen
bellochergelben, breiteren, bindenförmigen Querſtreif. Diefer
758
ift auswärts gerader geranbet als einwärts. wo er den Auge
biegungen der weißen Querlinie folgt; er it hellbraun fein ges
faumt und wird von diefem Saum auch auf dem Vorderrande,
wo er fi verengt und abrundet, umſchloſſen. Auf feinen
Außenrande liegen hier und da filberglänzende Schuppenbäuf-
hen. ‚Der folgende Naum hat weiten Grund bis zu der dop—
pelten Querlinie, an deren oberem, Eürzerem Arme ein lang:
licher, ochergelblicher Fle liegt; von ihm ſchraͤg berüber und
längs dem ochergelben Querftreif ift reichlidyer, brauner Staub
geftreut; die hintere Hälfte des Raums ift fo ſchwach beftaubt,
daß fie dem bloßen Auge faft rein erfcheint. Die hellbraune
Doppellinie macht einen hohlen Winkel, wie bey Cr. bellus;
in dem oberen Eürzeren Arme, der filberglänzende Schuppen
enthält, iſt fie verftärft, im untern bloß weißlich ausgefüllt.
Der Raum dahinter ift hell ochergelb , fehr blaß im untern
größern Theil; letzterer ift ſchmaͤler, indem die Dopellinie ſich
weniger einmwärt3 Erlimmt als bey Cr. bellus. Die tiefſchwar—
zen, auswärts mit mefjingglänzenden Schuppenſtrichen belegteu
Randpuncte find mie bey Cr. bellus: der doppelte im. Innen—⸗
winkel ift bisweilen einfah. Vor der Flügelfpise befindet fich
im ochergelblichen Grunde ein hafenförmiges Vorderrenddreyeck,
auswärts weiß, einwaͤrts gelbbräunlih. Franzen blafgrau,
auswärts bräunlich.
Hinterflügel wie bey Cr. bellus; blaßgrau mit verlofchener,
dunflerer Doppellinie vor dem Hinterrande; Franzen weißlich,
vor der Bafis von einer bräunlichen Linie durchzogen.
Unterfeite glänzend, auf den Worderflügeln in der Spige mit
einem runden, weißlichen Fleckchen; die Doppellinie und die
Randpuncte fcheinen verlofchen dur. Die blaßgrauen Hinter
flügel haben die Linien vor dem Hinterrande deutlicher und breis
ter als auf der Dberfeite. -
Das Weibchen ift etwas Eleiner und Furzflügliger als das
Männchen; ihm fehlt der durchfichtige Fled auf den Worder-
flügeln in der Mittelzelle.
Ih fand diefe Art am Gten Juny bey Syracus zwifchen
dem Anapo und dem Supitertempel gegen Abend und nad)
Sonnenuntergang an einem grasreichen Rain, in welchem
Pflanzen ähnlich der Centaurea jacea, Scabiosa columba-
ria, Dipsacus silvestris (wenn es nicht alle diefe felbft waren)
nebft Nepeta calamintha wuchfen. Sie flog aus dem Grafe
auf in der Gefellfchaft der Myel. orsella, und erfdyien im
Fluge Eleiner und dunfler als fie ift. Weber ihre Sitten, die
vielleicht von denen der wahren Crambus abweihen, "habe ich
nichts aufgemerft.
Obgleich ich Folgende Art nicht felbft gefunden habe, fo füge
ic) fie doch hier bey, da fie ſich, durch Dahl aus Sieilien
gebracht, in der Mesnerfhen Sammlung befindet:
323. (10.) Zonellus Metzn.
Alis anterioribus brevioribus pallidissime ochraceis,
fusco-pulvereis, striga media subperpendieulari ochracea
intus albae adnata, macula postica ochracea, striga gemina
fusca distante ante puneta marginalia atro-orichalcea
(fem.).
Kleiner als Bellus, faft wie Anapiellus, unterfchieden von
beiden durch das Feld zwiſchen der Mittelbinde und der hintern
Doppellinie; es ift bräunlichgrau, nicht meißlich, ohne die reichli—
chen braunen Puncte, dafür aber oberwärts mit einem hellocher:
gelben dunkel eingefaßten Fleck; ferner ift auch. die Flügelfpige
nicht ochergelb, fondern fo verlofchen gelblich wie. der untere
759
Raum hinter der Doppellinie. — Duponchels Crambus
Ramburiellus hat eine ebenfo grade, gelbe Mittelbinde und
einen gelben Fleck oder Punct im bintern Zelde, wie Zonellus;
aber diefes hintere Feld ift weißlih, auswärts dicht punctirt
und die Fluͤgelſpitze ift ocyergelb.
Zonellus hat längere und fehmälere Zafter als Cr. bellus.
Beine weißlich, die Fufglieder an der Wurzel braunlih, an
den Mittelfüißen am dunfelften und breiteften. Die Vorderflügel
find auf blaßgelblichem Grunde dicht braun beftäubt und erhal—
ten daher ein gelbgraues Ausfehen. Vor der Mitte ſteht ein
biafochergelber Querfkreif, dunkelgerandet, am Vorderrande gegen
die Bafis gekrümmt und braun umzogen, am Innenrande brei—
ter; auf der Bafalfeite faßt ihn eine weißliche, uͤberall gleich
duͤnne Querlinie ein, die 2 Krümmungen macht und in den
gegen die Bafis geöffneten Goncavitäten braun ausgefüllt ift.
Meiter gegen die Flügelipise liegt ein ochergeiber Fleck, dunkel—
bräunlich nebelicht eingefaßt, und über ihm ift der Grund bis
zum Morderrande heil, weifgelblih. Die Doppellinie macht
einen ftumpferen Winkel als ben Cr. bellus uno Anapiellus
und entfernt ſich fo weit von den Nandpuncten wie bey eriter
tem. Die Flügelfpige ift bräunlich mit einem weißgelblichen
Vorderranddreieck, das einen braunlichen Vorderrandfleck ein—
fließt. In blaßgelbem Grunde liegen die tiefſchwarzen, aus—
waͤrts meffingglängenden Nandpuncte, und zwar vom Innenwinfel
aus 2, 3, 2, 2 durch je einen glänzenden Meffingfteich ver
bunden. Gegen die Flügelfpise ift fo wenig Glänzendes, tie
auf den Querlinien. Franzen hellgrau, auswärts braͤunlich.
Hinterflügel graumeißlich; gegen die bräunlihe Randlinie
dunkler. Nor diefer ift eine verlofhene, weit vom Innen—
winkel aufhörende, helle, _dunfelgerandete, winklige Linie.
Franzen weißlich, nahe der Baſis von einer bräunlichen Linie
durchzogen.
Unterfeite der DVorderflügel braungrau, der Hinterflünel weiß:
ih, auf beiden ijt die vor dem Munde herziehende Linie durch
dunfte Cinfaffung hervorgehoben. Die Spitze der Vorderflügel
ift wie auf der Dberfeite gezeichnet, nur heller und verlofchener.
Randlinie der Hinterflügel braun.
Das befchriebene, einzelne Weibchen ſtammt wahrfcheinlich
aus der Gegend von Palermo.
Den Cr. Ramburiellus — VIII. pag. 83. tab. 270.
fir. 3. mas. Catalog. pag. 319. — befreit Dupondel
folgendermaaßen:
Es ift dem Cr. bellus fehr nahe und unterfcheidet fich durch
folgendes: 1) das helle Grau, welches den Grund feiner Vor-
derflügel bildet, iſt ftärfer mit braunen Atomen bedeckt (al’o
wie bey Zonellus). 2) Die gelbe Mittelbinde ift grade, nicht
frumm und nad einer entgegengefeßten Richtung geneigt
(wie bey Zonellus); außerdem ift fie nur einmwärts mit Silber
eingefußt (melches bey Zonellus fehlt). 3) Zwiſchen diefer
Binde und dem Hinterrande ift ein ziemlich großer Fleck, einen
Eleinen Goldpunct enthaltend (ben Zonellus ift e8 ein ocher-
gelber Fleck, einwärtd dunflerbraun ummebelt als auswärts).
4) Die Hinterflügel find gelblichweiß mit brauner Randlinie,
vor welcher eine andre buchtige braune Linie bergeht, ftatt ein:
förmig aſchgrau zu feyn (diefer Unterfchied ift falfch ; denn’ Cr.
bellus befißt auch die ſchattige Linie vor dem Hinterrande).
Die Art wurde von Rambur im May auf den Wiefen um
Ajaccio gefunden.
760
324. (11.) Bellus.
Alis anterioribus brevioribus, basi griseo-flavidis, fascia
media ochracea curva intus argenteae adnata, plaga
postica tota fusco-punetata, striga gemina fusca distante
ante puneta marginalia atro-orichalcea.
Ein fehr abgeflognes, aber noch vollfommen Eenntliches Männz
chen fieng ih am 4. September bey Narni auf-einem Bra:
felde in der Gefellichaft der Botys catalaunalis. Diefe Art
ift fehr verbreitet; ich befise fie in beiven Gefchlechtern aus
Ungarn (duch Kindermann) und in einem ziemlichen
Männchen, das Low in der Mitte May bey Kellemifch in
Kleinafien fing. Nah Duponchel lebt fie in Corſica, dem
füdlichen Frankreich und den Vogeſen.
325. (12.) Cyrilli (Costa).
Alis anterioribus angustatis stramineo -griseis, striga
post medium aureo-metallica, late ochraceo -marginata,
plaga postica cinerea fusco-punctulata, striga geminata
fusca ante puneta marginalia atro-orichalcea.
*Crambus Cyrilli Costa Dizion, univ. di Agr. Ediz.
Nap. V. XI. Art. Falena (1829).
Phyeis cirillella Costa Faun. Napol. Phyeid. p. 2.
tab. 5. fig. 4. (ſehr ſchlecht).
Alis anticis albidis auro-irroratis atomisque nigris ad-
spersis; fascia transversali flexuosa flavida aerato-limbata,
altera apicali simili; punctis geminis et triphidis [!] mar-
ginalibus atris aurato terminatis; alis postieis albo-sericeis
immaculatis. Abdominis segmentis fasciculato -.cristatis.
Phyeis funiculella Tr. IX, 1. pag. 200 (1832).
Crambus funiculellus Zell. Isis 1839. 175. — Du-
ponchel Catalog. 319.
Ein einzelnes, ſchon verflognes Weibchen bey Syracus auf
einer Wiefe an der Chane am 6. May; wahr cheinlin kommt
die Art erft gegen Abend zum Vorſchein. Das Eleinafiatifche
Männchen unterfcheidet fi) von einem italienifchen durch größere
Dunkelheit auf den Vorderflügeln und fehr dunkles Grau ftatt
Meiß auf den Hinterflügeln; das Weibchen weiche. nicht, ab;
beide wurden im Anfang May gefangen.
326. (13.) Vineulellus Mtzn.
Alis anterioribus angustatis, griseis, striga pone me-
dium obliqua ochracea intus canae adnata, striga gemi-
nata fusca ante puncta marginalia atro-orichalcea.
Dieſe Art babe ich zwar nicht felbft gefangen; allein fie ift
von Dahl aus Sicilien mitgebracht worden und befindet fid)
in der Mesnerfhen Sammlung. h)
Etwas fleiner al8 Funiculellus mit fürzern und breitern
Borderflügeln, ohne ſchwarze Puncte im Hinterraume derfelben,
mit ſcharf winflig gebrochner Doppellinie vor dem Hinterrande.
Tafler bedeutend kuͤrzer als bey Cr. eyrilli. Fühler einfar:
big ſtaubgrau, micröfcopifch pubescirend behaart. Kopf und
Rüden gelbgrau. Beine weißlic), auf der Kichtfeite grau; die
Fußglieder an der Wurzel auf dem Rüden braͤunlich. Vor—
derflügel ftaubgrau mit lilafarbenem Anflug, auf der Wurzel:
bälfte und vor der Doppellinie braun beftäubt. Hinter, der
Mitte ift ein ochergelber Querftreif, der ziemlich grade ift und
fih) auf dem Innenrande etwas fihief gegen die Bafis geneigt; _
gegen Ddiefe wird er von einem meißlichgrauen Querſtreif ges
randet, und außerdem ift er braͤunlich gefaumt; auf dem Vor—
derrande endigt er an einem braunen Fleckchen. Der. darauf
folgende Naum ft ganz ohne die ſchwarzen Pünctchen des
761
Funiculellus. Die doppelte bräunlibe Querlinie bricht ſich
über der Mitte unter einem fcharfen Winfel; in dem erweie
terten obern Schenkel ijt fie breiter weißlich ausgefültt. Hinter
ihe bis zum Hinterrande ift dee Grund ochergelb; am Vorder—
ande liegt vor der Spike ein blaffes, bräunlich eingefaßtes Dreieck,
in der Mitte mit eınem bräunlichen Vorderranpdftrih. Hinter
dem längern Schenkel der Doppellinie befinden fih am Hin—
terrande in heller 'gelbem Grunde 6 tief ſchwarze Puncte an
3 meffingglänzenden Strihen, und zwar am erften vom In—
nenwinfel aus einet, am 2. 3, am 3.2. Franzen ſchmutzig
weißgelb, auswärts weißgrau.
Hinterflügel weißlich, gegen die bräunliche Nandlinie dunkler.
Von einer Querlinie davor ift nur am Vorderrande eine ſchwache
Spur bemerkbar. Die weißen Franzen find vor der gelblichen
Bafis von einer blaßbräunlichen Linie durchzogen.
Unterfeite der Borderflügel hellſtaubgrau mit ein wenig durch:
ſcheinender Zeichnung gegen den Vorderwinkel; der Vorderrand
bis über die Hälfte bleichgelblih. Hinterfluͤgel weißlich mit
deutlicherer Spur der Querlinie vor dem Hinterrande.
Die 6 legten abgebandelten Arten Eönnen recht gut bon
Crambus getrennt werden und zwar unter dem Namen Ero-
mene Hübn. ‘Cat. 366.) Sie baben wie die ächten Crambi
einen langen Saugrüffel; unterfcheiden ſich aber 1) durch die
Marillartafter, deren Pinfel fait gerade abgefchnitten, nicht ſehr
ſchief und zu einem Dreieck zugefchnitten ift. 2) Durch dag
Geaͤder der Vorderflügel; der vorleste Aft der Subcoftalader
theilt ſich nehmlich in eine Gabel, deren beide Zinfen weit vor
der Spitze in den Vorderrand münden, ftatt daß der erfte Zins
fen in den Vorderrand furz vor der Spige, der andre in den
Hinterrand, wie bey Crambus, ausläuft. 3) Durch den drei-
eigen Fleck in der Medianzelle der Vorderflügel des Maͤnn—
chens gegen die Bafis zu, der auf der Unterfeite ganz ſchup—
penlos ift; er fehlt dem Weibchen fo wie den wahren Crambus-
Arten. 4) Durch die ganz verfchiedene Zeichnung der Vor:
derflägel. — Wahrſcheinlich kommt aud noch eine abweichende
Flügelhaltung dazu, die zu beobachten ich leider verfüumt habe. —
Cr. aureliellus F. R. und mein americanifcher Cr. tenellus
ſcheinen der Flügelzeihnung nach in weniger Verwandtſchaft
mit Eromene zu fiehen, weichen aber übrigens in allem
Andern bedeutend ab.
Eudorea.
327. (1.) Incertalis Dup. — von Neapel. ©. meine
Monogr. in der Linnaea entomolog. I, ©. 279.
328. (2.) Crataegella Hübn. — von Neapel. ©.
die angeführte Abhandlung ©. 296.
329. (3.) Coarctata Zell. — von der bdalmatifchen
Inſel Lagoſta und Meffina. S. die angef. Abhdl.
©. 308. und mein Verzeichniß der kleinaſiatiſchen
Falter Iſis 1847. ©. 29.
Phycides.
Myelois.
330. (1.) Rosella.
Tithyia pudorella Dup. Cat. pag. 320.
Phycis pudorella Costa Faun. neapol. Phyeid. p. 4.
Bey Spyracus nicht felten am 30. und 31. Map und.
6. Suny: an den erften 2 Tagen fieng ich fie in dem bey
Ses. tineiformis angezeigten trodnen Hohlwege, wo fie in der
Sonnenhitze aus dem dürren Graſe aufflog; mehrere Eremplare
befuchten die Bluͤthen der Scabiosa columbaria. An denfel:
Iſis 1847. Heft. 10,
— — ⸗
762
ben Blumen fieng ich ſie meiſt am 6. Juny in den feuchten
Aeckern zwiſchen dem Anapo und dem Jupitertempel auf einem
gras- und blumenreichen Rain. Die meiſten kamen erſt nach
Untergang der Sonne zum Vorſchein, welches auch bey uns
die eigentliche Flugzeit dieſes ſchoͤnen Schmetterlings iſt. Nach
Coſta fliege er im Neapolitanifchen bey i bagnoli im Herbft.
Die ficihfhen Eremplare erreichen nicht die Größe unferer
größten und haben ein reineres Weiß auf den Vorderfluͤgeln;
das Nofenroth reicht nicht fo weit gegen die Bafis; der dunklere
Punzt auf der Querader fehlt weniger oft. Außerdem zeigt
fid) fein Unterſchied.
331. (2.) Cribrum.
Alis anterioribus angustis, albis, grosse nigro-puncta-
tis; posterioribus externe fumatis; abdominis segmentis
basi einereis; tarsis nigro maculatis.
Myelophila eribrella Tr. Dup. Catalog. p. 327.
Lispe cribrella Costa Faun.
Ein großes, gewoͤhnliches Maͤnnchen am 15. Juny bey
Spracus,
Cofta, der mit Recht die Gattungsrechte diefer Art beftveitet,
giebt eine fehr ausführliche VBefchreibung des Schmetterlinge und
von der Raupe die gewöhnliche, falfche Notiz, daß fie von. den
Diftelblättern und zulest vom Safte des Markes Iebe, ſtatt
daß fie den Blumenboden ausfrißt und erwachſen fich in den
Stengel bohrt und nun den Winter über ohne Nahrung mehr
zubringt.
Er fügt eine 2. Art bey, die zu Eeinem andern Subgenug
al& zu dem der Myel. cribrum gehören fol:
Lunulella tab. V. fig. 5: alis antieis albidis, faseiis
duabus parallelis flexuosis e lineolis eurvis fulvo-brunneis
compositis, altera prope basim, altera marginali, lunula
media nigra; alis postieis albido fuscis marginem versus
obscurioribus. Der Kopf und die andern Theile flimmen
vollfommen mit denen der M. eribrum; nur die Palpen find
ein wenig Elirger und etwas von innen nach aufen gedrüdt
(stiacciati dall’ interno all’ esterno) und fehr ähnlich denen
der P. carnella. Hals bededt mit einem ſchneeweiß fchuppigen
Kragen; Thorax ſchmutzigweiß wie der Übrige Körper. Vor—
derflügel ſchmal und lang mit gekruͤmmtem Hinterrande und
fehr furzen Franzen. Ihre Farbe ſchmutzigweiß, etwas: gelblich,
mit Seidenglanz. Ein hin ‚und ber gebogener Gürtel, aus
einer doppelten Neihe von braunröthlichen Linien, die gegen die
Baſis conver find, läuft nahe am Hinterrande und ein andrer,
teniger deutlicher, faſt ‚parallel dem erften, ſteht nahe der Baſis;
eine [hwarze, Erumme Linie oder Mondfichel folgt unmittelbar
und einwärts von der Nandbinde, Hinterflügel raudyfarbig ‚mit
Seidenglanz, gegen den Hinterrand etwas dunkler ‚mit weißen
Franzen (frangia bianca e lucida).
Gefangen 1821 im July Abends in Terra d’Dtranto; das
einzelne Exemplar fchon ‚etwas fchledht.
332. (3.) Cribratella n. sp.
Alis omuibus albis, anterioribus postice latioribus sub-
tiliter nigro-punctatis; 'abdomine albo; tarsis pallidis
(mas).
Sehr ähnlich der Myel. eribrum, aber fpecififch verfchieden.
Die Zafter find fürzer und reichen weniger hoch an der Etien
berauf. Beine weiß; die vordern auf der Kichtfeite fahlgelb;
an der Spike des Schenkels ein brauner Fleck, vor der Schie:
nenfpige ein brauner, unvollſtaͤndiger Nina ; die Fußglieder kaum
*
787
und uͤberdieß mein fehr verflognes Eremplar ber 2. Abbildung
völlig gleiht, fo möchte mın Duponchel's eigner Erklärung
nicht beyſtimmen, daß fie zu der 2. ſehr guten Abbildung gehö—
ven. Db Übrigens die Art wirklich eine Myelois ift, wage ich
nicht zu entfcheiden, da ich nicht beftimmt weiß, ob mein Erem-
plar männlich oder weiblich ift.
Größe der Eudor. mereurella. Thorax hellgelb, Kopf faft
weißlih. Fühler honiggelblich, zufammengedrüdt, allmaͤhlich
fielrund und verdünnt, aͤußerſt ſchwach gekerbt und microſco—
piſch pubescirend gefranzt (Stienwuift etwas abgerieben ).
Marillartafter anliegend, pinfelförmig. Xippentafter aufgekruͤmmt,
faſt von doppelter Augenlaͤnge, gelblichweiß, hier und da dunkler
angeflogen, zuſammengedruͤckt; das Endglied von faſt % Taſter—
länge, ſtark abgeſetzt, pfriemenfoͤrmig. Ruͤſſel lang, auf ber
Lichtſeite braͤunlich. Hinterleib an der Baſis und den Raͤn⸗
dern weiß beſchuppt, ſonſt graugelblich; Afterbuſch weißlich.
Die ziemlich breiten Vorderfluͤgel ſind ſchiefergrau mit zer—
ftreuten, ſchwaͤrzlichen Staͤubchen, auf der Vorderrandbälfte um
die Mitte am breitften, weißlich beftäubt; gegen die Spige ver—
engt ſich diefe Betäubung ; der Vorderrand felbft ift zu 3 gelb:
lihweiß. Ein hellgelber Strich nimmt von der Bali aus }
des Innenrandes ein. Bor der Mitte ift ein großer, gelber,
bindenförmiger Querfled, etwas fchief einwärts geneigt, an den
Gegenrändern verengt, an feinem Innenrande wellig, auswärts
Unter der Mitte ftark erweitert, und darunter auf der Subdor—
falader mit einem fehwarzen Schuppenbäufchen gefledt. Auf
der Querader jteht ein deutlicher, ſchwarzer Punct, deffen bey
Duponchel weder in der Abbildung noch in der Befchreibung
Erwähnung gefchieht. Im dem Vorderwinkel liegt ein fehr Eleiz
ner, fhwarzer Fleck, und am Hinterrande fcheint eine Reihe
brauner verlefchener Puncte zu feyn.
Hinterflügel durchfcheinend, hellgrau, weißlich gefranzt.
Unterfeite mit Mufchelglanz, hellgrau, auf den Vorderflügeln
dunkler; an diefen ift der WVorderrand zu 2 gelblich, und ber
gelbe Bindenfled ſchimmert ſehr verlofhen durch.
Sch fieng das einzelne Eremplar am 22. July am Gaftel:
laccio bey Meffina im dürren Graf. Nah Dupondel
kommt diefe Art (pl. 278.) bey Air und Montpellier vor, und
(pl. 234.) auch in Corfica.
338. (9.) Consociella. ‘
Ein Männchen am 15. Auguft im Eichengehölz oberhalb des
Agnanofees. Es ift ſehr Elein, ohne ſchoͤne Fürbung; feine
zwey Mittelpuncte auf den Vorderflügeln treten wenig hervor,
und der obere ift fehr Elein. Außerdem hat es alle Merkmale
der gemeinen Consociella.
i Anerastia.
339. (1.) Punctella.
An. Punctella Z. Isis 1839. ©. 177.
Chilo punctellus Tr. IX, 2. 268. X, 3. 271.
Crambus punctellus Duponchel pl. 273. fig. 4. (fem.)
pag. 124. — Catal. 319.
Die Marillartafter find nicht einmal in Nudimenten zu ent:
deden; tennoh hat Duponchel, wohl dur die Länge der
Rabialtafter verführt, die Art unter Crambus beibehalten. —
Sch fand die Art zu Ende May und Anfang Juny bey Syra—
cus an den Rändern der Syracaſuͤmpfe und jenfeits des Anapo
in gragreichen Gräben; fie laßt ſich ebenſo ſchwer wie An.
lotella bey beiterem Wetter zum Auffliegen bringen, Abends
—n
768
und um Sonnenaufgang fliegt fie langfam und freiwillig auf
feuchten, befonders aber auf fandigen Grasplägen. Die meiften
Exemplare waren im Juny ſchon fehr verflogen; ich erhielt nur
ein einziges Weibchen. in zweites fieng ih im Paffe von
Stri auf einer ganz dürren Gragftelle am 23. Auguft. — Nach
Dupondel lebt die Art in Gorfican und Marfeille, nad
Treitſchke auch in Ungarn; Löw fand fie Mitte May. bey
Kellemifh in Kleinafien, Gewiß ift fie um das ganze Mittels
meer verbreitet. E
Aus Treitſchkes Befchreibung ift die Art unmöglich zu
erkennen; von der characteriftiichen bintern Querreihe grauer
Pun:te fhiweigt er, und die Grundfarbe giebt er im Widerſpruch
mit der Diagnofe (al. ant. stramineis) fuͤr ochergelb aus.
Kopf, Nükenfhild und Vordeiflügel find ſchmutzig ftrohgelb,
bisweilen auch etwas roͤthlich; die WVorderflügel find gegen die
Lotella fehr breit, aber darinn wie Überhaupt die Größe diefer
Urt, veränderlich. Unter der Subdorfalader zieht ein grauer
Schatten big zur Flügelfpige und läßt fo eine verlofchene, hellere
Vorderrandfteieme hervortreten. Die meiften Laͤngsadern find
(unter der Loupe) verlofchen grau gefäumt und zeigen ſich fo
dem SHinterrande. Der graue Punct auf der Duerader ift
meist fehr deutlich. Auf dem Anfange des 2. Flügeldrittels
baben die Adern je einen dunkelgrauen, laͤnglichen, verwifchten
Punct oder Fleck; diefe bilden die erite aus 2 bis 3 Puncten
beftebende Querlinie, welche vor der Vorderrandffrieme aufhört;
die 2. Querlinie befteht aus einer unbeftimmten Zahl von 6—5
eben folchen länglichen Wifchflecichen auf den Adern und geht
febief gegen den Vorderwinfel. Sie find von mwechfelnder Deut:
lichEeit; immer aber find die der untern Hälfte zu erkennen
und für die Art characteriitifch. Zwiſchen den Adern ftehen auf
dem Hinterrande nicht felten feine, aber ganz verlofchene, graue
Puncte.
Das Weibchen hat kleinere und ſchmaͤlere Vorderfluͤgel; die
Puncte ſind verloſchen und unvollſtaͤndig; doch iſt es leicht als
dag der An. puuctella zu erkennen.
Phyecidea.
340. (1.) Nimbella
Ph. nimbella Z. Iſis 1839. ©, 178.
Phyecis nimbella Dup. pl. 284. fig. 1. pag. 349. —
Catal. pag. 324,
Se länger ich dieſe Art beobachtete, deſto zweifelhafter, wird
es mir, ob fie wirflich von Nebulella verfchieden oder nur durch
die Nahrung in ihrer abweichenden Faͤrbung hervorgebracht iſt.
Die größten dunfelften Cremplare der Nimbella zeichnen. -fich
fehr aus, auf den Vorderflügeln durch dunkleres Grau. und
dadurch mehr hervorgehobenes Weiß längs des Vorderrandes,
ducch fchärfere und Eleinene Puncte und die röthlich, von der
Medinnader begrenzte Snnenrandhälfte, desgleichen durch. die
dunflergrauen Hinterflügel. Auch, erreicht Nimbella nie die
Groͤße der Nebulella (bey Duponchel iſt es wohl ein Drud:
fehler, wenn er fagt: N. s’en distingue par une taille
constamment plus grande). — Allein e8 giebt foviel Zwi⸗—
fhenftufen, daß ich nirgends eine Grenze aufzuftellen vermag.
Die italieniichen Cremplare gehören zu den allerkleinften
Exemplaren der Nimbella, die am Borderrande der Vorderfluͤ—
gel breit weißlich, übrigens aber wie: die normale Nimbella
gefärbt find. in Meibchen hat nur 3" Vorderflügellinge. —
Ich fieng mehrere bey Meffina im legten Drittel des July und
769 3
ein Pärchen in der Campagna nördlih von Nom am
tember, immer auf dürren Grasplägen.
341. (2,) Sinuella Fabr.
Tin, sinuella Fabr. Ent. syst. 3, 2. 308. 94,
Anerast- sinuella Z. Iſis 1839. ©. 178.
Crambus sinuatus Fabr.: Supplem. 474. 62.
Phyeis elongella Tr. IX, 1.202. — Dup. 245. pl. 232.
fig. 3. Catal. pag. 524.
Phyeis flavella Dup. pl. 284. fig. 6. pag. 219. Catal.
pag. 324.
Fabricius befchreibt ein Cremplar, an welchem auf den
Borderflügeln die 2. bindenförmige Querlinie ſich einwärts fo
erweitert bat, daß fie die 2 Mittelpuncte berührt und dieſe
nicht mehr abgefondert erfcheinen läßt. Treitſchke befchreibt
Eremplare mit deutlich getrennten Mittelpuncten. Dupon=
chel's Elongella ift wie die Fabricifhe; er rechnet aber
4 Binden heraus, indem er nahe der Bafis noch eine kaum
merflihe wahrnimmt. Seine Phye. flavella ift ein belleg
Meibhen mit zu röthlihem Anſtrich auf den Borderflügeln,
zwey getrennten Mittelpuncten (deux points — in der Abbil—
dung iſt eine Mondſichel dargeftellt) und ohne bindenförmig
verdunfelten Hinterrand,
Ben Syracus fieng ih am 19. und 27. Mayı 2 Erem:
plare zwifhen Difteln auf Brachfeldern beym Anapo; mehrere
erhielt ich nördlich und füdlih von Rom auf dürten wuͤſten
Plägen zu Ende Auguft und am 3. September. Nah Du:
poncel lebt Sinuella auch im fdlichen Frankreich, und feine
Flavella in der Normandie. Sie hat wie Nimbella zwey
Generationen.
Epischnia.
342. (1.) Vulneratella n. sp.
Palpis longis suberectis, alis auterioribus pallidis lon-
gitudinaliter latissime rufescenti venosis (mas).
Var. 5, vibicibus tautum duabus prope dorsum rufes-
centibus (mas).
Sie hat große Aehnlichfeit ihrer Färbung nach mit Anerast.
lotella, £ann aber ihren ganz deutlihen Marillartaftern nach
nicht zu dem Aneraftien gehören; auch haben die Fühler Über
der Bafis eine, wenn auch fehr ſchwache Biegung, und auf
dem Ruͤcken derfelben zeigt fich der dunkle Laͤngsſtrich, den die
von beiden Seiten gegen einander geneigten Schuppen hervor:
bringen, und der bey Pempella und Nephopteryx feine größte
Ausbildung erreicht. Vulneratella fommt in Epischnia der
Eleinafiatifhen Ep. venosa nahe, deren Taſter jedoh ganz
horizontal ftehen.
Größe einer Eleinen An. lotella. Ruͤckenſchildd und Thotax
bleichgelb, faſt hellſtrohgelb. Die Stirnhaare bilden einen ziem—
lich langen Stivnfegel, der zu beiden Seiten blafröthlich einge
faßt iſt, und an den fid) unterwärts die dünnen, fadenförmigen,
ziemlich, langen Marxillartafter anlegen. Lippentafter von mehr
als Ruͤckenſchildslaͤnge, gerade, aber ſchraͤg in die Höhe neriche
ter, an der Bafis einander berührend, wodurch für einen Ruͤſſel
Eein Platz bleibt, meiter hin ein wenig divergent; fie find zu—
fammengedrüdt; obenauf mit etwas abftehender Behaarung ;
das 2. Glied fehr lang, das legte dimn und fpik, aus den
Haaren hervorftehend; ihre Farbe iſt roͤthlich, nach vorn dunk—
ler, unten. und inwendig blaßgelblich, außer am Endgliede.
Ocellen ſcheinen gaͤnzlich zu fehlen. Fühler ſchwach gekerbt
und microſcopiſch pubescitend gefranzt; dag Wurzelglied ziemlich
Iſis 1847. Heft 10.
730 98
lang, blaßgelblich; das 2. Glied feitlich verdidt, wie ein Knötz
hen; die folgenden 8—10 fehr zufammengeichobenen Glieder
find nebft den naͤchſt folgenden etwas zufammengedrüdt und
machen eine fehr ſchwache Biegung, auf deren Rüden die oben
erwähnte Auszeichnung. Beine bleichgelblich, die vordern auf
der Lichtſeite bräunlih. Hinterleib heilbraungelblich mit weißli—
chem Afterbuſch.
Vorderfluͤgel ſchmal, ziemlich ſtumpf, im Grunde bleichgelb:
lich. Dieſe Farbe zeigt ſich aber nur auf dem Vorderrande in
einer duͤnnen Linie, auf der Subcoſtal- und Medianader und
den Anfaͤn en ihrer Aeſte, im einer langen, den Innenwinkel
nicht erreihenden Strieme der Flügelfalte und in einem ſpitz
zulaufenden Raume unter der Subdorfalader, der ſchon an der
Mitte des Innenrandes endigt, wo er auf diefem durch röthliche
Schuͤppchen eingefaßt wird und eine fpise Geftalt erhält. Alles
Uebrige ift eine etwas gefättigte Fleiſchfarbe. — Die Ausbrei—
tung derfelben muß großer Veraͤnderlichkeit unterworfen feyn;
denn Var. b, die ohne allen Zweifel diefelbe Art ift, hat nur
zwey verlofchene Striemen; die erſte unter der Medianader,
von der Baſis entfernt und dünn anfangend, und noch vor dem
Hinterrande endigend; die 2. auf der Subdorfalader, auf mel:
cher fie ſich nach hinten fehr erweitert und bis zum Innenwin—
Eel ausbreitet. — Franzen bleichgelb.
Hinterflügel hellgrau, bey Var. b. noch bfäffer; die grau—
weißlichen Franzen find mit einer gelblihen Bafallinie umzogen.
Unterfeite grau; die WVorderflügel mit blaßgelblicher Worder-
tandlinie und folhem Innenrande; Franzen an beyderleh Fiü-
geln fehr hell mit grauer Querlinie nahe der Bafıs.
Das einzelne Männchen der Var. b. fieng ich bey Syracus
am 21. Juny nahe beym Gapucinerflofterz die 2 andern Männ:
hen am 11. und 12. July bey Meffina in einem fandigen
Meinberge auf einer dürren Gragftelle.
243. (2.) Prodromella.
Phyeis umbraticella Dup. pag. 187. tab. 278. fie. 9.
Phyeis prodromella Dup. Catal. 322. — Eversmann
Fauna Volg 551
Ein ſchoͤnes Männchen ben Syracus am 21. Juny — ein
Pärchen, wovon das Weibchen ſehr fhon, am 27. Auyuft
auferhalb Roms — auf duͤrren, fonnigen Grasplaͤtzen. Alle
deep find Eleiner als meine in Defterreih gefangenen Eremplare,
244. (3) Dlotella Z.
Iſis 1839. ©. 178. 5. Phyeis Illotella Dup. Cat. 324.
Palpis arcuatis, apice horizontali, antennis märis supra -
basim leviter curvis; alis anterioribus angustis, schistaceis,
eosta albida, dorso. dilute rufescenti, puueto venae sub-
dorsalis nigro utrimque albo-terminato.
Var. b, costa dorsoque dilutissime rufescentibus (mas).
Sehe ähnlih der Prodromells, ſchon ohne genauere Un—
terfuhung am DVorderrande der Vorderflügel zu erkennen, der
bier ftriemenartig meißlich ift, ftatt menigfteng fo dunkel zu ſeyn
wie die Übrige Fläche; außerdem find die WVorderflügel breiter,
am Innenrande rötblich und die maͤnnlichen Fühler haben über
der Bafis nur eine ganz ſchwache Biegung. &
Größe nur ‚wie Pemp. ornatella, alfo beträchtlid) unter der
von Ep. prodromella (Vorderflügellänge 44—5'"). Kopf und
Ruͤckenſchild aſchgrau, hier und da dunkler beftäubt. Die
Stienfihuppen bilden einen mäfig langen Kegel, an deffen Un:
terfeite die etwas furzen Marillartafter anliegen. Oberer Augen
rand in einer dünnen Linie weißlich. Ocellen deutlich.‘ Fühler
49
771
horngelblih, auf dem Nüden fhmusiggrau befhuppt, beym
Männchen Uber der Bafis fehr fanft gekrümmt und etwas zu:
fammengedrüdt, Übrigens ungekerbt, microſcopiſch pubescirend
gefranzt, gegen die Spige mit kurzen Faferfpisen. Lippentaſter
ſtark zufammengedrüct, auffteigend und dem Geficht anliegend,
ſich nicht über den Stirnbufch erhebend, über die Augen um 1%
Augenlängen hinwegreichend ; das Endglied horizontal, viel Fürzer
und merklich dünner als das 2. Glied zugefpist. Nüffel lang,
aufgerollt, auf der Bafis befhuppt. — Beine ſchmutziggrauweiß,
auf der Kichtfeite dunkler beftäubt, befonders die Worderbeine.
Hinterleib heilgraugelblich mit Eurzem, gelblihem Afterbuſch.
Vorderflügel ſchmal, doch viel breiter ald bey Prodromella,
fehiefergrau, längs des Vorderrandes in einer gegen die Flügels
fpige verengten oder beftäubten breiten Strieme grauweißlich,
oder bey Var. b. hellvöthlihgrau. Die Medinnader ift ftellen:
weiſe mweißlich beftäubt und hat bey der Querader einen ſchwaͤrzli—
chen, nicht fehe merklichen Punct, obgleich die weißliche Bes
ftäubung noch ein wenig über ihn hinmegreiht. Die Subs
coftalader iſt vor der Mitte als eine Eurze Linie weißlich beftäubt,
und ift darinn mit einem kurzen, ſchwarzen Längsftrich oder
Punct gezeichnet, der fehr auffält. Der Innenrand ift ſchmal
blaßröthlih. Gegen den Hinterrand werden die Flügel etwas
heller mit dunkler hervortretenden Adern, oder fie bleiben auch
der übrigen Fläche gleich. Franzen hellgrau mit ein paar dunk—
lern Duerfchatten.
Hinterflügel breiter und weniger fpig ald bey Prodromella,
glänzend ſchmutzig gelblihweißiich, gegen den Worderwinkel ges
wöhnlic etwas. grau, bisweilen auch an der Hinterrandlinie.
Die weißlihen Franzen find über der Baſis mit einer grauen
Linie umjogen.
Unterfeite glänzend, auf den WVorderflügeln ziemlich, tief grau
mit weißlichem Innenrande, auf den Hinterflügeln fehr hell,
faft weißlih, am WVorderrande etwag grau.
Das einzelne Weibchen ift düfterer und auf den Hinterflügeln
dunkler grau gefärbt, und die Fühler find feiner, Var. b. hat
feine andre Auszeihnung als den vöthlihen Worderrand ber
Vorderflügel bis zu der Spike und die fehr wenig verdunfelten
Hinterflügel, in welchem Iegtern Merkmale fie mit einem 2.,
auch im Suly gefangenen Männchen übereinfommt.
Bey Spyracus fieng ich zuerft ein gutes Männchen im Grafe
der Anhöhen der alten Neapolisg am 29. April, dann das etwas
befchädigte Weibchen am 23. May und ein fehr befchädigtes
Maännden am 28. May an ähnlicher Stelle, Hiermit war
beftimmt die erfte Generation vorüber, und die 2. erfchien mir
dem Juny. Bon ihr erhielt ich zwey gute Männchen am 8.
und 18. Juny auf den trodnen Höhen von Acradina, ein
andres bey Catania am 2. July, darauf noch zwey bey Meffina
am 15. und 26. Julh, wovon das 2. ſchon fehr verdorben ift.
Nephopteryw.
345. (1.) Poteriella Z. n. sp. von Syracus — ſieh
meine Abhandlung über die Enotenhornigen Phyciden. Iſis 1846.
743.
346. (2.) Dahliella Tr.—Phyeis bivitella Dup. —
von Meffina und Rom — fieh diefelbe Abhandlung.
347. (2) Coenulentella Z. — von Syracus und
Catania — fieh die citierte Abhandlung.
(Fortſetzung folgt.)
x
772
Ueber
Oreetochilus villosus Eschscholtz,
von Frauenfeld in Wien.
Im Archiv f. Naturg. 12. Jahrg. 1846. Hft. 5. pag. 218
im entomol. . Jahresberichte fordert Hr. Prof. Dr. Erihfon
auf, den Orectochilus (Gyrinus Fabr.) villosus lebend zu
beobachten, um die Frage über deſſen theils angenommene, theils
beftrittene nächtliche Lebensweiſe zu erledigen. Ich erlaube mir
daher, da ich Diefen Käfer längere Zeit in der Gefangenfchaft
beobachtet, und noch während ich dieſes fchreibe, 5 Eremplare
in einen großen Zuderglafe lebend vor mir habe, einen, Beitrag
zur Löfung dieſer Frage zu liefern. Vorerſt will ich jedoch auch
jene Umftände, Die mir beim ange derjelben als bemerfenswerth
auffielen, erwähnen, indem fte theilweife dazu dienen bürften,
manches Spätere zu ergänzen, und manchen Widerfpruch zu
löfen. —
Id) fand dieſes Infect ſtets in Fleinen fteinigen Bächen, na=
mentlicy im Mauerbache bey Hadersdorf nächft Wien an Stellen,
wo dad Waffer rafcher fließt. Dafelbft war es nur an größern
grubigen Steinen, die ſich zum Theil über Die Wafferfläche erho-
ben, entweder unter vorragenden Pläßen derſelben, wo das Waffer
randete, oder — jedoch feltener — tiefer unter dem Waller
zu treffen, immer fo geſchützt, oder auf der untern Fläche der
Steine, daß man fie von oben unmöglich bemerfen konnte.
Meift verniochte fie die geringfte Erfchütterung von dem Drte,-
wo fie vejtiaßen, loszufchnellen und felbft wenn es glückte, Die
tiefer Sigenden (wo häufig mehrere beiſammen find, indem fie
fi) fehr gefellig zeigen ) mit Den Steinen aus dem Waffer zu heben,
fprangen ſie blisfchnel ab, um anf der Oberfläche des Waſſers
nad) Art der Gyrinen herumzufahren. Sie find dann von dieſen
durchaus nicht zu unterfcheiden, und mögen jo wohl mancyen
erfahrenen Gntomologen getäufcht haben, der um einen gewöhn—
lichen Käfer, den er Da vielleicht vermuthete, fich nicht weiters
Mühe geben mochte; ja dieſes Kerf dürfte felbft nicht einmal
fo felten fein, als angenommen wird, indem e3 bei Dem Um—
ftande, daß man. fein plögliches Wegfpringen nicht bemerft,
wenn man nicht eigens darauf achtet, und Daß es außerordent-
lich ſchwierig ift, ihm bei feinen rafchen Bewegungen im flie-
enden Wafjer mit den Augen zu folgen, um zu achten, welch
neuen Ruheplatz e8 wählt, wohl nicht leicht gefangen wird.
Ich haſchte anfangs öfter mit dem Nege nad) ihm, wenn er
auf dem Waffer herumfreiste: jo vielfach ich aber vergeblich e3
verfuchte, niemal8 ging er unter Waffer, wie die eigentlichen
Gyrinen, wenn fie bedrangt werden, gerne thun; felbft wenn
dad Waſſer über ihm zufammenjchlug, war er gleich wieder,
feine Wellenlinien ziehend, auf der Oberfläche. — Ich beobach—
tete alſo fpäter, ihn zu fangen, eine eigene auf Diefe Eigen: '
thümlichfeiten berechnete Methode: ich ftieß nehmlich an folche
vorragende Steine leife mit dem Fuße, und achtete nur, wo
einer, Burchen am Waſſer ziehend, raſch dahin ſchoß, ruhig
ftehend und mit den Augen folgend, auf den Danach erfohrnen
Nuheplat. Wenn er auch manchmal weitaus ruderte, und einen
neuen Stein zum Sit ermählte, fo wurde Diefer Doch öfter
wieder verlaffen, und er Eehrte fogar häufig zu Dem alten Platz
zurück; wenn ich dann vorfichtig das Ne ins Wajfer ſtieß, war
ich ſtets des ſichern Erfolgs gewig. — Sie fcheinen in Bezug
auf Diefe Ruheplätze fehr wählig zu ſeyn, manchen Derjelben
beſonders vorzuziehen: und mit eigner Vorliebe aufzufuchen
denn an einem folchen tauglichen Orte durfte ich öfter auf Beute
773
rechnen. So oft ich aber ihre Wohnplige befuchte, und jo viel
ich, nachdem ich ihre Gigenthümlichfeiten kennen gelernt hatte,
fing, nie habe ich fie am Tage Ffreifend auf dem Waſſer ge:
funden, wie die Gyrinen, oder überhaupt fich Ddafelbit herum:
tummelnd, wenn ich vorfichtig jede Erſchütterung mied: und
obwohl es manchmal länger, manchmal kürzer Dauerte, bis fie
fi), wenn ie aufgefchredt wurden, wieder feftiesten; fo war
es doch mie ſolch ein fpielender Tanz, wie bei jenen, fondern
mehr das eifrige Streben, mieder eim geeignetes Verſteck aufs
zufuchen, wo fie fldy geborgen wußten. — Im Glaſe daheim
eingefperrt, waren fie anfangs immer fehr unruhig und fuchten,
indem fie an felbem bis an Ddarübergededten Flor aufwärts
£rochen, zu entfliehen; von ba vertrieben, tummelten fie ſich auf
der Wafferfläche äußerſt ungeftüm herum, wobei fie nur höchft
felten die Tiefe deſſelben durchftrichen. An einem porragenden
Steine ſetzten fie. fih lieber an bie dem Fenſter abgemendete
Seite *) und Dafelbft oder am Glaſe, oder auch an Pflanzen:
ftengeln, die ich mehrmalen hineingab, blieben fie den ganzen
Tag über, wenn fie nicht geftört wurden , figen, Mit Anbruch
der Nacht wurden fie unruhig, begaben ſich von ihren Ruhe—
plägen auf die Wafjerfläche, fich daſelbſt herumzutummeln, und
zwar — Spielend, und einander jagend wie Die Gyrinen, bald
langfam bald fiyneller, in kurzen Schwenfungen ſich Drehend,
ftehen bleibend, am Steine hinauffletterud, und luſtig wieder
abjpringend, kurz ganz anders ald am Iage, wenn fie aufge:
ſchreckt, told und ungeftum dahin tobten. — An einer todten
Siege, die ich Hineingab, klammerten fie ſich veft, indem fie
wie die Dytisfen daran nagten, doch bei weitem nicht fo feind-
lich, manchmal einander wegftiegen, die Beute vor fidy hin—
ſchoben, mandmal, wenn einer Sieger blieb, fich heftig wie
ein Kreifel Damit herum drehend, wobei die Fliege Mittelpunkt
war, bis dieſer wieder davon verjagt, feine Stelle andern über-
laffen mußte. Cine fleine Musca vomitoria wurde fo von
4 — 5 Exemplaren in einer Nacht bis auf die Haut verzehrt;
be3 Morgens faßen ſie wieder ruhig, theild am Steine, theils
am Glafe, entweder am Rande, oder außerhalb des Waſſers
für den ganzen folgenden Tag. Obwohl ic) das Futter immer
früh Hineingab, und fie auch öfterd, wenn fie in ihrer Ruhe
geitört am Wafler ſich herumtrieben, daran fließen und vorbei-
ruderten; fo griffen-fte Doch nie dafjelbe während Des Tages an,
ein einziged Mal ausgenommen, wo ich in das Glas, in dem
ſich ſchon mehrere befanden, ein friſch gefangenes Stück gab,
welches, nachdem es das Waller ein paarmal umfreift hatte,
über die am Wafferrand am Glafe hängenden Eingeweide-einer
Tenebrio-2arve gierig herfiel und ein tüchtig Theil davon ver-
zehrte, dazwiſchen öfter die Mahlzeit unterbrechend, die Runde
in Olafe machte, und aber wieder zum Straße zurüdfehrte, —
Einmal traf ich ein’ Paar des Morgens auf dem Steine oben
wie zur Copula übereinanderfigend, ohne dieſelbe jedoch wirklich
zu. beobachten, obwohl das Männchen den After mehrmal weit
*) 5 hatte einft beim Bange mein aus mehreren Fächern beftehen-
des, oberhalb mit gläfernen Schiebern verfehenes Käſtchen, worin ich
meine Beute gewöhnlich aufbewahrte, auf den Sand bei Seite geftellt,
zufällig fo, daß mehrere Exemplare, die ſich hart oben am Glasdeckel in
einer Ecke zufammengedrängt hatten, von der Sonne befchienen waren.
Nach wenig Secunden, als ich daffelbe wieder aufnahm, hatten fie fich
ſaͤmmtlich an die entgegengefegte Seite in die Tiefe geflüchtet; ich wie—
berholte dies fpäter vorfeglich oftmal, auch wein die Sonne nicht fchien,
* jedesmal ſuchten ſie die dem Lichte am wenigſten ausgeſetzte Stelle
auf.
774
und Iebhaft vorſtreckte und abwärts beugte. Ich Fonnte Teider
nicht8 weiter darüber ermitteln, da das Weibchen noch diefen
Tag ftarb, fo wie fie ſich überhaupt nie länger ala 6—7 Tage
im Ölafe hielten, daß eö wohl jcheint, fie benöthigen unumgänge
lich fliegendes Waſſer. — Einft that ich 4 frifchgefangene Erents
plare in Brunnenwaffer, 2 davon waren des andern Morgens
todt, Die andern 2 gingen von der Wand des Glafed, an ber
fie faßen, durch 2 Nächte und Tage nicht herab; die nächften
Tage ruberten fie jehr fchwach herum, nahmen nichts von dem
Butter und waren in ber Früh ebenfalls todt.
Obwohl ich nach dieſen Beobachtungen wenig Zweifel über
die nächtliche Lebensweiſe hegen fonnte, fo machte ich doch den
Verſuch, des Nachts die Stelle mit Licht zu befuchen, wo ich
mußte, daß fie vorfamen, doch fonnte ich fein entfcheidendes Re—
fultat dadurch erlangen. Wer e8 verfucht hat, des Nachtd mit
Licht am Waſſer nach Infecten zu fuchen, wo ich Agabus ma-
eulatus, Hydroporus delicatulus ete., dann die am Tage auf
der Unterfeite der Steine verſteckten Ephemeren- und Phryganeenz
Larven ſtets in voller Ihätigkeit fand, der weiß, wie Hundertfach
und raſchwechſelnd fich der Lichtichein an der Oberfläche ber
über die Steine dahinfließenden Bäche funfelnd bricht, daß es
unmöglich iſt, dieſe Thierchen dafelbft zu bemerken: und obgleich
id) einmal an einer etwas ruhiger fließenden Stelle meinen Käfer
beftimmt dahin rudern fah, fo verlor ich ihn doch zu ſchnell
aud den Augen um ihn fangen zu können, möglic) auch, weil
er das Licht floh; und ed entging mir fomit der thatfächliche
Beweis feiner nächtlichen Thätigkeit an feinem natürlichen
Standorte. — Wenn ic nun auch nicht entſchieden diefe Frage
abzufchliegen wage, fo glaube ich doch auf Diefe überwiegend
dafür fprechenden Ihatfachen geftügt kaum zu fehlen, wenn ic
den Orectochilus villosus ausſchließend für ein Nachtthier er
kläre. Ich werde nicht unterlaffen, die Beobachtungen über ihn
fortzufegen und darüber fpäter mitzutheilen, was ich noch meiter
über feine Lebensweife zu erforfchen vermag. — Das Leben
und Treiben der Thiere, beſonders das noch viel im Dunkel
ruhende oder fabelhaft entftellte Verhalten der niedern Klaffen ift
ein reiches Feld, das mir fo manche Ausbeute gewährte,
Geognoftifche Special: Charte
des Königreichs Sachen und der angränzenden Länder=Abtheilungen,
herausgegeben von der k. Bergacademie zu Freyberg, gezeichnet und
lithographiert von der F. Kammer-Vermeſſung zu Dresden, Section VI.
XIV. und General-Charte. 1845. Fol. Im Berlag der Berg-Acade-
mie zu Freyberg 1846,
Diefes großartige Werk ift nun vollendet, ein Ehrendenfmal
für die ſaͤchſiſche Negierung fowie dag Oberbergamt, die Berg:
Academie, die Cameral: VBermeffung und die Geognoften, welche
durch Jahre langen Eifer diefelbe bergeftellt haben, befonders
DProfeffor Naumann und Dr. Cotta. Es fann fich jest
außer etwa dem Stante New-HYork Fein Land rühmen, eine
fotche Charte zu befisen. Sachſen aber gebührt die Ehre, zuerft
die Hand an ein ſolches Werk gelegt zu haben. Hoffentlich
regt dieſes Benfpiel die anderen Negierungen Deutfchlands zu
ahnlihen Unternehmungen an, und fie bringen das zur Voll:
ftändigfeit, was eifrige Individuen bis jegt im Einzelnen ge—
than haben. »
715
Das Blatt No. VII. enthält die Erklärung der Farben,
Die General:Charte ift von Profeffor Naumann, der unfers
Wiſſens auch dag Hauptgejchäft bey allen Special:Charten gehabt
hat, zufammengeftellt, begreift einen großen Theil von Boͤh—
men in fih, vom angrängenden Preußen, Bayern und den
herzogl. fächfifhen Ländern; geht von Berne, Wunfiedel, Eger,
Ellenbogen, Carlsbad, Kaaden, Saatz, Laun und Leitmerig bie
Querfurt, Halle, Eulenburg, Belgern, Eifterwerda, Ruhland,
Hoierswerda und Priebus, von Stadt Steinah, Orlamuͤnde,
Sena und Bibra bis Krakau, Görlig und Rothenburg.
Sectio XIV. ift Die zweite Auflage und enthält eine Erflä-
zung , welche wir hier mitheilen,
Kurze Ueberſicht
der auf der zweiten Auflage von Section XIV. der geognoftifchen harte
des Königreiches Sachſen und der angrängenden Länderabtheilungen
. dargeftellten Gebirgsverhältniffe.
Für das ‘allgemeinere Verftändnig und Die größere Gemein:
nüsigfeit der geognoftifchen Charte des Königreiches Sachſen
dürfte es zweckmäßig ſeyn, über ihre Einrichtung an gegenwär—
tigem Orte einige allgemeine Grläuterungen vorauszuſchicken,
welche zugleich als eine Anleitung zum ebrauche derſelben für
Jederman dienen fönnen. *)
Die geognoftiiche (oder petrographifihe) Charte eined Land:
ftriches fol zunächft Die Gränz- und Verbreitungs-Verhältniſſe
der ihn conftituierenden Gebirgsarten, foweit folche auf der Ober:
fläche hHervortreten, in einem richtigen Bilde darſtellen. Sie
jegt daher eine topographiſche Charte voraus, und wird auch im
Allgemeinen um fo fpecieller und genauer feyn können, je de:
taillierter und richtiger Das ihr zu Grunde liegende topographiiche
Bild des Landftriches ift, wiewohl ihre Bollfommenbeit auch
noch von anderen, nicht immer zu erreichenden Bedingungen
abbängt.
Das fehr einfache Mittel zur Darftellung der Gränz- und
Verbreitungs- Verhältniffe Der Gebirgsarten ift Fein anderes als
dasjenige, deffen man ſich auch für die Darftellung der politi=-
fhen Grängen und Gebiete zu bedienen pflegt, nämlich eine
zwedmäßige buntfarbige Colorierung. Wie Daher auf einer
politifch = geographiichen Landcharte Die verjchiedenen Neiche, Pro—
vinzen und Kreife mit verfchiedenen Farben illuminiert, und Das
durch nach ihren gegenfeitigen Gränz- und Verbreitung = Ver-
bältnifjen mit einem Blicke überfichtlich gemacht werden; fo
werden auch in einer geognoftiichen Eharte die den verjchiedenen
Gebirgdarten zufommenden Gebiete durch verichiedenfarbige Co—
lorierung Dargeftellt, fo daß Die von einer und derjelben Gebirgs-
art eingenommenen Räume auch immer mit einer und berjelben
Farbe illuminiert evfcheinen.
Daß aber di.fe Gränzen und Gebiete der Gebirgsarten nicht
immer mit gehöriger Schärfe beftimmt, und Daher an geognoftiz
ſche Charten hinfichtlich der Nichtigkeit der Gränzen billiger
weile nicht Diefelben Anforderungen gemacht werden können, wie
an politifch= geographiiche Charten, Diefes ift einleuchtend. Denn,
während die politiichen Gränzen auf der Oberfläche des Landes
an beftimmt fignalifirten topographi,chen Gegenftänden ununters
*) Da die erfte Auflage ven Section XIV dasjenige Blatt war,
mit weldyem die Herausgabe der ganzen Specialcharte eröffnet wurde ;
fo hielt man eg für angemeffen, ihr die zunachit folgenden allgemeinen
und für ale Sectionen giltigen Bemerfungen beizugeben.
776
brochen verfolgt werden koͤnnen, fo ift dieß mit dem geognoftis
fiyen Graͤnzen nur immer theilweife Der Fall, indem fie vom
aufgefhwenmten Lande, von der Dammerde und Vegetation oft
auf weite Strecken bedeckt werden, und meift nur an einzelnen
Puͤnkten vollkommen entblößt, oft aber ſtundenweit gar. nicht zu
beobachten find. Hierzu fommt noch, Daß Die an einander
gränzenden Gefteine nicht felten durch almälige Hebergange in -
einander verlaufen, wodurch, felbjt bei ununterbrochener Geſteins—
entblögung, Die Gränzbeſtimmungen etwas ſchwankend und von
der jubjectiven Auffuffung des Beobachter mehr oder weniger
abhängig werden müſſfen. £
Es it daher in Betreff derjenigen Gränzlinien, welche zwi—
ſchen den verjcyiedenen älteren Gebirgsbildungeu auch da gezogen
werden mußten, wo ſie vom aufgeſchwemmten Lande mehr oder
weniger bededt find, zu beriicjichtigen, daß fich ſolche zwar mit
hinreichender Wahnſcheinlichkeit erjchließen, aber nichr immer
mit völliger Gewißheit ermitteln ließen. Wo jedoch das aufge:
fhwenmte Land in ununterbrochener Ausdehnung auftritt, und
feine Ihaleinfchnitte oder jonjtige Entblößungen irgend ein fiches
res Anhalten für Die Beurtheilung der Gränz- und Verbreitungs—
Verhältniſſe der unter ihm begrabenen Gebirgsarten an Die Hand
geben, da ift die Karte weiß gelaffen worden, indem es aus
mehren Gründen am Zwedmaßigften erfchien, Dem aufgeſchwemm—
ten Lande (oder den Diluvial» und Alluvial-Maſſen) gar Feine
bejondere Farbe zu ertheilen. Es it alfo bei dem Gebrauche
der harte gar jehr zu beachten, Daß Das, vorzüglic) aus Ge-
röll, Sand und Lehm beftehende aufgeſchwemmte Land nicht
blos auf die weiß gelaffenen Theile der Charte beſchränkt ift,
fondern aud) an vielen andern Stellen berfelben, oft in bedeu—
tender Ausdehnung und Veächtigkeit, vorfommt, Daß aber an
Diefen Etellen von ihm abftrahirt wurde, weil dafelbft. hinrei-
chende Entblößungen ein Urtheil über. Die Gränz- und Berbrei-
tungs-Verhältniſſe der unter ihm liegenden älteren Gebirgs—
bildungen ‚geftatteten, Deren Darjtellung immer als der Haupt-
zwed der Charte zu betrachten war,
Was nun Die Golovierung der fo abgegränzten Gefteinäge-
biete, betrifft, jo fam es bei derſelben zunaͤchſt nur darauf an,
daß Die verjchiedenen Gebirgsarten auch mit. verfchiedenen, und
leicht unterfcheidbaren Farben angelegt wurden. Um jedod) dieſe
Golorierung einigermaaßen mit der Gefteinsbefchaffenheit in Be—
ziehung zu fegen, jo find, nach Werner's Vorgange, im All—
gemeinen und vorzugsweije Die rothen Karben für die feldipath-
reichen efteine, Die grünen Farben für die hornblend- oder
augitsreichen und Die mit ihnen verwandten Gefteine, Die gelben
Farben für Die Sandftein- Bildungen und Die blauen Farben
für die Kalkftein : Bildungen benugt worden; wobei jedoch, wegen
mancher andren Nüdfichten, eine ganz confequente Durchführung
jener Beziehung weder erreicht noch. beabfichtigt werden konnte,
wie benn z. B. für den Thonfchiefer und die Grauwacke zwei
helgrüne Farben gewählt wurden, obgleich fie weder Augit oder
Sornblende enthalten, nody denen durch Diefe Mineralien charac-
terifierten Gefteinen bejonders verwandt find, s
Durch Die geognoftifche Colorierung der harte wird nun
allerdings die Moſaik der Gebirgsnatur eines Lanbftriches, wie
jolhe an der Oberfläche ericheint, in einem ziemlich getreuen
Bilde anfchaulic gemacht. Aber aud) nur jo, wie er zu Tage
austritt, nicht, wie er in ber Tiefe fortfegt, liegt der Felfenbau
in Diefem Bilde vor und; nur das Nebemeinanderliegen, nicht
das geiegmäßige Ueber- und Unterceinanderliegen der Maffen,
ift aus demfelben zu erkennen. Um nun auch dieſe, in willen
J
| 177 778
ſchaftlicher uud technifcher Hinſicht Höchft wichtigen. Lagerungs⸗
verhältniſſe zu veranſchaulichen, Dazu wurden folgende Hilfsmit—
Gebiete biefer Section am Höchften in der Linie von Lüttdorf,
über Reichenbach, Roßau und Seifersbach nad) Höllingshain,
tel benugt.
1) die geognoftifhen Profile oder Gebirgsdurchichnitte,
welche auf dem oberen und unteren ande der Charte
angebracht find, umd die, längs den ‘Profillinien Statt
findenden Lagerungs- und Schichtungs -Verhälmiffe bildlich
Darftellen, während fte zugleich über Die relative Erhebung
der Maſſen belehren, indem die Höhen der verfchiedenen
PBrofilpuncte nach ihren gegenfeitigen Verhältniffen im Maaß—
ſtaab von zn der wirklichen Höhe eingetragen worden
find, daher Denn aud) der Höhenmaaßſtab der Profile ge=
nau ſechs Mal jo groß, ald ihr Längenmaapftab ift; *)
2) die Pfeile, melde bei den geſchichteten Gefteinen Die
Richtung bezeichnen, nad) welcher die Schichten einfallen;
3) die dunfleren Farbenjaume, die gewöhnlich längs
der Gränze zweier Gefteine mit der Farbe auf der Seite
begjenigen Geſteins angelegt worden find, weldyes dem au:
dern aufliegt.
Diefe Iettere Bezeichnung der Auflagerungsränder gewährt
ein fehr einfaches Mittel zur DBeranfchaulichung der Lagerungs—
verhältniffe, wie jolhe an der Gebirgsoberfläce und un—
mittelbar an der Gränze zweier Geſteine zu beobachten find,
woſelbſt dieſe DVerbältniffe bisweilen auf eine, den allgemeinen
agerungsregeln ganz entgegengefegte Weile borfommen, In—
deſſen ift begreiflih, Daß dieſe an und für fich fehr einfache und
verftändliche Bezeichnung füglih nur da angewendet werden
kann, wo die Zagerungsverhältniffe an der Gränge entweder un:
mittelbar zu. beobachten, oder doch mit großer Wahrfcheinlichfeit
zu erjchließen find. Auch ijt fie in allen Fällen gänzlich weg—
gelaffen worden, wo die Gränzverhältniſſe unbeftinmt, oder auch
Die Dimenfionen der aufgelagelagerten Maſſe in der Charte fo
Elein find, daß die eigentliche Farbe des Gefteines durch den
Farbenfaum unfceinbar gewordin ſeyn würde.
Die Buchftaben, welche fi) auf der Charte vorfinden, dienen
nur als eine fubjidiariihe Signatur der Geſteine und der ihnen
entipredyenden Farben, um allen Verwechſelungen vorzubeugen,
wie folcye bei einiger Aehnlicyfeit zwiſchen den Farben verſchie—
bener Gefteine, oder im Falle einer mit der Zeit eintretenden
Verbleihung und fonftigen Veränderung mancher Pigmeute,
vorfommen Fünnten,
Auf der gegenwärtigen Section Der geognoftiichen Charte
nimmt vorzüglic) das Granulit- oder Weipjtein = Gebirge Die
Aufmerffamkeit in Anfpruch, obwohl nur etwa 3 deö Ganzen
zu jeden find, indem es ſich auf der anftoßenden Section noch
bis gegen Hobenftein fortzieht. Daffelbe bildet‘ ſowohl in geog-
noftifcher als in orographiicher Hinjicht ein. vollkommen geichlof:
fenes Ganzes, welches wegen des. auffallenden, Servortreteng
feiner Formen und wegen feiner Lage in der Mitte des König:
reiches Sachjen nicht mit Unrecht das ſächſiſche Mittelgebirge
genannt werden fünnte, Der eigentliche, durch feine meiſt hell—
farbige, feldipathreicye Grundmafje, feine Granatpuncte und feine
plattenförmige Schichtung ausgezeichnete Gran ulit oder Weiß—
fein bildet die Hauptmaſſe des Gebirges und erhebt fich im
*) Der Längenmaaßftab der Profile ift nämlich der der Charte, die—
fer aber betragt soo der mirflichen Größe. Die in den Profilen
und in dem Verzeichniffe vou Höhenbeftimmungen befindlichen Zahlen
"beziehen fich anf Pariſer Fuß.
Iſis 1847, Heft 10.
jo wie in der Linie vom legterem Dorfe über Erlau und Ober:
eroffen nad Neuwallwig. In dieſen Gegenden giebt «8 einige
Höhen von mehr ale 900 Pariſer Fuß, und ein, weitlich von
Seifersbach gelegener Punct fteigt fogar bis 1037 Fuß auf,
Nächſt Dem Öranulite, und mehr oder weniger innig mit ihm
verbunden, erſcheint der Granit, welcher beforders in einem
mächtigen Zuge von der Roßauer Kirche über Mittweida und
Glausnig bis nad) Mohstorf und weiterhin in das Gebiet von
Section XV zu verfolgen ift, aber aud) außerdem häufig in
größeren und Fleineren Partieen, von welchen viele ganz ent:
ſchieden eine gangförmige Ausdehnung und Natur zeigen, im
Gebiete des Granulites auftritt.
Serpentin bildet unter andern bedeutende Maſſen zwiſchen
Etzdorf und Greifendorf, bei Walbheim, Gielsberg u. Zſchöppichen.
Die unmittelbare und in geographiſcher Hinſicht von ihm nicht
zu trennende Umgebung des Granulitgebirges bildet eine, rings
um daſſelbe hinlaufeude Zone von Glimmericiefer, dejfen
Schichten im Algemeinen unter einem Winfel von 20% bis 40°
vom Weißſteine weg nad) außen abfallen. Dabei ift es ſehr
merkwürdig, daß dieſer Scyiefergürtel gewöhnlich 50 bi8 150
Fuß höher aufiteigt, als die nächſten Maſſen des Granulites,
daß er mehre jehr bedeutende Ginlagerungen von Granit und
Gneiß umſchließt, Daß fein Geftein in der unmittelbaren Nähe
des Granulited Durch viele Beldipath= Knoten gneißartig wird,
und dag er miehre zadige Vorſprunge und halbinjelartige Aus—
läufer in das Gebiet des Granulited hineinſendet, welche dort
größtentheild als ein wellenförmig grobfafriger Gneiß ericheinen.
Ja, im Chemnigthale, bei Clausnig, Vohsdorf, Stein und
Görzenhain, liegen ſogar völlig iſolirte dergleichen Gneißpartieen
mitten im Granulite.
Bei Roßwein ift auf der Gränze des Granulites und Glim—
merjchieferd eine jehr bedeutende und jonderbar geftaltete Maſſe
von Grünftein (Gabbro und Gabbrofc)iefer) abgelagert.
Uebrigend geht der Glimmerſchiefer in feinen oberen Schich—
ten allmalig in Thonjchiefer über, welcher das Granulitge—
birge auf der Weſt-, Nordweit, Nord- und Nordoft: Seite in
großer Mächtigkeit umgiebt, und in feinen Lagerungsverhältnif-
fen gleichfals von ihm abhängig if. -
Ganz unten rechter Sand ſieht man auf ber harte einen
feinen Theil des Freiberger Oneiß = Gebirges auftreten,
welches dafelbft von einem, kaum eine halbe Stunde breiten
Streifen Glimmerſchiefer bedeckt wird; die Schichten beider Ges
fteine fallen 40° bis 60° in Nordweit, aljo denen am gegen:
über liegenden Granulitgebirge befindlichen Schieferfchichten ent—
gegen, welche letztere bei Berbersdorf und Arnsdorf nah Sub,
bei Roßau nah Südoft fallen.
Dadurdy mag eine Art von baffinförmiger Gebirgävertiefung
bediugt worden jeyn, Die fi) weithin nad) Südweſt verfolgen
laßt, und in welcher zuoörderft das, aus Grauwade, Gruu—
wackenſchiefer, Lydit (Kiejelfchiefer) und verfchiedenen Grünjtein:
bildungen beftehende Uebergangsgebirge der Gegend von
Reichenbach, Riechberg und Gulendorf, fodann aber das Haini—
chener Steinfohlengebirge abgelagert ift, welches fich Durch
feine mächtigen Conglometate, durch feine faft verticale Schichten:
ftellung am ſüdöſtlichen Rande, und durch feine Beziehungen zu
dem. Dajelbft zwijchen ihm und den Grauwackengebirge eingela:
gerten Gneiße auszeichnet, Übrigens aber nur innerhalb des von
einer punctirten Linie umſchloſſenen Raumes wirkliche Sohlen:
49*
x
779
flöße enthalten dürfte. Ueber einen großen Theil dieſes Stein:
kohlengebirges ift in faft horizuntalen Schichten Das Nothliegende
ausgebreitet, welches bei Gerödorf ziemlid hoch (1100 Fuß)
aufiteigt.
Am nördlichen Rande der Charte bei Strehla tritt noch eine
bedeutende Partie Ernftalliniicher Gefteine auf. Der Granit
des Dürrenberges erhebt fich bei der Liebſchützer Windmühle zu
604 Fuß, und verbreitet jich fat über den ganzen Raum zwi—
ſchen Wellerswalde, Cavertig und Sahlaſſan, während ihn auf
der Nordfeite, zwijchen den legtgenannten beiden Dörfern, Gneiß,
auf der. Südfeite aber, bei Liebſchütz Glimmerichiefer, und bei
Mellerswalde Thonjchiefer begränzt.
An dieſe letzteren Geſteine lehnt ſich mit fteil aufgerichteten
Schichten das Oſchatzer Grauwackengebirge, welches im
Ottenberge zu 553 und im Collmberge zu 957 Fuß aufragt,
aber weftlich von. Diefem legteren Berge unter Dem Porphhr ver—
ſchwindet. Die Aebnlichfeit des Gejteines und der Schichtenftel-
lung, fo wie Die Lage in einer und berfelben geraden Linie,
machen es jedoch. fehr wahricheinlich, Daß die ifolirten Vorkomm—
niffe von quarziger Graumade bei Deditz (ſüdöſtlich von Nerchau )
und bei Otterwiſch (Südmeltlih von Grimma) Der, unter Dem
Porphyr und aufgeſchwemmten Lande anznuehmenden Fortſetzung
des Oſchatzer Grauwackengebirges angehören; woraus ſich denn
für die ehemaligen Terrainverhältiniſſe dieſes Landſtriches das
Reſultat ergeben würde, Daß dem nordweſtlichen Abfalle des vom
Sranulite abhängigen Schiefergebirges, in der Linie von Oſchatz
nach Lobftädt, der füboftliche Abfall eined Grauwackengebirges
gegenüber lag, welche beide ein weite, aber gegempärtig größ—
tentheild ausgefülted und Faum noch erfennbares Gebirgsbaſſin
zwifchen ſich liegen.
Am nordöftlichen Ende dieſes Baſſins tritt in der Gegend
von Oſchatz unter den Diluvialmafjen ein ſehr mächtiges, aber
nur an einigen Puncten Deutlich entblößtes, vorzüglich aus
Schyieferthon, weißem Sandftein, und etwas Brandſchiefer ge—
bildetes Schichtenſyſtem auf, melches jowohl durd) feine Geſteine,
ald auch Durch feine, ſtellenweiſe ſehr häufigen Pflangenrefte
(meift Lykopoditen, felten Farrnkräuter,) als eine Steinfohlen=
formation charafterijtert ſeyn dürfte, von welcher fünftige Unter—
juchungen lehren müſſen, ob fie etwa bauwürdige Kohlenflöge
umfchließt. *)
Gine mächtige und ausgedehnte BPorphyrablagerung erfüllt
den größten Theil des vorerwähnten Baſſins, die muthmaaßliche
nördliche Gränze Dejjelben über Musjchen und Grimma hinaus
weit überfchreitend, und jüblich an einigen Puncten faft bis an
den Granulit zurücktvetend. Als das älteſte Glied dteſer por—
phyriſchen Gefteine dürfte Der quarzfreie und glimmerreiche Por:
phyr Der Gegend von Gnandjtein und Altenburg zu betrachten
ſeyn, melcher dem Wilsdruffer Porphhr (auf Section X) in
vieler Hinſicht gang ähnlich iſt. Viel verbreiteter, und bei
Meitem den größten Theil des Porphyrgebietes zufanmenfegend,
ericheint Der meift rothe und vöthlichgelbe, bisweilen auch, lauch-
grüne und Ichmürzlichgrüne qnarzführende Porphyr, welcher
ftellenmeife der Formation des Nothliegenden fehr regelmäßig
eingelagert ift und wegen der Häufigkeit ſeines Vorkommens als
) Diefe Schichten wurden in der erften Auflage von Section XIV,
eben fo mie in den dazu gehörigen Erläuterungen, nach den Anfichten
bewährter früherer Beobachter zur Zechfteinformation gezogen, welcher
fie aber, neuen Unterfuchungen zu Folge, keinesweges angehören können.
Sie find bis zu 600% anjgerichtet.
780
gemeiner Porphhr aufgeführt wurde. Er unterfcheidet ſich
gewöhnlich auf den erften Blick durch die Kleinheit feiner Feld—
fparhförner von dem Syenitporphhyr, weldyer oft big zoll—
große Feldſpathkryſtalle umschließt und noch. außerdem durch ein
mehr oder weniger reichlich eingeſprengtes, grünerdeähnliches
Mineral (im Hubertsburger Walde durch Glimmer) charafterefirt
wird. Nordweſtlich und ſüdöſtlich von Leißig (namentlich bei
Arras) fowie ſüdöſtlich von Laußigk, tritt an mehren Puncten
zum Iheil mitten im ©ebiete des gemeinen Porphyrs, eine eis
genthümliche weiß und hellgrün, oder auch bunt gefärbte Porz
phyr-Varietät auf, welche fich vielleicht als eine felbftjtändige
Bildung erweiſen dürfte, weshalb fie in der Colorierung unter-
fihieden werden mußte. Innerhalb derſelben erjcheint bei Bors
Dorf eim ausgezeichneter Vechjtein, dergleichen auch bei Qued-
hain (zwifchen Leißnig und Sartha), fo wie in einer nicht uns
bedeutenden Kuppe bei Ebersbach (zwiſchen LaufigE und Rochlitz)
anfteht. in ganz ifolirtes Vorkommen ift endlich der erbfen-
gelbe Porphyr, welcher bei der Sonnenmühle füdlih von Wur-
zen, einen fat halbfreisformig verlaufenden Gang im daſigen
Syenitporphyr bildet. Don allen dieſen quarzführenden Vor—
phyren unterfcheidet ſich wefentlich der in der Gegend von Ofchag,
bei Ganzig und Klein Ragewig, fo wie bei Collmen und Gröp-
penborf, auftretende quarzfreie Porphyr, welcher gemöhnlich eine
fhmußig grüne oder braune Grundmaffe mit fehr ſparſamen Feld⸗—
fpathförnern zeigt, bisweilen aber in Mandelftein übergeht, und
Daher dem Melaphyr zu vergleichen ift.
Mit den Porphhren find mehrorts Porphyrtuffe (ober
Ihonjteine), fo wie an ein Paar Puncten am nordweitlichen
Rande des Hubertöburger Waldes Porphyrconglomerate
verbunden, welche legtere an das Gonglomerat bey Giebichen-
ftein unweit Sale erinnern. Dieſe Thonſteine fcheinen den
Vorphyren gewöhnlich vorausgegangen zu feyn, ja bey Klein:
Ragewitz iſt fogar die Auflagerung mit der größten Evidenz zu
beobachten; ein Vorkommen, welches nod) dadurch befonders
intereffant wird, Daß beide Geſteine durch eine. Zwifchenlage
——— Thonſteines mit Pflanzenabdrücken getrennt
werden.
Bey Mügeln und bey Geithain öffnet ſich das Porphhrterrain
einerfeit3? nach Oſten, anderfeis nad) Weften mit einer weiten
flachen Mulde, in welcher Die Bildungen des Rothliegenden,
Zehjteines und bunten Sandjteines abgelagert wurden.
In der Mügelner Mulde tritt befonders die Formation des Zech-
fteines auf, welche von Paskowitſch bis Zſchochau in vielen
Kalkfteinbrüchen aufgefchloffen ift, weiter nördlich) aber von
mächtigen Dilusialmaffen bededt wird. Das Nothliegende
ift daſelbſt wohl überall unter dem Zechfteine vorhanden, zieht
fi) aber aus dem Gebiete defjelben von Mügeln nach Südweſten
bi3 in Die Nähe von Peißnig, und vepräfentirt hier nur Die
obere Abtheilung der Formation, welche dem gemeinen Porphyr
aufgelagert if. Der Buntfandftein tritt öftlich von Mügeln
nur in zwei ganz unbedeutenden Partieen unter dem fehr mächtigen
aufgeſchwemmten Lande hervor. In der Geithainer Mulde dagegen,
jo wie in der Gegend von Altenburg, wofelbft die obere Abthei—
lung des Nothliegenden unter dem Zechfteine gleichfalls faſt
überall anſteht, ift auch der bunte Sandftein in größerer Mäch-
tigkeit und Stetigfeit nachgewiefen. Die untere Abtheilung
des Mothliegenden aber, und ihre Bedeckung durch den ges
meinen Porphhr, läßt fi am Beten bey Rochlig und weſtlich
von Wechfelburg beobachten.
781
Ale, zwifchen dem Buntiandfteine und der Braunfohle be
kanten Bildungen werden im Bereiche der vorliegenden Section
vermißtz Dagegen ift Die Braunfohlenformation ſelbſt
über einen großen Raum abgelagert, vorwaltend aus weißem
Sand und Grus, nächſtdem aus Sandftein, Thon und Braun—
fohle beſtehend, welche letztere jedoch feincsweges überall da vor—
handen oder nachweisbar fein dürfte, wo Die übrigen Schichten
der Formation vorfommen. Die bedeutenditen Vorkommniſſe
von Braunkohle fennt man in der Gegend von Coldig, Grimma,
Lauſigk, Borna, Altenburg und Mittweida.
Bon Diluslalbildungen find bejonders die Quarzgerdll-
formation wegen ihrer bedeutenden Ausdehnung, die Lehmfor-
mation wegen ihrer Fruchtbarfeit, und die erratiſche dor:
mation wegen ihrer räthielhaften Verhältniffe zu erwähnen.
Bon denen, über den Dilusialmaffen vorfommenden Bil-
dungen find nur einige Ablagerungen von Rafeneifenftein in ber
Charte bemerkt worden, indem Die zahlreichen £leinen Torfdepotg,
dergleichen fich in vielen größeren Gebirgsjchluchten (namentlich
im Gebiete des Granulitgebirges) vorfinden, Feinen Gegenftand
für die bildliche Darftellung abgeben Eonnten. Indeſſen follen
nach Befinden Eünftighin nähere Angaben über fie mitgetheilt
werden.
Ausführlichere Nachweifungen über Dice auf gegenmwärtiger
Section der geognoftiihen Charte dargeftellten Gebirgsbildungen
find in ber Schrift zu finden, welche unter dem Titel „Erläu:
terungen zu Section XIV der geognoftifchen Charte
des Königreiches Sachſen und der angrängenden Länderabthei—
lungen“ in ber Arnoldifchen Buchhandlung erichienen ift, und
für Die übrigen Sectionen in ähnlicher Weife erfcheinen wird.
Catalogo metodico
dei Mammiferi europei di Carlo L. Principe Bonaparte.
Milano 1845. 4. 36.
Der Prinz hat diefe und die zwo folgenden Abhandlungen
vorgetragen bey der Verfammlung der Naturforfcher zu Mais
land 1844, Voran gibt er eine Ueberfiht aller Haarthiere,
welche wir mittheilen,
Mammalia.
Series I. Placentalia.
Subelass. I. Educabilia.
Sectio I. Unguiculata.
Ordo 1. Primates.
1) Hominidae: Hominina.
2) Simidae: Simina; Cynocephalina*.
3) Cebidae: Cebina; Hapalina.
4) Lemuridae: Lemurina; Tarsina.
5) Galeopithecidae: Galeopithecina.
6) Chiromidae: Chiromina.
Ordo 2. Ferae.
7) Canidae: Canina*.
8) Viverridae: Hyaenina; Herpestina*; Viverrina*.
9) Felidae: Felina*. 4
10) Mustelidae: Mustelina*; Lutrina*; Mephitina; Melina*.
11) Ursidae: Cercoleptina; Ailurina, Procyonina, Ursina*,
Anmerk: Das Sternchen bedeutet die Unterfamilie, wovon Gattungen
in Europa vorfommen,
782
Ordo 3. Pinnipedia.
12) Phocidae: Otarina; Phocina*.
13) Trichechidae: Trichechina*.
Ordo 4. Cetae.
14) Delphinidae: Delphinina*; Monodontina*.
15) Physeteridae: Physeterina*.
16) Balaenidae: Balaenina*.
Ordo 5. Sirenia.
17) Manatidae: Manatina; Halicorina; Rytinina.
18) Dinotheridae: Dinotherina*.
Sectio II. Ungulata.
Ordo 6. Belluae.
19) Elephantidae: Elephantina; Mastodontina?.
20) Rhinocerontidae: Tapirina; Rhinocerontina;
motherina.
21) Hyraeidae: Hyracina.
22) Hippopotamidae: Hippopotamina.
23) Suidae: Suina*; Choeropotamina.
24) Anoplotheridae: Anoplotherina*.
25) Equidae: Equina*.
Ordo 7. Pecora.
26) Camelidae: Camelina; Auchenina.
27) Cervidae: Moschina, Cervina*.
28) Camelopardalidae: Camelopardalina.
29) Bovidae:, Antilopina*, Caprina*; Bovina*.
Ordo 8. Bruta.
30) Manidae: Manina.
31) Myrmecophagidae; Myrmecophagina.
32) Dasypodidae: Orycteropodina, Dasypodina.
33) Bradypodidae: Megatherina; Bradypodina.
Ordo 9: Chiroptera.
34) Pteropoidae: Pteropodina.f
35) Vespertilionidae: Noctilionina*;
Rhinolophina, Rhinopomina.
36) Vampyridae: Vampyrina; Glossophagina; Desmodina,
Ordo 10 Bestiae.
37) Talpidae: Talpina*, Chrysochlorina.
38) Soricidae: Myogalina*; Sorieina*; Maecroscelidina;
Cladobatina.
39) Erinacidae: Centetina; Erinacina*.
Ordo 11. Glires.
40) Sciuridae: Sciurina*; Arctomina*.
41) Muridae: Myoxina*; Dipodina*; Murina*; Cricetina*.
42) Castoridae: Castorina*; Arvicolina*; Geomina.
43) Bathyergidae: Aspalacina*; Bathyergina.
44) Hystrieidae; Hystricina*; Erethizonina, Aulacodina.
45) Echimidae: Capromina, Echimina.
46) Dasyproctidae: Dasyproctina.
47) Octodontidae: Octodontina.
48) Lagostomidae: Lagostomina.
49) Cavidae: Cavina, Hydrochoerina.
50) Leporidae: Leporina*.
Series II. Ovovivipara.
Ordo 12. Marsupialia.
51) Didelphidae: Didelphina.
52) Dasyurina: Dasyurina; Myrmecobina; Peramelina.
53) Halmaturidae: Halmaturina.
54) Phalangistidae: Phalangistina; Petaurina; Phascol-
. arctina.
55) Phascolomidae: Phascolomina.
Elas-
Vespertilionina *,
783
Ordo 13. Monotremata.
56) Echidnidae: Echidnina.
57) Ornithorhynchidae: Ornithorhynebina.
Darauf folge das Verzeichniß der europaͤiſchen Haarthiere mit
Angabe einiger Synonymen, einer Abbildung und der Länder.
Das Sternchen zeigt an, daß die Gattung in Italien vorkommt.
Educabilia.
Ordo I. Primates.
Subf. 3. Cynocephalina.
1) Inuus sylvanus.
Ordo II. Ferae.
Fam. VI. Canidae.
Subf. 9. Canina.
2) Canis lupus*, aureus.
3) Vulpes vulgaris*, nelanogastra, corsac, lagopus.
Fam. VII. Viverridae.
Subf. 11. Herpestina.
4) Herpestes widdringtoni.
Subf. 12. Viverrina.
5) Genetta vulg:ris.
Fam. VIII. Felidae.
Subf. 13. Felina.
6) Lynecus borealis, cervarius, lyna“, pardinus, chaus.
7) Felis catus*.
Fam. IX. Mustelidae.
Subf. 14. Lutrina.
8) Lutra vulgaris*.
Subf. 15. Mustelina.
9) Mustela lutreola, vulgaris*, boccamela*, erminea*.
10) Putorius vulgaris*, sarmaticus.
11) Martes foina*, abietum*, zibellina.
12) Gulo luscus.
Subf. 17. Melina.
13) Meles taxus.
Fam. X. Ursidae.
Subf. 21. Ursina.
14) Ursus niger, arctos*, formicarius.
15) Thalarctos maritimus.
Ordo Ill. Pinnipedia.
Fam. XI. Phocidae.
Subf. 24. Phocina.
16) Phoca vitulina*, foetida, groenlandica, barbata.
17) Pelagius monachus*.
18) Stemmatopus eristatus.
Fam. Xll. Trichechidae.
Subf. 24. Trichechina.
20) Trichechus rosmarus.
Ordo IV, Cete.
Fam. XIII. Delphinidae.
Subf. 25. Delphinina.
21) Delphinorhynchus coronatus, micropterus.
22) Delphinus delphis, rostratus.
23) Tursio truncatus.
24) Phocaena conmunis, orca, melas, rissoana*, grisea.
25) Delphinapterus leucas.
26) Hyperooden diodan.
27) Epodon desmaresti*.
Subf. 26. Monnilontina.
28) Moniodon mouoceros.
Fam. XIV. Physeteridae.
Subf. 27. Physeterina.
29) Physeter macrocephalus.
Fam. XXV. Balaenidae.
30) Balaenoptera rostrata.
31) Balaena mysticetus.
Ordo VI. Belluae.
Fam. XXll. Suidae.
Subf. 40. Suina.
32) Sus serofa.
Fam. XXIV. Equida.
Subf. 45..Equinae.
33) Equus caballus.
Ordo VII. Pecora.
Fam. XXVl. Cervidae.
Subf. 47. Cervina.
34) Capreolus caprea*, pygargus.
35) Cervus elaphus*, corsicanus*.
36) Dama platyceros*.
37) Tarandus ramifer.
38) Alces palmatus.
Fam. XXVill. Bovidae.
Subf. 49. Antilopina.
39) Saiga tatarica.
Subf. 50. Caprina.
40) Capra caucasica, ibex*; pyrenaica, aegagrus,
41) Ovis orientalis, musmon*.
42) Rupicapra capella*, pyrenaica.
Subf. 51. Bovina.
43) Bos urus, taurus.
Ineducabilia,
Ordo IX. Chiroptera. \
Fam. XXXIV. Vespertilionidae.
Subf. 59. Noctilionina.
44) Dysopes costonii.
Subf. 60. Vespertilionidae.
45) Plecotus auritus*, brevimanus.
46) Capaceinius megapodiust,
47) Myotis murinus*, bechsteini, daubentoni*, dasycnemus,
nattereri.*.
48) Selysius emarginatus, mystacinus.
49) Mniopterus orsinii*
50) Noctula serotina*, turcomana, leisleri.
51) Vespertilio murinus, serotinus*, aleythoe*, aristippe*,
leucippe*, savii‘, bonapartii, borealis
52) Pipistrellus nathusii, Kuhli*, marginatus*, ursula, typus,
nigricans*.
53) Barbastellus daubentoni*,
Subf. 61. Rhinolophina.
54) Rhinolophus elivosus, ferrum equinum*; hippocrepis*.
OrdoX. Bestiae. z ,
Fam. XXXVl. Talpidae.
Subf. 66. Talpina.
55) Talpa europaea*, coeca*.
Fam. XXXVIl. Sorieidae,
Subf. 68. Myogalina.
56) Myogalea moschata.
57) Galenys pyrenaica.
Subf. 69. Sorieina.
58) Crossopus fodiens*.
59) Sorex araneus*, alpinus*, antinorii*, pygmaeus, rusticus.
785
60) Pachyura etrusca*,
61) Crocidura musaranea*, lencodon*.
Fam. XXXVIll. Erinacidae.
Subf. 73. Erinacina.
62) Erinaceus europzeus*, auritus.
Ordo XI. Glires.
Fam. XXXIX. Sciuridae.
Subf. 74. Seiurina.
63) Sciurus vuigaris*, italicus*, anomalus.
64) Tamias striatus.
65) Pteromys volans.
Subf. 75. Arctomina.
66) Spermophilus eitillus, musicus, mugosarieus, fulvus,
undulatus.
67) Aretomys bobae, marmota.
Fam. XLI. Muridae.
Subf. 77. Myoxina.
68) Myoxus glis*, dryas, quereinus”, avellanarius*.
Subf. 78. Dipodina.
69) Dipus halticus, sagitta.
70) Alactaga acontion, jaculus.
Subf. 79. Murina.
71) Meriones tamaricinus, meridianus, opimus.
72) Sminthus loriger, betulinus.
73) Micromys vagus, agilis, agrarius, minutus”,
74) Mus peechiolii*, sylvatieus*, hortulanus, musenlus*,
islandicus, leucogaster, tectorum*, decumanus*, rattus.
75) Musculus frugivorus*, dierurus*?
Subf. 80. Cricetina.
76) Cricetus nigricans, frumentarius, arenarius, phaeus,
accedula.
Fam. XLII. Castoridae.
Subf. 81. Castorina.
77) Castor fiber.
Snbf. 82. Arvicolina.
758) Lemmus lagurus, torquatus, norvegicus, schisticolor.
79) Arvicola terrestris, monticola, musignani*, pertinax,
amphibius, medius; ratticeps, arenicola, insularis,
agrestis, arvalis, savii*, incertus, subterraneus, socialis;
oeconomus, nivalis, rutilus, glareolus.
Fam. XLIII. Bathbyergidae.
Subf. 84. Aspalacina.
80) Chthonoergus talpinus,
81) Spalax typhlus, pallasii.
Fam. XLIV. Hystricidae.
Subf. 86. Hystriecina.
82) Hystrix cristata*.,
Fam. L. Leporidae.
Subf. 96. Leporina.
83) Lepus aquilonius, variabilis*, borealis, hibernieus, timi-
dus*, canescens, mediterraneus, cuniculus*, vermicula.
84) Lagomys pusillus.
Sn einem Anhang werden die Hausthiere aufgezählt. Be—
ſonders wichtig find die Synonymen und wir daher bedauern,
daß wir diefelben nicht mittheilen Eönnen. Bey manden Gat—
tungen find fie gar zu zahlreich.
Den Geographben hat es in ber neueren Zeit beliebt, Curopa
immer größer und größer zu machen. Mit einem wohlgefülli-
gen Stolz erlauben fie dem cafpifhen Meer nah Europa
herüber zu Eommen, wahrfcheinlih um es zu civilifieren, Der
Iſis 1847. Heft 10,
786
Caucaſus ift ohnehin ſchon längft incorporiert. Der Ural ift
wirklich eine ſchoͤne Gränze: nur ſchade, daß er nicht meiter
nad Süden fort will, und das Land bis zur chinefifhen Mauer
offen laͤßt. Unfere flügeren Nachkommen müfen aber auch
noch etwas zu erobern haben. Die einfältigen Griechen haben
gemeynt, das cafpiihe Meer liege in Afien. Was fie von
feinen Flüſſen dachten, ift nicht recht befannt, da fie ihnen felbft
unbefannt waren. Das wiffen wir nun beffer, und weil wir
es wiffen, fo verlegen wir fie mit Necht nach unferm Curopa,
wo es ung ohnehin zu eng ift. Im Gaucafus, im Gebiete des
Tereks, der Wolga und des Urals Eönnen viele Europäer woh—
nen. Warum follen fie daher nicht zu Europa gehören ?
Vögel, Lurche und Fifhe werden fich der Weberfiedlung freuen.
Sie müßten fonft gar fein Gefühl von dee Ehre haben, in die
fo erleuchtete Familie Europas aufnenommen zu werden. Sollte
man die vielen Dutzende folder Thiere, welche dafelbft mohnen,
zurüchweifen; fo würden fie wieder unter das fibirifche Negiment
fommen und wahrfceinlich verwildern oder wenigſtens unedelmuͤ—⸗
tbig von und vergeffen werden. Solch’ unglüdliche Geſchoͤpfe
wären nicht bloß der Zobel und der AUmeifenbär, dag Ammon
und der Aegagrus, fondern felbft die Biſamratte, dag mugofaris
ſche Ziefel, die ſaͤmmtlichen Springmäufe und eine ganze Heerde
ehrliher Mäufe, die wir in Europa wohl brauchen Eönnten:
denn 218 Haarthiere find gewiß für Europa nicht zu viel. Es
wandern ja gegenwärtig viele Laufende nad) America aus, um
den Afiaten Platz zu machen.
Bey derfelben- Berfammlung hat der Prinz auch eine neue
Glaffification der Lurche und Fiſche mitgetheilt. Da fie viel
Eigenthümliches enthält; fo wird es unfern Leſern angenehm
ſeyn, diefelbe hier zu finden,
Classis III. Reptilia.
Sectio Il. Testudinata,
Ordo I. Chelonii.
1) Testudinidae: Testudinina*, Emydina*, Chelina.
2) Trionyeidae: Trionye'na.
3) Chelonidae: Sphargidina*, Chelonina.
Sectio 11. Rhizodonta.
Ordo Il. Enaliosaurii.
4) Ichthyosauridae: Ichthyosaurina.
5) Plesiosauridae:. Plesiosaurina, Basilosaurina.
Ordo Ill. Emydosaurii.
6) Crocodilidae: Teleosaurina, Croeodilina, Alligatorina,
Megalosaurina.
Ordo IV. Ornithosaurii.
7) Pterodactylidae: Pterodaetylina.
Sectio III. Squamata.
Ordo V. Saurii.
Trib. 1. Pachyglossi.
8) Geekonidae: Hemidactylina*, Platydactylina*, Ptyo-
dactylina*, Gymnodactylina*.
9) Stellionidae: Stellionina*, Tropidurina, Polychrina,
Basiliseina, Iguanina.
10) Chamaeleontidae: Chamaeleontina*.
Trib.2. Leptoglossi.
11) Helodermatidae: Geosaurina, Helodermatina.
12) Varanidae: Varanina, Podinemina.
13) Ameividae: Ameivina, Crocodilurina,
14) Lacertidae: Lacertina*, Psammodromina*, Tachy-
dromina. ;
50
787
15) Ophiosauridae: Chamaesaurina, Cordylina, Ophiosau-
rina, Chaleidina.
16) Amphisbaenidae: Amphisbaenina*, Trogonophidina,
17) Anguidae: Anguina*, Scineina*, Gymnophthalmina*,
Typhlina.
Ordo VI. Ophidii.
Trib. 1. Innoeui.
18) Typhlopidae: Typhlopina*, Stenostomipa.
19) Boidae: Boina, Pythonina, Eryeina*.
20) Ilysidae: Ilysina.
21) Herpetidae: Uropeltina, Xenopeltina, Calamarina,
Herpetina.
22) Acrochordidae: Acrochordina.
23) Colubridae: Colubrina*, Dryina, Hurrina.
24) Heterodontidae: Natrieina*, Coronellina*, Xenodontina,
Dendrophidina, Heterodontina, Lycodontina.
25) Dipsadidae: Dryophidina, Dipsadina*, Homalopsina,
Tragopsina, Psammophidina*,
Trib.2. Venenati.
26) Hydridae: Bungarina, Hydrina.
27) Najidae: Elapina, Najina.
28) Viperidae: Viperina*, Crotalina.
Classis IV. Amphibia.
Ordo 1. Batrachia.
1) Ranidae: Pipina, Ranina*, Hylaeina*, Bufonina*.
2) Salamandridae: Pleurodelina*, Salamandrina*.
3) Andriadidae: Andriadina.
Ordo Il. Ichthyodi.
4) Amphiumidae: Protonopsina, Amphiumina.
5) Sirenidae: Necturina, Sirenina.
Ordo VI. Batrachophidii.
6) Batrachosauridae: Batrachosaurina.
7) Caecilidae: Caeeilina, Epierina.
Classis V. Pisces.
Subel. I. Elasmobranchii.
Sectio I. Plagiostomi.
Ordo I. Selacha.
1) Rajidae: Cephalopterini*, Myliobatini, Trygonini*,
Anacanthini, Rajini*, Torpedinini*, Rhinobatini*,
Pristidini*.
2) Squalidae: Squatinini*, Spinacini*, Scymnorhinini*, No-
tidanini*, Odontaspidini*, Lamnini*, Alopiadini*, Squa-
lini*, Mustelivi*, Cestracionini, Triaenodontini, Seylliini*.
Ordo Il. Holocephala.
3) Chimaeridae: Chimaerini*.
Subel. II. Pomatobranchii.
Sectio Il. Mierognathi.
Ordo Ill. Sturiones.
4) Polyodontidae: Polyodontini.
5) Acipenseridae: Acipenserini*, Scaphirhynchini.
Sectio Ill. Teleostomi.
Ordo IV. Ganoidei.
6) Lepidosteidae: Lepidosteini.
7) Polypteridae: Polypterini.
8) Pycnodontidae; Pycnodontini.
Ordo V. Cyprini.
9) Loricaridae: Loricarini.
10) Siluridae: Callichthiini, Pimelodini, Silurini*, Claria-
divi, Eremophilini.
11) Mormyridae, Mormyrini.
12) Cobitidae: Cobitini*.
13) Cyprinidae: Cyprinini*, Leueiseini*.
14) Poecilidae: Anableptini, Poecilini*, Umblini*,
15) Lepidosirenidae: Lepidosirenini.
16) Osteoglossidae: Osteoglossini.
17) Clupeidae: Amini, Clupeini*.
18) Chauliodidae: Chauliodini*.
19) Charaeinidae: Erythrichthiini, Characinini, Myletini,
Hydrocyonini.
20) Scopelidae: Paralepidini*, Scopelini*, Aulopodinit,
Sternoptidini*.
21) Salmonidae: Salmonini*, Coregonini.
22) Esoeidae: Esoeini.
Ordo VI. Pharyngognathi.
23) Exocoetidae: Exocoetini*, Belonini.
24) Labridae: Labrini*, Scarini*,
25) Chromididae: Oychlini, Chromidini.
26) Pomacentridae: Pomacentrini*.
Ordo VII. Heterosomata. ,
27) Pleuronectidae: Pleuroneectini*, Platessini*, Rhombinit.
28) Soleidae: Soleini”, Plagiusini*.
Ordo VIII. Heteropygii.
29) Aphredodeiridae: Aphredodeirini.
30) Amblyopsidae: Amblyopsini.
Ordo IX. Percae.
31) Chaetodontidae: Pimelepterini, Chaetodontini.
32) Anabantidae: Anabantini; Ophiocephalini.
33) Teuthytidae: Amphacanth ni, Teuthydini.
34) Fistularidae: Caproidini”, Centriscini*, Fistularini,
35) Maenidae: Maenini*.
36) Sparidae: Obladini*, Cantharini*, Dentieini*, Sparini*.
37) Sciaenidae: Sciaenini*.
38) Percidae: Pereini*, Holocentrini, Polynemini.
39) Sphyraenidae: Sphyraenini*.
40) Atherinidae: Atherinini*.
41) Mugilidae: Musgilini*.
42) Tetragonuridae: Tetragonurini*.
43) Mullidae: Mullini*.
44) Triglidae: Triglini*, Scorpaenini*, Cottinit.
45) Trachinidae: Trachinivi*, Uranoscopini*.
46) Gasterosteidae: Gasterosteini*.
47) Scombridae: Centronotini*, Carangini*, Xiphiadini*.
Bramini*, Stromateini*, Coryphaenini*, Zeini*, Vome-
rini, Scombrini*, Trichiurini.
48) Cepolidae: Cepolini*, Lophotini*, Gymnetrini*.
49) Gobidae: Eleotrini, Gobinit,
50) Cyclopteridae: Cyelopterini.
51) Blennidae: Blennini*, Anarrhichadini*, Opistognathini.
52) Callionymidae: Callionymini*.
53) Lophidae: Lophini*.
Ordo X. Gadi.
54) Batrachidae: Batrachini*.
55) Gadidi: Ranicepini, Gadini*, Lotini*.
56) Macruridae: Maerurini*.
57) Echineididae: Echineidini*.
Ordo XI. Ophisomata.
58) Ophididae: Ophidini*.
59) Ammodytidae: Ammodytini*.
60) Muraenidae: Muraenini*, Gymnonotini, Symbranchini,
Apterichthini, Leptocephalini*.
788
—
789
Sectio IV. Plectognathi.
Ordo XII. Gymnodontes.
61) Tetraodontidae: Tetraodontini*, Diodontini.
62) Orthagoriscidae: Orthagoriseini*, Molini*.
Ordo XIII. Selerodermi.
63) Ostraciouidae: Ostracionini.
64) Balistidae: Monacanthini, Balistini*.
Subel. IH. Lophobranchi.
Sectio V. Syngenathi.
Ordo XIV. Osteodermi.
65) Pegasidae: Solenostomini, Pegasini, Hippocampini*.
66) Syngnathidae: Syngnathini*, Sceyphini*.
'Subel. VI. Marsipobranchi.
Sectio VI. Cyclostomi.
Ordo XV. Helminthoidei.
67) Petromyzonidae; Petromyzonini*,
68) Myxinidae: Myxinini.
69) Branchiostomidae: Branchiostomini.
Bey derfelben Gelegenheit hat der Prinz Folgendes mitgetheilt:
Catalogo metodico
dei Ciprinidi d’Europa. 40. 20.
Dabey der Auffteller, die Zahl der Schlundzähne und das
Vaterland. Wir theilen die Gattungen mit.
Subf. 1. Cyprinini.
1. G. Cyprinus.
a. Cyprinus carpio, reyina*, hungaricus, angulatus,
thermalis, nordmanni*, elatus*.
b. Carpio collaris striatus.
2. G. Carassius linnaei, gibelio, humilis, bucephalus.
3.G. Rhodius amarus.
4.G. Barbus fluviatilis, eques*, plebejus*, tyberinus*,
caninus*, peloponensis.
5. G. Aulopyge hügeli.
6. G. Gobio fluviatilis, venatus*, uranoscopus.
7.G. Tinca vulgaris*.
Subf. 2. Leueiseini.
8. G. Chondrostoma.
a. Chondrostomus nasus, knerii, phoxinus.
d. Chondrochilus ryzela*, soetta*.
e. Chondrorhynchus genei*.
9. G. Phoxinus laevis*, marsilii.
10. G. Phoxinellus alepidotus, italicus*.
11. G. Leucos.
a. Leucos rubilio*, rubellicus, bosak, adspersus,
selysii, rutiloides, fucini*, trasimenicus*, rubella*, aula*,
henlei*.
5. Cerisophius pauperum*,
aenisophius, prasinus.
12. G. Gardonus.
a. Pigus roseus*, pigus*, rutilus.
b. Gardonus deecipiens, lividus, pausingeri, pigulus*.
c. Cephalus frisii, cephalus.
13. G. Telestes savignyi*, muticellus*, aphya.
14. G. Leuciscus turskyi, microlepis, tenellus, ukliva,
saltator, jaculum, dolabratus, grislagine, argenteus, rodens,
majalis, rostratus, lancastriensis.
15. G. Squalius delineatus, dobula, tyherinus*, pareti*,
‚avedanus*, albus*.
scardinus*, pagellus*,
790
16. G. Idus idbarus, jeses, orphus, miniatus, negleetus.
17. G. Scardinius.
a. Heegerius heegeri.
b. Scardinius caeruleus, dergle, platizza, scardafa*,
hesperidicus*, rubilio, erythrophthalmus.
18. G. Abramis.
a. Abramis brama, microlepidetus, micropteryx, vimba,
elongatus, vetula, leuckarti, heckeli, schreibersi, melan-
ops, melaenos, tenellus.
b. Blieca blicca, argyreus,
c. Bliccopsis buggenhagii, erythropterus.
d. Ballerus ballerus, sopa, baleropsis.
19. G. Alburnus lucidus, alborella*, alburnoides, obtu-
sus, acutus, bipunctatus, mento, scoranza, avola*, strigio*.
20. G. Aspius rapax.
21.G. Pelecus cultratus.
Dann folgen ©. 13. Bemerkungen über die von Valen—
ciennes aufgeftellten Cypriniden, welche mir nicht ausziehen
fönnen, verdienen aber fehr gewürdigt zu werden.
x
Animals in Wenageries
by W. Swainson. London 1838. 8. 373.
Sn Eeinem Land der Welt werden fo viele fremde Thiere gez
zeigt wie in England. Es mar daher ein guter Einfall, die
Thierbuden zu befuchen, das Betragen der fremden Gefchöpfe
zu beobachten und zu befchreiben. Es find bey manchen Kleine
Holsfchnitte bengegeben, melche gerade Eeinen befondern natur:
biftorifhen Werth haben, aber doch eine Vorftellung verfchaffen.
Sn diefem Bändchen find nur Haarthiere und Vögel, und zwar
folgende:
Haarthbiere
Antilope furecifer.
Aotus trivirgatus.
Arctomys hoodii, pruinosus, richardsonii.
Ateles beelzebuth, paniscus.
Callithrix lugens, sciureus.
Castor fiber.
Cebus fatuellus.
Cercocebus aethiops, eynosurus, fuliginosus, nictitans,
niger, silenus, sylvanus.
Cercoleptes caudivolvulus.
Cercopitheeus diana, mona, petaurista, ruber, sabaeus.
Cervus alces, americanus, axis, canadensis, capreolus,
macrotis, strongyloceros, tarandus, sylvestris et ar-
eticus.
Dieranoceros fureifer.
Felis catenata, colocolo, concolor, diardi, javanensis,
jubata, leopardus ‚jmacrourus? mitis, nebulosa, ocelot,
onca, pardalis, pardus, pardus antiquorum, serval,
smithii, sumatrana, tigris, uncia, wiedii.
Gulo luscus, mellivora, vittatus.
Herpestes javanicus.
Iehneumon javanicus.
Jacchus vulgaris.
Lemur albifrons, catta, collaris, macaco, mongoz, ruber.
Lepus americanus, glacialis.
Lutra brasiliensis, canadensis, leptonyx.
791
Martes abietinus.
Meles labradoria.
Mephites hudsonica.
Midas rosalia.
Mus leucopus.
Mustela canadensis, erminea, martes, vison, zibellina,
Myecetes ursinus.
Mydaus meliceps.
Mygale muscovita.
Nasua fusca, rufa.
Otolienus pusillus.
Papio mormon.
Pithiecia chiropotes, melanocephala.
Plecotus barbastellus.
Prionodon gracilis.
Procyon lotor.
Pteropus javanicus.
Scalops canadensis,
Scartes murinus.
Semnopithecus comatus? eristatus, entellus, maurns, me-
lalophus, pyrrhus.
Simia diana, inuus.
Stenops tardigradus.
Ursus americanus, arctos, arctos americanus?, europaeus,
ferox, labiatus, luteolus, malayanus, maritimus.
Viverra civetta, musanga, zibetta.
Bögen.
Aceipiter sexfasciatus.
Agapornis cyanopteris, guyanensis.
Agelaius pustulatus, ruficollis, suleirostris.
Aglaia caeruleo - cephala, chrysoptera, melanotis, pe-
ruviana.
Agrodroma australis, bistriata.
Aimophila rnfescens, superciliosa.
Alectelia lineata.
Anabaenus rufescens.
Analeipus hirundinaceus.
Anas albeola, americana, antarctica, arborea, autumna-
lis, boschas, caryophyllacea, circia, clangula, cosca-
roba, discors, ferina, formosa, galericulata, glaucion,
histrionica, hybrida, javanensis, leucoptera,, mollissima,
moschata, querquedula, rufa, semipalmata, spectabilis,
sponsa, strepera, sylvestris, brasiliensis, tadorna, tra-
chyptera, vallisneria.
Anser canadensis, griseus, hutchinsonii.
Aquila leucocephala.
Arremon flavirostris, semitorquatus.
Brachystoma cinerea.
Buceo chrysoptera.
Calurus resplendens.
Calyptomina caudacuta, rafllesia, viridis.
Cassicus latirostris.
Centropus burchellii.
Centurus rubriventris, flaviventris.
Cereopsis australis, novae Hollandiae.
Certhia asiatica.
Chaetoblemma leucocephala.
Chloropsis curyirostris, mysticalis.
Chrysomus zanthopygius.
. 7192.
Clangula barrovii.
Conurus chrysophrys.
Crateropus rufifrons.
Crax alector 8, earunculuta, globicera, mitu. pauxi, rubra,
yarrellii.
Crithagra bistrigata, canaria, canicollis, cinerea, flava,
ruficauda, selbii.
Crotophaga casasii, strigilata, laevirostrata, rugirostra,
semisulcata, suleirostra.
Cryptieus supereiliosus.
Cryptolopha auricapilla. 2
Cygnus atratus, bewickii, buccinator, ferus, mansuetus.
Dendrophila flavipes.
Dulus nuchalis.
Egretta javanica, plumbea, scapularis, thalassiva, vi-
rescens.
Eidopsaris bieinetus.
Erytlırostomus eyanogaster.
Eudynamis australis.
Euplectes albirostris, aurinotus, flaviceps, lepidus, phi-
lippensis, rubra.
Eurystomus australis, orientalis.
Falco einnamominus, cucullatus, graeilis, isabellinus,
longipennis, macropus.
Fringillaria anthoides, rufa, vittata.
Furnarius fasciatus, griseus, leucopis, longipennis, me-
lanotis.
Galbula albiventer, armata, flavirostra, leptura, lugubris,
ruficauda, viricauda.
Gallinula albifrons, caesia, curvirostra; ecaudata, flavi-
rostra, immaculata, leucosoma, modesta, rubicollis.
Geobates brevicauda.
Geositta anthoides.
Gryllivora brevirostra, intermedia. magnirostra, rosea.
Icterus tibialis.
Lamprotornis albiventris, chloropterus, fulvipennis, me-
lanogaster, phoenicopterus.
Leistes brevirostris, niger, oriolides, tenuirostris, uni-
color.
Leptonyx melapotis.
Leucophrys pileatus.
Leucopygia ruficollis.
Lophophorus refulgens, resplendens.
Malaconotus leucotis, similis.
Megalurus isabellinus.
Megastoma atriceps, flaviceps, ruficeps.
Meleasris ocellata.
Molothrus brevirostris.
Nycthemerus argentatus.
Oedicnemus americanus, Tecurvirostris.
Oriolus coronarius, hodgsonii.
Orihotomus longirostris, sphenurus.,;
Oxyurus ornatus.
Pachyrhynchus albifrons, leucogaster, megacephalus, ni-
ger, pectoralis, ruficeps, spixii, swainsonii.
Parra atricollis.
Pavo cristatus, javanicus, muticus.
Pelecanus ongerotalus.
Phasianus nyethemerus, pietus, torqnatus.
Philedon buceroides.
793
Pipillo fusca, macronyx, personata, rufitorques, super-
ciliosa.
Pipreola. chlorolepidota.
Platyurus niger.
Ploceus aurantius, auricapillus‘, eristatus, cucullatus, ery-
throcephalus, flaviceps, melanotus, niger, personatus,
rubricollis, ruficeps.
Praticola anthoides.
Prionites bahamensis,
Ptilogonys nitens.
Psaris brasiliensis, guianensis, nattereri, selbii, strigatus.
Pyrenestes frontalis.
Pyrrhalauda australis.
Quiscalus corvinus, crassirostris, inflexirostris, lugubris,
macrourus, peruvianus, purpuratus, tenuirostris, ver-
sicolor.
Rallus brachypus, albiventer, caesius, lewinii, neglectus,
supereiliosus.
Rhamphopis melanogaster.
Rhynchops albicollis, melanurus.
Saurophagus pusillus.
Saxicola leucoptera, rufiventer,
Scaphidura barita, crassirostra.
Scolecophagus mexicanus, minor, sericeus.
Setophaga auricapilla, miniata, rubra, rufifrons.
Specotheres canicollis.
Tachydromus burchellii, orientalis.
Tachyphonus phoeniceus.
Tadorna vulpanser.
Tamatia bitorquata.
Tanagra serioptera.
Tanagrella multicolor.
Telephonus longirostris.
Tephrodornis hirundiuaceus, superciliosus.
'Thamnobia atrata.
Thamnophilus pectoralis.
Thryothorus genibarbis.
Trichas brachydactylus, superciliosus.
Trogon auratus, chrysogaster, lepturus, leucurus, mela-
nopterus, melanurus, meridionalis, peruvianus, pur-
puratus.
Zenophasia platyrhyncha.
Zenops affınis, dentirostris.
Zosterops ambigua, cinerea, pallida.
On the Habits and Instincts of Animals
by W. Swainson. London 1840. 8. 375.
Kirby und Spence haben in ihrer Einleitung zur Ento:
mologie die Bahn gebrochen über das Leben und Weben der
Thiere, alfo den wichtigften Theil der Naturgefchichte, welcher
in unferen Lehrbüchern noch immer ſehr vernachläffiget wird,
indem man dem Rahmenwerk und der Characteriftit foviel
Ping eincaumt, daß für das Leben nichts mehr übrig bleibt.
Der Berfaffer hat nun diefe Behandlung auf das ganze Thiers
reich ausgedehnt, und daducd feinem Werk einen großen Werth
verfchafft. Es find dabey mande Holzſchnitte aus. jeder Glaffe.
Der Verfaſſer fpricht zuerft ber die Natur des Inſtincts, wor:
über e8 noch wenig Elare DVegriffe gibt. Dann handelt er
Iſis 1847. Heft 10.
794
©. 40. von den Sinnen; ©. 62. von ben Leibenfchaften;
©. 90. von. den Bewegungen; ©. 126. von den Vertheidige
ungsmitteln; ©. 176. von den mittels und unmittelbaren Bes
fhädigungen; S. 238. vom Winterfhlaf und dem Zug;
©. 258. von den vollfommnen und unvollkommnen Gefells
fhaften; S. 359. von den leuchtenden Thieren. Das ift vors
zugsweife ein Werk für den allgemeinen Leſer und wäre eg
aud für die Poeten, wenn es noch welche gäbe, die mie die
Alten die Natur ftudierten, ſtatt der Piebeständeleyen, womit
befanntlih nach Käftner nichts bewiefen wird.
Taxidermy
with the Biography of Zoologists and Notices of their Works
by W. Swainson. London 1840. 8. 392.
In diefem Werke handelt der Verfaffer vom Sammeln zoo—
logifcher Gegenftände, von der Aufbewahrung derfelben und von
der Einrihtung der Sammlungen, fowie von den Schugmitteln
gegen Ungeziefer.
©. 98. folgt die Biographie der Zoologen mit einer Eurzen
Angabe ihrer Keiftungen nah dem Alphabet: Auch ihre Schrif:
ten find gewöhnlich angegeben, jedoch nicht in der Vollſtaͤndig—
feit, wie man es verlangen koͤnnte, wenigſtens bey den Auss
landern. Für ung ift es jedoch genug, daß wir die Arbeiten
der Engelländer wohl ziemlich vollftändig erfahren. Es ift merk:
würdig, daß er manche theure Werke gar nicht gefehen hat.
Wie das in London zugeht, ift unbegreiflib. Daſelbſt Eann
ed doch nicht an Geld fehlen. Man muß übrigeng von einem ‘
foiben Werk Eeine VBollftändigkeit erwarten, als worauf es
feinen Anfprudy macht. Es ift genug, daß man das MWiche
tigfte erfährt. Tadeln muß man jedoch, daß felbft von Engel:
ländern oft nur gefagt wird, er hätte Abhandlungen in die
linnean Transactions, das Zoological Journal ufw. ges
fhrieben, ohne nur den Band anzugeben. Sonderbar ift es
auch, daß er oft ſelbſt von englifhen Merken fagt, er wilfe
nicht, ob fie fertig gewefen feyen, 3. B. von Childrens Ue—
berfegung der Schmetterlinge Ochfenheimers.
Illustrations of the Zoology of South- Africa
by 4A. Smith Med. Dr. No. XXI. XXIL
Mir fahren fort, den Innhalt diefer Hefte anzuzeigen; die
früheren in der Iſis 1843. ©. 895. und 1844. 692.
Heft XXL enthält abgebildet t. 44. Sorex mariquensis et
varius, Dabey der Character derfelben, Maaße, Vorkommen.
Es fcheint ung ein Auszug davon nicht nöthig zu ſeyn. Wollte
man folde nur von den höhern Thieren geben, fo würde keine
Zeitfehrift dafür Pla haben. Es find Spismäufe ziemlich wie
die andern,
Anas flavirostris mas t. 96. Hier wäre es gut, wenn der
Schnabel auch von oben gezeichnet wäre; häufig.
A. sparsa t. 97.5 überall, aber nicht häufig.
Rhynchaspis capensis t. 98. m. et f.; häufig.
Acanthodactylus capensis m. et f. t. 39. Länge 10”,
wovon der Schwanz 6.
Platysaurus n. capensis t. 40. Ränge 3, Schwanz
43; nicht geſagt, wohin die neue Sippe gehört,
502
795
Gerrhosaurus sepiformis et subtessellatus 1.41. Ränge
2", Schwan 4".
T. 42. enthält 27 Anfihten von Köpfen und Hinterfchenfeln
von Gerrhosaurus.
Pentaceros richardsoni Ein ſchoͤner Meerfiſch
21“ lang.
Sebastes (Scorpaena) capensis et maculatus t. 22.
ner lang 14”, diefer 16.
Sargus hottentottus et capensis t. 23. ſchwarz; jener. lang
18”, diefer-14. In Fluͤſſen.
Heft XXII. 1844.
Sorex capensis et flavescens t. 45.
Caprimulgus natalensis m. t. 99. Länge 9".
€. rufigena m. t. 100. Länge 93”.
C. lentiginosus fem. t. 101. ſehr
Länge 103”.
€. europaeus f. t. 102. Länge 103". Wiele bey der Cap:
ftadt getödtet waren nichts als Weibchen, mehrere Coloniſten
behaupten, er fey ein Standvogel; ich habe fie felbft im Win-
ter gefehen.
Eremias Knoxi et lineoocellata t. 43. Jener lang 2”,
Schwanz 3%; diefer 2 und 4.
.E. undata et namaquensis t. 44.; Lange 2" und 3“, die:
ſer 2Du. 51’.
Atimostoma n. capensis t. 24.; Laͤnge 3°, gehört in bie
4te Zunft der Scombriden.
Scyllium africanum, variegatum et pantherinum. Jener
fang 3‘, zweyter und dritter 2’ t. 25.
Rhinodon typieus t. 26. Länge 164‘. Sehr felten,
t. 21.
„es
verzerrt abgebildet.
The Transactions of the linnean Society of
London,
XIX. 2. 1844. 4. 171—302, t. 17—33.
Diefes Heft enthält wieder mehrere fehr lehrreiche Abhand-
lungen, worauf wir befonders die Botaniker aufmerffam machen
müßen.
© 171. W. Griffich: Über das Ey von Santalum,
Osyris, Loranthus et Viseum t. 17—20., mit fehr ſtarken
Vergrößerungen. Bey Santalum, Viscum et Loranthus ent⸗
wickele fi der Embryo vom Bläschen des Pollenſchlauchs;
bey Osyris entwidle er fih in einiger Entfernung vom vordern
Ende des Pollenſchlauchs.
©. 215. Fr. Brott: über eine Gattung von Carex,
welche der C. saxatilis verwandt. — C. grahami in Scotia.
©. 221. Robert Bromn: Befchreibung der weiblichen
Blüthe und Fracht von Rafflesia arnoldi mit Bemerkungen
‚ über ihre Verwandtfchaften nebft einer Erläuterung des Baues
von Hydnora africana T. 22—30.
Diefe ſchoͤnen Tafeln wurden zum Theil fchon gezeichnet von
Ferdinand Bauer 1824. und von Franz Bauer 1825.
und 1830., geftohen von J. Bafire 1825. und 1854.
T. 22 —26. ftellen vor Theile der Rafflesia. T. 27—30. von
Hydnora; der Aufſatz gefchrieben im Juny 1834., angezeigt
in philosophical Magazine July 1834. Von einem Manne,
wie Robert Brown fann man nichts anderes alg Gruͤnd—
liches erwarten. Der Verfaſſer befchäftigt fich bier vorzliglich
mit ber Entwidelung der Samen. Er ftellt zur Zunft Raff-
796
lesia, Brugmansia, Hydnora et Cytinus. Sie haben Spirals
Gefäße und gehören zu den Phanerogamen; er fand fie auch
bey den Balaniphoreen, wie ed ſchon Martius angezeigt hat;
beide Zünfte gehören aber nicht zufammen.
Er theilt die Zunft in folgende 3 Sippfchaften.
1: — patma, arnoldi, horsfieldii, cumingü (manil-
ana).
Sapria griffithii (himalayana).
Brugmansia zippelii.
2. Hydnora africana, triceps, americana,
3. Cytinus hypoeistis, dioicus, americanus.
Dazu vielleibt Apodanthes caseariae.
Pilostyles (Frostia) berterii, blanchetii, calliandrae.
— Bey den Raffleſieen ſteht der Groͤps über dem Urſprung des
elches.
Bey den Hydnoreen iſt er damit verwachſen; die Narben
ſind getheilt, die Samentraͤger haͤngend, der Keim in der Mitte
eines dichten Eyweißes.
Bey den Cytineen find die Samentraͤger wandſtaͤndig, ber
Gröps mit dem Kelche verwachfen und der ungetheilte Keim
bildet den ganzen Samen ohne Eyweiß.
Diefe Ite Sippfchaft ift den Afarinen nah verwandt. Es
folgen nod Betrachtungen über die Spiralgefäße, aus deren Aehn⸗
lichkeit man nicht auf eine Verwandtfchaft der Familien ſchlie—
fen dürfe... Die verfchicdenften Schmaroger= Familien flimmen
darinn überein, auh im Bau des Eamens.
©. 249. 3. Curtis Befchreibung der Nefter von zwey
Smmen in Brafilin T. 31.
Die eine Gattung gehört zu den Sägmwefpen in die. Sippe
Hylotoma, das Männchen hat aber gabelige Fühlhörner wie
Schizocerus, von dem jedoch die Palpen abweichen: er nennt
daher die Sippe Dielocerus. Die Fühlhörner find vom sten
Glied an gefpalten, Kieferpalpen fechsgliederig, Unterlippe drey—
lippig, Palpen viergliederig.
D. ellisii: Mas nigro- violaceus, antennis furcatis; arti-
ceulis basalibus collari facie pedibusque rufis, tibiis tar-
sisque fuscis; articulis basalibus albidis, alis hyalinis.
a
Benin rufa, abdomine nigro-violaceo, alis hyalinis,
basi fascia media apiceque nigris, tibiis tarsisque posti-
cis fuscis basi albidis.
Hat große Aehnlichkeit mit Hylotoma formosa.
Das Neft ift ganz verfchieden von dem der andern Gattun—
gen. Es ift eine Verbindung des molligen Gefpinnftes von
Bombyx und der Zellen von Vespa. Die Naupen der ein=
famen Sägfliegen bilden abgefonderte Gefpinnfte von lederigem
Stoff an den Zweigen; ebenfo die gefelligen wie Lophyri et
Nemati aus Seide und Gummi, die Naupen von D. ellisii
aber machen an Baumzmeigen ein gemeinfchaftlihes Neft von
elliptifcher Geftalt 4— 5“ lang, auswendig uneben und ſchmu—
Big weißlich gelb wie die mit Gummi überzogene Seite der
Baummwollengemänder wahrſcheinlich undurchdringlich, für Näffe,
Die an der Ninde hängende Seide hat die Geftalt derfelben
und ift wollig wie das Vließ eines Schlafes. Darinn liegen
nach der Quere 13—38 Zellen übereinander von ungleicher
Größe, die nächft der Ninde fünfedig, die mittleren fechsedig,
die aͤußeren faſt walzig. Im den Eleineren Zellen waren wahre
fheinlic die Maͤnnchen. An einem Ende der Zellen ift ein
Dedel aus demfelben lederigen Stoff wie die ganze Wabe.
Die Imme fhlüpft heraus und drängt ſich durd) die gemeins
197
fehaftliche wollige Wand zunächft der Ninde. Die todten Raus
pen find ocheryelb, Kopf groß und bornig, jederfeit3 mit einem
fhwarzen augenähnlichen Dupfen; der Leib mit Querreihen
ſchwarzer Warzen bededt, binten mit ftumpfen Spitzen. Sechs
Fuͤße an der Bruft, 8 am Bauch und 2 am After; vielleicht
noch andere verfümmerte.
Aehnliche Nefter mit Seitenzellen in regelmäßigen Reiben fin:
den fi bey Microgaster alvearius.
Naupe, Männchen und Weibchen, Freßwerkzeuge, Neft mit
verfchiedenen Durchſchnitten find abgebildet.
Befchrieben noch Schizocerus nasicornis, ochrostigma,
vielleicht Hylotoma fusca.
Herr Ellis hat auch ein neues Neft einer Weſpe heimge—
bracht; hat Aebnlichkeit mit dem von Polistes nidulans, ift
aber birnförmig, hänat nur mit einem dünnen Stiel an Zwei—
gen, nicht viel Über 1’ di und bat das Flugloh unten an
der Seite des dicferen Endes; Länge des Niftes 8", Umfang
15, Gewicht 19 Unzen; Stoff wie Pappendecel, auswendig mit
törbliher Erde und Sand bedeckt. Das Neft von P. nidulans
hängt durch einen 3’ breiten Ning am Zweig und hat das
Flugloch unten 'in der Mitte. Das von P. morio gleicht in
der Geftalt und dem Bau dem neuen Neft, ift aber 14° lang;
das von Myraptera scutellaris ift auswendig rauh und voll
Höder.
Die neue Gattung foll heißen
Myraptera brunnea: sericeo-fusca, pedibus ochraceis,
femoribus, genubus tibiisque quatuor postieis (nisi basi)
fuscis, maculis duabus in genis flavis. L. 54”.
Abgebildet iſt ein Arbeiter und das Neft.
Außerdem befchrieben
M. elegans: sericeo-nigra, capite thorace abdomine-
que lineis cingulisque fulvis, tibiis tarsisque ochraceis.
8. 43".
Er clafiificiert fo:
1. Bauchſtiel Eurz und allmählich verdidt.
Polistes gallica, actaeon, africana.
2. Stiel fehr kurz und plöglicy verdidt:
geſtutzt.
Ppipone nidnlans sive chartaria, lecheguana (Brachy-
gaster analis Perty).
3. Stiel verlängert und kolbenfoͤrmig, Bruſt ploͤtzlich abgeftugt.
Chartergus morio sive tatua.
4. Stiel ebenfo: Bruft nah hinten verjüngt.
Myraptera seutellaris, elegans, brunnea.
©. 261. Ch. C. Babington: Neottia gemmipera ift
nichts anderes als Spiranthes cernua, findet ſich in Irland.
Zafel 32.
©. 265. ©. Newport: Befchreibung der Chilopoden.
Nach einer großen Einleitung über Kennzeichen gibt er eine
Gtaffification, wobey er vorzüglich die Arbeiten von Brandt,
Gervais und Kucas berüdfichtigt. Den Hauptwerth legt
er nicht in die Freßwerfzeuge, weil vegetative Organe, fondern
in die Bewegungs: Organe und das Nervenfyftem.
Die Beftimmung der Gattungen fehr ſchwer. Sie werden
nach dem Ausſchliefen nicht Eleiner wie die Achten Kerfe, ſon—
dern größer, und erhalten bey den Häutungen mehr Ningel und
Füße wie die Würmer, haben überhaupt Aehnlichkeit mit Pe-
ripatus. Kein ächtes Kerf hat mehr als 15 Ningel, gemwöhn:
Bruft hinten ab:
798
/
li 13, nur einige Smmen haben 15. Bey den Hiutungen
vermindert ſich die Zahl, die jungen Myriapoden haben felten
mehr als 9; manche befommen aber mal foviel und zwar
entſtehen die neuen Ringel zwiſchen dem zweyt- und drittletzten,
wodurch ſie ſich von den Inſecten, Arachniden und Cruſtaceen
unterſcheiden. Bey den ausgewachſenen ſind nie weniger als
12 Ringel und 11 Fufpaar vorhanden, bisweilen 160, waͤh—
rend feine Larve mehr als 8 Fußpaar hat, und zuleßt nur 8.
Man fellt die Arahniden, Gruftaceen und felbft die Mollus—
Een höher, weil ihre Verdauungsorgane vollfommener find, felbft
eine Leber haben; aber ihre Nervenſyſtem ift weniger als ben
den Achten Kerfen, bey welchen die Knoten auf der Speiſeroͤhte,
alſo dag Hirn größer iſt z daher auch größere Thaͤtigkeit.
Ih ſtelle daher die Articulata an die Spitze der Inver-
tebrata und die fechsfüfigen Kerfe uͤber die Arachniden und
Gruftaceen; fodann die Myriapoden und Anneliden,
Synopsis.
Ordo I. Chilopoda.
Trib. 1. Schizotarsia.
Fam. 1. Cermatiidae.
1. Cermatia.
Trib, 2. Holotarsia.
Fam. 2. Lithobiidae.
2. Lithobius.
3. Henicops n,
Fam. 3. Scolopendridae.
4. Scolopendra.
5. Cormocephalus n.
6. Rhombocephalus n.
7. Heterostoma n.
8. Scolopendropsis.
9. Theatops n.
10. Scolopoeryptops n.
11. Cryptops.
Fam. 4. Geophilidae.
Subf. 1. Scolopendrellinae.
12. Scolopendrella.
Subf. 2. Geophilinae.
13. Meeistocephalus n.
14. Arthronomalus n.
15. Gonibregmatus n.
16. Geophilus.
Ordo II. Chilognatha.
Trib. 3. Pentazonia.
Fam. 5. Glomeridae,
17. Glomeris.
18. Zephronia.
19. Sphaerotherium.
Trib. 4." Monozonia.
Fam. 6. Polyxenidae.
20. Polyxenas.
Fam. 7. Polydesmidae.
Subf. 1. Oculi nulli vel
obseuri.
21. Fontaria.
22. Polydesmus.
23. Trongylosoma.
Subf. 2. Oculi distineti.
24. Craspedosoma.
25. Platydesmus.
26. Cambala.
Trib. 5. Bizonia.
Fam. 8. Julidae.
Subf. 1. Sympodopetali-
nae.
27. Julus.
28. Uneiger.
29. Spirobolus.
30. Spiropoens.
31. Spirocyelistus.
. Spirostreptus.
Subf. 2. Lysiopetalinae.
33. Platops n. |
34. Lysiopetalum.
Fam. 9. Polyzonidae.
35. Polyzonium.
36. Siphonotus. \
Fam. 10. Siphonophoridae.
37. Siphonophora.
Dann folgt ausführlich die Äußere Anatomie, Bau der Rin-
gel und ihrer Anbängfel, Entwidelung derfetben und des Kop—
fes, fowie deffen Anatomie, Crnährungsorgane, ſippiſche und
Gattungs = Zeichen.
Die Tafel ftellt Köpfe und Schwänze vor.
handlung.
Davon können wir feinen Auszug machen.
Eine wichtige Abs
799
Abhandlungen
aus dem Gebiete der Naturwiffenfchaften, herausgegeben von dem na=
turwiſſenſchaftlichen Verein in Hamburg, H. bei) ver Agentnr des
rauhen Haufes, I. 1846. 4. 280. T. 89.
Die Hamburger treten mohlgerüftet auf: möge bas Publi⸗
cum ihren loͤblichen und fleißigen Anſtrengungen entſprechen.
Bekanntlich glauben republicaniſche Regierungen, daß es nicht
an ihnen ſey, etwas von Staatswegen fuͤr naturhiſtoriſche An—
ſtalten zu thun und daß man dieſes Geſchaͤft dem Eifer und
dem Beutel der Einzelnen uͤberlaſſen muß. Dennoch bat ſich
im Jahr 1837. ein Verein in Hamburg gebildet, alfo 8 Fahre,
nachdem die Verfammlung der Naturforſcher dafelbft gewefen
iſt. Ueberall ift guter Wille bey den Einzeinen und es bedarf
nur des Beyſpiels, um denfelben zur That zu ermuthigen, So
wurde dann im Jahr 1843. ein ſtaͤdtiſches naturhiſtoriſches
Mufeum gegruͤndet, worinn die Sammlung des Vereins und
des Gymnafiums nebft der von Herrn von Effen geſchenkten
Sammlung feltener Vögel zu einem Ganzen vereinigt wurde.
Dadurch hat der Staat einen Ste gegründet, welcher Alles
anziehen wird, was bey der glinftigen Lage Hamburgs aus allen
Meltgegenden eingeht. Der Verein befteht gegenwärtig aus
401 wirklichen, 63 Ehren: und 60 corvefpondierenden Mitglie:
dern, der Vorftand aus dem Syndicus, Dr. Sievefing
Präfident, Profeffor Wirbel Vicepräfident, Dr. Ph.
Schmidt und Dr. Joh. Stees, Secreläre und N. Brandt,
Gaffenführer. Gaͤdechens beforgt bie Maftozoologie, Tho⸗
rey die Ornithologie, Th. Schmidt die Amphibiologie und
Ichthyologie, Wasmann bie niederen Thierclaſſen, W. von
Winthem die Entomologie, Jonas bie Mollusken und
Phytozoen, Stees die Botanik, Wiebel bie Mineralogie,
Geognofie und Paläontologie. Befonders thätig bey der Grün:
dung des Vereins war der ruſſiſche Geſandte, Heinrid von
Struve
Diefer Band enthält 6 Abhandlungen von bebeutendem
Merth.
I. Dr. Stannius, Prof. zu Roſtock: über den Bau des
Delphin-Gehirns ©. 1. T. 1—4. (fhon gegeben.)
II. Dr. Steinheim: die Entwidelung des Froſch-Em—
bryos, inebefondere des Muskel: und Genital-Syſtems. Ein
neuer Beytrag zur Lehre der Epigenefe. ©. 17. 2. 5. 6.
Der Verfaffer hat fhon vor mehr als 20 Jahren gezeigt,
mit welchem Geſchick und mit welch’ phyſiologiſchen und philo—
ſophiſchen Kenntniffen und Anfichten er die Lehre von der Ent:
mwidelung zu behandeln verfteht. Hier folgt vine Fortfegung
mit Berihtigungen und Ergänzungen und mit Ermittelung von
mehreren Bildungs: Gefegen. Dann fehildert der Verfaſſer die
Verwandelung des Froſch-Embryos im Aeußern und Snnern
und bildet die einzelnen Theile ab, umftändlicer die Epigenefe
der Muskeln, und ſpricht zum Schluffe über den Haͤutungs—
Proceh. Diefer Auffas ſcheint und ein wichtiger Bentrag zur
Phnfiologie zu fern. Bey den Abbildungen bleibt Manches zu
wuͤnſchen übrig; indeſſen hat ſich die Vorrede hinlaͤnglich über
800
die Gruͤnde ausgewieſen, warum dieſelben jetzt noch nicht die
gehoͤrige Vollendung erreichen konnten.
Il. Dr. J. H. Jonas: wolluskologiſche Beytraͤge. 44.
T. 7—11.
Es finden ſich hier genaue Beſchreibungen der Schalen von
verſchiedenen Weichthieren, ſehr gut gezeichnet und ſorgfältiger
illuminiert, als es noͤthig ſeyn moͤchte.
Eine neue Sippe Choristodon typieum von St. Thomas,
ber Petricola verwandt. Dunn Fusus listeri et islandicus;
einige Schalen aus Neuholland, fodann neue Gattungen aus
verfchiedenen Welttheilen.
IV. Dr. %. Wasmann: Beyträge zur Anatomie der Spin:
nen ©. 131. 3. 12—14.
Der Verfaſſer befchreibt bier und bildet ab das Muskelſyſtem,
die Verdauungs- und Spinn-Organe, eine fihwierige und das
ber um fo verdienftlichere Arbeit, melde den Verfaſſer noch
manches Neue finden ließ, obſchon ſich ſchon Manche mit der
Anatomie diefer Thiere befchäftiget haben. Die Abbildungen find
ziemlich deutlich und fehr vergrößert. Cie find vorzüglich nach
Zerlegungen von lebendigen Mygale avicularia et erichsonii
gemacht, alfo von großen Thieren, deren Theile fich leichter ent-
wicdeln und erkennen laffen.
V. Dr. Ph. Schmidt: Befchreibung zweyer neuer Neptiz
lien aus dem naturbiftorifhen Mufeo. ©. 163. &. 15. 16.
Es ift bier eine Schlange und eine Kröte recht deutlich abs
gebildet und huͤbſch illuminiert,
Die Meerfchlange wurde bey Singapore gefangen; Hydro-
phis schizopholis; die Rüdenfchuppen mit 2 Hödern; zwey
Längsreihen glatter Bauchfchuppen, die an der Spige eine Kerbe
haben. Färbung caftanienbraun. Halbbinden am Schwanze
ganz; auf dem Kopfe ziemlich. große Schilder; Länge 1,215
Meter, der Schwanz 0,146.
Eine genaue Beſchreibung des Gebiffes wird hier ungern
vermißt.
Bufo erueiger vom Vorgebirg der guten Hoffnung, durch
Dr. Ecklon mitgebraht. Schön carminroth mit einem gelben
Kreuz auf dem Nüden und gelben Bändern an den Füßen.
Länge 0,56. Abbildung von 3 Oeiten. i
VI W. Sonder: Nevifion der Heliopbileen aus den capi—
fhen Sammlungen von Drege, Edlon und Zeyher. ‚©.
173. &. 17—29. Fol.
Das ift eine volljtändige Monographie der Heliophileen mit
umftändlicher Darftellung der Charactere, einem Schlüffel der
Gattungen und vollftändiger Befchreibung derfelben in Lateini=
fher Sprahe mit Characteren und Synonymen. Zahl der
Gattungen 62. Dabey noch Chamira cornuta,
Bey den großen Abbildungen gewöhnlich auch die Zerlegung
der Blumen und Samen. Hier ift e3 bey diefer fleißigen Be—
arbeitung wirklich zu bedauern, daß die zahlreihen Abbildungen
fo wenig gelungen find. Daher ift es fehr zu wünfchen, daß
die Hoffnungen des Vereins auf eine beffere Darfiellung in der
Zukunft fi) bewähren mögen.
+
Encyclopädifche Zeitſchrikt,
vorzüglich
F
für NMaturgefchichte, vergleichende natomie und Phyſiologie,
ee er
1847.
NS a >
Der Preis von 12 Heften ift 8 Thlr. füchf. oder 14 fl. 24 Fr. rheiniſch, und die Zahlung iſt ungetheilt zur Leipziger
Oſtermeſſe des laufenden Jahres zu leiften,
Man wendet fi an die Buchhandlung Brockhaus zu Leipzig, wohin auch die Benträge zu fhieen find, Es wird ge—
beten, diefelben auf Poftpapier zu ſchreiben. Das Honorar für den Bogen ſechs Thaler preuß. Gour. x
Unfrankierte Bücher mit der Poft werden zurüdgemiefen.
Einrüdgebühren in den Zert oder Umfchlag die Zeile ſechs Pfennige.
Von Anticrititen (gegen Iſis-Recenſionen) wird eine Quartfvite unentgeltlich aufgenommen,
Leipzig, bey Brockhaus.
De
—
—
Anzeigen.
Bei VANDENHOECK & RUPRECHT in Göttin-
gen ist erschienen:
Hausmann, J. F. W., Handbuch der Mineralogie. 2r Thl.
4e u. legte Lief. gr. 8. . a 2rthl. 16 ggr.
(Das ganze Werk foftet I rthl. 18 ggr.)
Studien, Göttinger, 1847. I. Abth. Mathemat. u. na-
turwissenschaftliche Abhandlungen. 1eLief. ä 2 thlr.
(Die in Vorstehenden enthaltenen Abhandlungen sind auch
einzeln zu nachstehenden Preisen zu erhalten :)
Frerichs, F. Th., über Gallert- oder Colloidge-
schwülste. Mit Kupfern. gr. 8, geh. a 14 ggr.
Kraemer, A., über Condylome und Warzen. Ein
Beitrag zur Naturgeschichte dieser Gebilde Mit
Kupfern. gr. 8. geh. ä 12 ger.
Leuckart, R., zur Morphologie und Anatomie der
Geschlechtsorgane. gr. 8. geh. . à 16 ggr.
Sartorius v. Waltershausen, W., physisch-
geographische Skizze von Island, mit besonderer
Rücksicht auf vulkanische Erscheinungen. gr. 8.
geheftet. . a 16 ggr.
Stern, M. A., zur Theorie der Euler’schen Integrale.
gr. 8. geh. — a6 ger.
Bemerfungen
über die auf einer Neife nach Italien und Sicilien beobadjteten
Schmetterlingsarten von P. C. Zeller. IX.
(Fortfegung von Iſis Heft X. pag. 771.)
Phyeides.
Pempelia.
348. (1.) Zincekenella Tr. — Eitiella Dup. —
Chilo colonnellus et majorellus Costa — von Catania, Meffina,
Neapel, Sorrent — fieh meine Abhandlung Sfis 1846. 755.
349. (2.) euphorbiella Z. n. sp. — von Syrarus —
f. d. Abhdl.
350. (3.) carnella — Neapel, Rom — f. d. Abhdl.
351. (4.) dionysia Z. n. sp. — von Syracus —
ſ. d. Abhdl.
352. (5.) thymiella Z. un. sp. — von Syracus —
f. d. Abhdl.
353. (6.) sororiella F. R. Z. Iſis 1839. ©. 179,—
von Syracus — f. d. Abhdl.
354. (7.) adornatella. ©. d. Abhdl.
Ein helles, Eleines Männchen der Stammart ben Tolentino
im Kirhenftaat anı 6. September, ein düfteres Weibchen der
Var. d, Elein mit vielem Dunfeltoth ‘auf den Vorderflügeln,
bey Rom am 26. Auguft. —
Tineides.
Talaeporia.
355. (1.) sp. quae?
In einem Eichengehoͤlz an den Abhängen des Karfts bey Trieft
fand ih an einem Stamm einen Xalaeporienfad, der denen
von Pseudobombycella und Politella ähnlich gebaut, aber
doc) fehr verfchieden. ift und einer verfchiedenen Art anzugehören
ſcheint. ‚Er iſt vollkommen dreifeitig, fürzer als bey jenen
Arten, ‚gegen das Afterende verjüngt, ftaubig braungrau mit
ſehr feinen Sandförncen beklebt, um das Kopfende aber reich»
lich mit Stücdchen von: Käfern und Ameifen bekleidet; die Af—
ter£lappen find kurz dreiedig und, wie bey Pseudobombycella,
ungerandet.
356. (2.) Lapieidella Z.
Ifis 1838. ©, 717. 184.
Reaumur Il, tab. 15. fig. 1—6. 17—19. p. 241.
In der’ Laterne über der, Kuppel. der St. Peterskirche in
Rom fand ih am 2. September an den Wänden: zwey Tas
laeporienſaͤcke. Ob Flechten dort. wachſen, babe ich zu unterfu=
hen unterlaffen. Das eine Saͤckchen hat ein länger zugefpistes
Afterende und iſt veichlih mit meißlihen Kalf= und Stein=
Koͤrnchen bekleidet; das andre ift dunkler; - an beiden. aber
bemerfe ich auch fehr £leine, grünlichbraune Koͤrnchen, die wohl
SI its 1847, Heft 11.
Slechtentheilhen feyn mögen, — Es ift gewiß merkwürdig, daß
diefe Thiere fo hoch über dem Erdboden leben; aber noch auf:
fallender war. es mir, in derfelben Höhe Eleine, gelbliche Ameifen
in Menge am Boden zu finden, da fie ſich hier doch von nichts
anderm nähren können, als was die Befteiger der Kuppel zus
fällig an Lebensmitteln verlieren.
Tinea. i
Cofta zähle eine Anzahl Arten auf, von denen die wenig:
ften zu Tinea gehören. Es find 1) flavifrontella „alis
anticis cinereis immaeculatis, capite fulvo. Kopf mit ziem=
lid) langen, röthlichgelben Haaren bededt; Taſter ebenfo; Augen
ſchwarz; Ruͤckenſchild und Vorderflügel afchgraulich, bisweilen
bräunlich ohne irgend. einen Fleck; Hinterflügel weißlih wenig
glänzend, „Sn meinem. Gabinet, obgleich ſelten.“ Es leidet
feinen Zweifel, daß dieſes unfere Oecoph. flavifrontella
iſt. Die Befchreibung ‚paßt nicht recht zu den mir befannten
Varietäten der, Pellionella; liegt der Fehler nicht an der Be—
ſchreibung, fo fann es vielleiht eine dem Süden eigne, diefer
und der Biselliella nahe Art feyn.
2) pellionella,- „Ganz glänzend bleigrau mit einem
ſchwarzen Puncte faſt in der Mitte der Vorderflügel. Hinterflüs
gel glänzend bleifarbig. Hinterrand der Fluͤgel gefranzt wie
bey der vorigen, mit welcher fie, auf denfelben Subftanzen lebt.
Augen did, ganz ſchwarz. „Kopf gelblihgrau behaart. Var. a,
linea marginale ((. marginali) punetoque in. medio nigris;
fie hat außer dem fchwarzen Punct in der Mitte der Ertremität
der Vorderflügel (nel mezzo della estremita delle ali sup.) eine
ſchwarze, abgekuͤrzte Linie nahe. beym Innenrande an der
Mitte und auch, die Vaſis mit Schwarz befhmust. Var. ,
lineis duabus parallelis : in , medio punctoque nigris. ‘“
Hübner fig. 15. Reaumur ll, pl. 6. fig. 12. 15. — [Die:
felbe Urt fommt unter eigner Nummer, 17. S. 18. nod einmal vor].
3) tapezzella [tapetiella] — ſchadet fehe den Kleidern.
4) granella (Befhreibung und in einer Note Belprehung
der Mittel gegen den Kornwurm). ©. 12. Nr. 13. Granella
var, tab. IY. fig. 1. Kopf mäßig ‚groß, Stirn mit dichten,
langen hellrothgelben (fulvo) Haaren befleidet. Augen. etwas
Elein, ſchwarz, feitlich, wenig. hervorftehend. Palpen Eurz, nicht
über die Stirn reichend, "Fühler von Länge der Worderflügel,
ein borftenförmig, gleihmäßig (ugualmente) ſchwarz. Ruͤcken⸗
ſchild weißlihgrau. Vorderflügel fehmal mit faſt ‚parallelen
Seiten flati), hinten: gerundet, lang geftanzt, die Sranzen am
Hinterwinkel ſich fehr wenig aufrichtend; aſchgraulich, ſchwarz—
fleckig. Zwey deutlichere Flecke gegen die Hälfte am Vorder—
rande; die. ſchwarzen Puncte gegen die Spitze ordnen ſich in
Querlinien, die in der Mitte unterbrochen find, wo ein Laͤngs—
fleck verläuft (ove vi corre). Dinterflügel glänzend bräunlich,
1
803
linienfoͤrmig, von beiden Seiten langfranzig, auswaͤrts am
längften gefranzt. Körper aſchgrauz Beine ähnlib; Schienen
der Hinterbeine mit Dornen beſetzt und lang und dicht behaart;
Tarfen ſchlank von der Farbe des Körpers. — Männchen größer
und dunkler. — Gefunden in den Getreidefornern (geano,
Weizen), die fie in den Magazinen freffen. Vom July durch
den Detober. — Ihre Eier fo wie die der Pellionella, nadt,
glatt, glänzend. Das Weibchen heftet fie mit einem Leim an
die Nahrungsftoffe. Der Legeſtachel ift röhrenförmig, am Ende
Eeulenförmig verdickt und hier mit langen, ftarren Haaren
von verfchiedener Ränge bekleidet. Sein binterer Theil ift mit
dem Sphincter des Afters vermittelft einer andern Hautroͤhre
verbunden, welche, indem fie fich über ſich zuruͤckbiegt, dem
Ledeſtachel Herauszutreten geftattet, ohne fich zu verruͤcken. Zwey
Museuli adductores, an den Innenrand deſſelben geheftet,
ziehen ibn herein und bringen ihn mit dem zum Legen reifen
Ey in Berührung. Dann umfaffen einige Lappen, in die diefer
Rand getheilt ift, fich zufammenziehend das Ey und führen es
ins Innere vermittelft „einer wurmfoͤrmigen Krümmung, ähnlid)
der des Intestinum rectum. In demfelben Augenblid wird
der ganze Stachel mit großer Schnelligkeit hinausgetrieben und
hereingezogen, bis er den Sphincter des Afters befiegt, deffen
Durchmeffer, der kleiner als der des Eies ift, erft nach wieder—
holten Verſuchen (andirivieni) den Durchgang verftattet. Indem
ſich darauf die comprimirende Gewalt des Sphincters in entges
gengefesster Richtung ausläft, erleichtert fie den Gang des Eyes
im übrigen Theile des Legeftachels, bis es am äußerten Ende
iſt. Nach wenigen Verſuchen dringt e8 aus dem aͤußerſten
Roche mit Langfamkeit heraus. — Nicht alle Arten des Genus
Tinea legen auf diefelbe Weife Eyer. inige legen erft einen
fhaumattigen Leim, der an der Luft zu einer Art Pappus
gerinnt, in den fie die Eyer einzeln oder zu mehrern ablegen.
So werden die Eyer vom Winde fortgeführt und an verfchiedene
Körper angeheftet. So bey T. achillela. — T. granella
ift in den Flecken und der Größe bedeutenden Abanderungen
unterworfen, von denen die befchriebene und abgebildete die wich-
tigfte ift [Mac der Befchreibung ift dieg wirkl. Granella; aber
die Abbildung fieht einer Granella fehr unäbnlich, da fie ocher—
gelbe Vorderflügel und einen ganz anders gefleckten Vorderrand
hat]. —
N Leopoldella (zu Ehren des Fürften v. Salerno, Leopold
Bourbon): nigra, albo fasciata maculataque, antennis longis,
articulis subpilosis tab. I. a. fig. 1. Diefe fehr Eleine Schabe
ift ganz fhwarz, an den Rändern der Halstinge und an den
Seiten des Nackenſchildes weiß. Die WVorderflügel haben eine
fchritge, weiße Binde nahe der Baſis, zwey dreiedige Flecke an
den aͤußern Raͤndern und einen lanzettförmigen im Innenwinkel,
alle weiß. Die Hinterrandfranzen find weiß und ſchwarz und
breiten ſich in Buͤſchchen aus, wann die Flügel im Fluge ent:
faltet find. Kopf groß, auf der Stirn mit gelblihem Haar:
ſchopf. Augen feitlich, fehr vorftehend und ganz fchwarz. Fühler
ſchwarz, länger als die Flügel, jedes Glied mit zwey fehr merkli—
chen Haaren, wodurd fie faſt kammfoͤrmig ausfehen. — Sie
lebt auf Wolle (sulle lane) ziemlich felten. — Sie nähert fich
dem Treitfchkifchen Genus Lita, aber unterfcheidet fich
davon durch die Form der Fühler und die Franzen [2] der
Vorderflügel. Treitſchke meint, fie Fönne ein neues Genus
bilden ©. 15. Nr. 3. Leopoldella var. thorace immaculato.
Verſchieden durch den Mangel der weißen Flecke an den Seiten
des Thorax und durch den Stirnbuſch [tie diefer ift, "wird
804
nicht gefagt]. Aendert auch oft ab in dem herzfärmigen Fleck
des Innenwinkels der Worderflügel, welcher fidy mit dem
2. Randfleck zu verbinden pflegt, indem er fo eine der erften
faſt parallele Binde hervorbringt. Die Raupe lebe auf Hypnum
murale und andeen an fchattiger Stelle bey Traufen wachienden
Moofen. Der Sad befteht aus Moog und Sandſtuͤckchen, ift
oberwaͤrts conver, unterwärts flach, an den Enden gerundet und
etwas fchmäler hinter dieſen [?] und breiter in der Mitte,
Unten fieht man an jedem Ende eine Deffnung zum Hervor—
fteden des Kopfes und Auswerfen dev Ereremente, Der Sad
it durch feine Farbe fehwer zu erkennen. Im Suny und Suly
Eriecht die Schabe aus. Sie legt die Eyer in etwas feidenartige
Subſtanz ab, womit fie diefelben anheftet, Mit der flachen
Seite hängt der Sad fo vollfommen an der Oberfläche: der
Körper, daß ihn faum ein geübtes Auge erkennt. Auch unter
breiten, flachen Steinen, die an feuchten Drten liegen, pflegt
fih die Naupe heerdenweiſe einzuniften [Hiernach fcheint die
Art eine Verwandfchaft mit Talaeporia oder mit F. v. Roͤs—
lerftamm’s Tin. stelliferella zu haben, wenn fie nicht gar
eine Phryganide ift, dergleichen ich eine, Hydroptila fuseicor-
nis (Ent: Zeitg. 1845. 346.) von gleicher Lebensweiſe ange—
teoffen habe. Ob übrigens die Coftaifchen Varietäten zuſam—
mengebören, :bleibt auch noch zu entfcheiden].
6) Tin. M-Clementinella (gewidmet der Fuͤrſtinn von
Sulerno, Maria Clementina): tota brunnea-nigrante [!), alis
auro lineatis, primoribus faseia media lineaque parallela
auratis, vitta marginali albo-mieante tab. 1. fig. 3. — Ganz
roͤthlichſchwarzbraun, auf. dem Ruͤckenſchilde mit 2 feitlichen,
goldbraunen (brune dorate) Längslinien. Die Vorderfluͤgel
haben eine krumme Querbinde in der Mitte und eine andere
parallele, fehr zarte gegen die Baſis, beide goldig (dorate).
Ein winfliger, ‚glänzendweißer Laͤngsſtreifen läuft von der Baſis
nach der Mittelbinde auf dem Innenrande; der ganze Übrige
Raum ift mit länglichen Goldpuncten oder Eleinen Linien
beftreut: Auch die Hinterflügel find fo beſtreut. Kopf kurz
und eingezogen. Augen ſchwarz, unter den Fuͤhlern liegend.
Die Palpen haben dag 2. Glied fichelformig, nicht cylindrifch,
einmal länger als der Kopf, unten gelblich; das 3. Glied iſt
borftenförmig und dem erften gleich. Fühler faft von Koͤrper—
lange, vörhlichbraun, mit weißer Binde gegen 2 der Fänge. —
Lebt zwifchen dem Getreide (cereali). Am 2. Gliede der Tafter
find Eeine Schuppenbuͤſchel, und fie find auch nicht faſt zwey—
fpaltig, auch nicht Elein, cylindriſch und mwollig. [Mir fcheint
diefe Art verwandt zu feyn] Man vergleiche dag, was Coita
felbft über feine Lampros aemulella fagt) mit Oecoph.
(Dasycera) Olivella (Aemulella 77.). Das Merkwürdigfte an
ihre iſt unbezweifelt der Name, und ich kenne nichts, was biefe
Goftaifhe Schöpfung uͤbertraͤfe. „M. Ülementinella“ ift
nicht etwa Drudfehler, Tondern kommt mehrmals vor.].
7) Augustella (zu Ehren der Tochter der Fürffinn von
Salerno, Maria Carolina Augufta und nicht mit Augustella
A. zu verwechfeln, hätte alfo nad) bey Nr. 6. befolgten Methode
M. C. Augustella heißen follen): '„albo-argentea, alarum
primarum apieibus puncto atro, limbo laciniato [}.*
Die ſehr fhöne T. augustella ift ganz. filberweiß mit glän:
zenden Silberpuncten. Der Hinterrand der Vorderfluͤgel iſt
mit fehr langen divergivenden Franzen befegt, welche gleichſam
als Gentrum fi. e. in der Flügelfpise, nach der Abbildung] einen
ſchwarzen Punct haben. Die Hinterflügel find am ganzen
Umfange gefranzt (sfrangiate). Kopf ſehr Elein mit ſchwarzen,
805
feitlichen Augen, zwiſchen denen bie ſehr zarten Fühler ſtehen.
Lebt auf Birn- und Apfelbaͤumen im botanifhen Garten zu
Neapel nicht felten. — Sie gehört zu Treitſchke's Genus
Elachista.« — (7.) 8) Kollarella (ju Ehren des Herrn
Kollar in Wien): alis primoribus lanceolatis, flavescenti-
bus, fascia media, puncto atque apice brunneo-violaceis ;
inferioribus subaldidis (tab. 1. fig. 4). Körper ſchmutzig
weiß. Borderflügel und Thorar fteohgelblih. Bey der Mitte
[der Vorderflügel] Kaͤuft eine gebogene, violettlich braune Binde;
zwifchen ihr und der Baſis ift ein gleichfarbiges Puͤnctchen,
und ebenfo gefärbt find die Spiten. Die Geftate der Flügel
ift faſt lanzettlich. Hinterflügel ſchmutzigweiß, mäßig ſtark
gefranzt. Kopf rund, ſehr deutlich. Augen ſchwarz. Fuͤhler
braun, zart, nicht ſehr lang, eingefügt in den Winkeln der
Augen. — Lebt an Zäunen bey Camaldoli. Nah Treitſchkes
Meinung gebört fie zu Adela. [Dies ift meine Gelech. flavedi-
nella Iſis 1839. ©. 197. oder Tortr. Walckenaerana Dup.
pl. 261. fig. 6. Cofta’s Abbildung ift fehr ſchlecht, in der
Farbe gänzlich verfehlt und laͤßt nicht die Hinterflügelgeftalt er-
£ennen]. (8.) 9) Servillella (zu Ehren Herrn Audinet-
Serville) alis antieis griseis, maculis minutissimis 'obscuris
sparsis. Etwas größer ale Oleella Fabr. und lebt wie diefe
auf dem Diivenbaum. Kopf fehr kurz mit röthlichen (fulvi)
Haaren bededt; Augen ſeitlich, ſchwarz, wenig vorgequellen.
Fühler borftenförmig, von 4 Körperlänge. WBorderflügel filbericht
grau (grigio-argentino) mit feltenen, Eleinen, unregelmäßigen
Flecken von fchmärzlichbrauner Farbe in der Spitze, uͤbrigens
blaß. Franzen mit bloßem Auge nicht fichtbar|!]. Hinterfluͤgel
bräunlich. Körper und Beine filbericht weiß; diefe mit Fleinen,
braunen Fleden. — In Terra d’Dtranto felten.
Sn Tr. Sammlung nicht befindlich. — (9.) 10) Sarei-
tella, einfarbig, gelblichgrau, filberglängend ohne einen Fleck;
die Flügel find an der bintern Ertremität gefranzt und am
Innenwinkel etwas ‚aufgerichtet, Kebt in Zimmern ıc. Be:
fprechung der Mittel gegen diefe Schabe. — (10) 11) Urti-
eaella [!] alis primoribus viridescenti-auratis, inferiori-
bus brunnes-lividis, fronte hirta. tab. 2. fie. 1. Sehr Elein
mit Eleinem Kopf, ſehr erhabenen, ſchwarzen Augen, auf der
Stirn mit dichtem, langem, braunrotbgelbem (fulvo bruno)
Haarſchopf; Fühler von 14 Vorderflügellänge, braun. Körper
und Beine fchlanf, braungrün, glänzend. Worderflügel lanzett⸗
lich, braungruͤn, metallglänzend, befonders nach hinten, fo daß
fie vergoldet fcheinen. Hinterflügel ähnlih, braun, etwas ing
Livide übergehend. Beide mit fehr kurzen, beäunfichen Franzen.
Im May bey Camaldoli und im. Eöniglichen Buſche von Capo
di monte [O6 Mieropt. calthella oder damit verwandt ?]. —
(11) 12) Trieinetella: alis primoribus rubris, fasciis
tribus areuatis apieibusque auratis; inferioribus fuscis
apicem versus deauratis. tab. 2. fig. 2. Kopf mittelmäßig,
Augen wenig vorftehend, fhwarz. Fühler borftenförmig, einfach,
wenig fürzer als die Vorderflügel; ihre Glieder find abwechfelnd
weiß und braun; Palpen lang, zuruͤckgekruͤmmt, fo daß fie über
die Stien wegreichen, am 1. und 2. Gliede mit langen Schups
pen bedeckt; das letzte Glied faſt glatt. An der Einfügung
deffelben auf dem vorlegten 'entfptingt ein andres, etwas Fürzer
und gerade ausftehend. Diefe bis jetzt noch nicht angezeigte
Tafterform iſt fonderbar und möchte die Errichtung eines eignen
Genus veranlaffen; doch laffe ich die Art unter den Schaben,
von denen fie alle Übrigen Charactere hat, fo Lange die neuen
806
Genera ber deutfchen Entomologen nicht genügend erläutert find.
Vorderflügel eiformig lanzettlih, am Hinterrande faft rund. zart
gefranzt, Eirfchroth, mit Gold fein befprengt, und drey goldenen,
mondförmigen Binden und goldner Flügelfpise. Hinterflügel
von derfelben Geftalt, etwas Eleiner, gegen die Bafis roth, gegen
die Spige goldig, und diefe beiden Färbungen in der Mitte
verfloffen (sfumate). Der Körper röthlihbraun. [Das das
untere dritte Glied der Taſter nur aus Haarfchuppen beftebt
und daß Cofta ſich getaͤuſcht hat, iſt nicht zu bezweifeln. Nach
Flügelbau und Zeichnung fönnte die Art eine Micropteryx
ſeyn; allein die Zafter find ganz davon verfchieden]. —
(12) 13)Sangiovannella (zu Ehren des Hrn. Sangiovanni,
Director des zoologifhen Mufeums in Neapel): alis primori-
bus nigro-auratis, macula humerale [humerali|, faseiis
duabus marginalibus punctisque argenteis; secundariis
argenteo-brunneis; eorpore argenteo, tab. 3. fie. 5. Kopf
£lein mit weißlihem Haarſchopf; Augen fhwarz; Palpen fehr
weiß. Fühler von 4 Vorderflügellänge, gegen die Spike ver—
dreht (contorte) aus beichuppten Gliedern beftehend, ganz
ſchwarz; die Schuppen lang und divergirend vom Drittel an
(lunghe e divergenti dalla terza parte in poi). Kopf ſil—
berweiß mit linienförmigen federn (piume lineari) befleidet.
Vorderflügel ſchwarz mit untergelegtem Goldglanze; ein dreiecki—
ger Fleck nahe bey der Schulter, dem eine fehräge Binde folgt,
die bisweilen den Innenrand nicht erreicht, und bisweilen in
der Mitte zu zwey Fleden unterbrochen iſt; es ift eine cons
ftante Beobachtung, daß der rechte Flügel nicht völlig gleich und
ahnlich dem linken ift; in diefer Urt theilt fich die Binde auf
dem rechten Flügel, während fie auf dem linken nicht den In—
nenrand erreiht[!]. Eine zweite Binde, diefer parallel, läuft
vom VBorderrande bis zur Hälfte; ihr entfpricht am ent egenge—
festen Nande ein Punct; es folgen zwey andre Gegenpuncte
und drey Eleinere auf dem Umfange des Hinterrandes, alle ſehr
glänzend filberweiß; Hinterfranzen ſchwarz. Hinterflügel braͤun—
lich, in dee Mitte mit einem filberweißen Nippchen (costola);
Hinterrand lang gefranzt. In den Wäldern den Gamaldoli
im Auguft. [Die ftandhafte Ungleichheit der Flügelzeichnung
ift ohne Zweifel Irrthum. Ich vermuthe, da die Taſter gar
nicht befchrieben werden, daß die Worte: die Schuppen lang ıc.
den Schluß der Befchreibung derfelben bilden, deren Anfang
ausgelaffen ift. Denn in der Abbildung zeigen die Fühler Eeine
Verdickung, wohl aber die Zafter]. — 13) Granella var.
fieb oben Nr. 4. — 12 [!] 14) Achillella (zu Ehren feis
nes neunjährigen Sohnes benannt, der diefe Art entdedte):
alis omnibus argenteis, primoribus linearibus, angulo postico
longe fimbriato, maculis subtrigenis fuseis in margine
antico; palpi reeti. Kopf klein, ganz bedeckt mit langen,
weißlihen Haarbuͤſchen; Augen groß und fchwarz; Fühler von
4 Slügellänge, mäfig did, borftenformig, ohne deutliche Glieder,
glänzendweißlich. Palpen mäßig lang, gerade mit einem borfti»
gen Anhange auf der Verbindung des legten Gliedes mit dem
2ten. Die erften Glieder, welche länger find als die Stirn—
haare, find mit langen Schuppen bevedt. Thorax ſehr Eurz.
Körper ſchlank. Beine furz mit ſtarken Tarſen und einem ſehr
kurzen, dornförmigen Anhange an den Hinterfchenfeln [2].
Vorderflügel linienfoͤrmig, am bintern und innern Rande‘ lang=
feanzig, ſilberweiß, mit braun beſchmutzt, mit einigen braunen
Flecken am Vorderrande, von denen der mittelfte groͤßer, die
andern Eleiner, faft dreiedig find. Hinterfluͤgel linienfoͤrmig
ſilbericht, mit ‚langen, braunlichen Franzen. Cofta bemüht ſich
807
in einer Anmerkung, zu beweifen, ‚daß dieſe Achillella nicht
Granella fey; der verfchienene Habitus, bejonders der Flügel
[in der Abbildung zeigt fich keine Werfchiedenheit außer in den
offenbar zu Eurz gerathenen Hinterflügeln], dag Verhältniß des
Körpers zu den Flügeln, die Anordnung der Flecke auf den
Vorderflügeln [in beidem fehe ich nichts von Granella abweiz
chendes], der fehr glänzende, filberfarbene Grund. derfelben und
die faft linearen, nicht Ereisfegmentähnlichen Hinterflügel [in der
Abbildung find fie gar nicht linienförmig], follen die Artrechte
beweifen. [Wäre nicht il fondo brillantissimo di. argento
der Vorderflügel, fo würde ich hier nichts als die allergemeinite
Granella erfennen, wie ein Kind leicht fißen fehen fann, Wo
diefe Achillella gefunden fey, verſchweigt Cofta]l, —
15) Rieeiardella (zu Ehren des Grafen Ricciardi von Ca—
maldoli, Präfident der Acad. der Miffenfchaften zu Neapel): alis
primoribus fulvis, apicem versus fuseis, fimbria brunnea,
ınacula apicali fulva; inferioribus plumbeis; capite coro-
nato. Taf. 3. fig. 7. Verfchieden von Tin. planella 4. 275.
Il. deplanella H. 274.) durch die braune Farbe, melde die
Flügel gegen den Nand einfaßt, indem fie auf der Spitze bey
den dunklen Franzen einen votbgelben (fulvo) led haben,
Hinterflügel bleifarbig, wenig glänzend, einwaͤrts reichlich ſchwaͤrz—
lich gefranzt. Die Palpen find normal, herabfteigend, mit einem
etwas langen, befchuppten Endgliede; viele, lange Haare erheben
ſich zwiſchen den Schuppen des 2. Gliedes und umgeben es
an der Bafis, ohne über die Spitze deffelben hinwegzureichen.
Körper und Unterfeite der Flügel glänzendbraun. Am Hinter:
kopf erhebt fich ein Federfranz, der fih auf die Stirn über:
biegt, ſich feitwärts noch mehr verlängert und fo einen
zweitheiligen Helmbufch bildet. Unter dem Miceofcop find die
Federn verfchieden gefürbt und darunter einige fein, wie Haͤr⸗
chen, von denen 3 mehr ausgezeichnete auf der Stirn. Fühler
fein mit Härchen, die ſich zwifchen den aufgeleimten Schuppen
erheben und die cylindrifchen und furzen Glieder befleiden
[3ufolge der Abbildung und der Befchreibung der Fühler ift
diefe Art eine Tischeria und näcdıft verwandt mit Complanella
und Emyellal. — 16) Macrocerella unicolore, plumbea,
auro-micante [!], antennis erassis brevissimis, fronte
laevi declive [l. declivi], occipite suberistato, palpis bre-
vissimis rectis. tab. 3. fig. 4. Sehr Elein, aͤußerſt ausgezeich-
net durch die Fühler; diefe find kleiner als ben irgend einem
Mierolepidopterum, dafür aber did und faft kegelfoͤrmig,
faum 3 Ducchmeffer des Kopfes lang. Diefer ift rund, glatt,
am Hinterkopf fcheinen Haare von allen Seiten zufammenzus
treffen, um einen wohl gealätteten Schopf zu bilden (una spe-
eie di ciuffetto ben alliseiato); feitwärts gefehen mit bewaffne—
ten Augen, zeigt er fich mit ziegeldachartig liegenden, ſorg—
fältig. geebneten und haftenden Schuppen. Die Fühler find
mit Ningen übnlichee Schuppen befleidet (rivestite di squame
simili disposte in girelli), Das Thier iſt bleifarbig mit
goldenem Nefler. — Im Auguft und September an Zaunen,
auf den Bergen [Mach der abenteuerlichen Abbildung Eann es
eine Lyonetia aus der WVerwandtfchaft der Cristatella und
Nigrieomella feyn; ihre Fühler halte ich für abgebrochen.
Der Name ift entweder eine Sronie oder aus Verſehen aus
Mieroeerella entjtanden.]. 17) Minimella: alis primori-
bus violascente auratis, obscuris, immaeculatis, inferioribus
brunneis mieantibus. tab. 4. fig. 5. — Diefer Zwerg im
Genus Tinea übertrifft jede andere congenere Art durch den
fhönen Kranz von Federbüfhen auf dem Kopf, melde fich
Jinterwärts erhebend und nach vorn Frümmend, ihn von allen
* 808
Seiten gleichmaͤßig umgeben. Stirn glatt, Palpen ſehr kurz
und niederwärts gewendet, wie bey Ricciardella. Fühler glatt
faum von 4 Vorderflügellänge. Die VBorderflügel lanzettfoͤrmig,
langfranzig, alle braunviolett, goldglänzend. Hinterflügel linienförs
mig, langfranzig, braunlich mit Metallihimmer. Länge des Thiers
kaum über eine Linie. Inden Wäldern von Camaldoli im Zuli.
Sollte es eine Elachista feyn, wie ich ed von der Riceiar-
della glaube? Die vergrößerte Abbildung des Kopfes wird jeder
Zepidopterolog für eine Garicatur erkennen]. — x
18) Pellionella ſieh oben [Hier werden die ſchon oben
gegebene Diagnofe, mehrere Gitate und die Angaben über den
Aufenthalt « wiederholt; dabey zaͤhlt diefe Nummer mit!).
19) Albella albido-micante [!], alarum primarum apiei-
bus griseis, medio puncto okseuro. Taf. 4. fig. 9. Kopf
etwas dick mit fehr hohem Schopf, einfarbig filberweißlich. Die
Spitze der Vorderflügel fein mit braun beſpritzt; in der Mitte
ift ein brauner Punct. Franzen des Innenwinkels etwas aufge
richtet. Fühler von Körperlänge. Unterfcheidet fich von Pellio-
nella durch die Größe [Kleinheit?], Farbe und Befprengung der
Flügelfpise. In den Wäldern um Neapel. — ©. 22. Nr. 23.
albella var. albo-flavieante [!J, alarum apieibus imma-
eulatis, abdominis. segmentis eristatis; pedibus micantibus
albidioribus. Der dunkle Punct in der Mitte der Vorderfluͤ—
gel und die braunen Pünctchen in der Spike fehlen; der Schopf
ift mehr gelblich als weiß. Gefunden um den Fuciner = See
zu Ende Auguft. — 20) hirtella: fronte nigricante, ocei-
pite cano, antennis mediocribus fuseis; alis primoribus
supra fulvo-cinereis, hirtis, subtus brunneis, inferioribus
plumbeis. Taf. 4. fig. 7. Kopf Elein und fehr kurz; Stirn
ſchwaͤrzlich befchuppt; Hinterkopf mit dichten, gelblichweißen
Haaren; Palpen gleichgefärbt mit nadtem, braunem ndgliede ;
Augen: braun, am Vorderrande mit einem‘ weißlichen Segment
[2]; Fühlee Eürzer als der Körper, fadenförmig, aus runden,
wenig getrennten, braunen Gliedern beftehend. Ruͤckenſchild
braun, mit vothgelblichen Schulterfedern. Worderflügel aſch—
graulich mit leichtem, lömwengelbem Anftrich, etwas glänzend;
die ſehr ſtarken und aufgerichteten Schuppen erfcheinen dem
bloßen Augen wie Wolle (lanugine). Unterfeite bräunlichz
Franzen Eurz. Hinterflügel bleifarben, glänzend, wenig gefranzt.
Körper und Glieder braunlich, — Auf Wiefen und in Zäunen,
häufig im July und Auguft. — Var.: alis primoribus ob-
scurioribus, maculis minutissimis subineonspieuis brunneis
ad apicem confertis. Diefe Art (specie) ift der Albella
fehr nahe, aber durch die Flügelgeftalt, die Proportion der Fuͤh—
ler und faft doppelte Größe abweichend. — 21) Tristigma-
tella: flavido-micante [!|, alis primoribus stigmatibus
teibus fuseis, mediis duobus obsoletis. Ganz einfarbig glaͤn—
zend ftrobgelb, durch die untergelegte filberichte Farbe. Die
Borderflügel haben 3 braune Puncte, von denen die 2 mittel-
fien verlängert, parallel, weniger. fihtbar, manchmal faum mit
bemaffnetem Auge erkennbar find; dennoch zeigen fie ſich immer
bey fchräger Betrachtung der Flügel; der Punct nahe der Spitze
ift immer beſſer ausgedruͤckt — Iſt ſchaͤdlich an präparierten
Thieren in Muſeen. Treitſchke's Crinella iſt es nicht.
Var.: colore obscuriore, vitta brunnea ad amborum
baseos [!]; feltener, dunfler; nahe der Bafis ift ein. brauner,
wenig deutlicher Fleck; übrigens ſtimmt fie mit det Stammatt.
Sn meinem Gabinett [lebend oder tobt? — An Ganomella' ift
bier nicht zu denken, da diefe nur in Wäldern lebt, auch fonft
von der Abbildung verſchieden ift. Ich befiße ein einzelnes
Eremplar einer Tinea, die Löw in Gonftantinopel fieng, von
809 | &
dem ich nicht recht weiß, 0b ich e8 für eigene Art oder für eine
ſehr helle, mehr ftrohgelblihe Pellionella halten foll; ic) über:
ging es in der Aufzählung der Eleinafiatifchen Schmetterlinge
wegen diefer Ungewißbeit und wegen feines beſchaͤdigten Zuſtan—
des. Gofta’s Tristigmatella paßt recht gut darauf; feine
Varietaͤt ift aber wohl ficher eine hellere Pellionella. Das
Loͤw iſche Eremplar hat ftatt des einen hinterften Punctes der
Borderflügel einen Doppelpunct, der zu einer Eleinen Querlinie
zufammenläuft.] — 22) Griseolella: alis antieis griseo-
einereis, plumbeo-micantibus, punectis atomisque brunneis;
antennis “flavicantibus. Klein und ſchlank, Körper glänzend
bieyfarben. Worderflügel afchgraulih mit fehr Eleinen, braunen
Puncten vorzüglich (preeisamente) gegen die Spite beftreut;
einzelme, verwifchte, braune Sledchen, von denen ein merklicheres
gegen den Hinterrand und in der Mitte. Franzen des Hinter:
und Innenrandes filbericht. Kragen braͤunlich, Schopf weißlich;
Fühler ſchmutzig ochergelb. Sie hat einige Aehnlichkeit mit
Granella, iſt aber zweymal fo groß und auf den Flügeln
nicht fo fehr gefledt. Gefunden in Basilicata im Man an
Zaͤunen. — 25) Flavella: pallide flava sericeo-micante
[!J, eapitis pilis flavis. Ganz gelblid weiß, feidenglänzend,
ganz ungefledt. Schopf gelblih, Augen braun, Fühler blaß;
Kleiner als die vorige. Auf dem Mateje im July, [Es wird
kaum möglich fehn, dieſe Art miederzuerfennen, da ihr Bau
nicht befchrieben iſt.) — Zulegt fagt Cofta, daß nah Treitſch—
kiſchen Principien T. Leopoldella ein eigenes Genug aus:
mache, M.-Clementinella und Kollarella zu Adela gehöre,
Augustella, Maerocerella und Minimella wegen des fehlen:
den Schopfes auf dem Kopfe zu Elachista. Für Tinea fehlägt
er als Merkmal vor: Caput erinitum [!], palpi breves, syua-
mati, alarum anticarum angulo postico valde fimbriato et
erecto.
357. (1.) Imella H.
Hübn. fig. 347. — Belt. Iſis 1839. ©. 185. — Dup.
Cat. 365.
Var. b. Alis anterioribus fuseis violaceo-nitidulis, puncto
medio hyalino, costa tenuiter, dorso late flavidis, capite
thoraceque luteolis (mas).
Größe der Eleinften Exemplare. Kopf und Rüdenfchild we—
niger lebhaft voftgelb, vielleicht, wegen des etwas verflogenen
Zuſtandes. Taſter wie dort am Ende des zweyten Gliedes
obenauf mit 3 aufgerichteten Borften. An den braunen, vio—
fettlihb fehimmernden Vorderflügeln ift der Vorderrand fchmal
bellgelb vom Anfange des zweyten Laͤngsviertels an, und bie
dadurch gebildete gelbe Linie erweitert fich gegen die Spitze mehr
als bey der gewöhnlichen Imella. Der ganze Innenrand ift
bis zur Fluͤgelfalte heil roftgelb, ähnlich der Ferruginella ; diefe
Sinnenrandftrieme fehlt der Imella gewöhnlich; doc ift der
Innenrand bisweilen gelblich beftäubt, und an einem uuverfehr:
ten Männchen meiner Sammlung find die gelblihen Stäub-
chen fehr reichlich und geben dem Innenrande eine unreine gelb-
liche Strieme. Der duchfichtige Fleck in der Mitte fcheint
eine Tängliche runde Geftalt zu haben, ftatt wie gewöhnlich, die
eines länglichen Dreyecks. — Am 29. April fieng ich bey trü=
bem Metter bey Eonnenuntergang zwey Männchen bey Syra=
cus auf einer begraften Stelle der ehemaligen Neapolis.
358. (2.) Granella.
Ein Männden am 14, Auguft im Walde von Camaldoli
Sfis 1847, Heft 11.
’
810
‘
bey Neapel; weit von Menfchenwohnungen entfernt, Es ift
Eleın. Kopf reinweiß behaart, Taſter glänzend weiß, auswärts
am Sten Gliede ſchwatz. WVorderflügel auf weißem, kaum ein
wenig glängendem Grunde blaßgelbbraunlich befprengt, ein wenig
gitterartig. An der Bafis des Vorderrandes liegt ein fchiefeg,
ſchwarzes Dreyeck mit einwärts gehender Spitze, dahinter ein
£leinerer Vorderrandfled. An der Hälfte des Vorderrandes hängt
ein fchief nad) hinten gerichteter, unten erweiterter und am Ende
gerade abgefihnittener Fleck von länglich ‚trapezoidaler Form, der
größte und auszeichnendfte des ganzen Flügels. Gegen die Fluͤ—
gelfpise hin kommen noch etwa 4 verlofchene, ſchwaͤrzliche Haͤk—
chen in gleihen Abftänden, nach hinten an Stärke zunehmend.
In der Flügelfalte vor der Mitte liegt ein ftärkerer, ſſchwarzer
Fed. Das Weiße bleibt in der. Fläche vorherrichend. — In
der Zeichnung ftimmen manche meiner hiefigen Eremplare fehr
genau; gegen die Spige find fie aber dunkler und zufammen:
hängender: gefledt, ohne daß dadurch ein fpecififcher Unterfchied
angedeutet feyn kann. Ich erinnere hierdey an Cofta’s A-
chillella.
359. .(3.) Pellionella.
Kam mir nur felten vor. Ein, Pärchen am 4. und 8. May
in Syracus gefangen, bat die helle nicht felten ſchmutzig braun—
gelbe Grundfarbe auf den Vorderflügeln, 2 länglihe Puncte in
der Mitte und einen ftärfern hinterwärts, und eine ſchwaͤrzliche
Baſis des Worderrandes. Das etwas größere Weibchen befipt
außerdem noch ‚einen länglichen, braunen Innenrandfleck nicht
weit von der Baſis.
360. (4). Crassicornella n. sp.
Antennis erassiusculis, longioribus, griseis, capillis ru-
fescentibus, thorace alisque anterioribus flavescenti-cine-
reis sericeo-nitentibus, unicoloribus (mas, fem.).
Eine aͤchte Tinea, aus der nächften Verwandtſchaft der
Pellionella. Größe der allerkleinften Pellionella (Border:
flügel 23°.) Kopf lichthell roſtgelb behaart. Fühler, faft fo
lang wie die Vorderflügel, alſo von beträchtlicher Lange, aufs
fallend did, gegen die Spike etwas dünner, mit gedrängten
Gliedern, unbehaart, glänzend ftaubgrau. Lippentaſter haͤngend,
von Kopfeslänge, fpis, glänzend ftaubgrau; das 2te Glied am
Ende ohne Borften, unterwärts mit einer-Spige aus wenig
verlängerten Haarfchuppen. Ruͤſſel verfümmert. „Beine ‚von
der Farbe der Zafter. Ruͤckenſchild feidenglänzend graugelblich ;
Hinterleib grau mit gelblichem Afterbufc).
Vorderflügel wenig geſtreckt, kürzer als bey Pellionella, ein:
farbig bleygrau mit gegen die Bafis zunehmender gelblicher Bey:
mifchung, überall lebhaft feidenglänzend. Ein Eremplar hat die
gelbliche Miſchung über die ganze Fläche verbreitet. Die Frans
zen bleiben hellgrau, wie die gleichfalls ſtark glänzenden Hin:
terflügel.» Auf der Unterfeite find die Vorderflügel dunkelgrau
mit gelblihem Schimmer und gegen die Spige ftärker hervor:
tretenden Adern.
Weibchen unbekannt, wahrfheinlidy viel größer und mit lan—
gem Legeſtachel.
Baterland Syracus beym Anapo. Auf einem grasreichen
Fußſteige zwifchen den Feldern in der Gegend des Supitertem-
pels fing id 2 Männchen am 19. May, und 2 am 7. Juny
gegen Abend zwifhen Gras und Blumen.
51%
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Calantica Heyden in lit. nov. gen.
Caput longe erinitum, epistomio laevigato,
Oculi hemisphaerici valde distantes. Ocelli nulli.
Antennae mediocriter longae, articulo basali squamis
‚in eonchulam dilatato.
Palporum maxillarium vix rudimentum adest; palpi la-
biales breves, penduli, acuti.
Haustellum brevissimum.
Pedes breviusculi, tibiae antieae squamis in-
crassatae in quiete protensae; tibiae posticae pi-
losae bis bicalcaratae, pari calcarium superiore e medio
prodeunte.
Alae latae; anteriorum cellula mediana postice truncata
venas {res in marginem costalem, sex in posticum emit-
tente; vena subdorsalis in’ basi furcata. Cilia haud ita
longa.
Genus habitu Tineis ex familia Swammerdammiarum
simile, antennarum structura ad Lyonetiam at Opostegam
accedit, alis latis, venarum in iis copia et tibiis auticis
Liparidis modo per quietem porreetis insignitur,
Nomen generis ornatum capitis mulierum exprimit,
361. (1.) Dealbatella n. sp.
Nivea; alae anteriores squamis brunnescentibus hie illic
eongestis nebulosae, subtus in femina niveae; posteriorum
apex vix fuscesecit.
Gröfe wie Tin. cerasiella, Körperbau aber Eräftiger und
die Flügel breiter. Kopf breit und ziemlich flah (nach Abrei—
bung der Schuppen) und die halbfugelichten Augen durch einen
ſehr breiten Raum getrennt. Die Schuppenhaare find nad)
allen Seiten bin geneigt, alſo nicht fhöpfig; das Obergeſicht
ziemlich glatt. Fühler von & Vorderflügellänge, weiß, mit deutz
lichen Gliedern und dadurch ſchwach dunkler geringelt, faferfpisig
gezähnelt, am ftärffien beym Maͤnnchen; das Wurzelglivd lang,
reihlih mit auggebreiteten Haarſchuppen befegt, die fo einen
Augendedel bilden. Lippentafter kurz, etwas dick, haͤngend, fpik,
weiß behaart, das Endglied von der Ränge des zweyten Glide.
Borderfchiene und -fuß kurz; jene durch reichlihe Schuppen:
haare verdickt, welche einen Theil des Fußes verhüllen und die
fen dadurch noch kuͤrzer erfcheinen laſſen. Hinterfchiene nach
hinten zunehmend behaart und dadurch zuſammengedruͤckt keu—
ienförmig ; die obern Dornen fißen an der Mitte und find un:
gleich und nicht lang. Der ganze Körper mit feinen Theilen iſt
fchneeweiß, der Hinterleib grau; Vorderſchenkel und -ſchiene find
vorn gelbbraun beftäubt; die 3 legten WVorderfußglieder und die
Spitze des Mittel- und Hinterfußes, defgleichen die Spitzen der
unterften Hinterfchienenhaare auf der Lichtfeite find braun.
Vorderflügel ziemlich breit und fpig mit ziemlich kurzen Fran:
zen. Die Bafis des DVorderrandes braun. An der Mitte des
Snnenrandes und am Hinterwinkel ift ein gelbbrauner Schuppen=
fleck. Einzelne braune Schuppen zeigen ſich im Mittelraum
gegen die Baſis. Der hintere Fluͤgelraum ift mit einem aus
gehäuften, zarten, braungelben Schuppen gebildeten Gewoͤlk ges
füllt, welchen an 2 Stellen den Vorderrand berührt. Die Spitze
und ber Hinterrand ift auf den Franzen in ziemlicher. Breite
von Ähnlihen Schuppen umzogen. An den Enden jind. bie
Franzen hellgoldbraͤunlich, am lebhafteſten um die Klügelfpike,
Die gleichfalls fpiken Hinterflügel find an der Fluͤgelſpitze
ſpaͤrlich bräuntich befhuppt, fonft wie die Franzen einfurbig
812
weiß. — Die ganze Unterfeite ift gländend weiß, und beym
Weibchen find nur die Franzen ‚der WVorderflügel an der Spike |
bräunlich; beym Maͤnnchen ift der Vorderrand ven. der Baſis
aus in einem zugefpisten Fleck weiß; der Hinterraum des Flü-
gelraumes aber gelbbräunlidy beſchuppt. }
Das Weibchen ift etwas größer und leicht an den Fühlen,
dem Dinterleibe und der weißen Farbe der Unterfeite der Vor:
derflügel zu erkennen.
Diefe Art fand ich an einer Stelle in den Eichengehölzen auf
den Höhen füdlid vom Agnanofee bey Neapel in großer Menge.
Sch Elopfte fie am 15. und 19. Auguſt aus dem Laube niedris
ger Eichen (Quercus robur fructu sessili), am reichlichſten
gegen Sonnenuntergang. Sie fliegt etwas uͤnſtaͤt erft abwaͤrts
und dann allmählich wieder in die Höhe, um ein Eichen- oder
Gaftanienblatt zu erreichen; auf diefem läuft fie nicht fchnell
bin, ſucht die Unterfeite auf und fest fich hier zur Ruhe. Nicht
oft gelangt fie gleich beym Anfliegen zu einem Platz auf der
Unterfeite des Blattes. Sch ſah fie auch auf der. Oberfläche
fisen, wenn dieſes eine ſchiefe Richtung hatte. Nicht felten:
nötbiste fie aber auc, das Wehen des Windes, am Stamme
eines S:rauches eine Ruheſtelle zu fuchen, und am Abend fegte
ſich manche, durch den Stoß erfchredt und herabgeworfen, an
meine Kleider. In der Ruhe ſchien fie mir eine gewiffe Aehn—
lichfeit mit Argyr. Goedartella zu haben. Ihre Vorderbeine
halt fie fchief vorgeftreft, und da ihre Schienen. fo did find,
fo erhält fie dadurch ein eignes Ausfehen ; die Mittelbeine fiehen
frag nach hinten gerichtet unter den Flügeln hervor; die Hin:
terbeine find gar nicht fihtbar, Die Flügel find dachförmig und
hinten aufgerichtet ; der Kopf wird niedrig gehalten. Auch zwey
begattete Paare Elopfte ich ab, welche ſchief auf die Erde her—
abflogen; hier waren dann die männlichen Flügel von denen
des Weibchens zur Hälfte verdedt. Die befruchteten (vielleicht
auch die unbeftuchteten) Weibchen haben einen .grünlichen Hin:
terleib, und diefe Farbe vergeht an den getrodneten Eremplaren
nicht immer gänzlich,
Die Schabe, nad welher Herr von Heyden das Genus
gründete, ſcheint mir von der italienifchen: ſpecifiſch verfchieden.
Sie ift in beiden Gefchlechtern größer und noch etwas breit-
flügliger. Einen Unterfchied in der Vorderflügelzeichnung wage:
ih nicht aufzuftellen, da das eine Weibchen und die zwey Männ=
chen, die ich von Hrn. von Heyden erhielt, etwas vermwifcht
find. Das Weibchen bat aber auf der Unterfeite der Vorder—
flüge im Mittelfelde einen ftarfen, braunen Wiſch und am
Vorderrande gegen die Baſis braune Stäubhen. Beym Maͤnn—
chen ift faft die ganze hintere Hälfte der Hinterflügel braͤunlich bes
ſtaͤubt; auch ift die Unterfeite der Vorderfluͤgel reichlicher ver-
dunkelt. Diefe Art, welhe Here von Heyden im July an
Eichen im Zaunusgebirge gefangen hat, heißt Albella Adn.,
welcher Name, wenn fidy die fpecififche Verfchiedenheit nicht be=
ftätigt, billigerweife auf die ganze Art Übertragen werden follte,
da ich mich zur Bildung des Wortes Dealbatella erſt bey der
jesigen Unterfuchung veranlaft gefunden habe; es gibt jedoch
eine Elachista albella Eversm. (Faun. volg. pag. 600)
und eine Tinea albella Costa (f, oben unter Tinea).
Erioeottis n. gen.
Caput superne et in facie lanatum.
Oculi mediocres; ocelli magni supra oculos pone an-
tennas positi.
Antennae mediocres, tenues, pubescentes, setacene.
813
Palpi maxillares: longiuscnli, filiformes.
P. labiales: mediocres, porreeti, acuti, artieulo secundo
infrä setis dispersis instructo.
Haustellum brevissimum.
Oviducetns feminae, lange exsertus.
Alae anteriores: oblongae; cellulae medianae pars su-
perior areolam format: ambitus decem venas emittit,
quarum quatuor in miarginem costalem, reliquae in posti-
cum; venae subdorsalis basis furcata. .
Alae posteriores: ovatae, mediocriter ciliatae; e cellu-
lae medianae ambitu venae sex prodeunt.
Genus differt a Tineis propriis: ocellis, alarım ante-
riorum eellula mediana areolam Separatam eontinente et
venas quatuor, non quinque in marginem costalem emit-
tente.
362. (1.) Fuscanella n. sp.
Deser. Alae anteriores maris lutescenti-griseae, po-
stice fuscescenti rarius conspersae, puncto distinctiore
dorsali ante angulum internum; feminae fusco creber-
rime conspersae, puneto post medium obscuriore. Caput
griseo - lutescens.
Var. b. litura fusca ex costa ante apicem alarum ant.
descendenti (mas). \
Groͤße des Maͤnnchens wie von einer Eleinern Masculella,
des Weibchens etwas beträchtliher. Kopf, Nüdenfhild und
Borderflügel ein helles, reichlich mit Grau gemifchtes Lehmgelb.
Kopf auf Scheitel und Geſicht dichtftruppig behaart. Die Dcellen,
etwas vom obern Augenrande entfernt, bisweilen durch die Haare
verdeckt. Fühler borftenförmig, heil und dunfel geringelt, mis
erofcopifch pubegcierend,, nicht gefranzt. Lippentaſter heil, hori=
zontal oder etwas abwärts geneigt, wenig Über die Stirnhaare
binausreichend, ziemlich dimn; das 2te Glied ift an der ganzen
Unterfeite mit zerftreuten Borften befeßt, und obenauf trägt es
an der Spitze ein paar aufgerichtete Borſten; das Endglicd
unten etwas. dunkler, Elirzer als das Ate Glied. Beine fahl:
gelblich, auf der Kichtfeite braunlich grau aufer an den Enden
der Glieder. Hinterfchienen mit ziemlich langen Schuppenhaa⸗
ten befleidet, und mit 2 Paaren ungleiher Dornen. - Hinterleib
grau, an den Segmentraͤndern hellfehuppig; männliche After:
Elappe groß, durch lange Haarfchuppen verdeckt. Worderflügel
laͤnglich, ziemlich breit mit deutlihem Worderwinfel, gelblichs
fhmusiggrau, etwas glänzend; befonders gegen die Spike find
gelbbraune Staͤubchen geftreut, aus denen fich bisweilen ein
Punct hinter der Mitte bildet. Gemöhnlicher zeigt fich ein
deutlicher, brauner Punct am Ännenrande vor dem Innenwin—
kel. Franzen heller, auswärts dunfler, befonderg am Innen—
winkel. Hinterflügel grau, gegen die Spige dunkler. Franzen
un Länge, am Schwanzwinkel am längften und
hellſten.
Unterſeite glänzend, einfarbig; die der Vorderfluͤgel braͤunlich—
gran, die der Hinterfluͤgel ſehr hellgrau.
Var. b, ein Männchen, bat die beiden Puncte — im Mit:
telraum binter der Mitte am Innenrande vor dem Innenwin—
kel — fledartig; außerdem hängt ein Fleck am Vorderrande
vor der Spitze, der fi verdünnt, dem Hinterrande parallel,
bis zum Innenrandfleck fortfest. Am Hinterrande find fehr
verlofchene braune Pünctchen.
Das größere Weibchen ift überall viel dunkler als dag Maͤnn⸗
hen, mit Ausnahme der Hinterflügel. Auf den Vorderflügeln
814
ift die ganze Fläche fehr dicht braun befprengt, faft einfarbig,
mit violettlihem Schimmer und einem braunen Punct hinter _
der Mitte. Der lange Legeſtachel horngelblich, am Ende ſpaͤr—
lich behaart.
Diefe Art fliegt im April bey Meffina und Syracus. Die
erften Eremplare fieng ich am 2. April im gemifchten Geſtraͤuch
am Dftabhange eines Berges an der Palermitanerftraße ben
Meſſina; in den folgenden Tagen war fie dort höher hinauf,
in den Arbutus- und SHeidegebüfchen fehr haufig. Sie flog
vorzüglich im den Frühftunden, war leicht aufzufheuchen und
feste fih nach nicht zu langem Fluge an Blätter von allerhand
Gefträuh und Gras. In der Ruhe trägt fie die Flügel zu:
fammengedrüdt dachförmig und die Hinterrandfranzen hahnen=
ſchwanzartig aufgerichtet. Sie werden, da die Schuppen fehr
loder figen, aͤußerſt leicht befchädigt. Diefelbe Art traf ih am
5. April hoch im Pelorogebirge an einer fonnigen, duͤrren Gras—
ftelte zwifchen Erica arborea, wo ich fie nicht felten am Spätz
nachmittag auficheuchte. Unter der großen Menye erhielt ich
nur 2 Meibchen; diefe müffen fehr verftedt figen und ſchwer
fliegen. Ben Syracus famen mir in den legten Jagen des
Aprils nur noch ein Parr Eremplare zu Geficht.
Da diefe Eriocoftis nicht in Dliven leben kann, indem an
der Stelle, wo ich fie am 5. April fand, weit und breit fein
Delbaum wächft, fo kann fie nicht mit des Fabr. Tin. oleella
Ent. syst. 3, 2, 303. zufammengehören, deren fehr ungenaue
Beſchreibung ziemlich zutrifft.
Micropteryx.
363. (2.) Calthella.
Var. b, alarum anteriorum basi vix purpurea (fem.).
An 23. April fand ich diefe Art bey Syracus auf den feuch⸗
ten Wiefen der Syraca häufig in den Blüthen von Ranuneu-
lus (acris?); ich verfiumte e8 aber, mehr Eremplare ald 2
einzufammeln, da ich die gewöhnlichfte "Calthella vor mir. zu
haben glaubte. Beide Weibchen zeichnen ſich dadurch aus, daß
ihre Vorderflügel nur einige Furchen haben, zumal gegen die
Spise, nicht aber in allen Adern, und dann fehlt ihnen ber
große purpurfarbene Fleck an der Baſis; ftatt deifen find nur
die Schulterdefen und der Anfangspunct der Medianader der
BVorderflügel purpurfarbig. Die wie gewöhnlich gefurchten Hin:
terflügel glänzen nicht purpurfarbig, fondern goldgelbiich, ebenfo
auf der Unterfeite. — Künftige Beobachtungen müffen entfcei=
den, ob diefe auf freien Wieſen lebende Schabe — die unfrige
traf ih nur in Erlgebüfhen — eine eigene Art iſt. Wegen
Tin. urticaella fehe man unter Tinea die 11te Coſta—
iſche Art.
364. (2.) Sicanella n. sp.
Capillis dilute vitellinis; alis anterioribus basi aureola,
postice purpureis, fascia media maculaque postica magna
costae adhaerente aureis.
Var. b, fascia supra medium interrupta.
Var. c, ut a, sed puncto costali inter fasciam ac
maculam,
Sie hat einige Aehnlichfeit mit Mier. Allionella, ift aber
viel Eleiner und entbehrt der erften Binde auf den Vorderfluͤ—
geln, wofür diefe hier heilgoldgelb find; auch ift die Farbe und
Geftalt der Flecke eine andre.
‚Größe der Calthella oder wenig darüber,
Behaarung des
Kopfes hell dottergelb.
Fühler fadenformig, braun mit fehr
815
gedrängten Gliedern. Taſter hellgelblich. Ruͤckenſchild ‚vorn
goldgelblic). Beine feidenglänzend, gelblich und. grau ſchimmernd.
Hinterleib ſchwaͤrzlich, fparlih mit langen grauen Haaren be
kleidet; derz After unterwärts mit 2 lüngern, gegen einander ges
kruͤmmten Zangen. Beym. Weibchen ift der After. abgeftugt
und mit längern, gerade ausftehenden Haaren befet.
Vorderflügel mit mehrern tiefen Längsfurchen, an der Baſis
hell geldgelb, darauf an Xebhaftigkeit gegen die Spitze zuneh—
mend purpurfarben, in der Spige violett. Auf der Baſis der
Medianader ift manchmal ein purpurfarbener Punct. Sn der
Mitte des Worderrandes fängt eine goldgelbe Binde an, die
fchief hinüber bis an den Innenwinkel zieht und bisweilen in
der Mitte einen Winkel bilder. Noch öfter ift fie über der
Mitte breit durchbrechen und befteht fo aus zwey Gegenfleden
(Var. b), deren Spisen nicht immer gegen einander gerichtet
find. Schon vor ihr nimmt die gelbliche Grundfarbe einen pur—
pureöthlichen Anftrich an. Vor der Spise hängt am Vorder:
vande ein großer goldgelber Fleck, der ſich unterwärtg erweitert
und einwärts eing Ede bildet; er reicht nicht ſſelten bis nahe
an den Hinterrand. Die Flügelfpise ift ſehr ſchoͤn violettglänz
zend. Ben Var. ce bat der Vorderrand zmifchen der Binde
und dem großen led, näher dem leßtern, einen goldgelben
Punct von verfchiedener Groͤße. Franzen violettfhimmernd, um
die Spike etwas. gelblich).
Hinterflügel grau, gegen die Spitze in Gelb und zulegt in
Purpurfarbe übergehend.
Unterfeite grau, etwas: ‚gelblich ſchimmernd, in der Spitze
violettlid.
Diefe Art ift um Meffna in der legten Hälfte des März
und dem Anfange des Aprils überall nicht felten, ftellenweife
aber häufig. Zuerft fand ich fie am 18. März im Peloroge:
birge in dem tiefen Thale oberhalb Gascatelli ; fie fhwärmte
um btübende Enphorbia characias im Sonnenſchein; fie ſetzte
ſich gewöhnlich auf die Blätter, feltener in die Bluͤthen, in
denen fie wegen der großen Hüllblätter fchwer zu fangen war.
Us ic) darauf einige hundert Fuß höher geftiegen war, traf
ich fie an einer fonnigen Lehne nicht felten an den Blüthen der
Erica arborea, und an einer friſchen, kraͤuterreichen Stelle
ſchwaͤrmten fie im Grafe. Ihe Betragen iſt ganz wie bag der
Aruncella. Bey trübem Wetter Elopfte ich fie an diefer Stelle
ziemlich häufig aus den Heideblüthen in den Kefcher, und fieng
fie daraug mit der Scheere. Un einer andern Stelle flog fie
um Coronilla emerus und an Brombeergefträud).
365. (3.) Fastuosella Z.
Micropt. — Iſis 1839. ©. 185. — Dup. Cat. 310.
Gin einziges Männdyen, ohne allen Zweifel von diefer Art,
zu den kleinern Cremplaren gehörig am 2. April bey Meffina
im Gebüfh am Abhange eines Berges, von einem Eichenbufch
geklopft. Schlehenſtraͤucher wachfen dort nicht. Da diefe Art
auch in Lievland vorfommt, fo ift ihre Verbreitung fehr groß.
— Dupondel zieht (Cat. p. 359.) feine Adela Solie-
rella pl. 302. fig. 11. p. 107. zu Sparmannella; mir fcheint
fie der Abbildung und Beſchreibung nach zu Fastuosella zu
gehören, die Duponchel zwar im Catalog aufführt, aber nicht
£ennt. — Cofta’s Oecophora fastuosella hat nichts
mit meiner Micropteryx zu ſchaffen.
lich — find gelblih, nad) außen grau,
816
Nematopogon.‘ -
366. (1.) Sericinellus n. sp.
Alis anterioribus elongatis, apice minus acuto sericeis,
llavidis, vix reticulatis, eiliis externe fuscescentibus; po-
sterioribus eineräscentibus, ciliis dilutioribus; palpis griseis.
Eine Mittelart zwifchen Nem. Swammerdammellus und
Schwarziellus, fubtil, aber ſicher von beiden verfchieden. Sie
hat nur die Größe der letztern, ift alfo viel Eleiner als Swam-
merdammellus.. Worderflügelgeftalt die des legtern, aber der
Hinterrand geht weniger fchräg „und läßt demnach den Vorder—
winfel beträchtlich weniger ſpitz erfcheinen; die Farbe der Fläche
ift viel heller, und wenn auch hier und da. ein. verlofchenes -
Querfleckchen fihtbar wird, fo fehlt doch ein Gitter, wie es
Swammerdammellus fo deutlich hat, völlig, Ein verlofchener
Duerftrich zeigt fi) immer hinter der Mitte, und die Franzen
find auf den äußern 3 bräunlih, an Dunkelheit gegen den
Innenwinkel zunehmend,; während bey Swammerd. nur die
Franzenipigen eine bräunliche Farbe haben. Hinterflügel ſehr
lit grau; die Franzen — bey Swammerd. einfarbig gelb—
Auf der Unterfeite zeigt
ſich derfelbe Unterfchied an den Franzen. Einen fehr fichern
Unterfchied gibt aber die Färbung des Gefichts und der Zafter,
Bey Swammerd. werden die Haare, die bey den Fühlern hell
roftgelb find, nach unten immer heller und gehen zulest in die
weißliche Farbe der Freßwerkzeuge über; bey Sericinellus find
fie auf der Stirn nur blaßgelb, nad) dem Munde zu werden
fie immer fehmugiger, und über den ftaubgrauen Zaftern find
fie braͤunlich. ;
Letzterer Unterfchied gilt auch für Schwarziellus, wo bie
Taſter weißlih find. ° Die. Vorderfluͤgel diefer Art find ge—
firedter und noch fpiser al8 bey Swammerdammellus, daher‘
fehr verjchieden von denen tes Serieinellus; fie find etwas
dunkler und etwas deutlicher gegittert; ihre Franzen werden nur
auswärts grau. . Die Franzen der Hinterflügel find einfarbig
grau. ohne die gelbliche Baſallinie des Sericinellus.
Die übrigen Nematopogon - Arten find entweder durch ihre
Farbe oder ihre nach hinten ſehr erweiterten Worderflügel fo
verfchieden, daß fie nicht. weiter berücfichtigt werden ‚Dürfen. +
Um Meffina im April, felten in den Bergen ander Paler:
mitaner= Strafe in den mit Eichen, Cytisus und Cistus ges
miſchten, dichten Geftrauchen.
Adela.
Von hierher und zum folgenden Genus gehörenden Arten
bat Gofta: 1) Raddella; „in Basilicata, in den erſten Za=
gen des May; 2) viridella „an den Dfttüften, von. Calabria
ultra im Su [!] 8) Latreillella „häufig im. Suny und
Sum [2].
367. (1.) Viridella.
Selten um Meffina an den Dftabhangen des Pelorogebirges
um die Palermitaner- Straße im niedrigen, mit Quercus pu-
bescens gemifhten Gebüfh zu Ende März und im April.
In einer Gebirgsfhlucht wurde von Hrn. Nymann, einem
fihwedifhen Botaniker, ‚beobachtet, [wie eine ganze Schaar um
blühende Euphorbia eharacias ſchwaͤrmte und fich darauf fegte.
Sch babe Ad. Viridella nie an Blumen gefunden; immer
ſchwaͤtmte fie bey ſchoͤnem Wetter ziemlih hoch um die: Aeſte
817
der Eichen. Daß aber Nymann unfere Art fah, iſt gewiß;
denn er brachte ein Eremplar mit. Gofta gibt eine falfche
Flugzeit an. — Die mitgebrahten Männchen haben das gelb-
line ‚Grün der Vorderfluͤgel und den geroͤtheten Worderrand,
wie bey unferen Weibchen; übrigens haben fie nichts Abwei—
chendes.
Nematois.
368. (1.) Latreillellus.
Sfis 1839. ©. 187. Alucita Latr. Fabr. Suppl. 502.
Diefe fhöne Schabe, fliegt um Syracus ſchon zu Ende April
— am 30. April fieng ich ſchon ein Weibchen — hauptſaͤchlich
aber im May. Ihr Wohnplag find gras- und biumenteiche,
windſtille Maine, Brachäder und Bergabhänge fowohl auf
trodnem, wie auf feuchtem Boden. Cie lebt gefellig. Bey
beiterem Wetter fhwärmte fie im Sonnenfchein an verfchiedenen
Blumen, am liebjten an denen’ von Scabiosa columbaria.
Bey truͤbem Wetter fise fie auf Blumen und ift dann fehr
leicht zu fangen. Da fie fidy nicht verftect, fo wird ihre Schon=
beit vom Regen fehr bald zerffort, und mit dem Ende des
Monats ift die diesjährige Flugzeit vorbey. Gojta’s Ans
gabe des Fund und July als Flugzeit erkläre ich ohne Bedenken
für einen Irrthum; da die langhornigen Schaben nur einmal
im Sabre erfcheinen, fo Eann fie audy nicht auf eine Ate Ge:
neration gehen. Auch um Meffina fommt Nem. Lattreillellus
vor, vielleicht erft im May.
Tr. folgt in der Befchreibung ganz der Hübnerifchen Ab:
bildung und gibt den Vorderflügeln einen dunkel Eaffeebraunen
Metallglanz. Sie jind glänzend, an der Bafis meffing= oder
goldgelb; fchon vor der Mitte geht diefe Farbe in dunfles Kup:
fer⸗ oder Purpurroth über mit violettlihhem Schimmer, der ſich
hinter dem weißen Vorderrandfleck in einem länglichen Fleck bis
zur Spige vorzüglich dunkel und lebhaft zeigt. Die beiden
Gegenflede find reinweiß, oder gelblih, ohne Glanz und in der
Größe veränderlich; der Vorderrandfleck iſt immer der größere,
Daß der Innenrandfled wirklich fehlt, wie in Hübners fig.
"355, habe ich nicht beobachtet. " Die Grundfarbe ift hier faft
bindenartig verdunfelt, und hinter dem oberen Fleck tritt bey
gewiffer Flügelhaltung die Gegend’ der Querader als ein nicht
fharf begrenzter, goldgelber led hervor. Die Franzen auf
ber innern Hälfte purpurfatbig glänzend, auf der äußern braun,
gegen die Spike ins Gelbliche.
Treitſchkes Unterfchiede "zwifchen feiner Raddella und
Latreillella find theilweife falſch. Raddella (Nem. Raddel-
lus) ift immer beträchtlich Eleiner, und hat auf den Vorderfluͤ—
gen hinter dem hellen Vorderrandfleck die gelbglänzende Stelle
ebenfo aut wie Latreillellus, wenn auch minder groß und leb⸗
baft. Die mindere Größe, der Mangel der violetten Farbe,
vorzüglich aber die Fühler unterfcheiden Kaddella. Letztere find
beym Männchen mehr als an der Endhälfte, beym Weibchen
wenigfteng am Enddrittel weiß; bey Latreillellus Maͤnnchen
find ſie es aber an weniger als der Hälfte und beym Meibchen
kaum am Viertel. Ob übrigens Raddellus wirkli im Nea-
' politanifchen vorfommt, wie Cofta angibt, muß erſt durch zu:
verläffige Beobachtung entjchieden werden.
369. (2.) Mollellus.
Ein einziges Weibchen fieng ich bey Syracus am 30. April
an einer Blume an der Straße nach der Halbinfel Magnifi. —
Sch richte mic) bey der Beftimmung des Namens nah Hüb-
Iſis 1847. Heft 11,
818
ners Abbildung, in welcher. die Taſter über die. Stirn hervor:
tagen, was bey zwey ganz ähnlichen Arten, Minimellus FR.
(mit ebenfo dunkeln Hinterflügeln im weiblichen Geſchlecht) und
Inauratellus FR. (mit hellgrauen, gegen die Spige verdunkel—
ten) nicht der Fall ift. Beide fo eben genannte Arten fliegen
im hohen Sommer; daher weift ſchon die Flugzeit meiner ſici—
liſchen Schabe auf eine verfhiedene Art hin. Nem. barba-
tellus fem. (in der Aufzählung der Eleinsafiatifhen Falter) hat
in Zaftern, Färbung und Zeichnung große Aehnlichkeit mit
Mollellus fem. ; auch fliegt. er. im April auf Rhodus; allein
die Vorderflügel find viel breiter und ftumpfer.j
Die Angabe über das Vorfommen des Nem. Mollellus bey
Frankfurt (Iſis 1839. ©, 187.) gehört zu Inauratellus FR.
Mollellus: lebt, wenn Treitſchkes Angabe richtig, und. feine
Befchreibung nicht bloß wieder nah Hübners Abbildung ges
macht ift — fo daß die Flugzeit fich auf Minimellus oder In-
auratellus bezieht — außer in Sicilien audy in Ungarn. Wo
Hübners Driginale herjtammen, iſt mir unbekannt,
Plutella.
„Palpi inferiores fureiformes, articulo ultimo longo,
acuto, ‚subrecurvo nudo, penultimo bene barbato, harba
antice producta. Alis anticis angustatis, postice rotun-
datis, angulo interne longe fimbriato ; alis posticis gladi-
formibus [!] valde: limbriatis.“ (Costa.)
As. neapolitanifch " werden» aufgeführt: 1) Xylostella
haufig den ganzen Sommer über, vorzüglich; auf Getteidefeldern
und in den Zäunen‘ bergiger Gegenden; ihre Nahrung kann
nit Lon. xylosteum feyn, fondern Lon. balearica. [Die
Raupe lebt nur an Gruciferen, ‚und die Angabe des Xylo-
steum als Nahrungspflanze beruht auf einer Verwechslung mit
Plut. harpella].. — 2) triangulosella alis anticis gri-
seo-purpureis, einereo fimbriatis, fimbriae eiliis nigro-
punctulatis, triangulo marginali argenteo; alis postieis
violascentibus, corpore griseo einereoque vario, tibiis pe-
dum mediorum late squamatis. tab. & fig. 2. — Habitus
und Statur der Aylostella., Kopf fehr £lein, glatt mit! fchrä=
ger (deelive) Stirn; die untern: Taſter zurüdgefrümmt und
faft ganz nadtz die obern zart und lang, fehr fihtbarz Fühler
fadenformiy, von Länge’ der Flügel, fehr einfach, braun, Vorder—
flügel linienformig, hinten langgefranzt, die Franzen am Innen⸗—
winfel aufgerichtet wie ein Hahnenfamm 5; die Fläche mit brau=
nen, filberichten, goldgelben und purpurnen Schuppen bededit, mit
einem filberichten (argentina) Fleck gegen die Mitte des Vorderran—
des, vonder Geftalt eines ſtumpfwinkligen gleichfchenfeligen Drey—
eds. Körper graubraun mit filberweißen Flecken; Hinterleib-unten
filverweiß, oben grau. Die Mittelfchienen find: mit langen, zu=
fammengedrücdten oder ftreifenformigen Schuppen reichlich bes
dedt und haben am’ Ende 2 fehr kurze Dornen wie die Schie=
nen ber übrigen Beine [!]; Ob fie Oro. upupaepennella Tr.
Hübn. ift® Sie unterfcheidet fid) bloß durch die weniger braune
Leberfarbe von Hübners Abbildung, Tr.'s Befchreibung, def-
gleichen durch den! dreyedigen Fleck, der bey der unftigen fil-
bericht -(argentina), nicht weiß ift. Wäre es eine: bloße Varie—
tät? — Selten bey Caniftro in Abruzzo ultra zu Ende Auyuft.
Sie verdient mehr als! Xylostella zu den Plutellen gerechnet
zu werden wegen der Form und Länge der Zafter, jedoch mit
den bey jener bemerften Ausnahmen. [Es ift ärgerlih zu
feben, wie ein Mann, der von der Sache gar nichts verfteht,
ſich Urtheile erlaubt, deren Unhaltbarfeit augenfällig ift. Cofta
2
819
fagt ſelbſt, daß Xylostella als Typus der Gattung Plutella
dient, ((la specie ch’e servita di tipo a Schrank, la Xy-
lostella), und dennoch kann er fagen: feine triangulosella,
mit glatten, langen ippentaftern, fen mehr eine Plutella als
jene! — Die Slberfarbe des Dreyecks auf den Vorderfluͤgeln
ſcheint eine von der Treitfch£ifchen Upupaepennella verfchies
dene Art anzuzeigen, die ich nicht fenne.] — 3) chalybae-
ella: alis anticis chalybeatis, immaculatis; antennarum
articulo primo antice cristato, pedibus flavicantibus. tab. 6.
fig.9. Ganz glänzend ftahlfarbig, ungefledt. ‚Kopf flein, mit
flahem, glattem Scheitel; Augen ſchwarz, ſehr hervorgequollen,
daher der Kopf breiter als hoch erfcheinend; Fühler von Kör:
perlänge, gelblich; das erfte Glied dider und faſt elliptich mit
einem Bart von langen, weißen Haaren an der Vorderfeite, was
fie von jeder congeneren [!] Art unterfcheidet. Körper und
Beine ſchlank, etwas gelblich [after nach der Abbildung gabel:
förmig, indem ſich die Schuppen an der Spike des 2ten lies
des unter. dem aufgebogenen Endgliede in eine Spitze verlän-
gern.] In Principato eitra auf den Bergen im July. (Wahr:
fcheinlich ift dies eine Coleophora, vielleiht aus der Verwandt
fhaft der Aleyonipennella; die Bildung der Zafter entfernt
fie von. Mayrella, aleyonipennella, fuscieornis, cuprariella
und deauratella. Die Coftaifche: Abbildung zeige die Vor—
derflügel beilbläulichgrau mit weißlihem Längsftref, und die
Kühler verkürzt, perlfchnurförmig.] 4). Canaella [!] unieo-
lore canescente [!] fimbria alarum flavicante. Größe der
Xylostella, aber einfarbig ſchmutzig weiß. Augen kaum braͤun⸗
lich. Die langen Flügelfranzen find etwas gelblich. Unter der
Loupe erfcheinen die Fühler aus braun und weiß abwechfelnden
Gliedern zuſammengeſetzt; die Vorderflügel find mit fehr Eleinen,
röthlichen (fulvastri) Puncten befprengt, woher für das bloße
Auge die fhmusig weiße Farbe. Hinterflügel etwas ftrohgelb-
ich, ganz ungefledt. Sn Basilieata zu Ende April. — Die
Geſtalt der Vorderfluͤgel ift etwas von der Xylostella verfchie-
den, indem ber Hinterwinfel (langolo postériore, wohl hier
der Vorderwinkel) fpis ift, was eine Ausnahme von den
Treitſchkiſchen Gattunggmerfmalen bildet. JDieſe Art iſt
ohne Zweifel ebenfo wenig eine Plutella, wie die zwey vorher⸗
gehenden; aber fie wiederzuerkennen wird eine fchwierige Auf:
‚gabe feyn, da. die Befchaffenheit der mwichtigften beftimmenden
Theile unbefchrieben geblieben ift.]
Ferner hat Cofta noch 3 Arten unter bem generifchen Na=
men Hypsolopha (palpi inferiores breves apte congru-
entes [!), articulo ultimo ex medio exeunte, apice sursum
revoluto;. alae deflexae, antieis [ae] angulo ıpostico [!]
acuto fimbriato, posticis [ae] elatis (ae) [!] spleudentibus-
que [es]. Er geht die Treitſchkiſchen Merkmale tadelnd
durh und lobt die Zufammenziehung ‘von Hypsolopha mit
Oecophora. Die 3 Arten find: 1) Persieella zu Ende
Auguft bey Ganiftro in Abruzzo ultra. 2) Capucinella
mit der Persicella zufammengefunden [Ypsolophus capuei-
nellus], 3) formosella tab. 6. fig. 8. im May bey Ga:
maldoli [Gelech. flammella]. Endlich bat Gofta noch als
Harpiterix [Harpipteryx] (palpi ioferiores longi, penul-
timo articulo dense squamato, ultimo acuto, longe erecto.
Antennae longae, setaceae, anuulatae) eultrella: bey
Gamaldoli im October an Zaͤunen.
370. (1.) Cruciferarum.
Phal. tin. Xylostella Entomol. Zeit. 1843. pag. 281.
Um Meffina und Syracus überall den ganzen Frühling und
820
Sommer hindurch "auf Aeckern und graſigen Pläsen. Schon
am 9. Februar fieng ih bey Meffina an. dem. fonnigen Ab—
bange des Gaftellaccio, wo viel Clypeola- maritima wuchs,
ein dießjaͤhriges Eremplar. Bey Neapel ein Eremplar am
18. Auguft,
Ypsolophus.
Die von Cofta aufgeführte Art: Yps. capucinella
habe ich nicht gefunden.
371. (1.) Verbascellhns.
Var. b. Capite, thorace et alis albidioribus, alis rarius
nigro - punctulatis.
Um Meffina und Syracus. Von unferem Verbascellus
verfchieden durch eine hellere, mehr dem Meißen fich mähernde
Farbe auf Kopf, Nüdenfchild und Vorderfluͤgeln; auch. die Tas
fier find oben auf weißliher, Das. legte Zafterglied -fcheint
mir etwas länger zu ſeyn; doch kann dieß auch daher fommen,
daß meine ficilifhen Eremplare im Freien, gefangen, alfo etwas
abgeflogen, meine hiefigen aus Raupen gezogen find. Die Bor:
derflügel find fpärlicher mit ſchwarzen Puͤnctchen beftreut. —
Größe veränderlich,
Die Raupen fand ich bey Meffina im Fruͤhjahr hoch im
Gebirge häufig an einer dort gewöhnlichen Verbascum- Art;
fie lebten ganz wie die unfrige. Bey Spyracus fieng ich die
Schabe einzeln und felten im May und Juny; bey Meffina
ein kleines, unverflogenes Männden am 25. July Diefe Art
hat alfo dort zwey Generationen wie bey uns,
372. (2). Exustellus n. sp.
Thorace, capite palpisque albis; alis anterioribus brun-
nescentibus, vitta ‚costali nivea, eiliis niveis .nigro-striga-
tis ad apiecem nigro exustis (mas, fem.),
Naͤchſt verwandt mit Yps. Humerellus, deffen Vorderfluͤgel⸗
franzen auch fein Schwänzchen bilden, leicht von ihm zu unter:
fcheiden durch die weiße Farbe des Kopfes und der Zafter.
Sicariellus und chilonellus haben in den Franzen ein
Schwänzchen.
Groͤße des Yps. humerellus. Schulterdecken, Vordertheil
des Ruͤckenſchildes und Kopf weiß. Taſter ſchneeweiß, auf der
Unterſeite des zweyten Gliedes weniger dicht buͤrſtenhaarig als
bey Humerellus. Fühler anfangs auf dem Ruͤcken weißlich,
dann bräunlich und verlofchen weißlich geringelt. Beine fchmusig
gelbgrau , glänzend; alle Füße auf der. Lichtfeite mit weißen
Gliederſpitzen ; Hinterfchienen einmärts weißlich mit eben ſolchen
Haaren. Hinterleib gelblichgrau, am After mit gelblihen Haa⸗
ten, aus denen der. Legeftachel ein wenig hervorragt.
Vorderflügel etwas Eurz, gelbbräunlich; am Vorderrande mit
einer fehr breiten Strieme, die vor der Mitte fich mit ihrem
obern Rande von ihm entfernt, indem ſie von da ab fchmäler
wird; fie vereinigt ſich an ihrer Spige mit einem fehr ſchief
vom Vorderrand aus nach hinten gehenden Strich, der von ihr
nur durch die bräunliche Farbe getrennt wird, welche den ſchma—
fen Raum zwifchen ihr und dem Vorderrande ausfüllt. Eins
wärts wird fie durch die verdunfelte Grundfarbe fehr fcharf bes
grenzt; diefe bildet hier einen nad hinten erweiterten und dann
ſchief abgefchnittenen Längsftreif, unter welchem der Grund big
zum Innenrande heller iſt; binter ihm find ein Paar verwifchte,
weißliche Kängsftrichelhen, die mit der weißen Strieme zufam:
menhängen. Hinter dem weißen, fchiefen Borderrandftrich iſt
*
hellen Stammart nur ein Eremplar mitgebracht.
821
ber Grund bis an eine ihm faſt parallel laufende Grenzlinie
braunlich und grau zart gepuͤnctelt; es folgt dann auf den
Franzen ein weißer Naum, von einer feinen Querlinie durchzo—
gen; dieſe geht in einem Bogen: um die Flügelipige herum durch
die gleichfalls weite untere Franzenflaͤche. Aus der Flügelfpige
reicht ein brandigihmarzer, Eurzer Strich durch den doppelten
gelbbräunlihen Franzenfaum. Die untere Franzenfläche iſt
breiter als die obere, und ihr fchlieft fih am Innenwinkel ein
meifticher Haken an, der ſich fehief auswärts biegt, um dem
Vorderrandftrich zu begegnen, was bey einem Cremplar auch
ganz deutlich gefchieht.
Hinterflügel hellgrau mit dunkler Spike des Vorderwinkels;
ihm gegenüber find die blaffen Franzen auswärts gebräunt.
Unterfeite der Vorderflügel gelbbraunlichgrau ohne Worderrande
firieme; die fehneeweißem Franzen find faft fo lebhaft gezeichnet
wie auf der DOberfeite: am Innenwinkel und Vorderrande find
fie bräunlic, außerdem ganz weiß; zwey ſchwarze, feine Linien
ziehen quer hindurch, und der fchwarze Saum bildet die dritte;
durch alle drey geht der Brandfleck der Flügelfpige. Die Din:
terflügel find etwas dunkler als auf der. Oberfeite.
Ein Pärchen diefer Art fieng ich bey Syracus beym Gapu:
cinerklofter auf duͤrrem Kalkboden am 17. und 21. Juny; 3
Eremplare, die, wie es fcheint, alle weiblich find, am 28. Auguft
in der Campagna Tüdlih von Nom in dürrem Grafe. Ihr
Betragen war das von Yps. humerellus.
373. (3.) Striatellus.
Var. b, Alis anterioribus cinereo-brunnescentibus, striga
costali postica abbreviata.,
Es iſt dieß dieſelbe Varietaͤt, die ih in der Aufzählung ber
Eleinafiatifchen Schmetterlinge 'befprochen habe. Sie waren un:
ter den helfen. Gremplaren nicht felten, und da ich mir. ihre
Auswahl vorzüglich angelegen fern ließ, fo habe ich von der
Meine 10
dunkeln ſyraeuſiſchen Eremplare entbehren auf den Worderflügeln
die feine aus der Baſis entipringende Mittellinie völlig: bey
einem bemerfe idy in der Flügelfalte einige weiße‘, der Länge
nad) liegende Schuppen. Der länglihe braune Punct in der
Falte vor der Fluͤgelmitte ift vorhanden, gewöhnlich aber durch
meißliche Schuppen verkleinert. Daffelbe gilt von dem Punct
im hintern Raum vor der weißen Querlinie; fie erreicht nie,
tie bey dem gewöhnlichen Striatellus, den entfprechenden Strich
in den Hintereandfrangen, fondern wird vorher durch die Grund:
farbe verfinftert, und, mas mir jegt ſehr auffällt, fie nimmt
nicht die Richtung auf den der Klügelfpige nächften, fondern
auf den zweyten (bey den Eleinafiatifchen fehe ich beide Nichtun-
gen), bey einigen ift nur ihr Anfang auf dem Vorderrande,
und zwar fehr deutlich ausgebrüdt. Hinter ihr find 2, feltner
3 meißliche Vorderrandhäfchen. Diefe Art war bey Syracus
nicht felten an den Weftabhängen der ehemaligen Neapolis, die
mit ‚allerhand kleinen Kräutern bekleidet ijt, an Stellen, wo
Rumex bucephalophorus haufig wuchs, im May und den
erften Tagen des Juny. Das helle, durchaus gar nicht ab:
meicyende Exemplar erhielt ih fhon am 24, April. Ben Glo:
gau traf ich fie einft Ende May in Menge auf einem. fandi:
„digen, mit Rumex acetosella bewachſenen Ader; am häufig-
ſten iſt fie aber, wie fchon in der Iſis angegeben wurde, auf
„ben Bluͤthen des Tanacetum vulgare,
—_—
822
Anchinia A. Palpula Tr.
„Palpi longissimi, articula medio spatulato, ultimo fili-
forme [i], acuto, sursum erecto.
Char. nat. Caput elatum, cerviee complanata, oculis
lateralibus parum exsertis. Antennae setaceae, corpori
aequales, ad basin cespitosae [!]. Palpi (post mortem
saepius deeidui ) longissimi, spatuliformes, squamati, ex-
tremitate articulo ultimo adsurgenti. Alae anteriores en-
siformes apice acuto postice parum fimbriatae; posteriores
semiovatae. Femora posteriora plerumque pilosa. Me-
tamorphosis Daphnellae tantum eognita, reliquae deside-
rantur.“ "Costa,
Nah ihm find im Köniareih vorhanden: 1) rostrejlla
im Juny und July nicht fehr felten; 2) pyropella vom
Juny bis in den Auguft [2], nicht felten. 3) Punetella:
alis antieis flavis, costa violascente, in medio puneto ni-
gro punetisque minoribus in posteriori limbo; inferioribus
fuliginosis eiliis longis, tab. 7. fig. 2. Kopf Elein, faft ver—
ftedt, ſchwarz; Fühler am vordern Theile derſelben eingefügt,
von Körperlänge, aus runden, abwechfeld weißen und ſchwarzen
Gliedern zufammengefegt. Vorderfluͤgel ſchmal, goldgelb, am
Vorderrande roͤthlich (rosseggiante), in der Mitte mit einem
ſchwarzen Puncte, vor welchem ein anderer, faft unmerklicher.
Franzen lang. Hinterflügel braunröthlich (bruno - rossicee)
langfranzig. Körper ähnlich. — Das Männchen ift Eleiner,
mit beffer gezeichneten, am Vorderrande graueren Flügen, Ruͤſſel
aufgerollt, fichtbar, mäßig lang. — Bey Camaldoli im Suly
und Auguft. [Die Zajter find nicht befchriebenz; in der Ab:
bildung ift unter b etwas einem Taſter ähnliches dargeftellt,
tie eine fehmale, lange Feder mit kurzem Kiel; ein drittes dorn⸗
foͤrmiges Glied fehlt ganz. Somohl nach der Abbildung des
Schmetterlings, als nach diefer Veſchaffenheit der Zafter ift die
Art, die icy nicht kenne, keine Anchinia.)]
374. (1.) Brevispinella n. sp.
Alis anterioribus dilutissime ochraeeis, vitta juxta eo-
stam albidam brunnea, palporum articulo 'terminali brevi.
Var. b, major, vitta alarum ant, obsoleta. -
Naͤchſt verwandt mit A. pyropella, für welche ich fie bisher
anfah und daher nur in wenigen Exemplaren einfammelte,
Gewöhnlich von der Größe der allerkleinften‘Pyropella hat fie
deren ganze Geftalt, und gleichfalls etwas Weränderlichkeit in
der Länge der Vorderflügel, Diefe glänzen etwas weniger und
haben blaß ochergelbe Grundfarbe, alfo einen ganz von dem
der Pyropella verfchiedenen Ion des Gelben. Die san den
Eleinen Exemplaren gewöhnlich recht dunkle Strieme, die länge
bes hellen Vorderrandes bis in die Slügelfpige zieht, ift ben den
4 größern Männchen mehr oder weniger verlofchen. Bey wes
nigen fleinen Eremplaren zeigt ſich dicht an ihr in ber Flügels
mitte ein feines braunes Püncthen. Ruͤckenſchild, Kopf und
Zafter nehmen an der Färbung der Vorderflügel Theil; letztere
find auswaͤrts an der untern Hälfte und einwaͤrts gegen die
Spise braun, Den fpecifiihen Unterſchied gibt die Länge des
Endgliedes der Zafter; diefes ragt kaum fun die Hälfte feiner
ginge über die Haarſchuppen bes. vorlegten Gliedes hinweg,
ohne daß es weiter von dem Ende berfelben zu entfpringen
ſcheint. Bey A. pyropella, wo das vorlegte Glied nur auf
dem Rüden gelbliche Haare hat, ift das Endglied viel länger
und fteht um 3 über das vorlegte Glied hervor,
823
A. brevispinella fliegt bey Syracus am den Abhängen und
Aderrainen der ehemaligen Neapolis nicht fehr felten im Graſe
zu Ende des April und den ganzen Muay hindurch, mit dem
Betragen der A. bicostella.
Die Anch. pyropella des Verzeichniſſes der Eleinafiatifchen
Falter muß ich jest für eine eigene Urt, -A. metricella, er£lären.
Außer der dort angegebenen Verſchiedenheit in der Große hat
ſie glaͤnzendere Vorderfluͤgel, mit der ſchoͤnen ſchon bemerkten
Varietaͤt, und die dunkle Strieme ſehr verloſchen; hauptſaͤchlich
aber zeichnet ſie das Endglied der Zafter aus, welches, wie bey
Brevispinella, erheblid) fürzer und etwas dicker ift,
Harpella Schrank.
„Palpi inferiores laminiformes, longi, cespitosi |], ar-
tieulo ultimo gracili, subnudo, acute sursum recurvato.
Alae anteriores ad basim angustatae, postice dilatatae et
subrotundatae; eleganter striatae aut veluti aere reticula-
tae ,‘* Costa, weldyer meint, daß diefes Genus gut mit Oe-
cophora vereinigt werden £önnte. Er kennt als neapolitaniſch:
1) Geoffroyella: findet ſich nicht felten im Auguft, und
bey ung auh im May und Jung. 2) Aemulella tab. 5.
fig. 7. (= Dasycera oliviella) nicht feiten im "July und
Auguft; fie hat die größte Aehnlichkeit mit Tin. M.-Clemen-
tinella, von welcher fie fih nur durch. ihr Golorit unterfcheidet,
Sind dies vielleiht Gefchlechtsverfchiedenheiten® [Nach den
Abbildungen zu urtheilen, müffen fie himmelweit verfchieden ſeyn;
aber dieſe führen bey. Gofta mehr irre, als fie zur Wahrheit
leiten.] 3) Leueatella in Guardia regia (Provinz Molife)
an der Ulme zu Ende July, beide Geſchlechter. — Unfere
Eremplare unterfcheiden fich durch den Mittelfleck der Vorder:
flügel, welcher. doppelt Tcheint, waͤhrend alle beide gelblich find
(la quale sembra geminata, tutte essendo poi di color
gialliceio); der Kopf und die. übrigen Flecke find perlweiß.
[Es ift Elar, daß dieß nicht Gelech, Leucatella feyn kannſ.
4) Ambiquellus [!] (ital. L. ambiquello): alis antieis
nigro -violaceis, vittis maculisque duabus flavis; posti-
eis flavis, limbo_nigro-violascente, fimbria concolore; an-
tennis basi peectinatis nigro.- violaceis; anuulo ‚albo ante
apicem, tab. 7. fig. 1. fem. Kopf £lein faſt cylindrifch, mit
wenig hervorftehenden Augen; die untern Palpen find gelblich,
mit braunem Endgliede. Die Fühler, dicker gegen die Baſis,
mit langen violetten Schuppen bekleidet, gegen die Spike mit
2 weißen Gliedern beym Weibchen; beym Männchen find‘ fie
feiner und ohne weißen Ring. Die Scheitelhaare find aufge
richtet und erheben fich vertikal von beiden Seiten; Die des
Halſes, zu einem Vertikalghetel geordnet (‚disposte in zona
werticale), find gelblih, Nüdenfchild braun mit zwey gelben,
feitlihen Streifen. Hinterleib getblich und blaß violett geringelt.
Vorderfluͤgel violettbraun, gegen 3 ihrer Laͤnge mit 2 gelben
Dreyecken, deren Spigen gegen einander. fieben wie bey L. Ge-
offroyella, und die Fläche gegen die Spitze ift mit gelben
Haaren beftreut. Von der. Bafis gehen zwey gelbe Streifen
aus, einer auf dem vorderen, der andere auf dem hintern [2]
ande, und der Zwiſchenraum iſt ſchwach gelb beftreut; außer—
dem bemerft man eine gebogene Linie, zwifchen den 2 genann=
ten Sleden und der Bufis, die wenig deutlich und faft ſilber—
weiß iſt; mitten zreifchen dieſen ftehen 4 Linien mit Silber:
fhuppen, jedoch nur unter der Loupe fichtbar, beſtreut. Die
Hinterflügel find gelblih mit einer wiolettbraunen Binde ,'' die
die Spise einfaßt und fih auf die Vorderrippen ausdehnt, ohne
Lampros. Ti.
"den Vorderflügel mehr oder weniger heil,
824
deren Rand zu erreichen (che ne einge l’apice, e si estende
sulla costa anteriore, senza toccarne il margine). Franzen
lang, von derfelben Farbe. Beym Männchen iſt der Körper
zarter, dag Nüdenfchild weniger gefämmt (erestato) und die
Flede weniger ausgebreitet. Das Münncen ift von Hübner
fig. 313. als Tin, orbonella abgebildet [ganz recht! Und
dennody gibt Coſt a der Art einen neuen Namen!]; aber bey
diefer fieht man faum die Spuren der gelben Streifen, die von
der Bafis ausgehen, und nur einen Nandfled. — Lebt auf
Robinia pseudacacia. Meine Eremplare !hatten als Puppen
in einem faulen Riß des Baumes überwintert, die Schaben
famen am 17. März aus, Ich fand dort ‚begattete Paare
und überzeugte mich, daß es die Männchen find, welche die
Fühlerbafis behaarter haben. [Dben fagt Cofta gerade das
Gegentheit.] — Von diefen 4 Arten ift mir £eine vorgekommen.
Oecophora Latr.
„Char. essent. Palpi inferiores longissimi, recurvi
saepe thoracem superius attingentes, extremitate acuta.
Antennae corpore haud longiores. Char. nat. Antennae
corpore breviores, setaceae, in medio vertieis supra
oculos insertae, erecetae. Caput et thorax squamis bre-
vissimis appressis. Alae variae, saepissime angustatae,
deflexae vel convolutae. Lingua breyis.‘* Costa.
Als neapolitanifche Arten werden aufgeführt: 1) Tigra-
tella: alis primoribus fulvo auratis, fimbria apicale fi]
argentea, punctis nigris 9 seriatim dispositis 2, ‚8, 2, 2;
inferioribus plumbeis, tab. 2. fig. 3. Kopf Elein und fchmal;
Augen erhaben; Fühler von 4 Vorderflügellänge, aus runden,
abmwechfelnd fchwarzen und weißen Gliedern zufammengefeßt.
Palpen normal, aber die 2 erften Glieder find beſchuppt und
fhwarzfledig; das Zte Gtied ift nadt, fpis und ganz ſchwarz.
Ruͤckenſchild ſchmal, bedeckt mit Schuppen von der Borberflügel:
farbe, vorn mit 2, hinten mit 4 fchwarzen Puncten, Vorder⸗
fluͤgel keilfoͤrmig, kaum am Hinterende gejpigt, einförmig loͤwen⸗
gelb mit untergelegtem Glimmerglanz; Sranzen glänzender, faſt
filberfarbig. Neun ſchwarze Puncte zieren die Oberfeite in fol:
gender Ordnung 2, 3, 2, 2; aber dem sten und Aten Paar
entfprechend‘ fteht auf dem Vorderrande ein länglicher Fled, und
auf dem Hinterrande zahlt man 5— 6 fchwarze, Kleinere Punkte,
Hinterflügel faft halbkreisformig, fehr erweitertd, glänzend braun
mit filberichtem ande, der die gleichfarbig braunen Franzen
trennt. Beine etwag kurz und ſtark. Koͤrper Elein und glän=
zend bleyfarbig. — Bey Gamaldoli in den Kaftanienwäldern,
im July 1832. von Achille Coſta gefangen, [Sieht aus
wie eine Gelechia, aus der Vermandtfchaft der Triparella:
doch zeigen die Hinterflügel Feine Gelechiengeftatt.]
2) Angulosella: alis primoribus nigricantibus, basi
lineisque marginalibus argenteis, apicem "versus conver-
gentibus, puneto medio nigro; inferioribus plumbeis, ver-
sus apicem splendidioribus, tab. 2. fig. 4. Kopf Elein, Stirn
glatt, Augen kaum vorragend; Fühler von 4 Vorderflügellänge,
aus einfachen, runden, fehr deutlichen, abwechfeind weißen und
braunen Öliedern zufammengefegt, über den Augen eingefügt,
aber unter ſich ziemlich entfernt. Palpen lang, zuruͤckgekruͤmmt,
glattfehuppig. Ruͤckenſchild mäßig groß, glatt. Vorderfluͤgel
lanzettförmig, am NHinterrande und an der Spike mäßig ges
franzt. Hinterflügel ähnlich, lanyfranzig, befonders am Ende.
Farbe glänzend fchwarzbraun; die Nänder der Hinterleibsfegs
mente und die Gliedmaßen filberweiß. Baſis der filberglängens
Auf dem Außen:
825
rande ber Hinterhälfte find 4panrweis geftellte Linien, die gegen
einen Mittelpunct convergieren, und zwiſchen diefen ift ein drey—
ediger Fleckz zwey ähnliche Linien auf dem hintern und innern
Rande, ſymmetriſch convergierend mit den zwey gegenüberitehen-
den des Außonrandes , alle ſilberweiß; Franzen gleichfarbig.
Hinterflügel bieyfarbig, heller) und glänzender gegen das Ende,
mit langen, gleichfarbigen Franzen, In den Wäldern von
Gamaldoli, im Thale von ©. Rocco, im Königl. Bosfet vom
Gapodimonte zc. vom May bis September. nicht felten. —
Hat Aehnlichkeit mit Malifoliella 4. 185. — Palpen lang,
aufgekruͤmmt, doch nicht fo groß wie bey andern Gattungsge—
noffen. Ein Stirnbuſch fehlt. Iſt e8 vielleicht eine Elachista ?
[Sie ſcheint Aehnlichkeit mit Aechm. equitella FR. tab. 82.
fig. 2. zu. baben.] — 3) Conjunctella: alis primoribus
plumbeo-lividis, lineis angulatim versus apicem eonfluen-
tibus argenteis, angulo posteriore longe-fimbriato; inferio-
ribus plumbeis, apicem versus pallidioribus, tab. 2. fig. 38
Der vorigen fo ähnlich, da ich fie nur fuͤr Varietaͤt halten möchte ;
aber die. Zafter find kuͤrzer und die Franzen des Hinterwinkels
länger und ähnlich einem. Hahnenfhwanz. Die filbernen Rand»
linien weichen ſehr wenig ab), deßgleichen die mehr einförmige,
weniger dunkle, violettliche Grundfarbe. Ihr Aufenthalt if
derfelbe, vielleicht auch ihre. Gewohnheiten. Gefunden am 12.
May im Bosket von Gapodimonte. [In der Abbildung fieht
fie der vorigen gar ſehr unähnlich, und die dort Eahlen Zafter
find bier. auf beiden Seiten bis nahe vor die Spike behaart,
©ie fommt noch einmal als Elachista vor.]
4) Megerlella‘H. fig. 307. [Keine Diagnofe.] Kopf
rund, Stirn niedergedrüdt, glatt; Augen Elein, nicht erhaben ;
Fühler von 3 Vorderflügellängez Wurzelglied lang, koniſch, auf
dem Scheitel eingefügt, uͤbrigens faft Überall von gleicher Dice;
Ölieder klein, nur durch die Farbung unterfchieden, abmwechfelnd
weiß und braun. Palpen normal, fehr lang, fichelförmig.
Vorderfluͤgel lanzettförmig, bronzegrau mit einer weißgoldigen
(bianco-dorata) Binde auf 3 von der Baſis; das Aufere Ende
ift mit goldenen Puncten beftreut; Franzen braun, in der Ruhe
dachziegelförmig geordnet. »Hinterflügel braun mit mäßig langen
Franzen. Körper und Beine mit einigen ſilberweißen Binden
an den Rändern. Im Walde von Gamaldoli, im Juny.
5) Arcuella: alis primoribus linearipus fulvo-anratfis,
macula transversali arcuata brunnea in medio, margine[m]
anteriore [eriorem].haud attingente ; inferioribus argenteo-
brunneis, tab. 2. fig. 6. Kopf, Körper, Fühler und Zafter
ſchwärzlich; Augen groß und ſchwarz. Fühler etwas über &
Borderflügellänge. An den: Zaftern iſt das 2te Glied etwas
dider am vordern Ende, das Endglied ſpitz, zuruͤckgekruͤmmt,
glatt. Hüften glänzend, vötblih (fulvastre). Vorderfluͤgel
fhmal, hinten fpis, lanzettlich, goldiglöwenfarben ‚mit: violett
lihem Schimmer, befonders am Vorderrande. Bey der Hälfte
des Innenrandes ift ein braunvioletter Querfleck, der fich ver:
engt und kaum die halbe Flügelbreite erreicht, ſich ſpitz endigend.
Mit den vorigen, aber viel feltener. [Es koͤnnte Oecoph.
Metznerella Tr. 3, 189. feyn, die ich jest in natura nicht
vergleihen kann; die Abbildung fcheint mir alle Flügel zu ſchmal
vorzuftellen.]] — 6) Fastuosella: alis omnibus linearibus,
primoribus auratis, macul's transversalibus tribus apiei-
busque rubris ; inferioribus brunneis, tab. 2. fig. 7. Kopf
glatt und ſehr abſchuͤſſig (declive), wie bey den wahren Deco:
phoren, filberweiß; Augen Elein, ſchwarz, ſeitlich; Palpen nor-
mal, einfach, ſchmutzig weiß, an der Spitze braͤunlich. Koͤrper
Iſis 1847. Heft 11.
826
braun, glänzend; Afterende geburtet mit langen, weißlichen
Haaren“ Beine filbericht, Hintertarfen braunrotk gefledit, ziem=
lid) lang. Vorderfluͤgel linienföormig, in. der Mitte. fhmäler,
goldig; 2 Querflede in der Mitte, einer an der Bafis und dem
Hinterrande blutroth; Innenrand mit langen, braunen Franzen.
Hinterflügel noch linienförmiger, braun, an beiden Rändern lange
feanzig. Im Walde von Camaldoli an Zäunen. Sie ähnelt
ſehr der Tin. angustipennella 4. [Scheint mir Tin. Grim-
mella A. tab. 69. fig. 455. (1. 461.) zu ſeyn, die vielleicht
eine Verwandte der Cosmopt. pedella L. ift.]
7) Zieglerella 4. 306. [ohne Diagn.] Kopf Elein, rund,
mit glatter, ſchraͤger Stirn und ſehr Eleinen, feitlihen Augen.
Fühler von 2 Vorderflügellänge: erfies Glied lang, Eonifch wie
bey Megerlella; die übrigen fait gleich, etwas dider gegen die
Spitze. Palpen lang, zart, krumm. Ruͤckenſchild fehr fchmal,
faft cylindriſch. Korper ſchlank. Flügel linienförmig, am Hin:
terrande langfranzig. Sie ift ganz violettlich ſchwarz, mit ſehr
glänzendem Golde gefleckt. Fühler mit blaffem Golde bandirtz
Stirn bräunlich metallglänzend. ‘Ein’ aoldner, ſchimmernder
Fleck auf den Schulterbeden. Vorderflügel auf 2 von der Ba=
ſis aus mit einer orangefarbenen Binde, welche von einer
ſchwarzen Linie begrenzt ift, und welcher auf beiden Seiten eine
ſchmale, goldigfilberne, ſehr glänzende Binde folgt; eine andere
ähnliche, aber breitere liegt zwifchen dieſer und der Bafis und
der Zwilchenraum iſt mit ſehr Eleinen, goldenen, glänzenden
Schuppen beftreut. Hinterflügel einformig violettfhtwarz. Hinz
terleib und Beine an den Enden der Glieder filbericht bandiert.
— Bey Camaldoli und auf der Strafe von Calvizzano in den
Kaftanienwäldern, vom Juny bis zum Auguft. [Es fehlt viel
daran, daß diefe Beſchreibung, wenn fie, wie es doch fcheint,
wirklich auf Cosmopt. Zieglerella gehen foll, richtig und genau
if; denn in der Wirklichkeit ift der Naum zwifchen der Binde
und der goldnen Bafis einfach fammetfhwarz, ohne Puncte,
und bie Fluͤgelſpitze hat einen violetten, metallglängenden Längg-
ſtrich; auch find die Hinterflügel nur braungrau, und die einfach
braunen Fühler haben in einiger Entfernung von der weißen
Spitze 2 fhmale, weiße Ninge.]
8) Merianella L. 4. 265: alis nigris, primoribus
fasciis tribus argenteis transverse divaricatis; antennarum
extremitatibus albis. Kopf Elein, Stirn glatt, glänzend weiße
lich beſchupptz Augen die, ſchwarz; Fühler von mehr als
4 Vorderflügellänge, aus runden, abwechſelnd weißen und ſchwar⸗
zen Gliedern zufammenaefegt, .an der Baſis etwas dider, ohne
daß jedoch das erfte Glied kegelfoͤtmig iſt (piu grosse nella
base, no pero col primo articolo conico), mit einem filber-
weißen Mittelringe. Körper ſchlank; Beine kurz nnd ſtark;
ſie iſt ganz ſchwarz, glaͤnzendweiß geringelt. Vorderfluͤgel von
faſt parallelogrammer Geſtalt, indem fie vorn an den Schul—
tern etwas eriveitert, hinten gerundet und mäfig lang gefranzt
find. Sie haben 3 filberichte Binden, die legte an der Spitze
unterbrochen. oder nur halb. — Am Moofe alter Eichen, zwi⸗
fhen Auletta und Salvitello, zu Ende April. Fliege ſchwer—
faͤllig, faft hüpfend, läuft langfam, hält ſich gewöhnlich gefellig.
Die Flügel liegen dachziegelartig über einander. — 9) Leu-
wenhoekella L. H. 261: alis auratis, striga baseos
punctisque quatuor oppositis argenteis, apice nigricante.
Kopf ſehr niedergedrüdt, ähnlich einem Kugelfegment, das dem
Thorar ſehr angedrüdt ift. Stirn glatt; Augen klein, feitlich;
Kühler normal, am Ende weiß; Palpen lang, aufgekruͤmmt,
fpis, am Ente dunfel, übrigens filbericht, Körper etwag did;
52*
827
Beine mäfig lang, fehr dornig, braunz die, Dornen und einige
Binden filberweiß. Vorderfluͤgel fhmal, dunkelviolett, mit
5— 6 fehr glänzenden, filberichten, puftelartig erhobenen Puncten,
jwifchen denen. ein ocherfarbener, mehr oder. weniger roͤthlicher
oder gelblicher Streif laͤuft; Franzen violettbraun. Hinterflüͤgel
aͤhnlich, matt, braun am Innenrande JAußenrande? ] lang—
franzig. Die Zahl der Silberpuncte ändert ab; es find aber
nie weniger als 4 auf der Fläche und ein länglicher, mehr oder
weniger deutlicher an der Spibe; bisweilen ift an der Baſis noch
ein andrer. — Bey Gamaldoli an den ſchattigen Zäunen .im
Walde, im May und Juny. [Die Befchreibung läßt in Zweis
fe, ob hier Oecoph. Leeuwenhoekella (Jfis 1839. ©. 192.),
Schmidtella Tr. 92, 167. gemeint fey; diefe hat nicht eine
meiße Fühlerfpise, fondern nur einen fehr breiten Ning vor ders
felben, und ihre Vorderflügel haben nicht dunfelvioletten Grund
mit gelbem Streifen zwiſchen den glänzenden Puncten, fondern
die ganze Flügelfläche ift ein fehr ſchoͤnes, röthlihes “Gelb,
mworinn die Puncte liegen, ohne allen Schein eines Streifens.
Auch ift die Rage der Puncte nicht angezeigt, und was davon
gefage ift, will nicht recht paffen; endlich ift die Farbe der
Puncte nicht filbericht, fondern lichtgoldfarben; nur der Vorder—
tandpunct vor der Spitze geht auf den Franzen in reines Meiß
über, Uebrigens fann unfere Art recht gut bey Neapel vor:
fommen]. — 10) Luteolella: unicolore [}} albo-flavi-
cante |[!| immaeculata. tab. 4. fig. 4. Ganz einformig weiß:
gelblich, glänzend, ohne einen Fleck. Aehnlich in Figur und
Größe der Tin. tripunctella. Lebt an Zäunen um Neapel
und auf dürren Wiefen, nicht felten. [Ganz unfenntiich und
dem Genus nach unbeftimmbarz; nur fo viel läßt fich nach dem
abgebildeten Zafter fagen, daß es feine Oecoph. ift; denn jener
ift am 2. Gliede oben an der Spise und unten der ganzen
Länge nach behanrt.]. — 11) Cinctella L. H. 142. alis
nigris anticis striga transversali argentea. Ganz einfürmig
fhwarz; Palpen braun mit ſchwarzer Spige; Hinterleib und
Beine weißgeringelt. Worderflügel mit weißem Querftreif auf
3 der Länge, hinten langfranzig. Fühler von 3 Flügellänge,
aug runden, abmechfelnd weißen und ſchwarzen Ringen zuſam—
mengefeßt. — Wenn fie die Eyer legt, dreht fie ſich kreisfoͤrmig,
wobey ihr Kopf der Mittelpunct ift [!. Etwas felten in den
nächften Wäldern bet) Neapel. [Auch diefe Art ift wegen ber
unvollftändigen Befchreibung unbeftimmbar; die Geftalt der
Hinterflügel ift nicht angegeben, und fo laßt fich nicht fagen,
ob bier die Gelechia vorticella, taeniolella etc. gemeint fen].
12) rufimitrella 4. 124. [feine Diagnofe] :
ganz rauchfarbig ſchwarz, Kopf mit wöthlichgelben Schuppen
bedeckt, Fühlerenden weißlich. Hinterleib roͤthlichgelb bandiert,
beſonders oberwaͤrts. Unter der Loupe zeigen ſich die Vorderfluͤ—
gel mit ſchwarzen Schuppen bekleidet, denen weißliche, ſeltnere,
aber einfoͤrmig dazwiſchen gelegte (unikormemente interposte)
beigemiſcht ſind, woher die rauchige Farbe entſteht, die gegen
die Spitze wegen reichlicherer, weißer Schuppen heller wird. In
Calabria ultra am Aſpromonte, ſehr ſelten, im July. [Die
Taſter- und Dinterflügelgeftalt ift nicht befchrieben, daher das
Genus unbeftimmt. Hübners Rufimitrella ift dieſe Art
wahrſcheinlich nicht]. — 13) Passeriniella (Herren Paſſe—
tini in $lorenz zu Ehren: alis primoribus angustatis, griseo-
cinereis, striis duabus transversalibus, puncto medio
punetisque marginalibus fuscis. tab. 4. fig.3. Im Allg:
meinen afchgraulich, metallglänzend. Unter der Loupe ift fie
mit fhmupigweißen Schuppen bedeckt, deren grünlichbraune
828
beigemifcht find. Kopf Elein, glatt, ſchmutzigweiß, wie Palpen
und Thorar; Augen feitlih, fehr Elein, braun; Fühler faden-
formig, aus runden, abwechfelnd weißen und braunen Gliedern
zufammengefegt. Vorderfluͤgel mit 2 abgefürzten Binden; die
2. oder mittlere ift größer al® die andre, welche nahe der Baſis
fiedt; ein runder Punct auf % der Länge ſchwaͤrzlichbtaun.
Diefen folgen zwey dreiedige, hellbraune Flede an den Rändern
bängend, mit den Spitzen gegen einander gerichtet und eine Art
Binde bildend. Am innern Umfange der Franzen bezeichnen
einige braune Pünctchen die Grenze; das größte und dunkelſte
ift in der Spise. Die Flügelgeftalt ift faft linienformig, hinten
gefranzt. Hinterflügel ſehr ſchmal, ſchmutzigweiß mit ähnlichen
Franzen. — Um Neapel im Juny ſelten [Zufolge der auf der
Unterfeite des 2. Gliedes behaarten Taſter ift e8 feine Oeco-
phora]. — 14) Flavocerella [ohne Diagnofe] tab. 4. fig. 6.
Kopf Klein, glatt, braun mit 2 vöthlichen (fulvastre) Schup-
pentämmen, die vom obern Augenrande en:fpringen und ſich
bis nahe an den Hinterkopf erheben. Augen mittelgroß, ſchwarz,
feitlih. Fühler fadenförmig, aus cylindeifchen, wenig deutlichen,
goldgelben Gliedern zufammengefegt. Körper und Flügel braun;
Vorderflügel dunkler als die Hinterfluͤgel. Um Neapel ziem:
lich felten [da8 2. Zafterglied ift in der Abbildung auf beiden
Seiten bebaart, gehört alfo feiner Oecophora an].
15) Granella Latr. Tr. 92. 231. („ohne das GCitat aus
Hübn.‘): albo flavescente micante [!], alis antieis brunneo-
punctulatis, fasciis duabus transversalibus obseurioribus ; in-
ferioribus postice excissis ['exscisis ] fimbriatisque. tab. 4.
fig. 2. Einfach gelblichweiß; Augen ſchwarz; Paipen braunges
tingelt; Dberfeite der Vorderflügel mit fehr Eleinen, braunröthlis
then Puncten beftreut, von denen einige gedrängtere 2 Eleine,
wenig deutliche Binden bilden. Hinterfluͤgel lanzettlich, ſehr
ſchmal mit ausgerandetem oder eingefthnittenem Hinterwinkel
und langen Franzen. Auf Kormtöden, die fie verwüftet wie
Tin. Igranella. Treitſchke hat an der Stelle gar Feine
Occoph. granella; feine Tinea fteht 9, 1. 13. Cofta’s Art
ift zu Folge der Hinterflügel, die aber in der Abbildung ganz
ohne die Ausrandung gegeben find, eine Gelechia. Daß eine
folhe auf Kornböden Schaden anridhte, möchte ic) von zuvers
läffigern Autoren beftätigt fehen]. — 16) Trimaculella:
alis antieis linearibus, griseo-micantibus, maculis' tribus
argenteis, fimbria fusca, posticis brunneis late fimbriatis;
corpore albido fusco -fasciato. tab. 9, fig. 6. Kopf Klein,
glatt, Palpen lang, wenig frumm [nach der Abbildung am
2. Gliede auf der Unterfeite Furzhaarig]; Augen grof, ſchwarz;
Fühler von Körperlänge; Glieder faſt Eoniih, mit langen
Schuppen bedeckt, woher fie gezähnelt erfcheinen. Flügel Linien
förmig, reichgefranzt; WVorderflügel glänzend bleifarbig mit etli—
chen zerftreuten Goldfchuppen und drey filberweißen Flecken,
von denen zwey in der Mitte und auf dem Vorderrande, der
dritte nabe der Baſis. Hinterflügel bräunlich, langfranzig.
Körper, Beine und Palpen weiflich, braun bandiert. In der
Daunifchen Ebene in Gefträuchen im Sul. — Sie könnte
nach den Palpen und den gezähnelten Fuͤhlern zu Euplocamus,
nach der Flügelform zu Ornix gehören (gehört demnach gewiß
nicht zu Occophora). — 17) Avellinella (u Ehren des
Fürften Garacciolo von Wvellino): fulvo-aurata rubroque
pruinata; alis anticis linea maeulisque duabus pallidiori-
bus, posticis fulvo-brunneis; autennis subdentienlatis,
tab. 5. fig. 2. Kopf ſehr kurz, glatt, abſchuͤſſig (deelive);
Augen röthlihbraun; Fühler fadenförmig, von Körperlänge mit
829 ‘
gezähnelten Gliedern (diefer Character nähert fie den Euploca-
mus, aber er ift nicht fo hervorſtechend; auch find die Zafter
nicht wie bey Euplocamus); Taſter zart, lang, krumm, mit
einem fait nıdten, fpisen Gliede endigend. Flügel goldigbraun
buch eine Mifhung von rubinrotben, gelben und afchgrauen
Schuppen auf einem goldigfilbernen Grunde; ein goldgelber
Strich entfpringt aus der Baſis und endigt, fich kruͤmmend,
auf dem Hinterrande gegen die Mitte; ein andres gleichfarbiges
Fleckchen ziert die Franzen des Innenrandwinkels, und am
äußerften Rande und nahe der Spitze fteht ein dritter Filed,
weniger deutlich und ſcharf begrenzt ala die andern, Hinterfluͤ—
gel etwas bräunlich, reichlich Braunftanzig. Sehr felten an den
füdlichen Abhängen der Majella im Auguſt. Sie fieht der
Lampros similella A. ähnlich, unterfcheidet ſich aber durch
die Grundfarbe und die Farbe der Flede der Flügel und durch
die Größe. (Sie hat mehr der Befchreibung als der Abbil-
dung nad Aehnlichkeit mit Oecoph. einnamomea Iſis 1839,
S. 192, fheint aber doch verſchieden zu feyn). — 18) Seyl-
laella (zu Ehren der Fürftin von Scilla): fusco-fulignosa,
capite fulvo-canescente, antennis fuseis apice albo; alis
antieis maculis tribus argenteis, quarum duabus in mar-
gine antico, altera in angulo postico. tab. 6. fig. 1. Aehnlich
der Avellinella und aleich groß. Farbe rauchbraun, Kopf blaß—
lichbraun (bajo sbiadato) und faft kammartig; Fühler braun,
mit weißer Spike. Auf den Vorderfluͤgeln drey filberweiße
Blede, in ein Dreieck geordnet, von denen einer auf dem Hin:
terwinkel, zwey auf dem Vorderrande. Selten im July, bey
Monte corvino in Prineipato ulteriore (Mir unbekannt). —
19) Vittella: fusco-fuliginosa micante (N), alis anticis
vitta longitudimali media albido-argentea. tab. 5. fig. 3.
Ganz rauchbraun, metallglänzend. Kopf fehr Eurz, glatt; Fühler
von Körperlänge, einfach; Taſter zart, lang, über den Kopf
zurüdgefchlagen. Worderflügel ſchmal, linienformig, hinten
langfranzig; ein filberweißer Streif fommt von der Baſis und
erreicht verfchwindend die Hälfte. Natur der Oec. strigipun-
etella (2), {von welcher fie fich durch die Farbe und durch
den Mittelftreif unterfcheidet, der nicht unterbrochenift Und dem
Eein Punct folgt. Vorderfluͤgel ſchmäler und mehr mie ben
Ornix. Auf dürren Bergwiefen in September. (In der Abbil-
dung bat fie ganz die Geftalt und Farbe der folgenden; nur
daß ihr der heile Fleck hinter der nicht filberweißen, fondern
gelblichen Längsftrieme fehlt; iſt die Beſchreibung richtig, fo iſt
diefe Vittella doch wohl von Oecoph. restigerella F. R.
Beitr. Taf. 2. fig. 2. verſchieden). — 20) punctivittella:
nigro-violacea alis primariis linea punetoque longitudinali-
bus in medio flavis; secundariis valde fimbriatis, apice
flavicante. tab. 5. fig. 1. Einfoͤrmig violettlichſchwarz. Die
Borderflügel haben eine blaßgelbe Linie von der Baſis bis zur
Hälfte der Länge, gerade im Mittelraum; zwifchen ihrem Ende
und der Auferften Slügelfpige in derfelden Richtung ift ein ver:
längerter gleichfarbiger Punct; gegen die lange, feine, baarähntiche
Spige find einige Goldpuncte geftreut. Hinterflügel glän-
zender, mehr wviolettlih als ſchwarz fehimmernd, auf beiden
Seiten reichlich gefranzt; an der Spitze ein verlofchener, froh:
farbener Fleck. Fühler einfach, Eürzer als der Körper. Auf
den Rändern der Hinterleibsringe und an den Tarſen glänzen
bier und da Metallſchuppen. Zafter fang, aufgekruͤmmt und
fpis; Form und Größe hält die Mitte zwifchen Oecophora
und Plutella. Um Neapel in den Gaftanienwäldern, nidt
gemein. (Der Punct auf den Hinterflügein iſt wahrfcheinlic ein
830
Irrthum und dann mit Recht in der Abbildung meugelaffen.
Diefe zeigt nur den Punct auf den Vorderflügeln zu weit gegen
die Spise gericht; fonft ſtellt fie Oec. Knochella vor. ].
24) [t. 21.] Lineaella(!) unicolore () atra, fascia alba
transversali in medio alarum primarum. tab. 6. fig. 7.
Kopf Elein, Stirn glatt, ganz gleihmäßig braun; Augen ſchwarz;
Palpen zart, krumm, aber Eurz, fo daß fie kaum die Stirn
Üüderragen. Kötper zart, braungrau; Beine von derfelben Farbe,
weiß geringelt. Worderflügel braungrau (bruno-grigie) mit
weißer, an den Enden erweiterter Mittelbinde, langfranzig, be=
fonderd am Hinterrande, Hinterflügel bleifarbig. Die Kleinbeit
und Stellung der weißen Binde unterfiheidet fie von Meger-
lella, ben welcher die weiße Binde vom Hinterwinfel zum Vor—
derrande läuft. Won der einctella trennt fie fih noch mehr,
nicht allen duch die Größe, fondern auch durch den verschiede:
nen Bau der Fühler, außerdem, daß fie generifch verfchieden ift.
Eine ſehr Eleine Species, bey Camaldoli im September gefun=
den. (Meine Elachista cinctella, die ich wegen der Hinterfluͤ—
gelgeftalt für die Linneifche halte, fcheint die Coſtaiſche doch
nicht zu ſeyn, obgleich fie eben jolhe Hinterflügel hat; die
meinige hat Erine an beiden Enden erweiterte Vorderflügelbinde
und nicht einfarbige Franzen). — 25) [1. 22.] Unitella H.
147. Tr. an Hübn. 307? Alis anticis nitidis ferrugineo-
ochraceis stria longitudinali obscuriore obsoleta. Zr.
zieht fie mit Unrecht zu Plutella, da ihre Palpen offenbar die
von Oecophora find. (Flugzeit und Beſchreibung fehlt.
Treitfch£e’s Unitella, einerley mit Fissella, ift wirffich eine
Plutella. Hübners 307. heißt Megerlella; feine Unitella
wäre meine Oecoph. arietella, wenn fie nicht an der Baſis der
Vorderflügel einen Furzen dunklen Längsftrih hätte. Wovon
Cofta fpricht, iſt mir unbefannt). —
375. (1.) Leeuwenhoekella S. Y. Schmidtella Tr.
Ein ſchoͤnes Weibchen am 15. April bey Meffina im Grafe
eines Aders im Gebirge gefangen — von gewöhnlicher Größe
und Zeichnung; die Franzen des Hinterrandes glänzen auf ihrer
Wurzelhaͤlfte purpurfarbig, die des Vorderrandes violett, —
Diefe Art verbreitet fih alfo von Lievland bis ins füdlichfte
Europa und vielleicht fogar bis Afrien und die afiatifchen Küften.
Vgl. Nr. 9. der Coſtaiſchen Oecophora.
376. (2.) Knochella.
Oecoph. punetivittella Costa pag. 14. tab. 5. fig. 1.
Diefe Art ift veränderlich in Größe und Zeichnung. Mein
beyGlogau gefangenes Männchen hat die Laͤngslinie fehr dünn
und den Punct Elein, beide aber blaß ochergelb und weit ges
trennt; Kopf und Ruͤckenſchild haben die Farbe der Vorderflügel.
Ein Weibchen aus der Frankfurter Gegend hat die Linie brei—
ter, den Punct größer, beides aber weißlich und weniger getrennt.
— Don meinen italieniichen Eremplaren ift ein Pärchen noch
Eleiner; Linie und Punct find ftark, gelblihweiß und auf dem
violettbraunen Grund fehr ‚bervortretend. Beym Weibchen wird
die Spiße ber Linie mit dem Punct dur eine aus weißlichen
Haarſchuppen gebildete Linie verbunden, fo daß eine einzige,
vor dem knotig verdidten Ende verengerte Linie gebildet wird.
Die Tafter find auf der Innenfeite geiblih und auf dem Kopf
und Nüdenfchilde des Weibchens find reichlich gefbliche Haare
den grünfichen beygemifcht, während hier beym Weibchen die
Farbe einfah grünlich braun bleibt. — 3 andre Exemplare find
größer, auf den Flügeln fo dunkel tie das befprochene Paar,
835
fo fang und geftaltet wie ben Oec. phycidella, aufgekruͤmmt,
fadenförmig, ſehr ſchwach zuſammengedruͤckt; das Endglied von
3 Laͤnge des Aen Gliedes, dünner und fein zugeſpitzt; auswärts
ift die Farbe braunlicy befprengt, an den Enden des 2ten und
Zten Gliedes hell, gelblih, wie auf der Innenſeite. Beine
ftaubig gelbbräunlih, an den Gliederenden fowie auf der dem
Keibe zugemendeten Seite gelblich; Hinterfchienen auf der gelb:
lichen Seite gelblich langhaarig. Hinterflügel ſchimmernd dun—
£elgrau; der Afterring mit einem Kranze, langer. fahlgelblicyer
Schuppen.
Vorderflügel etwas ſtumpf — auf der Unterfeite, wo. fich ihr
Rand von den Franzen gut unterjcheiden laͤßt, zeigt ihre, Spike
fi merklich abgerundet, im, Vergleich mit Oec. phyeidella —
ftaubgrau, gegen die Bafis dunkler. Unter der Loupe zeigen
fih die Schuppen an ihren Enden dunkel mit feinem, bellem
Rande, wodurch fie auf viel dunklerem Grunde weißlichgrau
punctiert ausfehen. Von den Franzen find nur die dem Innen—
winkel nähen zum größern Theil unverdeckt von folhen Schup:
pen. Auf dem Anfange des ten Küngsdrittels ftebt eine. helle,
meißlichgraue, ziemlich gerade, fchmale Binde, auswärts dunkler
eingefaßt als einwärts, aber nicht fcharf gerandet. (Ben Oec.
phyeidella ift fie, wenn man den hellen Raum als Binde
annehmen will, nad außen conver, viel breiter und einwärts
ganz in die Grundfarbe übergehend; auswärts wird fie ‚von
zwey ftärkern, fchwärzlichen Gegenfleden ‚begrenzt, die in der
Mitte durch ein verlofchenes. Fleckchen verbunden werden, vder
auch ganz in einen bindenformigen, krummen Querftreif zufam=
menfließen). Auf dem Anfange des lebten Drittels ſteht auf
dem Innenrande ein wenig merflicher, Dinner, dunkler Quer—
ftrich, der den Vorderrand nicht erreicht.
Hinterflügel am Hinterwinfel faft fo breit mie die Worber-
flügel, von da aus ſich mefferförmig verduͤnnend und! *
lang zuſpitzend; Hinterrand wenig conver; Grundfi
gegen den Vorderwinfel dunkler. Franzen langjah) ieb
gelblich, Übrigens grau. mn
Unterfeite ‚glänzend grau, auf den Vorberflügen me
big grau. Ich Elopfte von diefer Art einige Eromplare am 18.
und 19. Aug. bey Neapel oberhalb des Agnanores und bey
Gamaldoli von jungen Eichenftämmen.
Hyponomeuta.
Yponomeuta axcet.
„Palpi inferiores breves, ‚graciles, fronti äppressi, ar-
ticulo ultimo praecedenti aequali. Antennae setaceae,
corpore breviores. Üervix vix erinita.* Costa.
Folgende Arten: der Hyponomeutiden führt Gofta auf: 1)
Lithospermella felten, im: Suny; 2) funerella um Neapel
im May, 3) aurifluella am — in Calabria ultra
im July; 4) cognatella. „Die Larve lebt an verfchiedenen
Urten von Prunus, auf der Efche, dem Weißdorn und andern
Obſtbaͤumen, wo fie unter einem weiten Seidengefpinnft wohnt ;
nicht felten bey une." Sch beobachtete
383. (1.) Malinellus Sfis 1844. ©. 220.
Ein ſchlechtes, frangenlofes Cremplar am 16. Auguft, in ber
Nähe von Camaldoli bey Neapel gefangen; es flog unter einem
großen Apfelbaum auf. Die Flügel ſcheinen geſtreckter als
an dem geröhnlichen Malinellus.
836
384.
Un demfelben
nahe bey Neapel ein Erem
Es ift kleiner, als jeneg Exemplar von
verflogen; auf der Unterfeite der Vorderfluͤgel
derrand vor der Spige in einer ſehr feinen Linie weiß.
Psecadia.
385. (1.) Sexpunctella.
Am 25. April fand ih ein Männchen, das in einer Vieh:
tränfe ertrunfen war, bey Syracus in der Nähe des Supiterz.
tempels.
386. (2.) Echiella.
Auf einer Echiumart fand ich bey Syracus am 12. May
eine Eleine Naupe, die ich aber nicht aufzog.
Depressaria — Haemilys [!] Costa.
„Palpi inferiores longi, sursum recurvati et divergentes,
articulo ultimo gracili, nudo ac acuto. Alae anteriores
angustatae animalae [!] quiescente hori2öntales aut paru
aut nulli modo postice decussantes.‘“ Costa.
Folgende 2 Arten werden aufgeführt: Zephyrella: al
5— fuscis atomis punctisque nigris.. Abn 414. 15.
.1.241. Sn den Bergen von are Adruz:o zu
Ei Auguft. 2) Obscurella: alis antieis, fuliginosis,
apice obseurioribus, lineola, obsole
terıninata. Hbn. 438. 17.8
Treitſchkes Art fen,
Schwarz erwähnt, womit 3
einyefaßt wird, und welches ent [et
Hübners Abbildung Eonnte er nicht dei
gleichem Orte mit der vorigen. [Aus de
Da Innen
fo nehme ih
andre ebenfo gut wie — "und
höret.) 3) Fuliginella: nigra, alis ’ 1 r;
nigro-irroratis; tärsis postieis calcaratis. Seh der Ob-
seurella, der fie in allem gleicht; nur ift fie $ größer. Der
Körper hat Metallfhimmer; die Hintertarfen find land, ſehr
befhuppt und mit langen Dornen bewaffnet. Vorderfluͤgel rauch:
farbig; unter. der Loupe find die braunroͤthlichen Ehihnen,
welche die ganze Fläche befleiden, mit fehr Eleinen, ſchwarzen
Schuppen beftreut; die Franzen find von berfelben Farbe. Lebt
in Calabria citra auf den Silabergen, im Suly. 4) Ru-
tella: alis depressis, fuscis, lineolis transversis numero-
sis, albis; thorace denticulis duobus dorsalibus. Pyralis
rufana Fadr. Plutella rutana Costa. . Cenu. Zool. 1834.
pag. 76. Kopf und NRüdenfchild find braun ohne Fleck; auf
legterem erheben ſich zwey Buͤſchel von Schuppen oder zufam=
mengedrüdten Haaren. Die VBorberflügel find etwas geneigt
an den Seiten (alquanto inclinati ne’ lati), roͤthlich afchgrau,
am Außenrande find viele fehr Eurze, fehräge, weiße Quer:
ſtrichlein; in der Mitte der Fläche zwey fehr Eleine, ſchwarze,
‚837 — R
ufgezä
‚ein ſeyn müffen. J obachkt ende 5 Arten:
geln, di ren Puntte ganz deutlich find,
die dunkle Stelle dahinter aber fehlt; das legte Zafterglied hat
nur ein Paar dunkle Staͤubchen in der Mitte. Uebrigens iſt
der Name unzweifelhaft: Ich fing das Eremplar am 15. Au:
guft füdlich . über dem Agnanofee in dem Kaftanienwalde, an
deſſen Rande die Nahtungspflanze der Raupe, Spartium sco-
‚arıum, in Menge wählt...
388. (2) Peloritanella n. sp.
Parva, alis anterioribus dilutissime griseis, punctulo
altero nigro ante, altero post medium; palporum articulo
secundo apice Squamis incrassato, tertio non annulato;
ventre fusco-bivittato.
Eine der Eleinften und unfcheirfdarften Arten des Genus,
etwas, größer als D. vaceinella, fo groß mie meine capreo-
lella, der fie ziemlich nahe fteht. Sie unterfcheidet ſich aber
(eiht von ihr durch den Mangel des Eurzen, hellen Wurzel
feldes der Vorderfluͤgel, die viel hellere, mehr fahlgelbliche Grund:
farbe derfelben, die etwas grauer ift al8 bey Hypsol. verbascel-
lus, und dur die helfen, ungeringelten Taſter. Ruͤckenſchild
und Kopf den Worderflügeln gleich gefärbt, verfchoffen lederfar⸗
big mit Staubgrau gemiſcht. Hinerfopfhaare nach vorn aufs
gerichtet. Wurzelglied ber Fühler auswärts an der Seite mit
einigen abftehenden Schuppenhaaren. Taſter ziemlich lang, aufs
gekrümmt; das zweyte Glied ift an der Endhälfte ſtark verdidt;
die Schuppen groß und breit und nach beiden Seiten bin ges
legt, fo daß fie im ber Mitte eine lange Ninne zwiſchen ſich
laſſen, an deren Ende das dritte Glied hervorkommt; diefes ift
krumm, feinfpitig. Die äußere Seite der Taſter ift etwas
heller als der Ruͤckenſchild, das zweyte Glied unterwaͤrts dunkel.
Müffel oben auf befchuppt. Border: und Mittelbeine auf der
Votderſeite fehwärzlich grau, die lestern an den Füßen hell;
Hinterbeine hell Iedergelblih, mur an den Schenkeln auf der
Worderfeite grau. Hinterleib grau, gerandet, mit graugelblichem
Afterbuſch; Bauch ledergelblich, zu jeder Seite mit einer brau—
nen, nad hinten verdünnten Strieme,
838
Vorderfluͤgel an der Spige abgerundet, einfarbig, hintertwärts
kaum ein wenig dunkler. Weit vor der Mitte liegt auf der
Subeoftalader ein ſchwarzes Pünctchen, und ein zweytes, ſtaͤr—
Eeres folgt hinter der Mitte, etwas näher dem Vorder- als
dem Innenrande. Den Hinterrand bezeichnet eine meift ganz
verlofchene oder fehlende Reihe brauner, zerfloffener Puncte.
Auf der Flaͤche find bey guten Eremplaren fehr zerftreute, braͤun—
liche Atome fihtbat. — Hinterflügel glänzender hellgrau, gegen
die Baſis Heller; der Hinterrand ift wie gewöhnlich eingebogen.
Unterfeire glänzend, auf den Vorderflügeln braungrau, den
Hinterflügeln beilgelblichgrau, gegen die Spige dunkler; die
Franzen find an ihrer Baſis mit einer feinen gelblichen Linie
umzögen.
Diefe Art ift um Meffina im Gebirge ſehr häufig. Nach
der Ueberwinterung traf ich fie auf den Bergen an der Paler-
mitanerftraße mehrmals im Geſtraͤuch, größtentheils fehr vers
flogen, zu Ende Februar und im März. An einem der fo fel:
tenen windftillen, lauen Aprilabende flog fie dort oben ziemlich
haͤufig, aber in gänzlich undrauchbaren Eremplaren. An ähn:
licher Stelle erhielt ih am 10. July an der Mordfeite eines
hohen Berges ein ganz friſches Gremplar; es flog aber erſt auf,
als ich das Farnkraut, das den Abhang dicht bededte, nieder
getreten hatte. Die Raupe lebt dort vielleiht an Spartium
junceum oder Erica arborea; die frühefte Erſcheinungszeit ift
der July. Ohne Zweifel ift die Generation nur einfach, die
Entwidelung aber ſehr ungleih, wie bey mehren unferer ges
meinten Depreffarien 3. B. laterella, die auch zum Theil über:
wintern.
389. (3.) Thapsiella n. sp.
Major, alis änterioribus obtusiusculis carneo - griseis
fusco - conspersis, costa fusco-maculata, punetis duobus
ante, puncto ocellari post medium nigris; palporum arti-
euli terminalis annulo medio et apice fuseis.
Var. 5) macula diffusa fuscescenti supra pun«etum ocel-
lare. :
Var. c) puncto inferiore primi paris deficiente.
Sie gehört zu den Arten, bey welchen die Bafis der Vor—
berflügel bis zu einem nicht weit entfernten Querftrich heller
ift, und unter diefen fteht fie der characterella darin nahe,
daß fie wie diefe (und wie Arenella) die aͤußerſte Spike der
Tafter braun gefärbt batz fie unterfcheidet fi) von ihr aber
außer duch eine ganz andre Grundfarbe aud) dadurch, daß fie
nicht einen rothen, fondern einen fchwarzen, meißausgefüllten
Ning auf den Vorderfluͤgeln und die beiden Punete vor der
Mitte nie frichformig und zufammenfließend zeigt; auch fehlt
ihe der braune Fled in der Mitte zwifchen dem Doppelpunet
und dem Augenpunct; bey Var. 5) ift zwar ein großer Fleck
da, aber verfloffen und mit dem Worderrande zufammenhängend.
Größe nad der Neichlichkeit der Nahrung fehr verfchieden
(Vorderfluͤgellaͤnge 53 —44'".) Nüdenfhild, Kopf und Vor:
derflügel ein bleiches, mit Fleiſchfarbe mehr oder weniger ſtark
gemifchtes Staubgrau. Schulterdecken mit einigen braͤunlichen
Staͤubchen. Fühler: Murzelglied braun, nur auf der Unter:
feite mit einem hellen Laͤngsſtrich, an der Seite auswärts mit
einigen abftehenden Haarfchuppen ; die Peitfche wird gegen die
Spise allmählich etwas heller braun und zulegt nimmt fie bey
verfchiedener Haltung die glänzende bleidye Farbe des Rüden:
fhildes anz gegen das verdiinnte Ende ift fie viel deutlicher
839
gezähnelt ald am Anfange. Stirn viel heller als der Oberkopf
und glattichuppig. Zafter ziemlich lang, zurücgefrummt, von
der Farbe der Stimm, auswendig braunlid) befprengt; das 2te
Glied ift an den obern 3 durch breite Schuppen ſtark verdickt,
auf der Bauchfeite mit einer tiefen Laͤngsfurche, und in diefer
röthlichgrau wie die Vorderflügel oder dunkler, Das helle End»
glied ift faft fo lang wie das zweyte Glied, an der Bafis fo
dunkel wie das zwehte Glied unten, an der Mitte mit einem
breiten, fchwärzlihen Gürtel, die Außerfte fehr feine Spitze
gleichfalls ſchwaͤrzlich. Nüffel obenauf dicht bleich beſchuppt;
an feiner Baſis zeigen ſich die ſehr kurzen, durch Beſchuppung
oval ſcheinenden Maxillartaſter gegen einander geneigt. Beine
bleich gelblich; die vordern an der ganzen Vorderſeite graubraͤun—
lich, nur an den Fußgliederfpigen bleich; die mittlern ebenda
bläffer grau, am dunfelften an den Schienen; die hintern find
nur etwas dunkler und ſpaͤrlich beſtaͤubt. — Hinterleib flach,
obenauf grau, mit deutlichem, bleichgelblihem Seitenrande und
eben folhem Afterbufh und Bauch; letzterer hat zwey weitge—
trennte Reihen fchwärzlicher, nicht ſehr ſcharf umfchriebener,
ediger Slede, von denen die vorderften bisweilen zufammen:
fließen. Worderflügel ftumpf und am Vorderwinfel nod ein
wenig mehr abgerundet als bey Characterella. Die Baſis bil:
det ein fehr helles, durch einen braunen, auf dem Innenrande
ſenkrecht ftehenden und bis zur Subcoftalader reichenden Strich
abgegrenztes Feld. Der Vorderrand hat ganz am Anfang ein
braunes Fleckchen; hierauf kommen in ziemlich gleichen Abftän-
den 3— 4 braune Vorderrandflede, die etwas verwifcht find,
und deren leßter und größter Über der Querader liegt; es folgen
noch ein paar mehr werwifchte und kleinere WVorderrandflede,
deren letzter ſich an die braune, nicht fehr fcharfe Punctreibe
des Hinterrandes in Größe und Deutlichkeit anfchließt. Die
Flügelfläche ift grau beftäubt, gegen den Hinterrand am meiften;
es läßt ſich gewöhnlich auch die helle, minklige Binde, wenn
auch fehr verlofchen, wiedererfennen, in der Geftalt wie bey
Arenella, Albipunctella, nicht wie bey Daucella und Hera-
cleana. Bor der Mitte ftehen im Mittelfelde an der gemohn:
lichen Stelle die 2 ſchwarzen, gerundeten Puncte ſchraͤg unter—
einander; der obere größer als der untere, beide ziemlich weit
getrennt; faſt in gleicher Höhe mit dem untern befindet fich
auf der Querader ein Eleiner, fehmärzlicher, weiß ausgefüllter
Ring in der Gröfe des geößern Punctes, nicht ſcharf umſchrie—
ben. Ben Bar. 5) reiht bis an ihn ein bräunlicher Wifch,
der ſich oben an den dritten Vorderrandflecken anfchlieft und
den hinter ihm folgenden hellen Winfelftreifen beffer hervortreten
laͤßt. Franzen rötblicher und glänzender als die Flächen.
Hinterflügel glänzend bleich gelbfichgrau, fehr heil‘, gegen: ben
Vorderrand wenig dunkler; der weniger als bey Arenella. abge:
ftumpfte Vorderwinkel hat eine fat deutliche, bräunliche Rand»
linie. Die Franzen werden an der Bafis von einer bleichgelben,
dünnen Linie umjogen. —
Unterſeite glaͤnzend mit gelblichem, bräunlic, geflecktem Bor:
derrande; die Vorderflügel bräunlichgrau mit etwas hellen Fran:
zen; die Randlinie hellgelb mit Eurzen, ſchwaͤrzlichen Strichen.
Auch die viel hellen Hinterflügel haben eine heilgelbe, fehr feine
Randlinie; biefe ift aber nur gegen die Spise mit ſchwärzlichen
Strihen befeßt. Ben manden Exemplaren ſind die ſchwaͤrz—
Tichen Striche ganz verblaft, daß fie fehr wenig oder nicht bes
merkt werden.
Bar. 5) mit dem großen dunklen Wiſchfleck ift felten; fie
wird aber durch häufige Uebergänge, wo ein Eleiner, ſchattiger
840
—
Fleck zu ſehen iſt, mit Var. a) "verbunden — Bar. ce) iſt ein
einzelnes Weibchen, bey dem der obere der beiden fchwarzen
Puncte Elein iſt, der untere aber ganz fehlt; dafür find die 4
erjten WVorderrandflede fehr deutlid? und dunkel.
Vaterland mahrfcheinlich alle Gegenden, wo Thapsia gar-
ganica-wählt. Bey Meffina finder ſich diefe Pflanze ſowohl
am Meeresfande, wie an den Abhängen und in den Schluditen-
des Pelorogebirges, und überall traf ich die Naupe daran, am
meiften freilih an den höheren Stellen, in fehr verfchiedener
Größe, nad) der Mitte des März. Die jungen Raͤupchen leben
nicht felten in gebrängter Maffe, nicht in einem gemeinfdaft:
lihen Gefpinnft, wohl aber fo dicht neben einander, daß man
ihre Gefpinnfte leiht für ein gemeinfchaftliches halten kann; fie
bewohnen nehmlich das jüngfte, innerfte Blatt, befreffen eg
und fommen dadurch mit ihren Wohnungen einander immer
näher, Nah und nach ziehen fie die nächften Älteren Blätter
in den Bereich ihrer Arbeit, und indem fie diefelben befpinnen
und an den Rändern befrejfen, machen fie einen großen zuſam—
mengezogenen Wulft, der fich leicht von A erblicken lͤtt.
Die erwachfenften, oft, ver i
fireut auf den Enden und, hide
einer weißfeidenen Röhre, bie 4
gelegt haben. Von Se
nung auf. Sie fik )
Ihre Behendigkeit 1. groß,
Pflanze wird bisweilen von 50 — 60 aupen 38
Die junge Raupe iſt ſchmutziggruͤn mit ſchwarzem Kopf und
Nackenſchilde; After und Hinterbeine gelb, — Faſt erwachfen
iſt ſie dunkel braungruͤn mit großen, weißlichen, ſehr deutlichen
Warzen und Elaren Borſten auf denſelben. Kopf glänzend
ſchwarz. Nadenfchild ebenfo, in der Mitte mit feiner Längg-
linie, am Vorder = und Seitenrande fchmal roͤthlich. Worder
beine gelblich, braunfledig; Bauchfüße gelblich mit vollftändige
braunrothen Hakenkraͤnzen; Hinterbeine und Afterfchild hellgelb,
Erwachſen iſt fie viel heller und. hat bläffere Waͤrzchen. Kop
und Nadenfchild find bisweilen Eaftanienbraun.
Schon am 3. April hatte ſich eine ganze Menge in Puppen
verwandelt, während es deaußen noch fehr junge Raupen gab.
Zur Verpuppung machen fie ein leichtes Seidengefpinnft am
Boden des Behaltniffes und befleiden e8 auswendig mit Schmutz.
In 3—4 Tagen freifen fie die Haut ab,
Die Puppe iſt gelbbraun; das Afterfegment ohne Spitze,
mit längerer, abgerundeter, der Länge nach gefurchter Bauch—
feite; am obern Ende. ftehet eine ziemlich gedrängte Querreihe
von 6— 8 Widerhäfchen, von denen gemwöhnlic einige beym
Befreien der Puppe aus dem Gefpinnfte abbrechen. Der Rüden
ber drey letzten Ringe ift mit Außerft Eurzen, ——
Borſtenhaͤrchen dicht beſetzt. Der erſte Schmetterling kroch mir
am 30. April in Syracus aus; die andern folgten bis zum
4. Juny; demnach ergibt ſich eine Puppenruhe von 33 —4
Wochen. Auch bey Syracus fand ich an den Blaͤttern der
Thapsia die Spuren von dem Aufenthalte, der Raupen dieſer
Depressaria an denfelben. Won den Schmetterlingen fah id)
im Freyen feine Spur.
390. (4.) Ferulae n.sp.
Major , fronte, patagiisque flavidis, alis anterioribus
obtusis brunneis, basi abrupte flavida, puncto nigro ante,
albo post medium; palpis flavidis externe kuscescentihus,
articuli terminalis basi annuloque fuscis (mas, fen.)
841
Sie fteht den Depr. parilella und furvella am nächften,
und zwar jener mehr, als dieſer, durch die Aehnlichkeit der
Fluͤgelbildung; Parilella ift aber viel £leiner; ihr Roth auf
den Vorderfluͤgeln ift hell, ziegelfarbig (Keberbraun, wovon Tr.
in Diagnofe und Befchreibung fpriht, habe ich an diefer Art
nicht wahrgenommen; eben fo wenig ftatt des weißen Punctes
eine Makel oder denfelben in geiblicher Farbe); die Hinterflügel
find viel heller mit graugelblichen Franzen; endlich ift das End:
glied der Zafter nur an der Spige und bisweilen auch da nicht
braun, ohne dunkle Stellen. — Furvella hat breitere Flügel;
namentlich find die, hintern in der Gegend des Hinterwinfels
auffallend breiter, und ihr Hinterrand entbehrt der bey den
Depreffarien gewöhnlichen Ausbiegung. Die helleren, roͤthlichen
Borderflügel haben ftatt des weißen Punctes ein Eleines rundes
Fleckchen, die Taſter find ganz einfarbig hellgelb, ohne braune
Gürtel. ?
Größe wie Depr. furvella (Borderflügellänge 5"). Rüden:
ſchild hellgeb, am Vorderrande braun; ebenfo, aber ſchmaͤler,
der Anfang der Schulterdeden, Kopf auf der Stirn heller gelb;
die aufgerichteten Hinterfopffhuppen find hellbraun mit gelblichen
Spitzen. Fühler braun, ſchwach gezaͤhnt; das Wurzelglied aus—
ärts mit einigen abftehenden, an,der Bafis verdinnten Haare
m Die furzen, dünnen, gelblihenMarillartafter neigen
ſich über dem gelbfchuppigen Ruͤſſel gegen einander. Die Yip:
pentafter lang, aufgeftummt, im Grunde hellgelblih wie die
Stirn; das zweyte Glied an den Auferen 3 ſtark verdickt durch
brüunliche, gerundete Schuppen, die fich zwenzeilig auseinander
legen; auswärts iſt es gelblich, und braͤunlich befprengt.. Das
Endglied, von Z Länge des zweyten Gliedes, ift an der Baſis,
ferner in einem breiten Gürtel und an der Spitze braun, doch
nirgends in ſcharfen und regelmäßigen Grenzen. Beine auf der
Lichtſeite bräunlich, ‚mit gelblichen Gliederfpigen, am dunfelften
die vordern; auf der Schattenfeite bleichgelb,. außer an den
Füßen, die nur etwas bläffer als auf der Lichtfeite gefärbt find.
Hinterleib braungrau mit eben folhem Afterbufh: der grau:
gelblihe Bauch hat zwey ſehr breit anfangende braune Laͤngs—
ſtriemen, die in verjüngte, getrennte Flecke übergehen.
Vorderflügel am Vorderwinfel faft noch ftumpfer ala bey Pari-
lella, gelblich braun, dunkler und brauner als ben Cnicella, nad
hinten etwas gelichtet; die Baſis ift ſchmal hellgelb, hinterwaͤrts
ſcharf abgegrenzt; auf der Subcoſtalader bildet der Rand einen
ſtumpfen Winkel. Der Raum hinter dieſem Felde iſt der
dunkelſte des Fluͤgels; dunklere Flecke zeigen ſich nur ſehr ver—
loſchen auf dem Vorderrande und hier und dort im Mittelraum.
Vor der Mitte liegt in dieſem ein ſchwarzes Puͤnctchen, an
deſſen Rande ein Paar weißliche Schuͤppchen hängen. Bey 2
Eremplaren liegen bis zum nächften Punct noch zwey weiße
Schuͤppchen. Etwas hinter der Flügelmitte liegt auf einer klei—
nen dunflern Stelle ein fehr deutlicher, weißer Punck, unter
der Loupe etwas eckig ausfehend. Braune Hinterrandpuncte
find Eaum wahrzunehmen. Die, Franzen find etwas heller und
glänzen.
Hinterflügel hell braungrau, gegen die Bafis heller; die gleich—
farbigen Franzen find an ihrer Wurzel mit: einer fehr feinen
helleren Linie umzogen.
" Unterfeite glänzend braungrau, auf den Vorderflügeln braͤun—
licher: der halbe Vorder = und der ganze Hinterrand iſt mit
einer gelblichen, braunfledig unterbrochenen Linie eingefaßt.
Menige Raupen diefer Schabe ſammelte ich am 15. April
im Gebirge bey Meffina an einigen Pflanzen der Ferula com-
Iſis 1847. Heft 11.
842
munis,. an deren Blättern fie lebten. hr Ausfehen, das ich
in meinem Tagebuch nicht notirt habe, ift mir nicht mehr ers
innerlich. Sie verpuppten ſich mit Depr. thapsiella, und
meine 5 Schmetterlinge frochen mir in Syracus am 15., 16.,
18. und 19. May aus. Häufig fcheint diefe Art gar nicht
zu feyn, da ich die Raupen nur an der einzelnen Stelle fand.
391. (5.) Veneficella n. sp.
Major, alis anterioribus elongatis rotundatis brunneo-
griseis, linea disei fusca longitudinali partim pallido - squa-
mata, lineolis ante apicem fuscis; abdomine ciliato, „pal-
porum artieuli terminalis basi annuloque fuseis.
Größe und Geftalt wie von der nächftverwandten Depr. he-
racleana; die Worderflügel noch etwas geftredter. Shre hell:
röthlihbraune Farbe und ihr längeres, fpigeres Endglied der
Zafter unterfcheiden fie leicht.
Ruͤckenſchild und Oberfeite des Kopfes heller als die Vorder—
flügel; erſteres mit verdunfeltem Vorderrande. Stirn fahlgelb.
Fühler röthlichbraun, mit helleren Anfängen der Glieder und
dadurch geringelt, gegen die Spige deutlicher gezähnelt als gegen
die Baſis; das MWurzelglied an der Außenfeite mit fammförmig
geftellten Schuppenhaaren, Marillartafter kurz, dünn, gegen
einander geneigt auf der Bafis des gelblich beſchuppten Ruͤſſels.
Lippentafter lang, aufgebogen; das zweyte Glied einwärts braun-
lich befprengt, faft von feiner Bafis aus durch reichliche, dun-
kelrothbraͤunliche Schuppen verdedt, welche ſich zivenzeilig aus—
einanderfegen, fo daß fie eine tiefe Mittelfurche zwifchen fich
laffen; das Endglied von 3 Länge des zweyten Gliedes ift fahl⸗
gelb, an derBafis und in einem breiten, fehiefen Gürtel braun,
mwodurd die Spike in um fo hellerer Färbung hervortritt.
Beine bleihgelb, auf der Lichtfeite bräunlich mit hellen Glieder-
fpisen; die DVorderfchienen find auf diefer Seite blaßröthlich
und braun punctiet. Hitterbeine am hellften. Hinterleib oben:
auf grau, an der Seite mit langen, bleihen Haarbüfcheln ge-
franzt; Afterbufch etwas grauer. Bauch graugeblich, zu jeder
Seite ift ein breiter, aus dunfelgrauen, wenig gedrängten Stäub-
chen zuſammengeſetzter Laͤngsſtreif, der nach hinten heller und
fehmäler wird.
Vorderflügel geftredt mit abgerundetem Vorderwinkel, heil
rörblichbraun, mit Staubfarbe gemifcht, dunkler und weniger
röthlich als bey Depr. daucella, hier und da mit fahlgelblichen
Staubhäufchen und bräunlihden Schmußfleden beftreut. Die
gelblihen Stäubhen bilden seine unzufammenbängende, doc)
ganz deutliche,” unter einem fpigen Winkel gebrochene Binde in
der Geftalt wie bey D. heracleana; zwifchen ihr und der Reihe
nicht ſehr feharfer, brauner Hinterrandpuncte liegen braune
Fingslinien, nach der Richtung der Flügeladern; die mittelften
Linien find die deutlichften, und jede entfpricht einem Rand»
puncte. Der Innentand ift von dev Bafis aus in einer kur—
zen, dünnen Linie fahlgelblich, einwärts durch einen braunen
Schattenfleck gerandet. In der Mittelzelle liegt eine braune,
gegen den Vorderrand divergirende Linie, die aber größtentheils
mit fahlgelblichen Schuppen verdeckt wird; nur ihr hinteres
Ende, das bis an die helle Querbinde reicht, ift als ein kurzer,
brauner Strich frey und san: feinem Anfange etwas verdidt; un=
ter ihm und parallel damit liegen noch ein paar kuͤrzere, un—
gleich lange Laͤngsſtriche, und über ihm oft noch einer. Das
Strablige an diefen Linien ift durchaus nicht fo auffallend, wie
ben Heracleana, da fie Elrzer und dider find. Franzen aus:
waͤrts heller als die Grundfarbe ber Stügel,
53
843
Hinterflügel glänzend hellgrau, gegen den Vorderwinkel dunk—
ter; die belleren jtaubgrauen Franzen haben naͤchſt der Baſis
eine verloſchene, graue Querlinie.
Unterſeite glänzend grau. Vorderfluͤgel braungrau, am Vor—
derrande ziemlich breit, am Hinterrande in einer duͤnnen Linie
ſtaubig gelblich; Franzen roͤthlich grau. Die viel hellern Hinter—
fluͤgel haben einen gelblichen Vorderrand, eine gelbliche, dunkel—
grau beſtaͤubte Spitze und um dieſelbe auf der gelblichen Rand⸗
linie braune Fleckchen. Franzen gelblich grau.
Beym Weibchen find die Flügel etwas kuͤrzer und abgerun:
deter.
Die Raupe ift erwachfen und zur Verpuppung reif, fo groß
wie die von Depr. thapsiella, blafgrün, am Rüden roͤthlich,
mit drey dunflern verlofchenen Längslinien, von denen die mitz
telfte, die Nüdenlinie, am deutlichſten iſt. Naden und After
ſchild nicht von der Grundfarbe verſchieden, bloß etwas glaͤn⸗
zend; Kopf gelbbraun, obenauf fhmarzbraun. — Ganz Elein,
in der Größe von 2" ift fie gelblich grau; Kopf ſchwarz glaͤn⸗
zen, Nackenſchild braun, an den Seiten ſcharf abgeſetzt, Krallen
ſchwarz; die Borſtenwaͤrzchen ſchwarz und klein; Afterſchild und
Beine gelblicher, als die Grundfarbe.
Sie lebt ben Syracus an Thapsia garganica, in Mehrzahl
in der ungeöffneten, von den Hüllblättern umfchlojfenen. Dolde,
und frißt die Blüthen und den zarten Stengel, in welchen lestern
fie Löcher bobrt, fo daß er nicht felten ſchwarz wird und ab—
ftirbt. Sie frißt das Markige heraus, indem fie ſich hier und
da einbohrt. Haben ſich die Bluͤthen entfaltet, fo fpinnt fie
diefe zufammen und hält ſich dazmwifchen auf. In der Gefells
ſchaft folher Raupen erhielt ich auch die der Penth. thapsiana.
Am 30. April gab es Raupen in verfchiedenftem Alter, felbit
an einer Pflanze, wo fie doch mwahrfcheinlic von einer Mutter
abftammten.
Bis gegen den Suny fand ih noch Naupen um Eyracus.
Am Aetna gab es am 30. Juny noch Raupen auf den ftels
Ienmweife am untern Saume der Waldregion häufigen Thapsia-
Pflanzen, an denen ich auch deutliche Zeichen entdedte, daß
fie auch die Thapsiella- Raupe nährte, die aber num doch fchon
verfhmunden war. Die Verpuppung gefchieht wie bey Thaps.
unter verwelkten Pflanzenreften in ſchwachem Gefpinnft nad)
2—3 Tagen. Die Puppe ift gelbbraun, auf dem Rüden der
legten Hinterleibsringe mit microfcopifchen Borftenhärchen beſetzt;
an den zwey auf der Flügelfcheidenfpise folgenden Ringen (dem
8. und 9. der Raupe) zeigt der Bauch auf der Stelle ber
Raupenfüße je ein abgeftumpftes Höderchen, am Ende mit
einem eiförmigen Ring gerandet. Das Afterende ift von unten
nach oben fehr fteil abaeftugt, mit einer Laͤngsfurche; unter
märts ift ein ganzer Haufen kurzer MWiderhäfchen, und am
Außerften obern Ende ſitzen einige längere, faft fenkrecht abwärts
gerichtete. — Vom 20. May un, alfo auch nach einer 20— 24
tägiaen Puppenruhe, erfchienen mir die Schmetterlinge bis zum
5. Suny. Einen einzelnen erhielt ich im Juny beym Nieder-
treten der damals ſchon aanz verdorrten Thapsia - Pflanze, wo—
durch ich ihn zum Auffliegen brachte. Von meinen Raupen
erhielt: ih im Ganzen wenig Schmetterlinge, und von diefem find
die meiften von der Oelkrankheit ſtark befallen, die fich bey
ihnen mehr als bey andern Depreffarien auszubilden fcheint:
Der Name biefer Depressaria hat folgende Veranlaffung.
Schon nah dem Einfammeln der Raupen der Thapsiella
844
hatte ich, da ih, nichts Schlimmes ahnend, ohne Vorſicht bie
Thapsia - Blätter abgepflüdt hatte, ein lang anhaltendes Juden
um die Augen, an den Ohren und am Halfe bemerft. Ich
erfundigte mich, weil ic die Thapsia in Verdacht hatte, ob
die Pflanze giftig fey. Mir wurde dad Gegentheil verfichert.
Ueberdies fah ich auch, mie ein Zieyenhirt einen ganzen Arm
vol Blätter abfcehnitt, und: diefe feinen Ziegen vorwarf, welche
fihb die Mahlzeit fehr gut fchmeden ließen. Weil mich aber
das Jucken immer nach den Einfammeln von Thapsia-Blät:
tern, die ich zum Naupenfutter brauchte, befallen hatte, fo
traute ic) doch nicht recht. Bey Syracus fammelte ih an der
Strafe, die Über das ehemalige Acradina nach Priolo führt,
am 30. April, von den dort häufigen Thapsia - Pflanzen eine
ganze Tafche voll von unentwidelten, mit Nauper der Vene-
ficella befegten Dolden. Dieſe fehen, da die Hülle fie ein-
ſchließt, Eolbenformig aus, und find mit einem ſchwachen Reif
überzogen. Zu Haufe zerpflücte ich die Pflanzen, fammelte
die Raupen daraus und brachte fie in eine Schachtel. Darauf
wufch ich meine Hände, vor denen ich ſowohl hierbey, wie auf
dem Heimgange mein Geficht in Acht genommen hatte, mit
Seife forgfältig ab und glaubte num vor dem befannten Juden
fichee zu feyn. In der Naht ſchwoll "mir aber das Gefichtj)
und die Gefhwulft nahm den folgenden. Tag ſchnell zu. Die
beiden linken Augenlieder ſchwollen zu großen Kugeln, die mid)
nah und nach immer mehr am Sehen binderten. Um den
innern Augenwinfel war die Haut dicht mit Eleinen Eiterpuſteln
bededt. Das rechte Auge war weniger afficirt. Um die Augen
und den obern Theil der Naſe empfand ich ein unangenehmes
Freffen, an den Ohren, am Munde und Kinn ein ftarfes
Suden. Sch mufte daher den erften May das Zimmer hüten.
Um 2. May Eonnte ih, wegen Zunahme der Geſchwulſt mit
dem Iinfen Auge faft nicht mehr ſehen; auch das rechte war
ſehr gefchwollen, doch Eonnte ich es beffer gebrauchen. Die
Augenlieder waren wie Kugeln; und das ganze, unfoͤrmlich auf:
gedunfene Gefiht war mit Eleinen, griesäfnlichen Eiterpufteln
bedeft, die am Kinn und um den innern linken Augenwinkel
zu einer Maffe zufammengefloffen waren. An Hals und Hand:
wurzel hatte ich ein fatales Juden. Mein Wirth war fehr
erfchroden, ald er meine granfige Figur ſah, und wollte den
Urzt holen Iaffen. Da ich aber die Urfache des Uebels nun
genau Eannte, fo ließ ich die Natur fich felbft helfen. Geyen
Mittag fchien das Uebel zum Stillftand gefommen zu fenn.
Um: Abend Eonn e ich ſchon mit dem linken Auge beffer fehen ;
das Freffen hatte aufgehört; aber das Juden dauerte noch auf
eine unangenehme Weife fort. An Ausgehen war an diefem
Tage noch viel weniger zu deufen, als am vorigen. Am 3. May
hatte es ſich mit den Augen ſehr auffallend gebeffert; ich Eonnte
nun auch mit dem Iinfen Auge recht gut feben. Dafuͤr war
an ber Unterlippe und um das Auge herum alles ein Scorf.
Erſt am 4. May hatte fi die Geſchwulſt, aufer um die Au:
gen, verloren; aber im ganzen Gefiht, mit Ausnahme der
Stirn, löfte fih die Haut ab. Ich Eonnte heut ausgehen,
moben ich mit meinem zerfesten Geſicht aber die Blicke der
Begegnenden mehr als gewöhnlich auf mich zog. Bon num
an beobachtete ich aber gegen die Thapsia die gröfte Vorſicht.
Sch pflücdte nicht mehr, fondern fehnitt, und nicht mit der
bloßen Hand, fondern in Handſchuhen, was ih von ihre
brauchte, und wuſch Meffer, Handfhuhe und Hände hinterher
aufs Sorgfältigite ab.
845
Phibalocera Steph. — Careina Hübn. Z.
391. (1.) Fagana.
Am: 19. Auguft Elopfte ih 3 Eremplare von Eichen füdlic)
oberhalb des Agnanofees und am 5. September ein einzelnes
ſchoͤnes Männchen hinter Fuligno aus Gartenheden, in denen
es, fo viel ich mich erinnere, ‚weder Buchen noch Eichen gab:
Sie weichen von dem deutſchen Erempluren in nichts ab. —
Bey Coſta fehlt diefe Art.
Gelechia.
Bon diefem großen Genus habe ih by Co fta nur zwey
ſichere Arten: auffinden fönnen; unter feinen Arten mögen fren:
Tih noch mehrere hergehörende fteden z. B. Oecoph. tigratella,
Harp. leucatella; aber ihre mangelhafte Beſchreibung hat mic)
fie nicht erkennen laffen. Die 2 fihern Geleehia find: 1) Ti-
nea kollarella tab. 1. fig. 4. — (©. die Coftaifhen Tin.
Mr.8.) 2) Rhinosia flammella tab. 6. fig. 8. — Gel,
formosella. &. am Ende der Coftaifchhen Arten unter Plu-
tella.) Das Genus ſcheint im Süden nicht fo reich an Arten
zu fepn, wie im mittleren Curopa.
393. (1) Vilella n. sp.
Alis anterioribus griseis, obscurius pulvereis, puncto
basali prope marginem dorsalem fusco; posterioribus ca-
nis sericeis ( m, fem.)
Unfheinend aus der Verwandtfchaft der Terrella, aber das
durch ausgezeichnet, daß ihr letztes Zafterglied länger als ihr
vorlegtes und ihre Rüffel fo Eurz und duͤnn iſt. Ihr Ausfehen
ift, wenn ‚man! den ftarfen Seidenglanz ausnimmt, fehr un:
fcheinbar; an dem fehwarzbraunen Punct an der Baſis ber
Vorderfluͤgel, und zwar nahe am Innentande hat fie ein leich-
tes und fihres Merkmal.
Gröfe wie Gel. einerella; Vorderflügellänge etwas über 4”,
Kopf und Nüdenfhild mie die Worderflügel gelblich ftaubgrau,
aber ohne die dunflern Stäubchen der legtern. Am Hinterkopf
firäuben ifih blos die feitlihen Schuppenhaare etwas; die an:
dern Schuppen find groß, abgerundet und glatt anliegend. Fuͤh—
fer braͤunlich, ſchwach geringelt, microfcopifh pubescirend ge:
franzt. Marillartafter Elein, fpisig, auf dem befchuppten Ruͤſſel
liegend. Lippentaſter lang, aufgefrümmt; das zweyte Glied
bleich gelblih, an den Iesten 3 duch Schuppen flarf verdidt,
auf der Unterfeite mit tiefer Mittelfurche; dag Endglied Länger,
dünn zugefpist, auf der Bauchfeite mit faft anliegenden Haar:
fpischen, vor der Spige beym Münnden mit einem braunen
Ringe. Beine bleich; die vier vordern auf der Lichtſeite außer
an den Gliederfpigen braͤunlich. Hinterfchienen langhaarig; der
längere obere Dorn bat die halbe Schienenlänge. Hinterleib
grau, mit aufgeworfenem Seitenrande und ziemlich langem,
etwas gelblihem Afterbufh; der Bauch hat zwey verlofchene
helle Mittelftriemen. dicht neben einander.
Borderflügel fhmal, grauftaubig, am Innenrande am hellſten.
In der Mitte ift die Spur einer braunen Zängelinie, an deren
Anfang und Ende ein hell eingefaßtes, kaum merkliches Pünct:
dien. Gegen die Spise verdunfelt fi der Grund etwas. Nahe
der Bafis und dem Innenrande liegt ein deutlicher, ſchwarz⸗
brauner Punct, und auf der Bufis der Medianader felbft ein
fehr feines Puͤnctchen; der Vorderrand ift nur etwas verdunfelt.
Hinterflügel viel breiter als die Vorderflügel, fpig, ohne Aus:
randung vor der Spige, mit ftarfer Gonverität des Hinterran:
846
des an ber gewöhnlichen Stelfe, lebhaft feidenglänzend, weiß—
grau, etwas durchſcheinend. Franzen mehr ffaubig grau, wer
niger glänzend.
Unterfeite einfarbig‘, glänzend; die Vorderflügel grau, hinten
mit einer ſehr feinen gelblihen Linie eingefakt. Hinterflügel
am Vorderrande ftaubgrau, fonft wie auf der Oberfeite.
Die 2 Eremplare fing ich in einer Schlucht am Abhange
der ehemaligen Neapolis bey Syracus am 412. May an dorni>
gem Geftrüpp, in Ejeineres Weibchen, ſchon etwas. verflogen,
aber doch fehr kenntlich, fing Low in Kleinafien. bey Mermeriza
um den 20. April.
394. (2.) Detersella n. sp.
Alis anterioribus exalbidis, obsolete lutescenti - subve-
nosis, puncto disei post medium fuseo, lineola obliqua
baseos cinnamomea, antennis fusco alboque annulatis.
(mas, fem.)
Größe der Cinerella, aber die Flügelbildung eine ganz ans
dre; nehmlich die Hinterflügel faft fo ſchmal, wie die Vorder:
flügel und vor der ſtark vorgezogenen Spige tief ausgerandet;
unter allen mir befannten Gelechien zeichnet ſich Detersella
durch den zimmetbraunen Strich auf den bleihen Vorderflügeln
aus, der von der Schulter herabgeht und fehr ſchräg bis zur
Slügelfalte reiht, Ihren Xaftern nach gebört fie zur erften
Abtheilung der Gelechien. Kopf, Nüdenfhild und Worderflüs
gel gelblihweiß; der obere Augenrand hinter den Fühlern, der
Rüdenfhildrand unter den Schulderdeden und. diefe felbit an
ihrem Innenrande heil zimmetbraun.
MWurzelglied der Fühler fang, nach oben verdidt, gelbbraun,
auf der Unterfeite desgleihen in einer Längslinie auf der Vor—
derfeite und am obern Nande weiß; die Peitiche zierlich weiß
und braun geringelt, auf der Unterfeite mit fehr getrenn en kur—
zen Sägezähnen, die gegen die Spige deutlicher werden. Maril«
lartafter dünn, fadenformig auf der Baſis des Furzen befchupps
Rüſſels gegen einander geneigt. Lippentafter lang, fehr ge:
frimmt, zufammengedrüdt, weißlich; das zweyte Glied gelblich
befhmust, gegen die Spige nicht erweitert; dag dritte Glied
dünner, ein wenig länger als dag zwente, zugefpißt, gegen die
Spitze verdunfelt braͤunlichgelb, auf der Schneide mit. weißer
Laͤngslinie.
Beine ſchmutzig gelblich weiß; die 4 vordern auf der Bor:
derfeite außer der Worderhüfte und den Gliederfpigen gebräunt.
Hinterfhienen auf der Rückenſchneide teichlicher und länger be—
haart als auf der entgegengefegten. Hinterleib mehr mit Grau
gemifht als der Rückenſchild, mit ziemlih langem Afterbuſch.
Vorderflügel ſchmutzig weiß, auf den Adern verlofchen lehm—
gelblich; diefe Färbung tritt am meiſten hervor vor der Mitte,
wo in der Flügelfalte ein kurzes, bräunliches Laͤngsſtrichelchen
liegt, ferner auf den Adern hinter dem Queräderhen, auf
welchem ein länglicher, brauner Punct liegt, und zulegt in der
Flügelfpige. inzelne lehmgelbe Schuppenfpigen reichen. bis auf
die Mitte der Franzen. Won den Schultern aebt ein ſehr
fhiefer, heil zimmtbrauner Strich verjüngt big zur Flügelfalte,
Hinterflügel ſehr bellgrau, unter ‚der. langen Spige ffumpf:
winelig tief ausgerandet; die bleichgelblichen Franzen find. fehr
lang.
Unterfeite bleihgelb, die Vorderfluͤgel beym Männdyen im
Mittelraum braͤnlichgrau ftaubig mit matt durchſchimmerndem
bräunlihem Mittelpuncte. Das Weibchen bat ewas Fürzere,
847
Flügel und einen fpigern, breiten Hinterleib; die Vorderflügel
find unten im Mittelraum nicht verdunfelt. —
Drey Maͤnnchen 2 Weibchen von Syracus in ber zwehten
Hälfte des Juny einzeln auf den dürren Kalkhoͤhen von Acra—
dina und Tyche.
Irre ih nicht, fo Elopfte ich einige mit Gel. kollarella aus
dem Poterium.
395 (3.) Segetella n.sp.
Alis anterioribus vitellinis, lituris tribus dilute cinna-
momeis (prima subfasciata obliqua, secunda annulata,
tertia apicali); posteriorum eiliis cinereo - flavescentibus.
mas, fem.
Sehr ähnlich der Gel. ferrugella, aber ficher verfchieden:
größer; der zweyte Wiſch ‚der Vorderflügel hat eine gegen die
Baſis gerichtete, fcharfe Ecke; die Hinterflügel: haben einen vor
der Spiße convereren Hinterrand und. die Spitze felbft fchärfer,
die Hinterflüigelfrangen find gelbgrau oder ganz gelb. Auch der
folgenden Flammella ift fie ähnlih und verwandt; aber diejer
ift Eleiner und hat einen blaßgelben Thorax mit roftgelben Schul—
terdeden; die Spitze der Vorderflügel ift roftroth, die der Hinz
terflügel fpiter ꝛc. Kopf, Rückenſchild und Vorderfluͤgel dotter—
gelb; die Hinterkopfsſchuppen aufwärts und etwas gegen einan—
der gefammt. MWurzelglied der Fühler lang, gelb; Peitfche auf
dem Rücken Eurzborftig, gegen die Spige immer deutlicher ges
zähnet; auf der Bauchfeite fehr zart geftanzt; ihre Farbe ift
grau, nad oben etwas geringelt. Maprillartafter gelb, Kurz
und dünn, auf der Baſis des gelbfehuppigen, aufgerollten Ruͤſ—
ſels ruhend. Lippentafter lang, aufgekrümmt, ſchlank, dotter—
gelb. Das zweyte Glied zuſammengedrückt, überall gleich breit,
oben abgeſchnitten; das dritte Glied von 3 Länge des zweyten,
duͤnn, feinzugefpigt.
Beine helldottergelb; die Worberbeine mehr als die Mittel:
beine auswärts grau beftaubt, gegen die Füße lichter. Hinter—
fchienen verdidt, Tanghaarig, befonders obenauf; von den 4
Dornen ift der eine des obern Paares der langfte; er reicht faſt
bis zur Spike des Schienbeins. Hinterleib heilgelb, auf dem
Rücken in der Mitte der Ninge grau; der Bauch ift in der
Mitte gekielt und zu beiden Seiten der Schneide in einem nach
binten verdünnten Streifen zimmetfarbig angeflogen. Afterbufch
mäßig lang; beym Weibchen fteht der Legeftachel aus demfelben
hervor.
Vorderflügel ſchmal mit zugefpigtem, doc nicht. ſcharfem
Vorderwinfel, am Hinterwinfel abgerundet, 4“ lang, dotter—
gelb, an der Bafis des Vorderrandes etwas verdunfelt. Vor
der Mitte geht ein fchräger, bindenformiger Wiſch gemönlich
vom Vorderrande aus und erreicht felten, und. nur. verlofchen
und verdünnt den Innenrand. Der zweyte Wiſchfleck liegt weit
hinter der Flügelbälfte; er fängt auf dem Worderrande mit
einem dunflen Flecke an; fein Innenrand bildet über der Mitte
einen fpigen, gegen die Bafis gerichteten Winkel, deffen viel
längerer, unterer Schenkel ſchief in den Innenwinkel läuft;
nach außen ift diefer Flecken nicht abgegränzt, indem er. hier
mehr in die Grundfarbe verfchmilzt; er mwechfelt fehr in der
Breite bey den verfchiedenen Cremplaren. Der dritte MWifch
kommt fchief aus der Flügelipise und geht nicht felten mit dem
vorhergehenden Sled über deffen Mitte zufammen. Zwiſchen
beiden bleibt ein auffallender, heller Vorderrandfled, der fchief
einwärts gerichtet ift, und dem über dem Innenwinkel eine
lichte Stelle als Gegenfled entſpricht. Auch der Hinterrand
ru —
..—
848
ift verbunfelt: Alle diefe Zeichnungen haben eine helle zimmet=
braune Farbe, Die Franzen find lichter als. die Wiſche, am
dunkelſten über der Flügelſpitze.
Hinterflügel bleygrau, etwas glänzend; die Franzen graugelbr
lich, am belliten gegen die Spiße.
Unterfeite etwas glänzend; die dunfelgrauen Vorderflügel ha=
ben an der Mitte und vor der Spitze des WVorderrandes und
außerdem am: Dinterrande einen hellgelben Wiſch, welche Zeich-
nungen oft ſehr verwifcht und unfenntlich find; ebenfo find die
Vorderflügel. Die hellgrauen Hinterflügel find an der Spitze
etwas ftrichig gelb; die Franzen wie auf der Dberfeite; nur
durch eine deutlichere gelbe Linie von der Flügelfläche getrennt.
Diefe Art fliegt bey Syracus in der Gegend der chemaligen
Neapolis und jenfeits des Anapo vor dem Jupitertempel auf
Meizenfeldern, aus deren Rändern ich fie im May nad) Son:
nenuntergang in Gefellfchaft der Sciaphila segetana auffheuchte.
Ich fing auch einige auf den gelben Blüthen eines Chrysau-
themum - ähnlichen Gewächfen,
396. (4.) Flammella Aübn.
Careina flammella Hbn. Cat. 410. 3954.
Rhinosia flammella Tr. 9, 2.20. — Dup. Cat. pag. 345.
* Supplem. IV, p. 253. pl. t. 12.
Tin. formosella Abn: fig. 160. (Tchlecht).
Gelechia formosella Z. Isis 1839. p. 201. 65.
Hypsolopha formosella Costa. Fauna tab. 6. fig 5.
(Eenntli) ©. vorher unter Plutella. ©. 819.
Var. 5) Alarum anteriorum signis obsoletissimis quasi
extersis, alis posterioribus canis. — Tin. eburnella.
Wien Vzchnss. p. 140. Nr. 63.
Um Spyracus zu Ende April und im May ftellenweife haus
fig, bewohnte fie nicht nur gras = und Eräuterreiche, trodne
Abhaͤnge der ehemaligen Neapolis und die anjtoßenden Brach—
aͤcker der Niederung, fondern auch die höheren, blumigen Raine
der feuchten Aecker jenfeits des Anapo, wo fie auch die Blüthen
von Spyngenefiften beſuchte. Gegen Abend flog fie rafch und
im Zickzack und unterfchied ſich dadurch von der mit ihr auf
Brachen Lebenden Cosmopteryx argyrogrammos, Manche
Eremplare zeichnen ſich durch eine außerordentlich fchöne, dunkle,
roſtrothe Färbung der Vorderflügelfpige aus, während der übrige
Flügeliheil ſehr lebhaft roftgelb gefärbt iſt; eben dieſe letztern
Farben haben die Schulterdeden immer; der Rückenſchild ift
dagegen. blafgelb mit voftgelbem Mittelftiih, War. 5) ein
Meibchen, gefangen am 11. Juny füdlih von Noto, iſt ziem—
lich, groß und ganz blaß, fo daß die dunfleren Zeichnungen nur
gegen die FZlügelipige, und auch hier fehr matt, hervortreten,
Selbſt die. Schulderdeden find fo hell wie das Nüdenfdild,
und die Hinterflügel find weißlichgrau mit gleichfarbigen, nur
gelblicheren Franzen; die ganze Unterfeite ift bleich, gelblich grau.
Etwas Anderes, als eine bloße Abanderung Eann diefes Exem—
plar nicht ſeyn.
Die Bezeichnung des Wien. Verzchn. für, Eburnella: elfen⸗
beinfarbige, gelbgeftrichte Schabe, „kommt ſolchen Eremplaren
wohl zu; der Stammart freylic gar nicht, wie Treitſchke
mit Recht ausfpriht: F. v. Röslerft. fhreibt über die, zwey
Cxemplare der Schiffermüller fhen ‚Sammlung ‘': von
Gharpentier bat ganz ‚richtig. beffimmt, „obſchon er ein
Fragezeichen hinzufügt, Treitſchke hingegen hat Unrecht, wenn
549
„er behauptet, fie fey gewiß nicht Flammella A. Berzeichniß.
„Ich Eann verfichern, daß die Bezeihnung auf die bleihen Exem—
„plate der Sammlung recht gut paßt. Daher muß der Name
„als der ältere für Flammella wieder eintreten [ womit. ich
„durchaus nicht einverftanden bin]. Bey Ferrugella der
„ Sammlung it das 2te Eremplar ebenfalls Eburnella W. V.“
Wegen ihrer nahen Verwandtfhaft mıt Sezetella und der
gleichen Breite der Vorder = und Hinterflügel führe ih die Art
hier auf, Matt unter der Abtheilung Brachmia,
397. (5.) Kollarella Costa.
Alis anterioribus breviusculis stramineis, humero, fa-
scia recta postica apieeque brunneis,
a) punctulo ante medinm fusco.
. Costa Faun. Napol. tab. 1. fig. 4. (pessima) Tignu-
ola Kollarella, Tinea Koll. pag. 7. — Bergl. vorher
die Coftaifhen Species unter Tinea Nr. 7. — Ge-
lechia flavedinella F_R. Isis 1838. p- 197.
5) punetulo ante medium nullo.
Lite jaune, Lita luteella Dup. pl. 312. fig. 11. (bona)
p: 624. — Enolmis luteella Dup. Catalogue p. 341.
Tordeuse de Walckenaer, Tortr. Walckenaerana Dup.
p: 261. fig. 6. p. 491. — Cochylis Walckenaerana
Dup. Cat. 309.
Leicht Eenntlih an den in der Diagnoſe angegebenen Merk:
malen, da fie feiner befannten Gelechia darin ähnlich fieht.
Sn der Größe etwas über der vorigen Art, mit viel breiteren
und ftumpferen Vorderflügeln. Länge der leßtern 2, — 23",
Kopf, Ruͤckenſchild und Vorderfluͤgel hellroftgelb. Augenrand
ringsherum breit braun. Fühler bräunlich, an der Bafis dunkler,
gegen die Spike dünner und fehr ſchwach gezähnelt. Mearillar:
tafter dünn, fpisig, auf dem furzen ſchwarzen Nüffel liegend,
Kippentafter ziemlich lang, aufgefrümmt; das zweyte Glied zu:
fammengedrüdt, nad) oben durch Beſchuppung ſchwach verdickt,
hellgelb, bis über die Hälfte hellbraun; das Endglied etwas
kuͤrzer, dünn zugefpist, hellgelb, auf dem Ruͤcken vor der
Spige mit einem braunen Fleckchen. Beine feidenglänzend, die
vier vordern braungrau, die Füße auf dem Nüden mit weiß—
gelblichen Gliederfpigen, auf der Unterfeite ganz gelblih. Hin—
terbeine graugelblih, an den Schenfeln mehr grau; Schienen
langhaarig. Hinterleib grau, an Bauch und Afterbuſch ocher-
gelblich. '
Vorderfluͤgel etwa dreymal fo lang tie breit, mit fanft ge=
woͤlbtem “Borderrande, fpisig, langftanzig, heil ftrohgelb, am
Vorderrande fehr fhmal und nur duch die Loupe fihtbar blaß—
roͤthlich; die Baſis deffelben ift fo tie bie der Schulterdeden
“ braun. Dar. a) hat vor der Mitte im Mittelraum ein deut:
liches, braunes Pünctchen, welches fich bey mehreren Exempla—
ten mit bloßem, bey andern mit bemwaffnetem Auge erkennen
läßt; bey Dar. 5) fehlt eg, ohne abgerieben zu feyn. Hinter
der Mitte ift ein breiter, auf dem Innenrande fenkrecht ſtehen—
des röthlichbraunes Band, deffen Innenrand duch eine ſchwarz⸗
braune zitternde Linie gebildet wird; hinterwaͤrts lichtet es fich
und läuft am Innenwinkel auf den Hinterrand aus. Der
Vorderwinkel ift rörhlihbraun, mit einer dunfelbraunen Rand:
linie faft bis zur Mitte des Hinterrandeg eingefaßt. Die Franz
zen find gelblich mit etwas Noftfarbe gemifcht, über der Spige
und am Innenwinkel hellbraͤunlich.
Sfis 1847. Heft 11.
— 850
Die vor der ſcharfen Spitze ziemlich converen Hinterfluͤge
find bleygrau mit hellern Franzen.
Unterſeite etwas glänzend grau; die Vorderfluͤgel dunkler,
am Vorderrande in einer nach hinten erweiterten Linie hell
torhlichgelb, die Franzen find einwaͤrts ebenfo gefärbt, aus—
wärts grau,
Das Weibchen ift etwas Eleiner und hat einen hervorftehen-
den Legeftachel.
Diefe Art war bey Syracus in der Mitte Juny auf den
Kalkhoͤhen von Tyche felten und nur an Poterium spinosum;
fie feste fi aufgefcheucht wieder in das dornige Geftrüpp, in
welchem fie gewöhnlich verfhwand. Coſta fand fie um Nea-
pel bey Gamaldoli, wo, fo viel ic) gefehen habe, das Poterium
nicht wählt. Duponcel erhielt fie von Montpellier, F. v.
NRöslerft. aus Ungarn.
Duponcdel’s Abbildung der Luteella ift gut, nur ift
in ihr, fo mie in der Befchreibung, die Färbung der Vorder:
tandbafis weggelaffen worden. Sein Bild der Tortr. walcke-
naerana ift ficher unfere Art, bat aber eine ganz falfche Hin—
terflügelform und auf den Vorderflügeln über die Mitte eine
weißlihe Binde, während der Vorderrand an der Baſis ohne
Fleck geblieben ift. Statt der Binde fpricht die Befchreibung
bloß von einer nuance un peu plus foncee, was beinahe das
Gegentheil von dem in der Abbildung dargeftellten vorausfegt.
Sedenfalls ift bier_ein Verſehen vorgefallen, vielleicht veranlaßt
durch den ſchlechten Zuftand des einzelnen Eremplares. Coſt as
Abbildung ‚darf niemand um Ausfunft zu Rathe ziehen, da fie
in Form und Färbung gänzlich mißrathen if.
398. (6.) Terrella Abn.
Gel. — Isis 1839. p. 199. 30.
Lita — F.v. R. Beytrige ©. 227. Taf. 80. Fig. 1. a-e.
Ein Weibchen fing ib am 15. Aug. in den Gehölzen ober-
halb des Agnanofees. Bey der genaueften Unterfubung aller
Theile kann id) feinen Unterfchied vor der bey ung fo gemeinen
Urt entdecken. Es ift ein Eremplar von mittler Größe, in
der Grundfarbe der hellen Varietaͤt, Taf. 80. Fig. 1, a. ben
5. v. Rösterft. Der obere Punet des Mittelraums ift
etwas in die Ränge gezogen und größer als dee in der Flügel:
falte befindliche. Der dritte binterwärts liegende Punct ift fehr
Elein; die helle gebrochene Binde fehr verlofhen; am Hinter—
rande befinden fich undeutliche, ſtrichaͤhnliche braune Puncte,
Das zweyte Zafterglied ift auswaͤrts nicht verdunfelt.
399. (7.) Plebejella n. sp.
Alis anterioribus nitidulis lutescenti- griseis, punctis
ad basim duobus, 4 in disco (1, 2,1.) longitudivaliter
dispositis fuseis, posterioribus apice abrupte produeto;
palporum artieulo ultimo fusco- punctato ( mas.)
Sn der Mitte ftehend zwifchen Gel. terrella und Sene-
ctella, in der Größe noch unter den Eleinften Exemplaren der
erſteren, dagegen anfehnlich über der Senectella. Von exfterer
unterfcheidet fie ſich fehr leicht durch die laͤngere, durch eine
tiefere Ausrandung mehr hervortretende Spige der Dinterflügel,
— Senectella hat fie ebenfo —, von beiden. durch das ein
wenig kuͤrzere Endglied der Tafter und die Zeichnung der Vor:
derflügel. Auf dem, wie bey der hellen Bar. von Terrella
gefü.bten, nur teinerem runde liegt auf dem Worderrande
nit ganz; an der Baſis ein ſcharfer, ſchwarzbrauner Punct;
54
851
unter ihm ein weniger gut abgegrenzter diht am Innenrande ;
dieſe beiden Puncte fehlen bey den genannten beiden Arten,
und der dritte ift, wenn er vorfommt, verwilcht; er liegt nicht
fehr weit von ihnen auf der Flügelfalte und iſt länglih. Das
Mittelpaar ift fo deutlich wie der einzelne hintere. Die helle
Querbinde ift kaum als folche kenntlich; an der Spitze ihres
nach außen gerichteten Winkels ift ein ziemlich deutlicher Punkt,
der Raum darhinter aber ftaubig verdunfelt.
Die Hinterflügel find glänzender und heller grau; die Fran⸗
zen an der Baſis gelblich.
Auf der Unterſeite ſind die Vorderfluͤgel von den Franzen
durch eine feine, gelbliche Linie geſchieden.
Kopf und Ruͤckenſchild ſind fahlgeblich, heller als die Vorder⸗
fluͤgel, vorzuͤglich das Obergeſicht. An ben braun und gelb—
grau geringelten Fuͤhlern iſt das Wurzelglied obenauf ſchwarz⸗
braun. An den Taſtern iſt dag zweyte Glied auswaͤrts nicht
verdunkelt, und das Endglied auf der Bauchfeite (bey Terrella
weniger deutlih) mit 5—6 braunen Puncten ber Länge nad)
gezeichnet. Die Beine find gelbliher als bey den zwey ver:
wandten Arten.
Das einzelne ſchoͤne Eremplar fing ich bey Syracus am 5. May,
als ich bey Negenwetter am Rande eines MWeizenfeldes einige
Pflanzen auseupfte, wodurch e8 zum Auffliegen gebracht murde.
400. (8) Lamprostoma n. sp.
Alis anterioribus fuseis, vitta dorsali flavescenti, striga
media maculague costae postica niveis; palpis albis ni-
tidis ( mas.)
Keiner mir bekannten Art aͤhnlich und fehr fhön. Größe
der Gel. flammella, aber mit ftumpferen Vorderfluͤgeln. Kopf
und Rüdenfhild hell lehmgelb, Schulterdeden weißlih. Fühler
braͤunlich, ſchwach geringelt; Wurzelglied lang, nach oben
verdidt, obenauf braun, unten weißlich; Peitſche auf der Un:
terfeite ſehr weitläufig und ziemlich ſtark fägezähnig (mit etwa
32 Zähnen) und dazwifchen gefranzt. Marillartafter dünn,
fadenförmig, auf dem ſchmalen Rollruͤſſel liegend. Lippentaſter
fang, aufdekruͤmmt, ſeidenglaͤnzend weißlich, das zweite Glied
zuſammengedruͤckt, ſchneidig, an der Spitze grau; Endglied von
% Ränge deſſelben, dünn, zugeſpitzt, auf dem Ruͤcken der Länge
nach weiß, übrigens grau.
Beine fchmusig hellgelb grau, glänzend, die vier vordern auf
der Lichtſeite braͤunlich. Hinterſchienen obenauf ſpaͤrlich mit
laͤngern, braunen Haaren bekleidet. Hinterleib braungrau, an
Bauch und Afterſpitze ſeidenglaͤnzend meifigrau.
Vorderflügel faft 3“ lang, nah hinten wenig ermeitert,
etwas flumpf mit fehrägem Hinterrande, tief gelbbraun, auf
der Hinterhälfte heller. Den Innenrand bildet eine nicht fehr
breite, heligelbliche Strieme, die von ber Mitte einmwärts eine
Eleine Ede hat. Der Vorderrand ift von der Bafis auf 4 der
Fluͤgellaͤnge glänzend dunkelgrau. Auf der Mitte kommt ein
vom Vorderrand ſchräg auswärts herabgehendes, anfangs breites,
dann allmaͤhlich verdünntes, ſchneeweißes Querband, welches
gegen die Baſis zu ſehr ſcharf begrenzt iſt, hinterwaͤrts aber
in glaͤnzende, ſilbergraue Faͤrbung uͤbergeht. Dahinter folgt ein
ſchwarzer Mittelpunct. Vor der Flͤgelſpitze iſt ein großer,
ſchneeweißer Vorderrandfleck, aus deſſen Spitze bis zum Hin⸗
terrande eine gebogene, ſilbergraue Linie herabgeht. Den Hin:
terrand faffen ſchwarze Schuppenftrihe ein, die um die Flügel:
fpige mit weißen, einzelnen Schuppen gemifht find. Franzen
grau einwaͤrts perlartig ſchillernd.
852
Hinterflüigel hellgrau, nah hinten erweitert, vor der etwas
vorgezogenen Spike mit einer ftumpfen YAusrandung. Franzen
dunkler grau, an der Baſis gelblich.
Unterfeite glänzend grau, auf den WVorderflügeln fcheinen die
Querlinien, der ſchwarze Punct darhinter und der weiße Flecken
vor der Spitze fehr verlofchen durch; der Innenrand iſt gelblich.
Das einzelne Männchen fing ich bey Syracus in der Gegend
des Gapucinerklofters auf einer Eurzbegraften Stelle des Kalk:
felfens gegen Abend.
401. (9.) Humeralis Z.
Alis anterioribus einerascentibus fusco conspersis,
striola humerali alteraque obliqua subcontigua atris, strio-
lis posticis nigris; palpis fuscis , interne einereis, nitidis,
articulo apicali fusco-bifasciato (mas, fem.)
Var. 5b) uta, sed alis anterioribus obscurius griseis. (2 m.)
Var. c) alis anterioribus fusco - einerascentibus, striolis
obsoletioribus. (1 mas.)
Var. d) alis anterioribus praeter basim canam apicemque
cinerascentem fuliginosis (1. fem.)
Gel. humeralis Z. Isis 1839. 200. 42.
Lita incretella Dup. Catal. pag. 338.
Sehr veränderlih und daher in manchen. Erempfaren ſchwer
wieder zu erfennen, wenn man nidyt die Farbe der Taſter und
Beine fefthält. Größe der Gel. atriplieella FR. Benträge
S. 223. Taf. 78., mit welcher die Humeralis var. c. große
Aehnlichkeit hat; ihre Zafter, ihr anders gefärbter Bauch, und
der ſchwarze Baſalſtrich des Vorderrandes der Vorderflügel ıc.
unterfcheiden fie.
Ruͤckenſchild wie die Vorderflügel afchgrau, braun beftäubt;
Kopf ftetd heller, zumal auf der Stirn, Augenrand dunkel;
Fühler braun, ſchwach geringelt, am Wurzelgliede fchwarzbraun.
Lippentafter ziemlich lang, aufgefrummt , zweytes Glied an den
aͤußern 2 verdidt, auswendig braun, an der Spige und ein
waͤrts hellgrau, bier an der untern Hälfte faft metallglänzend
das Endglied hat 3 der Länge des zweyten liebes, ſpitz, weiß—
grau, unter der Mitte und dicht vor. der Spike mit einem
breiten, braunen Gürtel; Spise fehr fein und weißlich. Rüſſel
nicht lang, aufgerollt, befchuppt. — Beine glänzend, befon=
ders an den Hüften und Scenfeln faft metalliſch, grau, auf
dev Lichtfeite braun mit grauen Gliederfpigen; Hinterbeine etwas
heller. — Hinterleib braunlih grau mit graugelblichem After:
bufh; Bauch am Nande dunkel, in der Mitte hellgrau, an
den Ningrändern heller, befonders nach Abreibung von Schup»
pen glänzend.
Vorderflügel ziemlich fchmal, meißlichgrau, dunkler beftäubt,
am meiften in der Mitte. Der Vorderrand hat auf der Ba-
fig einen dien, tieffhwarzen Strih; feiner Spise gegenüber
in einiger Entfernung von der Baſis liegt ein ebenfo gefärbter,
ſchiefer, zugefpister Kängsftrich, der. bisweilen. mit dem Vorder:
randſtrich zufammenhängt. In der Flügelmitte liegt in dunf-
lem Schatten eine feine ſchwarze Längslinie, ihr gegenüber am
Vorderrande ein Punctfledchen, und hinter dem Vorderrand ein
deutlicheres, ſchwarzes Fleckchen; unter ihm ift im Mitttelraum
nahe dem Innenwinkel ein fhmwarzbraunes, Erummes Quer:
fteihelchen. Auf dem Hintertande bemerkt man vor der Spike
ein braunes Längsftrichlein. Die langen, dunklen Franzen ha—
ben am DVorderrande vor der Spige auf hellem Grunde 4-- 5
braͤunliche Fledchen. -
853
Hinterflügel etiva8 breiter als die Worderflügel und etwas
glänzend hellgrau, am Vorder- und Hinterrande verdunfelt;
unter der ziemlich langen, fcharfen Spige ift der Hinterrand
ſehr ſtumpf und ziemlidy tief ausgerandet. Franzen breiter als
die Flügel.
Unterfeite ohne Zeihnung; die Worderflügel und der Vor:
derrand der hellgrauen Hinterflügel find braungrau.
Bar. 5) meine beiden ficilifchen Männdyen haben weiter
nichts Abweichendes als die ftaubgraue Grundfarbe auf ihren
Borderflügeln. — Bar. c) ein fehr fhönes Männchen, ift auf
den Vorderfluͤgeln befonderg dunkel, während die fchwarzen
Striche, ſelbſt die des Vorderrandes nur, braun find. Bey ihm
glänzt. felbft das Dbergefidyt (Epistomium) etwas, filbericht,
was ich bey den andern Cremplaren, deren Zafter ich durch
Biegen der Gefahr des Abbrechens nicht ausfegen mag, nicht
bemerken kann. Die Lage der Zeichnungen ift übrigens ohne
AUbweihung. — Bar. d) ein fhones Weibchen, hat gelbliche
Schulterdecken. Auf den Vorderfluͤgeln ift die ganze Fläche
längs des Innenrandes bis zur Subcoftalader dunfel rauchgrau,
was vorzüglich gegen die Bafis ſcharf abjticht; der erfte fehräge,
ſchwarze Strich ift in diefen verbüfterten Naum aufgenommen
und fticht wenig hervor.
Diefe Art lebt an Eichen bey Glogau und Frankfurt a.d.D.;
bey Reichſtadt in Böhmen. wurde fie nah Fr. v. Roͤs lerſt.
Verficherung in 5 Eremplaren an Fichten (Pinus picea) ge:
fangen. Bey ung ift ihre Nahrung beftimmt an der Eiche zu
fuhen. Am 17. July fing ich 2 fchöne Exemplare; und dar:
auf erfcheint fie wieder im Ockober. Sie überwintert und wird
dann im. März. und April abgeklopft. Sie fheint nicht felten
zu ſeyn, aber nur. bey ganz heiterem, ruhigem Wetter läßt. fie
fih durch Beklopfen der Staͤmme zum Abfliegen bringen. So
erhielt ih am 22. April 1837. -von ein Paar neben einander
ftehbenden Stämmen in £urzer Zeit 17 Stüd, aber die meiften
fhon ſehr verflogen. Meine 2 ſiciliſchen Männchen fing ich
am 26. und 27. Februar bey Meflina an zwen verfchiedenen
Stellen, wo ich fie aus dem duͤrren Raube der Sträucher von
Quercus pubescens ab£lopfte; fie tragen fehr deutliche Spu—
ten der Ueberwinterung an fih. Ohne Zweifel erfcyeint die Art
dort auh in 2 Generationen.
402. (10.) Salinella n. sp.
Alis anterioribus dilute griseis, fusco_pulvereis, pun-
etis duobus ante, uno post medium fuscis ferrugineo-
einetis; posterioribus paulo latioribus canescentibus; pal-
pis medioeribus, articuli ultini basi annuloque fuseis (m. f.)
Var. 5) alarum anteriorum punctis tantum luteis.
Sehr nahe der Gelechia inustella Z., die ih Sfis 1839.
©. 201. 70. als Varietät der Gel. artemisiella aufgeführt
habe, und die doch wohl eigene Art ift; außerdem, daf die ganze
Färbung von- Salinella viel heller ift, unterfcheidet diefe fich
weſentlich durch die Hinterflügel, welche bey ihr breiter find als
die DVorderflügel, während bey Inustella das Umgekehrte Statt
ndet.
h Sn der Größe ift Salinella gewöhnlich etwas über G. arte-
misiella. Kopf, Nüdenfhild und Vorderflügel fehr heilgelblich
grau, legtere am meiften braunftaubig, der Kopf am reinften
und daher am hellften. Dft find die Schulderdeden lehmgelb-
li, wenn. nehmlic die Borderflügel an der Baſis ebenfo frei:
fig gezeichnet find, Fühler deutlih braun und weißlich gerin—
Wr
— ———
854
gelt, am Wurzelgliede auf der Schattenfeite gelblich. Kippen=
tafter nur von mittelmäßiger Länge, noch heller bleichgelb als
die Stirn; das zweyte Glied auswärts und am Bauche oft
baunlich beftäubt; es ift zufammengedrängt, aufgekruͤmmt, an
der Bafis dünner, dann durch Schuppen ſtark eriveitert, am
Bauche (bey feitlicher Betrachtung) gleichſam geerbt, in der
Mitte mit tiefer Laͤngsfurche; das Endalied dinn, zugeſpitzt,
an der Bafis braun und vor der Spike mit einem braunen
Ninge, der auf der Bauchfeite fich fehr erweitert. "Beine bleid),
auf der Kichtfeite außer an den Gliederfpisen weichlich braunlich
beftäubt, Hinterleib grau, am Bauche und dem Afterbufch
fehr hell ſchmutzig gelblich. Der weibliche Kegeftachel fteht hervor.
Die Vorderflügel find am Worderrande und gegen die Spike
am vreichlichften braunftaubig, und dieſer Staub reiht um die
Spitze weit in die Franzen hinein, obne auf denfelben deut=
lie Querlinien zu bilden. Die braunen Stäubchen find nichts
als die braunen Spisen der langen Schuppen, die an Länge
gegen die Spike zunehmen. Die meiſten Exemplare find auf
der Subeoftalader und in der Flügelfalte und‘ auf den Adern
in der Gegend der Querader hell roft = oder Iehmgelblih. Uns
ter den Verdunflungen des Vorderrandes nimmt ſich nur eine
nicht fehr fern von der Baſis als ein Punctfleichen aus; doch
fehlt diefes auch bisweilen.
Vor der Flügelmitte ftehen auf lichterem Grunde auf roft-
gelber Unterlage zwey braune Punete ſchraͤg unter ‚einander, ber
untere näher gegen die Bafis in der Flügelfalte (ganz wie bey
Inustella) ; hinter der Flügelmitte ift faft in gleicher. Höhe mit
dem obern Puncte des befchriebenen Paares ein: ftrichförmiger,
ahnlich beſchaffener Punct, der ſich gewöhnlich in zwey aufloͤſt;
dieſe zwey ſtehen ſchraͤg hinter einander, nicht wie bey Inustella
unter einander, und der obere iſt der groͤßere (bey lnustella,
wo ſie getrennt ſind, iſt der untere groͤßer). Das helle, wink—
lig gebrochene Band zeigt ſich bisweilen ganz deutlich. Selten
iſt die Fluͤgelſpitze ſelbſt verdunkelt.
Die Hinterflügel etwas breiter als die Vorderfluͤgel, haben
eine ziemlich lange Spitze, aber eine ſeichtere Ausrandung vor
derſelben als bey Inustella; fie find etwas glänzend, ſehr hell—
grau mit langen, an der Baſis am meiften gelblihen Haaren.
Unterfeite bleih gelblich grau, glänzend; alle Blügelfpigen
find mehr oder weniger deutlich punctartig verdunkelt. Bey
Bar. 5) fehlen auf den Vorderflügeln die dunfelbraunen Puncte,
und ihre Stelle ift durch Noftfarbe eingenommen.
Diefe Art ift bey Syracus auf dem’ falzbaltigen Boden der
Spracusfümpfe neben dem größern Haven fehr häufig in dem
Salicorniengeftrüpp, dag ganze Streden bededt.
Sie fliegt Teicht auf, vorzüglich bey: bedecktem Himmel oder
gegen Abend, ift aber fehr behende und läuft, wann fie fich
niederaelaffen hat, fogleih an den Pflanzen hinab bis auf
den Boden, wo man fie gewöhnlich nicht eher wieder bemerkt,
als big fie davon fliegt. Ihre Erfcheintingszeit ift das Ende
des April und der May. Bey windigem Wetter und im Sons
nenfchein fah ich fie meift nur auffliegen und dann verfchwinden.
Sr Pr Mitte May waren die Exemplare größtentheils fchen
lecht.
402. (11.) Remissella n. sp.
Capite ac thorace lutescentibus; alis 'anterioribus gri-
seis, basi lutescentibus, punetis disei fuseis, lineola ci-
liorum eirea apicem fusca; palpis intus nitidis, artieuli ul-
timi lineis duabus longitudinalibus niveis (mas.),
855
Sie gehören zu den Arten, wo die Hinterflügel ſchmaͤler find
als die Vorderflügel, und kann bey Arteinisiella ſtehen. Die
zwey fchneeweißen Kangslinien an dem braunen Endgliede der
Tafter und der fchwarze Bogen auf den Franzen um die Spike
der Vorderflügel zeichnen fie vor allen Arten aus.
Größe der Artemisiella; Ruͤckenſchild und Kopf graugelblich,
Stirn heller. Fühler ſchwarz und, meißgeringelt, das lange
Möurzelglied auf der Vorderfeite mit einer dünnen, weißen Laͤngs⸗
finie. Nüffel zufammengerollt, befchuppt. Lippentaſter ziemlich
lang, aufgekruͤmmt; das zweyte Glied inwendig lebhaft glänzend,
geiblich grauz auf dem Nüden und. an ber Spitze weißlich,
auswendig dunkler, zufammengedrüdt, allmählich erweitert, am
der Spike abgefchnitten; das Endglied etwas länger als. das
zweyte Glied, duͤnn, fein ſpitzig, braͤunlich, etwas glaͤnzend,
auf dem Ruͤcken und der Schneide der Länge nach in zwey
Linien weiß, die auf, der, Innenfeite des Zafters durch eine
bräunliche, dünne Linie getrennt ‚werden. — Beine ſchmutzig
gelbgrau, auf der Schattenfeite und. an den Gliederfpigen weiß:
licher; Füfe am dunfelften mit glänzend, weißen Enden der
Glieder. Hinterleib, grau, am Bauch und Afterbuſch gelblich.
Vorderflügel an: der Baſis, vorzuͤglich in ‚der Flügelfalte,
heil lehmgelblich, übrigens beit ftaubgrau, bräunlich beitaubt.
Etwa in halber Känge der Klüyelfalte liegt ein Ihwarzbrauner
Punet, am Ende der gelblichen Farbe im derfeiben. Schraͤg
darüber, gegen die Mitte zw, liegt ein verloſchenes Pünctchen.
Hinter der Flügelmitte in gleicher Entfernung zwiſchen Vorder:
und Innenrand, ift ein deutlicherer, brauner Punct, hinter wels
chem die helle Querbinde ; diefe iſt nur, bey. dem einen Exem⸗
plar vollſtaͤndig, bey dem andern nur in ben Enden vorhanden;
fie macht einen fehe fpisen Winkel in der, Mitte. Die Stans
zen um die Spige find. braͤunlich beſtaͤubt; fie enthalten vor
ihrem Ende einen ſchwarzbraunen, gegen die Fluͤgelſpitze hohlen
Bogen; die ſchwarzbraunen Puncte, woraus dieſer befteht, find
die dunklen Enden weißgrauer, ſchmaler Schuppen.
Hinterflügel merklich ſchmaͤler als die Vorderflügel mit paral—
lelen Gegenrändern, „glänzend hell blenfarbig; vor der langen,
dünnen Spite ift der Hinterrand unter ‚einem. ftumpfen,, faft
geradlinigen Winkel tief ausgerandet. Franzen viel breiter als
die Fläche, grau mit; gelblicher Baſis.
Unterfeite glänzend grau, matt gelblich umzogen ; die Sranzen
der Vorderflügel zeigen den braunen Bogen um die Spike, ver-
lofchen.
‚Das eine Exemplar bey Syracus am 9. May in einer be
graften Schlucht des Abhanges der Neapolis; das andre bey
Meffina am 11. July im Graſe eines: Berges an der, Paler
mitaner Strafe. Die Art hat alfo merklicher Weife eine dop-
pelte Generation.
404. (12.) Diminutella n. sp.
Minuta, alis anterioribus eriseis fusco - pulverulentis,
punetis fuscis ferrugineo - einetis; palpis medioeribus in-
tus albis, artieuli terminalis annulo fnsco.
Moch Eleiner als Gel. inopella (Isis 1839. p- 201. 67.),
alfo die Eleinfte bis jest befannte Gelechia, verwandt mit Gel.
artemisiella, verfchieden aber, außer durch die Kleinheit vor
züglich durch die fürzeren, anders gefärbten Zafter.
Ruͤckenſchild ſtaubiggrau, Kopf weißliher, um ‚die Augen
etwas beftäubt. Fühler braun und. weiß, geringelt. Lippentaſter
nur von fehr maͤßiger Laͤnge und. wenin ‚aufwärts gefriimmt,
weiß, außen grau beſtaͤubtz das zweyte Glied iſt zuſammenge—
|
856
drüdt und dur die reichlihen Schuppen auf der Unterfeite
ziemlich did; das Endglied von wenig mehr als halber Laͤnge
des zweyten Gliedes, wenig gekrümmt, dünn, zugefpigt, über
der Mitte mit einem breiten, braunen Gürtel. Rüſſel aufge
rollt, beihuppt; auf der Bafis ruhen die weißen Maxillartaſter.
Beine hellgrau, auf der Lichtſeite außer an den Gliederfpisen
braunlich beftäubt. Hinterleib grau, flah, mit weißgrauem
Seitenrande und Bauch und. gelblichem Afterbufch. |
Borderflügel 14 —13"' ang, bel ffaubgrau, reichlich bräun-
lich beftäubt, die Stäubchen find gegen die Spitze und auf den
Franzen. um diefelbe gröber. Braune, etwas edige Puncte zei—
gen ſich in der. Slügelfalte einer nicht fehr fern der Baſis, der
zweyte auf ber Mitte der Falte, der dritte fchräg darliber mehr
nad außen gerücdt, der vierte über den Innenwinkel ziemlic)
nahe der Flügelfalte, ein fünfter, ftrichformiger, verwiichter
gegen die Fluͤgel pitze. Alle liegen auf mehr oder weniger aus:
gebreitetem, blaß roftgelblichem Grunde,
Hinterflügel merklich fchmäler als die DVorderflügel, etwas
glänzend, licht bleygrau mit tiefer, fehr ftumpfer Ausrandung
des Hinterrandes vor der langen dünnen Spike. Franzen fehr
lang, grau, an der Baſis gelblich.
Die ganze Unterfeite ift weißgrau, mit einer fehr verlofchenen,
gelblichen Linie umzogen.
Diefe kleine Schabe flog bei Meffina am Gaftellacioberge in
Geſellſchaft der Oecoph. terrenella, gravatella, Elachista
Dohrnii, Phyeis Cautenerella am 23., 26. und 27. July
felten.
405: (13.) Nigrinotella n. sp.
Alis anterioribus albis; puncto humerali, maculis 4
disei (prima majore obliqua) e squamis congestis nigris;
palporum articuli secundi basi, apicali annulis duobus
nigris (fem.)
Sn der Größe einer ganz Eleinen Gel. aleella F. (bicolo-
rella Tr.) aber fehr verfchieden durch die Stellung und Schwäche
der Flecke der Vorderflügel; vorzüglich aber durch die Schmal-
beit der Dinterflügel. Hiernach gehört fie naher zu der Eleinerm
Gel. lepidella F. R. (Isis 1839. p. 202. 73.), deren Zeich>
nung auh ſchwarz auf Weiß ift, jedoch auf eine ganz andere
Weiſe; der Nigrinotella fehlt die fchräge Fleckenbdinde der Vor—
derflügel, und ihre Flecke find viel Eleinerz auch find die Vor:
derflügel felbft breiter.
Rückenſchild und Kopf etwas gelblich weiß mit wenigen, ſehr
feinen, braunen Stäubchen. Fühler fhwarz und weiß geringelt.
Rüſſel breit, aufgerollt, weißſchuppig. Zafter mäßig lang, zus
ſammengedrückt, weiß; das zweyte Glied am der umtern Hälfte
graufchwarz, gegen: die Spike unten: befchuppt und erweitert;
das Endglied von % Länge des zweyten Gliedes, dünn, ſpitz,
aufgekrümmt, unter der Mitte und vor der Spitze mit einen
fhwarzen Ninge. Deine weiß, auf der Fichtfeite, am ſchwaͤch—⸗
ſten die Hinterfchienen, ſchwarz gefhedt. Hinterleib grau mit
zugefpistem After ohne hervorftehenden Legeftahel, am Bauche
meißlich.
Vorderfliigel ziemlich breit, weiß, im Mittelfelde und gegen
die Spise fehr bleich, ochergelbfledig. . Der Vorderrand hat ein
ſchwarzes Pünctchen an der Schulter, nicht weit davon einen
Fleck und dann in ziemlich gleichen Abftänden 'noch drey; der legte
liegt in der Spike und auf den Franzen und Iöft ſich mehr
not als die dren andern in Staͤubchen auf. Schief unter und
hinter dem erften liegt, mit ihm einen unterbrodynen Schraͤg⸗
857
ſtrich bildend, in der. Flügelfalte em ‚größerer, - eckiger Fleck.
Zwifchen dem zwenten und dritten Vorderrandfled iſt ein Fleck—
dien im Mittelraum ; ein kurzer Staubftrih gegen die Spitze
und ein Schuppenhäufhen am Innenwinkel, Die Franzen find
von einer doppelten, ſchwarzen Staublinie durchzogen, die an
der Flügelfpise und, mit dem letzten Schuppenfleck ſich vereinigt.
Hinterflügel grau, viel fchmäler als die Vorderflügel ‚mit
parallelem Vorder= und Hinterrande; leßterer ift vor der Eurzen,
ſcharfen Spitze fehr ftumpf ausgerandet. Franzen ſehr lang,
an der Baſis gelblich.
Unterfeite bräunlich grau, die Hinderflügel wie oben. Die
Borderflügel find dunkler, und die Franzen um die Spige her:
um meiß, die des DVorderrandes braunlich beſchmutzt.
Das einzelne Exemplar Elopfte ich am 26. Juny aus Eichen:
laub in einer Lavawuͤſte bey Vieranni oberhalb Catania am
Fuße des Aetna.
406. (14.) Nigritella n. sp.
Alis anterioribus fusco - nigris, guftulis duabus posticis
oppositis pallidis obsoletis; posteriorum apice valde pro-
ducto, palporum articulo terminali longo; antennis fuscis
( mas.) ‘
Sehr nahe der Gel. coronillella, und von ihr nur duch
die geſtrecktern Vorderflügel und einfarbig braunen, nicht hell
geringelten Fühler fiber zu unterfcheiden,
Ein wenig größer als ein gewoͤhnliches Männchen der: Co-
ronillella. Die Borderflügel find ſchmaͤler und zugeſpitzter;
dunflere Puncte laffen fi im Mittelraum nicht wahrnehmen,
außer einem ſchwer bemerflichen in der Flügelfalte zu Anfange
des legten Dritteld. Die beiden hellen Gegenpuncte, find fehr
Elein und verloſchen, zumal der untere; dieſer fteht mehr ein=
wärts gerücdt, ftatt wie bey Coronillella ſenkrecht unter ‚dem
andern.
Die heller ‚grauen Hinterflügel, haben im männlichen Ge-
ſchlecht eine ftärfer verlängerte Spitze; die Ausrandung daruns
ter ift viel ftumpfer, und der hervortretende Theil des: Hinter:
randes vor derfelben ift flacher abgerundet.
Die ganze Unterfeite iſt erwas heller als bey Coronillella.
Die Fühler find bey dieſer recht deutlich braun und weiß
geringelt und haben am Wurzelglied an. der. Unterfeite einen
weißen Längsftrich; ben Nigritella find fie ganz einfarbig braun,
auf der Unterfeite des Wurzelgliedes weißlih. Anden Zaftern
beider Arten ift das letzte Glied: das längfte; bey Coronillella
hat e8 aber. auf der aͤußern und innern Seite eine weiße Längss
linie; bey: Nigritella ſchimmert es auf der ganzen Innenſeite
wie das zweyte Glied, und ebenfo auf dem Rüden weißlich,
Eeinesweges in einer feinen Linie, — Hinterfchiene und Fuß
find bey Nigritella ſchlanker.
Das einzelne Männden fing. ic) am 3. April hoch im Ge:
birge bey Meffina am Südabhange eines. Berges zwifchen wil-
den Lupinen.
407. (15.) Anthyllidella H.
Alis anterioribus fusco-nigris, guttulis duabus posticis
oppositis pallidis; posteriorum apice valde producto; pal-
porum articulo terminali longo; antennarum latere infe-
riore albo- annulato.
Tin. — Hbn, fig. 330. Eſehr fchlecht.)
Swammerdamia — Hbn. Cat. 425. 4146,
Gelech. — Z. Isis 1859. p. 201.
Iſis 1847. Heft 11.
858
Lita — Dup. Cat. 358: *Suppl. IV, p. 460. pl. 86.
Diefe Urt it von Corouillella ſchwerer zu unterſcheiden
als die in der Iſis zwiſchen beide geſtellte Gel. umbrosella,
die an ihrem viel kürzeren Endgliede der Zafter fehr leicht zu
erkennen ift. Anthyllidella ift zwar gewöhnlich beträchtlich
Eleiner als Coronillella, aber nicht immer. Einen fihern Un—
terfchied fehe ich bloß an den Fühlern; diefe find bey Anthylli-
della auf dem ganzen Rüden einfarbig ſchwarzb aun, auf der
Bauch’eite aber deutlich weiß und ſchwarz wechſelnd und hier
am Wurzelgliede mit einem weißen Strich, der fich befonders
beym Weibchen öfters auf die Peitfche verlängert... Beym uns
verfehrten Männchen der Anthyllidella ift die Vorderflügelfpige
auf den Franzen von einem Bogen ſchwarzer Schuppen, der
ziemlich meit von ihr abfteht, umzogen, während bey Coronil-
lella die ſchwarzen Schuppen ohne Unterbrehung über die Spige
weit über die Franzen hinausreihen. Nicht immer‘ find die
Beine der Anthyllidella mit groͤßern, gelblich weißen Flecken
gezeichnet.
Zwey Männchen fing ich ben Syracus am 12. May an dem
Abhange der ehemaligen Neapolis im Grafe. Sie weichen nur
fo ab, daß ich fie, für. eine verfchiedene Art anfehen Eann.
Sie haben die Größe der Eleinften Eremplare. An dem beffer
erhaltnen .ift ‚der Worderrandtropfen der Vorderſiuͤgel faft rein
weiß. Bey beiden find die Stirn und die Zafter weißer; am
Endgliede der letztern find: die Schneide und die Längslinie auf
der Innenſeite noch feiner und lichter ſchwaͤrzlich. Die Länge
der Taſter und die Geftalt der Hinterflügel ift ganz diefelbe,
Hübners Abbildung: ift durchaus unkenntlich, und id) hätte
fie nimmermehr ala meine Wundfrautfhabe angenommen, wenn
nicht der Name paßte und die Raupe nad) der Berfiherung
meines Freundes, F: 0. Röflerft.imit der Hübmerfchen Ab:
bildung gut übereinkaͤme. Die Abbildung der Schabe zeigt auf
den Vorderflügeln an der Stelle, wo meine Art bisweilen ein
paar zufammengehäufte gelblihe Schüppchen hat, nehmlich hin:
ter der Hälfte der Flügelfalte, einen fehr deutlichen gelben run:
den Punct; der Sunenrand ift ohne Punct; die Hinterflügel
einfach lanzettförmig; der Hinterrand aller Flügel roſtbraͤunuch
gefäumt.
407. (16.) Paupella n. sp.
‚ Alis anterioribus albidis, lineis Iongitudinalibus Navi-
dis fusco - marginatis; striga marginis postici latiore utrim-
que attenuata. ( mas.)
Die nächte Verwandte der Gelechia inopella Iſis 1839.
©. 201. 67., und faft ſcheint fie bloß eine vergrößerte, fehär-
fer und geiblicher gefärbte Form des Südens zu fein; allein
ihre Taſter find verhaͤltnißmaͤßig länger und ihr Rüſſel ift kürzer.
Betraͤchtlich größer, nehmlich Vorderflügellaͤnge 23 (bey Ino-
pella 24); im Ganzen wie Inopella an die Goleophoren
erinnernd durch die fchmalen, langfranzigen Slügel und die
längsftreifige Zeichnung der Vorderflügel. — Kopf und Rüden:
ſchild weiß; (Fühler weißlich, gegen die Spige deutlicher, dun-
felgran geringelt. Rüſſel nur von ber Länge der Lippentafter,
(zufällig aufgerollt.) Kippentafter gekrümmt, von dreymaliger
Kopfesiänge, dünn, ‚etwas - zufammengedrüct, weißlich; das
legte Glied ein wenig dünner als das zivente, fürzer alg dieſes,
zugeſpitzt. Beine weiß; die 4 vordern auf der Vorderſeite braun,
an. den Gliederſpitzen weiß. ‚Alle Schienen find langhaarig und
zwar bie langen Hinterfchienen zweyzeilig. Der. hellgraue Hins
terleib hat einen langen, weißgelblichen Afterbufch.
4
859
Vorderfluͤgel weiß. Bon der Baſis geht dicht am weißen,
ſcharf begrenzten Vorderrande eine nach, hinten geſpitzte, gelbliche
Strieme, vor der Mitte aufhörend (bey Inopella ift der
weiße Vorderrand breiter); unter der Flügelmitte fommt aus
der Bafis. eine zweyte weiter reichende, Länger verdiinnte Strieme.
Zwifchen beiden geht eine dritte am zweyten Lüngsviertel ans
fangende, dünnere, am Unfange des dritten Drittels aufhorende.
Unter der Spite der zweyten ift nahe am Innenrande eine kte
und über der dritten unter dem Vorderrande eine kurze fünfte.
Eine fechfte endlich zieht auf dem Hinterrande; fie ift breit, ver—
dünnt fid) auf beiden Seiten und erreicht nicht die Gegenraͤn—
der. Hinter ihr find die Franzen noch weiß, geben dadurch
das Anfehen, als ob der Hinterrand weiter ab fey, und Laffen
dadurch die Strieme ‚getrennt von demfelben erfcheinen. Um bie
Spitze find die Franzen mit zwey dem Hinderrande ziemlich gleich
Laufenden braunen Schuppenreihen bezeichnet; zwiſchen denen
der Grund gelblich ift. Der Vorderrand hat an der Bafis der
Franzen 5 braune, weit getrennte Fleckchen. Alle Striemen
find mit zerſtreuten, braunen Schuͤppchen auf den Rändern
eingefaßt.
Hinterflügel fehe ſchmal, etwas glänzend hellgrau mit ziem—
lic) langer Spitze, vor welcher der Dinterrand tief und ftumpf
ausgetandet ift. Franzen fehe lang und gelblichgrau.
Unterfeite glänzend hellgrau, auf den Vorderfluͤgeln dunkler;
alle Franzen weißlicher als die Fläche.
Das einzelne Männchen fing ich bey Syracus an einem
blumigen Wege durch die feuchten Aeder zwifchen dem Anapo
und den Säulen des Jupitertempeld am 19. May.
409. (17.) Hermanella.
Oecophora — Duponchel Cat, p. 367.
Ein Männchen bey Neapel am 20. Auguft gefangen. Diefe
Art ift demnach, fo viel big jest bekannt, zwifchen Neapel und
Riga verbreitet.
Das Eremplar ift Elein; auf den Vorbderflügeln ift die glaͤn⸗
zende Linie, die von dem Querbande bis in die Gegend der
Fluͤgelſpitze zieht und auf den Vorderrand auslaͤuft, in der
Mitte unterbrochen.
Anmerk. Ich beſitze noch mehrere ſiciliſche Gelechien in ein—
zelnen, zum Theil nicht gut erhaltenen Exemplaren; da ſie
wahrſcheinlich alle neu find, ſo uͤbergehe ich ſie hier. Herr
Mann wird alle dieſe Arten im mittlern Italien auffinden,
und ich werde dann eilen, die jetzt fehlenden Arten nach—
zuliefern. — Schluß folgt.
Der wahre Grund der weißen Farbe,
Bon Dr. C. C. T. Burd ach, pr. Arzt in Luckau N, L.
Weshalb reflectiren weiße Stoffe das homogene Licht als
ſolches, alſo unverändert? Was iſt der Grund der weißen
Farbe? — Die bisherige Phyſik ſagt uns: „daß ein Körper
weiß iſt, wenn er jedes Licht unveraͤndert zurückwirft, im wei⸗
fen Lichte weiß, im rothen Lichte roth erſcheint, u. ſ. mw.‘ fie
giebt alfo nur eine Beſchreibung des Phänomens mit andern
Worten, anſtatt einer Erklärung. Iſt es wohl, bei den ſo
einfachen und unveränderlichen Geſetzen des Lichtes wahrfchein—
lich, daß ſo ohne Weiteres die verſchiedenartigſten Stoffe ſich
auf ganz gleiche Weiſe gegen daſſelbe verhalten ſollten?
860
Man möge nicht zu ſchnell einwenden, daß in Betreff der
eigentlichen Farben (das Weiß iſt deren feine) Aehnliches
Statt finde, indem Stoffe von verſchiedener Beſchaffenheit unter
gleichen Farben vorkommen. Denn offenbar iſt das Verhältniß
eines Dinges zu einer functionellen Fraction nicht auf gleiche
Weiſe maßgebend für feine Beſchaffenheit, wie das zu der Ge:
fanmtfunction. Nun find aber Arfenikfäure, Milch, Schnee,
Kreide, Fett, in gleicher Art weiß. Dieſes Verhältniß des
Lichtes kann wohl nicht ohne eigenthümlich Flaren und Durchs
greifenden Grund Statt finden, welcher für bie prismatiſchen
Fractiouen deffelben nicht in berjelben Weife zu erwarten if.
Ein Körper erfcheint weiß, wenn feine kleinſten nnd legten
Aggregattheile (relativen Atome) volfommen waſſerhell (Farb:
|
|
108), Ddurchfichtig find, aber durch ihre Kleinheit, fodann
auch durch ihre Zuſammenhäufung der diſtineten Einzelwahr:
nehmung des undbewaffneten Auges ſich entziehen, folglich für
daſſelbe aufgehört haben durchſichtig zu fein, und nun, ſowohl
da, wo fie unter begünftigenden Umftänden, etwa auf einem
ſchwarzen Hintergrunde noch, als einzelne Punkte, ohne merk:
liche Ausdehnung, wahrnehmbar find, als auch in ihrer gehaͤuf—
ten (nicht Ernftallinifchen,) Verbindung, den Eindrud des un:
veränderten LFichtes erzeugen — das homogene Licht unverändert
zurückwerfen müffen. Ueberall, ohne Ausnahme, wo fogenannte
weiße Farbe an Körpern bemerkt wird, da ift ed zunächit nur
die Unfähigkeit des menſchlichen Auges, farblos kryſtallhelle,
molekulare Aggregat: Theile wegen ihrer, Keine räumliche Aus—
Dehnung, folglich dem unbewaffneten menfchlichen Auge Feine
Durchfichtigkeit weiter darbietenden Kleinheit (auch wegen ihrer -
Zufammenhäufung, fofern letztere nicht in wahrer Eryftallinifcher
Verbindung befteht, Durch welche volfonmene Durchfichtigfeit
hergeftellt wird,) zu durchdringen, welche aus jenem objvctiven
Grunde dieſe Scheinfarbe erzeugt. Weiß ift, objectiv, elementare,
atomiftifche, farblofe Durchſichtigkeit fubjectiv, undurdfichtig ges
worden durch atomiſtiſche Kleinheit und fodaun regellofe, un:
verbundene Anhäufung; ift Infinitefimalreflerion an ſich heller,
farblofer Atome. —
Thatfächliche Beweise.
Erftens, indireeter Beweis.
Kleine, farblos durchfichtige, eben nur noch als ſolche
(nehmlich als durchfichtig, ) wahrnehmbare Gegenftände, Fryftall-
helle größere Sandförner, kleinſte Glasperlen oder Glasſplitter,
aus mehrerer Entfernung und durch ftarfe Sohlgläfer betrachtet,
verlieren fofort die Durchfichtigfeit, und erjcheinen kreideweis.
Wie kann es auch anders fein, Da Durchfichtigfeit in Specie
durch hinreichende Ausdehnung des burchfichtigen Körpers mit
bedingt iſt. Nur, fo lange derfelbe noch unter einem meflichen
Sehwinfel erfcheint, deſſen Schenfel das Bild eines dahinter
liegenden Gegenftandes umfaffen fünnen, Fann von Durchfichtige
feit Die Rede fein. Hört, mit der Merfleinerung des Körpers,
der Sehwinfel bdeffelben auf, indem der Körper die Punftforn
erreicht, (optifches Atom wird,) jo muß. aud) in, Specie feine
Durcyjichtigfeit aufhören. Selbft der, feiner Subſtanz nach, hell
durchfichtige Körper, muß in Punctesgröße vollfommen undurd=
ſichtig, und folglich, in fo fern er farblos war und ift, weiß
erfcheinen, da durchaus fein Grund vorhanden ift, weßhalb er
dad homogene Licht oder deſſen Fractionen alteriren ſollte. Nur
die Vergrößerung mitteljt des Mifroffops, welche ihm einen, bez
trächtlichen Sehminfel reftituirt, oder zweitens, feine Verſchmelzung
in eine Erpftallinifche Verbindung mit andern gleicyartigen Atomen,
‚861
dutch welche deren Ginzelreflertion qufgehoben wird, erhebt ihn
wiederum zur Durchſichtigkeit.
Zweitens, dbirecte Beweife.
Kaum einhundertmalige microfcopifche Linearvergrößerung ift
erforderlich, um erfennen zu lajfen, daß der Schnee nur aus
hell durchfichtigen, niemals an und für fih weißen Grh=
ftalbildungen befteht, deren, dem bloßen Auge, wenigftend in
einiger Entfernung, nicht mehr durchdringbare Kleinheit bei maſ—
fenhafter Anhäufung Die Gricheinung der reinften Weiße gewährt.
Völlig weißer Kiesfand zeigt volfommen daſſelbe urfächliche Ver:
hältniß zu gleicher Wirfung im Anblid. Binden fi, dem Sande
bengemifcht, andere weiße Erdarten; jo erfordert deren moleculare
Feinheit eine viel ftärkere Vergrößerung, um auch deren kleinſte
Theilchen, welche dem bloßen Auge, ebenjo wie die Körner Des
feinen Kiesſandes, nur mattweiß erfcheinen, gleich legtern in der
Geſtalt Heil durchfichtiger Cryſtallfragmente erjcheinen zu laſſen.
Weiße Blumenblätter beftehen aus waſſerhell durchſichtigen Ku—
geln oder Bläschen. Jedes Weiß verſchwindet auch an ihnen,
fo wie überall, durch hinreichende microfcopiiche Vergröße—
rung. Wird ein weißes Blüthenblatt ftarf gequeticht, fo verliert
es augenbliclic, die weiße Farbe und wird durchſcheinend, indem
die mit waſſerhellem Pflanzenjafte gefüllten Kügelcyen oder Blaͤs—
chen, welche feine Subftanz bildeten und feine weiße Farbe vers
möge ihrer Kleinheit und Menge verurfachten, zerfprengt und
ihre feinen durchfichtigen Wände in eine Fläche vereinigt werden,
wodurch Die Molecularreflerion, auf welcyer alles Weiß beruht,
aufhört. (Daſſelbe Nefultat erfolgt bei unorganiſchen und. ele—
mentaren weißen, pulverfürmigen Stoffen, auf dem Wege bes
Schmelzens, Auflöfens, Cryſtalliſirens und Gefrieren.) Jedes
weiße Gewebe, leinenes, wollenes, baumwollenes, feidened, er
fcheint bei hinreichender (ſchon bei einhundertmaliger) Vergrö—
ferung unter dem Microfcop, als ein Geflecht farblojer, waſſer—
heller Glasfäden oder völlig durchſichtiger, eryftallner Stränge.
Die einfache Pflangenfafer, Durch irgend einen Proceß vom alt:
hängenden Pigment völlig befreit (gebleicht,) iſt ſtets eryſtall⸗
hell. Weihes Papier, in hinreichend Iodere Stüdchen langjam
zerriffen, löſt ſich unter dem Microfeop in cryſtallhelle Faſern
auf, aus denen es durch DVerfilzung gebildet wurde.
Weißes Holz, z. B. von der Linde oder Weide, Hat Diele
Scheinfarbe in Folge der eryſtallhellen Beſchaffenheit der einfachen
Pflanzenfafern. Im gelben oder braunen Hölzern finden ſich
Dazwijchen mehr oder weniger undurchfichtige Pigmentfürner von
diefer Barbe. ben fo im grauem oder gefärbtem ‘Papier.
Weiße Thiere, Säugethiere, Vögel, Schmetterlinge, find nur
Dadurch weiß, daß jedes Fleinfte Theilchen ihrer Bekleidung für
ſich hell bdurchfichtig (farblos) ift. Jedes weiße Haar eines
Thieres oder eines behaarten Pflanzentheiles, jede weiße Vogel
feber, jedes Staubblättchen eined weißen Schmetterlingsflügels,
ift unter dem Mierofcop vollkommen hell durchfichtig und farblos.
Die Gefanımtheit diefer Eleinen farblos durchfichtigen Körperchen,
welche Dem bloßen Auge vermöge ihrer Kleinheit nicht mit Diefer
Eigenschaft wahrnehmbar find, giebt den von ihmen gebildeten
Oberflächen ihre weiße Färbung. (Das weiße Mark der Vo—
gelfedern muß zuvor, mie jeder andere compacte Körper, 3. B.
ein weißer Stein, ein weißes Thongejchirre, um der Einwirfung
des Microfcops befähigt zu werden, möglichft fein zertheilt werden. )
— Weißes Getraidemehl und Amylum wird bei hinreichender
microfeopiicher Vergrößerung, welche bei letzterem ziemlich be:
trächtlicy fein muß, zu einer Anhäufung hell durchfichtiger Par:
— ——
—_—
862
tikeln, mit gänzlicher Aufhebung der weißen Faͤrbung, mie in
allen ähnlichen Fällen. Milch befteht befanntlich aus hell durch—
fihtigen Kügelchen oder Bläschen, welche im farblofen Serum
ſchwimmen, und und durch ihre äußerfte Kleinheit und Unerfaps
lichkeit für Das unbemaffnete Auge, demſelben Die Gricheinung
der matten Weiße gewähren. In allen Füllen, two weiße Fär—
bung durch weiße Metalloryde und Erden hervorgebracht wird,
verſchwindet durch hinreichende microfeopijche Vergrößerung (welche
freilich in dieſen Fällen eine fehr hohe Stufe erfordert) der zu—
vor, Durch vollfommene mechanifche Zertheilung, binreichend Dazu
vorbereiteten feinften Theile des betreffenden Körpers oder Pig:
ments umfehlbar Die Ericheinung des Weißen, indem fte fid) in
farblofe vollfommne Durchjichtigkeit dieſer Molefüle auflößt.
Es bedarf daher nicht der Anführung noch mehrerer einzelner
Belege und Benipiele. Doch erfordern einige beiondere Erichei-
nungen und Glaffen von Stoffen eine fpecielle Berüdfichtigung,
welche hernach verfucht werden fol. —
Wie vermag aber eine Anbäufung farblos waſſerheller, voll-
fommen durchfichtiger Aggregattheile das Licht vollftändig zu re—
flectiren und einen weißen Körper für das bloße Auge darzu—
ftelen? Sollte eine folche nicht vielmehr alles Licht einfaugeu
und der alte Anaragoras Recht haben, „Daß der Schnee eigent-
lich ſchwarz ift”? Keinesmeges; wenn jedes einzelne, unter Dem
Vicrofeop farblos durchftchtige Atom, vermöge feiner Kleinheit
dem unbewaffneten Auge ald weißer Punet ſich darftellen muß
und die Erjcheinung des Weißen nur dadurch entftehen kann;
fo kann aud ein Compler folcyer Atome feine andere Wirfung
auf Licht und Auge ausüben, da in der Vielheit fein Grund
zu einer Alteration Des Lichtes liegt.
Die Durchfichtigfeit der vollfommnen Flüffigkeiten, bes Wai-
ferd und des Weingeiftes, beruht auf ihrer Atomenfreibeit.
Abſolute Flüſſigkeit und unendliche Theilbarkeit find identiich.
Im völlig reinen natürlichen Zuftande kann mithin das Waſſer
eigentlich Feine Farbe haben, da eine folche allemal bie Gegens
wart von Atomen oder gejonderten kleinſten Aggregattheilen er—
fordert; das Weiß auf farblofen, microfeopifch Durchfichtigen ;
Die Farben auf mehr oder weniger undurchfichtigen Molekulen
beruben. Wenn aber das Waffer durch Entziehung des Wär-
meftoffs aus feiner Integrität geriffen wird, jo bildet es Cry—
ftallifationen, (oder wenn ſolches durch ftarfe mechaniſche Er—
fhütterung geſchah, Bläschen), welche dem bloßen Auge wegen
ihrer Kleinheit nicht mehr einzeln erfennbar und durchdringbar
find, demfelben folglich weiß erfcheinen müſſen, indem ſie Die
Durchfichtigfeit unverlierbar bepbehalten und unter dem Micro:
feop fie zeigen. Die Veränderung des Aggregatzuftandes eines
Körpers kann blos den Unterfchled zwifchen freier und miero—
feopifcher Durchfichtigkeit betreffen, auf deffen Erfenntnig die des
Grundes der weißen Färbung durchaus beruht, nie aber einen
wirflich undurchjichtigen Körper in einen burchfichtigen und ums
gekehrt verwandeln. Anders ift e8, wenn Die chemifche Con—
ftitution verändert wird. Die, auch in den feiniten Atomen,
undurchfichtigen Metalle, werden durch Oxydation in mehr oder
weniger atomiftifch (mieroſcopiſch) durchfichtige Orhde verwan—
delt. — Wenn das Waller in größeren Maſſen eryſtalliniſch er—
ftarrt, zu Eis, fo bleibt es durchfichtig, ohne weiße Färbung;
denn hier ift fein Zerfallen in microfcopifche, dem freien Auge
nicht dDurchdringbare, Cryſtallbildungen. Auf ganz ähnliche Meile
verhält ed ſich mit der Croftallifation aller wafferhellen, farblofen
Salze und Mineralien. Ale foldye können nur in ein weißes
Pulver zerfallen, welches im jedem Atome Die microſcopiſche
863
Durchfichtigfeit und volfommme Farblofigfeit beibehält. Sobald
der atomiftifche Aggregatzuſtand derfelben durch einen elementaren
Proceß (Auflöſung, Schmelzung,) wieder aufgehoben wird,
ſo muß, vorausgefetzt, daß ſaͤmmtliche Atome ihn. eingingen,
die weiße Farbe wieder aufhören, und freie Durchſichtigkeit der
geſammien flüſſigen oder feſten Maſſe wiederum eintreten. —
Durchſichtigkeit iſt Atomenfreiheit. Dieſe iſt eine zweifache.
Die erſte, wo überhaupt.feine Atome find, iſt Die Der Luft, des
Waſſers, der reinen Spirituojen. Von dieſen vermag nur das
Waſſer ſeinen Aggregatzuſtand zu verändern, und dem freien
Auge undurchdringbare, Daher weiße,» Formen zu bilden. Die
andere, wo Atome‘, jo eng und weſentlich zu, einem Ganzen,
zu einer innig zuſammenhängenden Maſſe verbunden ſind, daß
fie (für die Dauer dieſes Aggregatzuſtandes,) aufgehört haben,
ala einzelne Atome zu erſcheinen, in farblofen Eryjtallen, Glas,
Eis, (weil dieß Durch mechaniſche Gewalt, ohne daß es ſchmelze,
in feines, weißes Pulver verwandelt werden kann, jo gehört es
hierher auch, unbejchadet der Atomenfreiheit des Waſſers), horn:
artige Durchjichtige Körper, Oele. Mechaniſche Gewalt vermag
den Zufammenhang. diefer Körper zu trennen und ihre, Violekule
zu vereinzeln, wo Dann Die freie Durchfichtigfeit aufhört, weiße
Farbe und microfeopiiche Durchſichtigkeit eintritt. Bei Den Delen
Fann dieſes hauptiächlich Dadurch gejchehen, Daß Wafler zwifchen
ihre eng’ verbundenen Atome gedrängt wird, wovon hernach
nod) ein Mehreres. Unverbundene Atome, in einem atonıfreien
Körper der exften fowie der zweiten Glajje, in zerjtreuter Vienge
enthalten, ſtören bie Durchfichtigkeit, auch wenn ſie übrigens
mit*ihm von gleicher Urt, alfo weiß und mieroſcopiſch Durch-
fichtig find, 3. B. das befannte Milchglas. Sind fie aber ge:
färbter, undurchfichtiger Beſchaffenheit, fo ſtören fie, unverbunden,
zwar auch die Durchjichtigkeit ehr; wenn fie aber in das Cry⸗
ſtallgefüge ſelbſt als integrirende Theile mit aufgenommen wurden,
fo fürben fie dieſes nur, ohne Die Durchſichtigkeit weſentlich zu
behindern: farbige Glasflüjfe, gefrorne Karminauflöjungen,
Die Urfache der Entftehnng Der weißen Färbung in den aus
Delen gebildeten Emulfionen, ward vorhin ſchon angedeutet.
Schwieriger fcheint e8, von ihrer Verwandlung in weißes dett,
eine eben jo beftimmte Erklärung zu geben. Es kann nur ans
genommen merden, daß bei Diefem Vorgange eine eigenthümliche
Lagerung oder Schichtung ihrer Atome eintrete, melche von ber
Art ift, daß Infinitefimalflächenreflection — weiße Farbe Dadurd)
entftehen muß. — Aehnlich ſcheint der Vorgang zu fein, wo
fih aus dem flüßigen, durchjichtigen Eiweiß, ein weißer come
pacter Körper durch Gerinnung bildet.
Bereit G. R. Treviranus hat beobachtet, Daß dad gerinnende
Eiweiß die Geftalt äußert Fleiner Kügelchen annimmt. (Ver—
mifchte Schriften der Gebr. Ireviranus, Band 1, Göttingen,
1816. Seite 133, 134.) Diele Structurbildung erflärt Die in
Folge derſelben eintretende Molekularreflexion und weipe Farbe
Dinreichend. Geronnenes Eiweiß, wenn es trodnet, wird farb-
[08 Durchfichtig, hornartig, zum Beweis, Daß feine weiße
Undurchfichtigfeit nur Folge von Structurverhältnijfen war, wie
fie folche überall nur ift, — welche mit der Vertrocknung ſich
ändern. Denn daß die Anwelenheit Des Waſſers an fich Feine
Unducchfichtigfeit verurfachen könne, ift wohl Far genug.
Die befte Ueberzeugung von der Nichtigkeit und thatſächlichen
Begrlindung der biermit gegebenen Aufftellungen, kann nur Die
eigne Anfchauung gewähren. Man überzeuge fih, Daß Die
kleinſten Theile eined jeden weißen Körpers, welche Die Stärfe
eines Microſcops hinreichend zu vergrößern vermag, um für
———
—
864
jedes biefer auf das Beinde zertheilteu Molefule, einen merf-
lichen Sehewinkel herzuſtellen, farblos durchfichtig find, und
es bleibt Fein Zweifel daran übrig: Daß alle weiße Färbung
nur auf dem Unterſchiede von freier. und microſcopiſcher Durch-
ſichtigkeit berube, mithin nur eine Scheinbarfeit oder. optiſche
Täuſchung jei. — ’
Memoiren
de la Societe du Museum d’histoire naturelle de Strasbourg.
Str.chez Levrault. Ill. 1840—46. 4.,
Die Straßburger Naturforfcher wetteifern auf eine rühmliche
Urt mit den Parifern, obfchon fie weniger zahlreich find und
weniger Hülfsmittel haben. Sm vorliegenden Band haben die
meiften Abhandlungen einen bedeutenden Werth, indem ie
manch Neues bringen und ebenfo fcharffinnig wie fleißig und
geſchickt bearbeitet find. Da jede ihre befondern Seitenzahlen
hat; fo wird man fie wohl einzeln befommen fönnen.
U Bee: über dag Mutterkorn und einige Agamen,
welche auf den Noggenähren vorfommen. 1843. S. 1—46.
Taf. Zelle
Die zahlreihen und gründlichen Unterfuhungen de3 Mer:
faffers bey den Flechten find allgemein befannt, und daher be—
darf diefer Aufſatz Eeiner Empfehlung. Woran das Gefchicht-
liche, fodann die Charactere, Vorkommen, microfcopifche Unter:
fuhung, Entwidelung. t
Die andern Schmaroger find: Fusarium secalis, Helmin-
thosporium secale, Malacharia oeulina.
Die Infuforien, welche ſich beym Mutterkorn entwideln,
find? Monas terıno, Ophthalmoplanis ocellus, Cyelidium
hyalinum, Bursaria obliquata, Vibrio. Der Verfaffer nennt
die Sippe Sphacelia. Taf. 1. enthält die microfcopiiche Zer—
legung; Zaf. 2. die andern Schmaroger.
IH. See: microfcopifche Unterfuchungen des gefunden Harns.
1841. ©.1—12. 8.1. Abgebildet find Segen der Schleim:
haut, Kügelchen, proftatifche Koͤrperchen, Zoofpermen und ver=
ſchiedene Salze.
II. Langlois: Chemifche Unterfuchungen des Saftes eini:
ger Pflanzen. S. 1—7. Weinſteck, Nußbaum, Linde,
IV. N. Joly und U. Lavocat (beide zu Zouloufe): Ge:
ſchichtliche, zoologiſche, anatomiſche und palaontologifche Unter \
terfuhungen ber die Giraffe. 1844. ©.1— 124. Taf. 17.
Diefe Abhandlung ift ein ganzes Buch, und enthält voll
ftändig die im Zitel angezeigten Nubrifen, mit zahlreihen von
Joly felbft auf Stein gezeichneten Abhandlungen. ine aus
Abyſſinien kommende und in Zouloufe umgeftandene Giraffe
wurde vom Magiftrat gekauft und den Verfaſſern uͤbergeben.
Sie haben fich diefes rühmlichen Geſchenkes durch ihren großen
Fleiß und ihre Gefchidlichfeit würdig gezeigt. Woran geht ein
Verzeichniß aller Schriftfteller von Mofes an durd die Grie-
chen und Lateiner bis auf unfere Zeiten. Sodann werden die
Stellen aus-den Griechen und aus den neuern Reiſenden aus—
gezogen; eine fehr mühfame und danfenswerthe Arbeit, melde
läuft von ©. 1—40. Dann folgt die Befchreibung des Aeu-
fern; ©. 51. die Eingeweide; ©. 58. Geſchlechtstheile, ©. 62.
das Schrach befonders ausführlich, die Hörner, Zähne; S.85.
Binder; ©. 86. Muskeln; S. 103. Gefaͤßſyſtem; ©. 106.
Nervenſyſtem; S. 109. Verwandtſchaften; ©. 110. Berftei-
865
nerungen; ©.-113. Erklärung der Tafeln: — Die Verfteiner:
ungen find: Camelopardalis primigenius (Sivatherium gi-
ganteum), biturigum, sivalensis, affinis.
Man muß den DBerfaffern. die Gerechtigkeit widerfahren laſſen,
daß fie mit ungemeinem Fleiße die Fiteratur zufammengefucht
und jedem Schriftfteller fein Recht» haben. widerfahren laffen:
dennoch haben fie eine wichtige Arbeit vergeffen, nehmlich die
von Cregfhmar in Ruͤppells Atlas S.23., wo unfers
Erachtens zuerft gezeigt wurde, daß die Hörner nicht bloß Er-
hoͤhungen des Stirnbeins, fondern eigenthümliche Knochen find:
ferner, daß das fogenannte Zte Horn auf einem Zwickelbein
fteht zwifchen den beiden Stirnbeinen, wodurch die Möglichkeit
des fogenannten Einhorns dargethan wurde. Endlich hat d’Alton
in ‚den leopoldinifchen Verhandlungen 1824. XI. 1. ©. 333.
T. 36. das Gebiß abgebildet. und mit des Bojanug Mery-
cotherium ©. 263. 3. 21. 22. verglichen.
T. 1. ftellt, die nad) Owen copierte Chiraffe dar.
. 2. ägnptifhe Sculpturen derielben.
Abbildungen aus alten Schriftftellern.
. Gaumen, Zunge, Nieren.
. Mugen.
weibliche Gefchlechtstheile nah, Omen.
Hirn deßgleichen.
Schaͤdel und Halswirbel.
Hoͤrner, zerſaͤgt; Schädel nach Pander und
ton.
. 10. Gebiß.
T. 11. Knochen der Vorderfuͤße.
T. 12. Hufe.
T. 13. Schrach.
T. 14—16. Muskeln,
T. 17. DBerfteinerungen, nah Duvernoy, Salconer und
Gautley.
V. Lereboullet: Beytrag zur Anatomie von Myopota-
mus coipus. ©. 26. T. 2.
Der Verfaffer erhielt 1843. vom Chirurgen Adermann
ein trächtiges Weibchen und 4 Junge in Branntwein in an—
gefaultem Zuftande. Er gibt vorher die Gefchichte, welche be—
fanntlih von kurzem Datum ift, da Molina die erſte Nach—
richt davon gab 1782., nachher Azara, beide Geoffroy
St. Hilaire, wovon Iſidor zuerjt die fonderbare Lage der
Zigen faft auf dem Nüden bemerkte 1830; bald nachher auch
Ehrifty zu London 1835., Sahräus und Sundewall zu
Stodholm 1839., TZarras und Popelaire zu Brüffel 1841.,
Rüppell, Shin; und U. Wagner; eine Anatomie des
Maͤnnchens ift vorhanden von Martin zu Xondon 1835., des
Schädels von Ü. Wagner.
Der Verfaffer hat den Streit über die Bedeutung der Zigen
endlich entfhieden, indem er den Zufammenhang derfelben mit
den Milchdruͤſen beym traͤchtigen Weibchen nachgewiefen hat.
Es find. ihrer vier jederfeitg in. der Nichtung von den Augen
zu den Hüften, und fie waren ‚nicht, weniger als 6" Tang ; die
‚erfte hinter der Schulter, die letzte vor der Hüfte, jede von
der andern 2'' 3", Der Leib maaß 4 Meter, alfo 144, der
Schwanz 4 Meter. Schädel, Gebiß und das übrige Schrach
wird genau befchrieben; jener hat am meiften Aehnlichkeit mit
dem des Capyhara, dem ſich das Zhier uͤberhaupt mehr nähert
als dem Biber. y i
Ferner werden. befchtieben Zunge, Gaumen, Darm und
‚weibliche Theile.
Iſis 1847. Heft 11.
*
og ER EHE SER)
1)
[=
|
T.1. zeigt den Schädel von verfchiebenen
866
Seiten; T. 2. die genannten Eingeweide.
bohlentoch ift ſehr weit.
VI. 3.9. Flouch: Unterfuhungen über die Schleimhaut
der Därme ©. 1-19. T. 2. ill.
Schr genaue microfcopifche Unterfuchungen über die Darm:
zotten, die lieberfühnifchen Drüfen, die böhmifchen Gapfeln
ufw., bey verfchiedenen Thieren ; auch pathologifche Erſcheinun⸗
gen. Die Abbildungen find fehr fhön gezeichnet von Klein und
lithographiert von Simon.
VI. Kopp: Bericht über Lurgings Verſuch einer Leitung
der Luftballone S. 1-36. T. 1. 1
VIH. Fr. Kirfhleger: botanifhe Notizen S. 1-8.
Meiftens Mifbildungen von verfchiedenen Pflanzen ; darunter
eine Drchis mit 2><3 Staubfäden.
IX. Langlois: Wirkung der fehwefeligen Säure auf die
alcalinifchen Monofulfuren ©. 1-7,
Noch liegt bey eine meteorologifche Tafel von Th. Boͤckel.
Das Unteraugen:
Abhandlungen
bey Begründung der kön. fächfifchen Gefellfchaft ver Wiffenfchaften am
Zage der zwenhumdertjährigen Oeburtsfeyer Leibnigens, herausge—
geben von der Jablonowskifchen Gefellfchaft. Leipzig bey Weid—
mann, 1846, gr. 8. 482. Taf. 9, (9f.)
Diefes Werk macht der fonft fo felten auftretenden Gefell-
ſchaft alle Ehre und ift zugleich ein. würdiges und bleibendes
Denkmal der Erinnerung ‚an den großen Leipziger Leibnitz.
Es enthält 9 große und. wichtige. Abhandlungen.
I. W. Wahsmuth läßt Briefe abdruden von Leibnitz
an den Chriftian Philipp, Nath des Churfürften- von
Sachſen, in franzöfifcher Sprahe, vom Jahr 1678. an: bie
1682. Ueber allerley tägliche Gegenftände ohne weitern wiffen-
ſchaftlichen Werth. Man fieht indeffen daraus, was fich da-
mals in Krieg und Frieden und in verfchiedenen Wiffenfchaften
ereignete; man lernt verfchiedene Gelehrte jener Zeit Eennen, fo
wie das Intereffe, welches Keibnis an Allem nahm, was in
der Diplomatik und in der Literatur vorgieng.
1. A. F. Möbius:rüber eine neue Behandlungsmweife der
analntifchen Sphaͤrik. ©. 45. T. 1.
III. M. W. Drobifch: über die mathematifche Beftimmung
der muficalifchen Intervalle ©. 87.
IV. U Seebed: über die Schwingungen der Saiten.
©. 129.
V. €. 5. Naumann: über. die Spiralen der Conchylien
©. 151., mit Holsfchnitten.
Diefes iſt eine wichtige Unterfuhung über die Entftehung
der Schnedenfchale und wird mit der Zeit noch viel wichtiger
werden, vielleicht für die fihere Beftimmung der Gattungen,
wann einftens die Zoologen und Phyſiologen ſich des Gegen⸗
ſtandes annehmen werden. Bekanntlich ſind die Schnecken un-
ſymmetriſch, und haben auf einer Seite Organe, welche auf
der andern fehlen. Ihre Kriechbewegungen gehen daher immer
nach der kleinern Seite und werden nothwendig ſpiral. Die
Schale iſt unſers Erachtens nichts anders als ein zuruͤckgelaſſe—
nes Bild vom Kriechen der Schnecken. Wuͤrden dieſe auf einer
Ebene und ohne Einwirkung von Beduͤrfniſſen gleichſam ge:
dankenlos fortkriechen; fo wuͤrden fie ohne Zweifel eine Spirale
befchreiben nach der Reibesfeite hin, wo am wenigften Organe
liegen, alfo im der Regel nach der linfen. Doch das find
9)
867
Dinge, welche erft in der Folge befprochen werden Eönnen.
Der Berfaffer läßt zuerft dem Herrn Mofeley Die Gerechtig=
keit widerfahren, daß er zuerft diefe Formen in das Gebiet der
mathematiſchen Unterfuchung gezogen hat (Phil, Trans. 1838.),
und entwidelt fodann die. Theorie der. Gencho » Spirale, han—
delt von der einfachen, und der zufammengefeß'en. Nach—
mweifung der Conho- Spirale in der Natur, bey den Gaſtero—
poden und Gephalopoden. Es bleibt nun noch uͤbrig, auch die
Muscheln, welche fymmetrifh find, ins. Feld. zu führen und
die Natur ihrer Epirale zu beftimmen. Dann wird man viels
leicht auch den pbnfiologifhen Grund finden, warum ſymme—
trifche Thiere mit einee Spirale anfangen. , Um die Sache zur
Vollendung zu bringen, wird. der Mathematiker Zoolog und
Phyſiolog, und diefe werden Mathematiker werden müfen.
Vl. F. Reich: electrifche Verſuche ©. 197.
Ueber die Electricitäts -Entwidelung bey der Verdampfung;
über die Wirkung der Luft bey. der Anziehung und, Abſtoßung
electrifcher Körper.
VI. Wilhelm Weber: electro-dynamifhe Maaß-Be—
ftimmungen. ©. 209., mit Holzſchnitten.
Ein fehr großer Aufſatz, der ein Buch für ſich ift.
VIII. E. H Weber: Zufäge zur Lehre vom Bau und
den Verrichtungen der Geſchlechts- Organe. ©. 379. 2.2
bis 9.
Ein wichtiger und zum Theil fonderbarer Aufſatz, namentlic)
über die Baͤrmutter bey männlichen Thieren mit ſehr fehönen
Abbildungen vom DVerfaffer ſelbſt. Beſchrieben wird diefe Merk:
würdigkeit beym Biber, Caninhen, Pferd, Schwein, Hund,
Kater, Schaf; bey menfhlihen Zwittern. Sodann die druͤſen⸗
attigen Gebilde in der Nähe der Einmuͤndungs-Stelle der
Samen: Candle in die Harn-Roͤhre, namentlich beym Pferd;
über den Bau und den Nusen der Samenblaſen; über bie
Vorſteherdruͤſe bey verfchiedenen Thieren, wie auch) die ſchlauch—
artigen Druͤſen; über die Entftehung der tunica decidua reflexa
und Uber die Verbindung der Mutter und der Frucht. Dabey
überall das Gefchichtliche mit critifchen Bemerkungen.
IX. ©. ©. Lehmann: Beyträge zur Kenntniß des Der:
haltens der Kohlenfäure- Erhalation unter verfchiedenen phyſio—
logifchen und pathologifhen Verhältniffen S. 461.
Refpirationg = Apparate ; Verfuche über den Einfluß der Wärme
und Feuchtigkeit auf die Kohlenfäure: Ercretion ; über den Ein—
fluß der Entzündung auf diefelbe.
Berhandlungen
der fchweizerifchen naturforfchenden Gefellfichaft bey ihrer Berfammlung
zu Winterthur im Auguſt 1846, Winterthur bey Steiner 1847,
8 320,
Es wurden bey dieſer Verſammlung wichtige Vorträge ges
balten, welche empfohlen zu werden verdienen.
Sn der Eröffnungsrede erzählt der Präfident, Ziegler: Pelz
lis fehr paffend, was die Winterthurer Naturforfcher von Zeit
zu Zeit geleiftet haben.
©. 28. fpricht der Ingenieur Sulzberger über die atmos
fphärifchen Eifenbahnen.
©. 35. Profeffor Heller über die verfteinerten Pflanzen am
hohen Nhonen. ;
©. 38, Prof. E. Schinz, über Modificationen am nörren=
bergifchen Polarifations= Apparat.
868
©. 40, Prof. Möllinger, Uber Galvano: Plaftik.
©: 41. Dr. %. Eſcher von der Linth, über Molaffe und
Nagelflub. 1
©. 54. Prof. Mouffon, über die Einwirkung der Magnete
auf das Licht.
©. 58. Prof, Kölliker, Uber die Schüdelwirkel.
©. 61. Here Bremi, über die Anwendung des Schoͤpf⸗
garne,
&.63. Dbergärtner Negel, über Cuscuta trifolii.
©. 65. Profeffor Schinz, Über die Hinderniffe in’ der Nas
turgefchichte durch die Unzahl von neuen Genera.
©. 69. folgt dag Medieinifche, was wir nicht ausziehen
fönnen.
S. 90. Ein fehr ansführlicher Vortrag von Dr. Hugi: das
Mefentlihe über die Gletfcherfrage.
©. 159. Prof. Heer, Phyſiognomie des foffilen Deningens.
©. 185. Prof. Möllinger, über die Anwendung der Gals
vano-Plaſtik in den bildenden Künften.
©. 191. Dr. Köhlin, Über die Witterung, nad einfacher
Natur » Beobahtung, und die Vorherbefimmung ihrer Ve:
ſchaffenheit.
S. 201. Oberſtlieutenant Gengel, Beytrag zur Naturge—
ſchichte der Seidenraupe und ihres Nutzens.
©. 241. folgen Berichte über die Verhandlungen der Cantonal=
Gefellfhaften von Genf; ©. 249. von Neuenburg; ©. 264.
von Waadt; S. 282. von Zuͤrich; S. 287. von Bufel; ©,
291. von Bern.
Vierter Jahresbericht der Pollichia,
eines naturwiffenfchaftlichen Vereins, Neuftadt an der Haardt.
1846. 8, 22.
Diefe junge Geſellſchaft laͤßt fich recht fleifig an umd fördert
hinlaͤnglich nach ihren Kräften und nad) der geringen Zahl ihrer
Mitglieder.
Voran ein kurzer Beriht von Dr. Hepp, dem Vorftand
des Vereins, Über das Gefchichtliche; fodann über: die Vermeh—
tung der Sammlungen, die Vorträge, die neuen Mitglieder
und die Geldbeyträge.
©. 11. Nachtraͤge zu F. Schulzens Flora der Pfalz von
Dr. ©. F. Kod.
S. 21. Ein anderer Nachtrag zu früher nicht beachteten
Pflanzen in der Pfalz. f
Beridbt
bes naturwiffenfchaftlichen Vereins des Harzes für das Jahr 1846.
4, 34, Il,
Mir fahren fort, einen Eurzen Bericht von den Verhandlun⸗
gen diefer Gefellfchaft zu geben. Sie hielt ihre Verſammlun—
gen zu Blankenburg und gibt ein Werzeichniß der gehaltenen
Vorträge.
©. 11. Hampe, botanifhe Nachlefe, meiftens Moofe und
Flechten.
©. 13. A. Luͤben, über Cassida murraea, beſonders die
Larve.
S. 14. Hornung, nachträgliche Käfer am Harze.
S. 15. Th. Hartig, uͤber einige paraſitiſche Hymenopteren
869
des Harzes, mit Characteren, befonders über Sigalphus Cur-
eulionum, semirugosus et robustus. Aufgeftelt werden zwey
neue S:ypen unter den Epkialtiden, Closteroceros et Ophio-
des. Es gibt fchon eine Closterocera unter den Gerambpyciden
und einen Ophiodes unter den Scincoiden. Der Nomenclator
von Agaffiz ſcheint alfo noch nicht in den Hinden aller Zoo—
logen zu fenn.
©. 19. Seyfert, über dag jüngfte Vorkommen von Kupfer-
indig bey Eangerhaufen.
W. Lahmann, über die climatifhen Verhältniffe der Bro-
den = Kuppe.
©. 34. Oberbergrath Zincken hat in der Verfammlung
1843. die verfteinerte Clathropteris meniscioides im Kias-
Sandjtein bey Quedlinburg erwähnt. Diefe Seltenheit wird
bier auf einer Foliotafel deutlich abgebildet.
Dei Laveri
scientifici dell’ VIII. Congresso italiano radunato in Genoya
nel Settembro del 1846., Relazione del Dottore Carlo Lu-
rati, Lugano. 1847. I. 8 183.
Diefes Buch enthält von einem Unpartheyifchen eine wohlge—
ordnete Beſchreibung der Vorkommniſſe bey der Verſamm—
lung, in dieſem Bande von der Zoologie, der Medicin, der
Agronomie und Technologie und zwar fo, daß man einen voll:
ftändigen Bericht von. allem befommt, was, Michtiges vorge—
tragen wurde, vorzüglich auch, was die Stadt gethan hat.
Die Berfertigung einer Befchreibung der Stadt und. des genue⸗
ſiſchen Landes; eine Denkmuͤnze; dem Columbus wird eine
Bildſaͤule errichtet. Das Mediciniſche iſt am. umſtaͤndlichſten
behandelt, und enthaͤlt manches, was den Aerzten wichtig ſeyn
wird. Fuͤr Landwirthſchaft und Technologie iſt Vieles geſchehen,
eine Geſellſchaft gegründet für die Hebung der erſten mit be—
reits fertigen Statuten, Verhandlungen über die Erdapfelkrank—
heit, die beffere Einrichtung, der Schulen, Hebung des Handels
und der Munufacturen uf,
Don der Zoologie und der Phyfiologie ift Alles angegeben,
mas vorgekommen ift. Die Verſammlungen erregen außeror—
dentlic viel Zheilnahme in Italien, bringen, fo zu fagen, ein
ganz neues Leben hinein, indem fich die ganze Bevölkerung
darum befümmert. Vorzüglich hat die liberale Behandlung des
Pabſtes allgemeine Freude erregt, weil jest auch die Gelehrten
des Kirchenftaats die Erlaubniß erhalten haben, die Verfamm:
lungen zu befuchen, und meil die Ueberzeugung vorhanden ift,
daß man in kurzer Zeit felbft in Nom: werde zufammenfommen.
The Transactions of the linnean Society of
London
XX. 1. 1846. 4. 161.
Dieß Heft enthält: 8 Abhandlungen.
1) W. Griffith, über die Entwidelung des Eyerchens in
Avicennia t. 1.
Stimmt fehr mit Santalum, Osyris, Schoepfia, Olax,
Congea überein.
Die Abbildungen find fehr groß und deutlich. Der Verfaffer
ift leider geftorben.
U. Kölliker, Bemerkungen über den Bau von 2 neuen
tbb. 9.
870
Gattungen 'Hectocotyle auf Tremoctopus violaceus (Octo-
pus 'velifer) et Argonauta argo. ©. 9.
Der Verfaſſer befchreibt genau. Geſtalt, Haut, Muskeln,
Darm, Gefäße, Newen, Gefchlechtstheile. Länge. 7’; auf
dem Nüden eine Menge rundlicher Flecken roth oder violett.
Das find Pigment: Zellen wie bey den Gephalopoden, welche
ſich regelmäßig ausdehnen und zufammenziehen,. wobey die ‚Farbe
wechfelt. Er erhielt nichts ale Männchen und ſchließt ſowohl
daraus, als aus den Pigment: Zellen, Näpfen, Musgkelfafern
und Samentbierchen,, daß fie wahrſcheinlich die Männchen der
genannten Gephalopoden find. Unter 280 Argonauten fand er
nicht ein einziges Männchen, was gewiß merkwürdig iff.
Der Verfaffer führt auch für feine Anfiht Blainvilles
Beriht (Ann. Se. nat. S.Tl. VII. 1837. p. 172.) über die
Beobahtungen der Frau Power nah dem Bericht von Ma—
radigna in einer Zeitfchrift zu Meffina an, wurnad) der
Embryo einem Wuͤrmchen gleiche mit 2 Reihen Näpfen und
einem fudenförmigen Anhang; alfo die Geftalt von Hectoco-
tyle. Wir haben diefe Beobachtungen wörtlich abbruden laſſen
in der Iſis 1845. ©. 606. aus Band XI. der 'Atti dell’
Accademia gioenia 1337. p. 139.; wobey aber Teider ' die
Tafel fehlt, fo daß wir nicht im Stande find, etwas. Ent-
ſchiedenes über die Geftalt diefes wurmföormigen Embryos zu
fügen. Dagegen erinnern wir ung einer andern Stelle, welche
bier in Betracht kommen kann. Grube befchreibt im feinen
Actinien, Echinodermen und Würmern. Königsberg bey Bon
1840. ©. 49. einen neuen Schmaroser- Wurm aus ber Zunft,
der Zrematoden unter dem Namen Polyporus; dann fest er
binzu: „Ein Phänomen aber, welches dieſes Thierchen gewiß
nicht fo leicht mit andern verwandten Trematoden verwechſeln
läßt, ift der uͤberraſchende Furbenmwechfel, den e8 mit den Ge-
phalopoden gemein hat und der meines Wiffens bisher, nod an
feinem Schmarogerthiere beobachtet wurde. Ueber den mild)
weißen Körper nehmlich, fo wie über die Nüdenfloffe und die
Stiele der Saugnäpfe find eine Menge winziger brauner Fleck—
chen ausgeftreut; wie fehr erftaunte ich, als diefe, nachdem das
Thierchen eine Weile faft leblos dagelegen, ein eigenes Spiel
anfingen,. Sie ſchienen wie Knofpen plöglic aufzublühen, dehn—
ten ſich, verfchiedene zu verfchiedenen Zeiten, momentan aus,
um eben. fo fehnell wieder zufammen zu [chrumpfen ; ihre Farbe
im ausgedehnten Zuftande war prächtig goldbraun oder auch
orangegelb, .meift mit dunklerem Saum. Einige nahmen eine
tundlihe, andere eine ſtumpf dreyedige Geftalt an, fie waren
kleiner auf der Floffe und den Saugnäpfen, größer auf dem
Körper, und das Microfcop bewies, daß die Ausdehnung ihrer
Fläche nicht etwa mit einem Hervortreten aus der Ebene des
Körpers verbunden war, wie es Anfangs den Anfchein hatte.
Allein dieß herrliche Schaufpiel währte nicht lange, es erfolgte
der Zod und die Fleden kehrten zu ihrer früheren Unfcheinbar:
keit zuruͤck“.
Der. Wurm war aber nur L“ lang und fand ſich zwiſchen
ben Kiemenbögen des Sparus erythrinus.
©. 23. M. Pakenhbam:Edgeworth: Befchreibung eini-
ger neuer Pflanzengattungen aus dem nordweftlihen Indien.
©. 23. T.2
Es find nicht weniger als 145, welche wir alfo nicht nament=
lich angeben fonnen. Die Sippen find:
Clematis 5 Speeies; Thalictrum 4; Anemone 1; Ra-
nunculus 3; Berberis 1; Nymphaea 2; Corydalis 3; Ara-
|
871
bis 5; Sisymbrium 1; Polygala 1; Silene 1; Melandrium
1; Stellaria 2.
Abutilon 2; Leea 2; Impatiens 11; Geranium 1; Xan-
thoxylon 1; Ochna 1. ; i i
Zizyphus 2; Rhamnus 2; Amygdalus 1; Sibbaldia 1;
Rubus 2; Cotoneaster 1.
Terminalia 1; Rhodiola 15 Sedum 6; Sempervivum 2;
Tillaea 1; Saxifraga 1.
Acronema n. (Sison) 1; Petroseiadium n. (Tragium) 1;
Reutera 1; Bupleurum 1; Oenanthe 1; Angelica 1; Oreo-
come n. (Selinum) 2; Cortia 2; Heracleum 1; Psammoge-
ton n. (Torilis) 15 Scaphespermum n, (Pimpinella) 1.
Loranthus 3; Lonicera 2.
Ophiorrhiza 1; Galium 2; Morina 1.
Vernonia 2; Eupatorium 1;. Adenocaulon 1; Aster 1;
Myriactis 2; Conyza 2; Phagnalon 1; Inula 2; Blain-
villaea 2; Pleivgyne 1; Artemisia 4; Leontopodium 1;
Senecio 3; Madaractis 1; Saussurea 1; Aplotaxis 2; Tri-
cholepis 1; Stictophyllum n. 1; Lactuca 1; Youngia 1;
Melanoceris 2.
Cephalostigma 1; Cyananthus 2; Jasminum 1; Lysi-
machia 2; Cicendia 1; Gentiana 3; Pleurogyne 1; Ophe-
lia 1; Swertia 15 Cuscuta 2; Oxybaphus 1; Stellera 1;
T'hesium 1; Uropetalum 1; Commelyna 2;
n. (Tradescantia) 1.
Abgebildet ift Streptolirion volubile.
W. Griffith, Über die indifhen Gattungen von Balano-
phora ©. 95. 2.3 —8.
B. burmannica, affinis, alveolata, pieta, polyandra, alle
abgebildet.
Phaeocordylis (Rhopalocnemis) n. areolata fig.
Er fpriht ausführlich über den’ Bau und die Verwandt—
[haften der Balanophoreen. Sie wollten nirgends bin paffen,
nicht zu den Nafflefiaceen und Cytineen; in den Piftillen mah—
nen fie an die Urticeen und Lebermoofe. :
M. 3. Berkeley, Über Agaricus erinitus ©. 100. 2. 9.;
daben befchrieben Lentini. ?
Fr. Boott, Carieis species novae vel minus cognitae.
©. 115.
Befchrieben 51 Gattungen aus America und Indien.
E. 3. Quekett, über ein verfteinertes Holz, welches das
Gewebe neuerer Pflanzen erklären hilft, befonders der Goniferen
©. 149.
Franz Walker, Befchreibungen von Chalciditen ©. 153.
Pteromalus acrotatus, bubaris, ection, xanthe, aollius,
antho, learchus, antorides, jaravus, anaxenor, tedanius,
naubolus, aglaus, urgo, orinus. Scladerma n. lalage.
Mimeralosy
of Newyork comprising detailled Descriptions of the Minerals
hitherto found in the State of Newyork and Notices of their
uses in the Arts and Agriculture, by Lewis C. Beck, M.
D. Prof. of Chemistry and natural History in Rudgers College,
Newjersey. Albany 1842. 4. 539. tbb. 39. Woodcuts.
Das ift eine fehr umftändlihe Schilderung der Mineralien
mit ſehr zahleeichen Holzfchnitten und Tafeln von Cryſtallen
mebft dem Vorkommen, den Beltandtheiten und dem Gebrauch.
|
Streptolirion
872
Das Merk theilt fih in bie ‚öconomifche und bie befchreibende
Mineralogie, wovon die erftere bis ©. 167. Läuft.
Zuerft werden die ifenerze befchrieben, ihre geographifche
Verbreitung und die Art des Vorkommens von Graffchaft zu
Grafihaft, Beſtandtheile und die Gemwinnungsart.
©. 44. Die Erze von Bley, Zink und Kupfer, Arſenik ufw.
©. 61. Die brauchbaren Kalk- Mineralien.
©. 94. Die Brenze. S. 99. Die Mineralquellen, mit
einem Verzeichniß derfelben und ihren Beftandtheilen.
Die befchreibende Mineralogie behandelt die gasartigen Mis
neralien ©. 173., die flüffigen ©. 177., die verbrennlichen
&.188., die alcalinifhen S. 195., die Aeserden ©. 204.,
die andern Erden 284., die Metalle ©. 885., Eifen, Braun:
ftein ©. 406., Zint ©. 408., Bley ©.412., Wißmutt ©.
419., Kupfer ©. 420., Zitan ©. 427., Wafferbley ©. 438,,
Urfenit ©. 439., Cererium ©. 440., Silber ©. 442.
Die vielen Tafeln enthalten nicht weniger als 533 Gryftall
formen fehr reinlich gezeichnet; auf 8_ andern Tafeln find Höhen
abgebildet, Gänge, Gegenden und fonderbare Felfen. Das, ift
eine fehr fleifige und nügliche Arbeit, auf Koften der Neyierung
unternommen.
Beytrag
zur microfeopifchen Anatomie der Nerven von Dr. E. Burdach, Pro—
fector. Königsberg bey Bornträger 1837. 4. 77. T. 2.
Diefe wichtige und viel Neues enthaltende Schrift ift durch
ein DBerfehen liegen geblieben. Die fehr fleißigen und gefchiditen
microfcopifhen Unterfuchungen find daher bereits fo befannt
und rühmlic anerkannt, daß eine genauere Angabe nicht mehr
nöthig ift. Der Verfaſſer ſchickt eine vollitändige gefchichtliche
Darftellung der friiheren Beobachtungen diefer Art’ voraus und
zeigt, was in diefem Sache noch zu thun ift. Er hat vorzügs
lich den microfcopifchen Bau der Ruͤckenmarksnerven ins Auge
gefaßt und 'denfelben bey Fröfchen umftändlich unterfucht, ins
deffen auch bey Fifhen, Vögeln und Haarthieren. Dieſe Un—
terfuchungen hat er auf die manchfaltigfte Weiſe abgeändert
durch Betrachtung der unverlegten Merven, bey Drud und
Bereifung, bey Einwirkung verichiedener Temperatur und che:
mifcher Neagentien; dann bey verfchiedenen Lebengaltern, ſowie
nach dem Zode. Einen eigenen Abfchnitt widmet er dem Vers
(auf und der Endigung der NMernen im der Hant und den
Muskeln; ebenfo in der Zunge und in der Schleimhaut des
Mundes. Die Primitiv : Fafern und die Endigungen find deut:
lich und ftarf vergrößert abgebildet ‘von’ vielen Nerven und in
verfchiedenen Drganen und liefern einen ſchoͤnen Beweis von
der Gefchidlichkeit und der Bekanntfchaft des Verfaſſers mit
dem Gegenftand.
Memoire
sur l’Embryogenie des Mollusques gasteropodes par C. B. Du-
mortier. Bruxelles 1837. 4. 47. t. 4. ill. (Mem. Ac. X.)
Der Verfaffer liefert hier eine genaue Entwickelungs-Ge—
ſchichte mit fchönen Abbildungen von Limnaeus ovalis, befchreibt
den Laich, die Eyer, die Entwidelung des Keims mit Angabe
der Zemperatur und der Tage nebft den. entiprechenden Veraͤn—
‚ derungen; die erfte Bewegung de8 Embryos am ten Tag, be=
fonders die Drehungen deffelben; die Erfcheinung der Schale
873
am. 15ten-Tag, der Augen -und des Herzſchlags am. 17ten;
Ausfhliefen am 30ſten. Nach dem DBerfaffer entftehen die Dr:
gane in folgender Reihe: Haut, Syſtem der Abfonderung, des
5— der Muskeln, des Kreislaufs, des Athmens, der
erven.
De Evolutione
Strongyli auricularis et Ascaridis acuminatae Viviparorum ,
diss. in. auct. H. Bayge M. Dr. Erlangae 1841. 4.
16. tb.1.
Bekanntlih haben Prevoft und Dumas die merfmwürdige
Surhung des Dotters bey Fröfchen entdedt, beſtaͤtigt von
Baumgärtner und Baer und Rusconi bey denfelben
Thieren, von Rusconi bey den Fifchen, von Siebold aud
bey den Cingeweidwürmern. Dielen Proceß beobachtete nun
der Verfaffer auch bey den Eingeweidwürmern und zeigt dabey
viel Gefhid und Scharffinn, gibt auch dazu fehr gute und
beutlihe Abbildungen.
Dello Assorbimento venoso,
Memoria del Prof. B. Panizza. Milano 1842, 4. 28. (Mem.
d. Istituto lombardo. I.)
Das ift ein ausführliher Auffag, worinn der Verfaſſer die
von früheren angeftellten Verſuche und fodann viele, die er
felbft unternommen hat, erzählt, woraus hervorgeht, daß wirk:
lid eine folhe Einfaugung ftatt findet, obſchon nicht in ſolcher
Ausdehnung wie man fonft behauptet hat. Er hat feit dem
Jahr 1818. verfchiedene Thieren allerley chemifche Subftanzen
verfhluden laffen, um zu erfahren, ob fie fih im Blut, Harn
und im Koth finden, was Alles vorkam, je nach der chemifchen
Befhaffenheit des Eingenommenen.. Die Verſuche find fo zahl:
reich, daß wir fie nicht ausziehen koͤnnen, und. daher die Lefung
der Abhandlung felbft empfehlen müßen,
Osservazioni zootomico — fisiologiche
sulla respirazione delle Rane, Salamandre et Testuggini di B.
Panizza. Milano 1843. 8. 18. (Giornale del Istituto
Lombardo VIII.)
Bisher hat man angenommen, daß bey den genannten Thies
ren das Athmen durch eine Art Schlucken gefchehe, wobey die
Nasloͤcher durch einen Schließmusfel oder eine Klappe gefchloffen
werden. Dagegen hat Dr. Haro in den Ann, Se. nat. 1842.
XVIH. p. 36. nad) vielen Verſuchen behauptet, das Athmen
gefchehe bey den Froͤſchen und Salamandern mie. gewöhnlich
durch Erweiterung und Verengerung der Lungenhöhle vermittelt
befonderer Muskeln und Knorpel. Der Verfaffer hat aber bey
denfelben die erfte Meynung wieder hergeftellt durch verfchiedene
Berfuche, worunter auch das Abſchneiden der Spike deg Ober:
und Unterfiefers. Es dringe zwar duch Voe- und. Rüdziehen
des Zungenbeins nod etwas Luft in die Lunge, fülle fie aber
nicht an.
Bey den Schildkröten foll nah Haro das Athmen wie bey
ben DBögeln gefchehen, indem aud Luft aus den Lungen in
Luftfide im Bauche trete. Nah Panizza’s Verſuchen ift
Sfis 1847, Heft 11.
874
das nicht der Fall, fondern das Athmen geſchieht wie bey den
Haarthieren.
Xdem sulla Lampreda marina 1844. 4. 92,
thb. 2. in fol.
(Memorie del Istituto lombardo 1.)
Wir haben den Innhalt dieſer Abhandlung ſchon mitgetheilt
in der Iſis 1843. ©. 413, Der Verfaffer berlckfichtiget die
Unterfuhungen von Home, Bojanus [fie 1821. 271,
1867.) Rathke, Born, Carus und Foh. Müller. Er
befchreibt nun und bildet ab das Hirn mit feinen Nerven, einen
fenfrechten Längsfchnitt des Kopfes und Halfes, die Kiemenblafen,
Harn = Drgane, Gefchlechtstheile der Männchen und Meibchen
und die Samenthiercchen. Zur genaueren Darftellung vieler
Theile kam es ihm fehr zu ftatten, daß er Gelegenheit hatte,
lebendige Meerpriden zu befommen, Es ift daher Manches in
der Bi enthalten, mas früheren Anatomen entgehen
mußte.
Unterfuchungen
über die Entwicelung ber Anneliven von Dr. U, E. Grube, Pros
feffor zu Dorpat, Königsberg bey Bornträger, 1844. 4, 56,
Taf. 3.
Der Verfaffer gehört zu den Wenigen, melde mit Gluͤck
die Claffe der Würmer bearbeitet und. bereichert haben. Er
hat nicht bloß viele Gattungen genauer befchrieben, fondern
auch viele entdedt und fowohl ihre aͤußern als innern Theile
genau Eennen gelehrt. Hier hat er fih nun zur Entwidelung
derfelben gewendet und die Bildung der Glepfinen von den Ver-
änderungen des Eys an bis zur. entfchiedenen Geſtalt verfolgt.
Dabey hat er fih mit Recht Baers, feines Lehrers, Beobad)-
tungen Über die Entwidelungs = Gefchichte der Thiere zum Mufter
genommen. Dabey berüdfichtigt er vorzüglih E. H. Webers
Beobachtungen bey Hirudo medicinalis und Filippis eben:
falls bey Clepsine. Indeſſen hat. er. die feiniyen fhon früher
angefangen und fowohl Filippis Entdeckungen ebenfalls, als
aud noch andere gemacht, welche jenem entgangen waren. Es
ift zwar dem Verfaſſer noch nicht alles. Elar geworden; man
fann jedoch mit dem, was er. gefehen und fo deutlich felbft ab⸗
gebildet hat, vollfommen zufrieden fenn.
Die Gattung, welche der Verfaffer in ihrer Entwickelung
beobachtet ‚hat, ift Cl. complanata Savigny, welche Sippe
wir viel früher unter dem Namen Helluo in unferm Lehrbuch
©. 367. aufgeftelt haben.
Unterfuchungen
zur Kenntniß des förnigen Pigments der Wirbelthiere in yhyſiologiſcher
und pathologiſcher Hinſicht von M. Dr. Carl Bruch. Zürich bey
Meyer. 1844, 4, 63, T. 2.
Die thierifchen Pigmente find erſt in der neuern Zeit einer
genauern microſcopiſchen und cdemifhen Unterfuhung unter:
worfen morden.
Darüber ftellt nun der Verfaffer ungemein zahlreiche micro:
feopifhe Beobachtungen an mit. beftändiger Ruͤckſicht auf die
55=
175
Beobahtungen und Ausfagen der früheren Schriftfteller, welche
er critifch beleuchtet, beftätiget und widerlegt. Es ift kaum ein
Theil des Keibes bey Menfchen und Thieren, Organe und Säfte
in gefundem und krankem Zuftand, welchen er nicht unterfucht
und beurtheilt hätte, fo daß man in diefer Schrift Alles bey:
fammen findet, was etwa von Wichtigkeit für den Gegenftand
feyn könnte. Cie ift zugleich ein rühmlicher Beweis vom Ta—
lent und wiffenfchaftlihem Eifer des Verfaſſers.
Nach einer Eurzen Ueberficht der thierifchen Pigmente über-
haupt betrachtet er das ſchwarze Augen: Pigment und fammelt
zugleich Alles, was darüber befannt ift; fodann ©. 16. die
gefärbte Dberhaut, Klauen, Haare und Federn; ©. 22. die
gefärbten Safer: Zellen; ©. 30. die pathologifchen Pigmente, bes
fonders ben der Melaena. S. 40. ſucht er die Genefis des
Eörnigen Pigments zu erklären, woben auch die Entftehung der
Zellen Membran zue Sprache kommt, Zum Schluſſe ©. 57.
gibt er eine Zabelle über die Größe der Pigment : Zellen‘ und
endlich eine Erklärung der zahlreichen Abbildungen derfelben.
Osservazioni anatomiche comparative
sull’ intima Struttura delle Cartilagini dei Condrotterigi, aut.
Dr. @. D. Nardo. Venezia 1845. 4. 11. (Memorie del Isti-
tuto veneto II.)
Der Berfaffer theilte diefe Unterfuchungen fchon 1840. der
Verſammlung zu Zurin mit. Sie beziehen fich auf die Hayen,
Rochen unt Chimären. Die Knorpel des Schrachs haben ein
eigenthiimliches Gewebe felbft verfchieden von dem anderer Fiſche
mit weichen Knochen; die Wirbel jedoch haben eine Knochen:
haͤrte und ein netzfoͤrmiges fibrofo = cellulareg Gewebe, Die
Knorpel Überhaupt find homogen, aber angefüllt mit dichten
Granulationen von phosphorfaurem Kalk, die der Selachier aber
find überall homogen, aber umhüllt mit einer Enochenartigen
Rinde und darum eine Beinhaut, woran die Sehnen. Wir
£önnen ber feineren Befchreibung nicht folgen; fie beweifet aber,
daß der Derfaffer diefe Theile fehr genau und microſcopiſch un—
terfucht hat. Das Schrach der Störe ift im Bau ganz ver:
fhieden; die Knochen find nicht mit der harten Winde umye-
ben und enthalten Eeine Öranulationen; die Hirnfchale feine
Nähte; die Knochenfchilder gehören nicht dazu, fondern zur
Haut. Die Knorpel der Cyeloftomen näheren ſich zwar denen
der Störe, find aber unvollfommen, verknoͤchern öfter, aber
nur oberflächlih an den Rippen» und Stachelfortfügen. Beh
Orthragoriscus mola find die Knorpel wieder anders; das
Schrach ift fibrös Enorpelig mit eigenthümlihen Geweben. Es
wären hiebey Abbildun eı ſehr dienlich.
Sunto
di alcune Osservazioni sull’ Embriogenia de’Pesci di F. de
Fitippi. Milano 1845. 8 24. Tav. 2. ill. (Giornale del’Isti-
tuto Jöhıbardo X.)
Die Geſchicklichkeit, womit der Verfaffer die Entwidelung
ber Fifche und Würmer zu beobachten verfteht, iſt fchon hin:
länglich befannt. Die vorliegende Abhandlung ift ein neuer
Beweis davon. Früher hat er die Behauptung aufgeſtellt, daß
der Dotter bey Gobius fuviatilis fich felbft in die Leber ver:
wandle und er bleibt auch hier dabey, nachdem er felbft darüber
876
erftaunt war und defhalb neue Beobachtungen angeftellt hatte.
Er hat ebenfalls den Aspius alborella in feiner Entwidelung
verfolgt, auch die Furchungen des Dotters bemerft, welche
Nusconi entdedt hat. Er befchreibt die Beſtandtheile des
Fiſcheyes; Deltröpflein in der eyweißartigen Flüffigkeit. Dann
wird die allmähliche Entwicelung der Theile Schritt für Schritt
befchrieben. Man muß ſich nicht wundern, daß die Verwan—
delung des Dotters in die Xeber fo vielen Unglauben gefunden
bat, da die Ausleerung feiner Fiüffigkeit in den Darm bey den
Vögeln und offenbar auch bey den Haarthieren fo augenſchein—
lich ift. Daß die Vesicula umbilicalis nichts anders als der
Dotter iſt und mit dem Darm dur eine Nöhre zufammen-
hängt und diefe Nöhre als Blinddarm übrig bfeibt, glauben
wir hinlänglich bey den Schweing: Embryonen in unfern und
Kiefers Benträgen zur vergleichenden Anatomie 1806. be-
wiefen zu haben. Es ift daher höchft auffallend, daß bey den
Fiſchen der Dotterfuft nicht in den Darm übergehen, fondern
fid) der Dotter felbft in die Leber verwandeln foll.
Osservazioni anatomico - fisiologiche
sul cuore della Testuggine caretta et delle Chelonie in Gene-
rale e nuove Ricerche sulla Struttura e sulla Funzioni aut.
Cuore de’Rettili, aut. Dott. A. Olivieri. Venezia 1846.
8 62. tav.5. ill. (Atti d. Istituto.)
Sehr umftändlihe Befchreibung und genaue Abbildung aller
Berhältniffe des Herzens, der Lage, der Ohren, der Kammer,
der davon ausgehenden Gefäße, verglichen mit Axolotl, Me-
nobranchus, Menopoma, Pipa, nebft phyfiologifchen Betrach—
tungen, woraus bervorgeht, daß fich die beiden Blutarten nicht
mifchen in der Herzfammer, indem eine Klappe diefe Miſchung
verhindert. Wir haben fhon längft gezeigt, daß auch bey dem
Foetus der Haarthiere Eein Lok in der Scheidwand des Her—
zens ift, fondern daß fi) die Hohlader dafelbft in zwey kurze
Aeſte theilt, wovon fich je einer in eine andere Vorkammer
öffnet, wodurch ohne Zweifel das arteriöfe und venöfe Blut
fid) ebenfalls theilt, indem beide Blutarten wegen ihres chemis
ſchen Untrrfchieds ſich wohl früher auch nicht gemifcht hatten.
Abgebildet find auf T. 1. und 2. das Herz mit feinen Gefäßen
ganz und in verfchiedenen Durcdfchnitten. S. 89. folgen neue
Unterfuchungen über denfelben Gegenftand mit andern Lurchen,
namentli Land» und Süßwaffer = SchildEröten, Schlangen,
Echſen, Kröten, Fröfhen und Molchen, befonders hinfichtlich
der Klappe und der Scheidwand. Daben Beobachtungen mei:
ftens am Iebendigen Thieren. Bey allen genannten Lurchen
kann man mefentlich zwey Herzohren unterfcheiden in Bezug auf
den Blutlauf. Won allen ift das Herz abgebildet auf Taf. 3.
und 4. fehr vergrößert und illuminiert.
De Panecreate Piscium,
Diss. in., auctore H. Brockmann. Rostochii 1846. 4. 24.
tab. 1.
Man erhält bier eine ziemlich vollftändige Literatur Über die
Darm: Anhängfel der Fifche, wofür man dem Berfaffer ſehr
dankbar feyn muß; außerdem auh ©. 16. genaue Befchreibun-
gen diefer Organe bey Salmo salar, Clupea harengus, Ga-
877 5
dus callarias, Cottus scorpius et Perca fluviatilis; ſodann
die Veichreibung diefer Theile, wo fie unvollkommen find, wie
bey Pleuronectes platessa et maximus; fie fehlen bey Be-
lone lotıgirostris et Cyprinus brama.
Abgebilbet ift der Darm von Salmo salar et Pleuronectes
platessa.
Sopra V’Organo elettrico
del Siluro elettrico del Nilo comparato a quello della Torpe-
dine e del Gimnoto e sull’ apparecchio di Weber nel Siluro
comparato a quello dei Ciprini, da F. Pacini. Bologna 1846.
8 23. tav. (lIstituto di Bologna.)
Ueber den Bau dieſes Fiſches haben gefchtieben E. Geof—
froy St. Hilaire (Ann. Mus. I. 1802. 392.), Rudolpbi
(Berl. Acad. 1824. 137.) und Valenciennes (Archives
du Museum Il. 1839. p. 44.) Es gibt aber immer zu folchen
Arbeiten etwas nachzutragen, und das bat bier der Verfaſſer
mit Geſchick und Sachkenntniß gethan. Er bildet diefen Fiſch
ab im Laͤngs- und Querdurchſchnitt und befchreibt ſowohl die
Nerven als das electrifhe Dryan, welches den ganzen Leib
umgibt mit Ausnahme des Kopfes und des Schwanzendes als
eine zwey Linien die Schicht von Zellen. Er vergleicht diefen
Bau mit dem von Torpedo (Paolo Savi et Matteuc-
ci Trait€ des Phenomenes eleetro-phisiologiques 1844.
273. — Die Abbildung von Carus in feinen Erläuterungen
kennt der Verfaſſer nicht). Der electrifhe Nerv ijt nach ihm
nicht ein Theil des Nervus vagus, fondern der erſte Rüden:
nern, febr groß; fehlt fonderbirer Weile nad) dem Berfaffer
ben den Cyprinen (Atti della Unione etc. Lucca 1844. 400.)
während doch beyde Zuͤnfte den Meberfchen Apparat haben, wie
Joh. Müller gezeigt hat (über die Ganoiden), Denfelben
befist auch der Silurus electrieus, hat jedvodh nur den Ham:
mer und den Steigbuͤgelz auc fehlt der Faferring um das
Ruͤckenmark.
Vie, Travaux et Doctrine scientifique
d’Etienne Geoffroy St. Hitaire, par son fils, Isidore G. St.
H. Prof. ete. Paris chez Bertrand, Strasbourg chez Le-
vrault. 1847. 8. 479. Pi. 1. portrait.
Geoffroy gehört zu denjenigen Naturforfchern, welche die
philoſophiſche Betrachtung der Anatomie gegruͤndet und ihre
Entwidrlung befördert haben, befonders in Franfreih, wo er
ein halbes Leben lang mit dem als crften anerkannten Zoologen
und Anatomen GCuvier defhalb zu kaͤmpfen hatte. Cine Ge—
fehichte feines Lebens und Wirkens ift daher für die MWiffens
fchaft von großer Michtigkeit, und niemand Eonnte fie wohl
beffer fchreiben als der Sohn, welcher in demfelben Geifte fort:
zuarbeiten ftrebt.
Mir erhalten hier eine vollftändige Darlegung der Bildung,
Studien, Reifen, Arbeiten, Schriften, des Verkehr! mit an—
dern Gelehrten und der Bemühungen für die Parifer Samm—
ung, insbeſondere .eine Darftellung der Entdeckungen in der
allmählichen Entwidelung der philoſophiſch anatomifchen Sdeen
von Geoffroy, melde nun in aller Welt befannt und groͤß—
tentheil3 angenommen find. Der Sohn hat daburd) feinem
Pater ein ehrenvolles Denkmal gefegt und gewiß werden aud)
diejenigen, welche nicht alles ‘werden gelten laffen wollen, ihm
für die vollftändige und liebevolle Darftellung Dane wiffen.
Der Berfaffer geht fo fehr ins Einzelne, das es unmoͤglich
— — —
— —
870
iſt, ihm hier zu folgen, waͤre auch unnoͤthig, da jeder Natur—
forſcher gewiß dieſe Schrift ſelbſt leſen wird.
Stephan Geoffroy war geboren zu Etempes 1772. am
15. April. Sein Vater war Advocat und ſpaͤter Richter. Er
ſtudierte an verſchiedenen Schulen, beſonders am Collège de
Navarre, wo Briſſon fein Lehter war; am College du
Cardinal Lemoine, mo er mit Hauͤy befannt wurde unk
Liebe zur Mineralogie gewann. Das war um das Jahr 1792
Er fuchte den legtern mit großer Gefahr aus dem Revolutions
Gefängniß zu retten. Diefer ftellte ihn dem Daubento:
vor, welcher machte, daß ihn Bernardin de St. Pierrs
damals Intendant des Pflanzengartens, ale Garde et Sous-
Demonstrateur au Cabinet d’Histoire naturelle anftellte,
weil Lacepe&de auf diefen Platz verzichtet hatte, Er wurde
bald darauf Profeffor am Mufeum, wo damals die Samm:
lungen ganz unbedeutend waren, z. B. nur 433 ſchlecht aus—
geftopfte Vögel. Geoffroy wendete nun allen feinen Eifer
an, um mit anfangs geringen Mitteln die zoolegifhe Samme
lung zu vermehren, und man darf fagen, daß er derfelben ſo—
wohl durch eigene Anftrengung als durch Antreibung feiner Col-
legen und Untergebenen den Reichthum verfchafft bat, melchen
fie fpäter befaß. Im Jahr 1794. lernte Teffier Cu—
viern fennen, und fprady von ihm mit Geoffroy, welcher
ihn einlud nach Paris zu kommen, was er im Sabre 1795.
that. Eie arbeiteten nun mit einander, vermehrten die Samm—
lungen und beforderten, wie befannt, die Zoologie und vergleis
chende Anatomie, wie es in Eeinem andern Rande der Fall war.
Es wird fein Abgang nach Aegppten in Bonnpartes be
fanntem Zug dahin 1798. erzählt, feine dortigen Neifen, Ur
beiten und Leiden. Er fam zuruͤck im Sänner 1802., und
half nun an dem berühmten Werk über Aegypten arbeiten,
Sm Sabre 1808. wurde er nah Spanien und Portugal ge:
ſchickt, um Naturalien für die Parifev Sammlungen zu holen.
Nun werden alle feine Entderfungen und Ideen erzählt, eigent⸗
lich wiffenfchaftlich entwicelt und die Abhandlungen einzeln aufs
geführt, befonders über die philofophifche Anatomie und die
Lehre von den Mifgeburten, welche ihm eigenthuͤmlich angehört.
Das muß man im Bude felbft leſen. Er ſtarb am .19ten
Suny 1844.
S. 421. folgt ein Verzeichniß ‚aller feiner Abhandlungen und
Bücher miffenfhaftlic geordnet. Sie find wirklich faſt zahllog,
und man kann kaum begreifen, wie ein Menfchenleben bins
reicht, eine folbe Menge von Arbeiten zu vollbringen,
Zum Schluſſe hätten wir mandes zu bemerken, hbefonders
über die Homologie, den Parallelismus der Thierclaffen und
die Wirbelbedeutung des Schädels, welhe uns Goͤthe
bat unverfhämterweife rauben wollen; Autenrieth hat nichts
von den Schädelwirbeln gewußt und gefagt; Ulrich war unfer
Zuhörer und Spix hat feine Cephalogenesis ausdrudlich auf
unfer Antrittsprogramm, 1807. gegründet. Reclamieren wollen wir
nur, daß der DVerfaffer dem Herrn Savigny zufchreibt,
„Die Mundtheile der Inſecten beftänden bey aller Verſchie—
denheit dennoch. aus denſelben Theilen,“ während mir dieſes
fhon in der erften Auflage unterer Maturphilofophie 1811. ges
lehrt haben, wie auch, namentlich, daß fie nicht anders als wies
bolte Füße feyen $. 3095—3097. 3122. $. 3134. 3157.;5 fer
ner in unferm Lehrbuch der Naturgeſchichte 1815., übrigens
ſchon gedrudit 1813., aber wegen des Kriegs in Sachen nicht
ausgegeben, Band IH. ©. 11. 435. 465. 529. 620. 640.5;
fo daß diefe Lehren ſchon lange in Deutfchland gang und gäbe
waren, als Savigny's Buch 1816. erfihien.
879
Ueber feitlihe Zwitterbildung beym Mienfchen
beobachtet von A. A. Berthold. Oöttingen bey Dietrich. 1844. 4,
18. T. 2. Geſellſchaft der Wiſſenſch. zu Göttingen Bd. I.
Der Verfaffer erhielt ein neugebornes Kind, deſſen Ge⸗
ſchlechtstheile er aufs Genaueſte zerlegte, hier beſchrebt und ab⸗
bildet. Sie waren auf der linken Seite durchaus weiblich, auf
der rechten männlid und zwar fo entſchieden, wie es bisher
noch bey feinem Zwitter eines höhern Thiers gefunden worden,
wodurch diefe Abhandlung befonders wichtig wird, nicht bloß für;die
Phofiologie, fondern auch für die Zoologie. Wir haben iu uns
ferer Schrift Über die angebornen Nabelbruͤche gezeigt, daß fie
nichts anderes find als der zurüdgebliebene Zuftand beym Cm:
bryo, welhen Ausſpruch Medel auch auf die andern Mißge⸗
burten ausgedehnt hat. Das iſt ein ſehr lehrreicher Fall, in⸗
dem die Geſchlechtstheile beym menſchlichen Embryo überhaupt
wie weibliche ausſehen und die maͤnnliche Form ſich erſt ſpaͤter
entwickelt, was der Verfaſſer hier deutlich auseinander geſetzt
hat. Auf der linken Seite iſt die Entwickelung in ihrer erſten
Form ſtehen geblieben, auf der rechten aber fortgeſchritten, ganz
nad) dem von uns in der Natur-Philoſophie 1811. aufgeftell:
ten Lehrſatz, daß der thierifche Leib urfprunglich bloß. weiblich
ift und fich erſt fpäter in den männlichen verwandelt.
Voran ftellt der Verfaffer philofophifche Betrachtungen über
die Fortpflanzung durch Zheilung und durch Gefchleht an,
und zeigt, daß jene nur bey den niederften Thieren, dieſe fo:
dann als Zwitterbildung und erft fpäter als getrennte auftritt.
Dann folgt ©. 8. die anatomifhe Befchreibung des genannten
Kindes, darauf die Aufzählung der zufälligen Zwitterbildung,
befonders bey den Kerfen, fehr felten bey den Sifchen, noch gar
nicht beobachtet bey den Lurchen und Vögeln, einmal bey einem
Kalbe, drenmal beym Menfhen, welche Fälle genauer darge
ftellt werden. Der von Adermann ift dem DVerfaffer entz
gangen. Eine ausführlihe Erklärung der von Grape ſchoͤn
und deutlich dargeftellten Zeichnungen maden den Schluß diefer
lehrreichen Schrift.
Derfelbe, über das Geſetz der Schwangerfchnfts- Dauer. Göttingen
bey Dietrich 1844. 4. 46. (Königl. Geſellſch. der Wiſſenſch.
Diay 1844.)
Der Verfaffer zeigt, daß die Berechnung der Schwanger:
ſchafts-Zeit nach 9 Monaten oder 10 Monds- Monaten wicht
übereinftimmt, und daß m... auch noch gar nicht Über den
Zeitpunct einig ift, von welhem an man die Empfängniß rech—
nen fol, ob vom Zag der Begattung oder von dem vor oder
nad der Menftruation.
Der DBerfaffer ſtellt nun ſowohl eigene als fremde Beobach—
tungen uͤber die Schwangerſchafts-Dauer nicht bloß beym
Menſchen, ſondern auch bey Thieren zuſammen und zieht daraus
ſeine Schluͤſſe. Dabey kommt auch die Reifung der Eyer und
ihre Abloͤſung unabhaͤngig von der Befruchtung ausfuͤhrlich zur
Sprache, ſowie ihr Zuſammenfallen mit der Menſtruation und
bie Bildung der gelben Körper. Man findet bier eine vollſtaͤn—
dige Geſchichte von diefer Entdeckung oder vielmehr Entdeckun—
gen, welche zuerft bey den Thieren gemacht wurden. Cie dient
zur Darftellung des Streits Über die Priorität. Endlich ſpricht
der Verfaſſer von der Unficherheit der Früh: und Spät> Ge:
burten. Die Abhandlung ift uͤberhaupt fomohl in phyfiologis
Scher, als geburtshülflicher und legaler Hinſicht von Wichtigkeit,
880
und verdient von den Aerzten, fowie von ben Phnfiologen alle
Beruͤckſichtigung.
Der Berfaffer hat ſeitdem auch bekannt gemacht:
Ein Verzeihniß der im Göttinger Mufeum aufgeftellten Repti—
lien. G. bey Dietrich. 1846. 8.28. (Nachrichten von
der Univerficat und Gef. d. Wiff. 1846. Nr. 8—10.).
Morunter manches ift, was man anderwärts nicht finden
möchte, was man vorzüglich den Bemuͤhungen und dem An:
treiben des Verfaffers zu danken hat. Im Sahr 1836. waren
die Naturalien in 7 Zimmer vertheilt. Gegenwärtig in 16.
Das DVerzeihniß wird denjenigen nuͤtzlich feyn, welche fich über
eine und die andere feltene Gattung Raths erholen wollen. Zu
bemerfen find: Cinixys, Draconura, Istiurus, Acanthosau-
rus, Cereosaura, Ophiops, Hysteropus, Lialis, Python, .
Psammophis, Bungarus, ‘Hydrophis, Siphonops, Oxy-
glossus, Polypedates, Dendrobates, Hylaedactylus, Meno-
branchus, Menopoma. k
Einige neue Gattungen find characterifiert.
Unterfuchungen
über die Fauna peruana auf einer Reife während der Sahre 1838—
1342. von Dr. J. J. v. Tſchudi. St. Gallen bey Sceitlin.
Lieferung III. 1845, Fol. ©, 77—132. T. 13—18, ill.
Mir haben fhon bey den erften Heften angezeigt, daß ber
Berfaffer alle peruanifchen Haarthiere aufführt, nehmlich auch
diejenigen, welche bloß von Andern beobachtet wurden, fo daß
man eine vollftändige Zoologie diefes merfwürdigen und manch—
faltigen Landes erhält, Er gibt die Charactere von allen Sip—
pen und Gattungen, fowie die Befchreibung, Lebensart und
Verbreitung; die neuen Gattungen recht ſchön gezeichnet von
J. & Weber, 3. Dinkel und Schmidt, litbographiert
von Tribelhorn in St. Gallen und recht forgfältig illumi—
niert, bey den- Gunttungen das Gebiß, wo es nöthig ift. Der
Zert ift hier viel veichlicher als bey den vorigen Heften. Das
vorliegende enthält:
Noctilio unicolor, affınis.
Molossus naso, velox, fumarius,
myosuros n. tb. 4., nicht befonders.
Naubthiere ©. 86. Geographifche Verbreitung.
1. Ursus ornatus, frugilegus, bat Aehnlich£eit mit dem vo-
tigen. Alerander von Humboldt bat dem Ber:
faffer feine zoologifhen Manuſcripte mitgetheilt, worunter
auch eine Bemerkung über diefen Bären vorfommt. Er
frißt befonders gern MelfchEorn.
. Nasua socialis, solitaria, leucorhynchos n., vyiltata,
montana n. t. 5. Schon abgebildet.
. Cereoleptes caudivolvulus, mit Bemerkungen von Aler.
von Humboldt.
. Galietis barbara.
- Mustela agilis n., ein Wieſel; diefe Sippe fehr, felten.
. Mephitis mapurito, furcata (chilensis), amazonica.
. Lutra chilensis (brachydactyla), montana n.
. Canis azarae.
. Felis concolor, onza, macrura, celidogaster, pardalis,
yagnarundi, Abgebildet find, in diefem Hefte:
Drymomys parvulus; Rhipidomys leucodactylus; He-
speromys destructor, melanostoma;. Sphingurus bicolor:
Dasyprocta variegata; Auchenia vicuna adult. et juv.;
Cervus antisiensis.
anonymus, ferox,
[foffo »u.ı Herd Wr. = 00 0
—— — — — — —
X erg
+
Encyclopädiſche Beitichrift,
vorzüglich
für Naturgefchichte, vergleichende Anatomie und Phyſiologie,
a
1847.
DEF CE
Der Preis von 12 Heften ift 8 Thlr. fächl. oder 14 fl. 24 FXr. cheinifch, und die Zahlung ift ungetheilt zur Leipziger
Oſtermeſſe des laufenden Jahres zu leiften.
Man wendet fi an die Buchhandlung Brockhaus zu Leipzig, wohin auch die Beyträge zu ſchicken find.
beten, diefelben auf Poftpapier zu fchreiben. Das Honorar für den Bogen fehs Thaler preuß. Cour.
Unfranfierte Bücher mit der Poft werden zuruͤckgewieſen.
Einruͤckgebuͤhren in den Text oder Umfchlag die Zeile ſechs Pfennige.
Bon Anticrititen (gegen Iſis-Recenſionen) wird eine Quartfeite unentgeltlich) aufgenommen.
Es wird ge—
— — — ——— — —— —
Leipzig, bey Brockhaus.
Anzeigen.
Neue
naturwiffentchaftliche Werke
aus dem Verlag von
F. A. Brockhaus in Leipzig,
welche durch alle Buchhandlungen zu beziehen find.
Carus (8. 9), Syftem der Phyfiologie. Zweite
völlig umgearbeitete und. fehr vermehrte Auflage. In zwei
Bänden, oder 6-8 Heften, Erftes bis viertes Heft. Gr. 8.
Sedes Heft 1 Thlr. |
Giebel (CE. ©.), FSaunader Vorwelt mit ſteter Be-
ruͤckſichtigung der Lebenden Thiere. Monogra—
phiſch dargeſtellt. In 4 Bon. Erſten Bandes 1fte und
Ite Abtheilung. Gr. 8. Geh. 2 Thlr. 28 Nor.
Die erſte Abtheilung: Die Säugethiere der Borwelt,
foftet 1 Thlr. 18 Ngr. 5 die 2, Abtheilung: Die Vögel und Am:
phibien der Borwelt, 1Thlre. 10Ngr.; mit der 3. Abtheil.
(Fiſche) wird der Lite Band des Werkes, die Wirbelthiere
enthaltend, gefchloffen fein. Der 2te Band wird die Glieder-
thiere, der Zte und Ate Band die Bauchthiere behandeln,
Jede Abtheilung bildet ein in ſich abgefchloffenes Ganzes.
Pfeiffer (L.), Monographia Heliceorum viven-
tium. Sistens descriptiones systematicas et criticas
omnium hujus familiae generum et specierum hodie
cognitarum. In 2 Bdn., oder 5—6 Heften. Erftes
bis drittes Heft. Gr. 8. Jedes Heft 1 Thlr. 10 Nor.
Pritzel (G. A.), Thesaurusliteraturae botanics®
omnium gentium inde a rerum botanicarum initiis ad
nostra usque tempora, quindecim millia opera re-
censens. In 8 Lieferungen. Gr. 4. Jede Kiefer. auf
feinftem Maſchinenpapier 2 Thlr., auf Schreib-Velinpapier
3 Thlr.
Schubert (3), Handbuch der Forſtchemie. Mit 127
in den Text eingedrucdten Holzfehnitten. In fünf Heften.
Erftes big drittes Heft. G. 8. Jedes Heft 16 Nor.
Das Ganze wird in kurzer Zeit in ven Händen ber Abnehmer fein.
Thienemann (F. A.L.), Die Fortpflanzungsge-
schichte der gesammten Vögel nach dem
gegenwärtigen Standpunkte der Wissenschaft, mit
Abbildung der, bekannten Eier, Mit 100 colorirten
Tafeln.“ In’zehn Heften. Erstes und zweites Heft.
(Strausse und Hühnerarten, Flugvögel, Steig-
vögel, Saugvögel, Singvögel.) Bogen 1 — 12
und Tafel I—-XX. Gr. 4. In Carton. Preis eines
Heftes 4 Thlr.
> LA 5
J —
1847.
02,07 Ju Be I
Bemerfungen Costa. Folgende 4 Arten führt Cofta ‚auf, von benen bie
über bie auf einer Neife nach Italien und Sicilien beobachteten
Schmetterlingsarten von P. C. Zeller. X.
(Sälug von Iſis Heft XI. paz. 859.)
Röslerstammia,
410. (1.) Granitella.
Fifher von Röslerftamm Beytr. Taf. 8. ©. 11.
Bey Meffina. in verflognes, helles Weibchen mit hervor:
ftehendem Legeftachel am 14. Februar nebft einem ganz vers
dorbenen Eremplar; ein fehr fehönes Exemplar, das auch weib-
lich zu ſeyn ſcheint, aber deffen Kegeftachel nicht hervorfteht, am
17. Februar, alle an den Bergen neben der Palermitaner Straße.
Diefe Art bat an der Mitte des Worderrandes der Vorder:
flüge 2, wenn auch verlofchene, doc dunklere, und größere
Flecke, als die weiter gegen die Spite folgenden; fie find in der
Fiſcherſchen Figur ſo wenig wie die übrige Vorderrandzeiche
nung auggedrüdt, und die Flügel find zu breit gegeben. —
Das mwohlerhaltene Eremplar vom 17. Februar ift auf der ganz
zen Fläche der Vorderflügel dunkler, weßhalb auch die Vorder:
randflecke fich verlofchener zeigen; der weiße, dreyedige Fled an
der Innenrandmitte ift fehr Elein, und reicht nur bis an bie
Flügelfalte 5; die braunen Nandflede davor und dahinter find
dafür defto größer, und der dunkelfte, vor dem weißen Dreyeck,
ift beträchtlich breiter als in der fig. L, Vor dem Innenwinkel
hat der Rand einen’ fcharf umgrenzten, weißen Punct. Daß
diefe Abweihungen nur individuell find, beweiſt dag Ate Exem⸗
plar, deffen Zeichnungen nichts Abweichendes haben.
Diefe Art hat alfo eine doppelte Generation.
Aechmia.
411. (1.) Metallicella,
3. v. Röslerffamm Beytr. t. 82. fig. 2. p. 247.
Tinagma metallicella Dup. Cat. 361.
In den erften Tagen des April fieng ich mehrere Eremplare
bey Mefjina im gemifchten Geſtraͤuch am Dftabhange eines
Berges, vorzüglich in der Nähe von Eichengeſtraͤuch. Sie haben
gar nichts Abweichendes von unferer hieſigen Metallicella, und
ich war fehr verwundert, ein paar hundert Meilen füdlich von
Glogau an einem fchönen, recht zum Fange geeigneten Morgen
faft nichts als gewöhnliche norddeutfche Falter zu fangen, als
Lye, Argiolus, Thecla rubi, Hipp. Megaera, Pamphilus,
Argyn. Latonia, Micropt. fastuosella ete. und diefe noch
dazu fehr ſpaͤrlich und mühfelig.
Coleophora.
„Ornix Fam. B. Palpi crassi, plumosi, penicillati, an-
tennae fusiformes (mas) vel ad basim incrassatae (fem.).“
Iſis 1847. Heft 12, ;
=
4te entfchieden eine Coleophora ift.
1) Luctuosella tab. 3. fig. 8. „alis anticis sublinea-
ribus nigro-violascentibus argenteoque punetulatis, punctis
vix Jente conspicuis.“ Kopf ſehr Elein und faft cylindrifch.
Augen nicht hervorquellend; Palpen fchrwertförmig Ina ber
Abbildung gerad, ] einfach befchuppt. Fühler von Flügellänge,
verdidt und buſchig (piumose) an der Baſis, fadenformig im
übrigen Theil, mit runden Gliedern. Worderflügel fehr ſchmal,
etwas gekrümmt gegen die Spite, langfranzig am Innenrande.
Hinterflügel bindenförmig, an beiden Seiten langfranzig. Sie
ift ganz braun violettfhimmernd- auf den Vorderfluͤgeln. Glie—
der der Fühler, Tarſen und Dornen der Schienen weiß. Findet
ſich bey Camaldoli zwifchen den Kaftanienbäumen, nicht gemein,
im September. [Dieß ſcheint eine gute GColeophorenfpecies zu
fen, die mir noch nicht vorkam.)
2) Trochilipennella tab. 3. fig. 6. Alis anticis
linearibus apice recurvo, viridi auratis, versus apicem
carbuneuli colore, alis posticis brunneis argenteo-micanti-
bus; antennarum medietate ad basim inerassata, squamis
viridi auratis violaceisque obtecta, extremitate alba.
Kopf: Elein und fehe Eurz, mit einem um das Doppelte län-
gern Kragen (collare); Augen wenig fihtbar. Palpen fäbel«
förmig, befehuppt und haarig an der Baſis. Fühler von Kör-
perlänge oder wenig länger, verdidt und buſchig von der Bafıs
bis zur Hälfte, Übrigens fabenförmig. Körper zart, 4 fo lang
wie die Flügel. Worderflügel fehr ſchmal, an der Spike dünner
und ſehr zuruͤckgekruͤmmt, am Innenrand lang: und zartfranzig.
Hinterflügel linienförmig, beiderfeitd langfranzig. Cie iſt ganz
violettfarbig, mit glänzenden und metallifhen Refleren, goldig
braungelin nahe der Bafis der DVorderflügel, rubinfarbig auf
ihrem Rande (margine) .und den Schuppen der Fühler; der
fadenförmige Fühlertheil ift weiß. Alle diefe Farben mechfeln
und vermifchen ſich nach der Kebhaftigkeit des Lichts und ber
Richtung der Strahlen, die fi) auf den verfchiedenen Zheilen
fpiegen. Der metallifhe und wechfelnde Glanz des Körpers
und der Flügel diefes Kleinen Falter und die Zartheit feiner
Flügel machen ihn fehe aͤhnlich den Voͤgeln der Gattung
Trochilus; daher habe ich paffend gefunden, hiervon den fpes
cifiſchen Namen zu entnehmen. — Ben Camaldoli an gleicher
Stelle mit der vorigen, doch weniger felten im July und Auguſt.
— Diefe beiden Arten Eönnen nah Ratreille's Syitem nur
zu den Adelen gehören, deren Charactere inconftant, obgleich
präcis find. Die erfte wäre eine Oecophora, wenn die Pal-
pen ſich aufwärts krümmten; aber fie find lang und gerade,
wie zwey Spitzen vorn über den Kopf verlängert ; außerdem ift
das letzte Glied weder nadt, noch ſchlank. Noch meniger fieht
man bdiefes Merkmal an der folgenden, die ihr im Habitus
durchaus ähnelt, Ich betrachte fie alfo als Tineae aluciti-
Ü
885
formes, wie Hübner that. [Trochilipennella —=Mayrella H.
f. unten.)
3) Eumenipennella tab. 6. fig. 4. Alis omnibus
valde nervosis, nervis marginibusque albis, interstitiis ei-
nereis, antennarum articulis albis, einereo annulatis; cor-
pore albido micante. Kopf Elein mit etwas fteilen Schup⸗
pen bedeckt; Augen ſchwarz, mittelmäßig; Fühler fadenförmig,
etwas Fürzer als der Körper, aus fehr kurzen Gliedern zuſam—
mengefegt, weiß und braum geringelt. Palpen zart, nadt, lang
und Erumm. Sie ift ganz filbericht weiß. Vorderfluͤgel linien—
förmig, mit Erummer Spige, langfranzig aſchgraulich (grigio-
einerine) mit diden, erhabenen und fehr weißen Adern.
Var. b) alis antieis griseo-cinereis, costa alba; in nichts
verfchieden von der Grundart, aber die Vorderflügel haben ftatt
der weißen Adern nur die Vorderrandader und bisweilen auch
den Hinterrand weiß. Sie feheint Ornix otidipennella Tr.
ſeyn zu können. Hübners Abbildung hatte ich nicht vergleis
chen koͤnnen. Cs ift zu bemerken, daß, während die Flügel die
des Gen. Ornix find, die Palpen gar nicht ſtimmen, indem fie
lang und zuruͤckgekruͤmmt find. [Bufolge der Befchreibung und
Abbildung der Taſter ift diefe Art gar nicht Otidipennella;
wahrſcheinlich zieht Cofta als Varietäten fehr verfchiedene Ar—
“ten zu feinee Eumenipennella, die ſchwer wieder zu erkennen
feyn wird, da fie nicht genau genug befchrieben ift. Die Ab:
bildung hat fhmugig meißliche Vorderflügel mit einer breiten,
bräunlichgrauen, bis in die Spitze reichenden Strieme].
4) Flammeaepennella tab. 5. fig. 8. alis anticis
flavis, fasciis duabus albis, punctis minutissimis atris ad-
spersis, fimbria longa, einerea, nigro punctulata; alis
postieis plumbeis. Worberflügel eher etwas breit als linien-
förmig, hinten langfranzig. Sie find ſchoͤn goldgelb, mit Loͤ—
wenfarbe befehmust und mit zwey weißen Querbinden, wovon
die erfte unterbrochen, die zwehte nicht gut begrenzt iſt; auf
dem cothyelben (giallo-fulvo) Felde bemerkt man viele fehr
Eleine, fehwarze Puncte, und hier und da einen noch auf den
weißen Binden; eine Reihe von 8 merflihen ſchwarzen Puncten
geht von der Mitte der Bafis aus, zieht durch die weiße Binde
und biegt ſich zurüd auf dem folgenden gelben Felde. Der
ausgezeichnetfte ſchwarze Punct ift auf der Grenze der zweyten
weißen Binde. Die Franzen haben zwey Neihen fehr. Eleiner,
in Doppellinien aufgeftellter Pünctchen; jene des Innenwinkels
ift fehr lang. Hinterflügel ſchmal, filbericht braun, langfranzig.
Körper und Füße filbericht braun, Augen ſchwarz, Kopf weiß.
Kühler braͤunlich, von Körperlänge und einfah. Auf dem
Gran Sasso im Auguft [kann zufolge der Zeihnung Eeine Co-
leophora feyn.
ſche Plutella chalybaeella No. 3.)
Bon diefem Genus gibt ed in Stalien gewiß eine Menge
Arten, von denen die Minderzahl in Deutfchland vorfommt,
wenn ic) nehmlich nad) den von mir aufgefundenen Arten ſchlie—
Ben darf; von 11 aufgefund.nen Arten find nur drey in Deutfche
Land einheimifh. Nur folgende führe ich auf, da unfcheinbare
Arten diefes Genus in einzelnen oder mangelhaften Exemplaren
zwechnäßiger übergangen werden.
412. (1.) Mayrella.
Tin, — Hübn. fig. 322. (ſchlecht).
Coleoph. — Z.: Iſis 1839. ©. 206. 2.
— Lienig, Iſis
1846, 294. — Dup. Cat. 369.
Dagegen gehört in diefes Genus die Coſtai-⸗
884
Ornix trochilipennellä Costa Faun. tab. 3. fig. 6. f. oben
Coleoph. No. 2. {
Nur einmal am 29. April bey Syracus, ein Männchen.
Da fie nah Cofta bey Neapel auh im July und Auguft
fliegt, fo gibt es eine doppelte Generation von ihr, was bey den
Goleophoren zur Ausnahme gehört.
Coſta nennt zwar die Oberhälfte der Fühler weiß, da in
der Mirklichkeit fehr deutliche, fehwarze und weiße Ringe wech—
fein, und zwar an viel mehr als bloß der Hälfte des Fuͤhlers
(ich zähle 22—23 ſchwarze Ninge); feine Angaben find alfo
ſehr ungenau, oder feine Art ift von Mayrella verfchieden;
erfteres ift mir aber wahrfcheinlicher.
412. (2.) Argentipennella Dup. e
Alis anterioribus lutescentibus, postice juxta costam
obscurius venosis, linea media longitudinali semel oblique
interrupta dorsoque argenteis; antennis albidis, infra pi-
losis, articuli basalis fasciculo longo.
Var. b) ut a) sed alarum anteriorum costa ad basim
argentea.
Var. ec) ut b) sed alarum anteriorum linea media ar-
gentea incrassata non interrupta.
Ornix argentipennella Dup. pl. 210. fig. 3. pag. 564. —
Catalogue pag. 370. -
Coleophora hapsella Z. Iſis 1839, ©. 206. 4. — Dup.
Catal. pag. 370.
Eine der größten Goleophoren, wie Vibicella. (Vorderfluͤgel⸗
länge 44 — 5") die Grundfarbe des Kopfes und der Befchup-
pung ber Fühler, des Nücdenfchildes und der WVorderflügel, ‚hell
lehmgelb in mehr oder weniger Tiefe. Am oberen Augenrande
zieht ein weißer oder nur weißlicher Strich ohne fcharfe Grenze
und am erften Fühlergliede hinauf. Das MWurzelglied der
Fühler hat einen langen zugefpisten Schuppenhaarbufh; bie
Peitſche ift in der Zmaligen Länge deffelben durch Schuppen
verdickt; faſt 3 der Länge find duͤnn und weißlihgrau. Ruͤſſel
dünn und £lein. Taſter faft horizontal mit geneigter Spitze,
von viel weniger als Nüdenfchildslänge, dünn, zufammengedrüct,
etwas behaart, das zugefpigte Endglied Fürzer als das 2te Glied.
— Auf dem Rüdenfchild läuft an der innern Seite jeder Schul⸗
terdecke eine breite filberweiße Linie. Beine auf der Schatten-
feite glänzend ſchmutzig grau, auf der Lichtfeite lehmgelb, die
vordern mehr mit Dunfelbraun gemifht. Hinterſchiene befon=
ders obenauf langhaarig. Hinterleib dunkelgrau mit hellen
Schuppen an den Hinterrändern der Ringe: Afterbufdy hell:
grau; beym Weibchen fteht ein Legeftachel ziemlich lang hervor.
Vorderflügel Ianggefpist, an der Spitze nad) unten gebogen.
Die Zmwifchenräume der Aefte der Subeoftalader find, jeder mit
einem zimmetbraunen Strihe der Känge nach verfehen, movon,
einer in die Flügelfpige geht; auch die Mittelzelle ift zimmet—
braun ausgefüllt. Die filbernen Linien find in der Länge und
Breite veränderlih. Als Stammart gelten mir die Exemplare,
deren Vorderrand ganz ohne Silberfarbe if. Bey Var. b)
und ec) ift er in einer Linie von verfchiedener Länge filberweiß.
Sn der Slügelmitte geht aus dev Baſis in die Längsfalte eine
filberweiße Linie bis in den Innenwinkel. ' Ueber ihrem Ende
zeigt fich wieder eine Linie von verfchiedener Länge; fie läßt ſich
als Theil der erften betrachten, wie fie es bey Bar. ce) wirklich
iſt. Sie ift ein bloßer, Eurzer Laͤngsſtrich oder reiht bis in
die Nähe der Slügelfpige als eine ſehr ſtumpf gebrochne Linie,
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Der Innenrand ift bis über ben Anfang der Franzen hinaus
in einer fcharfen Linie filberweiß.
Hinterflügel etwas glänzend grau.
bräunlich.
Bar. b, wozu meine 4 italienifhen Cremplare gehören, hat
den Vorderrand menigitend big zur Hälfte filberweiß; an ein
zelnen hiefigen ſchimmern unter den Iehmgelben Schuppen glän=
zend meißliche hervor, wodurch alfo der Uebergang von Var. a)
zu Var. b) gebahnt wird. i
Dar. c, die, wenn ih mid) recht erinnere, $. v. Rösler:
ffamm für eine eigne Art anfehen will, was fie aufs Bellimm-
tefte nicht ift, hat den Vorderrand der Vorderflügel am weiteſten
weiß gefärbt. Die Mittellinie verdict ſich, und ihr Hintertheil
ift mit der darüber befindlichen Linie verbunden, die ſich big
ans Ende der Franzen der Flügelfpige verlängert. Diefe Bas
rietät, ein Männchen, fieng ich bey Glogau an einerley Tag
und Ort mit mehrern gewöhnlichen Eremplaren.
Ben Glogau fing ich diefe Art in den erften Tagen des
Auguft an Eräuterreihen Anhöhen, vorzüglich zwifchen Heide:
Eraut, an dem ich fie dort auch bey Negenwetter mit dem Ke—
feher abftreifte. Sonft fommt fie nur Abends zum Borfchein
und wird nicht leicht bemerkt. Außerdem findet fie fich bey Dres-
den (v. Tiſcher) und in Ungarn (8. v. R.); wahrfheintich
auch bey Wien. Duponcel, der in diefer Art anfangs
„eine größere und weniger filberreihe Warietät der Ornatipen-
nella“ zu fehen glaubte (womit fie doch gar feine Aehnlichkeit
hat) erhielt fie aus dem füdlichen Srankreih. Drey Männchen
und ein Meibchen, alle unverflogen, fieng ich am 6. September
im Kirchenſtaat bey Tolentino an einer Eräuterreichen, trodinen
Anhöhe, ohne Heidekraut; bey bedecktem Himmel flogen fie
ziemlich leicht auf.
414. (3.) Crepidinella n. sp.
Antennis albo fuscoque annulatis, articulis 3 basalibus
squamatis, palpis mediocribus tenuibus, arcuatis; capite
thorace alisque anterioribus nitidulis fusco cinereis, harum
costa anguste alba.
Nahe der Coleoph. niveicostella Isid. und albicostella
FR. in litt., aber außer durch geringere Größe, dunflere Farbe
und fchmäleren weißen Vorderrand der Vorderfluͤgel befonders
durch die Zafter verfchieden, die bey den genannten 2 Arten am
ten Öliede in einen ziemlich langen Haarbufh auslaufen.
Größe der gemeinen, im May fliegenden Otidipennella.
Kopf, Rüdenfhild und Vorderflügel find glänzend dunkelbrauns
grau. Oberer Augenrand mit einer hinten erweiterten, ſchnee—
weißen Linie, die am erften Fühlergliede hinauffteigt. Diefes if
verdickt, fehimmernd, ohne Haarbuſch; die Oberfeite der 2 näch-
ften Glieder ift mit Schuppen bededt, aber nur beym Meibchen
etwas merfbar verdickt; der Übrige Fühlertheil fehr deutlich weiß
und braun geringelt. Das Geficht ift unten faft weiß. Die
Taſter, beym Männchen etwas länger als beym Meibchen, find
aufgekruͤmmt, von doppelter Kopflänge, ziemlich dimn und wer
niger zugefpist, aufen grau, innen weiß; das 2te Glied ift
gegen die Spise ein wenig verdidt und unterwaͤrts mit etlichen
verlängerten Haaren verfehen. Ruͤſſel dünn und Elein. "Beine
glänzend grau. Hinterfchienen wenig verdidt, fpärlich lang—
haarig. Hinterleib dunkelgrau, auf der Wurzelhälfte obenauf
reichlich gelb gemifcht, und zwar fo auffallend, daß es unnatürs
lich ſcheint; doc befigen meine 3 Eremplare diefe eigenthüm-
Ganze Unterfeite mehr
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lihe Färbung. Der meibliche Legeſtachel ſteht aus bem Eurzen,
grauen Afterbufch hervor,
Vorbderflügel einfarbig Hlänzend in ber angegebenen Farbe,
die nur in den Längsfalten bey gewiffer Haltung heil ftreifig
ausfehen. Der Vorberrand ift von der Baſis ‚aus, fich nad)
und nad) etivag erieiternd, faſt fchneeweiß, was auf dem hin—
terften Laͤngsdrittel auf den Vorderfranzen allmählih in Grau
übergeht.
Hinterflügel lang und dünn zugeſpitzt, oben fowie alle Flügel
auf der Unterfeite grau; die vordern an den Vorderrandfran—
zen heller.
Zwey Männchen, ein Weibchen, welches Eleiner als jene ift,
fieng ih bey Syracus am 19. May auf dem grafigen und-
blumenreihen Zußfteige zwifchen dem Anapo und den Säulen
des Jupitertempeld gegen Abend.
415. (4.) Praecursella n. sp.
Antennis annulatis, basi non fascieulata, palpis apice
fureatis, alis anterioribus dilute fuscis, costa lineisque
disci longis usque in apicem perductis albis (mas, fem.).
Aus der Verwandtfchaft der Otidipennella, unter allen. mie
befannten Arten duch die Zeichnung der langgefpisten Vorder:
flügel fehr ausgezeichnet; nur im Mitteiraum laufen gerade,
weiße Linien von der Bafis aus zur Spitze, wovon nur die
feste die Spige erreicht, indem die andern in ungleichen Ab—
ftänden von denſelben aufhören, wie fie auch ungleich anfangen.
Größe der Luseiniaepennella, die Flügelgeftalt ift aber ganz
anders. Nüdenfchild und Kopf graubraun. Schulterdeden und
der obere Augenrand hinten weiß. Fühler bräunlih und weiß
geringelt; das Wurzelglied bräunlih, auf dem Rüden mit einer
meißen Rängslinie, ohne Schuppenbufh; die 2 nächften Glieder
find durch ſchwache Befhuppung kaum fennbar verdidt. Nüffel
aufgerollt, ſchwach; Taſter von Ruͤckenſchildslaͤnge, horizontal,
braͤunlich; das Ate Glied haarſchuppig, nicht ſehr di, an der
Spige mit einem Haarbufh; das Endglied dünn, ein wenig
länger als dieſer Buſch, etwas aufgerichtet und mit ihm eine
Gabel bildend. Beine fchimmernd, hellbraun, auf der Schatten-
feite weißlih; Hinterfhenkel und Schiene auf der Kichtfeite mit
weißer Längslinie; Hinterfhiene mäfig behaart. Hinterleib
braungrau.
Vorderflügel in eine lange, dünne Spige auslaufend, glänzend
gelbbraun. Der Vorderrand ift auf 3 feiner Länge von ber
Bafis aus in einer ziemlich breiten, nad) ‚hinten verdünnten
Linie weiß. Die weißen Linien des Mittelraumes laſſen fich
jufammengenommen als eine hinten verdünnte Strieme betrach-
ten, welche fehr fchräg von Linien der Grundfarbe durchzogen
wird. Die erfte diefer weißen Linien Eommt aus der Mitte
der Bafis, läuft unter der Flügelfalte und hört verdünnt am
Anfange des ten Drittel defjelben auf; die Zte Linie, über
der erften nahe der Bafis verdünnt anfangend, läuft in der
Flügelfalte bis ang Ende deffelben fort, wo fie abgebrochen auf:
hört; die dritte beginnt dimn über der Zten, viel entfernter von
ber Baſis, ift weit dünner und hört entweder vor dem Ende
deffelben auf oder vereinigt ſich Über demfelben mit der 4ten
Linie. Diefe entfpringt faft über der Mitte der dritten und
läuft bis zum Hinterrande; vor demfelben geht aber ein Aft ab,
der fich bis in die äußerfte Flügelfpige bin fortfeßt. Der Innen—
vand hat nichts Weißes. Bey einem Männchen zeigt fich noch
in der Nähe des Vorderrandes über der Vereinigung der Zten
und 4ten Linie eine Eurze weiße Längslinie,
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Hinterflügel in eine lange, feine Spise ausgezogen, brauns
grau. Ebenfo die ganze Unterfeite, wo aber die 4 Flügelfpisen
einen weißen Längsſtrich, am deutlichſten auf den Vor—
derflügeln zeigen. Diefe Art ift die frühefte mir befannte Co-
leophora. Vaterland die Gegend von Meffina. Am 17. Fe:
bruar Elopfte ich fpät Nachmittags ein Pärchen aus ben Bluͤ—
tben eines ſtarren Grafes (irre ich nicht, fo wurde es mic
Arundo mauretanica genannt); am 26. Februar jtreifte ich
ein Meibchen mit dem Kefcher davon ab. An einer andern
Stelle des Gebirges erhielt ich noch ein Pärchen am 5. März,
Da das Gras auch in andern Gebirgsgegenden Italiens wächlt,
fo ſcheint die Schabe nicht bloß um Meffina einheimifch zu ſeyn.
416. (5.) Fretella n. sp.
Antennis albis obsolete annulatis, articulo basali ochra-
ceo non fasciculato, capite ochraceo, palpis apice furcatis ;
alis anterioribus ochraceis, subopacis, costa, linea disci
longitudinali lineaque plicae albis (mas).
Verwandt mit Fringillella Iſis 1839. ©. 208, 21. — viel
Eleiner; die DVorderflügel faft von der Bafis aus verdünnt, ftatt
bis zum Hinterwinkel gleich breit zu bleiben; die weißen Linien
nicht ſcharf; die mittlere kaum den Hinterrand erreichend, ftatt
fich zu biegen und bis in die Nähe der Spige zu gelangen.
Diet ähnlicher ift fie der folgenden Art, und den Unterfchied
gibt vorzüglich die Farbe des Kopfes und die längere Taſter—
gabel. Größe unferer Frühlings: Otidipennella. Kopf, Ruͤcken—
fhild und Vorderflügel angenehm heil ochergelblih. Fühler
etwas dic, weiß, blaßgrau geringelt; das Wurzelglied befchuppt,
von der Karbe des Kopfes, ohne Haarbufh. Taſter falt von
Nüdenfchildslänge, von der Bafis aus verdidt, außen ochergelb,
innen weiß, das 2te Glied endigt in einen, oben ber Länge
nach ausgehöhlten Haarbufh, der etwa die halbe Laͤnge des
ten Gliedes hat; das Endglied dünn, etwas aufgerichtet, von
der Ränge des Haarbuſches. Beine fchmusiggelb, auf der
Schattenfeite weißlih; Hinterſchiene wenig verdickt mit mäßig
langen, fpärlihen Haaren. Hinterleib dunkelgrau mit weißlichem
Afterbufch.
Vorderflügel gegen die Spige angenehmer gelb, als gegen
die Bafis; faft" ohne allen Glanz. Auf dem Vorderrande zieht
eine weiße, an der Baſis dünne, allmählich verdicte Linie, die
fi auf den Franzen bis in die Spige fortſetzt; hinterwaͤrts
wird fie mehr gelblich. Im der Fluͤgelfalte geht von der Baſis
bis zum Hinterrande eine dünne, weiße Linie. Zwiſchen ihr
und der Vorderrandlinie, doch ihr etwas näher, ift eine weiße,
diinne Rängslinie, weit vor der Bafis und fein anfangend und
(doch Eaum Eenntlich) in den Hinterrand miündend. Der ganze
Sinnen: und Hinterrand ift fehr fein weiß eingefaßt. Franzen
bel gelblich.
Hinterflügel glänzend grau, hellgelblich gefranzt, faſt zugefpißt.
Unterfeite grau, blaßgelbfranzig; die Vorderflügel am Vor:
-derrande, die Hinterflügel auf der Hinterhälfte weißlichgelb.
Das einzelne, fchön erhaltene Männchen fieng ih am 16. April
auf der fandigen Halbinfel des Leuchtthums von Meffina im
Eurzen Grafe.
417. (6.) Pabulella n. sp.
Antennis albis, obsolete annulatis, articulo basali albido,
non faseieulato; capite einereo; palpis apice brevins fur-
eatis; alis anterioribus ochraceis, subopacis, costa, linea
disci longitudivali lincaque plieae albis (mas).
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Der vorigen in der Slügelzeichnung und Färbung fo ganz
gleich, daß ich fie bisher für diefelbe Art hielt. Die Verfchieben-
heit in den Zaftern fcheint aber eine fpecififche zu. feyn. Sie find
bey verhältniffmäßig gleicher Laͤnge dicder; der Bufch bes 2ten
Gliedes ift kürzer, und das Ite Glied ift gleichfalls verhältniß-
mäßig dicker und plöglicher zugefpigt und, wenn “es die. Länge
des Bufches hat, um ein Merkliches Eürzer als die halbe Länge
des Zten Gliedes. Zu diefer Verfchiedenheit kommen weniger
bedeutende: der Kopf gelblichgrau, am obern Augenrand, fowie
der Aufenrand der Schulterdeden weißt ; das MWurzelglied der
Fühler unten grau, obenauf der Ränge nach weißlih. In der
Körpergröße fteht Pabulella hinter Fretella zurüd. Die Hin:
terfchienen find veichlicher behaart. Auf der Unterfeite find die
Hinterflügel bloß in der Spitze weißlich befchuppt.
Das einzelne Männchen fieng ih bey Meſſina am 2. April
im Graſe eines Weingartens.
418. (7.) Deviella n. sp.
Antennis albis, einereo-annulatis, ‚articulo basali albo,
non faseiculato; palpis rectis filiformibus superne albis,
alis anterioribus lutescenti-griseis unicoloribus. _
Zu den einfarbigen Arten der Gruppe von Lusciniaepennella,
Coraeipennella gehörig; in diefer £enntlich durch fehr helle,
faft ftaubgraue Grundfarbe der Vorderflügel.
Größe unferer Frühlings » Otidipennella. Rückenſchild und
Vorderflügel von gleicher Farbe; der Kopf gegen die Zafter hin
weißlicher. Fühler ziemlid) dick, weiß hellgrau geringelt; dag
Murzelglied ziemlich kurz, meißlich befhuppt, ohne Haarbuſch.
Rüſſel dünn, aufgerollt, auf dem Rüden befchuppt. Zafter -
kuͤrzer als das Nücenfchild, gerade fadenfoͤrmig, zugefpißt;
außen ſchmutzig gelblihmweißgrau, innen weiß; das 2te Glied
erweitert fich ein wenig gegen die Spiße, das Endglied ift halb
fo lang, fpis und mie das 2te etwas zufammengedrüdt. Beine
weißlich, auf der Xichtfeite grau mit meißlichen ©liederfpigen,
befonders an den Füßen. Hinterfchienen nicht. fo ſtark zuſam—
mengedrücdt, mäßig behaart. Hinterleib grau mit gelblihem
Afterbufch.
Vorderflügel einfarbig heil lehmgelb mit Grau gemiſcht, alfo
licht gelblichgrau, am Worderrande ein wenig heller. Franzen
mehr grau. Hinterflügel glänzend grau, mit ftaubgrauen Fran:
zen. Unterfeite wie die Hinterflügel; der Vorderrand der Vor:
derflügel ift an der Außenbälfte ſchmal hell und gelblich; ebenfo
jind die Franzen um die Spike.
Drey männliche Eremplare flogen bey Syracus in den Sy—
racafümpfen zwifchen Juneus acutus am 4. Mai Vormittags.
419. (8.) Aleyonipennella Kollar.
Sfis 1839. ©. 208. 31. — 1846. ©. 297. 15.
Elachista — Dup. pl. 309. fig. 12. 13. (mit verfehlte
Grundfarbe) pag. 554.
Coleoph. — Dup. Cat. 371.
Ein fhönes Männchen, am 17. Auguft bey Neapel füblich
der Stadt in der fruchtbaren Ebene, nebft einem zweyten Exem—
plar, das mir entfam, zwiſchen Atriplex- Pflanzen gefunden,
Es hat die fhöne Iebhafte Färbung unferes hiefigen Weibchens.
Bey uns habe ic) diefe Art nur im May und Suny gefunden.
Es eriftiert alfo eine doppelte Generation, wenigftens im Süden,
Stepbens (Illustr. IV. 1834. ©. 283.) bat wabrfchein-
ih aug diefer Art und Mayrella ein eignes Genug Metallo-
setia gebildet, wobey er in dem Irrthum befangen ift, als ob
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die Männchen die Fühler an der Wurzelhälfte durch Schuppen
verdickt haben, während diefe bey den Weibchen außer am Wur—
zelgliede fehlen. Seine Met. spissicornis Haw. (Cat. 7383.)
ſchien mir nach der Abbildung in den Illustrat. pl. 41. fig.1.
unfere Col. Mayrella zu feyn; allein feine Befchreibung ffimmt
ſehr fchlecht. Er fagt: antennae spotted with black in the
middle, the [apex white, und die Vorderflügel follen bloß
goldgrün oder grüngolden fepn ohne Kupferroth. Die 2te Art,
Met. trifolii ©. 284. hat den Vorderrand und die Spike der
Vorderflügel Eupfericht- nd, die Fühler mit einer weißen Spitze.
Hiernach fcheint fie zu Aleyonipennella zu gehören. Aber
diefe hat nie im männlichen Gefchlecht eine verdidte Wurzel:
hälfte der Fühler, was doch bey der Stephensifchen Befchreis
bung. ftillfehweigend vorausgefegt wird. Curtis, der das Ges
nus Damophila (im Juny 1832.) nennt, beſtaͤtigt dieſe Be:
ſchaffenheit der. Kühler für. feine Dam. trifolii, die einerley mit
der Stephensifchen ift, die mie aber bey der Anficht der Ta—
feln (jest. befiße ich nur die Abfchrift des Textes) eins mit Col.
aleyonipennella zu feyn fchien. Auf die Namen kann dieß
Eeinen Einfluß. haben; denn der Kollarfche ift von 1832.,
und von Hübners Namen läßt ſich weiter nichts fagen, als
daß er wenigftens ebenfo alt ift wie der von Haworth.
Gracilaria.
Bon Coftaifchen Arten gehört hierher die unter Plutella
aufgeführte Triangulosella No. 2.; außerdem fann die in der
Fauna tab. VI. fig. 3. abgebildete hieher gehören. Sch finde
von ihre weder Namen, noch Beſchreibung. Sie hat Aehn—
lichkeit mit Gracil. Franckella Hbn. fig. 379. (Ornix hila-
ripennella Tr.) ; ift fie aber richtig dargeſtellt, ſo ift fie eine
verjchiedene, viel Eleinere Art. Ihr Hinterleib ift röthlich, ftatt
grau; die Vorderflügel haben an der, Bafis des Innenrandes
nicht8 Gelbes und der große, gelbe Fleck bildet eine fehr breite
Binde, die auswärts tief ausgerandet ift. — Sch felbft fand
eine Art:
420. (1.) Lacertella FR.
Alis anterioribns nitidis fusco-aeratis, guttis quatuor
ovatis aureis alternatim oppositis; pectore aureo; anten-
narum apice albo.
Graeil. lacertella Iſis 1839. ©. 209. — 1846.
S. 298.
Gr. lacert. Dup. Cat. 372.
Zwey Eremplare, gar nicht «von den deutfchen verfchieden,
fieng ich bey Meffina am 13. März und 3. April im Gebirge
zufällig. zwiſchen Geftrüpp; die eigentliche Flugzeit fcheint dort
zw Ende März zu feyn.
Cosmopteryz.
421. (1.) Argyrogrammos Z.
Sfis 1847. ©. 37.
Diefe Art habe ich nad) einem einzelnen Eleinafiatifchen Exem—
plare im Ganzen wichtig beſchrieben. Falſch jedoch iſt, daß die
erfte Querlinie gegen die Bafis gelegt feyn ſoll; fie ift ſchraͤg
nad) außen. gelegt und der Aten Eürzern, bisweilen braun ein—
gefaßten, parallel; während fie oft ‚gegen die Bafis auf der
Subeoftalader einen Zahn hat, iſt die, 2te nicht felten nach
außen mit einer Fortfegung verfehen. Die weiße, in die lange
Flügelfpise. auslaufende Linie, welche unterwaͤrts braun gefäumt
iſt, Tchließt ſich der Hinterrandlinie, an. ı Die Vorderrandlinie
Iſis 1847. Heft 12.
890
ift oft in fehr weit getrennte, fchräge Stüde zerriffen. Zwiſchen
der 2ten Querlinie und der Hinterrandlinie ift ein filberweißer,
der Iegtern parallele Strich im Mittelfelde. Größe veränder-
lich, bisweilen nur wie Elach. pomposella.
Um Spyracus flog diefe Art nicht felten auf einem Brach—
felde in der Mitte des May Abends um Difteln und im Grafe
mit der Gelech. Flammella. Won diefer rafchen und im
Zickzack fliegenden Art unterfchied ich fie fhon an dem Fluge,
der fchwächer, mehr ſchwebend und dem der Gracilarien aͤhnlich
war. Ueber ihre Stellung in der Ruhe habe ich Teider nichts
aufgemerkt. Einzeln zeigte fie fih noch im Suny. Auch bey
Nom fieng ich ein paar Exemplare zu Ende Auguft. Sie hat
alfo eine doppelte Generation. Ihre Augen find im Leben blut:
roth und glühend, getrodnet braun,
Elachista.
Welche von den Coftaifchen Arten hieher gehören, Täßt fich
wegen Mangelbaftigkeit der Abbildungen und Befchreibungen
nicht genau beftimmen. Ohne Zweifel gibt e8 im Süden eine
Menge von Arten,
422. (1.) Testacella.
El. — Hon. 326. Sfis 1839. ©. 211. 3. —
©. 340. 176. (Befchreibung.)
— Duponchel Cat. 375. — * Suppl. IV. p. 301.
pl. 75.
Ein Männchen am 6. Suny bey Syracus jenfeits des Anapo
zwifchen feuchten Aeckern. Es ift Eleiner als gewoͤhnlich und hat
gelblichern Grund auf Nüdenfchild und Vorderflügeln; übrigens
befist e8 alle Merkmale unferer Art.
423. (2.) Dohrniin. sp.
Alis anterioribus dilute vitellinis, basi apiceque albis,
maculis disei quinque convexis auratis (mas.)
Verwandt mit Elach. pomposella, fehr Teiht an den in
der Diagnofe angegebenen Merkmalen Eenntlih. Größe wie
Graeil. stigmatella, doch veränderlih; ein Exemplar ift wie
Opost. spartifoliella.
Kopf und Rüdenfhild weiß. Fühler kürzer als die Vorder—
flügel, bräunlich, heller fein grringeltz das MWurzelglied lang
geftredt, unten weiß, obenauf bräunlichgelb außer an der Spige*
Marillartafter fehlend, Nüffel fehr Eurz, aufgerollt, Lippen—
tafter Lang, ſtark aufgefrimmt; das te Glied zuſammenge—
drückt, unten etwas behaart; das Endglied dünn, fpig, kürzer
als das Ate Glied, vor der Spige mit -einem grauen oder brau=
nen Ringe Beine weißlich, die vordern gelbbraͤunlich und
weiß geringelt; die Hinterfchtene Tanghaarig, mweißlich und bleic)-
gelb fledig. Hinterleib gelblihgrau, hinten und am Baud)
weißlich.
Vorderflügel am Murzelviertel weiß mit einem blaßdotter-
gelben, ſchraͤgen Worderrandfled; darauf ift der Grund etwas
dunkler gelb, gegen die Spitze aber ganz blaß. An der Mitte
des Vorderrandes ift ein Eleiner weißer Fleck, ein Andrer in den
Franzen vor der Spige. Im Mittelraum liegen 9 runde con=
vere Goldflede, die 2 erften vor, die 2 folgenden etwas hinter
der Mitte; beide paarweis, jedes Paar ſchraͤg geftellt; der Ste
nahe am Hinterrande. Diefe Flede haben fehr große Schup⸗
pen; die ſtarken Schatten Taffen fie braun eingefaßt erfcheinen.
Die Franzen um die Spige find weiß, am Hinterwinkel graus
braͤunlich.
56*
891
Hinterflügel lang zugefpigt, glänzend. grau, mit gelblich—
grauen Franzen.
Unterfeite der Worderflügel gelblichgrau, am Vorberrande
weißlich mit etwas durchſcheinenden, weißen Flecken; Hinter
flügel weißgraur Die Franzen find wie an der Oberſeite. —
Das Weibchen Eenne ic nicht.
Mehrere Eremplare fieng ich in der Endhälfte des July bey
Meffina am Gaftellaccioberge im duͤrren Grafe am Spaͤtnach—
mittag. . Aufgefheuht flogen fie eine kurze Strecke, worauf
fie. fi wieder nahe an den Boden ins Gras festen und fic)
ähnlich, wie Elach. pomposella; nur weniger lebhaft, drehten.
Diefes ſchoͤne Thierchen habe ic zu Ehren meines Freundes
C. A. Dohen, Präfidenten des Stettiner entomologifchen
Vereins, benannt.
424. (3.) Magnificella F. R. n. sp.
Capite maris griseo nitido, feminae cupreo, antenna-
rum (fem,) fascia ante apicem latissima alba; alis ante-
rioribus aureo-fuseis, basi, fascia media, striga antice
abrupta postica maculaque apieis auratis.
? Oecophora — Duponchel Cat. 367. — * Suppl.
tab. 4. p. 321. pl. 77.
Größe der. Elach. albifrontella H. 432. (Iſis 1839,
©. 212.) und naͤchſte Verwandtſchaft mit Elach. nobilella
Sfis 1839. 213. Von diefer unterfcheidet fie ſich durd) etwas
beträchtlichere Größe, kuͤrzere Tafter, den weißen Gürtel vor
der Flügelfpige im weiblichen Gefhleht und ‚den Mangel des
Goldfhuppenhaufeng auf den Franzen der Vorderflügel.
Ruͤckenſchild dunkel violettbraun; der furze Kopf Eupferfarben,
etwas glänzend. Fühler ſchwarz, beim Weibchen mit einem
ſehr breiten Gürtel vor der Spige und auf der Unterfeite zart
pubescirend gefranzt. Taſter ſenkrecht herabhängend, kürzer als
die fenfrechte Höhe des Kopfes, beim Männchen etwas länger,
fadenförmig, ſpitz, braun, glänzend ; beim Meibchen grau.
Rüſſel aufgerollt, beſchuppt. Bruſt meffingfarben. Beine
braun, metallglängend, mit filberweißen Flecken an den Schie—
nen und Füßen, Hinterleib dunfelgrau mit glänzenden Schup-
pen, beim Weibchen ziemlich, did; das Männchen mit, einem
geſtraͤubten, gelblichen Afterbufchs das Weibchen hat bloß unten
einige gelbe Haare in den anliegenden Haarbuſch eingemifcht.
Borderflügel ziemlich breit, goldbraun, am Vorderrande dunk—
ler. Nahe der Bafis ift ‚ein goldnes Band, beim Weibchen
breiter als beim Männchen. Ueber die Mitte. geht ein fchauf
begrenztes grades Goldband. Auf dem Hinterwinkel ſteht ein
Goldſtrich, der beim Weibchen ftärker ift und weiter gegen den
Vorderrand reicht. Dicht vor der Flügelfpige liegt auf dem
Rorderrande ein großer, länglicher Goldfleck, der beim Weib—
chen dem Striche näher kommt als beim Männden. Die
Franzen find beim Weibchen einfach braun und violettlich, beim
Männchen bräunlich mit braunen Schuppen beſtreut und vor
der Spitze mit einer Schuppenreibe ducchzogen.
Die Eurzen, ſtark zugelpisten Hinterflügel find dunkelgrau,
auf der Unterfeite heller und vöthlich und gelb metallfhimmernd.
Die Vorderflügel find dunkler, glänzend, bey einen Weibchen
zeigen die Worderrandfranzen vor der, Tlügelipige einen verlo—
fchenen, ‚hellen Randfled.
Das einzelne Weibchen fand ich bey Meffina am 20. März
auf der Höhe des Castello Gonzaga zufällig im Grafe an
einer Stelle, wo viel Papilionaceen wuchſen. Ein Weibchen
und zwey Männchen erhielt ich von Herrn Mann, der fie bey
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Wien im Juny felten um Kiefern fing. Die Männchen wei-
hen durch die einfarbigen Fühler, die filbergraue Stirn, die
mit Schuppen beftveuten Franzen der Vorderflügel fo fehr von
den Weibchen ab, daß fie vielleicht einer andern Art angehören.
Bey der fo nahe ftehenden Nobilella zeigen die beiden Ge—
f&hlechter durchaus nichts von ſolchen Berfchiedenheiten.
425. (4.) Nigrella..
Drey Männchen am 18. März im Gebirge bey Meffina ge:
fangen, als fie jan einem kraͤuterreichen Abhange am ſpaͤten
Nachmittag ganz nad) der Weiſe der deutfchen Nigrella’flogen.
Sie unterfiheiden fich von dieſer bey der genaueften Vergleihung
in folgendem: Das Grau ihrer Worderflügel: ift heller ala ges
woͤhnlich. Ben zweyen fehe ich in der Flügelfalte dicht an der
weiflichen Binde einer braunen Längsftrich fehe deutlich; kaum
merklich ift er beim dritten, Eleinften Eremplarz da er etwas
indie Binde hineinragt, fo erfcheint dieſe dadurch nicht ganz-
tandig, fondern an der Mitte eckig. An denfelben Stellen
haben aber nicht felten hiefige Exemplare einen dunklen Fleck,
der nur nicht fo ſehr ‚hervortritt, weil der Grund dunkler iſt,
und dann zeigt ſich auch der Hintervand der Binde mehr oder
weniger eckig. Eine fpecififche Verfchiedenheit kann ich alfo um
fo weniger herausfinden, als Bau und Färbung der Kopftheile
ganz einerley find.
426. (5.) Contaminatella n. sp.
Alis anterioribus albis, postice sordidis, costa grisea,
lineola plicae striolaque disci postica pone strigulam co-
stalem fusceseentem' nigris (mas.)
Nahe verwandt mit Cerussella HZ. 183., aber Eleiner, mit
weniger Gelb auf den WVorderflügeln und mit braunen eich:
nungen gegen die Spiße, die diefer fehlen.
Ruͤckenſchild und Kopf weiß. Fühler braͤunlich grau, ſchwach
gezähnelt, am verdickten Wurzelgliede weißlich. Maxillartaſter
von Ruͤckenſchildslaͤnge, dünn, ſchwach gekruͤmmt, weiß, aud)
auf der Außenſeite. Beine ſchmutzig gelblihgrau, nah unten
weißlich. Hinterfchienen behaart und bedornt wie bey Cerus-
sella. Hinterleib “grau, nach hinten weißlich, "mit" längeren
Haaren an den Genitalien:
Vorderflügel weiß, hinten, fowie am Vorderrande und in der
Falte unrein gelblich; der Worderrand felbft braungrau. In
der Flügelfalte liegt nicht weit vom Hinterwinkel ein dicker,
ſchwarzer Längsſtrich. Vor dem Anfang des legten Laͤngsdrit—
tel8 kommt vom Vorderrande ein bräunlicher fehiefer Strich
herab, unter deffen Ende, dem Hinterrande etwas näher als
dem Vorderrande, pin Eleinerer und dünnerer, ſchwarzer Lingss
ftrich liegt. Hinter ihm find hier und da bräunlichgelbe Schuͤpp⸗
chen zerfireut. Um die Spike zieht auf der Außenhälfte der
Franzen eine Reihe bräunlicher Schüppchen.
Hinterflügel fchmäler und gefpigter ald bey Cerussella, etwas
‚glänzendgrau.
Unterfeite grau, auf den Vorderflügeln dunkler; diefe find -
von einer feinen, blaßgelblichen ‘Linie umzogen und dadurch von
den Franzen getrennt, welche um die Spitze befonders hell und
weißgelblid) find und auch die braunlihe Schuppenreihe, wie
auf der Oberfeite befigen.
Das Meibchen ift mie nicht bekannt.
Drey Eremplare fing ich am 23. April bey Syracus Abende
auf einer feuchten Wiefe nahe am großen Haven. Die Art hat wahr:
ſcheinlich die Gewohnheit Abends zu fliegen mit Ceruss. gemein.
893
427. (6.) Disemiella'n. sp.
‚Alis anterioribus, albis, in. ciliis rare fusco - squamula-
tis punctis duobus .disei distantibus fuseis, in mare costa
alarum anteriorum fuscescenti, posterioribus obscurius
einereis (mas. fem.)
Sehr ähnlich «meiner Elach. dispilella, die aber, weder
\ braune Schüppchen, noch, einen dunklen Vorderrand an. den
| Vorderflügeln befigt. Noch ähnlicher ift aber eine bey Mien
aufgefundene Art, Dispunctella F. R. in .lit.,.. die irrig fuͤr
die wahre Treitſchkiſche Elach, Bipunctella angeſehn wird;
dieſe hat braune Schuͤppchen auf der Flaͤche der Vorderfluͤgel
umhergeſtreut; allein dag Maͤnnchen (das ich bis jest bloß
kenne) bat. feinen bräunlichen Vorderrand der Worderflügel,
mweißlihe, nicht graue Hinterflügel und eine, fehr helle Un:
terfeite.
Kopf und Ruͤckenſchild weiß. Fühler blaß gelbbraͤunlich, an
der Vorderſeite des weihlichen Wurzelgliedes. mit einigen’ Eraufen
Haͤrchen. Taſter⸗haͤngend, ſpitz, dünn, weiß, ‚auf der Unterz
ſeite etwas braungelblich, wie bey Dispuuctella, Vorder- und
Mittelbeine braͤunlichgrau; Hinterbeine viel heller, an den Schie—
nen mit langen Dornen und Haaren. Hinterleib grau, nach
hinten weißlich.
Vorderfluͤgel weißlich mit einzelnen. braunen Schlippchen, vor—
zuͤglich auf den Franzen um die Spitze. In der Fluͤgelfalte,
nicht weit von ihrem Ende, liegt ein brauner, länglicher Punct;
ein andrer faſt auf der Mitte zwiſchen ihm und der Fluͤgelſpitze
im Mittelraume. Der Vorderrand iſt braun, beim Weibchen
jedoch entweder gar- nicht oder ‚nur nahe der Baſis. Die Fran—
zen find etwas ſchmutzig.
Hinterfluͤgel glaͤnzendgrau, beim Weibchen meißlicher als beim
Männchen; die Franzen heller und um ihre Baſis gelblich.
Unterſeite glänzend dunkelgrau, beim Meibchen viel heller;
die Franzen heil, befondeıs um die Spike der Vorderfluͤgel.
Diefe Art fand ich bey Meffina zu Ende Februar, im März
und April im Gebirge an Erica arborea, doc) nur in weni⸗
gen Eremplaren. Am 17, Hebruar flopfte ih 3 Exemplare
aus dem Geſtraͤuch, wovon das eine weiblich war. Am 15.
July erhielt ich in berfelben Gegend ein ausgezeichnet Eleineg
Weibchen, das offenbar einer 2ten Generation angehört.
428. (7.) Cygnipennella.
Einmal ein Männchen bey Syracus am 19. May in ber
fruchtbaren Niederung zwifchen dem, Anapo und den Säulen
des Supitertempels. Es gehört zu den größten Exemplaren;
fein Weiß bat mehr, als es bey den deutfchen Exemplaren vor:
kommt, eine gelblihe Beymifhung; feine WVorderflügel find ein
wenig geftredter; die Taſter etwas länger. Da es im Uebri—
gen durchaus das Gepräge unferer bekannten Art trägt, fo
fo fann ich einftweilen die Abweichungen nur für individuelle
Eigenthümlichkeiten anfehen. Es fiheint ſonach, als ob Cygni-
pennella über das ganze mittlere und füdlidhe Europa bis an die
afiatifche Küfte — das bey Carajasu gefangene Weibchen zeigt
gar Feine Verfchiedenheit- — verbreitet fey.
Opostega.
429. (1.) nov. sp.
Eine der Spartifoliella nächft verwandte Art Elopfte ich bey
Meffina am 8. April an einer mit Cytisus triflorus und Ar-
butus bewachſenen Anhöhe aus dem Geſtraͤuch, nachdem ich
894
fehon mehrere Wochen früher ein Eremplar gefangen hatte.
Bon beiden befige ich nur einen einzigen WVorderflügel. Die
erfte gelbe, braun eingefaßte Halsbinde der Spartifoliella fehlt
ganz. Darauf befindet ſich bey diefer über oder etwas hinter
dem metallglängenden Fleck eine zweite; bey der ficilifchen Opo-
stega fteht fie dagegen um. ein beträchtliches vor dem Metall:
flede. Auch fcheint die folgende Zeichnung abzuweichen, mas
ich jedoch nicht weiter erörtern will, da die gegebenen Merk:
male zur Unterfcheidung hinreichen. Nur das bemerfe ich noch,
daß Spartifoliella weiße, die ficilifhe Art auswärts braune
Franzen hat.
430. (2.) Suffusella n, sp.
Conchula antennarum parva, alis anterioribus latiuseu-
lis subeaudulatis, nitidis, albis, flavido suffusis, postice
flavidis, strigulis costalibus fuseis, secunda integra , pun-
cto — atro.
Naͤchſt verwandt mit Opostega saligna (Iſis 1839. ©,
114. 4.) und nur in wenigen Merkmalen verfchieden. Größe
etwas anfehnlicher. Kopf und Rüdenichild gelblich, ſtatt ſilber—
weiß. Die Vorderflügel find etwas breiter. Ihre weiße Farbe
ift fehr verdünnt gelb unterlaufen, am iwenigften am Vorder:
vande; auf der Flügelmitte ift eine nebelichte, bräunliche Stelle
ohne alle ſcharfe Begrenzung; fie grenzt an den entfchieden
gelbgefürbten Fluͤgeltheil. Nahe der Baſis unter der Falte ift
eine ähnliche Verdunkelung. Das Gelb des hintern Flügel:
theils ift lebhafter. Der 'erfte Vorderrandſtrich ift verdidt.
Der 2te bildet eine faft gerade, vollftändige Querlinie; bey Sa-
ligna ıft fie entweder in 2 gegen einander. fehräg geftellte Ge—
genfteiche aufgelöft, oder fie ift doc, in der Megel in der Mitte
gekruͤmmter. Andere Verfchiedenheiten bemerke ich nicht. Die
Fluͤgelbreite iſt, fo viel ich jeßt fehe, dee wefentlichfte Unter
ſchied; ob er fih an mehrern Eremplaren' ftandhaft erweiſt,
muß die Zukunft lehren; die Faͤrbung kann eher individuell oder
climatifch feyn.
Das einzelne Meibchen fieng ih am 19. Auguft in der Ge:
gend des Agnanofees bey Neapel; ihre Nahrung findet die
Raupe dort vielleicht in Pappelblättern,
Lyonetia.
431. (1.) spec.
Ein einzelnes ‚Exemplar einer fehr Eleinen Urt aus der Ver:
wandtfchaft der Argyropeza, in, der Größe der Rufella;
fhmusig graugelblih mit etwas hellerem Kopf: die Vorder—
flügel grob braunfchuppig, gegen die Spige reichlicher. Da fie
ungleich gezeichnet und alſo verwifcht find, fo gebe ich hier Feine
weitere Befchreibung. — Ich fieng das Erempları bey Neapel
im Walde Über dem Agnanofee am 15. Auguft.
452. (2.) Somnulentella n. sp.
Capite comoso, pilis oculos tegentibus; capillis. lute-
scentibus griseisve; alis anterioribus elongatis, lutescenti-
griseis, obscurius pulverulentis, dorso dilutiore. (mas,
fem.)
In der Fluͤgelſtreckung ähnlich den Achten Lyonetien, aber von
diefer Abtheilung ſehr verfchieden duch den Mangel des Flügel;
ſchwaͤnzchens, durch den ſtarken Schopf, die ſchuppenhaarige
Stirn, die Uber die Augen gelegte und fie zum Theil verhuͤl—
lende Haarparthie; fie bildet wahrfcheinlih ein eignes Genus,
was die Unterfuchung des Flüyelgeüders entſcheiden muß, die
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ih mir für meine Monographie der Lyonetien vorbehalte.
Größer als Prunifoliella, wie Col. otidipennella, Rüden:
ſchild gelblich ftaubgrau. Kopf ebenfo, oder — bey dem beit
erhaltenen Männchen — heil Iehmgelbtich behaart. Die Stirn:
und Scheitelhaare bilden einen fehr reichlichen Schopf; bie
Haare des Dbergefichts find kürzer, weißlicher und abwärts. ge=
richtet. Vor den Fühlern hängt eine flahe Parthie über die
Augen herab, und verdedt fie völlig. Das Wurzelglied der
Fühler ift zwar verdidt und etwas erweitert, doch nicht fo ſehr,
wie bey den übrigen Lyonetien; die Fühler lang und ſchlank
wie bey Clerckella, find braun und grau geringelt. Lippen—
tafter fehr Elein, hängend, ſpitz. Beine einfarbig braunlichgrau,
an den Fußgliederfpigen weißlich. Hinterſchenkel zuſammenge—
drückt, etwag erweitert; Hinterfchienen gleichfalls zufammenges
drüct, auf beiden Schneiden ziemlich armhaarig ; die, Dornen:
paare fehr ungleih. Das erſte fit dicht ‚vor der Mitte, und
der längere Dorn, 3 mal fo lang wie fein Nachbar, erreicht
nicht die Schienenfpige, von den Enddornen iſt der längere nur
fo lang wie der fürzere des obern Paares. Hinterleib grau,
am After hell.
Vorderflügel ſchmutzig grau fahlgelblid, am Innenrande bis
zur alte und am Vorderrande nur, auf der bintern Hälfte
und viel fehmäler in etwas lebhafterer und reinerer Färbung,
im übrigen Raume grauer und veichliher braunftaubig. Auch)
die Franzen um die Flügelfpige find etwas gelblich und braun:
ftaubig; übrigens find fie gelblichgran, — Hinterflügel oben und
die ganze Unterfeite etwas glänzendgrau, die Vorderflügel an
den Rändern gelblih. — Das Weibchen hat die Größe des
kleinern Maͤnnchens.
Das Weibchen fieng ih am 3. April bey Meſſina im Ges
birge; die beiden Männchen bey Syracus am 12. May uud
7. Juny auf Aedern in der Umgegend der Syraca. Die Ver
ſchiedenheit der Flugzeit fcheint bloß der von Clerckella analog
zu feyn, nicht aber auf eine doppelte Frühlingsgeneration zu
deuten,
Lithocolletis.
433. (1.) Messaniella Z. — um Meſſina — be:
fhrieben in der Linnaea entomol. I. ©. 221. Zaf. 1.
Bars. ı
Tischeria.
Gine mabrfcheinlich hierher gehörige Art ift die Coftaifche
Tin. Ricciardella; f. unter 'Tinea No. 14.
434. (1.) Emyella Dup.
Alis anterioribus lutescentibus costa apiceque fuseis
violaceo - subnitentibus.
Elach. Emyella Dup. VIII pag. 548. pl. 309.
fig. 6. — Catalogue pag. 376.
Kleiner als T. complanella, fo groß wie Elach. nigrella.
Rückenſchild und Kopfhaare hell lehmgelb oder bleich; Fühler
grau, beim Männchen langhaarig gefranzt. Taſter kurz, haͤn⸗
gend, ziemlich gerade, gelblich. Bruft und Beine gelblich,
Hinterbeine weißlich; an ihren Schienen ift das obere Dornen—
paar nahe am Anfange eingefügt und der eine Dorn iſt fehr
lang. Hinterleib grau, glänzend, am After gelblich,
Rorderflügel heil lehmgelb, faft dottergelblicdh, glänzend. Der
Morderrand ift von der Bafis aus an Breite zunehmend vio—
lettlih braun, mas ſich an der Spige herum und am Hinter—
vande hinzieht. Beim Weibchen ift diefe Faͤrbung viel einge
896
fhränfter als beim Männden, wo fie ben Hintertheil bes
Flügeld einnimmt; bey jenem erkennt man am Sinterrande
einen braunen Punct als Grenze des Dunkeln, beim Männ-
chen, wo e8 weiter herabreicht, verdeckt es den Punct. Fran—
zen gelblihgrau, an der Flügelfpise lehmgelb und auf der Baſis
mit violettbraunen Schuppen bekleidet. — Die ganzen Hinter:
flügel und die Unterfeite der Vorderfluͤgel glänzendgrau, letztere
beim Weibchen graugelblih. Franzen blaͤſſer als an der
Dberfeite.
Zwey Männchen, bey Syracus zwiſchen Gärten am 23.
April und 17. May. Das Weibchen fieng id) am 8. May
bey Glogau an einer Hede im Waldes Duponchels Erem:
plar foll aus Kievland ſtammen. Die Art tote alſo fehr
verbreitet.
Pterolonche nov. gen.
Capilli decumbentes, epistomium obrumbrantes.
Oeuli hemisphaeriei; ocelli nulli.
Antennae supra oculos antice insertae, longae; arti-
euli basalis latus anterius pilis conchulae instar crista-
tum est.
Palpi maxillares nulli
labiales mediocres, porrecti, compressi, pilosi, ar-
ticulo terminali deelinato, breviere, acuto,
Haustellum nullum.
Pedes longiuseuli, tibiae postieae compressae, pilosae,
bis bicalcaratae, pari calcarium priore ante apicem in-
serto. 3
Alae lanceolatae, acutae, longius ciliatae.
anteriorum cellula mediana simplex, postice 3
venas in marginem costalem, 5 in posticum omit-
tit; venae subdorsalis basis furcata; pterostigma
nullum.
posteriorum cellula mediana postice emarginata
unam venam in marginem costalem, 5 in posticum
mittit.
Oviductus feminae non exsertus.
Genus habitu simile Seirpophago, Anchiniae
et Plutellae.cultrellae; ab his generibus vena-
rum et antennarum structura distinguitur, antennarum
conchula insignitur. Larya, ut habitus et alarum jcolor
prodere videtur, in culmis vel graminum radieibus vivit.
Locus generis incertus.
Nomen .a zır£gov, ala, et Adyyn, lancea, ex alarum
forma desumptum.
Den richtigen Plas für. diefes Genus weiß ich noch nicht,
und daher führe ich e8. bier auf. Zu den Crambiden gehört
es nicht, da es lanzettfoͤrmige Hinterflügel hat und die Fühler
vor, nicht auf dem fenfrehten Durchmeffer der Augen eingefügt
find. Eine Stelle bey Anchinia fcheint zwar, der Slügelgeftalt
und dem Aderverlauf nach vorläufig. die paſſendſte; Fühler: und
Tafterbildung ‚werden fie aber wohl ſpaͤter als irrig -ausweifen.
435. (1.) Albescens n. sp.
Major; alis anterioribus latiuseulis albis fusco-cinereo-
venosis.
Bon der folgenden durch. betrichtlichere. Größe, breitere Vor—
derflügel, weiße Farbe derfelben ohne Beftäubung und die durch
dunkle Färbung ſtark hervorftehenden Adern verſchieden.
897
Größe wie Anchin, rostrella (Worberflügellänge bed M. 6,
bed W. 7’). Der ganze Körper ift weiß befhuppt; nur am
langen Hinterleibe fheint auf der Oberfeite die dunkle Farbe,
außer an den dicht befchuppten Ringrändern durch die meißen
Schuppen grau hervor. Die fhmusiggelblihen Fühler haben
eine auffallende Länge, nehmlic etivag mehr als die Vorder:
flügellänge,, mit Eurzen, deutlichen Gliedern und find ſchwach
faͤgicht gezähmelt in beiden Geſchlechtern; das Murzelglied ift
“auf der Unterfeite ſchwach ausgehöhlt und auf der Außenfeite
mit einem fehr reichlihen Haarkamm verfehen, der, wenn die
Fühler anliegen, die Augen von oben her verdedet; unter den
Augen ſſitzt ein aufwärts gefträubter Haarbuſch, det fie von
unten f[hüst. Taſter und WVorderbeine auswärts gelbbräunlich
angeflogen, jene kuͤrzer als der Rüdenfchild. Hinterfchienen
mit 2 Paar dünner, ziemlich Eurzer Dornen.
Vorderflügel mweiß,. alle Adern verlofchen braungrau. Die
Lingsfalte unter der Medianader und die die Mittelzelle durch—
fehneidende find ebenfo gefärbt; defgleichen eine Linie in der
Mittelzelle, welche den außerften obern Theil derfelben als eine
Mebenzelle abgrenzt.
Hinterflügel etwas glänzend, weißlich, nad aufen ftaubig-
grau. Franzen ganz weiß, beim Männchen weniger rein und
an der Bafis von einer gelblichen, verlofchenen Linie durch:
zogen.
Unterfeite grau, die Worderflügel dunkler, aber am Innen—
tande bis zur Falte weißlich, wie beim Weibchen alle Franzen.
Alle Adern verdunfelt.
Ein fhönes Pärchen fieng ich bey Meffina am Gaftellaccios
berge nach Sonnenuntergang am 22. und 25. July im bür-
ven Graſe.
436. (2.) Pulverulenta n. sp.
Minor, alis anterioribus angustulis exalbidis, antice
griseo-pulverulentis, venis obseurioribus. obsoletis.
Kleiner als die vorige Art (WVorderflügellänge 5") und mit
geſtreckterem Flügelbau. Grundfarbe des Körpers ſchmutzig
gelbweißlich. Am: Hinterleibe auf den erften Ringen außer an
den reichlich befchuppten Hinterrändern durchfcheinend grau.
Taſter länger und ſchlanker als bey Pt. albescens, auswärts
grau angeflogen. Die den Ober: und Unterwimpern ähnliche
- Eintihtung der Behaarung um die Augen ift beiden Arten
gemeinfchaftlihd. — Sinterfchienen der. Pt. pulverulenta fhivä-
her behaart.
Die gelblichweißen Vorderflügel find gelblich ftaubgrau ange
flogen, am meiften vorn, und zunehmend gegen die Flügelfpige.
In diefer VBeftaubung treten. auch die Adern auf der obern
Flügelhälfte, wenn auch ziemlich verlofchen hervor, am deut-
lichften die in den Vorderrand auslaufenden.
Hinterflügel glänzend gelblichweiß, an der Spike ins Grau:
‚ liche. Alte Franzen haben, fowie die Behnarung der Beine
einen auffallend gelben Zon gegen Pt. albescens.
Unterfeite graugelblich glänzend, auf den Hinterflügeln heller,
auf den Vorderflügeln mit etwas hervortretenden Adern.
Das Weibchen iſt wie bey der vorigen Art an feinem zuge
fpisten Hinterleibe zu erkennen, der einen kuͤrzern und duͤnnern
Afterbufch hat als beim Männchen.
Ich fing 3 Paar nah und nad) im Laufe des May bey
Syrxacus auf einem dürren Anger in der Nähe des Kapuziner-
kloſters, wo ich fie aus verbiffenem Geſtruͤpp ſchwer auffcheuchte.
Iſis 1847, Heft 12,
898
Ein Pärchen erhielt ih) am 31. May jenfeits des Anapo in
einem trodnen Hohlwege im dürren Grafe.
Pterophoridae.
Adactyla.
Rambur entdeckte von diefem Genus eine Art in Korfica,
Er fchreibt in den Annales de la Soc. ent. de France I.,
©. 250. „an den fteilen Abhängen gegen das Meer ift die ge—
meinfte Pflanze dag Chenopodium fruticosnm; feine faft cy—
lindriſchen Blätter werden mit Begierde von den Noctuen Che=
nopodiphaga und peregrina gefreffen; auf ihm lebt auch die
Raupe des Pterophorus adactylus, deren Geftalt fo
fonderbar, und deren Gang fo langfam iſt.“ — Daß diefe
Urt nicht unfere nordifhe Aluc. adactyla 4. —= Adactyla
Hübneri Isis 1841. 771. ift, erleidet Eeinen Zweifel; ob jie
aber eine der ficilifhen Arten iſt, läßt fich aus jenen Angaben
nicht erkennen. Gewiß werden in Europa noch mehr" neue
Urten aufgefunden werden. Unfere Adact. Hübneri ift
von den jegt bekannten die dunkelfte, auf beiden Flügelflächen
dunfelbraungrauz; die Vorderflügel find auf dem Innenrande
weißgrau beftäubt, und in diefer Beſtaͤubung einmwärts liegen
zwey ziemlich große ſchwaͤrzliche Flecke, der erfte vor, der 2te
weit hinter der Fluͤgelhälfte. Der Vorderrand ift an der Flü-
gelfpise auf beiden Flächen meißfranzig, mit braunen Sieden .
auf der Randlinie. Diefer Art fteht am nächften:
437. (1.) meridionalis n. sp.
? Pteroph. adactylus Dup. pl. 313. fig. 1. p. 639.
Alis anterioribus costa dorsoque rufescenti - griseis,
ceterum einereis, eiliis apieis costalibus obscure macu-
latis, macula in ciliis anguli postiei fusca; ciliis alarum
posteriorum marginis interni carneo -griseis.
Bon der Ad. Hübneri verfchieden durch etwas beträchlichere
Größe, die vöthlihhellgraue Färbung des Vorder: und Innen—
randes dee WVorderflügel, die nicht weißen Vorderrandfranzen
deffelben uſp. — von der folgenden ſchon fehr auffallend durch
die blengraue, nicht fahlgelbliche Farbe des Faltendreyeds (trian-
gulus pliealis), die ſchmaͤlern Vorderflügel, geringere Größe x.
Körper hellroͤthlich ſtaubgrau, an Kopf und Fühlern heller. ‘
Hinterleib auf dem Rüden an jedem Segmentrande mit zwey
ſchwarzen Pünctchen. "Beine röthlichweiß, plumper als bey A.
Hübneri, die Füße ohne dunflere Gliederſpitzen.
Vorderflügel an der Spike weniger zugeſpitzt ald bey A.
Hübneri, hellroͤthlich ftaubgrau mit einzelnen, braunen Stäub-
hen. Das Faltendreyei® bleygrauz an feinem Vorderrande fteht
auf dem Anfange des legten Flügelviertels ein deutlicher, ſchwar—
zer Punctz an dem gegen den Innenrand des Flügels gerichte—
ten Rande zeigen ſich 2 wenig deutliche, Eleine, braune Puncte
an gleicher Stelle wie bey Ad. Hübneri, und an der Spitze
des Dreyecks befindet fich nicht felten ein gleicher Punct. Die
Franzen find wenig heller als die Grundfarbe; an der Flügel:
fpise it ein braungrauer Punct, und darüber auf den Vorder—
tandfranzen 2 Eleinere, die mit ihm bisweilen zuſammenfließen.
Am Innenwinkel ift auf den Franzen ein graubrauner Fled.
Hinterflügel bieygrau, wie das Faltendreyeck der Vorderflügel.
Unter der Mitte geht ein bleichröthliher Strahl bis zum Hin⸗
terrande; fo er öfters mit einigen braunen Schuͤppchen ge—
zeichnet ift.. Die Franzen des Innenrandes find ebenfo bleich—
röthlich, die andern haben dieſe Farbe nur an der Bafis und
find hellgrau.
57
/
899
Auf ber Unterfeite find die Vorberflügel grau, am order:
rande an der Spige in einem breiten Raum ſchmutzig grauweiß;
die Puncte und Flecke der Franzen find alle recht deutlich. Auf
den Hinterflügeln ift die Spise und der Innenrand weißlich—
graufchuppig; am Hinterwinkel find zerſtreute fhwärzliche
Schuppen. f
Auf dem Kalkfelsboden in der Nähe des Kapucinerklofters
bey Syracus lebte diefe Art in der 2ten Hälfte des Juny. Aus
einer niedrigen Tamarixart feuchte ich fie gegen Abend auf,
indem ich das Geſtraͤuch niedertratz fo erhielt ich aus manchem
Straub 3 Eremplare. Die Tamarixart (gallica?) ift fehr
wahrſcheinlich die Zutterpflanze dev Raupe.
Bon Duponchels Pter, adactylus, der ficher nicht die
nordifche Ad. Hübneri ift, befige ich nur die Befchreibung,
welche nicht genau genug ift, um mehr als die Vermuthung,
daß fie vielleicht zu meiner Ad. meridionalis gehöre, zu ges
atten,
h Er befchreibt fie fo: „Die Vorberflügel find fpatelformig mit
ziemlich ſcharfer Flügelfpige, oben afchgrau, von der Spitze aus
allmählich Lichter, mit 2 genäherten, ſchwaͤrzlichen Sledchen, von
denen das innere fichtbarer ift ald das andre. Die Franzen
etwas heller als die Grundfarbe, zeigen einen ſchwaͤrzlichen
Fleck am Innenwinkel. Die Hinterflügel, deren unterer Rand
bufig ift, find auf der Oberſeite roͤthlichgrau, einfarbig mit
hellern Franzen. Die Unterfeite der 4 Flügel ift einförmig hell-
grau. Kopf, Körper, Beine und Fühler von der Farbe der
Flügel. — Aus Südfrankreich.“
438. (2.) Paralia n. sp.
Alis anterioribus latiuseulis costa dorsoque dilute gri-
seis, ceterum gilvescentibus, eiliis apicis costalibus canis,
fuscescente-punctatis.
Die größte mir bekannte Art (WVorderflügellänge 6) mie
Pter, ochrodactylus. Ihr nahe fteht eine etwas £leinere Art
mit noch breiteren WVorderflügeln, Ad. tamaricis Heyd. in
lit., welche fich leiht daran erkennen läßt, daß die Franzen an
ber ftumpfern Vorderflügelfpige und in einem Striche auf dem
Borderrande braun find. Bon beiden verfchieden ift Adacty-
lus Bennetii Curt. Brit. ent. X. 471. (the sea-side
plume); dieſer unterfcheidet fih von Ad. tamarieis durd) die
vorhin für Ad. paralia angegebnen Merfmale, von Ad. me-
ridionalis, deffen Slügelgeftalt-er hat, durch. die ledergelbliche
Farbe des Vorder- und Innenrandes der Vorderflügel und die
violettlihgraue des Faltendreyeds und der Hinterflügel, indem
nehmlich bey Ad, merid. das Umgefehrte in der Färbung ſtatt
findet; auch find bey jenem die Vorderrandfranzen nicht grau=
weiß, fondern gelblidy und die dunfeln Flede darauf anders ge—
fteltt. — Ad. Frankeniae ift Eenntli durch ihre Zwerg—
größe, ihre ſtumpfen Vorderflügel; ihre grauere Farbe, naments
lih auf dem Faltendrenede.
Grundfarbe des Körpers ledergelblich, auf dem Nüdenfchilde
etwas grauer, auf dem Kopfe weißlichgrau. Beine fchmusig
graumeiß. Hinterleib felten mit fchwachen Spuren von 2
Puncten am Hinterrande der Ringe, auf dem Bauche weiß:
grau, braun beftäubt. {
Vorderflügel breiter ald bey der vorigen Art, außer dem leder-
gelblihen, mit etwas Grau gemifchten Faltendreyeck fehr hell:
grau, etwas. dunkler beffäubt. Am untern Rande des Drey:
eds liegen an gleihen Stellen wie bey Ad. meridionalis zwey
braune Puncte, der hintere dunkler und fledartig. Ein Punct
900
am Anfange des Dreyeds, ein verlofchenes Fledchen im obern
Rande deffelben fat am Anfange des Testen Viertel der Fluͤ—
gellänge. Die Franzen des Hinterwinkels haben einen braunen,
verlofchenen Fleck und darüber find an der Hinterrandlinie ges
wöhnlih 2 braune verlofhene Puncte. Die Vorderrandfranzen
vor der Flügelfpige find graumweiß mit 4 braunen Puncten in
gleichen Iwifchenräumen, von denen die 2 hinterften am wenig—
ften verlöfhen, auch der Flügelfpige gegenüber find fie braurt:
grau, außerdem gelblich hellgrau.
Hinterflügel dunkler, mehr grau als das Vorderflügeldreyeck,
am Innenrande am dunkelften. Im Mittelraum gegen bie
Bafis ift eine verdunfelte, etwas gehobene Ader; auf der Un-
terfeite der Flügel ift fie mit einem dichten, langen Schuppen-
ftreif geziert, wie bey den andern Adactylen.
Unterfeite gelblich hellgrau, auf den Vorderfluͤgeln laͤngs dem
Vorderrande vor der Spige faft weißlih.. Die 4 Puncte auf
dem Vorderrande deutlicher als auf der Oberfeite, bisweilen fehr
fharfe Auch der Punct auf den Franzen der Flügelfpige ift
deutlich. Der Innenrand der Hinterflügel iſt grauweiß und
brann beftäubt.
Diefe Art fliegt bey Syracus auf den falzhaltigen Stellen
der: Syracafümpfe, an der Strafe neben dem großen Haven,
im May zwifchen den Salzkraͤutern; öfters fand ich fie zwifchen
den Stachelbinfen. Bey Catania fieng ich 3 Eremplare am
3. July auf der mehrfach erwähnten, reichlich mit Stachel—
binfen bewachfenen Wiefe. Diefe, Art hat alfo eine doppelte
Generation. An ihr fowohl wie an Ad. meridionalis habe ich
mic, durch den Augenfchein überzeugt, daß fie in der Ruhe die
fonderbare Flügelhaltung annimmt, die Curtis an feiner Ad.
Bennettii darftellt.
439. (3.) Frankeniae n. sp.
Alis anterioribus latiuseulis obtusis, costa ‚dorsoque
dilute griseis, ceterum ceinereis, eiliis apicis costalibus
canescentibus einereo - punctatis.
Die Eleinfte Art (Worderflügellänge 4"), fonft der vorigen
ähnlich, aber mit viel ftumpfern Vorderflügeln.
Körper hellgraugelblih, auf dem Nüdenfhilde grauer. Hinz
terleib mit undeutlihen, braungrauen Doppelpuncten an ben
NRingrändern, Beine weißlich, nicht fo zart mie bey Ad. Hüb-
neri. Worderflügel faft fo kurz wie bey Ad. tamaricis, aber
mit noch weniger ausgezogener Spitze. Das Faltendreheck hell-
grau, an feiner Spike mit einem dunflen Punct und einem
braunen Fleckchen hinter der Hälfte feines untern Randes, an
feinem obern Rande kaum mit der Spur eines Punctes: Web-
rigeng ift die Farbe heil gelblich ftaubgrau, am Worderrande
vor der Spige meißlih mit ein paar verlofchenen, grauen
Puncten.
Hinterflügel hellgrau mit helleven, an ber Baſis graugelbli-
chen Franzen.
Unterfeite grau. WVorderflügel um bie Spitze weißlich be:
ſtaͤubt; die Vorderrandfranzen vor derfelben noch heller mit 4
deutlichen, grauen Puncten.
lihgrau, braun beftäubt.
Innenrand der Hinterflügel weiß:
Bit >
Diefe Eleine Art fieng ich zwifchen den Stachelbinfen auf der
Halbinfel jenfeits des Havens von Meffina am 3. Auguft in
einem Cremplare. Am 5. Auguft fand ich zufällig an ber
zwifchen dem Juncus acutus wachfenden Frankenia pulveru-
lenta 5 Puppen und 4 Raupen, die mit fogleich zu dieſer
Adactyla zu gehören fchienen, und außerdem ſcheuchte ich auch
⸗
901
nod einen Falter auf. Meine am 6. Aug. erfolgte Abreiſe
binderte mich an ferneren Beobachtungen; daher ich nur folgen:
des anführen Eann.
Larva antice tumida, postice attenuata, viridis, gra-
ulata, in dorso biseriato-spinosa, spinis incrassatis mu-
onulatis. :
Die Naupe ift ermachfen 6° fang und ausgezeichnet durch
Aufblaͤhung des 2ten und 3ten Ringes; diefe geht durch
n Aten und Sten Ning allmählich in die dünne, nach hinten
immer ſchmaͤchtigere Geftalt des Körpers uͤber. Grundfarbe ein
liebliches Apfelgrün, welches aber nur an den drey erſten Rin—
gen und an den Seiten der übrigen rein iſt. Vom 4ten Ringe
an: trägt der Rüden eine breite, gelbliche Strieme, bie in der
Mitte der. Ringe. vöthlih, an den Seiten aber mit‘ Dornen
eingefaßt ift. Die ganze Haut ift durch gelbliche Wärzchen
geförnelt. Kopf ziemlich Elein, vöthlih, um die Ocellen braun,
mit der faft flachen Stirn liegt die Raupe in der Ruhe faſt
auf dem Boden. Halsgelenk oben breit, am Norderrande mit
einem Kranze von ungefähr 12 roͤthlichen Doͤrnchen eingefaßt.
Der te Ning bat auf dem Rücken querüber 4 größere, roͤth—
lihe Dornen, von denen die beiden größern innern weiter von
einander fehen, als die Aufern von ihnen felbft. Vom Aufer:
ften Dorn geht fchief nach hinten eine gelbliche Linie herab bis
an den gelblihen Seitenwalft. Der dritte Ning bat gleichfalls
4 Dornen; die 2 innen find größer als die des Aten Ninges,
und die beiden aufern find etwas gegen bin’en geruͤckt. Alle
diefe Dornen endigen in ein aufrecht ftehendes Borftchen. Die
Pulsader zeigt fich vom 4ten Ringe an, aber nur unterbrochen,
in den Gelenfverbindungen. Die 16 nächften Ninge (vom Sten
an) haben jeder neben der Ruͤckenſtrieme einen Eurzen, vöthlichen
Dornenftumpf, der oben vorn und hinten ein horizontales Börft:
chen trägt. Der 10te Ning bat 2 fpitere, Eegelförmige Hoͤ—
der; auf dem erften ift die Borfte Elein und nad) hinten ge—
richtet, auf dem 2ten längeren ift fie horizontal. Der 11te
King bat über dem Afterfhild 2 längere , Eegelförmige, hoͤckrige,
mit einem aufrechten Börftchen endigende Dornen. Die Luft:
Löcher find fehr unausgezeichnet; ich glanbe fie über dem gelb:
lichen Seitenwulft gefehen zu haben. Unter diefom ift die Haut
gekörnelt. Beine ſehr blaß grüncöthlich 5 die Dornkränze ſchie—
nen mir einfach und vollftändig, röthlihbraun ızu fein.
Die Raupe ift fehr langſam, fpinnt im Kriechen, kann ſich
feitwärts kruͤmmen, fist unterwärrs an den auf der Erde auss
gebreiteten Stengeln der Frankenia ausgeftredt ganz ruhig und
wird ſchwer erkannt. Sie läßt fich aber, wenn die Pflanze
ausgerupft wird, leicht fallen. Ihr hellbrauner Koth ift Elein
und etwas troden.
Die Puppe ift auf der Oberfeite ihrer Futterpflanze an einer
gegen die Sonne wenig gefchügten Stelle auf einem dürftigen
Seidenlager angeſponnen. Sie fieht einer Pterophorus- Larve
fehr ahnlich. Sie ift fehr ſchlank, vorn ohne Vergleich ſchlan—
fer als die Raupe, hellgrün wie ihre Nahrungspflanze, an den
Flügeln heller, ganz kahl, auf dem Rüden fein querftrichig.
Die gemeinfhaftlihe Scheide von 4 Beinen reiht über die
lügelfheiden um die 2 folgenden Hinterleibsringe weg. In
v Mitte des Nücenichildes geht eine Laͤngsſcheide, deren
derer Theil beim Auskriechen des alters auffpringt. Andere
höhungen außer zerftreuten Koͤrnchen hat die Puppe nicht.
— Sie fist mit dern Hintertheil feft, und hinter ihr hängt
die abgeftreifte Haut. Geſtoͤrt fchlägt fie hinterwaͤrts über,
bis fie mit dem größten Theil des Körpers ſenkrecht ſteht. —
902
Am 7. Auguſt war mie ein Schmetterling ausgefzohen. Am
13ten Auguft ein zweiter, bdiefer, von dem ich. nicht weiß, ob
er von den gefundenen "Raupen ftammte, war ſchon todt,
jedoch noch weich. Die Art fcheint alfo ein zartes Leben zu '
haben.
Pterophorus.
Cofta Eennt folgende Arten feines Königreichs: 1) Pt. pen-
tadaetylus (ohne Ortsangabe). 2) microdaetylus etwas ſel⸗
ten in Zäunen. 3) rhododactylus mit vorigem, weniger fel-
ten. 4) didactylus mit den vorigen nicht felten.
Sch habe folgende gefunden:
440. (1.) Acanthodaetylus.
Iſis 1841. ©. 784.
Zwey Männden, faft fo grau mie die Stammart, doch
ſchon zu Var. b. hinneigend, und 3 Männchen, 4 Weibchen
der Var. b.,: leßtere größer als jene, fieng ich bey Syracus
und Catania, und zwar von jeder Varietät ein Cremplar bey
erjterem: Orte. Bey Syracus erhielt ich fie am 23. Man
gegen Abend im Geftrüpp einee Schluht am Abhange der ehe:
maligen Neapolis, bey Catania am 25. Jung am Spätnach-
mittag im fchattigen Geſtruͤpp einer Anpflanzung zwifchen Lava—
blöden. Sie haben weiter nichts Ausgezeichnetes.
441.
Alis anterioribus luteo - fuscescentibus, laciniis obso-
lete albo bistrigatis; digiti tertii dorso pone medium atro-
squamato.
Nach einer fehr langen und mühfeligen Unterfuhung halte
ich es für zweckmaͤßiger, die in Kleinafien und Italien gefan-
genen Eremplare für eigne Arten als, wie ich «8 in der Auf—
zählung der Eleinafintifchen Falter (1847. 38,) gethan habe, für
Pter. tristis zu erklären. Sie gehören zu einer Abtheilung
von Pterophorus, in welcher es ſehr ſchwer iſt, für die Arbeiten
fihere Merkmale aufzufinden, wenn man nicht ihre Naupen und
Puppen vergleichen kann, fo daß ſich erwarten läßt, daß für
die füdlichen, nad) dem erften Eindruck als verfchiedene Arten
geltenden. Pterophoren die Boftätigung Eünftig noch eintreten
werde, Vielleicht aber ergibt fich dennoch, dag P. distans
und laetus nur die verfchiedenen Generationen des ſuͤdlichen
P. tristis find, wofür ich fie nach ziemlich forgfältiger Prüfung |
der Eremplare anzufehen fehr geneigt war. Was diefer legtern
Vermuthung noc einen höheren Grad von Wahrfcheinfichkeit-
gibt, ift der Umftand, daf ein von Löw bey Macri zu Ende
May gefangenes Weibchen in allen Merkmalen aufs Genauefte
mit meinem fehlefifchen Pt. tristis ſtimmt und als foldyer nicht
zu beffreiten ift, und daß von einem bey. Kellemifh in der
Mitte May gefangenen Pärchen (das Männcen jedoch in der
Ebene, das Weibchen im Gebirge) — das Männden zu Pt.
laetus, das Weibchen zu P. distans gezogen werden muß.
Pt. distans ift anfehnlich größer als Pt. tristis. Seiner
Färbung iſt etwas mehr Gelb beygemifcht, wodurch fie ange—
nehmer gelbgraubraun erfcheint. Die Zeichnung iſt genau die—
felbe. Der weiße Saum der Vorderrandftanzen am obern
Zipfel der Vorderflügel ift nicht fo breit wie bey Pt. tristis;
auf der Unterfeite ift der Raum von der Spise bis zur hintern
Querlinie, in welche die weiße Worderrandlinie übergeht, merk>
lich: heller und ſchmaͤler. Den Hauptunterfchied gibt das
ſchwarze Schuppenhäufhen an der dritten Hinterflügelfeder; es
(2.), Distans n, sp.
903
ift Eleiner, weitläuftiger geftellt und ber Bafis entfchieden etwas
näher geriet, und da es kürzer ift, merklich weiter von der
Spige entfernt als bey Pt. tristis. An der Spitze diefer Feder
hat nur das Weibchen am rechten Flügel eine ſchwarze Schuppe;
beim Männchen fehlt fie gänzlich. m
Das Männchen fieng id) bey Syracus am 7. May in einer
grafigen Schlucht des Abhanges der ehemaligen Neapolis. Das
Weibchen ſtammt, wie ſchon erwaͤhnt, von der kleinaſiati⸗
ſchen Kuͤſte.
442. (3.) Pt. la et us n. sp.
Corpore, alisque anterioribus ochraceis, his postice
grisescentibus ; laciniis obsolete albo - bistrigatis ; ‚digiti
tertii dorso longe ante apicem squamis paucis atris in-
siructo. *
Var. b. Alis anterioribus brunnescentibus, basi di-
lutiore (As. min. — Rom.) k
Größe wie bey Pt. tristis veränderlich (Vorderflügellänge
344), Grundfarbe des Körpers und der Vorberflügel heil
ochergelb; die Vorderflügelfeder vor der erften und. bis zur 2ten
weißlihen Querlinie etwas bräunlih, am Dorderrande ſelbſt
braunm Die Franzen hinter der 2ten Querlinie ſchmaͤler
weiß alg bey Pt. tristis und auf der Unterfeite meniger rein,
daher von der hellen Grundfarbe nur wenig abſtechend. Am
Hinterwinkel des 2ten Vorderflügelzipfels ift das Weiße in den
Franzen gewöhnlich eingefchränkter als bey P. tristis. Die
Hinterflügelfedern find gelblicher braun und heller; das Schup⸗
penhäufchen an der dritten Feder iſt ſtets kleiner und daher die
Entfernung von ihm bis zur Spitze größer; an dieſer figen 3
bis O fehmarze Schüppchen. — Die ganze Unterfeite ift viel
gelblicher als bey Pt. tristis und der Hinterleib befonders heil
obne Braun. Alles Webrige ftimmt mit biefer Art,
Das afiatifhe Exemplar (von Kellemifch) gehört zu - den
größten und hat eine befonders dunkle Farbe. Die erfte weiße
Querlinie der Worderflügel und der Fleck vor der Spaltung
fehimmern ein wenig. Ein Männchen aus der Campagna von
Rom gleicht ihm völlig, gehört aber zu den kleinern Eremplas
von. Diefen Pt. laetus fieng ih am 26. Juny bey Catania
in der Gefellfhaft des Pt. acanthodaetylus, am 10. und 11.
Sum in «3 Exemplaren an trodnen Stellen ber Berge bey
Meffina; in der Campagna füdlih von Rom flogen nicht fels
ten auf duͤrren Grasftellen am 24. und 28. Auguſt ganz nad)
der Meife unfers Pteroph. pilosellae. Sein Flug hat wahr⸗
ſcheinlich eine lange Dauer. Dr. Loͤw fieng ihn in Kleinaſien
noch im Septbr. und November.
443. (4.) Marginellus.n. sp.
Alis anterioribus profundius fissis brunneo fuseis, laci-
niis niveo-bistrigatis, linea in eiliis costae ante apicem
tenui, nivea, intus nigro - marginata, litura ciliorum laci-
niae posterioris alba; digiti tertii dorso atro niveoque
squamato. | But
Pter. obseurus in dem Verzeichn. der Eleinafiat. Schm.
Sfis 1847. ©. 38. 5 h
Nächft verwandt mit Pteroph. obscurus, in derfelben Größe
oder etwas daruͤber. Die Unterfchiede find folgende: 1) bie
Morderflügel find faft bis zur Mitte gefpalten. 2) Der obere
Zipfel der DVorderflügel iſt fchmäler, daher die erſte weiße Quer⸗
linie etwas kuͤrzer. 3) Der Vorderrand zwiſchen den zwey
weißen Querlinien ift ſchwarzfranzig. 4) Hinter der zweyten
904
Duerlinie find die Borderrandfranzen fchmäler weiß und eins,
waͤrts mit einer feinen ſchwarzen Linie eingefaßt, hinter deren
Ende, faft an der Flügelfpige, fie fich etwas erweitert. Sie
iſt es auch auf der Unterfeite, wo die Spike des Zipfels bläffer
gelbbraun ift. 5) Das Weiße auf den Franzen: des hintern
Zipfels bildet einen großern, vollftändigern, weißen Fleck, inde
e8 die Sranzen weiter nad vorn zu fürbt. 6) Vor und a
der Epise der sten Hinterflügelfeder fisen zwifchen den ſchwa
zen Schuppen eben fo lange weiße, und in Mehrzahl finde
fie fih beim Weibchen am Hinterrande weiter. einwärts von
dem fchwarzen Schuppenhuufen. -
Drey Weibchen fieug ich bey Syracus Abends in den gra=
figen Abhängen der ehemaligen Neapolis am 4. und 23. May;
ein gutes Männchen bey Catania am 4. July an einer Cul—⸗
turftelle zwifchen Lava. Das Loͤwiſche Eremplar, von Macri
in Kleinafien, das ich mie die ficilifchen bisher für Pt. obscu-
rus hielt, muß ich, da die übrigen Merkmale abgeflogen oder
doch undeutlich find, wegen des längern obern Zipfels der Vor—
derflügel für P. marginellus erklären. Diefe Art fcheint den
Pt. obscurus im Mittelmeergebiet zu erfegen.
444. (5.) Loewii.
BVerzeichn. der Eleinafiatifchen Schmetterl.
©. 38.
Diefe Art ift an den beiden fchwarzbraunen Puncten in ben
Hinterrandfranzen des Vorderzipfels der Worderflügel gut zu
erkennen. Sie ändert in der Größe und Färbung etwas ab.
Manche Eremplare haben über dem braunen Punct an ber
Spaltung einen braunen Schatten, der mehr oder weniger die
Form eines Lingsftrichelheng gewinnt. Die braune Schuppene,
linie im Vorderzipfel ift manchmal fehr dünn oder aus getrenn=
ten Pünctchen gebildet, daher wenig fichtbar. Wie bey Micto-
dactylus zeigt fich bisweilen ein weißlicher, fehiefer Querſtrich—
Mus diefer Art aber abgeht, ift der weiße Saum der Vorder—
tandfranzen am ganzen VBorderzipfel.
Pter. Loewii fieng ich zuerft am 9. April bey Meffina an
einem "Bergabhange zwifchen Arbutus- und Heidefträuchern,
darauf am 21. Juny bey Syracus in der Nahe des: Gapuci»
nerElofters, beide Männchen find etwas größer als die fpäter
gefangenen. Um Meffina traf ich fie einzein mach Anfang des
July bis in den Auguft an trodinen Stellen der Bergabhänge,
um Neapel ein einziges Männchen beim Agnanofee am 15.
Auguft. Da die Art auch auf Rhodus lebt, ſo ſcheint fie,
als Stellvertreterinn des Pter. mictodactylus die ganzen Kü-
ften des Mittelmeers zu bewohnen.
445. (6.) Aridus n. sp.
Alis anterioribus gilvescenti-griseis, juxta costam ob-
seurioribus, puncto sub fissura fusco, eiliis costae api-
calibus fuscescentibus, puncto in eiliis anguli postici la-
einiae anterioris unico fusco; eiliis digiti 'terti bre-
viusculis.
Var. b) puncto sub fissura obsoleto.
\ar..c) strigula albida per laciniam anteriorem obso
leta (mas, fem.)
Größe wie der allerkleinfte Pter. fuscus der Herbftgeneratio
auch die Farbung ift ähnlich röthlichftaubig, nur noch bleich
Die Theile der Flügel find feiner, namentlich “ift der. Vor—
berzipfel der Worderflügel dünner und länger, Die Franzen der
Hintereinder der Zipfel find an der Bafis weißlich, und auf
Iſis 1847.
905 \
denen des Vorberzipfeld zeichnet fi der braune Punct durch
Deutlichkeit aus. Die Borberrandfranzen diefes Zipfeld find
nur über dem Anfange der Flügelfpalte fehr ſchmal weißlich,
darauf aber bis zur Spige in der Breite zunehmend braͤunlich.
An der Spaltung ift ein brauner Punct, in der Geftalt etwas
veränderlich, Eleiner als bey Pt. fuscus, und nicht ſoweit über
die Spaltung hinaufreihend, gleihfam der untere Theil des
dortigen Fleckchens. Diefer Punct ift bey var. b. ganz vers
lofchen und nur eine dunkle verfloffene Stelle (var. b.)
Bisweilen hat der DVorderzipfel an der gewöhnlichen Stelle
‚ einen verlofchenen, weißlihen Querſtrich. — Auf der Unterfeite
find die Flügel graubräunlih; die Hinterhälfte der Vorderfluͤ—
gelzipfel und der erften Hinterflügelfeder weißlich uͤberflogen. —
Beine ſchmutzig weißlich.
Dieſe Art ſcheint in Sicilien und Italien nicht ſelten und
bie Stellvertreterinn- des Pt. ſuscus zu ſeyn. Sie fliegt um
Syracus im May (am 23, ein befonders großes und dunkles
Eremplar der var. c,, am 30ſten ein Männchen, am 31. zwey
gewöhnliche Männchen und 1 Weibchen) und im Suny -(am
4. 6. 7. 19.) — Bey Meffina war jie am Gaftellaccio im
duͤrren Grafe nicht felten den ganzen Suly hindurch. Einzeln
erhielt ich fie bey Rom (27. Aug.), Narni (4, Septbr.), To:
Ientino (6. Septbr.) und Ancona (11. Septbr.) Immer waren
trodne, dürre Grasftellen ihr Aufenthalt.
446. (7.) Pterodactylus.
Das erfte Geiftchen, das ich in Sicilien fing, war ein ſchoͤ—
nes, ganz friſches Männden der var.b. Cs flog am 29,
Februar im Pelorogebirge bey Meffina ziemlich hoch, aus Hei
degejlrauch auf, und ich war nicht wenig verwundert, zu ber:
felben Zeit, wo bey uns _diefer gemeine Falter nach der Ueber:
minterung im Walde gefunden wird, ihn ein paar Hundert
Meilen füdlich wieder anzutreffen. Es war übrigens das ein:
‚ige Eremplar diefer Art, das mir in Sicilien zu Geficht Eam.
Zwey Männchen der Stammart, das eine in fahlgelblicher, das
andere in mehr grauer Grundfarbe, fieng ich bey Rom am 25.
Auguft und bey Zolentino am 6. Septbr.
447. (8.) Carphodactylus.
? Pteroph. microdactylus? Costa. Faun. sp. 2.
Nur ein Weibchen bei Syracus am 15. May. Größe eines
größern Pt. mierodactylus. Die Vorderflügel find im Mittel:
raum fehr fparfam braun beftäubt; nur ein fehr kleines Schup—
‚penhäufchen zeigt ſich unten am Anfunge der Spalte. Der
Fleck in den Vorderrandfrangen ift fehr deutlich, wenn auch
nicht groß. Bor der Spige ift nur eine ſchwarze Schuppe in
den Vorderrandfranzen. Außerdem find die Ränder ohne Flede
und Puncte, was bey Carphodactylus nicht felten vorkommt.
448. (9.) Malacodactylus n. sp.
Capite ochraceo; alis anterioribus exalbidis ultra me-
dium fissis, costa laciniae anterioris ante apicem fusca.
var. b) alis anterioribus unicoloribus.
Nächſter Verwandter des Pi. tetradactylus und nur in
Wenigem verſchieden. Bey aller Veraͤnderlichkeit erreicht er nie
deſſen Größe, wohl aber nicht felten die Kleinheit des Pt. mi-
erodactylus. Den wefentlihen Unterſchied von. jenem gibt die
Spalte der Vorderflügel, die tiefer in die Fläche eindringt und
dadurch die Zipfel länger und dünner macht. Die Färbung er-
‚reicht nie die Dunkelheit wie dort; im Gegentheil ift fie meift
fo bel wie bey der Junygeneration des P. jischnodaetylus.
Zſiis 1847, Heft 12,
906
Immer wird aber, wie bey jenem, die helle Farbe am Ende
der beiden Zipfel durch die dunkeln Franzen des Innenrandes
hervorgehoben. Das Braune ber DVorderrandfranzen reicht nie
fo weit gegen die Spitze des vordern Zipfels und verbleicht fehr
oft ganz und gar. Dinterflügel und Unterfeite find heller. Ruͤ—
ckenſchild blaß canariengeld. Die Hinterfchiene ift etwas länger
als bey Pt. tetradactylus.
Das dunfelfte Eremplar ift ein bey Syracus am 24. April
gefangnes Männchen; etwas heller ift ein Eleines, von Loͤw
auf Nhodus im April gefundenes Männchen. Die im April
und im Anfang May bey Spracus vorgefommenen Falter find
alle etwas dunkler als die fpätern. Sch fammelte fie meift
nahe dem alten Theater zwifchen den Gräberfelfen, wo ich fie
aus den dort häufigen Büſchen des Origanum smyrnaeum
feuchte, woran ohne Zweifel die Raupe lebt. Sie zeigten
ſich hier noch den ganzen Juny durch. Im July), Elopfte ich
die Art bey Meffina hier und da nicht felten an Abhängen der
Berge aus Nepeta calamintha, am meiften iedoc aus dem
damit durchwachfenen Geſtrüpp, womit die Mauern des Ca—
fteilaccio eingefaßt find. Am ähnlicher Stelle erhielt ich ein
paar Eremplare am 26. Auguft bey Rom an der Stadtmaugr
bey ©t. Peter und ein einzelnes bey Trieft am 14. Septembr.
Hier ift die Nepeta ficher die Nahrungspflanze der Raupe,
Sch bezweifle nicht, daß die Generation doppelt ift, und daß
von den im April und May fliegenden Faltern im Sommer die
Nahkommenfchaft erfcheint.
449. (10.) Ischnodactylus.
Var. a) alis anterioribus osseis, posterioribus fusce-
scenti - cinereis.
Var. b) alis anterioribus pallide stramineis, posterio-
ribus canis.
Die Puncte in den Franzen laſſen diefe Art ſtets ficher er:
fennen, wenn auch der eine oder andere abgeflogen if. Da
die Stellung derfelben gar nicht abändert, mohl aber der Fon
der Grundfarbe, fo laffen ſich nur nad) letzterer zwey Darie-
täten aufftellen, von denen ich die mir viel feltener vorgefommene
in der Iſis 1841. befchrieben habe. hr Rüdenfchild und die
Vorderflügel zeigen dem feht blaffen Weißgelb etwas Dchergelb:
liches beygemifcht, und die Hinterflügel find ziemlich dunkel
braͤunlichgrau mit etwas helleren Franzen. Bey der zweyten
Varietaͤt find die letztern viel Tichter, und vorzüglich beim
Weibchen fat graumeiß; den Vorderflügeln aber fehlt die Bey—
mifhung, und das Meißgelbe ift fehr verdünnt und dem Mei-
Ben nahe.
Bey Syracus auf dürren Stellen um das Gapuzinerklofter
im May und Jung. Das zuerft, am 13. May, gefangene
Meibchen ift ein Bindeglied der var. a uud b; die andern im
May vorgefommenen Eremplare gehören zu var. a. Alle diefe
flogen an einer andern Stelle als die im Junh gefammelten,
nehmlich auf,einem fonnigen, dürren Anger, wo ich fie aus
niedrigem, verbiffenem Diftelgeftrüpp herausklopfte. Dom 9—
22. Juny fieng ich die var. b. auf einem reichlich mit Thy-
mus creticus bewachfenen Plage, und, was mic, fehr befrem-
det, die Eremplare waren alle noch fchön erhalten. Ihre Nah:
rung ift hier ohne Zweifel der Thymian. So fehr mir aber
die DVerfchiedenheit der Flugzeit und die damit zufammenhän-
gende Derfchiedenheit der Färbung auffält, fo kann ich doch
nad, forgfältigeer Prüfung nicht mehr als eine Art aner
Eennen. , |
57*
907
450. (11.) Siceliota n. sp.
Alis anterioribus ochraceis, laciniis albo obsolete bi-
strigatis, eiliis niveo nigroque alternatis, digiti tertii mar-
gine postico in medio nigro-squamato (mas, fem.)
Nahe verwandt mit Pteroph. paludum, fehr ausgezeichnet
dadurch, daß an der Mitte des Hinterrandes der dritten Hinz
terflügelfeder eine Reihe von 4— 6 ſchwarzen Schüppchen auf
den Franzen fist. Diefe Art würde demnach: zu Pterophorus
Gruppe II. gehören; aber die DVorberflügelzipfel find völlig ohne
Hinterwinfel und einfach linear wie bey den andern Arten der
Gruppe IV.
Größe wie Pter. mierodactylus oder ein wenig darüber.
Der ganze Körper und die WVorderflügel find angenehm ocher—
farbig, wie bey Pter. laetus. Fühler weiß und ſchwarzgerin—
gelt. Oberer Augenrand fhmal weiß. Taſter ziemlic lang,
gerade, ochergelb, unterwärts weiß und etwas behaart, die Haare
am Ende eine Eleine Spitze bildend, über welche das brüunlichere
Endglied weit wegragt. Die 4 vordern Beine gelbbraun mit
weißer Längslinie. Hinterbeine weiß mit gelbbrauner, an den
Schienen doppelter Laͤngslinie. Das obere Dornenpaar der
Hinterfchienen hat um feine Baſis einige braune Haare, ſitzt
unter der Mitte und ift fo lang wie fein Abftand von der
Schienenfpise, das zweite, kuͤrzere Dornenpaar hat nur bie
Länge des erften Fußgliedes; beide Paare jind weiß mit braus
ner Nüdenlinie und Spige. Hinterleib beim Hinterrüden weiß:
lich, übrigens mit weißlichen Laͤngsſtrichen; am Bauche hell.
Vorderfluͤgel bis über die Mitte gefpalten, am Worderrande
nach hinten in der Breite zunehmend dunkel. Am Anfange der
Spalte ift ein Häufchen weißer Schuppen. Ueber den Vorder—
zipfel gehen zwey beutlichere, weiße Streifen als über den Hin-
terzipfel, und feine Spiße ift breiter weiß. An den 3 weißen
Stellen find au die braunen Franzen mit weißen Schuppen
und Haaren in beträchtlicher Breite begabt. Unter der Spige
jedes Zipfels trägt der Innenrand ein tieffhwarzes Schuppen-
fle@chen; der hintere hat im Ganzen 5 dergleichen in- etwas
ungleihen Zwifchenräumen, und hinter dem vorlegten ift in den
Franzen ein deutlicher, weißer Wifch,
Hinterflügel gelbbräunlich; die dritte Feder hat am Sinnen:
rande von der Baſis bis zur Mitte auf den Franzen zerftreute
meiße Schuppen, und an der Mitte eine, zwar wenig auffals
lende, gebrängte Neihe von 4—6 ſchwarzen Schuppen. An
der Spise der Feder find die Franzen meißlich.
Unterfeite hell gelbbräunlih, auf den Franzen mit verlofche-
nem ſchwarzen Stellen; die meißlihen Querlinien der Zipfel
find ausgebreitet und etwas in einander gefloffen.
Um Spyracus auf den trodnen Kalkhöhen der ehemaligen
Tyche an dürren Grasftellen zwifchen Poterium spinosum,
zuerft einmal am 13. May, dann öfter, doh im Ganzen fehr
felten, vom Iten Suny an.
tania, wo fein Poterium waͤchſt, auf einer Grasftelle ein ſchoͤ⸗
nes Männchen von Pt. Siceliota. Um Meffina fam mit ftatt
diefer Art nur Pt. laetus vor. In der Ruhe hält fie die
Vorderflügel ganz horizontal und vollig ausgebreitet; von ben
Hinterflügeln ragen nur die Franzen darunter hervor.
Alucita.
Gofta’s Aluc. hexadactyla, die einzige, ‚die er als neapo=
litaniſch aufführt, ift ungeachtet der Aufnahme von Treitſch—
ke's Diagnofe und einer Menge Gitate wahrfcheinlich nicht
Am 3. Suly fieng ich bey Ga="
908
meine Aluc. hexadaetyla, was fich ohne Anſicht der Drigi:
nale nicht entfcheiden läßt. Seine Art foll felten feyn; doh
fand er einft an einer Stelle am Abhange des Gran sasso
d’Italia eine große Menge.
451. (1.) Zonodaetyla n. sp.
Palporum articulo ultimo brevissimo vix e pilis pen-
ultimi prominente; alis gilvo -griseis, faseiis duabus albido-
marginatis, posteriore in costae maculam duplicem ex-
eunte. (fem.)
Größe einer fehr Eleinen Aluc. hexadactyla, ausgezeichnet
und leicht kenntlich durdy das Eurze Endglied der Zafter, mel
ches Faum am Ende der Behaarung des vorlegten Gliedes ober:
waͤrts hervorfteht und nicht ganz das Ende bderfelben erreicht;
fie find etwas kuͤrzer als bey Polydactyla, zuſammengedrückt,
dreyedig, auswärts braun angeflogen; das Endglied ift aus—
wärts vor der Spige braun. Die Grundfarbe des Körpers
und der Fluͤgel ift ein helles, gelbliches Staubgrau, viel ange:
nehmer als bey Grammodaetyla. Die Binden find mit weiß-
lichen Linien ſcharf gerandet und diefe Linien felbft auf den
Vorderflügeln braun gefäumt. Der der erften Binde entfpres
chende Fleck auf dem erften Finger ift etwas nach außen geruͤckt,
und fo fcheint diefe Binde am Vorderrande ftark erweitert, Läuft
entfchieden in zwey Fleckchen aus. Der Punct an der Spike
ift ocellenartig von der Grundfarbe eingefaßt. Die Unterfeite
ift heller, aber ganz gleich gezeichnet. Auf den. Hinterflügeln
find die Zeichnungen bey weitem nicht fo ſcharf wie auf den
Vorderflügeln, und an der Baſis finden fich Eeine ausgezeic)-
neten ſchwarzen Stellen.
Der Hinterleib hat weiße Ningrander und vor denfelben eine
Querreihe von 3 faft zufammenhängenden, braunen Fleckchen;
auf dem 2ten, helleren Ringe find fie Eleiner; auf dem erjten
Ringe find an ihrer Stelle zwey breite, braune Querflecke.
Don diefer duch den Taſterbau characterifierten Art erhielt
id) nur ein Weibchen am 21. Suny in der Gegend des Capu—
zinerklofters bey Syracus.
Zwifchen diefe Art und Aluc. grammodactyla muß eine um
Wien von Mann entvedte, Aluc. desmodactyla Z,,
geftellt werden. Mann und Fiſcher v. Röslerftamm bhiel-
ten fie, wenn ich nicht irre, für Dodecadactyla, und ich felbft
erklärte fie beiden Freunden bey meiner Anweſenheit in Mien
für meine Grammodactyla, der fie allerdings in der Kürze
der Zafter fehr nahe kommt. Ich befige von Desmodaetyla
nur ein Männchen. Am leichteften unterfcheidet man Desmo-
dactyla daran, daß die hintere braune Binde in zwey braune
Flecke wie bey Zonodactyla ausläuft, die noch etwas breiter
find al8 bey diefer. Die Grundfarbe ift ein fehr helles Weiß—
grau und die weißen Ränder der Binden ftechen von ihr nicht
fehr ab. Das lebte Zafterglied ift ein wenig fchlanfer und
länger al8 bey Aluc. grammodactyla.
451. (2) Palodactyla n. sp.
Palporum artieulo ultimo adscendenti brevi; alis albidis,
fasciis duabus murinis per omnes continuatis, exteriore
in costae maculam unicam coarctata. (mas. fem,)
Es kann feyn, daß ich meine Aufzählung italienifcher Falter
mit einer Varietät ſtatt mit einer Urt befchliege. Palodactyla
ffimmt nehmli bis auf wenige Abweichungen, die nicht einmal
unmwandelbar zu feyn fcheinen, mit Aluc. grammodactyla aufs
Genaufte überein. Sie hat auf dem Vorderförper und den
909
Fluͤgeln ein etwas graues Weiß, am Vorderrande der Vorder:
fluͤgel am reinſten, und beym Weibchen iſt es ſo lebhaft, daß
ohne die Zwiſchenſtufen uͤber die Artrechte wenig Zweifel ent—
ſtehen würden. Das ſehr verflogene Maͤnnchen iſt weißlichgrau,
viei heller als Grammodactyla. Das letzte Taſterglied iſt,
wohl wegen der offenbar abgeriebenen Haare des zweyten Glie—
des, länger und ungefleckt. Der Hinterleib iſt wie bey Gram-
modact., nur am zweyten und legten Gliede und an den Ning-
ändern weißer. Aehnlich gezeichnet ift auch der Hinterleib eines
foracufifhen Weibchens, das auf den Flügeln in der bellen,
weißlichen Färbung den fchönften Eremplaren nahe fteht. Diefe,
mwahrfcheinlich die Sommergeneration, haben auch den Hinters
leib weißgrau, an den Ringrändern weißer, und auf dem 2ten
und Sten Ringe mit zwey fhwarzen Querflecken bezeichnet.
Die weiße Farbe der Flügel wird vom Vorderrande der vordern
aus nach hinten allmählich verlofchener. Wie bey Grammodact.
endigt jede der zwey Binden auf dem Worderrande in einen
Fleck. Die Spige der eriten Feder ift bey Grammodact. bräun=
lich mit fhwarzem Endpuncte und dahinter mit weißlichen Franzen.
Bey Palodact. ift fie weiß mit f[hwarzem Endpunct
und unter demfelben mit braunen Stangen, wäh:
rend die übrigen Franzen weiß bleiben. Auf den
Hinterflügeln zeigt fich nahe der Baſis ein bindenformiger, tiefz
fhwarzer Querfled. — Größe veraͤnderlich, wie die allerklein-
ften Hexadactyla.
Die zwey dunfelften Eremplare, ein Pärchen, fieng ich bey
Syracus um die Latomien im Graſe am 10. und 13. May,
4 fchöne belle Meibchen bey Meffina im Wallgraben des Ca—
ftellaccio im dürren Grafe und Geftrüpp am 23. und 25. July.
l. Ueberſicht
von Zellers italiänifhen Schmetterlingen. ©. 121.
A. Papilionides I. Heft 2. Sphingides IV. Seft 6.
SH123. ©. 401.
1. Melitaea. 4. Sesia.
2. Argynnis 124. 5. Paranthrene.
3. Vanessa 125. 6. Sphinx 419.
4. Limenitis 127. C. Bombycides p. 421.
5. Charaxes — 1. Saturnia.
6. Hipparchia 130. 2. Bombyx.
7. Polyommatus 147. 3. Gastropacha.
8. Lycaena 157. 4. Cossus 424.
9. Thecla 158. 5. Pygaera —
Papilionides 1. Heft 3. 6. Liparis 425.
©. 212. 7. Psyche —
10. Papilio. 8. Lithosia 429.
11. Pieris 219. 9. Euprepia 432.
12. Leucophasia 228.
13. Colias 228.
Papilionides Ill. Heft 4.
©. 284.
‚ 14. Rhodocera.
15. Libythea 285.
16. Hesperia 285.
B. Sphingides 293.
1. Atychia.
2. Zygaena 296.
3. Syntomis 307.
POUND m
D. Noctuides p. 435.
. Acronycta 437.
. Bryophila 438.
. Agrotis 439.
. Amphipyra 441.
. Triphaena 442.
. Eriopus 443.
. Phlogophora.
. Polia 444.
. Mamestra —
0. Caradrina —
— — —
_—_[
11. Leucania 446.
12. Xanthia 447.
13. Cerastis —
14. Cleophana 448.
15. Cuculia —
16. Plusia —
17. Anarta 450.
18. Heliothis 451.
19. Acontia 452.
20. Erastria —
Noctuides V. Heft 7.
©. 481.
21. Anthophila.
22. Ophiusa 484.
23. Catocala —
E. Geometrides p. 484.
. Ennomos.
. Geometra 486.
. Aspilates 489.
. Boarmia 492.
. Fidonia 492.
. Chesias 495.
. Cabera —
. Acidalia 498. 516.
Larentia 502.
10. Cidaria 504.
11. Zerene —
12. Idaea 505.
13. Dosithea 515.
Pyralides VI.
©. 561.
. Herminia.
. Hypaena.
. Pyralis 562.
Scopula 566.
. Botys 567.
. Tegostoma n. 581.
. Nymphula 581.
. Duponchelia 588.
. Asopia 590.
10. Endotricha n. 593.
11. Hypotia n. 594.
Pyralides VI.
©. 641.
12. Choreutis.
13. Pyrausta 644.
14. Hercyna 653.
G. Tortrieides p. 653.
. Heterogenea.
. Penthina.
. Tortrix 657.
. Coccyx 664.
. Sericoris 665.
. Aspis 668.
. Carpocapsa 668.
. Sciaphila 669.
OO NND POD m
„
[e +0 Ze Ra Sau Sure
Heft 8.
Heft 9.
910
Tortrieides VII. Heft 10.
©. 721.
9. Crocidosema n.
10. Paedisca 722.
11. Grapholitha 732.
12. Phoxopteris 738.
13. Teras 739.
14. Cochylis —
H. Crambides p. 745.
1. Crambus.
2. Eudorea 761. —
I. Phycides p. 761.
1. Myelois.
2. Anerastia 767.
3. Phycideae 768.
4. Epischnia 769.
5. Nephopteryx 771.
Phyeides IX. Heft 11.
©. 801.
Pempelia.
K. Tineides p. 801.
Talaeporia.
Tinea 802.
Calantica Heyden 811.
Eriocottis n. 812.
Micropteryx 814.
Nematopogon 816.
Adela 816.
Nematois 817.
9. Plutella 818.
10. Ypsolophus 820.
11. Anchinia 822.
12. Harpella 823.
15. Oecophora 824.
14. Hyponomeuta 835.
15. Psecadia 836.
16. Depressaria 336.
17. Phibalocera 845.
18. Gelechia 845.
Tineides \X.
©. 881.
—* Röslerstammia 881.
. Aechmia 881.
ER Coleophora 881.
22. Gracilaria 889.
23. Cosmopteryx 889.
24. Elachista 890.
25. Opostega 893.
26. Lyonetia 894.
27. Lithocolletis 895.
28. Tischeria 895.
29. Pterolonche n. 896.
L. Pterophorides 898.
1. Adactyla 898.
2. Pterophorus 902.
3. Alueita 907.
a
DIT
Heft 12.
I. Negiſter der Genera.
Acidalia 498. 516.
Aechmia 881.
Acontia 452.
Aeronycta 437.
Adactyla 898.
Adela 816.
Agrotis 439.)
Alucita 907.
Amphipyra 441.
Anartä 450.
Anchinia 822.
Anerastia 767.
Anthophila 481.
Argynnis 124.
Asopia. 590.
Aspilates 489.
Aspis 668.
Atychia 293.
Boarmia 492.
Bombyx 421.
Botys 567.
Bryophila 438.
Cabera 495.
Calantica 811.
Caradrina 444.
Carpocapsa 668.
Catocala 484.
Cerastis 447.
. Charaxes 127. _
Chesias 495.
Choreutis 641.
Cidaria 504.
Cleophana 448,
Coceyx 664.
Cochylis 739.
Coleophora, 881.
Colias 228.
Cossus 424.
Cosmopteryx 889.
Crambus 743.
Crocidosema 721.
Cucullia 448.
Depressaria 836.
Dosithea 515.
Duponchelia n. 988.
Elachista 890.
Eudotricha 593.
Ennomos 484.
Epischnia 769.
Erastia 452.
Eriocottis n. 812.
Eriopus 443.
Endorea 761.
Euprepia 432.
Fidonia 492.
Gastropacha 421.
Gelechia 845.
Geometra 486.
Grapholitha 732.
Harpella 823.
Heliotis 451.
Hereyna 653.
Herminia 561.
Hesperia 285.
Heterogenea 653.
Hipparchia 130.
Hypena 561.
Hyponomeuta 835.
Hypotia n. 594.
Idaea 505.
Larentia 502.
Leucania 446.
Leucophasia 228.
Libythea 285.
Limenitis 127.
Liparis 425.
Lithocolletis 895.
Lithosia 429.
Lycaena 157.
Lyonetia 894.
Mamestra 444.
Melitaea. 123.
Micropteryx 814.
Myelois 761,
Nematois 817.
Nematopogon 816.
Nephopteryx 771.
Nymphula 581.
Oecophora 824.
Ophiusa 484.
Opostega 898.
Paedisca 722.
Papilio 212.
Paranthrene 401.
Pempelia 801.
Penthina 653.
Phibalocera 845.
Phlogophora 443.
Phoxopteris 738,
Phyecidea 768.
Pieris 219.
Plusia 448.
Plutella 818.
Polia 444.
Polyommatus 147.
Psecadia 836.
Psyche 425.
Pterolonche 896.
Pterophorus 902.
Pterophorides 898.
Pygaera 424.
Pyralis 562.
Pyrausta 644.
Rhinosia 836.
Rhodocera 284.
Röslerstammia 881.
Saturnia 421.
Sciaphila 669.
Scopula 566.
Sericoris 665.
Sesia 401.
Sphinx 419.
Syntomis 307.
Talaeporia 801.
Tegostoma 581.
Teras 739.
= 048
Thecla 158.
Tinea 802.
Tischeria 895.
Tortrix 657.
Triphaena 442.
Vanessa 125.
Xanthia 447.
Ypsilophus 820,
Zerene 504.
Zygaena 296.
I. Negifter
über die bisher in deutſchen Werfen unbefchriebenen Arten und Gattun-
gen diefer Abhandlung,
A. Genera.
Calantica Heyden (Tin.)
811.
Crocidosema ( Tortr. )
721:
Duponchelia (Pyr.) 588.
Endotricha (Pyral.) 593.
Eriocottis (Tin.) 812.
Hypotia (Pyral.) 594.
Pterolonche (Tin.) 896.
Tegostoma (Pyral.) 581.
B. Species.
Abstersella (myelois) 763.
Aceriana (Penthin) F. R.
656.
* Achillella (Tin.) Cost. 806.
* Aenalis (Pyral.) Cost. 563.
Aerifrons (Sesia) 415.
* Albella (Tin.) Cost. 808.
Albella (Calant.) Adn. 812.
Albescens (Pterolonche) 896.
Albipalpana (Tortr.) 662.
Albuneana (Paedisc.) 724.
*Ambiquellus ( Harpella. )
‚ost. 823.
Anapiellus (Cramb.) 757.
Angulatellus (Cramb.) Dup.
733.
* Angulosella (Plut.) Cost.
824.
Annellata (Ses.) 415.
Anthyllidella (Gelech.) Hon.
857.
* Arcuella (Oecoph.) Cost.
825.
* Argentellus (Cramb.) Cost.
746.
Argeutipennella (Coleoph.)
up.
—— (Botys) 579.
Argyralis (Botys) Cost. 567.
Aridata (Idaea) 513.
Aridus (Pteroph.) 904.
* Attenuaria (Dosithea )
Ramb. 516.
* Augustella (Tin.) Cost.
804
* Avellinella(Oecoph.) Cost.
828.
Breviculata (Zerene) Rmb.
504.
Brevispinella (Anchin.) 822.
Bruguieralis (Botys) 569.
* Canaella (Plut,) Cost. 819.
Cancellana (Cochyl.) 739.
Cantenerella (Myelois) Dp.
765.
Capparidana (Graph.) 734.
Carduana (Cochyl.) 741.
Carectellus (Cramb.) 751.
Catalaunalis (Botys) Dup.
7
BIT:
* Chalybaeella (Plut.) Cost.
819. :
Circuitaria (Idaea) Hübn.
a:
Clementinella (Tin.) Costa
804.
Cnicicolana (Paed.) 724.
Colonellus (Cramb.) Cost.
TAT.
Congruata (Idaea) 508.
* Conjunctella ( Oecoph. )
Cost. 825.
Consequana (Graphol.) 733.
Contaminatella (Elach.) 892.
Contaminei (Zygaen.) 299.
Contractana (Cochyl.) ‚744.
Contritellus (Cramh.) 751.
Corsicaria (Geom.) Ramb.
488.
Crassicornella (Tin.) 810.
Crepidinella (Coleoph.) 885.
Cribratella (Myelois) 762.
Cultrella Cost. 819.
Cytisana (Graphol.) 735.
Dealbatella (Calant,) 811.
\
913 ;
Desmodaetyla (Aluc.) 908.
Detersella (Gelech.) 846.
Deviella (Coleoph.) 888.
Dimidia (Agrotis) 439.
'Diminutella (Gelechia) 855.
Disemiella (Elachist.) 893.
Dissitella (Oecoph.) 833.
Distans (Pteroph.) 902.
Diversalis (Botys) 575.
Dohrnii (Blachist.) 890.
Domesticalis (Asop.) 590.
Dumicolana (Tortr.) 657.
* Elongaria (Acid.) Ramb. 516.
Emyella (Tischeria) Dup. 895.
* Eumenipennella (Coleoph ) Cost.881.
Exustellus (Ypsoloph.) Cost. 820,
Fagiglandana (Carpoe.) Hdn. 668.
*Fastuosella (Mieropt.) 815.
Fastuosella (Oecoph.) Cost. 825.
Ferulae (Depress.) 840.
Fervidana (Paedisca) 730.
Flagellaua (Tortr.) Dup. 663.
*Flammezxpennella (Coloph.) Cost. 881.
Flavellä (Tin.) Cost. 809.
*Flavocerella (Oecoph.) Dost. 828.
Floceifera (Hesp.) 286.
Fovealis (Duponchelia) 588.
Fractilineata (Idaea) 518.
Fragosana (Seiaph.) 673.
Frankeniae (Adactyl.) 900.
Fretella (Coleoph.) 887.
*Fuliginella (Rhinos) Cost. 836.
Fultana (Paedise.) 722.
Fuscanella (Eriocott.) 813.
Fusculana (Paedise.) 729.
Gemellana (Graphul.) 732.
Gilvicomana (Cochyl.) 742.
Gravatella (Oeeoph.) 831.
Griseolana (Paedisc.) 726.
* Griseolella ((Tin.) Cost. 809.
Herharia (Geom.) Hbn. 487.
*Hirtella (Tin,)- Cost. 808.
Humeralis (Gel.) Z. 852.
Icteropus (Sesia) 403.
Illotella (Epischn.) Z. 780.
Incarnatalis (Asop.) 591.
Indusiana (Sericor.) 667.
* Infirmaria. (Dosith.) Ramb. 515.
Jocosa (Anarta) 450.
Junceti (Caradr.) 445.
Kollarella (Gelech.) 805. 849.
Laetus (Pteroph.) 903.
Lamprostoma (Gelech.) 851.
*Leopoldella (Tin.) Cost. 803.
Leucomelaena (Sesia) 410.
-
Sfis 1847, Heft 12.
*Lineaella (Oecoph ) Cost. 830.
Löwii (Sesia) 401. Pter. 904.
*Luctuosella (Coleoph.) Cost. 882.
Lunulalis (Nymph.) 582.
*Lunulella (Myel.) Cost. 762.
Lupinus (Hipparch.) Cost. 130. 138.
*Luteolella. (Oecoph.) Cost. 827.
*Macrocerella (Tin.) Cost. 807.
Magnificella (Elach.) FR. 891.
Malacodaetylus (Pteroph.) 905.
Mamertina (Sesia) 404.
Marginellus (Pteroph.) 903.
Marrubii (Hesp.) 287.
*M. Clementinella (Tin.) Cost. 804.
*Megerlella (Oecoph ) Cost. 825.
Meriaeformis (Sesia) Rb. 411.
*Merianella (Oecoph.) Cost. 820.
Meridionalis (Adactyla) 898.
Metricella (Anchin.) 823,
*Minimella (Tin.) Cost. 807.
Modicana (Paedisca) 727.
Molliculana (Cochyl.) 743.
Mollitana (Paedisce.) 724.
Motacillana (Graphol.) FR. 736.
Mysiniformis (Sesia) Rb. 411.
* Nephrotomaeformis (Ses.) Cost. 411.
Nigrinotella (Gelech.) 856.
Nigritella (Gelech.) 857.
Notata (Atychia) 294.
Notulaua (Cochyl.) 745.
*Obsoletaria (Acidal.) Rd. 517.
Ochsenheimeri (Zygaen.) 303.
Pabulella (Coleoph.) 887.
Paleatellus (Cramb.) 754.
Pallidana (Cochyl.) FR. 742.
Palodaetyla (Alueit.) 908.
Paralia (Adaetyl.) 899.
* Passeriniella (Oecoph.) Cost.'827.
Paupella (Gelech.) 858.
Pectinatellus (Cramb.) 747.
Peloritanella (Depress.) 837.
Permutataria (Fid.) Hbn. 493.
Pinguedinata (Idaea) 521.
Plebejana (Croeidosem.) 721.
Plebejella (Gelech.) 850.
Porreetana (Serienr;) 665. .
Posterana. (Cochyl.) Affgg. 740.
Praecursella (Coleoph.) 886.
Produetana. (Tortr.) 660.
*Psycodella (Psyche) Cosi. 425.
Pulverulenta (Pterol.) 897.
Pumicana (Sciaph.) 669.
*Punctella (Auchin) Cost. 822.
* Punctivittella, (Oecoph.) Cost. 830.
*Ramburiellus (Cramb.) Dup. 759.
914
Remissella (Gelech.) 854.
*Ricciardella (Tin.) Cost. 807.
Roscidella’ (Oecoph.) 834.
Ruficostata (Idaea) 507.
Rufillaria (Idaea) 4 Sch. 519.
Rutella (Depr.) Cost. 836.
Salinella (Gelech.) 853.
*Sangiovannella (Tin.) Cost. 806.
Schmidtii (Sesia) 408.
Scorialis (Scopul.) 566.
*Scyllaella (Oecoph.) Cost. 829.
Segetana (Sciaphil.) 670,
Segetella (Gelech.) 847.
Selenana (Graphol.) 736.
Sericinellus (Nematopog.) 816.
*Servillella (Tin.) Cost. 805.
Sieanella (Micropt.) 814.
Siceliota (Pterophor.) 907.
Sieulalis (Pyraust.) Dup. 651.
Somnulentella (Lyonetia) 894.
*Spiralis (Botys) Cost. 567.
Stellaris (Choreut.) 642.
Stratana (Sciaphil.) 671.
Suffusella (Oposteg.) 894,
Suppunctaria (Caber.) 496,
Syracusia (Zygaen.) 301.
Tabidaria (Idaea) 506.
Tamaricis (Adactyl. Heydn. 899.
Tempestivata (Larent.) 502.
Tenuicornis (Atych.) 293.
Terrenella (Vecoph.) 834,
Testacealis (Botys) 571.
Thapsiana (Penthin.) 634.
Thapsiella’(Depress.) 838.
*Tigratella (Oecoph.) Cost. 824.
Transversalis (Nymph.) 582.
Transversella (Myel.) Dup. 766.
* Triangulosella ‘(Plut.) Cost. 818.
Tributella (Oecophor.) 833.
*Tricinetella (Tin.) Cost. 805.
*Trigonalis (Hypen.) Cost. 561.
* Trimaculella (Oecoph.) Cost. 828.
Tripunctalis (.Nymph.) 581.
*Tristigmatella (Tin.) Cost. 808.
*Trochilipennella ( Coleoph.) C. 882.
*Urticaella ( Tin.) Cost. 805.
Veneficella. (Depress.) 842.
Venosana (Phoxopt.). 738.
Vilella (Gelech.) 845.
Vineulellus (Cramb.) Mtzn. 760.
*Vittella (Oecoph.) Cost. 829.
Vulneratella (Epischn.) 769.
Zonellus (Cramb.), Mt:n. 758.
Zonodactyla (Alucit) 908.
Am 9. Auguft 1846,
98
915
Ueber
Anton von Leeuwenhoeck's
Leben und Verdienfte.
Aus dem Lateinifchen des Hiddo Halbertsma überfegt
von Fr. Chr. Heine Ereplin.
Es haben fich vor einigen Jahren drei holländiiche junge Me—
dieiner, nehmlih Halbertsma, Fleck und Dan Charante,
der nicht geringen Mühe unterzogeu, mit dem Löblichften Fleiß
aus ihres großen Landsmannes, Leeuwenhoeck, Schriften Alles
zufammenzutragen, was fich, mit Ausnahme bes die Geſchlechts—
function Betreffenden, in denfelben auf Anatomie und Phyftologie
ſich Beziehendes zerftreut findet, und über bie Leeuwenhoeck—
ſchen Angaben ihr Urtheil fällend und dieſelben mit den Beobach—
tungen ſpäterer und ber neueſten Forſcher vergleichend, dieſe Zu—
ſammenſtellungen zum Thema ihrer Inauguraldiſſertationen gemacht.
Die Diſſertationen der beiden Erſtgenannten ſind bereits in der
Iſis (1844. S. 479—80.) angezeigt worden, nicht aber bie bes
Dritten, des Nie. Heinr. van Charante nehmlich, welche
venfelben Titel führt, wie die beiden andern, in Leyden 1844.
erfchienen und mit einer Steinprucftafel verjehen ift. Sie enthält
auf 75 Seiten in 8. das auf die Nerven, die Oberhaut, die Haare
und die Materie an den Zähnen Bezug habende.
Halbertsma’s Differtation beginnt nach einer Furzen Einleis
tung mit einem Abfchnitte „De vita Leeuwenhoeckii“. Da
diefe Differtationen vielleicht nicht fo verbreitet werden möchten,
wie fie e3 verdienen, ich aber öfters die Frage habe aufwerfen
hören und fie mir felbft aufgeworfen habe, ohne fie gründlich
beantworten zu fünnen, was Leeuwenhoeck eigentlich in ber
Welt geweſen fey, ob er ein Amt bekleidet, oder als Privatmann
gelebt habe, wie überhaupt feine Lebensumftände, wie fein Cha
racter ufiv. beſchaffen geweſen: jo war es mir nicht allein ſehr
erwünfcht, in Halbertsma's Dijfertation dag darüber Aufſchluß
Gebende, aus Leeuwenhoeck's eigenen Schriften und anderen
Quellen geſchöpft, zufammengetragen zu finden ; jondern auch An—
dere, die jene Differtationen nicht zu leſen bekommen möchten, wie
ferner der Iateinifchen Sprache Unkundige wünfchte ich dieſer Auf—
fchlüffe theilhaftig machen zu können, weßhalb ich die Halberts—
maifche Schilderung, in unfere liebe Mutterfprache überjegt und
auch noch mit einigen Anmerkungen verfehen, hier mittheile.
Anton Zeeuwenhoed oder van Leeuwenhoeck, auch
Leeumenhoek!), von angefehenen Eltern entiproffen, ward
1) Er fchrieb feinen Namen feldft verſchieden. In einigen unedierten
Briefen, welche er an Conftantin und Chriftian Huygens fohrieb,
und die in der afademifchen Bibliothek zu Leyden aufbewahrt werben,
fchreibt er fi) Antonj Leeuwenhoed (davon ein Bacfimile auf der
beigefügten Tafel), in feinen Briefen an die königl. Speietät in London,
wie Owen dem Profeffjor van der Hoeven brieflid, mitgetheilt hat,
auch Antonj van Leeumwenhoef [von welder Unterfihrift Cha=
rante feiner obenerwähnten Difjertation ein Bacjimile beigegeben hat],
in einigen A. Leeumenhoef. Ueber folche Berfchievenheit in der
Schreibweife des Namens brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn wir
erwägen, daß zu ber Zeit, in welcher L. lebte, Treu und Glaube noch
nicht fo gefunfen waren, daß die Lex francica, welche die Unverän—
verlichfeit der Namensunterfchriften vorfchreibt, nmöthig gewefen wäre.
Anderer Beifpiele zu gefehweigen, will ich nur anführen, daß Waldes
naer fih zuerſt Kaſpar Ludwig, fpäterhin Ludwig Kafper
fohrieb. (J. W. Crane, Bijzonderheiten de familie Hemster-
huis betreffende, 1827, p. 125.
*
am 24. October 1632. zu Delft geboren. Bon mütterlicher
Seite war er den edlen Gejchlechtern der Soogenhoede, Bleis—
wyEe und Swalme gerivandt !). Sein durch frühzeitigen Tod
ihm entriffener Bater hieß Philipp Keeuwenhoed, feine Mut-
ter Margarethe Bel van den Bergh. Zum Schulunter-
richte ward er nach Warmond geſchickt, von wo er nach voll
brachter Schulzeit zu einem Dateräbruder Fam, welcher in dem '
Dorfe Benthuizen wohnte, wo derfelbe Actuar und Anwalt war,
um bei dieſem ben erften Grund zu juriftifchen Studien zu legen.
Es fcheint mir jedoch mit Necht bezweifelt werben zu müffen, ob
er für die Univerfität beſtimmt geweſen fey, da er felbft gefteht,
er fey der lateiniſchen Sprache unfundig, welches auch Molyneur
bezeugt?). AS er einige Zeit am letztgenannten Orte zugebracht
hatte, übergab feine Mutter ihm einem der erften Kaufleute Am—
fterdam’3, um bei ihm den Tuchhandel zu erlernen, und bei diefem
fungierte er ſchon im Alter von 16 Jahren als Buchhalter und
Gafjterer. Obgleich er aber ſolche Beſchäftigung nicht ohne Fleiß
und Gmfigfeit betrieb, fand er doch auch in ihr nicht das, was
feiner Neigung zufagte und dem ihm angeborenen Streben nad)
Erforfchung der Natur Genüge zu leiſten vermocht hätte. Um
diefe Neigung zu befriedigen, fuchte er ſchon hier fih Fragen an
die Natur zu beantivorten, und unterließ nicht, mit den berühm—
teften Naturforfchern jener Zeit Bekanntfchaft zu machen. Nach—
den er eine Zeit lang dem Kandel obgelegen hatte, kehrte er nach
feiner DVaterftadt Delft zurück, wo er nicht lange danach ſich mit
Barbara de Mey vermählte, welche ihm einige Jahre fpäter
durch den Tod entriffen wurde, und nad) deren Sinfcheiden er
feine zweite Frau, Cornelia Zwalm, heirathete. Anfänglich
fiheint er Fein Amt verwaltet zu haben, weßhalb er jich ganz
und gar microfeopifchen Beobachtungen Hingeben Fonnte, denen fein
ganzes Leben weihen zu können, ihm das wünfchenswerthefte Loos
zu feyn dünkte. Daher bildete er die glückliche Anlage, mit wel
cher die Natur ihn begabt hatte, felbft und allein aus, jo dan
Niemand fagen Fann, er verdanfe den Unterricht Anderer irgend
fonft Etwas, ald das, was er aus dem Briefiwechjel mit den ges
Iehrteften Männern, die damals in Europa lebten, zu feinem Vor:
theile benugte. Damit er aber feinen Mitbürgern doch auch einige
Dienfte leiftete, wollte er das Amt, welches der Magiftrat ber
Stadt Delft unter dem Namen eines Thürſtehers des Schöppen—
collegiumd (Kamerbewaarder der Kamer van Heeren Sche-
penen) ihm antrug, nicht von fich weiſen. Da bie Verwaltung
diefes Amtes ihm feine literarifche Muße faft gar nicht befchränfte,
fo kann es und nicht wundern, wenn wir Iefen, daß er daſſelbe
faft 39 Jahre lang verwaltet habe. Nach diefer Zeit glaubte er
für den Staat genug gethan zu haben, befchloß daher, fein übri-
ges Leben ganz feinen Studien zu widmen, und nahm Abſchied
von feinem Amte. Er ftarb im Il ften Jahre feines Alters am
26. Auguft 1723. Einige Jahre fpäter lieg dem geliebten Vater
die einzige Tochter, Maria, in ber Kirche zum heil, Hippolht
ein Denkmal errichten 3).
t) Beschrijving der stad Delft, Fol., 1729, p. 765. Isaac
van Haastert, Anth. van Leeuvenhoek vereerend herdacht,
1823, p. 10. sy., und Epist. physiol. 36, 40.
2) Epist. 28. und Birch, The History of the Royal Society
of London, 1757. Vol. IV. p. 366.
>) Diefes Denkmal fteht in der Beschrijving der stadt Delft
(S. 770. gegenüber) abgebildet. Auf dem Grabe vor dem Monumente
lieſt man folgendes Epitaphium von dem trefflichen Dichter Poot:
916 j
917
Wenn Manche fich wundern mögen, daß Leeuwenhoeck als
Ungelehrter und nicht einmal der erften Grundzüge der Anatomie
fundig!), auf einem fo wenig ceultivirten Felde der Wilfenfchaft,
ald es in damaliger Zeit die microfeopiiche Anatomie war, fo
erftaunliche Fortichritte zu machen im Stande geweſen ift, daß
\ man ihn nur in den neueften Zeiten durch Hülfe befjerer Inſtru—
mente hat übertreffen können; fo wird ihre Berwunderung ſchwin—
‚den, wenn fie erwägen, daß er durch vielfache Amtögefchäfte kei—
neswegs behindert, bei trefflichen Vermögensumftänden, fich jenen
Studien einzig und allein gewidmet und demzufolge im Zubereiten
und Beobachten von Naturgegenftänden eine Gejchieklichkeit erlangt
bat, in welcher er Alle feines Gleichen damaliger Zeit weit über—
traf. Dazu Fam, daß er die Linfen, welche er zu den Micro:
‚ feopen benußte, ſelbſt verfertigte, worinn er fich fo geſchickt bewies,
daß feine Inftrumente felbft die des Euftachio Divini, deſſen
Name zu jener Zeit hochberühmt war, übertrafen?). Leeuwen—
boed war demnach, was fonft nicht der Fall zu feyn pflegt, fo:
wohl Beobachter, als eigener Berfertiger feiner Inftrumente. Der
Erwähnung werth fcheint e8 auch zu feyn, daß er die Apparate,
in welche die Linfen gefaßt wurden, ebenfalls ſelbſt zu verfertigen
und einfichtige Beurtheiler folcher Arbeit, obzwar er fie nicht er—
lernt hatte, zu loben pflegten 3).
Es wird der Mühe werth feyn, jeine Microfeope etwas genauer
zu betrachten, wo wir ung dann leicht werden überzeugen können,
daß fein Ruhm vorzüglich darein zu fegen fen, daß er mit Hülfe
unvollfommnerer Injtrumente-feinfache Glaslinfen] das erſchaut hat,
was die neuefte Zeit erjt mittels trefflicherer und vervollfommneter
Werkzeuge [zufammengefegte Microfcope] wiederum auffand, über
melche Kunft im Beobachten das einzige Zeugnißg Cuvier's hins
reihen möge, welcher jagt*), daß dem Triumsirate von Malz:
‚pighi, Ruyfch und Leeuwenhoeck in deren Jahrhunderte die
größten Verdienſte um Die Anatomie zuzufchreiben feyen.
Leeumwenhoed vermachte mehrere Microfcope der Eünigl. So—
cietät in London, und da diefelben in unferm Vaterlande feltener
find, werben mir am beften thun, wenn wir ung im Befchreiben
ber Microfeope an Baker halten, welcher jene unterfucht und
eined derſelben auf einer Kupfertafel abgebilvet hats), was aber
von Anderen, und vorzüglich von Foldes*), um ihre Befchaf-
fenheit genauer darzulegen, gejagt worden ift, ſeines Orts hinzu-
zufügen.
Die Baker’fihe Befihreibung und bie ihr beigegebenen Zeich-
nungen dürfen bei und aus ber deutſchen Leberjegung des
eben citierten Werkes: „Beyträge zum nügl. und vergnügt.
Gebr. u. Verbeſſ. d. Microſc.“, ald allgemein befannt vor-
ausgefegt werden und werden hier deßhalb weggelafjen.)
Heeft Elk O wandelaer Alom
Ontzagh Voor Hoogen Ouderdom
En Wonderbare Gaven
Soo Set Eerbiedig Hier Uw Stap
Hier Legt De Gryse Wetenschap
In Leeuwenhoek Begraven.
Deutfch: Hat Feberman,
o Wanderer, allenthalben Ehr⸗
furcht vor hohem Alter und
wunderbaren Gaben, fo halte
bier ehrerbietig deine Schritte
anz hier liegt die greife Wif-
fenfchaft in Leeuwenhoek begraben.
1) Bol. Bird a, a. D. Cuvier, Hist. des sc. nat. Paris
1841. Vol. li. p. 410. und. Epist.45.
2) Bol. Folckes, Philos. Transact., Vol.XXXI.
und Birch a. a. D. ©. 365—66,
3) Epist. 116.
4) Cuvier a. a. O.
Employments for the Microscope, London 1753.
°) Phil. Transact., I, c.
p- 446. sq.
918
Dan Saaftert berichtet und, die Microfcope feyen aus Silber,
doch einige auch aus Gold, andere aus Kupfer gemacht worden.
Eines der legteren, melches er ſelbſt beſaß, hat er in feinem Werke
abgebildet. (‚Bier die Copie.) Er berichtet auch, daß in dem
DVerzeichniffe von Microfeopen und anderen Gegenftänden, welche
zu Delft im 3. 1747 verkauft worden, mit zwey Yinfen verſehene
Microfcope erwähnt werden).
Leeuwenhoeck pflegte vefte Gegenftäande an dem vor der Linfe
aufgerichteten zugeſpitzten Blättchen (|. Baker) mit Kleber zu be—
fejtigen; Flüſſigkeiten aber, oder was fich fonft nicht, ohne zuvor
auf einem Glaſe auögebreitet zu werden, bequem betrachten ließ,
brachte er zuvor auf ein Glimmerblättchen oder ein jehr dünnes
Glas, welches er dann ebenfalls mit Kleber, wie andere Gegen—
finde an der genannten Lamellenſpitze befeftigte2). Man erjieht
hieraus leicht, daß er auf dieſe Weiſe faft fo viele Microfeope
nöthig gehabt habe, als er Gegenftände zu betrachten Luft hatte,
weßhalb man ſich auch nicht wundern darf, wenn er felbft fagt:
Ik hebbe hondert en hondert geschlepene Vergrootglazen 3).
Einige Beobachtungen, 3. B die, welche er über den Blutfreis-
lauf anftellte, erforderten einen bejonnern Apparat, befgleichen
fich in feinem 66. Briefe beichrieben findet.
Ale feine Linfen waren ausnehmend klar und ließen die Gegen—
ftände glänzend und deutlich erblicken, welches der großen Sorgfalt
L.'s im Auswählen des Glaſes und feinem befonderen Fleiße bei
der Geſtaltung zur wahren Linfenform zuzufchreiben zu jeyn fheint.
Außerdem verwendete er auch von mehreren Microfeopen nur die—
jenigen zu feinem Gebrauche, von denen er fich durch DVerfuche
überzeugt hatte, daß jie die beften wärend). Er jchliff die Linfen
aus Glastropfen und, mas unglaublich zu feyn fcheint, auch aus
hellen Sandkörnern *). Die vergrößernde Kraft derjelben war na
ber Beichaffenheit der Gegenftände berfchieden. Baker zufolge®),
welcher 26 son Leeuwenhoeck ver Fünigl. Societät in London
gefchenkte Mierofcope unterfucht hatte, vergrößerte eines 160, eines
133, eines 104, drey 100, drey 98, zwey 72, drey 66, zwey 57,
eined 53 und eines 40 mal.
Wenn man gleich zugeben muß, daß Leeuwenhoeck's Linſen
nicht ſo ftarf vergrößerten, als einige (bloße) Glastropfen aus
jener Zeit, jo übertrafen ſie doch alle übrigen an Klarheit, wel—
ches Leeuwenhoeck bejonderd am Herzen lag, der auf bie
Grade der Vergrößerung nichts gab. Er felbft nehmlich berichtet
ung?): eine vieljährige Grfahrung Habe ihn belehrt, daß ftarf
vergrößernde und minder Elare Linſen denen nachzufegen. feyen,
welche zwar weniger vergrößerten, aber an Durchjichtigkeit und
Klarheit jene überträfen; denn hier käme es darauf an, welche
Feinheit der Beobachtung fie geftatteten.
Obgleich wir aber von der Vortrefflichfeit der von Xeeumwen-
ho eck verfertigten Linjen überzeugt find, verdanken wir dieſen doch
nicht allein die herrlichen Beobachtungen, welche er zu Tage ges
fördert hat. Leeuwen hoeck befaß nehmlid) eine große Beobach-
tungsfunft, vermöge deren er ein umd benfelben Gegenftand öfterer
und möglichft genauer Betrachtung unterwarf, wodurch er denn
im Stande war, vollftändiger in die Befchaffenheit der Gegenftände
einzubringen. Außer feinem Scarfjinne ift aber auch den Au—
gen Leeuwenhoeck's, als vornehmjtem Hülfsmittel beim
1) Ban Haaſtert, a. a. O. ©. 16.
2) Phil. Transact., I. c., p. 450. 2) Epist. 135.
*) Phil. Tr., 1. c., p. #51; Brida. a. O.
>) Dan Haaſtert a. a. O., S. 15. °)4.a.0QD., ©, 456.
7) Epist. 116,
919
Beobachten jichtbarer Gegenftände, Lob zu ſpenden y. Denn
Leeuwenhdeck felbft Elagt, daß Andere diefe nicht To deutlich
ſähen, als er?). Wenn der Ueberlieferung Glauben beizuneffen
ift, fo fah er jo fcharf, daß er goldene Kettchen zum Feſſeln ges
fangener Flöhe verfertigen fonntes). Endlich ift hier feine befondere
Gefchieklichkeit im Zubereiten der Gegenftände nicht zu übergehen,
in Beziehung auf welche Folckes, nach angeftellten Unterſu⸗
chungen, ſagt, er habe nach Betrachtung von Präparaten Anderer
und Leeuwenhoeck's erſt recht eingeſehen, wie viel darauf
ankomme, einen gut zubereiteten Gegenſtand vor der Linſe zu
haben .
Damit es aber nicht den Anſchein habe, als wolle ich hier nur
eine Lobſchrift meines Autors darbieten, muß ich eines Irrthums
erwähnen, in welchen wir ihn und mit ihm andere Beobachter
verfallen ſehen. Wir können nehmlich für gewiß verſichern, daß
er durch die Macht der Phantaſie und die Begierde, Neues zu
entdecken, mitunter Dinge geſehen habe, welche man ſchon zu ſeiner
Zeit als falſch erwies. Wir wollen bloß ſeine Theorie erwähnen,
vermöge deren ein Blutkügelchen aus ſechs kleineren Kügelchen,
dieſe wieder aus ſechs uſw. beſtehen ſollten 5).
Bisweilen bediente ſich L. eines Hohlſpiegels zur Beleuchtung
der Gegenſtände 6), Sein Micrometer aber beſtand aus Sand—
förnern, deren 30 er neben einander legte 7), oder aus Haaren,
deren 600 der Breite eines Zolls gleichfamen 9). Seltner benußte
er zu biefem Zwecke Barthaare, Blutfügelchen, Hirſenſamen 9).
Nicht Häufig ahmte L. dem Beyſpiele des [Seeretärd ver Londoner
Sorietat, Med. Dr, Jacob] Jurin nad), welcher ein Stüd-
chen fo dünnen Silbervrahts nahm, daß die Dicke von 485 der—
felben einen Zoll betrug, obgleich ihm Jur in ein ſolches Stück—
chen zugefchiett Hatte 1%), Es kann daher nicht auffallen, wenn
feine ungefähren Berechnungen mit den durch Hülfe genauer Mi—
erometer gemachten Beobachtungen übereinſtimmen. Im allgemeis
nen fann man behaupten, daß jene geringer ausfallen.
Daß 8. feine Kunft nah ihrem Werthe geichägt habe, erfieht
man daraus, daß er feine Microfeope nicht verkaufte 12), viel we—
niger etwas von der Art und Weiſe veröffentlichte, die er beym
Schleifen der Linfen und bey der Wahl des Glaſes zu ihnen be=
folgte. Man hat auch nach feinem Tode über diefe nichts aufs
gefunden. Dieß wird vielleicht ſonderbar erfcheinen, wenn man
fich erinnert, wie offenherzig L. fonft in feinen Briefen fpricht, To
daß er auch nicht vie Eleinften Umftände zu verhehlen ftrebt 12).
Man ſieht aber leicht, Laß L. die Kunft, eben weil er fie fich
durch fo viel Fleiß und Kraftanftrengung fu eigen gemacht hatte,
Anderen nicht mitteilen wollte, wie wir Dies öfter von Menſchen
erfahren, welche ganz ihre eigenen Lehrer oder Autodidacten waren,
Es it durch Birch ’3) ein Brief ded gelehrten Molyneur ver-
öffentlicht worden. Diefer hatte L. bejucht, um feine Mieroſcope
in Augenfchein - zu nehmen; aber unfer Delfter Naturforjcher
zeigte ihm nur diejenigen, welche er Jederman jehen ließ, und
fügte übrigens, er beſäße noch andere, mit Denen er viel genaucre
1) Ph. Tr., 1. c., p. 452. ?) Epist. physiol. 1.
3) Dan Haaftert a... D., ©. 17. *) Phil. Tr., 1. c.
5) Epist. 128. Bol. außerdem Haller. Elem. Physiol., T. IL,
p: 61 sgq., Sprengel’s Geſch. der Arzueif., IV., ©, 333,, Cu⸗
vier, u.a. D., €. 409,
5) Ep. 66, 116. 7) Ep. 42. ®) Ep.41. ®) Ep. 33, 41, 68.
10) Robert Smith, Complete System of Optics. Cambr.
1738. (S. auch Phil. Tr. Vol. XXXII, p. 341 — 2.)
11) Uffenbach, Merfwürdige Neifen ꝛc., III, ©. 360,
12) Ep, 91. 12), a. a. S., 365,
920
Beobachtungen anftellte, welche außer ihm aber noch Niemand
gefehen hätte und die er bloß zu feinem eigenen Gebrauche benußte
und Keinem zeigte. Wenn wir fchon hieraus entnehmen, daß er
Niemanden Mitteilung von feinen Erfindungen habe machen
wollen, jo werden wir barinn noch durch feine an Leibnitz ges
fhriebene Epistola physiologica 18, bejtärft, im welcher er
feine Abneigung gegen einen von Leibnitz auf Antrieb des gro—
Ben Rufs, welchen fih L. erworben hatte, gemachten Borfchlag
erklärt, daß man nehmlich in Delft eine Schule errichten möchte,
in welcher das Schleifen der Linfen gelehrt würde. Berner erzäplt
und Huygens, daß, als der Landgraf von Heſſen-Caſſel &. bes
fucht habe, um die Microfeope zu fehen, er biefelben fehr vorfich-
tig in einem Kaften in den Händen gehalten und, nachdem er fie
der Neugierde des Befuchers vorgelegt, fie wieder forgfältig in den
Kaften eingefihloffen habe, aus Beforgniß, wie es feheint, dag ſie
ihm nicht von Andern geraubt würden und dieſe dadurch Gele-
genheit befämen, feinen Geheimniffen auf die Spur zu fommen!).
Nach dem Urtheile des gelehrten Molyneur?) war 2, ein
angenehmer Mann und ohne Zweifel mit großen Anlagen von ber -
Natur begabt, aber, was M. feineswegs erwartet hatte, ohne alle
wiſſenſchaftliche Bildung, fo daß er weder Lateinifch, noch irgend
eine neuere Sprache, außer feiner Mutteriprache verſtand, mas
befonders feinen Räſonnements ſchädlich war, deren viele offenbar
an Uebertreibung litten, weil er fich mit den Beobachtungen Anz
derer und mit der auf diefe begründeten Weife, zu Schließen, nicht
befannt machte und einzig und allein feinen eigenen Kräften ver—
traute 3). Dies ift indeffen nicht fo zu nehmen, als ob er feine
Entdeckungen, fellft wenn er bey ihnen des Irrthums überführt
tworden war, hartnädig vertheidigt Hätte; davon zeigen feine Briefe
das Gegentheil 4). Wie entfernt er von der Art und Weife der—
jenigen war, welche von Anderen Feine Belehrung annehmen, Das
erfehen wir auch daraus, daß er fich oft auf den Fiſchmarkt begab,
um die Meynung der Fiſcher über die Natur und Lebensart der
Fische zu vernehmen >). Die Sprache in feinen Briefen iſt ges
wöhnlic) einfach und ohne Künfteley; Die converfierende Art, mitz
tel8 welcher er die verfchiedenften Gegenftände an einander reiht,
paßte ſich trefflich zu dent Geifte jener Zeiten. Doch kann man
ion nicht ganz vom Verdachte der Eitelkeit losſprechen; denn er
ſelbſt erzählt uns, nicht ohne eine gewilje Oftentation, welche und
wie viele Aemter er befleive und wie viele vornehme Männer ihn
befucht haben,
Daß er fih in glänzenden Vermögensumſtänden befunben habe,
davon ſpricht mehr ald ein Zeugniß. Mehrere verfilberte und
vergolvete, auch übrigens glänzend ausgeftattete Microſcope, bie
er bejaß, verkünden den veichen Mann, vorzüglich auch die litera—
riſche Muße, die er genoß, und die durch die Gefchäfte des Amtes
kaum unterbrochen worden zu feyn feheint, von welchen wir oben
Iprachen, und welches, da es gewiß kaum irgend Etwas einbrachte,
nur einem vermögenden Manne verliehen werben konnte. Auf
feinen Neichthum kann man auch aus einem Bildniſſe ſchließen,
1) Dies Hat ung Hr. Uylenbroed aus Huygens’ unedirten
Briefen mitgetheilt, die ſich in der Leydener Bibliothek befinden, ;
2) Bird, a. a. D, >) Hieraus iſt es auch erflärlich, tie ber
große Mathematiker und Phnfiker, VBürgermeifter Hudde in Amfterdam,
jagen kounte, „der ungelehrte &.” Habe entdeckt, was ihnen Allen ent
gangen joy. Vgl. Ban Kampen, Geschiedenis der Wetenschapen,
T, 1, p. 58. ;
) Fp. 35. Ep. physiol. 4, 12.
5) Ep. 95, 97. Ep. phys; 42.
521
welches ihn jo darftelt, daß fich in Kleidung und ganzer Tracht
ber begüterte Mann Fund gibt ?).
Welchen Ruf ſich 8. erwarb, geht nicht allein aus den Befuchen
hervor, welche die Hohen diefer Erde ihm abftattöten, fondern auch
aus der Achtung, in welcher er, nach mehr ald einem Zeugniffe,
bey feinen Mitbirgern fland.
Im 47 ſten Briefe [Mifftve, Epistola] erzählt L., daß ber
König von England (Karl II.2) ihn in Delft befucht habe. Er
zeigte dem König unter Anderen durch dad Microfeop die Glieder
und den Stachel (sic) einer Laus und erklärte nach feiner Einfalt,
warum bie Soldaten vom Regen durchnäßt mehr von Läuſen ge—
plagt würden, als bey heiterm Simmel, welche Bemerfung dem
König gefiel. Die Königinn Anna Maria befchenfte er, als fie
ihn in Delft befuchte, mit zwey Mierofcopen 2), was uns, wenn
wir die forgfältige Bewahrung feiner Geheimniffe in Erwägung
ziehen, Wunder nehmen muß.
Gerard van Xoon?) erzählt und, der rufftiche Kaifer Pe—
ter Alexiewitſch habe auf feiner Reife durch Holland i. J.
1698. zwey Männer nach Delft geſchickt, um 2. einzuladen, mit
vorzüglichen Dicrofcopen beym Kaifer an Bord zu fommen, unter
dem Beyfügen, daß er felbft gefommen ſeyn witrde, wenn ihn
nicht der Lärm der Menfchenmenge zurüdgehalten hätte. 2. Fam
ohne Verzug, zeigte dem Kaifer verſchiedene Gegenftände und kehrte
nach eingeerntetem Beyfalle Aller nach Haufe zurüc,
Außer diefen fürftlichen Berfonen befuchten ihn noch Georg I.,
König von England, Auguft, König von Bolen, Friedrich J.,
König bon Preußen 4, der Landgraf von Heffen-Eaffel, deffen wir
ſchon oben erwähnten, ber Kurfürft von der Pfalz mit feinem
Gefolge), der Herzog von Braunfchweig, Anton Ulrich, und
viele andere vornehme Männer, welche fammtlich Herzurechenen zu
langweilig und zeitraubend feyn würde 6),
Bon gelehrten Männern, welche nicht fo fehr die Neuheit, ala
die Wichtigkeit der Sache antrieb, 2. zu befuchen, werden der
hochberühmte Hermann Boerhaave, der glänzende Anatom
Friedrich Ruyfch ”) und der große Infectenforfher Johann
Swammerdam ®) genannt.
Da man im Anfange feinen Beobachtungen über den Blut:
Freilauf einen Glauben jchenfte, jo erwähnte er in feiner 65 ften
Miſſive (Epiftola) der gelehrten Männer, welche das im allge
meinen unglaublid Scheinende mit ihren eigenen Augen gefchaut
hatten ®).
2) Dies Bildniß, die Arbeit eines vortrefilichen Malers, defien Name
nicht befannt ift, befindet fich im Befige des gelehrten Hm. 6, W. 9.
van Kaathoven, Med. Dr., defien Vermuthung zufolge 3. Ber:
Eolje der Künftler war. Ich kann nicht umhin, hier auch der übrigen
Bildniffe L.'s zu erwähnen, von denen mir Kunde zugefommen ift, und
welche folgendermaßen bezeichnet find: Antonius a Leeuwenhoek.
J. Verkolje pinx. A, de Blois fec. 4. — Eben fo (aber vom vorigen
verfchieden ). — Antoni van Leeuwenhoeck,, geb. tot Delft Ao. 1632,
J. Verkolje. P. Schenk fec. Zw. k. Fol. — Anthonius a Leeu-
wenhoek. J. C. Philips inv. et fec. 1747. 82. — Üben fo (An-
thoni). Idem fec. 1740. Fol. — Antonius Leeuwenhoekius. J.
Goeree sculpt. med.
2) Phil. Tr. Vol. XXXII, p. 450.
®) Beschrijving der Nederlandsche Historipenningen, IV,
p- 223. Bol. außerdem Portal, Hist. de l’Anat. et de la Chir.,
T. II, p. 457. ©. van Loon, a. a. O.
"+. %) Epist 146. >) Ep. 95. °) Ep. phys. 20.
8) Phil. Tr., IX, p. 179.
2) Diefe wareu Cornelius 8Öravejande, Cornelius Va—
lenfis und Anton Heinfiug,
Iſis 1847, Heft 12.
7) Ep. phys. 27.
ass 922
Wir können nicht umhin, bei biefer Gelegenheit des Studioſus
Med. Sam zu erwähnen, welcher fich in Folge eines Empfeh—
lungsfchreibens von dem berühmten Cranen L.'s Freundichaft
erwarb 2). Diefer Ham brachte ihm eined Tages Samen von
einem an Gonorrhöe leidenden Manne in einem Glaſe mit und
fah bei dieſer Gelegenheit zum erften Mal, im Auguft 1677.
Samenthierchen. Im November deſſelben Jahres benachrichtigte
2. Die Königl. Societät in London von biefer Entdeckung. Wir
theilen diefe genaue Angabe mit, weil der eitle und Andere um
ihren Ruhm beneidende Hartſoeker ſich die Ehre diefer Ent:
deckung anmaßte 2), obzwar er derfelben erft im Jahre darauf im
Journal des Scavans, No. 33., Erwähnung that, welche An—
maßung um jo größeres Grftaunen erregen muß, da er ohne
Zweifel derſelbe war, deſſen L. in feiner 113 ten Mifftve erwähnt,
und von welchen wir lefen, daß er L.'s Beobachtungen ala
Augenzeuge Fennen gelernt habe,
Nicht felten ward L. von Aerzten zu Nathe gezogen, deren
falfche Anfichten er mit Gründen zu bekämpfen und zu widerlegen
pflegte, wobei er fich nicht immer einer gewiffen fpottenden Bitter
feit enthalten Eonnte $). In der 72ften Miſſive erzählt er, es
fei ein gewiffer Arzt zu ihm gekommen, mit einigen Steinchen,
welche ihm ein Srauenzimmer mit dem Bemerfen, daß ihr Die
felben mit dem Urin abgegangen feien und ihr dabei viel Schmer-
zen verurfacht haben, gegeben habe. Der feharfjichtige 2. fand
dies Vorhaben betrügerifch, zerfchlug die Steinchen ohne Mühe
mit einem Schlüffel und zeigte, daß dieſelben Feine Harnſteine,
fondern Stüde eines Mauerfteined wären. Nah dem entdveckten
Betruge litt dad Frauenzimmer nicht weiter an Steinbefchwerben.
Ein Arzt, Namens Yonge, in Plymouth, hatte ver Konz
boner Societät Haare zugeſchickt, welche ein Weib in ihrem Urine
gefunden haben wollte. Die Societät beauftragte L. mit ver
Unterfuchung dieſer Sache, und diefer entdeckte bald, daß das
Weib einen englifchen, wie einen holändifchen Arzt Hintergangen
hatte, denn das für Haare Ausgegebene war nichts Anderes, als
Schafwolle 4). Das Weiber fi oft auf viefe Weile haben be-
fannt machen wollen, lehren viele Beilpiele. Aus L.'s Briefen
geht hervor, daß er öfters dergleichen Betrügereien entdeckt und
Auffchneider nicht felten allgemeinem Gefpötte Preis gegeben habe 5).
Aus vielen Gegenden unferd Vaterlandes und anderen wurden
ihm Gegenftände zugeſchickt, um deren Befchaffenheit zu erforfchen,
und ragen zur Veantiwortung vorgelegt, zu welcher er fich ſehr
willfährig bezeigte, und oft ift in feinen Briefen die Rede von
Beobachtungen, welche er auf vergl. Beranlaffungen gemacht Hatte,
So fandte ihm z. B. die oftindifche Compagnie Waaren zur Un:
terfuchung, die durch Infecten verdorben worden waren, bei welcher
Gelegenheit er die Mittel zu erfennen gab, durch welche die Waa—
ren beſſer zu erhalten feyn mürben®), Der übrigen Beifviele zu
erwähnen, jcheint überflüffig zu feyn, dg man ihretwegen bie in
ber Anmerkung 7) aufgeführten Briefe nachlefen kann.
Für fo viele und große Verdienfte wurde L.'n von feinen
Mitbürgern Fein Lorbeer gereicht, Feine Ehrenbezeugung darge—
2) Ep. 113. 2) Essay de Dioptrique, p. 227.
®) Bol. u, N. Ep. 120, in welche er ein von. einem Arzte ange—
wandtes Pulver Mordpulver nennt.
4) Phil. Tr., XXVI, p. 416.
>) DBgl. Ep, 40, 72, 120. °) Ep. 88.
.7) Ep. 64, 88, 100 und Ep. phil. 9, 24, 28.
58 *
923
boten !). Während aber fein Vaterland ihm Feine Verdienſtes—
fränge wand, bewieſen Ausländer durch glänzende Zeugniffe, wie
hoch fie den Dann fchägten. Die Profefforen der Akademie, von
Löwen ließen jepoch erft nach feinem Tode auf den unter. feines
Gleihen als den Erften Hervorragenden eine Denkmünze ſchlagen,
auf deren rechter Seite wir 8.8 Bildniß, auf der Kehrſeite aber
einen Bienenforb mit einer blühenden Pflanze, als treffliche Sym—
bole feines bebarrlichen Naturftudiumg,, daneben aber in der Ferne
die Stadt Delft und unten die Wort: In Tenui labor at tenuis
nou Gloria erbliken 2). Der Landgraf von Heſſen-Caſſel, wel—
cher, wie wir oben berichtet haben, um 2. zu bejuchen, mach
Delft gefommen war, vergaß nach feiner Heimkehr in fein Vaters
[and Denfelben nicht; er ließ ihm einen filbernen,, inwendig ver—
goldeten Bofal von getriebener Arbeit ſchicken?). Der Herzog, von
Braunfihiweig (Anton Ulrich) fehenekte ihm zwei Denfmüngen, auf
denen des Herzogs Bildniß ausgeprägt war, mit den Worten:
„Gleiches mit Gleichem vergelten Fann ich nicht; aber. ich wünfche,
day es nicht an einem Zeugniß fehle, wie hoch ich Euch ſchätze“ )
Die größte Ehre wurde ihm aber von der Königl. Societät zu
London eriviefen, welche mit der Parifer Societät in Beförderung
der Naturftudien und darin wetteifernd, fich mit gelehrten Männern
in den verfchledenen Gegenden Guropa’s zu vereinigen und ſie zu
ehren, den ihr Durch Briefivechjel befannten 2. in die Zahl ihrer
2) 8. Fonnte fich nicht enthalten, feine Mitbürger deßhalb verdeckt zu
tadeln. Co fehreibt er in der Epist. physiol. 18 an den hochberühmten
Leibnitz folgendes, welches zugleid) als Probe feiner Schreibart dienen
kann: „Junge Leute im Glasſchleifen anzuführen und dazu eine Echule
zu errichten, daraus Fann ich nicht fehen, daß viel Nutzen entſpringen
würde; denm durch meine Entdeckungen und mein Ölasfchleifen find viele
Stuventen in Leyden angeregt worden, und es hat drei Glasſchleifer gez
geben, zu denen die Studenten gingen, um das Echleifen zu erlernen.
Mas ift aber daraus hervorgegangen? Nichts, fo viel mir befannt it;
weil fait alle ihre Beftrebungen darauf hinausliefen, durch die Miffen-
fehaften Geld zu verdienen oder wohl aud), durch die Gelehrſamkeit in
Anfehen zu fommen, und das ſteckt in dem Olasfchleifen und im Ent—
decken der Sachen, die ung vor Augen liegen, nicht.‘ In der Epist.
physiol. 20 fchreibt er an benfelben: „Diejenigen in unferen Ländern,
welche füt ihre Kenntnige und Wiffenfchaften Vergeltung bekommen, find
die Herren Profefforen, Prediger und Lehrer in den lateinifchen Schulen,
die fo viel Latein verftehen, daß fie Die jungen Leute iu diefer Sprache
unterrichten können. Der große Simmelbefchauer, Chriftian Huygens,
erzählte mir, daß eine gewiſſe Perfon in einer andern Provinz 2000 81.
für ihre Dienftleiftung im DVerfertigen von Tafeln befommen habe. Er
war darüber fehr mißvergnügt und fagte, man, hätte ihn lieber aus dem
Lande jagen follen ; denn er hätte ehrliche Leute beleidigt.’
„Es ilt einige Jahre her, als einige Herren von ber hohen Negierung
unferes Landes Famen, um einige meiner Entdeckungen zu fehn. Giner von
diefen Herren fagte zu den anderen Herren in meiner Gegenwart: „„Sol—
len. wir fo viel, Arbeit unbelohnt laffen?‘ „worauf die andern erwies
derten“: „„dies fagen wir Alle, und warnm thun wir es nicht 2’
2) Ep. 25. Vgl. außerdem G. v. Coon, a a. O., wo biefe Me—
dailfe abgebildet ift.
3) Ep. phys. 20. *) Ep. phıys. 20. ©. v. Loon, a. a. D.*
* Sch bin nicht im Mefise ded Ban Loonſchen Werkes und fann e8
deßhalb dieſes Citates wegen nicht nachichlagen. Die Acuperung 2.'8
ſelbſt in feiner Ep. phys. 20 aber enthalt einfachere Worte des Herzogs,
als die obigen. Sch fehreibe die betreffende Stelle hier aus dem Drigis
nale ab: ... ik hebbe eenige vereeringen bekomen; het oene is een drink-
beker van gedreve Silver .... van... dee Lant-graaf van Hessen Cassel:
ende twee medaaljes met het afbeeltsels van syn furs: doorlugtigheyt An-
tony Ulrig Hartog von Brunswy enz: wanneer 'ik de eer hadde, eenige
jaren geleden, dat |hy| by my quam, om myne ontdekkingo te sien,
en daar benevens toonde ik myne dankbaarheyt; waar op de Hartog ant-
woorde, „UE: gift is groöter als domyne‘; in't kort, ik wey-
ger giften, om niet verpligt te syn. Bemerk. d. Ueberf.
924
Mitglieder im Jahr 1679 aufnahm), über welche Ehre Tas
Diplom ihm, wie ich gehört habe, von dem im Haag refibiren=
den Gefandten zugeftellt worden ift. Schließlich unterliegen die
berühimteften Dichter jener Zeit nicht, L. mit dem größten Lobe zu
erheben. Bon ihnen möge es hier hinreichen, Boot und Hoog—
vliet zu nennen, deren Gedichte zum Lobe L.'s den phyfiologiichen
Briefen. ( Sendbrieven) vorgedrudt ftehen 2).
Zu welcher Zeit er feine microfeopiichen Beobachtungen an—
zuftellen begonnen habe, iſt nicht bekannt. Deffentlich erichien
zuerft am 28. April 1673 eine den Verhandlungen der Königl.
Sefelihaft in London einverleibte Abhandlung unter dem Titel:
A specimen of some obseryations made by a Mieroscope
contrived by Mr. Leeuwenhoeck, lately communicated by
Dr. Regnerus de Graaf?). Von der Zeit am, in welcher der
gelehrte Dr. Graaf Sorge getragen hatte, 2.8 Name befannt
zu machen, fing diefer an, in Briefwechfel mit der genannten
Sorietät zu treten. Er ſchrieb die Briefe in feiner Mutteriprache,
da er, wie oben erwähnt ward, feine andere verſtand. Für die
Londoner Societät ließ er fie in’8 Lateinifche überſetzen +); in ben
Verhandlungen dieſer find. fie wieder in's Engliſche übertragen
worden, mit Ausnahme weniger, welche dort lateiniſch abgedruckt
ftehen. Nachdem er den Beifall der gelehrteften Männer. Enge
lands gewonnen hatte und Mitglied der Londoner Societät gewor—
den war, begann er auch, jeine Beobachtungen in feiner. Mutterz
Iprache. herauszugeben. Winigftens find die von ihm weröffentlich-
ten Briefe nach d. 3. 1679 erjchienen. Sein Briefwechſel mit
der Soeietät dauerte 44 Jahre hindurch. In der Epist. physio-
logiea vom 20, Nov. 1717 jagt er nehmlich, fein. Alter. (denn
er war nun über 85 Jahre alt) verhindere ihm, der Sorietät
ferner ſpecielle Berichte zuzuftellen. Aber auch da noch. verließ ihn
die Liebe zum Erforjchen der Naturgeheimniffe nicht, ſondern ſie
blieb ihm ungefchwächt bis zum letzten Hauche feines Lebens >).
Wir lefen nehmlich im 32 ften Bande der Philos, Transactions,
p- 400., ‚einen jpatern Brief, nehmlich vom. 31. Mai 1723, und
am 4, Sepibr. deſſelb. I. ſchrieb Johann Hoogoliet der So:
cietät, L. habe ihn noch, als der Tod fich ihm ſchon genaht, «ges
beten, ‚zwei. beigelegte Briefe, in's Lateinische überſetzt, der So—
cietät mitzutheilen. Diefe Briefe ftehen in dem genannten Bande
S.436 ff. L. fchrieb an die Societät über 120. Briefe, ‚welche
in deren Berbandlungen (ben Philosophical Transactions),
Band VIII-XXXll, abgevrudt find. Außer mit der englifchen So—
eietät ftand er in Briefivechfel mit fürftlichen Perfonen, mit den Admi—
nijtratoren der oftindifchen Compagnie, mit gelehrten Männern und
Freunden, denen Allen er Bericht über feine Forſchungen 'abftattete,
wobei er fich oft nad) dem Intereffe und Nutzen Derjenigen, an
welche er jchreibt, bequemt. Don den Vielen, an welche ex Briefe,
75 an der Zahl, geichrieben hat, möge es hinreichen, ‚den Kur:
fürften von der Pfalz, den Landgrafen Karl von Heſſen-Caſſel,
den DBürgermeifter von Amfterdamm, Nicolaus Witfen, ben
Raths-Penſionär (RaadP-ensionaris) Anton Heinſius,
ı) Ep. phys. 46.
p. 766. ff.
2) Phl. Tr., Vol. VIII, p. 6037.
*) Bol. Ep. ph. 10 et Phil. Tr., XXX, p. 435.
5) Zum Beweiſe, daß ihn nur mit dem Leben ſelbſt die Liebe zu den
Studien verlaffen habe, gereicht es auch, dag er 36 Efunden vor feinem,
Tode und vor Schwäche ſchon ftammelnd, feine Meynung über den Eand,
welchen der Adminiftrator der oftindifcyen Sompagnie ihm zur Unterfuchung,
ob Gold in demfelben zu finden wäre, zugeſchickt Hafte, zu ercerpiren bes
fahl. Vgl. Beschr. d. st. Delft, p. 768.
2) Vergl. außerdem Beschr. der Stad Delft,
925
Boerhaase, Leibwig,'den Profeffor Cinſck im Löwen, den
Aosoraten Gerhard van Loon, den Bürgermeifter non Delft,
Johann Meermann, und den Dichter Poot zu nemin.
Alle diefe Briefe find nebſt denjenigen, welche er vom 25. April
1679 bis zum 20, November 1747 an die Londoner Societät
geſchrieben hat, von ihm felbft in feiner Muttorfprache herausge—
geben worden. Diejenigen, welche er vor d. 3. 1679 geichrieben
hat, finden fich im der Ausgabe nicht. Dieſe beginnt erft mit
den 28. Briefe und. fchliegt mit dem 146ften. Danach folgt
“eine neue Reihe von Briefen, »46 an ver Zahl !). Die Briefe
find fpäterhin ſämmtlich oder theilweife öfters wieder abgedruckt
worben; Dazu fehlte es auch nicht an Männern, welche ſie in's
Lateiniſche, Engliiche und Franzöſiſche überſetzten. Der Mühe,
dieſe verſchiedenen Ausgaben hier aufzuführen, finde ich mich durch
Gronovius Fleiß überhoben, deſſen Zuſammenſtellung derſelben
Haller für ſeine Bibliotheca anatomica (T. I, p. vlt.)
benugt bat.
34%
De u 63
Nachdem das Dbige ſchon gedruckt worden war, famen mir
uffenbach's „Merkwürdige Reifen durch Niederfachlen, Holland
u. England’ zu Händen, mweldye ich oben nur einmal und zwar
auf Haller's Auctorität, eitirt habe. Da aber dad, was U.
über L. berichtet, zu wichtig ift, um von und mit Stillſchweigen
übergangen zu werden, jo will ich hier hinzufügen, was mir Das
von der Erwähnung werth zu fein ſcheint. (S. den 2ten Band
des Werks, ©. 349 — 369,)
U. erzählt, daß er, von dem ehrwürdigen van Urdel mit
einem Gmpfehlungäbriefe verfehen, von L. freundlich und gütig
aufgenommen worden fei, während übrigens nicht fo leicht Zutritt
zu ihm ftattgefunden habe, weil er fonft zu fehr durch den Beſuch
ungelehrter uud nur durch Die Neuheit der Sache herangelodter
Leute geplagt worden fein würde, 28 Tochter erzählte U., daß
ihr Vater, da er fchon viele neue und bis dahin unbekannte Dinge
durch microfeopifche Forſchung zuerft entdeckt, fich Doch noch eine
Zeit lang der Mittheilung derfelben an die gelehrte Welt enthalten
babe, weil er ſich öfter, al3 einmal, dem Tadel und Spotte der
Menfchen ausgejeßt, welche behauptet, er glaube beobachtet zu
haben, was er ohne die Macht der Einbildungskraft nicht beob—
achtet Haben würde. Wir vermuthen, daß er aus diefer Urſache
feinen Briefwechfel von 1702 — 1712 eingeftellt habe; doch
muß er feinen Entfchluß in dieſer Hinficht dann ſpäter wieder ges
ändert haben; denn feine Epistols physiologicæ (Sendbrieven)
find nach dem Jahre 1712 gefchrieben worden.
Der Verf. berichtet ferner, 2. fei, obgleich über 78 Jahre
alt, doch munter und bei guter Gejunpheit, und vorzüglich fein
Geficht, obgleich er feine Augen beftändig angeftrengt habe, doch
von größter Schärfe gewefen, auch babe er am feinem Zittern
der Glieder gelitten ?). Aus dieſem Allem geht es hervor, mie
fähig er zum Anftellen mikroſkopiſcher Beobachtungen blieb.
2) Dieſe Iesteren Briefe neunt &, „Sendbrievenz;“ in der latei-
hen Augabe heißen fie Epistolae physiologicae, unter welchem
men fie hier aud) immer citixt worden find, um fie von den fchlechtweg
istolae citirten zu unterfcheiden, welche 2. „Miffiven’ nennt.
2) Später litt er jedoch am Zitfern der Hände (f, Epist. physiol.
46. dd. 20. Nov. 1717.), und in feinem Briefe an Jacob Jurin
vom 19. März 1723. (Ph. Trausact. XXX, p. 341—3,) beflagte
er fih auch über eine Dunfelheit in feinem rechten Auge,
——
926
L. zeigte U. einen Schrank, in welchem er 300 Microfcope
verwahrte, wodurch fich beftätigt, was wir oben fagten, daß L.
eine große Anzahl von ſolchen Inftrumenten befeffen habe. Weni-
ger richtig dinft und aber die Ausfage des Verf. zu fein, daß
8. feine Microfcope nicht verfauft habe und feine Kunft nicht
babe offenbaren wollen, damit ſolcherweiſe nach feinem Tode feiner
Tochter. Etwa. bliebe, woraus fie Gewinn ziehen könnte; denn
außer daß er der Londoner Societät mehrere Microfcope ſchenkte
(vergl. S. 917.), wurden die übrigen zwei Jahre nach dem Tode
der Tochter verkauft, nehmlich 1747 (vergl. S.918.) Die Tochter
ftarb,, wie wir. aus ihrer Grabſchrift in der Kicche zum heil.
Hippolyt in Delft erſehen haben, im Jahre 1745.
Unfere Ausfage (S. 918), daß L. auch Mierofeope mit
zwei Linſen befeffen habe, wird von U.: beftätigt, welcher jagt,
daß die letzteren durch eine Platte von einander abgejondert und
von den Linfen, welche er im den einfachen Microfcopen gehabt‘
babe, nicht verſchieden geweſen ſeien. Obgleich. dieſe Microfcope
etwas ftärfer vergrößerten, konnten fie doch nach L.'s und. U.'s
Urtheile nicht für beffer, als die einfachen gehalten werden,
Wir erwähnten oben, daß 2.3 Linſen vorzüglicher, als bie
(bloßen ) Glastropfen, geweſen feien.. Hier, aber werden mir be-
lehrt, daß 2. Die letzteren verachtet habe, obgleich er durch zehn-
jährige Uebung zu der Gefchieklichfeit gelangt: fei, ziemlich gute
Glastropfen zu blafen, die aber niemals vollfommen rund geweſen
feien.
Es wird wohl nicht unintereffant für unfere Lefer feyn, wenn wir die
Stelle ans den Briefen des greifen Naturforfchers ausziehen, welche bie
Klagen über diefe Schwächen feines hohen Alters enthalten, auch daneben
die Worte des Danfes mittheilen, mit denen er im erfigenannten Briefe
von der Londoner Societät Abichied nimmt. Am Schlufje diefes Briefes
nehmlich Heißt es (nach dem holländifchen Originale):
„Meiner Abficht nach wird dieß meine legte Beobachtung feyn, welche
ich Ihnen, hochedle Herren, zukommen laſſe, weil meine Hände ſchwach
geworden und etwas wenigem Zittern unterworfen find, welches ven meinen
fehr hohen Sahren herrührt, deren Zahl: fid) nun ſchon auf 85 beläuft.
Und fo laſſe ich meine große Danktarfeit an Cie, hochedle Herren, hier—
mit gelangen für die Gunſt, welche Sie beliebt haben mir i. Jahre 1679.
zu erweiſen, indem Cie mic) ungeachtet meiner geringen Kenntnife (bui-
ten myne kennisse) zu einem Mitglied von E. E. würdigem Collegium
der Königl. Societät aufgenommen und mir ein Diploma, nebit zwey
Briefen von den beiden Herren Secretäiren der Königl. Societät, ges
fendet, die mich, degleichen von meiner Grwählung in Kenntniß geſetzt
haben, welche einftimmig von der Königl. Eocictät Feſchehen ift, die daz
mals eine fehr zahlreiche Verfammlung gehabt hatte.
&o [danfe ih] auch fiir die Philosophical Transactions, welche
ie, hochedle Herren, mir von Zeit zu Zeit zugefendet haben.
Für ‚alle diefe genannten, mir zu Theil gewordenen Chrenbezeugungen
und Geſchenke ſpreche ich. gegen E. E. noch einmal meine Dankbarkeit aus
und werbe mit fehr vieler Achtung verbleiben ıc.
Antoni van Leeumenhoek.’
In dem andern Briefe heißt die betreffende Stelle (nach) der lateini-
ſchen Meberfekung ) , wie folgt:
. . . Außer daß mein hohes Alter nicht andere, als meinen Sachen
Eintrag thun Fan, habe ich noch zu melden, daß mein rechtes Auge mir,
zu meiner großen Unbequemlichkeit, etwas verdunkelt worden ift. Dieß
aber fommt, wie ich glaube, daher, daß mehrere in ver Cryſtallfeuchtig⸗
keit ſchwimmende Blutfügelchen mir vor dem Geſichte herumſchweben,
deren einige ohne oder in verwirrter Ordnung unter einander verbunden
find, andere für ſich ſchwimmen, und das Bild eines Wölfcheus in meinem
Auge hevvorbringen. Da ic) aber mehrentheils das rechte Auge gebrauche
— denn das Pinfe fehliege ic) beim Befchauen gern — fo ift mein Geficht
ſchwãcher geworden, als es zu feyn pflegte.’ Anm. d. Meberf,
— — — —
————— —— —
927
Atlas
über alle Theile der Erde in 24 Blättern, ausgearbeitet nach der Lehre
Karl Ritters von I. M. Ziegler. Berlin bey Reimer,
Lief. I. 1847. Imperial Fol.
Es fommt uns nicht zu, ſolch eine Arbeit zu beurtheilen ;
das fehen wir aber wohl, daß es eine fchöne, wiffenfchaftliche
und gründliche ift. Ritters Geographie hat eine Epoche ind
Leben gerufen für die Schilderung der Länder und eine höhere
Anſicht von ihrem Bau. Man Eonnte daher erwarten, daß fie
auch Männer begeiftern würde für eine entfprechende Darftellung
des Erdbodens. Das fheint uns bey den vorliegenden Charten
erreicht zu feyn, ſowohl in der Außerft forgfältigen Darfiellung
der Eleinjten Formen der Küften und Inſeln ale aud der
Seen, Flüffe und Gebirge nad) ihren Zügen, Vertheilungen
und Höhen. Außer den Gränzen der Provinzen und den Haupt:
orten find auf den Charten auch die Meeresftrömungen und die
ifothermifchen Linien angegeben. Diefe Lieferung enthält 5 Char:
ten: Nordamerica, Südamerica, Großbrittannien, Spanien mit
Portugall, Italien. Die neueften Entdedungen, befonders im
höchften Norden von America find treulich benugt. Wir fönnen
diefe Dinge nicht einzeln ſchildern, fondern müßen bey ‘dem
obigen Ausfpruch ftehen bleiben, indem wir ns daß dieſes
Unternehmen allgemeinen Beyfall finden wird. Dieſe Charten
find ungemein deutlich lithographiert in der typographiſchen Ans
ftalt von Wurfter in Winterthur, welcher fie allerdings viele
Ehre madıen.
Grundzüge des Syitems der Philoſophie
oder Encyelopädie der philoſophiſchen Wiſſenſchaften, von Dr. Carl
Ph. Fiſcher, Prof. Erlangen bey Palm. J. 1848. 8. 348.
Werke der Art koͤnnen wir nur kurz anzeigen, eigentlich nur
ſagen, daß fie vorhanden ſeyen, indem wir das Weitere den Li⸗—
teratur = Zeitungen und philofophifchen Zeitfchriften überlaffen
müßen. Der Berfaffer ift im Felde der philofophifhen Wiffen:
ſchaften rühmlichft bekannt, befonders in dem der Critik, welche
eine allfeitige Kenntniß der philofophifchen Lehren vorausfegt.
Diefer Band enthält die Grundzüge der Logik und der Nature
Phitofophie, wie e8 ung fcheint, wohlgeordnet und in einer alle
gemein verftändlichen Sprache. Die letztere ift abgetheilt in das
Allgemeine, die Cosmologie, die Geologie, bie organifhe Natur
und die Organifation des Menfhen. Man ftößt in allen Theis
len auf eigenthuͤmliche Anfichten, welche Beruͤckſichtigung ver—
dienen, beſonders in der Cosmologie und in der Lehre vom
Menſchen; das Pflanzen: und Thierreich ift nur überfichtlich
behandelt, wie es dem Zwecke eines folhen Werkes gemäß ift.
Mir Eonnen nicht unterlaffen, über Einiges, was uns. felbft
betrifft, einige Morte zu fagen, weil der Verfaffer unfere Lehre
über die Entwidelung der Embryo und der Xhiere fo darge—
ftellt bat, al® ob die niedereren Thiere fich ohne weiteres in die '
höheren verwandelt hätten, während wir doch diefe Anficht geradezu
verwerfen. Wir haben allerdings gelehrt, daB der Embryo die
Stuffen des Thierreichs durchlaufe, aber nicht in dem Sinne,
als wenn er zu einer Zeit ein wirkliches Infuſorium wäre oder
Schnecke, Infeet, Fifh ufw.; fondern daß er nur diefe Stuffe
durchlaufe mit den entfprechenden Hauptfpftemen, welche aber
immerhin den fpecififchen Character des Embryos darftellen. Der
im Kaufe der Zeiten etwa in einen Lurch verwandeln werde.
928
Embryo ift nie eine befondere Species von Infuſorien, fondern,
dee menfchliche 3. B., nur eine Infuforien= Form mit den An:
lagen oder der Grundzeihnung zum Menſchen. Ebenſo ift es
uns nie eingefallen, zu behaupten, daß ein wirklicher Fiſch ſich
So haben wir die Metamorphofe des Thierreichs nie verftanden,
fondern nur im philofophifhen Sinn. Benfpielsweife anges
nommen, alle Zhierclaffen fhwömmen im Meere herum als
embryonifche oder infuforiale Bläschen ; fo wären alle diefe Blaͤs—
hen von einander verfchieben, oder deutlicher: Angenommen,
e8 gäbe im Meer nur einerley Schleimbläschen; fo würde das
eine je nach Ort, Wärme, Licht, chemifche Umgebungen uf. Nic)
fo verändern, daß es hier ein Schneden- Embryo), dort ein Ins
fecten = Embryo, an einem andern Orte ein Fifch-Embryo ufw.
wuͤrde, indem hier diefes anatomifche Syſtem, dort ein anderes
ſich ausbildete und das Uebergewicht bekäme. Das ift unfer
Sinn der Metamorphofe eines Thierd aus dem andern,
Man wird diefes Merk mit Nuben Iefen, Einfiht in bie
Gliederung der Natur, in die DVerhältniffe der Pflanzen und
Thiere erhalten, und befonders in den Stand des Menfchen
und feiner Kräfte zu den unter ihm ftehenden Gefchöpfen, den
Pflanzen und Zhieren. Das ift doch das endliche Ziel, welches
die Geiftes = Philofophie erreichen foll.
Synopsis Coniferarum
auctore St. Endlicher. San Galli apud Scheitlin. 1847. 8. 368.
Endlichers Arbeiten bedürfen Eeiner Empfehlung, ſſondern
nur einer Anzeige, daß fie erfchienen find, und etwa einer An:
gabe des Innhaltes fowie der Einrichtung des Buches.
Voran fteht alfo bey jeder Abtheilung die Diagnosis Gene-
rum; fodann die Befchreibung der Sippe und der Gattungen ;
bey den letztern eine vollftändige Synonymie, Vorkommen, Bo—
denhöhe, landesübliche Benennungen. Der Rahmen des Mer:
tes ijt folgender.
Ordo I, Cupressineae.
$. 1. Juniperinae: Juniperus (Caryocedrus, Oxycedrus,
Sabina).
$. 2. Actinostrobeae: Widdringtonia, Frenela, Actino-
strobus, Callitris, Libocedrus.
$. 3. Thuiopsideae: Biota, Thuia, T'huiopsis.
$. 4. Cupressineae verae: Cupressus, Chamaecyparis,
$. 5. Taxodineae: Taxodium, Glyptostrobus, Crypto-
meria.
Ordo II. Abietineae. p. 75.
$. 1., Abietineae verae: Pinus.
a) Sapinus (Thuga, Abies, Picea, Larix, Cedrus).
b) Pinus (Cembra, Strobus, Pseudostrobus, Taeda,
Pinaster, Pinea).
$. 2, Araucarieae p. 184.: Araucaria (Colymbea, Eu-
tacta),
$: 3. Cunninghamieae p. 188.: Dammara, Cunningha
mia, Arthrotaxis, Sesquoia, Sciadopitys.
Ordo. Il. Podocarpeae p. 201.
Podocarpus (Nageia, Eupodocarpus, Stachycarpus,
erycarpus), Dacrydium, Microcachrys.
Ordo IV. Taxineae p. 229.
Ehyllorienng Salisburia, Cephalotaxus, Torreya, Taxus.
929
Ordo V. Gnetaceae p. 245.
Gnetum (Gnemon, Thoa).
Ephedra (Discopyle, Plagiopyle).
Bey Manchen find Holzſchnitte, welche meiftens den Bau
des Samens oder deffen Keimung voritellen.
©. 265. folgen die verfteinerten Sippen mit ihren Gat—
tungen. :
Juniperites, Widdringtonites, Solenostrobus, Actino-
trobites, Frenelites, Callitrites, Libocedrites, Hybothya,
huites, Cupressites, Chamacyparites, Passalostrobus,
xodites, Voltzia, Geinitzia. Thuioxylon, Retinoxylon.
Pinites, Stenonia, Peuce, Pissadendron, Dadoxylon, A-
ucarites, Steinhauera, Dammarites, Haidingera, Füchse-
lia, Cunninghamites, Pallissya, Brachyphylium.
Taxites, Taxoxylon.
Ephedrites.
©. 311. folgt ein ſehr vollſtaͤndiges Regiſter der verfteiner:
ten; ©. 317. der angenommenen Namen; ©. 324. der fnftes
matifhen nebft den Synonymen; ©. 355. der Landesnamen,
Die Koffeldförner und das Picrotorin,
mit Benußung von Dr. Boflers hinterlaffenen Verfuchen von 3. J.
von Tſchudi. St. Gallen bey Scheitlin 1847. 8. 130,
Dr. Voßler hat zu Würzburg fehr genaue und zahlreiche
Verſuche über die noch Eeineswegs hinlänglicd bekannten Wir:
kungen des Picrotorins an verfchiedenen Thieren angeftellt, deren
Ergebniß allerdings für die Phnfiologie und Medicin von Wich-
tigkeit if. Das Gift wurde bald in den Magen gebracht, bald
in Venen eingefprigt, bald auf dem Gekroͤs eingerieben. Es
wirkt ſchneller bey Fleifch = freffenden Thieren. Baldiges Er:
brechen im erjten Fall ſchuͤtzt gewöhnlich vor dem Tode. Die
Symptome find angegeben, fo wie die Erfcheinungen bey ber
Section.
Die Schrift zerfällt in zwey Theile, wovon ber erfte die bo—
tanifhe Auseinanderfegung der Menifpermen enthält und die
Berhältniffe der Kokkelskoͤrner, befonders ihren Gebrauch, ſowohl
in der Medicin, als bey dem Fifchfang nebft der Behandlung
der durch diefelben vergifteten Menfhen. Diefe Abtheilung ift
fehr ausführlich und gründlich behandelt. Bey der botanifchen
Darftellung hat Dr. Fen zel mitgewirkt. Die Schrift ift da—
her nicht bloß für Aerzte und Chemiker, fondern auch für Bo:
taniker von Wichtigkeit. i
Auch die Gefhichte der Einführung diefer Körner iff um—
ftändlich erörtert, moben befonders die Nachrichten der arabifchen
Aerzte um Rath gefragt wurden.
Man hat daher in diefem Buch Alles, was nur irgend über
bie Pflanze und über den Gebrauch der Körner, ihre Wirkung
und die medicinifche Anwendung befannt gemacht worden iſt;
kurz es ift eine ganz vollſtaͤndige, botaniſche, ethnographifche,
chemiſche und medicinifhe Monographie diefes Gegenſtandes.
Schlüſſel zum Botanifieren,
Son I. Shmidlin. Stuttgart bey Hoffman. 1845, FL. 8, 408.
Mir haben viele Schriften der Art, wovon begreiflicher Meife
immer die fpätern brauchbarer als bie frühen 'werden, umd dag
Sfis 1847. Heft 12,
930
iſt denn auch hier der Fall. Man befommt hier einen Unter
ticht im Zrodnen und Einlegen der Pflanzen mit allen Kunft:
griffen und Vorſichtsmaaßregeln, ſodann im Sammeln der
Pflanzen. mit ihren Wohnörtern, ferner über das Beftimmen
derfelben nad) dem linneiſchen Syſtem. ©. 109, folgt endlich
der Schlüffel zum: Unterfuchen auf eine ganz practifche Weife,
indem der Verfaffer die Pflanzen abtheilt in Bäume, Sträucher,
Gräfer und Kräuter, die erfteren wieder in Obſtbaͤume und
Waldbaͤume und: diefe wieder in Nadel: und Laubhölzer; ziem—
lich fo bey den Sträuchern. Dann folgen fie nad der Blüth:
zeit, und nach dem Wohnort, ob in Wäldern oder Feldern, an
Slüffen, auf Wiefen, Zelfen, Mauern uſw.; endlich auch nach
Farben der Blumen, bey den Kräutern nehmlich, wovon in
gewiffen Monaten eine große Menge zugleicht blüht. Der Ver:
faffer bedient fich foviel ald möglich der deutfchen Benennun-
gen. Wir zweifeln nicht, daß diefe Schrift ihrer Abficht ent—
ſprechen wird;
Arbeiten des naturforfchenden Vereins in Niga,
vedigiert von Dr. Müller und Dr. Sodoffsky. Rudolſtadt bey
Broebel, I. 2, 1845. 8, 115— 253,
Aus dem fchnellen Erfcheinen des zweyten Heftes diefer reich»
haltigen Zeitfchrift ergibt e8 fi, daß es der Gefellfchaft an
vorräthigem Stoffe nicht gebricht. Diefes Heft enthält einen
großen, fehr fleißig ausgearbeiteten Auffag uͤber die Pflanzen der
Steppen von Mittelafien unter dem Zitel: Alexandri Leh-
mann Reliquiae botanicae sive Enumeratio plantarum in
itinere per deserta Asiae mediae ab’ A. Lehmann an-
nis 1839 —1842. eollectarum. Seripsit A. Bunge, Prof,
Der Auffag beginnt mit den Ranunculaceen und endiget hier
mit den Papilionaceen. Er enthält 332 Gattungen, mit ge:
nauen Befchreitungen und der Angabe des Vaterlandes, des
Standortes und der Zeit des Cinfammelns; darunter ziemlich
viel Neues, felbft unter den Sippen, mie Streptoloma inter
Sisymbrium et Erysimum; Cithareloma inter Tetracmen
et Camelinam; Lachnoloma et Octoceras inter Spirorhyn-
chum et Goldbachiam; Miltianthus (Zygophyllum portu-
lacoides); Ammothamnus inter Sophoram et Styphno-
lobium.
Manche Gattungen find fehr reih: Ranuneulus 13., Del-
phinium 5., Silene 15., Zygophyllum 8., Astragalus 47.
Die Fortfegung folgt nebft den Abbildungen.
— ul
Familiarum naturalium
regni vegetabilis Synopses monographieae
eurante M. J, Roemer.
Comptoir.
Vimariae apud Landes- Industrie-
Fase. IV. Ensatae, 1847, 8. 314.
Das ſchnelle Erfcheinen diefer Hefte beweift, daß der Ver:
faffer Vieles vorgearbeitet hat und man daher hoffen darf, bald
im Befis des vollftändigen Werks zu ſeyn, wodurch es leicht
den ‚andern Syſtemen den Vorrang ablaufen wird, befonders
auch wegen der ungemeinen Bequemlichkeit der Einrichtung, des
Formats, des’ Druds und der Giaffification.
Diefes Heft enthält die erſte Hälfte der Ensatae, abgetheilt
in folgende Ordnungen: Burmanniaceae, Irideae, Hypoxideae,
59
931
Haemodoraceae, Bromeliaceae, Amaryllideae‘, Hydrocha-
rideae.
Das Heft enthält die Amarpllideen, abgetheilt in
Galantheae, Amarylleae, Narcissineae, Alstroemerieae
et Agaveae.
Voran der Character der Familie, Tracht, Verwandtſchaft,
Verbreitung, igenfchaften. Darauf folgt die Synopsis Ge-
nerum 3. ®.
Galantheae: Galanthus, Erinosma, Acis, Leucojum,
Hessea, Imhofia, Strumaria, Lapiedra.
Amarylleae: Griffinia, Haemanthus, Carpolyza ete.
Die Zahl der bier aufgeführten Sippen ift 78. Dann fols
gen die Gattungen mit allen möglichen Gitaten, Synonymen,
deutfchen und franzöfifchen Namen, Beſchreibung ufw.
Thesaurus Literaturae botanicae
omnium gentium etc. curavit G. A. Pritzel. Lipsiae apud
Brockhaus. Fasc. Il. 1847. 4. p. 81 — 160.
Wir haben von diefem wirklich ungeheuern Unternehmen das
erſte Heft rühmlihft angezeigt und müßen auch daffelbe von
dem vorliegenden fagen. Es ift ein Gluͤck für die Gelehrten,
daß es folche Perfonen gibt, welche durch einen unwiderftehlichen
Trieb nach Arbeit fih Jahre lang den langweiligften Gefchäften
unterziehen, fogar Neifen machen, ſich große Koften verurfachen
und wahrfcheinlich ausgebreiteten Briefmwechfel unterhalten, um
die verborgenften Seltenheiten aufjufpüren. Das Alles ift ges
wiß erforderlich, um 15000 Bücher:Zitel für eine einzige Wif-
fenfchaft zufammenzutreiden, den Drudort, den Druder, die
Jahrszahl, das Format, die Zahl der Bande, der Seiten, die
Tafeln und den Preis anzuzeigen.
Das vorliegende Heft geht von Endliher bis Link und
enthält die Nummern 2996 — 5977.
Zeitfehrift für wiffenfchaftliche Botanik
von M. 3. Schleiden und C. Nägeli. Zürich bey Meyer, Heft
II. u. IV. 1847. 8, 319, Taf. 8,
Diefe Lieferung enthält wieder fehr zahlreiche und gründliche
microfcopifche Unterfuhungen guößtentheils von Dr. Nägeli,
vorzuͤglich ber die Entwidelung der Gewebe und die Fortpflan—
zung der niederjten Gewaͤchſe mit ebenfo zahlreichen, ſehr ſchoͤ—
nen und deutlichen Abbildungen, wodurch die Phnfiologie unge—
mein bereichert wird; außerdem einen fehr lehrreichen Auffag
von Prof. Wydler, als Beytrag zur Kenntniß der Gras-In—
florescen; ©. 1 — 21. mit 2 Zafeln, worauf ſchematiſche Ab»
bildungen, vorzüglich mit Beruͤckſichtigung von Carl Schim—
pers Ideen uͤber dieſen Gegenftand bey «Gelegenheit feiner
Befhreibung des Symphytum: zeyheri in Geigers Zeit-
fohrift 1835. Der Verf. betrachtet die genannte Snflorescenz
als ſymmetriſch in allen ihren DVerzweigungen und en:widelt
nun ihre verfchiedenen Zuſtaͤnde.
©. 22. ©. Nägeli, über Zellen Kerne, Zellen Bildung
und Zellen: Wahsthum bey den Pflanzen mit Tafel 3. u. 4,,
was durch fehr zahlreiche microfeopifche Beobachtungen, befonders
bey Algen erläutert wird. Der Berfaffer ift offenbar derjenige,
welcher die microfeopifche Unterfuchung bey den unterften Meer:
pflanzen am weiteften verfolgt und die mancdhfaltigften Ergeb—
niffe gefunden hat. Solche genaue und zahlreiche Ergebniffe
laffen ſich nicht ausziehen, fondern müßen felbft gelefen werden.
©. 94. Derfelbe, Bläschenformige Gebilde im Snnbalte
der Pflanzenzelle. Der Verfaſſer unterfcheidet Kernbläschen,
Samenbläschen, Kernen, Scyleimbläschen, Brutbläschen, Farb:
bläschen, Stärkebläschen. |
©. 129. Derfelbe, über das MWahstbum des ‚Gefäß:
ffammes, &.5. Er unterwirft bier vorzuͤglich die Theorie von
Unger und Endlicher über endfproffendes, umfproffendes un
endumfproffendes Wachsthum einer umftändlichen Critik.
©. 153. Derfelbe, Über das Wahsthum und den
griff des Blattes, T. 4,
S. 188. Derfelbe, über die Fortpflanzung der Rhiz
carpeen, T. 4. Genaue Unterfuchungen bey Pilularia.
©. 207. Derfelbe, über Polysiphonia, T. 6. und 7.
Entwidelung diefer Pflanze aus einer Zelle und genaue Bes -
fohreibung ihres Außeren und inneren Baues.
©. 239. Derjelbe, über Herposiphonia n., T. 8, Aehn⸗
liche Behandlung und Vergleichung mit der vorigen, von wels
cher die Gattungen abgetößt, aber nicht genannt find.
©. 257. Derfelbe, Critik von Roͤpers Programm zur
Flora Mecklenburgs 1844., über die Grasblüthe.
©. 293. Derſelbe, Critik der Beyträge zur Kenntniß der
Moizocarpeen von Dr. Mettenius 1846.
©. 309. Deßgleihen von Ungers merismatifcher Zellen:
bildung bey der Entwidlung des Pollens 1844.
932 |
{
|
Giftpflanzenbuch
oder allgemeine und befondere Naturgefchichte fämmtlicher, fowie der
wichtigften ausländifchen phanerogamifchen und eryptogamifchen Gift:
gewächfe, von Fr, Berge und Dr. B. A. Riede. Stuttgart bey
Hoffmann. 1843. 4. 329. Taf. 72. col.
Werke über die Giftpflanzen gibt es ziemlich Viele. Jedes
neuere ſucht die Älteren zu übertreffen, und es fcheint auch be
dem vorliegenden gelungen zu feyn. F
Es ift fo vollftandig als möglih, benußt die neueren Ent—
dedungen, gibt die Namen in den meiften Sprachen, Character,
Beſchreibung, Eigenihaften, Wirkung), Anwendung, Literatur
und eine gute Abbildung mit den Zerlegungen. Die Abbildun-
gen enthalten bald die ganze Pflanze, bald Gipfel und? Wurzel
und Blume, Fruht und Samen befonders. Der medicinifche
Theil ift von Dr. Riecke bearbeitet, deffen Arzneymittellehre
ruͤhmlichſt befannt ift.
Conchylien⸗Buch
oder allgemeine und beſondere Naturgeſchichte der Schnecken und Mu—
ſcheln nebſt der Anweiſung, ſie zu ſammeln, zuzubereiten und aufzube—
wahren von F. Berge. Stuttgart bey Hoffmann. Heft L—VI.
1847. Taf. 26. ill.
Das ift ein populäres und hübfches Merk, welches viel zur
Verbreitung der Naturgefchichte beytragen wird und bejonderg
derjenigen Thierclaffe, welche feit Sahrhunderten ein Gegenftand, +
"der Kiebhaberen war und befonders von den reichen Kaufleuten
gepflegt wurde. Conchylien- und Schmetterlingg-Sammlungen
fand man faft in jeder Handelsftadt. Die fonderbaren Formen,
933 ,
ſchoͤne Zeichnungen und Farben der erfteren: zogen befonders die
Augen auch der Ununtrreichteten auf ſich, fo daß ffaſt jeder
Matrofe: eine Eleine Sammlung aus den fernen Welttheilen
mitgebracht: hat. Da die Schalen einer Zerftörung untermors
fen find, fo kamen fie faft in alle Hände und man hatıdaber
frühzeitig angefangen, dieſelben in zierlichen Schränken aufjus
bewahren und zu ordnen. Es gab daher viele auf die Schalen
gegründete Spfteme. ı In der neueren: Zeit hat man jedoch)
erkannt, daß es vorzüglich die Thiere find, welche verdienen,
eruͤckſichtigt zu werden, und fo. hat man allmählich eine beffere
Einfiht in den Bau derfelben gewonnen. Diefe find es nun
auch, worauf der Verfaffer ein befonderes Augenmerk gerichtet,
und daher nicht bloß die Schalen, ſondern auch von ‚allen! Ge:
ſchlechtern die Thiere abgebildet bat, «wofür ihm das größere
Publicum zu Dank verpflichtet iſt. Er hat die beften Mufter
ausgewählt, und es find fowohl die Abbildungen der Thiere
und der Schalen, fo wie,die Illumination derfelben mit Sory:
falt verfertigt. Auf jeder Tafel find ungefähr. ein Dusend Ab—
bitdungen, und jedes Heft enthält etwa 5 Tafeln für den Preis
von 54 &r., was allerdings ſehr billig iff. Es werden 10 Hefte.
Der Tert ift mit Fleiß bearbeitet: voran die Anatomie von
Mufcheln und Schneden aus verfhiedenen Sippfchaften mit
Abbildungen, fodann die Eintheilung mit der tabellarifchen Auf
zählung aller Geſchlechter; darauf die Gattung mit ihrem Cha:
tacter, den wichtigern Citaten und dem Vorkommen. Die Ab:
bildungen find fo zablreih, daß wir fie unmöglich angeben
koͤnnen; die Mufcheln find meiftens von der Außen und innern
Seite dargeftellt. Man wird hier ziemlih die Abbildung von
allen Thieren finden, welche in den beiten Prachtwerken zerftreut
find, fo daß das Werk auch manchem Naturforfcher nuͤtzen wird,
dem der Zugang zu den theuern Werken fehlt.
Dr. F. U. Schmidt, Petrefacten - Buch
oder allgemeine und.befondere Verfteinerungs=Kunde, mit Berüdfichtigung
der Lagerungs= Verhältniffe, befonders in Deutfchland. Stuttgart bey
Hoffmann. 1846. 4. ©, 174. Tiln. 64. ill,
Die Berfteinerungen find jest ein Liehlings= Gegenftand aller
Stände, und daher ift eine populäre Schrift darüber an der
Zeit. Es werden bier zu diefem Zwede gute Abbildungen ges
liefert, auf jeder Tafel etwa 4 Dusend Figuren, wovon nad
der Angabe des Verfaffers , nad) Originalen aus feiner Samm-
(ung wirflih genau und fchon gezeichnet wurden von Dieter=
ten. Dabey ift ein Zert, welcher die Gattungen kurz befchreibt
mit den Synonymen, dem geographiihen und geognoftifchen
Vorkommen. Die Anordnung ift nad den Formationen ges
macht, und fodann nad) den Glaffen. Zuerſt die Verfteinerun-
gen des Kohlengebirgs, wozu der Thonfchiefer, die Steinfohlen
und der Kupferfchiefer gehören, fodann des Salzgebirges, wel—
ches den Muſchelkalk und Keuper umfaßt; das Dolith-Gebirge
mit dem Sura und dem Ling; die Tertiär Formation.
Es find hier abgebildet Pflanzen auf 2 Zafeln, Corallen auf
5 Tafeln, Mufcheln und Schneden auf 37 Taf; Echinodermen
auf 1 Taf.; Encriniten auf 2 Taf.; Krebfe auf 2 Taf. z Tri⸗
tobiten auf 1 Taf.; Fifhe auf 2 Taf.; Lurche auf 3 Zafı;
Haarthiere auf 5 Tafeln.
Die wichtigern Abbildungen fcheinen uns zu fern: Lepido-
dendron, Sigillaria, Calamites, Cyelopteris, Caulopteris,
Equisetites.
Columnaria, Stromatopoda, Trilobites
Orthoceratites,. Bellerophon.
Trilobites.
Enerinites, Pentacrinites, Pemphix.
Belemnites.
Hippurites.
Mastontosaurus.
Ichthyosaurus, Mystriosautus.
Megatherium, Mastodon, Missurium, Mylodon,
therium.
Ammoniten find mehr vorhanden als nöthig wäre.
Eine Ueberfiht und ein Negifter würden dem Budye wohl
anftehen.
Dino-
Die Organifation der Trilobiten
aus ihren lebenden Verwandten entwickelt, nebft einer ſyſtematiſchen
Ueberſicht aller feither befannten Arten von Dr. 9. Burmeifter,
Prof. Berlin bey Reimer, 1843, 4. 147. Taf, 6,
Das ift wieder eine von den gründlichen und ergiebigen Ar—
beiten, deren der Verfaffer mehrere geliefert hat, namentlich wie
die über die Girripedin. Was den mefentlihen Bau diefer
fonderbaren Thiere betrifft und ihre Stellung im Syſtem; fo
kann nun wohl fein Zweifel mehr darüber beftehen.
Voran gibt er ein großes Verzeichniß der Abhandlungen über
biefe Thiere nach der Jahresreihe. In der Einleitung folgt
ſodann die Gefhichte mir aller Unparteplichkeit. S. 14. beginnt
fodann die genaue: Befchreibung des Körperbaues mit Verglei-
chung der verfchiedenen Sippen; fodann die Augen, die Zahl
der Ringel,
©. 35. ſucht er die Beziehungen det Trilobiten zu den jeki-
gen Ningelthieren durch mandfaltige Vergleihung nnd finder
endlidy, daß diefelben Phyllopoden gemwefen fenn müfen und in
die Nahbarfchaft der Branchiopoden gehören, aber eine eigene
Familie bilden zwifchen den Phyllopoden und Pöcilopoden. Er
glaubt auch, daß fie einer Verwandlung unterworfen gewefen
und findet Andeutungen davon bey Agnostus et Battus. Diefe
Unterfuhung ift mit Sachkenntniß und Scarffinn geführt,
©. 61. folgt die ſyſtematiſche Ueberficht der Gattungen, welche
alle aufgeführte werden; in folgenden Abtheilungen:
Fam. 1. Eurypteridae: Eurypterus 3 Species.
Fam. 2. Cytherinidae: Cyterina 2 Species.
Fam. 3. Trilobitae:
I. Kugeln ſich nicht.
1) Seitenlappen in berfelben Ebene.
A. Ahle des Schwanzfhildes vielgliedrig.
Trinucleus 5., Ogygia 2.
B. Achſe des Schwanzfhildes aus wenig Gliedern.
a) Achtgliederig. Odontopleuridae.
Odontopleura 2., Arges 1.
b) Zehngliederig.
Brontes 2.
Ogygüdae.
€. Schwanzfhild Elein und mehrgliederig. Olenidaeı
Paradoxides 2., Olenus 3.
2) Seitenlappen abwärts gebogen. _ Campylopleuri.
Conocephalus 2., Ellipsocephalus 1., Harpes.
HU. Kugeln ſich. e
1) Rumpfachfe hinten verfchmälert. Calymenidac.
084-
935
Calymene 4., Homalonotus 5., Cyphaspis 1., Phacops
14., Aeonia 2. ’ r
. 2) Rumpfadhfe nicht verfchmalert. Asaphidae.
Illaenus 3., Archegonus 2., Asaphus 8., Ampyx 3.
Die Abbildungen find ausgeführt, fehr ſchoön und zahlreich,
auf der legten Tafel zur Vergleichung Apus, Serolis, Bran-
chipus, Limnadia mit einzelnen Theilen.
Genera Iinsectorum
Iconibus illustravit et descripsit H. Burmeister, Prof. Be-
rolini apud A. Burmeister. X. 1846. 8. tabb. 4. col.
Mir haben die früheren Hefte diefer fchönen Abbildungen
mit vortreffliher Zerlegung der Äußeren Theile angezeigt, und
melden nun mit Verdruß, daß der Verfaffer diefelben nicht fort:
feßen kann, weil es ihm an Hülfsmitteln fehlt, indem er, wie
“8 fcheint, feinen herangezogenen gefhidten Zeichner und Kup:
ferftecher verloren hat. Das ift bey uns allerdings ein großes
Hemmniß für gute naturhiftorifche Werke, weil bey uns Zeich-
ner und Kupferftecher nicht mit folchen Arbeiten ihr Leben ges
winnen fönnen, wie in Paris, wo mehrere dergleichen eigens
vom Staat angeftellt find. Hat fih auc bey uns ein Zeichner
für das naturhiftorifche Fach ausgebildet; fo muß er bald an:
derswo Arbeit fuchen, weil ein einzelner Naturforfcher denfelben
nicht fortlaufend befchäftigen kann. in folder müßte fo be:
foldet werden, daß er täglich zu einer gewiſſen Zahl von Stunden
fuͤr Arbeiten an der Univerſitaͤt verpflichtet werden koͤnnte. Man
glaubt bey uns Ungeheures fuͤr die Naturgeſchichte zu thun,
wenn man ein Maͤnnlein in fremde Welttheile ſchickt ohne
Diener, Jaͤger, Abzieher, Aufſtecker, Zeichner ufw., während die
Franzoſen ganze Gefellihaften von Naturforſchern und ſelbſt
Schiffe in alle Welt ſchicken. Daher muß man ſich nicht wun⸗
dern, daß ſie fo weit voraus find, und mir und meiftens nur
mit ihren Bildern behelfen müßen, an denen uns dag Herum:
deuteln uͤberlaſſen bleibt. Wir haben allerdings mehrere gute
zoologifhe Sammlungen: allein wie wenig Bildiverfe gehen
davon aus? Einzelnes wohl, aber nichts Ganzes oder wenig:
ftens Ausfülfendes. —
Die zehn Hefte enthalten 40 Tafeln; das vorliegende Co-
pris, Pelidnota, Trichius, mufterhaft; Freßwerkzeuge und Fluͤ—
gel, oft von mehrern Gattungen.
Der Text fuͤhrt die Gattungen auf von Lystra, Phenax,
Copris mit acht Unter-Gattungen; Trichius mit 12.
Die Unterbrehung der Flügel:Adern bey den Käfern Test
ihrer Deutung große Schwierigkeiten entgegen. Es wird nötbig
ſeyn, fie. zu unterfuchen in dem Augenblid, wo der Käfer aus:
fliegt. Das ift freylic eine fchmwierige Aufgabe, welde nur
nah und nach gelößt werden fann und zwar nur von fonft
müßigen Leuten.
Derfelbe,
Hydrarchos Kochii.
28. 2.1.
Bekanntlih hat Harlan 1834. in America zuerft Knochen
von dieem Thier aug dem Arkanfas- Gebirge befchrieben und eg
Basilosaurus genannt, weil er glaubte, es gehöre zu den Pur:
hen. NR. Omen zeigte aber, daß es ein Haarthier fen und
Bemerkungen über Zeuglodon cetoides Owenii,
Halle bey Schwetfchke. 1847, 4.
— —
— —— —
936
nannte es wegen ber Geftalt der Zähne Zeuglodon (Iſis 1839.
602.). Dr. A. & Koch hat nun faft ein ganzes Schrad)
entdedt und nach Europa gebracht, wo e8 zufammengefegt und
bis jest in Dresden, Berlin und Leipzig zur Schau ausgeftellt
wurde. Es ift über 100° lang, alfo ein Ungeheuer, welches
alle wenigftens jegt lebenden Wale übertrifft. Am legtern Drte
hat der Berfaffer Gelegenheit gehabt, diefe ungeheuern Knochen
zu unterfuchen, von denen jedoch nur die Wirbel vorhanden
find, einige Rippen, der Unterkiefer und mehrere Zehenknochen.
Der Unterkiefer ift 3° 10 par. lang, hatte wahrſcheinlich 9
Bühne, welche alle gleihförmig find, längs zufammengedrüdt
mit ungefähr 9 Spiken, wovon die mittlere die längfte. Uns
gefähr der fünfte Zahn ift der größte, gegen 3 hoch; die an:
dern nehmen nach hinten und vorn an Größe ab; jeder hat 2 -
Wurzeln, der größte 9 Spigen, die andern 7. und 5. Sie find
mit Schmelz überzogen. Der Edzahn ift 44 lang, ragt nicht
vor. Das Gebiß hat überhaupt die größte Aehnlichkeit mit
dem der Robben.
Das aufgeftellte Schrah hat 91 Wirbel und ift 51 Schritt
lang, alfo gegen 120°; zwifchen den Wirbeln finden fich die
lofen Rnocdenfcheiben wie bey den Walen. Der größte Wirbel
ift lang über 1’, di 4. Rippenpaare 29, wovon aber 24
einzelne aus Holz; dahinter noh 50 Wirbel, davor 13. Der
DVerfaffer glaubt, daß diefe Anodnung nicht richtig ift, und daß
überhaupt Wirbel von mehreren Thieren in biefem Schrach
ftecfen, verfchieden durch Färbung, Härte, Abnutzung und dal.
Wenn es em Haarthier ift, fo Fann e8 allerdings nur 7 Hals:
mirbel haben. Die verfchiedenen Wirbel werden genau‘ befchries
ben. Die Rippen find nur 22° lang und 3 breit, 11 dic,
Die Zehenknochen find Eurz, nur 4— 6“ lang und 3—6 breit,
alfo mehr wie bey den Pachndermen als bey den Walen, woraus
der Verfaffer fchließt, daß das Thier nicht bloß im Meere
ſchwamm, fondern auch auf das Land rutfchte, wie das Walroß;
annehmen laſſe es fich aber nicht, daß ein fo fchlanfes Thier
4 Füße gehabt habe und auf veftem Boden habe gehen £önnen,
Ubgebilder find Wirbel, Backenzähne und ein Edzahn.
Man muß diefe Abhandlung als einen wichtigen Beytrag zur
genaueren Kenntniß des Thieres anfchen und dem Verfaſſer für
feine Bemühungen Dank ſagen.
Handbuch der Zoologie
von 3. van der Hoeven, Prof. zu Leyden. Nach der 2, Auflage
überfegt von 3. Moleſchott. Düffeldorf bey Bötticher. I Heft 1. 2,
1847. 8. 208, Taf. 1.
Mir haben die erfte Ausgabe diefes Werks früher ruͤhmlichſt
angezeigt, und können nun hinzufügen, daß die neue Ausgabe
mefentlic gewonnen hat, fowohl in der Claſſification als in den
Characteren und den Gitaten. Der Eifer der Naturforfcher hat
in den legten 20 Sahren befonders bey den niedern Thieren
fo ungemein viel Neues entdeckt und ift fo tief in den micro=
feopifhen Bau derfelben eingedrungen, daß eine ganz neue An—
ordnung der niedern Thierclaſſen nöthig geworden if. Das
Alles hat der Verfaffer mit Fleiß und Scarffinn benugt, das
Seinige binzugethan, und fo ift wirklich ein wohlgeordnetes und
reich ausgeſtattetes Merk entfianden, das der Ueberfegung wohl
werth war. Die Charactere find Iateinifch, dabey die Synonyme
und Citate volftindiger als vieleicht nöthig wäre. Jeder Glaffe
937 £
geht eine ausführlichere Beſchreibung voran, mit Geſchichte,
Bau, Lebensart, Fortpflanzung und. der geographifhen Der:
breitung.
Die vorliegenden Hefte enthalten Infuforien, Polnpen, Qual:
len, Echinodermen, die Eingeweidwürmer und die Näderthiere,
Altes ſehr wohl gegliedert, die wichtigeren Gattungen gefchildert,
die unwichtigeren nur an ihrem Plage angegeben, was befonders
bey den Infuſorien und überhaupt bey vielen niederen Thieren
| ganz an feinem Plage if. Die Tafel flelle Infuforien und
Polypen vor, mäßig gelungen.
Mir zweifeln nicht, daß diefer Schrift der Beyfall des Pus
blicums zu Theil werden wird.
Die Glaffification fieht>fo:
- Classis I Infusoria, p. 56.
Ordo I. Simplieissima.
Fam. 1. Vibrionidae; Bacterium, Vibrio, Spirillum.
‘ Ordo I. Rhizopoda.
Fam. 2. Amoebaea: Amoeba (Proteus).
Fam. 3. Arcellina: Arcella, Diflugia, Gromia etc,
Ordo Ill. Atricha.
Fam. 4. Monadina: Monas, Uvella ete.
Fam. 5. Cryptomonadina: Cryptomonas.
‘ Fam. 6. Volvocina: Pandorina, Gonium, Chlamidomo-
nas, Volvox.
Fam. 7. Astasiae: Astasia, Euglena.
Fam. 8. Periphrygana: Actinophrys ete.
Ordo IV. Epitricha. ;
Sectio I. Astoma.
Fam. 9. Peridinaea: Peridinium.,
Sectio II. Stomatoda.
Fam. 10. Trichodina: Trichoda, Enchelys, Bursaria ete.
Fam. 11. Oxytrichina: Kerona.
Fam. 12. Euplota: Euplotes, Aspidisca ete.
Fam. 13. Vorticellioa:
a) Corpore non pedunculato: Stentor, Urceolaria, O-
phrydium etc.
b) Corpore pedicellato: Vorticella, Epistylis, Tintinnns.
Classis II. Polypi, p. 69.
Sectio. I. Anthozoa.
Ordo I. Hydriformia.
Fam. 1. Hydrina. — Fam, 2. Sertularina,
Ordo II. Octactinia.
Fam. 3. Xenina. — Fam. 4. Halcyonina. — Fam 5.
Pennatulina. — Fam. 6. Tubiporina. — Fam. 7. Corti-
cata (Isis. ete.).
Ordo Il. Polyactinia.,
Fam. 8. Madreporina. — Fam. 9. Ocellina. — Fam. 10.
Gyrosa (Maeandrina).
Fam. 11. Fungina.— Fam. 12. Zoanthina. — Fam. 13.
Actinina.
Ordo IV. Bryozoa.
‘Fam. 14. Stelmatopoda (Eschara ete.). — Fam. 15.
Lophopoda (Cristatella ete.).
Classis II. Acalephae, p. 109.
Ordo I. Siphonophorae.
- Fam. 1. Velellidae: -—- Fam. 2. Physophoridae. —
Fam. 3. Diphyidae.
Ordo. I. Ctenophorae.
Eanı. 4. Beroidae.
Iſis 1847. Heft 11.
— — —
938
Ordo III. Discophorae.
Fam. 5. Geryonidae, — Fam. 6. Rhizostomidae. —
Fam. 7. Medusidae. — Fam. 8. Oceanidae. — Fam. 9.
Aequoridae.
Classis IV. Echinodermata, p. 129.
Ordo I. Echinodermata pedicellata.
Fam. 1. Crinoide.. — Fam. 2. Asteridea. — Fam. 3.
Echinidea.. — Fam. 4. Holothuridea.
Ordo II. Apoda.
Fam. 5. Synaptina. — Fam. 6. Sipunculacea.
Classis V. Entozoa, p. 163.
Ordo I, Sterelmintha.
Fam. 1. Cystica. — Fam. 2. Cestoidea. — Fam. 3.
Acanthocephala. — Fam. 4. Trematoda.,
Ordo II. Coelelmintha.
Fam. 5. Nematoidea.
Classis VI. Rotatoria, p. 196.
Fam. 1. Flosculariae. — Fam. 2. Melicertina. — Fam. 3.
Brachionaea. — Fam. 4. Hydatinaea. — Fam. 5. Phi-
lodinaea.
Histoire naturelle des Poissons
par Mr. Le Baron Cuvier et par M. A. Valenciennes.
Strasbourg chez Levrault. t. XX. 1847. 8. 472. PI. 24.
Valenciennes iſt fehr fleißig und es gereicht ihm zu aller
Ehre, daß er diefes große Werk fo gründlich fortführt, wie eg
begonnen worden. Der Stoff mehrt jih von Tag zu Tag,
indem von allen Seiten Fifhe zugefchidt werden, viele von
SchomburgEf aus dem Effequibo, und von Caftelnau und
€. Devilfe, vom Amazonenftrom,
Diefer Band enthält die Sippfchaft der Häringe: und zwar
folgende Sippen und Gattungen :
Clupea harengus, leachii, pontica, elongata, pallasii,
lineolata, virescens, parvula.
Pag. 261. Sardinella aurita, granigera, anchovia, leio-
gaster, lineolata, longiceps, neohowii.
Pag. 277. Harengula latulus, sprattus, clupeola, ma-
eulosa, humeralis, abbreviata, punetata, bipunctata, arabica,
forsteri. h
Pag. 300. Pellona orbignyana, castelnaeana, iserti (a-
fricana), melastoma, leschenaulti, ditchoa, ditchela, graya-
na, dussumieri, vimbella, novacula, mieropus, filigera, mo-
tius, champil, soborni.
Pag. 326. Pristigaster tartoor, cayanus, martii, phaäton,
Pag. 340. Rogenia' alba.
Pag. 345. Clupeonia jussieui, fasciata, commersoni,
vittata, blochii.'
Pag. 356. Spratella pumila, fimbriata.
Pag. 362. Kowala albella, thoracata.
Pag. 366. Meletta vulgaris, mediterranea, senegalen-
sis, matowacca, venosa, suoeriü, obtusirostris, novae hol-
landiae, venenosa, lile.
Pag. 389. Alausa vulgaris, eba, dorsalis, tyrannus,
praestabilis, menhaden, shadina, aurea, striata, maculata.
A. caerulea, palasah, toli, reevesii, mierolepis, chapra,
argyrochloris, melanura‘, scombrina, melanosticta, pil-
ehardus.
59 *
939
Mir glauben, daß die Synonymie beffer hätte angegeben mer:
den follen. Diefe Vernachlaͤßigung wird die Schriftfteller in
große Verlegenheit und Streit bringen. Auch fteht uͤberall nobis,
wenn auch der Verfaffer eine alte Gattung nur in eine neue
Sippe gefeßt hat; endlich iſt bey den etwannigen Gitaten nur
der Name des Verfaffers genannt, nicht aber das Bud. Das
Alles wird man ihm fehr übel nehmen.
Abgebildet find fehr ſchoͤn
Hemiramphus dussumieri, georgii, cuspidatus, dispar.
Exocoetus volitans, altipennis, poecilopterus, rondeletii,
micropterus, dussumieri.
Chirocentrus dorab (Anatomie).
Alepocephalus rostratus.
Chanos lubina.
Gonorhynchus gronovii.
Osteoglossum vandellii.
Vastres cuvieri, mapae.
Schuppen von Mormyrus, Albula macrocephala, Heterotis.
Weber das Electiron der Alten
und den fortdanernden Eiufluß der Myſterien des Alterthums anf die
gegenwärtige Zeitz nebft einem Anhang über einige neuere Gegen=
Hände angewandter Naturwiſſenſchaft von Dr. J. S. C. Schweigger,
Prof, zu Halle. Greifswald bey Koch. 1848. 8. 71. (aus Gru⸗
nerts Archiv der Mathematik und Phyfif IX. X.)
Schweiggers vieljährige, und man darf wohl fagen, fehr
gelehrte und gründliche Unterfuhungen über die mineralogifchen
und phyſicaliſchen Dinge, welche den Alten fhon befannt wa=
ven, fanden nicht die Aufmerkfamkeit, welche fie verdienten,
ohne Zweifel, weil fie der Verfaſſer mit unbeliebten Dingen in
Verbindung brachte, nehmlich Mofterien und Miffionen, Man
that daran fehr unrecht: denn Schweigger hat wirklich Ent:
defungen bey den Alten |gemacht, an die man früher nicht
dachte. Das gilt namentlih vom Platin, vom Magnetismus
und Electrismus, von melden der Verfaffer wohl unmider-
forechlich bemweißt, daß fie den Alten bekannt waren. Wenn
man mit Aufmerkfamfeit lieft, was er über Cassiteros, Ele-
etron, Chalco-Libanon, Orychalcos, Plumbum album fagt;
fo muß man die Ueberzeugung gewinnen, daß darunter nichts
anderes als Platin gemeynt feyn kann. Die Alten feinen
es vom Ural befommen zu haben, vielleiht fogar auch aus
dem Außerften Weften, alfo von America. Die Stellen aus
Homer, Herodot, Plinius, Paufanias werden fleißig
gefammelt, verglihen und erklärt. Außerdem werden verfchie:
dene mythiſche WVorftellungen damit auf eine ſcharfſinnige Art
in Beziehung gebracht, fo daß man ſich wundern muß, wie ein
Maturforfcher zu einer fo vielfeitigen Kenntniß dee Mythologie
und des Alterthumg überhaupt gelangen fonnte. In fpäterer
Zeit kann man freylich auch unter Cassiteros et Electron
andre Dinge verftanden haben, Außer diefen Unterfuchungen
enthält die Schrift noch manches Beherzigenswerthe, mie über
die Benugung des Plinius, über die bey der Ermordung von
des Verfafferd Bruder gegründete Anftalt zur Verbreitung ber
Naturwiffenfchaften in fremden Welttheilen und die Verbindung
derfelben mit den Miffions-Anftalten, was zwar eine ganz
nuͤtzliche Sache wäre, wenn man hinlaͤnglich Geld zur Ausfuͤh—
rung hätte. Endlich über den Einfluß der Myſterien auf bie
940
neuere Zeit, über die
Schießbaumwolle ufw.
mit Intereſſe lefen.
Galvano = PlaftiE zum Kriegsgebrauche,
Mir glauben, jeder werde diefe Schrift |
Correfpondenz - Blatt
des zoologifchsmineralogifchen Vereins in Regensburg.
Nr. 1—6, 80, T. 1.
1845. 8.
In Negensburg befteht bekanntlich faft feit einem Menſchen—
alter eine fehr thatige botanifche Gefellfchaft, welche theils Ab—
handlungen herausgibt, theils die botanifche Zeitung. Nun ift
auch feit Kurzem der ‚obige Verein dazu gefommen. Da er
aus jungen Kräften befteht, fo ift es ihm ſchon möglich ges
worden, feine Arbeiten befannt zu machen. Der Borftand ift
Dr. Herrih-Schäffer, der Secretär Dr. Shud. Die
Zahl der in Negensburg wohnenden Mitglieder beträgt 131.
Der Verein legt aud eine Sammlung an. Das Correfpon-
denz-Blatt ift zunächft für die Mitglieder des Vereins beftimmt,
enthält aber auch Mittheilungen, welche für das größere Publi=
cum Merth haben.
S. 20. fteht eine ausführlihe Darftellung von Herrich—
Schäffer über die Unterfuchungen, welche in der Zoologie
Bayerns anzuftellen find; S. 27. von Fuͤrnrohr über bie
Mineralogie, ,
©. 29. Dr. Waltt, Mittheilungen- ber die geognoſtiſchen
Verhältniffe der Umgebungen von Paffau und des bayerifchen
MWaldes oder des Böhmer» Gebirgs. — Diefes Gebirg war nod)
wenig befannt. i
©. 36. Geognoftifche Skizze über das Vorkommen des
Magnet: Eifenfteins im Uebergangs» Gebirge bey Radnitz in
Böhmen, vom Bergbau Iunfpector I. Mickſch, mit einem
Durchſchnitt.
©. 41. Bemerkungen über Helix pulchella et costata,
vom Patrimonial-Richter Forſter; feyen verfchieden,
©. 61. Bemerkungen zu der Schalen-Lehre von Forſter.
Neue Anfichten.
©. 70. Ueber das Vorkommen des NetinAfphalt3 und des
Bleyganzes in der Steinfohlen- Formation von Pilfen nebjt einer
geognoftifhen Skizze von Mickſch. Dabey ein illuminiertes
Chärtchen.
Voyage
daus l’Amerique meridionale. 1826 — 33. par Alcide D.D’Or-
bign'y. Paris chez Bertrand et Strasbourg chez Levrault.
Wir haben die früheren Hefte diefes ſchoͤnen Werkes früher
angezeigt.
Neu find mieder erfchienen Heft 8L— 89. 1845 — 1847.
Es wird nur noch ein Heft folgen. Jedes Heft Eojtet 124 Fr.,
fpäter 15 Sr. Man kann befonders haben die Charte von Bo—
livia 20 $r., die geologifchen Charten 30 Fr., Gruftareen 40,
Cryptogamen, Foraminiferen, Geologie 75, Geſchichte 270,
Menſchen 45, Paldontologie 45, Meichthiere 250, auch die
andern Glaifen, welche aber noch nicht fertig find.
Sn diefen Heften- find nun Band II. Theil 1. ©. 361 —
464 das Geographifhe und Hiftorifche, Landesproducte, befon-
ders von Bolivia.
Tome II. Th. 2. ©. 1— 192. Defgleihen von den Ne:
publifen Uruguay und Argentina, Mit emem Plan des Dorfs
x
941 6 fi
San Hofe, Miffion von Chiquitos und des Dorfs Concepcion,
Miffion von Moros.
Von den Haarthieren ift Fein Text gefommen, aber 3 Tafeln
fhöner Abbildungen von Werner T. 16. Octodon gliroides
mit dem Schädel. T. 17. Ctenodactylus brasiliensis defs
leihen; T. 20. Cervus antisiensis und das Gemweih von C.
campestris.
Tome IV. Bögel. ©. 353 —395. Keine Ab:
bildungen mehr. Befchrieben find hier:
Pepoaza maritima.
Museigralla n. brevicauda.
Museisasicola n. rufivertex,
striaticeps.
Fissirostres 357.
Cypselus montivagus, andecolus.
Conirostres 358.
Certhilauda cunicularia, tenuirostris, maritima.
Emberiza luteocephala, hypochondria, carbonaria, spe-
eulifera, fulviceps, griseoeristata, atriceps.
Linaria analis.
Carduelis atratus.
Pitylus aureo-ventris,
- Cassicus yaracares, atrovirens, chrysonotus.
leterus maxillaris.
Garrulus viridi. cyaneus,
Tenuirostres p. 568.
Dentrocolaptes lalresnayanus, atrirostris.
Anabates squamiger, unirufus, gutturalis.
Uppucerthia montana, andecola, vulgaris, nigrofumosa.
Serrirostrum n. earbonarium, sittodes.
Conirostrum n. einereum.
Orthorhynchus smaragdinicollis,
eollis.
Trochilus stella, adela.
Scansores 377.
Colaptes rupicola.
Picus cactorum, atriventris, canipileus, puncticeps, fu-
migatus, nigriceps.
Picumnus albosquamatus.
Trogon antisiensis.
Aulacorhynchus caeruleo-einctus.
Die meiften find abgebildet,
Band V. Weihthiere, ©. 489 — 758.
Boran gehen Tabellen über die geographifche Verbreitung an
den Meeresküften von Südamerica in einer befondern Einlei—
tung, ©. 1—43. Dann werden befchrieben:
Lamellibranches p. 489.
Ordo I. Orthoconques p. 495.
Subordo I. Suispalleales: 1. Clavagellidae, 2
Pholadidae, 3. Myacidae, 4. Anatinidae, 5. Saxicavidae,
6. Solecurtidae, 7. Tellinidae , 8. Solenellidae, 9. Venu-
sidae, 10. Cyelasidae, 11. Corbulider:
2) Pholas costata, pusilla, lanceolata, lamellosa, chi-
loensis, subtruncata, erueiger, melanura, tubifera, quadra,
curta, cornea, gibbosa.
3) Solen scalprum, macha, gaudichaudi.
Panopaea abbreviata.
Mactra fragilis, petitii, isabelleana, patagonica, eleryana,
edulis, bicolor, byrolensis.
4) Anatina costata.,
Ende.
mentalis, maculirostris,
pamela, amethysti-
942
%
Periploma inaequivalvis, compressa, ovata, ‚planiuscula,
lentieularis.
Lyonsia (Osteodesma) patagonica, alvaretii, malvinen-
sis, cuneata, brevifrons.
Thracia rugosa.
5) Saxicava meridionalis, solida, tenuis, purpurascens.
6) Solecurtus platensis, dombeyi.
7) Lutraria lineata, papyracea, mutica, lamellosa, trigo-
nularis, coarctata.
Donacilla. (Mesodesma) solenoides, chilensis.
Amphidesma. variegata, reticulata, solida, formosum,
eallida,. purpurascens, lentieularis, rosea, laevis, elliptica,
corrugata, pulchrum.
Tellina punicea, carnaria, constrieta, brasiliana, elerya-
na, petitiana, eburnea. -
Arcopagia solida.
Donax brasiliensis, cayanensis, radiäta, obesa, paytensis.
8) Solenella norrisi.
Leda patagonica, sowerbiana, elongata, cerenifera, gib-
bosa, elenensis, eburnea, cuneata, ornata.
9) Petricola patagonica, rugosa, tenuis, solida, discors,
coneinna, denticulata, elliptica, oblonga.
Venus purpurata, maculata, philippii, flexuosa, dysera,
rubiginosa, paphia, rugosa, pectorina, portesiana, isabellea-
na, tehuelcha, alvarezii, thaca, costellata, mactracea, in-
conspicua, pannosa, peruviana, compta, planulata, spurca,
chilensis, lenticularis, opaca, discrepans, lupanaria, hi-
strionica, subrugosa, eyeloides, tortuosa, antiqua, asperri-
ma, discors, cumingii, mariae, €renifera, pulicaria, alter-
nata, gnidia, solangensis, paytensis, squalida, neglecta,
columbiensis,
10) Cyclas paranensis, variegata, argentina, pulchella,
chilensis, fontainei.
11) Corbula — bicarinata, biradiata, nasuta,
oculata.
Sphena —
Azara labiata.
Pandora arcuata, radiata.
Subordo Il. Integropalleales: 1) Astartidae, 2)
Carditidae, 3) Cyprinidae, 4) Lucinidae, 5) Cardidae, 6)
Unionidae, 7) Trigonidae, 8) Nuculidae, 9) Arcacidae,
10) Mpytilidae, 11) Limidae.
1) Astarte (Crassina) longirostra.
Crassatella gibbosa.
2) Cardita thouarsii, malvinae, compressa, nayiformis,
tegulina, semen, spurca, laticosta, radiata.
4) Lucina (Loripes) Jamaicensis, quadrisulcata, semi-
reticulata, costata, guaraniana, portesiana , vilardeboana,
patagonica, eryptella. N
Eryeina petitiana.
5) Cardium serratum, muricatum, lamarckii, maculosum,
graniferum, biangulatum,consors, obovale, aspersum, ele-
nense, senticosum, procerum.
6) Iridina trapezialis, esula.
Castalia ambigua, quadrilatera.
Mycetopus n. soleniformis, siliquosus, ventricosus.
Unio paranensis, solisiana, variabilis, fontaineana , de-
lodonta, charruana, rhaacoica, multistriata, hylaea, guara-
niana, psammoica, bourrughiana, parallelipipedon, pata-
gonica, obtusa, depressa.
4
943
Monocondylea n. paraguayana, minuana, parchabii, cor-
rientesensis, guarayiana, fossiculifera.
Anodonta sirionus, tenebricosa, membranacea, soleni-
formis, ensiformis, trigona, trapezium, limnoica, lucida,
puelchana, exotica. ‘
Byssanodonta n. paranensis.
8) Nucula puelcha, semiornata, pisum, grayi.
9) Pectunculus longior, tellinaeformis, intermedius, mi-
nor, tessellatus, multicostatus, assimilis, 'strigilatus.
Arca americana, bicops, solida, pusilla, ohesa, labiata,
labiesa, eardiiformis, reversa, emarginata, reeveana, gra-
data, aequatorialis, aviculoides, sowerbyi, grandis , lurida,
nux, alternata, mutabilis, lithodomus, pacifica, cepoides.
10) Pinna listeri, patagonica.
Mytilus elongatus, darwinianus, guyanensis, viator, do-
mingensis, falcatus, platensis, solisianus', rodriguezii, pa-
tagonicus, magellanicus, chorus, americanus, ovalis, gra-
nulatus, chenuanus, soleniformis.
Lithodomus patagonicus, peruvianus, inca.
11) Lima angulata, pacifica.
Ordo I. Plenuroconques, p. 654.
1) Aviculidae, 2) Pectinidae, 3) Chamacidae, 4) Ostra-
cidae, 5) Anomidae.
1) Avicula squamulosa.
2) Pecten tehuelchus, patagonicus, purpuratus, tumbe-
zensis, inca, magnificus.
Janira dentata.
Spondylus princeps, leucacantha.”
Plicatula barbadensis.
3) Chama pellucida, frondosa.
4) Ostrea spreta, puelchana, aequatorialis.
5) Anomia peruviana.
Placunomia foliacea.
Ordo Ill. Palliobranches, p. 674.
Terebratula malvinae, dorsata, rosea, fontainei, chi-
lensis.
Lingula semen.
Orbicula lamellata, cumingii.
©. 686. folgt die Erklärung der Tafeln 1 — 85.
©. 713 — 758. das Regifter.
Die Tafeln find meiftens illuminiert, und enthalten gewöhn:
lich nur die Schalen. Thiere find hier abgebildet:
Mactra bicolor, Pleriploma ovata, Lyonsia patagonica.
Tome V. Partie 4. Zoophytes 1839 — 1846.
Div. I. Bryozoaires.
1) Fam. Cellaridae.,
Crisia patagonica.
Crisidia edwardsiana.
Bicellaria puelcha, aculeata.
Canda patagonica.
Cellaria ornata.
Acamarchis neritina, brasiliensis, multiserialis.
Eucratea ambigua.
2) Escharidae.
Escharina torquata, chilina, bougainvillei, isabelleana,
edwardsiana, simplex, elegans, cornuta, alvareziana, co-
stata, brongniartiara, regularis, rimulata, armata, peru-
viana.
Membranipora echinata, spinosa, irregularis.
944
Flustra tehuelcha, puelcha, inca, isabelleana, peregrina.
3) Tubuliporidae.
Tubulipora organisans, clypeiformis.
Crisertia n., dichotoma.
Alecto eburnea.
Idmonea milneana.
Fascipulipora n. ramosa.
Vineularia (Glauconoma) elegans, pentagona.
Hornera americana.
Pustulipora rustica.
4) Terebriporidae n. j
Terebripora ramosa, irregularis.
Div. I. Anthozoaires, p. 24.
1) Fam, Thoidae.
Thoa lamourouxiana, patagonica, tehuelcha, edwardsiana.
2) Sertularidae.
Sertularia patagonica, milneana. \
Dynamena pulchella.
Plumularia simplex, patagonica.
3) Tubularidae.
Tubularia rugosa, fasciculata, arbuscula.
Unterfuchungen
über die Aimofphäre des menfchlichen Körpers von Dr. A. ©, Oru:
ber, Collegienrath zu Petersburg. Berlin bey Hirſchwald. 1945, 8, 95.
Das Schriftlein beginnt mit den verrufenen Pendelfchwin-
gungen nnd erregt daher anfangs eine Art Angft, als würde
es felbft darein verfallen. Das ift jedoch Eeineswegs der Fall,
fondern diefe Pendelfhmwingungen dienen nur zum Cingang
von ſehr intereffanten phyfiologifhen Betrachtungen, welche über
viele Erfcheinungen in den Sympathien, in Laͤhmungen, überhaupt
in den verfchiedenften Nerven-Thaͤtigkeiten Auffchluß geben oder
wenigſtens zu neuen Betrachtungen anregen koͤnnen. Was die
Dendelfhwingungen betrifft, fo kommen fie ‚bey dem Verfaſſer
Eeineswegs als Gegenftand der Sonderbrfeit oder gar der Wün—
ſchelruthe vor, fondern als wiſſenſchaftlicher Gegenftand, ber
mithin Berudfichtigung verdient. Er hat diefe Verſuche fehr
mandyfaltig abgeändert und gefunden, daß nicht der Puls, nicht
Electricität Veranlaffung deffelben feyen, daß die Willenskraft
darauf wirfe, und daß man den Gegenftand anſchauen müße,
mithin Nerventhätigkeit dabey im Spiel fe, Das bringt der
Derfaffer in Beziehung mit vielen andern Sonderbarfeiten der
Senſibilitaͤt, z. B. mit der Thatſache, daß bey einer Lähmung
des Arms ein Gegenftand in der Hand gehalten werden Eann,
fo lange der Kranke darauf ſieht, daß derſelbe aber herausfällt,
fobald ſich der Blick abwender. Bey einigen Lähmungen koͤnnen
manche Kranke die Finger nur ſchließen, wenn fie einen Stock
umfajfen oder fcharf darauf fehen. Dabey muß die centripetale
und centrifugale Innervation der bepderley Merven, nehmlich der
Empfindungs = und Bewegungs -Newen, eine Rolle fpielen.
Diefe Idee führe nun der Verfaffer weitläufiger aus, indem er
fie mit vielen neuen phyfiologifchen und pathologifhen Erſchei⸗
nungen unterftügt, Er unterfcheidet dabey eine peripherifche
und eine centrale Merventhätigkeit und gründet darauf eine
Theorie zur Erklärung diefer manchfaltigen Erſcheinungen. Das
muß man in dem Büchlein ſelbſt nachlefen, was gewiß nicht
ohne Befriedigung gefchehen wird. 3
. — — — — ———
308.
401.
457.
463.
481,
522,
943,
357.
Innhalt der SiS,
Jahrgang 1847. Heft I-XI.
A; Nady der Reihe
A. Nach der Reihe.
Heft J.
Buquohy, Urgegenſatz ; Metaempiriſches.
Löw und Zeller, Falter aus der Türkey und Aſien.
Kaup, Monographien der Talfen. Falconinen.
Heft IL
Kaup, Milvinen,
Zeller, Falter aus Stalien I.
Thienemanns Zeitjehrift für die Ornithologie.
Hefe II.
Kaup, Aceipitrinen.
Zeller, Falter aus Italien IT. i
Bücher von Engelmann, Smidt und Fode, Strauss
Dürdheim,
Heft IV.
Kaup, Nquilinen,
Zeller, Falter aus Stalien III.
Bücher von Ernft, >. Wagner, Preusker, Ollweiler,
Cuvier und Streubel, Stabile, Herrmannfen,
Meneghini, Nylander, Giebel, Leopold, Acad.
C. Langsdorff.
Heft V.
—— philoſophiſche Aufforderungen: Zuſtand der Philos
ſophie.
Kaup, Buteoninen.
Derfelbe, Ueberſicht der Falken von Linne, Gmelin,
Azara, Vieillot, Leſſon.
Buͤcher von W. Fuchs, Jaubert und Spach, Schnizlein,
M. Römer, Mauz, Trog, Gottſche, Rabenhorſt,
Meneghini, Unger, Fraas, Coſta, Engelmann,
Schmarda, Sars, Ch. Schmidt.
Heft, VI.
Zeller, Falter aus Stalien IV.
Graf von der Mühle, über Schlegels Vögel,
Bücher von Vittadini, Fürnrohr, Sturm, Fries,
Krombholz, Briefe, Pritzel, Fisinger, Thienes
— Bulletin von Petersburg, Meyer- Ahrens,
uvier,
Heft VII.
Zeller, Falter aus Italien V.
Giebel, Knochen aus dem Sevefenberg.
Bücher von Gok, Altertfums= Freunde im Rheinland, Fürn-
rlohr, Dupondel, Giebel.
Dfen, über die Schädelwirbel gegen Hegel und Göthe.
Iſis 1847. Heft 12.
B. Nach den Wiffenfchaften,
Seite
561,
594,
397.
604,
616,
641.
673,
692.
721.
772.
774.
781.
790,
733.
795.
796,
797.
801.
859.
864.
865.
866.
869.
877.
881.
C. Namen der Berfaffer.
Heft VII.
Zeller, Falter aus Italien VI.
Liljeborg, über das wilde Rennthier,
Giebel, Bervollfommnung der Thiere.
Hartlaub, weftindifche Vögel.
Bücher von Nöggerath, Bögner, J. Müller, Laviz—
zari, W. Fuchs, Ph. Schmidt, I Nömer, Jaubert
und Spach, Dalenciennes, Euvier und Streubel,
Lepeletier, Drfted, Sturm, Plucar, Berthold,
Haidinger, Genna, fehlefifche Geſellſchaft, Nyt Magazin,
Berl. Acad., Stannius, Berein zu Riga, Steenftrup,
Aleffandrini, Panizza, Aßmannn, Owen, Pouchet.
Heft IX.
Zeller, Falter aus Italien VII.
Trautvetter, zur allgemeinen Naturgefchichte,
Verein zu Riga, Menzel, Balencienneg, Menfe, Du—
jardin, Billa, des Murs, Linnaea entomologica,
Redtenbacher, Hawle und Corda, Giebel, Kröyer,
Tſchudi, Schinz, ©. Bonaparte, Lepeletier und
Brulle, Genua, Archives du Museum, Sachſe, Jä—
ger, Reichenbach und Richter, Zürchier Geſellſchaft,
Eicher, Heer, Ban der Hoeven, Autenrieth.
Heft X.
Zeller, Falter aus Italien VII.
Srauenfeld, Lebensart von Orectochilus,
Geognoſtiſche Charte von Sachen,
C. Bonaparte, Claffification der, europäifchen Haarthiere;
der Lurche und Fifche,
Swainfon, Thiere in Menagerien.
Bücher von Swainfon, A. Smith, Linnean Transact.,
Hamburger Verein.
Robert Brown, Glaffification der Rafflefiaceen,
Curtis, Neit von Dielocerus et Myraptera.
Newport, Glaffification der Chilopoden,
Heft XI.
Zeller, Falter aus Italien IX.
E Burdach, Grund der weißen Farbe.
Museum de Strasbourg, jablonowsfifhe Gefellfchaft,
Schweizer Gefellfchaft, Pollichia, Harz = Verein, Zurati,
Linnean Transact., . Bed, EBurdach, Dumortier,
Bagge, Panizza, Grube, C. Bruch, Nardo, Filippi,
Dlivieri, Brodmann, PBacini, Geoffroy St. Hi—
laire, Berthold, Tſchudi.
Lereboullet, Zisen des Coypus.
G Naumann, Spiralen der Conchylien.
Köllifer, Hectocotyle als Männchen von Dintenfchneden,
Biographie von Stephan Geoffroy St. Hilaire,
Heft XI.
Zeller, Falter aus Italien X. Schlaf.
nn I
Yz1
915.
927.
Halbertsma, über Leeuwenhoek. h
Bücher von Ziegler, C. Fifher, Endlider, Voßler
un Tſchudi, Shmidlin
930. Dom Verein zu Niga, M. Römer, Prigel, Nägeli,
Berge, Kiede, 9. Schmidt, !
954, Don Burmeifter, Ban der Hoeven, Valenciennes,
Schweigger, Verein zu Regensburg, d'Orbigny, Öruber,
Beeren
1. I. zu Kaups Balken, ©, 383.
B. Nach den Wiffenfchaften.
1. Allgemeines.
Buquoy, ©. 1. 321.
Berölferung von Kärnthen 310,
Bock, Statue Theoderichs zu Aachen. 549.
Dfen, über die Schävelwirbel gegen Hegel und Göthe 557.
Bevölferung von Genua. 713,
H. Raturwiffenfhaften.
Thienemanns Zeitfehrift für die Ornithologie. 159.
Smidt und Tode, Verfanmmlung der Naturforfcher in Bremen, 235.
Acta Academiae leopoldinae XXI. 2. p. 381.
Accademia degli Aspiranti Naturalisti. 392,
Bulletin de l’Academie de Petersbourg. V. p. 475.
Verſammlung der Naturforfcher zu Genua. 625. 710, 869,
Schleſiſche Gefellfchaft 1845. 627.
Nyt Magazin for Näturvidenskaberne V. 1.
Berliner Academie 1842. 1843. ©, 629,
Correſpondenzblatt des naturf. Vereins zu Riga, I.
Arheiten deſſelben J. 1. 692. 930,
Menke, Seitfihrift für Malaco = Zvologie I. U.
Linnaea eutomologica 11. p. 699,
Archives du Mus. d’Hist. nat. III. 713,
Sacfe, allgemeine naturhiftorifche Zeitung I. 714.
Der naturwiffenfchaftliche Unterricht auf Gymnaſien. 715.
Abhandlungen der naturforfchenden Geſellſchaft in Züri, 718.
Typfehrift voor naturlife Geſchiedenis XU. 719,
Linn. Transact. XIX. 2. p. 79. XX. 1. p. 861.
Abhandlungen des naturwiffenfchaftlichen Vereins in Hamburg I. 799.
Schweizerifche Gefellfchaft zu Winterthur 1846, 867.
Vierter Jahresbericht der Pollichia. 868.
Bericht des Harzvereins für 1846. 868,
Leben, Arbeiten und Lehren von Stephan Geoffroy St. Hi—
Inire 877.
Kegensburger Verein 940.
p. 628.
©. 632, 692. 930.
695.
II. Phyſik und Mineralogie.
Chionit. 477. Dihydrit. 477. Monazitrit. 477.
Völknerit. 477.
Geognoſtiſche Eharte von Sachen, 774.
6. Burda), der wahre Grund der weißen Barbe,
Tagilit. 477.
859,
IV Bo tamtr
Reißeck, feldititändige Entwicelung der Pollenzelfe. 319.
Saubert und Spachs orientalifche Pflanzen. 385. 618,
Bruni, angebaute Pflanzen in Italien. 396.
Elias Fries, Pflanzen Glaffification. 465.
A, v. Juſſieu, Malpightaceen.
Griffith, Entwickelung des Keims bey Santalum. 795.
Robert Brown, Eintheilung der Nafflefinceen. 796,
Fee, über das Mutterforn. 864,
Pakenham, neue Pflangen aus Indien, 870,
948
Apodanthes 796.
Botrytis 319.
Carex grahami 795.
Conferva 319.
Frostia 796.
Generatio equivoca 319. Psammogeton 871.
Malpighiaceae 713. Sapria 796.
Petrosciadium 871. Sphacelia 864.
Phaxocordylis 871. Streptolirion 871.
Pilostyles 796. Zellen 319,
V. Zoologie
Zeller, Verzeichniß der von Löw in der Türkey und Afien gefam-
melten Falter. 3.
Kaup, Claſſification der Vögel. 39,
— Monographien der Falconiden.
Zeller, Falter aus Italien,
721. 801. 881.
Grafvon der Mühle, über Schlegels Vögel. 457.
Fitzingers Glaffification der Lurche. 469,
Duponchel, Gaffification der Falter. 550.
Liljeborg, über dag wilde Nennthier. 594.
Giebel, Vervollfommnung der Thiere. 597.
Hartlaub, Vögel Weftindiens, 604,
Oerſteds Glaffification der Plattivürmer. 621.
Blucar, Fiſche auf dem Marfte zu Trieft. 623.
Raſch, Vögel Norwegens. 628. R
J. Müller, Gaffification der Fifche. 631.
Trautvetter, DVertheidigung der vier alten Elemente. 673.
Derfelbe, Nachweifung der vier Naturreiche. 682,
5. Dujardin, Glaffification der Eingeweidwürmer. 696,
Burmeifter, Mundbildung der Laus. 699,
Hawle und Eorda, böhmifche Triboliten. 700.
Lepeletier und Brulle, Glafüfication der Immen.
Verany, Strahlthiere des Mittelmeers. 710,
Frauenfeld, Lebensart des Orectophilus. 772.
C. Bonaparte, europäifche Haarthiere. 781.
Derfelbe, Glaffification der Lurche, 786.
Derfelbe, Glaffification der Fiſche. 787.
Swainfon, Thiere in Menagerien. 790,
Curtis, Nefter von Dielocerus et Myraptera. 796.
Newport, Glaffificatien der Chilopoden. 797,
Lereboullet, Ziten des Myopotamus coypus. 865.
Naumann, Spiralen der Conchylien. 866.
Köllifer, Hectocotyle als Männchen von Dintenfchneden. 869
39. 85. 161. 241. 325.
121, 213. 284. 401, 481. 561. 641,
707.
Thiernamen
(3ellers neue Falter ſ. S. 909.)
Accipitrinae 161.
Acidalia 19. 498.
A. polygrammata 501.
A. pygmaearia 499.
Acontia 17. 452.
Ac. solaris 452.
Acronycta 17. 437.
Adactyla 88.
Adela 33. 816.
Aechmia 36.
Aesalon 59.
Aetotriorchis 357.
Agalmopsis elegans 398.
Agrotis 17. 439.
Ameifen 317.
"Amphidasys 18.
Amphipyra dilucida 441.
Anarta 450, '
Anchinia 34. 852.
Anch. pyropella 823.
Anerastia 31.
An. punctella 767.
Anthocharis 227.
Anthoecia 17.
Anthophila 17. 481.
Anthophila velox 482.
Anthophila vespertalis 481.
Aquila 241.
Aquila naevia 459.
Arachnactis 398.
Archibuteo 325.
Arctia 17.
Ardea bubulcus 462.
Argymis 124.
Asopia 23. 590.
Aspilates 18. 489,
Apilates sacraria 491.
Aspis 668,
Astur 186,
Asturina 187. **
Atychia 29.
Aviceda 344.
Baza 341.
Bidens 56.
Boarmia 18. 492.
Boarmia correptaria 18.
Bombyx 421.
Boreus hiemalis 475.
Botys 22. 567.
B. carnealis 570.
Botys polygonalis 573,
Bryophila 438.
Bufo niger 800.
uteo 325.
C. punctuaria 495.
€. suhpunctuaria 496.
Calantica 811.
Callimorpha 16.
Canis spelaeus 540.
Caradrina junceti 445.
Carcina 845.
Carpocapsa 168.
C. fagiglandana 668.
Catocala 484.
Cerastis 447.
Cerchneis 46,
Chara 127.
Charaxes jasius 127.
Chelidopterus 87.
Chelonia 16.
Chesias 495.
Choreutis 25. 641.
Ch. stellaris 642,
Choristodon 800.
Cidaria 19. 504.
Circaätus 256.
Circus 9.
Cleophana 448.
Coceyx zephyrana664.
Cochylis 28. 739.
Coleophora 36.
Col. cuprariella 36.
Col. fuscicurnis 37.
Colias 6..228.
Cosmopteryx 37.
Cossus 424.
Coypus 865.
Crambus 28. 743.
Cr. contaminellus 7536.
Cr. eyrilli 760,
Cr. funiculellus 760.
Cr. inquinatellus 753,
Cr. tentaculellus 748.
Sricetus songarus 477.
Crocidosema 721.
Cucullia 448. z
Cygnus bewickii 465.
Cymindis 351.
Eypriniven 789,
Cytaeis 398.
Daeudalion 186,
Daptrius 202. 353.
Dasycera 33.
Das. imitatrix 35.
Deilephila 15. 420.
Depressaria 836.
Dielocerus 796.
Diodon 56.
Diphyes 398.
Doris tenera 393.
Dosithea 515.
Dupouchelia 588.
Echinaster 399.
Elachista 38. 88.
Elanus 108.
Elysia 711.
Emberiza lesbia 462.
Endotricha 593.
Cosm. argyrogrammos 37.
End. corticalis 593.
Ennomos 484.
Ennychia 652.
Epischnia 31. 769.
Ep. venosa 31.
Erastria 17. 452.
Er. minufa 452.
Er. ostrina 454.
Er. parva 453.
Eriocottis 812.
Erythropus 47.
Euchelia 15:
Eudorea 29. 761.
E. coarctata 29.
Euploea 3.
Euprepia 432,
Eupr. villica 433.
Exogone 718.
Falco 58.
F. arcadicus 66. 459.
F. candicans 459.
F. coneolor 360.
F. eleonorae 360. 459.
F. feldeggii 73.
C. lanarias 458.
Falconine 44.
Falter, aftatifche 3.
Falter, italtänifche 121. 213. 284,
401, 481. 561. 641, 721. 801,
8831.
Felis spelaea 522.
Ficedula ambigua 460.
Fidonia 492.
Filograna 399.
Fiſche, Aufons 549.
Sifche, von Como 694,
Fiſche, bey Genna 712.
Gampsonyx 109.
Gastropacha 421.
Gelechia 36. 845.
Gennaia 69.
Geometra 18. 486.
Geometrae 484.
G. coronillaria 487.
Geranospiza 183.
Giraffe. 864.
Glareola pallasii 462.
Glaucopteryx 9.
Gleha 398.
Gnophos 19.
Crapholitha 26. 732.
Gymnogenys 260.
Gymnops 354.
Gypsictinia 120.
Hadena 17.
Haematornis 261.
Haemylis 836.
Haliaätus 272.
Halias. 24.
Hapsifera luridella 32.
Harpagus 56.
Harpella 823.
Harpyia 208.
Heliothis 17. 451.
Helotarsus 253.
Hesperia 12, 285.
Hercyna 653.
Herminia 561.
Herpetotheres 257.
Hesperia 12. 285.
Hesperia alveolus 288.
Hesperia fritillum 290.
Hesperia pumilia 291.
Heteroaätus 278.
Heterogenea asellana 654.
Heteropus 245.
Hiera&tus 243.
Hieraspiza 169.
Hierax 44.
Hierofalco 76.
Hipparchia 4. 130.
Hipp. lupinus 130. 138.
Hipp. telmessia 4.
Hirundo boissoneauti.
Hyaena spelaea 525.
Hydroictinia 117.
Hydrophis schizopholis 800.
Hymenoptera 706.
Hypena 561.
Hyponomeuta 835.
Hypotia corticalis 59.
Hypotriorchis 62.
Hyptiopus 341.
lbicter 352.
Ichthyaetus 270.
Ichthyoborus 333.
Ictinia 83.
Ictinoa&tus 275.
Idaea 20. 505.
Id. calabraria 505.
ld. incanata 511.
ld. luridata 20.
ld. ostrinaria 21.
ld. ruficostata 507.
Id. ischnoscelis 183.
Janthina 394.
Janus 711.
Jeracidea 77.
Lampros 823,
Lanius meridionalis 460.
Larentia 19. 501.
Lepidogenys 341.
Leucania 446,
Leucophasia 228.
Leucopternis 210,
Leucospiza 197.
Libythea 4. 285.
Limenitis 127.
Limnaetus 1683,
Liparis 425.
Lithosia 16. 429,
Lomanctus 711.
Lophotes 165.
Lophospiza 187.
Lophotes 341.
Lucernaria 398,
Lycaena 8. 147.
L. aquilo 11.
L. balcaniea 8.
L. loewii 9.
L. trochilus 9.
Lyonetia 88.
Macagua 257.
Macroglossa 15. 419. 420.
Mamestra 444.
Melanthia 20.
Melierax 191.
Melitaea 3. 123.
Micronisus 188.
Micropteryx 214.
Milvinae 83.
Milvus 112.
Minoa 20.
M..fliavicornata 20.
er EEE — - =. [ —
950
Morphnus 201.
Motacilla melanocephala 461.
Musecicapa flaveola 607.
Myelois 29. 761.
M. argyrogramınos 29.
M. ceratoniae 764.
M. incompta 30.
M. obliqua 31.
Myopotamus 865.
Myraptera 797.
Naclia 16. 429.
Nauclerus 87.
Nematois 33. 817.
Nem, barbastellus 33.
Nematopogon 816.
Nephopteryx 771.
Nisaetus 163.
Nisus 170.
Noctua 17. 435.
Nymphula 23. 581.
N. aetnaealis 587.
N. interpunctata 584.
N. numeralis 586.
Obisium megalochelum 39.
Odontriorchis 346.
Oecophora 35. 824.
Oecophora apicalis 35.
Oligobranchus 399.
Onychaätus 245.
Ophiusa 484.
Opostega 88.
Orectochilus 772.
Ornix columbaepennella 393.
Paedisca 722.
Palpula 822,
Pandion 268.
Paunychestes 47.
Papilio 6. 213.
Paranthrene 418.
Parisifalco 354.
Parus sibiricus 461.
Passer salicarius 462.
Pediculus 699.
Pempelia 32. 801.
Penthina aceriana 656.
Perdix francolinus 462.
Perisonimus 399,
Pernis 339.
Phalangium spinipes 394.
Phalcobaenus 333.
Phibalocera 845.
Phlogophora 443.
Phoxopteris 28. 738.
Phycidea 31. 768%.
Phycides 761.
Pieris 5. 119.
Plusia 17. 448.
Plutella 34. 818.
Poecilopternis 329,
Poecilopteryx 86.
Poecilornis 49.
Poliodysodea +44,
Polihierax 47.
Polioa&tus 270,
Poliornis 265.
Polyhoroides 260.
Polyborus 349.
Polyommatus 7. 147.
P. ottomanus 7,
Puntia 219.
Poterion 393.
Procris 15.
951
Pr. obscura 15.
Psecadia 36. 836.
Psyche 425.
Ps. apiformis 426.
Pternura 168.
Pterolonche 896.
Pterophorus 38. 902.
Pt.loewii 38. 804.
Pygaera 424.
Pyralides 561.
Pyralis 22. 562.
P. cuprealis 563.
P. netricalis 564.
P. phoenicis 393.
Pyrausta 23. 644.
Pyr. chlorealis 651.
Py D punicealis 647.
Pyr. sanguinalis 644.
Pyrrhula sinaica 462,
Regerhinus 344.
Nennthier 594.
Rhinosia 36. 845.
Rhizostoma 394.
Rhodocera 3. 284.
Rh. cleopatra 284.
Rh. farinosa 5.
Rostrhamus 351.
Rupornis 202.
Rytina 475.
Sälicaria olivelorum 460.
Salpa 399.
Saturnia 17. 421.
Safyrus beelzebub 393.
S. Iyssa 141.
S. tigelius 141,
Saurothera 605.
Saxicola aurita 461.
Scalibregma 399.
Scelospiza 173.
Sciaphila 25. 669.
Sc. lvewiana 25.
Scopula 22. 566.
Senex 352.
Sericoris 27. 669.
Ser. artemisiana 27.
Sesia 12. 401.
S. leucomelaena 12. 410.
S. loewii 14. 401.
S. tineiformis 417.
S. trivittata 13.
Sphinx 419,
Spilocircus 101.
Spilornis 261.
Spizacircus 109.
Eee 161.
Spizageranus 202.
Spizastur 168.
C. Berfaffer
Bock 549,
Bonaparte 781.
Brandt 475. 477.
Brown 795.
Bruni 396.
Buquoy 1, 321.
Burda) 859.
Burmeilter 699,
Gorrigliano 393,
Gofta 393. 394,
Curtis 796,
Stegania 493.
Stenoptera 35.
Sternaspis 711.
Strigiceps 92.
Sylvia cettii 461.
S. elaeica 460.
S. galactodes 460.
S. ochrogenion 460.
S. saltatrix 461.
Syncorina 398.
Syntomis 307.
Syrichthus 12.
Tachyspiza 172,
Tachytriorchis 328.
Talaeporia 801.
Tanagra zena 607.
Tegostoma comparalis 581.
Teras 739.
Tetrao scoticus 462,
Thais 6.
Thalassaetus 283.
Thecla 6.
Thecla caudatula 6
Theratopius 253.
Thrasaötus 208.
Thyris 12,
Tichornis 51.
Tinea 32. 802.
Tin. augustella 804.
Tin. imella 809.
Tin. kollarella 805.
Tinnunculus 46.
Tischeria 88.
Todus 605.
Tortrices 653.
Tortrix 24, 697.
T. pronubana 657.
Triphaena 442.
Tritonia acuminata 393,
Turdus ruhripes 606.
T. solitarius 461.
T. varius 461.
Urospiza 180.
Urubitinga 206.
Vanessa 4. 125.
Vermetus 711.
Vultur auricularis 459.
Xanthia 447.
Ypsolophus 34. 820.
Zerene 504.
Zethes 17.
Zeuzera 424.
Biten des Coypus 86h.
Zygaena 15. 296.
Z. erythrus 296.
Z. nostradamus 291.
Z. transalpina 303.
der Aufjäße.
Dujardin 696,
Dupondel 550,
Fee 864,
Tißinger 471.
Frauenfeld 772.
E. Fries 465.
Giebel 522. 597.
Griffith 795.
Halbertsma 915.
Hartlaub 602.
Herrmann 479.
|
Soly 864.
Sunghuhn 470
Suffien 713.
Kaup 39, 85. 161. 241, 325,
Kolenati 475.
Köllifer 869,
Lavocat 864,
Lereboullet 865.
Liljeborg 594.
Martino. 343,
Don der Mühle 457,
3. Müller 631,
Naumann 866,
Newport 797.
952
Dfen 475. 478, 549, Se 634,
Orſted 621.
Päsquale 393.
Reißeck 319.
Sars 398.
Saſſi 711.
Ph. Schmidt 800,
Swainſon 790.
Tommaſi 394.
Trautvetter 673.
Verany 626.
Zeller 3. 121. 212. 284. 401.
481. 561. 641. 721, 801, 881
D. Verfaſſer der Bücher.
Academie zu Berlin 629.
Acad. leopoldina 318.
Acad. de Petersbceurg, Bullet
475.
Essercitazioni Acc. degli Aspi-
ranti 392.
Annali d. Asp. 375.
Bulletino d. Asp. 395.
Alefandrini 635.
Archief, Fruidfundig 469,
Archives du Museum III. 713.
Aßmann 636,
Autenrieth 720.
Avellino 395.
Bagge 873.
2. Bed 871.
Berge 932.
Berthold 624, 879.
Bogner 616,
Bonaparte 706.781.
Brocdmann 876.
Bruch 874.
Brulle 706.
E. Burda) 872.
Burmeiiter 934,
Charte, geognoftifhe 774.
Corda 702.
Coſta 392.
Gotta 774.
Guvier 312, 478, 620,
Des Murs 698,
Dozy 467.
Dujardin 696,
Dumeril 478.
Dumortier 872,
Duponchel 550.
Durazzo 626.
Duvernoy 479.
Gnolicher 928.
Engelmann 234. 396.
Ernſt 808,
Eicher, Arn. 717,
Filippi 875.
Fiſcher 927.
Fitzinger 469,
Tode 235.
Trans 391.
E. Fries 465.
MW, Fuchs 385, 617.
Fürnrohr 464,
Gandolfi 625.
Genova 625. 710. 869,
Iſ. Genffroy 877,
Geſellſchaft, jablonowskiſche 866,
Geſellſchaft, ſchleſiſche 627.
Geſellſchaft, ſchweizer 867.
Giebel 317. 555. 702.
Gok 545.
Gottſche 389.
Grube 874.
Gruber 944.
Gymnafien 715.
Haidinger 625.
Hawle 702.
Heer 717.
Herrmannſen 316.
Hornſchuch 633.
Jäger 715.
Jahrbücher der Alterthumsfreunde
548. ”
Saubert 385. 618,
Kröyer 702.
Krombholz 466,
Langsdorff 320,
Laurillard. 478.
Lavizzari 616.
&epeletier 620. 706.
Lindenberg 389.
Linnaes entomologica 699.
Lurati 869,
Magazin, nyt 628.
Maız 389,
Memoires de Strasbourg IH.
864,
Meneghini 316. 390.
Menge 695,
Menzel 693.
Meyer-Ahrens 477.
Molkenboer 467,
Monti 694.
C. Müller 632. 692, 930.
5. Müller 616.
Nägeli 931.
Nardo 875.
Naumann 774,
Nees 389,
Nöggerath 616.
Notaris 626,
Nylander 317.
Dlivieri 876.
Dllweiler 312,
Drbigny 940.
A, Orſted 621. *
Owen 637.
Pacini 877.
Pallavicino 625.
Panizza 635. 873
Pareto 625.
Plucar 623.
953
Pollichia 868.
Pouchet 639,
Preusfer 311.
Prigel 468. 931.
Rabenhorit 390,
Redten bacher 700.
Reichenbach 715.
Richter 715.
Riecke 932.
Röner 387. 617. 930.
Sachſe 704.
Sars 397.
Suffi 626.
Schlegel 457.
Schmarda 397.
Schmidlin 929,
Chr, Schmidt 399,
Th. Schmidt, 617,
A. Schmidt 794. 933,
Schweigger 939,
Schnizlein 385.
Smidt 235.
Sodoffsky 692. 930.
Spach 355. 618,
Spinola 625.
Stabile 315,
Schinz 705.
Stannius, Butyrinus 632,
Straus 238,
Steenſtrup 633.
Streubel 312, 620,
Sturm 464. 623,
Swainſon 790.
TIhienemann 159, 473.
Transact. linnean
XX. 869,
Trog 389.
Tſchudi 703. 880,
Typfchrift NL. 719.
Unger 391.
Dalenciennes 618. 694, 938.
XIX. 795.
— ——— — — —
Nachträge und Correctionen zu Kaups Falconiden.
954
Van der Hoeven 719. 936,
Verein zu Hamburg 799.
Verein des Harzes 868.
Verein zu Regensburg 910.
Verein zu Riga 632. 692. 930.
Billa 697,
Bittadini 469.
Voßler 929,
Vrieſe 467. 719.
J. Wagner 309.
Zeitung, naturhiſtoriſche 714.
Ziegler 927,
Züricher Mittheilungen 717.
Züriher Stiftungsfet 717,
Seite
49. Tinnunculus sparverius. Zu diefem füge die Syn. gracilis,
isabellinus et cinnamominus Swains. Unter legterem Namen
befindet fich im brittifchen Muſeum ein Meibchen, welches dem
Männchen im Gefieder gleicht.
59. F. aesalon. Herr von Homeyer glaubt, daß das von mir
befchriebene Weibchen das fogenannte Hahnengefieder als zufällige
Abweichung trage. Diefe Art niftet häufig in Schottland, von
wo der zoologifehe Garten in London 17 Stück erhielt und les
bend unterhält. Die Mehrzahl war afchgrau, und nur wenige,
beftändig fehreyende Junge waren braun. Bey diefer Art fireiche
das Citat Columbarius, welcher als Art oder Subjpecies ſich
durch 4 Schwanzbinden deutlich unterfcheidet.
71. Falco tanypterus Licht. Im Berliner Mufenm befinde fich
nach brieflichen Nachrichten unter diefer Benennung der F. cer-
vicalis. Unter dem Namen tanypterus erhielt von Berlin das
Leydner Mufeum die leßtgenannte Art. Ich glaube deßhalb, daß
man dafelbit die Mainzer Exemplare auf Gerathewohl bejtimmt
bat. Der Name kann deßhalb nicht bleiben und der Schlegel—
ſche Name Feldeggii wäre defhalb vorzuziehen, wenn nicht
ermittelt werden fanı, ob Latham ihn als callidus bereits
beſchrieben hat.
88. Bey Ictinia ftreiche man das Subgenus Poecilopteryx. Sch
würde diefen Irrthum nicht begangen haben, wenn id) beide
Arten des Genus Ictinia an ein und demfelben Ort hätte ver—
gleichen können.
94, Bey Circus cyaneus entfernt als Unterart den Circus uligi-
as, cc fi) in dem Jugendfleid, vielleicht auch in dem des
Weibchens, von dem der alten Welt unterjcheidet.
Circus histrionicus verfege in die Nähe des Circus macro-
pterus.
Zu den Rohrweihen füge die neue Art: C. spilonotus Kaup.
Kopf Schwarz, Flügel und Schwanz nicht gebändert. Untere
Theile weiß, Kehle und Oberbruft mit ſchwarzen Schaftitreifen.
fen 90., Mittelzehe 42 Din. lang, Vaterland: Afien? (Zoo—
Garten.)
ilvus ftreihe das Subgenus Hydroictinia, weil die
fi nicht von Milvus regalis unterfcheiden lafjen. Die
ttellen ji): parasiticus, affınis, govinda, ater, re-
2
8
7
18.
175. Unfer Nisus fringillarius it der Grundtypus, um den fid)
mehrere gruppiren, die man als Subſpecies betrachten muß.
Diefe find: N.exilis, fringillarius, madagascariensis, fuscus
und eine neue Art, Nisus oder Accipiter erythronemus, G.
Gray. — Bolivia.
183. Den Namen Geranospiza habe ih) in Geranopus verändert,
fo wie alle in spiza ( Pink) ſich endigenden Namen in Spizia
(Sperber) zu ändern find,
197. Der Craxirex gallopagoensis Gould ift als ächter Astur
als Subfpecies unter Ast. unieinetus zu ftellen. Er unterjcheidet
ſich als alter Vogel, daß der Flügelbug fchwarzbraun und nicht
roſtroth gefärbt iſt, auch zeigt er etwas größere Dimenftonen,
Iſis 1847, Heft 12.
Seite
Die Kopfzeichnung der Figur, welde Gould in Beagle Pl. 2.
gegeben, it nicht genau,
204. Zu dem Subgen. Rupornis, wohin die Arten magnirostris,
meridionalis (rutilans ) et urubitinga gehören, füge die Art
Asturina meridionalis Lath. (Falco buson, Buteogallus
cathartoides Less., Circattus solitarius Tschudt.) — Sie
fteht im Gefteder des alten Vogels der A.urubitinga am nächiten.
210, Zu den Aıten des Subgen, Leucopternis füge Asturina po-
lionotus @. Gray., welche möglicherweife fynonym mit me-
lanotus Vieilt. feyn kann,
262, In das Subgen. Spilornis zähle man die Art Circaëtus fascio-
latus Kaup. Alle Kopffedern zugefpigtz. Unterbruft, Bauch,
Hofen weiß, mit 3-4 afchgrauen, zum Theil roſtröthlich anges
flogenen breiten Querbinden auf jeder Feder, — Eine fehr aus—
gezeichnete Art von Port Natal, Brittifches Mufeum.
262. Statt Circaätus bacha fchreibe cheela Lath., welches der
ältere Name ilt.
265. Zu dem Subgen. Poliornis füge man die Art Circastus pyr-
rhogenys, welcdje die Herren Temmind und Schlegel in
der Fauna japonica als Buteo p.21, befchrieben haben, Wünz
fohenawerth wäre e8, wenn der Name geändert würde, da bey
feinem Naubyogel ein feuerfarbiges Golorit vorkommt. Diefer
buffardähnliche Circaetus hat am Kopf eine roftfarbige Zeichnung.
(Leyden, London, Darmitadt.)
328. Zu dem Subgen. Tachytriorchis gehört der Buteo albonota-
tus, von welchem das syn. unicolor d’Orbig. zu entfernen ilt,
welcher eine ſchwarze Varietät des Buteo erythronotus ift.
329. Als neue Art in das Subgen, Poecilopternis ift zu fügen: Bu-
teo infulatus Kaup. — Diagn.: Flügel 364, Schwanz 200,
Tarj. 80, Mitteljehe 35 Mm. lang. Ich kenne nur den jun—
gen Vogel mit breiter weißer Stirnbinde. Steht dem lineatus
am nächſten. Gallopago =Infeln. Brit. Mufeum,
331. Ben Buteo erythronotus werde ich in meinem großen Werk
viele Farben = Warietäten befchreiben. — Wie man diefe Art mit
pterocles verwechjeln kann, d.h. wenn man wirkliche Ptero-
cles beſitzt, iſt mir jetzt nicht mehr erklärlich. £
333. Bey Buteo aequinoctialis jtreiche die irrigen Citate buson etc.
weg und nenne die Art B.nigricollis Lath. (busarellus Daud.)
335. An die Spitze der eigentlichen Buteo ijtdie Art B.plumipes Gray.
(Circus Hodys.) zu ftellen. Tarſe über die Hälfte befiedert.
Gefieder rußſchwärzlich.
338, 3u Buteo vulgaris bringe das Citat B. tachardus Daud. Vieilt.
t. 19. , der fich als Art nicht unterfcheivet. Das Vorfommen von
B. lagopus et vulgaris am Cap ift allerdings merkwürdig.
341. Das Swainfonifche Genus Aviceda ift zu ftreichen ; denn die
Art cuculoides ift zu dem Subgen. Baza zu zählen. Den Per-
nis eueuloides erhielt das brittifche Mufeum unter der neueren
Benennung R. verrauxii. Er fteht dem Pernis suberistatus am
. nächiten. Port-Natal und Senegal. — Die Swain. Beſchrei—
bung it mangelhaft und der Zeichnung fehlt der kurze Nackenzopf.
354. Zu Ibicter montanus füge das Citat albogularis Gould.
Beagle Birds t. 1.
60*
EEE
913
45. Bey Hierax erythrogenys lied: H. erythrogenys (mas), se-
riceus (foem.)
52, Statt Baftard zrüttelfalfe Lies: Buſſard-rüttelſalke.
56. In dem Character von Harpagus lies: Acht ſperberförmige
Flügel, ſtatt nicht fperberfürmige.
57. In d. Ch. des Subgen. Aesalon lies: an der Innenfahne bes
flimmt ausgefchnitten.
63. 3.15. v. o. ftatt-wie Schwalben lies : wie Schwalben fangen,
73. In der Note lies: um beym Meffen der Spitze ufw.
97. 3.8, v. u. lies: ſchwache ftatt ſchwarze.
103. 3. 23. v. u. lies: und ftatt in. >
117. 3. 22. lies: Anlage zum Stoßtauchen, b
118, Zwifchen die Beſchr. des M. affinis ift die von parasiticus
fehlerhaft eingefchaltet.
120, In der’ Note berufe ich mid) auf Zeichnungen, die wegen ber
Koften weggelafien wurden. Die Note blieb dephalb fehlerhaft
ftehen.
163. In der Diagnofe von Limnaetus lies: 37 —43.
242.
212,
335. 3. 26.
342,
34.
249. 3. 24. v. u. lies? Scheitel jtatt Schenkel.
376.
377. 3.2.2. u. lies:
378.
383.
darf feiner Erklärung.
914
Fehler Seite
Seit 166. 3. 6. lies: wie Limnaetus, das 1. Subgenus.
Seite
167. 3. 25. v. u. lies: Spiziaetus bellicosus.
179. 3. 12. v. u. lies: Anwendung flatt Anorbnuiig.
189. In der Diaguofe des Ast. monogrammicus lies: Schwanz
gegen das Ende mit breiter weißer Binde,
Bey Ast. rueppellii fehlt das Gitat polyzonoides A. Smith.
3. 2. v. u. lies: daß er daſelbſt die Namen.
In dem Character von Aquila lies: Nägelverhältniß lang.
3. 21, er unten lies: das 51. Subg. Uraetus..
„1, lies: pagaui. . =
3. 21. v. o. liest "Pernis lophotes Cuv. es, J
3. 12. v. u. lies: Zehenrücken. “re —
189.
196.
Bey Nr. 39. ſtreiche Elanoides etc.
deutsche ftatt brittifche,
3.9. v.u. lies: Azara Nr. N
Bey dem Genus Hierax ftreiche das 1. ’
Bey der Erflärung der Tafeln lies 1. jtatt I. Die Zufel J. de
Die kleinern Fehler fan der Lefer Teicht berichtigen.
©. 548, füge „Baͤrſch“ ftatt „Band,
=
— —
——
nn a — Zn